Sozialdemokrat gerttralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag Xll.,Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: SiegfriehTaub- Verantwortlich« Redakteur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Kommunisten und Henleins In Einheitsfront De Brouckäre über Spanien Für neue Industrien Im Krisengebiet Zerfall der Rexistenpartei Prag—Reichenberg in 37 Minuten 17. Jahrgang Freitages. Zuni 1937 Nr. 142 Weiterer Vormarsch bei Hiiesca Madr id. Der amtliche Bericht des ver- tcidigungsmittisteriümS meldet: An den verschiedene» Fronte« der Mittel-Arme«- dauer« der Feuerwechsel und'Ne ArtilleriekLmpfe an. Die republikanischen Abteilungen-im. Abschnitte von Huesea kämpften hart, besetzten die Dörfer La Loma de lob Martires und Torras und über- schritten' daS Dorf llhimillaS. Sie setzen ihren Vormarsch fort«md, greifen Alerrr, südlich von Latilla, heftig an.- bomben gegen freuen und Kinder! An der Biskaya-Front bombardierten Auf- ständifchen-Flugzenge verschiedene Straßenverbindungen, die nach Santand« führen,' um die Evakuierung der Frauen, Kinder und Greise gu stören, di» vörgenonimen wurde, um Bilbao bester verteidigen zu könne». Bei der Beschießung durch die Flieger wurden', viele Personen getötet, darunter solche, die evakuiert wurden.. . An der asturischen FrontVei Santander Gewehr», und Artilleriefeuer.' vlldeo bereits umzingelt? Hendaye. AuS dem Hauptquartier der Aufständischen gibt- der- HavaS-Karrespondent eine« Situationbericht,-in- dem es u. a. heißt: Jm Rard^n Bilbaos haben die dort, operierenden Abteilungen der Aufständischen-ihre Aufgabe säst schon ,beendet. ES seien dort auf den-Höhe» nur noch einige„Rester" von BaSken verblieben^ die lieber den Tod als den Rückzug wählen. Südlich pon Bilbao seien alle Höhen in den Händen-der Aufständischen, die jetzt gegen den Westteil Bil» baos vorgehen. Es wird behauptet, daß die Baske« in de» Hauptstraßen von Bilbao Barrikaden erricht««.. Bon den' Siadtgrenzen fei andauernd Dtafchinenaewehr- und Geschützfeuer zu vernehme». Rach anderen Meldungen von aufständischer Seit«, schließe sich bereits die Zange um Bilbao, so daß-die Stadt bald vollkommen«ingekreist sein werde. DaS Hauptquartier der- Aufständischen wplle auf diese Weise- Straßenkämpfen größeren' Umfangs ausweichen. rivcMUnMiMIttü angehalten vatzonne: DaS Blatt'»Bo« de Espaüa" meldet, daß sechs avf'dem Wege nach Santander befindliche spanische Dampfer in d« Nähe deS Eap VIllan» von aufständischen Kriegsschiffen angehalten wurden sind uni« Schützte,leitung den'Hasen von PasajeS anlavfrn mußten. Die .Dampfer hatte»größtenteils Frauen und K in d e rau S Bild a o an Bord. franco dringt auf Anerkennung Englands Standpunkt„vorläufig“ unverändert Sinken; Die britischen diplomatischen Kreise gebe» zu, daß-di» Behörde» der Anfstän- - dischen in Salamanca-an den britischen Botschaft« i jn Hendatz« eine Rot«; betreffend die Ä ne t- • ken nun, d e r A u f.st ä nd i s che n als kriegführende Partei grrichtet haben,' Die tritt»' scheu, diplomatischen Kreise versichern,, daß Ich der Standpunkt.dir britischen Regierung.in'dieser Angelegenheit« t ch t' gelindert hat,.und daß'die britische Regierung v» r l ä u'f i g keinen G r und habe, tisseln' oder jenem Lager in' Spanien, da- Recht'einer.kriegführenden. Partei zuzuerkennen.'Die Rote Franco» werde wahrfcheiülich .den Gegenstand eines Mein« n gs a«'S t a u< sch e S m.i t.PariS tildest?-Großbritannien werde.ohne. Einvernehmen mit Frankreich nichts unternehme»,. Zwischenfall in Danzig Warschau. Wie die Blätter melden, wurde Iy Wnzig'eltt pM.ischer Mqa.tSbürger von-einer vprbe iziehenden nationalsozialistischen, Sturm-. abtellung. wegen Nichtgrühens der- national- soziälistischen Fahne überfallen und blutig geschlagen. Die polnische Preffe erhebt§ schärfen Protest-. Men diesen Vbrfall und verlangt, hast Vie HtsittischeRegierung cncrgisch einschr'cite.'' Drei Ministerpräsidenten aufeiner Donaufahrt Belgrad. Donnmstag früh traf inKla» dovo an Bord d«S Schiffes„Karadjotdjr" der jugoflävische Minist«präfid«nt Dr. S t o j a d i- n'o v i t mit Begleitung«in. Kurz darauf fief in Kladovo auch daS rumänische Schiff„König Earol ll."«in', an dessen Bord sich der Borstt» zende der tschechoslowakischen Negierung Dr. H o d-jj a und d« rumänische Ministmpräsidestt Tata r t Sen befanden. Nach gegenseitiger herzlicher Begrüßung der Ministerpräfldeuten begaben sich dies« an Bord des„König Carol H.", d« himauf di« Fahrt nach Basiäs antrat.' Sofort nach der Abfahrt deS Schiffe- aus Kladovo nahmen die Ministerpräsidenten: die Besprechungen in überaus- frenndschäftlichcr Atmosphäre auf. Das Schiff traf um 18' Uhr in Bä- stäö ein und die Ministerpräsidenten setzten dann die Reise nach Brchae'im Sonderzug fort. Dar amtliche jvgoslawische Presse-Büro bemerkt zu dieser Zusammenkunft:( Durch ihre heutige Sitzung wollen die Regierungschef- der drei Staate«: der Kleinen Entente neuerlich die v o 11 e n d e t e H a r m o- n i e darlegen, die zwischen diese«: drei befreundeten Staaten herrscht. Diese Sitzung lvird unzweifelhaft eine neue Etappe in der Ent- ivicklung.der gemeinsamen Aktivität der Staaten der Kleinen Entente bilden, die ihrer Friedenspolitik bei all den dramatischen Komplikationen treu bleibe«:,., welche die europäische. Politik im Laufe der letzte«: Kahre durchgemacht hat. Kn den schwersten Stunden der europäische«: Politik haben die Staaten der Kleinen Entente bewiest«, daß sie weder Anlast zu einer Aenderung ihrer Politik der Zusammenarbeit in enger Freundschaft und Loyalität, wie sie bisher betrieben wurde, besitzen, noch zu einer Aenderung ihres korrekten Standpunktes gegenüber den anderen Mächten. „Volkspolitisches Referat zur Gewinnung der österreichischen Nazi - W i e n,(Tsch. P.-B.) In seiner program- matischen Rede vom 14. Feber hatte Bundeskanzler Dr, S ch u f ch n i g, angekündigt, im Rahmen der BEländifchen Front eln„solrs- politifcheS Referat^«richtet werden wird, dessen Aufgabe«S sein wird, die abseits d« Regierung der Vaterländischen Front stehenden politischen Elemente zur gemeinsamen Arbeit heranzuziehen. Dieses Referat, sagte damals Dr. Schuschnigg, werde von Personen' seine- Vertrauen» besetzt, werden.-----;. Donnerstag abends wird nun amtlich mit» geteilt, daß-an dif.Spitze dieses Referates der'ehr- malige Abgeordnete und Bürgeriyeisterstellvertre- t«r der Stadt Innsbruck, Chefredakteur Dr. Ärtiir Penn bau er,' berufen wurde.- Gleichzeitig ist mil der gleichen Mission der Atzvokat Dr. Artur S e i tz- I n q u.a r t, der sich bisher Politisch nicht«polstert ha«, in den Staatsrat berufen wor- den. Dr. Pennbaner ist als Führer' der groß» deutschen Bewegung bekannt. ^>---»Di«--nng«külldigt«n-->-4öwwmmngen- haben, wie das Ts. wie es heiht, auf Ersuchen des Kardinals van Roeti. Der„Führer" Degrelle hat auf diese Resignationen sehr scharf reagiert. In seinem Blatt schreibt er:„Ich bin niemandem verpflichtet und kann mich eines ieden schon morgen so entledigen, wie ich einen alten Hut oder a b- getragene Schuhe wegwerfe." Ein anderer Reyistenführer, der Abgeord- nete Pierre Daye, ist clls Vorsitzender der rexi- stischcn Paclamentsfraktion zurückgetreten. Das Blatt„Le Soir" schreibt, die rexistischen Abgeordneten und Senatoren ivollten Degrelle nicht blinden Gehorsam leisten; nur einige wenige Mitarbeiter bewahren ihm die Treue. Spanische Bomben gegen einen Italienischen Dampfer Gibraltar. Der Kapitän des italienischen Dampfers„M a d d a", der in den hiesigen Hafen eingelaufen Ist, erklärte, daß das Stift vor Oran von zwei spanischen Regierungfl ug zeugen bombardiert worden sfi. Es seien 3V Bomben abgr- wprfen worden, doch wurde daS Schiff nicht ge- trsfsen. Hierauf hätten die Flugzeuge das Schiff aus Maschinengewehren beschossen, verletzt wurde niemand. Der Dampfer„Madda" ist am Bug beschädigt. Die Nnanzvorlagen Im Senat Paris. Der Finanzausschuß des Senates hat Donnerstag den Gesetzentwurf über die finanzielle Vollmacht behandelt. Nach Entgegennahme eines ausführlichen Referates der Finanz» Ministers A u r i o l beschloß der Ausschuh, den Minister zu ersuchen,«inen Ges etzent- wurf gegen die Spekulation und Steuerhinterziehungen vorzulegen. Dey Ausschuß wird seine Beratungen Freitag fortsetzen. In dieser Sitzung wird auch Ministerpräsident Leon Blum sprechen. General Beck In Paris Pari«. sTsch. P.-B.) Der Chef des deut- schen GimeralstckbeS General Beck stattete Donnerstag vormittags dem französischen Generalstabschef General Gamelin einen Besuch ab, der ihn dann zum Mittagessen einlud. Daran nahmen peinige französische Generale, durchwegs Mit- gliedcr des Obersten BerteidlqungSauSschuffeS, teil. Am Freitag witd General Beck vom fran, zösischen. Nationalverteidigungsminister Daladier empfangen, werden. An französischen politischen Stellen. wird der Besuch des Generals Beck in Paris durchwegs g ü n st i n ausgenommen und als ein Beweis des ernsten Strebens für di« Milderung der Spannung Wischen Deutschland und Frankreich sowie als geeignetes Schritt' zu internationalen politisch-militärischen Verhandlungen■ betreffend die Beschränkung der Rüstungen u. ä< bezeichnet. Deutschlands. AuBenhandel, v" Im Nal'SchtvIther' Berlin. Die Ein- und Ausfuhr deS Deut» scheu Reiches ist.,, im Monate Mai zum Teil z u r ü ck g e g an g« n. Die Einfuhr beläuft sich im Mai mtf, 447.3» die' Ausfuhr auf tvki.8 Mill: Reichsmark. Demnächst edaibt sich, ein Ausfuhrüberschuß in«er Höhe’f von S.ß Millionen Reichsmark. Gegenüber den Ziffern de» gleichen MoNateS tm Jahre 1986 liegen die i Ein- und AuSführziffern höher« fudetendeutsdier Zeitspie&et ler, für den Bund der Landwirte: Rudolf Möller, Franz Kirsch, Friedrich Schild, von der deutschen Gewcrbcpariei: Gustav Petrovsky, Emil Ncdlvcd.. Schriftenempfängcr sind: Ed..Hofmann, Anton Bic- mann, Friedrich Schild, Gustav Petrovsky und Rudolf Biöller. Die aktivistische Bezirkrstelle hat Ihre Tätigkeit bereits ausgenommen. Sprechstunden beim Borsitzenden Eduard Hofmann jeden Dienstag von 4 bis ö Uhr nachmittags Talstraße 17a, Tiefparterrc.. Ein unlauterer Bücheragent. Bon geschätzter partetgenössischer Seite tvird uns geschrieben:„Bor einigen Tagen erschien bei mir ein Büchecagent, der sich als Redakteur K U n ä l k vorstellte und mir ein zweibändiger Werk„Die Cechoslovakische Republik" anbot mit der Angabe, dieser Werk werde von dem deutschen aktivistischen Berlage veritaS unter der Patronanz der Zentralstelle der deutschen aktivistischen Parteien und der Närodnk vhbor herauSge- gebcn. MS der Agent versuchte, durch politische Drohungen mit Berichterstattungen an Mrodnl vßbor und einflußreiche Persönlichkeiten über alle diejenigen, welche die Bestellung des Werkes verweigern, auf mich einen Druck auSzuüben, erklärte ich ihm, daß man bei mir mit diesen Methoden nur erreiche, daß ich nicht kaufe. Ich habe auch siie Bestellung nicht gemacht. Eben erfahre ich, daß Herr Kunikk vier deutsche Beamten der Revierbrnder- lade durch di« Drohung, daß ihnen die NIchtbestellnng des Werkes schaden werd«, und durch die fälschliche Behauptung, ich hätte das Werk bestellt und wünsche, daß die deutschen Beamten der Revierbruderlade es ebenfalls bestellen, dazu veranlaßte, die Bestellung zu unterschreibe». Die Bestellungen der genannten vier Beamten wurden bestätigt von der Firma BeritaS-Berlag I. BöveS, Praha II-, Spälcnä 26." — Wir glauben gut daran zu tun, wenn wir unsere Oeffentlichkeit auf diesen Herrn aufmerksam machen, damit ihm die entsprechende Behandlung zuteil werd«, Das schöne Arbeiterfest, das am Sonntag Hermannshütte abgehalten tvurde, Nichtbestätigung eine» Heulein-Bürgermeisters, Im Dezember.1986.wurde in Taßwitz der Hen- leintst RudolfSchnattfnger zum Bürgermeister gewählt. Das Landesamt in B r ü n n hat aber die Bestätigung.Schngttinger» v erioe i g e r‘, so daß eine neue Bürgermetsterwahl notwendig wird. Nach einiger Zeit brachte ein Privatmann mit seinem Auw den Reinwart nach Mies in seine Wohnung. Reinwart hatte«in Loch im Hinterkopfe und der sinke Arm ist. ihm so zerschlagen, daß die Knochen de» vorder- und Oberarms zersplittert sind. Tritt ein« Eiterung hinzu, so besteht die Gefahr, daß der Arm amputiert werden muß. verläuft der HeilungSprozeß günstig, so dürste der Arm aber dennoch steif bleiben. Reinwärt kann nur soviel sagen, daß er Hiebe bekani und dann bewußtlos zusammenbrach. Im beiuuht- losen Zustande hat man ihm dann wohl diese schweren Verletzungen noch beigebracht. Die Gendarmerie nahm am Montag morgen gleich die Einvernahme vor. Bon den Rohlingen leugnete zunächst«in jeder. Sie wurden aber dann dem Genossen Wick gegenübergestellt und cs wurden neun Mann verhaftet, durchtvegs junge Leuie. Und nun das Charakteristische: Bier Mann von den Täter» bezeichnen sich als organisierte Kommunisten» zwei Mann sind Hcnleinsnnktionäre und drei bezeichnen sich alö Indifferente. Allo aber waren sich einig in der Niederschlagung von Sozialdemokraten. Denn lvohlgemerkt, bet den vier organisierten Kommunisten ist das„revolutionäre Klassenbewußtsein" auch dann nicht erwacht, als der Bender zum Genossen Wick schrie: „S ch r c i ,H e i l H e n l e i n I' u n d w i r l a s-, sendichinRuh I" Daß der Haupttäter Fran.', Bäuml sich als Indifferenter ausgibt, das gehört ja so zur richtigen Tarnungs-Strategie. Wir wollen vorerst nicht mehr sagen, sondern die gerichtliche Entscheidung abwarten. Eine Lehre aber mögen unsere Genossen überall daraus ziehen: Wenn sie zu irgendwelchen Veranstaltungen über Land gehen, immer in geschlossenen Zügen beisammen bleiben, nie mehr allein gehen. Es ist nicht mehr so, wie es vor wenigen Jahren noch war. Die Verhetzung der Bevölkerung durch eine gewisse Partei hat im sudetendeutschen Gebiet« solche Formen angenommen, daß man allein in ländlichen Gebieten tatsächlich seines Lebens nicht mehr sicher ist, wenn man für einen Sozialdemokraten angesehen wird oder gar als solcher bekannt ist. Bezirksorganisation Reichenberg errichtet zwei neue Lokalorganlsatlonen In Reu-Röchlitz findet Samstag, den 19. d., die Konstituierung einer neuen Lokalorganisatio» statt. In diesem OrtSteil der Gemeinde Rochlitz gelang e», durch eine Hauswerbung 24 neue Parteimitglieder zu werben. Diese Werbeaktion ist noch nicht abgeschlossen. In HermannSthal wurden ebenfalls bei einer eingeleiteten Werbeaktion schöne Erfolge erzielt. Diese Werbeaktion, ist noch im Gange, es besteht Aussicht, daß noch eine Reihe neuer Mitglieder für hie. Partei gewonnen werden können. Nun hckben wir auch in diesem Orte eine Lokalorganisation errichten können und dadurch in einem für unsere Parteibewegung nicht besonder» kräftigen Gebiete des Bezirkes Reichenbcrg einen erfolgreichen Vorstoß durchgeführt. BezlrkSftelle der deutsch« Regierungspartei« in Gablonz a. N. Für Gablonz a. N.-Stadt und Gablonz a. N.-Land'wurde mit Hinzuziehung der deutschen Gewerbepariei'auch eine Bezirkrstelle der aktivistischen Parteien gegründet. Für die christlichsoziale Volkspartei sind bestimmt worden: Anton Biemann, HanS Schäfer, Karl Schreier, für di« deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei: Eduard Hofmann, zweiter Bürgcrmeisterstellvertreter, Gablonz a. N., Gebirgrstr, 89a, Gustav Elftner, Bruno Haf- Ueberfal! auf Sozialdemokraten Kommunisten und Henleins In Einheitsfront! Für neiie Industrien Im Krisengebiete In der Juni-Nummer der Zeitschrift„Za Novk Hospodäkswi" schreibt Theodor P isto» r i u 8 über das„Wirtschaftsproblem der Regierungsvereinbarungen mit den Deutschen". Er erzählt» daß er im Grenzgebiete teilweise im Erzgebirge und mehr noch im Böhmerwald deutsche Gegenden gesunden habe, wo die Bewohnerschaft genau so vegetiert wie in der ärgsten Krisenzeit. „Es handelt sich um Orte," so fährt Pistorius 'fort,«wo es weder eine industrielle noch eine größere gewerbliche Unternehmung gPt. Und dennoch ging es in diesen Orten vor der Krise den Bewohnern besser, weil sie nach Deutschland arbeiten gingen oder dorthin ihre hausindustriellen Produkte wie Spitzen- und Hohwaren lieferten, was nunmehr unter Hitlers Regime nicht mehr möglich ist.' Wenn man solche Orte besucht.., ist man schwer betroffen von der fürchterlichen Not, welche auf den ersten Blick sichtbar wird... In vielen Grenzorten des Böhmerwaldes ist der Großteil der Dorffamilien ohne Erwerb. Unter diesen Un- glücksichen können moralisch und' politisch inferiore Agenten der Henlein-Partei erfolgreich Seelensang betreiben. Die intenswste Arbeit der aktivistischen Parteien kann keinen Erfolg haben, wenn die dortigen Menschen kein Brot bekommen. Es ist unbedingt notwendig, daß di« Regierung mit Beschleunigung alle Grenzorte feststellen läßt, welche in die wirtschaftlich« Belebung nicht eingeschaltet sind und solche Maßnahmen treffe) welche kleinere gewerbliche Unternehmungen anlocken und gleichzeitiMochwertige und nicht ausbeuterische Heimarbeit dort entstehen lassen würde." Der Verfasser erzählt auch, daß er mit dem Grundbesitzer und Unternehmer I. Kolvwrat-Krakovsky in Dianaberg gesprochen habe und dieser das Heil der verarmten Gegenden ist der Herausgabe eines Gesetzes sieht, welches in-ein bestimmtes Gebiet gewerbliche Unternehmungen dadurch locken würde, daß man ihnen bedeutende Erleichterungen in der Erwetbs- und Einkommensteuer auf die Dauer von drei bis fünf Jahren gewähren würde. Bor allem mühten diese Erleichterungen solchen Industrien zugutekommen,die bei uns noch nicht eingeführt oder noch schwach sind. ( Zum Schluß spricht sich PistoriuS dafür aus, daß die Regierung eine Kommission zusammenstelle, welche diese Frage zu prüfen hätte. in nahm für einig« Teilnehmer von Mier einen bedauerlichen Ausgang. Der deutsche Sozialdemokrat R«i n w a r t, ein Familienvater, muhte im schwerverletzten Zustand Sonntag nachts noch in das Krankenhaus Plan eingeliefert werden und der Jugendgenoffe W i ck mußte ebenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Was war vorgefallen? Man war so gemütlich in Hermannshütte beim Waldfest der Arbeiter gesessen, daß keiner an etwas Unangenehmes dachte. So gingen die Teilnehmer von Mies auch in den Spätnachmittagstunden in kleinen Grüppchen vom Festplatz weg nach Hause. Eine solche kleine Grupp« von vier Mann ging durch das Dorf Elhotten. Dort war im ersten Wirtshaus links an der Straße von Hermannshütte nach Mies eine Tanzunterbaliung. Wirtshausgäste, voran der Glasmacher Franz Bäuml au» Wil- kischcn, kamen heraus und stänkerten die Genossen von Mie» an. Diese ließen sich auf keinen Streit ein und gingen weiter. Da kamen, als sie den OrtSausgang schon erreicht hatten, Steine geflogen und nun sahen die Genossen, daß sich hinter ihnen«Ine'ganze Schwarmlinie zur Verfolgung gebildet hatte. Die Genossen von Mies wollten vor dieser Uebermacht fliehen. Zwei Genossen gelang das auch, obwohl einer von ihnen durch einen schweren Steinwurf am Bein empfindlich verletzt wurde. Der Genosse Wick wurde von einem Trupp verfolgt, wobei der Franz Bäuml schrie:»Wick, wenn du nicht stehen bleibst, schieße ich dich nieder!" Wick sah auch, daß Bäuml tatsächlich«inen Revolver oder eine Pistole in der Hand hat«, und blieb stehen. Bäuml und seine Kumpane schlugen Wick dann nieder. Sie hieben solange auf ihn ein, bi» einer sagte:„Bäuml, jetzt hör auf, jetzt langt es schon I" Während dieser Mißhandlung sagte der Mittäter Bender zu Wick:„Schrei ,Heil Henlein!', dann lassen wir dich in Ruh" und weil Wick das nicht tat, wurde er ein zweites Mal zu Boden geschlagen. Wick ist am Kopfe sehr schwer verletzt und mußte vom Arzte verbunden werden. Wo während dieser Zeit R e i n w a r t steckte, konnten die drei Genossen nicht mehr sehen. I ' Haussuchung In der SdP-Zentrale Der„Bolkswille" berichtet: Am 11. Juni herrschte im braunen Hau? in Eger, am Hauptsitz des großen Führers, einige Auftegung. Ganz plötzlich kamen am Nachmittag Motorradfahrer, machten vor der Henleinzentrale halt und begaben sich inS Haus. Im Nu waren auch Neugierige zur Stelle, die sofort Vermutungen. anstellten. Wie i langsam durchjickerie, waren Geheimpolizisten der Staatspolizei vorgefahren, um in den Kanzleiräumen der SdP eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. Es wurde lange gesucht und die Durchsuchung muß recht gründlich gewesen sein. Nach stundenlangem Sucht» wurden ganze Stöße Schriften in ein beroitstehendeS Auto verladen und fortgeschafft. Während der Durchsuchung war der Kanzleigewaltige Dr. Suchy nirgends zu finden. Die Beamten und Angestellten des braunen Hauses kamen mit hängenden Köpfen aus dem Hause und gingen sehr niedergeschlagen von dannen. Anscheinend war ihnen der Besuch der Staatspolizei überraschend gekommen. Unter dem beschlagnahmten Material soll sich auch manches aus dem Auslande befunden haben. Dr. Suchy blieb in Eger weiter unauffindbar. Warum? Brief an den Zeitseiegel Aus Staatsangestellten-Krelsen wird uns geschrieben; „Veierni Geske Slovo" brachte kürzlich unter der Überschrift„Zeugnisse ohne Wert" folgende Mitteilung; Ein großes Prager Bankunternehmen wollte eine größere Anzahl von Beamten aufnehmen; als Aufnahmebedingung wurde die Kenntnis der deutschen Sprache verlangt. Ueber 200 Bewerber überreichten ihr Maturitäts- oder Hochschulzeugnis. Laut den in den eingereichten Zeugnissen verzeichneten Noten erfüllten alle Bewerber die verlangte Bedingung, Kenntnis der deutschen Sprache. Sobald sich jedoch das Bankunternehmen vor Aufnahme der Bewerber durch eine schriftliche und mündliche Prüfung über die wirklichen Kenntnisse der deutschen Sprache Gewißheit verschaffte, stellte cs sich heraus, daß nur 46 Bewerber als befähigt befunden werden konnten. Alle anderen hatten die Kenntnis der deutschen Sprache nur auf den Schulzeugnissen bestätigt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Noten, welche auf den Zeugnissen ausgewiesen, auch tatsächlich in der Schule verdient waren, d. h. sic konnten in der Schule das, was von ihnen gefordert wurde. Die Praxis jedoch zeigte, daß»io fast überhaupt nichts konnten. Die derzeitigen Lehrsysteme fremder Sprachen an unseren Schulen sind "ollständig ungenügend.— Soweit„Veierni üeskd Slovo". Die Notiz erinnert uns an andere N o- l o n, mit denen ebenfalls verschiedene Kenntnisse bestätigt werden sollen. Es gibt nicht nur Schulzeugnisse, mit welchen die Sprachkenntnisse der studierenden Jugend bewertet werden, sondern auch Qualifikationen bes-chreib ungen der t s c h sl. Staatsbediensteten, welche einen I ähnlichen Zweck verfolgen. In diesen Quali- i fikationslisten werden einem großen Teil der ! Staatsangestelltenschaft nicht nur ihre Fach- i kenntnisse, sondern auch Bprachen- \kenn-t ni s 8 e bewertet. Die einzelnen No- I ten dieser Qualifikationen werden durch den Amtsvorstand festgestellt und von den Quali- I fikationkommissionen begutachtet. Einem ' Teile der tschechischen Staatsangestellten, besonders jenen, welche im deutschen Gebiete Dienst versehen, werden in diesen Qualifikationen die. Kenntnisse der. deutschen Sprache bestätigt. Die Feststellung dieser Noten vollzieht ebenfalls der Amtsvorstand, ohne daß irgend eine amtliche Kommission vorher durch eine Ueberprüfung des zu Qualifizierenden sich von.dessen Kenntnissen überzeugen würde. Demgegenüber müssen sich die deutschen Staatsange- stellten einer Prüfung über ihre Kenntnisse aus der Staatssprache vor einer amtlichen Prüfungskommission unterziehen und in einzelnen staatlichen Ressorts verschaffen sich amtliche Organe immer wieder über den Fortschritt in der Staatssprache Gewißheit, so daß einzelne deutsche Sfaatsbedienstete nicht nur einmal, sondern bereits vier..bis achtmal geprüft wurden. Auch die deutsche Bevölkerung hat ein Anrecht darauf, daß die staatlichen Aemter mit ihr in deren Muttersprache, und zwar in verständlicher Form verhandeln. Seite 4 Sreitn'g,' 18.' 3uni 1937 Nr. 142 Die ErschieDung.des Kaisers Maximilian von Mexiko Am.19. Juni jährt sich zum 79. Male der Tag, an dem.der erste und.einzige.'.Kaiser von Mexiko, der, frühere Erzherzog Maximilian von Oesterreich, durch. Aufständische erschossen wurde.' ,■ Neue Hymne an den deutschen Wald Bei den Schneidern in den reich-deutschen.Kon« fekiiondbetrieben wird jetzt mit besonderer Begeisterung die Ersatzstoff-Produktion wie folgt besungen: AnS dem Wald kannst d« beziehen neben schiinen Vtelodien, Waldeblust und Jagdhornton, nun auch noch ditz Konfektion. Jugendlich soll'« Stoffe wirken Au» den sisberweißen Birken, Und der Schneider, den du hast, Macht den Anzug ohne Ast. Au» den Eschen und de« Kiefern Wird man künftig Kammgarn liefern, Ja, man zeigte schon mit Stolz llhediot auS Buchenholz. Roch grünt Laub an alle« Aeften Morgen sind» vielleicht schon Westen Oder Knickerbocker bald— „Wer hat dich, du schöner Wald?" Früher war das Kleid ans Seide, Heute ist'» v» Trauerweide. Drum sorge, daß du trocken bleibst, Damit du keine Wurzeln treibst. Bei einer UebungSfahrt auf der Staatsstraße zwischen PosttiZin und Veltrusy wurde der Soldat des Genieregiments W i l l e r t durch das Privatauto der Firina Shrovh aus Brandhs a. E., gelenkt von Josef Kundräd, schwer verletzt: Bruch des Kieferknochens, des rechten Schlüsselbeins und Rippenbruch. Willert wurde in das Präger Militärkrankenhaus übergesührt. Arbeiter verweigern Spitzeldienste.(JTF.) Der von der österreichischen katholischen Diktatur ernannte Bürgermeister der Stadt Linz hat für den 1. Mai aus den technischen Betrieben der Gemeinde Linz(Gas- und Elektrizitätswerk) 25 Beschäftigte auswählen lasten, die den Auftrag erhielten, alle allfälligen Aeußerungen, die bei der gelben„vaterländischen" Kundgebung am 1. Mai von den zum Spalier Befohlenen oder von der zuschauenden Zivilbevölkerung gemacht wurden, sofort der Polizei zu melden. Die 25 Auserwähl- ten haben wohl den aufgezwungenen Dienst übernommen, aber 24 haben nichts gemeldet, trotzdem das Publikum mit abfälligen Bemerkungen nicht sparte. Nur einer hat sich zu Spitzeldiensten hergegeben. Eine Stiftung der tschechoslowakischen Industrie. Anläßlich der Feiern zum 60. Geburtstag des Professors der Technischen Hochschule in Brünn Dr. E. Bcneö wurde über Anregung deS Oberdirektors Jng. Pokornh der Skodawerke von der tschechoslowakischen Maschinen-, Hütten- und elektrotechnischen Industrie eine Prof. List-Stiftung bei der Technischen Hochschule in Brünn gegründet. Aus der Stiftung sollen tüchtigen Studenten der tschechoslowakischen technischen Hochschulen Stipendien gewährt Iverden, damit sie sich besonders im Forschungswesen im Ausland vervollkommnen können. Der bisher bei der Anglobank erlegte und ihr angemeldeie Betrag überschreitet 699.099 Kö und es steht zu erwarten, daß er eine Million erreicht. Gespräch aus der EiSwelt. Mittwoch unterhielten sich die Teilnehmer der Expedition Schmidts radiolelephonisch aus Amderma mit ihren in Moskau versammelten Angehörigen, Freunden und Prestevertretern. Schmidt erzählte den Versammelten von den Schwierigkeiten des Starts auf der RudolfSinsel, wo der Schnee locker und klebrig geworden war, sowie von den Schwierigkeiten des Starts auf Amderma, wo der-.Flugplatz aus. einem schmalen Streifen, künstlich, aufaeschüttxten Schnees bestand. Wie Schmidt erklärte, hat die Expedition die Absicht, auf Amderma drei oder vier.Tage zu verbleiben, um die, Kufen der Flugzeuge gegen Räder aus- zusvechseln, welche der bereits in der Nähe, von Amderma- befindliche Eisbrecher„Sadko" mit- bringen soll. Die Expedition wird' sodann in. Archangelsk landen und gedenkt den 24. Juni in Moskau einzutreffen. Richt der Sarg der Betsera! In Pardubitz wurde mit Spannung die Lösung des Rätsels des geheimnisvollen Grabes erwartet, welches in diesen Tagen.in- Pardubikky entdeckt- wurde. Die Gerichtskommission stellte fest, daß die Leiche, tvelche 50 bis 60 Jahre in der Erde lag, von. einer Frau im Alter von 40 bis 50 Jahren stammt. Erhaltene Reste eines braunen Seidenkleides, ein Holzring-von einem Kranz, schwarze Handschuhe und ein vergoldetes Porzellankreuzchen- beweisen, daß sie vom Hochzeitstag der Verstorbenen stammen und daß sie aus keiner- Adelsfamilie, sondern aus dem Mittelstände ist. Es ist schade, daß der Totengräber beim Graben eines neuen Grabes den Sarg auf eigene Faust zerschlug, ohne die amtliche Bewilligung-abzuwarten und das Skelett in die Hälfte des Sarges zwängtet die in der Erde verblieb./ Darum wurden auch keine Spuren eines Schusses gefunden, weil die linke Schädelhälste zertrümmert war. Die kom- missionellen Erhebungen führten zu dem Ergebnis, daß es sich n ich t um die Ueberreste der Baronesse Vetsera handeln kann und daß alle Gerüchte, welche nach dem Auffinden deS Grabes äuftauch- ten, jeder Grundlage entbehre». Die rätselhafte Bestattung'der Leiche bei der Friedhofsmaiier in so geringer Tiefe kann damit.erklärt werden, daß dieser Sarg beiin Bau einer! steinernen Gruft hinderlich war und dann' auf diese. Weise beigesetzt wurde.■*• Konzert mit Stradiunri-Geige». In Cremona fand Mittwoch abends ein interessantes Konzert statt.'Fünfzig Musiker' spielten auf den berühmten Geigen, die' die Geigenbauer Stradivari und Quärneri hergestellt haben und die jetzt auf der internationalen Ausstellung für Saisen- Jnstrumente in Cremona ausgestellt werden, Aufgeführt wurden Kompositionen von Corelli, Bach, Bivaldi. und Boccherini.- Die Aufführung hatte einen großen Erfolg und bewies gleichzeitig, daß'die-Instrumente auch' nach zwei Jahrhunderten an, ihrer Tonschönheit nichts eingebüßi haben. Die Instrumente würden nach, dem Konzert- in die Ausstellüngssäle zurückgebrächt, wo sie in versiegelten Vitrinen aufbewahrt werden. Riesiger Waldbrand.. In der Umgebung von Bromberg- ist Mittwoch- ein- großer. Wald- brand ausgebrochen. In den Nachmittagöstun« den brannte bereits eine Waldfläche von sieben Kilometer Länge und zwei bis drei. Kilonieter Breite. In der Nacht zum Mittivoch gelang es den vereinigten-Anstrengungen-von Feuerwehr, und Militär, die brennende Waldfläche durch Gräben abzutrennen, so daß nunmehr die Hoffnung besteht, ein' Uebergreisen des. Feuers auf die anderen Waldungen zu- verhindern, 'Waldbrand auch in-Frankreich. Im La- Folie-Tal zwischen MartiqueS und Saustet les Pins brach, ein großer Brand aus, dem einige hundert Hektar Führenwald zum- Opfer fielen. Auch-einige Gebäude wurden eingeäschert. Verlegung der-'englischen Schiffahrt.'Verteidigungsminister In slip,-der am Dienstag .abends vor dem englischen, Flottenverband- sprach, betöstte in seiner Rede u. a. auch die im Kriegsfall, wahrscheinlich notwendige Verlegung der Schiffahrt. JnSkip erklärte,' es sei offensichtlich, daß die Häsen an der englischen Westküste weniger verwundbar seien als die Häsen an der. Ostküste. In-den Plänen zur Sicherung der Schiff«- fahrt sollten daher auch! Vorkehrungen getroffen werden, um die Schiffahrt-aus den Häfen der Ostküste nach denen der Westküste zu verlegen. Nachricht vom Nordpol.-Am- Dienstag um 29 Uhr 80 Minuten startete, die Nordpolexpedi- iion unter der Leitung. Schmidts von der Rudolf- iüsel nach'Amderma. Das Flugzeug Mäsuruss bleibt- auf' der Rudolfinsel während der- ganzen Zeit des Aufenthaltes der.vier Ueberwlnterer auf einer treibenden-Eisscholle zurück. Um-'28'Uhr 15 Minuten meldete-Schmidt,', daß'er-die Berge'von Novaja Semlja sichtete., „Erinnern Sie sich noch" des deutschen Nord- secbades Borkum? fragt-ein von der Nazi-Kur- verwaltung an' frühere Besucher versandter'Prospekt und berichtet swlz:s.',Äer Strand.steht,inl Zukunft unseren'Badegästen ohne Einschränkung zur Verfügung, weis Borkum ab 1087 sticht mehr mit-„Ktzpfi-durch-Freude"-Fahrten bedacht werden kann". Die seinen Herren-können ruhig wieder nach Borkum gehen, dort treffen sie keine Arbeiter niehA— Der Borkumer Kurdirektor war vorübergehend Reisebegleiter bei„Kraft, durch Freude".—„Erinnern Sie sich noch?"— Borkum war eines der ersten deutschen Bäder, besten Kurverwaltung auf Wunsch seiner„völkischen" Besucher erklärte, daß„Juden unerwünscht"' seien. Jetzt sind Arbeiter dort unerwünscht. Es läßt sich zwar nicht bestreiten, daß sie genau so „reinraffig" sind wie die, Volksgeuossen" mit der dicken Brieftasche, die das LuxnSbad besuchen, aber sie sind nun einmal keine seine Herren...' Der bellende Hundesänger- Eine Anzahl namhafter Bürger der schwedische» Hauptstadt haben der Stadtverwaltung von Stockholm eine Petition eingereicht, wonach rS dem städtischen Hundefänger verboten sein soll, in Hinkunft nachts zu bellen Man halte die» nicht für einen Witz: der Hundefänger hat wirklich ausgezeichnet Hundegebell nachgeahmt, und feine Aufgabe, ruhestörenden Lärm zu vermeiden, hat durch seinen Uckereifer gerade dazu geführt, haß die braven Bürger von Stockholm nicht schlafen können.-Denn es gibt in Stockholm außer der auch anderswo üblichen Bestimmung, daß man Hunde nicht unbeaufsichtigt herumlaufen lasten darf, weil sie sonst der Hundefänger schnappt, auch noch die, daß die Besitzer verpflichtet sind, dafür zu sorgen, daß ihre LiSbl-inge nacht» ruhig find. Der städtische Hundefänger hatte auch für die Durchführung dieser Verordnung zu sorgen, und er kam auf den Einfall, die Tiefe der Schlafes der Hunde dadurch festzustel- len/daß er laut bellend durch die Straßen zog. Gar mancher Hund erwachte und selbstverständlich antwortete er durch laute» Gebell, worauf der Hundefänger die Adresse de» Hause» notierte und am nächsten Tag ein Strafmandat hinschickte. Die Stock- holmer meinen mit Recht, daß diese Art von Hundeverfolgung nicht fair sei. Star-Hochzeit. Die Filmschauspielerin Jeanette MaeDonald feierte Mittwoch in Hollhwood ihre Hochzeit mit Gent R a>> m o n d. Unbeständiges Wetter- Hinter einer Druckstörung, welche nunmehr über den Karpathen liegt, ist kühlere ozeanische Luft beinahe über da» ganze Gebiet der Republik vorgedrungen. Namentlich in Mähren-Schlesien und in der Slowakei, wo die Re- genfälle Mittwoch und in der Nacht auf Mittwoch sehr ergiebig waren, regnet e» auch jetzt noch bei einer Temperatur von weniger als 15 Grad. Die erwähnte Störung beginnt sich bereits abzuschwächen, bei weiterem Zufluß kühler Luft au» Nordwesten dürfte jedoch die Besserung nur langsame Fortschritte machen.— Wahrscheinliche» Wetter Freitag: Bei nordwestlichem Winde noch.unbeständig. stellenweise Schauer, relativ kühl. Im Osten längerdauernde Regenfälle und weiterer Temperaturrückgang.— WetterauSslchten für Samstag: Allgemeiner Witterungscharakter'.noch nicht stabil. Im Karpathengebiet Neigung zu Schauer». Vom Rundfunk eMpWilaMwartu au» da« Proarammaai Samotag ,-•./• Prag, Sender I: 7.00: Morgenmusik, 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Tonfilmlieder, 11.05: Orchesterkonzert PSO, 12.10: Schallplatte», 15.00: Salonorchester Balian, 17.55: Deutsche Sendung: Sportvorschau, 18.00: Otto Heinl: Diagnose: Licke, Operette nach Herz, 19.15: Englische Tanzmusik.— Prag, Sender II: 14.10: Deutsche Sendung: Lieder von Veidl singt Ro»l Bilimek, 14.25: Schallplatte». 18.15: Salonorchester.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Bunte» Programm: Salon- und Jazzorchester, 21.05: Volkskonzert: Schubert, Mozart, Fibich, Grieg eie.— Preßburg: 10.15: Populärer Konzert. 19.55: Rundfunkorchesterkonzert.— Kascha«: 12.05: Schallplatte», 12.85: Rundfunkorchester: Fukik, Feig! I etc.— Mähr. Ostrau: 18.80: Opernfantasien. Spanische Lyrik Deutsche Nachdichtung von Max Barth Fernand» de Herrera(1584—1507): Den spanischen Soldaten Ihr habt den ungläubigen Türken, den Mohren geschlagen, den Briten besiegt, den grimmigen Schotten bezwungen, ihr habt den Deutschen mid den Franzosen niedergerungen, den Sieg in» versperrte Land de» Belgier» getragen. lieber die Engen, die zwischen Meeren die Brücke« schlagen, seid ihr kämpfend und siegend vorwärts gedrungen. Taten sind euer— aus herrlichem Mut entsprungen, wie Ihn der Himmel nie sai in vergangenen Tagen. O glückliche» Spanien, wahrlich, sie sind die Deinen, sie, der Ruhm des abendländischen Reiche«: deine Söhne, das zeigt der Glanz ihrer Taten. ES preist Rom die Tapferkeit der Seinen: keiner— nicht raubt mir die Licke da» Maß de» Bergleiche»— kommt unsern Mutigen gleich von seinen tapsten . Soldaten: Enrique de Mesa(1879—1929): August Die Sonne brennt. ES breitet da» Land sich. unrndlich und flach. Gerunzelt tausendfach .. gelbe Stoppelfelder, gespreitet... Frühling mit nährendem Regen, Asins Hagelfeei, In den Scheunen, Reih um, Reih,. türmt sich blonder Garben Segen. . Wie in RebeltNch geschlagen zieht Im Dunst der Hitze dort . langsam»nm nächste« Ort. -- ein knarrender Bauernwagen.• 1 In der Weite, gelblich und eben,./ sieht man ein riesig Geblld, eine Windmühlen»» dem Gesild.,- •' sich majestätisch erheben.''' Antoni» Machado(geb. 1875)'.' Dis Uhr Die Uhr schlug ztstölf,,, und.e» wgren zwölf SchlägederHacke in die'Erde,.. „Meine Stnnde!"' schrie ich.,.Da» Schweigen antNfortetemir:,,Fürchte dich nicht:,' du' wirst den letzten- Tropfen nicht fallen sehen, der imker' Waffernhr zittert?- Du wirst noch viele Stunden schlafen amalien-Uste,- und eines reisten,.lichten Morgen»,findest-du.- deine Barle am-andern Gestade angekettet."'.) Manuel Machad»(geb. 1874): Madrigal; Richt in der Rächt wird e» seist,- nicht in erhabener Sturmnacht, in der die Wellen zum Himmel schlagen.•. Deine kleine Barke wird bei Tag-scheitern, an einem-klaren,, Helle« Tag, wenn da» Meer heiter-lächelt. Sie«erden dich spielend töten. Da» Ist das Schicksal, da»- schreckliche Schicksal der Schwachen.-. Während herrlich dse Sonne--' z zum Zenith emporsteigt,-schön, wie immer. Manuel Machado(geb. 1874) .'.'S'dila'fdns.DH -„Kind, um au«znruhen, ,' mußt d« schlafe«:'- nicht, desiken,!- '! nicht, fühle«,---- - nicht teäumen- „Mutter, um aUSzuruhen:- stecken."-- Miguel de Unamuno:(4864—19y7)Iv''! >. Dst hebst mich empor,-kstftilische-Erde,'- > Du ,hebst mich empör,' kaftilischeErde,, '[ auf der furchigm Fläche deiner Hand,--"- , zum Himmel, der dich entflammt uvd dich erfrischt, .- zum Himmel, deineai HeepNi.' , Nervige« Land, trocksteb-, hingebreftese»,.'-''- -.- Mutter'der^,Herzen stich Arme, in dir gewinnt die Gegenwart alte Farbe« der edle» Vergangenheit. An den gewölbten Wiesengrund der Himmel» grenzen ringsum deine nackten Felder: Wiege bist du der Sonne«nd Grab der' Sonne «nd Ihr heiliger Tempel.- Ring»«« geschloffen ist deine runde Fläche, in dir schwing! jeder Wind sich auf zum Himmel; Lust der Gipfel ist'», die hier wir atmen, hier, auf dein« öden Feldern. Riestger Opferstein, kastilische Erde, hier ist deine Lust entsende ich«eine Lieder;', find deiner sie würdig, so, schwele« fie nieder zur au« der Höhe- Welt -» Jost del Ri» Stiin» (baskischer Dichter aus Santander)': Dia Töchter des Kapitäns Der Kapitän war Witwer, alt—.und feine drei Mädchen hatte er, drei junge, süße; und wen« der Dampfer ausfuhr, ,,l er feine' drei grelle« Pfiffe ab, al»«bschicksgrüße. Und vom Balkon, der auf. die Mole schaute, sähmsindle' Taschentücher Wehn. Dann schluckte der Alte, dem vor'seiner Rührung graute, und schrie herum«nd hustete«nd spuckte, ,' Dan» stack der Kapitän. Und fremde Scholle, i siel aus sch« Fleisch, da« abenteuertolle,' 1• da» wir ken Würmern da zmu Fräße bete«. UNd trauervoll und trostlos mußt' ich denken: nun werden un» die Töchter- dieses Totm «ie mehr da» Taschentuch zum Abschied fchwasist«, Rr. 142 Freitag, 18. Suni 1937 Seite» Die Ueberzeltarbelt Im vergangenen Jahr Nach dem zusammenfassenden Bericht des Sigtiftischen StaatsstmteS wurden von den Ge- Werbelnspelwraten und den politischen Behörden im Jahre 1988 insgesamt 882 Bewilligungen zur Ueberzeltarbelt an 868 Betriebe erteilt. Die Be- williglingen erstreckten sich auf 19.078 Arbeiter und die Zahl der bewilligten Ueberstunden betrug insgesamt 806.984. Den Hauptanteil daran hat die Textilindu- strie(886.822), ihr folgt die Metallindustrie (307.177), in großem Abstand dann die Beklei« dungs- und Schuhindustrie(40.688). Bon den einzelnen Ländern entfallen 684.858 bewilligte Ueberststnden auf Böhmen, 116.124 auf Mähren- Schlesien, auf die industriellen Betriebe in der Slotvakei 6760 und in Karpathorußland 1392. Die höchste Zahl von betvilligien Ueberstunden weist das Gewerbeinspeltorat in Karlsbad (108.780), erst dann folgt Prag(102.280). Seit dem Jahre 1986 hat sich die Zahl der bewilligten Ueberstunden mehr als verdoppelt. Es sichöli, wie angeführt, 807.000 Ueberstunden 318.000 im Jahre 1035 bewilligten gegenüber. In den Jahren seit 1980 wurde das Ausmaß der bewilligten Ueberzeitarbeit vor allem infolge der Bemühungen, des Fürsorgeministeriums und seiner strengen. Weisungen bedeutend eingeschränkt. ' Ihre Anzahl betrug ,im, Jahre 1930 noch fast, sechs Millionen; im. Jahre 1938 waren es schon weniger als ein Viertel und dieser Rückgang^sehtesich biö ins Jahr 1986 fort. Das schnelle Wachsen der Bewilligungen ist ein Zöschen— wenn auch kein erfreuliches-— der guten Beschäftigung großer Teile"der Industrie. Das tatsächliche Ueberzeitunwesen ist dabei durch dke Statistiken überhaupt nicht erfaßbar. Gelänge es den Aufsichtsbehörden aufzudecken, wieviel Mehrarbeit, und'zwar unbezahlter Mehrarbeit, den Arbeitern und Angestellten abgepreßt wird, weil die Arbeitgeber es lieber auf di« geringen Geldbußen änkömmen lassen als die notwendigen Arbeitskräfte einzustellen, käme viel klarer zum Ausdruck,-wie notwendig wicht nur im Interesse der direkt'. betroffenen Arbeiter, sondern auch im Interesse der auf Arbeit Wartenden die Verschärfung der Kontrolle auf diesem Gebiet und die Erhöhung der Strafen für die Uebertretung der Arbeitszeitvorschriften ist. Lohnbewegung der Metallarbeiter im Reichenberger Gebiet abgeschlossen . Erfolge des Internationalen Metallarbeiterverbandes Für die Mctallbetriebe des Rctchenberger Gebietes, soweit sie dem Deutschen Haupwerband der Industrie angehören, waren Forderungen nach Lohnerhöhung eingebracht worden; die Verhandlungen, die der Internationale Metallarbeiterverband in Komotau gemeinsam mit dem Prager Verband" führte, konnten nach zweimaligen sehr schwierigen Beratungen zu einem Abschluß gebracht werden. Angesichts der schwierigen Verhältnisse im Reichenberger Gebiet wurde dort di« Lohnerhöhung nicht direkt auf die Stundenlöhne oder in Form, einer Stunden-Hellerzulage erreicht, sondern als Lohnerhöhung von Prozenten in der Fo,rm von fünf Raten festgesetzt. Dabei wurde noch vereinbart, daß im August eine neuerlich« Verhandlung über die Erhöhung der Raten um ein Viertel stattfinden soll, wobei damit zu rechnen ist, daß diese Erhöhung erreicht wird, so daß di«, Lohnaufbesserung dann acht Prozent betragen wird. Diese Art von Lohnerhöhungen muhse auch deshalb lmgenommen,)oerdW?, theil M. auch 4st. andern Betrieben und Branchen Anwendung ge- fundcn hat. ,Di« Arbeiterschaft war mit dem Ergebnis einverstanden, der Vertrag wurde bis zum 1. Juni 1938 verlängert. Für-die Eisenwerke in Sandanj di« ebenfalls zum Reichenherger BertragSgebiet gehören, wurde «ine eigene Forderung eingebracht. ES gelang für die Arbeiterschaft dieses Betriebs Verbesserungen gegenüber dem Reichenberger Abschluß zu etzielcn. Die Annahme durch die Arbeiter erfolgte, einstimmig. Auch bei dieser Lohnbewegung hat es sich gezeigt, daß der Betrieb, in dem die Arbeiterschaft einheitlich und geschloffen organisiert ist, ohne Opfer für die Arbeiter ein besseres Ergebnis erreichen kann. Tsthe«hosl«ngialvar,.eine.Erhöhung der Zölle-zwischen diesen sieben Staaten zu verhindern.. Das Abkommen, ist jedoch auf dem Papier geblieben und zwar des- ivepen, weil wohl die Zölle nicht erhöht wurden, aber einige" Teilnehmer"der Konventton wie Belgien, Luxemburg, Holland und Dänemark die I Einfuhr durch Kontingente drosselten; so daß das .ganze Osloer Abkommen entwertet wurde. Am '28. Mas 1987 ist«s nun in Haag zu einer neuen Vepsiupgrung dieser sieben, Staaten gekommen, wozu auch Holländisch-Jndien kam und di« in- dieser sofern besser ist als jene in Oslo, von 1980: weil sie sich nicht nur auf die Höhe der Zölle, sondern auch auf die Kontingente erstreckt. Es wird darin klar ausgesprochen, daß die einzelnen Staaten die Zölle von bestimmten in der Vereinbarung aufgezählten Waren nicht erhöhen, noch irgend welche Einfuhrkontingente für diese Waren festsehen. Die Vereinbarung von Haag tritt am 1. Juli in Kraft und es ist auch anderen Staaten der Beilritt offen gelassen. Es taucht nun die Frage auf, wie sich die Tschechoslowakei handelspolitisch zum Abkommen von Haag stellen und ob sie nicht den Beitritt erwägen soll. Aktuell wird diese.Frage dadurch, daß, wie der letzte„Economist" meldet, Holland die Vorteile, welche cs den Signataren der Haager Konvention gewährt hat, auch Groß-Britannien und Deutschland zu aewähren bereit ist. Dadurch könnte, wenn der holländische Vorgang allgemein und von den übrigen Signatarstaaten des Haager Abkommens nachgeahmt würde, die Tschechoslowakei geschädigt werden. Es ist also dringend notwendig, daß sich die Regierung mit Frage befasse. Man erhält für k« 100 Reichsmark 733.— Markmünzest. 775.— 100 österreichische Schilling. 531— 100 rumänische Lei......" . 16.97 100 Polnische Zloty....1 . 545.50 100 ungarische" Pengö..•. .' 578.50 100 Schweizer Franken. 656.50 100 französische Francs. .-7 127.45 1 englisches Pfund... 140.75 1 amerikanischer^Dollar 28.60 100 italienische Lire... 187.40 160 holländische Gulden... . 157,7^ 10t) jugoslawische Dinare 65.80 100 Belga».;..'. 484.— 100 dänische Kronen.. . 031.-^ 100 schwedische Kronen'.'. he .' 729.— 1 Zuwachs an Personenautos Die Entwicklung des.Automobilismus..ko«. West W" düt'ch deit Z u w a ch's ik'tt’n'eit« n P. t p>. s one»wagen erfaßt wird,, schreitet heuer."günstiger fort alS in den vorhergehenden fünf Jahren, für welche dieser Zuwachs bisher ermittelt wurden im April insgesamt. 1295 neue(d. s. unmittelbar vom Fabriklager oder von den Verkaufsstellen gelieferte bzw. gekaufte) Personenwagen in'Umlauf gesetzt, d. i. um 262 Wagen mehr als Im gleichen Monat des Vorjahres(plus 24 Prozent) und um 606 Wagen mehr alsim April 1984(plus 88 Prozent).' Vor Lohnkampf in Proßnitz? Die Arbeiter in der Proßnitzer. Konfektionsindustrie'fordern Teuerungszulagen von IO7—20 Prozent. Die Arbeitgeber haben, diese Forderung i befastntlich mit dem Hinweis! darauf'Ägelehntl daß die bisher bestehenden Kolleltivverträge unkündbar seien. Daraufhin haben nunmehr die Arbeiter, rund 20.000, ihre Forderungen neuerlich" in eineri ultimativen Resolution den Arbeitgebern vorgelegt: Falls, nicht Verhandlungen über" die schwebenden Lohnfragen" angesetzt werden, droht«in großer Streik in den Proßnitzer Kleiderfabriken. Die Förderung in den Revieren Brüx, Kö- motau und Teplitz betrug im Mai 958.000 Toni neis gegenüber 1*089.000 TöngeN im April und" 802:000 Tonnen- stn Borjahrsmat. Obwohl die Förderung im Mai um,131.000 Tonnen gesunken ist, ist der Vorrat um 81.000 auf 624.000 Tonntn gestiegen: Im Vorjahr betrugen diese 696.000"Tonnen. Bei einer f Belegschaft von 20.706 wurden 391.0ÖO, Schichten verfahren und 154.000 Schichtest versäumt.,,— Im Mäh» rlsch-Ostrau-Karwiner Gebiet ist im Mat,die Förderung gegenüber dem, April Usn. 78.8M,Tonnen(7.7 Prozent), von" 1,020.709 auf 941.000 Tonnen gesunken. Gegenüber,dem Mai:1986 ist die Förderung um 8L6.000 Tonnen größere Die Kokserzeugung einschließlich der Eisenwerk«' in Tkinec und Wltköwitz ist im Vergleich zum April um 18.900.auf,"268.000 Tonnen gestiegen"(7.6 Prozent), d., i>.gegenüber Mai 1936 um.122.900 Tonnen....... Die Zahl der landwirtschaftlichen Ausgleiche beträgt seit" der Wirksamkeit der Verordnung 10.159. Die Aktiven betrugen. 657 Millionen, die Passwen 1845 Millionen Kronen. In 293 Fällen waren jedoch dieAktive» größer als die Passiven, Die gesamte Ueberschuldung bei. den landwirtschaftlichen Ausgleichen beträgt 696 Millionen Kronen: Die, Zahl der Ausgleiche und Konkurses"Lm Mai wurden 81 Ausgleichsverfahren eingeleitet (im Vorjahr 82), bei welchen, ein«. Ueberschul- dung um 19.8 Millionen(7 Mill.) besteht. Di« Zahl der Konkurse betrug 56(52): Die Ucber- schuldung betrug 6.1 Millionen(1.1 Millionen) Kronen. AusschuB-SItzung dos Internationalen Gewerkschaftsbundes Die alljährliche Sitzung des Ausschusses des Jiiiernationälen Gcwerlschaftsbundcs wird dieses Jahr vom 80. Juni bis 3. Juli in Warschau ab- gehalien. Dieser Sitzung wird diesmal ganz besondere Beachtung entgegengebracht werden, da die RechenschästSablegung über die internationale Gewerkschaftsaktion der letzten zwölf Monate erfolgt, die in ganz besonderem Maße durch wichtige soziale und wirtschaftliche Ereignisse sowie durch politische Vorgänge von historischer Tragweite gekennzeichnet sind. CS ist deshalb nicht verwunderlich, daß di« Beteiligung an dieser Tagung weit zahlreicher und repräsentativer sein wird, als bei früheren Tagungen. Auf der Tagesordnung stehen fast alle Fragen, mit denen sich auch die öffentliche Meinung beschäftigt. Nach der Eröffnungsrede, die der Vorsitzende des Internationalen Gewerkschaftsbundes,, Walter M. Eitrine halten und die eine Zusammenfassung darstellcn wird, und nach der Erledigung einer Reihe interner und verwaltungsmäßiger Fragen behandeü der Ausschuß in großer Debatte die drei folgenden wichtigen Tagesordnungspunkte: Die Lage in Spanien, die Hilfsaktion des JGB und der SAJ; Die 40-Stunden-Woche und ihre allgemeine Verwirklichung, die Aktion in Gens und die direkte GewerkschastSaktion in den verschiedenen Ländern; Aktion gegen Krieg und Faschismus, die Nationalisierung der Rüstungsindustrie als Vorstufe der Abrüstung. ... Dieser kurze. Abriß über die großen Probleme bkdimendfwr'Akbaalität, mit denen sich die Warschauer Tagung besaßt, genügt zweifellos, uni die Bedeutung dieser Beratungen und der sich daraus ergebenden Beschlüsse der Vertreter der internationalen Gewerkschaftsbewegung zu unterstreichen. De BroukGre über Spanien Der Brüsseler„P e u p l c" bringt in seiner Mittwoch-Nummer an leitender Stelle einen Spanien-Artikel Louis de Brockörcs, des V 0 r- sitzenden der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. De Brouckire übt scharfeKritik an den letztenBeschlüs- scn der Nichteinmischungs-Kommission, weil nun zwar etwa die Sicherheit der„Deutschland" erhöht wurde, nicht aber die Sicherheit der Handelsschiffe, denen die„Deutschland" begegnen werde,, oder aber die Sicherheit der spanischen Küsten-Städte. Der englische Plan bietet dem legitimen Handel keinen Schutz gegen die Seeräubereien der Rebellen-Schiffe und gegen die freibeuternden italienischen und deutschen Fahrzeuge. Durch nichts sei einer Wiederholung der schweren Zwischenfälle vorgebaut, in. nichts Wesentlichem sei die Situation verbessert, so daß die Gefahr von schweren, friedcnsjbedrohenden Verwicklungen so akut sei wie eh und je. Was Bilbao anlangt, könne man, auch wenn man die Tragweite seines eventuellen Falles nicht überschätze, doch nicht ohne" tiefe Erschütterung an das Los der dort, eingeschlossenen zwei, oder dreihunderttausend Menschen denken, für das die Nationen des Westens kollektive Mitverantwortung tragen. Die Aktion der Regierungen habe die" Verteidigung Bilbaos, erschwert, die Blockade ermöglicht. Da trotz alledem der Endsieg" der spanischen Republik nicht zweifelhaft sein könne, führe sich die Nichtintervention ad absurdum. Di«. Diplomaten, die dafür verantwortkich sind und die mit dem raschen Sieg« Francos rechnetest; haben sich getäuscht, weil sie stur in Kanonen Und materiellen Kräften zü.denken gewohnt sind und a u.f d i e m 0 r a l i s ch e n Kräfte v e r g a ß e n. Was die Völler hindert, die Nichtintervention anzuerkennen, ist nicht nur der Umstand, daß diese die Rebellen besser behandelt, als die Republikaner, sondern daß sie di« Kämpfenden iii-eine Art Arena einschließt, um Ihrem Rin- gen wie einem ungeheuerlichen Schauspiel'zuzusehen. Das Mindeste, was,man verlangen müßte, wavei dstß keine Beihilfe" zum"Verbrechen, geleistet' werd«, daß. vielmehr der Vöstsregierung allo .Möglichkeiten, geboten,werden müßten, um sich zu Shirley Temple in ihrem ncucstcn Film„Die Prinzessin aus der Vorstadt". verteidigen.„Wenn sich Europa mitschuldig macht oder auch nur gleichgültig bleibt, wenn cs keine Anstrengung macht, um das internationale Recht wieder hcrznstcllen und für die Aufrechterhaltung der demokratischen Spielregeln zu sorgen, lvenn unter diesen Umständen Spanien unters Joch gebeugt wird, dann würden alle anderen Völler ihre Freiheit bedroht sehen. Und deshalb werden sic jene nicht vernichten lassen, die als Vorposten die gemeinsame Sache verteidigen!" Moskauer Autoindustrie lahmgelegt? London. Der Selbstmord des Präsidenten der weißrussischen Republik Eervjakov und die Verhaftung hervorragender ukrainischer Faktoren, des früheren Präsidenten G 0 l e tz, des Exekutiv-Volkskommissars Kalnanoviä, B e n e k und D i a k 0 w, die Verhaftung. der Mitglieder der fernöstlichen und zentralruffischcn Exekutive Kruteff und Larin haben den Erörterungen der englischen Presse über die Vorgänge in Rußland wieder neue Nahrung gegeben. Router erfährt aus Moskau, daß die Autoindustrie praktisch, wie man annimmt, unter dem Einfluß dieser Ereignisse zum Stillstand gclom- men ist. In den Stalinwerken in Moskau und in den Molotow-Werkcn in Gorkij ist in den letzten Tagen weder ein Personen- noch ein Lastkraftwagen fcrtiggestellt worden.„Morning Post" will wissen,, daß das Ansehen Woroschilows im Strigcst'beäriffest Ist."""" Bor einer Einigung der sozialistischen Parteien SlnmänienS. Seit Wochen werden zwischen den drei sozialistischen Parteien RumäniciiS Verhandlungen geführt, mit dem Ziele, eine Vereinigung aller drei Gruppen zu erreichen. Diese Verhandlungen dürften zum Teil erfolgreich sein. Die unter Führung P 0 p 0 v i c i stehende Gruppe hat sich von deit Verhandlungen zurückgezogen. Klostergiiter werden Musterfarmen. Das bulgarische Landwirtschaftsministerium hat den Beschluß gefaßt, auf allen noch bestehenden Klo- stcrgütern Musterlandwirt schäften zu-errichten. Aufstand in China. Nach chinesischen Blättermeldungen greift die Aufstandsbewegung der Bevölkerung in den Provinzen Schahar und Dschehol immer mehr um sich. An einigen Ortschaften der Gegend von Schunglikujan ist es zwischen den Aufständischen und den mandschurischen Avteilun- gcn zu Zusammenstößen gekommen. Schacht in Wien. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wurde Donnerstag vormittags vom Bundespräsidenten Millas in Audienz empfangen. Anschließend daran empfing Bundeskanzler Dr. Schuschnigg den Rcichsbanlpräsidentc». Razi-„Wisscnschaft" unbeliebt. Äuf die Einladung der Universität Güttingen, die 200-Jahr- Feier dieser Hochschule zu beschicken, teilte die Basler Universität mit, daß die Beteiligung aus gleichen Gründen nicht in Frage komme, die seinerzeit bei der Heidelberger Jubiläumsfeier Geltung hatten. Für die Gärung in Portugal sind folgende Nachrichten.charakteristisch. In der Granaienfabrik bon Labrcgqs wurde» olle Werkmeister und sämtliche Arbeiter verhaftet, unter der Beschuldigung, Sabotageakte begangen zu haben. Sie hatten dadurch gegen die Hilfe protestieren wollen, die die portugiesische Regierung den spanischen Aufständischen zuteil werden läßt. Die Arbeit mußte solange eingestellt werden, bis die Belegschaft auSgetauscht ist.— Eine Kompagnie Matrosen meuterte, weil sie von den Offizieren angehallen worden war, unter den Klängen der Hymne der spanischen Aufständischen zu defilieren. Sie erhielten sämtlich 20 Tlrge Arrest. Bei dem Abtransport nach der Feswng, in der die Strafe verbüßt lverden soll, kam es zuKur.dgebungcn anderer Matrosen, die sich mit den Häftlingen solidarisierten.—" Weiter wird, gemesdet, daß sich in Alemteno Bauern mit Gewall tem Abtransport von Lastwagen, die mit Früchten"und Lebensmitteln beladen und für Franco bestimmt waren, widersetzten. Sie erklärten, daß durch die fortgesetzten Sendungen in di« spanische Ausständischenzone in ihrem Gebiet sich bereits«in fühlbarer Mangel bemerkbar mache. Mehrere hundert Bauern wurden verhaftet und im Fort Duque gefangen gesetzt, Veit» 6 .Sozialdemokrat' Freit»,, 18. Sunt 1937. Nr. 14? Aaqee AlKmq Selbstmord bei ter Kündigung. Gestern mittag» erschoß sieh in' seinem Laden in Nnsle Nr. 248 der 62sährige Kaufmann Wenzel T u t t e r. Er hatte von seinem Hausherrn die gerichtliche Kündigung erhalten und versuchte sich während der Exekution mit seiner Jagdflinie in der Wohnung, zu erschießen; als er daran gehindert wurde, eilte er in seinen Laden und jayte sich dort aus einer Repetierpiswle eine Kugel durchs Hirn. Er war auf der Stelle tot. Die Leiche wurde in- Institut Nr gerichtliche Medizin gebracht;, die Zwangsvollstreckung wurde nach dem Unglücksfall eingestellt. Redakteur vergiftet sich. Der 58jährige ehemalige Redakteur Arnold Guth aus Prag I.. Brenntegaffe Nr. 21, erschien in der Nacht auf gestern auf der Polizeiwachstube in Prag H. und gab an, daß er von den Mordbiumtabletten, die er zur Beruhigung seiner Magenschmerzcn vorgeschrieben halte, eine größere Dosis in selbstmörderischer Absicht genommen habe. Er wurde auf die Klinik Hhnek gebracht.■— Der 88jährige Bankbeamte Karl K o m ä r e k nahm vorgestern abends in seiner Wohnung in Prag-Weinberge in selbstmörderischer Absicht eine größere Menge Hlitrophen, wurde von seiner Frau in bewußtlosem Zustand gefunden und auf die Klinik Htznck gebracht. Motiv der Tat sind häusliche Zerwürfnisse. Fünfjähriges Kind überfahren. Gestern nachmittags lief in einer Biegung der Fochstraße der fünfjährige Georg K l o k o i n i k, der Sohn eines Gärtners-aus Straschnitz, dem Auio P—8081 der Chauffeurs Jaroslav Kloszar in die Fahrbahn. Er wurde zu Bvdeü- geworfen und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung sowie, eine Rißwunde am Scheitele.wahrscheinlich auch innere Verlebungen. Das Kind' wurde von, gleichen Wagen ins Weinberger Krankenhaus gebracht. Zündkapsel reißt drei Finger ab. Gestern mittags sand der 84jährige arbeitS- und wohnungslose Invalide Josef M a d k r a in einem Wald bei Hlou- bistin«ine alt« Zündkapsel, auf die er mit einem Stein zu schlagen begann.. Hiebei explodierte die Zündkapsel und riß Madira drei Finger der linken Hand ab. Ter Bcrledte wurde auf die Klinik Schlof» fcr gebracht, wo er verbunden wurde. Arbeitsunfall. Dem 87jährigen Zimmermann Bohumil H r u b Ü aus Podol geriet gestern früh auf dem ZiZkover Lastbahnhof beim Ausladen von Balken auf einen Wagen die linke Hand zwischen einen Balken und die Waggonwand und wurde zer» onctscht. Er wurde inS Weinberger Krankenhaus gebracht. Die Gewerbliche Fortbildungsschule des Deutschen HandwerkervevetneS in Prag besteht au» einer ztueillassigen allgemein-gewerblichen Fortbildungsschule für Lehrknaben und Lehrmädchen gewerblicher Berufe und aus einer zweiklassigen gastgewerblichen Fortbildungsschule für Lehrknaben der Gast- und KasfeehauSgewerbeS. Einschreibungen im Selretariat des Deutschen Handwerkervereiner in Prag II, Sineikv 22, 1. Stock,' in der Zeit vom 18. August bis 81. August, an Wochentagen von 10—1 und 8—6 Uhr. Tauer des Schuljahres: 1. September bis Ende Juni.— Im Lehrlingsheim des Deutschen Handwerkcrvcreines finden nach Maßgabe des vorhandenen Raumes, Knaben Aufnahme, die in Prag bei einem Gewerbetreibende» in der Lehre stehen. Tas Lehrlingsheim gewährt seinen Zöglinge» unentgeltliche Unterkunft mit Beheizung, Beleuchtung und wöchentlich einem warmen Brausebad. Die Ausnahme ist an die Bedingung geknüpft, daß der Lehrling eine der gewerblichen Fortbildungsschulen des Deuischen HandtverkervereincS besucht.— Der Lehrlingshort beim Deutschen Handwerkervcrein hält unter pädagogischer Leitung regelmäßige Zusammenkünfte an Sonntag-Nachmittagen zwecks geistiger Fortbildung und körperlicher Ertiichtigung der Lehrlinge ab. AnSflugszüge der tschechoslowakischen Staatsbahnen: 10. bis 20. Juni Exkursion in die Hohe Tatra, Xi 660.—; 10. bis 80. Juni Karpathoruß- land. XL 680.—; 20. Juni Hlubokä; XL 79.—..Alle diese Züge sind gesichert. 28. bis 20. Juni Südböhmen, XL 210.—. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon Nr. 888/85. ßertektssaat Arbeitertod Prag.—rb— Ein schweres ArbcitSunglück ereignete sich am 12. April im Schlaner Betriebe der Firma„Konstruktiva". Der Schießmeister Beit C e r n ü beorderte den ihm unterstellten Arbeiter Josef A n i i, sich in einen 26 Meter tiefen Brunnenschacht hinabzulassen und nachzusehen, ob der auf der Brunnensohle montierte Saugkorb in gutem Zustande sei. Zum Hinablaffen bediente man sich einer Winde, über di««in Seil lief, daS bereits seit einigen Jahren in Verwendung stand und also schon ziemlich abgenützt war. Kaum war Josef Anis etwa drei Meter unter dem Rand de« Brunnenschachtes. als das Seil riß und der Unglücklich« über zwanzig Meter tief abstürzte. Sein. Körper' wurde vollständig zerschmettert. Veit Eernij wurde wegen des Vergehens gegen di« Sicherheit des Lebens »»geklagt. Wie sich bei der Verhandlung ergab, hat er tatsächlich die Ihm obliegende Pflicht zur Beaufsichtigung der Gerätschaften verabsäumt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten im Sinne der Anklage zu vier.Monaten strengen. Arrestes, bedingt auf. drei Jahre. Tod einer 79Jdhrisen unter dem Auto elnee Komikers Prag.—rb— Der 84jährige Komiker des Thl» Theaters FandaMräzek stand gestern vor dem Strafsenat de» GR. Dr. Studnivka unter Anklage des Vergehens-»egen die Sicherheit des Leben». Am.26. März um halb 8 Uhr abends, bog er mit seinem Auto au» der Reßlova kommend auf den Riegerkat in der Richtung, zum Nationaltheater ein.' Als'er einem in die gleiche Richtung von der Mäneibrücke her einbiegenden Lastwagen auswich, wobei er weit in'die rechte Straßenseite fuhr, erfaßte der von-ihm gelenkte Wagen di«'79jährige Franziska Kopecktj, die von dem zwölfjährigen Schulknaben Jaroslav Dernäöck über die Straßenkreuzung geführt wurde. In der augenblicklichen Ratlosigkeit angesichts des plötzlich auftauchenden Autor wollten die Greisin und ihr junger Begleiter nach verschiedenen Seiten ausweichen und so zerrten sie sich mitten auf der Straße hin und her. bi» der Wagen die alte Frau erfaßte, sieben Meter schleifte und schließlich überfuhr und tötete. Der Junge sprang im letzten Moment zur Seite. Der angeklagte Schauspieler verteidigte sich damit, daß die Frau ihm direkt in den Wagen gelaufen sei. außerdem sei der Wagen auf dem feuchten Asphalt in» Gleiten gekommen. Er gab aber zu, mit etwa 80 Stundenkilometern gefahren zu sein, welche Geschwindigkeit die Anklageschrift als unzulässig an einer gefährlichen KreuzungSstelle bezeichnet. Die Verhandlung wurde vertagt. Zehn Jahre vermeintlicher Vater eines unterschobenen Kindes Prag.—rb— Einen ungewöhnlichen Prozeß hatte dar Prager Zivilgericht zu verhandeln, vor welchem ein Privatbeamier die. Klage auf Aberkennung der Vaterschaft eines heute achtjährigen Knaben eingebracht hatte, der bis dahin als der eheliche Sohn de» Kläger» gegolten hatte. Wie sich bei der Verhandlung ergab, hatte der Kläger vor zwölf Jahren geheiratet.. Er war eine ausgesprochene Liebesheirat gewesen und beide Eheleute, namentlich aber der Mann sehnten sich sehr nach einem Kinde. Diese Sehnsucht blieb indeffcssn geraume Zeit unbefriedigt, bis schließlich die Frau im Frühjahr 1928 ihrem Gatten erklärte, sie fühle sich Mutter-' Jin November jene» Jahre» begab sie sich in die Pflege einer, gewissen GeburiSassisteutin und. al» sie nach einigen Tagen wieder Heimkehrte, brachte sie dem hocherfreuten Gatten' ein' neugeborene»-Kind. Die Eheleute waren zunächst sehr glücklich, doch hatte diese» Glück keinen Bestand. Im Laufe der Zeit entfremdeten sich die Gatten einander immer mehr und mehr und ließen sich-schließlich scheiden, worauf sich beide nach vollzogener Ehetrennung neu verheirateten. DaS Kind wurde der Mutter zugesprochen und soll bei seinem Stiefvater, der geistig nicht normal gewesen sein soll, eine sehr harte Kindheit verlebt haben, da er häufig.grundlos mißhandelt und einmal sogar an seinem Leben bedroht wurde. Nun ist der bedauernswerte Knabe auch um seinen Vaier gekommen. Der geschiedene Gatte jener Frau, der schon lange Zeit den Verdacht gehegt-hatte, daß da» Kind nicht von ihm sei, gelangte in den Besitz von Beweisstücken, die eindeutig bewiesen, daß sein« gewesene Frau die Schwangerschaft untz Gehurt bloß vorgetäuscht und mit Hilfe jener Gebürtsässistentin ein fremder Kind unterschoben hatte, den Knaben einer ledigen Arbeiterin, die gleichfalls bei jener Hebamme in Pflege stand und sich leicht dazu Überreden ließ, ihr Kind, das ihr nur zur Last ,war, der Frau abzutreten. Die Verhandlung endete damit, daß der Klage auf Aberkennung der Vaterschaft stattgegeben wurde. Gleichzeitig beschloß der Richter GR. Dr. Möbwald, die Akten der Staatsanwaltschaft abzntreten, um die Erhebungen gegen die an dieser Mtzstifikatiön beteiligten Personen ein- zuleiti":. lümst tuid Wte&en „Vom neuen Musikleben" Walter Seidl krönt sein im„Pr. Tgbl." veröffentlichtes„Tagebuch einer Deutschlau d r e i s e" nunmehr mit einem Bericht„B» m neuen Musikleben". Man erfährt da, daß der Präsident der Reichsmusiftammer. Peter R a a- b e, ein sehr vernünftiger- Mann sei und zum Beweise dessen zittert Seidl mehrere Stellen einer 1986 erschienenen Schrift dieses Raabe, der lehrt: nur besinnliche Menschen sind gute Musikhörer; die Kinder sollen Musik lernen; die Musikerziehung soll nicht durch Ueberbeanspruchung der Jugendlichen in voli- tischen Organisationen gefährdet werden: die Grund- bedingung für alles geistig« Schäften ist die Freiheit; wertvolle Kunst gab es in Deuftchland auch schon vor-Hitler; ohne Ritterlichkeit gibt e» keine ktultur. Man sehe also, schreibt Seidl, daß im künUert» scheu Leben dt» Dritten Reiche» nicht nur orthodoxe Parteibürokraten, sondern auch ausrechte Menschen in guter Richtung am Werke sind. Seidl verzeichnet weiter drei Wasen de» reichsdeutschen Musikleben» seit 1988: Die erste, gekennzeichnet durch, die Ausschaltung der jüdischen oder politisch belasteten Künstler, schuf im Opern» und Konzertie- trieb«ine chaotische Ilmsturzsituation. Die zweite Phase brachte eine Bo hkottreaktion zahlreicher ausländischer Künstler von-Weltgeltung(z. B. Torcanini», Casals' u. s. f.). Deutschland versucht, ohne diese großen. Namen auszukommen. Die dritte Phase ist die gegenwärtige, gekennzeichnet durch eine gewisse äußere Beruhigung, durch daS Wiederheränziehen einzelner Kräfte, di« vorerst in Acht und Bann getan, worden waren,— demgegenüber auch durch ein allmähliche» Wiederkehren prominenter- ausländischer - Künstler(Eörtot, Mengelberg, u. s. f.) als regelmäßige Mäste in di« Konzertsäle des Reichl. Zum Schluß spricht Seidl' bi« Hoffnung aus, daß di« ftchechoslowakftch-(und sudetendeutsch-) reichsdeutschen Kultutbeziehungen sich verstärken -werden.....-■....■ Wir versuchten, obwohl natürlich nur auf einen Auszug bedacht, hier nicht«ine wesentlich« Feststellung Seidls zu Übergehen,, weil wir unser« Leser instandsehen wollten, währheltSgemäß und überzeugt wie-wir die Frage, daß Seidl mit seinem Aussatz eine zulängliche Vorstellung vom ,^n e u e n Musi k l e b e'n" in Deuftchland gegeben hätte, zu verneinen. Herr Raabe mag ein vernünftiger, sogar auch ein mutiger Mann sein. Aber können ein paar .Zitate au» seiner Schrift Ausschluß geben, über die Praxis- der ReichSmüflkkammer und über- da» wirkliche„neue Musikleben-"'?' Seidl verliert,nicht'«i n Wort'über, die alten'.ode'r neuen Werke,'die'derzeit in Deuftchlqnd auf der Oprrnbühne, im'Konzcrtsaal oder iM Rundfunk gespielt-ober-nicht gespiell werden; er nennt nicht einen-deuft^en Musiker- Nümen; er fagt nicht» über den reproduktiven Wert irgendwelcher Ausführung, i unternimmt, nicht' den «leisesten Versuch, die vorhitterianische. Vergangenheit mit dem-Jetzt zu vergleichen. Und da» soll einen Be- griff vom„neuen'Musikleben" geben? .'-" Wie-sieht jetzt da» Repertoire der deutschen 'OperghMien äuS?. Ist eS wertvoller als da» in der WdjMarer, Zeit? Sind die aübübenden Musiker, die DsrigeNten vor allem,; die aus dem Reich'gejagt wurden, durch Gleichwertige ersetzt worden? Ueber all -da» weiß Walter Seidl nicht» zu berichten..Phase I: die'Juden sind draußen; Phase II: man: versucht ohne die ToScaninis zu leben;' Phase III: man..beruhigt" sich und sucht sogar den Mengelberg wieder heranzuziehen /der aber nicht kam, weil er ohne die jÜdisKn. Mitglieder seine» Orchester» nicht reist, mit .ihnen aher.nlchtj.ins,„neue Musikleben". darf!). -'-Walter Seidl schreibt, nicht, wa» in Deutschland i st; nicht zu verwundern also; daß er mit dem Hinweis aus die„erst« Phase",<>'» Bezugsbedingung e-n: Bet Zustellung ins Hau» oder bei Bezug durch die Poft monatlich XL 18,^> vierteljährlich XL 48.--^ halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL^92-.— Inserate werden laut- Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Prei»nachlaß.— Rückstellung von Manuftripten erfolgt nur bei.Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSftankatur wurde von der Polt- und Lele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.8VV/VII/1980 bewilligt,— Druck-rei:„Orbis", Druck«: Verlags- und Z«ttung»-A.-G. Prag. ■"•••••>••■-...■'- 3-;4