Ur 151. AdomremrMs• Kedingunzra: «bonnementZ- Preis pränumerando: Wterleljährl. 3,30 Tit., monatL i.ioMk.. wöchenlltch LS Pfg. frei in! Hau«. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonnlagi- Nummer mit illustricrler EonntagZ- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für isss unter Dr. 7320. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich auster tvonlag». Devlinev Volksblatk. 16. Jahrg. Die Insertlons-Gebühl. beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- zetle oder deren Raum«0 Pfg., für Politische und gewerlschastliche Berein«- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fet». Inserate für die nächste Nummer müssen bi« S Uhr nachmittag« In derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Nestlagsn bt« S Uhr vormittag« geöfsnet. Fernsprecher: Sink I, Dr. 1508, Telegramm-Adresse: «Sorlaldimokrat Berlin" Centrawrgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19. Beuch-Strafze 2. Sonnabend, de,» 1. Juli Expedition: SW. 19, Venth-Steaj'ze 3. Abonnements-Einladung. Mit dem 1. Juli eröffnen wir ein neues Abonnement auf den mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Unterhaltutigsblatt und der Sonntags-Beilage „Die Mvuv RVett". Für Berlin nehmen sämtliche Z e i tun g S sp e d it e ur e, sowie unsere Expedition, Bcuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für alißerhalb nehmen s ä m t l i ch e P o st a n st a l t e n Abonnc- mentS zum Preise von 3 Mark 30 Pfennig für die Monate Juli, Angnst und September entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-ZritnugS- liste für 18gS unter Nummer 7820). Bon dem Roman im UnterhaltungSblatt erhalten ncn hinzu« tretende Abonnenten die bisher crschi neuen Fortsetzungen nach- geliefert. Die Redaktion des„Vorwärts". Die Fälschung, welche im Bureau des deutscheu Reichstags verübt worden ist, hat, wie das nicht anders sein konnte, ein ungeheueres Aufsehen erregt. Die reaktionäre Presse, für welche die Aufdeckung dieses wohl beispiellosen Skandals ein be- tüubendcr Schlag ist, hat sich bisher begnügt, den Brief Ballcftrems ohne Konimentar und an möglichst wenig aus- fälliger Stelle zunr Abdruck zu bringen— die übrige Presse ist aufs tiefste empört, hat aber zum Teil noch nicht d i e Sprache vollständig gefunden, welche zur Brandmarkung und Kennzeichnung der That die allein passende ist. An anderer Stelle veröffentlichen wir die �Urteile der Presse, soweit sie von Belang sind. Und nun über die That selbst einige Worte. Die Fälschung setzt ein ungewöhnliches Maß von Selbst vertrauen und Keckheit auf scitcn der Urheber voraus. Der Urheber, sagen wir, denn ein einzelner konnte, der Natur der Sache nach, die That gar nicht verüben. Die Urheber waren Leute, die gewohnt sind, sich über Gesetz und Recht hinwegzusetzen und die durch Erfahrung zum Glauben gelangt sind, daß sie keine Strafe zu bc- fürchten haben. Es ist im Reichstag sehr oft schon vor- gekommen, daß z. B. auS den Räumen der Wahlprüfungs- Kommission wichtige Aktenstücke zeitweilig oder für immer verschwunden sind. Jedermann nannte im PrivatkrciS den oder die Urheber, allein keiner ist jemals deshalb zur Verantwortung gezogen worden. Das ist diesmal anders. Tiesmal liegt in der Handlungsweise eine so freche übermütige Beschimpfung und Herausforderung des Reichstags, daß dieser den Hand- schuh aufnehmen und gern oder ungern die Sache ausfechten, dem Frevel die Sühne folgen lassen muß. Aber nicht bloß gewohnheitsmäßige Verächter von Recht und Gesetz müssen die Urheber der Fälschung gewesen sein, sondern auch Männer von großer geistiger Beschränktheit— Leute, die, über Recht und Gesetz sich erhaben dünkend, von der Unmöglichkeit ihrer Bestrafung überzeugt, die einfachsten Regeln der Klugheit außer acht lassen und ohne Berechnung der Folgen ihres Handelns vorgehen. Ter Zweck des Handelns liegt sonnenklar da, und ist auch an sich durchaus logisch vom Stand der Reaktionäre. Hatten wir es nicht schon erlebt, daß durch einen Druckfehler wichtige Gesetzesbestimmungen aus der Welt geschafft wurden, lvarum nicht eine dem herrschenden System überaus unbequeme parla- mentarische That ungeschehen niachen durch eine ein- fache Fälschung— durch das Einschieben einiger Worte, die der vom Reichstag in seiner erdrückenden Me�r- heit gebilligten und dem Sinne nach geforderten.Er- klärung des Präsidenten die Spitze abgebrochen und ihr jede Bedeutung genommen hätten? Ein genialer Gedanke! Nur daß wir, unter Umdrehung des Schillcrschcn Wortes, dabei ausrufen müssen: Wär's nicht so herzlich dumm, man wär' versucht, es sehr gescheit zu nennen. Vielleicht mochten die Urheber der—„Korrektur" oder „Redaktion", die an die„Korrektur" und„Redaktion" der Emser Depesche durch Bismarck erinnert, darauf bauen, daß die„rettende That" nicht sofort bemerkt werden würde, und sie mochten, da der Reichstag nun fünf Monate Ferien hat, sich denken, daß nach Ablauf dieser Zeit der ganze Vorgang ver- gössen und Graf Ballestrein sich auch inzwischen abgekühlt haben würde. Das war freilich der Scharfsinn eines Monomanen, eines beschränkten Hirns mit fix auf einen Punkt gerichtetem Denken, das alles nicht auf der geraden Linie zum Ziel Liegende Übersicht. Ein normales Hirn hätte sich sagen müssen, daß der Vorgang im Reichstag bei seiner außerordentlichen Wichtigkeit sich scharf und genau dem öffentlichen Geist eingeprägt haben mußte, und daß die Fälschung, wenn sie auch jetzt nicht ent- deckt worden wäre, doch bei der ersten Gelegenheit, wo der vom Präsidenten Ballestrein aufgestellte Grund- satz im Reichstag zur Anwendung kam, hätte entdeckt werden müssen. Dann hätten die Urheber der Fälschung doch unmöglich dem Präsidenten und den 200 Mitgliedern, die seine Worte gehört und sich wohl gemerkt hatten, einreden können, die nicht gesprochenen neun Worte, m i t denen zu- sammen die anderen ganz nichtssagend sind, wären that- sächlich gesprochen worden. Ueberdies hätte ein Blick auf das Originalstenogramm, welches aufbewahrt ist, jede Möglichkeit der Annahme einer Sinnestäuschung oder Hallncination ausgeschlossen. Kurz, der Betrug mußte an den Tag konimen. Aber Dummheit ist ein Faktor, der gerade in den Kreisen, aus denen die Fälscher und die Fälschung ztveifellos hervorgegangen sind, eine sehr große Rolle spielt. Und was von dieser skandalösen Fälschung gilt, gilt es nicht von dem ge- sainten Thun der Reaktion— nämlich, daß es geeignet ist, das Gegenteil dessen zu bewirken, was die Urheber er- streben? Gerade durch diese unverschämte Herausforderung ist der Reichstag moralisch gezwungen, den Kampf aufzunehmen. Dies ist aber ein Kampf, in tvelchem die Volksvertretung nur zu gewinnen hat. O» * Sündenbock. Nachdem die Fälschung im Stenogramm deS Reichstags ertappt worden ist, sucht man die Sache als Harmlosigkeit zu deuten. Die „Post" stellt die lufiige und lustige Vermutung ans, ivahrscheinlich habe ein dem Präsidenten Grafen Ballestrein nahestehender Ab- geordneter, der schon öfter für ihn Noten im Stcnogranun durch- gesehen habe, die Acndcrung vorgenommen: von einer Eigclmiüchtigkeit des- RcichstagSbureans könne keine Rede sein. Die„Nat.-Ztg." dagegen teilt mit, es sei f e st g e st e l I t worden, daß die Acndcrinig deS Stenogramms von einem Beamte» dcö Ncichstago herrühre, der i n zwischen eine Rüge erhalten habe. Näheres will der„B. L." auf dem Bureau des Reichstags erfahren habe»: dies Blatt schreibt: „Es liegt ein unglückliches Mistvcrstäiidnis bor. Daß c§ übersehen worden, daran trügt die nervöse Stinimnng und Hast die Schuld, welche die Begleiterscheinung aller Schluß- s i tz u» g e n ist. Aber im Bureau ist der Irrtum bereits erkannt und unter die Berichtigungen aufgenommen worden, die nach jeder Session in üblicher Weise durch die Register nach- geivicscn und verteilt werden.. Es ist bereits aiigc- ordnet. durch Versendung der Berichtigungen auch diese» Irrtum klarzustellen. Der Beamte, der die Ver- >v i r r u n g angerichtet hat, ist ermittelt. Es ist Sache des Präsidenten, ob er weiteres gegen den betreffenden Herrn beim Wicderznsammentritt des iHcichstagcS unternehmen will. Zn kleinen redaktionellen Aenderuugen glauben die Korrektoren sich zuweilen befugt. So ist auch diese Acndcrung hincingcloiiimen, deren Tragweite der Herr um so weniger ermessen konnte, als er die vorausgegangene Rede des Abgeordneten Nösicke nicht gelesen hatte." Wex soll das glanbcn? Kein Beamter des Reichstages kann so unfähig sein, die Umgestaltung der Worte des Präsidenten als „kleine redaktionelle Acudcrnng" anzusehen, lind warnin hat das Bureau deS Reichstages, nachdem die Presse Lärm schlug, kein Wort der Aufklärung veröffentlicht, sondern Tage laug geschwiegen, bis die Berichtigung deS Präsidenten selbst erschien. Tie aufgestörten Sünder suchen einen Siindcnbock. Man sucht einen untergeordneten Beamten vorzuschieben. Nachdem der böse Streich kläglich mißlungen, möchte man eine VcrivechslungS- komödie vorspiegeln. Doch niemand wird sich dadurch täuschen lassen.—_ Die Bergarbeiter- Unrnhe» im Nnhrrevier. Der Verzweiflungsausbruch der polnischen Bergarbeiter scheint in der Hauptsache wieder unterdrückt zu sein. Die letzten Nachrichten ans den» Streikgebiet lauten beruhigend. W. T. B. meldet unterm 30. Juni: Der Streik der Äohlcngrubcnarbcitcr scheint sich seinem Ende zu nähern. Ans sämtlichen Zechen, welche sich im Ausstände bc- fanden, ivar heute früh ein großer Teil der Arbeiter angefahren. Die Fehlenden dürsten jedenfalls im Laufe des Tages noch an- fahren. In der Stadt herrscht Ruhe; neue Ausschreitungen sind nicht vorgekommen. Von der heutigen BormittagSschicht fehlten auf den Zechen „Shamrock I und II" 214 von 9(33 Mann, auf der Zeihe„Van der Heydt" 12ö von 390, auf Zeche„Julia" 130 von 332, auf „Friedrich der Große' 170 von 820. auf„Konstantin der Große" 31 von 332 und auf Zeche„Mont Csnis" 300 von 935 Man». Auch der Donnerstag, der ein katholischer Feiertag war, verlief völlig ruhig. Die Zahl der Streikende» beläuft sich ja nach diesen Meldungen noch auf ca. 1000 Mann, nach einer uns soeben zugehenden Nachricht sind sogar noch die dreifache Zahl ausständig, aber darin stinnnen die Nachrichten übcrcin, daß keine Unruhen mehr vorkommen. Unrichtig ist die von uns gestern mitgeteilte Angabe der „Rhein.-Wcstf. Ztg.", daß man die Forderungen der Streikenden nicht renne: es haben sich vielmehr Vertreter derselben zu den Distrikten der Zechen„Julia".„Van der Heydt", „Shamrock" und„Friedrich der Große" begeben und ihre Forderungen vorgetragen: 4 M. gegen 3,20 M. für die Steinschlepper. 3, 75 M. gegen 2,60 M. für die Kohlen- schlepper und 3,25 M. gegen 2 M. für die Pfcrdcjnngen. Die Zechen lehnten aber ab, mit den Streiken- den zu verhandeln. Die Zechenverwaltungen haben, um die Forderungen der Streikenden als unberechtigt erscheinen zu lassen, eine Lohn- skala mitgetheilt, dabei aber nicht angegeben, daß diese Löhne an Häuer gezahlt werden, während die Streikenden Schlepper,; Steineträger und Pferdejungen sind, die bedeutend lveiiigerl bekommen. Um die Unruhen recht würdigen zu können, geben wir; hier noch ein Situationsbild unseres Dortmunder Parteiorgans.! Da heißt es: Ein berittener Gendarm wurde um 3 llhr abends(am 28. Juni) von der Menge mit Steinen beworfen und mußte fliehen. Daraus erschien eine Abteilung von sechs Gendarinrn und Polizisten und hieb ans die Leute ein. Als hierani mit einem Steinhagel geantwortet wurde, kam es auf der Bahnhosstraße zu einer schreck« lichcu Scene. Die Abteilung begann zn feuern: die Gendacineil zielten bedächtig und fast jeder Schuß s a ß. Die Polizei schoß mit Revolvern. Das Feuern dauerte 10 Minute n. Man zählte etiva 30 Schüsse. Die Menge floh natürlich Hals über Kopf und ließ ans dem Schlachtfelde neun Opfer zurück. Ein Arbeiter war sofort tot. die andern schienen zum Teil schwer ver- ivnndct zn sein. Ihr Jammern war herzzerreißend. Auf Karren wurden sie ins Krankenhaus gebracht. Nachträglich sind noch einige verschieden. Bei dem Transport der Schlachtopfcr stieg die Erbitterung der Masse bedenklich, ivcSwcgen zwei Polizisten noch einige Schüsse abfcncrtcn. Später zog eine Patrouille von zwei Polizisten und einem Gendarm durch die Bahnhofstraße, anSgiebig Säbelhiebe rechts und links ansteilcnd. Der Kampfplatz lvar mit Blut und Fleischfetzen bedeckt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Mangel an Kaltblütigkeit bei der Polizei sein gut Teil dazu beigetragen hat, die leicht erregbaren, ohnehin zu Gewaltthätigkeiteu ge- neigten Leute zu reizen und die Ausschreitungen zu ver- schärfen. Die Scharfmachcrei wird unterdes trotz all der offen- knndigeu, von uns dargelegten un d von niemand b e- st r i t r e n e n Thatsachrn mit unzerstörbarer Dreistigkeit fort- gesetzt. Auch die amtliche„Berliner Korrespondenz" schließt sich den Scharsmachern an niik der Behauptung, daß die Social- demokratie trotz alledem die Mitschuld nicht ablehnen könne, denn„die verhängnisvolle Lehre, daß eine Minderheit Streiklustiger der arbeitswilligen Mehrheit ihrer Arbeits- kameraden ihren Willen aufdrängen dürfe, und daß solchen- falls die Niederlegung der Arbeit, die Anfrechterhaltung der Arbeitssperre und die Fernhaltnng der Zuzügler selbst mit despotischen und widerrechtlichen Mitteln erzwungen werden dürfen, hat in Herne Wurzeln geschlagen, welche jetzt eine mächtige Triebkraft enttvickeln". Das ist wiederum bewußte Lüge. Welches auch unsere Lehre sei, so waren wir doch erst gestern in der Lage, die nach dieser Richtung gewiß unverdächtige Feststellung der„Deutschen Tnges-Zcitnng" zu citicreu, daß unsere Lehre bei diesen Arbeitern keinen Boden gefunden habe. Ueberdies schreibt auch heute die „Rheinisch-Westf. Ztg.": „Die Socialdemokratie. die jeden Zusammenhang mit den AnSschreitnngen gegen Arbeitswillige von der Hand iveist, kann jetzt zeigen, daß' sie nicht unter„Koalitionsfreiheit", die niemand antastcii will, Freiheit für die Ranfereien von Radanbrüdern meint. Wenn der„Vorwärts" den Zusammenhang der Partei mit den Unruhen,»vie wir glaube» mit Recht, abweist, muß er ein Interesse am Schutz der A r b e i t S>v i l l i g e n haben." Demgegenüber können wir uns darauf beschränken, die "National-Zeitnng" zu citiren, welche schreibt: „Die Bemühungen der offiziösen und der„Scharfmachcr'-Presse, auS den Herner Tumulte» Kapital für gesetzgeberische UnterdrückungS- maßregeln zn schlagen, sind durch den Verlauf der Unruhen rasch auf de» Sand gesetzt worden. Hätten diese irgend etwas mit denjenigen Verhältnissen zu schaffen, welche eine Erweiternng des Z 153 der Gewerbe-Ordnung erwägenswert erscheinen lassen, so würden wir gciviß keinerlei Grund haben, cS zu bestreite»: denn wir haben bor und ivährend der RcichStagSvcrhandlung über den Entwurf zunr Schutz der Arbeitswilligen eine derartige nähere Erwägung auf Grund der§§ 1 und 2 desselben empfohlen, und wir glauben, ivic alsbald nach der Reichstags- Vcrhandlnng an dieser Stelle ausgeführt wurde, daß sie trotz der vor- läufige» Ablehnung der Konnniisionsberatnng nach dem Wieder« beginn der Sitzungen im Herbst stattfinden ivird. Aber die Vor- gange in Herne lind Umgegend haben damit nicht das mindeste zn schaffen. Straßentumnltc müssen von der Polizei, nötigenfalls mit militärischer Hilfe, unterdrückt werden: und Widerstand gegen die StaatSgcivalt, Körperverletzung, Landfriedensbruch, Aufruhr sind im Strafgesetzbuch mit schweren Strafen bedroht; zur Ahndung derartiger Handlungen bedarf es keines neuen Gesetzes." Nolitifiche Mvbvv�zk. Berlin, den 30. Juni. Lucanus geht um. Die Situation in Preußen ist schwierig, die vom Kaiser gewünschte Kanalvorlage begegnet störrischen Hemmnissen. Die Liberalen wünschen Auflösung des Abgeordnetenhauses, die„Kölnische Zeitung" wütet gegen die Junker und lechzt nach vermehrtem Einfluß der Großindnstrickreise in preußischen Fragen. Aber diese rheinischen Wünsche und Hoffnungen werden sicherlich nicht erfüllt werden, der O st c n hat die Freundschaft der Regierung, die Blut vom Junkerblut ist, trotz Kanalvorlagc und unerfreulicher Starrnackigkeit. Diese Regierung in Preußen denkt zuletzt an einen Bruch mit den agrarischen Freunden. Wohl aber muß eiwas geschehen, um die verfahrene Karra in Bewegung zu � bringen. Schon haben sich in den Beratungen der Kaualkoiuinissiou die Aussichten des Gesetz- cntwurfcs gebessert, eine Anzahl schlcsischcr Ccntnuusleute geben ihren Widerstand auf. Aber noch ist der Ausgang nicht sicher; an wenigen Stimmen für oder wider hängt daö Ergebnis der Abstimmung. Es muß etwas besonderes gcthan werden, um eine Anzahl unsicherer Stimmen zu gewinnen und den Kanal- sieg zu sichern. Der Chef des kaiserlichen CivilkabinettS Herr v. Lucanus erschien am Freitagmittag im Abgeordnetenhaus und hatte eine längere Konferenz mit Herrn v. Miguel, ivorauf er sofort nach Travemünde abreiste, um dort den Kaiser zu treffen. Vielleicht handelt cS sich dabei nur um Berichterstattung über den Stand der Kanal- beratungen. Vielleicht aber auch um Aenderungen in den obersten preußischen StaatSämtern, durch welche die Vorlage gesichert werden soll. Es heißt, Fürst Herbert Bismarck fei auscr'schcn, an Stelle des Frciherrn v. d. Recke das Ministerium des Innern zu über- nehmen. Fürst Bismarck würde die Itnifchwenkung der Land- täte zu Gunsten der Vorlage leicht erreichen, während die Autorität des Herrn v. d. Recke auch bei den Konservativen gleich Null ist. Fürst Bismarck hak nicht ohne Absicht kürzlich im Reichs- tage den Grafen Bülolv, den Leiter der auswärtigen Politik, mit unmäßigen Lobsprüchcn bedacht. Vielleicht darf er nun sagen: E s ist e r r e i ch t I— Sächsisches. Der Preßprozeß, der am Donnerstag in Dresden gegen die Redactcnre deZ„Vorwärts" und der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" wegen angeblicher Beleidigung des„Dresdener Journal" stattfand und in dem das Urteil noch aussteht, ist aus mehrfachen Gründen bemerkenswert. Schon die Gepflogenheit, wegen formeller Beleidigungen, die im hitzigen politischen Streit gefallen sind, den Richter anzurufen, wird in den weitesten und für journalistische Ehre empfindlichsten Kreisen kcineslvcgs als Zeichen feineren Ehr- gefühlS angesehen. Am wenigsten findet ein solches Vorgehen Beifall, wenn ein Blatt den Richter anruft, das selbst gegen seine politi« schcn Gegner eine Sprache führt, die von beleidigenden und schimpfenden Wendungen überfließt. Ganz besonders bemerkenswert ist aber das Unternehmen, die angebliche Beleidigung der Rcdactcnre des„Journal" in eine B e a m t e n bcleidignng umzudeuten. Das sächsische Ministerium des Innern hat den Strafantrag gestellt s ü r dic� Beamten des„Journal" und der Staatsanwalt ver- tritt diese seltsame Auffassung, daß der„Vorwärts" und die „Sächsische Arbciter-Ztg." sich nicht der Beleidigung schlichter Zcitungsrcdacteure, sondern Zeitungen schreibender Staats- b c a m t e r schuldig gemacht haben. ES ist ja interessant zu hören, daß königlich sächsische Beamte ein Blatt zu verantworten haben, das in seiner geistigen Qualität sowie in seiner Tonart selbst hinter den mäßigen Ansprüchen, die an ein sächsisches Ordnungö- und Regierungsblatt gestellt werden dürfen, weit zurückbleibt. Doch kann diese reizvolle Thatsache nicht dazu führen, daß eine Beleidigung dieser Redacteure als Beamten- beleidigung bestraft weiden kann. Denn mögen die Herren Redacteure auch Beamte sein, so sind sie cS doch nur, soweit sie amtliche Arbeiten in dem Regierungsblatte besorgen. Solveit sie sonst Artikel schreiben oder schneiden,— mag die Regicning auch von ihnen verlangen, daß sie im Rcgierungs- sinne schreiben oder schneiden—, so ist dies zwar eine Thätigkeit, welche Beamte üben, aber nicht in ihrer Eigenschaft als Beamte, sondern als Privatleute. Wäre«S anders, so würde»! sich äußerst seltsame Folgen crgebcii. Es würden Redacteure verschiedenen Ranges geschaffen werden; der normale Redactcur einer Zeitung hat das Recht, Strafantrag zu stellen, wenn es ihm beliebt, der Beamten- Redactcur dagegen muß sich beleidigt fühlen, wenn es seiner vorgesetzten Behörde beliebt, auch wenn er selbst die Pflichten schriflstcllerischcr Kollegialität zu gut kennt, um wegen irgend einer Prcßpolemik sogleich zuin Kadi zu laufen. So wird der Beamten- Redactcur zu einem Rcdactenr zweiter Ordnung herabgedriickt, welche Rolle anständigen Persönlichkeiten gewiß nicht lieb sein dürfte. Andererseits würde der Prozeßgcgner des beleidigten RcdactcnrS in eine besonders ungünstige Lage kommen. Hat er einen„gewöhnlichen" Redactcur beleidigt, so wird sein Vergehen leicht mildere Beurteilung finden, fintemalen die Ehre cineS„PreßjünglingS" nicht nur vom Reichstags- Viccpräsidentcn v. Frcge nicht sehr hoch eingeschützt wird. Ist der Beleidigte aber ein„ B e a m t e n- R e d a c t e u r", so würde der Angriff auf seine Ehre weit schwerer geahndet Ivcrden, da die Gerichte in der Beleidigung eines Vertreters der Staatsautorität einen Angriff gegen diese Staatsantorität selbst zu sehen Pflegen. Die Folge wäre, daß derjenige, welcher sich genötigt sieht, heftige und unberechtigte Anschuldigungen eines von„Beamten-Redactcuren" redigierten Blattes zurückzuweisen, bei jedem scharfen Wort Gefahr lällft. besonders schwer verurteilt zu »verden. Jener Versuch des sächsischen Ministeriums, die Aintsblatt-Ncdacteure in Beamte zu verwandeln, würde also diesen Redactcuren ein gesetzlich unzulässiges und gehässiges Privileg verleihen. Wir glauben nicht, daß das Gericht diesen Ansprüchen olgen wird. Wir erinnern schließlich noch daran, daß der ä ch s i s ch e M i n i st e r d e s I n n e r n, H e r r v. M e tz s ch, selbst iiu Landtage, als die Schreibweise der beiden Amts- blättcr,„Lcipz. Ztg." und„DrcSd. Journal", Tadel erfuhr, wiederholt und ausdrücklich erklärt hat, dasi die Regierung natürlich nicht für alle im nicht- amtlichen Teile dieser Blättcr erschienenen Artikel die Beranttvortung tragen wolle! Damit hat der sächsische Minister selbst zugegeben, daß die Redacteure dcS„Journal" bei der Ausarbeitung des nicht-amtlichen Teiles des Blattes nicht im Amtsberus thätig sind, sondern nur dasselbe Verhältnis zur Regierung haben wie irgend ein Redacteur zu dem Herausgeber seines Blattes. Stellt derselbe Minister jetzt Strafantrag für die„Beamten" de?„Jvnrnal", so wird das Gericht diesen Strafantrag auf Grund der eigenen früheren Worte des Ministers zurückiveisen müssen._ In Belgien hat die Regierung noch immer nicht" gcthan, was die»villkürlich hcraufbcschivorciie BolkSbewegmig zum Stehen bringen lönute. Es laufen zwar Gerüchte um, der König beabsichtige, das Ministerium zu entlassen und die Wahlrcchtsvorlage zurückzuziehen, aber Bc- stätigungeu dieser Nimahnten liegen nicht vor. Und doch läge es lediglich im I n l e r c s s e der Monarchie, der Bolksciilpöruna gegenüber einzulenken. Die Vorgänge in Brüssel erinnern zu deutlich an die 1848 er Februarrevolution in Paris, durch die der Bürger- könig Louis Philipp mit seiner Regierung hinlveggefcgt »vurdc, als daß der König der Belgier sich nicht criisllich die Frage vorlegen sollte, ob eS im Interesse der Erhaltung seiner Dynastie nicht geboten»väre, sich, so lauge es noch Zeit ist, von dem llcrikalcu Ministerium und dessen frechen Äahlcutrcchtuiigs- Plänen zu trenne». Am Donnerstag battcn die Straßenknudgebiingen schon fast den Charakter einer tv irklichen Revolution erreicht. Aach der Unterbrechung der Kämmersitzniig begaben sich die s o c I a l i st i s ch e n Abgeordneten nach der EingangSthür der Kmiiincr, wo'sie von der Menge mit Beifall begrüßt»Vinte». Polizei und Gendarmerie drängte einen Teil der Menge nach dem Park zurück, einem anderen Teile gelang es, sich vor der Thür des Kammcrgcbändcs anziisammelu. Der Ab- geordnete FnriiemonS hielt von einem Fenster aus eine Ansprache. Die Gendarmerie trieb die johlende, pfeifende Menge zurück. Um 6 Uhr qräugte sich eine kompakte Masse durch den Kordon der Polizisten und Gendarmen, lvclche die Rne Royal absperrten. Vor dem KricgS- miuistsrinm zogen Gendarmen zu Pferde blank und drängten die Menge zurück. Ein Gendarm fiel vom Pferde, lvaS in der Menge große Freude hervorrief. Die ans der Kammer tretenden focialiftifchen Deputierten setzten sich an die Spitze des sich nunmehr bildenden Zuges; man rief:„ES lebe die Republik!" Die Trainbahn konnre nur mit Muhe den Verkehr aufrechterhalten. Die Polizei»var in großer Anzahl aufgeboten, Ansäitiuilimgeil wurden untersagt. ES gelang jedoch dem Zuge, über die Polizistcnkette hinaus nnd in den Park zu gelangen. Zwischen Gendarincn nnd der Menge entspann sich eine Schlägerei; andere Gendanncii drangen mit gezogenem Säbel aus die Menge ein. wurden jedoch von Offizieren zurück- gehalten. Der Zug begab sich sodann nach der„Grand' Place", ans dcni Wege dorthin wurden Läden eingeschlagen. Ans dem Platze richtete der Abgeordnete Lander Velde eine Ansprache an die Menge. Kmidgcbnngc» i» der Nacht. Nach Vecudigima einer abends abgehaltenen V o l k s v c r sa m m- lung wollten mehrere Tausend Manifestanten die Grande Place überschreiten, wurden jedoch von Gendarmen mit gezogenem Säbel zurückgedrängt. D i c G e n d a r in c n wurden mit Steinen b e lv ö r f e n und von beiden Seiten lvurdcn S ch ii s s e abgegeben. Dazivischen platzten zahlreiche KnallpatroNen. Mehrere Personen wurden vcrlvundet. Nachdem die Gendarmen die Straße geräumt hatten, bildete sich kurz darauf ein neuer Zug. Gegen IlVe Uhr nachtS rissen zahlreiche Manifestanten die Pflastersteine in der Rne Noyalc auf und schleuderten sie aus dieGcndarmcn, ivclche ans den Volkshaufcn cindrangen. Tic Maiiiscftantcn zogen sich darauf zurück nnd setzten ausströmendes Gas in Brand. Bei einem Zusammenstoß ans der Grande Place»mirden drei Personen verlvnndet. darunter eine schwer. Ein Polizci-Offizier erhielt einen Messerstich. Die Gendarincn wurden später durch Civil- gardisten ersetzt. In der Rne Mndclaine kam eS wieder zu einem Ziisanmicnstoße, ebenso auf dem Krantmarkte nnd dcficn Um- gebnng. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Ans dein Krautmarkt ivurde aus eine» Gendarmen ein Nevolvcrichnß abgegeben, ein junger Mensch Ivurde durch einen Säbelhieb verwundet. Als der Zug der Manifestanten in der Nähe des„Volks- hauseS" erschien, drang' die Polizei auf dieselben ein,»vobci vier Personen verletzt wurden, welche nach dem„Bolkshausc" gebracht wurden. Unter den ans der Grande Place Verletzten befindet sich der Führer dcS Zuges, welcher von zwei Kugeln gclroffc» Ivurde. Ein unbekannter junger Mensch ivurde nach den» St. Jeanne- Hospital nbergesührt, wo er vcrcitS gestorben sein soll. Insgesamt wurden 25 Verhaftungen vorgenommen. Mehrere der Ver- hafteten trugen Revolver bei sich. Die Aburteilung der Wer- hasteten findet im Rathause statt. Auch in der Ursulinenstraßc und in anderen Straßen wurden die Pflastersteine hcransgerisscn. Die Unruhen dauerten bis drei Uhr früh. Ein ernster Zwischenfall ereignete sich noch bei der Börse aus der Place Stefanie, wo ein Pfcrdcbahnivagen angegrificii ivurde. Der Kondukteur ivurde durch zwei Kugeln verwinidet, auch das Pferd wurde angeschossen iiiid mußte getötet werden. Der Wagen wurde von dein Volks- Haufen umgestürzt. ENvas später wurden in einer Bank die Fenster zertrüiiimcrt. Uni Mitleniacht»vürbe auf dem Boulevard Anspach von den Terrassen eines Cafös auf Gendarinc» geschossen. Die Gendarincrie ging gegen das Cafö vor nnd es kam zu erregten Auftritten. Dem„Petit Bleu" zufolge wurde ein Manifestant durch � einen BasonNcttsiich in die Brust ver- Iviiiidct. Zivci Journalisten wurden heftig bedrängt und der eine ivurde durch einen Kolbenstoß gegen die Brust und durch einen Säbelhieb über den Kopf verletzt. Im Handgemenge ans der Grand Place gaben die Gendarmen scharfe Schüsse ab. Mehrere Schlisse drangen in die Fenster der benachbarten Häuser. Ein Polizei- Offizier ivurde durch einen Stcinwnrf verwundet. Einer der Ver- »vniidcten soll gestorben sein. Im ganzen sollen etlva ItM) Personen vcrtvnndct sein, darunter etwa 8 schivcr. Nene Titznng der TcVnticrtenkniiimer. In der Fr e i ta g s s» tzn n g der Tcputiertcnkammer erhob der Socialist Defnct entschieden Einspruch gegen den heute von der Rechten eingebrachten Autrag. durch welchen das Kammer- reglemcut derart abgeändert werden soll, daß die A u S>v e i s u n g derjenigen Deputierten erfolgen kann, ivclche die Ordnung stören. Redner greift die Urheber dieses Antrages heftig an. Der Deputierte De'lantsheere von der Rechten greift namens der Einbringer des Antrages die Socialistcn scharf au. Die Socialisten imtcrbrccheii den Redner durch wütende Ausfälle. F u r ii e m o u t appelliert an die hnmanitärcn Gefühle der Kammer und macht die W a h l v o r l a g c der Regierung für die blutigen Ereignisse, deren Schauplatz Brüssel ist, ver- anttvortlich. Die Protestbewegung wexde ganz Belgien ergreifen. Der Ministerpräsident V a n d e n p e e r e b o m er- klärt, man unterschiebe der Regierung Beweggründe. Ivclche sie nicht habe. Ans die Interpellation Lorand erwiderte der Minister- Präsident, weder die Minister noch der Gouverneur der Provinz hätten die Gendarmen requiriert. Die Socialisten fordern nachdrücklich, zu wissen, wer die Gendanneric requiriert habe. Der Chef des Kabinetts sei ein Jesuit. Der Sociali st Hector Denis schildert den Krankvnsaal, wo die Opfer der Unterdrückung untergebracht scicil, und sagt, nichts könne die begangenen Greuel rechtfertigen. Redner fragt, im der verantwortliche Urheber derselben sei. M i n i st e r p r ä s i d e n t V a n d e n p e e r e b o m erklärt:„Ich habe die Vermehrung des Effektivbesiaiides der Gendarincrie veranlaßt. Vor der bewaffneten Unterdrückung der Unruhen sind die gesetzlichen Aufforderungen au die Manifrstautcu ergangen."(Die Socialisten schleudern heftige Beleidigungen gegen den Ministerpräsidenten und rufen ihm zu: Mörder!) Denis appelliert ebenfalls an die Gefühle der Menschlichkeit der Minister nnd der Rechten. Der un- abhängige Brüsseler Depntirrte Theodor bekämpft die Wahlvorlage und schließt sich den versöhnlichen Worten FnriicmontS und Denis' an. V a n d e n p e c r e b o m erklärt namens der Regierung, eS bestehe der lebhafteste Wunsch nach Versöhnung sowie der Wunsch, den angedeuteten Weg zu beschreiten inidz Lcrsöhnungs- maßregeln zu suchen.(Beifall aus der Reckten; Sehr gut! ans der Linken') Der Präsident hebt die Sitzung unter allgemeinem Beifall ans. Die nächste Sitzung findet erst am Dienstag statt.— » Deutsches Weich. An die Handwerker wendet sich die Regierung, um ihnen die erfreuliche Mitteilung zu machen, daß ihnen das Handwerkerorgaiiisations-Gesetz eigentlich gar nichts nützen kann. Sie legt in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" dar, daß sie, die Regierung, sich die größte Mühe gebe, um die Haiidlvcrkcrorganisation gemäß dem Gesttz durchzuführen. Dann heißt es weiter in dem officiöscn Organ: „Daß sich in einzelnen Fällen zlvischen den Regimuigöstelleu und den Handivcrkerkrcisen über manche gerade für den betreffenden Fall in Bewacht kommende Fragen MeinuiigSverschiedenbeite» er- geben, ist so selbstverständlich, daß es nicht erwähnt zu werden braucht. Die Haiidlvcrkcr werden aber immer noch gefunden haben, daß, soweit nur irgend möglich, ans ihre Wunsche Rücksicht genommen ist. Allerdings von der Organisation als solcher und von ihr allein eine Hebung der lvirtschaftlichen Lage deL gesamten deutschen Hand»verks zu er»v arten, dazu liegt eine Ver- aulaffnng nicht bor. Wenn einzelne Kreise sich dieser Er- warlnng hingegeben hatten und mm, ehe noch die Organisatin zu ihrer gänzlichen Durchführung gelangt ist. zu einer anderen Er- kenntuis gekommen sind, so dürfen die Regierungsstellen für diese Zerstörung von Illusionen nicht berantivortlich gemacht werden. Es gilt auch heute noch für daS Handwerk und lvird gelten, auch tvcim die Organisation völlig durchgeführt sein wird, der Grundsatz, daß die eigene Hilfe und nanientlich die Anpassung an die Formen der modernen Technik und des modernen Wer- kchrs ani besten vorlvärtS bringen. Das Licht, das de» Herren Züuftlern da angezündet wird, dürste diesen keinen angenehmen Schein verbreiten. Unrichtig ist es nicht, was die Regicrung sagt, aber die Znnftlcr können ihr den bercch- tigten Vorwurf machen, daß sie zu lange mit ihrer Entdeckung zurück- gehalten und die Handwerker in dem Glauben gelassen habe, die zünstlcrischcn Gesetze könnten den Dinckgmig des Handwerks aufhalten. Wir glauben, die Regierung wird die einmal gerufenen Geister trotz der obigen Aufklärungen nun so bald nicht loS tvcrdcn.— Fördernng der thüringischen Klcimndnstric. Dem„Musterlager thüringischer Erzeugnisse" war zur Errichtung einer Zlvcigstslle in Sydney in Australien von feiten des Reichs eine Beihilfe von 12 000 M. bewilligt worden, doch diese Beivilligung wurde ver- schicdentlich scharf angegriffen. Die Gründe für diese„nach ein- gehender Prüstmg" erfolgte Bewilligung werden nun offiziöscrscits wie folgt erläutert: „ES handelt sich um eine Lereinigimg. welche, ohne selbst einen Gcschäftsgclvinn anzustreben, die Interessen der in Thüringen so zahlreich vorhandenen Kleingewerbetreibenden zur wirksamen Vertretung nach außen hin in gewissem Umfange zusammenfassen will. Gerade für derartige Zwecke ist der im RcichshauShalts-Etat zur Verfügung gestellte UnteritützungsfondS in erster Linie und ausdrücklich bestimmt. Von gleichen Gesichts- punkten aus werden bcispielSiveisc auch bei den internationalen Ansstellungen, an denen das Reich sich amtlich beteiligt. Bei- Hilfen zu Gunsten solcher Gewerbetreibenden ausgeworfen, welche nicht als EiiizclnuSstcllcr auftreten, sondern sich zu einer gcmeiusnin geleiteten Gruppe vereinigen. Daß das thüringische Unternehmen die Erweiterung des AnsfuhrhandelS nach einem»vichtigen deutschen Absatzgebiete anstrebt, gicbt ihm einen verstärkten Anspruch auf Be- rücksichtiguiig."— Zur koburg-gothaischcn Thronfolgesrage wird aus Kobnrg berichtet: Außer den Vcrzichtsnrkundcn deS Herzogs und des Prinzen von Connaught, solvie der Bestallung des Erbprinzen von Hohenlohe- Langenburg zum Vormund des künftigen Thronerben Herzogs von Albany wird dem heutigen Landtag noch ein RcgentschastSgesetz zu- gehen. Die Gothaer bekommen also ihren Engländer. Herzog von Sachscn-Kobnrg und Gotha wird der jetzt fünfzehnjährige Prinz Karl Eduard von Albany. Die bezüglichen Vorlagen werden an die versasiimgskommisston überwiesen, welche Soimabcndvormittag eine Sitzung abhält. Am nächsten Montag findet Plenarsitzung statt, in welcher die Vorlagen zur Verhandlung gelangen sollen.— Aus Hrsscn, 29. Juni. Der vielbesprochene FaN Küchlcr wird demnächst vor dem Forum des hessischen Landtags zur Sprache komnicii. Abg. Ulrich hat heute eine diesbezügliche Jnter- p e l l a t i o n an die llicgicriing gerichtet.— LandgerichtSdirektvr Küchlcr ist in den Prozeß des kürzlich wegen betrügerischen Bankrotts nnd Wechselfälschnng zu einigen Jahren Zuchthaus verurteilten Kork- swpfcnfabnkaittc» R a p p verwickelt. Er hat Rapp.�obgleich er dessen kaufmännische Zwcifclhafligkcit kannte, größere Summen geliehen und sich dann dessen Geschäft. Hausinventar iislv. zu Eigentum übertragen lassen, um sich selbst zu sichern und Rapp vor Auspfändungen seitens der übrigen Gläubiger zu bewahren. Obgleich die Unter- suchung gegen' Rapp bereits schivcr belastendes Material gegen Küchlcr zu Tage gefördert hatte, war gegen letzteren ein bloßes DiSciplinarvcrfahren eingeleitet und im voraiis mit einer gering- sügigen Beftrasmig abgcichlosscn worden. Dieses Verfahren, das Küchler vor dem Strafrichter bewahrte, wird im Publikuin scharf kritisiert. Die Interpellation Ulrich verlangt Auskunft rcsp. Recht- fcrtignng seitens der obersten Justizbehörde.— Zum Tchutzc der Bäckerei-Arbetter hat der Bezirkspräsident für Unterelsaß eine Polizei- Verordnung erlassen, die es verdient, auch anderwärts Nach- ahmnng zu finden. Der Geltungsbereich derselben ist vorläufig ans die Gemeinden mit mehr als 8000 Eimvohnern(inkl. Militär- Personen) beschränkt. Die wichtigsten Bestimmungen der Verordnung sind die folgenden: Sämtliche A r b e i t S r äu m e, in denen Backer- oder Konditor- lvarcn hergestellt werden, dürfen nur zu diesem Zwecke benutzt werden lind sind gegen Räume, die anderen Zwecken dienen, abzusperren. Die Arbeitsräume dürfen sich nicht in Kellergeschossen befinden nnd müssen mindestens drei Meter bock und mit Fenstern versehen sein, die nach Zahl_ und Größe ausreichen, lim für alle Arbeitsstellen bei Tag ohne künstliche Bclcuchtnng hinreichendes Licht zu gewähren. Die Fenster sind so einzurichten, daß sie einen ausreichenden Luftwechsel nnd bei Feuers- gcmhr eine Rettung der Arbeiter ermöglichen. Die Zahl der in jedem Räume beschäftigten Personen ist so zu benieffen, daß aus jede Person mindestens 10 Kubikmeter Lust entfallen. Die Temperatur in den Backstuben darf 35 Grad Celsius nicht übersteigen. In jedem Arbcitsraum. mit Ausnahme der Mehl- kaminer, ist ein Thermometer anzubringen. I» der Nähe der ArbeitSräume ist ausreichend großer Ankleide- und Wasch- räum einznrichten. der von den ArbeitSräumcn ans zugfrei zu erreichen und in kalter Jahreszeit zu heizen ist. In demselben sind warmes und kaltes Wasser, Seife und eine genügende Anzahl von Handtüchern für die Arbeiter bereit zu stellen. Soweit die Ar- bester nicht eigene Wohn- und Schlafräume besitzen, mn»; für jeden derselben ein besonderes Bett vorhanden sein; insbesondere diaseii auch da, wo mehrere Arbcilsschichtcn stattfinden, nicht etlva dieselben Betten ablvechselnd von den Tag- und Nachtarbeitcrn benutzt werden. Die Bedürfnisanstalten dürfen nicht in direkter Verbindung mit den Arbeitsräume» stehen, müffcn aber ohne Verletzung von Sitte imd Anstand und ohne Gefahr für die Gesundheit von den Arbcitsränmen auS zu erreichen sein. In den letzteren muß S i tz g e I e g e n h e i t für die Arbeiter vorhanden sein. Die Arbeitsräume sind täglich mindestens eine halbe Stunde lang zu lüften und die Fußböden nach beendigter Arbeit zu reinigen. Die Beschäftigung von Arbeitern, die an ansteckenden oder ekelerregenden Krankheiten leiden, ist ver- boten. An einer sichtbaren Stelle des Arbeitsraumes muß ein Ab« druck dieser Bckaimtmachung aushängen. Außerdem hat der Betriebs- Unternehmer eine von der Polizeibehörde bestätigte Tabelle zu führen, aus welcher ersichtlich ist: 1. die Länge, Breite und Höhe des ArbeitsranmeS, 2. der Inhalt des LnstranincS in Kubikmetern, 3. die Zahl der Arbeiter, welche demnach in den«rbcitSränmen beschäftigt werden dürfen. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehende» Bestimmungen werden mit Geldstrafen bis zu 300 M., un Un» vermögensfalle mit Haft geahndet. Friedenskonferenz. Die Rede des Obersten v. Schwarzhoff giebt Herrn S t e a d zu einem Artikel im Haager„Dagblad" Anlcif� welcher als von russischer Seite inspiriert betrachtet wird. Stead nennt Deutschlands Haltung zwischen den Zeilen illoyal. Erst habe es Rußland in seinem Glauben er- mutigt. es sympathisiere mit seinem Bestreben, die Kulturwelt von der drückenden Last der immerfortschreitenden Kriegsrüstungen zu befreien, während eS jetzt die Existenz dieses Druckes leugne und die Notwendigkeit, die Menschheit von einem bloß eingebildeten Uebel zu befreien, in Abrede stelle. Hätte Kaiser Wilhelm auf das Manifest des Zaren mit einer Erklärung von derselben Freimütigkeit und Unzweideutigkeit. wie die des Obersten Schwarz� hoff vom letzten Montag, geantwortet, dann wäre die Konferenz überhaupt niemals zusammengetreten. Wie die Wiener„Pol. Korr." aus dem Haag meldet, spricht man dort von der Möglichkeit, daß die Friedenskonferenz u m d i e Mitte des Juli geschlossen werden wird.— Ausland. Oestreich- Ungarn. MariniSmnS in Oestreich. Wien, 30. Juni. Wie die .Neue Freie Presse" meldet, wird das gemeinsame Budget außer der gewöhnlichen Steigerung des H e e r e s b u d g e t s um etwa 3Vs Millionen auch eine nicht unbeträchtliche Erhöhnng des MarinebndgrtS für Schiffsbauten behufs allmählicher Per- wirklichung des Flottcnprogramms enthalten. Schweiz. Schaffhanfen, 27. Juni.(Eig. Ber.) Am Sonntag hatte sich das Volk des Kantons Echaffhausen darüber zn entscheiden, ob es von weiteren Versuchen zur Revision der Verfassung ab- sehen oder dieselben fortführen wolle. Mit 4610 gegen 1255 Stimmen beschloß es, die Fortführung der VerfassungSrevision fallen zu lassen. Dieses bedauernswerte Fiasko jahrelanger Bemühungen ist wohl ans den Mangel an stantsmnnnischcr Kunst zurückzuführen, die verschiedenen Interessen derart in einem Kompromiß zusammen- zufassen, daß jede Jutcresscntcngruppe einigermaßen befriedigt sein konnte und der neuen Verfassung zustimmte. Es wird also auf Jahre hinaus beim alten bleiben.— St. Gallen, 27. Juni.(Cig. Ber.) In der Volksabstimmung vom Sonntag wurde der mißratene Wechselbalg des neuen Aeerdigungsgesetzes mit 22872 gegen 12096 Stimmen verworfen und damit der Beweis geleistet, daß die Weis- hcit der Mehrheit der Stinunberechtigten erheblich über der- jenigcu der parlamentarischen Gesetzgeber steht. Die wichtigste Frage dieses Gebietes, die Unentgeltlichkeit der Beerdigung. welche die Arbeiter und Demokraten seit Jahren fordern, wird in der annscligcn Weise gelöst, daß der Staat an die Kosten der von den Gemeinden eingeführten unentgclt lichcn Beerdigung Beiträge leisten könne— oder natürlich auch nicht. Den Liberalen ward ihr LieblingSwunsch nach falkultativer Feuerbestattung gewährt und den Ultramontanen die I o n f e s s i o n e II e n Friedhöfe, also eine ganz reaktionäre Kon- gcsfion. Die Verwerfung dieses gesetzgeberischen Wechselbalges war tu der That das venmnftigste, was das Volk thun konnte. Die Arbeiter werden nun nach ivie vor auf die Einführung der un- entgeltlichen Beerdigung hinwirken.— Italien. Rom, 27. Juni. Neue Wahlsiege der Social« demokratie.(Eigener Bericht.) Wir haben neue Siege bei den Gemeindewablen zu verzeichnen. Gestern und vorgestern wurde in Mittel- und Süditalicn gewählt. In Reggio-Emtlia, Haupt« stadt der Enülia, in A l e s s a n b r i a, der zweiten Stadt PiemontS, in Piacenza, E r e in a hat die socialistische oder vereinigte socialistisch-revublikanische Liste vollständig gesiegt; nnd in über 30 Ge- m e in d« n sind Socialiften in die Vertretung gewählt worden. In Florenz, der früheren Hauptstadt des Königreichs Italien, sind die Socialistcn und Republikaner zusammen mit den Konservativen in den Ge meinderat eingerückt. Hier in Rom haben die Socialisten und Republikaner zum erstenmal getrennt von den Liberalen gewählt, und 3500 Stimmen von 13 000 im ganzen erhalten. Die Klerikalen hatten 7000 Stinimen, so daß die Oppositionsparteien mit zusammen 10 500 Stimmen 7500 Regierungsslimmen gegenüberstehen, die Rc- gienlna also auch in der Hrncptstadt des Königreichs in der Minderheit ist. Die Diskussion des Staats st rcich-Dckretes beginnt morgen. Die Socialisten und»Mepublilnncr werden die Debatte nicht verhindern, sofort aber, wenn die Mehrheit in die Einzelheiten des Gesetzes eingeht, die Obstruktion wieder aufnehmen.— Der Prozeß gegen die angeblichen Mitschuldigen Acciaritos zieht sich in die Länge. Wirklich auf der Anklagebank sitzt bloß die Polizei, deren Schmutzpraktikcn an das Lichr komnicn. Es ist unbegreiflich, wie die Regierung sich in dieser Weise bloßstellen kann. Sie hat mcht bloß die Scham, auch das einfachste Gefühl ihrer Interessen verloren.— Frankreich. Paris, 30. Juni. Vlättermeldungen zufolge hat der Justiz« m i n i st e r Monis ein Rundschreiben an die Staatsanwälte gerichtet, in welchem diese aufgefordert werden, unverzüglich gegen Blätter cinzuschrciteu, welche Schmähungen gegen den Prä« sidenten der Republik, Mitglieder des Richterstandcs oder souftige Staatsbeamte veröffentlichen.— Wie verlautet, werden die Advokaten Demange und Labori sich morgen nach Reimes begeben. um alsbald nach der Ankunft DrevfuS' in einer Unterredung mit deinselben festzustellen, ob er sich in einer solchen Gemüts« Verfassung befindet, daß er bald vor einem Kriegsgericht erscheinen kann.— Der Rcgicrungskommissar bcimKriegsgcrichc inRcnneS. Major Carriöre, wird, wie es heißt. 37BelastungSzcugen vorladen.— Eornelh verlangt im.Figaro", daß auch General Mcrcicr und QneSnay de Bcanrepaire, welche sich anheischig machten, die Schuld DreyfliS zu beweisen, unter allen Umstände» als Zeugen vorgeladen werden sollen. Falls die Anklage dies unterlassen sollte, müßte die Verteidigung selbst die Vorladung der Genannten veranlassen.— Clömenceau erzählt in der„Aurore", daß der Ehcf des Militärstaates des Präsidenten der Republik, General Bailloud, welcher ein entschiedener Antircvisionist sei, vor kurzem ge- äußert habe. General Mcrcicr werde vor dem Kriegsgericht sagen: ..Ich schwöre bei meiner Soldatenehre, daß Dreht u s schuldig ist." Daraufhin werde das Kriegsgericht Dreyfus verurteilen.— Andauernd erhält sich daS Gerücht und er- scheint»ach allen Mitteilungen über die Reise DreyfuS' gerecht- fertigt, daß dieser in der Nacht vom 80. Juni auf den 1. Juli in Rennes eintreffen wird, sich gegenwärtig also bereits auf französischem Boden befindet.— Nustland. Petersburg, 29. Juni. In dem Monstreprozetz gegen die Generale I I o w a i s k i und Korotschenzotv nebst zwölf Komplicen ist das Urteil gefällt. Die Angeklagten wurden überführt der Aneignung und Verschleuderung von K r o n s g ol d e r n und betrügerischer Buchungen sowie diverser Uutcrschleife, Bestechlichkeit. Wucherei und Erpressung. Die Generäle wurden zu zwölfjähriger Ansiedelung in Sibirien, die übrigen Obersten, Kapitäne und Civilbcamtcn gleichfalls zu zehn- bis zwölfjähriger Ansiedelung in verschiedenen sibirischen Gouvernements verurteilt. Llsien. Englisch�ChinesischcS. Aus Peking wird gemeldet: Da man des Hauptschuldigen au der Ermordung des Missionars Flemming nicht habhaft' geworden ist, hat der britische Ge- s ch ä f t s t r ä g e r die E n t l a s s u n g des G o u v e r n e u r s von Kwei-tschau gefordert; die Forderung ist jedoch zweimal vom Tsung- li-Aamen abgelehnt worden. Ferner berichten die �Timcs" auS Peking, der britische Geschäfts- träger habe am Mittivoch dem Tsung-li-Aamen ein Telegramm SalisburyS übermittelt, in dem es heiße, Großbritannien würde die Entlassung des britischen leitenden Ingenieurs der N o r d b a h n, Kinder, als einen ernsten Fall betrachten. Die Frage der Entlassung Kinders sei deshalb auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Ferner habe das Tsung-li-Damen dem Peking-Syndikat das Recht zugestanden, Eisenbahnen in Schan-si und Hy-nan zu erbauen und eine Verbindung mit dem Jang-tfe- Thal durch eine Bahn herzustellen. Afrika. Die Stimmung in der südafrikanischen Republik. Pretoria. 29. Juni. Die Rede Chamberlains in Birmingham hat hier lebhafte Erregung hervorgerufen, da sie gerade zu einer Zeit gehalten worden ist, wo die Regierung und die Bürger Transvaals in Erwägung ziehen, wie die Lage zu bcffern sei. Der heraus- fordernde Ton Chamberlains macht es der Regierung schwer, dem Volksraad neue Vorschläge zu unterbreiten. Die.Vollsstcm" sagt. es sei unnütz, zu versuchen. Versöhnlichkeit zu zeigen, wenn die eng- lische Regierung anscheinend beabsichtige, Transvaal auch nach der Bewilligung des Stimmrechts an die Uitlanders nicht in Ruhe zu lassen. Das Blatt hofft, daß die englische Regierung sich die Heraus- forderung Chamberlains nicht zu eigen machen werde, da sonst die Afrikander Vorbereitung zum Kriege treffen müßten.— Kanalkommission. In der Kanalkommission des Abgeordnetenhauses wurde am Freitag in die Einzelberatung der Kompensationsvorschläge eingetreten. Der Vorsitzende v. Eynern stellte fest, daß eine Reihe von Anträgen mit Einverständnis der Antragsteller nnd durch die Erllärnnaen der Regierungen als erledigt zu betrachten seien. Diese Anträge sollen der Staatsrcgicnmg samt und sonders als Material überwiesen werden. Abg. Gamp begründet sodann seinen Antrag, betr. eine erhebliche Ermäßigung der Eisenbahn-Güter- tarise und durchgreifende Verbesserung der Kanal- Verbindungen besonders der ö st l i ch e n Provinzen. Minister Thielc»» erwidert, daß die Forderungen deS Antrags Gamp in keinem Zu sammenhnng mit dcrKanalvorkage stehen. Bezüglich der Eisenbahntarife im allgemeinen erklärt der Minister, daß nur dann, wenn es sich um die Erhaltung der wirtschaftlichen Zustände einer Provinz oder Gegend handelt, tarifliche Ausnahmen bewilligt würden. So sei es betreffs Schlesiens in reichlichem Maße geschehen. Schmieding hiatl.) erklärt für sich und seine Freunde, daß sie sich ander un s ru ch tb a re n D iskuss i o n nur so Iveit als un- bedingt nötig sei, beteiligen würden. Abg. Stengel sfk.) findet, daß der Antrag Gamp von unberechenbarer Tragweite sei. Er bc- antragt, den Antrag Gamp der Regierung als Material zu überweisen. Abg. Gamp erklärt sich damit einverstanden. Abg. Dr. Lieber führt auS, Frachtermäßigungen be gehrten alle Frachtinteressentcn, am liebsten hätten sie un- entgeltliche Beförderung. Die bisherigen Einnahme»! der StaatS- ciscnbahnen seien aber unentbehrlich, zumal die Ausgaben auf Drängen des Abgeordnetenhauses fortmährend wachsen. Kein preußischer Finanz- oder Eifenbahnministcr könne sich auf solch schwere Gefährdung der Staatsfinanzen einlassen. Die Vcrbreiternnc. und Vertiefung der Wasserstraßen in der norddentschen Tiefebene sei im Verlaufe der EntWickelung allerdings zu erstreben und zu er- warten, aber als Bedingung für die Bewilligung des Mittelland- kanals dürfen solche allgemeinen Ansprüche nicht gestellt werden.',— Der Antrag Gamp wird schließlich der Regierung.als Material überwiesen". ES folgt die Verhandlung über den Antrag Graf Strachwitz» L e t o ch a, zur Abwendung und Verminderung der lieber- schlvernmungen im oberen Lauf der Oder zu den Korrekturen des Flußbettes-c. die erforderlichen Mittel bereit zu stellen. Es wird zugleich der andere Antrag des Abg. Graf Strachwitz erörtert, daß der oberschlesischeii Montanindustrie das ober- schlesische Schmalspurbahn netz überlassen werde zum Bau einer schmalspurigen Schleppbahn zur Verbindung der ober- schlesische» Bergwerke mit dem Gleilvitzer Hafen, und alle Frachtsätze auf der oberschlcsischcn staatlichen Schmalspurbahn bc- deutend herabzusetzen, sowie die Frachten für schlesische Kohlen, Eisen usiv. nach den Verbrauchöplätzen östlich der Elbe entsprechend herabzusetzen nnd schließlich den: Arbeitsmangel in der Landwirtschaft durch weitcstgchendc Zulassung anS- liiudischcr Arbeiter zu steuern. Der Minister Thielen erklärt sich mit Entschiedenheit gegen diese Vorschläge. Die Maßnahmen gegen den Arbeitennangel stehen in gar keinem Zusammenhang mit dem Kanalbau. Die Amiahme dieses Antrags Strachivitz-Letocha als Resolution wird schließlich abgelehnt und auch hier„Ueberweisung als Material" beschlossen. Zu dem Antrage des Abg. Grafen Strachivitz, den Betrag von 25 Millionen für die Verbesserung der Wasserstrecke O b e r s ch l esi cn— B e r l i n in die Kanalvorlage anfzunchmen, erklärt Finanzminister v. Miguel» er halte die Annahme dieses Antrages für h ö ch st b e- denklich.. Die vorgängige Festlegung des Betrages für die von der Regierung zugestandene Verbesserung sei nicht möglich, ja sie liege mcht einmal iin Interesse der Provinz Schlesien, da sie anderen, weitergehenden Forderungen vorgreife. Er beruft sich auf das Zeugnis des Abg. Lctocha/s Monate Widerstand leisteten, endete die Aussperrung im Säge mühlen-Distrikt Sundswalls mit dem Siege der Unternehmer. Am 6. April wurden etwa 1200 Arbeiter der Sägcmühlen auf die Straße geworfen; k?wvhl aus der Arbeit wie aus den den Unternehmern gehörigen Wohnungen, weil sie nicht aus ihrer Organisation austreten wollten. Der Verband der Sägemühlenarbciter war allmählich sehr erstarkt und hatte auf die Regelung der Arbeitsbedingungen in den nördlichen Distrikten Schwedens Einfluß gewonnen, so daß die Unternehmer in ihrer Willkür stark eingeschränkt wurden. DaS wurde den Untenrehmcrn schließlich unbequem und deshalb wurden die Arbeiter vor die Alternative gestellt, entweder Austritt aus der Organisation oder Aussperrung. Die Arbeiter wählten heldenmütig das letztere— sie mußten dein Andränge der Arbeitswilligen zu der wenig Vorbildung erfordernden Arbeit' weichen. Ein Teil der Ar- beitcr reiste ab. der andere fügte sich. Nicht zum wenigsten hat die Parteinahme der Behörden für die Unternehmer zu deren Siege beigetragen. Das Gute hat aber auch dieser für die Arbeiter unglücklich ver- lausene Kampf um das Koalitionsrecht gehabt, daß bis tief in die Reihen der bürgerlichen und gebildeten Kreise die Erkenntnis von der Notwendigkeit gedrungen ist, durch die Gesetzgebung daS Koalitionsrecht gegen die wachsende, innerlich gehaßte groß'kapito listische Tyrannei(besonders unter der Form von Aktiengesellschaften' zu schützen. Und die Arbeiterorganisation im ganzen ivird, den großen Aufopferungen zum Trotz, von dieser Gewallthat gegen ein in Schweden uraltes Bürgerrecht nur Vorteil haben. In den kommenden Wahlen im Sommer ist daS Koalitionsrecht zugleich mit der Stimmrcchtsfrage auf die Tagesordnung zn setzen.— SocialelS. Ein Delcgiertentag der katholischen Zlrbcitcrvcrcine in der Erzdiözese Köln tagte am 25. Juni in M.-Gladbach. In dem Jahresberichte wurde festgestellt, daß in der Diözese 128 Vereine mit 34 037 Mitgliedern bestehen. Ter Generalsekretär Dr. Pieper hielt cS, was auf die Mitglieder der Vereine kein besonders gutes Licht ivirft, für nötig, wiederholt auszusprechen, daß sich die Mitglieder in den Vereinen nicht bloß amüsicreu, sondern auch einmal anS sich selbst heraus ernste, socialpolitische Arbeit thun sollten. Es wurde dann mitgeteilt, daß für die Diözese ein Arbeiter sekretär angestellt ivorden sei, was von den Delegierten gutgeheißen wurde. Dann winde über die Mittel zur Förderung der christlichen Gewerkschaften beraten. ES wurde hauptsächlich die Schulung der Arbeiter empfohlen. Auch der Streik wurde als letztes Mittel den Gewerkschaften empfohlen. Ein Redner trat einem Bericht über den Mainzer Kongreß entgegen, in dem behauptet wurde, der Referent habe gesagt, bei der Lohnfrage müsse darauf geachtet werden, daß der Ilnternehmergelvinn nicht darunter leide. Diese Auf f a s s u n g m ü s i e der Arbeiter von sich weisen. Es wurde eine Resolution angenommen, die die Durchführung der Arbeitcrschutzgcsctze fordert. Zum Schlüsse wurde die folgende Resolution gegen die Zuchthans- Vor. läge angenommen: „Das Koalitionsrecht, das Recht der freien Vereinigung zur Besserung seiner Lage und zur gemeinsamen Regelung der Arbeits bedingnngen, ist ein natürliches Recht dcsArbciterS. welches wirnicht nur geschützt, sondern auch ausgebaut wissen wollen. I» dem Gesetzcntlvur' zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses, welcher zur Zeit dem Reichstage vorliegt, erkennen wir einen Versuch, den Arbeitern die Ausübung des ohnehin beschränkten Koalitioiisrcchles nnniöglich zu machen. Zugleich würde die Annahme dieser Vorlage die socialen Gegensätze abermals verschärfen, und einen friedlichen Ausgleich i» de» Jnteressenkämpfcn zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufs äußerste crschivcren. Wir erheben entschieden Einspruch gegen den vorgelegten Gesetzentwurf, namentlich auch im Interesse der christ lichen Ärbeiterbcivcgung und der gedeihlichen Fortführung der angebahnten Socialrefonn, und wir erwarten vom deutschen Reichstage, daß er der Vorlage seine Zustimmung versagen wird. Wir erwarten vielmehr, daß derselbe aus die Aufhebung der die Koalitions rcihcit beschränkenden vereinsgesetzlichen Bestimmungen sowie ins- besondere auf die gesetzliche Anerkennung der BcrnfSvercine unent- wcgt dringen wird."_ Geviltzks-�eikung» Ein Erzgauner und Schwindler stand gestern in der Person des Jnseratenagenten Hugo Geserich vor der ersten Straf kammer des Landgerichts I. Der erst 23jährige Angeklagte ist voll- iändig auf Abwege geraten. Nach vielfachen Vorstrafen wurde er zuletzt zn drei Jahren Gefängnis verurteilt. Im November vorigen Jahres wurde er auf freien Fuß gesetzt und sofort begann er wiederum sei» früheres Treiben gemeingefährlichster Art. Seine Mntrer und seine Schwester, welche ein Schncidereigcschäft betreiben, nahmen ihn bei sich auf. Es gelang dcni Angeklagten, bei mehreren hiesigen größeren Zeitungen als Jnscratciiagcnt angestellt zn werden.'In dieser Eigenschaft trat er mit dem Ingenieur R in Geschäftsvcrbiiidung.' R. halte feine Erzeugnisse in einem Hotel ausgestellt. EineS Tages beauftragte� der Angeklagte, der sich als R. ausgab, den Hotelbesitzer telcphonisch, derselbe niöge einem dem- nächst erscheinenden Boten den Gesellschaftsanzug R.'s aushändigen. er habe schleunigst einen Besuch zu machen. Der Hotelbesitzer sagte zu. Nach kurzer Zeit wurde derselbe wiederum von dem angeblichen R. angeklingelt. Derselbe Bote, welcher den Anzug holen solle, werde auch eine Rechnung von einer hiesigen Zeitung über 48 Mark übergeben, der Hotelbesitzer möge diesen Betrag auslegen. Der letztere, welcher wußte, daß sein Gast viel inserierte, 'chöpfte keinen Verdacht, als der Bote, der vom Angeklagten ab- gesandt ivar, erschien, wurde ihm der Anzug wie das Geld aus- gehändigt. Nachdem dieser Schwindel gelungen war, legte der An- geklagte' sich gewerbsmäßig auf derartige Betrügereien. Von den Zeitungen, für die er thätig war, waren ihm Bestellschein-Formulare eingehändigt worden, die von den Auftraggebern zu unterzeichnen waren. Der Angeklagte füllte diese Scheine selbst aus, fälschte die Namen und den Quittungsvermcrk der betreffenden Ressortchcfs und versuchte nun, in den Hotels, in denen die angeblichen Auftraggeber Wohnung genommen hatten. Zahlung von den Pförtnern zu verlangen. In vielen Fällen gelang es ihm. in andern blieb eS bei dem Versuch. Der Angeklagte beschränkte «ich nicht auf Berlin, sondern betrieb den Tclephonschwindcl auch von außerhalb. Es war ihm bekannt, daß ein Dr. Fr. in Eberswalde häufig zu inserieren pflegte. Der Angeklagte reiste nach Ebcrswalde, ließ'sich niit dem Brauereidirektor Fr. in Berlin, dem Bruder des Dr. Fr. telephonisch verbinden und bat ihn, den Betrag einer Jnseratenrechnung, die ihm, dem Brauereidirektor, im Laufe des Tages vorgelegt werden würde, zu begleichen. Der Betrug gelang, der Brauereidirettor zahlte. als ein Bote des Angeklagten mit der gefälschten Rechnung erschien. Schließlich verschonte der Angeklagte seine eigene Schwester nicht; er fälschte Rechnungen und zog' darauf Außenstände ein. Er hatte durch alle diese Schwindeleien in kurzer Zeit eine so große Summe zusammengescharrt, daß er das Geld nicht hatte verbrauchen können. Auf die Frage des Vorsitzenden. wo er mit dcnr Gelde geblieben sei, erwiderte der Angeklagte nach berühmten Mustern, daß er es im Grunewald vergraben habe, er beabsichtige nach Vcrbüßung seiner Strafe ins Ausland zu gehen. Der Gerichtshof ließ die Bitte deS geständigen Angeklagten, ihni mildernde Umstände zuzubilligen, unberücksichtigt. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Zuchthaus. Polizci-Aufsicht, Ehrverlust und 1950 M. Geldstrafe oder noch 130 Tage Zuchthaus. Fn der Anklagesache wegen versuchten Gattenmordes gegen den Diätar Hahn und die geschiedene Frau B u ch w a l d fand gestern ein Termin zur Inaugenscheinnahme des ThatorleS beim Bahnhofe Schmargendorf statt. Während die Ucberfallene, die Ehe- frau Hahn, behauptet, daß die Geliebte ihres Mannes, die Buch- wald, plötzlich hinter einem Baum hervortrat, hinter dem sie sich verborgen gehalten, behauptet die Buchwald, daß sie frei und offen auf dem Wege stehend, die Frau Hahn erivartet habe, in der Ab- ficht, dieselbe durch ihren Anblick zu reizen. An dem Termine nahinen der Untersiichungsrichtcr, Landgerichtsrat Friedbcrg, Staats- anwalt Plnschke und die' Verteidiger der beiden Angeklagten, Rechts- anwälte Pincus und Dr. Werthauer Teil. Der Traucrbricf-Collcctcur Tcclhorst ist wegen seiner be- kannten Lotteriepraktiken gestern vonr Schöffengericht in Braun- schweig auf Grund des§ 366 11 des Strafgesetzbuchs zn 300 M. Geldstrafe verurteilt worden. Eine gleiche Strafe erhielt der Lotterie- collccteur Klostermann als Compagnon des Schwindlers. Uetzkv Aschvirtzten und Oepofchen. Die Unruhen in Belgien. Brüffel, 30. Juni.(W. T. B.) Die Parteien d e r L i n k e n versamnielten sich nach der Kammersitzung und redigierten ein Protokoll, welches besagt, daß angesichts des durch die öffcnt- liche Meinung soeben errungenen ersten Sieges alle einig seien in der Ueberzengnng von der entschiedenen Notwendigkeit, die Vereinigung aller oppositionellen Kräfte in dem Widerstände gegen die Wahlvorlage aufrecht zu erhalten. Die Par- tcicn der Linken beharren dabei, die Vertagung der Vorlage zu ver- langen und in der Propaganda hierfür fortzufahren, sprechen jedoch, um' dem Gedanken nach Beruhignng Ausdruck zu gebe», den Wunsch ans, daß die Kundgebung in größter Ruhe fortgesetzt werde. Nach Schluß der Kammersitzung verließen die s o c i a« listischen Deputierten in Gruppen das Kainmergebände, der Socialist Vandervelde wandte sich mit Ennächtigung der Polizei an die Menge und teilte mit, daß die Lösung der Krise bevorstehe, crmahnte die Menge zur Ruhe und sprach die Hoffnung ans, daß in Brüssel die Ordnung wieder eintreten werde. Desgleichen lud er die Menge zu einer Versammlung im Volkshause auf heute Abend ein. Die Menge zollte dem socialistischeu Depu- ticrtcn lebhaften Beifall. Brüssel, 30. Juni.(W. T. B.) Der Bürgenncister n, achte durch öffentlichen Anschlag bekannt, daß er angesichts der heute in der Kammer von der Regiernng abgegebenen Erklärung seine gestrige Verfügung bezüglich des Verbots von Ansauimlniigen zurück- ziehe. Mehrere focialistisch- fortschrittliche Deputierte brachten im Bilrcau der Kammer einen Antrag ein, welcher ein P l e b i s c i t über die dem Volk erlvünschte Form des Wahlrechts ver- langc.— Das„Petit Bleu" sagt, die Regiernng habe kapituliert.„ P e u p l e" erscheint heute mit Trauerrand und be- schränkt sich darauf, die heutigen Erklärungen der Regierung zu ver- zeichnen._ Trieft, 30. Juni.(B. H.) In der Nacht kam es zu einein Zusammenstoß zivischen den Christlich- Socialen und den S o c, a I i st e n, so daß die Polizei einschreiten mußte und z iv ö l f Verhaftungen vornahm. Paris, 30. Juni.(W.T.B.) Dcputiertcnkammcr. Mille» v o y c wünscht über die Art und Weise zu interpellieren, in welcher M i l l e r a n d die socialistischen Doktrinen anzuwenden gedenke. Auf Antrag Millcrands beschließt die Kammer mit 357 gegen 165 Stimmen, den Antrag auf einen Monat zu vertagen. ourqnsry de Boisserin bringt einen Antrag ein, welcher die Regierung auffordert, die Kammer nicht zn vertagen, so lange die Republik in Gefahr sei. Der Antragsteller drückt gleichzeitig mehreren Mitgliedern des Kabinetts feig Riißtrauen ans. Präsident W a l d e ck- R o u s s c a n erwidert, das Kabinett sei eine Regierung republikanischer Politik. Wenn man sage, die Republik sei in Gefahr, so sei dies eine arge Uebertreibung. Hierauf zieht Pourquery seinen Antrag zurück. PariS, 30. Juni.(W. T. B.) Die Deputiertenlammer nahm mit 319 gegen 174 Stimmen einen Antrag an, wonach Frauen, die den Grad als Dieeuciöv eu äroiv erlangt haben, die Advokatur ausüben dürfen. Rom, 30. Juni.(B. H.) Die Regierung verständigte Z a- n a r d e l l i, sie sei zu weitgehenden Zugeständnissen in Bezug auf Inhalt und Form der streitigen Perordnungen bereit, sobald die Opposition sich zur Annahme der Reglementsnovelle verpflichte. Rom, 30. Juni.(W. T. B.) D e p u t i e r t e» k a m m e r, Der Radikale Taconi beantragt, daß die Beschlußfähigkeit deS Hauses durch Namensaufruf festgestellt werde; der NamenSaufrick ergicbt die Beschlußfähigkeit. Der Socialist Pra in Polini bei antragt nainciitlichc Abstimmung über die Genehmigung des Pro- tokolls.(Lärm rechts und im Ccntrnm; Ruft: Genug, genug.) Der Präsident erklärt, der Antrag Prampolinis verstoße gegen die Geschäftsordnung, er könne ihm deshalb keine Folge geben. Das Protokoll lvird' hierauf genehmigt.(Lebhafter Beifall.) Unter heftigem Lärm erklärt Prampolini die Abstimmung über das Protokoll für ungesetzlich und verlangt wiederholt nainentliche Ab- 'tinintung. P a n t a n o(radikal» erklärt, die äußerste Linke be- absichtige, alle von der Geschäftsordnung zugelassenen Mittel anzuwenden, um die Mehrheit zu verhindern, daß sie die politischen Maßnahmen, ivelche die ver- ässungsmäßigen Rechte verletzen. genehmige. Redner for- derl'den Präsidenten auf. die Rechte aller zu schützen, da sonst jede Auflehming gesetzniäßig sei.(Zustimmung auf der äußersten Linien, großer Lärm auf der Rechten und im Centrum.) Die äußerste Linke schreit fortwährend:„Namentliche Abstiinmung!" Tumult. Viele Deputierte verlassen ihre Sitze. Die Sitz u'n g wird unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung ver- langt die äußerste Linke noch immer die namentliche Abstiminung unter heftigem Tumult. Der Präsident bestimnit, daß zur geheimen Abstimmimg geschritten werde über mehrere Gesetzentwürfe. die schon in der Morgensitzung angenommen worden waren. Viele Deputierte der äußersten Linken steigen in den Raum vor der Nednertribüne herab, um die Abstimmung zu verhindern. Heftiger Tumult. Man schlägt sich mit den Fäusten. Die' Sitzung wird untcrbrocheii. Bei Wiederaufnahme der Sitznng beklagt der Präsident lebhaft die begangenen Gcwaltthätigkeiten und hebt hervor, er habe stets mit größter Gerechtigkeit die Gcschäftsordnnng gchandhabt(Gut.) und fordert zur Ruhe auf. Darauf schreitet die Kaninier zur geheimen Abstimmung über die vier heute vormittag genehmigten Gesctzentlvürfe.(Auf der äußersten Linken erhebt sich großer Lärm.) P a u l a n o bemerkt, indem er namentliche Abstiinmung über das Protokoll verlangt, man könne nicht über mehr als drei Gesetz- entwürfe zu gleicher Zeit abstimmen, mau müsse vorher die Interpellationen besprechen; die äußerste Linke beabsichtige nicht einen Zoll breit von ihren Reckten abzugehen.(Bei- all auf der äußersten Linken, lebhafte Unruhe bei den anderen Parteien des Hauses.) Der Präsident erividcrt. die Besprechung der Jntcrpellationcii habe bereits begonnen gehabt, als der Lärm es unmöglich machte, damit fortzufahren; auch sei die dazil bestimmte Zeit' abgelaufen gewesen. Die Abstimmung nimmt ihren Anfang, aber auf der äußersten Linken erhebt sich lautes " e s ch r c i ,' M i t g I i e d c r der ä n ß e r st c n Linken werfen te Urnen auf die Erde. Der Präsident schließt hierauf unter großem Lärm die Sitzung. Alexandrien, 30. Juni.(B. H.) Da die Pcstcpidemic noch andauert, läßt die Regierung Acrzte hierher kommcli, die mit der indischen Pest vertraut sind._ Berantwortlicher Redactcur: August Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil veranlwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Htm» 8 Beilagen. st. 151. i6. int«. 1. Keilllgt Das sächsische Regierungsorgan vor Gericht. Den Schlußteil der Gerichtsverhandlung in Dresden gegen die verantwortlichen Redacteure des„Vorwärts" und der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung", Genossen Jacobey und Beyer, sowie gegen den Flugblatt- Verleger Genossen Lienecke, haben wir gestern in telegraphischer Kürze wiedergegeben. Wir geben bei dem bedeuten- den Interesse des Prozesses heute noch eine ausführlichere Dar- stellung: Nach Schluß der Beweisaufnahme sucht Staatsanwalt v. d. Decken nochmals den Nachweis zu sichren, daß das Gericht betteffs Jacobey zuständig sei. Daß der Minister des Innern berechtigt sei, für die Redacteure des„Dresdener Journals" den Strafantrag zu st eilen, gehe aus dem Umstände hervor, daß das„Dresdener Journal" aus den Mitteln der Regierung unterhalten werde und die Redacteure von der Regierung angestellt und als Beamte der Regierung eidlich verpflichtet werden. Zur Sache selbst bemerke er, daß der Wahrheits- beweis vollständig mißglückt sei. Die Verlesung der ver- schiedenen Schriftstücke habe den Beweis geliefert, daß mehrere Stellen aus der Anklageschrift fortgelassen seien, weil dieselben in der Hauptverhandlung nicht erwiesen worden seien. Von einer Täuschung der öffentlichen Meinung könne daher keine Rede sein. Er beantrage danach das Schuldig gegen alle drei An- geklagte. Bei der Strafzumessung ivcrde die Schwere der Beleidigungen zu berücksichtigen sein. Strafmildernd könnte allerdings die große Erregungl. in der damals die Angeklagten sich befunden haben mögen, in Betracht gezogen werden. Verteidiger, Rechtsanwalt Freudenthal- Berlin: Ich muß wiederholt darauf hinweisen, daß die Redacteure des„Dresdner Journals" nicht Beamte im Sinne des Gesetzes sein können. Das Gesetz sagt ausdrücklich, daß als Beamter nur der- jenige anzusehen ist. der öffentliche rechtliche Funktionen erfüllt. Die Leistung des Amtseides bedingt auch noch keine Amts- eigenschast. Hier in Sachsen gelten selbst die Flcischbeschauer. obwohl dieselben vereidet und doch im Dienste der öffentlichen Gc- sundheit thätig sind, nicht als Beamte. Wenn man jeden, der im Dienste der Regierung arbeitet, als Beamten betrachten wolle, dann haben auch die Eisenbahnarbeiter als Beamte zu gelten. Sind aber die Redacteure des„Dresdner Journals" keine Beamte, dann war der Minister des Innern nicht bc- rechtigt, den Strafantrag zu stellen. Ich wiederhole aber, daß.selbst wenn die Bcamteneigcnschaft der angeblich Beleidigten angenommen werden sollte, der Straf- antrag keine Geltung haben kann, da nach einer Entscheidung des Reichsgerichts ein Vorgesetzter nur dann den Strafantrag stellen kann, wenn die Beleidigung mit Bezug auf die Berufsausübung des betreffenden Beamten begangen ist. Der Vorlvurf der Täuschung und Unlvahrheit richtet sich aber nicht gegen die Beamtenehre, sondern gegen die all- gemeine bürgerliche Ehre. Ich beantrage daher die Ein- stellung des Verfahrens. Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Ich schließe mich de» Aus- führungen meines Herrn Mitverteidigcrs an und will nur noch hervorheben, daß der Wahrheitsbeweis in vollem Umfange geführt ist. Der bctteffcnde Artikel des „Dresdener Journals" beginnt mit den Worten:„Das Urteil in dem Löbtauer Proceß lautet": Daiiacb kommt der Tenor des Urteils, etwas vollständig Ueberflüssigcs, da dies längst durch die Preffe bc- kannt geworden war. Alsdann kommt ein Teil der Anklageschrift, darauf ein politisches Sentiment der Redaktion, darauf wieder ein Teil der Anklageschrift, die vom Vorsitzenden des Schwurgerichts mitgeteilten Entscheidnngsgründe betreffs des Strafmaßes usw. Der Jurist sieht wohl sofort, daß dies Elaborat nicht die Urteils- begründung ist, die große Masse ist aber dieser Meinung, und um diese Meinung hervorzurufen, ist der Artikel in der angedeuteten Weise geschrieben worden. Die große Masse der Nichtjuristen weiß nicht, daß bei Schwurgerichts-Urteilen nur da? Strafmaß begründet werden kann. Es ist also bei Veröffentlichung des Artikels von der Absicht ausgegangen, die öffentliche Meinung zu täuschen. Der Verteidiger sucht im weiteren den Nachweis zu führen, daß der Arttkel eine Reihe entlastender Punkte verschwiegen, dagegen mehrere Belastungspunktc, die in der Hauptverhandlung nicht erwiesen worden seien, als bewiesen mit aufgeführt habe. Das„Dresdener Journal" suchte außerdem den Nachweis zu führen, daß den ganzen Krawall die Socialdcmokratie reip. die Gewerkschaftsbewegung verschuldet habe. Die Justizbehörden lehnen selbstverständlich die Verantwortung hierfür ab, der Herr Oberstaatsanwalt habe in der Hauptverhand- lung mit keinem Worte eine solche Andeutung gemacht. Die ver- antwortungslosen Redacteure behaupten aber frisch darauf los. Sollte der Gerichtshof trotz alledem zu einer Verurteilung kommen, dann ersuche er(Verteidiger), den Ton des„Dresdener Journals", dessen sich dasselbe gegen die Socialdemokratie bediene, in Betracht zu ziehen. Nach noch kurzer Erwiderung des Staatsanwalts bemerkt Rechtsanwalt Heine: Sobald man die Eisenbahnarbcitcr als Beamte ansieht, dann will ich auch die Redacteure des„Dresdener Journals" als Beamte betrachten. Vorläufig halte ich aber das Schreiben eines Zeitungsartikels ebenso wenig für eine amtliche Thätigkeit, wie die Errichtung eines Bauzauns oder das Kochen einer Suppe in einem königlichen Krankenhause. Angekl. Jacobey verliest noch einen Artikel des„Dresdener Journals", in dem die Socialdemokraten für die Ermordung des Justizrats Levy in Berlin, der östreichischcn Kaiserin usw.' ver- antwortlich gemacht und in dem die Socialdemokraten Ver- brccher, Mörder, Lügner usw. genannt werden. Der Vorsitzende verkündet nach kurzer Beratung dcS Gerichtshofes, daß das Urteil Montag, den 3. Juli, mittags 12 Uhr, verkündet werden wird. Die Ruhestätte der im März 1848 Gefallenen. Um das Friedhofs-Portal im Friedrichshain wurde gestern abermals vor dem Bezirksausschusse lebhaft gekämpft. Die beiden städtischen Behörden hatten bekanntlich die ordnungs- mäßige Instandsetzung des Friedhofes der Märzgefallenen im Friedrichshain und gleichzeitig die Herrichtung eines Eingangs- thores daselbst beschloi'sen. Die schon im Mai v. I. vom Magistrat nachgesuchte Bauerlaubnis für dieses Bauwerk wurde am 16. Februar dieses Jahres verweigert. Der Polizeipräsident begründete diese Verweigerung wie folgt:„Wie aus den dem Antrage vorher- gegangenen Verhandlungen der städtischen Körperschaften und ans der Art, wie die' Ausführung geplant ist, hervorgeht, be- zweckt das Bauwerk eine Ehrung der dort begrabenen „Märzgefallenen", umhin eine politische Demonstration zur Verherrlichung der Revolution, die ans all- gen: einen ordnungspolizeilichei: Gründen nicht gestattet werden kann." Der Magistrat erhob gegen diese Ver- fiigung gegen das Polizeipräsidium Klage beim Bezirksausschuß, vor welchem am 25. April der erste Termin anstand. Derselbe ver- siel der Vertagung, weil der damalige Vertreter des Magistrats, Stadtsyndikus M c u b r i n k, sich bereit erklärt hatte, beim Magistrat Vortrag zu halten über die„Anregungen", die der Vorsitzende Geh. Ober-Rcgierungsrat K a y s e r' über eine Beseitigung des ganzen Streitfalles durch Abänderung des Projekts gegeben hatte. Im weiteren Verlaufe hat dann der immer noch nach oben hin devote Magistrat die Stadtverordneten- Versammlung ersucht, mit des„Dmiilte" ihm in gemischter Deputation über die Angelegenheit zu beraten, die Versammlung hat aber diesen Antrag abgelehnt, weil sie eine grundsätzliche Entscheidung in dieser Angelegenheit wünschte, und so stand denn gestern wiederum Termin vor dem Bezirks- ausschuß an. Den Vorsitz führte wiederum Geh. Regierungsrat K a y s e r, für den Polizeipräsidenten ist der Vorsitzende der Bauabteilung Regierungsrat Zacher anwesend, den Magistrat vertritt Justizrat Kleinholz. Der Magistrat hält die Weigerung des Polizeipräsidenten zur Erteilung der Bauerlaubnis gesetzlich' nicht für begründet. Das Portal iei durchaus einfach projektiert, der Kostenanichlag der ge- samten Jnstandsctzungs- Maßnahmen betrage 6500 M., nach dein Entwürfe würde dieses Portal hinter manchem Portal anderer Friedhöfe zurückstehen. Der Magistrat heabsichtige lediglich eine diskrete Beseitigung des Eindrucks einer unleugbaren Verwahrlosung eines innritten eines städtischen Parkes gc- legenen Friedhofes. Die Absicht, daß es sich lediglich um eine Ehrung der Märzgefallenen und eine Verherrlichung der Revolution handle, wird entschieden b e st r i t t e n; für die im Verlaufe der Angelegenheit laut ge- wordenen abweichenden Aeußcrnngen könne der Magisttat nicht verantwortlich gemacht werden, der Magistrat habe vielmehr alles gethan, um durch„Abweisung extremer Agitationen" jede Miß- dcutung unmöglich zu machen, und gerade die Unterschiebung einer solchen Absicht habe den Magistrat veranlaßt, den Klagewcg zu be- treten. Der Polizeipräsident steht dagegen auf dem Stand- Punkt, daß die Absicht der bloßen Instandsetzung des Friedhofes immer mehr gegenüber dem Wunsche, ein dauerndes Erinnerungszeichen an die Märztage zu schaffen, zurück- getreten sei, so daß kein Zweifel darüber herrschen könne, daß es sich um eine politische Demonstration znr Verherrlichung der Revolution handle. Wenn wirklich bloß die Instandsetzung eines verwahrlosten Friedhofs in Frage stände, hätte man damit nicht gerade auf die Wiederkehr des 50. Gedenktages dcS 18. März warten brauchen. Die geplante Art der Ausführung des Portals bclveise deutlich, daß es sich um die Herstellung eines dauernden Erinnerungszeichens an die Berliner Revolution handle; dies werde ganz zweifellos, wenn— wie mitgeteilt worden— der Beschluß gefaßt worden sei, den« Portal die In- s ch r i f t zu verleihen„Ruhestätte der i m März 1848 0) e- fallenen". Tics widerspreche der Gepflogenheit, solchen Portalen nur die Inschrift„Gcmcindcfriedhof" oder Ruhestätte einer bestimmten„Kirchengcmeinde" zu geben. Dazu komme, daß cs ein bezeichnendes Mißverhältnis sei, daß der Gcsamtkosten der gc- planten Jnstandsctzungsarbeiten auf das Portal fallen sollen. Die Verfügung vom 15. Februar cr. sei ortspolizcilichcr Natur, sie sei veranlaßt' durch Thatsachcn, durch welche die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werden könne. Es handle sicki um die Ehrung der in: Jahre 1848 im offenen Kampfe gegen die Staatsgewalt als Empörer. Gefallenen, das müsse in weiten Kreisen der Bürgerschaft A n st o ß(!) und Unwillen erregen und sei geeignet, das gute Einvernehmen und den Frieden zwischen den' verschiedenen Klassen der Bevölkerung zu stören. Eine derartige bleibende feierliche Erinnernngsstätte an die Revo- lution würde auch die Gefahr in sich schließen, daß der bei Gedenktagen zu erwartende, im m e r größer werdende A n d r a n g zu S t ö r u n g e n der öffentlichen Ruhe und Ordnung führen köniite! Der Magistrat hat in einer umfangreichen Entgegnung auf die Klagcbeantwortung des Polizeipräsidiums die von demselben vor- gebrachten Gründe bekämpft und nochmals sich entschiede n da- gegen verwahrt, daß cs sich um eine Verherrlichung der Revolution handle. Auf die geplante Inschrift könne das Polizeipräsidium noch gar nicht Bezug nehmen, da in dein über- reichten Bauplan eine folche Inschrift nicht ent- hallen sei und ein Gcmcindcbejchluß in dieser Be- zichnng nicht vorliege. Zu einer solchen Inschrift würde der Polizeipräsident cvcnt. erst später Stellung nehmen können. Nach der Absicht des Magistrats solle die Inschrift lauten:„Ruhestätte der in den Märztagcn 1848 in Berlin Gefallenen", sie sei die passendste, weil sie historisch richtig sei. Der Referent, BerwaltungSgerichts-Direktor Frensberg gicbt nach den vom Magistrat eingeforderten Akten eine eingehende Dar- stellung der Enttvickclung der ganzen Angelegenheit, wobei er auch die Reden der verschiedenen Redner in der Stadtvcrordneten-Vcr- sammlung sowie der Vcrttetcr des Magistrats, des Ober-Bürgcr- mcisters Zelle und des Stadtrats Namslau, ansührt. Hierauf nimmt Justizrat Kleinholz das Wort, indem cr zu- nächst bemerkt, daß cr der Erklärung des Vertreters des Magistrats in der Sitzung des Bezirksausschusses vom 26. April voll und ganz beitrete, weil'sie der Sachlage vollständig entsprach, eine Verschiebung der Rechts- und Sachlage dadurch nicht eingetreten sei und die Sache selbst eine ros inteKra geblieben sei. Justizrat Kleinholz ergänzt die Sachdarstellung dcS Referenten noch in einigen Punkten und sucht nachzuweisen, daß keine der Kundgebungen des getreuen Ma- gistrats in dieser Angelegenheit eine solche sei, daß man ihm die Absicht einer Ehrung der Märzgefallenen und einer Ver- herrlich ung der Revolution unterschieben könne. Der Magistrat habe es stets abgelehnt, etwa dahin zielenden Absichten aus der Mitte der Stadtverordneten-Versanimlung oder ans anderen Kreisen Vorschub zu leisten, er sei an die ganze Frage nur heran- getreten, als ihm am 24. März 1897 ein Gesuch uni Aufbcffcrung des äußeren Zustandes des Friedhofes unterbreitet worden war. Eine„Ehrung" der Märzgefallenen sollte nur durch den abgelehnten in der Stadtverordnetcn-Versammlung gestellten Antrag, auf dem Friedhofe einen Denkstein mit einer Inschrift zu errichten, bc- zweckt ivcrden, die vom Magistrat beabsichtigte Errichtung eines Portals und Umfriedigung des Friedhofes könne eine solche Ehrung nimmermehr darstellen. Lediglich der „D e n k st e i n" sei stets der Stein des Anstoßes(I) gewesen und sei cs noch: niemand habe sich sagen können, daß die n o i w e n d i g e Verbesserung des Zustandes des Friedhofes als besondere„Ehrung" aufgefaßt Ivcrden könne. Der Magistrat habe sich, wie feststeht, allem widersetzt, was als Ehrung gelten könne, er habe bei seinem Plan, den Friedhof zu verbessern, lediglich einer von dritter Seite gekommenen Anregung Folge geleistet und bei seinen Maßnahmen sich auf einen Standpunkt gestellt, der jeden loyalen Bürger befriedigen müsse. Auch die „Art der Ausführuug" begründe nicht die Auffassung, daß cs auf eine„Ehrung" oder„Verherrlichung der Revolution" abgesehen ei. denn schon der Kostenanschlag für das Portal beweise, daß kein Monumentalbau in Aussicht genommen sei. Nichtig sei es, daß die angedeutete Inschrift im Schöße des Magistrats als die passend st e erachtet sei: sie entspreche den g e s ch i ch t- lichen Thatsachen, deute auch keineswegs auf eine besondere Ehrung hin und stehe überdies hier gar nicht in Frage, da sie der Behörde noch gar nicht zur Genehmigung zugegangen sei, vielmehr in diesem Punkte noch alles in der Schwebe sei. Passend und zweckentsprechend sei aber diese Inschrift, denn thatsächlich handle es sich hier nicht um einen Gcmcindefriedhof oder städtischen Fried- Hof, sondern um einen Friedhof besonderer Art. Der Magistrat habe die Pflicht, als Eigentümer des Fried- Hofes eine Verbesserung der schlechten Zustände eintreten zu lassen, der Friedhof liege an einer ganz verborgenen Stelle, und wenn er durch ein Portal abgegrenzt werden solle, o könne hierin keine Ehnmg erblickt werden. Der Vertreter des Magistrats erörtert sodann die formcll-rechtliche Seite des Vor- gehens des Polizeipräsidenten und betont. daß der Magistrat weniger aus formellen Gründen eine Aufhebung der Polizei- versiigung erwarte, sondern Wert darauf, lege, daß durch Er- MlllllU. Sennotifuii, 1.|iili 1899. kenntnis festgelegt werde, ob er thatsächlich richtig oder unrichtig gehandelt habe. Der Vertreter deS Polizeipräsidenten erkennt an, daß der Magistrat sich mit Erfolg bemüht habe, die Errichtung eines Denksteins zu hintertreiben, ist aber der Meinung, daß das jetzt geplante Bauwerk einem Denk st ein gleich z'u achten' sei, ja noch mehr als solcher wirken würde, als ein an der Grenze des Friedhofes st c h e n d e r Stein. Uebrigens habe der Obcrpräsidcnt schon in einem früheren Schreiben an den O b c r b ü r g c r m e i st e r nicht nur die Setzung eines Denksteins an sich, sondern auch eines monumentalen Portals beanstandet. Was die Inschrift betreffe, so sei solche in dem Bauplan allerdings nicht vorgesehen. Thatsache aber sei cs— und der Magistrat gebe dies auch zu daß dieselbe beabsichtigt werde. Ein Portal mit jener In- schrift soll also den Denkstein ersetzen. Der Vertreter des Beklagten verliest eine Stelle aus einem Bericht des Oberpräsidcnten a» den Minister vom 6. Mai 1898, in welchem cs heißt: der Ober- bürgcrmeister Zelle habe in einem vertraulichen Gespräch mit dem Decernentcn des Oberpräsidenten sich über die Inschrift geäußert. Der Dcccrnent habe unter anderem angedeutet, daß nach dem ganzen Verlauf der Angelegenheit die Voraussetzung bcrcchttgt erscheine, daß das Portal ohne Inschrift errichtet werden solle. Der Oberbürgcrnieister Zelle habe darauf erklärt, daß diese Voraussetzung eine irrthümliche und wohl nur durch einen Mangel der Bau- Zeichnung erklärlich sei. Thatsächlich sei in dem vom Magistrat auf- gestellten Bauprojekt die Inschrift„Nuhcstnttc der in den Märztagen 1848 in Berlin Gefallenen" geplant gewesen, dies Projett sei von der Stadtverordneten- Versammlung genehmigt worden und der Magistrat sei ohne erneuten Beschluß der Stadtverordneten nicht imstande, von der Inschrift Abstand zu nehmen. Wenn, so schließt der Vertreter des Beklagten, an einem so kleinen, verborgenen Friedhofe ein derartiges monumentales Bauwerk errichtet werden solle, so könne kein Zweifel darüber sein, daß cS sich um eine D e ni o n st r a t i o n handle. ES rechtfertige sich daher die Abweisung der Klage. Der Referent verweist noch darauf, daß in einer großen Mappe znr evcnt. Besichtigung durch den Bezirksausschuß die Abbildungen von Portalen einer Reihe anderer Friedhöfe vorlieget?. DnS Kollegium zieht sich hierauf zu längerer Beratung zurück, deren Ergebnis folgender VcwciSbcschluß ist: Vom Kläger amtliche AuSttinst' darüber zu erfordern, ob das vorgelegte Bauprojekt mit der vom Magistrat beschlossenen Inschrift von der Stadt- vcrordnctcn-Versammlung genehmigt worden ist, so daß es zu ciiicr Abänderung desselben eines erneuten Beschlusses der Stadtverordneten-Versanimlung bedürfen wird. Die Verhandlung wird hierauf geschlossen. Mmtttumml-cs» AnS der MagistratSsitznng am Freitag. Znr Forderung deS naturkundlichen Unterrichts nach einem bestimmten VerwendungS- plan hat das Magistratskollegium beschlossen, in den nächstjährigen Etat die Summe von 4000 M. einzustellen für Vorträge über die Fortschritte auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, über neite Entdeckungen,!>cue Apparate, praktische Anwcndlnigcn und ins- besondere für Exkursionen.— Der städtische StipcndicnfondS für Studierende der hiesigen Universität betrug bislang 3600 M. Auf Anregung der Stadtvcrordiictcn-Versnmmlung hat das Magistratskollegium beschlossen, diesen Fonds ans 10 000 M. zu erhöhen.— Eincn Antrag, der Jernsalemkirche znr Errichtung eines L c i ch e n h a u j e S einen Beitrag zu gcivährcn, hat das Magistrats» kollcginm abgelehnt.— Zur Errichtung einer Gemeinde- D o p p e l s ch n l e hat das MagistratSkollegnim beschlossen, ein Grundstück in der Sellcrstraße anziitaufen.— Znr Verbreiterung der Fricdenstraße soll nach Beschluß des MagistrntSkollcgii cm hierzu erforderliches Gebäude des GcorgcnkirchhofcS von 323 Quadrat- metcrn erworben werden. In ihrer geheime» Sitzung an? Donnerstag hat sich die Stadiverordiicteii-Verjammlung mit der Pensionicrung des Direktors der Charlottcnschnle, Professor Karl Goldbcck, zum 1. Oktober 1899 und mit der Wahl des ersten Assistenzarztes der städtischen Irren- anstnlt zu Dalldorf, Dr. Hermann Schmidt, als Oberarzt in der Anstalt für Epileptische zu Wnhlgarten cinverstaudeir erklärt.— Zu der am 4. August cr., vormittags 10 Uhr, stattfindcndcn Feier der Enthüllung des Denkmals von Schulzc-Dclitzsch auf dem Platze ain Treffpunkte der Köpnickcr- und der Neuen Jakob- und Jnselstraße hat die Vcrsaiiimlung abgeordnet die Stadtverordneten: Förster, Frick, Emil Gcricke, Karl Goldschinidt, Haninterstein, Hauer, Jacobi, Klanr, Liebermann, Marggraff, PerlS, Reichnow, Roscnow und Schröter.— Zu Komniimal-Lnndtags-Aligeordnctcn der Stadt Berlin sind von der Versäininlung in Aussicht genommen die Siadtvcrord» netcn Esmann. Kyllmann und Herbig und zu deren Stellvertretern Jacobi, George und Roscnow. Ltflmlvs. Wegen Raummangels können wir die Darstellung der Lokal» kommission über die Angelegenheit der Brauerei Pichelsdorf erst am Sonntag veröffentlichen. Arbeiter, Parteigenossen! Wir bringen hicrniit nochmals zur Kenntnis, daß das Lokal von„RutkowSIi" in Rauch- f a n g w e r d e r der Arbeiterschaft nicht znr Verfügung steht, und erwarten von Euch, daß Ihr Dampferpartien u. dcrgl. nach dort nicht unternehmt, evcnt. abgeschlossene Verträge rückgängig macht. Ferner geben wir bekannt, daß uns in Schmöckwitz»ur das Lokal„S e d d i n- S e e", Inhaber August Stcphnni, zur Verfügung steht. Im übrigen verweisen wir ans die Lokallijtc, sowie ans die zur Ergänzung derselben im„Vorwärts" gebrachten Berichte und ersuche», streng danach zu handeln. Die Lokalkommission. Ludwig Schneider, AdlcrShof, Hackcnbcrgstr. 12. DaS Lokal von W. ProppenS in Müggelheim„Große Krampe" steht der Arbeiterschaft zur Verfügung. Die Lokalkommission von Teltow-BeeSkow. Der Kampf»m die Inschrift. Wenn die beste Methode. revolutionierend zu wirken, mit einem Preis bedacht wäre, so hätten die ordmlngsstützenden Gewalten, die gestern vor dem Bezirks- ausschuß das Friedhofsportal zu Fall bringen wollten, ihn ohne Zweifel verdient. Alles war geschehen, was der Ehrung der Märzgefallenen den Stachel hätte nehmen können. Der Denkstein war aus denr Gcdankcnbann der Komunalverwalttmg beseitigt worden, die Inschrift, die vielleicht gerade wegen ihrer nüchternen Unschuld für so gefährlich erachtete, hatte man der zum Sachwalter der preußischen Politik avancierten Baupolizei aus Angst und Be» scheidenheit garnicht erst vorgelegt, und dennoch war es immer noch nicht genug gethan. Ein ganzes Jahr, und zwar das wichtigste, folgenreichste von allen, soll einfach ans der preußisch-deutschen Geschichte gestrichen werden. Ausgclöfcht aus der „Unterthancn" Angedenken fei das Jahr der Revolution, sei die Erinnerung daran, daß der preußische Staat und das Deutsche Reich das was sie sind und was sie an spärlichen bürgerlichen Freiheiten besitzen, in letzter Linie der Gewalt des Volkes verdanken, dessen historische Mission es war, dem Absolutismus das Genick zu brechen und Preußen damit in die Reihe der lebensfähigen, modernen Staaten einzufügen. Diesen Plan enthüllten gestern abermals die Reden und Ein- Wendungen, die im vermeintlichen Interesse der Ordnung gehalten der grandiosen Kühnheit einer solchen Jdct dtrschwindet ! eigentliche Objekt dcS Kampfes. Man sieht nur wurden. Vor gleichsam daS... �■. noch den Ritter mit der Pickclhanbc, den eine romantische Schrulle gnm Stiiuu gegen die Windinühlcnflngcl treibt und der von diesen Windiniihlcnfiiigeln infolge dcS Waltcns rein physikalischer Gesetze zu Boden geschlagen wird. Längst vergessen wäre, wenn auch gewiß nicht im Proletariat. das mit und ohne Portal des ruhmvollsten TagcS der deutschen Geschichte gedenkt, so doch im Bürgertum der 18. Märg, wenn die preußische Hof- und Poli�eipolitik sich klug gcbcrdet hätte, Iveun der preußische Staat im Gefühl seiner vielleicht doch noch vorhandenen Stärke den unschuldigen Denkstein und das unschuldige Portal ruhig hätte erstehen lassen. Die PrincipiciibcthStignngen des Ritters von der Mancha regen aber, und daS ist das verhängnisvolle an ihnen, auch den harmlose», nüchtern in der nüchternen Welt hausenden Bürger gewaltsam zu Betrachtungen darüber an, daß die preußische Romantik und die politischen DascinSbcdingnngcu der Gegenwart zu einander passen. wie— nun daS bekannte Sprichwort kennt ein jeder. Was kann revolutionierender wirken, als ivenn Leute, die am ehesten Ursache hätten, diese fatale Wahrheit sorgsam zu verdecken, sie geradezu nmtlvillig vor der Welt enthüllen. Zur Ladcnschlustsragc hat der BczirkSvcrein der Bäcker Moabits folgende Resolution aiigcnonimcn:„Der Bereiu beschließt, die Fest- sctznng einer bestimmten Stunde für den Geschäftsschluß abzulehnen. insbesondere, weil für Konditoren und Gastwirtschaften nicht die gleiche Verkürzung der Ladcnzcit in Aussicht genommen ist." Es sind ja nicht die Bäckermeister, die vorn Morgengrauen bis in die sinkende Nacht hinter dem Ladentisch stehen müssen. Die Gesundheit ihrer Verkäuferinnen kümmert die Herren aber ebenso wenig, wie die Gesundheit ihrer Gesellen und Arbeiter. Die Säbelaffairo in der Biilolisst raste wird in der«Berk. Ztg." luie folgt dargestellt:.In der Nacht zum Sonntag, nach 1 Uhr. wurde Oberleutnant B v t tr i ch, der vom 73. Füsilicr-Ne- giment in Hannover hierher zur Kriegsakademie kommandiert ist, voil dem offenbar angetrunkenen Tutas durch allerlei Redensarten belästigt und verhöhnt. Der Offizier ließ sich die Belästigung zu- nächst nihig gefallen. Erst als Tutos stehen blieb und dem weiter- schreitenden Offizier ein pöbelhaftes Schinipfwort nachrief, drehte sich dieser um, ging mit gezogenem Säbel auf TutaS los und bearbeitete diesen damit in fürchterlicher Weise. Tutas erhielt mehrere Stiche in den Unterleib und verschiedene Hiebe über den Kopf. Noch nachdcni Tutas besinnungslos ani Boden lag, versetzte ihm der Offizier, der offenbar außer sich vor Wut wm, eine Anzahl Hiebe. Plötzlich sprang Tutas auf und rannte knlferufcnd dein Rollendorf- Platz zn, bis er von neuem nieder stürzte. Der Offizier begab sich mit mehreren Personen, die sich an der Stelle dcS Vorgangs eingefunden, nach der Polizeiwache, nachdem er erst mit feinen Begleitern vergeblich nach dem Ver- Ivundeten gesucht hatte. Der schlvcrvcrletzte Tutas aber, der gegen den Nollcndorf-Platz zu, uni weiteren Mißhandlungen zu entgehen, flüchtete, konnte nicht weit laufen; nach wenigen Minuten stürzte er bewußtlos zusamnicn. Es dauerte längere Zeit, wie er angiebt, bis vr wieder zu sich kam. Von Blut über und über bedeckt, wankte er niif zwei Pastantcn zu und bat sie, ihm beizustehen. Die Herren führten ihn zur nächsten Unfallstation, von wo aus er in das Elisabeth-Krankenhaus in der Liitzowstraße übergeführt wurde. Hier liegt er nun schwer krank danieder. Nach Änsicht der Acrzte wird er nur darum möglicherweise niit dem Leben davon- kommen, weil er über eine ungemein kräftige Körperkonstitiition verfügt. Insbesondere die Stiche gegen den Bauch müssen nut fürchterlicher Kraft geführt worden sein. Hat doch ein Stich die schwere Uhrkette des Tutas zerschnitten, ein anderer Stich aber gar die U h r durch und durch g e b o h r t I TutaS, der Junggeselle ist, und in der Kurfürstenstr. 172 wohnt, ist ein Mann, der einen recht sympathischen Eindruck macht. Auch die Leitte bei denen er seit nahezu vier Jahren wohnt, schildern ihn als ordentlichen, ruhigen Menschen, der für gewöhnlich nur sehr wenig trinkt. Die Aussagen des Heizers, die er unserem Berichterstatter gegenüber machte, sind allerdings nicht sehr glaubwürdig und stehen mit unseren Ermittelungen irr Widerspruch. Tntas behauptet nämlich, daß er andern Offizier, den er gar nicht beachtet habe, vorübergehen wollte, ruid daß dieser vollständig grimdlos plötzlich mit dem Säbel gegen ihn losgeschlagen habe. TntaS will sich dies dadurch erklären, daß„der Offizier ihn mit einer andern Person verwechselt haben werde." Zwei Arbeiter sind gestern morgen bei einem Gerüst- einst rir z aus dem Grundstück Uscdomstraße 23 schwer ver- U n g l ü ck t. Das Gebäude, an der Ecke der JaSmunderstraße be- legen, hatte einen neuen Anstrich erhalten. Gestern morgen waren sechs Arbeiter damit beschäftigt, daS Leitergerüst abzuschlagen: drei Mann standen aus dem linken Flügel des Gerüstes, um die Bohlen von der vierten Etage herunterzulassen. In dar Höhe des vierten Stockes stand der 28 jährige Arbeiter Gustav Stillcrt aus der Marien- bnrgerstraße 21, im dritten Stockwerk befand sich der Arbeiter Julius Lippke, Fnedrichsselderstraßc 8 wohnhaft. In der Höhe der ersten Etage hielt sich der Arbeiter Meyer auf. welcher die herab- gereichten Bretter in Empfang nahm. Durch einen noch nicht auf- geklärten Umstand lösten sich die in der Wand am Fenster der zweiten Etage eingclasseiien Bolzen, mit welchen die Seitenlcitcrn gehalten wurden, und diese sowie die benachbarten Leitern stürzten zur Erde, das gesamte Gerüst des Flügels mit sich reißend und die drei ge- nmiiitcu Arbeiter unter sich begrabend. Stillcrt erlitt bei dem Absturz am Kopse sowie innerlich schwere Verletzungen; Lippke trug einen Schenkelbruch und gleichfalls Verletzungen am Kopfe davon. Beide Arbeiter wurden nach dem Lazarns-Kraiikenhanfe ge- schafft, lvoselbst Stillcrt hoffnungslos daruiederliegt. Der Arbeiter Mctzer blieb unbeschädigt. Wie gefährlich bei Herstellimg der elektrischen Oberkeikungen für die Straßenbahnen das Ziehen der Leitungsdrähte ist. zeigt wieder ein Vorfall, der sich in Schvneberg bei der Anlegung der fnr die neue südliche Vororlbghn bestimmten Oberleitung vor dem Rat- Hanse ereignet hat. Als ein Arbeiter die iienen Drähte mr die Drähte der bereits in Betrieb befindlichen Leitung anschloß, erhielt er Plötzlich einen leichten Schlag u»d wurde an beiden Hände» stark verbrannt. In einem Stadtbahnzugc gestorben ist gestern abend gegen 0 Uhr auf der Fahrt vom Bahnhofe Bcllevue bis Chqrlottenburg in einem Abteil J1I. Klasse ein unbekannter Mann von etwa 28 bis SO Jahren. Ans freien Fuß gesetzt wurde die Berliner Schauspielerin Maria Rlichlewsta. welche in Krakau unter dem Verdachte des Ve- tmgcs und Menschenhandels verhaftet worden war. Die von der Berliner StaatSauw'altschaft eingegangene AnSkrmft über die R. imd ihren gleichfalls in Haft genommenen Begleiter, den Balletmeister JagodzinSki, lautete dahin, daß keiner der beiden Festgenommenen von der hiesigen Behörde wegen irgend welcher Strasthaten verfolgt werde. Da auch für die angeblich auf östreichischein Gebiete verübten Verbrechen des Paares keinerlei sichere Beweise vorhanden waren, wurde» die Verhafteten nach scchswöchcnilichcr UiitersuchruigS- Haft wieder freigelassen. Vom Wagen gestohlen wurde vorgestern Nachmittag ans offener Straße dem Kutscher Bräuer auS der Kickerstraße 20 ein großes Paket, während er auf einen Augenblick in das Haus Stur» fürstenstraße 43 hiuciiigcgaiigcn war. Das Paket enthielt gegen 70 Pfund geräucherte Flcischlvarcn. Der Dieb war damit spurlos vcrschwnndcu, als der Kutscher zu seinem Fuhrwerke zurückkehrte. Erstochen wurde in der Nacht zum Donnerstag im Osten an der Ecke der Müncheberger- und Fruchtstraße der Kaffenbote Barthold durch den Monteur Schulz. Nach einem Streitckn einem Wirtshause gab Darthold ans der Straße dem Monteur eine Ohrfeige, die diesen zu Boden warf. Der Geschlagen« zog min das Messer und stach damit dem Kassierer in den Hals, wobei das Meffer abbrach. Der Gestochen« blieb auf der Stelle liegen und wurde auf Veranlasiung der Polizei nach der nächsten Unfallstation und dann nach einem Kraukenhause gebracht, wo er inzwischen ge- storbcn ist. Schulz wurde noch in der Nacht in dem Hause Frucht- straße 67, Ecke Küstrlner Platz, ergriffen und verhaftet. Eine internationale Motorwagen- Ausstellung findet im Excrzicrhause, Karlstraße 12, in der Zeit vom 3. bis 28. Erp tembcr d. I. statt. ES wird eine sehr zahlreiche Beteiligung er- wartet. Feuerbericht. in der Räuchcrkücke Räucherwaren und Frcltagvormittag entstand R ll g e n e r st r. 21 eines Schlächters ein Brand, der hauptsächlich Fett zerstörte. I» der vorhergebcndcn Nacht erfolgten Alarmiernngen nach Kochstraßc 25 und Chaussee- st r a tz e öS, doch war in beiden Fällen die Veranlassung eine ge ringfügige.___ Ans dcn Nachbarorten. Die Parteigenossen aus der Niiigcgcnd Berlins werden dringend ersucht, alle Mitteilungen, die sich auf die L o k a l l i st c beziehen, nicht an die Redaktion unseres Blattes, sondeni an dcn Parteigenossen Karl Scholz, Berlin SO., Wrangclstr. 110 park., zu adressieren, der das Erforderliche veranlassen wird. Die Redaktion überweist alle Zuschriften, die ihr in Lokalangelcgeuheitcn zugehen, dem geriaimteu Parteigenossen. Eine Parteibersammlnug für de» KreiS Nicderbarnlm findet morgen, Sonntag nachmittag 2 Uhr, bei Weigel in Rum- mcksburg, Türrschinidtstr. 26, statt. Der wichtigen Tagesordnung halber ist rege Beteiligung aus allen Orten des Kreises geboten. Rixdorf. Morgen, Sonntag, soll ein Flugblatt verbreitet werden. Die Parteigenossen werden ersucht, morgens 7 Uhr auf den bekannten Stellen pünktlich zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Tie bei der Stadtgcmcindc Rixdorf beschäftigten Militär- anwärtcr hatten beim Laudratsarrrt darüber Beschwerde geführt, daß sie gegenüber den Civilanwärtcrn zurückgesetzt würden, worauf der Laudrat angeordnet hatte, daß die Hälfte der Sckrctärstcllcn mit Militärauwärtcrn zu besetzen sei. Tic Gcmeindevcrivaltriiig rief gegen diese Anordnung die Entscheidung des Ncgieruugs- Präsidenten au, der die laudrätliche Versügung aushob, da es der Gcruciiide überlassen bleiben müsse, sich die Beamten, die zu Sekretären ernannt werden sollen, selbst auszilwählcrr ohne Rücksicht darauf, ob es Militär- oder Civilanwärter seien. Auf erhobenen Einspruch hat der Oberpräsidcnt in gleichem Sinne wie der Regierungspräsident entschieden und nur augcordnct, daß Nacht- Wächter- und Schuldiciicrstellcn ausschließlich mit Militäräuwärtern zu besetzen seien. Schöucberg. Die sofortige Einführung des Arbeits- Nachweises verlangt nunmehr der Magistrat von dcn Stadt- verordneten. In der denselben soeben zugegangenen Vorlage erklärt er, daß nunmehr von der Erhebung von Gebühren für die Arbeits- vcmiittluug Abstand genommen wird. Aus Ziveckmähigkeitsgründcn erachtet der Magistrat cS ferner für angezeigt, die Wchhrnchnmug der BcriiüttluugSgeschäfte für weibliche Personen gegen eine zu zahlende Entschädigung von 900 M. einer weiblichen Person zu übertragen. Gleichzeitig werden die Stadivcrordnctcir ersucht, die Wahl der Mitglieder der Deputation für den städtischen Arbeits- nachiveiS vorzunehmen. In Bezug auf die Errichtung einer Haltestelle in der Eiscnacherstrnße, die seitens der Schöneberger Stadtverordneten in ihrer letzten Sitzung abgelehnt wurde, hat der Magistrat unter Anfrcchtcrhaltmig- seines BcschlnffcS der Versaininkung folgenden Antrag unterbreitet: 1. Die Linie B i n c t a p l a tz— M a n st e i n- t r a ß e soll bis zur Eiseiiachcrstrahe verlängert werden und zwar spätestens bis zum 1. September 1899; 2. die Linie Treptow— G r o ß g ö r s ch e n st r a ß e ist bis zum Militärbabnhof zu verlängern' rmd zwar bis zum 1. April 1900 mit der Maßgabe, daß ein Scchsniiuutcn-Vcrlchr eingeführt wird; 3. bezüglich der Linie Alexander Platz- Bahn Hof— Ebers straße soll ein Fünf- minnten-Verkehr eingeführt werden mit der Maßgabe, daß jeder zweite Wagen nach Steglitz durchgeführt wird. Man schreibt uns aus Schiincbcrg: Von einem wahren Steig erun gsfiebcr scheinen die Hausbesitzer der westlichen Vororte befallen zu sein. Während noch vor wenigen Jahren der Berliner Arbeiter es vorzog, in Anbetracht seiner spärlichen Ein lünste seinen Haushalt m einen an Berlin grenzciidcii Vorort zu verlegen, kann man jetzt fast von einer Rückwanderung nach Berlin reden. In Charloltcnburg, Schöneberg und Wilmersdorf steigen die Preise der kleiiieu Wohnungen ins Unerschwingliche. Noch vor drei Jahren war es möglich, in den Straßen nahe dem Bahnhof Ebers straße eine Wohnung von 3 Zimmern nebst Zu bchör für 450 M. zu crballe». Heute losicl eine derartige Wohnung 700—750 M. Dieselben Klagen werden in Wilmersdorf und Friedenau laut, und der jetzt bevorstehende Küiidiguiigstcruiin dürfte noch manche Uebcrraichrmg bringen. Den Arbeiterfamilien wird es da- durch immer schwerer gemacht, eine Wohnung allein zu bewohnen: man ist gezwungen, an Schlafburschen 2c. zu vermieten. Belm Gcwn'bcgcricht in Eharlottenburg ist nach dem Ge- chäftSbericht für das Jahr 1898/99 eine Abnahme der anhängig gemachten Klagen mn 7» oder 12 Proz. gegen das Vorjahr z» ver- zeichnen. Die Gesamtzahl der Klagen betrug einschließlich der 10 au« dem Vorjahre unerledigt übernommenen 549 gegen 629 im Vorjahre. Die geringere Fnansprnchnahme des Gewcrbegerichts wird hanptiächlich ans die außergewöhnliche geringe Bamhätigkeit im Berichtsjahre zurückgeführt. Während bei dcn sonstigen Gewerben eine weim auch nur unerhebliche Zimahme der Klagen zu ver- zeichnen ist, so hat sich im Bangewerbe die Zahl der'Klagen von 223 im Vorjahre auf 143 im Berichtsjahre vermindert, hat also um 80 oder»in 36 Proz. abgenonime». Im Verhältnis zur Einwohnerzahl des GewerbcgerichtS- Bezirks betrug die Zahl der Silagen: in Ebarlottenburg 0,40 Proz. gegen 0,45 Proz. im Vorjahre; in Berlin 0,72 Proz, gegen 0.74 im Vorjahre; in Spandau 0,24 Proz. gegen 0,23 Proz. im Vorjahre. Die Gemeinde« Dentsch-WilmerSdorf, Schmargendorf mid Krmrcivald bilde« vom 1. Juli d. I. ab jede für sich einen beson- deren Amtsbezirk. Die beide» erstcrcn Geu-ciirdeii gehörten bisher zu einem geuieiusamcn Amtsbezirk, die letztere zum Amtsbezirk Spandauer Forst. AuS Reinickendorf wird uns berichtet: Vergewaltigt wurde hier die 19jährige H. au? der HauSottcrstraße, als sie sich nachts 1 Uhr in der Provinzslraße auf dein Heimwege befand. Der Per- brecher ist man noch nicht habhast gelvorden.— Die Probefahrt ans der neucrbauten Straßenbahnlinie Rcinickendorf— Gesimd- brnnncn wird voraussichtlich Sonnabend stattfinden. Bis zur Ein- ühriing de? elektrischen Betriebes, welcher innerhalb 6— 8 Woche» fertiggestellt seilt soll, wird die Strecke bis zum Gesundbrumie» mit Pferden betrieben und der Wagen daselbst dem nach dem Sdreuzberg fahrenden Wagen angekoppelt ivcrdcn.— Die Kanalisation s» Kom- Mission' von Reinickeudorf hat am Montag beschlossen, dem Ingenieur Rothe auch die Rohrliesmingen zur Kanalisation zu einem entsprechenden Preise zu übertragen; ebenso hat sich Herr Rothe bereit erklärt, mit einem Abgebot von 3 Proz. die AuSfiihniiig des BaneS zu übernehmen. Mit dem Bau der Kanalisation wird nach Eintreffen der Spundwände, welche in 14 Tagen fertiggestellt sind. begomien werden. Die»cnc» Werke der Aktiengesellschaft Siemens u. Halskc an der Unterspree gegenüber Fürsteubrumi werden kommenden Herbst in Betrieb gesetzt; zunächst soll dorthin ein Teil des Charlottenburger Betriebes verlegt loerden. YriedrichShagen. Das vierzehnjährige Dienstmädchen Pauline H. ist am Mittwoch von der zweiten Strafkammer des Berliner Landgerichts wegen schweren Diebstahls Gefängnis verurteilt worden. feiner Jugend seinen Dicnstherrn, einen zu sechs Monaten' Das Mädchen hat trotz ..... hiesigen Kaufmann fort- «setzt bestohlen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme beziffert K der zcstohlcnc Geldbetrag auf miudestcus lOO M. Vevssmmlnngrn. Die Maurer der centralen Richtung hielten am Donnerstag eine gutbesuchte Versammlung bei Keller, Koppenstraße, ab. Ter Referciit Silber schmidt führte auS, daß auf Grund der Ab- niachungen mit dcn Unternehmern es notivcudig ist, daß al.e vor- kommenden Differenzen auf den Baustellen der berufenen Lourniissivil gemeldet werden, die dann mit dem in Betracht kommenden Unter- nehmcr in Verhandlung tritt, um eine Beilegung der Differenzen zu versuchen. Wenn die Verhandlungen zn keinem Erfolge führen, so hat die Achtzehner- Kommission in Funktion zu treten, um die Streitigkeiten zu schlichten, bczichungswei'e für die Abschaffung der gerügten Mißstände Sorge zu tragen. Mit den Unternehmern haben nach den Verhandlungen vor dem Einiguiigsamte wiederholt Sitzungen siattgefundeii. in denen bereits verschiedene Details bezüglich der Arbeilsverhästnisse erörtert wurden. Die Arbeitsbedingungen sollen in Zukunft auf jeder Baustelle durch Anschlag neben dcn Vorschriften der Bcrufsgenossenschajt bekninit ge- geben werden und für die einheitliche Durchführung hat die Kom- Mission zu sorgen. Die Accordarbcit, gegen welche die Maurer bis- her fortwährend gekämpft haben, dürfte infolge der Abmachungen in kurzer Zeit gänzlich beseitigt sein, da auch die Unternchnrer sich gegen dieselbe ausgesprochen, nachdem sie einsahen, daß ihnen durch das Accordjystem keine l Vorteile erwachsen. Rebeh der Anerkcmiiuig der Organisation und der Feftlegruig eine« be- stimmten Lohnes, sind noch eine Reihe von Bcstimnuingen in dem Einiguugsvertrag enthalten, die recht günstig für die Maurer lauten, so daß sie durchaus nicht schlecht bei dem Friedensschluß abgeschnitten haben und mit dem Erfolg des beendeten Kampfes zufrieden sein können. Diese Erruiigenschasten sind um so höher anziischlageu, als sie auch dcn übrigen Bauarbeitern zu gute koinmcn. da auch mit den Putzern, Zimmerern und Bauhilfsarbeitern feste Vereinbarungen getroffen iverden sollen. Nachdem Silbcrschmidt die Vorgänge in der letzten Zeit eingehend erörtert hatte, plaidierte er für den festen Zu- se.mmeiischluß in der Organisation, um dcn Wünschen der Maurer dadurch dcn notwendigen Nachdruck zu verleihen und damit aus dem betretenen Wege auch in Zrikniift gute Erfolge erzielt werden können. In der Diskussion, an der sich zahlreiche Redner beteiligten, wurden die Eiuiguugsbediuguugcn im allgemeincir gutgeheißen und nur gegen einzelne Bestunniuiigen polemisiert, von denen angenommen ivurde, daß sie den Unternehmern einen zn ivciten Spielraum lassen. Auch gegen das Verhalten der Lohnkommission sind. keinerlei Eiinveudnngen gemacht worden. In der hierauf folgenden Wahl zur Achtzchner-Komniission wurden einstimmig die bisherigen Lohnkomnrissious- Mitglieder C. P a n s e r und W. Schulz ge- wählt. Außerdem wurde S i l b e r s ch m i d t von der Versammlung einhellig dazu bestimmt, den Verbandsvorsitzenden Bömclburg im Verbiudcrnugsfallc in der Kommission zn vertreten. Die Mitglieder zur Achtzchuer-Kommission baben auch die Geschäfte der bisherigen Lchnkonrirussioir zu erledigen. Der wöchentliche Beitrag zum Streik- fvnds ivurde gegen eine große Minorität auf 2b Pf. festgesetzt. Mit der Abstempelung der Streikkartcn soll am Montag begonnen werden. Beschlossen wurde noch, daß diejenigen, die durch die Aussperrung noch arbeitslos sind, die übliche Uiiterstützung erhalten sollen. Die Maurer der lokalen Richtnng hielten am Donnerstag bei S t c ch e r t in der Audreasstraße eine Versammlung ab mit dem Thema: Unsere Aufgaben gegenüber dem EinigungSvertrage. Ter Saal war bis auf de» lctzien Platz gefüllt. Der Referent K a t e r sagte unter anderem: Es sei noch nie vorgekommen, daß ein Streik, ivie er auch ausgegangen sein möge, alle Beteiligten befriedigt habe. Wenn eine neue Einrichtung geschaffen worden' ist. so werde es stets Leute geben, die sich mit derselben nicht abfinden mögen. So gehe es auch dcn Berliner Maurern hinsichtlich des EinigungsvertragcS. Von den organisierlen Maurern müsse man erwarten, daß sie mit dcn ge- gebciie» Verhältnissen rechnen und sich mit denselben einzurichten verstehe». Wenn Frieden im Baugewerbe eintreten solle, dann müßten die Friede>isbedi»gnngen auch von beiden Seiten gehalten werden.— Besonderen Wert legte der Redner auf die Schaffring der paritätischen Kommission, und auf den Umstand, daß die Mit- glicdcr derselben das Recht haben, die Bauten ungehindert zu detreten und zu koiitrolliercn. CS komme nun darauf an, daß die Sivllegcn tüchtige und bewährte Vertreter ihrer Jntcr- offen in diese Kommission wählen, dann werde es auch gelingen, nicht nur die gegenwärtige» EiiiigiingSbcdiiigriugcir zur Durchführung zu bringen, sondern auch noch weitere Konzessionen zu er- langen, z. B. hinsichtlich des Arbeitsnachweise«. Darüber könne kein Zlveiscl sein. daß. ivenn überhaupt ein Arl'eitSnachweis für daS Baugeiverbc bestehen soll, derselbe nur ein von Untcruchmern gemeinsam mit den Arbeitern verwalteter sein dürfe.— Der Redner empfahl folgende von der Lohukomniission verfaßte Rcso- lntiou: Die Versammlung beschließt: 1. In Erwägung, daß am 27. Juni die Arbeit auf fast sänit- lichen Baiueu wieder ausgenommen wurde und die Kollegen ziemlich alle wieder beschäftigt sind; in weiterer Erwägung, daß ein großer Teil der Rollegen den Verglcichsbedingungen zwischni Gesellen und Uiiterrnhiner»»och ablehnend gegenüberstehen, eS aber im Jntereffe jedes einzelnen Kollegen liegen inuß, durch sein Verhalteuuicht die Ge- smntiiitcressen der Berliner Kollcgenschast zu schädigen, oder durch Wühlen und eigensinnige Gegenagilarion die soeben von den Unternehmern anerkannte Berliner Ptaurerorganffation zu geffrhrdcn. steheu die giiwcseiiden Kollegen aus dem Standpunkt, nach ivie vor für den Verein zur Wahnmg der Interesse» der Maurer Berlins und der Umgegend zu agitieren, denn nur in einer starken, alle Benlssiollcgen ruufaffeiiden örtlichen Organisation steht die Ver- samiuding die Gewähr zur vollständigen Durchführung und Jmie- Haltung der VergleichSbedingungen. '' 2. Diejenigen Kollegen, welche bis jetzt noch keine Arbeit ge- fnnden haben, erhaltcu, ivenn sie sich täglich einmal zur Kontrolle melden, die bisher gezahlte Sircikunterstiitznng noch für diese Woche am Sonn abend, de» 1. Juli, ausbezahlt. Die Filialen sind auf- gehoben, Meldungen werden nur Grenadierstraße 33 entgegen- genommen. 3. Da eS aber auch in der Zukunft nötig ist, durch festes Zu- sammenhaltcn und fleißiges Sammeln zum Streik- und Agitations- fonds dem Unternehmertum Respekt abzugewnmen, so beschließt die Versammlung ferner: Der Beitrag zum Streik- und Agitationsfonds beträgt einschließlich dieser Woche vom 1. Juli an für mehr als drei Tage 50 Pf., bis zu drei Tagen 25 Pf. pro Woche. Die Arbeitslosen haben sich behufs Eintragung in die Statistik in den letzten drei Tagen jeder Woche zur Kontrolle zu melden. ' 4. Die Abstempelung der Streit- und Sammelkarten beginnt am Montag, den 3. Juli. 5. Die Versammlimg wählt in die auf Grund von Punkt 3 des Vergleichs einzusetzende Konnirission 4 Kollegen als Mitglieder und 4 Ersatzmänner. Dieselben haben die Pflicht, nicht nur die Kollegen in der Kommission zu vertreten, sondern auch über das Wohl und Wehe der Berliner Kollegen nach innen und außen zu wachen. ES entspamr sich eine längere, lebhafte Diskussion. Mehrere Redner erklärten sich mit verschiedenen Punkten der EinigungS- bedingungen nicht einverstanden. Sie machten ihren Bertretcrn beim EiniguugSamt Vorwürfe, daß sie die Bedingungen ohne weiteres angenommen hatte», ohne erst die Zustimmung einer Versammlung einzuholen. Der„EinigungSrummel" sei ein Schachergcschäft, bei welchem die Arbeiter den kürzeren ziehen würden, denn dcn Ver« sprechungen der Unternehmer dürfe man nicht trauen. Ferner wurde bemängelt, daß der Vorsitzende des Centralverbandcs Sitz und Stimme in der Kommission habe. Da auch der gleichfalls der Kom- Mission angehörende Vertreter der GewerkschaftSkommission Centralist sei, so habe diese Richtung die Mehrheit in der Achtzehner» Kom- Mission, und dadurch werde die lokale Richtung beeinträchtigt. Metzle und noch ein anderer Redner stellten sich auf den Stand- Punkt, daß eS das beste sei, wenn man sich in die durch die Einigung geschaffenen Verhältnisse füge. Beiersdorf bc- merkte unter lebhafter Zustimmung der Versammlung: Der „Vorwärts" habe geschrieben, in der Sonntagsversammlung bei Keller seien nur Redner der lokalen Richtung gegen die Einigungs- bediugungcn aufgetreten. Tiefe Darstellung— meint der Redner— sei eine sehr einseitige und entspreche nicht den Thntsachen, denn es wären auch Centralisten gegen den Emigungsvertrag gewesen. Die Schreibweise des„Vorwärts" habe unter den Maurern, und Awar nicht nur bei den Lokalisten, lebhaften Unwillen erregt. Von einem Arbeiterblatt müsse man strengste Unparteilichkeit in solchen Dingen erivartcn. Die vom Referenten vorgelegte Resolution wurde Punkt für Punkt diskutiert und gegen eine starke Minorität angenommen. In die Kommission wurden Knöpchen, Herrforth, Metzle, Kater als Mitglieder, Schulz, Zechlin, Joel, A l k i c r als Ersatzmänner gewählt. Rixdorf. Das Verhalten des Steinsetzmeisters Otto in der letzten Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung beschäftigte am Mittwochabend eine allgemeine Gewert schafts-Ver- s a in m l u n g. die im„Äpollo-Thcatcr" abgehalten wurde. Der Stadtverordnete Jäger legte zunächst den Sachverhalt dar. Vc- sonders komme es auf die Lleusterung des Herrn Otto an, dah Steinsetzer, die natürlich alle Socialdemotraten wären, ihn: während des Streiks Hütten helfen wollen, wenn er ihnen eine falsche Urkunde besorge, wonach die Stadtgcmeinde die Arbeit in eigener Regie durch sie ausführen lasse. Otto habe damit die Ehre der Partei angegriffen und müsse veranlagt werden, Namen zu nennen und den Beweis für seine Behauptungen anzu- treten. Stadtverordneter Conrad ging dann mit Otto scharf ins Gericht. Dieser Vertreter des' Bürgertums in der Stadt- vcrordncten-Versammlung sei in jener Sitzung der öffentlichen Körperschaft in einer so provozierenden Weise aufgetreten, dast seine Bildung in einem sehr bedenklichen Lichte erscheine. Schon in der Stadtverordneten- Versannnlung sei ihm von socialdcmo- kratischer Seite die gebührende Antwort geworden, indessen es müsse auch die Arbeiterschaft als solche gegen die Anschuldigungen energisch Stellung nehmen. Die Bildung des Mannes werde dadurch gckcnn- zeichnet, das} er in der Stadtverordneten-Versammluug selber m i t g e st i m m t habe, als es sich darum handelte, den seine Arbeiten in der Ziethenstrasze betreffenden socialdemokratischen Antrag für erledigt zu erklären.— Es ergriff nunmehr Genosse K n o l l als Vertreter der Stcinsctzcr-Gcsellenschnft das Wort. Er wolle nicht gerade sagen, daß Herr Otto anderen etwas unter- schieben wolle, was er selbst beabsichtigt habe, aber nahe daran grenze sein Verhalten. Als Unternehmer der Pflastcrarbcitcn in der Ziethenstraste sei er auf Anregung der socialdemokratischen Stadt- verordneten von der Polizei und der Verwaltung gedrängt worden. die in der Straffe herumliegenden Steine wegzuräumen oder die Arbeiten fortzusetzen. Um nun nicht als Jnnungsnicistcr offiziell die ssforderuiigen der Gesellen bewilligen zu müssen, habe Otto vcr- sucht, sich durch Benutzung des Charlottenburger Meisters P e n n i ck e zu helfen, eines Unternehmers, der bei seinen Kollegen etwa in dem Rufe stehe, wie die Arbeitswilligen bei den ziclbcwufftcn Arbeitern. Und diesem P e n n i ck e hätten die vom Arbeitsnachlveis der Gesellen entnommenen Steinsetzer es n i ch t geglaubt, daff er seinen Auftrag direkt von der Stadt habe, und nur um sich Gewihheit zu verschaffen, hätten sie von ihm. nicht von Otto, eine jedeS Mihtrauen ausschlieffende Bescheinigung verlangt. Von einer Regie-Arbeit habe man zu ihm überhaupt nicht gesprochen, die neulich schon im„Vorwärts" erlassene Erklärung sei insofern wegen eines Irrtums nicht ganz richtig. Es wären viel« mehr Rixdorfcr Kollegen gewesen, die unter sich davon ge« sprochen hätten, dag die Stadt ihnen ja die Arbeit in Regie übergeben könnte, wenn Otto nicht bewillige. Somit fielen die Behauptungen des Herrn Otto in sich zusaimnen. Die Entrüstung der Rixdorfer Genossen sei verständlich und auch berechtigt, der Aeufferung dcS Herrn Otto werde aber doch ivohl eine zu grotze Bedeutung bei- gelegt. Es sei zu bedenken, daff Otto allgemein als kein hervor- ragend geistiges Licht gelte und wegen der Art seines Umganges mit Menschen sich bei den Steinsetzern einen netten Beinamen erworben habe.— Einer der von der Aktion Otto-Pennicke berührten Steinsetzer bestätigte die Ausführungen KnollS. Nachdem noch Klein, Nierich, Conrad und Ost er mann zu der Sache gesprochen hatten, wurde folgende Resolution aiigeuommcn:„Die Vcrsnnnn- lung erklärt die Änzapfuiigcu des Herrn Otto für auf Unwahrheft beruhend und bleibt bei diesem Urteil so lange, bis er das Gegen- teil bewiesen hat. Vor allem hat er Namen zu nennen." Nach einer Reihe vou Mitteilungen wurde die Versammlung geschlossen. Rciuickcndorf. Eine öffentliche Versammlung fiir Reinickendorf und Tegel' tagte am Sonntag, den LS. Juni, im Brocken, in welcher Frau Ihrer einen Vortrag über die Zucht- hausvorlage hielt. Der Bortrag fand allseitigen Beifall und wurde eine energische Protestresolution einstimmig angenommen. Socialdemokratischer Agitationsvercin für Ttralsund-Franzburg- iltöge». Sonntag, vonnfttags 10 Uhr, bei Mörschel, Jüdenftratze 35/36: Sttzung. Freireligiöse Gemeinde. Vom Sonntag, den 2. Juli, ab finden unsere Versammlungen im oberen Saal des Englische» GartenS, Mepanderstr. 27o statt.— Um L»/, Uhr vonutttags- Freireligiöse Vorlesung. Um 101/, Uhr vormittags: Vortrag deö Herrn E. Bogtherr!„Wesen und Wirkung des Staatskirchentums." Gäste willkommen. Ortövercin der Klempner und Metallarbeiter. Heute abend B/z Uhr Frankfutter Allee 4g. Vcrgiiiiguiigs-Berei» Höflichkeit I. Heute abend 9 Uhr Ecneral- versaunnlung Schönhauser Allee KS. Vermifchkes. Blitzschlag in eine Kirche. Aus O st r o w o wird berichtet: In der dichtgefiilltcn Kirche des polnischen Grcnzdorfes KoziegUnvki fuhr ein einschlagender Blitz das Chor entlang und tötete drei Per- sonen und verletzte sieben schwer. Durch die Umsicht des Geistlichen wurde eine Panik verhütet. Ein Lnftschiffcr geriet in Landshut in Zahlungsschwierig- leiten, weshalb ihm sein Luftballon gepfändet wurde. Bei der gc- ringen Zahl der SteigerungSluftigcn ging nun das Luftschiff, das ursprünglich 2400 M. gekostet, uni 3 M. an zwei Steigerer über. Tie Gcsauitzahl der Pestcrkrankungcn in Alexandrien beträgt bis jetzt 47, von denen 13 tödlich verliefen; IS Personen wurden als geheilt entlassen. Während der letzten acht Tage sind zehn neue Pestfälle vorgekommen, von denen drei tödlich verliefen! drei Personen wurden als geheilt entlassen. I» Aegypten sind sonst keine Pcstfälle vorgekomincin_ Wetter-Prognose fite Sonnabend, den 1. Juli I8VS. Ein wenig kühler, zeitweise aujtlarend, vorwiegend tttibe mit leichten Rcgcnfällcn und schwachen westlichen Winden. Marktpreise von Berlin am 8v. Juni 1899 nach Ennfttelungen deS kgl. Polizelprästdinm«. D.-Ctr. «)WelzeN »/Roggen. Futler-Gerste„ Hafer gut. „ mittel„ _. gering Rlchtstroh Heu /Erbsen., /Spclsetvhnen ./Linse» ftnttosfcln, Neue Rtudfletsch, Keule 1 KZ- do. Bauch„ Eiuülielt pro 16,10 15,30 13,30 1b, 60 15,— 14,40 4.16 6,30 40- 50- 70,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelflelsch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 60 Stück 1ÜS per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 1,60 2,80 2,60 o_ U«0 2,60 1,20 H- 1,10 1,- 1,- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,60 1,20 0,80 S.Ii, 901 13,70 12,80 15,10 14,50 14- 3,76 4- 25,— 25,— 30- 4,60 1,20 1- ,.........._______ von der Centralflefle der Prenß, Landwirt- schasiSkammer- NotierungLstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Dopvel-Ceittncr. t) Kleinhandelspreise. P r o d u k t c n m a r l t vom 30. Junt. Für rctchlich. osserlctteS Brot getrcidc wären Abnehmer nicht vorhanden, und die Umsätze blieben daher geringsllgig. Weizen und Roggen waren je 1 M. billiger zu haben. Die ersten Proben amerikanischen Weizens, weiche gcstem vorlagen, weisen vor- züglichste Qualität auf, Hafer war im Preise wenig verändert, Rüböl weiter nachgebend. Der Spiritus markt war aubcrgewöhnlich still. Loco 70cr stellten sich auf 41,50 Brief, 41,40 Geld; ein Abschlub kam jedoch nicht zu- stände. Termine waren im Preise nominell mwerändert. Die heutige Schätzung der hiesigen Spiritnsbcstände lautete auf 13 Millionen Liter gegen 13 Millionen ultimo Mai d. I. und bftj Millionen am 30. Juni 1898.— K a r t o s s e l f a b r i k a t c. Berlin, 30. Junt. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto incl. Sack M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto incl. Sack und Mehl 19,75 M., Supra trockene Kartoffel- stärke M., do. Seciuida 00,00-00,00 M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto 19,75 M., do. Supra 00,00 M., do. Sccunda 00,00-00,00 M. — Eier-Bericht vom 30. Juni. Normale Eier je nach Qualität von 2,25-2,75 M. pro Schock. Ausspitierte kleine Ware je nach Qualltät 2,25 bis 2,30 M. pro Schock. Kalkeier je nach Qualität von— M. Tendenz: fester._ Briefkasten der Redaktion. Dl« juristisch« Sprechstunde wird Dienstags, Douuervt.igv und Frcttagö abends von 6 bis 8 Uhr abgehalten. Saieupraktiker. Ihr Vergleich hinkt denn doch zu arg. Ein alter Slbonueut. Wenden Sie sich brieflich an die Polizei- direktivn in Philadelphia. C. S. 15. Abonnieren Sie auf de»„Punch". De» Preis kennen wir nicht, er ist aber nicht hoch. tr. Ludwig, Ziethcnstr. 31. Konsumverein Berlin-Rixdorf. . F. 1. Die Besichtigung der Wohnung muh so gestattet werden, wie es ini Vertrag vereinbatt ist. Ist nichts vereinbart, so muff zur ortsüblichen Zelt die Wohnung gezeigt werden. Als ottsübiich wird hier die Zeit vou 9 bw 6 erachtet.— F. S.. Bergftr. 1. Ja 2. Bei dem Gericht, wo der letzte Wohnott des Verschollenen in Deutschland war.— - H. D. 7». 1. Ja. 2. Nein. 3. Nein.- Knauff. 1. Nein. 2. So- viel unS bekannt ist, nein.— R. 75. Die Satutcn der Kaffe find uns unbekannt! wir können Ihnen deshalb keine Auskunft über die Frage, ob der Beitritt zur Kaffe von Nutzen ist, nicht erteilen. � —(5. P. Er hat Anspruch aus beide Renten, erhält aber auch die für ihn höheren ausgezahlt. Beträgt die Altersrente 130, die Jnvaliditätsrcnte 150, so erhält er also nur 150 M. ausgezahlt.— A. F. 1k. Die Trans- portkostcn haben Sie nicht zu zahlen. Im übrigen war der Gerichts- Vollzieher berechtigt und ans Verlangen seines Auftraggebers verpflichtet, so vorzugehen, wie er es that. Wollen St« künftige Scherereien vermeiden, so bleibt nur der Weg der Klage übrig. Einfacher ist es und ehrenwerterj G. I. 1000. Nein.— V. 38. Sie können auf Lieferung der Pantoffeln oder Zahlung(für den Fall der Nichtlieferung) klagen. Die Auslagen an Potto ns«. können Sie nicht mit Erfolg einklagen. Aditliilg! Ii M II IRk E iL Mim! Sonntag, den 3. Jnll, Tormittags 10 Uhr, bei Hoflinann, Alcxanderstr. 27c: WersammSmig1"MW lies Vereins znr Wnhrnng der Interessen der Mnrer Berlins und der Umgegend. TageS-Ordnnng: � 1. Vortrag des Genossen Georg Wagner über: Unternehmer- Verbünde und Arbeiterorganisation. 2. DiSkussion. 3. DereinSangelegenheiten. 12S/1S»er Toi-atand. J. St.: G. Hersorth. Arbeiter-Radfahrer-Verein „BERLIN" Morgen 9 Uhr: Weddingplatz, nach Kremmen. Donnerstag: Versammlung 1. AndreaSstrasie 26. NB. Heute: Alte Träverne Stralau, Ruderverein: Stiftungsfest.(12/2 Genossinnen nnd Genossen des Kreises� IVIsäsi'-K KA'mMi. Sonntag, de» 2, Juli, nachmittags 2 Uhr, im Saale dcS Herr» Wcigcl, Nnmmelsburg, Dürrschmidtstratze 45, Ecke Goethestratze: Lessentl. Partki-Versaainiliing. Tages, Ordnung: 1. Vortrag des Rclchstags-Abgcordneten ilrtbnr Stadthagen über:„Zickzack, Diktak. Dnttik*. 2. Diskussion. 3. Beratung und Be- schlubfaffung eincS OrganisationS-Statuts für den KreiS Nieder-Barnim. lnttee 10 Pf. s2Z3/2»j Der Nertniiiriisiiiaiin. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galanteriewaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Dienstag, dcu 4. Juli, abcuds 8'/s Uhr, in Feucrsteiuö Taal. Alte Jakobstraste 73: M?" Mitglieder- Versammlung. DD TaaeS-Ordnung: 1. Bottrag des Herrn»r. Weyl über:„TaS Ergebnis deS Tuberkulose- Kongresses." 2. Abrechnung vom Stistiwgsfest und vom PfingstanSflng. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschtedkiics. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Tie Lrtsverwaltung. Billets zur„Kniiftausstellung der Sccessiou" in Charlottenburg swd von heute ab zu dem e r m ä b i g t e n Preise von 35 Pf. in unserem Bureau zu haben. Morgen Bonmag, de» Ä. Juli, vormittags 10 Nhr: Bezirks-Versammlung für den Norden in' n Bcrolina-Fcstsälen, Schönhauser Allee 28. TageS-Ordnung: Vortrag deS Kollegen»riieliner über:»Arbeiter im Klafleu- » 2. Verschiedenes. Alle im Norden und Nordostes wohnenden Kollegen mid Kolleginnen, speclell alle Lcdcrgalniiterie-Arbeiler. sind zu dieser Versammlung ein- geladen._ Montag, den 17. Juli 1899, in der Neue» Welt, Hasenheide 198—114: Glrossss Sommerfest znr Feier des guten Montags. Cnrttn-Konzert, Feuernierk, Cbecialitäten ersten Ranges. Dbeater-'Voratellnng für Kinder. Bon 5 Uhr an im Bai champötre: ZM'" Grosser Ball."$9(2 Eintritt in den Saal für Herren 30 Pf., für Damen 10 Pf. Grostcr Fackelzug.— Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Billet 29 Pf., an der Kaffe 25 Pf. Anfang des Konzerts 4 Uhr. BillctS sind bei den Werlftubcn-BettrauenSpetsonen, in sämtlichen Zahlstellen, sowie im Bureau zu haben. Achtnng, Bauarbeiter I Auf Grund der Anbahnung der Einigungsversuche beim Einigungsanit machen wir die Kollegen darauf aufnierksani, daß unter keinen Umständen am Montag die Arbeit eingestellt werden darf, sondern vorläufig alle weiteren Beschlüsse abzu- warten sind. s30/18s Die Lohukommission. Verband derMöbelnolierer Hon tag, den 3. Jnli, abends SVt Vi»», in Rixdorf, Uermnunstr. 107: Tersammlnnif"HM TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:»Die Aushelning des KoalitionSrcchts". Referent: Genosse raber-Köpenick. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Billets zu der morgen statlflndcnden Dampferpartie sind nur noch bei N. Sobulr, Memelcrstr. 60 a, zu haben. Jeden ersten Mittwoch im Monat bei Urban. Friedrichsbergerstr. 11: Sitzung der Bertraueusniänner aus de» Wettstellen. Die Generalversaininlung findet am 19. Juli statt. Die Mitglieder werden ersucht, in der öffentlichen Versammlung, welche nächste Woche stattfindet, zahlreich zu erscheinen. 146/15 Der Vorstand. Sdide Seefisebe t Schmiede! Sonnabend, den I.Juli, abda. S1/. l'br. litt„ilngliachen Gar teil", Alcxandcrstr. 37 c. Oefseutliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag dcS Wen offen Fab er über: DaS neue JnnungS- Gesetz. 2. Stellungnahme der Meister-Gesellen zu der am 15. August ins Lebe» tretenden Zwangs-Jimung. 3. Verschiedenes. 1176/4 Mm-! Charlotteabarg. AM..?! K Rg ladro Oarantlo. Vol.kommsn aedmorrloae» 2adn» �HlliSl! f 1�3 elehen 1 M. Plomben 1,50 M. Tellzahl. wSchentl, 1 M. fcUllliW L. R5. Zahnarzt Wolf. Lelozloerstr. 22. Sprechst. 9-7 Sonntag, den 2. Jnll, auf„BlsmarcksbObe1 Grosses fSommerfest verbunden mit Vokal- und Jnstrumentalkonzett, 267/19 Theateraufführnng, lebenden Bildem u. sonstigen Aufführungen, veranstaltet vom„dreien Verein für Naturliellkunde und Geiundheltspflege", Große Bbifflieilöfeiec und letztes Vergnügen auf„Bismarckshöhe", wozu alle Freunde einladet Hermann WcrnicUc. Treptow Hohlwein's Keglerschlösschen. uÄ«». ! ßßf Cirosser schattiger Oartcn, Vft �Saal, KalTeekUche, Kegelbahnen. 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K-t! i FlschsUIzc 8-Pfd.-Dose 8,35 Mk. und< WeU' 60 Pf. pro Pfd."cu' Datupfllsctacrei- Gesellschaft: I | Seefisch- Kochbücher erhalten Kttnfer umsonst, j Vertreter für Berlin: Johl. Skorczyk. Beim Vevorstehmden SZuartalsmechsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert SB enge 18, Frucht ffinb« 30, Hos II.— SO.: Fritz Thiel, Skolitzerstr. 3b v. part.— Sechster Wahlkreis(Moabit): Knrl Anders, Salzwcdeler- strobe 8, part. im Laden.— WeelNinix und OramenbnrKer Vorstadt: Emil Stolzen bürg, Wieseustrahe 14.— Clesand- brunnen: Wilhelm G a b m a n n, Grünthalerstr. 65.— Bosen- thaler Vorstadt und Sehönhanser Torstadt: Karl M a r S, Kastanien- Allee 9S/96.— OharlottenhurK: Gustav Scharnberg, Schillcrstr. 94, v. 1 Treppe.— Bentsch-Wllmers- dorf: Frau Kubier, Sigmariugenstr. 5, und Frau Heinemann, Slg»iaringcnstr.3b.— Bixdorf: O st er m a n n, Erkstr. K.— Schiine- berK: Wilhelm Bäumler, Apostel Paulusstr. 13, Qucrgeb. Hochp.— Johannisthal-Vieder- nnd Ober-SchOneHveide: Otto Jost», Obcr-Schiineweidc, Sicmcnsstraize 7, Zigarrengeschäft. Annahme- stellen: Niedcr-Schvneweide: Karl Weber, Zigarrcngeschäft. Johannis- thal: Senftlcben, Rcstauratenr.— Vdlershof: Max Worbs, Metzcrstr. 4.— b'riedenan-SteKlitZ!: H. Bcrnsce, Kirchstrabe 1b in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Stexlitx: H. Mohr, Dlippelstrahe 8, und Fr. S ch c l I h a s e, Ahornstr. Iba.— Banin- schnlemveK-: Gockel, Baumschulstr. 32, v. III.— Xen- Wcisscnsec: Spediteur Heinrich B a ch m a n n, Lehderstrabc 1, part. links. Anberdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wisteuschastlichen Werke dort zu haben. UllH WerdM Jnserttte fÜl* den„Vorwärts" entgegengenommen. Um g r n u o Angabe der Adresse wird dvingvnd gebeten. Bitte ansschnelden! Neuer Abendkursus der„Elektro an> Olenstax, den 1. Juli, abends S Uhr für Elcktro- monteiire, JiistaUateure, Maschinisten, Zeichner tc. Dauer 6 Monate, Honorar l> M. monatlich. 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Herr Domningk ziebt es vielmehr vor, seine nötigen Arbeits- kräfte von einem Privat-Bcrniitllcr zu beziehen, der nur gegen Entgelt Arbeitsgelegenheiteii veruiitielt. Ter Borstand des Berba»d"Z deutscher vlastwirtögehilfe», Orts- verein Berlin. Empfehle meine beiden herrlich gc- lcgencnLokale sürFabrikenund Vereine. Gasthof zu Müggelheim nnd Sportshaus zur Gr. Krampe. 170b W. Troppens. Enipsehle nieine drei Neetaurants: Bübepiahl, am Müggelsee, Tenfelssec, Müggclbergc, Hariciiiust, a. b. Dahme, zwischen Lrllnau und Prledrlebsbagen, bei Fubparlien über die Müggel- berge I670L* C. Streictiiian, Bcststcr des Kaiserhofs Eopenick. lionnendergsDeslaurant Irejito�, parksirasse. Grostcr Saal.— Grvstcr Garte». Jeden Soimtag: Ball. i1669L* Enipsehle mein Lokal zu Festlichkeiten. Copeniek. N.-'L Bayrisch-Bier-Lokal. l66»L* Pillll lNNll Orllnauer- und 1 tlUI dUbll, gudoverstr.» Polle. \. Stippekohls Rcjtiiunntt Eöpcnick. Schönerliuderstr. B.* Arbeiter- Ncrkchrslokal. Für gute Bpcise» n. 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Unter Mitarbeit von Georg Adler, Karl Arendt, Karl Georg Brandis, Berthold Bretholt, Konrad Hüvler, Eduard Heyk, Julius Jung, Klemens Klein, Arthur Kleinschmidt, Josef Köhler. Felix von Luschan, Richard Mahrenholtz. Richard Mahr, Wladimir Wilkonncz, Karl Pauli, Johannes Ranke, Friedrich Ratzel und anderen herausgegeben von Hans F. Heimo lt. Er st er Band, enthaltend: Allgemeines.— Die Vorgeschichte.— Amerika.— Der Stille O c e a n. Mit 3 Karten, 4 Farbendrucktafeln und 16 schwarzen Beilagen. Leipzig und Wien 1899, Bibliographisches Institut X und 639 S. Gr. 8° Mit_ der wachsenden Bedeutung der Wirtschastshistorik, der Sociologie und Ethnologie in den letzten Jahrzehnten hat sich der Magstab für die weltgeschidbtlichen Verhältnisse wesentlich geändert. Die ältere Art der Weltgcschichtsschreibung, die sich in der Haupt- fache auf die Schilderung politischer und kriegerischer Ereignisse be- schränkte, genügt den Ansprüchen nicht mehr, die man' an eine „Geschichte der Welt" stellt. Entgegen der früheren Auffassung ist man heute mehr und mehr dahin gelangt, in diesen Ereigniffcn gewissermaßen nur die in politischen Emotionen sich äußern- den Lebenszeichen der breit dahin flutenden socialen Ent- Wickelung zu sehen; und damit wird die Erforschung dieser Ent- Wickelung, ihrer Zusammenhänge und Bedingungen zur eigentlichen Aufgabe der Geschichte. Die Weltgeschichte soll nicht mehr nur eine Darstellung der Aufeinanderfolge politischer Begebenheiten, sondern eine a l I g em ein e Ent Wickelung der Menschheit sein, in der das politische Leben nur als ein bedingter Teil des ge sellschaftlichen Gesamtlebens erscheint. Aber mit der Erkenntnis der Unzulänglichkeit der bisherigen Weltgeschichtsschrcibnng sind noch nicht die Wege und Mittel zur Erreichung des Zieles gegeben, das in weiter Ferne sich zeigt. Selbst wenn das Ziel im ganzen richtig erkannt wird, bleibt die Frage offen, wie man am besten zu ihm gelangt: eine Thatsache, die in dem heutigen Streit und die Geschichtsauffassungen und die bei der Untersuchung zu befolgenden Methoden deutlich genug hervor- tritt. Und hat wirklich eine Orientierung über den einzuschlagenden Weg stattgesimden, so kommt es noch immer darauf an, ob die Passanten auch bei den vielen Irrwegen, die sich zu beiden Seiten von ihn, abzweigen, seine Richtung einzuhalten wissen. Wollen und Vollbringen sind zweierlei. Das letztere läßt sich mit vollster Berechtigung auch von den, vorliegenden Buch sagen, das in seinen theoretischen Ausführungen über das Ziel und die Grundbegriffe der Weltgeschichte manche guten einzelnen Ansätze enthält, in dessen eigentlicher Ge- schichtsdarstellung aber diese meist kaum zur Verwertung gelangen. In der vom Herausgeber, Dr. Hans F. Hclmolt, selbst geschriebenen programmatischen Einleitung über den„Begriff Weltgeschichte" er- kennt dieser z. B. ganz richtig an, daß eine heutige Weltgeschichte nicht mehr an der Ethnologie vorübergehen darf, denn„die Ethno- logie scharf von der Geschichtswissenschaft abzugrenzen, sie von der Geschichtsschreibung auszuschließen, ist ein mussiges Unterfangen". (S. 4.) Aber schon die folgende nähere Begründung diese? Satzes zeigt, wie wenig doch der Autor dei, Begriff der Weltgeschichte als allgemeiner Menschheits- Ent- wiaclungSgeschichte»n allen seinen Teilen erfaßt hat. Denn nicht darum handelt es sich, wie Hclmolt meint, m erster Reihe, daß das Auftauchen historischer Uebcrlieferung kein sicheres Kennzeichen für den Augenblick bietet, wo ein Volk„h i st o r i s ch" wird, auch nicht darum, daß die Erkenntnis der weltgeschichtlichen Zusammen- hänge nur aus dem Werdegang aller Völker geschöpft werden kann, sondern weil vom entwickclungsgeschichtlichen Standpunkt aus die Institutionen und Anschauungen, mit denen ein Volk in die Geschichte eintritt und welche die Basis seiner weiteren geschichtlichen EntWickelung bilden, selbst nur ein historisches Produkt, die Folge seines vorgeschichtlichen Werdeganges sind, und ohne die Ethnologie der Charakter dieser Grundlage nicht erkannt werden kann. Allerdings findet auch Helmolt, daß zur Weltgeschichte alles Geschehene gehört,„soweit es zur Erkenntnis von spater Ge- wordenem notwendig ist und als Glied in einer Kette von Ereig- nissen und Zuständen nicht entbehrt werden kann". sS. 7.) Doch das„Geschehene" ist für Helmolt hier nicht die sociale Eiüwickeluna. sonder» das politische Ereignis. Er motiviert denn auch weiterhin die Berechtigung seines vorstehenden Satzes mit der Beeinflussung, welche die Völker aufeinander ausgeübt haben.„Wo ober- flächliche Betrachtung keinenIAnschluß vennutet," sagt er,„waren An- kniipfungen vorhanden, die aufgespürt und verfolgt werden müssen. Es giebt kein einziges Volk auf der Erde, das ungemischt wäre, das aus einer Rasse bestünde." Noch mehr zeigt sich jedoch das Stehenbleiben auf halbem Wege, das charakteristisch für die ganze theoretische Einführung Helmo'lts ist, darin, daß er weiterhin jeden Maßstab für die Beurteilung des Entwicklungsganges der Menschheit ablehnt und sich gegen Lamprcchts Forderung ausspricht, die Geschichte nach.Kulturzeitalten," saubre sagen: Kulturstufen) einzuteilen. Hätte Helmolt nur gegen den öden Scheu, a- tismils Front gemacht, den bisher derartige Einteilungen aufweisen, ließe sich dagegen kaum etwas einwenden. Thatsächlich sind geschichtliche 'Darstellungen, welche die vielgestaltige Kulturentwicklung nur nach der Art der Metallverarbeitung oder„ach den bekannten drei Wirt- schaftsstufen: Jagd, Vichznchr, Ackerbau, beurteilen, eine Absurdität. In letzterem Fall u. a. schon um deswegen, locil durchaus nicht die Viehzucht überall eine Vorstufe des Ackerbaus gewesen, vielmehr der Ucbcrgang zum Anbau sehr häufig direkt von der Jägerstufe ans erfolgt ist. Und selbst die Ablehnung derartiger feinerer Einteilung, wie derjenigen Gustav Klcnnns, Albert Hermann Posls oder Lewis Henry Morgans, läßt sich den, Herausgeber nicht verdenken. Müssen doch nach Morgans llntcrschcidnngsincrkinalcn z, B. die Polynesier unbedingt unter die PapuaS und Mclancsier gestellt tvcrden. Aber alle diese und andere Einseitigkeiten bisheriger EintcilungSvcrsuche beweisen nicht, daß mm die Geschichte als ein buntes regelloses Gewirr gelten muß, in dem überhaupt kein Fortschrift und keine Stufenfolge nach- gewiesen werden kann. Sind die älteren Unterscheid,», gsmerkniale unzureichend, so folgt daraus nur, daß nach besseren Kriterien gesucht werdet, muß, die nicht die Fülle des geschichtlich Gewordenen unter einige Schlagivortc ztvingen und dem Verschiedenen im Gleichartigen seinen Platz lassen. Gewissermaßen schließt die Helmoltsche Auffassung der Weltgeschichte als Ent- wickelnngsgeschichte der Menschheit' schon die Unterscheidung von Entwickelungsstufen ein; denn giebt-s eine Entwickelnng, d. h, eine kulturelle Fortbewegung der Menschhert nach irgend welcher Richtung, so müssen sich auch in dieser Bewegung eine Reihe aufeinander- folgender Etappen feststellen lassen. Damit ist selbstverständlich noch nicht gesagt, daß die Entwickelung als eine überall genau parallel verlaufende zu gelten hat, und noch weniger, daß sie sich nach in ihr wirkenden iminanenten Zweckgesetzen vollzieht, die zu einem von vornherein gegebenen sogenannten Zweckziel führen. Wie weit der Verlauf der historischen Entwicklung teleo- logischen Vorstellungen recht giebt, das ist eine besondere Frage für sich. Der Einteilung nach Kulturstufen glaubt Helmolt deshalb eine Einteilung nach anthropogeographischen Gesichtspunkten vorziehen zu sollen. Wie er in Anlehnung an Friedrich Ratzel darlegt, ,st bisher der Einfluß des Bodens und das Leben der Völker viel zu gering eingeschätzt worden. Natur und Mensch, so führt er aus, bedingten in ihren, Zusammenwirken die Geschichte. Nur aus den Eigenschaften des Bodens dürfe man Gesetze ableiten. Gewiß ist der Einfluß des Bodens, unter dem hier nicht nur die Bodcnbeschaffenhcit, sondern auch Klima, Meeresnähe, geogra- phische Raumverhältnisse, Flora und Fauna zu verstehen sind, auf die Kulturentwicklung oft zu gering bewertet worden; doch was Helmolt in dieser Hinsicht bietet, das ist nur die Ersetzung einer gewissen Einseitigkeit durch eine andere weit größere Einseitigkeit. Wie er selbst oben sagt, bedingt das Zusammenwirken von Mensch und Natur die Geschichte: ein Satz, dessen Gedanke sich vielleicht noch besser in die Worte fassen läßt: Die Entwicklung der Menschen vollzieht sich in der Statur und mit Zuhilfenahme ihrer Mittel. Aber die Nolle beider, der Natur und des Menschen, ist in dem„Zw sammenwirken" nicht gleichwertig. Die Natur ist das passive Element; sie bietet nur die Borbedingungen und die Mittel zur Entwicklung. Ob diese Mittel benutzt, wie sie angewandt und welche Wirkung demnach mit ihnen erzielt wird, daS hängt zumeist vom Menschen ab. Der Boden an und für sich übt gar keine Wir- kung auS; er gewinnt solche erst in Verbindung niit einem be- stimmten technischen Können deS Menschen. Mag der Boden noch so ftuchtbar, das Klima noch so günstig sein, es wird doch kein Land- anbau entstehen, wenn der Mensch noch nicht die Boden- bearbeitung gelernt hat, und alle reiche Küsiengliederung erweckt keinen Handel, wenn der Mensch noch nicht den Bootbau versteht und noch nicht dazu gelangt ist, Handclsobjckte herzustellen. Allerdings vermögen die Naturbedingungen den Menschen wohl unter Umständen zu Aenderungen seiner Lebensweise und seiner Technik zu drängen, aber selbst der Grad einer solchen Beeinflussung ist, wie daS Wirtschaftsleben der verschiedenen Völker zeigt, ein beschränkter, je nach dem Stande der Wirtschaftstechnik. In keinem einzigen Fall läßt sich auch nur mit annähernder Sicherheit sagen, das Vorhanden- sein einer bestimmten Naturumgebung wirke nach dieser oder jener Richtung. Derselbe Fluß, der auf ein primitives Volk vielleicht in der' Richtung wirkt, daß dieses lange auf der Fischerstufe zurückbleibt, kann, wenn ein vorgeschritteneres. ackerbau- treibendes Volk sich an seinen Ufern niederläßt, mächtig dazu bei- tragen, daß in seinem Thal eine jener friihzeitigen Flußkulturstättcn ensiteht, wie sie einst daS alte Aegypten, Indien, China und die Nordküste Alt-Perus in Fülle aufwiesen. Schweift doch heute auf demselben Boden, auf dem einst Menschenfleiß und Menschenkunst mächtige Kultnrcentren zu schaffen wußte, der Nomade. Und wenn einerseits die Naturumgebung die Entwickelungsrichtung der Technik zu beeinflussen vermag, so andererseits nicht minder die Technik die Naturumgebung. Was ist z. B. nicht unter dem Einfluß der Technik aus den nordamerikanischen Urwäldern geworden. DaS gesteht auch Helmolt selbst mit den Worten zu:„... Der- selbe Boden wirkt verschieden je nach den Anlagen derer, die ihn bebauen, und verschieden auf denselben Bebauer, je nach der von diesem erreichten Kulturhöhe. Nicht für alle Völker ist, nicht zu allen Zeiten war die Wüste ein den Fernverkehr förderndes Element. Kein Volk bleibt auf seinem Boden dasselbe."(S. 18.) Indes ist selbst dieser Satz wieder nur eine Halbheit. Nicht um die im Menschen liegenden Anlagen handelt es sich, sondern darum, in- wieweit ein Volk fähig ist, die ihm durch seinen Boden gebotenen Bedingungen zu verwerten, sie seinen WirtschaftSzwecken nutzbar zu machen. Nur so weit der Boden auf die Art der Unterhalts- gewmnung, auf die Wirtschaftsform eines Volles ein- wirkt, wird er zu einem bestimmten Moment in der Kulturentwicklung. Der sogenannte geographische Faktor muß gcivisscrmaßen erst in den ökonomischen Faktor eingehen rcsp. sich in diesen umsetzen. Konsequent weiter verfolgt, führt die Ratzelsche „Bodentheorie" zur materialistischen Geschichtstheorie, die in der Wirtschaftsweise das bestimmende Moment des socialen Lebens sieht. Um fo seltsamer ist es natürlich, wenn neuerdings selbst von an- geblichen Anhängern der materialistischen Gcschichtsthcorie neben den ökonomischen Faktor noch ein besonderer geographischer ge- stellt wird. Zu solchen Konsequenzen gelangt jedoch Helmolt nicht. Ihn verführt seine Theorie von der Wirkung des Bodens nur dazu, die Weltgeschichte nach geographischen Völlerkreisen abzuteilen, d. h. die Geschichte von Amerika, Ozeanien, Ostasien, den Mittelmeervölkern ec. für sich als ein selbständiges Ganze zu behandeln: eine Anordnung des Stoffes, die sich für die Natur- und älteren Halbkulturvölkcr eignen mag, da diese meist nur wenig durch ftemde Vollselcmente beeinflußt worden sind, die aber für die modernen Kulturvölker, von denen doch keines ein eigentlich selbständiges geistiges Leben führt, als ein entschiedener Rückschritt gelten muß. Zudem steht diese An- ordnung wenig im Einklang mit Helmolts Auffassung, daß in der „Kette der gegenseitigen Beeinflussungen keine Lücke_ klaffen darf". Jedenfalls ist doch wohl, um nur ein beliebiges Beispiel zu nehmen, der Einfluß Englands auf die Geschichte der nord- amerikanischen Vereinigten Staaten ein ungleich bedeutenderer ge- ivesen, als jener der früheren Besitzer des Bodens, der nordamcrika- nischen Jndianerstämme. Doch man darf daS ganze theoretische Programm, das Helmolt entwickelt, überhaupt nicht allzu genau nehmen. Es ist ein Programm, das nur dem Willen Ausdruck giebt, der Geschichtsdarstellung selbst aber, wie der vorliegende erste Band der neuen Weltgeschichte beweist, nu in sehr geringem Maße zur Richtschnur gedient hat. Das zeigt sich gleich in dein der Helmolt'schen theoretischen Einführung folgenden zweiten Teil des ersten Bandes, dem Aufsatz Professor I. Kohlers über die„Grundbegriffe einer Entwicklungsgeschichte der Menschheit". Hier ist nur noch ganz nebenbei vom Einfluß des geographischen Faktors die Rede. Selbst die Entwickelnng der materiellen Kultur (die Werkzeugbereitung, Hausbau, Ackerbau, Kleidung ec.) wird nicht in ihren Beziehungen zur Bodenbeschaffenheit und zum Klima unter« sucht. Der Standpunkt, von den: Kohler ausgeht, deckt sich völlig mit dem der vergleichend-psychologischen Richtung m der Ethnologie, die bekanntlich eine selbstthätige gejetzgemäßeFortentwicklungderMenschhelt annimmt, entsprechend den von vornherein vorhandenen Keim- anlagen. Kohler läßt denn auch sein zweites Kapitel gleich nntdem Satz beginnen:„Die Weltgeschichte giebt uns ein Bild der Entwicklung der Menschheit, d. h. der Entfaltung der in der Mensch- heitliegendenKeime.".. Als dritten Teil bringt der erste Band eine theoretiiche Dar- legnng von Prof. Friedrich Ratzel, betitelt„Die Menschheit als Lebcnserscheinung der Erde", und darauf folgt„Die Vorgeschichte der Menschheit" von Prof. Johannes Ranke. Nach Helmolts pro- grammatischer Einleitung wird man geneigt sein, anzunehmen, daß dieser die„Vorgeschichte" behandelnde Abschnitt sich auf die modernen ethnologischen Forschungen stützt und thatsächlich eine Uebersicht über den sogenannten vorgeschichtlichen Entwicklungsgang des Menschen bietet. Nichts von alledem. Der IV. Teil ist in der Hauptsache lediglich ein kurzgefaßter Auszug aus NankeS bekanntem Werk„Der Mensch". Wir erhalten darin nur eine Schilderung der palaolithischen und neolithischen Funde in Europa und eine auf diesen beruhende kurze Darstellung der materiellen Kultur und der Lebensweise des europäischen Stcinzeitmenschen. Stehen aber schon diese Teile zumeist in einem recht sonder- baren Verhältnis zum Programm, so noch mehr der fünfte Teil, der die Geschichte Amerikas von Prof. Konrad Häbler enthält. Hablcr betitelt zwar gleich das erste Kapitel„Die amerikanischen Natur- � Völker", aber von dem EntwickclungSstand der indianischen Stämme, ihren socialen Einrichtungen, ihrer Lebensführung, ihren Kunst- fertigkeiten ec., erfahren wir so viel wie nichts. Dagegen bietet Häbier eine lange, auf linguistischen und archäologischen Studien aufgebaute Schilderung der wahrscheinlichen Wanderungen und der sprachlichen Zusammenhänge der verschiedenen Stämme: größten- teils bloße Hypothesen, die für die Beurteilung des Entwickelungs- ganges der amerikanischen Bevölkerung ziemlich nebensächlich sind. Und das Gleiche gilt von Häblers Ausführungen über die mittel- und südamerikanischen Halbkulturvölkcr, die Mayas, Rahnas, Chibchas und Altpcrnaner. Soweit er überhaupt auf den Kulturstand eingeht, beschränkt er sich meist auf eine Veranschau- lichung ihrer Bauwerke und alten Schriftmethoden. Von den den AnsiedclungSformen, der gcschlechterrechtlichcn Organisation, den politischen Institutionen, der Wirtschaftsweise usw. wird nicht ge- sprachen. Wohl aber hat Häbler sich bemüht, aus den Widerspruchs- vollen, halbuiythischen historischen Ueberlieferungen der amerikanischen Halbkulturvöller eine Art ältere Geschichte zusammenzustellen» ob- gleich das vorhandene Material recht wenig Sicheres bietet. Nur auf die altpenianischen Kulhirzustände geht Häbler etwas näher ein. Eine auf eigenen eingehenden Quellenforschungen auf- gebaute Darstellung bringt er jedoch auch hier nicht; die bezüglichen Ausführungen sind nichts als ein knappes Resümee aus den tlomsutarios reales(königlichen Kommentaren) des Garcilaso de la Bega. Wie üblich, wendet sich zwar auch Häbler gegen Garcilasos Leistung anf historischem Gebiet, doch das hindert ihn nicht, daß er dessen' kritik- und gedankenlose Angaben einfach wiederholt. Möglich, daß er sie nicht direkt dem Garcilasoschen Werk entnommen hat, sondern sie anderswo gefunden hat, vielleicht bei I. I. v. Tschudi und R. B. Brehm oder bei PreScott. Außer diesen Schriften dürfte Häbler noch die Historia natural y inoral de las indias(Natur- und Sittengeschichte Indiens) des Joseph de Acosta und vielleicht die Croniea del Peru deS Cieza de Leon benutzt haben. Alle die neuerdings aus den„Indischen Archiven". ausgegrabenen Quellenschriften der ftühesten spanischen VerwaltungS- beamten und Geistlichen scheinen ihm unbekannt geblieben zu sein, wenigstens bleibt es sonst unbegreiflich, daß Häbler nur, wiederholt, was sich in jeder beliebigen anderen Ge- schichte Amerikas auch findet. Und doch bietet gerade für. den Ratzels„Bodentheorie" acceptierenden Historiker bie_ Kultur Altperus ein ganz besonders günstiges Untersuchungsfeld. Die eigen- artigen Kulturverhältnisse der Flußthäler an der Küste im Gegensatz zu jenen des andinen GebirgSlandes liefern eine prächtige Gelegen- heit, zu zeigen, wie die Bedingungen deS Klimas und der Boden- beschaffcnheit auf die Ansiedelungsformen, die Wirtschaftsweise, die Ausbildung besonderer technischer Fähigkeiten hingewirkt haben. Auch m der Darstellung der Geschichte Nordamerikas und speciell der Vereinigten Staaten gelangt nirgends die neue Theorie zur Anwendung, nur sind vielleicht in der Schilderung des Unabhängig- keitStriegeS und seiner Ursachen die Handelsverhältnisse etwaS eingehender gewürdigt, wie sonst wohl der Fall. Dagegen kommt in der Darsiellung des Unionkriegcs der wirtschaftliche Gegensatz zwischen den Nord- und Südstaaten' nur schwach zum Ausdruck. Für Häbler ist eS wirklich der„erhabene Gedanke" der Sklavcnbefreiung, der den Norden zum Kampf gegen den Süden trieb, nur daß leider dieser Gedanke durch allerlei Rücksichten auf materielle Interessen befleckt ivurde. Sagt Häbler doch wörtlich auf Seite ö4v:„Aber so, wie er gekämpft ivorden ist, ist der Kampf gegen die Sklaverei kein stolzes Schauspiel des Sieges eines erhabenen)Gedankcns, sondern vielmehr ein Beweis dafür,>vie dieser Gedanke durch Verquickung init Fragen des politischen und materiellen Interesses fast gänzlich seiner höheren Berechtigung entkleidet werden konnte." Wir sehen, die neue Weltgeschichte gelangt, sobald eS sich nicht mehr um die bloße Theorie, sondern um ihre praktische Verwertung handelt, gar bald wieder in dasselbe Fahrwasser, in dem die alten Weltgeschichten schwimmen,— und das kann bei der Halbheit der theoretischen Grundlage auch kaum anders sein. DaS Facit läßt sich in die Worte zusammenfassen: Das Werk enthält einige recht gute Anläufe, aber sie bleiben auf die Einleitung beschränkt. S. 0. Arbeiter-Berufskleidung für jedes Gewerk passend. L08SL" Cluitsstcs liajfer. WZ?" Beate Qnalittttcn. Neu! Arbeitei'-SchiUzlaosüe Neu! jede Gefahr im?)kaschinc»belrieb ailSgrschlosse». empfiehlt F.]Vsi]u»stccU, Wrangelstr. 40/41. Frledrlchstr. 91/92, 0C|jCllÖH)ilCili(|tfit Fr'BdrlChttr. 9192 Hntlager A. MoseiiMurn. Mls. 3,15. Ein Blick aufs Sckiaufciisicr genügt, sich von der Leistungsfähige keit obiger Firma zu überzeugen. z>H?" Filialen in größten Städte» Deutschlands. tfute, Spinne. Gewähre den Genossen bei Vorzeigung dieser Auiionce 5 pCt. 16722* Otto Gepholdty 8 Breadeneratr. 8, Ecke Skalitzerstrahe lllnilar-, pupp«»-, Sport-, lia»t«n», Leiter- u. Ziegenbockwagen, Kindertische, Kinderklappstuhle, Krankenwagen, auch leihweise für Erwachsene u. Kind., Triumphstuhle. Heise- u. 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IV big 12 und nachm. 3 bis 6 Uhr, Köpnickerstr. 139, Omergebtiude 4 Tr., woselbst Verzeichnis und Verkaufsbedingungen auSliegcn, erfolgen. Schriftliche Kaufgebote sind in geschlossenen Couverts nebst den Btetungs- kautioncn von je 1000 MI. bis Dienstag, den 4. Juli er., nachmittags 5 Uhr, in meinem Bureau Linienstr. 131 abzugeben. oioio* Berlin, den 30. Juni 1809. Wilhelm Koaenbaeh, Verwalter der Masse. IHt>m dir Inserate berutmnit die Medaklian dem Vnbltkn« ,e«»»i>k>cr keinerlei verantworinng. Tlzentev. Sonnabend, denk. Juli. SIeiies Oper» Theater(Kroll). Die Fledermaus. Anfang 7 Vi Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 71/, Uhr. RrneS. Die Wahrsagerin. Hierauf: AbschiedSfoupcr. Anfang?>/, Uhr. rSefte». Die lustigen Weiber von Windfor. Anfang 7 Uhr. Schiller. Martha oder: Der Marli zu Richinond. Anfang 7V� Uhr. Ventral. Hamburger Leide».— tierauf: Vadderö Ebenbild. »fang 7 Uhr. velle-Zllllance. Eine kranke Familie. Anfang S Uhr. Friedrich> BSilhelmstiidllfcheS. Der Nochtonmibus- Eontroleur. Ansang 8 Uhr. stllexandcrplah. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Liane, die zweite Frau. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr. «Polio. Frau Lima. SpecialilStein Vorstellung. Anfang 8 Uhr. ReichShallen. Stcllincr Sünger. Anfang 8 Uhr. Paff, ige< Ponoptlkui'i. Spcciali tiiicu-Vorftclinng. Urania. Tanbenstrasje �i>. Natnrknndllche AiiSstcllnng. Tilg lich gebfsnct von w Uhr vor- niitiagS ob. Eintritt 60 Pf Abends 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". Oprriitelrphon. Jnvalidenftrafi« k?/«?!. Täglich abends voll b— lv Uhr: Slern- warte. Crnkvttl Theakov Alte Jakobstr. Z0. Direktion:.Joeo Ferenezy. Hcnic, Sonnabend, den 1. Juli er.: l. Äefamt-Gastfpiel des ttamdurgar Lriisl vrueker-IIieslei's Zum 1. Male: Damimrger leiden. Lokaler Schwank in 6 Bildern von Julius Stinde. In Szene gefetzt vom Obcrrcgisseur Herrn W. Biel. Hierauf: Uadders Ebenbild. Plottdiitfche Comcdi in 1 Optog von W. Fricke. Regie: Herr Biel. Eröffnung der ÄbenMasse 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Ende 10 /. Uhr. SiMtr-Thtlltel' (TVallner- Theater). „?l orHH'ttie-vpe r". Sonnabend, a b c n d S 7»/. U h r: Mar Um, oder: Der Markt zu Eichmond Romantische Oper in< Akten v.Flotoiv. Sonntag, adendS 7»/, Uhr: Idar WilcknalrUtzi. Montag, abend« 7'/, Uhr: A Uaaso Porto. Hierauf: Cavalleria rnntlcana. 0[tfiiD4(irl Wtij-Thtllltr. (»t. Frankfurterftraffe 1.1«. «leine Preise! Parkett 1.10 M. Vyklu» volktttlmlleher Varstelluiigen. liane, die weite Iran. Schauspiel in 5 Alten v. H. Merl s. SW Anfang S Uhr.'Tfhg BorzugSbillctS habe» GiUtigtelt. Donnerstag: Die Zaubert» am Stein, BolkS- drnma in i Akten von Niffel. Heute im Garten: Dollftiindig ncncS Juli- Programm. SommcrnachtSfest. Dirs amerioan Biograph(Lebende Photographien). Theatie en minia- ture. Nur Kräfte ersten RangeS. _ 27 Nnmmern. «T- Saisonkarte» haben Gültigkeit. dletropol-'I'Ileater. vedrenetr. 63 54. Oireotion: liloiinr,! Solinlt«. Phänomenales Juli-Programm. DM?" 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Abends 9 Uhr: Frau Lima mit dem I.nftballett „€Trigolatis". Ferner: * Otto Reatter$ und 6 neue Debüts. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnetlerilauk", Unter den Linden 69. CASTANS IPANOPTICÜMI Die sensationellen ]ö*~ lobenden-�5, [Photographien!| mit Figuren In LebenegrSsse. Die russische lütlflltlll" Damenkapelle„».IZUUII Iii moskowltlschen Kostümen. I nnoifnec"m't3Be,nen9sl>or- 1 |„Ul ül I Uod leb. Kosakenpferd. Prater-Theater Äastanien-Allce 7/9. Täglich: Dorns Ror-i. DolkS- stück mit Gesang u. Tanz van Hugo Schnlz, Musik von A.«ersten. Kostüm- sonbrettc Frl. Viorrath. Vcbr. Ailardo, Grot. Duett. Tauma-guartett, Gesang und Tanz. Aboue u. Campton, Reck- tnrner. Br. Plcardy, Hand- nnd Stopf; Equilibrist. Ballettgcscllschaft Döring. Mr. Bartllng, lebende Photographien. DM- Konzert und Da»."WW Eintritt wochentags und Sonntags »0 Pf.,„um. Platz 50 Pf. Kaiho. Pnlilinanns ¥aiideville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148. Kastan.-Allee 97/99. Täglich: Koiwert, Tüentcr n. Siiecialitätcn- Vorstellung. Sommer-Theater ..Alter Mittler" Slrtillcriestr.»8. Inhaber: A. l.adevvls:. Sdiattigster Garten Bertins. Täglich: Theater und Specialitäteii-Borilelluiig. Waldkiiter FriedriDhageil. Sonntag, den 2. Juli: Vnnrai't des Musikverrins MilUCl l Frischauf. Alle Freunde u. Genossen werden freundlichst cingeladen.— AuSspan- nnng.«egelbahn.«affecktichc tX) Pf. 979b_ Ergcbenst: Frlek. Neichshalleu. Im herrlichen Konzcrt-Gartcn refp. im grosicil Theater-Saal täglich: Stettiner Säerger (Akepfel. Pletro, Britto», Slcidl, Krone, K i r ch in a y e r, Schneider und Schräder). Z»»« Schluß: (Iiivlillei'iit seliuttieaus. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Fntree 50 Pf.(für die Wochentage Im Vorverkauf 40 Pf.) Numerierte Estrade 1 15., unnumeriert 75 Pf. W. Noacks Theater, Brunnen strah« 16. Täglich: Konzert, Theater- und SPecialitötcn- Vorstellung. Ncnl Die Negiuic«tSniimmcr. 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