v Sozialdemokrat geutralorga« der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit««»«ahme de» Wattig tii-ltch früh/ Einzelpreis 70 Heller Redlcktion u. Verwaltung: PragXIl., Fochova 62- Telephon 88077— Herausgeber: Siegfried Taub— Aerantw. RedcUtrur i. B.: Zdet^o Neuwlrth, Prag Aus dem Inhalt: Wehrerziehung angenommen ErnUhrungsausschuß urgiert Zuckerverbilligung Sozialdemokratische Schulforderungen Rebellion In der Aussiger SdP Die Entwicklung der Löhne 17. Jahrgang Samstag, 26. Juni 1937 Nr. 149 „vis Lage ist ernst— aber nicht hoffnungslos“ Nationale Statistik Chamberlain und Eden vor dem Unterhaus Deutliche Worte der britischen Staatsmänner z Erinnerung an Belgien 1914 Auch dem Donauraum gilt Englands Friedensgarantie I London- Dir außenpolitische Debatte, die do« Unters,aus Freitag über Antrag der liberalen Opposition abführte, ist als Ereignis ersten Ranges zu werten, das weltpolitische Bedeutung besitzt- In dem dis auf den letzte» Platz gefüllten Hanse, da» den Ausführungen . mit gespannter Ausdicrksamkeit folgtet gäbe» Premierminister Chamberlain und Außenminister Eden di« Umriffe der lünfti- grn RichtliniM der britischen Außenpolitik bekannt. Der Redner der Opposition Major Attl«« und Llopd George warfen der britischen Außenpolitik mangelnde Präzision t. dir.•, _ Premierminister Neville Ehamtor- la in führt« u. a. auL: Wir verfolgen nur ein Ziel, und zwar die Wahrung deö Friedens in Europa durch'teschrün. ! fung des Krieges auf Spanien allein. Obzlvar . wir in sehr entschiedener Weise erklärthatm, daß wir nicht damit zufrieden sind, wie der Ri ch rin terv en t i on S p lan durchgeführt wird.»vH vWar eS w ah r ist, da_ßd ir Ein- iM W!W»M'MiWWWKWesiMM Ml- nien» trotz dem R ich t ein misch«ng»« . atkomm«nS fortgesetzt wird/ist rS nicht Minder wahr, daß e» uns bisher gelungen ist, uns dem Vv» unserer Politik stet» ersirebtpw Ziele sn nähern. Wir werden dies«» Ziel und diese Poli- '- tik so lange verfolgen, solangewirdäS Gefühl haben werde», eS bestehe di« vernünftige Haff» nun», daß wir einer Erweiterung deS Konfliktes auS dem Wege gehen. Ich glaube, sagte ikham« berlain, daß eS nicht phantastisch ist zu glauben, daß diese Politik biS zum Enderfolg fortgesetzt tvskde» kann. Die Situatirn ist ernst, aber keine-wegS hoffnungslos. Obzwar es mög- ' licherweise richtig ist, daß verschiedene Linder»der ■ verschiedene Regierungen gern den Sieg dieser »der frner Partei in Spanien sehen'würden, gibt «»keinen Staat» gibt«S keine Regierung,'die wünschen würde, daß rin europäischer,Krieg«nt- feffelt werde. Da dem so ist, sind wir bestrebt/ ruhig zu bleiben und wollen wir allem aus dem Wege gehen, möge«» sich um Worte»der Date» handeln» waS zu dem Verderben führen könnte, dem jeder»«»weicht. freundliche Worte al» Pflaster . für Berlin menfassenden Darstellung der außenpolitischen Haltung Englands. Auf der britischen Regierung und dem britischen Außenministerium laste eine erschrek» kende Verantwortlichkeit, jeden Schritt zu vermeiden, der«ine Verständigung verhindern könnte. Wenn ander« Länder nicht von den gleiche» Verantwortlichkeitsgefühlen beseelt sind, so befreit die» die englische Regierung keinesfalls von ihrer Ver» antwortung gegenüber dem britischen Volk. Die Situation In Spanien sei das schwerste und ernsteste außenpolitischen Problem. Eden verteidigte die Nicht- interventionSpolitik, pflichtete aber Llohd George insofern« bei, daß sich bei ihr große Mängel gezeigt haben. Der Außenminister erklärte jedoch hinsichtlich der intervenierenden Staaten, es sei kein Zweifel, daß die Sowjetunion' gleichfalls in großem Umfang Kriegsmaterial, insbesondere Flugzeuge und Tanks an die Valencia-Regierung, geliefert habe. Das tviffe jeder. Eden wandte sich dann gegen die Auf- fasiung, daß die spanische Regierung aus dem Ber- laffen der Neutralitätspolitik Nutzen ziehen könnte. Die spanische Regierung müffe auch bei einem unbegrenzten Wasfenhaniel Schwierigkeiten yiit der Borsorgung ihres Aufrüstungsbedarfeshaben, da di« Vereinigten Staaten von Amerika ein WafsenauS- fuhrverbot besitzen, England mit seiner eigenen Aufrüstung so beschäftigt sei, daß eS keine Flugzeuge liefern könnte, Ngd Frankreich mit Rücksicht aus seine eigene Verteidigungspolitik gleichfalls kaum in der ^ag»-wäm,.Mb»«^riesW««gfMNi.amwMhttii^ Matt muffe sich vor Augen halien,"uaß mc^rei Tat talitären Staaten, Deutschland, Italien und Rußland.in ihrem Aufrü st.ungsta.ndvorgeschritten e r seien, als die demokratischen Länder,, was sich zweifellos auch bei den Lieferungen auswirken müßte. Wenn die NichtinterventionSpoli- tik fallest'gelassen würde, müßten de» Heiden gegnerischen Parteien, in Spanien auch die Rechte kriegführender Staaten zsterkannt werden. Die gegenwärtige Lage ist'zweifellos ungünstiger als früher, da die Vereinbarungen der Kontrollmächte vom 18. Funi nicht mehr bestehen. Es sei möglich, daß trotz allen Anstrengungeiff hie Nichteinmischungspolitik. nicht werde aufrechterhalten werden können. Dies anzunehmen, besteht aber heute noch kein Grund,. Es werd« alles geschehen, um die Neutralität aufrecht zu erhallen.,. Dies sei auch die Gruudlag« der-künftigen englischen Politik, welche sich auf.die Sicherung des Friedens gründe. Wenn England eiste Friedenspolitik verfolgt, so ist das ein großer Beitrag zum Weltfrieden. Das bedeutet aber nich t FrIeden um jedenPreii. Interesse an Mitteleuropa. . Zu den mitt«leer» p ä i s ch e» Fragen sagte Eden: „Wir können nicht auch nur daran'denken, daß wir«n» im verlauf der Dinge irgendwie mehr desinteressieren könnten, al». irgendwo 'ander» auf der Welt, so wie die Dinge heute liegen.^ Unser Interesse ist universell.'Wir wollen nicht vergessen, daß der letzte europäische Krieg in Belgien begonnen hat. So erkennen wir, daß, unsere Interessen, wie ich es bereit» gesagt habe, imiversell im Interest e der Aufrechterhaltung de» Frieden» sein wüsten. Wir erkennen an,, daß auf.sandel»- und wirtschaftlichem Gebiet andere Völker rin größere» Interesse am Donanbecken Halen al» wir. Wir würden gern eine allmähliche Beseitigung der. Handels- Hindernisse in diesen Gebieten sehend Außenminister Ede» betonte, daß England seine Aufrüstung«eiterführe, daß sie aber ausschließlich defensiver, Ratnr sei. E» gilt keine» Zweifel, daß England, wenn sich die Notwendigkeit ergibt, zur Verteidigung Frankreich»»der Belgien» gegen einen nichtpr»v»zierten Angriff in Uelereinstimmnng mit den leste- henden Verpflichtungen lereit ist, daß aber auch Deutschland' nicht»«»geschlossen ist, wenn r» in einen Vertrag dieser Art eingeschlossen wäre. England» Aufrüstung.kann.vielleicht dem Opfer eine» Angriffe» zugute kommen, wo nach Eng- laap» Ansicht die» nach den Bestimmungen.der völkertuudsatzun» angemessen wäre..Eineauto» matische Verpflichtung, zur. militärischen Aktion »«.schreiten, besteht nicht. Da» ist«Ine Begriffsbestimmung, die allgemein verstanden wird. Alleinige Kontrolle der Westmhchte! London. Zwischen London und Pari« ist'nunmehr eine Einigung über die hinsichtlich der Schließung der Lücke in der spanischen Seekontrolle zu verfolgende« Politik getroffen toor* de». Dem Untersuchungsausschuß de» Richt- intcrventioaskomitces wird der Vorschlag zugehe», daß England und Frankreich»«künftig allein, die gesamte Kontrolle der.spanischen Küste übernehmen werde». Die Frqge der Erweitern«-«ad Jateruationalisie- rnng der Seekontrolle durch Zuziehung anderer Mächte ist somit nicht mehr aktuell.. ,' Chamberlain erwähnt« sodann>die Vorfälle mit den deutschen Kriegsschiffen..Deutschland" und „Leipzig" und erklärte: /.sinter diese« Umständen. ist.hie' Forderung Deutschlands, daß e» nicht gestatten kann, daß deutsche Kriegsschiffe fernerhin derartigen Gefahren'ausgesetzt sind: eine verständige Forderung. Ach muß sage», daß die deutsche Regierung dadurch,''daß sie ihre Schiss« abberufen hat und daß st« die In» zide.nte für. erledigt erachtet, einen Geist der Zurück- haltuna bekundet hat, wa» wir all«'anerkenn««. Der 'Umstand, daß di« deutschen und italieni- sch.ep, Kontrollschiffe abberufen wurden', be'diutet, ,dtzß sich In den'spanischen Gewässern 'künftig nicht mehr irgendeine Gefahr oder'Vorfälle der Art ereignen können, wie es der Vorfall mit den Schiffen^Deutschland- und»Leip«, zig" war/''>'-'-'' . Meiner Ansicht, nach', sagte Chamberlain, ist es das Beste, war wir fetzt,.unternehmen können, zu folgenden, beidpn praktischen Maßnahmen zurückzu- tehccn bzw. bemüht zu sein,.daß diese.Maßnahmen .dhrchgefuhü/wetd'en:"..>-,-' .. 1. die gegenwärtige Lücke im Plane der Kon« ' trolle/Spaniens^'aufz«süllenj,"''<: WkH'H .!.:L. die Anstrengungen zu^ erneuern,'--daßv wir: eine Abber.ufung der Freiwill i ge« au» Spanien«zielen..■ V> ^'.iOliwnr. der.'B chnetz Li'»' s«.'IZMI.r.ilr.o ch e'rH» h,-'n g«häuf D's st-'..Wssßch' W Lawin«noch«icht in Beweg««gg«setzt. Ich halte dasür, laß', wenn i wir alle Geduld, ve» somieaheit»nd Sellftbeherrschung tekunden werde», «»«ns gelMgea dürfte,»en Friede» In Enropa z» sehafte«.--''ifi yb'.fag: L-vj- Außenminister Eden.ergriff am.:Schluß der MterhauSdebatte da» Wort und gabeinezusmn- Vor neuen Schlachten bei Madrid? Mad r i di Der Hgvtziskorrespindentmeldet,, daß'täglich'esne groß« Bewegung der Abteilung«» der Aufständischen an derZaräma. Front zu bemerken fei'. Pie revublikanische Artillerie beschießt ununterbrochen dis Hinteren Linie» der Aufftän- dischen-Armee, um eine Konzentrierung der Trup-' pm zu verhindern, sie kann aber nicht verhindern, daß der Feind ständige Truppenverstärkung und Kriegsmaterial erhält. Aist Mittwoch haben' die republikanischen Trnppe» zwei' Angriffe der Aufständischen zurückgefchlagen, und. dann selbst einen' heftigen Gegenangriff»sttertummen. E» ist klar, daß beide Parteien' eiNeiptenstve Aktion vortrreitrn,'die die gegenwärtige-Periode' de» gegenseitigen Beobachten» ätlösen soll.. Santander. Die.BaSkische Regie r'« n g, die nunmehr ihren Sitz in Santander aUfgrschlagrst hat, vexösfenllicht eist Komm«, niquee, in welchem erklärt witp,, daß dir baskische Armee ste«, or„Wirt wird«nd; starke Befestigungen. errichtet. I» den Fabriken, und Werkstätten. herrscht, Hschtetrjeb. Ditz Versorgung der Bz. Völker««,, die jetzt in Santander zusammen' Mit. 400.000.Flüchtlingen etwa«ine Million. Köpfe zählt,ist grg«»wättig twrmal. D»r' Kpmmandastt der republikanischen Rordarmee hat aa die Truppen einen Aufruf erlassen, in welchem er sie zum verzweifelten Widerstand»ege»! die Franco- Truppe» auffsrdrrt.,.,' die Intematianale und der l(5ß für Spanien Paris. sHava») Rach der gemeinsamen Sitzungder Vorstände der ll. Internationale«nd der Gewerkschafts-Internationale, welche sich mit der Lage in Spanien nach dem Austritt Deutschland» und Italien» au» dem Svstrm der See- kontrolle befaßte, wurde rin offizielle» Kommu- niquee veröffentlicht, in welchem insbesondere erklärt wird, daß üher Antrag de» Vertreter», der sozialistischen Pattei Spanien»'folgende Beschlüsse gefaßt wurden: 1. auf die Regierungen der im Völkerbund vetzesnigten Staaten hinzuwirken, daß in Utber- einstiMmung! mit dem völkertundspakt Spanien zür Wiedererlangung ter.'politischen und territorialen Unabhängigkeit Hilfe gewährt werter S. die Wiederherstellung de» freien Hantel» zu-verlangen, damit die legitime spanische Re- gierung auf diese Weise' dir Möglichkeit. erhalte, sich Waffen für ihre Verteidigung zu beschaffen? si. von feiten' dep leiten Internationalen 'die Baude, kompromißloser Solidarität.«>it dem republikanischen Spanten zu erweitern.- Beide Saternationalen werden auf ihr« Sektionen in allen Ländern einwirken,'; auf da» energischeste !»iath dttzstzUMchtlinie» zu handeln.., Bor einiger Zeit erschien in der»Straj Rä- roda", dem tschechischen Grenzlerblatt, wiederum ein Artikel, der den Versuch macht, die Vereinbarungen vom 18. Feber zu torpedieren. Nunmehr wird die Hetze, die dort gegen die nationale Verständigung entfaltet wird, sozusagen»statistisch" untermauert: es wird ausgerechnet, daß in der und jener überwiegend deutschen Gemeinde zu wenig tschechische Beamte angestellt seien,'und für diese Gemeinden wird die Anwendung des Bevölkerungsschlüssels verlangt. Selbstverstäno- lich hütet sich„Straj Näroda", eine Statistik etwa über Prag oder B u d w e i s zu veröffentlichen, in welchen-Städten von einem verhältnismäßigen Anteil der nationalen Minderheiten an der städtischen Verwaltung nicht die Rede ist. Da» Blatt verlangt die Anwendung des nationalen Schlüssels eben nur für die in der Mehrheit deutschen Gemeinden. Sein Ruf nach nationaler Gerechtigkeit ist also mit de» größten Vorbehalten auszunehmen. Man wird diesen Ruf ernst nehmen können, wenn er für alle Selbstvev- waltungökörper der Republik und für den gesamten öffentlichen Dienst erhoben wird.»Gebt de» Forderungen der Deutschen nicht»ach, denn die Tschechen in den deutschen Mehrhcitsgebieten wer- den benachteiligt!" Das ist der Sinn der Veröffentlichungen in der»Straß Näroda", vo» denen übrigen» kaum anzunehmen ist, daß sie einer strengen Prüfung standhalten würden.' Wir sind der Meinung, daß der verhältnismäßige Anteil der T s ch e ch e n an der Bürokratie der deutschen Gemeinden im Läufe der Zeit- hergestellt und gesichert werden muß, aber die Deutschen müssen in der Verwaltung'-der tschechischen Mehrheitsgemeinden ebenfalls nach dem Bevölkerungsschlüssel berücksichtigt werden. Das würde bedeuten, daß z. B. in P r a g einige hundert Deutsche in di« Dienste der Stadt ausgenommen werden müßten(städtische Verwaltung, Straßenbahn, Gas- und Elektrizitätswerk ustv.). Nationale Gerechtigkeit kann es nicht nur in d e n Zonen geben, die den tschechischen Grenzlern wichtig erscheinen; nationale Gerechtigkeit muß im ganzen Lande sein, denn die Republik ist das Vaterland aller Nationen, die sie bewohnen. Eine regionale nationale Gerechtigkeit wäre ein Betrug und würde den Ganzheitsbegrifs des Vaterlands entwerten. Es tpurde nun die. Aufgabe unternommen, die nationalen Anteile am staatlichen Dienst in einem In der Mehrheit deutschen Grenz- bezirk genau festzustellen. Das Ergebnis- ist sehr lehrreich und zeigt Verpflichtungen auf, deren Erfüllung sich die Leute um die„StraK Näroda" angelegen sein lassen sollten. Es handelt sich ui» den Bezirk R u m b u r g, der nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung 28.285 Deutsche und 1208 Tschechen zählt. Der verhältnismäßige Bc- völkerungsanteil der Tschechen beträgt also 4.8 Prozent, der Anteil der Deutschen mehr als 85 Prozent. Wie aber sind die Stäatsämter auf Deutsche und Tschechen aufgeteilt? Bei der BezickSbehörde sind 45 Prozent Deutsche und 55 Prozent Tschechen, beim Bezirksgericht 25.5 Prozent Deutschund 74.5 Prozent Tschechen, bei derB ez'irkS» u n d S t a a t s st r a h e n v e r w a l t u n g 88 Prozent Deutsche und und 37 Prozent Tschechen, bei der Finanzwache 3.8 Prozent Deutsche und 98.2 Prozent Tschechen, bei. der staatl-ichen Forst Verwaltung sind 83 Prozent.Deutsche und 68 Prozent Tschechen,> bei der Gefällskon troll 20 Prozent Deutsche uni» 80 Prozent Tschechen, bei der G e n- darmerie gibt es überhaupt keinen.Deut-- scheu,, hei der P o st sind 45 Prozent Deutsche und 55 Prozent Tschechen, bei den S ch u l e n 93 Prozent Deutsche und sieben Prozent Tschechen, bei den Staatsbahnen 48.5 Prozent. Deutsche und 58.8 Prozent Tschechen, bei der Staatspolizei ist kein Deutscher,'bei»er S t e u e r b eh ö r d e sind 14.8 Prozent Deutsche, und 85.7 Prozent Tschechen, beim Vermessung s a mt 25 Prozent Deutsche und 75 Prozent Tschechen. ES mag sein, daß es siDen.Bau von kleilliv» Wohnungen MW mem'höch mehst'fördetn äliHShW,' - Den Borwurf de» Abgeordneten Knarre, dah im deutschen Gebiet keine Ufentlichen Arbeiten durchgejührt werden, weist der Mistister'all unbegründet zurück. Seine volle Uebereinstimmung drückt der Minister dagegen mit jenen Rtdnern aus. tdie-bie^N-ttvendigkeltdir B.'eir k ü st z ü-n g ,de r A r b e i t» z'« i t im Gefolge der Rgtidnaliste-' tung betont haben. 8 ragraph 8 der„lexUhlit", welcher di» Möglichkeit der Bewilligung zum auSnahmSweism"' häuslichen Unterricht bietet. Genossin. Kirpal.-verweist darauf, dah di.e Schulbehörden säst in keistem einzigen Fälle den Privatunterricht betstllligt haben und'.'alle Ansuchen'ausnahmslos abaewiefen werden. So, wart» Hunderte deutsche Schulkinder gezwungen. ain'UMr« richt iw tschechischen Schulen teilzüWmen! E» ist selbswerständuch, dah wir nach wie vor verlangen, dah der Privatunterricht, wenn er stch all notwendig ertveist, nur von Fachleuten erteilt werden darf, die überzeugte Demokraten sind und rücksichtslos auf dem Boden diese» Staates stehen.- Ueber-Antrag- der Genossin Kirpal.beschloß der Ausschuß nach Annahme der Vorlage noch eine .Resolution, in der die Herabsetzung der Schülerzahl an den Hilfsschulen verlangt wird.. Wild auch das Famlllenrecht kodifiziert? .. Freitag fand im Beisein des Justizministers die erste gemeinsame Sitzung der verfassungsrechtlichen Ausschüsse beider Kammern statt. Auf der Tagesordnung.stand der Entwurf de»bürger- lichen Gesetzbuches und der Zivi l- prozehordnung. Der,Referent de» Abgeordnetenhauses Dr. Stränskh betonte, dah 'in der Vordebatte der Wunsch der Kammer'zum »Ausdruck kam, daß das bürgerliche Gesetzbuch durch die Bestimmungen über das Familie n- recht ergänzt werde. Er und der Senatsreferent Dr. H a vö lk a würden diesbezüglich beim Ministerpräsidenten intervenieren. In der Beratung wurde die technische»Seite der Beratungen festgelegt und für beide Vorlage» je eine Subkommission gebildet, in denen jeder. Klub durch einen Abgeordneten und eisten Senator vertreten ist. Der Kommission für das bürgerliche Gesetzbuch gehören die Genoffen KL gier und Dr. Heller, der für die Zivilprozeßordnung die Genoffen Zis ch k a und Dr. Heller an.» Aus dem Senat Der Senat nahm am Fmiag die Vorlage über die Errichtung der.slowakischen Technik st; Kaschau an. Von deutscher Seite sprach hierzu Dr. Br ah (SdP), der gegen die geplante Verschärfung der Disziplinarbestimmungen für Hochschüled und gegen den Entwurf einer Dienstpragmatil für Hochschulprofessoren heftig protestierte. Dabei kam e» zu Auseinandersetzungen mit unseren Genossen. W e I- lan erinnert»ihn daran, daß sein Vater tschechische Arbeiter nach Hohenstadt gebracht habe, weil sie' billiger arbeiteten, und so die Stadt tschechistert habe. Al» Braß erklärte, daß man ja so berühmte Professoren aus dem Auslände bekommen könne,' wenn nicht die neue Pragmatik dies verhindern würde, ruft ihm Wellan unter Anspielung auf die Kelsen-Demonstrationen zu:.Da» müssest aber Hak,eli'rp.e.üzl.er felti," sonstwird'demonstriert!»' Braß»etging sich dann wieder in Randbemerkungen über' die „deut.s- sprechende n" Sozialdemokraten. Reyzl fertigte ihn mit der» Bemerkung ab: Wir können wenigsten» deutsch reden, Ihr könnt nicht einmal ordentlich deutsch schreiben!, Dann wurde die Novelle zum»kleinen Schulgesetz angenommen. Hiezu ergriff—zum erstenmal vor diesem Forum— Genosse: W e Ick-q n das Wort.»Seine Ausführungen, die wir imAuS- zug morgen Nachträgen toerden,» wurden beifällig ausgenommen.,>7. » Nachdem» auch»noch die Vorlagen Wer Zoll- erleichterungen und Wer die Altersgrenze der»Militärrichter angenommen worden» waren« vertagte sich der»Senat auf Samstag S Uhr früh; Ernährungsausschuß urgiert nochmals Verbraucherinteressen sollen . besser berücksichtigt werdeit•; In der Freitag-Sitzung des Ernährungsausschusses wurde nochmals»ist dringlicher Form dbe.Frageder endlichen Verbilligung des Zuckers aufgeworfen.»Der Vorsitzende Genosse Jaks ch teilte-einleitend»»auf»Grund der" von' Ihm ge- führtest.UuLsprache»mit,..dah»sich vor kurzer Zeit die drei nachstzuständigen Ressortminister.Dr, Eernh, Ing. NeLas und Dr.'K'alfuS mit dem Problem» der Zuckerverbtlligung besaht haben. Es wurde vereinbart, im Anschluß daran die wichtigsten Jnteressentengruppen(Verbraucher, Zuckerindustrie und Rübenproduzenten) über die. Frage der Preisherabsetzung zu hören. $n dieser Situation betrachtete'eS der.Er- »nhrung-sausschuh als' seine Pflicht: nochmals die Beschleunigung- der Zuckerverbilligung» zu urgieren und,eine Reihe anderer wichtiger Ber- braucherfragen der. Aufmerksamkeit, der Regie- rung zu empfehlen. Der ErnährungSausschnh faßte nach durchgefWrter Beratung nachstehende Resälution:. Der ErnährungSmiSschufi beschließt, die Regierung zu«such«, vor Frage»dar beschleunigten Her- Wehrerziehung verabschiedet Heute letzte Parlamentesitzung Das Abgeordnetenhaus verabschiedete stm Freitag die Vorlage über die W« h r e r z i e- häng. Im Namen der Koalitionsparteien,, denen sich diesmal auch die Nationale Bereinigung anschloh, gab Abg. David, der Vorsitzende des Wehrauöschusses, eine Erklärung ab, jn der er betonte, dah tvir keine An- griffSabsichten haben und niemals selbst einen Krieg Hervorrufen werde». Es handle sich nicht um Militarisierung der Bevölkerung, wie einige in- und ausländische Zeitungen behaupten, sondern lediglich.um die Bereitschaft, sich gegen jene zur Wehr zu sehen, die uns unser Gebiet rauben wollen.' »In der Debatte suchte Dr..Peter»(SdP) langatmig zu begründe», warum seine Partei,, trotzdem sie-der Vorlage die Berechtigung und Notwendigkeit zuerkenne, nicht'fÜb^blePorläM°ftmrn«n' könne. Am meisten kränkte» e» ihn,» daß der völkische Turnverband nicht schon zu den Vorarbeiten an der Vorlage herangezogen wurde. Bei der Abstimmung stimmten für die Vorlage außer der Koalition auch die Nationale. Vereinigung und. die Slowakische Volkspartei. Auch die» Kommunisten stimmten bis auf'einige Punkte dafür.'»,:» Wetters genehmigte da» Haus die Vorlagen über die Richtergehalte und über das G e b ü h r e n g e s e tz in der vom AuSschuh in wesentlichen Punkten abgeänderten Form. In der letzten Sitzung, die für SamStag hall». 10 Uhr angesetzt ist, wird noch, die Novelle zum kleinen Schulgesetz verabschiedet werden. Zuckerverbilligung nvsetznng des Zuckerpreises, vor Novellierung de» Kartellaesetze*, der Reorgwiilierring de» Wucherdien- stes mnddrk ÄstSgestaltiin» Mt Anstalten und Mn- richtnngon für LcbenSMittelkontrolle sowohl nach der personellm wie»nach dar' sachlichen Seite hi«. ihre Aufmerksamkeit zu midmon. Weiter soll aus eine ausreichende versorgtmg der Märkte vor» allem' mit billige«Fettsort en geachtet werden. Da» BewilligtmgSversabren und die Kontingentierung von Pete soll mit Rücksicht aus» da»-erhöhten Bedarf einer Revtsson unterzogen toerden. Dee AuSschuh weist auch auf die grossen Prei»au»wüchse hin und empfiehlt, auf die Angleichung der Preise der landwirtschaftlichen und industrielle» Produkte Rücksicht zu nehmen. Endlich fordert der Ausschuss»die Regierung auf,»ei der»Lösung dar EmühmngSfaag«»er Kan s u m e n t end 0 litt k ihre Fürsorge zu »Widmens wobei der Ausschuss besänderS dk Forderung nach Errichtung von Konsument»nkam- mern betont... Die Debatte Über das Preis-Exposee des Herrn» Innenministers würde mit» Rücksicht dar« auf, dah sie im Beisein des derzeit verhinderten Ministers Dr. ikernh abgeführt werden, soll, vertagt. Deutsche Schulforderungen Genossin Kirpal verlangt Verstaatlichung deutscher Prlvateohulen Entgegen de» ursprünglichen Dispositionen erwies sich noch eine weitere Sitzung des Abgeordnetenhauses am Samstag als notwendig, weil auch noch die Novelle zum Schulgesetz, die der Senat erst Freitag nachmittags annahm, vor den Ferien berabschiedet werden Muh. Andernfalls würde die Gefahr bestehen, daß Anfang September bereits eine ganze Reihe von Schulklaffen wegen zu geringer Schülerzahl gesperrt werden. Das Abgeordnetenhauus wies die Vorlage sofort dem Kulturausschuh zu. In diesem Ausschuss begrüßte Genossin Kirpal die Vorlage auf da» wärmste und verwies auf ihren allerdings noch«eitergehenden Antrag. Die Sozialdemokraten waren die ersten, die einen Initiativantrag auf Herabsetzung der Höchftzahl der Schüler in einer Klasse eingebracht haben. Damit ist wieder die überaus grosse Schulfreundlichkett der »Svztalhemokratle»»um Ausdruck gebracht worden. die immer und jederzeit für berechtigte Schulforderungen einirist. Jn weiteren Ausführungen knüpfte die Rednerin an den Ausspruch de» Minister» Dr. Franke an, dah eine Schule, die nicht verstaatlicht ist, ein Fremdkörper sei. Leider gibt«S noch viele solche„Fremdkörper" in unserem Staate. Genossin Kirpal verlangt insbesondere die Verstaatlichung der Schulen in Stolzenhain, Jaromin, Sch ö n- b 0 r n. H e r n i tz und M i l s ch itz, die bisher, vom Deutschen Kuliurverband erhalten werden, Mit allem Nachdruck verlangt sie ferner die Errichtung einer deutschen Schule in Königslosen im Bezirk Sternberg. In längeren Ausführungen besprach Genossin I Kirpal weiter» die rigorose Handhabung de» Pa- COPYRIGHT SY SATURN-VERLAG, WIEN Dabei vergingen nun fünf lange Jahre, und die sind in eines jungen Menschen Leben ein hübscher Zeitraum, wo man manches lernt und verlernt, Neues sieht und Altes mit anderen Auge» betrachtet. Fl'mf Jahre machen auch ein Mädchen nicht eben jünger, und war eine vor dieser Zeit nicht schön, so muh sie es nachher nicht durchaus gewordey sein. Lebt mau fünf Lahre unter einem Dache, so kennt man die Braut bis in die letzte Falte ihres Gemütes, hat den Morgentau der leichte« ersten Neigung abgestreift und die ver- mutliche Enttäuschung der Ehe'eigentlich längst vorweggenommen. Auch ist man unter Leute geraten/ hat andere Fräulein gesehen, Vergleiche angestellt und manch eine schöner, liebenswerter gesunde». Ander« find frei, anmutig, sogar.vielleicht wohlhabend und vor allem versagt Zu Hause'aber sitzt eine Braut, verwelkt,' ältlich/ streitsüchtig, verdroffen, arm, geplagt, kümmerlich. Andern jungen Menschen steht die Welt offen, nur ihm sollte sie durch eine Schneiderwerkstatt verschlossen sein! Kürz, man denke über den angehenden Mmm der Wissenschaft, wie man will, er hatte im Herzen mit seiner Verlobten' längst gebrochen,»wenn er auch nicht»» den Mut sand, es vor der Welt offen zu tun. Aber sich heiraten zu: lassen, verioeigerte er im stillen mit aller Ent- schlosseicheit. Ein Erfahrenerer und Rücksichtsloserer als er hätte nun freilich geschickter ags, dieser'» drückenden Ende heraüSgefunden» HeSky, aber sah sich ringS von der nächsten Gefahr bedroht und plant«' die abenteuerlichsten,» Auswege.» Go wurde» er Afrikäreisender.' Anders,»älS'indem' er zwischen sich und die Braut ein Meer und' einen ganzen Weltteil brachte,»glaubte er seinem Verhängnis nichk' entgehen»zu»kininen.-'•!'-»»':■■» Er«Avog, wie seine medizinischen'Kenntnisse am besten zu verwerten wären, ohne dah er sie gerade seiner bedrohlichen Ehe dienstbar mache»,' müßte? Wenn er» sich irgendwo in der Heimat niederließ, konnte er seinem Verlöbnis nicht entrinnen, im weiteren österreichischen Gebiet eine ärztliche Praxis aufzutun, verbot ihm seine tschechische Ausbildung, da er die deutsche Sprache nur kümmerlich redete, Eben dieser Umstand ließ ihm aber auch eine, gewöhnliche Heiltätigkeit außerhalb seines Vaterlandes irgendwo in der weiten Welt, wo deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch verkehrt, wird, aussichtslos erscheinen. Und so tauchte in seinem Kopfl erst als trauriger Witz, dann immer ernsthafter und schließlich unentrinnbar wie das Verhängnis der Gedanke auf: So versuchst du es bei den Wilden! Denen gilt es gleich, ob. sie englisch, deutsch, französisch oder böhmisch pidjt verstehen. Damit aber war auch eine Wanderlust mit dem ursprünglichen Trieb,- sich aus den unleidlichen Verhältnissen' zu»ibe« freien, erwacht und erregte nun all« Kräfte des Ehrgeizes, der Begeisterung, die in»einem jungen Herzen ohnehin nur auf die erste Gelegenheit des Abfluges, warten. Warum sollte in ihm seine so lang» unterdrückte, abhängige, ring»'von der deutschen eingeschränkten Nation nicht einmal auch einen kühnen Forscher hervorgebracht haben,» der auf eigene Faust die Grenzen der bekannten Welt bedeutend erweiterte, im Namen seines Vaterlandes'fremde»Erdteile betrat und'die» Fahne des tschechischen Völkel' auf neue Höhen pflanzte!», ' Den Anlaß zu solchen Ideen gab. seine Bekanntschaft mit einem Kreise lebhaft national interessierter Leute. Ohne selbst besonders politisch veranlagt zu sein,, nahm er deren Anregim- gen doch' eifrig auf und bildete sie auf seine Weise weiter; ist es doch immir» erhebend,»wenn man iselbst,».noch.»nichts»rechtes igetän und erreicht, eine gewisse Würde bloß» dadurch. zu. genießen^. daß» man natürliche. Eigenschaften, an denen man weder Schuld noch Perdlenst. trägt, plötzlich,»als besondere Borzügd geptiisen"hört' und' kjettast' hochschätzen darf. Derart sonnt sich jede Nationalität an dem Gefühl ihrer umviederbringlichen Sonderart, die der liebe Herrgott vor allen anderen schön und tresf/ich,gemacht hat. Die Gesellschaft kam.auf. dem Altftädter Ringe in einem kleinen, behaglichen Gasthof« zusammen, der einem hervorragenden Manne der nationalen Politik gehörte, dem Herrn Ehaloupka, was zu deutsch Hüttchen,heißt,.so daß der Paine schock^me heimatliche"»Liebkosüng seines Besitzes darstellte. Doch führte er»noch.einen zweiten schönen Ehrentitel:^-,-Väter der Reisenden"/ den er sich,zuerst, dsirch.gutes Quartier, anständige Küche und zuvorkommendes.Betragen verdient hatte.'Später aber ging sein Ehrgeiz weiter, indem er alle Bestrebungen förderte, die dahin zielten, Söhne seiner engeren Heimat in die Ferne zu schicken, um» sich dort auszubilden und,' die eigenen Tugenden,»sowie» die allgemeinen Vorzüge der Nation zur Geltung zu bringen. Diesen Schüblingen hätte der»»gutmütige Ehaloupka» manche Geldsumme sechst geliehen oder beschaffen gehplsen. und. von»den glücklichen Heimkehrenden, wie von denen, welche»im» iLackde giblleben uijd sich redlich nährten, Dank und. Anerkennung empfangen, so däß er weithin bekannt und als Stütze sejnes Volkes angesehen war.» Er hätte nur eine Leidenschaft, die er als findiger Wirt auch für sein« Herberge äuSzunützess verstand: nämlich allerhand große und Weine Sehenswürdigkeiten zu sammeln. Man ließ ihm' schon aus» Dankbarkeit manche Dinge dieser Art reichlich zukommen, die Stammgäste undigär die Weitgereisten, als deren Gönnet er sich erwiesen,''spendeten ihüi»derlei,' wie'sie es» auftrieben,,'der eine einen» Schädel,» welcher angeblich einem llerUhmtetiLanhS« manne vor undenklichen Leiten auf den Schultern' geseffch: ivar, jener alte» Morgensterne und Streitäxte aus. Hussen». Zeiten, ein HSndled'nflt orien> itaWeit Einfuhrartikeln öerehrti ihm' issdtsHt' Räu'ch'erpfannen, eine damäSzlerte»' Säbemlngh, einen»sitzenden Buddha,'"ein dritter, brächte» iM ßapäntsches'Kind'erspielzevg'MW»ein'vidüei! Älled«' Hand bunte Trachtenstücke verschiedener slawischer'! Völkerschaften. Et besaß einen echten'russischen Samoivar, ein paar Silbergeräte aus Tula,' etliche» Dendriten au» der mährischen Schweiz/ Fossilien von verbürgtem tschechischem Ursprüug,»ein paar versteinerte Pfähle von einem Dorfe, welches in prähistorischer Zeit bereits von Urböhmen besiedelt gewesen, und dergleichen» Schätze mehr. Anfangs, als sein Vorrat noch gering., wär/ hatte er ihn streng verschlossen und bloß Bevorzug-' ten gezeigt, später aber bei weit gediehenem Wohlstand, als auch immer mehr Gäste ihn aussuchten und. sich um seine Gunst bewarben, hatte er ein behagliches Zimmer, das an»den» allgemeinen Schankraum austieß, mit diesen» Trophäen überaus lebendig ausstaffiert; da hingen alte Kirchenfahnen und Waffen über Schildern mit den San* deSfavben, in breiten Glasschränken lagen die kleinen Zierlichkeiten aus, während manches heimische Hausgerät aus bäurischem Urbesitz die Einrichtung vermehrt« und bunte Bilder, stockfleckige Stiche in prunkvollen goldenen Rahmen.an den Wänden prangten. Dieses Zimmer nannte er erst scherzhaft,» und als e» immer reichlicher und schließlich so voll bestellt Ivar, daß man sich nur vorsichtig darin rühren konnte, mit Ueberzeugung:„das Museum Ehaloupka": Hier zechten, die seinem Herzen am nächsten standen, und dieses Museum gedachte«r in seinem Testament der Stadt Prag als Grundstock einer großen nationalen Sammlung zu vererbend Der junge Heskh, der im Schenkraum mit seinen Gesellen zuweilen ein bescheidenes Mahl-verzehrte, trat diesem Vater der Reisenden um' so näher, je mehr er seine Vaterschaft auch Mr sich in Anspruch zu nehmen gedachte, biß er schließlich/ in das.Allerheiligste, eingelassen wurde, das er nicht' ohne' frommen Schauer- betrat, denn hier grüßte ihn-»der Geist der Wanderschaft und Fern«,»»der »Urzeit und der/Forschungs wenn auch- der herzlich Unerfahren« all die versammelten Zeugnisse»nicht .weiter auf Ihrsn wahren Wert und.Gehalt zu prü- 'feniverstaM."»'»'■“>*» lFortschung foMM" SamStag, 20. Sun» 1937 Nr. 14». Seite 3 Terror-Urtelle gegen die BUndischen London. In Essen ist nun der grosse Pro- geft gegen die hündische Jugend beendet worden, dessen Angeklagte beschuldigt wurden, Hochverrat getrieben und insbesondere Verbindungen zur Komintern unterhalten zu haben. Der Hauptan- geklagte Bur t l i n.g wurde zu zwbls Jahren Zwangsarbeit verurteilt, der nächstfolgende, der Flieger-Reserveoffizier AalderS zu 21 Monaten Gefängnis, vier weitere Angeklagte zu le drei Jahren Kerker und die restlichen Angeklagten zu Freiheitsstrafen von sechs Monaten. Der Angeklagte Dr. Wegehof hat während der Nnterfuchung im Gefängnis Selb st mord verübt. Das Horthy-Gesetz vor der Kammer Budapest. zendorf, Herman n stha I, Busch- ullcrsdorf, Katharinberg und Neu-Röchlih. Die konstituierenden Versammlungen waren überall von grossem Optimismus getragen und die Funktionäre aller dieser Organisationen erklärten sich freudig bereit, für die Interessen der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in ihrem Wirkungskreise arbeiten zu wollen. Wir begrüben alle diese neuen Kämpfer in unseren Reihe» und sagen allep den Funktionären, die bei diesen Neugcündungen mitgcholfcn haben, auf diesem Wege den allerbesten Dank und wünschen,, dass sie auch weiterhin in diesem Sinne, arbeiten) dann wird das Ziel, bis zum 1. August noch weitere drei neue Lokalorganisationen zu schaffen, auch sicherlich erreicht sei». Dann wird aber auch der Bezirk Reichenberg wieder langsam-ein Faktor in der, Gesamtpartei. Kostspielige völkische„Erziehung“ Der deutsche Turnverband veranstaltet acht Tage nach dem RW.-Aufmarsch In Aussig, dort eine sogenannt.«„Tagung für Erziehung".' lieber den Geist..dieser Tagung geben auch die E i n t r i t t SP r ei s e Auskunft. Es kostet di« Tageskarte für Freitag Ri 4.50, für Samstag RL 0.50 und für Sonntag Ri 10.501 Nun, Prolet, kommt aber erst, der Schlager: Nur wer dar nötige Kleingeld hat,, darf fick; schön brav SdP-Mitglieder im Aussiger Bezirk rebellieren Kameraden in der Mühlig-Union und wegen der Beschäftigung von. Slowaken auf dem Meierhof des Gutsbejitzers Dr. Wozak in Hlinai bei Tür- mitz, bei dem Henlein während der Wahlpropaganda 1088 zu Gast war. Weil die Bezirksleitung in beiden Fällen ein Einschreiten ablehnte, also drastisch die eindeutig soziale Linie der SdP dokmncutiertc, riss den irregesührten Arbeitern der Geduldsfaden. Die Mitglieder und Amtswalter sind, ferner erbittert über die Behandlung durch die Bezirksleitung. Sie argumentieren,, dass sie als eine der stärksten Ortsgruppen Anspruch auf Paradcpferde als Redner haben, die ihnen stets vorenthalten wurden. Die Rebellen sind der Meinung, dass die Arbeiter und Angestellten für eine solche Partei kein Interesse mehr ausbringen können, deren Bezirksleitung kein Interesse für die Arbeiter- Ortsgruppen hat. Der Bezirksleiter Dr. Tauche geriet in heftige Erregung, als man ihm den Brief der Pred- litzcr überbrachte. Er verlangte Zurücknahme der Demission und Rechtfertigung. Ihm wurde erwidert, er möge selbst nach Predlitz kommen, dort werde er Gelegenheit haben, dieStimjnung. der Mitgliedschaft kennenzulernen. Ein schöner Erfolg des Olas» und Keramarbelter- verbandes Karlsbad.(E. B.) I« der Porzellan fabrik Alp G. m. b. H. in Laban fand Don-! ser Feier wird sein Werk die gebührende Achtung nerStag dir BetriebSauSschutzwahl statt. Unter' den ungünstigsten Verhältnisse«, die durch die demagogischen Treibereien der SdP und DAG hervorgerufen wurden, ist di« Arbeiterschaft zur Wahl gegangen, aber trotz aller Propaganda der SHP gab st« in der Mehrheit ihrs Stimmen für dir Gewerkschaft ab, die in der schweren Zeit, für dl« Erhaltung deS Arbeitsplatzes und di« Abwehr der Angriffe, auf di« ohnedies schlechten Löhne gekämpft hat. Die Liste deS Glas.: und Keram- arbeiterverbandeS erhielt 100 Stimmen und drei Manvate, die rote Gewerkschaft 20 Stimmen und ein Mandat und die DAG 53 Stimmen und ein Mandat.. . Dieser Erfolg der freien Gewerkschaft, die weit mehr alS die Hälfte der Stimmen auf stch vereinigen konnte, ist«ms» bedeutsamer, al- die dortigr Ortsgruppe des Verbandes erst vor kurzer Zeit gegründet wurde. WWW mm nddnaBhnarsdt RtpnbllKanisclicn Wehr Leite 4 efamltag, 20. Sun« 1037 Rr. 14» 3aAesnemgMtm Ein Dokument völkischer Kultur Das Grab unseres Genossen Lösel In Schalba von völkischen Buben geschändet In der Heinen Gemeinde S chatba'(bei Haida), deren Gemeindeverwaltung seit 18 Jahren eine sozialdemokratische Mehrheit aufweist, spielen sich in den letzten zwei Jahren Ding« ab, die nicht anders bezeichnet werden können, als eine schamlose Kopie des Nazikannibalismus. Während der 85 Jahre des Bestandes einer sozialdemokratischen Partei in diesem Orte wurde mancher politische Kampf gegen uns ausgetragen. Mer alle Auseinändersetzungen bewegten sich- in' den Grenzen politiMst Anstandes und der Demokratie. Seit zwei Jahren Ist daS anders geworden. Die in der Volksgemeinschaft des Ascher Turnlehrers vereinigten Nazi In diesem Orte befleißigen sich, dem politischen Kampfe eine Note zu geben, die den Ort in Verruf bringt und mit Schande bedeckt. Kurz vor der Wahl 1985 erhielt der jetzige Gemeindevorsteher wiederholt gemeine anonhmc Schreiben. Ein solcher Wisch trug folgenden Wortlaut: „Hund, du verreckst elende, du Gemeindelump krepierst-zuerst in Schaiba. Konrad Henlein." Kurz vor seinem Tode erhielt der frühere Vorsteher Genosse Lösel Zuschriften, natürlich alle anonhm, in denen er und die Mitglieder der Gemeindesozialkommission auf das ordinärste beschimpft wurden. Aber der Haß dieser unsauberen Subjekte richtete sich nicht gegen die Lebenden allein. Er verschont auch die Toten nicht. In der Nacht vom 8. zum 9. d. M. wurde der G r a b st e i n des verstorbenen Genossen Lösel das Objekt, an dem sich der neudcutsche Kulturwille auStobt«. Die einfache, in erhabener Schrift angebrachte Aufschrift wurde verstümmelt. Wir bringen eine Abbildung des verstümmelten Steins und stellen es der Oesfentlichkeit anheim, sich über die Geistesverfassung und di« Moral der völkisch deutschen Menschen dieses Ortes ein Urteil zu bilden. Der Schmutz, der sich, hier äußert und schon früher äußerte, trifft den Genossen Lösel nicht. Er fällt zurück nicht nur auf jene, die als unmittelbare Täter in Frage kommen, sondem auch auf jene, deren politische Erziehungsarbeit solche Früchte zeitigte.. Die Gemeindevertretung von Schaiba hat für die Ergreifung oder Sicherstellung des Täters eine Prämie von 200 K6 ausgesetzt. Aber daS ist nicht daS Wichtigste. Es ist nebensächlich, ob ein politischer Haderlump für seine Schandtat bestraft wirdoder nicht. Wichtiger ist die Frage, die sich der anständige Teil der Bevölkerung im bürgerlichen Lager selber zu st eilen hat: Ob er durch ein Bekenntnis zu solchen Kreisen auf dasselbe Schandniveau ge st ellt sein will, oder ob er zwischen sich und dem politischen Gangstertum völkischer Prägung nicht einen Trennung s st r i ch ziehen w i l l.„ Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß die bürgerliche Presse über die neueste Schandtat völkischer Bengel absolutes Schweigen bewahrt. Es gibt noch Richter In Deutschland Wahrhaftig, es gibt sie noch immer. So treu lieben sie die Justitia nicht mehr wie zu jener Zeit, in welche eine preußische Staats- legende die Geschichte init dem Müller von Sanssouci verlegt, aber sie machen ihr manchmal noch ein schüchternes Kompliment, in Erinne- rung alter Liebeleien, die so lange zurückliegen.' In einem. der Sittlichkeitsprozcsse, die Goebbels am laufenden Band abrollcn läßt, wurde als wörtlich zu nehmendes Corpus delicti und als einziger Zeuge’ ein Schwach, sinniger vorgcführt, den der angcklagte Geist- liche.mißbraucht haben sollte Der-Verteidiger hatte eine glänzende Idee. Er fragte— nach Berichten einwandfreier Schweizer Blätter— den schwachsinnigen Angeklagten: „Der Pater X. hat Sie also sexuell mißbraucht"? «a". „Wie oft"? „Zehnmal". Der Anwalt, auf den Richter zeigend: „Und der Herr Vorsitzende"? Zeuge:„Fünfmal"! Der Geistliche wurde freigesprochen..DaS war daS Zugeständnis der Richter an die Justitia. Aber der Anwalt erhielt eine Ordnungsstrafe für seine wirksame Art, die Wahrheit zu ergründen. DaS wP der Ausgleich der Richter mit dem ncudeutschen Recht. HauS der Arbeit auf der Weltausstellung. In Anwesenheit des Außen- und Arbeitsmini". sterS, einiger Unterstaatssekretäre, sowie von' Vertretern der französischen Industrie und des Allgewcrkschaftlichen Arbeitsverbandes, wurde auf der Pariser Internationalen Ausstellung der Arbeitspavillon eröffnet. Zur Eröffnung waren auch die Auslandsdelegierten der Allgewerkschafts-Jnternational«, die zur Zeit in Paris weilen,«lngcladen. Der Generalkommissär der Pariser Ausstellung, der Generalsekretär des Allgewerkschaftlichen Arbeitsverbandes und der Arbeitemninister sprachen ihre Befriedigung über die Errichtung dieses Pavillons aus. Sie betonten,' daß c» das erstemal in der' Geschichte des internationalen Ausstellungswesens ist, daß auch die Arbeiterschaft ihren Pavillon hat. In ihm ist auch die tschechoslowakische Gewerkschaftsbewegung vertreten. Aerztliche Rezepte mit Schreibniaschinen- schrift? Neber die Unlescrlichkcit der ärztlichen Rczcptvorschriften kursiert eine Numcuge mehr oder weniger guter Witze. Daß die Sache aber eine sehr ernste Kehrseite hat, beweist der jüngstberichtete bedauerliche Fall einer Medikamentenverwechslung durch den Apotheker, der das im ärztlichen Rezept verordnete Medikament her» stellte und dem Patienten ausfolgte. Der Mißgriff des»Apothekers kostete dem Patienten das Leben. Neber die Schnldfrage wird erst die Nnter- suchung Aufklärung geben, deren Ergebnissen nicht vorgegrlffen werden darf. Immerhin ist so viel bekannt geworden, daß der Pharmazeut, der sich jetzt in Voruntersuchung befindet, sich mit der Unleserlichleit des ärztlichen Rezeptes verteidigt. Nach her Behauptung eines Abendblattes soN in Apothekerkreisen der Gedanke crivogen werden, die Ausstellung der Rezepte in Maschinenschrift zu fordern, um die Möglichkeit eines Irrtums auszuschalten. Streit um Zijkas Pferd. Wegen des Zijka- Denkmals, das in Prag aufgestellt werden soll, ist ein Streit zwischen dem Autor, Bildhauer Prof. Kafka, und dem Obmann des Denkmalausschusses, dem früheren Ministerpräsidenten U d r z a l, ausgebrochen, der sich namentlich auf die Haltung ZiZkaS und seines Pferdes bezieht, Da sich die streitenden Parteien nicht einigen konnten, wurde ein aus Künstlern und Kunsthistorikern zusammengesetztes Schiedsgericht no- miniert. Es wird sein Urteil Anfang September abgeben.(DND) Wie abentenerlich der amerikanische Geheim- dicnst in Ostasie» arbeitet, erzählt' ein ehemaliger Offizier dieser Einrichtung in der soeben erschienene» Nr. 6 der Zeitschrift ABC. Diese berichtet außerdem von. einem Hund, der 10.000 Dollar verdient, bringt eine Darstellung des Vorganges,', der sich im Wiener Haupttclegraphenamt abspielt, I als am verhängnisvollen Peter» und Paulstagl 1914 dort die Nachricht vom Sarajevoer Attentat einlief, würdigt in Wort mW Bild die großartig« Prager Ausstellung alter Kunstwerke aus der Slowakei und enthält außer der Fortsetzung des spannenden Kriminalromane»„Schuß ins Kaffeehaus", zahlreichen, schönen Bildern, Photomontagen, Handarbeitsanleitungen und ungewöhnlichen Rätseln viel Lesestoff. ABC kostet trotz seines reichen Inhalts nur Ui 1.80 und ist bei allen Kolporteuren und Zeltungsständen und in den Trafiken erhältlich. Auw zertrümmert. In der Nähe der Ortschaft Kariava im Bezirke Sobrance in der Ostsloivakei stieß ein Privatauto aus Bratislava gegen die eiserne Straßenbarrier«. Das Auto wurde vollkommen zertrümmert, der Chauffeur Johann Kuchta inurde schwer, die.3 Insassen wurden leicht verletzt. Sömt- liche Verletzten wurden in» UZhoroder Krankenhaus übergeführt. Dar Auto hatte«inen Steuerungide- f-kt. Der Svaz LeSkoswvenfstho düftojnietva(Verband der tschechoslow. Offiziere) in Prag bringt in den Ferien Kinder von Offizieren in deutschen Familien zwecks Aneignung der deutschen Sprache unter. Anbote deutscher Familien, in denen die Zahlungsforderungen, und die Umstände, die die Möglichkeit der Erlernung der deutschen Sprache bestätigen, angeführt werden mögen, mögen an das Zcn- Relchtum Von Michail Sostschenko Der Heimbuchbinder Ilja Iwanowitsch Spiridonow hatte bei der Goldanlcihe fünftausend litoldrubel gewonnen. Dio erste Zeit ging Ilja Iwanowitsch überhaupt wie verrückt herum, fuchtelte mit den Händen, schüttelte den Kopf und sprach mit sich selbst. „Na, na... Na so was... Was ist mit mir, Brüder?" Später, als Ilja Iwanowitsch sich schon etwas mehr an seinen Reichtum gewöhnt hatte, verlor er sich in Berechnungen, was und wieviel er denn für dieses Geld erstehen könnte. Aber es kam dabei soviel heraus, daß er mit der Hand abwehrte und die Rechnungen warf er einfach weg. Mich als alten Freund, besuchte Ilja Iwanowitsch zweimal täglich und jedesmal erzählte er «lir wieder in allen Einzelheiten, auf welche Weise er von seinem Gewinn erfahren hatte und-wie wunderbar seine Erlebnisse an diesem glücklichen Tage tvaren.« „Na, was wirst du jetzt machen?" frag ich ihn.„Was wirst du dir kaufe»?"- „Etwas werde ich schon kaufen", meinte Spiridonow.„Zunächst werde ich natürlich Holz kaufen. Neues Geschirr für die Wirtschaft... Hosen natürlich..•' Ilja Iwanowitsch erhielt endlich von per Bank eine ganze Menge neuer Rubel und Ivar seither spurlos verschwunden. Fast zwei Monate hindurch ließ er sich bei mir nicht sehen., Aber dann bin ich ihm,zufällig.auf' der Straße begegnet. Der neue hellbraune Anzug, hing an ihm wie 'ein Sack. Die rosa Halsbinde kletterte ihm ist» Gesicht und kitzelte ihn am Unterkinn. Ilja Jwä- nowitsch drehte sie jedesmalwieder zurecht und geriet dabei jedesmal in Zorn. ES war erstlWch! daß sowohl der weite Rock, wie die enge Weste und die neuartige Halsbinde den armen Man» störten und ihn nicht ruhig leben liehen. Ilja Jivanotvitsch war sehr abgemagort, sehr dünn geworden. Das Gesicht tvar'gelb und von ungesunder Farbe. Unter den Augen hatte er viele Runzeln bekommen. „Na, wie?" fragte ich Ihn. „Ach was", meinte er niedergeschlagen. „Man lebt."Holz hab ich schon, natürlich. Aber fad ist mir." Warum denn?" Iwanowitsch winkte mit der Hand ab und lud mich in die Bierhalle ein. Dort schüttete Ilja Jivanowitsch, indem er die rosa Halsbinde in Ordnung brachte, sein Herz, vor mir aus. „Da meinen alle: Bourgeois, Bourgeois. Die Bourgeois nämlich, sagt man, leben wie im Paradies. Nun bin ich selbst Bourgeois, sogar Kapitalist geworden... Was ist schon, dabei?". .„Was denn?" „War denn?" wiederholte Spiridonow. „Rechnen Sie selbst nach: Mit allen Verwandten und mit allen Freunden— die meiner Frau eingerechnet— habe ich' mich verkracht. Haben Sie' Nummer«ins. Beim Bolksgericht bin ich hineingefallen— oder nicht? Histeingesallen.' In der Sache der Würgerin Bekowa. Zum Gericht muh' ich also. Da» ist, sagen wir: Nummer zwei.., Da» Weib, meine Gattin Marja Ignatjewna, sitzt buchstäblich den ganzen Tag auf ihrer Truhe und heult.. Haben Sie Nummer drei? Die Diebe haben mir die Tür' eingebrochen-— oder nicht? Eingebrochen. Sie haben zwar nicht» erzielt, aber in meiner Ruhe wurde ich gestört? Ich wurde,.Ich kann jetzknicht einmal mehr di« Wohnung verlassest, Sitzt du. zu,. Hause,, ist. e» wieder schlecht: daS.-MjzA«LKemAWKd gestohlen. Einen ganzön^Ktchikmetetz'Hotz' habe sch'' gelaust. Aufpassen. muß mank" ~ Ilja Iwanowitsch fuchtelte verzweifelt mit der Hand. „Na, was wirst du jetzt machen?" frage ich Ihn.„Ich weiß nicht", erwidert Ilja Iwanowitsch.„Mich einfach aufhängen... Seit dem Tage, da ich das Geld bekommen habe, ist das Unglück, da... Bis dahin lebte ich ruhig und gelassen. Sobald ich nur das Geld nach Hause gebracht, habe ich- sofort gespürt, daß etivas nicht klappt. Die Verivandtcn sehe ich, wursteln im Hause herum. Früher tvar niemand zu mir gekommen und jetzt fitzen sie herum auf allen Stühlen, Gratulieren. Ich. gebe jedem, zum Spaß, je ztvei Rubel. Aber. Mischka, das Brüderchen der Frau, verlangt mehr. Eine Schande, meint er, sich mit zwei Rubel ablösen zu wollen, wenn man so ein Kapitalist gctvorden ist.— Na, also ein Wort her, ein.Wort hin— mit der Faust auf den Tisch— und wir liegen einander in den Haaren, Wer wen durchgeprügelt hat, weiß ich noch immer nicht. Und Mischka nimmt einfach vom Kleiderhaken meinen Frühlingsmantel und geht fort.— Also habe ich mich mit den Verwandten verzankt. Jetzt lebe ich ohne sie. Ich kaufe mir natürlich allerlei Zeug. Geschirr, Weizen für ganze zwei Jahre. Ich denke nur daran, was ich mit dem Gelde erstehen kann. Ich sehe, wie die« Frau sich in der Wirtschaft abrackert, hat keine Ruhe— keine Freuden. Das ist nichts für mich, denke ich, mir. Sie ist zwar nur ein Weib— aber auch gleichberechtigt. Halt, denke ich. Ich nehme ihr eine Hilfe,' sb ein Mädelchen. Soll das Mädel alle diese Produkte verkochen. Also nehme ich eS. Das Mädchen kocht den Brei, und das Weib,( meine Gattin meine ich, sitzt den ganzen lieben'.'Tag auf der Truhe und heult. Sehen Sie,.1 in'ihren Musestunden, jetzt, da-sie nichts zu tun hat,-erinnert sie sich an: alle ihr« Ustglücksfälle: wie ihr Pater starb, wie sie mich geheiratet hat... Ucberhaupt spukt es m Ihrem Kopse,-seit' sie nichts- mehr': zu tun haf, p M gebe,der Fräu-natürlich Geld..:'",» Geh, sag ich''zu ihr, wenigstenS' in' den Klub' oder.ins Theater'. Erhole dich. Ich felüst würde auch gerne mitgehen, aber ich) sichst du, muß das Holz hüten..., „Wasserstilhlo’’... die neueste Erfindung Kaliforniens. Man kann sich, in ihnen sitzend, durch zwei handbetrieben«' Wasserräder vorwärtsbewegcn.: Ein Somiendäch schützt vor allzu starker Bestrahlung. tralsekretatiat de» Verbände» tschechossovakischer Offiziere in Prag gesendet werden. Die kühle Lnft, die vom Nordivesten her gegen Mitteleuropa vordringt, gelangt« Freitag nachmittag» bi» nach Mittelmähren. In Böhmen wurden tim 14 Uhr überall weniger al» 20 Grad, dagegen im Karpathengebiet bi» 81.Grad C. verzeichnet. Die Verschlechterung wird sich voraussichtlich weiter gegen: Osten ausbrettcn und bei un» noch in den nächsten Tagen andauern. WahrscheinlicheSWetter heute: In den böhmischen Ländern und in,der Westslowakei veränderlich, Neigung zu Schauern, nur mäßig warm,' Nordwestwind. Auch im Osten de» Staate» später Zunahme der Gewitterneigung und allmähliche Abkühlung. Wetteraussichten fürmorgen: Veränderlich, Schauer, in den böhmischen Ländern mäßig kühl. Im Osten.wärmer Nordivestwind. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen» Sonntag Prag, Sender I: 9.80: Böhmerwälder Dudelmusik mit Gesang, 12.20: Pollslieder, 12.40: Mu- Ukr Salonquartett: Suppö, Nedbal, 14.15: Deutsche Arbeitersendung: Dr. Baumgürtel: Verbrecher und Gesellschaft, 16: Konzert au» dem Baumgarten, 11.20: Populäre» Schallplattenkonzert,'17.85: Deutsche Sendung: Klassische Zeugen, 17.40: Mund- funkwochcnübersicht, 17.50; Uebertragung aus Reichenberg vom Sängersest: Kompositionen von Beethoven. Mozart usw., 18,50: Deutsche Presse, 22.85: Tanzmusik.— Prag, Sender II: 14.80: Deutsche Arbeitersendung:„Für Volk und Frieden", 14.85: Rundfunkspiel mit Versen von Goethe, Mörike, Storm, 15:„Rendezvous", lustige» Rnndfunkspiel. — Brünn: 11.15: Promenadenkonzert, 17.50: Deutsche Sendung: Orchcstralkonzcrt.— Preßburg: 10.05: Russische Bälalaikamusik.— Kaschau: 21.05: tltundfunkorchesterkonzert.— Mähr. Ostrau: 10.50: Bunte» Konzert Na, das Weib heult und geht in den Klub. Lotto spielt sie. Anr Tage, wenn sie nichts zu tun hat, sitzt sie auf der Truhe und heult und am Abend spielt sie Lotto. Und ich hüte das Holz und da» Mädel kocht. Da kommt der Vorsitzende und sagt:„Du Hundesohn, Halbivüchsige beutest du aus?" „Warum", sagt er,„ist das Mädel Bekowa nicht angemeldet worden? Ich iverde dich zum Volks- gericht rufen, umsonst hast du soviel Geld gewon-' nen..." Ilja Jivanowitsch fuchtelt wieder mit-der Hand, ordnet die Hülsbinde.und schweigt. „Schlimm", sage ich. ,!Ob es schlimm ist!" belebt sich wieder Ilja. Iwanowitsch.„Ich sitze, sagen wir, hier bei. einem Glas Bier, aber in der Brust nagt eS. Vielleicht stichst man, ivährend ich dasitze, bei mir. das Holz weg. Oder vielleicht bricht man in der Wohnung«In.... Und zu Hause steht ein neuer. Samowar, Also zum Gehen hat man keine Lust( und zu Hause zu sitzen hat man auch keine Lust. —■ Was hat mast zu-Hause? Das Weib sitzt, auf j der Truhe und heust. Da» Mädelchen Bekowa heult auch, sie hat Angst, zu Gericht zu gehen..'.- Mischka, das Brüderchen der Frau, geistert bestimmt um das HauS herum— er will vielleicht einbrechen... Sich, besser wäre eS gewesen, djoseS verfluchte Geld, nicht gewonnen zu haben!" Ilja-Iwanowitsch' bezahlt da» Bier und.. traurig drückt er mir die Hand zUm Abschieds JH' will, khm eben ein paar Trostwort« sägen, als er mich plötzlich fragt: „Was ist cs damit. ,'. Wird diese neue' Ziehung bald stattfinden? Wenn ich so einest' Tausender gewinnen, könnte, ich könnte ihn gut brauchen zur Abrststdüng der. RechstMg.,." Ilja Jwanotvitsch schiebt wieher seine rasst -Halsbinde, zurecht, und mir mit dem Kopf rzm>? nickend, geht er eiligst nach Hause. .(Au» dem Russischen. jibertrchchW von Rech'a Katzl)"^'. «r. 149 SamStag, 26. Nun! 1037 Seile5 bewältigen, daß sie die Beamten Ueberstunden machen ließen. Noch im Vorjahre wurden von den politischen Behörden an 16 Anstalten Neber- stundcn-Bewilligungen erteilt, obwohl das Für« sorgeministerium einen gegenteiligen Standpunkt eingenommen hatte. Heuer beharrt jedoch das Fürsorgeministerium darauf, daß die normale 48stündige Arbeitszeit auch in den Tagen der Jahres- und Halbjahresabschlüsse beibchalten werden müsse. Ueberstunden-Bewilligungen solle» demnach an Banken nicht erteilt werden, so daß die Institute wahrscheinlich neue Kräfte werden einstellcn müssen.(DND). Stritte der Versicherungsgesellschaft„Donau" mit ihren Angestellten. Gerade vor einem Jahre verlor die Versicherungsgesellschaft„Donau" einen, sich bereits einige Jahre hinziehenden Prozeß mit ihren. Angestellten in Angelegenheit der Einhaltung des Kollektivvertragcs. Trotz dieses obcrstgcrichtlichen UrteilcS fand cs die Gesellschaft bis zum heutigen Tage nicht der Mühe wert, sich mit den Angestellten auszugleichen und sie alle nach dem gültigen Kollektivvertrage zu honorieren. Die Direktion wies auch alle Kompromißanträge zurück. Der eingeklagte Betrag erreicht fast die Höhe von zwei Millionen XL. Konjunktur stärkt die Staatskasse. Die Belebung der Wirtschaft bringt dem Staat höhere Steuereinnahmen. Seit Jahresbeginn erreichte der Bruttoertrag aus Steuern, Gebühren und Köllen die Höhe von 4011 Millionen gegen 3708 Millionen XL Im Vorjahr. Es ergibt sich demnach eine Mehreinnahme von mehr als 800 Millionen oder von acht Prozent. Die anhaltende Konjunktur in der Eisenindustrie. Nach dem Bericht des Eiscnkartells war der Absatz von Roheisen 1036 um 77 Prozent höher als 1088, während der Absatz von Walzwaren um 38 Prozent gestiegen Ist. Der direkte Export hat sich gegenüber 1032 verdreifacht. Der Bestellungseingang in den ersten Monaten 1987 läßt für das lausende Jahr eine weitere erhebliche Absatzsteigerung erhoffen. Der Wcizencxport. In den ersten fünf Monaten wurden 16.070 Waggons Weizen ausgeführt gegen nur 5600 Waggons in der gleichen Zeit des Vorjahres. NMsMrtsctuch und Die Entwicklung der Löhne Aus der monatlichen Uebersicht der Zentral- sozialversichcrungsanstalt Über die Beschäftigung ergibt sich die Feststellung, daß sich das Lohnniveau der Arbeiterschaft in der Tschechoslowakei in den letzten Monaten gehoben hat. Wenn diese erfreuliche Wendung in den Lohnverhältnissen verzeichnet werden kann, so kommt diese» Verdienst in erster Linie den Gewerkschaften zu. Sie haben die Lohnforderungen"der- Arbeiter mit Nachdruck vertreten und auch dort eine Erhöhung durchzu- sehen vermocht,.wo die Unternehmer dieser im wirtschaftlichen Interesse gelegenen Forderung hartnäckigen Widerstand entgegensetzten. In der Versicherten-Statistik der Zentral- sozlalbersicherüngSanstalt spiegelt sich die Bcffe- rung der Lohnverhältrtisse insofern wieder, als der Anteil der in den,unteren Lohniläffen Versicherten an der Gesamtheit. der Versicherten zurückgeht,"während der Anteil der oberen Lohnklaffen steigt. In den einzelnen Lohnklaffen waren versichert:/ • Jänner- Feber Mär, Lohnklosse ' in P rözent en 18.15 ' 18.03 12,58 -2.. . 22.09 22.23 21.89 8 16.14 16.07 15.84 4 11.84 11.98 12.08 10.85 10.42 10.59 .6 6.89 6.34 6.68 ■ 7 8.94 8-96 ' 4.14 P 3.17 8.18 8.88 s 2.72 2.70 2.70 10''' 10.21 10.14 .1048 Im März waren in den vier niedrigen Lohnklassen mit einem TageSlohn bis zu 18 Xi 62.37 Prozent, in den vier höheren Lohnklaffen mit «inenr TägcSlohn über 18 Xi 87.68 Prozent versichert. Der durchschnittliche Tageslohn, wie er auf Grund der. Einreihung der versicherten Arbeiter in die Lohnklaffen der Krankenversicherung errechnet wurde, ist von 16.32 XL im Jänner 1937 auf 10.50 XL im März.gestiegen. Bedenkt man. daß. im März 1935 66.68 Prozent.aller Versicherten den. niedrigen Klaffen und nur 38.32 Prozent den höheren Lohnklaffen angehörten, daß weiter im März 1935 der durchschnittliche Tageslohn der versicherten Arbeiter nur 15.70 XL betrug, so wird der Fortschritt, der In der Entwicklung der Löhne zu verzeichnen ist, ohne weiteres erkennbar. Daß aber diese «ingetretene Besserung nur ein Anfang sein muß, daß also die Lohnbewegmm von der Arbeiterschaft weitergeführt werden muß, dar ergibt sich aus einem Vergleich'mit den Löhnen, wie sie nach den Angaben der ZentralsozlalversicherungSanstalt vor defst'KrisenauSbruch bestanden'haben. Danach waren im März 1930' in den unteren vier Lohnklaffen nur 51.74, in den. vier höheren Lohnklaffen aber 48.26 Prozent der' Arbeiter versichert. Den.vier niedrigen Lohnklassen gehör/ ten demnach damals. 10.67 Prozent weniger an und üm den gleichen Prozentsatz war die Zahl der in den oberen Lohnklassen Versicherten höher. Der durchschnittliche TageSlohn eines Versicherten betrug im März 1930 18.88 XL, so daß er im Man erhält für XL 100 Reichsmark.,,... 743.—> Markmünzen.. 800.— 100 österreichische Schilling.' 538.50 100 rumänische Lei.... 10.85 '-100 polnische ZlolN-W?.':’?.". 542.50 -100«ngartsche s'engö.. 573.50. 100 Schweizer Franken M'.... 658.— 100' französische Francs... 127.95 1 englisches Pfund.'■fS140.75 1 amerikanischer Dollar..- 28.00 100 italienische. Lire.... 130.40 100 holländische Gulden... 1577.— 100 jugoslawische Dinare.. 05.30 .100 Belga»"......, L..'- 484.75 -100 dänische Kronen. y-. 033.— 100 schwedische Kronen...’78K—• März 1937 immer noch um 2.88 XL niedriger ist als damals. Die im März 1937 ausgezahlte tägliche Gesamtlohnsnmmc war mit 83 Millionen XL um mehr als 10,800.000 XL niedriger als im März'1930.' ES ist ein in der Entwicklung der Lebenshaltungskosten. begründetes Verlangen, daß die Löhne der Arbeiter mindestens wieder auf den Vorkrisenstand gebracht werden.müsse».' Dividenden Die Generalversammlung der K u p f erwecke Böhmen nahm zur Kenntnis, daß der Reingewinn von 2.0 auf 4.1 Millionen XL gestiegen ist.. Sie beschloß eine Dividende von neun gegenüber sechseinhalb Prozent im Vorjahr. Die Neudeker Papierfabrik-AG bringt sieben Prozent zur Ausschüttung gegen sechs Prozent im Jahre vorher. Eine' Erhöhung der Dividende von neun auf zehn Prozent hat die D r a h t st i f t-, Schrau- ben- und Stahlindustrie-AG Be- ch e r t u, Co. in Saaz beschloffcn. Die Generalversammlung der„S o l o", tschechoslowakische Zündholz- und chemische Fabriken, AG, anerkaiinte die Erhöhung des Boutto- gewinneS von 15, auf 23.5 Millionen XL, und die Errechnung eines Reingewinnes von. 0.1 Millionen XL.. Sie beschloß, die gleiche Dividende wie im Vorjahre, 12.5 Prozent Dividende, zur Auszahlung zu bringen. Die Erste Böhmische Kunstsei- denfabrik-AG in Thercsiental konnte den Bruttogewinn von 12 auf 16 Millionen XL erhöhen. Der Reingewinn ist von 200.000 auf 1,778.000 XL gestiegen. Die Jepa-AG zahlt ihren Aktionarm 40 XL Dividende pro Aktie gegen 82 XL im Vorjahre. Keine ltehcrstttndc»>Bcwllligugcn für Banken? Boi den Banken war es bisher gebräuchlich, die sich bei den Bilanzi-rungSarbeitcn ergebende Mehrbeschäftigung der Beamtenschaft dadurch zu Verschärfung im Stahlarbelterttrelk Clevcland.(HavaS.) Dio Vorsitzenden der vier Stahlgesellschaften, die gemeinsam mit dem Bundesschiedsausschuß die Möglichkeit der Beendigung des Streikes in den Stahlbetrieben geprüft haben, verließen Donnerstag nachmittags plötzlich die Konferenz. Sie erklärten, daß der' Ausschuß der JndustriegewerlschaftSorganisation das. Gesetz nicht respektiere-und versuche,-'ihnen seinen Willen aufzuzwingen. Sie fügten-hinzu, daß sie niemals mehr an einem ähnlichen Kongreß .teilnehme» wollen. Trotzdem hofft der.Schied»- auSschuß ständig, daß es möglich sein wird, neue Verhandlungen einzuleiten. Nach der Beendigung der Konferenz erklärte Murray, der nächste Mitarbeiter John LewiS':„Wir werden den Kamps fortsetzen und sind uns des Sieges gewiß." Er werde öffentlich dem Präsidenten Roosevelt den Vorschlag.machen, selbst Schiedsrichter in dem Streit zu sein, der sieben Staaten ergriffen hat. Neber die Besprechungen des belgischen Ministerpräsidenten Ban Zeeland mit dem Präsidenten Roosevelt und dem Staatssekretär Hüll wird in London bekannt, daß sie bisher ausschließlich der Erweiterung des Dreier-Abkommens der Bereinigten Staaten, England» und Frankreichs über die Währungsstabilisierung auf andere Staaten galten. DaS Kriegsschuldenproblem wurde hiebei jedoch bisher nicht behandelt. Christenverfolgnng.Die„Times" melden aus ^Berlin die Verhaftung von acht, weiteren führen- den Persönlichkeiten der deutschen Bekenntnis- ikirche anläßlich einer Zusammenkunft der Brü- idergemelnde, darunter die des Dr. Müller, eines -Mitarbeiters deS Dr. Niemöller von der Dahlener Kirche. Die letzten Verhaftungen von führenden Anhängern der Bekenntniskirche hatten am 14. Juni stattgefunden.— Amtlich wird vom DNB bckanntgegeben: Der Rat der Alt-Preußische» Union hatte in einer Sitznng des Bruderrates beschlossen, entgegen der Verordnung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern vom 18. Feber 1937 die Pfarrer zur öffentlichen Bekanntgabe von Kirchenaustritten aufzufordern. Auf Grund dieser Widersetzung gegen staatliche Anordnungen wurde gegen vier an der Beschlußfassung Beteiligte, nämlich gegen die Pfarrer Jacobi und Riesel, Assessor Dr. EhlerS, und von Arnim-LÜtzlow, sämtlich aus Berlin, vom zuständigen Richter Haftbefehl erlassen. Gegen zwei tveitere Berliner Geistliche, die am Sonntag, den.20. Juni, auf Grund dieses -Beschlusses und entgegen dem Verbot KirchenäuS- tritte bekanntgaben, wurde ebenfalls Haftbefehl verlassen. Ein weiterer Geistlicher entzog sich der Verhaftung durch Flucht. Weil er seinen Bruder verteidigt hat... „Petit Parisien" meldet aus Moskau, daß Fesula C h o d s ch a j e w, der Präsident des Rates der Volkskommissäre der Republik Usbekistan, sein Amt zurücklegen muhte. Chodschajew, der einer der sieben Vorsitzenden des Zentral- Exekuftp-KomitecS der USSR war, wird beschuldigt, er habe seinen Bruder, einen Gegenrevolutionär, der S e l b st m o r d verübt hatte, verteidigt. Ebenso wurde-ein weiterer Bruder, Turzum Chodschajew, Volkskommissar für Innenhandel, seiner Funktion enthoben. Krach bei Rex.(HavaS.) Das zwischen dem Flämischen nationalen Verbände und der Rex- Bewegung im Herbst vorigen Jahres abgeschlossene Abkommen ist vorläufig außer Kraft gesetzt worden. E» geschah die» durch einen TelegramnNvechsel zwischen dtm Führer de» flämischen nationalen Verbandes(VNV) De Clärce und Leon Degrelle. Die Ursache, der zeitweisen Aufhebung, mit welcher sich .Degrelle in seinem Telegramm einverstanden erklärte, ist namentlich die. Haltung der Rexisten» Bewegung in der belgischen Amnestie-Frage. vierer Istdas Bild derWelt... "> Durch Zufall bekomme ich die Nummer einer, Pragcr' Tageszeituiig-'in'di«.Hand, es-ist die „Deutsche Zeitung Bohemia" vom-47. Juni, wa» nur dex^Ordnung halber angeführt sei, denn ebenso hatte an jeden) anderen Tage in jeder an« depen Tageszeitung auch dasselbe geschehen können, was hier durch„den' unbeabsichtigten- Platz zweier Inserate geschah.‘ In dem einen heißt e»:„Ein arme», tzer- waiste» Kind-wird«"abgegeben oder^.Kitttz, edle Menschen uni kleine,,, geldliche Unterstützung. Chiffre„Kinderäug'en">' häuptpostlaß'erM Brüx." Gleich, daneben steht eine Eigenrellgns« der Zeitung, die folgende» über die Notwendigkeit sagt, Anzeigen aüfzugebetz:„Ein- Inserat soll nicht auf «inen Augenblickserfolg abgestimmt seliii-sondern M Glied dnrstellen in-einer Kette von Maßnahmen mit dem-Endziele,, beim Publikum den un» «rschütterlichen Glauben an die Leistungsfähigkeit eine»Petriebe»-zu Mankern?' '' Die"beiden'nachbarlich placierten Inserate ssild Mjedem Falle-elfl'getrtiieS Abbild der Ge» jellschast. AM'in' dem Falle,. an'den sch.-sticht j glaube, daß der Veranlasser des Inserate»„Kind iwird«chgegebcnsk als-gewohnheitsmäßiger Betrüger diese Anzeige,nur alS ein Glied in'einer Kett' Won ähnlichen-Maßnahmen aufgegeben.hat, um 'auf das Mitleidder- Mitmenschen zu spekulieren. Denn selbst dieser unerschütterliche Glaube an die Natur der,Menschen, wäre nur,'ein Beweis für die 'unvollkommene Organisation ihres Leben».., f Nein, hier scheint der Zufall- wieder einmal iauf_eine gründliche demaskierende Art getvirkt zu haben,,„.Ein^sind„wird abgegeben". ES.ist verwaist,-W Vertvandtschaft,(die'Familie- ist so verarmt daß es nicht-mehr-ernährt, geschweige dM^gii'.tzinem rglückljchen,. Mitglied-derMestsch- lichen. Gesellschaft herangebildet- werden kann. .Man bittet unter beschwörender, wenngleich kitschig wirkender Berufung auf di« Kinderaugen um klein«- geldliche Unterstützung,- ist gleichwohl so verschämt,.daß mtzn nicht einmal. Namen und Attresseanzügeben wagt. Am liebsten wäre man ,daS Kind ganz lo»,-denn die Not. macht gefühlsarm, jeder muß-sehens wo er bleibt,i-ein Kind'ist seine'Fessel, viellMt ist die Mütter-schon ins wqs«. /er-nenqngcn aüs nhnsichdy' Gründen oder die, Elterp haben beide' den'Gashahü aufgedreht. Die Leistungsfähigkeit, dieser Gesellschaft an solchen Ttzagödien ist sogroß, daß man den unerschlltter-, lichen Glauben damn nicht erst durch ein Inserat, da'S eine Kette von Maßnamen darstellt, erwecken imuß: selbst, wenn hier der Augenblickserfolg ge- nügte, indem da» Kind in. gute Hände käme,— der Betrieb geht weiter,. Kinder werden geboren, die keine Freude, sondern ein« Last sind, Eltern sterben dahin, Kinder Werden„abgegeben" und unter Chiffre„Kinderaugen"-werden klein« geldliche Unterstützungen entgegengenommen.-,•. Ist det Glaube an die unerschütterliche Lai- stungSfähigfeit,pder dec unerschütterliche Glaube aN die.Leistungsfähigkeit des Betriebes dieser Ae« sellschaftSordnung wirklich so beim Publikpmver» ankert, daß es von den Tatsachen, die selüst. der Inseratenteil der Zeitung al» GliederMdkr,Kette von Maßnahnien ihm vor Augen führt, die keine' Kinderaugen mehr sind, auch durch«in-solche» Nebeneinander nicht zu rühren, so blecht nicht» andere» übrig, al» noch ein paar Schritt« wefter-' zugehen, sich dem Rundfunkprogramm zuzuwen« den oder festzustellen, daß die Aktionäre einer Eisenbahngesellschaft höflichst ersucht werden: ihre Dividende'äbzuholeN.''M. Kreditanstalt der Deutschen t- WM li Durchführung oller Geldgeschäfte. Derwalwpge-Kapital 1 Milliarde K&. Hastungo-Kapital 95 Millionen Ki., 81 Niederlassung«». Ein verkommener Mann und ein verwahrlostes Kind <2 ch w u r g e r i ch t) Prag. Iceunde Für Ihr Auto und Radio 3906 ELKfl-ükkumulatoren seinige beiträgt. Angeblich soll feiten» einer gewerblichen Zentrawereinigung eine Aktion im Zuge sein, die darauf hinausläuft, sämtliche Gewerbetreibenden Prag» zu veranlassen, ihre Geschäfte während.dieser drei.Feiertage gleichfalls geschloffen zu halten, was also»ine allgemeine Lädenstrerre während dieser drei Tage zur Folge hätte. Ob dieser Plan' zur Ausführung kommt, bleibt abzuwarten.•■ v, Zwei bekannte Diebe im Keller festgenommen. Neben den Wohnungsdieben, die jetzt, in der Zeit der Urlaube,'ihre'große Saison haben, machten sich in den letzten Wochen verschiedene Bierröhrendiebe unangenehm bemerkbar. Diese sonderbaren Spezialisten'der Diebszunft haben ei auf. die zinnernen Bierröhren der Wirtshäuser abgesehen. Sie. schleichen sich ln die Keller ein und sägen im. geeigneten Zeitpunkt die Röhrenleitungen ab. Um die Perwertung der Metalle» kümmern, sich dann die Hehler,.'die Natürlich, wie in allen Branchen de» Diebsgewerbe», nü» dem Schacher mit der Diebsware ein weWbes» lere» Geschäft zu schlagen wissen',: als der Dieb selbst,, der da» Hauptristko trägt und mit einem minimalen Betrag, abgespeist wird. Die erhöhte Aufmerksamkeit, die Infolge der sich mehrfach wiederholenden Bierröhrendiebstähle der Bewachung der Keller'zugewendet wurde, trug gute Früchte. Im Keller de» Hause» Nr. 8 In der StephanSgaffe wurde bei der abendlichen Kellerinspektion ein Mann. auSgehoben, bei dem man eiste komplette Garnitur Einbrecherwerkzeuge»' fand,. In dem. Betretenen. wurde der polizeihekannte und ost vorbestraft? Einbrecher Roöert Nov'o tnsi festgestellt, der erst vor einem Monat au» der Strafhaft entlasten worden war Ein. ähnlicher guter Fang gelang in Holleschowitz, Wo gleichfall» In einem Keller der Einbrecher Eugen Slezäk auSgehoben wurde, der sich zu einer ähnlichen Aktion rüstete. An»fk«g»züge der Tschechoslowakischen Staatsbahn. Vom 28. bi» 29. Juni in die westböhmischen Bäder für Ai 299.—; vom 28.Juni bl» 6. Juli nach Karpathorutzland für Ai 889.—; beide Fahrten sind gesichert. Anmeldungen auf die verbleibenden Plätze bi» Samstag, 18 Uhr, im Basar neben dem Wilsonbahnhof. Tel.' 398—35.' „Blumen aus Nizza* iHlf iMk Die Czardasfürstin Die Reprise dieser Operette ist..erfreulicherweise nicht da» erste Anzeichen dafür,'datz da» Deutsche Theater nunmehr zu einer positiveren Auffassung über die Notwendigkeit liebevollerer Pflege diese» Genre» gelangt zu sein scheint. Und der starke Zuzug de» Publikum» an diesem Abend sowie die freudig-dankbare Stimmung im Hau» last?» an der Richtigkeit de» so eingeschlagenen Weges kaum Zweifel aufkonunen, zumal wenn man bcdeickt, datz hochsommerliche Temperatur sich ja sonst nicht al» ein so günstiger Gradmesser erweist. Da» Publikum liebt eben einmal' die Leichtigkeit und Eingängigkeit solcher Musik und die Gefühls,nässe wie die Heiterkeit von Opereiten-Handlüngen,' die, wenn mich nur schwache Nachblvte der Offenbach-Straub-Zeit, doch wiederum reizvoll' wirken im Vergleich zu dem, war nach dem Verblühen wucherte und wuchert. Die' mittlere Generation insbesondere nimmt das Bouquet sützer und fescher Weisen Emmerich Kalman'» lund täte es wohl ebenso bei Lehar, Fall, EySler, Gilbert) zudem al» lebendige Erinnerung an eine Periode hin, in der e» ganz allgemein doch noch leichter war, sich de» Daseins zu-freuen, ohne datz dazu der Krampf des Jazz, der Revue-Girl» und, stumpfsinniger Cochonerien notwendig war. UebrigenS versteht es der Regiffeur