' Edqrlpreis 70-eller ' Redaktion und Verwaltung: Brünn, Französische Str. Str. 24/26 und Prag XL, " Fochova 82 Brüm^RÄmon und Administration 18.880 ,.Telephon Prag: 53977 Telegrammadreffe: ' Dollosreund Brünn P opschechnnt 48630 .Inserat««erd«» laut Tarts billigst berechnet ■t Tagblatt der deutsche« Sozialdemokratie', Eigentümer und Herauogeber: Siegfried Taub, Prag.— verantwortlich« Redakteur: Karl Kern, Prag.— Druckerei:„Orbio", Druck-, i';' Berlage- und gettungs-A.- Verbindungen anzuknüpfen; auch auf wirtschaft- slichcm, politischem und sozialem Gebiete müssen don bestimmt. Kommen iy.."keine furchtbare Flaute*) rein.-Dösen eine» Abends während der Hundswache**) vor uns hin. Brüllt der Utkiek mit einmal:.Schiff ahöist Steuerbord von uns treibt'ne Brigg. Großsegel und Fock gesetzt. Hält aber nich Kurs. Torkelt hin und her wie son besoffener Kerl an Land. Auf unserer Brücke gibt man Signal. Die Brigg sagt garnix. Käppen Behrens läßt anrusen— sie antwortet nich. Auf der Brigg brennen-die Positionslampen— allen» in Ordnung. Aus dem Skylight schimmert Licht..." Martin Quast macht eine wirkungsvolle Pause.. „Der Alte läßt das Boot klarmachen,'. Wir fahren rüber, legen längsseits, klettern an Bord. Keine Hand an Deck.-Das Rüder ist festgemächt. Im Kartenhaus, auf. der Brücke, kein Aas zu schen^ü^auckenuns^i^^,,-».rtriiii-iurwir> ,,Verdammt7 däk''S eIn gruseliger Kram j.", flüstert einer der-Zuhöre^., „Wir gehen-'rUnter:-Alles-ist dunkel!'- Es quietscht und knappt in allen Fugen. Ratten springen uiiS'Wer die Füße. IM RaüM brennt Licht. Der Tisch ist gedeckt;«!alles klar zum Futtern: Brot, Butter,. Sardinen, Schinken, drei Weingläser, halb gefüllt.. Servietten lifgest'rum. Un» Stühle— so weggeschoben, als ob mäst grad vom Essen aufgeständen' wär.-', '„Und leist Besn im Quartier?"' frägt der Leichtmatrose.. .""'Martin Hüast schUtest,»en Kopf. ,j j.Keist Bein. Un stich, jn Kojen ünd nich im Logis und nich im Raum- Alles leer,". j-....... '.- Die Zuhörer fchipeiggn. Sie kennen den Eindruck, den zin berläffestes Schiff.auf Seeleute macht. Si« wissen,', wieviele ungelöste Rätsel di« Meere,hüten.,'„ L. ... i.’Silit Timm Kröger ist unzufrieden. ,,Dstö .^.)Äipdftillc.'-"‘- h **) Wache' von'12—4 Uhr nächt-,' 'Keine staatlichen We?- Gemeindesekretärei . Prags. Die Regierung hat sich mit dem- Gesetzentwurf des'Innenministeriums betreffend di« AegierungSsekretäre für' Gemeinden befäßt' Und beschlossen, den Gesetzentwurf derzeit sticht zur parlamentarischen Behandlung vorzulegen, wir mit Frankreich eng.zusammenarbeitem Für ..haben ein großes Interesse.daran, daß Westeuropa die Verhältnisse in Mittel- und Osteuropa näher, keimen lerne, damit wir zeigen können, daß unsere Demokratie nicht nur Diskussion war, sondern auch ettvaS darstellte und auch etwas leistete...... q Beide Vorlagen wurden sodann vom Hause genehmigt.- Nächste< Sitzung Di« nS t a g, de» IS. Juni, um 8 Uhr. Auf..der Tagesordnung steht die Vorlage über die Rechtsstellung des Gön- verneur» von Karpathorußlaiid,' sowie- die Zöll- erleichterungen bei der Einfuhr gewisser Ma- schinen. Der Präsident der Republik empfing' am Freitag den Universitätsprofcssor Dr. Jan K.r c- m ä f, ferner den Professor Dr. Engel, sodann den Eigentümer, und Herausgeber des Blattes „The Chicago Daily News" Oberst K n o x, ferner Dr. B. Krau?-und schließlich eine Deputation des Vereines„RÜnavan" aus Rimävskä Soboia. Der Snitiativausschuß deö Abgeordnetenhauses hat am Freitag beschlossen, die bekannten nationalpolitischen Anträge der SdP, mit denen sie die Vereinbarungen vom 18. Feber gern Wer« trumpfen möchte, dem verfassungsrechtlichen Ausschuß zur Durchberatung zu überweisen. Weiters wurde dem sozialpolitischen- Ausschuß ein kommunistischer Antrag auf Erlassung eines Gesetzes Wer die Arbeitszeit der Angestellten und endlich dem KulturäuSschuß der Anwag Kirpal- H l a d k h auf Herabsetzung der Schülerzahl in den VollS- und Bürgerschulklaffen zugewiesen.- „Rationaler Reise- Jnforniationsdicnst". Das Handelsministerium hat unter dem Namen „Nationaler Reis«-Information 8- d.i e n st" in Prag II, Näm. Republiky.(ehemaliges Hybernerkloster) ein Reisebüro eröffnet, das kostenlose Informationen Wer Reise- und Aufenthaltsmöglichkeiten- in der Tschechoslowakei erteilt. DaS Büro übernimmt auch die Vermittlung von Kur- und Sommerausenthalten in der Republik sowie von Reisen und Ausflügen Mit der Eisenbahn, Automobilen und Autocars, und zwar sowohl für Einzelpersonen und Familien als auch für Gesellschaftsreisen. Die Jnforma- tionen werden-durchwegs von"Beamten erteilt, welche. paS..'betrisfende..G.ehwt aus eigener Erfahrung, kennen..:rS"".■ Prager AntisemUenilMt eingestellt,, Das ,in Prag erscheinende AntistMiteWlatt-„Arijskh Zpravödaj" hat sein Erscheinen eingestellt.,, Herausgeber war der.tschechische Journalist. Maixncr, der vor' einiger Zeit der unerlaubten Verbindung mit reichSdcutscheN Stellen bezichtigt und verhaftet, dann aber wieder auf freien Fnß gesetzt worden wär.(DND) Gebt euren Kindern das, was Ihr einst von euren Erziehern gewünscht habt!— Der. Kindertagerfülle die Wünsche eurer Kinder.'"' iS allenS?" fragt er enttäuscht.„And wieso„Fliegender Holländer?" DaS bersteh ichnich." Der Koch schweigt.- „Habt'ihr nich wauSlriegen können, was daS fürst Schiff war?"-erkundigt sich der Vollmatrose. .„Ne.- Name und Heimatort waren abgekratzt. Nix mehr zu lesen. Keine Papiere, kein Logbuch im Kartenhaus. Aber...", der Koch fetzt seine Pfeife umständlich' wieder in Bümd,'„aber, wie wir gerade abtrudeln wollen, kommt einet: von ustS an Deck,-totenblaß!.Unten', stottert er ünd-winkt uns. Ww poltern'rüstter. ,Da', sagt unser Maat und zeigt mit'm Finger: .„Neben dem. Speiseraum iS noch'n Verschlag. So'ne Tapetentür, die. hätten« wir übersehen. Die Koje ist ganz mit schwarzem Tuch auS- geschlogen. Ganz ohne Möbel, bloß in der Mitte so'n Art Katafalk. Darauf liegt ein Mann, Tot, ganz stArr.mit-offeNenAiigeni Zwei-Lichter brennen zu Kopfe. Die Arme hat der Mastn Wer der Brust gekreuzt, und zwischen den Händen hält er ein Papier. Bin'rauSgeriffeneS' Bibelblatt und darstuf ftehtt''-: «Alle Sünden werdest den- Menschrn vergäben.' Aber die Sünden' wider' den Heiligen Geist werden nie'vergeiben." - Ntäötist Quast klopft seine- Pfeife äuS.' Alle schwMen, Der fünge Leichtmatrose Möchte ißar zu gern noch etwas fragest, aber er fürchtet sith"vor den ernsten Gesichtern der ästderest,"- „Wir rstdeyn zurück",'nimmt der fsych pM einer Weile, tviede'r da» Wort,„und machen Mel» duNg. Her'Skipper*)' ordstet an,. daß Mr'die Brigg in Schlepp nehmen sollest. Als tmrun.Ca* therine Docks**) festmachen, geht die'tzäfest« Polizei an Äörd,Me holpn'.die Brigg siber— in dex Koje Ist all«»' leer. Keip Toter mehr zu f«W'. Mer die Kerze^ brenstest noch."(SchM'fqlgt^V *) Schiffsfichrer,. **). Große Docks im.Londoner' Hafest. Nr. 187 SamStag, 13. Juni 1937 Seite 3 fudetendeutsrfier Xckspic^cl Bier Henlein-Kundgebungen verboten. Die für kommenden Sonntag angesehten Kundgebungen idcrSdP In G ü r k a u, OberleutenS- d ö r f, Brüx und K a t Harinaber g, in Vom»unMunk BapliNiimMtii au* da« Proarammaai Sonntag. Prag I: 7.05 Konzert au» Karlsbad: Suk, d'Albert usw. 8.15 Chorgesänge auf Schallplatten. 8.00 Englisch-Kstrs. 0.15 Mujilkr Salonquartett: Dvokäk, Rachmaninoff usw. 11.10 Konzert tschechischer Musik. 12.20 Jazzorchester. 14.20 Deutsche Ar- bettersendung: Fritz Frevberg: Kind und Eltern. 18.15 Militärkonzert. 17.85 Deutsche'Sendung: Klassische Zeugen. 17.40 Funkwochenschau. 17.50 Konzert de» Prager Mundfunkorchester», Dirigent: Generalmusikdirektor Maiizör,.Gesang:!kine:Reich- Dörich. 18.50. Deutsche Presse. 22.85. Jazzorchester. — Prag Ur 11.80 Deutsche.SendnnatArteiterfen» düng: Für Volk und Frieden. 11.85 Präger Gärten, Hörfolge von' Multerer. 10.05 Populäre» Konzert auf Schallplatten: aus^Buterfly",„La Boheme" ustv.— Prehbnrg: 21.05 Populäre» Orchesterkonzert! Offenbach, Deliber uftv,'—'Kaschauri 18.80 Kosakenchöre. ,20,00, Rundfunkorchesterkonzert.— Mähr..Ostrau: 9.15 Kinderlieber. denen Konrad Henlein sprechen sollte, sind, wie die„Zeit" meldet, Verbote» worden. In der mündlichen Begründung wurde den intervenierenden Abgeordneten erklärt, daß die Aufrechterhaltung der Ruhe nicht gewährleistet werden könne. Streik. Beim Internatsbau de» Realgymnasium» in MährifchTrübau, der von der Firma Hokenovskh in Pardubitz durchgeführt wird, ist e» wegen Lohndifferenzen Freitag zum Streik gekommen. Zum Reichsanfmarsch der R. SB. In der Zeit vom 8. bis 5. Juli rüsten selbst die wirtschaftlich schwachen Gruppen in den Notstandsgebieten. Sie wollen alle dabei sein, wenn e» gilt, für die Freiheit der Demokratie und die Verteidigung der Republik zu demonstrieren.— Am .Sonntags heg 20. Juni,,yprmittqg» findet bereits eine größere Probe für die Kreise Äodeubach und Teplitz im Stadion in Aussig statt. Eine stattliche Anzahl unserer R.W.-Genossen wird zusammenkommen. Die Deutschkenntnisse unserer Behörden. Folgendermaßen lautet der erste Passu» eine» Schreibens, den«in tschechoslowakisches Steueramt in einem deutschen Ort an die dortige Sparkaffe richtet«(genaue Abschrift):„Zu Ihrer Beschwerde vom 29./1.1987 gegen den Zahlungsauftrag im Betrag« von KL 600.— wird Ihnen mitgeteilt, daß die Bestätigung, beigcschloffen aus der Cession abtretenden Schuldner davon, das Ahn die Abtretung der Forderung und der neue Gläubiger angezeigt und die Anerkennung der Likvidation seitens des Schuldners, gemäß'8 84 lit f des Geb. Ges. nicht unterliegen der Gebühr nur dann, wenn über die urspringliche Verabredung eines Rechtsurkunde bereits ausgestellt war und die grundsätzliche Acnderung des ur- springlichen Vertrages nicht angetreten ist." (DND) Fischsterben In der Elbe. Schon vor Wochen bemerkten Spaziergänger und in der Elbe Badende in der Elbe oberhalb Anffig vereinzelte Leichen großer Fische. Die Flossen der verendeten Fische waren nierkwürdig gespreizt, die lvcißcn Bäuche stark aufgequollen und die Körper weit über die Hälfte aus dem Wasser herausgehoben.' Man schenkte dem Vorgang zunächst keine besondere Beachtung, bis in den letzten Tagen die Zahl der toten Fischkörper sich gewaltig vermehrte und Spaziergänger und Badende durch den Verwesungsgeruch belästigt wurden. Bo» Wannotv bis hinaus nach Lobositz und Leitmeritz trieben und treiben heute noch töte Fische in den Fluten der Elbe, deren Gesamtgewicht von Erfahrenen auf rund 60 Meterzentner geschätzt wird. Der Schaden für die Fischerei ist riesig, zumal da es sich ausnahmslos um größere und große Fische von 20 bis 80 Zentimeter und mehr Länge handelt. In den ersten Tagen, als man das Fischtreiben bemerkte. befanden sich unter den toten noch viel lebende— betäubte— Fische, die von den Uferbewohnern gefangen, mit nach Hause genommen und auch an Ausflügler verkauft wurden, lieber die Gründe des großen Fischstcvbens gehen die Meinungen auseinander. Die Meinung, daß das Sterben der Fische durch das Schmieröl der Dampfer verursacht wurde, hat wenig Wahrscheinlichkeit, Fachleute bestreiten auch, daß es sich um eine Fischseuche handele und cs dürfte die Ansicht , SBC-SUPPEN rasch zubereitet, wohlschmeckend und billig. In allen Konsumgenossenschaften erhältlich! zutreffend sein, daß die giftigen Abwässer mehrerer Fabriken in Lobositz und Leitmeritz, die ztvar moderne, aber ungenügende Kläranlagen haben, verantwortlich zu machen sind. ,_.Dynamit-Anschlag auf den Biirgermeifter von Schmlllnitz. Diestr Tage würde, aus den deutschen Bürgermeister der Stadt Schmöllnih, den Schneider S o r g e r, ein Dynamitanschlag verübt. Bisher unbekannte Täter banden an das Fenster des Schlafzimmers, in dem die Familie des Bürgermeisters schlief, mit einer Zündschnur eine Dynamitpatrone. Die Patrone war nicht groß, so daß bei der nächtlichen Explosion nur das Fenster mit dem Rahmen zertrünnnert, im Innern der Wohnung aber kein Schäden angerichtet wurde. Eine Gendarmeriepatronille aus Kaschau leitet die Untersuchung. Es wurden mehrere Personen, die der Tat verdächtig sind, angc- halten. Aus der„Volksgemeinschaft“ Die Witwe Leopoldine Gubsch aus Lisch- witz im Bezirke Podersam war bei dem Landwirt Häckl beschäftigt. Die Gattin dieses Bauern ist Vorsitzende der SdP-Frauenschaft in Lischwih. Sie will aber nicht nur dort kommandieren, sondern führt auch auf dem eigenen Hof das Zepter mit gestrenger Hand. Der Ehegatte spielt nur die zweite Geige. Diese tüchtige FrauenschaftSvorsihendc hat nun die Landarbeiterin Gubsch wiederholt ausge- fordert, ebenfalls der SdP beizutreten. Da die Arbeiterin icdoch von der„Volksgemeinschaft" nicht viel.hält, weigerte sie sich, dies zu tun. Am Sonntag, den 6. Juni, forderte der Landwirt Häckl die Gubsch auf, eine Frauenversammlung der SdP, die am gleichen Tage stattsand, zu besuchen. Auch diesem Wunsche, der fast einem Ausirag gleichkam, hat die Arbeiterin nicht Folge geleistet. Anderen Tages wurde dec Landarbeiterin von Arbeitskolleginnen hinterbracht, daß sie ihren Arbeitsplatz verlieren werde, denn die wackere Vorsitzende, Frau Häckl, hat in der fraglichen Frauenversammlung folgende Aeußerung gebraucht: „Wenn mir meine Weiber nicht mehr gehorchen, schmeiße ich sie hinan» l Dann können sie in da» Gemeindearmenhaus gehenl"(Gemeint war damit wohl die Arbeiterin Gubsch.) Dienstag, den 8. Juni, wurde die Arbeiterin von Herrn Häckl tatsächlich entlassen. Er erklärte der Arbeiterin, daß dann, wenn sic sich bei seiner Frau entschuldigt hätte, die Kündigung nicht erfosgt wär«. Darauf erklärte ihm die Landarbeiterin, daß zu einer Entschuldigung gar kein Anlaß bestehe, denn sie habe ihre Arbeit Immer anständig gemacht und nie Grund zur Beschwerde gegeben. In ihrem Privatleben aber lasse sie sich auch von ihren Arbeitgebern nicht» befehlen. Das ist also wieder ein Beispiel au» der hochgepriesenen„Volksgemeinschaft". Die Arbeiterin, die sich um 8 KL Taqlohn vom frühen Morgen bis zur sinkenden Nacht ehrlich abgecackert hat, sollte für diesen Hnngerlohn auch noch ihre Gesinnung verkaufen. Weil sie er nicht tat, setzte man sie ganz einfach auf die Straße. Schließlich hätten zu.diesem Fall sa auch unsere Behörden ein Wort zu sagen. Noch besteht in unserem Staate eine Verfassung, die es jedem Bürger ermöglicht, frei und offen seine Meinung zu bekennen und sich dort zu organisieren, wo«S ihm beliebt. Aber'hier sieht' man- wieder, wie unduldsam-die Herrschaften sind und tuns die Arbeiterschaft-n erwarten hätte, wenn man den diversen„Bolksgemeinschaftsorganisationcn" die politische Macht in die Hände spielte. Mögen die Landarbeiter daraus die Lehre ziehen, daß ihr Platz nur in den Reihen der um ihre Leben-recht« kämpfenden Sozialdemokrat j: ist. Wie die SdP Ihre Mitglieder behandelt Wir haben vor einigen Tagen berichtet, daß in einer öffentlichen SdP-Bersammlung in Lisch- witz, in der Abgeordneter K u n d t sprach, neben einem Kommunisten auch der SdP-Mann Schweriner gesprochen habe. Während Kundt den Kommunisten ruhig reden ließ, ließ er Schweriner, der an. der SdP Kritik übte, das Wort entziehen und drohte ihm mit dem Ausschluß aus der Partei. In dem Versamm- lungSbericht der„Rundschau" wurde die Tatsache, daß Schweriner geredet hat, überhaupt totgeschwiegen. Nun meldet sich einer unserer Leser zu Work und teilt mit, daß auch da» Kreisblatt der SdP, der„VolkSruf", das Auftreten Schweriners verschwiegen hat. Unser Gewährsmann vermutet, daß diese Taktik befolgt wurde, um eine Mitgliederabsplitterung zu verhüten und die Schande dieser SdP-Niederlage nicht bekannstverdey zu lassen. UebrigenS wurde, wie uns mitgeteilt wird, Schwertner tatsächlich sofort nach der Versammlung mitsofortigerWirkungauSder Parteiausgeschlossen. Es ist also eindeutig erwiesen, daß den Mitgliedern der SdP nicht einmalin den eigenen Versammlungen Redefreiheit zugebilligt'ist, wenn sie sich nicht, darauf beschränken, die' Führung der Partei zu loben. Im borliegenden Falle hat sich die SdP auch einer Statutenverlehung schuldig gemacht," denn der Ausschluß Schweriners erfolgte durch den Ortsleiter der SdP in Kolleschowih. Die übergeordneten Instanzen der SdP verzichten darauf, Schwertner überhaupt anzuhören. Unser Gewährsmann teilt uns mit, daß sich Schtvertner, der«ine Reihe Funktionen bekleidete, für die SdP buchstäblich aufgeopfert habe, so daß er heute beruflich, finanziell und familiär ruiniert Ist, Die eigenen Kameraden haben ihn am allerwenigsten unterstützt. Schwertner ist Gewerbetreibender. Der Fall Schwertner ist ein Schulbeispiel dafür, daß die SdP auf ihre besten Mitarbeiter verzichtet, wenn sie sich weigern, lo charakterlos zu sein, wie cs oben verlangt wird. Ein Bild aus der„Dreigroschen*Oper“ Wenn ein Zentraldirektor aus dem Kriminal kommt (rb) Vor einigen Wochen wurde bekanntlich der Siebenmillionen-Dcfraudant Karl Z a j i L e k, ehemaliger Doktor der Rechte und Zentraldirektor der Herrschastsverwaltung Larisch, nach Verbüßung zweier Drittel seiner viereinhalbjährigen schweren Kerkerstrake bedingt aus der Strafhast entlassen. Die Rückkehr ins Leben, die den meisten Häftlingen, namentlich wenn sie zum ersten Male straffällig wurde» und keine abgebrühten Gauner sind, unsäglich mühsam ist, vollzog sich bei Karl Zajiiek leicht und angenehm. Haben andere Strafentlassene niit dem Mißtrauen und der Verachtung der Mitmenschen zu kämpfen, die ihnen so ost die Rückkehr in ein ordentliches Leben 'unmöglich macht, so braucht sich ein ehemaliger Zentraldirektor^ der selbst mehrfacher Grubenbesitzer und Inhaber verschiedener fetter Bankkonti ist', in dieser Hinsicht keine Sorgen zu mache». Mehr noch— wenn«in gewöhnlicher. Sterblicher bedingt au».dem.Kriminal entlasse' wird, so„erfreut" er sich der eindringlichsten Aufmerksamkeit -der SicherheitSbehörden und wir könnten hinrei- chend Fälle aufzählcn, wo da» schonungslose Rachforschen der Polizeiorgane den aufrichtig' Besserungswilligen um eine mühsam ertvorbene Stellung gebracht hat. Auch über solcherlei Kalamitäten ist etner, der ein«Großer'! in'den Kreisen der kapitalistifchen Welt war und ist, erhaben. Herr ZajiLek hat vom vornhereitz eipe behördliche Kontrolle seineSs. weiteren Lebens und Treibens, die sich bei^aydereu Strafentlassenen von selbst versteht, so wenig,in Rechnung gezogen, daß er unverzüglich ünf'Aüsstellüna ei n e» Pas- s e S ansuchte, damit er. seine''J® e rm ö gens- de.rhältniUe" im Auslande regeln könne.' Wie«» heißt,.wgrtet er nun' in Troppau auf die Züstellüstg Hefe» Passe» und ist einigermaßen ungeduldig und gereizt, daß'diese Sache nicht so schnell' geht,' wie er' erwartet hatte. Als bekannt wurde, daß dieser bedingt ent- laffene Häftling die Ausstellung eines Passes an- strebe, die ihn natürlich jeder Beaufsichtigung entzieht, wurde die Frage In Juristenkreise» lebhaft erörtert und die Mehrzahl der Rcchiskundigen Ivar der Meinung,'daß in einem solchen Fall der Paß nicht, oder nur unter ganz besonderen Vorkehrungen ausgestellt werden könne. Andere suchten vom rein formaljuristischcn Standpunkt das Gegenteil zu beweisen. Beide Teile aber Ware» darin einig, daß praktisch ein solcher Fall kaum jemals vorgekonnncn sei. Herr ZajiLek tvar Indessen von Anfang an Optimist und offenbar nicht ohne Grund. Wenigstens heißt es, daß ihm das zuständige Kreisgericht keine Schwierigkeiten in den Weg lege. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird also Herrn ZajiLek der Weg In die weite Welt osfenstehen und ein neuer Abschnitt seines tatenreichen Lebens kann beginnen. Seine Zukunftspläne sind, wenn man den Jnformätioncst' der angeblich wohllnformicrien Presse glaubet: kmni,: großzügig. Zunächst will er sich angeblich nach Polen begeben, wo er etliche kleinere'Industriebetriebe- und Gruben besitzt, um nach den: Rechten zu.sehen.und sich dann in W i c n nicdcrlassen. Die Verheißung, daß er fleißig.an seinen Memoiren arbeiten werde, dürfte fo manchem'nicht ganz angenehm sn die Ohren klingen:: Von ernsten Sorgen dürfte'Herr ZajiLek/picht gepingt, sein, den»' daß' er, wie be- hautztqt wird, mit seinem Verteidiger einen-Prozeß um.das^.Palmare—! cS hgndelt'sich um lumpig«. LÜM'M-KL zufführen haben wird, wird seine LaünAtstni ernstlich trüben können. Asse» in Wm.Mswie man. sieht! der Weg zu einem neuen Lehen leicht und angenehm^ vorausgesetzt nämlich, daß Man keiner von den Kleinen ist. Nach Neurath— Kleine Entente- Der wendige Stojadinovli Bukarest. Die„Lnpta" nennt den Besuch deS Ministerpräsidenten Dr. Hodja in Bukarest und die anschließende Zusammenkunft deS tschechoslowakische» und deS rumänischen Regie- rungschefS mit dem jugoslawische» Ministcrpräfi- denten StojadinoviL ei» diplomatische» Ereignis großer Bedeutung. Dieses Ereignis wird nicht allein eine neue Kundgebung der Solidarität der Staaten der Kleinen Entente darstcllcn, sondern auch Rückwirknuge» auf die allgeiueiue Politik in Mitteleuropa haben. Die„Lnpta" verweist darauf, daß die konstruktiven Mitteleuropapläue des tschechoslowakischen Ministerpräsidenten in Landow und Paris gelegentlich der kürzliche» Besuche Dr. Hodiias in diese» beiden Hauptstädten ein ungemein günstiges Echo gefunden habe». Der„Adcverul" ist dahin unterrichtet, daß das Zusammentreffen der drei Regierungschefs der Kleinen Entente zum Teile dem Wunsch deS Ministerpräsidenten StojadinoviL entspringt, die Berbiindeten Jugoslawien« über die letzten Ereignisse zu unterichten. Belgrad—Sofia- Budapest Budapest. Der deutsche Reichsaußen- ulinister Freiherr von Nenrath ist am Freitag mit feiner Begleitung, von Sofia kommend, inn sechs Uhr abend« auf dem Budapester Flugplätze eingetroffen. Nach der Ankunft der deutschen Gäste spielte die Kapelle die deutsche und die ungarische Hynme. Nach dem Abschrerten der Front der Ehrenkompanie begleitete Minister deS Aeußercu Kanya de» deutschen Außennlinister in sein Quartier im Hotel„PalastinuS" auf der Margaretheninsel. Abends gab der Minister des Aeußercu Kanya zu Ehren Neurath» und seiner Begleitung ein intimes Diner. Schulter an Schulter Wie». Die Nachrichlen, die davon sprechen, daß das auf Grund des österreichisch-deutschen Abkommen» vom 11. Juli v. I. eingesetzte österreichisch-deutsche Schiedsgericht in Kürze zusammentreten werde, um die fetzten Differenzen zwischen den beiden Ländern zu bereinigen, sind falsch. Das erwähnte Abkommen sah nicht die Einsetzung eines Schiedsgerichte» vor, so daß ein solches auch nicht zusannncntretcn kann. Nach Abschluß de» österreichisch-deutschen Abkommens'vom 11. Juli 1036 wurde eine besondere Kulturkommission zur Lösung verschiedener technischer Fragen eingesetzt. Diese. Kommission hat.jetzt getagt und hat vorläufig-ihre Arbeiten beendet.. Wien. An: 18. d. M. treten unter Führung de» Präsidenten de» Jndnstriellenbunde», Staatsrat Ludwig Urban, österreichische Industrielle eine Studienreise in das Deutsche Reich an, in deren Verlauf sie die wichtigsten Industriezentren besuchen werden. Linz. Die für den 11. Juni nach Wels unter der Parole„Schulter an Schulter" einberufene Versammlung der österreichische» und der reichsdeutfche» Frontkämpfer wurde von der öfterreichifchen Regierung verboten. kleuer Erfolg bei Guadalajara Madrid.(HavaS) Das Ministerium für Nationalverteidigung meldet, daß republikanische Truppestabteilungen einen großen Erfolg im Abschnitt bei titande in der Provinz Guadalajara verzeichnen konnten, wo sie eine große Zahl von Franco-Soldaten gefangeunahmeu. Batken schielten zwei Flugzeuge ab Bilbao.(Havas) Nach Informationen aus amtlichen Quelle» wurde ein Aufständischen- Flngzeug, das einen Erknndungsflug über den Positionen bei Lurgorr ansführte, durch Maschinengewehre abgeschosse». Auch beim Gorbsa-Berge schossen di« RegierungStruppen ein Aufständischen- Flugzeug ab. Noch keine Einigung In London London. Die Beratungen zwischen Eden, Corbiu, Grand! und Ribbentrop haben um 17 Uhr im Forcign Office in London begonnen. Ein Tcxtvorschlag des Uebcreinkouuueus, das die Rückkehr Deutschlands und Italiens in den Nichteinmischungsausfchuß regeln soll, lag vor. In White Hall ist man der Anffassniig, daß keine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten über die drei Punkte, des englischen Planes zu erwarten sind. Was scheinbar noch strittig sein dürfte, ist die Frage, ob die Kontrolliuächte direkt die Garantien.von Valencia und Franco verlangen sollen oder— was der Wunsch der Sowjetunion ist— das Nichlitttcrventionskomitec. Diel englische Auffassung scheint die erste Möglichkeit zu bevomugen, deren Gelingen im wesentlichen von der Haltung Frankreichs abhängt, über die iy> Augenblick noch nichts bekannt ist. Nach den mehrstündigen Besprechungen Edens mit den Botschaftern Deutschlands, Italien» und Frankreichs, wurde eine kurze Miitei- lung ausgegeben, die besagt daß gute Forisch r i t t e bei der Abfassung eines AbfommcnS- textes zwischen den vier Mächten gemacht worden seien. Ein? weitere derartige Sitzung wird Samstag stattsinden, Seite l Samstag, IS. Suni 1937 Nr. ISA Das Problem der nationalen Autonomie Der bekannte deutsch-baltische Minderbeitenpolitiker PaulSchiemann beschäftigt sich im„Volksdeutschen Presse- und Jnforma- tionidienst" in sehr interessanter und tiefgründiger Weise mit dem Kampf der Basken um ibre nationale Selbständigkeit. Die Ausführungen Paul Schiemann» sind aber für die gesamte Minderheitenpolitik von großer Bedeutung, weshalb wir sie hier— mit geringen Kürzungen — wiedergeben. Im Auftrag des Deutschen Verbandes zur nationalen Befriedung Europas habe ich kürzlich an die großen überstaatlichen Friedensverbände die Aufforderung gerichtet, sich für die Errettung der baskischen Volksgruppe in Spanien vor der ihr drohenden physische»! und nationalen Vernichtung einzusehen. In einer Feit, in der die nationalistische Weltanschauung in Europa den Höhepunkt ihrer Macht erreicht zu haben scheint, gewinnt die Tatsache, daß die nationale Existenz gerade von einer auf nationalistischem Boden fußenden Macht bedroht ist, ganz gewiß besondere Bedeutung. Wenn der Nationalismus in seiner italienischen Prägung noch ausschließlich vom„heiligen" Egoismus einer einzelnen Nation, der eigenen, ausging, so hat der deutsche Nationalismus vom Tage seiner Machtergreifung an seine Herrschaftsansprüche aus dem Grundsätze der Achtung vor dem völkische»» Rechte an sich begründet. Wenn er zu dieser Erkenntnis auch durch die Rücksichtnahme auf die in der Welt zerstreuten deutschen Volksgenossen gelangt sein mag, so bietet doch gerade die baskische Frage die erste große Gelegenheit, den Ernst dieser These zu erweisen. Dec deutsche Nationalismus wäre wohl vor allem dazu berufen, seine spanischen Gesinnungsgenossen voi» der Heiligkeit und Unverletzlichkeit nationaler Rechte auch im gegnerischen Lager zu überzeugen. Die Minderheitenfrage ist ja vor allem«in Problem Mittel- und Osteuropas, und wen»» es schon schtvcr ist, für diesen Raun» eine allgemein gültige Lösung zu finden, so gilt das für die spanischen Minderheiten in besonderem Maße. Als allgemein gültiger Grundsatz konnte zunächst nur der einer auf der Anerkennung der völkischen Eigenart als Lebenswert beruhenden Gerechtigkeit angenommen werden, die in sich die Forderung auf Gleichberechtigung trägt. Die nationalen Minderheiten verlangen die gleichen Chancen für Entwicklung und Betreuung ihrer nationalen Kultur, wie sie dar Mehrheitsvolk besitzt. Das bedeutet, daß jeder Volkstum— Mehrheit oder Minderheit— im staatlichen Raume seine Kulturarbeit autonom verwaltet und die Möglichkeit hat, in bezug auf diese Arbeit die Fühlung mit den'Volksgenossen jenseits der Grenzen ausrechtzuerhalten. Diese Forderung kam» von» Staate auS naheliegondeir Gründen der Sicherheit nur bewilligt werden, wem» die Zielsetzung der nationalen Autonomie sich ausschließlich auf das kulturelle Arbeitsgebiet beschränkt. Der Staat kann nicht zugebcn, daß die Verschiedenheit der Volkszugehörigkeit eine Verschiedenheit der politischen Interessen, eine Verschiede nh eit der Einstellung zun» Staate und zum Gesainüvohle in sich schließt. Und er kann erst recht nicht dulden, daß die Zusammenarbeit mit Volksgenossen in anderen Staaten in irgendeiner Form auf politische Interessen überspringt. Andererseits lani» aber auch die Mi»»dcrheil in einer Beschränkung ihrer Gemeinschaftsarbeit auf lylturelle Betätigung nur unter der Voraussetzung willigen, daß ihr auf allen anderen Gebieten, den» politischen, dem administrativen und dem wirtschaftlichen, die Gleichheit der Chancen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch gewährt tvird. In dieser Bedingtheit liegt die ganz große Schivicrigkcit der Minderheitenfrage, die erst a»»s dem Boden bestimmter psychologischer Befriedungsarbeit eine legislative Forin annehmen kann. Wir sehe»» diese Schtvierigleit augenblicklich sehr deutlich im politischen Leben unserer Volksgenossen in der Tschechoslowakei, wo eine Partei die sofortige Einführung der nationalen Autonomie verlangt, während andere einer sehr viel bedächtigeren Politik das Wort reden. ES ist nicht so, daß die aktivistischen Parteien die Kultur- autnonomie als solche nicht tvüNschten, aber sie glauben zu wissen, daß der Staat diesen Wunsch nicht getvähren wird, solange er nicht Überzeugt ist, daß diese autonome Arbeit auf die k ul tu.r eI- len Werte beschränkt bleibt. Und sie weiß, daß die Minderheit sich nicht entpolitisieren lassen kann, solange sie nicht die Gewähr voller Gleichberechtigung auf allen anderen Gebieten besitzt. Deshalb wohl haben sich diese Parteien für den Grundsatz entschieden: erst seelische Befriedung, dann legislative Norinierung. Ma» hat wohl gemeint, daß für gcschlosseir siedelnde Minderheiten die territoriale Autonomie, die sich nicht nur auf kulturelle, sonder»» auch auf administrative und wirtschaftliche Fragen erstreckt, die natürliche Lösung sei. Ich sehe in solcher Lösung eine Gefahr. Die territoriale nationale Autonomie ist im Grunde nichts anderes als eine Aebertrngung deS nationalstaatlichen Prinzips auf daS BerwaltnngSrccht,— die Anerkemmg des Grundsatzes, daß der nationalen Mehrheit im Raume die Herrschaft gebührt, Dieser Grundsatz ist eS aber ja gerade, der sich überall so verhängnisvoll für di« nationalen Minderheiten Europas auSgewirkt hat. Sehen wir vom theoretischen Widerspruch ab, so muß doch die regionale natio nale Autonmnie eine entscheidende Berschlechtc- rung der außerhalb deS autonomen Gebietes siedelnden Volksgenossen nach sich ziehen, die in» Sinn« einer national«» Solidarität nicht geduldet werde»» kann. Es ist selbstverständlich, daß die nationale Mehrheit dem von ihr bewohnten Gebiete ihren besonderen Stempel aufdrückt und in entscheiden- dem Maße an der Vertvaltung des Raumes teilhaben muß. Das zu erreichen aber ist der Sinn einer gesunden dezentralisierenden Selbswerwal- tungspolitik und nicht Gegenstand einer Minder- beitcngesetzgebung. Wenn wir mit solchen Gesichtspunkten an die baskischen Verhältnisse herantreten, so sehen wir die Verschiedenheit des Minderheitenproblems im fernen Westen sehr deutlich. Die Basken streben ganz, ausdrücklich eine nationale Autonomie regionalen Charakters an, die bereits stark an das staatlich-föderalistische System erinnert. Erleich- iert wird ihnen diese Forderung dadurch, daß sie, soviel mir bekannt ist, gar keine nationale Diaspora im spanischen Raume haben. Ihre nationale Ideologie aber ist auf das engste mit ihrer historischen Entwicklung als autonome Volksgruppe verbunden, die erst im Jahre 1889 unterbrochen wurde. Die Basken sind weder Lateiner TlAesnemgkeiten Wein-Patenschaften des Bundes der Deutschen Daß der B. d. D. ganz gleichgcschaltet ist, Pfeifen schon die Spatzen von den Dächern. Er hat einen„Führer", den Pastor Wehrenfennig. Nun hat sich dieser nach reichsdcutschem Muster ein neues Arbeitsgebiet zugelegt. Er will den Winzern helfen, ihren unverkäuflichen Wein ab- zusctzen. Wie macht man das? Man macht Re- klaine für den Wein, erzeugt neue Bediirsnissc für den Alkohol, die Winzer werden gerettet. Einzelne Städte, resp. Bundesortsgruppen über- nehme»» die Patens»i)ast für ein Winzerdorf und sorgen siir Großabsatz. Wahrscheinlich werden nach rcichsdeutschcm Muster auch Weintrinkwo- chen eingeführt werden. Wie sich das bei den Nazis ausgewirkt hat, zeigt folgender Bericht der Fränkischen Tages- zeitung: „Die durstigste Stadt in Franken I" Patenwein I Glücklicher Gedankel Ein Helle» Köpfchen muß ihn geboren haben, denn durchschlagend ist der Erfolg der Weintrinkwoche gewesen, wohin man auch sah und hörte bi» zum Samstagabend. Zum Wochenend gingen die Wogen der Fröhlichkeit noch überall hoch, denn wo deutscher Rebensaft in die Kehle rinnt, da lacht da» Herz, und die Zunge wird leichter al» je. Man kann jetzt getrost die Bilanz de» fränkischen Paten- weinverbrauch» ziehen: Eine Stadt um die andere meldet Großverbrauch. Doch eine ist da im Kranze der fränkischen Städte, die wohl den Bogel abgeschoffen haben dürfte: Zirndorf. Da» muß der Neid den Zirndorfern lassen, daß sie den größten Durst gezeigt haben in der abgelaufenen Woche. Die kleine mittelfränkische Stadt mit ihren 7Y00 Einwohnern hat sich auf erste Bestellung zu 2600 Liter au» dem sonnigen Edenkoben verpflichtet; doch Im Nu war diese» Quantum durch die Gurgeln der Zirndorfer geronnen, und e» wurde sofort eine Nachbestellung von 6880 Liter, dann nochmal» eine in Höhe von 6000 Liter getätigt... Aber man sollte e» nicht glauben: Auch diese 18.860 Liter reich-, ten nicht au», so daß nach Edenkoben erneut um „Stoff" gedrahtet werden mußte. Die dann noch bestellte Schlußsendung erhöhte den Verbrauch der Zirndorfer innerhalb einer guten Woche nun auf 17.000 bi» 18.000 Liter, da» sind also zweieinhalb Liter auf den Kopf der Einwohnerschaft.(Frauen und Säuglinge mitgerechnet. Die Redaktion.) Selbst Großstädte müssen sich verkriechen vor solchem Erfolg. Da kaiin man wirklich nicht» andere» mehr sagen als: Na, denn Prost!" In der„Frankfurter Zeitung" war folgende Notiz zu lesen:„Braunschweig, 26. Oktober. Ein Werk in Wittmar(Kreis Äolfenbüttel) hat siir seine(Gefolgschaft 800 Flaschen Patenwein bestellt. Der Betrag dafür Ivird dem einzelnen In fünf Monaksraten abgezogen." Die Arbeiter werden gar nicht erst gefragt. E» wird ihnen kurzerhand fünf Monate hindurch ein Teil ihre» Lohne» von dem Unternehmer für Wein beschlagnahmt. Daß auch in nationalen Kreisen der gleichgeschaltete B. d. D. mit feinen Weinpatenschaften auf Widerspruch stößt, ersehen wir aus der Nr/ S<6 Mai-Brachct 1937 des„Aufwärts", Blätter siir alkoholfreie Lebensgßstaltung. Dort schreibt der alte deutschnationale Professor Fritz Hirth:„Es ist eine Kultur- schände, daß heutzutage Werbefeldzüge zum Wein- und Bier- verbrauch ein geleitet werden." Was sagt der deutsche Turnverband zu die- ser Agitation deS B. d. D.? Was sagt der ehemalige Turnlehrer K. Henlein zu Lieser Wein- 'propaganda, die nicht zu vereinbaren, ist.fsiit völ- kikcher Jugenderziehung, wohl"Ger mit der gleichgeschalteten nazistischen, LaijdÄnechterzie- hung? Wird diese nazistische Kultnrschande'auch bei unS durch den B. d. D. Eingang finden? noch.überhaupt Jndoeuropäer. Sie stelle»» sowohl als Rasse wie als Sprachgemeinschaft. eine kulturelle Insel in Europa dar? Jahrhundertelang haben sie eiste Art Parlamentarischen Systersts geübt. Ihr nationaler- Bertretungskörper, der „Bahars", würde Nach allgemeinem' Stiintnkbcht gewählt. Sie hatten eigene Legislative und Gerichtsbarkeit und eine auf ihr Landesgebiet-beschränkte Wehrpflicht. Sie kannten die Unverletzlichkeit des Hauses und die Verantwortlichkeit der Beamten. Die Wahrung dieser politischen Tradition bildete alle Zeit einen Bestandteil der nationalen Tradition, so daß es wohl verständlich erscheint, daß sie sich eine Wahrung ihrer nationalen Existenz ohne Wiederaufrichtung ihrer politischen Rechte nicht denken können. Eine politische Gefahr kann das nur 799.090 Seelen in der Welt zählende Boll keinesfalls darstellen. Und nun sind sie bereit, für dies« Rechte zu sterben. .Hat das Abendland, das auf dem Boden der Helligkeit nationalen Seins steht, nicht die Pflicht, siir dieses Volk und fein« Rechte«inzutreten? Ist nicht gerade das Bestehen solcher kultureller Inseln«in Schmuckstück innerhalb der abendländischen Kultur?/ Wer christlich denkt, wer national de>»kt,«er abendländisch denkt, muß sich deS Schicksal- diese» tapferen, kleinen BolkeS annehmen. Drei Brüder ertrunken. Drei Schüler aus Steinach, und zwar Ludwig Schütter und seine beiden Brüder, di««ntgegen dem Verbot ihrer Eltern tn der Enns badeten, sind ertrunken. Ihre Leiche»» konnten noch nicht aufgefunden werden. Bei einem Zusammenstoß zwischen rangierenden Güterwagen und einem- Personen-Trieb« wagen auf der Strecke Hirschberg—Schmiedeberg lPr.-Schlesien) wurden vier Personen getötet, zwei schivcr und acht leicht verletzt. Autobus mit Pilgern abgestürzt. Im Hoch- Apennin bei dem Orte Darano unweit Parma stürzte ein mit 80 Pilger»» besetzter Autobus nach einem ZusanuNenstoß mit einem leeren Ueber- landkraftwagen eine Böschung hinab und überschlug sich fünfmal. Eine Frau fand den Tod; acht Personen wurde»» schwer und 14 leicht verletzt. Der Polizeiches von Budapest Dr. Schweinitzer wurde Freitag vormittag» auf ofefner Straße von einer Frau angeschossen und ernstlich verletzt. Man hielt die Attentäterin zunächst für die geschiedene Gattin Schweinitzer», e» stellte sich aber heraus, daß e» eine Gutsbesitzerswitwe namen» Teleke» ist. Das Motiv ihrer Tat ist P r i v a t r a ch e.. Wunderheilung in Sarajewo. In Sarajewo hat der alte Kupferschmied Mustafa Mujagic in Gegenwart von Aerzten und Journalisten eine sensationelle Borführung veranstaltet: Ec heilte«inen Mann, der von einer Springotter gebissen worden war, mit Wasser, einer Kaffeetasse und Beschwörungen. Der Gebissene war, al» die„Vorstellung" begann, schon halb gelähmt und litt an heftigsten Schmerzen, Die Schlange hatte ihn in die Schulter gebissen.'Die Aerzte stellten Lebensgefahr fest und wollten dem Kupferschmied die„Kurpfuscherei" verbieten. Dieser aber hatte für sie nur einen Blick der Verachtung: er holte die Kaffeetasse,„beschwor" sie mit einigen unverständlichen Worten, tauchte drei Finger des Gebissepei» in ,Hcwci,hteS", Wasser,.besprengte dann den Fuß 27 Mitl und sieh"'den'Verwundeten den Rest deS Wassers trinken. Dieser konnte kaum stoch seins Lippe»» öffnen. Kaum aber hatte er- da» Wasser getrunken, als sich sein Körper straffte.? Innerhalb einer Minute war die Schwcllmig an der .» Minna Koutsky ! Vor hundert Jahren geboren Gestern waren e» hundert Jahre, seitdem efne .Frau geboren wurde, deren Namen der älteren Generation von Sozialisten gut bekannt ist: Minna KautSky, deren Romane von Arbeiterblättern.häufig gebracht und von tausenden sozialistischen Lesern gerne gelesen wurden. Minna KautSky wurde am 11. Juni 1837 in Graz geboren— ihr Mädchenname war Jaich— Und heiratete den Prager Theatermaler Johann Wenzel KautSky. Dieser Che ist der groß« sozialistisch« Theoretiker Karl KautSky entsprossen. Auch Minna war, gleich ihrem Gatten, im Bheaterleben beruflich tätig, sie trat als Schauspielerin in Ol« mutz und Prag auf und hatte dl« tschechische Sprache insoweit erlernt, als sie auch auf der tschechischen Bühne spielen konnte. DaS Ehepaar verkehrt« in deutschen wie in tschechischen Kreisen und war u. a. mit dem Dichter Jan Neruda und dem Maler Josef MäneS bekannt. Als dann Krankheit Minna KautSky dazu zwang, von der Bühne Abschied zu nehmen, griff sie zur Feder und schrieb Dramen und Romane. Am bekanntesten wurde von diesen Romanen„Stefan vom Grillenhof", bedeutend ist auch der Roman„Herrschen oder dienen?" Ihre Bücher habe»'di« Leser nicht nur unterhalten, sondern auch belehrt und in ihrem sozialistischen Bewußtsein gestärkt. Vor fast'genau 25 Jahren ist sie in Berlin gestorben, kein geringerer als Franz Mehring hat damals in der„Neuen Zeit" ihr Lebenswerk gewürdigt. Hundert Jahre nach ihrer Geburt fei dieser feinsinnigen Frau und tapferen Sozialistin gedacht. schon schwärzlich verfärbten Schulter verschwunden. Er atmete ruhig, die Schmerzen hatten vollkommen aufgehört, und die Aerzte stellten fest, daß der Schlangenbiß nicht die geringsten Folgen hinterlassen hatte. Insgeheim, sind von dem erstaunlichen Vorgang photographische Aufnahmen gemacht worden. Vielleicht gelingt es mit- ihrer Hilf«, dem alten' Wundcrscheich doch hinter seine Heilschliche zu kommen. Einem Großfeuer im westpolnischen Dorf Rud- z i n y fielen 29 Gehöfte zum Opfer. Die ganze Einwohnerschaft de» Dorfes ist obdachlos. Die meisten Einwohner haben nicht einmal die notwendigsten Kleidungsstücke retten können. Böhmische Früh-Renaiffanee. Bet Restaürie- rungSarbeiten im Pardubitzer Schloß wurdest mehrere alte Zimmerdecken freigelegt, von denen, eine reich gegliedert, herrlich benmlt und mit zahlreichen goldenen Rosetten geschmückt ist. ES handelt sich um die Arbeit italienischer Künstler au» der ersten Hälfte deS 16. Jahrhunderts, die Adalbert von Perstein nach Pardubitz berufen hatte, um sich seinen neuen Sitz in dem bisher in Böhmen unbekannten Renaissance-Stil ausschmücken zu lassen. Sh» dem Schloß wurde bereits eine Reihe von Funden gemacht, die von historsscher Bedeutung sind, da«s sich um die ersten Renaissance-Denkmäler bei uns. handelt. Als das Schloß im Jahre 1726 im Barockstil umgebaut wurde, wurden zahlreiche künstlerische Kleinode zerstört oder Ubermauert. Sie sollen jetzt freigelcgt und restauriert werden. Gewlttemeigung. Feuchtere ozeanische Luft, welche langsam über dem Binnenland vordringt, und sich hier stark erwärmt, verursacht eine zunH- mende Neigung zu Lokalzewiitern. In ganz Mitteleuropa würden Freitag nachmittags 80 bis 82 Grad verzeichnet, Prag hatte 84 Grad, Breslau 86 Grad. Die allgemeine Wetterlgge ändert sich nur wenig.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Nachts ziemlich heiter, untertags wechselnd bewölkt, verschiedentlich Lokalgewitter, schwül.— Wetterau»sichten für Sonntag: Noch j Gewitterneigung, im ganzen«in wenig kvhser. Dm End» dar Hunde von St.-Barnhard Wenn nicht in letzter Stunde stoch eine Aenderung erfolgt, so dürste dar Schicksal der weltberühmten Bernhardinerhunde de» St.-Bernhard-Kloster» stuf dem gleichnamigen Paß.besiegelt, sein. Die Hunde de» Klosters, deren Samariterdienste zum Auffin dtp der, in der Schneetvüste verirrten TouriM . Taditlon waren, zeigten in den letzten Jahren istf olge der Ueberzüchtung so schwere GntartungSer«, scheinungcn, die sie zum Rettungsdienst nicht Mehr geeignet-«dscheinest lassen. Bekanntlich, stürzte.sich I während der Pfingsttage eine ganze Meute der riisjgtWHyNde^äufda» zehnjährige Töchterchen eine» I Arzte», da» buchstäblich zerrissen wurde.' Bon vetfchiedenest Stellen-ist ihre Tötustg verlangt worden. Nr. 137 Samstag, IS. Juni 1037 «Seite 5 Spanische Kleinstadt im Krieg In Pari? hatte er noch gestürmt, eiskalt tvar der Regen■ auf das Pflaster niedergedroschen, lieber den schneebedeckten Phrenäengipfeln der großen Cnnigou war dann dir Sonne aufgegangen, und als das Flugzeug schließlich, die sanft vernebelt« Landspitze von Denin' abschneidend, in Mied, dem Flugplatz von Alioattte, langsam vor di« Halle der„Air France" rollte, war man mit, ten im Sommer. Welch friedlicher Anblick. Zwei Gendarmen In den galten grünen Uniformen schnitten sich geruhsam riesige Käsebrocken ab und spülten sich den Mund mit Wein. Ein verbeulter, bestaubter Omnibus stand sür den. Tran-Port. bereit. Die Kontrolle wurde von einigen Herren in Zivil ausgeübt, die man für Rechtsanwälte, Aerzte oder Lehrer halten.konnte.'- Und sie ivarest es. auch. Einer von ihnen,' der unter.dem Saeco«inen schweren Revolver um den Leib geschnallt trug, war der angesehenste Advokat von Alicante. Die änderen Intellektuelle, die man auf dies« Posten gesetzt hatte, um mit. den'landenden Fremden aus dem Ausland, fertig zu werden. Hinzu; trat ein Riese, Typ:. Matrose in Zivil, braungebrannt, mit großen offenen Knabenaugen. Er begann die Unterhaltung im schönsten schwyzcrisch, ein Tessiner,, nach.dem Kanton Basel zuständig,. wegen seiner Vielsprachigkeit zum Zensor für die Post einer internationalen Brigadd-Truppe eingesetzt, die hier in der Nähe lag. * In, seinem Wagen fuhr, ich-in die Stadt. Die Wagen der Regierungsstellen sind prächtig. Lauter Mercedes, Hispano-SuizaS, Rolls-Royces und erstklassige Renaults. Die Bürgerschi^ht, die geflohen ist, hat zwar ihre Juwelen, aber nicht di« Auto» mitnehmen können. Nun war das Auto die Liebhaberei des reichen' Spanier». Drei, vier Wagentoarcn in einer der großen Familien nichts Ungewöhnliches. So kam die republikanische ,Armee zu einem stattlichen Auto-Paxk. Biele Wagen würden freilich ihre Besitzer heute nicht wic- dererkennc'n. Das sind die BeteranenWagen, die von der Front kommen, gegen Fliegersicht bunt Übermalt. SchlaMmbespriht, die Scheiben von Schußlöchern zersplittert, mit zerschmetterten Kotflügeln kehren sie heim zur Reparatur, oft kolonnenweise, invalide Kämpfer. Und auf der anderen Seite der Straß«, begegnen ihnen di« neuen, Hellen, grauen Lazarett-Autobusse, die aus den Spenden der Arbeiter in den Fabriken gebaut worden sind. Taxis gibt es nirgends. Zwischen großen Orten nur einmal im Tag Autobusse, die ihre Dächer mit Planken eingezäunt haben, damit dort oben ganze Familien nächtigen, Mittag essen und sonst sich die Zeit vertreiben können. Wenn ein solcher Wagen mit seiner Fracht die steilen Kur- den durch das Küstengebirge emporklettert, hat man den Eindruck,, er müßte jeden Augenblick Unter diese»., Ucberbclastung in di«. Schluchten stürzen? Hat man Glück, so fielst die Ortsvehördc einem fremden Journalisten«inen kleinen Wagen zur Verfügung. Und gibt jedcSmal«inen, sprachkundigen Chauffeur dazu. Mein Mann am Steuer in Valencia. war«in englischer Student-aus Manchester, in dem- kleinen Roadster in Barcelona saß der frühere Leiter eines Nürnberger Einheitspreisgeschäftes neben mir. - Der Torso am Meer von-Alicante ist tote-in FriedenSzetten. Fast violetter Himmel, stahlblau das Meer, bunt die Schiffe- und die Mädchen und Frauen so sorgsam nüd modisch angezogen, als hätte-nicht, die Sendung der- Parisep'„Vogue"' und,',Femiim" seit einem halben Jahr aufgehört. Das freilich pittoreskere Moment stellen die Männer dar. Niemand ohne. Uniform."Vom Halbwüchsigen bis zum Mann im schneeweißen Bart Ist alles im Kriegsdreß. Von den Hotels am Strande wehen die Kähnen, weht ein Fahnenrausch: rot-gelb-violett, die Staatsflagge, schwarz-rot die anarchistische,-von ekUein katalanischen Büro dar siebenstreifige, gelbrote,. and einem Baskenhaus das prächtige stern-' förmige rot-grüne Banner. Dazwischen flatwGnd' rotes Tuch. Riesige Spruchbänder, ziehen sich wie Güirlanden an den Fenstern' entlang. Bor tzen Tafts«ine dichte'Menschenmenge. Das Einzige, was auffällt:' nirgends auf den Tischen Brot oder! 'Gebäck,-Überall nur da» Glas mit dunkelbraunem! Kaffee., Schwatzen, Lachen, Flirten, draußen ans, der Reed« schaukeln träge die Schiff« in der lauen FtÜhliikgSb'rise.' Alle' Mauern mit bunten PleikäM überklebt, und dies« Plakat« sind' es, di'e'WMj Fremden, der in'diese scheinfriedliche Landschaft gerU zuerst davon erzählen, dnß'der'Töd' in der Nähe ist. Man braucht' erst gar! nicht bis in die, Viertel zu gehen, wö plötzlich zivischeN zwei Häusern eine. Brandhombenststtte klafft, die Plakate' schreien den Aufruhr von Gefahr- ynd Verderben jedem Auge entgegen. RiiNmt man sie alle zusam- men, so'hat man sine.Wandzeitung. die alle Pro»! grammc der Pasteten'und-alle Schrecknisse des- BiirgerkriegS illustriert. Gehr viel ist primitiv, aber was stört Primitivität dort, wo das Konsulat de» britischen Weltreichs unter hiNem zerschlissen! baumelnden Union Jäck angezeigt wird, durch ein«: mit-.Tinte, in. großen Buchstaben-beschriebene Papptafel. -.'G; Die Stkähen wimmeln,! je niehr^«SI dem Abend zugeht, von'Menschen. Biele Verwundete. Das traurige Bild der Kriegsctappe. Leere Rockärmel, KrUckengestamps, weiß umhüllte Köpfe- Ein junger Bursche hastet durch die Schreitenden- merkwUrdige Pfiffe auSstoßend.„Der ist draußen bei einem Fliegerangriff«tlvaS verrückt geworden", erzählt mein Begleiter.„Aber er ist harntloS." Von den Kino-Wänden präsentieren sich Charlie Chan und Chaplin. In einem ric- sigin Raum wird-vor der Jugend der Stadt ein Film von der Front' gezeigt. Fünfzehnjährige sitzen da, das Gewehr zwischen den Knien, neben ihren Müttern, und wenn die Aguilochoö(jun- gen Adler)' von Aragon über die rissige Leinwand, stürmen, braust daS Haus von Beifall. Junge Mädchen in blauen Blusen und breitrandigen Hüten sammeln dann draußen für ein neues Lazarett und reichlich prasseln die Kupfermünzen der uralten CentimoS-Stücke(Jahrgang 1875) in die handgenähten Rupsensäcke. Kommen heule abend'Flieger? Niemand' weiß eS, niemand kümmert sich darum. Aus einem freien Platz schwingen die Schaukeln, kreischt das Karussell und vor- dem Tanzlokal, in dem di« üblichen Mädchen die üblichen Flainecos vorführen, drängt sich das ausgehungerte Soldatenvolk. Freilich, die Republik hat die Obszönität dieser Lokale unterdrückt. WaS man früher hier zu sehen bekam, Entschalung der Tänzerin bis auf zwei Kleeblättchen auf den Brustspihen, gibt eS nicht mehr. Das Plakat verkündet, daß auch Familien jetzt hierher gehen können, die Vorstellung seien„nicht mehr frivol",. Und wenn es auch allenthalben,'mit dem Mehl knapp ist,, Fische und Früchte sind reichlich da. Auch Süßigkeiten. Die großen Buden mit den Marzipan-Leckerbissen zeigen noch immer fünf bis sechs Sorten der Götterspeise Turon, dieses Marzipans, Has in zahllosen Varianten, mit Mandeln, mit Ananas,.mit Frachtstücken gemengt, zubereitet wird,' und das so süß zwischen den Zähnen zieht. Mühsam blinzeln, die Lichter aus. In den Schänken und Bars ist Hochbetrieb. Alicante war einmal so ettoas wie ein See-Badeort. Die offenen Kneipen haben einen eleganten Anstrich, erinnern ein bißchen an die Apdritif-Stuben der belgischen und holländischen Küste. Die Bewaffneten bewegen sich darin aber ohne Befangenheit. Die elegante und formvollendete Haltung, die jeden Spanier, vom Aristokraten bis zum Stiefelputzer, auszeichnet, das innere Gefühl von Herrentum und Menschenwürde, das dem Prole- MMMI lli Mit Die Fontarbelter des Böhmerwaldet fordern Lohnerhöhung Mit Rücksicht auf die fühlbare Teuerung und die- gestiegenen Holzvreise hat das Kreisge- wefkschaftssekretariat Bohmisch-Krumau an' die Forstverwaltung des südlichen BöhmerwaldeS gleichlautende Zuschriften gerichtet, in welchen sie die Einleitung von Verhandlungen über die Wie« derhersteUuug der Löhne b'om Jahre 1030 auf der Grundlage des im Jahre 1020'abgeschlossenen Kollektivvertrages vorschlägt. Abgeordneter Falsch hat bereits bei der Generaldirektion der staatlichen Güter und Forste interveniert und verlangt, daß die vor^eschlagenen Verhandlungen ehebaldigst eingeleitet werden. Nach dem Verlaus dieser Borsprache ist damit zu' rechnen, daß-die staatliche Forstverwaltung gegenüber den Wünschen der Arbeiterschaft keinen ablehnenden Standpunkt einnimmt. ES liegt nun auch an den änderen Forswertoaltungen, ihr Verständnis züm Ausdruck zu bringen, damit die Forstarbeiter- schast SLdböhmenS wieder Löhne erreicht, welche ihrer mustergültigen Leistung und den schwierigen LebenSv^rhältniffen angepaßt-sipd., Nur geringe Besserung der Selbstverwaltungsfinanzen '. Die böhmische Landeszentrale der Gemeinden, Städte und Bezirke veröffentlicht einen zu- sammensasscUdeu Bericht über,die Entwicklung der Selbstverwaltung im Jahre-1036, in- dem es heißt,„daß hie wirtschaftliche Besserung sich auch ick^eindr'Besserung der- Selbstverwaltungsfinan- zen auswirken muß. Allerdings war 1036 zwar etwas, aber-noch sehr wenig davon zu verspüren. Die Steuergrundlage in Böhmen erhöhte sich- bes der Zinssteuer um 2.5, bei den anderen Steuern UUfUtn"2.‘2 Millionen Kronen. Durch die'Erhö» hung der'Bezirksumlagen von 150 auf 200 Prozent,, die.allerdings, nicht in allen Bezirken purch- gefiihrt wurde, erhöhten sich die Einnahmen der Pezirke um 80 Mitlivnen Kronen Und außerdem ersparten die Bezirke infolge der Finssußherab- setzung rund, elf Millionen: Trotz- dieser Einnah- menbeiferung um.41 Milliopen Kronen kann Mtdings.die,.Mnziklle, Lage der' Bezirke nicht als günstig'bezeichnet toeiiden, denn'.deti Umlageneinnahmen von insgesamt 5 Millionen Kronen stand allein ein Erfordernis von 151.5 Mil- lionen für den Schuldendienst gegenüber, so-daß den-Bezirken-für die- Erfüllung ihrer Aufgaben eigentlich nur 15-Millionen Kronen zur Verfügung staNdew'wozu noch, ein Beitrag von insgesamt'18"Milliönen'AroneN' aus' dein Ausgleichs« tarier ebenso immanent-ist wie dem Granden,' macht,' daß sich der mit benageltem Stiefel bekleidete Fitß auf deut Parkett ebenso sicher bewegt wie der Lackschuh., Anch bei den Friseuren wimmelt es von Menschen. Die Läden sind riesig. Fünsundzwan- zig bis dreißig Angestellte bedienen aus einmal. DaS Friseurgewerbe ist sozialisiert wie viele andere Gewerbe auch, und bei dem Bedürfnis des Spaniers nach äußerer Pflege geht das Geschäft glänzend. Rasieren ist hier ebenso ein Kunstwerk wie der Stieselputz. Mit so viel Liebe und so viel Schikanen wird es kaum wo anders betrieben. Zehn Uhr-— die Strandpromenade liegt jäh in pechschwarzer Finsternis. Die Straßen leeren sich rasch.- Bewaffnete Patrouillen tauchen auf. Das ist die Stunde der Ausweise. Wer um diese Zeit iroch angetroffen-wird, muß dazu eine Erlaubnis Haven. In einer Seitenstraße, im Tor eines alten Palastes, brennt, blau verhüllt, ein kleines Licht. Man steigt marmorne Stufen hinan, Statuen neigen sich schattenhaft aus den Wandnischen. Kein Pförtner, kein Wächter. Man durchquert einen varkettierten Salon mit prachtvollen alten italienischen Gemälden. Kleine elektrische, Kerzen, in Spiegeln an der Wand reflektierend, zeigest den Weg. Gobelins, Fauteuils: kostbare Standuhren auf prachtvollen Kaminen. Nichts in' diesem Patrizierhaus, das von der Volksfront beschlagnahmt ist, ist angertihrt oder zerstört. Die Inhaber, eine berühmte aristokratische Familie, sitzen in Paris, in ihrem Filialschloß draußen in Passy. In ihrem Palais zu Alicante haben sie sogar einen Saal mit eigener Kinoeinrichtung. Man betritt ihn und ist jäh mitten unter zweihundert.Menschen, die, teils auf der Erde, teils ans Stühlen, gebannt ans die Leinwand starren. Aber auf ihr schwingt sich kein Tarzan von Baum zu Baum, noch lächelt Greta ihr melancholisches Licbeslächeln, sondern über die weiße Fläche ziehen Gewehrteile und Geschütze, auseinander gc- , nommen, mit Pfeilen und Kreuzen versehen, mtt dann sieht man die Laufbahn eines Geschosses oder eine graphische Darstellung zur Berechnung des Schußwinkels. Elementarunterricht für die jungen Milizen... Draußen ist der Mond aufgesticgcn. Ein Auta schießt aus der Nacht hervor und verschwindet rasend schnell. Das wäre eine Stimmung am Meer; leise wiegen sich die Palmen im Wind, das Wasser spiegelt den Nachthimmel, es duftet aus den Büschen— aber der junge Posten an der Mole ist mürrisch:„Scheußliches Wetter", meint er,„so klar und auSgesternt. Richtiges Uebcr- fallswetter für die Copronis." Manfred Georg. fondS kam, also zusammen 83 Millionen Kronen. Die schlechten BezirkSstraßen sind eine der Folgen dieses-ungünstigen.Finanzenstandes der Bezirke. Die Lage der Gemeinden ist— allerdings nur scheinbar— etwas besser als die der Bezirke. Von allen Gemeinden in Böhmen suchten -nur 874, also etwas über«in Zehntel nm einen Beitrag aus dem Ausgleichsfonds an, wobei sie zur Deckung des Budgetabgaitges von insgesamt 270.8 Millionen Kronen'15.5 Millionen erhielten, aber bei den meisten Gemeinden kann das Gleichgewicht nur auf Kosten der Erfüllung der Gemeindeaufgaben aufrechterhalten werden. Eine Hilf« bedeutet die neue Schuldenregelung, um welche 95 Bezirke und 611 Gemeinden angesucht haben, wobei die Bezirksschulden 1129, die Ge« meindeschuldcn 1015 Millionen Kronen betragen. Durchgeführt wurde die Schuldenregelung bei 84 Bezirken mit Schulden im Betrage von 624 Millionen Kronen, deren Schuldendienst 50 Millionen Kronen erfordert, die nun zu Gunsten dieser Bezirke vom Fonds getragen werden. Nahrungsmittelpreise Mitte Mal weiter müßig erhöht Der Nahrungsmittelindex int Durchschnitt für den ganzen Staat ist in der mittleren.Woche des. Monates Mai gegenüber April von 705 auf 708, d. i. um 0.4 Prozent gestiegen. '„. Eine größere Verteuerung wurde nur bei, Butter(um fünf Prozent)! Gemüse und Aepsetn verzeichnet- Weiters festigen fich maßig die Preise voN Kunstfetten, Reis und Schokolade. Die Fleisch- pretst haben eher eine fallende Tendenz(mit AuSttahnse von Kalbfleisch). Der WhxungSmittelindex in- den einzelnen Ländern im vergleich' niit dem Vormonate(Zah- lenM'-oex.Klammer) beträgt:' :-In'Böhmen 716(718)', in Mähren und SÄesten 691(686), in der Slowakei 716 (715) und sn, Karpathorußland 768'£716).', War die großes Städte betrifft,' in-denen die. Preise-den ganzen Monat hindurch verfolgt werden, verztichnen: Prag. 674(67ss), Brünn 650'(643), Preßburg 670(666),-PilstN 645 (646), Reichenberg 694(681) und M. Ostrau 684(680)'.", Solidaritätsstreik - In der Autoindustrie Pöntiae(Michigan). Der Vitllzughau»schtzh der United Automobile Workers W mit sofortiger Wirksamkeit den- Generalstreik verkündet. Der Ausschuß hat gleichzeitig den Beschluß bekänntge- geben'i dätz sich alle Arbeiter nach Monroe begeben sollen, Streikende in der Zahl von 18.000 Personen werden sich in Automobilen mich Monroe begeben.' Kreditanstalt der Deutschen rez.ven.».».6.,VN>g ll, Durchführung alle« Zwei,anstatt«eld,«schifft«. B r ü N n Derwalwngs-Kopttal 1 Milliarde M. Haftungo-itapital 95 Millionen K8 Uhr abends, wtchfige Ausschußsitzung. Ort: Altvrünner Brauhaus. Muttermord aus Mitleid Ein 76jähr)ger nach fünfzehn Jahren vor den Leipaer Geschworenen l-rb») Wir haben seinerzeit bereit» von dem Fall der heute 76jährigen Franz Kubat berichtet. Im Jahre 1022 kam er nach langjähriger Abwesenheit In seine Heimat nach Wartenberg am Roll, wo feine alte Mutter mit einem unheilbaren und entsetzlich quawollen Krebsleiden hoffnungslos darniederlag. Jede Rettung war ausgeschlossen und die Sterbende litt so entsetzlich, daß sie ihren Sohn immer wieder aufr ergreifendste bat, er solle sie doch täten und ihre» Qualen ein Ende bereiten.' Er weigerte sich lange, aber da er da» Leiden seiner Mutter ständig vor Augen hatte, willigte«r schließlich«in. Er trug die alte Frau auf den Boden, nachdem er ihr zuvor«Ine größere Dosis Likör zu trinken gegeben hatte. Dort hob er sie auf eine Truhe, legte ihr eine an den Dachsparren befestigte Schlinge um den Hal» und zog dann die Truhe fort. Am nächsten Morgen fand man die Greisin erhängt und glaubte allgemein, daß sie durch Freitod ihrem Leihen ein Ende bereitethgbe. Fünfzehn'Jähre vergingen- .- Franz Kubat, dem sein« Mutter vor ihrem Tode 8000 K£ übergeben hatte, ging nach. Amerika und schlug sich auf verschiedene Art durch. Aber da» Gewissen ließ ihm keine Ruhe und so kehrte er, al» 76- jähriger Greis in die alle Heimat zurück und stellte sich der Gendarmerie. Bei der Verhandlung schilderte er de» Sachverhalt' ganz in der gleichen Art, wie bei seinem ersten Verhör und fügte hinzu, daß er jm Traum ständig seine Mutter gesehen habe und schließlich zu der Ueberzeuaung kam, daß er nie Ruhe haben und nicht ruhig wurde sterben Linnen, wenn er sich nicht feinen Richtern gestellt hätte. Die Geschworenen sprachen den alten Mann einstimmig frei und bewiesen ihr Mitleid mit ihm dadurch, daß sie untereinander«Ine Sammlung veranstalteten, die dem Freigesprochenen 120 K£ einbrachte. Kakteen mit„atmberbtma" begossen, werden zauberhaft schön.-> Senden Sie un» K6 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenz auberdung, den besten Dungguß für Ihr« Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XU., Fochova tt. 62, und durch alle Kolporteure erhüIUlch. I Wir gehen mit der Zeit ParfiimeriB CONVALARII, Brünn, takt 21 2070 WWWWWW Ceninal Die Liebe des flakerkütscbers Ferdinand «In Wiener Mw doll»emllllchleit und Herckbbttii, - der da» Leben mit keine» ernsten und heiteren Setten zctat.- van« Hörbtner,«ncki»«wer, gtt. Sätackieiuw, Noseltne Doro, Elle Siena«,. 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