Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik :< Erscheint mit Ausnahme de» Montag tSglich frith/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redatteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang, Dienstag, 22.Juni 1937 Aus dem Inhalt: Der Fall Heger wird totgeschwiegen Die freien Gewerkschaften gegen d|e Angriffe auf die Arbeitslosen Die 40-Stunden-Woche vor der Internationalen Arbeitskonferenz Eine Woche der Noväks Im Rundfunk Nr. 145 Rücktritt des Kabinetts Blum Der Konflikt mit dem Senat die Ursache Der Radlkalsozlallst Chautemps mit der Regierungsbildung beauftragt Paris. In der Nacht auf Montag lehnte der Senat mit 168 gegen 08 Stimmen die von Senator Perrier namenS der Linksparteien, neu formulierte Kompromißformel über die Finanzermächtignng an di« Regierung ab und nahm lediglich den vom Finanzausschuß vorgefchla» genen Tert an, den die Regierung als unzulässig bezeichnet hatte. Ministerpräsident Blum berief daraufhin sofort die Vertreter der parlamentarischen Mehr« heitSgruppen zu einer Beratung zusammen, nach deren Abschluß daS Kabinett Blum Montag um 2.25 Uhr seine Demission gab. Ministerpräsident Blum erklärte den Vertretern der Prester„Die Regierung hat die durch die Entscheidung deS Senats in Angelegenheit deS An trages Perrier geschaffene Situation geprüft und sich entschlosten, z« demissionieren, trotzdem ihr die Kammer daS Vertrauen ausgesprochen hat."' Alle» denen, welche sich ist» ganzm Lande in der Volksfront znsannnenfanden, senden wir die Auffordernng, völlige Ruhe und Kaltblütigkeit zu bewahren. Wir fordern alle unsere Freunde In ganz Frank reich auf, diese Weisung zu befolgen und»nS dadurch einen neuen Beweis ihres Vertrauens zn geben. Roch In der Rächt hatte Präsident Lebrun mit dem Vorsitzenden deS Senats Ieanne» n e» und dem Vorsitzenden der Kammer H e r r i o t, sowie mit dem bisherigen Staatsminister ChautmpS, einem radikal-sozialistischen Senator, Unterredungen. Schon um 7.30 Uhr früh wurde Camille Chautemps offiziell mit der Bildung der neuen Regierung betraut. Die Nachricht von dem Rücktritt der Regierung wnrde in Paris erst durch die letzten Aus gaben der Morgrnblätter gegen 7 Uhr früh verbreitet. Die Bevölkerung hat durchwegs der Auf forderung deS znrückgetretenn Ministerpräsidenten Blum, Ruhe zu bewahren, Folge geleistet und nirgends auf den Straßen ist eine Spur von Unruhe zu bemerken. Die Mehrzahl der Ge schäfte war übrigens am Montag mit Rücksicht auf die Geltung der 40-Stunden-Woche ge» schlossen, eine Menge Pariser weilte außerhalb der Hauptstadt. England hat die Komödie satt? ' Scharfe Sprache Lord Plymouths ■ Im NIchtelnmischungsaiisschuB Londo n. In der Subkommission des RichteinmlschungSauSschusteS erklärte Montag gegen Abend der Ausschußvorsitzende Lord Plymouth«. a.: Di« britische Regierungsei auf daSschwerste darüber enttäuscht, daß trotz dem vereinbarten Abkommen und trotz den ausgedehnten organisatorischen Maßnahmen, beide kriegführenden Parteien in.Spanien.weiterhin ungeheure Mengen von Kriegsmaterial und Waffe». erhalten. Dl« britisch« Regierung ist der Meinung, daß man ntchtzulassen kann, daß. dieser Stand der Dinge auch.weiterhin andauert, wenn sich der Bestand des RichteinmischungsansschNsseS als berechtigt erweisen und seine bisherige Tätigkeit nicht überfl ii s s i g erscheinen soll. Jede Regierung müsse ihre Bemühungen aüf ihrem, eigenen Territorium verstärken, damit die von ihr übernommenen Berpfllchsungen strikt ekngehalten und der ursprüngliche Zweck deS NichteinmischungSauS- schuffeS den Konflikt in Spanien zn isolieren, ohne Aufschub verwirklicht werde. Di«, britische Regierung wünscht, daß sobald alS möglich mit der Evakuierung wenigstens einer begrenzten Zahl der Angehörigen der fremden Rationen begonnen werde. Der Vertreter' der Sowjetunion erklärte hierauf, die sowjetrussische Regierung beantrage, daß di« Evakuierung der. Fremden aus Spanien kon tro ll i e r t werde, damit auch die Märol- kanet unter. fle kalten.:..... j. Rach einem Meinungsaustausch werden, die Vorschläge von Lotd. Plymouth allen beteiligten .Regierungen mit dem Ersuchen vorgelegt werden, möglichst schnell ihren Standpunkt bekannt- zugeben. Am Tage des Rücktritts: Wahlsieg Uber Doriot Paris. Bei den ErgänzungSwahlen in den Stadtrat. der Pariser Borstadt Saint DeniS, wo seit Jahren JacqueS D o r i o t, der ehemalige Kommunist und jetzige Borsitzende der oppositionellen Bolkspartei, welcher kürzlich, vom Innen« Minister seines Amtes als Bürgermeister entho- hen worden war, Bürgermeister gewesen ist, siegte di« Kandidatenliste der Volksfront über die Kan- didatenlifte Dorlots.- Dir Kandidatenliste der Volksfront erzielte 10.500 Stimmen, während DoriotS Kandidatenliste nur 7.000 Stimmen auf sich zu vereinige» vermochte. Infolge dieses Mißerfolges in seinem Bezirk teilte JacqueS Doriot mit, daß er auch sein »»geordnete»mandat znrückleg«. ' Chiutemps ; Die Persönlichkeit Chautemps wird an allen LinfSstellen mit Z u.st i m m u h g ausgenommen. Er wird ÄS' geschlickter. Taktiker angesehen,' der in der Kammer, von'der äußersten Linken Lis zum Zentrum Pettranen genießt. Als Senator istcr.auchim SenatPopusar:.Ass StaakSminister, der. in her Regierung Blum die rqdikalsozlalistj« schePartei vertritt.ariff er einigeinale erfolgreich MschWrige Bcrhandlungen hauptsächlich sozialen ChgrakterS Mschen tsrSeitern'und Arbeitgebern .eln< Der Verlauf der Krise war folgender: Rach Mitternacht auf Sonntag nahm die Kammer den vom Senat abgelehnten Negierungsentwurf über die Finanzvollmachten für die Regierung im gleichen Wortlaut'und mit demselben Stimmenverhältnis l8äS gegen 218) wie am Mittwoch an. Roch am. Pormittägtlegki'die Reglilrückg"dem SettStlile Red' giekungsvorläge zur neuerlichen BSratüNK vor. Inzwischen versammelte sich um 11 Uhr im Parlament eine Delegation' der parlamentarischen LinkSklubS; Abg. EhampiNi schlug ein« Kompromißlösung vor, wonach der Regierung in Zollangelegenheiten die Kontrolle der fremden Devisen untersagt und einige Maßnahmen gemäß den Intentionen des Senats aus der Ermächtigung ausgenommen werden sollten. Die Bolksfront-Delega» tion nahm diesen Antrag an und auch die Regierung machte sich ihn zueigen und legte ihn um IS Uhr dem SenatSplemim vor. Der Senat vertagte sich bis 18 Uhr, damit der Finanzausschuß den neuen Text prüfen könne. Der Finanzausschuß erklärte jedoch auch diesen Tert für u n a n n e h m- bar. Eine. Unterredung der Berichterstatters mit dem Finanzminister brachte keine Klärung. Der Finanzausschuß arbeitete nun einen neuen Tet aus, der zwar auf den Kompromißantrag der Regierung Rücksicht nahm, dennoch aber die Mehrheit der Einschränkungen der Vollmacht, die der Senat schon beschlossen hatte, neuerdings rezipierte. Dieser Text wurde vom Ausschuß mit 12:5 Stimmen angenommen. .. In der Nachtsitzung der Senates begründete der Berichterstatter der Finanzausschusses, Garden. den neuen Text des Bollmachtencntwurscr. Finanzminister Vincent Aurlol erklärte, daß-er diesem Entwurf der Finanzausschusses der Senates seine Zustimmung nicht erteilen könne. Senator Perrier legte sodann in. der"Form einer Abänderungsantrages den Entwurf der Dele- gation der Linkrklubr der Kammer vor. . Ministerpräsident Leon Blum forderte den -Senat auf, dies«» Tert anzunehmenr.„Ich will", sägte er,„zu Ihnen wir ein Politiker bei einer politischen Versammlung sprechen. Ob Sie wollen »der nicht wollen, wir sind ein« Regierung der . Volksfront und die.Senatsmehrheit ist keine Mehr- heil der Volksfront. Unsere Regierung» es itzt. jedechdaS u n» er- .m intz« r t eB e r t ra u e nder B r völ- ' krrung«nd hauptsächlich der arbeite n d e n® ch i ch t en.' Sie wird auch von der iiitrrnätiänalen Oeffentlichkelt respektiert. Ich blickt mit Stelz auf das Werk, welches wir in - dem einen Jahre unseres Bestehens geleistet ha- . ten. JnSbesandere habm wir das Werk der Sozialgesetzgebung würdig auSgebaut. Wir haben auch in de» Kolonien, gute Reformen.durchgeführt«nd erwarten nunmehr, in Ruhe Ihr ■ Urteil"! - Räch einer kurze» Replik C ä i l I a u x. der er- klärtc. daß der' Senat sich dem-Fortschritt nicht ücr- jschliehe,'in FinänzangelegenheiteN jedoch keine Improvisationen zulasse» werde, ließ dhe, Senatspräsident über- den Abänderungsantrag. -Perrier--abstimmen, welcher mit der-bereits ein». gangr-./ZtpiMeten Mehrheit.vvn 1S8'gegen. 98 Stimmen"abgelehnt wurde. Hierauf'nahm-der Senat mit. größerer Mehrheit den Text-des Finanzausschusses an. Line erklürung der Soriallsten D i e-s o z i a l i ft i s ch e P a r l a« m t u t Sg r u p p e versammelte sich nach Bi- -----enLtguE der-KäMmersihung^:ilnd nahm- ein« nillttg folgende Resolution an: In dem Augenblicke, da' das ganze Land dnrch seine Abstimmung der Regierung sein Vertraue» erklärt, lehnt sich die Senntsmehrheit gegen diese allgemein« Volksabstimmung auf. Die Regierung und die republikanische Mehrheit haben alle» getan, um die Krise zu verhüten. In ihrer Konzilianz gingen sie bis zur äußersten Grenze. Der Senat hat eS jedoch vorgczogen, das Sprachrohr für die Drohungen aller jenen zu sein, He sich bisher mit dem Volkswillen nicht abfin- den konnten. Di« reaktionären K!räste, gegen die sich dasLand im Mai vergan.grnen JahreS ausgesprochen hat haben im Senat« neuerlich Verständnis gefunden, ebenso wie vor-zwölf Jahren, da am 12. April 1925 die Senattzmehrheit die erst« Regierung deS Volkskartells stürzt«, an deren Spitze Hrrriot stand. ? Im letzten Jahre hat die Regierung, die sich .aus. eine Irene Mehrheit stützte, mit Zähigkeit ifsid Entschlossenheit das Arbeitsrecht ausgearbei» tet und den Frieden bewahrt. Die sozialistische Gruppe gibt der einmütigen Meinung der arbeitenden Klassen Ausdruck, wenn sie ihre A n e r< ktznnung und Bewunderung über die. Energie ausspricht, die die Regierung Blum dem Dienste an den großen Interessen der Ration lpidmete. Heute ebenso, wie gestern verbleibt die «nannte Gruppe all e n j e ne« Ber< p fl i ch t u n g e n t r«n, die von den Gruppen der Mehrheit gemeinsam. übernommen wurden. Die sozialistische Gruppe ist entschlossen, alleS zur Sicherung des SiegeS der vom ganzen Staat gut- geheißenen Ideen und Programme, und.zur Zü- lüchtemachung der Absichten und Hoffnungen älter ri'äywnären Elemente zu unternehmen. Der designierte Ministerpräsident Eamille Chautemps referierte Montag nach 19 Uhr dem Präsidenten der Republik über die Ergebnisse jÄiser Besprechungen mit den politischen Führern. Journalisten gegenüber erklärte Chautemps sodann, er hasse, das neue Kabinett Diens t a g v'd r m i t t a g s fertigstellen zu können. Montag nachmittags hatte Chautemps eine flttterredung mit. kommunistischen.Deputierten, welche" ihm bestätigten,' daß di« Kommunisten be- reit sinh, ohne in- die Regierung einzutrete», ein« Volk Sfr o» t- Negierung'auch Weiterhin^»u-nnter'stü-tze-n^ fall- sie Die Regierung Leon Blum hat de» Jahrestag ihres Antrittes nur um vierzehn Tage überlebt; ein Mann verläßt das Steuerrad, auf den die ganze Welt mit Interesse, die Demokratie mit Stzmpathie, geblickt haben, die Sozialdemokratie stolz den ihren nennt und weiter nennen wird, denn solch ein Staatsmann wie der zurück« getretene Regierungschef wird auch lveiterhin ein« Rolle splelsnund sine politische Kräft sein. Es ist das Kennzeichnende an dein Regierungswechsel,.der sich.in.Frankreich vollzieht, daß der Ministerpräsident"das Vertrauen"der auf Grund des gleichen Wahlrechtes gewählten Kammer nicht verloren hat. Selten hat eine'französische Regierung-eine so feste Parlamentsmehrheit hinter sich gehabt wie es diejenige Leon Blums gewesen ist. Aber.mehr noch: niemals seit 1918 hat eiNe-Regicrung so fest im Volke gewarz.'lt wie diese,, sie hat-nicht nur das Vertrauen der Kammermehrheit'genossen, sondern das Vertrauen der Mehrheit-des-französischen Volkes.und insbesondere seiner arbeitenden Klassen, Nicht in der offenen Feldschlacht der Kämmer, sondern gleichsam hinterrücks im Senat, der in indirekten Wahlen gewählt wird und kein wahres Bild des Volkswillens ist, hat die Reaktion, welche feit langem auf diesen: Augenblick gelvartet hat, die Regierung zn Falle gebracht. Es liegt an den französischen Volksmassen ihre Meinung, darüber zu sagen, daß eine'Körpcrschaft, welche sich nicht auf die Mehrheit der Bevölkerung stützt, der freigewählten Kammer ihren Willen aufzwingcn kann. ,;Jch blicke mit Stolz auf das Werk, welches wir in-dem einen Jahre unseres Bestehens geleistet haben", so hat Blum in seiner letzten Siede vor dem Senat gesagt. Er hat das- mit vollem Recht behauptet, denn sein Kabinett war eine der erfolgreichsten Regierungen/, welche Frankreich je besessen hat, eine Regierung, deren Politik ein ruhmvolles Blatt in der. Geschichte eines ruhmreichen Landes und einer großen Nation ans« füllt. Am ersten Jahrestag der Regierung hat in einer Volkskundgcbnng itn.Pariser. Lnnapark' der Innenminister Max Dormotz gesagt:»Wir haben nicht die soziale Revolution bringen- können, laber was wir- leisteten-,.-hat. uns dennoch an die-Spitze der zivilisierten Welt gestellt" und der langjährige daS semeinsame Bolksfrontprogramm einhalten werdp. Eine dreigliedrige Kommission, der sozialistischen Deputierten mit dem zurückgetretenen FI- nanzministrr Auetal' an der Spitze, besprach mit Chautemps verschiedene Einzelheiten der Zusammenarbeit im neuen Kabinett, trpf jedoch keine En tschrIdnng, sondern überliest diese der DienStag stattfindenden Beratung des PräsidiutnS. der sozialistischen Partei.. Die Sozialisten- bestehen gleichfalls auf der Bedingung, däß die künftige Regierung daS Volksfrontprogramm erfülle. WWWWNWWWWWWWW Inlichsldung dar Sozialisten«rat Mut« Seite 2 DienStng, 22. Juni 1937 «r.'.HSA Sekretär der französischen sozialistischen Partei, Paul Faure, rief unter dem brausenden Beisal seiner Zuhörer aus, das; im ersten Viertel der Wahlperiode der 1980 gewählten Kammer bereits 7S Prozent des RegierungSprogrammS erfüllt wurden. Der Beifall kam von den arbeitenden Massen, die Muhten, das; vor allem die Forde« rungen der sozial Schlvachen verwirklicht wurden und dies mit einem Tempo, das in der Geschichte der Sozialpolitik einzig dasteht. Lohnerhöhungen, Kollektivvcrträge, BciriebSvertretung, Urlaube, Bierzigstundenwoche— jede Einzelheit selbst genug, sich für die arbeitenden Klassen verdient gemacht zu haben. AuS einem sozialpolitisch rück» ständigen Land ist Frankreich— gleichsam über Nacht— ein soziales Vorbild für Europa gewor» den. Wer Leon Blum hat, wie alle großen Poll« tiker der Arbeiterklasse, nicht nur für die arbeitenden Klassen sondern für das französische Volk und di« Republik Großes geleistet. Er hat ein enges Einvernehmen mit England hergestellt, wie es seit dem Ende des Weltkrieges zwischen den zwei,Ländern nicht geherrscht hat, hat so die Demokratie und den Frieden gestärkt und der europäischen Menschheit einen unschätzbaren Dienst geleistet. Er hat sich auch um die tschecho- slowakischc Demokratie verdient gemacht— er Hut Frankreichs Stellung i n Mitteleuropa gestärkt, unvergessen bleibt ihm die Botschaft, die er im Mai dem Parteitag der tschechischen Sozialdemokratie übersandt hat:„Wenn die Tschechoslowakei militärisch überfallen würde, so würde Frank« reich so handeln, als ob es selbst überfallen worden wäre". Mögen das auch jene beachten, die es angeht, jene, welche den Rücktritt Blums mit Schadenfreude betrachten, weil er Demokrat und Sozialist ist. Die staatsmännische Kunst Blums hat alle Schwierigkeiten zu überwinden vermocht, die aus der parteipolitischen Zusammensetzung seiner Mehrheit hervorgegangen sind, er hat mit Geschick und» Geduld, Einsicht und Tatkraft die drei großen Parteien der Linken stets auf ein« politische Linie gebracht— trotz der zahlreichen Rebellionen insbesondere der Kommunisten. Was die Regierung zu Fall gebracht hat, war die die Interessen des Staates und Volkes nicht achtende Mi- nierarbeit des Grohkapiials, da» nicht vor Kapi- ialslucht ins Ausland und Untergrabung der Währung zurückgeschreckt ist. Gerade jene Kreise, welche sich als Nationalisten auSgeben, haben hier wirtschaftlichen Hochverrat begangen, der nicht ander» zu beurteilen ist, al» politischer Landesverrat, In der kapitalistischen Gesellschaft, insbesondere im Zeitalter der Großbanken, Jndu- striekonzerne und Wirtschaftsmonopole- verfügt eine, kleine Anzahl von Grobkapitalisten über eine Macht, die Volk und Staat in schwere wirtschaftliche Gefahren bringen kann, wenn die kapitalistischen Machthaber: so. rücksichtslos, sind,, auch vor einer Katastrophe nicht zurückzuschreckcn. DaS ist eine Lehre, welche die soziale Demokratie anS der Geschichte der letzten Jahre nicht zum erstenmale zieht. DaS französische Volk wird auch die Lehre auS der RegierungSzeit Löon Blums ziehen. Seine Arbeiter sind politisch und wirtschaftlich stark ge- lvorden, die Sozialdemokratie hat sich als eine fruchtbringende politische Kraft erwiesen. Nichts in der Geschichte geschieht vergebens, am aller» wenigsten eine erfolgreiche politische Methode uns die ruhmreiche Arbeit eines großen demokratischen und sozialistischen Staatsmannes. An« In Bilbao wird noch gekMmpft Santander. Der Zivilgouverneur von Santander bestreitet kategorisch, datz Bilbao von den Aufständischen zur Gänze besetzt wurde. Er erklärt, datz die. Regierungstruppen auf dein rechten Ufer des Flusses Rervton heftigen Widerstand leisten. Der Korrespondent de»»Daily Telegraph" berichtet seinem Blatt, datz die.Ueiergale.Bilbao» an die Franco-Truppen hauptsächlich dem Ein- wirken d«S Stadtkommandanten Agiuitar» zuzuschreiben ist, der—«in Invalide, der kaum gehen kann>— sich für die Waffenstreckung ein- setzte und persönlich, so gut er konnte, die einzelnen Bertoidiger.Kontingente aufgesucht habe, um fie zur lieber gäbe der'Stadt zu veranlassen. tiert auch den Frieden, und wa» den Frieden garantiert, garantiert auch die Gleichheit. Wenn ich diesen Grundsätzen auch noch den Gnndfatz der Gere ch t i g k e i t, auf welchem die internationale Ordnung basieren nmß. hinzufilge, dann habe ich damit bereit» den Weg gekeMizeichnet, den wir gehen müssen und den wir gehen werden, um in Mitteleuropa da» Mißverständnis und de» Hatz unter bau Böllern durch dir Borständigung ,» ersetzen. Nach Dr. HodZa sprach namens der Familie Jokais der ehemalige ungarische Finanzminister H e g e d ü 8. Minister Zalltek gegen SdP und gegen reichsdeutsche Lügen Brüx, Am 20:-Juni fand in Brüx eine öffentliche Kundgebung der DCB statt, iw der Minister Zajiöek u. a.ausführte: Der bedeutende Rückgang der Arbeitslosigkeit ist nicht nur auf die Weltkonjunktur und auf die Rüstungen, sondern nicht zuletzt auf bic Maßnahmen der Regierung zurückzuführen. Der Minister lehnte sodann die Angriffe der SdP gegen die deutschen aktivistischen Parteien ab und sagte: Während des Weltkrieges hatte Dr. Kramäk alle sein« Hoffnungen aus Rußland gesetzt. Masaryk hingegen erwartet« die Hilfe von» Westen. Wäre das tschechische Volk den Weisungen des Abg. Krainät gefolgt, dann wäre die Tschechoslowakei wahrscheinlich gar nicht gegründet wovden. Hat ihn das tschechische Volk deswegen, weil er nicht die richtige Taktik vorgeschla- deütsche Verständigung als Mittel zu einer europäischen Befriedungspolitik besürwortet. DaS an sich noch jung« Vertrauen in die wachsende Be- retüoilligkeit Deutschlands, zu einer Berständi- gung mit England und über England mit dein Kontinent zu gelangen, hat durch die Absage «inen Stotz erlitten. I» Londoner diplomatischen und politischen Kreisen glaubt'man, in der s r a n z ö s i s ch e n Regierungskrise und in der Eroberung Bilbaos den Hauptgrund für den Berliner. MeinungSumschwung erblicken zu dürfe«. Ma« Meint, datz Deutschland nunmehr der Ansicht sei» datz eS in einer'.später«» Fühlungnahme«in« bessere Position erringen könnte als gegenwärtig. Kein spanisches U-Boot war auf hoher See Balenöia, Das NationalverteidigungS- ministerium hat folgende Erklärung veröffentlicht: Zu der Note, welche der deutsche Botschafter dr»« britischen Autzmministerium wegen des vermeintlichen Angriffes auf den deutschen Kreuzer ,,L e i p z i g" überreichte, erklärte daS Natioiml» verteidigungSnttnisteriun», datz sowohl am 15. als auch am 18. Juni in den in der deutschen i Note angegebenen Stunden alle Unterseeboote, welche sich Ihn Dienste der spanischen Regierung befinden, in'ähren Häfen waren, Die Deutsche Gewervepartei kandidiert• selbständig. In einer in Prag stattgefundenen,, ans allen Gebieten beschickten Reichskönferesiz der Deutschen Gewerbepariei stellte, wie. der DND meldet, der Parieivorsitzcnde Striege l einen.erfreulichen Fortgang der Ocganisations-. arbeit fest. Nach einem Referat des Geschäfts- führers Nowak über die Gemeindewahlen und einer eingehenden Aussprache wurde der Beschluß gefaßt,. bei den kommenden GemeindeNaurath! Betuch in London abgesagt Der„Lelpxlg“-Zwlschenfall als Vorwand Berlin. DaS Deutsche NachritWnbüro meldet: Da die Lagt, dir durch dir wieder-' holten rotspanisch«»« Attentate auf deutsche'Kriegsschiffe entstanden. ist, dir..Abwesenheit drS ReichSministerS des Auswärtigen' von Beilin nicht gestattet, ist Sonntag deu« hiesigen britischen Botschafter mitgeteilt worden, datz der geplan te Besuch deS Freiherr« von Neurath in London verschoben werden mutz. AuS Berliner Preffestimmen läßt sich ent nehmen, daß man auf' deutscher Seite über Eng land ziemlich verstimmt ist, und zwar nicht nur wegen der unzureichenden Unterstützung der deut schen Wünsche nach einer gemeinsamen Altton im Fall deS Kreuzers„L e i p z i g", sondern auch wegen England» Einflußnahme auf die Balkan staaten. Die„Berliner Börsenzeitung" schreibt, der Reichsaußenminister habe sich auf seiner Bal lanreise ein Urteil über die Rolle des englischen EinslusieS in diesem Interessenbereich machen können, die in den letzten Monaten recht undurch sichtig gewesen sei und den Verdacht rechtfertig«, als wollte England in den Spuren Barthou» wandeln und die Donaustaaten für ein politisches Spiel gewinüen, dessen Spitze gegen das Deuische Reich und gegen Italien ge richtet sein müßte. London schwer verstimmt London.(Tsch. P.-B.) Die Absage deS Besuches deS reichSdrutschen AutzenministrrS Frei herr» v. Reurath hat in London«ine mit einer gewissen Enttäuschung verbünde««», nicht u u> erhebliche Berstiinmung hervor gerufen, von der sich daS Verhältnis London-Ber lin kaum so bald befreien wird. Diese Berstim- mung scheint sowohl sachlich. alS auch persönlich zu sein, da die Absage vielfach als eine Art Brüskierung Cham ber l a i n S aufgefatzt wird, der eine englisch- , de Broucköre zurückgetreten Genf.(HavaS.) deBrouckbre, der Vorsitzende der Sozialistischen ArbriteriNternatto- nale und Delegierte bei d« Internationale« Arbeitskonferenz» sandte dem BottzugSäuSschutz der International« ein Schreibet» mit der Mitteilung, datz er auf den Borsitz resignier«. Der Ballzugs- auSschutz der Sozialistischen Arbetterinternati», nale tritt am Freitag zusammen. BiS zu dieser Zeit lehnt de Bronckire jede Erklärung ans alle Frag««'der Journalisten betreffend die Beweg, gründe seiner Demission ab. Dr. Hodia In Komorn „Den Haß In Mitteleuropa durch die Versündigung ersetzen...” - Komorn. Am Sonntag wurde hier in Wesenheit de» Ministerpräsidenten Dr. HodZa der Grundstein zu dem Denkmal des berühmten un garischen Schriftstellers MaurusJokai ge legt. Dr. HodZa wurde bei seinem Eintreffen feierlich begrüßt und in das ungarische Kultur haus geleitet. Bei der feierlichen Grundstein legung hielt Dr. HodZa in ungarischer Sprache eine dreivicrtelftü»«dige Ansprache, in der er das Werk Jokais würdigte. Jokai fei dauernd ein lebendiger' Zeuge dafür. daß da» nationale Selbstbeivutztsein mit der Zusam menarbeit per Völler nicht unvereinbar sei- Jokai und Petöfi bedeuteten im Jahre 1818 für die da- »nalige ungarische nationale Ideologie im wesentli chen dasselbe, wa» Ludevit Stiir für die flowakische und Karel Havliäek Borovskh sür die tschechische natio nale Ideologie bedeuteten. Da» FrühlingSertvachen unserer Nationen, sagte Dr. HodZa. ist au» ein und derselben Grundlage und au» dem gl«ichcn Gefühl' erwachsen. Warum sollten wir es heute leugnen, da sich die Seelen langsam bereit» von der Herrschaft der alten Vorurteile zu befreien beginnen, warum sollten wir da» heute nicht sagen, wenn wir alle im ganzen Dsnaubecken c» fühlen und wissen, daß«S genug Mißverständnisse unter den Böllern gab. Ich sage nichts Reue«, wenn ich betone, datz wir die Gewähr dr» Frieden» mit dem Grund- sah« der Gleichheit in Uebäreinfttummug bringen WWWWU. »vollen. Was die Gleichheit garantiert, das garan- l gen hatte, Volksverräter genannt? Keinem Tsche-1 Wahlen mit eigener Liste aufzutreten. chen ist dies eingefallen. Hinter seinem, Sarge marschierte in aufrichtiger Trauer die gesamte tschechische Nation. Bei unS Sudetendeutschen wird die„Volksgemeinschaft" anders verständen. Wer wie wir, für das Boll, erfolgreich arbeitet, wird, als Volksverräter beschimpft. Wir werden vor dem Terror nicht kapitulieren.„Volksverrat" heißt: Arbeit für unser Voll. Letzten Endes werden die VollSverräter ihrem Volle mehr nützen als jene, die unser armes Boll mit Versprechungen und Terminen sättigen wollen.— Der Minister besprach auch die Behauptungen der reichsdeutschen Presse, der reichsdeutsche Staatsangehörige Bruno Weigel sei in tsche»' choslowakischen Gefängnissen gemartert worden. Obwohl amtlich festgestellt wurde, daß diese Be- hauptungen erfunden sind,, sprach dennoch der Deutschlandscnder von den in der Tschechoslowakei üblichen Polizeimaßnähmen und von einem, unerhört grausamen Verhalte»« der tschechischen- Behörden. Dazu haben wir zu sagen: Solche Barbareien mögen anderswo -v.o r k omm e n, nicht abs^r bxiunS. Mir'müssen^ uns gegen solches Päuschalverdächiiguugen nicht nur deSwegcir wenden, weil sie von A bis Z falsch sind, sondern vor allem deshalb, weil durch fasche Nachrichten der Böllerfriede nicht gefördert wird. Hegerkösigs Tochter Roman von Otto Stösst COPYRIGHT BY SATURN- VERLAG, WIEN Aus dem Sihungssnal der ethnographischen Gesellschaft zu Wien trat ein kleiner, etwa» unler- setzter, aber'recht beweglicher Herr, lvischlc mit allen Zeichen von Erschöpfung und Mißvergnügen den Schlvciß von der Stirne und blickte ratlos und bekümmert um sich, bis er eine» Diener bemerkte, der sich an einem Tische des dämmerigen Vorzimmer» mit einem großen Einschreibcbuch zu schaffen machte und im stillen den Fremden beobachtete, ohne eine Annäherung zu versuchen. Endlich redete der Herr, der in seinem ichwarzei» Rock sich nicht eben wohl z»l fühlen schien, den Diener an. Er hatte kaum dei» Mund ausgemacht, als das erfahrene Faktotum sofort den Tschechen erkannte, der sich trotz sorgfältigerer Sprachbildung doch verriet. Rasch tvar ein Gespräch im Gange. Der Fremde schüttete in einer Stunde dein freundlichen nnd behaglichen Manne sein Herz aus, so daß dieser bald alles Wünschenswerte w»»ßte. Ist' doch der Diener einer solchen gelehrten Gesellschaft oft genug in dec glücklichen Lage, die umfänglichen Kenntnisse seiner Herren in einer verringerten, aber für den täglichen Gebra»»ch tauglichere»« Form init einer gewissen irdischen Gewai»dtheit und Lebcnsllugheit zu verbinden, welche die Ergebnisse der Forschung auszunützeu weiß. Auch hat er Zeit, alles anzuhören und mitzubesprechen, Gänge zu machen, für sich und seine Dienstgeber zu sorgen, kurz die Würde der Weisheit mit dem gemeinen Leben zu versöhnen und daS Ansehen der gelehrten Gesellschaft in der Welt zu hebe». Um eine ähnliche Aufgabe handelte es sich in diesem Falle. Der Herr Doktor Hefty hatte sich dem Präsidenten der hochangesehenen'wissenschaftlichen Körperschaft vorgestellt, um dessen Unterstützung zu erbitten. Er wollte nämlich einen Bor- irag über seine Reisen in Süd« und Zentralafrika halten, eine Ausstellung der mitgebrachten Objekte inS Werk setzen, kurz im österreichischen Paterlande möglichst wirkfam die Ergebnisse seiner mühevollen Wanderjahre bekannt machen und dadurch sür seine engere Heimat Böhmen, als deren treuer Sohn er ausgczogen und rückgekehrt war, Ehre einlcgen. Al» diese Geschichte sich zutrug, Ivar seine große Nation im österreichischen Reiche noch verhältnismäßig klein und noch lange nicht nach Gebühr anerkannt und gewürdigt. Jeder ihrer Söhne strebte damals auf einem anderen Gebiete,, sich im großen Wettstreite aller Völker umzutun, al» kleiner ei»«z«lner nach seiner Weife sich bemerkbar machen, um seine HeiMat zu An- fehen und Geltung zu bringen. Damals, in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, mußte jeder Tscheche noch einen besonderen Widerstand überwinden. In seiner Bildung, in allen Wissensgebieten.von deutscher Schule und,Leistung abhängig und bestimmt, war jeder auch an die Macht der uniwohnenden deutschen Gesellfchaft gewiesen, wenn er sich behaupten und Anwert finden wollte. Und hier mußte er wieder sein von der Nationalität unabhängige», der Allgemeinheit zugcdachte» Wissen sozusagen gegen seine Stammesart durchsetzen, denn diese, belastete ihn von vornherein mit einem gewissen Mißtrauen., Herr Doktor Hefty bekam eben eine Probe davoi« zu spüren. Er hatte dem hochansehnlichen Präsidenten der ethnographischen Gefellschasti einem k. k. Hofrat und, Professor der Erdkunde an der Wiener Univevsttät, einem Reichsdeutschen und stolz national gesinnten Manne seine Pläne vorgetragen, nicht ohne die unleugbare, aber unwillkürlich« Betonung feiner. tschechischen Abkunft.. Freilich bediente er sich der deütfchen Sprache, aber mit Schwierigkeit, so daß er, ohnehin kein Rtdner, ver legen, des Umganges mit gesellschaftlich hervorragenden Leuten entwöhnt, kaum imstande war, auch nur sein Anliegen ordentlich vorzubringen, geschweige denn seine Vorzüge, seine merlwürdigen Erlebnisse, seine eigenartigen Erkenntnisse, die tausend Schwierigkeiien, die er als Forscher überwunden, die Errungenschastcn, die er als einzelner auf eigene Faust und Gefahr ertvirkt, ins rechte Licht zu setzen. Und dieser Mensch wollte In einer deutschen Stadt, ii« einer altberühnucn deutschen Gesellschaft, vor einem deutsche»» Publilm»« von namhaftesten Gelehrten, einen Vortrag haltenl Das konnte nur«iiiweder ein Schwindler fein, den» es ic.it seiner Sache nicht ernst war, oder ein Napr, den man mit äußerster Vorsicht behandeln mußte. Auf keinen Fall aber durfte man ihn nohneweiters zulasscn und aufnehmen. Mochte er sehen, wie er auch hier allein sich zurechtfände, der PereiN war nicht dazu da, sein Opfer zu werden und' sich z'üm Gefpött zu machen. Darum wies ihn der Präsi-' deut mit höflichen Worten'an den Herrn Dieter, der,.ihn gewiß in der Durchführung der geplanten Ausstellung wirksam unterstützen würde, während, für einen Vortrag augenblicklich kein Raum im durchausbesetzten Programme ftei sei. So wandte sich denn der Doktor Hefty; wie eben ein hilfloser Mensch überall Hilfe fucht, wo ,sie sich biete», gehorsam an den Herrn Dietfic, wie ihm gesagt Wörden war, und trug diesem seine. Sache voQ, Und daS war. auch— wiederum wunderbar genug, wie sich nachmals erwies— das Beste und' Klügste, was er tun konnte, denn Mit dieses braven' Dieners Hilfe wurde er' als Oesterreichs größer Sohn, als tschechischer Afrftareifender und ruhmwürdiger Forscher anerkannt, für den er sich selber wicht, einmal in seinen kühnsten Träumen zu halten gewagt hatte, WaS.wir gelten,'prägt Leiste törichte ob-r weife Welt aus unser Dasein, nicht so sehr unser Wille ünd Wissen:. Das Schicksal, daS wir erleben, hat wahrlich ein anderes Antlitz, als das Auge der Welt bemerkt. Aber greifen lvir. nicht vor. Der Doktor Hefty suchte, so gut er konnte, dem Herrn Dieter seine Absichten zu verdeutschen,'; Zuerst berichtete er ganz'allgemein von sei- nen Reisen in Afrika. Der Herr Dieter hört« ihn gedtildig an und.schränkte schließlich die Schilderung des eifrigen Mannes durch einige auf die unmittelbare praktische Absicht gerichtete. Fragen.' «in. Wa» war ihm Afrika? Und wer war Doktor, Hefty? Reisen konnte baldeiner, Abenteuer hattx.. . jeder bestanden, init dem-er in-der«thnographi- schen Gesellschaft zu tun bekam,' depn hier, trat allmonatlich ein anderer Forscher aufund erzählte von seiner NordpolerpeditioN, ödeie^bom- Datai' Lama, von Marokko, oder von der Südsee.^hm.- mußte etwa».Besonderes geboren werdens wepi», er sich dafür interessieren sollte. Daß-«in Tscheche' nach Afrika gereist, konnte zwar immerhin als eine kleine bemerkenswerte. Neuheit gelten, wgr aber noch nicht genug. Schließlich kam Doktor Hefty iäüf die beabsichtigte'Ausstellung zu sprechen: Darin witterte, der'weltklug«'Vertrauensmann immerhiii'«ine' Möglichkeit, ursprünglicher WirküngM «Also, wa» haben Sie, denn, waS^möchten Sie denn ausstellen, lieber Herr Doktor?" Er hatte über hundert Kisten nach Europa mitgebracht, sie sollten fn dennächsten Tagen aus .seiner Heimat hier eintreffen: Gefäße aus Kür« bisschaley mit kusistvqllen Einkerbungen, von den Eingeborenen zur Verwahntng von Honigbier, Wasser, Mehl, Tabak benützt, Waffen der Wilden, sogenannte Äffagajen, die sie zu Wurf, Stoß und Stich, gebrauchen, Tierbälge aller Art, Reptilien»; Wasserbewohner'vom Krokodil und,.Leguan,-- von den bärtigen Welsen bis zu kleinen Fischen und Echsen, Infekten,^bunte Schmetterlinge, Käfers-die', letzend einen stinkend«»'^ft gegen ihre Bersolaeö ausspritzen, jetzt aber unschädlich ausgespießl tzeicn. .lFortsetzung folgt.). Ät. U5 Dienstag, 22. Juni 1037 Seite 3 tätdctendcuiscfter Zeitspie&ef unb die Borstandsftellcn der 7. Gehaltsklasse bei den Postämtern in W o k e n, Tl> a ni in ü l> l, Spitzberg und B u s ch u lck e r s d o r s bei Äeichenberg.(DND) Dr. Bene» in Joachstnsthal. Der Präsident der Republik fuhr-Montag nach Joachinisthal, wo er.im„Nadio-Palaee"-Hotel zum Mittagessen verweilte. Bei der Ankunft im Hotel wurde der ! Präsideirt der Republik im Namen, der Stadt Der Fall Heger wird totgeschwiegen Vom Deutschen Kulturverband erbalten ! tyw folgendes KonUMniyui: „Kulturverband einmütig«nd geschloffen. Die Hauptleitung desDeutschen Kulturverbandes hat sich in ihrer Sitzung vom Lst. Auni mit samt» lichen Fragen beschäftigt, die in der letzten Zeit Anlatz zu verschiedentlichen Poleniikeu. auch in der Presse gegehzn haben. Diese Fragen wurden in*• vollkomnien.! einmütiger. Weise' geregelt. Gleichzeitig wurde dem Peobandsobmann Prof. Dr»„Jng. Geßner einstünnrrg das vollste Per» Brüx.(E. B.) Die Verhandlungen des SenntagS waren vor allem dem grossen Sanie- rungSwerk der sozialen Bersicherung unserer Bergarbeiter gewidmet.... Den sachkundigen AuS. sührungen von Dr. Viktor Hans(Mähr.-Ostrau) entnehmen wir folgendes: VI« hfue>«fl»t>«nvgp»IkkorunJ . Heute, nach Lrlofftmg der Novelle zum Bruder, laden,esetze, tiinnen wir rückschauend sestftellen, daß nur der unerschütterliche Wille der vergarbeiterschast den Angriff aus. die Grundlagen der Bergarbeiter- Versicherung abgewehrt«nd diese Grundlagen«ner- schüttert erhalten tat. Wiederum waren eg die rsäkittten vergarletterverbände, welche unter der Fsidrung von BrvjikpZtnner und Haase die JNM«t« ergriffen und die Gefahr der Kürzung erworbener Pensionen«nd Anwartschaften abwehrten., im Vergleich zum Jahre 1913 um 75 Prozent zu« rückgegangen. Haase beschäftigte sich dann mit allen damit zusammenhängenden ftaaiSpolitischen Fragen, mit der bevölkerungspolitischen Seite dieses Problems und zeigte auf, wie sich die Bergbauunternehmer zur Arbeitsbeschaffung stellen.„Wir sagen in aller Offenheit, datz die Solidarität der Bergarbeiter da sein wird, wenn man es wagen sollte, auf den Schächten zu Entlassungen zu greifen." Rach einer Darstellung des internationalen Standes der Sozialpolitik und jener Aufgaben, die zu einer Belebung der Produktion führen müssen, begründete Haase die Forderungen des Unionstage»: ,!>-1. Errichtung von KohlenzwgngSsvndikaten mit entsprechender Bertretung der Bergarbeiter, denen die planmäßige Distribution der Kohle, die Kontrolle der Gestehungskosten und die Preisbestimmung übertragen. wird: 2. Nnterstüimng der Forderungen der Bergarbeiter-Internationale aus die Herbeiführung einer internationalen Regelung der Kohlenwirtschaft: 3. Größere Bedachtnahme auf unsere Kohlenindustrie: 4. Einfuhr fremder Kohle nur gegen entsprechenden Export heimischer Kohle, von Koks oder Brikett»; 5. Größere Bedachtnahme tef der Vergabe der Kohlenlieferungen für Staatsbahnen und auf die Bedürfniffe der von der Krise noch am meisten heimgesuchten Schächte; ü. Steigerung de» llnlandsverbrauche» durch Weitere Verarbeitung der Kohle au» GaS, Elektrizität und Treiböl«; 7. Rücksichtslose Bestrafung der Unternehmer bei Uebertretung der gesetzlichen oder vertraglich geregelten Arbeitszeit; 8. Beseitigung de» Subunternebmerunwesrn» «nd strenge Berfolgung de» besonders im nordweft» böhmischen Braunkohlenrevier bestehenden StzftemS de»„HuntevorladenS". Haase appellierte an die Delegierten, jene organisatorischen BorauSsebungen zu schaffen, die uns die Erfüllung der Forderungen sichern.(Lebhafter Beifall). Die Debatte zu diesem Punkt der Tagesordnung, der mit besonderer Eindringlichkeit an die Verpflichtungen der Gesellschaft, die Lohn- und Erportfragen für die Bergarbeiter erinnerte, wird von den Delegierten Günther(Graupen). Än i- licka(Lang» Ugezd), Schmidt(Turn), G ö r l(Falkenau), Feirer(Bruch). Neubauer vasetrung von Postvorstandsstellen Im deutschen Gebiet Im Bereiche der Prager Postdirektion gelangt eine Reihe von Postvorstandöstelle» im deutschen Gebiet zur Besetzung, wobei mit Rücksicht auf die Richtlinien vom 18. Feber deutsche Bewerber berücksichtigt werde» solle», fall» sie um die Verleihung der Stelle nnsuchen. Zur Besetzung gelangt die Stelle eines Postamtvorstandstellvertreters in der 4. Gehallsklaffe in A u s s i g. Außerdem werden neubesetzt die Vorstandsstellen der ü. GehaltSklaffe bei den Postämtern Flöha«(Bez. Podersam), I o a ch i ms t h a l 2, Luck bei Karlsbad, Marien bad 3, Kup- (Bez. Preßnitz), K i t t l i tz(Bez. Resolution und alle auf diese Fragen Bezug habenden Anträge beendeten diesen wichtigen Teil der Verhandlungen. Die Neuwahlen Hierauf sprach VerbandSobmann Zinner übet'die soziale Lage im Bergbau, worauf die Neuwahl des UniotiSvorstandeS vorgenommen würde. An der Spitze der Union der Bergarbeiter stehen wieder Zinner. Zvonak. Schaffer, Haase. Ueber den Abschluß der Unionstages, der Montag Abend beendet wurde, berichten wir in unserer morgigen Nummer. Vie Bürokratie schert sich nicht um den 18. Feber Der Ministerrat hat beschlossen, daß die Er- nährungsaktion bis 18. Juli 1037 verlängert wird. Gleichzeitig wurde verfügt, datz die a r- beitslosen Metallarbeiter, welche durch die Einstellung der KrisenuUterstützung aus jeder staatlichen UnterstützüngSakiion ohne jede eigene Schuld ausgeschieden wurden, sofort in die ErnährungSaktion eingereiht werden sollen, wenn er den Richtlinien entspricht. Diese' Arbeiter können auch eingereiht werden, wenn sie nicht in das Verzeichnis ausgenommen werden konnten, nach nach welchem die ErnährungSkarien verteilt werden. Diese Verfügung zeigt soziales Verständnis der höchsten Regierungsstellen für die Opfer der Wirtschaftskrise. Leider wird sie aber von einzelnen Beamten der BezirkSbehörden nicht durchgeführt. So ist es zum Beispiel bei der Bezirksbehörde ist B ö h m.- L c i p a. Trotz wiederholter Intervention glaubt der Herr Rat Tajovsky unserer Republik einen Dienst zu erweisen, wenn cr diesen Arbeitslosen die Er- nähcuttgSkacte nicht gibt/ obwohl nur ungefähr zwölf bis fünfzehn Arbeitslose"dieser Kategorie iin Böhm.-Leipäer Bezirke in Frage kämen. Die Belastung, die der Stqat da durch die Getväh- rüng der Ernährungskarte erfahren würde, könnte im schlimmsten Falle 240 bis 300 KJ pro Woche betragen! Es wird notwendig sein, datz die Regierungsstellen sich mit diesen." Fragen beschäftigen und dafür Sprge tragen,,daß die untergeordneten Dienststellen im Geiste des 18. Feber handeln und.einigermäßen sozial denken. IWöhstag der Bergarbeiter bla Verhandlungen am Sonntag und Montag z Die Bruderladen- verslcherung t Kohlenwirtschaft und Lohnblldung Im Bergbau Bocher toat bet Bericht dcS Unionsvorstandes einmütig zur Kenntnis genommen worden. In der Diskuffion zum Referat über die Bruderladenversicherung sprachen Günther(Graupen), Iei- er er(Bruch). G r u n d l(Seestadtl). H i p p- m a n n(Joachimsthal), S ch l ögl(Eichwald). S ch w e I t e t(Chodau).Site(Turn), Rößler(Hundorf), Z i s ch k a(Herrlich) und Be« selsky(Komotau). Am Nachmittag veranstalteten die Delegierten und ausländischen Gäste eine Fahrt nach Bilin. Montag früh wurden die Beratungen mit einem Bericht dec AntragSprüfungSkommIffion, den Schaffarsch erstattete, eingeleitet. Nach den eingehenden Erläuterungen und Aufklärungen des Referenten, die alle-Fragen der BeltragSleistungen. des Arbeitslosenfonds, der Provisionisten und des Delegationsrechter betrafen, wurden die Anträge im Sinne der Vorschläge einstimmig angenommen. Ebenso gelangte Montag früh die Entschließung zur Bruderladenverstcherung Und alle auf dieses Programm Bezug habenden Anträge zur Abstimmung und Annahme. Kohlenwirtschaft und Lohnbildung Im Bergbau Zentralsekretär Haase hielt ei» volkswirtschaftliche» Referat, besten Tendenz vor allem da» Lohnproblem und die Stellung der Grubenbesitzer zur sozialen Lage der Arbeiter beinhaltete.„Wir müsten", bewnte Haase,„den Optimismus und die Lobpreisungen über den großen Fortschritt der Wirtschaft und ihrer• konjunkturellen Entfaltung wesentlich einschränken, denn die gründliche Untersuchung der Kohlenwirtschaft deckt eine erschreckende Diskrepanz auf. Die Leistungen im Bergbau find pro Kopf»nd Schichte von 1920 bis 1035 in der Steinlihlenprv- dnklion«m 20.5 Prozent, in brr Braunkohlenpro- duktion«m 14.5 Prozent gestiegen, die Zahl der verfahrenen Schichten ist um 43.3, bzw. 40.0 Prozent gesunken, während fich jedoch die JahreSlohn- fumme im Steinkohlenbergbau um 27.5 Prozent» im Braunkohlenbergbau«m 14 Prozent verminderte. Die Bilanz von acht Kohlengesellschaften allerdings zeigt, datz die Kaffen der Grubenherren nicht an Schwindsucht leiden«nd im Jahre 1923 etwa 56 Millionen, 1935 58 Millionen, 1936 64 Millionen K£ Reingewinn auSwiesen. Dem Arbeiter weniger Lohn, dem Arbeiter erhöhtes Gefahrrn- dnoment— denn seit dem Jahre 1919 verzeichnen wir 2529 tödliche IlnglückSfälle—«nd für da» Bergbaukapital steigender Gewinn! Haase wandte sich dann dem Export zu, der vor allem nach Ungarn in den Jahren 1980 bi» 1086 von 227.000 Tonnen auf 18.000 Tonnen sank. Die Braunkohlenauifuhr nach Deutschland ist Zum 110 Jahre-Jubilänm der„Bohemia", die aus diesem Anlaß am 20. Juni eine sehr umfängliche Nummer herausbrachte, schrieb Präsident Dr. B e n e 6 dem Blatte folgende Zeilen:„Sie haben mich tun ein Geleitwort zu Ihrem Jubiläum ersucht. Der hundertzehnte Jahrestag der Gründung einer Zeitung bedeutet un ter unseren! Verhältnissen den Rückblick auf ein sicherlich achtunggebietendes Stück Arbeit. Wem: die Zeitungen Altersstufen haben wie die Men schen, sind|10 Fahre journalistischer Tradition gewiß etwas, tvas Vor p f l ich t n n g e n schasst. Ich wünsche der„Bohemia", daß sie durch A u S» gie g l i ch e n h e i t und Objektiv i i ü t, die die Hauptgrundlagen der modernen Presse sein müssen, zur U e b e r b r ü ck u n g der na bi o n a l e n und sozial en G e- gen s ä tz e in unserem Vaterlande wirksam bei« tragen möge." ■■ Tödlicher Unglücksfall bei Bilin. Montag frsth zwischen 5 und 6 Uhr fuhr die.siebzehn jährige Bartousch von der Siedlung bei d?n Wein mann-Werken gegen die Staatsstraße, Als«sie in JMJML die Straße einbog, kam das Lastauto der Firma! Präsideirt der Republik im Namen, der Stadt Bulz.Bjlist, aus der Richtung von Deplitz in Joachinisthal vom Bürgermeister Hans Brennich raschem Tenrpo und überfuhr die Bartousch, die, und dem Mitgliede des Stadtrates, Apotheker Mel tödliche Verletzungen erlist.'Noväk, begrüßt. (Nickelsdorf). Diti(Turn), Weck(Niedergeorgen- i„. thal), Jikiäka(Brüx). Rorschinskv(Pilsen), L,.. S. M.-~. f, f rfl ,m.n/. Stracke(Radowesitz) bestritten. Die Annahme der Böhmisch^Leipa), Triebsch itz(Bez. Brüz) »<>«.•» w•.,« m m....*. r.... 1.»uh d»»« Km*« 7 fUeiftrtItrtrintf«♦ niti trauen der gesamten Hauptleitung zum Ausdruck gebracht und der klare Wille ausgesprochen, auch tveiterhin di», überparteiliche und unpolitische Richtung des Deutschen Kulturverbandes aus» rechtzuerhalten. Damit werden alle im Zusam- manhange mit diesen Fragen in unverantwortlicher Weise in gewiffen Blättern wieder- gegehenen Gerüchte widerlegt." Zu diesem Kommunique Iväre zu bemerken, daß es zwar„Gerüchte" tviderlegen mag, jedoch keinen Aufschluß über' gewisse Tatsachen gibt. Es ist bekannt, daß gegen den Kulturver- bandSbeamten Heger, der seine Stellung zugunsten der SdP mißbrauchte, ein Disgiplinar- verfckhren eingtzleitet wurde. Daö Kommunique teilt nicht mit, Ivie dieses Verfahren beendet Wurde, obwohl gerade dieser Fall die Oefsent» lichkeit stark interessiert. Bleibt Herr Heger im Amt? Wird sein Verhalten sanktioniert? Wurde er bestraft? Wurde auch ihm gegenüber die unpolitische Linie de» Deutschen Kulturverüandes zur Geltung gebracht? Var Kreisjugendtag In Saaz Auch am Sonntag stand Saaz im Zeichen des Kreisjugend- und BezirkSarbeitertages, über dessen Eröffnung>vir bereits berichteten. Trotz dem sehr schlechten Wetter tvareu noch hunderte Teilnehmer von fern und nah gekommen. Mit einem Weckruf tvurden die Veranstaltungen ein- geleitet. Die Morgenfeiern tvaren alle außerordentlich gut besucht. Im Kino lief der Film „Madrid in Flammen", im Theater spielte die Teplitzer S-Bühne. Während der Morgenseiern verschlechterte sich das Wetter, es ging heftiger Regen nieder. Trotzdem formierte sich um halb 10 Uhr ein mächtiger, bunter Demonstrationszug, an dessen Spitze die Radfahrer marschierten, denen die Atus-Leute folgten. Hinter dem Spiei- mannszug des Teplitzer SJ-KreiseS schritt die sozialistische Jugend, dann folgten die Erwachse- nen. Bei Beginn der Kundgebung heiterte sich der Himmel auf. Der KreisvectranenSmanU S t l> b e r eröffnete die mächtige Versammlung auf dem Marit- platz. Nach einer Minute Schweigens für die Opfer des Faschismus sprach sür die sozialistische Jugend Kreissekretär K r e i n e r, dessen Rede immer wieder von stürinischen Kundgebungen dee Zustimmung unterbrochen wurde. Dann sprach Abgeordneter Franz K r e j£ i, der sich mit aktuellen politischen Fragen beschäftigte und unter dem begeisterten Beifall der Zuhörer mit der „Volksgemeinschaft" abrechnete. Die Schlußansprache hielt Johann Reichl, Saaz, der Bezirls- vertrauensmann der D2AP.— Den ganzen Nachmittag über>var auf dem Festplatz frohes Jugendtreiben, das bis in die Abendstunden dauerte. Die sozialistische Jugend hat durch diesen Aufmarsch, wieder ihre Kraft und ihre politische Schulung unter Beweis gestellt und gleichzeitig für die. Gesamtsache der Sozialdemokratie geworben. Dafür, sind wir unserer herrlichen Jugend tiefen Dank schuldig.— Besonders überrascht waren durch den gewaltigen Aufmarsch die Gegner der Sozialdemokratie, die der Meinung waren, hinter der DSAP stehe keine Jugend.— Der beste Teil der sudetendeutschen Jugend, der politisch geschulte und verantwortungsbewußte, steht bei ihr. . So sehr wir uns des erzielten Erfolges freuen und uns denselben nicht selbst durch ungesunde» Kritikastern schmälern wollen, so müssen wir dennoch feststellen, daß unser Erfolg, der durch da» Gesetz Nr. 200 au» dem Jahre 1986 erzielt wurde, nur eine Etappe in der Entwicklung der Bergarbeiter- versicherung dargestellt und daß wir keineswegs un» mit dem Erreichten begnügen dürfen. Der Kampf der Arbeiter um die Verbesserung der sozialpolitischen Gesetzgebung ist ein Kampf um die s ufenweise Verwirklichung des Rechte» auf den vollen Ärbeit»ertrag. Insbesondere in der Versicherung kouimt diese Tatsache klar zum Ausdrucke, denn die Beiträge zu jeder Art von Sozialversicherung sind nicht» andere» al» ein Teil de» Lohne», durch welchen da» Risiko der Arbeit vergütet wird. - Bei der Ueberprüfung der Bilanz de» letzten Kampfe» müssen wir ein Zurückweichen au» einer im Jahre 1922 errungenen, immerhin wichtigen Position feststellen. Dieses Zurückweichen besteht in der Aufhebung der beitragsfreien Anrechnung der Krank, beistzeiten und der Militärdienstzeiten in die Bei- trag»zeit. Diese beiden Mängel des Gesetze» müssen wir ständig im Auge behalten und unsere ganze Kraft daransetzen, diese Mängel zu beseitigen, welche mit der Einführung der Rückversicherung bei der ZSBA— der Kompromißlösung— zusammenhangen. Die Rückversicherung hat allerding» die Einführung gewisser Verbesserungen wesentlich■ erleichtert, und zwar»«»besondere die Herabsetzung der Karenzfrist auf. zwei Jahre, die Verbesserung. der Regelung der Abfertigung bei nicht er- reichter Karenz, di« Einführung des Erziehungs- beitrgge» zur Invalidenrente, die Abfertigung bei Eheschließung weiblicher Mitglieder, die Erweiterung de» Kresse» der Anspruchsberechtigten bezüglich der Waisenprovssion, die Verlängerung de» Bezüge» der Aaifenprovision bi» zum vollendeten 17. Lebensjahre und di« Aufhebung der Bestimmung über die Zu- sämmenrechnung der Hinterblicbencuprovisionen und Begrmzung derselben auf drei Viertel der Jnva- ljdenprovision und schließlich die Einführung der fakultativen Erhöhung der Witwenrente wegen Hilf- lbstgkeit der Witwe. Die letztgenannte Einführung hatte allerding» auch die, unangenehme Nebenfolge, »aß die Erhöhung der Jnvalidenprovssion wegen Hilflosigkeit au» einer Pflichtleistung zu einer nicht klagbaren fakultativen Leistung wurde- In'einer wichtigen Beziehung brachte die Novelle zum Bruderladengesetze nur eine provisorische Lösung. Und zwar in der Regelung der Uebertritte der Versicherten von einem VerficherungSträger zu eine« anderen. Da die Bergackeiter durch da» heute geltende System von. allen Versicherten am schwersten geschädigt sind, müssen sie ihre ganze Kraft dafür emsetzen, damit da» heute geltende System durch da» System der zusammengesetzten Renten ehebal- dihst ersetzt wird. ' Die Provisionsversicherung darf auch nicht losgelöst von der Krankenversicherung beurteilt werden, denn eine gute Krankenversicherung ist nicht nur vom Standpunkte der Mitgliedschaft au» gesehen eine sozialpolitische Notwendigkeit, sondern entlastet auch dusch Hinausschiebung de» Eintrittes der Invalidität die Provision-Versicherung. So wichssg und notwendig da» Krankengeld und die übrigen Geldleistungen sind, würde eine Krankenversicherung»»«^!!, - die in der Gewährung dieser Leistungen ihre Haupt- ; aufgabe erblickte, sich selbst zu einem Unterstützung»- fonds degradieren,. Gerade durch, die Gewährung von S a ch l e i st u n g e n(z, B- von Krankenhauspfleg«) erfüllen die. Krankenversicherung»anstalten iene sozialpolitischen Aufgaben, welche nach unserer bl»ht«lgln Erfahrung fn anderer Weise als durch dHMMcheiMantzMeife Kramenversicheruna nicht eiifüllf svikden iönnen.~ Ein Referat über die"Bergavbeiterversicherung wäre unvollstälwig. wenn- e».nicht.auch wenigsten» mjti.esnigen Worten die Entschädtgüng für Berufskrankheiten behandelte. So groß der Fortschritt ist. der danDtzem Einschreiten de» Minister» Genossen Dr. Czech erzielt wutde, so muß doch gesägt werden, daß vom Standpunkte der Berg- arbeiterschast gesehen da» dem Gesetze beigefügte Verzeichn» der Berufskrankheiten. unbedingt einer BllUchMch»«» bedarßz-N'. i Vi.: ix. Auf de« Gebiete der vorwärtsentwicklnu« der B«»artet terversichernn» ist reichlich Niel Arbeit.»« leisten, welche sicherlich nicht leicht fein wird. Rach dB, Erfahr««,en, die wir im Kampfe um die Selb- ständtgkrit der Beraardeiterversichertz«» gesammelt ha»«/ sind Wahl alle»« der Ueberzevgmig ,ekom> «an,»ah He' Feinde einer BerwärtSentwicklvn, der Bertzardeiwrneesichernna zahlreicher sind al» ihre Freistde. Der An»,ans»«»Kampfe»«m dte Ber- »esiernne der Beriarbeiterverfichernngi hängt einzig ew»»lletn tzen der Kraft. Gefchloffenheit«r.d Diszi- Höste der Beriaehatterfchast ad. Gesundheitsminister Dr. Czech Im Brilxer Krankenhaus Wie wir bereits berichtet haben, hat der Gesundheitsminister Dr. Czech anläßlich seiner Anwesenheit in Brüx auch dem Brüxer Krankenhaus einen Besuch abgestattet. SamStag Mittag versammelten sich dort der BezirkShauptmann von Brüx Dr. Zaloudek mit den führenden Funktionären des Krankenhauses und den Aerzten, um den Minister zu empfangen. Der Bezirkshauptmann begrüßte den Minister namens des Bezirksausschusses und tvies darauf hin, lveiche große Opfer der Bezirk gebracht hat, um ein modernes Krankenhaus zu errichten. Minister Dr. Czech dankte in tschechischer und deutscher Sprache sür den freundlichen Empfang und sagte, daß das Gesundheitsministerium bemüht sei, daS Krankenhauswesen der Republik auf eine neue Grundlage zu stellen, was durch das neue Krauken- ' hauSgeseh geschehen werde. Der Minister besichtigte dann die gesamten Einrichtungen des Krankenhauses, wobei ihm insbesondere der neue Operationssaal gefiel, der nach allen Anforderungen eingerichtet ist, welche die heutige Wissenschaft stellt. Der Minister besuchte auch mehrere Krankenzimmer und sprach mit mehreren Patienten in ihrer Muttersprache. In Begleitung des Ministers befand sich auch der Sektionsrat des Gesundheits- Ministeriums Dr. Sviräk, der längere Zeit in dem Krankenhaus verblieb, alle Einrichtungen gründlich besichtigte»nd mit den Berwaltungssunktio- nären und Aerzten längere Zeit sprach, um alle Wünsche nach dem tveiteren Ausbau des Krankenhauses entgegenzunehmen. Zelte 4 DienStag, 22. Juni’ 1937 Nr. 14«: Die Unterschlagunsen im Stadttheater Teplltz-Schönau Verhandlung gegen die Kassiererin Hamm— Drei Jahre lang ProzeB Die Ursachen einer Theaterkrise Ltitmeritz.(Eigenbericht.) Ucber drei Jahre ist es her, datz man im Stadttheater i» Teplitz-Schünau hinter raffinierte Betrügereien in der Kasfagcbarung kam- Ende Mai 1084 wurde nach einer durch die Arbeitsgemeinschaft der Schauspieler und die Stadtverwaltung unter der Leitung des Bürgermeisters Rufslj vorgenommcnen Kartenkontrolle am Schluffe der Vorstellung die feit vielen Jahren am Stadttheater angcstellte Kassierin Frau Mathilde Hamm wegen Unterschlagung von Eintrittsgeldern verhaftet. Die tüchtige. Kasienverwalterin hatte in ihrem Kassenrapport für diesen Abend ganze 1164 Xi verbucht, während nicht weniger als rund 8706 Xi eingenommen worden waren. Also an einem einzigen Abend waren in den Taschen der Kassierin 2860 Xi verschwunden- Schon bei der oberflächlichen Nachprüfung stellte sich heraus, datz Infolge der Manipulationen der Kassierin Hamm das Theater um Hunderttausende von Xi geschädigt sein mutzte. Mit einemmale klärten sich auch die Riesendefizite dcS größten Theaters im sudctendeütschen Gebiete auf. Fast jeder Theaterdirekior gab nach vielen nutzlosen Versuchen, über die Gcldkalamität hinwcgzukommen, das Rennen mit dem Defizit auf. Ter letzte Direktor— vor der Verhaftung der Frau Hamm—, ein Herr Scherler, legte die Leitung de- Theaters nach zehn Wochen nieder, weil er trotz des sehr guten Besucher ein Defizit von nicht weniger als 266.000 Xi— in zehn Wochen!— zu dek» ken hatte. Sein Vorgänger, Direktor Kenne- m a n’n, halte ebenfalls Hunderttausende dem Theater geopfert— in sehr guten Theaterjahrcnl Und immer hatte Frau Hamm an der Kassa gesessen! Die Stadtverwaltung zerbrach sich den Kopf, wie dem Defizit Einhalt geboten werden könne, denn die ewige Theaterpleite wirkte sich naturgemäß auch auf die Gestaltung des Spiclplancs aus. Kapazitäten der Theater der ganzen Republik kamen mit Ratschlägen und SanierungSplänen, bis endlich Frau Hamm verschwand. ’ Frau Hamm saß beinahe ein Jahr in Untersuchungshaft, im Juni 1086 sand endlich die Verhandlung statt, die neben der Erörterung der Unterschlagungsfälle auch die Verhältnisse im Theater und die. Verschwendungssucht dex Frau Hamm behandelte. Frau Hamm konnte aller in finanzieller Be» ziehung tun, sie hatte immer Geld, viel Geld. Sie stand mit im Mittelpunkt der Teplitzer Gesellschaft Und im Theater spielte sie in der Verwaltung ebenfalls eine Hauvtrölle. Sie konnte sich mit»ihrem" Geld— dem Geld der Theaters— eigentlich alles leisten, jeden Luxus, Auslandsreisen und Subventionen an ihre Freunde. Eine Gemeinheit war es jedoch, datz diese Theaterkassierin die Betrügereien mich noch dann verübte, als die Schauspieler, die Bühnenarbeiter, kaum noch einige Xi'Gagen bekommen konnten, Schulden machen, ja hungern mutzten. * Die Verhandlung im Vorjahre mutzte vertagt werden Und wurde erst am Montag, den 21. Juni fortgesetzt. In dieser Verhandlung wurde zunächst in langer Erörterung das System der Gutscheine und Abonnements behandelt. Frau Hamm bestritt natürlich, wie’schon immer, auch nur einen Heller veruntreut zu haben. Entgegen dem Guiachicn der Sachverständigen, die einen Fehlbetrag von rund 136.000 Xi allein für' die letzten Jahre errechnet hatten, versuchte sie mit. stark verklausulierten Angaben die Art der Äbonnemcntsvcrrechnvng zu erklären. Zustatten kommt ihr dabei die Tatsache, datz die Buchführung dieses grötzen Theater» schwere Mängel anfwie». Fcstgestellt wurde ferner erneut, datz sich di« ehemalige Kassierin bei ihrem Monatsgehalt von 140.0 Xi, die aber nur sieben Monate im Jahr gezahlt wurden, allerhand Reisen leistete und datz sie noch so viel erübrigte, um ihren Verehrern und Freunden erhebliche Darlehen zu geben und autzerdem gewissermaßen den Finanzier der Thcaterdirektion durch Darlehen zu machen. eine Woche der Novdks Im Prager Rundfunk Die’ Rundfunk-Korrespondcnz, die im Prager Radio-Journal hcrauSgegcbcn wird/ verzeichnet für die laufende Woche eine eigentümliche Programm-Erscheinung: eine Woche nämlich der Noväks. Am Sonntag hat ein Herr Antonin Noväk die den Noväks gewidmete und von den Noväks bestrittene Vortragsreihe, die sich über sieben Tage erstreckt, mit einer „Vorstellung" der Noväks cingeleitct; die ganze Woche über werden dann im Prager tschechischen Rundfunk Noväks sprechen— insgesamt 25 an der Zahl. Ein Ministerialbeamter Noväk, ein Journalist Noväk, ein Direktor Noväk, ein Chef- rcdakteur Noväk, ein Ingenieur Noväk und-so weiter. Lediglich am Sonntag wurde die No> väkiade’ kurz unterbrochen, durch einen Vortrog des Ministers Najman; aber beruhigend fügt die Rundfunk-Korrespondenz hinzu, datz Raj- man, ins Tschechische übersetzt,, doch wieder einen Noväk ergäbe... Es fällt uns nicht im Traume ein, die Noväks, die da sprechen werden, oder überhaupt irgendwelche Noväks anzügreiscn; wir sind über- zeugt, datz zumindesten etliche unter den Spre- chern der Nodäk-Woche beachtliche Vorträge Hal- ten werden. Und auch daran wollen wir keine Kritik üben, datz sich die Noväks zu einem All. weltverband zusammengcschlossen haben, dessen Sekretär eben heute die Rundfunk-Woche der Noväks eröffnet. Vielleicht hat das tschechische Volk in diesem Punkt seine Liebenswürdigkeit und naive Herzlichkeit zu weit getrieben— aber das ist nicht unsere Sache; mag das andere Volk seinen alten und neuen Gewohnheiten nach Herzenslust leben. Dadurch aber, datz die Noväks sozusagen den Rundfunk für eine Woche eroberten, erhält eine Erscheinung, die man nach Belieben als launiges oder ernsthaftes Gesellschaftsspiel betrachten mag, einen gewissen öffentlichen Charakter, an dem wir zumindest in dem einen Punkte mitiiitcressiert sind, datz der No- väkismus nicht nur auf die Prochäzkas und NovotnhS, sondern auch auf die Müllers und Bauers aucifernd wirken und datz folgerichtig uns fürderhin der tschechische Rundfunk jede Woche einen anderen NamcnS-Weltverband hi den Kindern Arbeitsloser „Ich kann nicht genug meinen Eltern erzählen von der guten Zeit und den braven Leuten, die ich um mich hatte". - So schreibt die kleine Marie Plaha, Alt-, zedlisch Nr. 113 bei Tachau an Frau Anna Wagner, die Leiterin des Kinderheimes in Johnsdocf bei-Brüx, unter deren Obhut das Mariechen sechs Wochen gestanden ist und von der sie schön auf- gcsüttert wurde. Das Mariechen ist das Kind eines Arbeitslosen und erholte sich in dem am Häng des Erzgebirges gelegenen Heim mit vielen ihrer Schicksalsgenossen und-Genossinnen.„Frau Leiterin," so schreibt ein anderes Kind, Walter Schlvandncr in lijezt Nr. 06, Post Pfrgumbcrg in Böhmen,„Ich bin jetzt schon eine volle Woche wieder daheim. Mich ergriff auch das Heimweh nach Johnsdorf. AIS ich einen Tag zn Hause Ivar,' spürte ich schon, daß das alfe Leid wieder angegangen ist." Der Bub erzählt dann in dem Brief, wie er um sechs llhr früh aufstchcn mutz, ein Stück Brot und die- Schulsachen nimmt,' nach Pfranmbcrg wandert und erst spät nachmittags nach Hause kommt und wieder iiur ein’ Stück Brot erhält, höchstens noch ein bißchen Milch. „Da gehen natürlich die dicken Backen bald wieder ein, über dis sich die Mutter so sehr freute" schreibt er. Das schrcibcii Kinder, welche das Glück hatten In die vom GesstirdheitSminister Czcch eingeleitete Erholungssürsorge für Kinder Arbeitsloser ausgenommen zu werden. Der Begründer dieser Fürsorge-nahm seine Anwesenheit bei der Tagung der Bergarbeiter in Brüx zum Anlatz, zwei derartige Kinderheime zu besuchen. Der Weg führte zuerst nach Johnsdorf, Ivo ein Spalier von Buben und Mädeln den Minister empfstig. Ein hübsches, putziges Ding hielt an Dr.Czcch eine Ansprache. Als sic mit den Worten schloß:„Möge Sie uns daS Schicksal zum Wohle der Menschheit noch lange erhalten; das kommt aus reinem Kin- derherzen"— da wurde manch ein Auge feucht. Czcch antwortete den Kindern, es tue ihm leid, datz cs ihnen nur sechs.Wochen in so herrlicher Gegend, so gut gehen konnte. Wir sprechen dann mit de» Kindern und der Leiterin, der prächtigen, energischen und dabei herzensguten Frau Wagner, einer Sozialdemokratin..Es sind Kinder da, die bis zn ihrer Ankunft im Heim kein Paar Würstl und nie eine Orange gegessen haben I Ans die Frage„Was ist der Vater?" hört man die stereotype Antwort:„Arbeitsloser". Die Mutter klöppelt oder schlägt sich mit ihren Kindern und dem arbeitslosen Mann sonstwie durch. Wie. sich eine so schwer arbeitende, sorgende, kämpfende Frau ihr Herz bewahrt hat, dafür zeugt die nachstehende Stelle aus einem Brief, den uns gleichfalls die Leiterin zur Verfügung gestellt hat: „Liebe Fran Wagner!", so schreibt die Mutter, „Obwohl sie mir ganz fremd sind, werde ich Sie zn schätzen wissen und nie vergessen können, denn wie mein Junge für Johnsdorf immer noch schwärmt und begeistert ist, das ist doch unbeschreiblich.’ Ich glaube uNd hoffe, datz er sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, er ist zwar ein loser Strick; aber ein guter Kerl/ ich habe derer drei; einer wird 16 Jahre alt; ist.in Rendek auf der Lehre(Schneiders und der Kleinst« ist zehn Jahr« alt, dann kommt noch unsere klein«'Reste fünf Jähre, ungezogener-als alle drei Bnbep, was will man machen, man mjiß nur froh sein, wenn sie gesund sind, denn-’ Ivenn man da steht und mit der Arbeitslosigkeit so zu tragen hat; wie es bei uns d'er-Fall ist, die vielen Jahre her, da weih man schon was vom Leben." Staunt man nicht über so viel Seelengröhe einer Fran, die vier' Kinder hat und'deren Mann seit Jahren arbeits- Sic behauptet, fast niemals neu« Kleider angc- schafft Und sin allgemeinen sehr sparsam gelebt zu haben, so datz ihr reichlich Gelder von ihrem Gehalt übrig blieben'. Trotz der Bovhaltungen des Vertreter» der Theaterdirektion, datz sie die vielen Darlehen fast zu gleicher Zeit gegeben und sehr kostspieligen Allüren nachgegangen fei,..blieb Frau Hamm bei Ihrer Behauptung, so datz der Eindruck entstehen mutzte, Frau Hamm habe sich geradezu für da» Theater und die Schauspieler aufgeopfert, obwohl die gründliche Arbeit der Sachverständigen, darauf hinwcist, datz wohl selten in solcher Weise Schindlwier mit einem notleidenden Theater getrieben wurde wie im Fall Hamm in Teplitz. Am Dienstag beginnt die Zeugeneinvernahme, so. datz mit einer Prözetzdauer von mehreren Tagen zu rechnen ist. bieten könnte. Möglich, datz die Pollaks und Bergers das angenehm und lustig fänden; mit uns aber werden wohl sehr viele das auch dann nicht, wenn es sich um Verbände handeln sollte, die bis nach Tahiti und bis zu nach Kamtschatka reichen, als KoSmopolitik betrachten... Der rasende Tod. Samstag nachmittags fuhr der ZugSfilhrer des 5. Inf.-Reg. Karl Böhm auf seinem Motorrad„Jawa" durch die Holeäkovä in P rä g-Smichov. Bei der Abzwei-- gung zur Hkebcnka stieß er bei dem Versuch, eiiwm Autobus vorzufahren, gegen einen dort stehenden zweiten Autobus, wurde zur Erde geschleudert und so schwer verletzt, daß er nach seiner Einlieferung in das Divisionskrankenhaus um 23.80 Uhr trotz der ärztlichen Anstrengung«« verschied.— Am Sonntag erlitt bei einer U e b u n g auf dev Straße P r a g—Pilsen in Kilometer 64, der Artillerierottmeister Josef H i l g e r vom Artillerie-Regiment 64 mit.seinem Motorrad einen tüdlichen Unfall. Zloei Soldaten desselben Regiments, der längerdiencnde Zugsführer Frant. Cejka und der Soldat Lorenz, wurden dabei leichtverletzt. Die Ursache des Unfalles wird untersucht. Bernhard Shaw gegen di« Gasmaske. Auch in England wird jetzt außer der Aufrüstung lebhaft Luftschutzpropaganda getrieben. Anzeigen für Gasmasken erscheinen laufend in den Zeitungen, und das Publiknm wird aufgesordert, sich dieses wertvolle, wenn auch unschöne Requisit rechtzeitig zu beschaffen. Eine Spczialfrage bildet darin die Verwendung der Gasmaske bei bärtigen Männern. Die zuständigen. Fachleute haben sich ausnahmslos dahingehend geäußert, daß der Bart nahezu tödlich bei einem eventuellen Lustangriff wirken müffe, da keine Gasmaske bei einem Bärtchen dicht aufzusetzeu ist. In dieser zweifellos wichtigen- Frage äst,, wie nicht anders zu erwarten war, auch G. B. S. befragt worden. Er strich, 2»ie der Interviewer mitteilt, liebkosend Uber seinen berühmten Bart und.erklärte kategorisch, datz er eher jede Gefahr auf sich nehmen würde, als sich rasieren zu lasten. Er habe sich nie im Leben rasiert und dadurch sehr viel Zeit gespart. Außerdem fände er einen Bart kleidsamer als eine Gasmaske. RtTP Gemeinsamer Selbstmord. In der Nähe von Reichenau(Oesterreich) wurde der Wiener Arzt Dr.- Melchart und die Diplomkrankcnschwester Magarete Zädnä aus Wien in einer Blutlache tot aufgefunden.. Bei beiden wurden Revolver gefunden. Rach allen Anzeichen handelt es. sich um einen gemeinsamen Selbstmord. Deutschland erschwert den Grenzverkehr mit Oesterreich. Wie die Salzburger Blätter melden, wurde die Mehrzahl der aus Bayern nach Oesterlos ist! Wie viel Mutterliebe, Seeleustärke und Lebensmut spricht aus dem schönen. Briese, der mehr ergreift als manch eine wohlgeformt« Stilübung. Und welche Seelenstärkung für die Frau, wenn der Bub nach Haufe kommt und erzählt, datz er fünf Kilo zugenünnnen und was. er alles zu essen bekommen hat. In’ schwerster Zeit eine Herzensstärkung für-Mütter, Väter, Kinder... Dasselbe Bild wie in.Johnsdorf..im,’Heim des Brüxer Revierrates in OberleutenSdorf. In einem. Schlößchen, das früher den. Grasen Waldstein gehört hatte und auf dessen Hof stehend man den Eindruck hat, mau wäre im 18. Jahrhundert, leben Bergarbeiterpensionisten, die alle, draußen stehen, um den Freund der Bergarbeiter, den Minister Czech zn begrüßen.. Ein paar Schritte von dem Pensionistenschlötzchen ein neues Gebäude, das Kinderheim, vor dein wieder die Buben und Mädeln stehest und den Minister mit der Staatshymne und dem Lied der ArbeilPe- grühen.„Wir werden’Sie nie vergessen", sagt«in Bub, stramm aber treuherzig,„bleiben Sie Herr. Minister, lange gesund l"„Für Euch bin ich keip Minister" sagt Czech gerührt,„hier bin Ich Euer Freund-und ihr habt mir,.eine unvergeßliche Freude bereitet.". Wir gehen.-durch /die Räume des Heimes, Schlafzimmer,- Bäd> Unterrichtsräume, Spielzimmer. Wir.sind entzückt! Ein Mädel zeigt'mir die Plumen ist dem'großen Garten, die das Gebäude umgebest Hell auf lacht das Herz, wenn man die gut ausschauenden Kinder in dem• Garten unter Blumen in der Sonne steht, es'ist al» ob- ein.Stück einer kömtstendest Welt- in die für Millionen dunkle Gegenwart hiueinrägw. Leider inüffsn- die Kinder wieder bald Heim,"in die Stuben; der' Armut!-Aber auch-sie sind innerlich gcstärft wie- dicMuttcr.welchc nach Johnsdorf geschrieben hat:,.. hoffentlich wird cs doch einmal ander»' Er St.--' 900 km vor San Francisco' Portl n» d. Die Sowietflicger, die eine« Non-Stop-Flug Moskau-—Nordpol—San^Fran-, cisco unternahmen, muhten wegen sihlechtfDlliWÄ auf dcr kaiindischen Insel Bane» u v'e-r'landen. Sie. legten insgesamt etwa 8700 Kilometer zurück Die Strecke Moskau—San Francisco, wo. sie ursprünglich landen wol^teck, betrügt Ü6VÜ; Kilometern.’’:.'.-!. ,y? Die russischen Flieger waren bei ihrer Landung sehr erschöpft. Der'Flieger Belakowttklötztr, dah Schkalow während- der ganzen Reise-'tzdn Flug geleitet hab«, der offiziell 63’ Stunden 19 Minuten gedauert habe. Er betontes dtzh^dte Route sie bereits viel weiter südlich an Ba.nepstwr vorbeigeführt-hatte, wobei sie die Stadt Ott« gon überflogen, dichter Rebel sie aber zur Rückkehr zwang. Beim Uebersliegen der Patrick-Insel habe st« ein S ch n e e st u r m erfaßt: Das Flüg'- zeug kam 80 Kilometer südöstlich am Rordpis'vtzx- bei, wo eine sehr niedrige Temperatstr herrschte. Schkalow bestätigte, dah das Flugzeug mit, einer- genügenden Brennstoffmenge versehen war, nin Oakland zn erreichen, dah die Flieger ater- Wege« des Nebel» umkehren müßten.'.'V'-v reich führenden Touristcutvege in den Alpen-auf Grund, der neuen deutschen, verschärften-Bestiui'- mungen für die Gccnzwachocgane gr's p’eie'L't'' und den Touristen- ausgetragen,-st'uw.^d-i- e Hauptstraßen z u b e n.ü tz c n,. die ,au Zollstationcn vorbei führen. Zahlreiche’ Touristen, die Samstag sind Sonntag di« Grenze quf. dit- scn Wegen überschreiten wollten,•’ wurden zur Rückkehr gezwungen. Auch die Heilsarmee streikt.- Die japanische Sektion der Heilsarmee istin den Streikgekreren. Die Beamten der Zeutrallcitung der Heilsarmee in Tokio haben das Gebäude des Hauptquartier» besetzt und,erklärt, daß sie es nicht früher verlassen würden,.bevor die.'japanische Sektion,-'ihre völlige Autonomie erhält,-da'die Methoden,’der Arbeit in Japan unter kelneü Umständen weiter von Richt-Japanern. bestimmt, werdest, könnt««'-- Ueberfall auf«ine Goldmine. Wienau» Tokio gemeldet wird, wurde am. 18. Junieine Goldmine in der Provinz Kirin(Mandschukuo): von:8üü.igut bewaffneten Banditen überfallen!.-Die' japanischen Wochen wurden, getötet, 11 Arbeiter,, darunter’vtfr Japaner, gefangengenommen. Die Banditen- besetzten die Goldmine und^konnten-erst vertrieben;werden, nachdem- japanische Truppenverstärkungen eingetroffen waren.? gif Maffentod durch eine Lawine. Aus Si'mlla wird berichtet: Die deutsche E r p e h i.t.i o'.n auf den Berg RaSgaparbat wurde von- einer Lawine überrascht. S i e b e n. Mitglieder der Erpediiyou und neun einheimische Träger wurden, durch; die Lawine getötet. Der- Expcditionsleiter Karl Wien, Universität-Professor aus' München,' wurde verletzt..- Ein großer Brand vernichtete,, wie au» Stockholm gemeldet wird, beinahe völlig da».Stad’wis'rtel S ko e v. Der Schaden istsehr bedeutend.- Der neue Budapester Flughafen wurde am Sonntag im Beisein des Rcichsverweser» und de» Außenministers sowie' einer Zuschaüermenge..von 200.000 Personen eröffnet.— Während, dß» Abtransportes der Zuschauermassen stießen auf dem Lokalbahnhof von Budafok zwei' dichtbesetzls Lokalbahnen zusammen. Nach-den'ersten Meldimgen' gab cS einen Toten und etwa'80 Verwund;eie.-^ Da» Wetter»leiht veränderlich, Beifrischem Westwind sind die Temperaturen! Montag.nachmittags in ganz West» und Mitteleuropa nur'auf,18 bis 20 Grad angesttegen, während.in'Nordtztzvepfm und in Finnland gleichzeitig 25 blS 27 Grast'verzeichnet wurden. Im Hinblick stuf diese-. TeNcher««- turverteilung-ist bei. uns; noch feine- durchgreifende Acudc.rmig der. bestehenden Witterung• zu estvarstw. — W a h r's che i nchi ch st» st-vÄ Heu t.e: In den westlichen unst mittleren Testen des.Staates veränderlich, zeitweise Schauer) änäßfg kühl, Westwind;— W e 1- t e r- au» 1- i Hj.t;st n f U r M i t t w o chr'AUdäuerni deilunbesiäitdsäen Witterung in' der Westhälfte de» StääM.-i'Aichh;ity Osten TempepaturrLckgang möhlich!? j . Vom Rundfiinli’ emwuMswartM am dm PreeraoMMi< Mittwoch:'- - Prag, Sender lr 10.08:-t Deiltsche'.-Hyesie, 10.18: Rundfunk für,' deutsche Schulen,. niedere Stufen, 1210: Schällplätwykonzert,^'18,4.0, scher Arbeitsmarkt, 14: Deutsche' Sptdungr^völÜI» lieber,. gesungen von. Rärmnne,.Mayer.'. 14(40: Opernvorspiele.. 17.40:, Konzert de» Sängeychörd» .'.Slavta", 18.0.8: Deutsche Sendung: Dr.’Mduchä': Reste Bücher ast» der französischen'Literarur^lME: Arbeiterfendimg: Fran, Rehwild: ErsätristmMM für da» svdetendentfche lGtbietj MM Sdiialtnmr- mationen, 18.48: Deutsche Presse.- SOl«: OriMW:. konzert FOK: Mozart) ÄM, Blasiekeetr.; Z1Ä0: Opernmusik: Verdst Bizek ete;', 22.20: Tanzmusik. — Prag,' Sender- Ur' 16:-.OvirnstorftziM!-MM Deutsche Sendung: Kinderstunde, 18.80:.-.Deutsche Presse.'—"Brümf-16:80:-- KlÄierIonztrt-uM'40!: Deutsche Senduügt Reportage.— Prohbrvrg--.14:10: Kompositionen von Grieg, 22.88: Kaschau 12.08: Schallplattenkonzert, 12.88:RtMd- funkorchcsterkonzert, 18.18: Gtsang»kon,erst'-0m- Mährisch-Oftra» 18: Lieder vpst Balcach!„i Rr; 145 Dienstag, 22. Sun! 1937 Seite» BH fraan aawirkschaftan gegen die Angriffe auf die Arbeitslosenunterstützungen und für die Beitragspflicht der Unternehmer Der Aentralgewerkschaftsrat behandelte in seiner letzte» Sitzüng die RegtermigSverordnimg über den StaatSznschntz zu den Arbeitslosenunter. stützmtgen, sie am 30. Juni abläuft, und erklärte, mit kurzfristigen Borkehrungen nicht lein Einverständnis aussprechen zu können. Er verlangt«ine ordentliche, gesetzliche Regelung.. Die ArbeitS- loscnfürsor^e ist in dauertznfter Weis« mit Br» rücksichtigung der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen zu regeln. Die Gewerkschaften lehnen mit.Entschiedenheit die Angriffe ab, die grundlos gegen, die Auszahlung deS Ttaatszu» schuffes durch die Gewerkschaften erhoben werden Und,in welchen häufig Mängel, die durch öffent» lich« Organ« verursacht wurden, auf die Gewerk» schastsfunktionkre überwälzt werden. DI« ArbeitS» lpsenfiirsorge ist eine Aufgabe des modernen Mäates.nnd. ihre Regebmg darf und kann daher nicht. Gegenstand, politischer Zugeständnisse sein. Wenn die Ausgaben für Arbeitslosenfürsorgc in aussergewöhnlichem Mähe gestiegen sind, so ist dies nicht die Schuld der Gewerkschaften, sonder» di« Folg« der Wirtschaftskrise und der Arbeit-» losigkcit, zu welcher die einseitige Rationalisierung der Produktion und Distribution wesentlich beiträgt. ES ist daher die Forderung vollauf gerechtfertigt, daß auch die Arbeitgeber zu dem Aufwand, welcher dem Staate' und bett Gemeinden erwächst, wenigstens in dem Mahr beitragen, in welchem die Mitglieder der Aewerkschaftsorgani» sationen eS tun. Die EntährnngSaktion kann nicht als genügende öfftntliche Massnahme angesehen werden, eS muh jedoch entschieden abgelehnt werden, wenn auch diese ungenügende Fürsorge noch beschränkt und in ungleicher Weis« durchgeführt wird, besonders dort, wo di« Gemeinde» oder Be» zirkSsozialkonimission nicht fungieren oder in ihrer Tätigkeit beschränkt werden. * eNPCohnbewegung Im Krelstextllgeblet Rumburs (UT) Seit einigen Wochen wird im Rum« bprgcr'Kreirtexiilgebiet um eine Lohnerhöhung .für die Textilarbeiter von den Gewerkschaften gestritten Die. Arbeiterschaft sollte sich mit einem Geschenk jn Form einer in Raten zu zahlenden AuShikfd zufrieden gäben. Es gelang den Ver« trägSgewerkschaften diese Aushilfe in eine Stun- .denhellerzulage umzuwandeln. Für die zwei Feinspinnereien und eine Färberei» und Merzerisier« anstält"wurden Vereinbarungen mit 10 Prozent, süd'd'id Firma Löwinger& Glas, Buntweberei in ZDckaü. ein solche von 8 Prozent, die Auszahlung beginnend mit Anfang Mai, abgeschlossen. Dagegen bieten die übrigen Buäftveberei- industriellen, die Unternehmer der Lohnsärbereien und'Ausrüstungsindustrie nur 8 Prozent zu den jetzigen' Vertragsstundenlöhnen, tvaS aber die Arbeiterschaft als ungenügend abgelehnt hat. Die Teppich-,'Decken- und Möbelstoff-Fabrikanten versuchen den Vogel abzuschiehen und haben für ihre'Arbeiterschaft überhaupt'nichts übrig. IN dieser Situation hatte das Ministerium für soziale Fürsorge, unter dem Borsitz des Gewerbs-Inspektors Jng. Tech für den 18. Juni neuerlich Verhandlungen anlberaumt, die aber wieder ergebnislos verliefen, da bie- Industrie ihren' Vorschlag: aufrechterhielt und die Arbeiterschaft der Teppich-, Decken-, und Möbelstoffindu- strie weiter von einer Lohnerhöhung ausgeschlossen bleiben soll.'Die Unternehmer dieser genannten Textilbranchrn' scheinen'einen sonderbaren Begriff von' der„Volksgemeinschaft" zu haben und eS sieht 'ganz so. aus, als ob sie die Arbeiterschaft gern ' Man erhält für Ke 100 Reichsmark..,.. . 748.— Markmiinzen.-.. . 790.— 100 österreichisch« Schilling. . 531.— " 100' rumänisch« Lei... . 10.95 .100 polnisch« Zloty... . 543.50 100'ungarische Pengö. . 578.50 100 Schweizer Franken'... . 658.25 100 französische Francs.. . 128.20 " 1 englisches Pfund.'.. . 140.75 1 amerikanischer Dollar . 28.60 10O italienisch« Lire... . 139.40 100' holländische Gulden.. . 1577.— '-100 iitgoslawische Dinare 65.30 ' 100 BelgaS . 484.— 100 dänische Kronen. . 631.— 100' schwedische Kronen.. . 729.— provozieren möchten. Hoffentlich besinnen sich die weitaus in der Mehrzahl deutschen.Unternehmer in letzter Stünde darauf, daß die sudetendeutschen Textilarbeiter im Rumburger Gebiet Wohl zu niedrigen Löhnen jahrelang gearbeitet haben, daß sie sich aber zu wehren wissen, wenn sie von ge« wissen Herren zu chinesischen KuliS degradiert werden sollen. Bauarbelterstrelk In Brünn Die Brünner Bauarbeiter verlangten von den Unternehmern eine zehnprozentige Lohnerhöhung, die vorerst von den Baumeistern abgelehnt wurde. Montag vormittags fanden neuerliche Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeiterschaft und den Unternehmern statt. Die Baumeister erklärten sich nun bereit, den Lohnverhandlungen zuzustimmen, aber nur bei Neubauten. Bei den übrigen Bauten sollte die Erhö« hung erst am 1. August eintreten. Die Vertreter der AÜbeiterschaft verharrten jedoch auf ihrer Forderung nach einer sofortigen Lohnerhöhung für alle Bauarbeiter. Die Verhandlungen haben sich also zerschlagen und die Bauarbeiterschaft beschloß, in einer gestern Nachmittag im Arbeiterheim in Brünn abgehaltenen, von zirka 4800 Personen besuchten Versammlung einstimmig in den Streik zu trete». -Der StandpunktderBaumetstertst'bollkoM- mcn ungerechtfertigt. ES ist sehr'bcdäücilich, das; die Arbeiterschaft gezwungen wird,"sich ihr Recht durch einen Streik erkänipsen zu müssen. Wenn man bedenkt, daß kein anderes Gewerbe aus öffentlichen Mitteln so sehr unterstützt wird als das Baugewerbe, dann muh man das Vorgehen der Unternehmer umso schärfer verurteilen. Die Verhandlungen in der Ostrauer Metallindustrie. Donnerstag wurde bis 28 Uhr nachts in Witkowitz über die Forderungen der in der metallverarbeitenden und chemischen Industrie des Ostrauer Bezirkes beschäftigten Arbeiter verhandelt. Wie wir vom Sekretariat des Jndu- striellenverbandeS erfahren, ist zwischen den Ber- tragsparteien bezüglich der Einreihung der Arbeiter inPabellenlähne(automatische Borrük- kung), und zwar vom 1. Juli d. I., eine Annäherung eingetreten. Was.die.geforderte Lohnerhöhung betrifft,, so haben die Industriellen eine Teuerungsaushilfe in zwei Raten angeboten, lieber die endgültige Höhe' dieser Teuerungsaushilfe wird verhandelt werden ebenso wie auch noch über andere Einzelheiten, und zwar in der nächsten Woche. - Erhöhte Maschinenausfuhr. Die Ausfuhr von Maschinen und Apparaten, erreichte im Jänner bis Mai 1987 einen Wert vvn' 120,1 Million KL. In der. gleichen Zeit, des Vorjahres haft« sie NürPZ,8 MillihüenM betragen-- Die 40-Stundenwoche i vor der Internationalen Arbeitskonferenz '(JGB) Bekanntlich beschäftigt sich die zur Zeit in Genf tagende Internationale Arbeitskonserenz mit der Frage der Einführung der 40- Stundenwoche in der Textilindustrie, im Graphischen Gewerbe und in der Chemischen Industrie. Nachdem man bereits vier Jahre über die allgemeine Frage der 40-Stundenwoche diskutiert hat, sipd die erzielt«» Ergebnisse sehr bescheiden: 1988 würde eine Rähmenkonvention angenommen, daß die Durchführung der 40-Stundenwoche.ohne Lohnverlust erfolgen soll. Weiter wurden eine Konvention über' die'40-Stundenwoche bei den öffentlichen Arbeiten und zwei' KoiweNtionen bezüglich der Tafel« und Flaschenglasindustrie angenommen. DaS ist alleSI Als sestgestellt wurde, daß es unmöglich wnr, eine allgemeine Konvention entsprechend. der über den Achtstundentag von Washington aus dem Jahre 1919, zu.erlangen, wurde die Methode der Durchführung der neuen Arbeitszeitverkürzung Branche für Branche angenominen. Augenblicklich wird die Frage itt den drei Komniissionen für die Industrien, di« diese» Jahr an der Reihe sind, diskutiert, lieber das Ergebnis kann man sich vorläufig nur sehr zurückhaltend Lüstern, um so mehr, als sich bi» jetzt diese Methode als äußerst enttäuschend erwiesen hat. Deshalb ist die internationale Arbeiterbewegung entschlossen, von der bisherigen Prozedur avzugehen: Jouhaux und Mertens haben im Namen der Arbeitergruppe des LAA einen RosolutionSentwurf voogelegt, in dem xs unter anderem heißt: „Da eine solche Methode, die mehr Nachteile als annehmbare Ergebnisse bringt, noch eine nicht abzuschähendc Reihe von Jahren braucht, ehe eine befriedigende Lösung erreicht ist, und da sowohl die wirtschaftliche Lage als auch das bisherige Experiment klar beweisen, dah die zu unternehmenden Anstrengungen darauf gerichtet werden müssen, eine allgemeine Konvention zu erreichen, wird der BerwaltungSrat gebeten, die Lage zu prüfen und ins Auge zu fassen, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Konferenz(1988) die Frage derGene- ralisierung der Arbeitszeitverkürzung für alle Wirtschaftsgebiete, die nicht von den bisher bereits angenommenen oder, auf der Konferenz von 1987 noch anzunehmen- den Konventionen betroffen sind, zu setzen." Die■ Internationale Ärbeiiskönferenz hat Samstag di« erste Lesung der Konvention über die Erhöhung der Altersgrenze für die Zulassung zur Arbeit von 14 auf 18 Fahre beendet und sogleich die Generaldebatte über die 40stündige Arbeitswoche in der Textilindustrie eröffnet. Die Vertreter Großbritanniens, Indiens und Japans sprachen sich gegen diesen i Antrag aus. Die Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten, sowie der amerikanischen Arbeitgeber sprachen sich für diese Reform aus, welche die Industriellen Amerikas auch nach der Aufhebung der NRA.- Gesetzgcbung freiwillig Weller einhalten. Dienstag nahm die Konferenz In erster Lesung den Antrag über die 40stündige ArbeitS« lösche in der Textilindustrie mit 73 gegen 42 Stimmen an. Ebenso wurde in erster Lesung der Entwurf, über eine. Herabsetzung der Arbeitszeit in der chemischen Industrie, und zwar mit einem StlmmverhältniS von 62 gegen 41 Stimmen angenommen. Beide Anträge werden Gegenstand einer zweiten Abstimmung sein, weil zu ihrer endgültigen Annahme eine Zweidrittelmehrheit nötig fft. Das Versagen der Diktatur . Eine englische Stimme. zu den Hinrichtungen In USSR Der Londoner sozialistische„Dailh He- rald" schreibt über die Hinrichtungen in der Sowjetunion: Plötzlich und geheimnisvoll hat die Sowjetunion sich durch Hinrichtungen von allen befreit, die noch vor ein paar Wochen allgemein als die glänzenden und verantwortlichen Führer der großen Roten Arniee betrachtet wurden. Anklage, Geständnis, Prozeß, Hinrichtung, da» ist die fürchterliche— nun schon fast monotone— Methode der Sowjetjustiz. Diesmal hat die Außenwelt noch weniger Gelegenheit als bei den srühcre» Prozessen, die wirkliche Schuld oder Unschuld der Angeklagten zu ermitteln. Die Wirkung dieser raschen Folge von Prozessen und Hinrichtungen auf die öffentliche Meinung der Well und besonders der demokratischen Länder ist erschreckend und verivirrcnd zugleich. Besonders bestürzt müssen die Freunde der Sowjetunion sein, die tticht nur die. großen Erfolge wirtschaftlicher Entwicklung innerhalb der Solvjetunion anerkennen, sondern auch die großen Dienste, die Sowjetruhland dec Sache des Weltfriedens geleistet hat und. noch leisten kann. Aber heute wird alles Gute in Sow- jctruhland überschattet von der dunklen Wolle eines Terror-Regimes, das selbst von den faschistischen Ländern unerreicht und unübertroffen ist. Und ftir dieses Terror-Regime kann man keine zureichende Erklärung und gewiß keine zureichende Rechtfertigung in den offiziellen Verlautbarungen finden. ES kann sein, daß die Führer der Sowjetarmee, di« im Feuer des Bürgerkrieges erprobt waren, daß politische Arbeiter von jahrelanger Parteitreue und mit einer Vergangenheit von gefahrvoller Arbeit, daß industrielle Funktionäre, deren ganze frühere Laufbahn von williger Ergebenheit für die Ausgabe zeugt, Rußland ökonomisch zu sichern, nun Verräter gavorden sind. Es kann aber auch sein, daß eine Bürokratie, die ihre Versprechungen nicht erfüllen komtte, sich nun damit zu verteidigen sucht, daß sic alle hinrichtet, die in der Wirkung versagten oder die gegen die Diktate der Bürokratie zli murren wagtest. Die Außenwelt jedoch wird sich klar darüber sein, wo das wirkliche Versagen liegt. ES liegt im Versagen der Diktatur als Mittel des Sozialismus und der sozialen Gerechtigkeit. Diktaturen halten sich nicht. Sie werden umso engstirniger und ungerechter, je älter sie werden. Denn indem sic jede Kritik unterdrückens jedes Argument, jede freie Debatte über alles Wichtige im Staat«,'sperren sie allsBrüffenHir Freiheit nacheinander ab. Je- größer ihre Macht wird, desto größer wird ihre Furcht. Es kommt eine Zeit— und in Rußland scheint sic schon gekojn- inen zu sein— wo nur das Abschlagen vieler Köpfe die Furcht mäßigen kann. Liber auch das niildcrt die Krise nur vorübergehend." Abt Schachleitner gestorben. In Feilcnbach In Obcrbatzcrn ist in der Nacht auf Sonntag der Abt Alban Schachleitner im Alter von 78 Jahren gestochen.— Abt Schachleitner wirkte bis zum Umsturz als Äbt des Emaus- klosters in Prag. Nach dem Umsturz geriet er iit Konflikte mit der neuen Staatsgewalt und verließ bald darauf nicht ganz freiwillig Prag, um sich in Bauern niedcrzulassen. Dort trat er bald offen für den Nationalsozialismus ein, was ihm Konflikte mit den kirchlichen Bebörden eintrug und dazu fiihrte,-daß ihm schließlich sogar-daS Recht zur Vornahme geistlicher Handlungen entzogen wurde.''.' General LukacS gefallen. Bei den Kämpfen an der Guadalajarafront fiel der Kommandant der 2. Brigade, General Paul L u k a e s, ein ungarischer Kommunist.(AP) Äusstellungsstll 1937 Paris, im Juni.‘ Leistungsstil und Propagandastil .Bei den bisher auf der Weltausstellung er- öffneten ausländischen Pavillons läßt sich klar jdiese doppelte Zielsetzung erkennen; die einen Völker tverben durch di« zur Schau gestellte Leistung,' duitchd.Ie Schönheit threr Pradukte,.sie geben deniÄnssWssngSovjekke.n eiüen kostbaren archiiek- tonischen Rahmen, die andern stellen das' werbende Wort und Bild in den Vordergrund, verzichten.auf Fußböden aus Edelhölzern und auf kostbare' Wandteppiche,' stellen Photokompositionen, Spruchbänder, Statistiken neben die Werke, und Produkte des'Landes in eitle mutige Architektur Mein.,. Das Ueberraschcnde ist, daß' die Muster« Pavillons, dieser'bpiden Stile nicht etwa die Mönstrepavillons von Rußland,. Deutschland, oder .JMieWistd,^sondern die zioeier kleiner demokra» tischen Staaten: Belgiens und der Schweiz. Wie Merh.äupt.did.ckltiken-Daaten— auch die Tsche« choslowakei wird dazugehören, soweit man eS nach ,dem bisherige» Stvärd des Baues beurteilen kann an'Ldeeftsülle und Beispielen des sozialen' Fortschritts an der Spitze'.stehen. Die. Demokratie . als Ausstellungsobjekt ist bei den, skandinavischen 'Stg^ew pich'hior'wW^ällenl W-schwedischefl Bä- ,villon-meisterhaft zur' Geltung gekommen.Auer '<;■> ,,' hier sind Leistungs« und Propagandastil noch gemischt. Die Belgier bringen den reinen Leistungsstil in höchster Vollendung. Jn einem schönen an die Seine gelehnten Bau überrascht eine gewaltige Ehrenhalle mit Wänden aus Edelhölzern und wundervoller eingelegter Holzschnitzerei. Cs folgen Räume mit Gobelins, Brüsseler Spitzen, Erzeugnissen der Antwerpener Diamantenschleiferei in indirekt beleuchteten Vitrinen. All dies sind Objekte, die durch sich selbst wirken, hier würde jede Photokomposition, jeder architektonische Witz nur stören. Durch gute Raumaufteilung sind diese Schaustücke zu ihrer ganzen Wirkung gebracht. Alles andere, und es wird noch sehr,.vieles Schöne gezeigt, kann'neben diesen Sälen natür- lich nur Beiwerk sein. Der Pavillon klingt aus in einen geschmackvollen Wintergarten. Belgien hat an. den Besucher kein einziges Wort gerichtet und kann doch von jedem hören:„Welch schöne» Land■ . Der Nachbarpavillon ist der der Schweizer. Die völlig gläserne» Wände lassen alles Licht hindurchfluten und der erstaunte Besuchet sieht hier, eigentlich daß, wgs er'»»'russischen Pavillon erwartet hattev Viele Meter hohe PhötoS> Bildkompositionen, die durch Aufmachung und Inhalt de»! Beschauer.anrufen. Aber sie rufen:'„Komm zu uns, wir sind ein freies VollI"—„Bei uns sind alle Rassen gleichberechtigt!"'„Wir wählen unfereFUHrev injfreier WahlI"'>Jeder, freie Schweizer v.erteidigt sein freies Landl" Harmo nisch ist diese Propaganda mit den dargestellten Objekten verbunden. Sie erdrückt nicht, sondern weist auf sie hin; ein« Freude ist es, die Uhrenschau anzusehen oder die in freiem Deutsch geschriebenen Bücher, um nur weniges herauszugreisen. Und die Schweiz müßte nicht ein Touristenland sein, wenn man nicht nach einem Blick über das Panorama der Schweizer Berge in den schönsten bisher geöffneten Kaffeegarten träte. Diktaturenstile Neben diesem demokratischen Sttl, wie ihn vor. allem die Tschechoslowakei, Belgien, die Skandinavischen Staaten und die Schweiz vertreten,,'ist der sDiktatorenstil" zu nennen. .'Deutschland, das 40 Millionen Francs verbaut hat,, wollte„würdig" erscheinen. Diese Hel- dengedenk- oder Bahnhofshalle—- sie hat in der Architektur, von beiden etwas— zeigt vor allem, miti Betonung des Altdeutschen, Jndustrieerzeug- nisse, wie sie auch die Weimarer Republik nicht anders gezeigt hätte. Ersatzstoffe und Nationalsozialismus sind in die Ecken gedrängt. Schwere gewaltige Lüster strahlen in dieser dämmrigen Halle'auch dann, wenn, draußen die hellste Sonn« glitzer^ Die Wände sind bebängtmit Bildern in bievexem Schlachtenmalerstil, deren riesige AuS- mahe das einzig.bemerkenswerte sind. Man fühlt überall den falschen Ton, die übergroße Aengst- lichkeit, jeder moderne Luftzug fft' ferngehalten. Der'deutsche Dfftäwrenstil ist gar kein Stil. Hier haben wir ein genaues Abbild des Dritten Reiches: Aller ist tastbar, aller ist'teuer, ein Glanz strahlt aus, der viele Leute blendet, aber das klare Auge erkennt die Gedanken- und Stil- lostgkeit. Ganz anders der italienische Pavillon, der einem viclstöckigen Warenhaus ähnelt. Z)rr Faschismus zeigt im Erdgeschoß unverhüllt sein Gesicht. Mussolini ist mutiger als Hitler. Er läßt sich als Römer hoch zu.Pferde am Seineufer hinbauen— während Hitler im deutschen Pavillon nur einmal recht klein auf einem Riesenschinken „unter anderem" zu sehen ist. Italien zeigt sein Empire, zeigt in nüchternen Landkarten das riesige Abessinien, zeigt seine Kämpfer,im Lande des NeguS. Aus jedem dieser Bilder schreit' es: Dies fft erobertes Landl Eine vier Etage» hohe Marmorplatt« kündet den Ruhm Roms, eine entfesselte Jungfrau springt von Mswen umrauscht a»S ihr hervor. Der erste Eindruck der Gewalt bleibt haften, auch wenn man iw höhere Etagm vorstößt, wo es friedlicher wird und ein„Knltur- bolschewiSmuS" vorherrscht, der im Freundesland Deutschland längst auf dem Scheiterhaufen geendet hätte. Der italienische Pavillon ist brutal, aber ehrlich, der deutsche Pavillon verwaschen und unehrlich. Qnb somit wären diese beiden Diktaturen wohl an der Seine in ihrem wahren Stil vertreten i Georges W ro. Stift 6 .Sozialdemokrat' Dienstag, 22. Juni 1937. Nr. 145 AagerAMmg Der Höhepunkt des Prager DD-Krelsturnfestes am Sonntag im MasarHl-Stadion bildete das Auftreten der T u r n e r i n n e n und Turner. Den Vorführungen wohnten bei u. a. Vertreter der Kanzlei des Präsidenten, des Justiz« und des Für« sorgcministeriums, der Militärgarnisonskommandos, für die Stadt Prag der Pcimator-Stellvertreter I. Kellner, für den Ätur Schrader und für die tschechische sozialdeniokratische Partei Abg. Dr. Meißner und Sekretär Berger. Die Beranstaltung wurde eröffnet durch die Sportler und Sportlerinnen, welche Sia- settenläufe, Hazena- und Wollchballspiele— welche propagandistisch gut wirkten— absolvierten. Anschließend marschierten rund 2 5 0 S o l d a t e n, beifällig begrüßt, zu Freiübungen mit dem Gewehre auf. Sodann wurde der eigentliche turnerische Teil mit den internationalen Freiübungen zur Antwerpener Olympiade durch 900 Turnerinnen eröffnet, denen 750 Turner folgten. Beide, Frauen wie Männer, führten ihre Uebnligcn rhythmisch und technisch gut vorbereitet durch. Tas folgende Geräteturnen von je zwölf Sechserabtcilunge» der Turner und der Turnerinnen am Barren und am Pferd wiesen neue Wege in dieser Turnart, welche auch musikalisch gute Unterstützung fand. Den Abschluß des turnerischen Auftretens bildeten, die gemeinsamen Freiübungen der Turnerinnen und Turner, welche" der" TTJ-Berband auf der Antwerpener Olympiade als Sonder Vorführung zeigen wird und ein malerisch"schönes Bild boten, deren Farbenesfekte den Hebungen noch mehr Wirkung und Inhalt gaben. Hierauf beschlossen Samariter des Prager DTJ-ÄreifeL die Veranstaltung, indem sie im Rahmen einer Szene ihre Tätigkeit und Hilfe bei Flugangriffen in wirksamster Weise vorsührten- Alle Vorführungen fanden den wohlverdienten Beifall der zahlreichen Besucher. Neber die sportlichen Ergebnisse berichten wir an anderer Stelle. E- Räuber verhaftet. Gestern! vormittags gelang cs in Prag den 27jährigcn Räuber Bohumil BcneS aus Chudenitz zu verhaften, der am 10. Juni die Wand des GerichtSgefängnisseS in Ncubydjov durchgesägt halte und entflohen war. Zwei Selbstmorde. Vorgestern abends nahm die arbcits» und wohnungslosc 81jährige Musiklehrerin Emma B a d e r le hinter der Apollinariuskirchc in Prag II ein unbekanntes Gift und wurde in bewußtlosem Zustand von der Rettungsgcsellschaft auf die Klinik Hynek gebracht. Anlaß der Tat ist Not.— Gestern nachmittags wurde das 17jährige Dienst» mädchcn Marie Ziem an aus Prag XII, Jtalskä, voll ihrer Dienstgcbcrin bcivußtlos in der Küche gefunden. Sie hatte sich mit Leuchtgas, zu vergiften versucht. Ursache der Tat ist unglückliche Liebe. Ei« ftttogener Bttrüger. Vor tlnlgcn Tagen erstattete ein.Wirt in Spokilov, der 89jährige Josef P l a ch h. die Anzeige, daß ihm 61 Bierröhren im Werte von Kf 8000.— aus dem Keller gestohlen worden seien. Es stellte sich bald heraus, daß Plachh, der gegen Einbruch versichert war, sich die Röhren absichtlich hatte stehlen lassen, um die Vcrsichcrnngs- summe zu bekommen; u. zw. hatte er mit der Aus» inhrung der Tat den 28jährigen arbeitslosen Bäcker Jaroslav M i in r a beauftragt. Dieser halte aber seine Vollmacht noch überschritten, da er sich im Keller an den Vorräten PlachhS gütlich getan und überdies Lebensmittel im Werte von etwa Xi 500.— batte mitgehen lassen. Ter Auftraggeber und der Beauftragte wurden in Haft genommen. An den Listschacht gestürzt. Gestern vormittags arbeitete im zlveitcn Stock eines Hauses in Wrscho- witz der 32jährige Pflasterer Joses L a c i u a ans Modran, wobei er, als er sich in einen Listschacht hinabbcugle, das Uebergewicht bekam und hinunter- snirzte. Mit. einer sckivcren Gehirnerschütterung und einem Bruch de» rechten Unterkiefers wurde er von der RcttungSgesellschaft auf die Klinik Jirasck gebrächt. Eifersuchtsdrama mit glimpflichem Ausgang Eröffnung,der dritten Schwurgerichts- perlode Prag,-rb- Vierzehn Tage nach Abschluß der zlvcite» Schwurgcrichtsperiode wurde gestern die dritte Seision des Prager Schwurgerichtes eröffnete Alan kann nicht behaupten, daß die zeitliche Einteilung der diesjährigen SchlvurgcrichtSperiodcn eine besonders glückliche war. Im Gegensatz zu anderen Jahren,, in welchen die Schwurgerichtssälle der ersten Jahreshälfte regelmäßig so verteilt waren," daß die ersten drei Schwurgerichtspcrioden in ziemlich gleichmäßigen Zeitabständen angesebt wurden und die" Sommerscssion des Schwurgerichtes längstens bis Mitte Juni beendet war, beginnt in diesem Jahre die" dritte Schwurgerichtsperiode erst Ende dieses Monats,, was namentlich von den als Geschworene ausgelostcn Kleinlandwirten höchst unangenehm empfunden werden dürfte, die mindestens für eine Woche den dringenden Feldarbeiten entsagen werden. Ob eine solche Ansetzung der Schwur- gerichtsperiodeü wirklich unbedingt notwendig wär, mag dahiygestcllt fein. Das vorläufige. Programm der neue» Tchwurgcrichtspcriode umfaßt fünf, Fälle, darunter einen zweitägigen Prozeß. Der erste SchivurgerichtSprozeß der dritten Session.betraf eitit Anklage, Wege n nicht vollendetem M° r d e s. Vor.dem Schwurgericht