Ur. 152. Kdomremtitts-Kedwgvnge«: AbonnsniinIS- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3,30 SDlt., monatl. 1,103111., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau«. Einzelne Nummer B Pfg. Sonntag«- Slunimer mit illustrierter Sonntag«- Leilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- «donnement: Z.ZO Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung«- Preisliste für IVOS unter Er. 7820. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich»icher wonlag«. Vevlinev Volksbl�tt. 16» Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgefpallene Kolonel- »etle oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche BsreinL- und Versammlung«- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anl-igrn" s-de« Wort 5 Psg. (nur da« erste Wort seit). Inserate für die nächste Nummer müssen bi«« Uhr nachmittag« tn derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festlagen bi» 8 Uhr vormittag« geöfsn«. Fernsprecher: Smk l, Nr. lSOS, Telegramm-Adresse: „Sortaldemostral verlin» Centralorgan der socialdemokratrfchen Partei Deutschlands. Rrdakkivn: SW. 19, Venkh-SkraKe 2. Expedition: SW. 19. Venth-Strahe 3. Zeichen der Zeit. Wer jetzt mit einiger Kenntnis der Geschichte, so daß er Vergleiche mit früheren Geschichtsperioden anstellen kann, die Zcirungen liest, wird sich sagen müssen, daß eine Periode so allgemeiner Bewegung der Menschen und Unsicherheit der Verhältnisse kaum jemals gewesen ist. Ja wir können getrost sagen: niemals. Denn selbst in den Zeiten der französischen Revolution ist, wenn auch die Ereignisse dramatischer er scheinen, die Bewegung der Menschen und der Völker doch auch nicht annähernd so allgemein gewesen. Und da die Be wegung auch eine tiefe ist, im Ganzen gewiß tiefer als da mais, so wird die dramatische Gestaltung wohl nicht auf sich warten lassen. Einstweilen mögen wir uns mit Ereignissen gepug sein lassen, wie dem Zusanunenbruch des spanischen Kolonialreichs, den Hungerrevolutionen in Jtalicis, -- Ereigtiissen, denen es wahrhaftig nicht an dramatischem Interesse fehlt. Was neben der Allgemeinheit der Bewegung unsere Zeit bor allen früheren auszeichnet, ist das Fehlen einer festen Grundlage in den vorhandenen Staatengebilden des euro Päischen Festlandes. Denn von England, das seine eigene, von der des Kontinents verschiedene Entwicklung genommen hat, müssen wir hier abschen. Schauen wir uns um. Wohin wir blicken ein gährendes .luf- und Abwogen— politische Krise, sociale Zersetzung Und bei aller Verschiedenheit der Bewegung in den ver schiedenen Ländern eine frappante Aehnlichkeit, die auf Gleichheit und Gemeinsamkeit der Ursachen schließen läßt. Es waltet dabei ein augenfälliger Parallelismns, indem sich in mehreren Ländern gleichzeitig die gleiche Form der Er eignisse zeigt. So haben wir, bei sonstiger Verschiedenheit, feit fast einem Jahrzehnt eine merkwürdige Aehnlichkeit der Be wegung in O e st r e i ch und Belgien. Die Arbeiterklasse hier wie dort fordert die politische Gleichberechtigung. das allgemeine und gleiche Wahlrecht.— die herrschenden Cliquen widersetzen sich, und in dem Kampf zwischen Regierung und Arbeiterklasse wird das ganze Staats- Wesen erschüttert, der Auflösung und Katastrophen zugeführt. Die Kurzsichtigkeit der östreichischen Staatsmänner, die nicht begreifen können oder wollen, daß die moderne Arbeiter- bewegung und der Völker ei nigend e Socialismus die einzige Rettung ist vor dem Zerfall durch das Völker t r e n n e n d e Princip der Nationalität, hat aus Oestreich eine ziveite Türkei gemacht— einen Staat, der mit raschen Schritten dem Unter- gange zueilt. Ein noch augenfälligerer Parallelismns als zwischen Oestreich und Belgien findet statt zwischen den zwei romanischen Zandern Italien und Spanien. In beiden Ländern herrscht völlige Anarchie, und es wird sehr schwer sein, zu entscheiden, in welchem von beiden die Anarchie weiter fortgeschritten ist. Spanien— ein Land mit allen erdenkbaren Naturvorteilen und einem körperlich, geistig und nioralisch außerordentlich begabten Volk, ist durch ein verkehrtes Regierungssystem in einer Weise zu Grunde gerichtet worden, die schon zu Anfang der KOer Jahre den englischen Geschichtsphilosophen Buckle zu einem der schönsten Kapitel seines großen Geschichtswerkes anregte. Die Junker, die Pfaffen und die Kolonien haben Spanien in feiner EntWickelung gehemmt, und das politische, geistige und wirtschaftliche Leben zum Stocken gebracht, so daß Spanien, einst die Beherrscherin der Welt, unter den civilisierten Staaten gar nicht mehr zählt. Die Junker, die Pfaffen und die Kolonien— ja, das ist für das arme Spanien die staats zerstörende Dreieinigkeit gewesen. Die Junker, welche, Verächter der Arbeit, die Begründung des Staates auf der allein dauerhaften und gesunden Grundlage der Arbeit verhinderten, in männerniordenden Schlachten, und giftigem Kriegslorbeer— der giftigsten der giftigen Lorbeer- arten— den Ruhm und die Ehre des Landes erblickten und die Erschließung der natürlichen Reichthümer Spaniens nicht duldeten. Die Pfaffen, welche die Erhaltung des Volkes in Aberglauben und blindem Gehorsam als den vornehmsten Staats- und Kirchenzweck betrachteten, die tüchtigsten Elemente des Volkes ans deni Scheiterhaufen ver- brannten, und das Vaterland eines Cervantes, Calderon, Bega, Murillo und Velazquez zu geistigem Tod verurteilten. Und die Kolonien, deren unerschöpf- ltche Gold- und Silbernlinen der Junker- und Pfaffen- Wirtschaft blendenden Glanz verliehen und das Volk über sein Unglück und Elend hinwegtäuschten— bis es zu spät war und Junker und Pfaffen in brüderlichem Bunde ihr gcist-, Volk- und staatzerstörendes Werk vollbracht hatten. Nun ist das spanische Kolonialreich in Trümmer gefallen, die letzten Reste sind an den Meistbietenden verkauft, aber Junker und Pfaffen liegen noch wie ein Heuschrcckenschwarm auf dem Land, und das jahrhundertelang geknechtete, geschwächte, ver- krüppelte Volk hat nicht mehr die Kraft, sich der Plage zu er- Ivchren. Oder doch? Und wo sind die Kräfte für schöpferische Thaten— nicht bloß für wilde Verzweiflungs- streiche, die töten, nicht beleben—? JnJ t a l i e n, dem unglücklichen Schwesterlandc Spaniens, nach zwei Hungerrevolutionen ein verkappter Staatsstreich. Die Regierung, am Ende ihres Lateins, außer stände, der kleinen socialistisch- republikanischen Kammerminderheit Herr zu werden, bricht Gesetz und Verfassung. Die Staatskunst der herrschenden Sippen— denn von Klassen ist da nicht zu reden— bankrott, alles dem blinden Zufall, der Willkür über lassen, Politik von der Hand in den Mund.— Auch im dritten der romanischen Staaten, in Frank reich, chaotisches Durcheinander. Die Republik in Gefahr, die herrschende Klasse in sich gespalten, die Bourgeoisie nicht mehr regierungsfähig, das Proletariat noch nicht regierungs fähig, wenigstens nicht für die Regierung vorbereitet,— die Republik in Gefahr, und ihr„Retter" ein Mann, der vor 28 Jahren die einzige Hoffnung der Republik, das Proletariat, zu Zehntausend hat zusammenschießen lassen— welches Wirrsal. Welche Katastrophen im Schöße der nächsten Zukunft! In unserem eigenen Land, dem deutschen Reich, weniger Tragik und Dramatik, aber fürwahr nicht weniger Wirrsal— Vertuirruna, Planlosigkeit und Hin- und Her schwanken. Die Regierung, auf den Knauf des Schwertes gestützt, nennt sich und läßt sich nennen „eine starke Regierung", allein, obgleich sie die Stärke des Kindes besitzt, das den Hebel einer Lokoinotive in die Hand bekommen hat und schweres Verderben heraufbeschwören kann, ist sie thatsächlich ein Spiel der Wogen und Winde und treibt steuerlos im Zickzackkurs. Eine zerschmetterndere Niederlage. wie die um das Zuchthausgesetz, hat noch keine Regierung erlitten, und eine ebenso klägliche Niederlage wird gegenwärtig im preußischen Landtage organisiert, wo ein Konflikt mit den Junkern in einen gemeinen Kuhhandel aus läuft. Kein Plan, kein Ziel, kein staatsmännischer Gedanke. Wer hat in den„großen Debatten" über das Zuchthaus gcsetz in den Reden der Negierungsvertreter einen leitenden Gedanken entdeckt? Ueberhaupt einen Gedanken? Und diese Regierung bleibt im Amt und„regiert" weiter. Die Arbeiter ksasse, auf welcher der Staat und die Gesellschaft ruhen, als staatsfeindlich außerhalb des Staates stellet!, die Junker- clique, die schon so viele Staaten zerstört und noch keinen gegründet und erhalten hat, als die staatserhaltende Partei anerkennen, hätscheln, pflegen, stärken, alles andere ihr unter ordnen— das ist oberste Regicrungsmaxime des Zickzackkurses. Und dieser, der Zickzack- und Zuchthauskurs, erlebt jetzt, daß auch sein letztes Ideal, das ihm als eine Art Leuchtturm in der Nacht vorschwebte, vor seinen Augen erblaßt, verlöscht Rußland, der Hort der Reaktion, ist nicht mehr der feste,„ewig gefestete" Punkt, der es ein Jahrhundert lang unseren Reaktionären schien. Es ist vom Strudel der modernen Bewegung erfaßt worden— es hat eine Ar beiterbewegung.eS hat Streiks. Und das alte zarische Regierungssystem ist bankrott; in den reichsten Landstrichen nüt der besten„schivarzen Erde" Landstriche, größer als Deutschland— wütet seit Jahren die Hungersnot; Hunger und Seuchen haben die Bevölkerung decimiert, und so gut wie den gesamten Viehstand vernichtet— und kein Geld in den Staatskassen, so daß. um sie wieder zu füllen, die Haager Friedenskomödie gespielt werden muß. Der letzte Hoffnungsanker der Reaktion vom Rost zer fressen, zermürbt, zerbröckelnd-- Das ist das Schauspiel, welches die Staaten des europäischen Festlandes uns bieten. Syniptonie der Auflösung, der Umgestaltung, des A b st e r b e n s und der N e u g e b u r t, wohin wir uns wenden. Und die Neugeburt gewaltsam zu stören, ge- waltsam zu verhindern, das ist das Alpha und Omega der estländisch-europäischen Staatsmannskunst. Die Bergarbeiter- Unruhe« im Rnhrrevier. Wie der Telegraph meldet, haben nicht bloß die Unruhen um Herne aufgehört, sondern auch der Streik ist als beendigt anzusehen. Diese Nachrichten werden unS von unserem V o chumer Kor- respondenten bestätigt. Derselbe schreibt unterm 30. Juni:„In Herne fahren die meisten Streikenden bedingungslos wieder an, das Militär hat„beruhigend" gewirkt. Dagegen haben sich heute den Streikende» auch Zeche„König Ludwig"(2 Schächte) und auch die Beleg- schaft der Zeche„General Blumenthal"(3 Schächte) bei Reckling- hausen angeschlossen; die Zahl sämtlicher Ausständigen, die überwiegend Polen sind, beträgt gegen 3S00 Mann. Forderungen sind im allgemeinen noch nicht gestellt, wenn es aber möglich ist, am Sonntag in Rccklinghausen eine Ver- samnilnng abhalten zu können, wird jedenfalls eine Verständigung der Streikenden herbeigeführt. Dieselben verhalten sich ruhig." Das Militär hat in der That„beruhigend" gewirkt, freilich wird die Wtit der Verzweiflung zurückbleiben. Am Sonnabcndmorgen um 5 Uhr wurden die erschossenen Bergleute beerdigt. Dem Zuge folgten nur die Anverwandten, einige Männer und Frauen. Zur Verhntuiig von Nuheslörungcn waren im Krankenhause und auf dem Friedhofe zahlreiche Schiltzlcute aufgestellt, indessen kam es nirgends zu Ruhestörungen. Diese Opfer unbesonnenen Handelns hätten ohne Zweifel ge- spart ivcrden können, Ivcnn man die Versammlungen erlaubt hätte. Durch das Verbot derselben und die Verhaftungen der Führer der polnischen Bergleute ivnrde die einzige Möglichkeit, auf die unorga- nisierte, disciplinlose, aber desto verbitterte und heißblütige Masse der polnischen Arbeiter einzuwirken, benommen. Die„Köln. Ztg." freut sich der Beendigung der Unruhen, die für die westfälische Industrie leicht hätten gefährlich werden können, wenn die Bewegung in andere Reviere übergesprungen wäre. Das sei aber„an dem ge- sunden Sinn der deutschen Arbeiter gescheitert". Es ist das gewiß das erste Mal, daß die„Kölnische Zeitung" den deutschen Arbeiter so heraus- streicht. In Herne gelte es nun, so fährt das Blatt fort, die Ge- miiter zu beruhigen.„Die Polen werden ihre gründliche und wohl- verdiente Niederlage nicht so leicht vergessen; sie werden zweifellos bis auf weiteres ein nicht zu unterschätzender gefahrbergender Macht- faktor im rheinisch- westfälischen Jndustriebezirk bleiben. Vorläufig gilt es, sie soweit zu beruhigen beziehungsweise ihnen die staatliche Macht soweit vor Augen zu führen, daß sie Gesetz und Ordnung achten und arbeitswillige Deutsche nicht mehr miß- handeln." Die Freude an der Unterdrückung des Ausstand es, an dessen Entstehen nach dem allgemeinen Urteil auch der bürgerlichen Blätter die Zechenverwaltungen ein groß Teil Schuld tragen, und dessen blutiger Verlauf bei' etwas mehr Takt und Verständnis seitens der Behörden wohl hätte vermieden werden können, wird dem Unter- nehmerorgan nur vergällt durch die Nachricht, daß der Ausstand nun doch in andere Reviere überzuspringen droht, und zwar, wie schon oben angegeben, in das Recklinghausener Gebiet. Das Blatt tröstet sich indes etwas:„Die Verhältnisse haben dazu geführt, daß die Belegung mit Militär heute abend von Herne über Bruch bis Blumenthal ausgedehnt wurde. In Bruch und bei Blumenthal wurden alle Wirtschaften schon um 7 Uhr geschlossen. Auf Zeche „König Ludivig" liegen, wie schon gemeldet, eine halbe Schwadron Kürassiere, und soeben, um 10 Uhr, zieht Infanterie auf der Straße nach Bruch und Blumenthal. Patrouillen und Posten sind überall bemerkbar. DaS alles wirkt auch beängstigend, wenn man die letzten schlimmen Tage als die einzigen solchen hinter sich zu haben glaubte. Allenthalben hat man auch hier wieder die Hoffnung, daß die älteren, besonnenen Leute eine lveitere Bewegung hindern werden." Also auch hier soll, wie es scheint, daS probate Mittel: Pulver und Blei, falls„erforderlich" wieder Anwendung finden, um auch hier„beruhigend" zu wirken— die Ruhe des Kirchhofs herzustellen. Sollte man noch nicht aus den traurigen Vorgängen in Herne soviel gelernt haben, daß selbst auf die rohesten, undiscipliniertesten Massen die Führer der Arbeiter den meiste» Einfluß haben? Gebe man diesen sdie Gelegenheit, ihn geltend zu machen! Aus- schreitungcn werden dann gewiß nur zu den Ausnahmefällen ge- hören; eine andere Frage ist allerdings, ob der Streik— der gcsetz« mäßige, o r g>a n i s i e r t e Aus st a n d— dann auch so bald beendigt sein würde, als der wüste Ausstand einer verzweifelten Masse, gegen den Flinte und Blei mit gutem Erfolg angewandt werden kann. *»* Herne, 1. Juli.m Plenum auS den kürzlich von uns erläuterten allgemeinen Gesichtspunkten heraus sich eine kleine Mehrheit für die Vorlage ergeben. In der Zwischenzeit werden beide Häuser des Landtag« nur noch wenige Sitzungen abhalten. Das Herrenhaus, das heute zu- sommengetreten ist, wird etwa eine Woche tagen, das Abgeordneten- hauS wird schon in der nächsten Woche eine größere Pause ein- treten lasten. Am Sonnabend erledigte das HcmnhanS das Lehrer- relikten-Gesetz nach den Beschlüssen deS Abgeordnetenhauses. das bekanntlich, entgegen der Regierungsvorlage, den Staats- zuschuß für Witwen und Waisen erhöht' und außerdem auch die kreisfreien Städte mit Ausnahme von Berlin in das Gesetz einbe- zogen hat. Vergebens bemühte sich Minister v. Miguel, die Wiederherstellung der Regierungsvorlage zu erreichen und so den Gegensatz zwischen Stadt und Land noch künstlich zu vergrößern. Das Herrenhaus tbat Herrn Miguel nicht den Gefallen, obwohl er durchblicken ließ, daß im Falle der Annahme der Borlage in der Fassung des Abgeordnetenhauses eventuell das ganz Gesetz scheitern würde. In der Debatte kam eö zu einem bemerkenswerten Zwischen» fall zwischen den Ministern Miguel und Bosse. Miguel führte, ganz ohne jeden Anlaß, aus. daß die Frage der Einbeziehung der kreisfreien Städte für ihn eine principielle, nicht, wie für den Kultusminister, nur eine finanzielle sei. Sofort erhob sich Minister Bosse, um kurz und bündig zu ertvidern, er habe mit keinem Worte angedeutet, daß er die Frage nicht für eine principielle halte. Dieser Zwischenfall ist um so bemerkenswerter, als Herr Miguel vor wenigen Tagen im Abgeordnetenhause bei der Frage der Mündelsicherheit der Hypotheken- Pfandbriefe auch seine Kollege» Schön st edt und H a m m e r st e i n in ähnlicher Weise vor dem ganzen Lande bloßgestellt hat. Johannes b. Miguel scheint sich sehr als Herr der Situation zu fühlen. nunmehr die meisten Justiz- Eine Aenderung gegenüber DaS Abgeordnetenhaus hat g e f e tz e in dritter Lesung genehmigt. den Beschlüssen zweiter Lesung erfuhr das Ausführ ungS- gesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch insofern, als für mündelsicher auch die auf den Inhaber lautende Schuldverschreibungen erklärt wurden, welche von einer preußischen Hypotheken-Aktienbank auf Grund von Darlehncn an inländische Körperschaften deS öffentlichen Rechts oder von Darlehnen, für wclcke eine solche Körper- schast die Gewährleistung übernommen hat, ausgegeben sind. Auch die Charfreitags- Vorlage ist vom Abgeordneten- Hause in dritter Lesung angenommen worden. Gegenüber dem Beschluß zweiter Lesung wurde dies Gesetz dahin abgeändert, daß in überwiegend katholischen Gegenden außer der bestehenden herkömmlickien Werktagthätigkcit auch' die gewerbliche Thätigkeit im Sinne der Gewerbc-Ordming nicht verboten ist. es sei denn, daß es sich um öffentlich bemerkbare oder geräuschvolle Arbeiten m der Nähe von dem Gottesdienst gewidmeten Gebäuden handelt. Am Montag halten wieder beide Häuser des Landtages Sitzungen ab, unr kleinere Vorlagen zu beraten.— Rheinland und Westfalen' hi«lt''Dr. B e u m c r. Mitglied des Vov standes dieses Vereins und nationalliberaler Landtags Abgeordneter, eine äußerst scharfe Rede gegen die Herren v. Hehl und Bässcrmann und sprach sich lebhaft für die ZuchthauSvorlage aus Ein Wort aus dieser Rede des Dr. B e u m e r sei hier festgehalten im Reichstag hatte Herr Bastermabn gemeint, auch die Herren Generalsekretäre der großen Unternehmer- Bereinigungen seien „bezahlte Agitatoren", wenn man die Wortführer der Arbeiter so nennen wolle. Hiergegen sagte Dr. Beumer: „Auf daS Wort der„bezahlten" Generalsekretäre wolle er nicht eingehen— wo Begriffe fehlen, da stellt zur rechten Zeit das Wort „bezahlt" sich ein'—; denn so uiedrigc Angriffe richten sich von selbst." Herr Dr. Beumer hat damit die von ihm und seinesgleichen stets gegen unsere Partcivertreter und Gcwerkschaftsleitcr gebrauchten Motte richtig eingeschätzt.„Niedrige Angriffe!" Aber wenn den Herren Industriellen Gleiches mit Gleichem vergolten wird, dann thnn sie höchlichst entrüstet.— Unberechtigte Behinderungen von Versammlungen. In Kolmar in Posen wurde zum IS. Juni eine öffentliche Versammlung zur Besprechung der Zuchthaus vorlage einberufen. Die Ber- sammlnng in dem etwa S000 Einwohner zählenden Ott war von etwa 500 Personen besucht. Der Bürgermeister verlangte zu Beginn der Versanimlung, daß die Frauen und Lehrlinge auS dem Saal entfernt würden. Da dies Verlangen für öffentliche Versamm lungen keine Stütze im Gesetz findet, kam der Bcrsammlungs- Vorsitzende dem Berlangen nicht nach. Darauf löste der Bürger meistcr die Versammlung auf. Die Kolmarcr beriefen darauf zum 21. Juni mehrere öffentliche Versammlungen und legten gegen den Eingriff des Bürgermeisters in das Vereinsrecht Beschwerde ein, nm diese Versammlungen ungestört abhalten zu können. Da der Landrat der Beschwerde nicht stattgab, wurde tele> graphische Beschwerde beim Polizeiminister eingelegt. DaS schien geholfenzu haben: die Mitlwochs-Versammlungcn, in denen Gogomskh Posen und Wallmann-Berlin referietteu, verliefen ungestört. Ein stimmig gelangten scharfe Resoluttonen gegen die ZuchthauSvorlage zur Annahn,e. An demselben Abend freilich, an dem die Versamm lungen stattfanden, erhielt der Wirt des Versammlungslokals„Hotel Verch" die polizeiliche Mitteilung, daß sein Lokal fortan nur bis 12 Uhr nachts Schankbcrechtignng habe— 68 Jahre lang hatte es zeitlich unbegrenzte Konzession. Es wird gegen diese polizeiliche Maßregel wohl Beschwerde im BerwaltungSstreit-Verfahrcn erhoben werden. Einstweilen ist durch diese polizeilichen Maßnahmen ivcit über die Kreise der Arbeiter hinaus in Kolmar und Umgegend die Aufklärung und Erbitterung über die Zuchthausvorlage gestärkt und überdies die Uebcrzeugung vermehrt, daß zum Schutz der Wirte eine reichsgesetzliche Regelung der Schantzeit in der von den Socialdcmokraten wiederholt verlangten Weise dringendes Be dürftiiS ist. Wie Unternehmer- Nohciteu gestraft werden. Aus D res den wird uns geschrieben: Das hiesige Schöffengericht hat ein Urteil gefällt, daS' sehr absticht von den hatten Urteilen, die hier so häufig gegen Arbeiter, welche sich vergessen haben, verhängt werden. Es waren angeklagt der Bauunternehmer Mager und dessen Stiefbruder Ivegen gemcinschaftlichcrKörperverletzung, begangen an einem Arbeiter, dem Maurer Scholz. Letzterer arbeitete auf einem Neubau bei Mager, und es war ihm ans acht Tage, währenddem M. verreist war, die Aufsicht über die Arbeiter des Baues übettragen. Das soll Sch. nicht zur Zufriedenheit M.'s aus geführt haben. Er bekam deshalb von M. einen Rüffel, den er ruhig einsteckte. AIS Sch. aber dann darauf wieder wegen einer anderen Arbeit von M. getadelt wurde, crllätte er, daß er die Arbeit unter solchen Umständen sofort niederlege. Er that daS in anständiger Weise, und es war sein gutes Recht, da Kündigung laut Vereinbarung nicht bestand. Nun wurde aber der Unternehmer saugrob. Er meinte:„Nun wollen Sie auch� noch ottlaufcn, Sie Rindvieh, Sie dummer Junge. Der so be chimpfte Arbeiter blieb äußerlich völlig ruhig und antwortete nur: ..Da können wir ja zusammengehen." Auf dieses Wort hin stürzte Mager auf Scholz zu, griff ihm nach der Kehle, und schlug ihn mit der Hand acht- bis neunmal ins Gesicht. Hart mann half dabei, indem er Scholz mit einem hölzernen Crock über den Kopf schlug. Sch. reagierte auch auf diese Roh' heitcn nicht, sondern beschränkte sich lediglich auf passiven Wider stund, auf die Abwehr seiner Angreifer, stellte aber nachher Straß antrag. Dieser Sachverhalt wurde in der Verhandlung erwiesen, und' Hartmann daraufhin wegen schwerer Körperverletzung zu 20 MarkH Mager aber wegen einfacher Körper- Verletzung zu 1« Mark Geldstrafe verurteilt. Bemerkt sei dabei noch, daß der Vorsitzende des Gettchts es sehr sonderbar and, daß der Arbeiter von seinem guten Recht Gebrauch ge- macht und die Arbeit niedergelegt hatte.— Die„Berliner Neuesten Nachrichten", das Blatt, das an Arbeiterfeindlichkeit der„Post" des Freiherr» v. Stumm schon fast den Rang abgelaufen hat, hat ebenfalls eine sehr noble Besitzer- ichaft. Nach der Eintragung ins Gesellschaftsregister sind Besitzer die Herren Graf Guido Henckel von DonnerSniarck zu Neudcck, Geh. Kommerzienrat Julius van der Zypcn in Köln, Krupp in Essen, jeder mit einem Anteil von 134(XXI Mark. Ge- 'chäftSführer ist der Cheftedattcur Victor Sch wein bürg, der auch gleichzeitig die Miquel-Osfiziösen„Berliner Polit. Nachrichten" herausgiebt und für die dort ausgeübte Bekämpfung der Arbeiter- intercsjen vom Centralverband der Jndustttellen jährlich 12 000 M. Nebcneinkommen bezieht. Die Scharsmacher lasten es sich eben etwas kosten.— Ein Urteil wegen Majcstätöbeleidignug aufgehoben. Das Landgcttcht Oppeln hat am 3. Mai der Weichensteller Kaspar Stach in Groschowitz wegen Beleidigung des Kaisers und der Kaiserin zu sechs Monaten Gefängnis ver- utteilt. AI« Zeugen find gegen ihn zwei Kollegen aufgetreten, Gonziella und Kulik. Stach ihren Angaben soll Stach am 28. Januar im Dienstlokale sich vor den Bildern des Kaisers und der Kaiserin verbeugt. dann aber«ine andere Stellung eingenommen und die inkttniinietten Worte geäußert haben. Ucbereinstimmcnd waren die Angaben der Zeugen allerdings nicht. Der Angeklagte hatte die That besttitten und sie als unmöglich bezeichnet. da er stets königstreu gesinnt gewesen sei. Er hatte auch beantragt, seinen amtlichen Vorgesetzten, den Betriebssekretär P. als Zeugen zu laden und darüber zu vernehmen, daß er, der Angeklagte, chon früher, als er noch beim Militär und P. ebenfalls sein Vor- gesetzter war, sowie später als Eisenbahnbeamter königStreue Gesinnung bekundet und auch Belohnungen für Fortschtttte in der deutschen Sprache erhalten habe. Dieser Antrag lehnte das Gericht ab, weil es dem Angeklagten glaubte, daß er keine antimonarchischen Gesinnungen äußerlich bekundet habe.— DaS Reichsgericht hob heute auf die R e v i s i o n des Angeklagten daS Urteil auf und verwies die Sache an das Landgettcht B r i e g. In der Begründung wurde auSgcfühtt: Der Beweisantrag ist von der Vottnstanz nicht genügend gewürdigt worden. BcweiSthatsache war, er sei seiner Gesinnung nach ein lönigstreuer Mann; dieS war ein zulässiges Beweisthema. Die Strafkammer hat aber diese Thatsache nicht als wahr unterstellt, sondern das Gegen- teil angenommen, wenn sie im Urteile sagt: Trotz der äußerlichen Bekundung von Königstreue ist es nicht aus- geschloffen, daß der Angeklagte innerlich autimonarchisch gesinnt ist. Auch sonst ergaben sich noch wesentliche Bedenken gegen das Urteil. Insbesondere fehlt eine bestimmte Feststellung des Wortlautes der inkriminierten Acußerung. da die Aussagen der beiden vernommenen Zeugen bedeutend von einander abweichen. Statistik der Majcstätsbclcidignngcu. Nach einer Zn- sanimcnstellung der„Volls-Zeitnng" wurden im Monat Juni 1839 2S Personen wegen Majestätsbeleidigung bestrast und zwar zu neun Jahren neun Monaten zwei Wochen Ge- f ä n g n i s._ Das Fiasko der Haager Konferenz. Was wir voraussagten, erfüllt sich: die„Friedens- konferenz" im Haag endet mit einem kläglichen Fiasko. Die Schiedsgerichts-Kom Mission hat beschlossen, eine Liste von Schiedsrichtern aufzustellen, welche im Falle inter- nationaler Konflikte anzurufen jeder Staat— befugt ist. Von irgend welcher Nötigung, das Schiedsgericht anzurufen und sich seinem Urteil zu fügen, ist keine Rede. Noch schmählicher ist die Behandlung, die der w i ch t i g st e Abschnitt des Zarenmanifestes erfahren hat. der die Ab- rnftungsfrage behandelte. Das„Reutcrsche Bureau" meldet hierüber aus dem Haag vom Freitag: „Der heute vormittag von der ersten Kommission der Friedens- konferenz genehmigte Bericht betreffend den Antrag des Obersten JilinSlizum ersten Punkte des Rundschreibens des Grafen Muratvjew besagt, die Kommission habe mit Ausnahme des Obersten Jilinski einstimmig die Schwierigkeit anerkannt, selbst siir die Dauer von nur fünf Jahren die Höhe der Effektivbestäude festzusetzen, ohne gleichzeitig andere wesentliche Bestandteile der nationalen Verteidigung zu regeln. Ebenso habe die Kommission anerkannt, wie schwierig es sei, auf dem Wege internationalen UebereinkommenS diese Elemente der nattonalen Bctteidignng zu regeln und in jedem einzelnen Lande nach den sehr verschiedenen Gesichtspunkten zu organisieren. DaS Komitee bedauere daher, den russischen Antrag nicht annehmen zu können. Die Mehrheit der Rommission war der Ansicht, daß ein gttiud- liwercs Studium dieser Fragen durch die verschiedenen Regierungen sehr wünschenswert sei."_ Entthronte Könige. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus'Apia(Samoa) vom 16. v. M. gemeldet: Der Arbeit der Kommission ist es zu danken, daß die Entwaffnung beider Patteien rasch durchgeführt worden ist. Bisher sind 1878 Gewehre von M a t a a f a und 1300 von M a l i e» toa Tanu nebst 700 von dem englischen Kreuzer„Porpoise" aus- geteilten eingcliefett worden. Die Krieger sind unter der Mit- Wirkung der Kriegsschiffe„Falke" und„Porpoise" nach der Heimath zurückbefvidert worden. Angesichts der Unznftiedenheit Mataafas wird der Äönigssitz Mulinu endlich geräumt. Tanu wird demnächst auf ein« der Fidschi-Jnseln deportiert werde». Der deutsche Konsul Rose und der britische Konsul Maxse reisen heute ab. Oberrichter Chambers soll ihnen folgen.— Austand. Die VolkSdcmonstratione« haben in Belgien vorläusig den Sieg davon getragen. Die Re- gierung hat den Rückzug angetreten, indem sie, wie in gestriger Nummer berichtet, im Parlament den Wunsch nach Versöhnung zu erkennen gab. Die Wahlreform ist vorläufig vertagt. Es wird auch die höchste Zeit gewesen sein. An mehreren Stellen war es bereits zum Bau von Barrikaden gekommen und die Aufregung hatte bereits einen derartigen Grad erreicht, daß sich die Polizei nach der Kammersitzung am' Freitag der guten Dienste der socialisttschen Deputierten bedienen mußte, um die Mcnschenmasscn zu beruhigen. Abends versammelte sich vor dem Volkshause allmählich eine große Volksmenge. Gegen 9'/e Uhr traf eine Abtheilung ürgergardisten von etwa 40 Mann vor dem Volkshause cm. welche socialistische Kundgebungen veranstaltete. Der große Saal des Volkshauses war dicht gefüllt. V a n d e r- Velde und andere socialistische Deputierte hielten An« sprachen. Nach Beendigung der Versammlung lvurde ein großer Zug unter Vorantritt von Musik gebildet, der sich dann, von ocialistischen Deputietten geführt, singend durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte/ Auf dem Grand Place wurde Bürgermeister Buts begrüßt, welcher zur Ruhe ermahnte. Vor den GcschästSlokalcn der liberalen Blätter wurden Syinpathickundgebungen veranstaltet, vor denen der konservattven Blätter wurde manifestiert. Das ist so ungefähr die Schilderung deS Bo lkstriumphes nach einer gewonnenen Revolution. Am Sonnabend wurde von den verschiedensten Seiten auf den König eingcslünnt, dem VoltSzorne nachzugeben. Die Bürgermeister von Brüssel. Antwerpen. Lütt ich und Gent wurden Sonnabendmittag vom König in Audienz empfangen und erklärten demselben, sie könnten nicht mcbr für die Aufrechterbaltung der Ord- nung einstehen, wenn das Ministenimi die Wahlvorlage nicht zurückziehe. In seiner Antwort stützte sich der König auf die Konstitution, welche ihm sein Verhalten vorzeichne.— Italic». AnS Italien wird heute mir gemeldet. daß nach den Ob» ftruktionsscenen in der Deputiertcnlammer, über die wir ausführlich berichtet haben, die Kammersession durch königliches Dekret geschlossen worden ist. Auch behaupten Zcitnngsmcldnngcn, die Vorgänge würden noch ein„gerichtliches Nachspiel" haben. Es eien gegen vier socialistische Deputierte, welche sich an den Wahlurnen vergriffen, Verhaftsbefehle ergangen. Die äußerste Linke kann sich rühmen, ihre beiden Hauptzwecke vollkommen erreicht zn haben, da das Parlament weder die politischen Vorlagen noch die Aenderung der Ge- chäftsordnung beraten hat und die Regierung genötigt ist, das Dekret über die politischen Maßregeln ohne Bewilligung derKammer in Kraft zu setzen, was ein vortreffliches Agitations- mittel abgiebt. Es gilt als sicher, daß die K a m m e r a u f l ö s u n g und Neuwahlen im Oktober bevorstehen, durch die vermutlich die socialistische Fraktion einige Verstärlung, die Bürgerlich-Radikalen und Fortschrittlichen eine Verminderung erleiden werden. Rom, I.Juli. Mehrere socialistische Abgeordnete öllen nachts, um der gerichtlichen Bestrafung wegen politischer Delikte zu entgehen, in das Ausland gereist sei». Die äußerste Linie beslbtoß, durch Anrufung gerichtlicher Entscheidung die Un gültig teils- Ertlärung der politischen Not- Verordnung zu erzwingen. In Rom, Neapel, Mailand und Turin ollen V o lrs d em o n stra tione n zu Gunsten der Obstruktion veranstaltet werden. Frankreich. Der Hauptman« DreyfuS hat min wieder französischen Boden betreten. Die Landung war durch Sturm und Nebel ehr erschwert. Am Freitagabend erhielt daS in Qniberon liegende Stattonsschiff„Caudan" Befehl, dem Kreuzer„Sfax", welcher von hoher See staiialisiett wurde, entgegenzufahren. Da« Wetter war 'ehr schlecht. Die beiden Schiffe konnten lange Zeit nicht aneinander anlegen, endlich wurde gegen 1'/, Uhr nachts von dem„Caudan" ein Ruderboot abgelassen, dem es gelang, an den„Sfax" heran- zukommen. DaS Boot nahm DrehfuS an Bord und kehrte sodann nach der Küste zurück, Ivo eine Kompagnie Infanterie Aufstellung ge- nommen hatte. Dreyfus wurde nunmehr an Land gebracht und dem Polizeidirektor Viguiö übergeben. Alsdann wurde er mit der Eisenbahn nach R c n n e s geschafft. Vor der Stadt erwarteten ihn Lö Gendarmen. Bevor Dreyfus in die Stadt einfuhr, stiegen zehn Gendarmen in einen großen Wagen, der dem Wagen, in welchem Dreyfus sich befand,' bis zum Militär- Gc- fängnis folgte. während die übrigen Gendannen daneben ritten. Bei der Ankunft des Zuges vor dem Gefängnis standen vor diesem zahlreiche Neugierige. ES wurde keinerlei Kundgebung veranstaltet, kein Ruf laut. Die Gendarmen sperrten dann sofort die Straße ab, in welcher das Militärgefängnis liegt und von diesem Augenblick an konnte man sich dem Gefängnis nicht mehr nähenr. Der Frau DrehfuS ist es jedoch gestattet worden, ihren Gatten zu sprechen. Sie betrat am Sonnabend früh SVa Uhr in Begleitung der Frau Habet die Gefängniszelle ihres Mannes. Die Zusammenkunft war äußerst rührend.' Die Ankunft der Frau Dreh sus war nicht bemerkt worden. Vor dem Gefängnis waren Gen bannen als Posten aufgestellt, doch erwies sich diese Maßnahme als unnötig, denn es ereignete fich kein Zwischenfall. Ferner liegen ans Frankreich die folgenden Meldungen vor: Paris, 1. Juli. Der Negierungskommissar bei dem Kriegs- gericht in Reimes, Carriöre, hat Qucsnay de Beaurepaire, welcher ihn um eine Unterredung gebeten hatte, mitgeteilt, daß er ihn unter keinen Uniständen empfangen könne.— Mehreren Blättern zufolge ist der Konimandeur des ik. Armeekorps. General Faure-Viguct, aust telegraphische Aufforderung des Kricgsministers in Paris eingetroffen. Es heißt, er soll zum Militärgouvcrneur von Paris ernannt werden.— Nach anderen Blättern soll die Regierung keineswegs die Absicht haben, den General Zurlinden seines Postens zu entheben, da derselbe, wenn er auch ein entschiedener Gegner der Revision, doch ein verläßlicher Republikaner sei. England. Schiedsgerichte in Theorie und Praxis. London. 30. Juni. Jnr Unterhaus fragte Samuel Smith an, ob Angesichts der britischen Schiedsgerichtövorschläge im Haag die Regierung in T r a n s v a a l irgend einen Schiedsmodus anregen wolle, der während er Englands Souzeränetät anerkennt, ein unparteiisches Urteil über alle strittigen Punkte verspreche. B a l f o u r erwidert, es sei verfrüht, eine Erklärung darüber abzugeben, welche Vorschläge die Regierung in dieser Beziehung machen könne, sie habe aber be- reit« die Bermittelung einer fremden Macht abgelehnt.(Lauter Beifall bei den Ministeriellen.)— Rußland. Echt russisch. Die Gewissenlosigkeit und Bestechlichkeit der russischen Beamten erfährt folgende neue Beleuchtung. Wie die russischen Blätter berichten, sind während der letzten zwei Jahre bei dem Bau der mittelasiatischen Teilstrecke der großen sibirischen Bahn Unterschlagungen und Verschleuderungen in großartigem Maßstabe vorgefallen. Die Bauleitung hat ihr Budget nicht nur seit zwei Jahren bedeutend überschritten, sondern aucki eine ganz merkwürdige Zahlungsmethode eingeführt. Sie zahlte einfach in Bescheinigungen, in welchen die Baar zahlung einer gewissen Summe zu einer gewissen Zeit zugesichert wird. Diese eigenartigen Wechsel sind aber von der Bauleitung wiederholt nicht eingelöst worden und die Unternehmer sind durch einen Kontrakt der Möglichkeit einer Klageführung, die nur am Petersburger Bezirksgericht anhängig gemacht werden dürfte,(was schon wegen der Entfernung— voi. Jrkutsk aus— nicht wohl an- gängig wäre) beraubt. Am meisten leiden unter diesen Verhältnissen natürlich die Arbeiter, die wegen Ausbezahlnng ihres Lohnes sich telegraphisch direkt an den Minister der Verlchrsvcrbindungen gewandt haben— bisher ohne jeden Erfolg. Kanalkommission. In der Kanalkoimnission des Abgeordnetenhauses teilte qm Sonn abend zunächst der Vorsitzende v. Eyncrn mit. daß nach einer Vereinbarung mit dem Präsidenten v. Kröchcr am 1. August der schriftliche Bericht über die Verhandlungen der Kommission fest gestellt, sofort zur Verteilung gebracht und am 7. August die zweite Lesung der Kanalvorlage im Plenum stattfinden soll. Die Kommission erklärte sich mit diesen Vorschlägen einverstanden. Sodann wandte sich die Kommission zur Beratung der 130 zur Vorlage eingegangenen Petitionen. K0 Petitionen für das Kanalprojekt, größtenteils von städtischen Behörden und HaudclSkoiporationcn. werde» durch die Kommissionsbeschlllsse für erledigt erklärt; eine Petition betreffend den Lippekanal und zwei betreffend den Ruhrzubringer werden der Regierung als Material überwiesen. Für erledigt erklärt werden ferner die Petitionen, welche den Staatsvertrag zwischen Preußen und Bremen betreffen, sowie die wegen Kompeusationsforderungcn und Vorzugsrechte. Eine längere Debatte knüpfte sich an eine Petition der Stadt Emden, die eine Reihe von Kompensationen verlangt. Die Petition wird der Regierung „als Material" überwiesen. Ebenso eine Anzahl weiterer Petitionen. Damit hat� die Kommission ihre Aufgabe erledigt. Auf Antrag des Dr. Lieber wird der Vorsitzende ermächtigt, falls etwa der schriftliche Bericht bis zum 1. August nicht fertig gestellt fein sollte, einen späteren Tag für dessen Verlesung anzuberaumen. Namens der Kommission und unter bereu lebhafter Zustimniung spricht Graf Liniburg-Stirnm dem Borsitzenden v. Eyneni zuletzt' seinen Dank aus für die vorzügliche Leitung der so besonders schwierigen und teilweise erregten Verhandlungen. Janrös der Kämpfer von Dr. Albert Südesilm. In Frankreich erleben wir jetzt ein eigentümliches Schauspiel: in einem Ministennm, das den einzigen Zweck hat. die republikanischen Einrichtungen gegen die Umtriebe aufsässiger und ehrgeiziger Generale, listiger Pfaffen, heimlicher und öffentlicher(man' könnte fast sagen: unheimlicher) Monarchisten, kurz gegen den ganzen reaktionären Klüngel zu verteidigen, sitzen der' Socialde'mokrat Millerand, der Großbourgeois Waldeck-Rousseau mit dem Schlächter der Kommunekämpfer, der„Held" derblutigen Maiwoche von1871. Marquis Galliffet neben einander. Unter der zweiten Republik hat dieser Kriegslnccht Dienste gethan und ist dann zum Dezcmbermann Badinguet-Napolcon hinübergewechselt, um nach dem 4. September 187» mit der dritten Republik seinen Frieden zu machen: ein rück- sichtsloser Draufgänger, so in der Schlacht von Sedan, so in den Straßen von Paris, wo stromweise das Bürgerblut floß, ein Vor- bild soldatischer Brutalität, ein Schlächter aus Neigung und Beruf, der nicht einmal aus Rücksicht wenigstens aus äußerliche Reputation vor der Niedermctzelung wehrloser Gefangener zurückbebte. Wa« Wunder, daß ein Schrei der Entrüstung' sich gar vielen unserer französischen Genossen entrang, die das Andenken an die proletarische That der Kommune hochhalten, ja dafür wohl gar ihr Blut vergossen haben I Man sprach davon, daß die notdürftige hergestellte Einigkeit unter unseren französischen Ge- nossen durch Millerauds Eintritt in ein solches Ministerium sofort wieder zerfallen werde, daß kein Socialist in der Kammer für dieses Kabinett die Hand werde erheben können. Aber an dem ent- scheidenden Montag, dem 2ö. Juni, hat der größte Teil der socialistischen Abgeordneten dennoch die Zusammensetzung und Haltung des neuen Ministeriums gebilligt, zweifellos unter dem Einfluß des beredtesten und angesehensten unserer Ge- nossen jenseits des Rheines— Jean Jaurss. In einem glänzenden Artikel der„Pctite Ropublique", unserem Pariser Bruderblatt, hat Janris diese Politik verteidigt, verteidigt auS opportunistischen Gründen, in einer Weise, die für ihn durchaus charakteristisch ist. Drei Gefahren, so sagt JaurfcS, bedrohen jetzt die Republik: der direkte Staatsstreich, den ein geschickterer Dsroulsde mit einem energischeren Roget ivohl wagen dürfte; der depraviercnde Einfluß der Disciplinlosigkeit der Generale und Obersten, der den Freiheitsgedanken langsam aber sicher tötet und den specifisch mili- taristischen Geist an seine Stelle setzt; endlich eine Reihe von kleineren Zusammenstößen, wie sie in Grsnoble z. B. schon vor- gekommen sind, bei denen die unorganisierten und unbewaffneten Männer des Volkes den Kleinkalibrigen der Soldaten ein bequemes Ziel bieten. Diesen Gefahren wird Galliffet, der Fanatiker der Disciplin ganz gleich in wessen Auftrag— ein Ende bereiten. Er befreit somit Frankreich aus einer unerträglichen Lage. Muß mau ihn daher in seinem Amte dulden, so ist gleichwohl Millerands Zusammenwirken mit einem solchen Manne höchst bedenklich: es wäre unmöglich gewesen, wenn in Frankreich eine fest- geschlossene, von einheitlicher Gesinnung durchdrungene und einheitlich geführte socialistische Partei vorhanden gewesen wäre. Folglich— muß Galliffet unterstützt, zugleich aber die Wiederkehr eines solchen Vorkommnisses durch die Gründung einer allumfassenden Partci-Organisation unmöglich gemacht werden.„Ans diesen Wer- Hältnissen wird die socialistische Einheit notwendig Hervorgehen." Diese AuSführnnqcn sind um deswillen durchaus charakteristisch für Jaurös, weil wir darin jene Verbindung von glühender Be- geisterung für die Freiheitssnche des Volkes nüt dem kalten, real- politischen Abwägen des augenblicklich Notwendigen und mit dem hoffnungsreichen Optimismus erblicken, die dieses Mannes Ruhm und Bedeutung geschaffen hat. In einer Sammlung von Reden und Artikeln von Innres aus der Zeit von 1886—18159*), die uns vorliegt, kann man eine Reihe von Beispielen für ein gleiches oder ähnliches Verhalten finden. Einige junge Freunde haben Jaurös den Vorschlag gemacht, ans den Akten des' Parlaments und den Spalten der Zeitungen das herauszusuchen und in Buchform zu veröffentlichen, was ihnen von bleibender Bedeutung erschien. Ganz nach eigenem Gutdünken haben sie diese Zusainmenstellung vorgenommen, die sich vorläufig auf Jaures' Beußerungcn über die Fragen des UnterrichtSwescns und der auswärtigen Politik beschränkt. Rur ein ganz kurzes Vorwort hat Jaurss selbst beigesteuert, worin er ein interessantes Schlaglicht auf seinen intellektuellen und politischen Entwickelungsgang fallen läßt.„Seitdem ich, so sagt er, begonnen habe, für Zeitungen zu schreiben und in der Kaminer zu sprechen, also seit 1886, war ich Socialist und habe das auch ausgesprochen. Ich sage das nicht, um dem Gerede entgegenzutreten, als ob ich ein Renegat des linken Centrums sei, sondern weil es die Wahrheit ist. Aber es ist auch wahr, daß ich der socio. listischeu und kollektivistischen Idee schon anhing, bevor ich mich der socialistischen Partei anschloß. Ich bildete mir ein, daß alle Republikaner, wenn fie nur den republikanischen Gedanken zu Ende denken ivollten, zum SocialiSmus gelangen niüßten. Mir schien es klüger, keine besondere socialistische Organisation zu schaffen. DaS war eine kindliche Illusion, und was mich die Erfahrung des Lebens gelehrt hat, das ist nicht sowohl die socialistische Idee, als die Not. ivendigkeit des Klassenkampfes." Da haben wir ihn wieder, den ideenreichen Optimisten, der doch Schärfe dcS Blickes genug besitzt, um die harte Notwendigkeit des Moments klar zu erkennen. Alle die Jean Jau'reö in der Kammer, in Versammlungen oder auf Kongressen haben reden hören, stimmen darin überein, daß er eine geradezu faScinierende Gewalt über das Wort hat; man stellt ihn den größten Meistern der Redekunst großen Stils an die Seite. Noch ivcnn mau seine Reden liest, bekommt man einen Begriff von dem gewaltigen Eindruck, den diese Worte ge macht haben müssen, wenn sie mit dem Zauber einer schönen Stimme angethan und von der wirkungsvollen Geste des eleganten Mannes unterstützt wurden. Und eines ebenso tiefen Eindrucks sind die meisten von Jaurös Zeitungsartikeln sicher: er versteht es in geradezu vorbildlicher Weise einen Gegenstand erschöpfend darzustellen, eine Fülle von neuen Gedanken dem Leser zu übermitteln und auch das alte in neuer und anziehender Form zu geben. Die französische Sprache mit ihrer Fülle prägnanter Ausdrücke, der starren Regelmäßigkeit ihres Satzbaues und der Unmöglichkeit Wortzusammensetzungen zu schaffen, die sich in unserem guten(oder dann vielmehr schlechten!) Deutsch ja oftmals bis zur Länge eines Bandwurms aus- dehnen, verführt die Schriftsteller, besonders die in der Hast des Tages arbeitenden Journalisten, leicht dazu, mit Cliches, d. h. mit einer Anzahl von feststehenden Phrasen und Wortverbindungen zu arbeiten; sogar bei den eleganten Plauderern der großen Pariser Blätter, die sicherlich an ihren kleinen Sächelchen lange herumfeilen, kann man bei aufmerksamer Beobachtung diese Bein'erkinig machen. Bei JauröS ist mir das nie aufgefallen, obschon ich direkt danach gesucht habe. Das macht, weil er nicht geschäftsmäßig Tag für Tag ein Pensum auSbosselt, sondern weil er mit dem Herzen schreibt, mit einem Herzen voll heißen WünschenS für daS Wohl des Volkes. Es ist eine Freude, seine feinen und geistreichen Arbeiten zu lesen, ob er nun über die Weltlichkeit des Schulunterrichts, über Rauflust rachebrütendcr Chauvinisten oder über die Psychologie des Bauern schreibt. Ueberall das Streben nach Wahrheit und selbst dort, wo ihm daS Temperament durchzugchen droht und eine gewisse Senti- Mentalität sich in die knappen Sätze hineinmischt, herrscht der wohl« thnende Eindruck, daß man Früchte abgeklärten Denkens genießt. Wir raten deshalb unseren französisch lesenden Genossen, sich das billige Buch zu verschaffen. Der Gedanke, wichtige Stücke des Lebenswerkes eineS bedeuten- den Menschen aus dem'Staube der ParlamentSaktcn und. den un- zugänglichen Folianten der Zeitungen für Mit- und Nachwelt zu retten, erscheint uns für die Kulturgeschichte von solcher Bedeutung, daß wir dringend zu einer Nachahmung auch bei unS in Deutschland anregen möchten. Was nützt es. � wenn fleißige Stenographen mit flinker Hand die Worte unserer parlanicn- tarischen Vorkämpfer aufzeichnen: wie wenige nur ans dem Volke kommen in die Lage diese Stenogramme nachzulesen. Und welche Fülle von Arbeit, vortrefflichen Gedanken und gkäiizenden stilistischen Leistungen zerfällt mit dem armseligen Holzpapier«»serer modernen Zeitmigen in den Archiven der Redaktionen oder auf den Regalen gar z« sorgsam abgesperrter Bibliotheken! Wer könnte B. das Lebenswerk eines Bebel richtig beurteilen und würdigen, wenn er nur fein bekanntes Buch und die paar Broschürcu vor Augen hätte. wer das eines Liebknecht, wenn er nur daS in Buchsorm Erschienene durchblätterte? Und von JanräS wird uns hoffentlich die Fortsetzung deS besprochenen Werkes seine Riesenarbeit im Dreyfusprozei; sowie seine Arbeiten zur Anbahnung eines Zusammengehens der sranzöstscheii Socialisten bcschcercii. Gerade während des leidenschaftlichen Ringens, daS an den Namen des französischen Exkapitäns anknüpft, hat JauröS. dem die Tribüne der Kammer verfchkossen blieb, mit unübertrefflicher Geistesschärse und nie erlahmender Arbeitskraft eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, die wie die Glieder eftier Kette ineinandergreifen und ein wichtiges Denknial für die politische, gesellsaftliche und moralische Ver- fassmig Frankreichs am Ende deS 10. Jahrhunderts bilden. Seine Stimme hat oft den Ausschlag gegeben in diesen erbitterten Kämpfen und an ihn hat sich nicht einmal die Verleumdung der Driimont »nd Rochcfort herangewagt. Unser Bruderblatt, die„Pctite Repu- blique", hat in mehr als einer Beziehung mit diesen Abhandlungen Triumphe gefeiert. Wir freuen uns dessen und. als Kämpfende, be- grüßen wir in Jean Jaurs» brüderlich den Mitkämpfer. Vavkei-Llarhrirtzken. nCritioa Social«" ist wieder erstanden. Als im Mai 1898 die Unruhen in Mailand auch zur Verhaftung und Verurteilung unseres Gcnofscn Filippo Turati führte, mußte die von ihm heraus- gegebene wifsenschnftlichc Revue des Socialismus ihr Erscheinen ein- teilen. Nachdem Turati nun wieder aus dem Kerker zurückgekehrt, hat auch die Revue begonnen wieder zu erscheinen. Wir begrüßen die auf den 1. Juli zeichnende erste Nummer des zu neuem Kampfe rüstenden Bruderorgans auf das herzlichste. Wir ersehen aus dieser Nummer der„C. 8.*, daß Genosse KautSky eine Schrift über die„VerelendungStheorie" in Arbeit hat. wovon er den Anfang der Redaktion der„C. 8." übersandte. •) Jean JaursS. Action Socialiste(Kampf für den SocialiSmnS). Erster Teil. Paris, Verlag von Georges Bellaiö (Rue Cujas 17). 1899. Preis 3.S0 Fr. Pvlijeiliches, Gerichtliches uftv. — Die„iiberwälztc" Staatsordnung. Am Himmelfahrts- tage unternahmen die Elbinger Genoffcn einen Ausflug. Die Polizeibehörde konnte es nicht übers Herz bringen, die t+t So eis so allein dahinlvandcrn zu lassen, und so begleiteten denn einige Polizei- beamte die Spaziergänger. Wie es so oft kommt, wurde denn auch ein Liedcheu gesungen. Die Liederbücher(Verlag von I. H. W. Dietz) wurden herausgeholt und der„Socialistenmarsch" angestimmt. Das klang den Herrn Gendarmen gar gefährlich, es ivnrde das Singen verboten, und die Vorzeigung des Liederbuches verlangt. Dafür konnten unsere Genoffcn keinen Grund finden. Nunmehr wurde die Marseillaise angestimmt. Das war weniger gefährlich und wurde geduldet. Sonst verlief alles in bester Ordnung. Gegen das Verhalten der Gendarmen aber legten unsere Genossen Beschwerde ein. Darauf liegt folgende Antwort deS Herrn Land- rats zu Elbing vor unS. die wir zur Erheiterung unserer Leser wortgetreu abdrucken: „Die angestellten Ermittlungen haben ergeben, daß keine Veraiikaffung vorliegt, gegen die Gendarmen, welche Ihren Ausflug am HimnielfahrtStage zu überwachen hatten, einzuschreiten. Sie haben an jenem Tage Lieder gesungen, deren JnhaltAcrgcniiS erregend und gegen dieUeber wälzung der Staatsordnung gerichtet waren. Auch weigerten Sie sich, den Beamten ei» Lieder- buch zur Einsicht vorzulegen.",, Name unleserlich. Ist daS nicht kostbar? Der Socialistenmarsch ist also gegen die lleberivälzung der Staatsordnung gerichtet, und soll deswegen nicht gesungen werden. Das heißt: Die Be- Hörden wollen dafür sorgen, daß die Staatsordnung übertvälzt wirdl Sollte da nicht die Regimmg cinschreitcn— gegen die Beamten nämlich, welche die Lieder nicht dulden ivollen, die»ach ihrer eigenen Aussage ein so gutes Mittel sind„gegen" die , Ueberwälzung"? — Der Socialdemorratische Rrbciter-Lcseverei» zu F r a n k- furt a. M. ist vom Schöffengericht wegen versäumter Anmeldung zu L M. Geldstrafe verurteilt worden. Die Strafe scheint dem AmtSamvalt zu gering, er hat Berufung eingelegt. Einteilung der Stadtverordneten- Bezirke. Der Oberpräsident hat die von den städtischen Behörden be- schloffene Vermehrung der Stadtverordneten von Berlin und die damit in Zusammenhang stehende Neueinteilung der Gemeinde- Wahlbezirke von AnffichtSwegcn bestätigt und durch Erlaß vom 22. Juni d. I. nunmehr die erforderlichen Uebergangsbefümmungen. wie folgt genehmigt: I. Sämtliche Stadtverordnete bleiben für die Zeit im Amte, für welche sie gewählt find. II. Diejenigen bisherigen Wahlbezirke, welche in ihrem Bestände mehr oder weniger erhalten bleiben. werden folgeudennaßen neu nummeriert: III. Abteilung: Neu 1(alt 1),»cn 2(alt 3), neu 3(4). 6(6). 4(7). S(8). 7(9). 8(10). 9(11). 14(12). 12(13). 13(14). 11(IS). 16(18). 17(19). 19(20), 18(21). 20(22). 21(23). 23<24,. 24(26), 25(26). 22(27). 28(28). 27(29). 29(30). 80(31), 31(32), 87(84), 82(36), 33(36), 38(87), 89(38), 41(89), 42(40), 46(41). 48(42). II. Abteilung: neu 1(alt 1), 2(2), 3(8), 4(4). 5(5), 7(6). 9(7), 8(8), 10(9). 11(10), 12(11), 13(12), 14(13), 16(14). I. Abteilung: 1(1). 2(2). 3(3). 4(4). S(ö). 6<6,. 8(7). 10(8). 11(9), 12(11). 13(12). 14(13). 16(14). Die Ergäuzungs- und Ersatzwahlen finden»ach dem jeweiligen Aus- hören der Mandate in den eutsprechendeu Wahlbezirken neuer Riimmerierung statt. III. An die Stelle derjenigen bisherigen Wahlbezirke, ivelche in ihrcin Bestände nicht erhalten bleiben, treten im Falle etwa erforderlich werdender Ersatzwahlen folgende Wahlbezirke neuer Nummericrnng: III. Abteilung neu 34(alt 2). 36kS.Amiick" Kerl« NcksdlÄ. ZlnullG, 2. Iili 1899. Schwester Karola vor Gericht. Die Vorgänge im. St. Josefs-Waisen Hause zu Potsdam, die so viel«taub aufgelvirbclt haben, bcschästigteii gestern in zweiter Instanz die erste Strafkammer des Landgerichts Potsdam Wegen Misthandlung eines 13 jährigen Knaben im katholischen St. Josefs-Waisenhanse zu Potsdam sind die Ordensschwester K a r o l a und der als Aufseher daselbst beschäftigte Korbmacher B a st i a n angeklagt. Erstere ist 29 Jahre alt und in München-Glad- dach geboren, letzterer 27 Jahre alt und stammt ans Hausbach. Sie sind beschuldigt, am 13. November 1898 den Waisenknaben Karl Steiner aus Berlin gemeinschaftlich und vorsätzlich misthandelt zu habe», indem sie ihn auf einem Schemel festbanden und mit einem sieben Millimeter dicken Rohrstock über 50 Hiebe hintereinander au: das Gesäst, die Schenkel, den Nucken und die Schultern verabfolgten. Im September 1893 wurde der Waisenknabe Karl Steiner im katholischen St. Josefs-Waisenhanse ein geliefert. Er war vorher bei einem Gasanstalts-Arbeiter Vieths in der S chulzendorfcrstra he 17 in Pflege gegeben, dann aber, da er katholisch war, im Joscfs-Waiscnhaus gebracht worden. Er ist zweimal aus der Anstalt entflohen und zu seinen Pflegeeltern zurückgekehrt, vo» diesen aber wieder in die Anstalt zurückgebracht worden. Bei seiner zweiten Flucht hat er noch einen anderen Knaben mitgenommen. Die Schwester Lkarola, deren besonderer Obhut er unterstellt war, behauptet, dast der Junge hoch und heilig Besserung versprochen, dies Versprechen aber nicht gehalten, sondern versucht habe, die anderen Knaben aufzuhetzen, mit ihm nach Berlin zu ent- fliehen. Wie in der Verhandlung erster Instanz festgestellt worden ist, ist der Knabe am 15. September zum erstcnmale in der Anstalt eingeliefert worden, am 26. September ist er entflohen, am 28. Oktober wieder eingeliefert worden, am 31. Oktober ist er abermals ent- flohen und am 11. November zum drittenmal eingeliefert worden. Tie Schwester Äarola hielt es am Sonntag, den 13. November, für angezeigt dem Jungen in Gegenwart der anderen Zöglinge eine exemplarische Züchtigung angcdeihcn zu lassen und beauftragte damit den Angeklagten Nikolaus B a st i a n. Dieser band den Jungen mit einem Strick auf einem Schemel fest und soll dann mit dem fingerdicken Nohrstock ihm über 59 Hiebe verabfolgt haben. Es wird sogar be- bauptet, dast, als Bruder Nikolaus nach etwa 29 Hieben mit dem Schlagen aufhören wollte, Schwester Karola ihn angetrieben habe, Wetter zu prügeln; sie soll dem Knaben auch die Hände festgehalten haben. Der Knabe ist dann noch acht Tage in der Anstalt ge blieben und am 29. November wieder fortgelaufen, nach dem er, wie er behauptet, von einer anderen Schwester 59 Pfennig erhalten hatte, um nach Berlin zu fahren. Hier ist er weinend bei seiner ehemaligen Pflegcnintter ein getroffen z diese ging mit ihm zur Polizei, der Knabe wurde durch den Arzt Dr. Bock untersucht und auf Gnind des von diesem ansgestellteu Attestes wurde die Anklage wegen gemeinschaftlicher Mtsthandlung erhoben. Der inzwischen als Vorniund bestellte Tischlermeister Glatzcl-Bcrli» schloff sich dem Verfahren als Neben- klüger an. Das Schöffengericht zn Potsdam hatte am 13. April die Vorgänge zu prüfen. Als Sachverständiger wurde damals auch Geh. Rath Prof. Dr. von Bergmann vernommen, der ein Aussehen erregendes Gutachten abgegeben hatte. Der Amtsanwalt hatte wegen einfacher Misthandlmig gegen Schwester Karola als Anstiftetin 39 Mark. gcgctt Bastian 29 Mark Geldstrafe beantragt; das Schöffengericht hatte aber auf Freisprechung erkannt, weil die Angellagten nach Ansicht des Gerichts das ihnen zustehende Züchtigungsrccht nicht überschritten hatten. Gegen das schöffcngerichtliche Urteil ist von feiten der Staatsanwaltschaft und des Vormundes des Knaben Berufung eingelegt worden. Ten Vorsitz in der Berufungskanimer führt Landgcrichtsdirektor Alb recht, die Anklage vertritt der Erste Staatsanwalt Frhr. v. D i t f u r t h, die Verteidigung führt Jnstizrat Dr. S c l l o- Berlin, dem Nebenkläger steht Justizrat M u n ck e l- Berlin zur Seite. Der Zudraug zu dem Sitzungssaale ist ein sehr aroffer. Die Angeklagte Schwester Karola, auf den Namen Thereie Niesten getauft, nimmt in ihrer Schwestcrn-Tracht auf der Anklagebank Platz. Unter den geladenen Zeugen befinden sich zwei Schwestern aus dem St. Josefs-Waisenhause und eine Anzahl von Waisen knaben aus dieser Anstalt. Als medizinische Sachverständige sind Geh. Medizinalrat Prof. Dr. v. Bergmann und der prakt. Arzt Dr. Bock zur Stelle. Vor Eintritt in die Verhandlung bemerkt der Vorsitzende: Die zur Verhandlung anstcheiide Sache hat ja die Ocffeutlichkcit hervorragendem Mäste beschäftigt und lcidcnschaftlichc Kundgebungen pro und contra, vcranlastt. Von diesem Saale mögen die Leidenschaften fern bleiben, Aufgabe des Gerichts ist es, die Wahr hcit zu finden, und ich bin gcwist. dast auch die Vertreter der Parteien von der Erörterung der Thatsachcu jede leidenschaftliche Erregung fem halten werden. Die Angeklagte, Schwester Karola, schildert die Vorgänge in einer dem Knaben Steiner sehr ungünstigen Weise und betont, dast derselbe der Anstalt durch seine wiederholte Flucht und seine Aufhetzereien der anderen Kinder viel Arbeit und Verdruß bereitet habe. Er sei auch dem Berliner Waiscuhausc schon einmal entlaufen gewesen. Jedesmal wenn er in das St. Josefs- Waisenhaus ztirück gebracht worden, habe er Besserung gelobt, aber er habe dies Gelöbnis immer sofort wieder vergesien und habe nicht nachgelassen, die Kinder aufzuhetzen und sie zu veranlassen, mit ihm nach Berlin zu gehen. Die Disciplin der Anstalt mutzte darunter leiden und so habe sie beschlossen, dem Jungen eine Züchtigung zukommen zu lassen. Sie habe ihr. Züchtigungsrecht während des Jahres, in welchem sie in der Anstalt wirkt, nur ein einziges Mal noch ausgeübt. Sie habe die Oberin erst gefragt, ob sie die Züchtigung vornehmen lassen dürfe, und habe die Weisung erhalten, den Akt zu überwachen. damit keine Ucberschreitung des Züchtiglingsrechts vorkommen.. Sie habe dann dem Angeklagten Bastian befohlen, die Züchtigung vorzunehmen, und so sei denn' der Knabe am Sonntag, den 13. November nach Tisch im Speisesaale durchgehauen worden. Die anderen Kinder seien zugegen ge- Wesen, damit sie sähen, welche Strafe für, Unrecht erfolge. Der Knabe habe aus einem Schemel gelegen, Bastian habe ihn mit einem Hanfstrik lose angebunden,' sie habe ihn aber nicht festgehalten. Es mögen int ganzen 18—29 Schläge ausgeteilt Ivorden sein.— Präs.: Die zusehenden Knaben haben aber be- hanptct, sie hätten die Schläge gezählt und geben die doppelte An- zahl an.— A n g c k l.: Das ist nicht richtig.— Präs.: Bastian nicht nach etwa 29 Schlägen Ihnen gesagt: nun genug?— An gell.: Nein, Bastian hat gar nichts gesagt� er nahm nach meiner Meinung die Sache nicht ernst genug ans.— Präs.: Meinen Sie, er habe zu milde geschlagen?— A n g e k l.: Ja-— Präs.: Hat der Knabe geweint?— A n g e k l.: Geweint wird er wohl haben.— Präs.: Trat nicht eine Pause ein und sagte nicht Bastian, dast es genug sei?— Angekl.: Nein, er hat mich nur angesehen und da habe ich gesagt, er mutz noch mehr haben. Der Knabe hat dann noch sechs bis acht Schläge erhalten. Sie habe ihn bei der ganzen Prozedur nicht angefastt.— Präs.: Hat der Knabe ge- blutet?— Angekl.: Gesehen habe ich es nicht, ich kann mir es aber nicht denken.— Präs.: Sie haben den Knaben nachher ins Bett geschickt. Warum thaten Sie dies?— Angekl.: Weil die anderen Kinder ihn auslachten und ich glaubte ihm würde es am liebsten sein, wenn er ins Bett käme.— Präs.: Nach Ihrer An- ficht hat also keine Uebcrschreitung des Züchtigungsrechts statt- gefunden?— Angekl.: Nein.— Präs.: Haben Sie auch von anderen Kindern nicht gehört, dast der Knabe geblutet hat?— Angekl.: Nein. Ich weist nur. dast er noch acht Tage in der Anstalt war, dast er gespielt und sich bewegt hat. wie andere Knaben und daß er keinerlei Zeichen von Schmerzen gegeben hat, Angeklagter Bastian giebt zu, dem Knaben die Prügel auf Gcheitz der Mitangeklagten verabfolgt zu haben. Er habe mit der Erziehung der Kinder an sich nichts zu thun, sondern sei nur als Korbmacher in der Anstalt be schäftigt. Er habe nicht sehr stark zugeschlagen; als er nach etwa 12 Schlägen aufhören wollte, habe die Schwester Karola gesagt Nikolaus, Tu mutzt ihm noch mehr geben. Im ganzen habe der Knabe etwa 29 Schläge bekommen. Der Oberkörper desselben habe auf einem Schemel gelegen, die Füße standen an der Erde. Der Junge habe nach der Prozedur keinerlei Zeichen großer Schmerzen gegeben, er sei in den nächsten Tagen in die Schule gegangen und habe gespielt.— Präsident: War der Zeuge Voßwinkel bei der Züchtigung zugegen?— Angeklagter Voßwinkel hat ein ganz teil abseits iii einem anderen Saale gestanden.— Justizrat Dr. S e l l o: Voßwinkel hat seine Thätigkeit in der Anstalt aufgegeben. Ist er nicht mit dem Angeklagten ver- feindet?— A n g e k l.: Ja.— Erster Staatsanwalt Frhr. v. D i t furth: Hat der Angeklagte auch iu anderen Fällen Knaben gr schlagen?— Während der Angeklagte sich besinnt, scheint ihm die Mitangeklagte etwas zuzuflüstern, was der Vorsitzende mit den Worten rügt:„Ich bitte Sie, Schwester, lassen Sie das Souflieren! Setzen Sie sich etwas weiter weg 1"— Angekl. Bastian besinnt sich auf einen Fall, in welchem er einen unartigen Knaben gezüchtigt habe.— Präs.: Weshalb haben Sie den Knaben nun eigentlich festgebunden?— Angekl.: Ich wollte ihn nur auf das Gcsäff schlagen. Auf Rücken und Schulter habe ich ihn nicht geschlagen. Die Hände des Knaben seien frei gewesen. Die Zeugen. Zeugin Frau V i c t h e, die ehemalige Pflegemutter des Knaben Steiner, giebt diesem im ganzen ein gutes Zeugnis Der Knabe habe das Unglück gehabt, den Vater und bald darauf seine Mutter zu verlieren und sei dann zu ihr gekommen „Wegen der Religion" habe sie ihn alsdann abgeben müssen. Im Josephs- Waisenhause habe es ihm nicht gefallen, er habe über schlechte Bebandlung und darüber geklagt, dast er die Stube auf wischen müsse und dergleichen. Als er am 29. November wieder zu ihr gekommen, habe er erzählt, wie er durchgeprügelt worden sei und über Schmerzen geklagt. Sie habe dann an seinem Körper blaue und braune Flecke, Striemen am Oberschenkel und dergleichen festgestellt. Er habe erzählt, die Schwester habe ihm die Hände fest gehalten, nach dem Prügeln sei er ins Bett gebracht worden und es habe sich niemand um ihn bekümmert, auch nicht darum, ob er Essen habe. Der Knabe habe ihr nicht direkt gesagt, daß er geblutet habe. Er habe aber erzählt, daß er nicht recht gehen konnte und ihm dann eine Schwester 59 Pf. gegeben habe, damit er nach Berlin fahren könne. Schwester P I a c i d a lKatharine Becker), die den Knaben als sehr böswillig schildert, glaubt, datz er bei der Prügclprozedur nicht mehr als 29 Schläge und zwar nicht sehr heftige, erhalten habe. Die Schwester Karola habe den Knaben nicht gehalten, sie habe auch nicht gesehen, daß der letztere geblutet habe. Sie habe auch in dem Bett zeug des Knaben keinerlei Zeichen von Blut vorgefunden, auch nicht einmal eine Verfärbung. Sie habe weder selbst gesehen. noch von anderen gehört.' datz der Knabe blutige Striemen am Körper gehabt habe, wisse aber, datz dieser über Beeinträchtigung seiner Bewegungen nicht geklagt habe.— Jnstizrat M u n k e l: Hat der Knabe heftig geschrien oder geweint?— Zeugin: Er hat geweint.— Erster Staatsanwalt: Warum wurde der Knabe ins Bett geschickt?— Zeugin: Nur aus Rücksicht für ihn selbst. weil er von den andern Knaben geneckt wurde.— Jnstizrat D r. S ello: Seit ivann waren Sie'mit der Schwester Karola ztt sammcn in der Anstalt?— Zeugin: Seit einem halben Jahr.— Justiz rat Dr. Sello: Wie verkehrte die Schwester Äarola mit den Kindern.— Zeugin: Sie war Lutzerst gutmütig und liest vieles durchgehen. Auch dem Steiner gegenüber hätte sie wohl trotz seiner wiederholten Flucht nichts gcthan, wenn nicht die DiSciplin des ganzen Hauses unter dem Betragen des Knaben zu leiden drohte.— Jnstizrat Sello: Also der Knabe war trotz seiner wiederholten Flucht bis dahin unbestraft geblieben?— Z e u g i n: Ja.— Justizrat Dr. S e 1 1 o: Die Zeugin hatte ja ivohl erfahren, dast der Junge die Absicht hatte, mit anderen Knaben zu entfliehen?— Zeugin': Ja.— Justizrat Dr. Sello Hatte der Knabe nicht eine Wintcrhose an und ist zum Schlagen nicht ein so dünnes Stöckchen benutzt worden, wie es dort auf dem Tische liegt?— Zeugin: Ja wohl, ein solches Stöckchen war es.— Erster Staatsanwalt v. Ditfurth: Ist cS mehrfach vorgekommen, dast in der Anstalt die Kinder durch die Schwestern gezüchtigt wurden?— Zeugin die Schwestern teilen keine Strafen aus.— Staatsanwalt Wenn nun ein Knabe gezüchtigt werden mutz, wer thut es dann?— Zeugin: Dafür haben wir keinen besonderen Angestellten. lHcitcr- lcit im Zuschauerraum.)— Jnstizrat Dr. Seiko: Hat die Zeugin auch den Eindruck, datz Bastian es zunächst mit der Züchtigung nicht sehr ernst nahm?— Zeugin: Diesen Eindruck habe ich gehabt.— Justizrat Munckcl: War die Schwester Karola damals Ihre Vor- gesetzte?— Zeugin: Ja.— Jnstizrat M u n ck e l: Ist sie es iioch?— Zeugin: Nein, sie ist nicht mehr in der Anstalt. Schwester R e m i d i a(Elisabeth Schneider): Alles, was der Knabe Steiner sagte Ivar gelogen und immer gelogen.— Die Zeugin hat während des Prügelns mehr Obacht auf die übrigen Kinder, als auf das Prügeln selbst gegeben. Nach ihrer Ansicht ist es ein ganz dünnes Stückchen gewesen, nnt welchem ge- 'chlagen wurde und sie glaubt auch, datz die Hände des Knaben ge- bnnden waren. Die Schläge seien nicht stark gewesen, die Schwester Karola habe den Angeklagten Bastian erst darauf aufmerksam ge- macht, datz es sich uni eine e r n st e Strafe handelte. Bastian habe dann noch einige Iveitere Schläge verabfolgt, doch seien diese nicht 'tärker gewesen. Auf Befragen des Ersten Staatsanwalts erklärt die Zeugin, datz während ihrer Thätigkeit in der Anstalt„solche" Züchtigung nicht iveiter vorgekommen sei. Zeuge Tischler Balduin Vohwinkel, ein einanniger Mann, war 2 Jahre Ausseher im St. Josefs-Waisenhause und hat sich in der letzten Zeit mit dem Angeklagten Bastian erzürnt. Er behauptet, datz dem Knaben Steiner während der Prügelprozcdur Flitze und Hände fest- zebunden waren. Nachher habe ihm Bastian auf seine Frage, wo !ler Knabe sei, geantwortet:„Er liegt im Bette und blutet."— Angeklagter bestreitet entschieden diese Behauptung, der Zeuge bleibt aber dabei. Nach seiner Meinung seien 49—59 Schläge verabfolgt worden, er will auch deutlich gesehen haben, datz Schwester Karoia den Knaben mit den Händen festhielt.— Angeklagte Karola: Ich habe ihn mit keinem Finger herührt.— Präs.(zum Zeugen): Mutzte sich die Angeklagte bücken?— Z e u g e: Ja wohl.— Präs.: Sie sind sich über diesen Punkt ganz sicher?— Zeuge: Jede Täuschungmeinerscits ist ausgeschlossen.— Aus der weiteren Bekundung de? Zeugen geht hervor, datz man dem Knaben, als er nach seiner wiederholten Flucht in die Anstalt zurückkehrte, zur Strafe und zur Kenn- eichnung aus seinem Haupthaar eine Rinne herausgeschorcn hat.— Erster Staatsanwalt: Sind in der Anstalt öfter Züchtigungen vorgekommen?— Zeuge: Solche Züchtigungen, in ivelcher ein Knabe festgebunden wurde, habe ich nicht in der Anstalt mit erlebt. — Justizrät Dr. Sello: Sie sollen gerade einmal ohne Auftrag einen Knaben so an den Kopf geschlagen haben, daß der Knabe blaue Striemen hatte.— Zeuge giebt zn, einmal einen Knaben, der sich obstinat zeigte, mit der Hand einen Schlag gegen den Kopf versetzt zu haben.— Justizrat Sello: Haben Sie nicht gerade von der Schwester Karola wegen dieser Züchtigung einen Verweis erhalten? — Zeuge: Ja.— Der Zeuge bleibt trotz des Widerspruches der Angeklagten dabei, datz er die Züchtigung in ihren Einzelheiten von einem Standpunkte im Ncbensaale aus genau habe sehen können. Schwester Carola habe erst den Aiigeklagteu Bastian, der bei einem krnnlcn Pensionär beschäftigt war, herbeiholen lassen.— Justizrat M n n ck e l: Warum mag wohl Bastian erst herbeigeholt worden sein, wo doch der Zeuge Voßwinkel ganz in der Nähe war?— Zeugin Schwester Placide: Voßwinkel hat ja nur einen Arm!— Staatsanwalt Frhr. v. Ditfurth: Der Zeuge Voßwinkel hat doch in dem von ihm zugegebenen Falle gezeigt, dast� er mit dem einen Arm auch züchtigen konnte. Datz man in diesem Falle de» An- geklagten Bastian herbeiholte, deutet doch darauf hin, dast etwas Besonderes vor sich gehen sollte. Die Lehrer an der katholischen Schule Vnhl, Fischer und Görke bekunden zwei frühere Fälle, in denen Knaben mit deutlichen Spuren von Verletzungen aus dem Waisenhanse in die Schule kamen. In einem Falle habe der Lehrer Fischer sogar Veranlassung ge- nommen, der Oberin zu schreiben und darin den Ausdruck„Monstrum einer Misthandlung" zu gebrauchen. Ein Aufseher Schacht habe wegen einer solchen Misthandlung, wie bekannt geworden, einen ernsten Verweis erhalten. Richtig sei es, daß der Knabe Steiner mit einer ausgeschorenen Haarrimie am Kopf erschien, so datz auf das Un- zlveckmätzige einer solchen Haartracht hingewiesen werden mußte. Pfarrer I e n d e, Vorsteher des Kuratoriums der Anstalt erklärt, daß ihm ein bestimmter Fall übertriebener Mitzhandlung weder amtlich, noch autzeramtlich zu Ohren gekommen sei. Auch der Stcinerschs Fall sei ihm erst als die Untersuchung schon im Gange war. bekannt geworden. Einzelne Uebergriffe von Wärtern seien stets gerügt worden. Die Schwester Karola sei früher in der Waisenanstalt zu Köln beschäftigt gewesen. Räch Mitteilungen der Oberin sei diese mit ihr sehr zufrieden gewesen. Die Oberin habe ihm erzählt, die Schlvester stamme aus einer kinderreichen Familie und habe schon bei der Erziehung ihrer eigenen jüngeren Schlvester mitgewirkt. Aus Köln seien über die Schwester Karola die besten Berichte ein- gegangen. Oberin Mechthilde(Luise Magnus), die 69 Jahre alt und seit 37 Jahren Oberin des St. Josess-Waisenhauses ist, ist gestern kommissarisch vernommen worden, da sie wegen Krankheit den Termin nicht wahrnehmen kann. Sie hat ausgesagt, daß nach ihren Fest- stelluNgen die Schilderung des Knaben Steiner über das ihm wider- fahrene Ungemach stark übertrieben sei. Zeuge Tischlermeister G l a tz e r aus Berlin, der Vormund des Knaben Steiner bekundet, dast er am Körper seines Mündels Striemen und fingerbreite Schorfe vorgefunden habe. Noch am 6. Januar, als der Kiiäbe in Moabit vernommen wurde, habe der Assessor Spuren der Äihhandluiig feststellen können. Vor dem ersten Termin habe er den Besuch mehrerer Schwestern bekommen, die ihn gebeten, doch den Strafantrag zurückzunehmen. Es sei gesagt worden, er solle doch diesen Akt christlicher Liebe vollbringen, damit daS Haus, dessen Protektorin die Frau v. Mirbach sei, seilt Stenommee behalte.— Einige Tage später habe ihm der Pfarrer Krum machet von der Kaiser Wilhelm- Gedacht niskirche für die Rücknahme des Straf- a n t r a g e s 399 M. geboten, die gleich festgemacht iverden follten. Bei dem Gespräch mit den Schwestern haben dies« zugegeben, datz die Züchtigung ja etwas sehr grob ausgefallen sei und datz die Schwester Äarola dem Knaben bei der Züchtigung die Hände festgehalten habe. Der Zeuge bestreitet schlietzlich entschieden, dast er selbst an die Oberin telephonicrt habe oder in seinem Auftrage telephoniert worden fei.— Der Staatsanwalt erklärt, dast thatsäch- lich telephoniert ivorden sei.. Schwester E l i s a b e t h a(Margarethe Hoffchmidt) bekennt sich als die Schwester, die die Frau Oberin zu dem Vormunde des Knaben begleitet und mit diesem unterhandelt habe. Sie bestreitet die Aeutzerung, dast die Sache„etwas grob" gewesen sei. Der Knabe Karl Steiner(11 Jahre alt) behauptet, datz seine Hände nicht gcbtmden gewesen seien, die Schwester Karola sie viel- mehr fcstgchälten habe. Er habe die Schläge nicht gezählt, die Jungen dagegen hätten ihm gesagt, es seien 59 gewesen. Er habe sehr geschrien, dann habe ihn die Schlvester Karola mit dem Bemerken ins Bett geschickt:„So, nun kannst Du ausrücken, weint Du willst!" Im Bett habe sich niemand um ihn bekümmert, er habe auch kein Abendbrot erhalten. Er behauptet, dast er am Oberschenkel geblutet und noch am uächsten Tage starke Schmerzen gehabt habe. Der Knabe bleibt auch dabei, datz ihm eine Schwester 59 Pf. zur Fahrt nach Berlin gegeben habe. Weder Schwester Karola, noch Bastiait hätten gesehen, datz er geblutet habe. Es' wird alsdann eine Anzahl von Waisenknaben vernommen, die der Prügelscene beigewohnt haben, lieber die Zahl der Schläge sind sie sich nicht einig; die von ihnen angegebene Zahl schwankt zwischen 21 und 25. Gezählt hat niemand. Keiner der Jungen hat bei Karl Steiner blutrünstige Flecke gesehen, dieser hat auch keinem seiner Kameraden erzählt, dast er geblutet habe. Auch der Knabe, der mit Steiner zusammen am nächsten Morgen dessen Bett zu ordnen hatte, hat den von Steiner behaupteten Blutfleck im Bett nicht wahrgenommen. Einer der jungen Zeugen behauptet, dast auch in anderen Fällen die Schwestern Züchtigungen— aber nicht solcher Art— ausgeteilt hätten.— P r äs.: Hast Du selbst einmal solche Züchtigung er- halten?— Zeuge: Ja.— Präs.: Von welcher Schwester denn? — Zeuge: Von allen l(Heiterkeit.)— Justizrat Dr. Sello: Hat die Schwester Karola Dir eininal eine Züchtigung zugeteilt?— Zeuge: Ja, einmal eine Ohrfeige.— Justizath Dr. Sello: Bist Du der Ansicht, datz Du die Ohrfeige wohl verdient hast?— Zeuge: Ja wohl I(Heiterkeit.)— Einige der Knaben ivolleit gesehen haben, datz während der Züchtigung der Strick, mit ivclchem der Knabe gebunden Ivar, gerissen sei und Bastian diesen dann über das Knie genommen habe.— Der Knabe JohnimeS Hering hat am Nachmittage des Züchtigungstages auf dem Gesätz des Steiner ein paar Striemen gesehen. Gutachten der Sachverständigen. Prakt. Arzt Dr. Bock, dem die Pflegemutter den Knaben Steiner 8 Tage nach der Züchtigung zugeführt hatte, hat auf dem Gesätz und an einem Schenkel desselben blutunterlaufene Stellen und Schorfstellcn vorgefunden, die den Schlutz zuließen, datz eine etwas uiigewöhnliche Züchtigung stattgefunden haben müsse. Gesund- heitsschädliche Folgen habe die letztere nicht gehabt. Es sei wahr- cheinlich, datz der Knabe geblutet habe, und es sei nicht aus» geschlossen, datz die Schorfe einmal abgegangen waren und sich Dann neue gebildet haben. Geh. Rat Prof. Dr. v. B e r g m a n n bestreitet, dast die bräunest Flecke aus eine besondere Gefährlichkeit der stattgehabten Züchtigung hindeuten oder daß durch die Schorfbildung eine vermehrte Gefahr herauf beschworen worden sei. Solche braunen Flecke seien eigentlich unvermeidlich, wenn mit einem so dünnen Stückchen geschlagen wird. Es herrsche beispielSiveise in der Massage eine neue Methode durch Muskelklopfen(Fäusteln), bei welcher fast immer braune Flecke eiitstehen, die durchaus nicht gesundheitswidrig seien. Solche braunen oder blauen Flecke Pflegen fast immer 8—14 Tage sichtbar zu sein, alfo könne ans dem Umstände, datz hier die Flecken noch nach 8 Tagen nicht geschwunden waren, kein Beweis für eine schwere Verletzung hergeholt werden. Auch ein Schorf würde nur dann Bedenken erregen, wenn er nicht blos eine sogenannte„Kruste" war, sondern von einer wirklichen Verwundung herrührte. Er habe nun bei der körperlichen Untersuchung des Knaben keine Spur von einer Narbe vorgefunden und er könne deshalb nicht zugeben, datz das Vor- handensein einer bloßen Kruste irgend eine größere Bedeutung habe. Die Möglichkeit sei auch— wie er nebenbei bemerke— nicht aus- geschlossen, datz eine solche Kruste durch Kratzen entstehen könne. Auf keinen Fall könne aus der hier in Fra ge stehenden Züchtigung eine Gefahr für die Gesundheit des Knaben sich ergeben. Die Beweisaufnahme war hiermit geschlossen. Erster Staatsanwalt Frhr. v. Ditfurth schickte voraus, datz hier, wo es sich um ein Waisenhaus handle, nicht das Züchtigungsrecht der Lehrer, sondern das der Eltern in Frage komme. Jedenfalls haben sich die Angestellten des Waisenhauses. welches die Eltemstelle an den Kindern versieht, gesagt: Wenn Unsere Kinder ungezogen sind, dürfen wir sie auch schlagen. Er müsse nun sagen, datz bei dem ganzen Verhalten deS Knaben, bei seiner Verlogenheit und seinem nachteiligen Einfluß, den er auf die übrigen Knaben ausgeübt, die Angeklagten subjektiv und objektiv vollständig berechtigt waren, ihn körperlich zu züchtigen. Das Vorhandensein von Klecken und Striemen zeuge noch nicht von einem U ebermaß der Züchtigung, die den Charakter einer Mißhandlung angenommen habe. Ferner habe die Beweis- nufilahme nichts ergeben, was zu dem Schlüsse berechtigte, daß der Knabe so viele Schläge bekommen habe, daß schon die Zahl dieser Schläge das Vorhandensein einer Mißhandlung beweise, lieber diese ganze Affaire sei viel geredet und geschrieben worden, eine große Rolle habe dabei immer die unglückliche Zahl von 50 Schlägen gespielt. Diese Zahl sei nun in dieser Verhandlung vollständig in Nebel und Dunst aufgegangen. Es sei nichts weiter ertvicsen, als daß der Knabe 20—25 Schläge bekommen und dieser Zahl wegen liege noch nicht eine Mißhandlung vor. Auch der Umstand, daß der Knabe fest gebunden wurde, macht die Züchtigung noch nicht zu einer Mißhandlung. DaS angewandte Maß sei vielleicht ungewöhn« lich und daS Anbinden aus den Sessel pädagogisch vielleicht bedenk- lich. für daS Strafrccht sei dies ganz irrelevant. Wenn nun aber auch das Züchtigungsrecht an sich und die Anwendung desselben in diesem Falle als berechtigt zuzugeben sei, so liege doch eine lieber- schreitung des Züchtignngsrechts vor, wenn— wie das hier der Fall gewesen— das Schlagen eine Blutung verursachte. Den Angeklagten sei eben das passiert, Ivas bei einer Züchtigung leicht passieren könne, namentlich wenn sie einem Manne anvertraut wird, der nicht die genügende pädagogische Erfahrung hat. Dafür, daß die Angeklagten besonders zu Züchtigungen neigten oder daß solche im St. Josefs- Waisenhause herrschendes Princip seien, habe die Verhandlung nicht das allcrmindcste erbracht und die Verwaltung könne mit derselben zufrieden sein, denn cS sei festgestellt worden, daß, wenn den maßgebenden Stellen Uebergriffe gemeldet wurden, diese ernste Remedur anordneten. Er halte die Schwester Karola der Anstiftung zur Mißhandlung und den Angeklagten Bastian der Mißhandlung schuldig und beantrage, das erste Urteil aufzuheben und die Angeklagte Karola zu 30 M., den Angeklagten Bastian zu 20 M. Geldstrafe zu verurteilen. Jnstizrat Munckel als Vertreter des Nebenklägers schloß sich diesem Antrage an, gab aber auch seinerseits zu, daß dieser Fall nicht besonders schwer zu beurteilen sei. Eine Verurteilung sc» aber notwendig, damit nicht der Grundsatz anerkannt,'werde, eS könnten Kinder in einer solchen Weise mit solchen sichtbaren Folgen, wie hier, ge- züchtigt werden, namentlich nicht in einer wohlthätigen Anstalt. Das Recht der Leiter solcher Waisenanstalten auf Züchtigung werde an» erkannt werden müssen, aber nicht das ZüchtignngSrccht der Eltern. denn an deren Stelle stehe der Vormund. Zur Erziehung der Kinder gehöre doch auch etwas Liebe, namentlich wenn es sich um die Er- zichung unglücklicher Waisenkinder handele. Er beantrage deshalb die Aufhebung des ersten Erkenntnisses und gebe die Höhe der Strafe ganz auhcim. Jnstizrat Dr. Gcllo als Verteidiger plädirte für Freisprechung der beiden Angeklagten und suchte nachzuweisen, daß diese Verhandlung auch keinen Schatten eines Vorwurfes gegen die Schwester Karola ergeben habe, die durchaus nicht Beweise von Lieblosigkeit gegeben habe. Im Gegen- teil sei erwiesen, daß sie sich der Liebe und Zuneigung der Kinder erfreute und selbst der Knabe Steiner, der wiederholt weggelausen sei, ohne daß er dafür gezüchtigt wurde, habe nicht gesagt, daß er eine schlechte Behandlung erfahren habe. Jeder unparteiische Zu- Hörer dieser Verhandlung müsse zu der Ucberzeuguna kommen, daß der Schwester Karola durch Erhebung dieser Anklage ein schweres Un» recht und schweres Herzeleid zngcfügt worden, daß diese mit den besten Zeugnissen ausgerüstete Schwester die Pflichten christlicher Nächsten- liebe, deren Erfüllung sie freiwillig zu ihrer Lebensaufgabe gemacht, nicht verletzt und keineswegs eiiien Mangel an Liebe gezeigt oder einen Beweis von Hartherzigkeit geliefert habe. Er beantrage die Verwerfung der Berufung. Das Urteil. _ Der Gerichtshof war der Ansicht, daß die im St. Josefs- Waisenhause vorgekommenen Züchtigungen sich im allgemeinen in den in solchen ErziehungSan st alten üblichen Grenzen gehalten haben. In dem Falle deS Knaben Steiner sei das ZiichtigungSrccht objektiv zwar über- schritten worden, subjektiv seien sich die Angeklagten besten aber nicht bewußt gewesen. Der Gerichtshof erkannte des- halb auf V e r w e r f u n g d e r B e r u f u n g. Die Kosten wurden der Staatskasse und dcni Nebenkläger auferlegt. Vokales. Dt« Mitglieder des Wahlvereins deS ersten Reichstags- Wahlkreises besichtigen an, Sonntag, den s. Juli, den Spree» tunnel und die Treptower Sternwarte. Die Teilnehmer versammeln sich zwischen 3 und 4 Uhr in Joels Victoria-Garten oder um 4'/- Uhr am Tunnel.— Abendö 7 Uhr Führung durch das.Astronomische Museum" und Erklärung des RiesenfernrohrcS. Um 81/« Uhr ProjektionSvortrag von Direktor F. S. Archenhold über: Jupiter und Saturn. Beobachtungen mit dem großen Fernrohr.— Billcts sind in allen Zahlstellen: Mörschel, Jüdenstr. 36; Prenß, Neue Friedrich» stratze 20; Sommer, Grünstr. 21; Moll. Klosterstr. 101; Pinzer, Friedrichsgracht 16; Schmidt, FlenSburgerstr. 24, sowie bei allen AbteilungSführcrn zu haben. Der Borstand. Die Zustände auf den städtischen Rieselgüter« bilden noch fortgesetzt einen Gegenstand neuer Betrachtinigen. Die social- politische EinsichtSlosigkeit der städtischen Verwaltung tritt hierbei wieder kraß zu Tage und man glaubt sich in eine Junkerdomäne versetzt, wenn man die Schilderungen liest, die von den Gütern einer großstädtischen Verwaltung gegeben werden. Nicht mit Unrecht haben die Agrarier frohlockend auf diese Glanzleistung der städtischen Verwaltung gewiesen, wenn sie auch selbst weit entfernt sind, bei sich bessernd anzufangen. Die„Deutsche Tageszeitung" ninlmt Veranlassung, die Schulzustände ans den Rieselgütern einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Die Schulfrage ist ja in freisinnigen Kreisen immer als ein Gegenstand besonderer Fürsorge gepriesen und der Schul» lehrer gehörte zu den gehätschelten BenifSmännern, die sich un- ausgesetzt freisinniger Liebeswerbung zu erfreuen hatten. Das Ver- ?ältniS ist in letzter Zeit etwas in die Brüche gegangen, weil die reisiunigen Partcigrößen den Worten keineswegs die That folgen ließen. Und wie es um die Dinge der Lehrerfürsorge auf den Rieselgütern steht, schildert das genannte Blatt wie folgt: „Nicht viel anders wie den Scknittern ergeht es den Lehrern auf den unter städtischem Patronat stehenden Rieselgüten,. Der Lehrer in Blankenfelde hat als Dienstwohnung eine Stube nebst einer kleinen Kammer. Ebenfalls in Blankenfelde war es. wo vor zwei Jahren der zweite Lehrer sieben Wochen nicht unter- richten konnte, weil Schulbänke und Tische febtten. In Großbeeren, Malchow, RnhlSdorf bettägt daS AnfangSaehalt der Lehrer 750 M a r k. Und nun erst in Heinersdorf. Die dortige Schule wird besucht von den Kindern aus Heinersdorf, Osdorf und Friederikenhof, drei Gütern, die der Stadt Berlin gehören. Auf Friederikenhof ist nämlich ein Pächter, der von Berlin das Gut gepachtet hat. Der Lehrer ist gleichzeitig Organist und Küster. Patton der Stelle ist der Magisttat zu Berlin! Das Einkommen der vereinigten Schul- und Kirchenstelle setzt sich aus folgenden Posten zusammen: aus Staatsmitteln: 500 M. Staatsbeitrag, aus Mitteln der Kirche: Küstereiland: 60 M.. Zinsen vom Küstereikapttal: 265 M.. Stolgebührcn-AblösungSrente: 13,31 M.. für Kirchcnreinigung: 8.50 M.. Organistengehalt 45 M.. aus Mitteln der Stadt Berlin: 23 M. Gutsbeittag zum Gehalt. (Um Zweifeln zu begegnen, in Buchstaben: Dreiundzwanzig Mark jährlich.) Holzgeld für den eigenen Bedarf nebst Anfuhrkosten: 118 M. Außerdem hat der Lehrer freie Dienstwohnung mit einem kleinen HauSgärtchen. gerechnet 200 M. ES ist aber fraglich, ob. da der Lehrer auch Kirchen- beamter ist, die Kirche nicht auch einen Auteil an der Dienst- Wohnung hat, vielleicht die Hälfte. Der Lehrer bezieht also außer freier Wohnung und Feuerung S04,81 M., dazu 500 M. staatliche AlterSzulagen, mithin nach dreißig Jahren: 1404,81 M.. zu welcher Summe die Stadt Berlin ganze 23 M. pro Jahr bei- trägt. Denn anderweitige AlterSzulagen seitens der Stadt Berlin bekommt der Lehrer nicht. Und dabei hat der Lehrer in Heinersdorf eine sehr schwierige Arbeit in der Schule, weil ein häufiger Wechsel der Kinder im Laufe eines Schuljahres stattfindet, und weil die Schulkinder auf den Rieselfeldern zu Landarbeiten mit herangezogen werden." Eine von der Polizeibehörde erlassene und Mitte Mai von dem Präsidium wieder aufgehobene Verfügung, bezüglich des Hunde- fangcs, ist durch ein Urteil des hiesigen Schöffengerichts vom Land- gericht I wieder hergestellt worden. Unterm 15. April hatte das Polizeipräsidium angeordnet, daß maulkorblose Hunde, die m, der Leine geführt werden, nicht fortzufangen seien. Trotzdem wurden verschiedene Personen, die nach den, Erlaß handelten, nach Fest- stellung ihrer Personalien durch Schutzleute, mit Strasinandaten be- dacht und Mitte Mai wurde denn auch die Erlaubnis wieder zurück« gezogen, weil die Verfügung angeblich gegen den§ 63 des Straßen- polizcircglemcnts von 1867 verstößt. Der Fabrikant A., der auch ein Strafmandat über 6 M. erhalten hatte, beantragte richterliche Entscheidung. Das Schöffengericht hob die Strafe ans, nachdem seitens der als Zeugen vernommenen Polizeibcamten bestätigt wurde, daß der Hund an der Leine gewesen sei. Der Minister Thielen hat hinsichtlich der Anhänge- wagen der elektrischen Straßenbahn, un, deren Beseitigung oder doch ganz erhebliche Beschränkung die Omnibnsgesellschaft, der„Fachverein Berliner Droschkcnbesitzer" sowie andere Vereine und Interessenten des Fuhr- gewerbes in einer genieinsamen Petition vorstellig geworden waren, den Petenten nunmehr folgenden Bescheid zugehen lassen: „Auf die gemeinschaftliche Vorstellung vom 26. Mai d. J. crividere ich,� daß be, Prüfung von Anträgen der hiesigen Straßenbahnen um Zu- lassung von Anhängewagen in jedem einzelnen Falle die allgemeinen Verkehrsverhältnis segebührendBerücksichtigung finden, und daß ich besonders bezüglich derjenigen Straßen, die einen besonders lebhaften Fuhrwcrksverkehr aufweisen, nur zu be» stimmten Tageszeiten Anhängewagen gestatten werde. Dagegen vermag ich dem Ansuchen, eine weitere Ausdehnung des Betriebes der Straßenbahn niit Anhängeivagcn nicht zuzulassen, in dieser Allgemeinheit nicht zu entsprechen. In der Leipzigerst'raße wird die Vcrwendnng solcher Wagen nur in beschränktem Umfange gestattet werden. Für die Wciterführnng der elektrischen Hochbahn nach Westen zn ist jetzt auch am D e n» e w i tz p l a tz mit den Vorarbeiten dcgonnen worden. Hinter den Hänsern Bülowstr. 70 und Denncwitzstr. 22, die beide von der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen angekauft Ivorden sind, ist bereits die Fuildicrnng der Pfeiler für die mächtige U e b e r f ü h r u n g der Hochbahn über die Potsdamer-, Wannsee- und Ringbahn in Angriff genommen. Die Besitzer der gegenüber liegenden Häuser der Denncwitz- und Bülowstraße, an denen die Hoch- bahn dicht vorüber geführt werden muß, haben von der Gesell» schaft E n t s ch ä d i g u n g S s u n> m e n biS zu 66 000 M. erhalten. Auf dem zwischen der Luthcrkirche und der Bülowstraße befindlichen Fahrdamn, sind bei dessen vor einiger Zeit erfolgter Asphaltierung auch bereits die mit Granit-Sockelsteinen versehenen Unterbauten für die eisernen Träger der Viadukte ausgeführt worden. Ebenso sieht man diese Granit- Sockclstcine hier bereits auf den Bürger- st e i g e n. von denen ein Teil durch dir Hochbahn in Anspruch ge- nommen werden muß, so daß an dieser Stelle mit dem Bau der Viadukte sofort begonnen werden kann. lieber ein merkwürdiges GcschüftSgcbahrcn wird ,i»S geschrieben: Eine sehr raffinierte Finanzoperation, deren Ursprung wahrscheinlich in England zu suchen ist, droht auch namentlich wieder den ärmeren Bevolkcrungsklassen belrächtliche Summen aus den Taschen zu ziehen. Es erscheint daher am Platze, vor diesem auch in Deutschland üppig anwachsenden Kaufsystcm zu warnen, welches den genialen, es ausübenden Finanzgcnies bei nicht(vielleicht auch trotzt rechtzeitiger Warnung der namentlich in Betracht komn, enden weniger' bemittelten Klaffen große Summen in die Tasche spielen wird. Dieses System beruht darauf, daß beispielsweise A. einen Coupon für 2 Mark von dem nach diesem System arbeitenden Unternehmer kauft. Für diesen Coupon hat er die Berechtigung, sich eine Urkunde zu erwerben, an der 6 wettere Coupons sitzen, wofür er 12 M. zu zahlen hat. Diese 6 Coupon» kaim er daS Stück mit 2 M. weiter verkaufen und erhält so die dafür gezahlten 12 M. zurück. Sobald die von ihm verkauften 6 CoupouS bei dem betreffenden Unternehmer einlaufen und je durch eine neue Urkunde eingetauscht sind, von welchen jede natürlich gleichfalls 12 M. kostet und je gleichfalls 6 Coupons enthält, erhält A. nunmehr einen Gegenstand im Werte von 20 bis 50 M. Der Käufer A. hat also thatsächlich einen Gegenstand im Werte von 20—50 M. für 2 M. erhalten. Jeder der 6 Couponkäufer erhält unter gleichen Be- dingungen ebenfalls einen derartigen Gegenstand für 2 M. Diese 6 Käufer haben zusammen 6 X 6--- 36 Coupons abgesetzt. Die Käufer dieser 36 Coupons erhalten unter gleichen Bedingungen wieder je eine Urkunde mit 6 Coupons, sodaß, nachdem jeder der 36 Käufer alle 6 Coupons verkauft hat. 6 X 36--- 216 Coupons im Umlauf sind. Dieser Umsatz spielt sich, wie Schreiber dieses zu beobachten Gelegenheit hatte, öfter in 1 bis 2 Tagen ab. In der Hand des ersten Käufers befanden sich also 1-st 6 Coupons, in der Hand der zweiten Käufer 6 4-6X6, in der Hand der dritten Käufer 36 4- 6 X 6 X 6. in der Hand der vierten Käufer 216 4-6X6X6X6. Die Anzahl der im Umlauf befindlichen Coupons nach beispielsweise dem neunten Weiterverkauf beträgt 6� oder 10 077 696. Wenn man nun bedenkt, daß nicht nur-A. einen Coupon erworben hatte, sondern noch viele andere, so ist es erklärlich, daß diese Coupons in kürzester Zeit in großen Massen auftteten müssen. Nunmehr kommt oer Zeitpunkt, wo sich fast jeder hüten wird, anderen«inen Coupon abzukaufen, da er ja die seinigen selbst kaum oder überhaupt nicht mehr an den Mann bringen kann. Wenn aber keine Coupons mehr gekauft werden, werden diese auch nicht mehr dem Unternehmer zur Einlösung geschickt werden, da dies nur durch Zahlung von weiteren 12 M. geschehen könnte. Unzählige Coupons wandern jetzt als wertlose Papierfetzen herum, für welche der schlaue Unternehmer zwei Mark pro Stück erhalten hat. ohne je in die Lage zu kommen, auch nur den größeren Teil wieder einzulösen und die entsprechenden Werte dafür auszahlen zu müssen. Selbst wenn dies aber geschehen sollte, steigert sich der Gewinn deS Unternehmers wieder ms viel- fache und eS laufen nur noch mehr Düpierte herum, die Möglichkeit des Weiterverkaufs der Coupons ist dann noch geringer und wird schließlich zur absoluten Unmöglichkeit. Der geniale Unternehmer hat dann mit wenig Unkosten Millionen verdient und die Geschröpsten sind die Hunderttausende, die dann wertlose Papierfetzen besitzen. Der auf den einzelnen entfallende Bettag ist im vorliegenden Falle 14 Mark. Man beteilige sich nach dieser Darlegung, falls derartige Cou- ponS, die jetzt schon zahlreich im Umlauf sind, angeboten werden, nicht an diesen Operattonen. Ein Kampf«m Leichen. Eine Warnung bezeichnender Art erlassen verschiedene Sargfabrikanten im Norden der Stadt: Der Küster der BersöhnnngS- Gemeinde. Herr Wohlpfeil, sowie besten Ehefrau versucht, daS bei ihm Sterbefälle anmeldende Publikum zu veranlassen, die Särge auS einem bestimmten Sargmagazin zu ent- nehmen; auch nimmt er Aufträge auf Leichenfuhrwesen und Grab- gesänge an. Hat aber das Publikum schon einen Sarg gekaust, so erklärt er, daß eS bei ihm bedeutend bester und villiger gekaust hätte. Wr bitten das werte Publikum, sich durch solche Machinationen nicht täuschen zu lasten usw. Die Geschaftsprattiken der Küster haben bekanntlich schon mehr- fach Anstoß erregt. Die Leiche der Frau Auguste GenverS wurde am Freitagvormittag im Keller des Seitenflügels auf dem Grundstück Halleschcs Ufer 9 durch die Polizei aufgefunden. Dort hatte sie sicherlich schon mehrere Tage gelegen. Die Todesursache war nicht zu erkenne»; der Leichnam wurde daher beschlagnahmt. Mutmaßlich vergiftet hat sich in einem Gasthofe am Askani- schen Platz am Freitagnachinittag ein etwa 30jähriger Herr, der sich Wilhelm Lanchrecht aus Dresden nannte. Man fand ihn gegen 4 Uhr als Leiche ans seinem Bett. Ob die Personalangaben richtig sind, kann noch nicht beurteilt werden. Im Fieberwahn ist dieser Tage der Friseur Henning in der Charilö aus dem Fenster gesprungen. Wie das Unglück geschehen konnte, ist noch nicht ermittelt Ivorden; hoffentlich bringt eine Unter- snchiing nähere Aufklärung. Henning, der in der Jnvalidenstr. 104 ein Barbiergeschäft führte, ist an den Verletzungen, die er durch den Sturz erlitten hat, gestorben; gestern erfolgte seine Beerdigung. Durch einen mutigen Eingriff haben am Freitag zwei Herren einen aufregenden Vorgang beendigt. Ein Gespann der Norddeutschen Eiswerke war, während der Kutscher ablud, durchgegangen und rannte vollen Laufs ans einen zwischen Gäben- und Bülowstraße in der Potsdamerstraße fahrenden OmnibnS der Linie Brnnncnstraßc— Schöneberg zu. Ein Zusammenstoß schien unvernieidlich zu sein und einige Aufregung hatte sich der'Vorübergehenden und be- sonders der Fahrgäste bemächtigt. Da sprängen die beide» Männer hinzu und' griffen jeder eine», Pferd so' geschickt und so kräftig in die Zügel, daß sie das Gespann zum Stehen brachten. Rückhaltlose Anerkennung wurde ihnen gezollt. Znsammcnstoß mit der elektrischen Straßenbahn. Gestern nachmittag 3 Uhr fuhr ein Wagen der elektrischen Straßenbahn am Hallcschen Thor ini Zuge der Königgrätzerstraße in voller Fabrt auf den Hinterperron eines Pferdebahnwageiis der Linie Rixdorf— Moabit. Eine Dame wurde vom Perron auf das Straßenpflasrer geschlendert und bewußtlos nach einem nahe gelegenen Laden getragen. Ein Knabe erhielt erhebliche Kopfverletzungen. An derselben Stelle passierte vor einiger Zeit der gleiche Unfall, und wäre eS wohl nötig, an dieser durch die abichüssige Straße gefährlichen und verkehrsreichen Stelle einen ständigen Weichensteller zu stationieren. Ein bedauernswerter Unfall ist dem Fabrikanten Redlich, Mitinhaber der Fabrik für Beleuchtungsartikel F. F. Sl. Schulze. Fehrbellinerstr. 47. zugestoßen. Herr N. begab sich gestern früh nach Potsdam, um dort eine Acetylenlampe für Lokomotiven vorzuführen, da man sich mit seiner Firma zwecks Lieferung solcher Lampen in Verbindung gesetzt hatte. Während nun Herr N. die Lampe an- zündete,»im den anwesenden Personen die Leuchtkraft zu veranichau- lichcn, eyplodirte dieselbe plötzlich auf bisher unaufgeklärte Weise. Dabei flog ein Stück Herrn N. mit solcher Gewalt an ein Auge. daß dasselbe sofort auslief. Ei» reichtatoiviertcr Verbrecher, der am 21. Dezember 1866 in Berlin geborene Arthur Günther, der aus dem Polizeigefängnis entflohen ist und sich vielleicht unter falschem Namen in einen, Krankenhaus versteckt hält, wird von der Kriminalpolizei gesucht. Auf seinem rechten Oberarm sind eine Bierkanne, ein Anlcr, die Buchstaben E. G. und das Datum„12. Februar", sowie eine Krone mit der Jahreszahl 1889 sichtbar. Der Unterarm ist mit einem Annband versefien. Der linke Arm läßt eine ans einer Kugel tanzende weib- liehe Gestalt, einen Athleten, zwei Hunde, eine Sonne und einen ans einem mit§ 11 bezeidinetcn Faß sitzenden betrmttenen Mann erkennen. Seine baldige Ermittelung dürfte durch diese wirklich be- sonderen Kennzeichen bevorstehen. Großes Aufsehen verursacht die gestern erfolgte Ver- Haftung deS Mitinhabers der„Allgemeinen Börsenzeitung", deS Hauptmanns a. D. Paul W e n d l a n d. Ziminerstr. 16. Ter »nmnchr Festgenommene gründete vor vier Jahren das genannt« Börsenblatt, dessen Leserkreis auS kleinen Kapitalisten in der Provinz besteht. GlciÄzeitig betrieb W. eine Vermittlung für An- und Berkauf von Wertpapieren und übernahm auch solche in Depot. Unter dem Namen„Deutscher Bankverein' machte er für die« zweite Unternehmen eine bedeutende Reklame, indem er durch Mitteilungen in der„Allgemeinen Vörscnzeitung". sowie auch durch Versand von Cirkularen sich Kundschaft zu erwerben suchte. That- sächlich wurde auch Wendland vielfach mit Vermittlungen beanf- tragt, doch scheint er die eingesandten Gelder vottvicgend in eigenem Jniercssc verwendet zu haben. Indem W. daS ihm zum Ankauf von Wertpapieren anvertraute Geld dazu benutzte, früher begangene Veruntreuungen zu verdecken, gestaltete sich seine pemniäre Lage immer schwieriger, lieber die ihm übersandten Be- träge gab W. Quittungen resp. Depotbestätigungen, das Geld jedoch erhielten die Klienten nicht wieder. Vor etwa sechs Wochen er- stattete ein Lehrer R. auS Magdeburg, der dem W. sein ganze« Ver- mögen in der Höhe von 26 000 M. anvertraut hatte. Anzeige bei der Kriminalpolizei, weil er weder Geld noch Zinsen erhalten konnte. Einer zum Zweck seiner Vernehmung erfolgten Vorladung bei dem Präsidium leistete Wendland nicht Folge nnv. da inzwischen weitere Anzeigen von angeblich Geschädigten der Polizei zugingen, so er- folgte' die Verhaftung deS Verdächtigten. Nach bisher eingelaufenen Meldungen werden von vielen Klienten die Regreßansprüche in Höhe von 68 000 M. geltend gemacht. Zeugen gesucht. Die Personen, welche Freitagnacht 12V- Uhr vor dem'Hause Mcmelerstraße 78 Zeugen des UeberfalleS waren. bei dem der Tischler Robert Sellwig schwer verletzt wurde, werden gebeten, ihre Adresse in der Redaktion unseres Blattei abzugeben. Straßensperrung. Die AlvcnSlebcnstraße von der Steinmetz- straße bis zur Bülowstraße einschließlich der Kreuzdamme wird behufs Aspbaltierung vom 3. d. M. sab bis auf weiteres für Fuhr- werke und Reiter geiperrt. Ans den Nachbarorten. I» Wilmersdorf spricht am Donnerstag, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Witte, Berlinerstt. 40, Frau Dr. Lily Braun über den Zuchthauskurs. Schöneberg. Die Generalversammlung des Arbeiter-Bildungs- vereinS findet Montag, abends 8 Uhr. bei Obst, Grunewaldstr. 110, statt. Mitglieder, die 6 Monate restieren, werden verlesen. Der Vorstand. Steglitz-Fricdenau. Die nächste Versammlung des Arbeiter- Bildlingsvereins findet am Dienstag, den 4. Juli, abends 3V2 Uhr, bei Grube. Kaiser-Allee, statt Vortrag und Diskussion Über die Bernsteiusche Schrift. Gäste sind willkommen. Pankow. Der nächste Lcseabend des hiesigen Arbeiterverein» findet am Dienstagabend 9 Uhr in StörrS GesellschaftShauS, Mühlenstr. 24. statt. In Rixdorf wird am nächsten Sonntag im Apollo-Theatcr. Hermannstratze 49, ein Sänaerfest abgehalten, auf das wir unsere Leser hinweisen. Veranstalter sind die Gesangvereine„Grüne Eiche",„Arton",„Treu und Einigkeit".„Melodia",„Einheit" und „Schneeglöckchen". Auch wirft der Musikverein„Einigkeit", sowie der Arbeiter-Radfahrerverein mit. Es wird alles geschehen, um daS Fest interessant zu gestalten. Der Ueberschuß kommt dem Wahlfonds zu gute. Zn dem Verhalte« des AmtSvorsteherS Schmock in der Lokalsrage wird uns aus Baum schulen weg noch geschrieben: Auch die hiesigen Genossen wünschen, daß die Herren Gastwirte der Behörde gegenüber etwa? mehr ihr Rückgrat steifen mögen; aber leider haben wir am vergangenen Sonntag recht ttübe Ersahrungen hierin gemacht. Verschiedene Genossen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das Publikum an die Lokalsperre zu erinnern. in- dem sie gedruckte Handzettel verteilten. Das ging auch die ersten Stunden glatt von statten. AIS jedoch vormittags 9 Uhr der Sohn des Restauratenrs Rehse. der Malergehilfe Adolf Äehsc. darüber auf Amt Treptow Meldung erstattete, änderte sich die Situation insofern, als eine Stunde später sieben Gendarmen, fünf in Civil und zwei in Uniform, unseren Ort umkreisten. Es dauerte nicht lange und vier von unseren Genossen wurden auf- geschrieben', weil sie ohne polizeiliche Erlaubnis Druckschriften verteilt haben sollten. Sic haben jedenfalls ein Strafmandat Zu erwarten. Zu erwähnen ist noch, daß einer keine Legitimation bei sich hatte und nun den Weg nach dem Amt antreten muhte, trotzdem ein bekannter Genosse dem Gendarm Thinius gegenüber den Missethätcr rekognosciert hatte. Dah die Beamten es darauf abgesehen hatten, bestimmte Personen zu notieren, erhellt daraus, dah der Vorsitzende des Vereins»Vorwärts" aufgeschrieben wurde, trotzdem dieser versicherte, keine Zettel verteilt zu haben. Tie Genossen ersehen hieraus, daß es dringend nötig ist, unseren Ort und namentlich die Lokale von E. S ch u l z, A. A ck e r m a n n und Vetter Nehse(.Zur Wald- cic") streng zu meiden. Nur in diesem Falle ist zu erwarten, dah wir uns von den Wirten das Recht auf Benutzung ihrer Säle wieder erkämpfen. Tie neue elektrische Ringbahn im Grunewald geht jetzt ihrer Vollendung entgegen. Die Verlegung der Gleise in der Königs- allce, der Hauptverkehrsader von Grunewald, ist bis auf eine kurze Strecke bereits ausgeführt, während auf der alten Gnmtwalder Dampfbahnlinie, deren Geleise von der elektrischen Bahn benutzt und für diese» Zweck jetzt hergerichtet werde», bereits die Trägermasten für die oberirdische Strömzuführung aufgestellt worden sind. Die Eröffnung der Bahn kann aber vor August nicht"erfolgen, da die jetzt über der Erde angelegten Te le p h onlet tung en in den von den elektrischen Wagen berührten Strahen vorher in unter- irdische Kabel verwandelt werden müssen. Die Grunewaldcr Ringbahn wird folgende Straßen durchfahren: die Hubertus-Allee, die Teplitzerstrahe, Hageirstrahe und die Königs-Allee. Auf der Charlottenburger Straßenbahn wird nunmehr der Betrieb auf sämtlichen Linien in absehbarer Zeit der gcinischt- elektrische, d. h. Oberleitnngs- und Accumulatoren-Bctrieb abwechselnd, auf den einzelnen Strecken sein, während die.-Große Berliner" in diesem Punkte durch die grundsätzlich bewilligte Oberleitung erheblich günstiger gestellt ist. Die meisten Schwierigkeiten für den Betrieb der Charlottenburger Linie» erwuchsen daraus,' dah für die Hauptlinie eine Strecke von ö(X> Metern, und zwar beginnend in der Einmündung der Orangcnstrahe in die Berlinerslrahe, am Schlöffe vorüber bis zur westlichen Seite deS Friedrich Karl-Platzes, für den OberlcitungSbctrieb nicht genehmigt Wurde. Daraus erwuchs die Notivendigkeit, alle diese Strecke befahrendcn Wagen für die gemischte Betriebsart ein- zurichten. Diese Einschränkung auf der erwähnten 600 Meter-Strecke wird aber auch noch anderweit auf die Berlin» Charlottenburger Strahenbahn-Vcrbindnngen einwirken. Es werden andere Linien, die bisher am Schlosse vorübergehend geplant waren, künftig andere Ausgangs- und Endstationen erhalten, so dah der Verkehr auf der Linie an dem Schlosse vorüber allein von den grohc» für gemischten Betrieb einzurichtenden Acenmulatorwagen besorgt werden wird, während ander«, mit Oberleilnug zu betreibend« Linien sich in der nötigen Entfernung von der 600 Meter-Strecke abzweigen werden. Es' ist unter diesen Umständen erwogen worden, ob nicht eine Oberlcitnnas- linic zur Umgehung der 600 Metrr-Strrcke etwa von der Kaiser Friedrichstrahe nach dem südlichen und westlichen Strnhcndamm des Friedrich-Karl-PlatzcS zu legen wäre. Zunächst wird abzuwarten fein, welche Stellung einem solchen Projekt gegenüber die Polizei- beHördt« einnehmen tverden. � Für die neue Südring- Haltestelle zwischen Schöncbcrg und Tcinpelhof, da wo die Anhalter Vorortgclcisc vom Südringe gekreuzt iverden, scheinen sich die Aussichten wesentlich gebessert zu haben. Die Haltestelle soll im Anschlnh an die neuen GeleiZdauten nach dem Ringbahnhof„Potsdamer Bahnhof" angelegt werden, um vo» der neuen Haltestelle aus deu VcrkchrSnnschluh nach Schöncbcrg. sowie nach Wilmersdorf und auch nach Tempelhof-Rixdorf zu er- mögliche», für welchen sonst nur der weite Umweg über den Pols- damer Bahnhos und von dort zurück gegeben sein würde. Spandau. In der jüngsten Sitzung der Stadtberordnetcn- Versammlung zu Spandau gab(nach dem»Anz. f. d. H.") vor Ein- tritt in die Tagesordnung der Oberbürgermeister Kvltze folgende Erklärung ab: �Jn der vorigen geheimen Sitzung habe ich auf eine Anfrage hin Mitteilungen gemacht, die ich als vertrauliche angesehen habe. Trotzdem ist alles in der„Brandenburger Zeitung" bc- richtet worden, und jetzt steht die Sache auch im„Vorwärts". Mir fehlt der Ausdruck, ei» solches Verfahren zu kennzeichnen, zwar nicht, indes will ich ihn nicht anwenden, sonst könnte ich sehr deutlich lvcrdcn. Aber ich werde weder in öffentlicher noch in ge- hcimer Sitzimg wieder Auskunft über Personen oder polizeiliche An- gclegcnheitcn geben." ES handelt sich um die Polizei-Angelegenheit, über die wir am Mittwoch nach der.Brandenburger Zeitung" berichtet haben. Herr Bürgermeister Költze scheint nun die Veröffentlichung seiner Mit- lcilungen über die seltsame Prügelaffaire als VcrtraucnSbrnch auf- zufassen. Ginge aus der ganzen Sachlage unzweifelhaft hervor, dah m diesem Falle den Stadtverordneten ein ausdrückliches Schweigegebot auferlegt worden wäre, so würden auch wir den Vertrauensbruch rügen, unbeschadet unserer Meinung, dah das Bemühen, kommunale Skandalfälle der öffentlichen Erörterung zu entziehen, am wenigsten geeignet ist, daS Ansehen einer Gemeindebehörde zu stärken. So ganz selbstverständlich ist es nun aber doch nicht, dah alles, was in geheimer Sitzung eines Stadtverordneten-Kollegiums beraten wird, der Leffentlichkeit verschlossen bleiben muh. Wenn Herr Ober� biirgermcister Költze z. B. die Berliner Zeitungen verfolgt, so wird er darin recht oft Mitteilungen über geheime Sitzungen' der Stadt- verordneten-Vcrsammlung berichtet finden, ohne dah von irgend einer Seite und am wenigsten vom Magistrat daran Anstoh genommen würde. Besser wäre eS in dem vorliegenden Fall gewesen, wenn der Herr Oberbürgermeister nicht mit einer kaum ausführbaren Drohung gekommen wäre und dafür über die in ganz Spandau erörterte Angelegenheit selber sich in befriedigender Weise ausgelassen hätte. Gottesfurcht und Profit. Sie verstehen den Rummek, die Handwerksmeister in L a n d s b e r g a. W., welche kürzlich in einer Versammlung über die Fortbildungsschule beraten haben. Die Wüiisckie der ehrenwerten Meister gehen dahin, daß der Schul- Unterricht auf die Sonntagvormittage verlegt werde. Ilm die Erlaubnis zur Ausnutzung der Somitagvormiitnge zu erlangen, will man den Unterricht mit einer kurzen Andacht beginnen lassen. Immer dreist und gottesfürchtig; da wird's ja nicht fehl- gehen!_ VevsÄtttMlunsen. Die deutsche Mctallarbcitcr-Gcwerkschaft hielt am Montag, den 26. Juni, im Englischen Garten eine Mitgliederversammlung ab, in welcher M o r i ck e' über die M e t a l l a r b e i t e r« B e w e g u n g sprach. Die nachfolgende Diskussion, an der auch einige Mitglieder des Verbandes teilnahmen, gestaltete sich zu einem Streit um die Organisationsform. Schließlich wurde noch mitgeteilt, daß Listen für die aussperrten dänischen Arbeiter beim Kassierer Daunen- b e r g e r, Wiesenstr. 33, zu haben sind. Die Kammmacher und BerufSgcnossc» hielten am 26. Juni eine Branchenversammlnng ab.„Warum organisieren sich die Ar- beiter?" war das Thema, über welches das Mitglied Popitz unter dem Beifall der Anwesenden sprach. Die Neuwahl der W e r I st a t t- Kontrollkommission wurde wegen zu schwachen Besuchs bis zur nächste» Versammlung verschoben. Gold- und Silbcrarbcitcr. Am 27. Juni fand die rcgel- mähigc Monatöversammlung der hiesigen Zahlstelle statt. Genosse Dr. Wey! sprach über:„Welchen Standpunkt nimmt die Gesund- heitSpflege gegenüber der englischen Tischzeit ein?" An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der verschiedene Kollegen ihre Erfahrungen für und wider zum besten gaben.. Hierauf, gab' Kollege H e n t kl g den Bericht vom Arbeitsnachweis, wonach derselbe in seiner Frequenz etwas zurückgegangen ist. Der Vorsitzende machte zum Schluß noch die Mitteilung, daß der Streik bei M c i e r h e i m fortdauert. Streik- brcchcr haben sich bis jetzt nicht gefunden, auch sind alle Streikenden bis ans einen wieder in Stellung. Hierauf erfolgte Schluß der gut- besuchten Versammlung. Tic Maurer von Rixdorf nnd Britz hielten am Freitag eine Versammlung im Lokale.Deutsches Wirtshaus" ab, um zu dem bekannten Eiuigungsverirag Stellung zu nehmen. Der Refereut Schulz- Charlotteiiburg erläuterte, nachdem er an die Kämpfe, die im Baugewerbe in den letzten Jahren stattgefunden, erinnert hatte, die ein., einen Bestimmungen des Vertrages. Er gab der Meinung Ausdruck, dah die wesentlichen EinigungS- Bedingungen, sowie auch das Resultat der in den letzten Tagen zivischcn den beiden Parteien gepflogenen Perhandlnngcn für die Maurer unter den obwaltenden Umständen recht günstige sind, nnd dah durch den festen Zusammenschluß in der Organisation für die strikte Durchführung des Einigungsvertrages gesorgt werden müsse. In der hierauf folgenden Disküssion wurden wesentliche Eimvendniigen gegen die festgelegten Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht gemacht, nnd äußerten sich die Redner durchweg im Sinne des Referenten. Der wöchentliche Beitrag zum Streikfonds wurde wie in Berlin auf 26 Pf. festgesetzt. Die Ausgesperrten bezw. Streikenden, die biSher noch keine Arbeit erhalten habe», sollen für diese Woche noch miterstützt werden. Bekannt gegeben wurde noch, daß vom Montag ab die Karten mit einem Schluhstempel zu versehe» sind. Samaritcr-KursuS für Arbeiter nnd«rbeitcrinnen. Morqc» Montag, abends S Uhr: Uebungöstunde in der Filiale Bmniicnstr. 15». Vortrag über:„fliiochenbrüche, Verrenkungen und Verftnuchnngen." Nachher Verdand-Uebungen. Heute: Auöflug nach Jungfervhcide. Treffpunkt „Zum Waldkater", Tegeler Weg, 1» Minuten von» Bahnhof Jungsernheide. Vermischtes« Zwei Kinder verbrannt. Die beiden drei und sechs Jahre alten Kinder eines Tagelöhners auf Gut Wampen bei Sülze i. M. spielten in Abwesenheit ihrer auf dem Felde befindlichen Eltern mit Streichhölzern und steckten dabei die Wohnung in Brand. Trotzdem aber die benachbarten Feuerwehren in größter Eike angerückt kamen,' war das kleine Häuschen samt den Stallungen ein Raub der Flammen, geworden und aus dem Schutt wurden die v o l t st ä n d i g der- kohlten Leichen der beiden Kliuder hervorgezogen. Eine Luftspiegelung wurde, wie die„St. H. Ztg." berichtet, am letzten Sonntag von mehreren Touristen auf oem k u r i s ch e n Haff beobachtet. Als dieselben sich auf einer Bootfahrt gegenüber dem Dorfe Strombcck befanden, gewahrten sie über dem azurnen Horizonte eine größere Zahl roter, unbestimmt begrenzter Striche, die sich nach und nach als die Kanten von Ziegeldächern mispvägtem Bald hoben sich ans diesem Bilde auch die umrisse von Häusern mit der nächsten Umgebung hervor. Als das Bild die größte Deutlich- keit annahm, senkte sich ein Teil desselben etwas abwärts, und zwar derartig, daß man das verkchtte Spiegelbild erblickte. Das schöne Bild, das das Konterfei des etwa'/i Meile entfernten kleinen Fischerdorfes Strombeck war, verschwand plötzlich, als nach etwa fünf Minuten eine kleine Brise eintrat, ivelche die um die Mittagszeit fast unbewegte Luft in lebhaftere Schwingungen versetzte. Marktpreise Inm Berlin am 30. Juni 1899 noch Ermittelungen deS kgl. Pollzeipröfidimus. D.-Ctr. *)2Deijen «Moggcn Futter-Gerste„ Hafer gut .»»llel . gering„ Rlchtstroh Seu„ -jOErbscn fsTpeiiebohnen„ Minsen Kartoffeln, neu«„ Rindfleisch, Keule 1kg dv. Bauch„ *) Ermittelt pro 16.00 15, 13,30 15,60 15, 14,40 4,— 6,50 40,- 50,- 70,- 6— 1,00 1,20 Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelflclsch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60«IM 1 kff per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 1,30 2,80 2,60 2,- 1,60 2,50 1,20 14,- 1,10 1,- 1.- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,30 0,80 3,- 14,80 13,70 12,80 15,10 14,50 14- 3,32 4,10 25,— 25,- 30,— 4,60 1,20 1- ... Tonne von der CeiilralsleNe der Prenff. Landwirt- schastilammer- NotiernngSstellr- und umgerechnet vom Polizeipräsidimn für den Doppel-Centncr. ff) Klcinhaudelspretse. P r o d u l t e n m a r k t vom 1. Juli. Bon Frankreich kamen Meldungen, daß die Weizenemte um 20 Proz. geringer ausfällt als im Vorjahrs. Weizen notierte um 1 M.. Roggen um V- M. höher. Hafer wenig verändert. Mais im Anschlub an die höheren amerikanischen Notierungen fest. Rüböl unverändert. Der Spiritus markt verkehrte in fester Haltung. Angeboten waren 8000 Liter 70er Locoware, die mit 41,50 M. Käufer fand. Termine Unverändert.— Kartoffelfavrtkate. Berlin. 1. Juli. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack und Mehl 10,75 M., Supra trocken« Kartoffelstärke 20,50 M., do. Sekunda 14,50—17,50 M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto 10,75 M„ do. Supra M., do. Srlunda M.-Berlins G e t rei d e- un d Meh lzu suh reu zu Wasser vom 30. Juni mittags biS 1. Juli mittags bctruaen 852 Doppel- centner Weizen, 243 Doppelceiitnrr Roggen, 87 Doppelcentner Gerslc, 82 Doppelcentner Mais, 850 Doppclcentner Weizenmehl.- Stadtischer Schlachtvieh m a r! t. Berlin, 1. Juli. Zum Verkauf standen: 4022 Rinder, 1804 Kälber, 14 304 Schafe, 7644 Schweine. Verkauf und Tendenz: Das Rindergcichäst wickelte sich langsam ab und hinterläßt etwas lieber- stand. Der Kälbcrhandcl gestaltete sich langsam, es wird kaum ganz aus- verlauft. Bei deu Schafe» wurde Schlachtware bei ruhigem Geschäft un- gefähr ausvertanft, bei Magcrvtch seblte es an Nachfrage, es bleibt viel unverlauft. Der Schweinemarlt verlies ruhig und wird ziemlich geräumt. Zum Schluß waren die notierten Preise nicht zu erziele». Briefkasten der Redaktion. Tie fnristisch« Sprechstunde wird Dienstags, TouncrStagS und Freitags abends von k biS 8 Uhr abgehalten. Chcmaligcr«Scr. Sie haben recht, das 4. Oberschlesische Infanterie- Regiment Nr. 63 sieht zur Zeit in Oppeln. F. W.. Berlin. Empfehlungen von Aerztcn können wir nicht bringen. Vielleicht besuchen Di- die Poltllinil der Charitec MoiitagS, Mittwochs oder Freitags von R/z— 16 Uhr. Wette 5. Die Oceaiidampscr passiere» keine Brücke, wenn sie vo» See in den Hamburger Hafen einfahren. Die eine der beiden Elbbrücken führt von Hamburg über die Rordcrelbe nach der Insel Wilhrluisburg, die andere über die Süderelbe nach Harburg. 163. Eine solche Zeitung tcnncn wir nicht. . _ Jnvalidenstr. 145. M Eine Hlllion! A Man»»» ohne Gnade mitsamt der Wnnjki» Brut sofort und gründlich beseitigt mein Wanzenflutd tn Fl. 50 Pf. und 1 Mk. Spritzapparat 50 Pf. istMtlllt»» mitsamt der Brut schnell njwaucu und für immer befeitizt mein Schwabentod, 50 Ps. und 1 Alk. per Dose. Radikaler Erfolg garantiert nur direkt beim Erfinder t-eorg PcM, DrogucrieBerliu.Brunuenst.157. Rohtabak!"WU U71S* Karl Roland,«ottbuserstr. So, offeriert mehrere Restpartien sehr vorteilhafter, tadellos brennender Sumatra-Tabake zu bedeutend herabgesetzten Preisen, per Pfmw nur 2,60 M. Brasil-u. Java-Einlage 95 Pf. Berfuch lohnt Teilzahlung; monatlich 10 M. liefert elegante liDprenganierobe n. Maß, Tomporowskl, Schncidermstr., Neanderstr. 16, II, an der Annenstr. (Auch baar Casse billigste Preise.) 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Warm wir!» her ArbeitersAst her SM her Brauerei Pichelsdors gesperrt? Infolge der mehrfach an uns gerichteten Anfragen über unsere Stellung zu der Brauerei Pickielsdorf, sehen wir uns veranlaßt, der Berliner Arbeiterschaft die Entstehung der Differenzen zwischen der genannten Brauerei und der Spandauer Arbeiterschaft, sowie den Verlauf der gepflogenen Verhandlungen klar zu legen. Die Lokalitäten des Brauerei-Ausschankes in Pichelsdorf standen der Arbeiterschaft seit der Zeit des großen Berliner Bierkrieges zu Festlichkeiten und Versammlungen zur Verfügung, und sind, da in Spandau selbst für unsere Zwecke leider kein größerer Saal zu haben ist, viel in Anspruch genommen worden. In den ersten Jahren war das Verhältnis auch ein leidlich zufncdcnstellendes, aber allmählich stellten sich Differenzen ein. Die Brauerei machte Schwierigkeiten. Den Beauftragten der Arbeiter gelang es jedoch jedesmal, wenn auch meistens erst nach längerem Unterhandeln mit dem Direktor H o f f m a n n. die Differenzen zu beseitigen. So im Vorjahre, als die Spandauer Genossen den Saal zur Maifeier miete» wollten. Auch damals. wie schon häufig vorher, erklärte der Ockonom, daß er über die Räume nicht verfügen könne und verwies unseren Beauftragten an den Direktor der Brauerei Pichelsdorf. Dieser wieder verweigerte eine sofortige bindende Erklärung, da die Sache erst dem Aufsichtsrat unterbreitet werden mußte. Das muß dann wohl auch geschehen sein, denn einige Tage später erhielt der Spandauer Vertrauensmann von der Direktion Antwort und Zusage. Hehnliche Schwierigkeiten wiederholten sich fast jedesmal, wenn der Saal benutzt werden sollte. Bald sollte die Beleuchtung, ein andermal wieder die Heizung bezahlt werden usw. In diesem Jahre nun'beabsichtigten die Spandauer Genossen eine Protcst-Vcrsanmllung gegen die Zuchthausvorlage abzuhalten. Zu dem Zweck begab sich der Vertrauensmann Pieper einige Zeit vorher nach Pichelsdorf, um den Saal zu bestellen. Wie fast immer so verwies auch diesmal der Oekonom unseren Genossen an den Direktor Hoffmann mit der Begründung, daß er, der Oekonom, über den Saal nicht verfügen könne. Von dem Direktor erhielt darauf Genosse Pieper auf seine Vor- stellung die Antwort, daß erst der Aufsichtsrat in Kenntnis gesetzt werden müßte und er daher frühestens am Mittwoch(die Besprechung fand am Montag statt) bestimmte Antwort zu geben im stände sei. Auf den Einwurf des Genossen Pieper, daß dann die Zeit zu kurz sei, um die notwendigen Vorbereitungen zu der Versammlung am Freitag treffen zu können, versprach Herr Hoffmann, schon am Dienstagmittag von Berlin auS telegraphisch mit ja oder nein Antwort zu geben. Statt dessen erhielt Pieper am Dienstag ein Telegramm, worin derselbe ersucht wird, sich am Mittwochabend persönlich bei Herrn Direktor Hoffmann einzufinden. Hier erhielt P. von dem Herrn Hoffmann die bündige Erklärung, daß man das Lokal zu Partei-Versammlungen oder auch nur Partei-Vergnügungen zu über- lassen nicht mehr geneigt sei. Nach den Gründen geftagt, erklärte der Herr Direktor, daß die Brauern„mehr Schaden wie Vorteil" davon habe,„da das bessere Publikum den Brauerei-Ausschank wie die Pest meide". Die Verwaltung lege großes Gewicht darauf, den Militär- bohkott loszuwerden und beabsichtigt in Zukunft Militärkonzcrte zu veranstalten. Die Arbeiter kvunten ja, so meinte Direktor Hoff- mann weiter, jetzt erst einmal ein paar Jahre anderswo, etwa in der Spandauer Bergbrauerei, ihre Versammlungen abhalten, nachdem könnten wir ja dann wieder nach Pichelsdorf kommen. Auf diesem Standpunkt blieb der Herr Direktor troß aller Ein- würfe stehen und so sahen sich denn die Spandauer Parteigenossen verpflichtet, der Berliner Lokalkonunission von der Lage Mitteilung zu machen und dieser Körperschaft den weitere» Verfolg zu überlassen. Die Lokalkoinmission hat darauf gemeinsam mit den anderen in Frage kommenden Faktoren über den Vorfall verhandelt und be- schlössen, zur Herbeiführung einer Verständigung nochmals in Unter- Handlungen einzutreten und zwar mit dem Aufsichtsrat. Diese Besprechung hat inzwischen stattgefunden, aber mit dem- selben negativen Erfolge. Auch Herr Sternberg, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, rechtfertigte daS Vorgehen der Brauerei mit denselben Argumenten wie Direktor Hoffmann. Nur, daß derselbe außerdem noch zum Schluß der Unterredung mit der überraschenden Erklärung hervortrat, daß das alles eigentlich Sache des Oekonomen sei, der die Räume gepachtet habe. Die Brauerei habe durchaus keinen Einfluß darauf, wem der Oekonom seinen Saal geben oder verweigern wolle. Der Oekonom Herr Stark, bei dem daraufhin dieserhalb noch- mals angefragt wurde, gab jetzt plötzlich dieselbe Erklärung ab. So sind denn die Spandauer Parteigenossen wieder einmal so gut tvie obdachlos. Parteigenossen I Aus alledem geht hervor, daß die Direktion der Brauerei Pichelsdorf es gern gesehen hat und selbstverständlich auch in Zukunft nichts dagegen hat, wenn die Arbeiter ihr Bier trinken, daß aber in den Räumen des Brauerei- Ausschanks die Arbeiter dem„besseren Publikum" und dessen Militärkonzerten weichen müssen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß ein jeder, der die vor« stehende Darlegung aufmerksam verfolgt, mit uns der festen lieber« zeugung ist, daß der»och im letzten Äugenblick erhobene Einwand, „der Oekonom Hütte über den Saal zu bestimmen, die Brauerei sei ohne Einfluß", angesichts der Thatsache, daß ganze Jahre hindurch die Verhandlungen wegen Benutzung des Saales st eis von der Direktion der Brauerei geführt worden sind, weiter nichts ist als ein äußerst pfiffiger Trick, dazu bestimmt, die Brauerei als das unschuldige Lämmlcin und den Pächter des Ausschankes gewissermaßen als Prellbock vor sich hin« zustellen. Wir sind fest überzeugt, daß die Arbeiter- schaft Berlins und der Vororte aus dem An« geführten die nötigen Konsegnenzen ziehen wird. Soeben wird bekannt, daß die Brauerei Pichelsdorf jetzt wieder für das Militär durch Äommandanturbcfehl freigegeben ist. Die Lokalkom Mission Berlins und der Vororte. als Beisitzer. 'Lewerbcgericht zu Berlin. Str. L-S. Äew.-Gcr. 1839. Bekanntmachnng. In Sachen des Maurcrslrciks ist in der Sitzung des von beiden Teilen alS Einigungsauit angerufenen GewerbegertchtS zu Berlin vom 24. Juni 1899, an welcher teilgenommen haben: 1. Bewcrberichter v. Schulz als Vorsitzender, 2. Fabrikbesitzer O. Weigert\ Arbeitaeb« 1 3. Fabrikbesitzer Dr. Hugo Berschel,""iigeoer> 4. Former Körsten\ 5. St-in'-tzer Knoll/ Arbeitnehmer) folgender Vergleich geichloffen worden, welcher hiermit in Gemlistheit des Z«S deS Gesetzes, betreffend die Gcwerbegerichte vom 29. Juli 1830, und 8 7b des Ortsftatuts für die Stadt Berlin vom 28. Oktober— 2. November 1892, betreffend das Gewerbegericht zu Berlin, öffentlich bekannt gemacht wird. I. Die Arbeit wird am 27. Juni 1833 morgens wieder aufgenommen. Die von den Arbeitgebern verhängte Aussperrung wird zum gleichen Tage aufgehoben. II. Der Lohn beträgt: BiS zum 31. Dezember 1899 einschließlich 60 Pf. pro Stunde(s«hzig Pfennige vro Stunde); vom 1. Januar 1900 bis 30. September 1300 cinschlieblich V2V, Pf. /zwei,„dseibzig einen halben Pfennig); vom 1. Oktober 1900 bis 31. März 1301 cinschlieblich VS Pf. (fünfundsechzig Pftuniae). Der Lohnsatz für durch Unfall, Alter, Invalidität»linderleistungSfähige Gesellen, sowie für Junggesellen im ersten Gesellenjabre, soiveit dieselben bei ibrem Lehrmeister tbätig sind, unterliegt der freien Vereinbarung. Die Arbeitszeit beträgt 8(neiln) Arbeitsstunden. Den Arbeitgebern und Arbeitnehmern steht eS frei, daS Arbeitsverhältnis jederzeit ohne Sündigung und ohne Angabe von Gründen auf- zuheben. Hl. ES wird eine Sommifston gebildet, welch« aus 3(nenn) Arbeit- gebern und 9(neun) Arbeitnehmern besteht. Die Wahl der Mitglieder dieser Kommisston erfolgt durch die Arbeitgeber bezw. die Organisationen der Arbeiiitehmer. ein) Sewerk- ..>.......—..—,-----—-----—-----------„J Tentralverbaiides ber deutschen Maurer angehören. Die Geschäftsordnung der Kommission wird von dieser festgestellt. IV. Der unter Nr. III bezeichneten Kommission liegt die Regelung der Arbeitszeit. Pausen, Lohnverhältnisse, Einrichtung der Arbeitsstätten und ähnlicher Punkte, sowie die Schlichtung von Strettigkeiteu zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern ob. V. Bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kann gegen die Entscheidung der Kommission nur binnen 3(drei) Tage» nach der Bekannwiachung die Entscheidung des EinigungsamteS des GewerbegerichtS angeriifeil werden. VI. Bis zur endgültigen Entscheidung durch die Kommission oder daS Einigungsaml dürfen Bansperrrn unter keiner Bedingung verhängt werden. Nach der endgültigen Entscheidung sind Bausperren nur zulässig, wenn der Entscheidung nickt Folge geleistet wird. VII. Alljährlich im Herbst hat die uiiter Nr. III bezeichnet- Kommission zusauimenzutreteu und die Arbeits- und Lohnverhältnisie für die Bauperiode 5,»ach ucn Jahres festzusetzen. Der Entscheidung der Kommission haben sich die Arbeitgeber und ArbeiMehmer zu nmerwerfen. Zum erstenmal tritt die Kommisston zu diesem Zwecke im Herbst 1899 zusammen, um über eine andenveite Festsetzung des Lohnes für die Zeit vom. Oktober 1900 bis 31. März 1901 zu beschließen. V III. Sowohl die centrale wie die lokale Organisation der Maurer, sowie die Gewertschastskoinmission verpflichten sich, ihren ganzen Einfluß für Aufrcchlerhaltung dieser Bedingungen einznietzen und im Widerspruch mit denselben ausbrechende Streiks nicht zu»nterstütze«. IX. Maßregetungen infolge des hierdurch beigelegten Ausstandes finden nicht statt. Vorgelesen Genehmigt Ilnterschricde» gez. C Weftphal, Hermann Wolff, Otto Held, Paul Höfchen, A. Daimeberg, R. Glasenapp, H, Gericke, Otto Heuer, G. Henning, Lachmann, Joseph Fränkel. G. Koblank, Tb. Siems, L. Gansow. Hans Berndt, Fr. Kemnitz. C. Koppen, Eh. Töpte, F. Fiedler in Firma C. Kuhn, A. Matthcus, Otto Carl. Lokal: gez. Heinrich Mevkc, Fritz Kater, Georg Behrend. Centralverband: gez. Karl Panser, H. Silberschmidt, W. Schulz, H. Bömelburg. gez. Rudolf Millarg, für Berliner Gewerkschaftskommission. gez. von Schulz, O. Weigert, Dr. H. Gcrschel, A. Körsten, A. Knoll. ftnliervsgell-XuKIidle Reue Königslr. 53 (am Alexanderplatz) u Juvalidenftr. 5. Itln«It>r»,vaxvr> 12,— 3C. Cummlräder 15 BcttstrUe» 6-- S-, 12,- 11110. Sportwagen. RiesenauSwahl wie nirgends. DaS berühmte Oberstabs- arzt und Phynknö Dr. o. 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Bogel, Deimninerstr. 32. Sfordsvcstcn: Karl Anders, Salzwcdelerstr. 8. Südwesten: F. Ohnesorge, Bergmannstr. 23, HU. H. Schröder, Krcuzbergstr. 15. Gilden: HauS Baake, DreSdenersir. 52/53. F. Gutschmidt, Kottbnser Damm 8. «Udosten: Frist Dhiel. Slalitzerflr. 35. W. Gefche, Wrangelstr. 58. Marnn Mefcha, Adalbertftr. 24. Oentprnn: P. Harsch, GipSstr. 27. Chaplottenbm'L: (stuft. Scharnberg, Schillerstr. 94 1. 21. liest, Kaiser Friedrichstr. 37b. Friedenau; H. Bernsee, Kirchslr. 15. Fpledplohsdep»: Anton Kopp, Friedrich Karlstr. 4. Fanlrow: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Blxdopf: C. Csiermniin, Erckstt. 6. E. Resterau, Hermamistr. 50. Vehllneliepg: Wilh.Bäuml er.«postelPauluSstr.13- HVelssensee: Heinrich Bachmann. Lehderstr. 1. Julius Schillert. Köniachaussee 39a. Rod. Liebichwager, Gustav-Adolfstrabe 16. Verantwortlicher Redacteur: August Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: llh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 5t. 152. 16. IchtMg. 3. WM des„Mwörts Kerlm MsblÄ. Sonlltsg, 2. Inli!899. Parlamentarisches ans der Schweiz. Bern, 27. Juni. Die wichtigsten Geschäfte, welche die Bundesversammlung während ihrer dreiwöchigen Tagung behandelte, waren das Forstgcsetz, das Militärsteucr-Gesetz, das Bank- und das Lebensmittel-Gesetz. Das crstere, welches den Zweck hat, den im vorigen Jahre vom Volke beschlossenen neuen Vcrfassungsartikel über das For st Polizei- Wesen auszuführen, ist vom Nationalrat noch in einer Schluß- bcratung zu behandeln. Das Gesetz bezweckt die Erhaltung und rationellere Bewirtschaftung der Waldungen, die Forderung der Zusammenlegung von Privatwaldungen und die Förderung der Bildung von Wnldgcnossenschaftcn, die bessere Ausgestaltung des_ forstlichen Aufsichtswesens, an dessen Spitze ein eid- gcuössisches Ober-Forstinspektorat gestellt werden soll. Das Gesetz sieht mannigfache Subventionen vor, die allerdings zum Teil heute schon geleistet werben und z. 23. 1898 rund 350 000 Fr. ausmachten, die aber nach dem Juslebentreten des Gesetzes weitere Erhöhung erfahren und von Jahr zu Jahr steigen, so daß die gesamten Subvcntioussummen schon im Jahre 1901 eine Million betragen werden. Die Militärpflicht-Ersatzsteuer ist in der Schweiz bereits eine alte Einrichtung, die aber zu verschiedenen Mißständen geführt hat. Die kantonalen Militärbehörden haben sich nämlich das Recht zugelegt, die nichtgezahlte Militärsicner in der Kaserne durch Arbeitsleistung an mehreren Tagen abvcrdicncn zu lassen und haben so die längst beseitigte Schuldhaft wieder in das praktische Leben eingeschmuggelt. Das Bnndesgcricht erklärte auf eingereichten Rekurs hin das Verfahren als verfassungsividrig, und so machte man sich an die Revision des betreffenden Gesetzes, um die Zuläffigkeit des Abverdicncus gesetzlich festzulegen. Wie die Arbeiterorganisationen feit Jahren gegen diese Bestrebungen kämpften, so gab sich im Nationalrate auch unser Genosse W n l l- s ch I e g e r alle Mühe, der Vorloge die Giftzähne auszuziehen, und Ivenn dieS auch nicht ganz gelang, so erzielte er doch einige Ab- schwächungen. Nach den Beschlüssen des Nationalratcs würde nun künftig ein Ersatzpflichtiger, welcher die Steuer trotz zweimaliger Mahnung nicht bezahlt, obgleich er nach seinen ökonomischen oder persönlichen Verhältnissen wohl im stände wäre, Zahlung zu leisten, aus Antrag der zuständigen militärischen Organe durch die kantonale Militärbehörde mit Arrest von 2 bis 10 Tagen bestraft werden. Der Antrag Wullschleger auf Beurteilung des Streitsalles durch bürgerliche Richter wurde leider abgelehnt. Die Beratung des B a n k g e s e tz e s zeigte denselben Kampf zwischen den Verteidigern der reinen Staatsbank und den Vertretern des Privatkapitals, wie vor mehreren Jahren, als eine gleiche Vor- läge behandelt wurde, die aber dann in der nachfolgenden Volks- abstimmung verworfen worden. Uebcr die Notwendigkeit und Zweck- Mäßigkeit einer nationalen Centralbank sind alle einig, der Streit drehte sich um ihtc Grundlage. Sie wnrde im gemischten System vorgeschlagen dergestalt, daß von den 36 Millionen Franks Grund- kapital je ein Drittel auf den Bund, die 25 Kantone und das Privatkapital entfällt. Die Anhänger der reinen Aktienbank hätten den Staat am liebsten ganz serngehalteit von der „Schweizerischen Nationalbank", wie ihr ossiziellcr Titel lauten soll, allein damit drangen die Kapitalisten nicht durch. Mit 116 gegen nur 9 Stimmen hatte der Nationalrat das Eintreten aus die Vorlage beschlossen und er hielt sich konsequent so sehr an dieselbe, daß er sowohl die das Privatkapital, wie die die bcsondern Kantons- intcresscn als auch die die reine Staatsbank begünstigenden Anträge ablehnte. Als die Hauptaufgabe der Nationalbank wird die Rc- gclting des Geldumlaufs und die Erleichterung des Zahlungsverkehrs bezeichnet; ferner hat sie den Kassenvcrkchr des Bundes unentgeltlich zu besorgen. Sic kann überall Zweiganstalten oder Agenturen er- richtcu. Ihr Gcschäftskreis ist auf denjenigen einer reiner Noten-, Giro- und Diskontobank beschränkt. Die Noten werden in Ab- schnitten von 50, 100, 500 und 1000 Fr., in Notfällen auch von 20 Fr. ausgegeben. Der ganze Gcgcnlvcrt der in Umlauf befindlichen Noten soll in gesetzlicher Barschaft oder in Barrengold oder fremden Goldmünzen oder Wechseln vorhanden sein; die Metallreserve muß 40 Proz. der zirkulierenden Noten be- tragen. Vom Reingewinn fallen zunächst 15 Proz. in die Reserve, bis der Fonds 30 Proz. des einbezahlten Grundkapitals ausmacht; sodann werden für letzteres 4 Proz. Zinsen entrichtet und den Nest des Gewinnes erhalten die Kantone im Verhältnis der Wohn- bevölkcrung. Nach Maßgabe der Kapitalsverteilung erfolgt auch die Zusammensetzung der Organe der Bank, also zu je'/s, wobei aber der Bund einige Vorrechte erhält; die Mitglieder der Bankbchörden müssen Schweizer Bürger sein. Um den Sitz der Bundesbank rangen Zürich und Bern miteinander. Da crstercs die bedeutendste Handels- und Industrie-, wie überhaupt die größte Stadt der Schweiz ist, hatte es berechtigten Anspruch auf den Sitz der Bundesbank. Allein der Bundesrat hatte Bern vorgeschlagen und das genügte, daß dieses mit 82 gegen 23 Stimmen bei 30 Enthaltungen gewählt wurde. Darüber ist man in Zürich sehr böse und setzt einige Hoffnung auf die bessere Einsicht des Stäuderates. Das Hauptgeschäft des Ständerates war das Lebens- m i t t e I g e s e tz. Doch ist dessen Beratung noch nicht beendet. Dagegen ist ans seiner Thätigkeit zu erwähnen die Ablehnung der schon lange von den interessierten Kreisen gewünschten Gewerbe- zählung und Geiverbe-Enquete und zwar aus finanziellen Gründen. Diese Ablehnung ist zu bedauern, denn die wirtschaftliche und sociale Statistik der Schweiz ist sehr verbesserungsbedürftig. Die landwirtschaftliche Statistik ist seit Jahren derart ausgebaut, daß man fast ganz genau weiß, wie viele Ccntner Mist die Bauernschaft das Jahr hindurch produziert, dagegen weiß man absolut nichts davon, wie viele Aktiengesellschaften z. B. es in der Schweiz gicbt. Tie Session dürfte diese Woche zu Ende gehen. Für den Herbst ist bereits eine außerordentliche Session mit dem Zusammentritt am 25. September beschlossen, in der endlich I— wenn es nicht wieder eine Enttäuschung gicbt— die Kranken- und Unfallversicherung er- lcdigt werden soll.— ZollllidtNwkrllMer MMverem für den 6. Berliner iUichstugs-NtohlKreis. WU" Versa 111 iiiluiig"UM am Dienstag, de» 4. Juli, abends 8% Uhr, tm SSrdding Kasino. Schutstr. J>9. TageS-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen tiVuxuvr über: Rerztliche Ehrengerichte. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten 247/7 Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. XL. Die Bezirks- resp. AbteilungSsührer werden ersuckt, die Namen der über 6 Monate restierenden Mitglieder biö zum 12. Juli dem Haupt- laisierer, Genossen Tauschet, Wieseustr. 29, zu übermitteln, damit der Borstand in der Gencralvcrsammluna, welche Ende Juli stattfindet, einen genauen Bericht über den Mitglicdersiand geben kann. Gleichzeitig bitten wir den Berus mit anzugeben, damit der Borstand eine llebrnicht geben kann, wie viel Parteigenossen der einzelnen Gewerke ihren politischen Ber- pflichtungen nicht nachgekommen sind. ißF' Die Komiteemitglieder, welche beim Stisttmgöscst thätig waren, werden gebeten, Mittwochabend S Uhr bei Tauschet zu erscheinen, um die Abrechnung zu prüfen.____ Arli.tuttgl Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins! Bei Bölks-VersiliiliillNgeil Montag, de»» 3. Juli, abends Ö'/a Uhr, im„Kösliuer Hof", KöSlinerstrasie 8. Mittwoch, den 5. Juli, abends B'/a Uhr, bei Stecher*, Slndreasstrahe 21. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Die Bekämpfung der Tuberkulose und der Verband der Metallt»idustrteUrn. Referent: Herr vr. V. kranäondsrg. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Centralkommission der Krankenkassen Berlins. 267/13 I. A' E. Slmanownlil, Gartenstr. 78. NB. Der Borsland der Berliner Metallindustrielter, sowie der Borstand der Neuen Maschinenbauer-Krankenlasse, sind zu diesen Bersammlungcn schriftlich eingeladen._ Genossinnen und Genossen des Kreises Xiecter-Barn Im. Sonntag, den 2. Juli, nachmittags 2 llhr, im Saale deS Herrn Wcigel, Rnminclsburg. Dürrschmidtstrahe 4S, Ecke(Socthcstrahe: �esseiitl.Plil'tel-Vttilliiii»liiiig. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstags-Abgcordncten.Artlrnr Stadthasen über:„Zickzack, Diktat. Taktik«. 2. Diskussion. 3. Beratung und Be- schluhfassung etncS Organisattonö-Stawtö für den Kreis Nieder-Barniui. Entree 10 Psi_[223/2*]_ Der Vertrauensmann. I«lincr Mkitmettttter- Mklil. Vevfänunluns am Dienstag, den 4. Juki 1899, abends 8V, Uhr, bei B nske. Grcnadierstr. 33. Tagcs-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Mitglieder zur Zentralisation der Arbeitervertreter- Bereine? 2. Bericht über den Besuch der Heilstätte. 3. Berschiedenes. Gäste willkommen. 53/3 Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Gäste willtommeu. Iber Vornuuid. Verband der Bau-, Erd- nnd getoerbl. Hilfsarbeiter Deutschlands tZahlstelle Berlin IV). Montag, 3. J»li, abends 8 Uhr, bei Wernau. Ichwedicrjtr. 23/21: Mitölieder- Versammlung. Neue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. 32/7 Die Ortsverwaltuug. Vrrlil«id in Grwtiire. Wleme und verw. Bernfsgeuossc» Deutschlauds. Elllale Berlin. Dicnötag, den 4. Juli, abends pünktlich SVa Uhr: iSP~ Vt'S'SIllllllMllBBiä','"Wi im„Dresdener Garten", DreSdenerstrafle Nr. 45. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht der Delegierten über die Generakversanimlung. S. Verschiedenes. 74/12 Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Achtung! Töpfer. Achtung I DienStag, den 4. Juli, abends 6 Uhr, bei Schiller, Rosenthalerstraße 57: 193/6 Sitseaiizx«tee Bau-Deputierten. Da wichtige Sachen zu erledigen sind, mufi jeder Vau vertreten sein. II. David. Vertrauensinann der Töpfer Berlins«nd Umgegend. itel Fliesenleger, üüal Dienstag1, den 4. Jnll, abends 8V2 Ehr. im„Englisclicn Garten", Alexandcrsträsse STo. 27c: Oeffentliche Versammlung der Flieseuleger Berlins nnd Umgegend. Tages-Ordnnng: 1. Bericht über die Lohnbewcgimg. 2. DlStnssion und Verschiedenes. 56/4_ Die Kommission. Zimmerer Berlins und der Vororte (Vertrauensmannep-Cenfpalisation). Montag, d. 3. Juli er., abends 8 Uhr, in Cohns Festsälen, Benthstr. 20: General- Versammlung."MS Tages-Ordnung: 1. Die Regelung unserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse in Zuiunft und Stellungnahme zu neuen Lohn- forderungen. 2. Weitere Beschlubfassung über die Höhe der Beiträge zum Streiksouds. 3. Verschiedenes 256/14 _ Die Vertrauensleute. I. A.: Theodor Fischer. Schwß Weißensee. > Lormtsg. den 9, Juli 1S99: Grosses Melks-Fest arrangirt von den varttigeiiosseii des IWchstGS'MHltoills Niederbariiim unter Mitwirkung mehrerer Arbciter-Gesangvcreine(Vi. d. A.-S.-B.) Tokai- und Iiistmmeutal-Ivonzert ausgeführt von Mitgliedern oer Freien Vereinigung der Eivil-Berufsmustker.— Austreten der Leipziger Sänger. Schauschwimmen, ausgeführt vom Schwimmklub Weisseiisee.— Turnerische Aufführungen vom Arbeitcr-Turnverein — Volksspicle. Kinderbelustignnac» aller Arr_ Jedes Kind erhält eine Freikarte zuin Karussell. BSMam Grosses Brillant-Feuerwerk ausgeführt vom Kunst-Feuerwerker Herrn.Albers. Die Kaffeeküche ist den geehrten Damm bis 6 Uhr abends geöffnet.— In beiden Sälen von 4 Uhr ab: T A. Itz 21. Herren, rocltfie daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang früh 8 Uhr. Sec-Tbcater; Entree frei. Billets im Vorverkauf 20 Pf, au der Kasse 25 Pf. Billetö sind in allen mit Pcakaten belegten Stellen zu haben. 223/1 Das Komitee. Elfte Abanbermlg zum Ttatilt der Lrts-Krllllkenkilße der Mslliineilbail-Arbeiter u. verwandt. Gctvcrbe zu Berlin. Artikel I. § 44 vorletzter Absatz des Statuts wird gestrichen. Artikel II. Diese Abänderung tritt mit dem Tage der statutenmäbigen Bekannt- machung in Kraft. Berlin, den 7. April 189g. Der Vorstand. «an» Zeyatlg, G. Papendorf. Vorstehende Abänderung wird hier- durch genehmigt. 1004b Berlin, den 1. Juni 1899. Der Veztrls- Ausschuft. _(L. 8.) gez. Freneberj)._ Schöneberg. Montag, den 3. lull, abends 8 Elir, bei Obst, Gruiiewaldstr. 119, General-¥er Sammlung des Arveiter-Vilduugsvereius. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent: Genosse 8adubert, 2. Diskussion. 3. Kassen- und Rcvisionsbcrickt. 4. VcrcinSangelcxeiiheitcn. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. XÜ. DaS IX. StiftnngsCcst findet am 16. Juli im»Vols- gartcn", Wilmersdorf, statt.(Alles Nähere die Plakate.) 15/3 Beim HZnartalsmechfel empfehleil sich folgende Partei-TpcÄitione»: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert 23 eng eis, Frücht strabe 30, Hof II.— SO.: Fti(« Thiel, Skalitzerstr. 35 v. park.— Seclister Wahlkreis(Moabit); Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, park, im Laden.— Wedding und Oranlenbnrger Vorstadt: Emil Stolzen bürg, äBieiciistrasic 14.— Gesund- brnnnen: Wilhelm Gaßman», Grünthalerstr. 65.— Hosen» tbalcr Vorstadt und Schünbanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— C'harlottenbnrg: Gustav Schar uberg, Schillcrstr. 94, v. 1 Treppe.— Dentseb-Wiliners- dorf: Frau K übler, Sigmaringeuflr. 5, und Frau H einem a nn, Sigutaringeustr.35.— Blxdorf: Oft er tu nun, Erlftr. 6.— SScliliiic- berg: Wilhelm B ä u m 1 c r, Apostel Paulusstr. 13, Quergeb. Hochp.— dobannistlial- Nieder- nnrt Obcr-Schtiiicireidc: Otto John, Ober-Schfinewcide, Siemensstrasze 7, Zigarrengeschäst. Annahnie- stellen: Nicdcr-Schöiiciveide: Karl Weber, Zigarrengeschäst. Johannis- thal: Senftlcbcn, Rcftfimateur.— Adlershof: Max W 0 r b s, Metzerstr. 4.— Vrlcdenan-Stcglite: H. Bernsee, Kirchstrasie 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in iüteglita: H. Mohr, Düppelstrnsie 8, und Fr. Schellhase, Ahornstr. 15a.— Banm- schulenweg: Gockel, Baumschulstr. 32, v. III.— Xeu- Wcissensee; Spediteur Heinrich Sachmann, Lehderstraße 1, pari, links. Aubcrdcm ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wisseuschastlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Um a v u u u v Angabe der Adresse wird dvingvnd gebeten. _ gy Bitte ausschneiden!"Taa_ Verband deutscher Schneider nnd Schneiderinnen (Miale Berlin). Montag, den>1. Jnli 1899, in Joels Victoria-Garten, Treptow, Köprnicker Landstraße: Grosses Sommerfest bestehend in Grossem Vokal- und Instrumental-Konzert. Die Musik wird von Civil-Bemfsmusikem ausgeführt.-MO Gr. Fackel-Polonaise für Kinder bei bengalischer Beleuchtung» wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält. Den geehrten Damen steht die Kaffeeküche von 2 Uhr an zur Verfügung. Elf Kegelbahnen."MQ Von 6 Uhr an; Grosser Ball. H Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pfennige nach. Eröffnung 2 Uhr. Ansang des Konzerts 4 Uhr. Entree 25 Pf. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen, bei allen be- kannten Kollegen und Kolleginnen, sowie aus dem Bureau, Annenstraße 9. zu haben. 162/10 Es ladet Freunde und Gönner ergebenst ein Das Komitee. Central- Verband der Handels-, Transport- Verkehrsarveiter Teleph. A. S 3001 Verwaltungsstelle Berlin. Bureau Biichofttr. 13, I. Sonntag, den 16. Juli, in Schonerts Restaurant„Neu-Seeland", Stralau: Ansang b Uhr morgens. Grosses Fröli-Koiizert und Tanz Allfang 5 Uhr morgens. und Glrossss Sommer--Fest. Nachmittags von 4 Uhr ab: ZM- GroHes Metrien Nonzevk Mg unter Mitwirkung von drei Gesangvereinen. Speeialitätenvorstellnng I. Ranges.— Feuerwerk.- Preis-Kegelschieben.— Fackelzug.— Verloosung. «WWWWWW In 2>vei Sälen: GR. BALL.«WMWWW Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Ps nach.— Die Kaffeeküche ist den ganzen Tag geöffnet. Villets a 20 Pf. sind in den Zahlstellen, bei den Bezirksführern und im Bureau, Bischofstraße 13, I, zu haben.«7/7 Die OrtsTerwaltang. Montag, Dienstag, Mittwoch: Vorzugs-PreEse. Ein grösser Posten Waschstöffe wegen vorgerückter Saison zu ganz besonders billigen Preisen Meter 50, 40, 30, 25, 19 Pfennig. Ein grosser Posten Wollene Stoffe, gemustert und einfarbig........... Meter 0,45, 0,60, f,— bis 1,50 Mk. Grosse Sortimente Seidenstoffe für Kleider und Blusen in hervorragenden Farbenstellungen...;...... Meter 50 Pfg. Reste und Schaufenster- Roben znr Hälfte des regulären Wertes............— S. Weissenberg 125 Grosse Frankfnrterstrasse 125 125 Grosse Frankiurterstrasse 125 gegenüber dem Bürger-Hospital. 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