Sozialdemokrat Jentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erschallst mit Anonahmo des Montag tSglich früh/«ia-elprei» 70-aller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochooa 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher RedEeur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Das Landwirtschaftsministerium und die Arbeitslosenunterstübung Kommunistenverbot in Genf' Dr. Hodias Staatsbesuch In Bukarest Nazi-Propaganda bei der Jugendfürsorge 17. Jahrgang Dienstag, 15. Zuni 1937 Nr. 139 Endkampf um Bilbao Reoleruni organisiert letzte Verteidigung In den Straßen derStadt Bayonne.(Reuter.) Die baskische Rachritmagentur teilt Montag abends in einem Sondekommuniqut mit, daß, die baskische Regierung einmütig beschlossen habe, inBilbaozu bleiben und die letzte Verteidigung in dm Straßen der Stadt zu organisieren. Damit erledigen sich die Gerüchte über die Flucht der Regierung"nach Santander. Die Lage in der Stadt ist unverändert. Die Stadt wird von Flugzeugen der Aufständischen in kurzen Intervallen dauernd bombardiert. Der Vorsitzende der baskischen KreiSregierung A q«i r r e sprach Montag abends im Rundfunk und wandte sich Mit einer Boschast an di« Vorsitzenden sSmtlicher demokratischen Regierungen. Er-protestierte dagegen, daß die deutsche und die italienische Regierung sowohl Truppen alS auch Kriegsmaterial an di« baskische Front gesendet haben. Er erinnerte an die Empörung, welche daS Bombardement der Städte Durango und G u e r n i e ä in der ganzen Welt hervorgerufen hat, und erklärte, daß weiterhin offen« Dörfer und Städte vernichtet wurden. Sein« Botschaft schloß- Aquirre mit den Worten:„Inmitten dieser Greuel rufe ich die zivilisierte Welt, der noch«in bißchen Menschlichkeit geblieben ist, rufe ich daS Gewisse» der Welt auf, nicht zuznlassen, daß die schrecklichste Ungerechtigkeit, welche- die Weltgeschichte je zu verzeichnen hatte, zu Ende geführt-werdet P a r i S. Der HauäS-Korresppndent meldet von der Bilbao-Front:(die Navarra-Brigade bemächtigte sich Sonntag des Berges Santa Ma-/ rstla(450 Meter)>der einkSchlüsselfteüung- kür dl« Einnahme von Bilbao-bildet. Am Montag früh erreichten die Vorhuten bereits' die ersten Häuser des südöstlichen Stadtteiles von Bilbao, Begona. Die baskischen Streitkräfte beschränkten sich auf leichte Rückzugsgefechte. Fliegerstaffeln von leichten Jagdbombern bis zu schweren dreimotorigen Bombenflugzeugen kreisten über dem noch nicht-gefallenen Festungsgürtel und machen ihn sturmreif. ver Hafen unter Feuer Die französischen Frachtdampfer„Perrog Guiree" und„Tregastel" sind Montag nachmittags mit LebenSmittelladnngen in den Bilbao- Fluß eingefahren, mutzten aber, bevor sie noch den Hafen der Stadt Bilbao erreicht hatten, fliehen und sich auf die hohe See begeben, da der Hafen von den Batterien der Aufständische» unter -starkem Feuer gehalten wurde. kritische Marinesoldaten ausseschlfft Der britische Zerstörer„Kempenfelt" traf Montag, nm 18 Uhr im Jnnmhafen der Stadt Bilbao ein und schiffte eine Abteilung be» lvaffneter.Marinesoldaten aus. Es verlautet, daß diese Marinefoldaten de» britische» Konsul Stevenson aüffinden solle», welcher mit dem Kommandanten des Zerstörers in- Radioverbindung stand,- welche plötzlich unterbrochen wurde. Ein letzter Hilferuf ~ Der^Präfidrnt der Äaskischen Republik Aquirre hat in» die Regierungen der Bölker- bündstnaten eine gleichlautende Botschaft gerichtet, in der er sagt:.„Die zivilisierten Böller können doch nicht zulasse», daß«in tausendjähriges Land, die Wiege der ältesten Demokratie» vernichtet werde,«nd sie können nicht zulassen, daß in den Straße» Bilbaos die letzten noch übrig gebliebenen Basken, die jetzt dotthin fliehen, massakriert werden.". Neue Finanzvorlagen Blums vom Kabinettsrat einmütig genehmigt - Paris. Montag gegen Abend ist der Ka- binettsrat zufammengetreten, der den Bericht deS Fiuanzministers über die geplanten Finanz- r e f v r m« n entgegennahm. Die Minister sind dann gesondert zusammengetreten. Bei den Beratungen der radikalen«nd der sozialistischen Minister und in der hierauf stattgefundeneir neuerlichen Sitzung sind die vorgelrgten Entwürfe ei« m ü t i g angenommen worden. Sie werden in der am DienStag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik stattfindenden-Sitzung des Miüisterrates definitiv genehmigt und am Nachmittag dem Parlament vorgrlegt. werden. Di« Mitglieder der Regierung lehnten es ab, den Pressevertretern Einzelheiten, über die geplanten Finänzvorlagen bekanntzugeien, bevor diese nicht dem Parlament unterbreitet sei» werden. Dem Vernehmen nach werden die.Vorlagen die Erhöhung der direkten Steuern, Insbesondere der Einkommen- und.der Erbschaftssteuer, sowie verschiedener indirekten Steuern bringen, weiters die Erhöhung der Tabakpreise, der Eisenhahntarifc, der Telephon- und Telegraphentarife usw. Ium Schutze des Franc Die Bank von Frankreich hat Montag ihren Diskontsatz, der am 25. Jänner d. I. um 2 auf 4 Prozent heraufgesetzt worden war, auf 6 Prozent erhöht.- Woroschilow deckt die Erschießungen Moskau. In einem Armeebefehl deS Volkskommissars für Rationalverteidigung Wo» r o s ch i l o w heißt es: Die ganze Rot« Armee wird erleichtert aufatmen, wen» sie von dem gebührenden Urteil deS Gerichtes über die Verräter und von der Ausführung dieses gerechten Urteiles Kund« erhält. DaS Endziel dieser Bande von Spionen und Verschwörer war die Liquidierung der Sowjetordnung in Sowjetrußland um. jede» Preis und mit allen Mitteln. Die bereiteten die Ermordnng der Führe« der Partei und der Regierung vor«nd führten alle mögliche böswillige SchidlingStätigkeit aus und«ersuchten, die Macht der Roten-Armee zu untergraben nnd deren Niederlage in einem künftigen Krieg vorzu- brreitrn. Die Hauptorganisatoren und Führer der Spione, die unmittelbar mit den Generalstäben Bourgeoiser faschistischer Staaten verbunden waren/ wurden entlarvt und erlitten, nach Brrdirnst di« Vergeltung durch die Sowjetjusti». Die Rote Arbeiter- Und Bauernarmee öffnet schonnungSloS diese Eiterbeule an ihrem gesunden Körper und beseitigt sie rasch. Lenins Schwester gestorben ; Moskau. Im Aller, von 59 Jahren starib hier - die Schwester Lenins, Maria Jljiischnä U l j a- ii o tv a. Sie war eines der ältesten Mitglieder der kommunistischen Partei und die engste Mit« ätbeiterin Lenins. Ihr Sarg wurde jm Gcwerk- schäftshaus. ausgebahrt und groß« Abordnungen der Bevölkerung zogen zum Mschied an ihm vorüber.' Frau Uljanowa hatte sich unter dem Einfluß ihres Bruders schon als junges Mädchen der revolutionären Bewegung angeschlöffen und führte seither das Leben einer überzeugten Revolutionärin. Vom März 1917 bis"zum Jahre 1929 arbeitete sie in der Redaktion der„P r a w d a"; seit 1934 war sie Mitglied deS Büros der Komis- sion für die Sowjetkontroll«. Faulhaber protestiert München. In.München wurde am Sonntag in den katholischen Kirchen bei.der Predigt ein Protest des Münchner Erzbischofs Faulhaber verlesen, der an d«n'Kirchenminister K e r r l gerichtet ist und sich auf die jüngst erfolgte Verhaftung des Jesuitenvattrs Rupprecht Meyer bezieht. Der Jesuitenpäter ist am 5. Juni in der MichaelS- kirche in München verhaftet und bis jetzt nicht freigelassen worden. Kardinal Faulhaber fordert di« Freilassung Meyers und die Aufhebung des gegen ihn von der-geheimen Staatsuolizei erlassenen Verbotes,, öffentlich zu sprechen, da dies mit demKonkordat in W-i-d e r- spruch stehe.' Budapester Kommunique gegen Blockbildung ' Budapest. ReichSaußenminister von Neurath ist Montag früh nach dreitägigem Aufenthalt in. Pudäpestnäch Berlin-zUrÜckgeflogen. Ueber-seine Besprechungen-mit dem Ministerpräsidenten Da- räny- und dem Außenminister Kcknya wird in einend offiziellen Kommunique gesagt, dass all« Fragen, der europäischen Politik und insbesondere diejensüen geprüft wurdest, an denen-di« beiden Staate«: unmittelbar interessiert sind/ Dabei.sei „volle Einmütigkeit'in jeder Hinsicht" konstatiert- worden." Dio beiden Länderlehnen insbesondere alle auf«ine Bl o ck b i l d ü n-g zielenden Versuche ab und streben einen A u S gleich-der iii-Betracht kommenden Interessen und.eine endgültige Befriedung an. Brland>Denkmal. vor dem Qual d’Orsay Paris. Sonntag stachtstitürgs^würd'e aüf-deM Ouai. d'Orsay-vor dem Gebäude des Außenministeriums das Denkm'gl.Aristide'B-r'ä.a.n.d'S'in' feierlicher-WeiseisenWllt.!- Ast' der Feier- nahmen der Präsident,her Repuhlif,: Lebrun,- di« Mitglieder der Regierung, des diplomatischen Korps, des Parlaments und zahlreiche andere Würdenträger, teil! Die'Feier nahm einen würdigen Perlauf. Oer amerikanische New Bork. Am Sonntag sanden in. den.Vereinigten Staaten zahlreiche Manifestationen für die streikenden Arbeiter statt. In Monroe, einem Zentrum der Streikbewegung, würde eine Riesenversammlung abgehqlten.- Homer-Martin,»der Vorsitzende der„United Automobile WorkerS" sandte den Jstdustrsegesellschaften ein Ultimatum,, ist dem er droht, daß die Streikenden binnen zwei Tagen in Monroe eindringen werden, soferne die Forderungen der Arbeiter nichterfüllt werden. Der Bürgermeister von-Monroe antwortete mit der Drohung, Waffengewalt anzuwenden. -'. John Lewis hat in 18 Kohlengruben der „R.epüvlw' Steel. Corporation" den Streik ange- ordnet. Dieser Streik beginnt Dienstag und wird «S00 Bergleute. Massen. Auch ist Johnstown würde der, Streik'smwiner^ Fabrik der„Berlehem Steel..MgeqWet!,dse fast 15.000 Personen bee. schästigts Insgesamt streiken, vor allem jm'SÜatp Michigan," an.4ß.ÜÜbArbeiter^ Di«'Mittelpunkte find Flint,' Detryits Pontiae und Sagin'a.' Die Zusammenstöße zwischen Streikbrechern, und Polizisten mehren sich. Jy Johnstown(Pen- Stahlarbeiterstreik sylvania) wurden einige Personen verletzt. Ebenso'ist es in Andersond(Indiana) zu einer Schießerei gekommen, bei welcher neun Personen verwundet wurden. Hingegen'wurde die Nationalgarde aus Monroe albgezogen, nachdem die De- nwnstrationen am Sonntag in Ruhe verlausen waren.. Ein Flugzeug, welches von Cleveland nach Warren slotz.ium die Streikbrecher in einem Betrieb der-„Republik Steel." mit Vorräten zu- versorgen,-würde durch Gewehrseuer zur Landung gezwungen. Die Streikenden haben di« Eisenbahnverbindung mit-den Werken de,r„Republik Steel Corporation" dadurch unteobrochen, daß sie-die Schienen heräusrissen oder Sieinblöcke daraufwalzen.- -'Bei alle»! diesen Nachrichten ist allerdings zu'beachten,'-daß st« praktisch unter der Kontrolle der" großen Untcrnehmerverbändc ausgegebcn werden und, keinesfalls als verläßlich angesehen werde» können, insbesondere soweit sie die-gerade iudenVereinigte» Staaten berüchtigten Aktionen der U»itr»«hmerorgnnisationen-.und der diversen Bürgerwehren betreffens Nadi der bclgisdicn Amncsflckrisc . Brüssel. Ministerpräsident Van Zecland fuhr nach Amerika. Der Anwrikareise des belgischen Ministerpräsidenten ging der gclvaitige Brüsseler Wahlsieg über den RcxiSmus voran. Diesem Siege folgte überraschender Weise eine schwere Krise, die zeitweilig zum Rücktritt der Negierung zu führen drohte. Die belgische Krise wurde durch eine scheinbar untergeordnete Frage heraufbeschworen, durch die Frage des Erlasses gewisser Nebenstrasen für flämische Nationalisten. Hinter der A m n e st i e stecken aber die großen nationalen.und soziale», Existenzfragen des Landes. Das flämische Problem ist I» Belgien keine M i n d e r h e i t s f r a g e. Da es in Belgien mehr Flamen gibt als belgische Franzosen, Wallonen, ist die flämische Fraget eher das Problem der nationalen Mehrheit, der die sprachliche Gleichberechtigung lange vorcnthalten ivurde. Diese eigentümliche Erscheinung ist auf die soziale Schichtung Belgiens zurückzuführeN. Die Sprache der besitzenden, der gebildeten Klassen war die französische. Nur mit der Dcmvlratisic- rung des' Landes, dem Aufstieg der unteren Voiis- llassen begann das Vordringen der flämischen Sprache im Unterricht, in der Verwaltung,.im Heer. Die Sozialisten waren seit jeher. Verteidiger der flämischen Sache: Später nahmen sich die Katholiken ihrer auch.an. Zur Zeit des Kriegsausbruchs waren aber noch Manche Forderungen der Flamen nicht erfüllt. Eine ungeduldige kleine Minderheit stellte sich unter den Schutz der Be- satzüngsbehörden und von den Deutschen unterstützt, rief sie die Selbständigkeit Flanderns aus. Die große Mehrheit der Flamen blieb Belgien treu. Nach der Beendigung des Krieges wurden jene Flamen, die mit Deutschland zusammengearbeitet hätten, als Landesverräter hart bestraft, dreißig von ihnen sogar zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde aber nicht vollstreckt. Gleichzeitig mit der Verfolgung der Landesverräter wurde die sprachliche Gleichberechtigung der Flamen zum großen Teil verwirklicht. Dies führte aber nicht zum Abflauen der flämischen Bewegung. Die extremen flämischen Nationalisten, die F r o n t i st e n— die flämische Mehrheit gehört nicht zu ihnen, sondern zu den Katholiken und den Sozialisten— forderten territoriale Autonomie, manche Nationalisten sprachen sich sogar für die Loslösung von Belgien aus. Durch den Sieg des HitleriSmus bekam der flämische Nationalismus einen starken Antrieb: Der scharfe chauvinistische Wiiid offenbarte sich nicht nur in den Schaffung von kleinen faschistischen Organisationen wie die Dinaso- Gruppe, sondern in der weiteren Radikalisierung der Frontisten und in der Wandlung der flämischen Katholiken. Obwohl die Einheit der großen katholischen Partei grundsätzlich ausrechterhalten wurde, zerfielen sie in der Tat in zwei Teil«, in den stärkeren flämischen und den.schwächeren wallonischen. Flügel. Diese nationale Radikalisierung der Flamen verleiht dem Antlitz Belgiens derzeit das Gepräge. M« deutsche Aufrüstung machte den Ausbau der Landesverteidigung zu einer Notwendigkeit. Die Flamen, auch die Katholiken, setzten sich dagegen zur Wehr. Sie stellten verschiedene Bedingungen. Die außenpolitische Neuorientierung ist mit der Armeereform, letzten Endes mit der flämischen Frage innigst verknüpft. Auch die Amnestiefrage ist ein Nebenprodukt d e r H e e r e s r e f o r m, ein Versprechen, das anläßlich der Neugestaltung der Armee den flämischen Katholiken gegeben wurde. Man, darf nicht glauben, daß die flämische Mehrheit den Extremisten, die wie de Borms und andere inzwischen.zu Faschisten geworden sind, züneigt. Sie verlangt nur das B e r g e s s e n für Handlungen, die vor zwanzig Jahren aus politischen Beweggründen begangen wurden. Die Amnestie wurde übrigens in Etappen zum größten Teil schon längst vollzogen. Der. letzten oder vorlehtrn Rate einer Militäramnestie gegenüber' wurde jetzt kein besonderer Widerstand entfaltet. Der Sturm im wallonischen Lager brach erst dann' aus, als die, Negierung di« Streichung von Nebenstrafen, wie Verlust der politischen. Rechte, vorschlug. Hochverräter sollen w ä hl- bar sein?. Das wollte der wallonische Nationalismus'nicht schlucken. Seile 2 Dienötag, 15. Juni 1SS7 Nr. ISS Selbst im sozialistischen Lager tauchten Gegensätze ztvischen Wallonen und Flamen auf. Im Generalrat wurden indes diese bald überbrückt. Man suchte und fand eine Lösung, die deni flämischen Berlangen nach Vergessen ebenso - Rechnung trug, wie der nationalen Empfindsamkeit der Wallonen. Alle Nebenstrafen sollen erlassen werden, aber jene, die wegen Hochverrats zum'Tode verurteilt wurden,' sollen nicht wähl- bar sein. Die sozialistische Partei mutz in der Amnestiefrage als eine Einheit auftreten, rief Bandervelde im Generalrat der Partei aus. Und die einzige unter den großen Parteien Belgiens, die einheitlich austrat, war die sozialistische. Bei den bürgerlichen Parteien herrschte die größte Kopflosigkeit. Die katholischen Wallonen verwarfen im ganzen de» Entwurf, die flämischen Katholiken stimmicn für ihn. Die überwiegende Mehrheit der Liberalen wandte sich gegen die Amnestie. Nur das einheitliche Verhalten der Sozialisten— die Regel wurde durch verschwindende Ausnahmen bestätigt— rettete das Schicksal der Amnestie und dadurch das Land vor einem Chaos. Bei der Amnestiefrage spielten nicht nur nationale Beweggründe, sondern auch soziale Hintergründe eine Rolle. Die Sozialisten traten nicht nur gegen die Auspeitschung chauvinistischer Leidenschaften, sondern auch gegen die Ausnützung dieser Leidenschaften zu sozialreaktionären Machenschaften auf. Viele Liberale und manche Katholiken schroteten die nationalistische Welle gegen die soziale Politik der Regierung aus. Der kräftige Ausbau des Arbeiterschutzes und der Sozialversicherung, die finanzpolitischen Entwürfe des sozialistischen Finanzministers, wie die Besteuerung der Devalvie- rungsgewinne und die Stärkung der Bankenkontrolle, sind ein Dorn im Auge gewisser kapital!« , stischer Kreise. Diese Kreise stellen gleichzeitig den flämischen wie den wallonischen Chauvinismus in den Dienst ihres Manövers gegen die verhaßte Regierung. Am besten wird die Lage durch dit Haltung der R« x i st e n gekennzeichnet. Sie nahmen an Radauszenen der wallonischen Frontkämpfer teil und manche von ihnen gaben Erklärungen ab, daß sie aus Sympathie zu den Flamen gegen die Amnestie stimmen. Ihr politisches Janusgesicht wird ihnen nicht viel nützen. Nach den Enthüllungen und dem Rücktritt Hubert d'JdwalleS, des Chefredakteurs ihres Hauptorgans, wächst die Zerrüttung im rexistischen Lager und ergänzt das Bild des Zerfalles der bürgerlichen Parteien. Denn die großen bürgerlichen Parteien tverden von den nationalen Gegensätzen in immer höherem Maße unterwühlt. Den festen Pol in der Flucht der politischen Erscheinungen— und dies wird von vielen bürgerlichen Blättern anerkannt— bildet die sozialistische Partei. In der Regel halten die christlichen Demokraten zu ihr, obwohl die Kommunisten sich vor den Abstimmungen stets oppositionell gebärden, stimmen sic, wenn es sich um die Existenz der Regierung handelt, wie in der Amnestiesrage, für die Regierung. Es ist schwer festzustellen, ob die Krise völlig überwunden ist. Der Kampf um die Amnestie bezeugte, daß eine Lösung gegen die Sozialisten kaum denkbar ist. In dem mehrsprachigen Lande vertritt der Sozialismus den Gedanken der nationalen Toleranz und wo chauvinistische Kräfte den Rahmen des Staates zu sprengen drohen, bildet er das eigentliche Zement der Nation. 2. R. Kommun Itten-Verbot In der Schweiz Bern. Die Rede des Berbandsvorsitzenden war eingergchmt von Sprechchören und Rezitation. Dann lud der Krel»vertrauen»mann Patz die.Jugend zur Besichtigung de» Heime» ein. Im Erdgeschoß'wurde«in geschmackvoll ejngertchteter Tagraum geschaffen, unter dem Dach wird die Jugend nächtigen. Das Heim ist von einem schönen Garten umgeben und ganz hinter Bäumen, versteckt. An. die Feier schloß sich«In freies Jugend« treiben, das bis in di« Abendstunden währte. Nazipropaganda bei der Jugendfürsorge Die Deutsche Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge hielt Samstag und Sonntag in Leitmeritz ihre Hauptversammlung ab. Im Rahmen dieser Hauptversammlung wurde Samstag abends eine Begrühungcseier veranstaltet, in der u. a. auch der SdP-LandesauSschuß- beisitzer Theo Keil sprach. Er überbrachte die Grüße„des Führers der Sudetendeutschen" und erklärte, daß di« SdP gezwungenermaßen die Spielregeln der Demokratie anerkennen muß, weswegen aus der Volksbewegung«ine Partei wurde. Aber die 8 i e l e der Partei seien die gleichen geblieben. Seit 1988 habe auch die Jugendfürsorge ein neuer Geist ergriffen. Darüber freue sich die SdP und sie müsse in diesem Zusammenhang besonders auf die Mutterschulung Hinweisen.— Stadj diesen Feststellungen hatte Keil die Kühnheit, zu behaupten, die Mitarbeit der SdP bedeute keine P o l i t i s i e r u n g der Jugendfürsorge. Bei den Ergänzungswahlen— es schied kein sozialdemokratisches Vorstandsmitglied au»— wurde auch der Klubsekretär der SdP, Jng. Höß, gewählt, der seinerzeit als Preßburger Sekretär der Jugendfürsorge SdP- Politik gemacht hat. Ein SdP-Mann gab anläßlich der Wahl eine Erklärung ab, in der er sagte, daß er imNamen derjenigen, die erstseit kur- z er Zeit in der Jugendfürsorge Mitarbeiten, den Wunsch ausspreche, man möge die Borfchläge derBezirkslommissionen stärker berücksichtigen. Da» hängt mit dem Bestreben der SdP zusammen, durch Mitgliederanmeldungen die Bezirkskommiffionen in ihre Hand zu bekommen. Di« Wahl de» Herrn Höß. wurde mit Beifall äufgenommen. An diesem Beifall beteiligte sich, nach berühmten Mustern, auch Höß selber. Henleins Freunde Da» Maiheft von„Boll und Führung", Seite 248,' schreibt" wörtlich:^."/. so" k« n n- z e ich» et die U e b e r le g ü n g, die Konrad Henlein in selnem'Jnteview mit'dem Außenpolitiker de»„Berliner'Tageblattes" Rudolf Fischer al» eine» der Hauptm otiv e der Ge-' setzesanträge herau»stellt e, gerade dies« Funktion e ntsche i d e n d." Wer ist dieser die Hauptmotive de» Herrn Henlein ohne alle Ueberleguntz, daß" er auch anderswo" bekannt sein"könntet entscheidend kenn- zeichnende NS-Funktionär Rudolf Fischer? Antwort: ein fudetendeutscher Emigrant und lieber« läufer aus Gablonz, rechte Hand des Jrredenti- stcnführerS Dr. v. Loesch tat„Volk und Reich"- Vcrlag, Potsdamer Straße 7a. Vor zwei Jahren noch holte Dietl von ihm„klammheimlich", wie man in der Potsdamer Straße sagt, die Loesch- Direktiven. Heute verkehrt Herr Henlein ganz öffentlich mit ihm. Lum Fall Fischern Bon" amtlicher Seite wird die Meldung, daß die Bezirksbehörde Karlsbad die Ersetzung eines zu pensionierenden Beamten der Stadt Fischern durch einen Tschechen uitd Reservierung dreier weiterer Beamtenstcllen für Bewerber tschechischer Nationalität aufgctragen habe, dementiert. Der Karlsbader„Volks- wille" schreibt hi«zu, daß die Nachricht von einer Stelle kam, die nach der Sachlage ausgezeichnet informiert sein mußte. Das Blatt evioartet, daß die LandcSbchörde den Fall ordentlich untersuchen und dann die nötigen Entscheidungen treffen werde. Man werde namentlich den Regierung s'kommissär der Stadt und die städtischen Beamten vernehmen müssen. Das Blatt deutet an, daß die obigen Forderungen Möglicherweise nicht direkt von der Bezirksbehörde, sondern vom Regierungskommissär von Fischern, einem Oberrat der politischen Bezirksverwaltuug, gestellt wurden. Wir werden über diese Angelegenheit noch ausführlicher berichten. Zunächst ein Auto Die Forderung eines Nazi-Funktionärs Die LandwirtschaftSvereinigung Schlesiens wählt« den SdP-Funktionär Rudolf Al sch er aus Komeise bei Jägerndorf zu ihrem Vorsitzenden. Der neue Obmann hat als erst« Forderung die nach der B e i st« 11 u n g eines Autos erhoben, ssir das nach seinem Wunsch auch die Erhaltungskost en von dec Landwirtevereinigung getragen werden sollen. Die bisherigen Obmänner haben eine solche Forderung selbstverständlich nicht gestellt. GroBfeuer In einem Böhmerwalddorf 10 Anwesen von Kleinlandwirten vernichtet In Wu sieben im Gerichtsbezirk Pfraumberg ging Montag nachmittags ein schwe- res-Gewitter nieder, wobei ein Blitz in das Anwesen des KleinlandwivteS Josef Hübner einschlug, eine Kuh tötete und ein Feuer verursachte, daS das ganze Anwesen vernichtete. Infolge deS herrschenden Sturmwindes griff das Feuer auf Gegen Faichlsmut und Versklavung I Für Freiheit und Menschenrecht I Unter diesem Motto marschieren unsere RW-Genossen in Aussig beim Reichsaufmarsch vom 3. bis 5. Juli 1937. di« Nachbarschaft über und äscherte noch weitere Kleinbauernanwesen ein. Boi den Besitzern handelt es sich durchwegs um arbeitslose Maurer oder Zimmerleute, die nur gering versichert sind. Zum Teil konnten die Inwohner nur ihr nacktes Leben retten. Erst gegen 8 Uhr abends konnten die 18 auS der ganzen Umgebung herbeigeeilten Feuerwehren den Brand lokalisieren. Raubmordversuch am Rauchberg — Todesurteil Vor der Verhandlung über die Familientragö- di« in Neukreibitz— tagt« die SchwurgerichtSver- handlung über den Raubmordversuch am Rauchberg bei Rumburg. Di« Tat löste seinerzeit«In« starke Erregung qu», da e» stch um ein raffiniert durchgeführtes Unternehmen handeltel Nun wurde der Mörder vom Schwurgericht in Bühmifch-Leipa zum Tod« verürteiltl Gekehrt aus Hitlers Reich zurück Die„BolkSgemeinschaftler" Bergmann und Mirz aus Michelsüerg(im Dachauer Gebiet) waren ins getobte Dritte Reich gepilgert und bekämen in einer Ziegelei bei Selb in Bayern Beschäftigung, das heißt: 9% Stunden täglich Arbeit, geringen Lohn, Nächtigung in einer Waschküche im Keller, Zichorienbrühe und so weiter. Kurzum:, Die beiden kamen sehr bald wieder nach MichelSberg zurück. Hoffentlich erzählen sie den Kameraden genau, wie sich? in dem Land« lebt, dasHerrn Henlein einen Horchwägen scheykte. Eine DSAP-BertrauenSmänner-Konferenz für den B c z i r k Karl S b'a d beschäfttgte sich eingehend mit der Vorbereitung de» Ge- mrindetvaljlkampfes und mit der Durchführung de» Offensiv-Fonds. In der Debatte kam einmütig Nack einem in der SdP-Presse abgedruckten Photo Henlein bekam ein Spinnrad geschenkt „Spinnt er nicht ohne Spinnrad schon genug?’ 1 der Wille zum Ausdruck, alles daran zu sehen, um diesen Wahlkampf erfolgreich zu gestalten. Die Konferenz befaßte sich dann noch mit dem für Ende August geplanten Bczirksarbeitertag in Maierhöfen. „Deutsche Hochschülerschaft" sabotiert Dtu- dontenfürsorge. Die für heute abends im großen Handwerkersaal in Prag angesehte Protestkundgebung der deutschen Studentenverbände gegen die Benachteiligung der deutschen Studenten bei der Stipendienbeteilung findet nicht statt, da die„Deutsche Hochschülerschaft" cs ablehnt, an einer Kundgebung teilzunehmen, an der auch die Kommunisten teilnehmen. Durch diesen Schritt der„Deutschen Hochschülerschaft" wurde die gemeinsame Aktion aller deutschen Studenten unmöglich gemacht und dadurch de Interessen der deutschen Studenten schwer geschädigt. Wo Ist Hans Wiechmann? impse und die meisten rissen sich wit den Fingernägeln der verkrampften Häiide die Häut blutig. Die herbeigerufenen Aerzte hatten zunächst den Berdacht einer Gasvergiftung, .konnten jedoch im Arbeitssaal nicht die geringste" Spur giftiger Gase entdecken. Auch die später durchgeführte Analyse von Speiseresten; Blut und- Sputum ergaben keinerlei Anzeichen für eine Ver. gistung. Das seltsamste war, dass, al» man die erkrankten Arbeiterinnen heraustrug, Frauen ästf dem Hof in der Fabrik und dann sogar aus offener Strasse unter den gleichen Veitstanz-ähnlichen Erscheinungen zusümmenlbrachen. Auch halbwüchsige männliche Arbeiter wurden krank. Die Professoren der Aller medizinischen Fakultät, die sofort. zu einem Konzilium zusammengetreten waren, neigen zu der Meinung, dass es sich um einen seltsamen Fall von Massenpsychose,- deren Gründe vorläufig noch völlig unaufgeklärt sind, handelt. Rettung eine» Hydro-AvionS. Der Hydro-" Avion„Pola", der der FlugverkehrSgesellschast Ala Litoria gehört, hat auf seinem Fluge, von Ostia nach Marseille SOS-Rufe des französischen- Wasserflugzeuges, ausgefangen, das den Berkehr auf der Linie Marseille—Algier besorgt und da» wegen eine» Motordefekte» auf der aufgewühlten See niedergehen musste. Der italienische Hydro- Avion eilte dem französischen Flugzeug zu Hilfe, da» er aüffand und neben dem er bei hohem Seegang"zu Wasser ging. Die SOS-Rufe sing auch das Torpedoboot„Simun" auf, das vorläufig die Passagiere des Wasserflugzeuges an Bord nahm. Streik in Hellywood beendet.„Associate! Press" meldet, dass der Streik der Angestellten der Hollywooder Filmatelier»-beendet wurde. Die Maler,.Friseure und Artisten haben Montag die Arbeit wieder ausgenommen. Der Streik dauerte insgesamt sieben Wochen. Auslieferung an Mussolini vereitelt. In Marseille ist am Samstag au» Zentral-Amerika der italienische Dampfer„Celina" mit einer 42köpfigen Besatzung eingetroffen; Am Nachmittag sollte mit der Löschung der für Marseille bestimmten Waren begonnen werden. Als die Hafenarbeiter dar Schiff bestiegen hatten,-kam e» zu einem eigenartigen Vorfall, der, wie e» scheint, sorgfältig vorbereitet worden "war. Die"Arbeiter begaben sich sofort"in. den" Märödenraum de» Schiffe», der gleichzeitig als Gefängnis diente, und brachen, bevor die Wache sie daran hindern konnte, mit Zangen da» Türschloss auf. Im Gefängnis befand sich ein Mann namens Morel li, ein italienischer Staatsangehöriger,"der von. den" Behörden in Panama ausgewiesen worden war und den italienischen Behörden in. Genua übergeben werden sollte. Morell! wurde von den Arbeitern, zum Heck de» Schiffe» geschleppt, an einem Seil auf den Oai hinuntergelassen und in ein dort wartende» Automobil gesetzt. Bor dem Zollamt erklärten die zwei Hafenarbeiter, die Mörelli begleiteten, dass sie einen Verletzten in». Krankenhau» fahren. Erst dann schlug die Besatzung de» Schiffe»„Celina" Alarm. Die Angelegenheit wurde der Volizei mitgeteilt, welche-den Kapitän de» Schisser und den Matrosen, der den Nachtdienst versah,«invernahm. Ferner stellte die Polizei die Nummer de» Automobil» fest, eine Spiir von dem Flüchtigen konnte aber"bisher nicht gefunden werden, Da» Schiff„Celina" ist nachmittag» nach Italien aurgefahren. Immer noch hochsommerlicht Unter- dem.Einfluss höheren Drucke» herrschte Montag über-dem Binnenlande, wieder im ganzen schöne» Wetter,- welche» nur verschiedentlich von Lokalgewittern- gestört .wird. Die Temperatur stieg nachmittag» nahezu durchweg» auf 27 bi» 28 Grad.— Au» dem Gebiet der Britischen Inseln strömt gegen da» Festland- erneut etwa» k ü h l e r e Luft zu, die sich jedoch rasch- erwärmt und keine Aenderung de» allgemeinen Witterung»charakter» herbeiführen dürfte,— Wahrscheinliche» Wetter von heute: Halbheiter, Neigung zu Lokalgewitiern, s eh r w a t m.— Wettersu»sichten für Mittw o ch: Noch keine wesentliche. Aenderung. Vom Rundfunk MiMMmMi m» daa Mvimmi Mittwoch Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Presse, 10.15: Rundfunk: für niedere deutsche Schulklassen, 12:10: .Schallplattenkonzert, 18.40-Deutscher Arbeitrmarkt. 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Mara»: Au», dem tschechoslowakischen Kulturleben,"18.20: Arbeitersen- dung, Fran» Schön, Saaz: Au» der Seltstverwalfimg der Gemeinde, 18.40: Sozialinformationen, 18.45: Deutsche Presse, 21.25: Orchesterkonzert FOK.2T20: Schallplattenkonzert.~ Prag, Sender Ur 14.15; Deutsche Sendung: Der letzte Geist lernt telephonieren,-Märchenstück von Bock, 14.50: Deutsche Presse, 18.85:-Gelgenkonzert.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Felsenwunder in Adersbach.— Preßturg:- 19.20: Populäre» Rundfunkorchesterkonzert. 22.85: Tanzmusik.— Kaschaur 12.05: "Operettenmusik, 12.85: Rundfunkorchesterkonzert."-^ Mähr. Ostrau:, 15.00: Rundfunkorchesterkonzert." 18,00:.Klavierkonzerts 18.80; Gchallpütte»- Nr. ISS DienStag, IS.«uni 1937 Seite 8 VMsmrtsMft tuul äoLiatpoAM Vie l-elstungen 6« Hellfonds (TLF) Ueber die.Bedeutung und Entwicklung der Krankenversicherung der öffentlichen Angestellten wurde schon häufig geschrieben. Die Zahlensprache überzeugt jedoch immer am besten. Zur- Zeit, in welcher zur Sicherung einer wirklich.zweckmäßigen Genießling der Versicherung neue Wege gesucht und gegen ihren Mißbrauch gekämpft werden muß, warnen die Ziffern, aber sie eifern auch zur Erzielung der entsprechenden Verbesserung an. Die Geldmittel des Heilfonds, die durch die Versicherungsbeiträge erworben werden, genügen nicht einmal zur Deckung der Auslagen der Versicherungsleistungen. Den katastrophalen Zuwachs an Ausgaben für BersicherungSleistungen gegenüber dem Einkommen-ZuwachS'an Versicherungsbeiträgen gelang es im Jahre 1836 nur ganz unbedeutend zu mäßigen. Zur Darstellung der Entwicklung führe» wir einige Zahlen an: Die Einnahme an Versicherungsbeiträgen im Jahre 1936 betrug 119 Millionen K6 und war um 2.4 Millionen Kö höher als im Jahre 1988. Die Ausgaben für ärztliche Behandlung betrugen im Jahre 1986 62.8 Millionen KL und waren um 2.2 MiNionen KL höher als im Jahre 1988. Die Ausgaben für Geburtsbeiträge betrugen im Jahre 4986 drei Millionen KL und waren um 0.2 Millionen KL höher als im Jahre 1988. Die Auslagen für Heilmittel betrugen 80.8 Millionen KL und waren um 1.8 Millionen KL höher als im Jahre 1085. Die Ausgaben für Bäder betrugen 0.4 MiNionen KL, also mehr um 0.1 MiNionen KL. Die Ausgaben"für Behandlung in Krankenhäusern und anderen Heilanstalten betrugen 18.9 Millionen KL"und waren um eine MiNion höher als im Jahre 1938. Für Bäder und Sanatorien wurden 11.7 MiNionen KL auSgegeben, also weniger um 0.2'Millionen KL als im Jahre 1988. Für Transportauslagen wurden ebenso wie im Jahre 1988 0.6 Millionen KL aufgewendet. Die Auslagen für Versicherungsleistungen betrugen also im Jahre 1936 rund 124.4 Millionen KL, d. i. um 8.9 Millionen KL mehr als im Jahre 1988.' . Die Ausgaben für Versicherungsleistungen im Jahre 1986 sind um 14.4 Millionen KL höher als.di« Einnahmen an Versicherungsbeiträgen. Dies« Differenz, sowie die BerwaltungSauSlagen, mußten schon aus den Zuzahlungen der Kranken erseht werden. Für Versicherungsleistungen den Versicherten wurden im Jahre 1986 66.8 Millionen KL ausgegeben und für BersichervngSlei» stgngen- de» Familienangehörigen 57.-6"MMo>- nen KL. Diese Zahlen beweisen dokumentarisch, daß die Krankenversicherung der öffentlichen An» Man erhält für KL 100 Reichsmark,,,.. 758.— Markmünzen..... 797.50 100 österreichische Schilling.. 536.50 1Q0 rumänische Lei.... 17.35 100 polnische Zloty..... 546.50 100 ungarische Pengö.... 581.— 100 Schweizer Franken... 656.— 100 französische Francs... 127.70 1 englisches Pfund..., 140.75 ' 1 amerikanischer Dollar. ,. 28.60 100 italienisch» Lire.... 143.40 100 holländisch« Gulden... 1577.— 100 jugoslawische Dinare. 65.30 100 Belga»....... 484.— 100 dänisch, Kronen.... 631.— 100 schwedische Kronen... 730.— Giacomo Leopardl: Die Halunken Uebertragen von Alfred Wolfenstein DI« Unvollkommenheit der Welt— dar ist - dar große klagende Thema der Gedichte und Gedanken der italienischen Dichters, dessen 196. Todestag am 14. Juni in- Europa allenthalben gefeiert werden sollte. Aber dieser Erdteil, in feinem heutigen Zustande geradezu ein Muster . für ebeniene Zerrissenheit, di« der Poet«inst an seinem Vaterland« Italien»beklagte, wird an Leopardi, der dar.Amt eines Dichters in der ■ Verabscheuung jeder Gewalttätigkeit wahrhaft ausübte, ziemlich stumm vorüoergehen. Wir bringen von diesem dar Böse von Aerzen bekämpfenden Sänger und Denker, den man Schopenhauers romanischen Bruder. genannt hat,«ine bezeichnende Glosse. Di« Welt Ist ein Buifd von Gaunern gegen die Redlichen, von Gemeinen gegen die Guten. Wem sich Gauner zum ersten Male treffen, erkennen sie einander wie durch Zeichensprache und sind unverzüglich im Einklang. Läßt ihr Vorteil dicS. nicht'zu, so fühlen, sie sich mindestens zii» cinander htstgezogen und achten sich herzlich. So betrügen sie einander"nicht, wenn ein Gauner mit einem seinesgleichen Geschäfte machst Hat er da-, gegenmiteinem anständigen Menschen zu tun,! so kann er gar nicht anders als ihn hintergehen, und ihn hugründe richten, selbst Wenn er e» auf der anderen Seit« mit istutigeq Leuten zu tun hat. Denn er kann ruhig damit, rechnen, daß seine Tücke, aüchihrenMut rüIniert. Jch habe es erlebt,Uvip ängstliche-Menschen,/bei der Wahl zwi»- schen/einem»noch!feigeren Gauner und- einem täp- seren Ehrenmanne, aus Furcht die Partei des Kauner» nahmen« Ao hmdelt her Durchschnittsgestellten für sie und ihre-Familien eine großgesundheitliche und finanzielle Bedeutung hat und.verdient, daß die Versicherten selbst ihrer Vervollkommnung die^größte Aufmerksamkeit widmen. Oer Fürsorgeminister In Hohenelbe Am 18. Juni hielt Fürsorgeminister Jng. NeLaS in Hohenelbe-eine Besprechung in Anwesenheit von Vertretern der Selbswerwaltung, der Industrie Und der Arbeiterschaft ab, die vornehm-- lich Fragen der Textilindustrie und der dringen«- den öffentlichen Arbeiten gewidmet war. Der Fürsorgeminister wie» in einer Ansprache auf die sinkende Arbeitslosigkeit hin und wies am Beispiel-der Lage im Bezirk Hohenelbe darauf hin,- daß-dies keine zufällige Erscheinung, sondern ein Ergebnis der RegierungSmahnahmen ist. Konjunktur der Unternehmer Die Generalversammlung der Munitionsfabriken vorm. SellierL Beilot hat den auf 6,121.297 Kronen angestiegenen Reingewinn anerkannt und die Ausschüttung einer Dividende von 27.8 Prozent beschlossen. Außerdem gewährte sie den Berwal» tungSratSmitgliedern an Tantieme 822.121 KL. Auf der Generalversammlung deSAussi- ger. Chemischen Vereins wurde eine Dividende von 11.8 Prozent und die Gewährung von Tantiemen in Höhe von 869.999 Kronen li. B. 268.999) beschloffen. Der Bruttoertrag des Unternehmens erhöhte sich von 89.1 Millo» nen Kronen im Jahre 1088 auf 197.9 Millionen Kronen im Jahre 1936. Nach sehr reichlichen Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 8.9 Millionen Kronen gegen 6.2 Millionen Kronen im Jahre vorher. Die Kupferwerke Böhmen bringen eine Dividende von neun Prozent zur Ausschüttung, im Vorjahr 6.8 Prozent. Die„Solo Vereinigte Tschechoslowakische Zündholz» und Chemische Fabriken A.-G." verteilt für 1936 7.8 MiNionen Kronen Dividende gegen 6.5 Millionen Kronen im Jahre vorher. Die VeS Elektrotechnische Groß Handels- A.-G. in Prag verteilt 4.5 Prozente Dividende gegen• vier Prozent.. im Vorjahr,-•—•rr.*?—- »Volksgemeinschaft« in der Praxis Die seit Jahren stillgelegte Spinnerei Simon in Haindors, die nur vorübergehend in den Jahren 1932 und 1983 in Gang erhalten wurde, und die. früher 259 bis 399 Arbeiter beschäftigte, wurde im vergangenen Jahr von der Firma Sy» kora in Lomnice erworben, welche die Absicht hatte, dort eine andere Produktion aufzunehmen. Auf Grund dieser Umstände erhielt sie die Erlaubnis, die Maschinen zu demontieren und aus» zuführen. Da sich die Verhältnisse m der Zwischenzeit geändert hatten, wollte di« Firma Sy» kora den Betrieb doch-als Baumwollspinnerei wieder aufnehmen und suchte um die entsprechende Bewilligung an., Bon den zur Aeußerung ausge» forderten Stellen hat die Union der Textilarbeiter die Wiederaufnahme des Betriebs befürwortet und verlangt; der Verband der christlichen I Textilarbeiter äußerte sich in derselben Weise. mensch immer, denn die Weg«, die ein Mann von Mut und Ehre geht, sind allbekannt und einfach, die des Bösewichts versteckt und verschlungen: und was man nicht kennt, das beunruhigt viel ernstlicher. Bor der Vergeltung des Edlen kann man sich leicht bewahren, schon durch die eigene bloße Feigheit und Furcht; aber keine Furcht und keine Feigheit schützt gegen die heimlichen Ränke und Verfolgungen oder auch nur gegen die offenen Anschläge listiger Feinde. Im täglichen Leben wird der wahre Mut äußerst wenig gefürchtet. Ihn begleitet ja keine Heuchelei, er bläht sich in keinem Aufputz, der den Schrecken erst eigentlich inszeniert;.ja, man glaubt dem Mut überhaupt nicht. Die Gauner aber werden-gefürchtet, als seien sie auch mutig, weil der prahlerische Schein bei ihnen weit stärke«-wirkt. Arm« Betrüger sind selten. Um nur einen Grund dafür anzudeuten: mit einem verarmten Ehrenmänne gibt-sich überhaupt niemand mehr ab; viele haben noch ihre Schadenfreude daran. Wenn aber ein Gaunerarm wird, rührt sich die ganze Stadt, um ihm zü helfen. Man wird nämlich viel leichter durch das Unglück eines Gefährten und Verwandten: ergriffen, män glaubt sich da sozusagen selbst bedroht. Unterstützte man sie nicht, dann wäre es wie»ine Zustimmung, daß man.im gleichen Falle ebenso zu behandeln sei. Da die Gauner in: der Welt an Zahl und an Machtmitteln überwiegen, hält jeder den anderen auch ohne persönliche Bekanntschaft für seinesgleichen und«rqchtet sich dank-jenem Geheimbunde treulich zur Hilfe in der. Not für verpflichtet. Cs ist ihnen-geradezu ein Aexgernis, daß ein- aner« kannte« Lump-.ijn! Elend- gesehen werden soll. Die -Welt-ist- zwar in Worten- eine Verehrerin- der Tugend, aber sie. faßten solchen Fällm die- Armut leicht als-eiste Strafe auf, und so könnte Gegen die Erteilung der Bewilligung sprach sich vor allein der Deutsche Tcxtilverband in Reichenberg aus. Die zuständige Bezirksbehörde in Friedland entschied jtdoch im Sinne der Union der Texiilarbeitcr für die Wiedermifnahme des Betriebs. Dies benützte die Henleinbewegung des dor»' tsgen Gebiets, um die Wiedergewinnung der Arbeitsplätze für die Textilarbeiter als. ihren Er-: folg zu bezeichnen. In Wirklichkeit legte der Deutsche- Textilverband in Reichenberg, dessen Mitgliedschaft man nur anzusehen braucht, um die Zusammenhänge mit der SdP zu erkennen, gegen die Entscheidung der Bezirksbehörde Berufung ein. Er bemüht sich nach allen Kräften, den Arbeitslosen von Haindorf die Hoffnung zu neh- men, daß sie ihren Arbeitsplatz wieder erhalten werden.. So sieht der Kampf der Volksgemein» schäft für den deutschen Arbeitsplatz auSI Wenn der Textilverband sein Ziel erreicht, werden die Maschinen in der Spinnerei abmontiert und- die Arbeitslosen können weiter warten. Weniger Brauereien. Ende 1986 waren im Gebiet der Tschechosloivakischen Republik 383 Brauereien-im Betrieb. Ein Jahr vorher waren es 395. Elf von den stillgelegten Brauereien lagen in Böhmen, wo am Ende des vorigen JahreS noch 893 Brauereien in Betrieb waren gegen 314 Ende 1935. Auf Mähren-Schlesien entfalle» 65, auf die Slowakei 14 und auf Karpatho» rußland eine Brauerei. Die GlaSauSfuhr gestiegen. Im ersten Quartal 1987 lag die GlaSauSfuhr mit 168.7 Millionen Kronen um 89 Prozent über dem Vorjahr, in dem sie nur 117.1 Millionen Kronen betragen hat. Der bedeutendste Abnehmer für tschechoslowakische Glaswaren sind die Vereinigten Staaten, die vom Jänner bis März 1987 für 33 Millionen Kronen Glas bezogen haben Rußland liefert uns Eisenerze. Die Witko- witzer Eisenwerke und die- Berg- und Hütten- Werks-A.-G. haben im Mai über 6909 Tonnen Eisenerze aus der Sowjetunion eingeführt. KohlenauSfuhr au» dem Ostrauer Revier fast verdoppelt. In den ersten fünf Monaten dieses JahreS betrug die KohlenauSfuhr des Ostrau» Karwiner Reviers 48.481 Waggons. In der gleichen Zeit des Vorjahres konnten 26.722 Waggons auSgefiihrt werden. Die Steigerung beträgt somit 81.4 Prozent. Konjunktur in Spiritu». Der Gesamtabsatz an Spiritus in den ersten neun Monaten der laufenden Kampagne ist gegenüber der gleichen Vor- jahrSzeit von 658.590 Hektoliter auf 734.290 Hektoliter gestiegen. Von der Zunahme entfallen 11.480 Hektoliter auf Trinkspiritus. Ein« Biertelmilliarde mehr Spargelder. Vom Jänner bis-Ende April hat sich der Einlagen- züwächS HL den'Sparkassen um 287'Millionen Kronen erhöht. Er erreicht damit Ende April den Stand von 21,5'Milliarden Kronen. Beitritt der Tschechoslowakei zum Handel», abkommen der Nordstaaten? Der Wortlaut des zwischen Holland, Belgien, Dänemark, Norwegen und Schweden abgeschloffenen Handelsabkommens wurde dieser Tage versendet. Nach dem Abkommen müffcn die Zollbegünstigungen, die die Nordstaaten einander im Sinne der Meistbegünsti- gungSllausel gewähren, auch Staaten gewährt werden, die der Konvention nicht angehören. In der handelspolitischen Sektion des Außenministeriums wird nun geprüft, ob auch für die Tschechoslowakei die Möglichkeit besteht, der Handelskonvention der Nordstaaten beizutreten, bzw. ob«in solcher Beitritt uns handelspolitisch irgendwelche Vorteile brächte. Wie die„När. Listy" melden, wird diese Angelegenheit auch bei unseren nächsten Verhandlungen mit den Nordstaaten, die der Konvention angehören, erörtert werden.(DND) für all« anderen eine Schande oder gar ein Schaden daraus entstehen. So setzt denn«ine allgemeine Anstrengung für sie ein, um das Aergernis aus dem Wege zu räumen, und es bleiben, wie gesagt, nur wenig arme Gauner übrig, vielleicht ein Paar namenlose. Alle dürfen sich ganz gut wieder als Betrüger herausarbeiten. Im Gegensatz hierzu werden di« Anständigen und Guten von der Allgemeinheit wie Geschöpfe einer anderen Gattung betrachtet. Nicht nur, daß mäst mit diesen auffallenden Menschen in keiner Weise wie mit Gefährten und Genossen umgeht, man verfährt mit ihnen überhaupt, als. hätten sie keinen Teil an den Rechten der menschlichen Gesellschaft. Immer wieder beobachtet män, wie sie mehr oder weniger übel verfolgt werden, je nach dem Stand der Niedrigkeit und Bösartigkeit einer Zeit und einer Nation, In der sie leben. Wie die Natur im tierischen Körper die Säfte auszustoßen versucht, die sich dort mit den Grundstoffen nicht vertragen, so sorgt die selbe Natur/ in den i Gemeinschaften ter Menschen dafür, daß jeder' über dem Durchschnitt Stehende, bei unbequemem Hervortreten dieses Unterschieds, mit aller Gewalt vernichtet oder verbannt wird. Auch deshalb sind die Guten verhaßt, weil sie naturgemäß aufrichtig sein müssen und die Dinge beim Namen nennen. Diese Schuld wird von den Menschen auf keinen Fall verziehen;/denn sie verabscheuen nicht so sehr den, her das Böse tut, und. nicht so sehr das Böse selbst, wie den, der es ausdrücklich benennt. Infolgedessen erlangt der Misse» täter oft Reichtum, Ehre und Macht, und wer etwas als Missetat verkündet, wird auf» Schaffst geschleppt.' Geduldig lassen sich die Menschen alles Erdenkliche von einander oder vom Hichmel gefallest!-tveftn'trtän,-sie-nur mit Erklärungen verschont,' i flusfaftd Französisches Urteil Uber die Moskauer Hinrichtungen: Dem Diktator geht es um die persönliche Macht I Der„PoPulaire" unterstreicht in Besprechung der Moskauer Urteile und Exelutionen die Tatsache, daß der Prozeß bei geschlossenen Türen abgehalten wurde, daß die Angeklagten sich keine Verteidiger nehmen durften und daß das so gefällte Urteil Auf der Sonnenseite.(Ein norwegisches Lustspiel von Helge Krog, erstaufgeführt im Ständetheater.) Ein unterhaltender Stück für das Sommerrepertoire, mit dem Vorzug, die unumgängliche Sentimentalität mit— Manchmal drastisch ausgedrücktem— Humor zu untermischen. Ein reicher Gutsbesitzer kommt nach halbjähriger Hochzeitsreise mit seiner, aus künstlerisch-städtischen Kreisen stammenden jungen Frau auf sein Gut zurück. Er glaubt ihre Liebe und ihre Zufriedenheit mit dem ländlichen Leben am besten zu erproben, indem er einen ihrer Jugendfreunde aus der Stadt einlädt, den ti als Versuchungsobjekt ausgesucht hatte. ES kommt anders. Das Versuchsobjekt spinnt die in Paris angefangene Bekanntschaft mit der Schwester des Gutsbesitzers fort; die junge Frau fällt aber in einem durch den sommerlichen Abend begünstigten schwachen Augenblick für paar Minuten in die Arme des ye« schwähigen reichen Nichtstuers Preben. Vom Schein» Werfer beleuchtet, ist es eigentlich eine öffentliche Szene und muß, nachdem sich der Irrtum aufgeklärt hatte, zu einem allgemeinen happh end führen. Bevor dies geschieht, sagt die junge Frau einige aufrichtige und wahre Worte an die Adreffe der stets auf der Sonnenseite de- Lebens stehenden Menschen, die in: Reichtum lebend nie die Sehnsucht der armen jungen Dinger nach Schönheit und Glanz verstehen werden, nie aber auch den Wert der Arbeit und Selbständigkeit.— Dar Stück weist einige gute Gestalten auf. So den Onkel Severin, der seine Le» bensloeishcitcn in den'Mund einer Frau legt, deren.' Existenz allen verborgen bleibt, und der daher für ein wenig verrückt gilt; eine Schwiegermutter, die unumwunden und recht derb ihre Meinung sagt; ein junges Mädchen, dar gar nicht sparsam mit Ohrfei-' gen umgeht; einen unverbesserlichen und nie beleidigten Schwätzer usw. Gespielt wurde gut und das Stück gefiel.— Bei der Aufführung wurde Frau Naskovä, deren Genre die bissigen, humoristischen, und herzensguten Schwiegermütter' sind, anläßlich ihres 80jährigen Jubiläums als Mitglied der Nationaltheaterbühne herzlich gefeiert. m. i. „Jedermann" im Waldstein-Garten. Sonntag, den 20. Juni. Beginn 8S4 Uhr abends.- Sitzplätze Ki 25.— bis 50.—. Ermäßigung für Abonnenten 20%; Stehplätze Ki 8.—Rechtzeitige Kartenbestellung erbeten, da nur.eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Plätzen vorhanden ist. Der Vorverkauf hat begonnen. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag halb 8: Der Bettelstudent, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Mittwoch sh7: Alesia, Theaiergemeinde der Jugend(2. Serie, grüne Karten) und freier Berkaus, Abonnement aufgehoben.— Donnerstag halb 8: Liebe einer Fremden, Abschiedsvorstellung Ernst Deutsch, C 2.— Freitag halb 8: Figaro» Hochzeit. D.— Samstag halb 8: Das Land der Lächelns, volkstümliche Vor». stellung, Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 8 Uhr: Axel an der Himmelstür, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag, 8 Uhr: Ma» kann nie wissen.— Mittwoch 8: Nina, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8: Man kann nie wissen, Theatergemeinde der Kulturverbandes und freier.Verkauf.— Freitag: Geschlossen.— Samstag 8: Nina, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag: Geschlossen wegen Freilichtaufführung.■ Er mehren sich die Meldungen aus Hollhwood und au» London, daß die letzte Stunde de» Schwarz- Weiß-Filmr geschlagen'habe und die anglo-ameri- kanische FilmprodukÜon entschlossen sei» sich völlig auf den Farbensilm umzustellen. Sieht man sich unier dem Eindruck dieser Ankündigungen den amerikanischen„Pionier"-Film„The danring piraie"(Der tanzende Seeräuber) an, der jetzt hier unter dem Namen„M i t.t e r n a ch t» w a l z e r" gezeigt wird, dann blickt man sorgenvoll in die Filmzukunst. »Irgendein wesentlicher technischer Fortschritt der farbigen Filmaufnahmen ist gegenüber den früher gezeigten bunten Filmen nicht zu entdecken. Roch immer scheinen die Freilichtaufnahmen(die freilich in dem Film„Die Tochter de» verwunschenen Walde»" schon ganz gut gelungen waren). den Regisseuren Schwierigkeiten zu machen, noch immer wirken die farhigen Filmszenen mehr wie Buntdrucke als wie natürliche Optik, und wenn e» auch mit der Beständigkeit der Farben bei der Bewegung besser ge- tvarden ist, so sst«r mit dem künstlerischen Wert de» farbigen Films schlimnier geworden. Dieser Film vom Tanzlehrer, den Piraten entführen, der entflieht, gehängt werden soll, aber» statt Hessen die Tochter des mexikanischen Bürgernieifters heiratet, der er den Wälzertanz gelehrt hat, ist so albern und plump, so mittelmäßig gesvielt und so ganz auf den Revue-Effekt farbiger Kostüme und Gesichter, bunter Tanz- und Hochzeitsszenen eingestellt, daß man von einer Förderung der Filmkunst durch die Farbenphotographie beim besten Willen nicht sprechen kann. Aber auch der Tonfilm brachte an- sangS einen künstlerischen Rückschlag, und so wie die Mängel des Filmton» werden auch die der Filmsar- ben sicherlich dem Publikum bald durch Gewöhnung unerheblich werden. Daß übrigen» der farbige Film nicht ganz ohne Beziehung zur Wirklichkeit ist, beweist der im Vorprogramm gezeigte englische KränungSfilm, der allerdings ein Zeitereignis abbildet, das wie ein glanzvolles Märchen wirkt. Den Krönungsakt selbst ersetzt der Film durch ein Gemälde, aber den Krö- nungSzug vom Buckingham-Palast zur Westminster- Abtei zeigt er mit aller Farbenpracht der Paradeuniformen und goldenen Kutschen, er läßt die Krönungsinsignien funkeln, er läßt Schlösser, Fahnen, Gemälde und höfische Würdenträger im Ornat sehen, — und das Ganze wirkt nicht wie ein Schauspiel, dar sich vor vier Wochen, sondern vor Jahrhunderten ereignet hat. Leider hat man darauf verzichtet, dem hiesigen Publikum, dar ja nicht alle britischen Königsschlösser, nicht alle bei der Krönung amtierenden Peers, nicht die verschiedenen Kronen de» Königs und auch nicht die Premierminister der britische» Dominions kennt(die ganz am Ende mit Baldtvin und dem König in Zivil zu sehen sind), durch erklärende Unterschriften das Verständnis zu erleichtern. >—eia— Leichtathletischer Wettkampf der DTJ Prag—Pilsen 127:31 Jugend Filsen—Prag 46:38 Im Rahmen der Turnveranstaltungen des Prager DTJ-KreifeS fand am Sonntag im Prager Äasarhk-Stadion zum zehnten Male der leichtathletische Wetkampf der Sportler und Jugendsportler Prag» und Pilsen» statt. Bei den Sportlern fällt der hohe Sieg der Prager aus. Er wind verständlich, daß cs de» Pilsenern nicht möglich war. ihr komplette» Team, zu entsenden, welcher Umstand besonder» in.den Läufen und Staffeln sehr zum Ausdruck gelangte. lieber 1500 Meter gelang es dem Prager Kolin mit 4:09.8 Min. eine neue Verbandsbestleistung aufzustellen. Merkwürdig berührt die Ueberbolungsmethode Kolin, welche ihm bei internationalen Wettkämpfen glatt seine Disqualifikation eintragen dürfte. Ansonsten Verliesen alle Kämpfe glatt und interessant. Die Ergebnisse Sportler: 100 Meter: 1. Hall» 11.8, 2. MathS(beide Prag) 11.5, 8. Sindler(Pilsen) 11.6 Sek.— 2 00 Meter: 4. Sallh 24.0, 2. Sandtner(Prag) 24.0, 8. Plzäk(Pilsen) 24.8 Sek. — 4 0 vMcter: 1. Skäla 58.0, 2. Schuster(beide Prag) 55.6, 8. Kraft(Pilsen) 58 Sek.— 800 Meter:!. Bican 2:06.8, 8. Karafiät(beide Präg) 2:09.0, 8. Fakae,(Pilsen) 2:09.9 Min.— 1500 Meter: 1. Kolin 4:00.8,(neue Verbandsbestleistung), 2. Bican 4:16.4, 8. Fakacz 4:42.6 Min.— 500 0 Meter: 1. Karafiät 16:54.0, 2. TichÜ (beide Prag) 17:82.4, 8. Manner(Pilsen) 17:87.8 Min.— Weitsprung: 1. Goth 6.61. 2. Rtjdl (beide Prag) 650, 8. Bruha(Pilsen) 6.86 Meter. — Hochsprung: 1. und 2. Tiöitel und Szebi- novskti(beide Prag) 1.70. 8. Cernlj(Pilsen) 1.55 Meier.— Kugel: 1. Buriänck 12.46, 2. Saltz (beide Prag) 12.18, 8. Mrva(Pilsen) 11.11 Meter. — Di»kur: 1. Zitek.(Prag) 88.22, 2. Vhleta (Pilsen) 88.11, 8. Tttitel 81.76 Meter.—S Peer: 1. Schisst« 45.66, 2. Bruha 45.25, 8. Lcipold (Pilsen) 48.86 Meter.— Schlcuderball: 1. L. 8»ek 48.28, 2. Bezchleba(beide Prag) 47.28, 8. Vhleta 47 Meter.— Dreisprung: 1. Goth 18.20, 2. Rtjdl 12.06, 8. Bruha 12.52 Meter.— Stabhoch: 1. und 2. Zajic und Peter(beide Prag) 8.80, 8. Riedel(Pilsen) 8.20 Meier.— 4X100 Meier: 1. Prag 46.2, 2. Pilsen 46.4 Sek.— Olhmpische Stafette: 1. Prag 8:51.1, 2. Pilsen 4:07.5 Min. Jugendsportler: 100 Meter: 1. Jüzl(Pilsen) 11.7, 2. Snahdr(Prag) 11.9 Sek.— 1000 Meter: 1. Belät 2:54.0, 2. Soumar(beide Prag) 8:01.4, 8. Chlcboräd(Pilsen) 8:08.4 Min.- Hoch sprung: 1. und 2. Marke und Jüzl(beide Pilsen) 1.60, 8. Snahdr 1.50 Meter.— Wett- spruNg: 1. Jüzl 6.17, Snahdr 6.05 Meter.— Di»ku»: 1. Brtva(Prag) 28.18, 2.Bezpalec Pur gotundc Vordauung sorgt das natürliche Abführ-Erweichungsmittel, Varursacht keinen uurcnmi Für DlabPiik er in gleicher Zusammensetzung ohne Zucker. Mit der Bezeichnung D'n jeder Apotheke (Pilsen) 27.68 Meter.— Speer: 1- Find 46185, 2. Friedrich(beide Pilsen) 41.72, 8.Brtva 85.47 Meter.— Kugel:.!. Jüzl 12.90, 2j Brwä 12.88 Meier.—4X100 Meter: 1. Pilsen 48.9, 2. Prag 50 Sek. Ole doste Prager Wehrspartleistung — ein DTJ-Jugendlidter In Prag fanden AuSscheidungSkämpfe im Wehrsport statt. Von 29 gemeldeten au» verschiedenen Turn- und Sportorganisationen traten Iß männliche Zöglinge"än. Als Sieger ging Bronec (DTJ Zijskov) mit 425 Punkten vor zwei Sokol- Jugendlichen, welche 888 bzw. 860 Punkte erzielten, hervor. Der Wettkampf bestand aus Schwimmen Über 50 Meter srei in Militärausrüstung, Schießen und 100 Meter Feldhindernislauf mit Handgranatenzielwerfen. In der ersten Disziplin erzielte Bronee als Sechster: 58.7 Sek. und 85 Punkte, in der zweiten schoß er 90 von 100 möglichen Treffern und den HiuderniSlauf mit Granatenwtzxf-gclvann er in 81 Sek. Bronec wird Prag bei der gcsamt- sMatlichen Wehrsportkonkurrenz vertreten. Premiere Im Mitropa-Cup Die Uebcrraschung: Austria schlügt Bologna 1 In Prag wurde die Begegnung Slavia mit Ferencvaro» Budapest au-getragen, welche unentschieden 2:2(1:1) endete. Die Prager boten nur eine Halbzeit ein halbwegs gutes Spiel, aber vom Sturm war während des ganzen Spiels nicht viel wahrzunehmen. Das Half hielt ebenfalls nicht die an sie geknüpften Erwartungen und die Verteidigung zeigte auch keine Glanzleistungen. Aller in allem: es war ein glücklicher Tag für die Slavia, daß sie in der letzten Minute den Ausgleich erzielte, der nicht verdient war. Die Budapester hatten einen rasch kombinierenden Sturm, der auch fleißig, aber ungenau schoß. Ihr Stellungsspiel und ihre Technik ließen ahnen, daß die Prager im Rückspiel nicht viel Chancen für die zweite Runde besitzen. Beiden Tormännern stand neben Können auch reichlich Gluck zur Seite. Der italienische Schiedsrichter konnte es den Zuschauern— er war nicht fehlerfrei nach beiden Seiten hin— nicht recht machen und so hört« man„Kosenamen" und sah aufgeregte Mensch?», die ihre Stöcke oder die Fäuste in die Luft schwängen, so bewessend, daß sie in dar erzieherische Milien-de» bürgerlichen Sports passen... denn sonst müßten doch die Sportplätze nicht mit Drahtgitter abgegrenzt werden. Die Prager Sparta erzielte in W i e n-gegen Admira ein 1:1(9:0) und hat die Möglichkeit, im Rückspiel zu gewinnen- Im Vorspiel gewann Vienna gegen Noung Fellow» Zürich in einem beiderseits hart geführten Spiel mit. 2:1 (1:1). Der dritte tschechoslowakische Klub, SKProß- n i b, spielte in Z ü r i ch und wurde von den G r a»- Hoppers mit'8:4(0:2) geschlagen. Der Proß» nitzer Kaftl wurde ausgeschlossen. Die Ueberraschung brachte die Wiener A u st r i a, welche im frawsiisischen Ausstellungsturnier keine große Rolle spielte und.nun den Turniersieg« FC Bologna auf dessen Platze mit 2:1(1:0) schlug. Hungaria Budapest trennte sich auf eigenem Platze von Lazio Rom mit 1:1(0:0); Uj» pest gewann'in Bukarest gegen. Venu» 6:4 (2:1) und in Genua verlor Gradjanski gegen FC. 1:8(0:2). Sonstige Fnßballergebnisse. Asch: DDB gegen DSV Saaz 6:4.(1:8).— Karlsbad: KFK gegen DDB S.aaz 8:0(2:1.).— G ra»litz: DFC gegen SK Rosenthal 4:1(Vorschlußrunde der TFV- Meisterschast 1. Kl.).— Komotau: SK Kladno gegen DFK 1:0.— Warnsdorf: WIK gegen Reichcnberger FK 2:1.— Traut en au: DDB gegen Sportbriider Brüx 6:0(Vorschlußrunde der DFP-Meisterschast 1. Kl.).— Kremsier! Han. Slavia gegen SK M.-Schönberg 4:2.— Preß- bürg: CSK gegen Bocrkai 6:2.— Ujshorod: Nemzeti Budapest gegen Rusj 8:0.— Trent- schin-Teplitz: TDD gegen Floridsdorf« AC Wien 8:2.— Kopenhagen: Dänemark gegen: Norwegen 5:1(2:1).— Halmstadt(Schweden): Viktoria Zijskov gegen IS 6:1. I. DaviS-lluP Tschechoslowakei—Jugoslawien 8:2. Am Sonntag wurde dar abgebrochene Doppel Mcg» zcl—Hecht gegen Pallada—Puniec zu Ende gespielt und lautet der Schlußstand 2:6, 6:1, 6:0, 7:9,6:1, so daß damit ei» 8:0-Sta»d für die Tschechoslowakei gegeben war. Die beidkir restlichen Einzelspiele bestritten Cejnar, der gegen Puniec 7:5, 7:5, 8:6, 7:5 gewann, und Siba, welcher gegen Pallada 8:6, 6:8, 7:5 verlor. Da Menzel und Hecht nicht mehr antratcn, fielen di« zwei Punkte an die Jugoslawen, obwohl Cejnar siegreich Ivar.— Die Tschechoslowakei und Deutschland, bestreiten nun da»: Europa- Finale, welches in Berlitz stattfinden wird. In der Wasserball-Meisterschaft der Tscheche- slowakei gewann am SamSiag BaS Kochba Preßbnrg gegen APK Prag' 4:0, Verlor aber Sonntag.gegen Hagibor Prag 1:8. Mick«-. Kinderfreunde, Prag. Hetzte, um 84lhk abegds im- Parieihelm Smckka 22, wichtige Ä u s», I ch.tzrß'f'i tzn g-.Alle Fallen kltztzMen.'Doflneritää: um'5 Ahr in» Seim: Wichtige.BMxttbtziigetz.fÜt defi• Kindertag sind zu treffen:.;’■ Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau» oder beiBezug durch die Poft monatlich Ki 18.—, vierteljährlich Kh 48.—, halbjährig Ki 96— ganzjährig,Ki 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Prelriiachläß./— Rückstellung, von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendnnst der Retourmarken.— Die ZeittingSfraMtur wurde von derPoft- und. Täli»': graph'endirellion ifttt'Erlaß Nr."18.800/VII/1980 bewilligt,— Druckirei:.äOrbi»". Druck-, Verlag»- und ZeitungS-A.-D.Prag,