•ff, / W Mittwoch, 30. Juni 1937 Nr. 152 3. dl» 5. Juli In Aussig Zentralorgan der Deutschen soztalbemokratischeü Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik M/..'Ja"." 1 1 9--S.~ H"* 1"" Erscheint mit Ananahme de» Montan tSslich srSH/ Sin-eipret» 70 Helle» Ärdakttonu. Verwaltung: PragXU.,Fochova S2- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Derantw. Redakteur i.B.: Zdenko Nmwirth, Prag 17. ZahrgaM WWDWW/WWeleMys" Ör. Hodia bei der Eröffnung des Kongresses der Völkerbundllgen Prestburg. Ministerpräsident Dr. HodZa traf! Dienstag>nif ü-Uhr 18 hier ein, aüf dem -Bahnhof begrüßt bom-Vorsitzenden-der intet» nationalen-Union der Völkerbundligcn, dem belgischen Senator N o l l i n und dem Vorsitzenden der'tschechoslowakischen Völkerbundltga Doktor J k n-a und den übrigen Mitgliedern des Präsidiums. Während der Fahrt, vom" Bahnhof bis zur. Universität: wurde Dr. Hodja pönder Be« vltlkerüng.begeistert begrüßt.- Um 6.45 Uhr eröffnete Rollin.den Kongreß, begrüßte, insbesondere Dr. Hodja.und. erteilte Dr. I i n ä das Wort. Dieser begrüßte/die Delegierten, die aUS 28.europäischen Und außereuropäischen Staaten erschienen"waren, um für/ den Frieden zu Mayifefttereü, Das Wort ergriff sodann. Ministerpräsident Dr. Hodfa der französisch, englisch und deutsch, sprach.. In seiner /Kundgebung erklärte-fbr. HodZa u. a.: Wir-können-nicht leugnen, daß sich'iw Europa gegen den VölkerbundZweisel erheben.Wan zweifelt an seiner Lebenskraft, an seiner,Autorität. Deshalb, -muß-die U n-i-o-st- f it.r. d e ü B Ül k e r b u n d, ^'weMsid ihre edlen Aufgaben erfüllen will, anläßlich Iihrer.Lwngreffe.oft,die Rolle.pog Miss.ionär en wielcn. Bei uns, dessen kann ich Sie versichern, sind wie dieser Ausgabe im vorhinein-ledig. Bei UNS , ist dtzx Gl ä U h-^a n d e n B ö bk.e r(»'n d n/o'tz'Nrch,t^g rstur ben./Sie befinden sich- aufdeüt Beden eine- Revuvltt, Ho» HWM mit Recht unter jone grohen Europäer gezählt wirb, deren Ergebenheit und Arbeit die Grundlage war, auf der Genf ruhte. Die Tschechoslowakei war und bleibt ein treuer Anhänger des Böllerbundes und. geradem deshalb-hat ste .den Wunsch, daß'Genf so rasch wie möglich'hie Ucbcrgangspcriodc seiner Schwäche überwinde. Wir sind bereit, an jeder Reform des Völkerbundes mit- znwrrlcn, durch die. seine Stärkung erzielt werden kann!.Sehr entschieden würden wir einen jeden Ber- such zur Erschütterung seiner Funktion in der internationalen Weltpolitik- ablehnen. Er wird seine Auf- giiben mit um so wertvolleren Ergebnissen erfüllen können,, je sicherer er imstande sein wird, sich auf regional« Pakte zu stützen.. In.der Reihe dieser regionalen Gebilde harren des-Donaugebietes sicherlich große Aufgaben, da da» entstehende Mitteleuropa nicht andere» al»»in Instrument der Kooperation und der Harmonie im europäischen Konzerne sein kann, wo Diffonan- zen drohe« können. Die Mittcleuropäer werden sich dessen bewußt, daß die Voraussetzung einer jeden moralischen Kon- solidierung da» ehrliche Streben nach Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen ist. Ganz offenkundig schreitet das Bemühen, die zwei mitteleuropäischen Präferenzsysteme einander anzunähern, der Realisierung entgegen. Da» ein«, das sich au» der K l e i n« n Wirtsch afts- «nt e n te ergibt, und das zweite, dessen Basis die r ö m i s ch c n Protokolle bilden. Verständnis findet auch das Bestreben, in da» vorbereitet« System auch Bulgarien etnzubeziehen. Wir 'haben e» so weit gebracht, daß wir mit dem Wohlwollen der westlichen Großmächte rechnen können, daß die Meistbegünstigungsllaustl einem mitteleuropäischen Bevorzugungssysteme nicht"' im Wege steht, und daß wir/mit'unseren nächsten großen" Ilachbarn, deren Interesse an Mitteleuropa selbswer- ständlich ist, bereit»'in'informative Verhandlungen «intreten können. Auch jene politischen und psychologischen Scheidewände, die so lang« jedes Aussicht auf eine mittelcuilipäische Beruhigung und Zusammenarbeit verdunkelt haben, werden eine nach der anderen- entfernt. Der gute Wille bricht sich Bahn, die M i n/d e r he itenfragen auch dort zu lösen, wo au» subjektiven oder-objektiven Gründen ein« praktisch« Lösung Nicht erreicht wurdm Die Anerkennung der Gleichheit""macht fich in' demselben Maße geltend,'wie sich der Grundsatz de» Friede n s und guter Nachbarschaft gellend macht. In Mitteleitropa"besteht keinerlei Bereitwilligkeit, sich ' an" den- sogenannten- ideologischen' Kämpfen zu betet»" ligen.idie die Uneinigkeit Zwischen so viel europäischen , Ländern vertieft Und erregt haben.. Wir.all«-' in Mittttenetzp» beharre« eifersüchtig und fest aufunseryi politisch«« und moralisch«« Souveränitäten", .und oh ne Vorbehalt«- respektseren wir den'Grundsatz der gegenseitigen Nichteinmischung. Eine neue Atmosphäre- schwelt über dt« Donau- , ländern,. t"" eine Atmosphäre, in der«rfolgreich gegenseitig» Achtung, gegenseitige Toleranz und die Sicherstellung der"gemeinschüen Jntecessen gedeihen.' Da» ist- d a» n e ueK I-t m a i/n M it• teleuropa. Widmen Sie diesem Gtdanlen her regionalen Zusammenarbeit"ist Mitteleuropa Ihre Aufmerksamkeit/-.Durch Unterstützung des Regio« naliSmur"werden, Sie" Ihr Endziel stärken"^ den Völkerbund uniyersell zu. erweitern, damit er die.nöttg« Autorität, zur-Verhinderung/' brudermörderischer Krieg« habe, wobei ich nicht Nur an.den Krieg zwischen Armeen denke, sondern auch an die ittcht minder verderblichen'und gefährlichen,-tvirtschafttichül.Kriege Und"sozialen" Kämpfe,.- 'M i-t't e l e u r o p ä grüßt Europa: Seien Sie,überall Dolmetscher-unsere» guten Willen».und'unseter Entschlossenheit, an einer.schöpferischen..Eintracht dr« Nationen und"KönttNenrä-mit-." züarbeiten.^"/ '. Die Kundgebung, des MtntstewpySsid«nten Dr. HodZa,„-dic an- zahlreichen/ Stellen Yon. der Zustimmung der- gesäintkn.Versammlung begleitet war, wurde vom tschechoslowakischen Rundfunk gesendet. 7-- Der Vorsitzende, Seyawr-Roll in.'dstnkte Dr. Sodja.-und dem Vorsitzenden der tschechöflo- wakischkn Völkerbundliga Dr. Jina M. ihre "ziunogevungen uno ipwM^amtMer me^Dschö» choslöwükii und ihre FricdeNSSkbeit. Im Namen der ausländischen Delegierten sprach""der" ständige Delegierte Frankreichs beim Völkerbund P a u l» B o n.c.öü r, der u. a. sagte:'- „Es besteht heut« bereit»«in« Atmosphäre, di« gestattet, daß zunächst«ine Lockerung der Paris. ,Di« Regierung Chautempr stellte sich Dienstag nachmittags der Kammer mit einer Regierungserklärung vor, in der es heißt,-daß zwei Grundgedanken im letzten Jahre die Wünsch« der französischen Republikaner.bestimmt haben: Friede und sozialer Fortschritt. Dem Dienste dieser beiden Ideen widmet die Regierung ihr« gesamten Bestrebungen. Sie wahrt die Kontinuität der französischen Austenpolittk, di« leidenschaftlich ergMien ist dem Streben nach Frieden mit alle» Völkern, und wird den FrenndschaftS- beziehungen Ire« b l« i b e n, die Frankreich bisher zu den einzelnen Staate» gehegt hat, sowie dem vilker'bund. Die Regierung wird unaufhörlich, bemüht sein, das Gebiet der-internationalen Zusammenarbeit zu erweitern. Frankreich.ist'sich seiner selbst und seiner" Freunde sicher. Frankreich ist entschlossen", sich jeglicher Drohungen zu. enthalten,'/ die den Frieden gefährden- würden, wird aber auch selbst keine.Gefährdung des Frieden» dulde wird,"nichts für die"Erhgltüng dell MaxinjumS ihrer Wehrpflicht' vernachlässigen, hegt jedoch die feste Hoffnung,/- daß.ihre.Bemühungen nach Lockerung, der. Spannung--"-und gegenseitigem Verständnis auch Früchte bringen werden'und -richtet an alle Völker und an alle R e g i er« ngen ohne Ausnahme den Appell,- durch ihre« aufrichtigen Beitritt zu.dem Regime gegenseitiger wirtschaftlicher . Hilfe und vrschränlung dyr Rüstungen mdlich die Hoffnung auf dauernd« Zusammenarbeit unter befriedeten Völker» erstrahlen zu lass«, - Die Regierungserklärung befaßt sich' sodann MU. den i yn.er/en f r am'z ö.s.t'sch e.n.Ä'N» ll'e-l.e.jl,em-h^lfttsM-ünpch'esaaf,- - die Negierüüg' werde nicht zulofsen,, daß die hervorragende soziale Gesetzgebung irgendwie I angttastrt werde, di« di« Bedingungen Spannung zwischen den Donauvölkernherbei- gestihrt sverde und sodapn Abkommen verwirklicht werden, welche die Vorbedingung ihrer gemeinsamen Jnteresien- und dar einzige Mittel sind, s ich jeglich« n'B ersuchen einer Borherrschaftzue r w ehr en. Es macht sich die Idee gellend, daß diese Regional- abkonmien allmählich die"Grundlage einer Frie- densdiistruktlön und de» Weltfriedens bilden sollen: Diese-Grundlagen werden eben durch die / günstige Organisation Mitteleuropa» und Donau- I Europas gelegt, ohne die er keinen dauernden ,, Frieden gebe» kann, die aber, weün sie nicht vor« 1/ Händen wären, die Quelle von Konflikten für ganz Europa würden." Die Kundgebung Paul-Boncours würde wiederholt vom Beifall der Versammlung unterbrochen und zum Schluß, mit. lebhaftem Applaus quittiert. Nach Beendigung der Festsitzung, begannen im. Rahmen des Kongresses der Union für"die Völkerbundligen die-einzelne» Kommissionen ihre Arbeiten. l, Sruv Dr. BeneS’ Pressburg. Der Präsident der Republik-Dr. Benell sandte an den. Borsitzenden des Kongresses -her Internationalen Union. der Völlerbundligen folgendes Telegramm: Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen aufrichtig für Jhren liebeu Gruß. Ich begrüße, herzlichst den Kongreß der Inter- nationalen Union der Bölkerbundligen und .'wünsche-ihren-Arbeiten..vyllr» Erfolg.. Trotz dry Schwierigkeiten dec heutigeil Zeit bleiben wir un» » Ihren Ideen und Ihren Idealen«rgeben. tief überzeug«, datz drr Wkg. den Sie Mr die Erhaltung des Frieden» gewählt bauen, der einzig richtig« ist und zm dem ersehnte» Ziele führt.- Die Tschechoslowakei teilt Ihre Ansichten ünd Ihre Wünsche und wird weiterhin mit Ihnen für Frieden, Gerechtigkeit und friedliebende internationale Zusammenarbeit Mitarbeiten.- Auch Außenminister" Dr: Krofta sandte an den Kongreßbvrsihenden eine herzliche Begrüßungsdepesche.- - menschlicher Arbeit vonGrund auf geändert, den Angestellten bessere Existenzbedingungen, Unabhängigkeit und Würde gebracht haben. Die Pause In der Durchführung der sozialen. Reformen, welche die vorherige französische Regierung als Notwendigleit proklamiert hat und die tatsächlich dringend ist, darf nicht einen Rückzug" oder"eine Stagnation bedeuten. Deshalb erachtet es die Regierung als ihre Pflicht, ihr Arbeitsprogramm zu enttvickeln, das sie allmählich verwirflichen will. Schon heute fordert deshalb di« Kammer die Annahme der RrgierungSvollmacht, . eine Reihe' do» unentbehrlichen Maßnahmen durchführen zu können, fo di« Verlängerung - der Arbe.i.tSk»llektivverträge und des Mieterschutzes, Verhinderung ' der S p-e k u l a t i o n ünd der" Steuer» h j nf'e r»i e-h ü n g e n n. ä. -»' - Ms der Kanunervorsitzluide Herriot verkündete,- daß"acht Int e r p e l l a t i o n e» an-die" Regierung bezüglich ihrer Politik einge- bracht' wurden, meldete sich Ministerpräsident C h a u"t!'e m p s züm Wort und" erklärte, daß die Regierung mit ,Rücksicht aüf die außerordentlichen Umstände und die Dringlichkeit des Regie- rungSentwurfeS, der die Erteilung der Finanz- vollinachk' fordert, ersucht," daß die BbhaNdlung der Interpellationen über" die ReglerüngSpolittk vertagt-w'erde.-" ' /. Nach,'kurzer, Debatte sprach sich die Depu- tiertenkamnier im Sinne des Regierungsantrages mit Süll gegen 142 Ksimmen für/ di« Vertagung der Interpellationen auS.' Dir üiljche Mehrheit her, PolkSfro'ntgruppen wurde dabfi um 20 Stimmen der linken Mitte.berwehrt, Zahlreiche Ab- geordnete der Mitte mthidlteü" sich"'jedoch- der esiüünenabgabr. Würzburg und PreOburg Die Tschechoslowakei kann soeben auf ihrem Gebiete in der alten Donaustadt Preßburg, die auch mit der Geschichte des Deutschtums im Donauraum eng verbunden ist, die Bertreter der Völkerbundliga auS einer ganzen Menge von Staaten begrüßen. Wir haben wohl alle, die wir guten Willens find, manche Enttäuschungen, mit dem Völkerbund erlebt, insbesondere wenn wir uns in einem Idealismus, der allzu leicht-die Schwierigkeittn des Daseins Übersicht, zu viel" von ihm versprochen haben. Die Tagung von" Preßburg gibt uns wohl Anlaß, über das Problem des Völkerbundes nachzudenken und wir werden da zur Erkenntnis kommen, daß das versagen der Bölkerbuudapparatur,-wie wir es mehr al» einmal mitgemacht haben, nicht allein- auf dis technischen. Mängel der Genfer Organisation-zu« rückzuführen ist. Die Frage der Aktionsfähigkeit des Völkerbundes ist eine solche politischer ünd moralischer Natur, Wer entschlossen ist, den Frieden mit ullcn erdenkbaren und zweckmäßigen Mitteln zu wahren, der wird trotz aller Enttäuschungen auf den Völkerbund als-Mittel des Frieden» und-der internationalen Politik nicht, verzichten. Deswegen ist die Gewinnung nicht nur. der Staatsmänner, sondern auch der breiten Schichten der Bevölkerung für die Idee des Völkerbundes voü großer Bedeutung-und es muß immer -wieder für den Genfer Bund der Nationen ge« woichen werden.- Dieser großen. Aufgabe hybcn^M sich die Völkerbundligen unterzogen ünd- in.dcw/^W Reden der ofkizieNen tschechoslowakischen Politiker-,-/''" bei der-BegiLhyng der ausländischen Gäste bolt-eSs-L""' "sich, gezeigt, daß der BMelchund^iw-der TschMbH«:, slowakei-treue Freunde besitzt.-., . Einer /tztt/iMtÄgimnPöv der Völkerbünde» und einer seiner treuesten tzknhänger' ist-ber Staatspräsident Benes, der sich niemals Illusionen Uber den Wert des Völkerbundes hingegcbcn und doch mit der ihm eigenen Zähigkeit an der Genfer Einrichtung festgchalten hat. Es wird die ausländischen Delegierten gefreut und in-ihrem Glauben an den Völkerbund gefestigt haben, lveün der Präsident der Republik versichert hat, daß wir unentwegt den-Ideen und Idealen des Völkerbundes ergeben bleiben. Ebenso hat sich der Ministerpräsideiit zu Genf bekannt und hat namens der Regierung erklärt, daß die Tsckiecho« slowakei bereit sei, an jeder Reform des Böllerbundes mitzuwirken, durch die seine Stärkung erzielt werden kann. Man wird auch sehr damit einverstanden sein, daß der Ministerpräsident den Völkern im Donaubcckcn eine besondere Aufgabe zuweisen will, die allerdings nur? im Einvernehmen mit den großen europäischen Nationen gelöst werden kann. Wenn schließlich der Ministerpräsident von der Gleichheit der Nationen um* Staaten gesprochen hat, zeigt das am besten, daß die Deutschen der Tschechoslowakei als Minderheit alles Jnteresie daran haben, den Völkerbund wieder stärker und politisch wirksamer zu machen, daß sie alles Interesse haben, die Idee der Verständigung der Nationen über die Ideologie der Gewalt in den faschistischen Staaten siegen zu sehen. In schreiendstem Gegensatz zu den In Preßburg gehaltenen Reden und Bekcnntnisicn zur Friedensidee steht die tags zuvor vom"deutschen Reichskanzler in Würzburg gehaltene Rode. Wir haben erst unlängst-an leitender Stelle daraüf hingewiesen, daß jede mit der Vertragstreue Deutschlands angestcllte Rechnung nicht stinunen wird. Nach der Rede Hitlers sind sogar die Aussichten auf einen Westpakt auf ein geringes Maß gefunken..Während man bisher gehofft hat, weyü auch nicht einen allgemeinen europäischen Pakt zustande zu bringen, so doch wenigstens den Frieden am Rhein durch ein. neues Locarno zü festigen, so find nun auch diese Hosfnuugeu auf ein Mindestmaß gesunken. Ilm so mehr geht aus der Rede Hitlers hervor, daß Deutschland eine Sicherung in Osteuropa nicht wünscht, weil eS eben ,In diesem Raum in,-erialistische Absichten hat...in diesem Gebiete auf Krieg uNd Eroberung stuilt. Da» lvachsende englische Jnteresie an Mitteleuropa, Ist der beste"Beweis dafür, daß Deutschlands Absichten.in der ganzen Welt erkannt werden.- Es lvird. erkannt, daß Deutschland"kelste kollektive Sicherheit will, während di« Demokratien von Westeuropa überzeugt, sind, daß. es leiste Sicherung durch zweiseitige Verträge gibt,- daß die Sicherheit vielmehr nur'eine kollektive sein kann,, daß sie nur allgemein, oder überhaupt Nicht sein-wird.-Hiner-kündigt'in'-seiner Rede bi»» selbstäudige Borgdhcii Deutschlands an-,-und hat Resierungserklariins Chautemps Für Frieden und sozialen Fortschritt Seite 2 Mittwoch, 8V. Juni 1087 Nr. ISS Ach dadurch wenigsten» das Verdienst erworben, manche Illusionen in den Auszenämtern.Europas zerstört zu haben. Will die Welt für den Frieden sorgen, dann mutz sie cs ohne Deutschland tun. So zeigen uns die Reden in Würzburg und Preßburg, datz zwei Welten einander gegenüber- stehcn: Die Welt der Demokratien, des Friedens und der Wohlfahrt der Menschheit und die Welt des Faschismus, des Krieges, der Katastrophen, der Zerstörung der Kultur. Für denjenigen, der der Menschheit, eine bessere Zukunft schaffen will, der mithclfen will,, die neue Ordnung der Welt aufzubauen, wird die Wahl, für welche der beiden Ideen er sich entscheiden soll, nicht schwer sein. Eine aufsehenerregende Streichung Verl in.(HavaS.)Jn dem amtlich« Text der Rede des MeichSkanzlerSH i t l« r in Würzburg ist der Satz nicht angeführt,' der graste Erregung hervorgcrufen hat:„Der Wunsch Deutschlands, die Eisenerz gruben in Nordspanien zu gewinnen, muß vor allen Erwägungen über internatlonake Zusammenarbeit zugunsten dcS Friedens den Vorrang haben". Heute ist eS schwierig, in Berlin Informationen, über diesen wichtig« Punkt der Rede Hitlers zu erlangen. Nlchtelnmlschungs- Ausschuß unter faschistischer Opposition London. Der NichtinterventionS-UnterauS« schuh trat Dienstag im Foreign Office unter dem Vorsitz von Lord Plymouth zusammen. Rib« bentro p, der überraschend nach London zurückgekehrt ist, und G r a n d i wohnt« der Sitzung bei. Das über die Sitzung, auSgezebene Communi« quö besagt u. a.: Lord Plymouth brachte einig« Anträge ans Erneuerung deS See-KontrollplaneS vor. Die franzSsifch« und die lritisch« Regierung sind bereit, die Verantwortung für die Durchführung deS Planes der Geekontrokl««nt- langdergesamtenfpanischenKüste zu übernehmen, und stimmen im Prinzip damit überein, daß sich auf dm Kontrollschisfm neutrale Beobachter befind«. Die französische Regierung stimmt auch damit überein, datz die britische Regierung für die Ausübung der Kontrolle entlang der-Küste verantwortlich sei, die in der Gewalt der spanischen Negierung ist und bah die französische Regierung für die Kontrolle entlang der von General Franco besetzten Küste die Verantwortung trage. Die Vertreter Belgiens, der Tschechoslowake i, S ch w e d e n» und Sowjet« ruhlands stimmten für ihre Regierungen mit den französisch-britischen Vorschlägen überein. Der d e u t s ch e und der i t a l i e n i s ch e Vertreter sprach«, obzwar sie erklärten, daß sie die englisch-französischen Vorschläge ihren Regierungen unterbreiten werden, grundsätzlich ihre Einwendungen au» und teilt«» mit, daß ihre Regierungen ihren Staatsangehörigen, die heute Funktionen von Beobachtern ausüben, den Rat erteilt haben, diese Funktionen niederzu- legen. Der»weite Punkt des dimStägigm Programms war dieAbberufungderfrem- d c n Freiwilliaen auS Spanien. Lord Plymouth hob neuerdings den lebhaftesten Wunsch der britischen Regierung hervor, daß in dieser Frage ehestens rin gutes günstiges Ergebnis erzielt werde. Auch der französische Vertreter erklärte, die französische Regierung habe dm Wunsch, daß mtsprcchendc Maßnahm« betreffend dl« Abberufung der fremden Staatsangehörigen a«S Spanien einschließlich die KriegSgefangmm und Berwundetm getroffen werdm. Rach langer Debatte wurde beschlossen, daß die nächste Sitzung am Freitag stattfinde, in der wieder über die Fragen der Seekontrolle und di« Frage der Abierufimg der fremdm Freiwilligen auS Spanien bemten werden wird. » Falls bis Freitag kein Kompromiß gelingt, 'besteht wmig. Hoffnung, daS gesamt«. RichtiNter-" vmtionSsystem in seiner jetzigen Form aufrechtzuerhalten. Mit dem Zusammenbruch des Kon- IrollsystemS wäre naturgemäß auch die Frage der Rvckleitung der ausländischen Freiwilligen auS Spanien als gescheitert zu betracht«. Wie in den. Abendstunden in London be- kant wird, hat die portugiesische Regierung die britische Regierung davon in KennMiS gesetzt, daß sie, solange keine Einigung in der Kontrollfrage erfolgt, diedenbr Hi scheu G teil»-' übe r w achungSbeamten in P o r- tugal zuerkannten Rechte außer Kraft s e tz t. Dir Grmzvtem>achüngSbmmtm könnet forciert weitsehende Die Börsen geschlossen Part». Drr Finanzminister machte im Finanzausschuß folgende Vorschläge zur Gesundung der Lage: 1. Die Grenz« der Vorschüsse der Bank von Frankreich an die Staatskasse um 10 Milltardm Francs zu erhöh«? 2. verschiedene Steuern und Abgaben zu erhöhen; 3. die niedrigste Basis für daS Verhältnis deS Franc zum Gold, welche im September des Borjahres durch daS DevalvationSgefetz festgesetzt wurde(Goldgehalt eines Franc zwischen 48 bis 43 Milligramm) aufzuheben. Auf die Benierkimg einiger AnSschußmit- glieder, daß dies« Maßnahme den Gegenstand einer vorhergehende» Verständigung unter den französischen, englischen und amerikanischen Ministern bildete, erklärte Finanzminister Bonnet, daß Neville Chamberlain und Morgentha« eine neue Erklärung in dieser Angelegenheit abzugeben b'ibstchtigen. 4. Der Finanzminister gab seine feste Entschlossenheit kund, neue Staatsausgaben jeder Art abzulehnen. ü. Der Finanzminister ist gegm eine Zwangskonversion der Rente». Er hofft, daß«S ihm gelinge» werde, die Konskribierung von Bons bei einem größere» Vertrauen deS Publikums wieder herzustellen. * Nachrichten auS den KammercouloirS zufolge erklärte Finanzminister B o n n« t, daß daS Defizit des diesjährigen französischen Staatsbudgets 8 bis 10 Milliarden, daS Defizit deS außerordentlichen Budgets 8)4 Milliarde» Francs betragen wird. Zwischen dem 1. bis 22. Juni ist aus Frankreich eine Gold fluch» in der Höhe von 5200 Millionen Francs, zwischen dem 23. bis 28. Juni«in« Goldflncht in Höhe von 2500 Millionen Francs zu verzeichnen. Nach fast vierstündiger SitzungSdauer genehmigte der Finanzausschuß den RegiernngSentwurf über die Gewährung einer Finanzvollmacht an die Regierung im Verhältnis von 20 gegen 1b Stimme». Sechs Ansschußmitglieder(fünf Kommunisten und ein Sozialist) enthielten sich der Abstimmung. Ma» nimmt an, daß die Rachtsitzung der Kammer zwar ziemlich bewegt sein wird, datz Vollmachten jedoch der Regicrungscntwurf schließlich mit der üblichen Bolksfrontmehrheit Annahme finde» wird. Französische Börsen geschlossen Paris. Da» französische Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, demzufolge di« französischen Börsen ab Dienstag, den 29. Juni, bis zu einem vom Finanzministerium zu bestimmenden Zeitpunkt geschloffen bleiben werden. Die Zahlung der vom Dienstag ab in Gold oder Devisen fälligen Handelsschulden kann auf Forderung des Schuldners hin eingestellt werden. DaS Dalum, von wann an die Erfüllung dieser Verpflichtungen gefordert werden kann, wird gleichfalls durch einen Erlaß des Finanzministeriums bestimmt lverden. Zwischenfall Blum—Senat Im Senat kam eS auS Anlaß der Berlefnng der Regierungserklärung zu einem Konflikt, der jedoch bald beigelegt wurde. Der sozialistische Postminister L e b a S soll d» einer Wählerversammlung erklärt haben, datz die Kammer alS»in auS der allgemeinen Wahl hervorgegangenes Organ, daS also den direkten Ausdruck deS Volkswillens darstelle, nicht dulden sollte, datz der Senat di« Regierung beleidigen dürfe, wir«S in dm letzten Tagen gegmüber der Regierung Blum geschehen sei. Senatrpräsident Ieanneney wollte diesen Angriff gegen den Senat noch vor der Verlesung der Regierungserklärung, die traditions- gemäh durch den Stellvertreter des Ministerpräsidenten/ also durch Leon Blum, erfolgen sollte: im Senat zur Sprache bringen, und lieh Leon Blum davon verständigen. Blum erklärte, daß eS unter seiner Würde wäre, der öffentlichen Desavouierung seines politischen Freundes beizuwohnm, und verließ sofort den Senat. Di« Verlesung der Regierungserklärung übernahm daraufhin Minister S a r r a«t. Der Zwischenfall wurde durch einen Briefwechsel zwischen JeanNMey und dem Ministerpräsidenten ChautempS beigelegt. Letzterer versicherte den Senat der vollen Hochachtung der gesamten Regierung. COPYRIGHT BY SATURN- VERLAG, WIEN Da sie gehorsam, demütig, willfährig und anstellig war, lieh er es sich gefallen, nahm sie nut und trat mit all der leblosen und dieser lebenden Beute den Heimlveg an. Nun kam er abermals an die Küste, nach drei Jahren wieder unter Menschen, seit er aber aus der Heimat sortgczogen, waren sechs Jahre vergangen. Jetzt lvar er freilich ein anderer geworden, ein gebräunter, von Sturm und Hitze, Fieber und Entbehrungen durch und durch ge- glühier, sozusagen ein dreimal gehärteter Mensch, aber wenn er es bedachte, war er eigentlich weiter gekommen, als da er, ein schmächtiger Bursch, ansmarschiert war, seine Zukunft zu erobern? Bettelarm stand er da, seine Ersparnisse dreimal angesammelt, Ivaren dreimal zerronnen. Freilich hatte er unbekannte, weite Länderstrek- ken durchstreift, die vor ihm keines Europäers Fuß betreten, hatte Karten ausgenommen und sorgfältig jeden Hügel, jedes Tälchen, jeder Wasserrädchen eingczeichnet, hatte wie ein schaffender Gott dieser Welt Namen gegeben und nicht unterlassen, einen Berg, welcher ein väterliches Haupt aus der Niederung erhob, Chaloupka« Spitze, zu Ehren des Gönners und Vaters der Reisenden, eine Salzpfanne nach seiner Heimat: Chrudimer-See zu nennen, ganz abgesehen von allen den Bächen, Hügeln, Ebenen, die fortan aus dem unerschöpflichen Schatze der Namen des österreichischen ErzhauseS getauft, an sein Vaterland erinnern sollten, wo bisher niemand davon wußte, künftig tvohl nur wenige daran denken würden. Ec besaß Sammlungen, die ihm als das Liebste auf der Welt galten und sein ganzes Selbst in diesen Jahren gekostet hätten, aber er kam, wie es das Los der Fahrenden seit jeher gewesen, doch recht arm und bloß unter die Vienschen zurück, ein Fremdling und angestaun« teS Wunderwesen, halb wild wie ein Eingeborener, halb lviffend wie ein Gelehrter, aber von einer Kenntnis erfüllt, mit der wenig anzufangen war. Sie taugte gerade noch, einen berühmt und merkwürdig zu machen, so daß die anderen nützlicheren Mitglieder der Gesellschaft ehrerbieiig sich Uber den Wandernarren im stillen verwunderten, aber zu wenig, ihm auch nur ein Gewand und des Lebens Notdurft zu verschaffen. Für seine Sammlung erhielt er keinen Bissen Brot, und cs hich nun, sich die Heimreise wieder zu verdieüen. So mußte er sich in dem britischen Küstenstädtchen ncuerM als Arzt niederlassen und durch eine mühselige Praxis die Mittel zur Rückkehr nach der Heimat ersparen. Wer außerdem beschrieb er seine Erlebnisse in den englischen Zeitungen, die dort erschienen, stellte seine Sammlungen aus, hielt Borträge über die Eingeborenen, erstattet« der britischen Regierung Anträge zur Förderung der Gesittung, des Ackerbaues der Neger, zur Erschließung von Handelswegen nach dem inneren Gebiete und erwarb sich in England und an der britischen Küste Afrikas immerhin einen ehrenvollen Namen, dessen Kunde von seinen beflissenen Landsleuten in Prag sehr begierig ausgenommen und weiterverbreitet wurde, so daß er auch zu Hause, wenngleich noch fem, doch bereits als. der dankbare und bedeutende Sprößling der Nation galt. Chaloupka, der Baier der Reisenden, erwies sich wiederum besorgt um seinen Günstling, sandte ihm«ine Geldsumme zur Heimfahrt, und die österreichisch« Regierung evivirkte ihm den frachtfreien Transport seiner Schätze. So konnte er nach einem letzten Arbeitsjahre mit aller seiner Habe und mit der kleinen Negerin das Schiff besteigen, das ihn nach London führen sollte, von wo er nach Prag zurückzukehren gxdachtc. Dort war unterdessen eine bedeutende Bewegung im Gange, ihn zu feiern und als Na tionalhelden zu begrüßen. Chaloupka hatte die Zeitungen zu schwungvollen Artikeln begeistert, und die Kunde von dem Afrikabezwinger Doktor Hesty drang durch das ganze Land. Natürlich befiel diese Siegsnachricht auch seine alte Braut und evlveckte längst begrabene Wünsche und Hoffnungen. Nun gedachte- r sie den Flüchtling endgültig zu gewinne», und sich seiner zu versichern. Sie suchte Chaloupka aus und stellte sich dem Erstaunten als die Braut des berühmten Mannes vor, die herzlich und zuversichtlich acht lange Jahre, ohne der früheren Zeit zu gedenken, des Abwesenden geharrt. Zwar war sie recht derb und herb geworden, aber jedes graue Haar, jede Falte um ihren Münd, jede Runzel in ihren Augenwinkeln, legte höchst ehrenvolles Zeugnis für ihre Geduld ab. Und wenn Chaloupka den Geschmack feines Schützlings nicht teilen wollte, so war doch die Legende solcher, alle Hindernisse der Trennung überdauernden bräutlichen Treue, zu köstlich, um nicht vor der ganzen Oefsentlich« leit als rührender Beweis der" nationalen Wei- beswürdezu dienen. Die Außenstehenden brauchten ja nicht zu wissen, wie die Heldin aussah, wie alt sie war, und/daß ihr die Borderzähne fehlten. Genug, die acht- und mehrjährige Verlobte hatte sich dem Geliebten ausbewahrt. Der Ausschuß, der sich zur Begrüßung und weiteren Förderung HeflYS gebildet hatte, zog sie als Ehrenjungsrau bei, und schließlich reiste Cha- loupka mit zwei anderen Herren und mit der berühmten Jungfrau nach London ab, um Hesky beim Betrete» europäischen Bodens willkommen zu heißen.. Diese kleine Schar stapd am.i User der Themse an der Landungsbrücke und erwartete das Schiff, das den Ersehnten hierher bringen sollte. NichtSqhnend, zufrieden/ die. Beschwerden sieben afrikanischer Jahre und die letzten Müh« seligkeiten der Seefahrt hinter sich zu haben, bestieg Hefly mit der kleinen Bella das Boot, da» vom,Schiff»! abgelassen wurde, um di« Reisenden ans Land zu sitzen. können in Portugal verbleib«, dürf« aber ihm Funktion'bis auf weiteres nicht auSüben. Die Zahl der gegenwärtig In Bpanlei» befindlichen italienischen Freiwilligen wird auf 80.000, die der deutsche» auf 8000 geschätzt, doch sind diese Schätzungen nicht amtlich. Vie Verstaatlichung 0er Rüstungsindustrie Paris.„Populalre" meldet, daß dke Geltendmachung des Gesetzes über die Verstaatlichung der Erzeugung von Kriegsmaterial durch die Verstaatlichung der Schneidert schon Werke in Le Havre fortgesetzt wurde. USA an die Welt Washington. Präsident Roasevelt und der belgische Ministerpräsident van Z« e- la n d veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung, in welcher es heißt, daß die Vereinigt« Staate« von Amerika geneigt sind, an dem kollektiven Werk der wirtschaftlich« und internationalen Wiedergeburt deS Handel», an der Lösung von Währungsfragen und an der R ü- stungsbefchränkung mitzuarbeiten. Missionare als„trotxklstlsche Terroristen"? Moskau. Der Anzeiger des Boflskonnniffa« rkateS für Eisenbahnen teilt mit, daß 25 baptistische Missionäre, die im Jahre 1929 aus Amerika über Deutschland nach Rußland gekommen waren, wegen Organisierung der Spionage in Weißrußland unb in der Mraine verhaftet worden sind. Sie werde» weiters beschuldigt,-daß sie in den Missionsschulen, die nach außen zur Ausbildung von Missionären für den Sotvjewerband bestimmt waren, Spione und Saboteur« geschult haben. Die Trotzkistenprozeffe solle» zur Enthüllung geführt haben, daß zahlreiche Priester und Missionäre trohkistische Terroristen waren. Britischer Dampfer rettet Reglerungsflleger Valencia. Da» Nationalverteidigungsministerium meldet: Montag gegen Mittag wurde ein Regierungsbomber von einem deutschen zweimotorigen Flugzeug angegriffen und in Brand geschossen, so daß er ins Meer äbstürzte. Seine vlerköpsige Besatzung würde'vön'dem britischen Dampfer„Nailsea Manor" geborgen und nach Carthagena gebracht. Eines der Besatzungsmitglieder ist unterwegs gestorben. Der Kommandant des Flugzeugstützpunktes wurde vom Nationalverteidigungsminister beauftragt, dem Kapitän des englisch« Schiffes im Namen der spanischen Regierung den Dank für sein« opferbereite Hilfe auszusprechen. Blomberg In Budapest Budapest. Reichskriegsminister Blomberg ist. im Flugzeug in Budapest eingetroffen. Bon ferne sah er Fahnen winken, Sacktücher wurden geschwenkt und eine Kapelle spielte. Himmel und Hölle, wer stand dort am Landungsstege neben Chaloupka? Berta, seine gewesene Braut! Und darum Afrika und sieben Jahre der Mühsall Hefly winkte mit beiden Händen zur Abwehr und rief, mitten in die Hurrarufe der Begrüßenden, mitten in das Dröhnen der Blechmusik:„Liebe Berta, das fft nichts mit unSI Ich habe dir ja geschrieben! Du hast meinen. Brief bekommen! Daraus wird nichts!" Er wollte gar nicht auS- steigen und lieber nochmals nach Asiika zurückkehren, als in die Arme seine» BegrüßungSauS» schusseS sinken. Aber schon war der beleibte Cha« loupka auf das Boot gesprungen und holte den Widerstrebenden rettungslos ans Ufer. Da stand er nun wieder im alten Elend! Nur mit Mühe konnte man ihn daran hindern, auszureihen und vor der ganzen tschechischen Heimat daS Weite zu suchen. Mit seiner gewesenen Braut sprach er kein Wort und zeigte nur«in finsteres Gesicht, denn nun war ihm seine ganze Biographie versalzen. Das arme törichte Frauenzimmer wußte sich nicht zü helfen, so wandte sie sich mit bittersüßer Zärtlichkeit an Bella und tat ihr schön, obgleich.sie im Herzen Zeinen gewissen Argwohn nicht-unterdrücken konnte, als sei. die kleine. Negerin irgend ein Zeugnis von Hesky» unerlaubten Erlebnissen im fernen Afrika. Dies« ober ging auf die täppischen Annäherungsversuche nicht ein, sondern fletschte ihr einmal mit einem Schrei entgegen,, so daß Berta enffetzt zurückfuhr', und als sie, um da» innige Fntereffe für alle», was den geliebten Mann betraf, zu beweisen»'ihr wiederum den seidenweichen, braünen Arm streichelte, bekam sie von dem schwarzen Kind ei»«», so gründlichen Schlag auf-die Hand, daß sie, mit einem teilnahmesuchenden Blick auf. die Gefährten, entrüstet von der Wilden abrllckte und weitere Bemühungen, die Spröde zu gewinnenaufgab. lFortsetzung folgt.) 9tt. 152 Seite 3 Mittwoch, 30. SM 1937 Sudetendeutscher Zeitspiegel V Beilegung der Krise m» den Kaschaner Blir- gernreister. Im Vorjahre wirbelte die Affäre des Kaschäuer BürgcuneisterS Maxon viel Staub auf. Maxoü war mit einigen Gesinnungsgenossen aus der tschechischen Gewcrbepartel wegen seines ablehnenden Standpunktes dem Minister Najman gegenüber ausgeschlossen worden. Gegen die Niederlegung des Bürgermeisteramtes wehrte er sich jedoch und es kant zu Neuwahlen, bei denen Mäxoä mit einer eigenen Gruppe in den Wahlkampf zog und zwei Mandate erzielte. Die tschechischen Parteien wollten, mit Ausnahme der Gewerbopartei,' Nlaxoä wieder' zum Bürgermeister'wählen. Daraufhin leitete die Gewerbe- pärtei, die einen aufsehenerregenden Affront fürchtete, mit/Maxoü Verhandlungen ein und hat sich nunmehr mit ihm völlig anSgesöhnt. Maroü tritt wieder der Gcweribcpartei bei und wird wieder Bürgermeister von Kaschau.(LStD.) lichew Zusammenlebens, sondern mit dem Bewußtsein, mit dem Denken desEinzelnen bereits gegeben — eine Erkenntnis, die an die gedankliche Arbeit Kants erinnert und deren Bedeutung vielleicht erst später aufdämmern wird. Wie so viele großen Geister ist auch Adler das tragische Schicksal zuteil gelvordcn, daß er nicht in seiner ganzen Größe erkannt und ge- Iviicdigt wurde. Bürgerliche Engherzigkeit ist schuld, daß er nur den Titel eines außerordentlichen Professors trug, zum Ordinarius hat ihn der Senat der Wiener Universität niemals vorge- schlagcn, obzwar sein Name noch genannt werden wird, wenn die meisten seiner Universitäts- Kollegen längst vergessen sein werden. Er war Sozialist und deshalb verfemt bei jenen, die politisch über den engen Gesichtskreis ihrer Nlein- biirgerlichkeit nicht hinauSsehen, die eine wissenschaftliche Großtat nur deswegen nicht würdigen, weil ihr Schöpfer eine für die Massen bessere Ordnung der Gesellschaft ersehnt und anstrebt. Um so mehr wird er in den Hirnen und Herzen all jener weiterlcbep, die von ihm gelernt haben, deren geistiges Leben er bereichert, deren Sinn er gelenkt hat. In der GeistcSgcschichte des Sozialismus gebührt ihm ein Ehrenplatz, sein unerhört reiches Lebenswerk wird fortwirken. Was nach einem Klassikerwort dem Mann das Leben nur halb erteilt, wird ganz die Nachwelt geben. Emil 8 t'ra u ß. Aktivistische Zusammenarbeit Im Reichenberger Gebiet Am Freitag tagte In der Volkshalle des Rei- berger Rathauses eine von den aktivistischen Parteien einberufene Konferenz von mehr als hundert Delegierten der Gemeinde-undBezirkS- vertreter des Reichenberger Bezirkes. Nach der Eröffnung der Tagung durch Herrn Bobek und nach einem Referat unseres Genossen R e h- Wald und nach kurzer Debatte wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen: »Die Konferenz nimmt mit Befriedigung und Zustimmung die E r g e b n i s s e der nationalpolitischen Verhandlungen vom 18. Feber 1987 zur Kenntnis und eüblickt in diesen Ergebnissen die grundsätzliche Anerkennung der berechtigten Forderungen der sudetendeutschen Bevölkerung nach voller nationaler, wirtschaftlicher und sozialer Gleichberechtigung und einen großen Fortschritt in den Bemühungen der führenden Männer der tschechoslowakischen Demokratie und der sudetendeutschen Attivis- mus auf dem Gebiete der Völkerverständigung und der reftungSlosen Zusammenarbeit der Nationen unserer Staates. Indem die Konferenz ihre Befriedigung über diesen' grundsätzlichen Fortschritt zum Ausdruck bringt, hält sie es für notwendig, darauf zu verweisen, daß der Geist der 18. Feber bis jetzt bei verschiebenen unteren Behörden und Staatsstellen entgegen den Interessen des Staates noch nicht Eingang gefunden hat, weshalb sie« an alle verantwortungsbewußten Staatsmänner den dringenden Appell richtet, allen Versuchen der Umgehung der Beschlüsse der 18. Feber aus staatspolitischen Gründen mit größter Entschiedenheit entgegenzutreten. '.Die Konferenz erklärt gleichzeitig ihr unerschütterliches Bekenntnis zur tschechoslowakischen Demokratie und ihre Entschlossenheit, die demokratische Swätrföpm al? den geeigneten Boden für die Erfüllung der berechtigten Erfordernisse der sudetendeutschen Bevölkerung mit allen Mitteln zu verteidigen. Sie spricht den aktivistischen Parteien ihr volles Vertrauen aus und wird' ihre Bestrebungen mit tülen zweckdienliche» Mitteln unterstützen," eine Ehrenpflicht seiner Anhänger sein, das Buch aus seinem wissenschaftlichen Nachlaß herauSzu- geben. Adler hat in den bisher erschienenen zwei Bänden die vielen Mißverständnisse, denen die Marx'sche Geschichtsphilosophie ausgesetzt war, klargelcgt. hat die Einwirkungen der Wirtschaft, des Staates, der Rasse, der Nation, der Familie, der psychologischen Faktoren, des freien Willens, deS Zufalls, der Gewalt auf die Geschichte untersucht und so ein Lehrbuch der Geschichtsphilosophie im besten Sinne des Wortes geschrieben. Sein letztes großes Werk:„Das Rätsel der Gesellschaft" ist erst voriges Jahr erschienen, der Verfasser ist vor seinem Ableben zu seinem Lieb- lingSthema, der erkenntniskcitischen Grundlegung der Sozialwissenschaften zurückgekchrt. Er hat da eingehend nachgewiescn, daß das Soziale bereits im Denken des Menschen gegeben Ist. Jede Erkenntnis beinhaltet etwas Soziales insofern, als sie auch für den anderen als Erkenntnis gilt. Dadurch unterscheidet sich die Wirklichkeit beispielsweise vom Traum, der Erlebnisse darstellt, die nur dem Träumenden eigen sind, während sie für den Nebenmenschen keine Erfahrungstatsache, keine Wirklichkeit bilden. Das Soziale i st also nicht erst das Ergebnis mensch- Auch deutsche HllfSbedlenstete für den Polizeiwachdienst Das Innenministerium schreitet zur Neuaufnahme einiger Hilfsbedienstetcn für den Polizeiwachdienst. Da auch in diesem Falle deutsche Antvärter berücksichtigt werden, macht die Zentralstelle der deutschen aktivistischen Parteien auf diese Stellenausschreibung ausdrücklich aufmerksam. Diese Dienststellen werden bei den staatlichen Polizeibehörden Böhmens, zum geringeren Teile auch Mähren-Schlesiens und der Slowakei besetzt. Die Stellengesuche müssen längstens bis zum 17. Juli d. I. persönlich oder durch die Post bei der Polizeidircktion jener Landeshauptstadt überreicht werden, in deren Bereich der Gesuchsteller seinen Wohnort hat. Die mit der Post eingeschickten Gesuche müssen so ausgegüben werden, daß sie spätestens bis zum 17. Juli d. I. am-Bestimmungsort eintressen. Gesuche,„ die nach dem 19, August, also schon außerhalb der Ausschreibungsfrist, einlangen, werden, sofern sie sonst den Bedingungen entsprechen, so behandelt, als wären sie im Rahmen des Wettbewerbes eingebracht worden, Bewerber auS früheren Stellen« auSschreibuNgen, die verständigt wurden, daß sie im Vorwerk für einen eventuellen späteren Bedarf bleiben, müssen ihre Gesuche nicht wiederholen. ,(DND) Ein bedeutsames und. ruhmreiches Kapitel sozialistischer Geistesgeschichte wird uns durch den Tod Max Adlers, den wir gestern kurz mitgeteilt haben, in Erinnerung gerufen. Max Adler gehört in die Gruppe der Hilserding, Renner und Bauer, welche mit ihm die austromarxistische Schule gebildet haben und denen der wissenschaftliche Sozialismus eine Bereicherung und Vertiefung verdankt, die ihnen allen einen Platz in der Geschichte der sozialistischen Erkenntnis sichert. Max Adler hat in dieser Grupp« eine Son, Herstellung eingenommen: er war der Philosoph und Erkenntnistheoretiker de» Marxismus seit mehr als 80 Jahren, während welchen er bin« umfassende, weitausgreifende Arbeit geleistet hat und auf Grund welcher man ihn wohl als den stärksten philosophischen Kopf Unter den Schülern von Marx und Engels bezeichnen kann. Seine Lebensarbeit bestand darin, dem Marxismus oder überhaupt der Sozialwissenschaft feste erkenntnistheoretische Grundlagen gegeben zu haben. Er knüpfte in dieser Hinsicht an den größten Philosophen aller igelt, an Immanuel Kant, an. Wie Kant die Erfahrungen der Natur untersucht, die philosophischen Grundlagen der Naturwissenschaften gchriift hat, so hat Max Adler die soziale Erfahrung zum Gegenstand seiner Untersuchung gemacht. Die Entwicktung von Kant bis Adler ist jene vom Individuum zur Gesellschaft— einer der wichtigsten geistigen Fortschritte im europäischen Geistesleben in den letzten'189 Jahren. Dies« geistige Lebensaufgabe, die Adler sich gesetzt und die er glänzend erfüllt hat, erkennt man schon in seinem philosophischen Erstlingswerk „Kausalität und Teleologie im Kampf um di« Wissenschaft"(1994). Im 19. Jahrhundert hatten viele Philosophen«inen grundlegenden Unterschied zwischen zwei Gruppen de» Wissen» gemacht und erklärt, daß das Grundgesetz der Naturwissenschaften die K a u s a l i t ä t sei, d. h. daß es die Aufgabe dieser Wissenschaften sei, di« Ursachen der Naturerscheinungen zu ergründen, während die Sozialwissenschafte» zweckbestimmt seien, eS ihre Ausgabe wäre, Normen aufzustellen, nicht zu erklären, warum es so sei, sondern wie eS sein s o l l e. Adler wies demgegenüber nach, daß auch die Sozialwissenschaft eine Kausavviffenschaft sei, nur daß die soziale Kausalität anders verläuft' al» die natural«, daß die Ursachen der Geschehnisse durch den Menschen hindurchgehen und als Absichten, Bestrebungen, WiNe hervortreten. Damit wurde erst die von Tomte begründete Soziologie auf eine feste, wissenschaftlich einwandfreie Grundlage gestellt. .... Pies«.Auffassungen hat,Adler in^d«r Vorkriegszeit iw wissenschaftlichen AüffÄen: und in seinem 1918 erschienenen Buche»Marxistische Probleme" weiterentwickelt, in seinem schönen Bucht„Studien zur Geistesgeschichte des Sozialismus"(1914) popularisiert. In diesem Werke, das noch heut« Insbesondere für jüngere Sozialisten eine Quelle ungetrübter Freude an wissenschaftlicher Erkenntnis ist, gibt er eine Darstellung der Anschauungen großer Denker wie / Rousseau, Schiller, Kant,' Ficht«, Marx und Engels, welche die geistige Verbundenheit des Sozialismus mst den tiefsten vormarxistischen Denkern aufzeigt.«Der modern« Sozialismus", so sagt er im Vorwort,„fühlt sich als der geistige Erbe aller Aufwärtsbestrebungen des Denken» und Schaffen» der besten Geister der Vergangenheit... Au» diesem Bewußtsein seiner Zusammengehörigkeit mit der bisherigen geistigen Entwicklung erwächst ihm da» besondere geschichtliche Verständnis seines Wesens, da» mit seiner Gegenwartsarbeit und ZukunftSforderuri'g zugleich die Gedanken der Vergangenheit vollendet." •■ Das tiefe Erlebnis des Weltkriege» zeigie Adler al» unbeugsamen Sozialisten und Inter« Nationalisten. Er ließ sich von keiner imperialistischen KriegSIdeokogie bestimmen, sondern trat in seinen Schriften„Prinzip oder Romantik" ■(1015),„Zwei Jahr«.11"(1918) und vor allem in„Klassenkampf gegen Völkerkampf" (1919) dagegen auf, daß der Krieg eine kulturfördernde und entwicklungsnotwendige Macht ist. Ueberall hebt er den Gesichtspunkt des internationalen solidarischen Klassenkampfe» des Proletariat» hervor, eine These, der er auch in. seinen späteren Schriften treu bleibt. Er hat ein« ganze Reihe kleinerer Werke in den. ersten Jahren nach dem Kriege verfaßt bzw. neu aufgelegt, so je eine Über die beiden Begründer de» wissenschaftlichen Sozialismus„Marx al» Denker"' und„Engels als Denker", dann„Der Sozialismus und die Intellektuellen",„Der Marxismus al» proletarische Lebenslehre",»Neue Menschen", ein Buch über' sozialistische Erziehung,„Die Ausgaben der Jugend" und ein philosophisches Werl„Kant und der Marxismus". Ebenso griff er in die Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten uns Kommunisten«in, erwähnt sei insbesondere das Buch„Politische oder soziale Demokratie?". Schließlich seien noch zwei große Werke'charakterisiert, mit deren Abfassung er die letzten Jahre / seine»/ Lebens- verbrachte.. Das eine— leider unvollendet geblichene— ist eines seiner systematischesten Werke, da»„Lehrbuch der materialistischen Geschichtsauffassung", dessen erster Band 1980, dessen, zweiter 1982 erschien. Den dritten Band hätte Adler, wie er vor ,' tvenigep/Monaten,.da er in Prag zwei Vorträge' ' hielt, erzählte, itn Manuskript fertig und es wird Tumulte in der Mixdorfer Stadtvertretung. !Ji».der letzten Sitzung der Nixdorfep Stadivcrirc- tung kam«s zum Schluffe der Sitzung zu Tumulten, die durch eine erregte Auseinandersetzung zwischen der Henleinfraktion und den anderen Fraktionen hervorgcrufen wurden. Die Henlein- fraktio» verließ die Sitzung vorzeitig und der Bürgermeister schloß die Sitzung tvährend des Tuniul- tcs. Veranlaßt wurde ec durch die Abfassung des letzten Baukommissionsprotokolles durch den Schriftführer, der der SdP angehört. International!« Kongreß tter Frauenliga für friede und Freiheit. Im mährischen Bad Luhatschowitz findet vom 27. bis 81. Juli der neunte internationale Kongreß der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit statt. Rednerinnen aus Frankreich, England, Holland, Dänemark, Schweden, der Schweiz, der Bereinigten Staaten von Nordamerika sowie aus der Tschechoslowakischen Republik worden über die Notwendigkeit einer, neuen internationalen Ordnung, Aer einen wirklichen Bund der Völker sowie über eine Reihe von Tagesproblemen sprechen, worunter die spanische Frage die erste Rolle spielen wird. Interesse beansprucht jedoch auch die Frage der Zusammenarbeit der Tschechoslowakischen Republik mit Ungarn und der Tschechoslowakischen Republik mit Polen.— Uckbrigens wurde eine Abordnung der Karlsbader Ortsgruppe jüngst in Karlsbad von der Gattin des Staatspräsidenten. 10.009 Werberkarten versandte die Deut- scheJugendfürsorge zu Beginn des Werbemonates April an die deutsche Lehrerschaft und befreundete Verbände und Körperschaften. 170.9 Meldungen, also etwa ein Zehntel aller Neumeldungen. waren das Ergebnis. Täglich langen noch ausgefüllte Wetterkarten ein. Die.ElnscndungSfrist ist, zahlreichen Wünschen folgend, auf den 15. September 1087 verschoben worden. Die Werbung geht weiter! Rin licht Ist erloschen Das geistige Lebenswerk Max Adlers Rekrutierungskomitee für das Dritte Reich In Tächau wurde von den Sicherheitsorganen seit längerer Zeit beobachtet, daß dort eine gewisse Bcrmittlertätigkcit für das Dritte Reich besorgt wird. Daß es sich um die Rekrutierung tschechoslowakischer Staatsbürger für das Dritte Reich handelt, wurde erst zur Gewißheit, als zwei„Heimkehrer", die als Arbeiter, aber nicht als Rekruten ins Dritte Reich wollten, erzählten, was ihnen widerfahren ist. Die Nachforschungen ergaben dann, daß ein gewisser Grünbauer in Tachau ein eigenartiges Büro leitet. Es wurde eine Haussuchung vorgenommen, die belastendes Material zutage förderte. Grünbaucr hat seine Kumpane verraten, um sich selbst eine mildere Strafe zu sichern. Bemerkenswert ist, daß er auch einen Angestellten der Bezirksstelle des Bundes der Deutschen in Tachau als„M i t a r b e i t e r" angegeben hat. Belm Reichsaufmarsch der Republikanischen Wehr sprechen: Vizepräsident Siegfried Taub, Gnsii Schaffer und Edmund N o h a L beim RW- Appell am 3. Juli um 18 ilhr im Stadion. Abgeordneter Wenzel Iaksch, Alois Ullman n und Bizc-Biirgcrmcistcr Heinrich I e n t s ch bei der Abcndfeier am 3. Juli um 20 Uhr im Warmbad, Klcischc. Minister Dr. Ludwig C z c ch, Senatspräsident Dr. Front. Soukup und Ernst Paul bei der Kundgebung am 4. Juli um 11 Uhr auf dem Anssiger Marktplatz. Abgeordneter Franz Kügler beim Schlußappell am 4. Juli um 18 Uhr im Stadion, erscheint In Hassen! Bayern baut die Konsrua ab Wegen der staatsfeindlichen Einstellung der Kirche München. Vor über 18.099 Zuhörern sprach in Fürstenfeldbruck Gauleiter und Staatsminister Adolf Wagner über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Er erklärte u. a.:„Wenn man schon seitens der Kirchen keine Leistungen des nationalsozialistischen gleiches anzuerkenncn geneigt ist, so müßte man doch zumindestens anerkenne», daß durch diese Leistungen di« Einnahmen der Kirchen erheblich gesteigert worden seien. Die Einstellung der Kirchen zlväiige ihn nun, die freiwilligen finanziellen Leistungen des Staates im Verlauf der nächsten drei Jahre in Bayern nach und nach zu kürzen. Es könne nicht die Aufgabe des Staates sei», eine Organisation finanziell zu unterstützen, die nichts anderes als den Kampf gegen den Staat betreibe. Das Bündnis Warschau—Bukarest Bukarest. Der Sonderberichterstatter der ..Lupta" meldet aus Warschau, daß der polnisch« Marschall! Rydz-Smigly nicht, wie eS Montag hieß, bereits in den nächsten Tagen, sondern erst anläßlich der KönigSmanöver, also im Herbst, zu einem Besuche nach Bukarest kommen werde. Vorher dürfte, wie in unterrichteten Bukarester Kreisen verlautet» der polnische Generalstabschef zum Besuche seines rumänischen Kollegen nach Bukarest kommen. Die„Lupta" meldet ferner, daß das polnisch-rumänische Bündnis vom 26. März 1931 „unter dem direkten Einfluß König Cckrols und des Marschalls Rydz-Smigly nunmehr neuerlich den Wert erhält, iwn eS zu r Z e i t d eS M ar« schallSPilfudski gehabt habe". * Bukarest. Der neuernannte tschechoslowakische Gesandte Dr. Ferdinand B e v e r k a trifft Ende dieser Woche auf dem Luftwege in Bukarest ein, um König Carol sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Moskau. lHavas.) Das Moskauer Gericht verurteilte sieben ehemalige Beamte des Finanzamtes, Bereich Kunzew, zu Gefängnis in der Dauer von zwei bis acht Jahren wegen Verschleuderung staatlicher Fonds. Ankara. In den letzten Tagen haben Militärabteilungen ihre Operationen gegen die aufständischen Nomadenstämme im Dersim-Gebirge fortgesetzt. Die Negierung hofft, daß sie den Aufstand leicht unterdrücken wird. Dr. Sviha gestorben. I» seiner Wohnung in Prag-Weinberge starb Dienstag früh im Alter von 60 Jahren der ehemalige BezirkSrichker und Abgeordnete der tschechischen nationalsozialistischen Partei im österreichischen Parlament, JUDr, Karl S v i h a, der nach seiner Dienstcntsagung privat in der Fabrik Waldes angestcllt gewesen war.— Kurz vor Kriegsausbruch Ivar Sviha, der Vorsitzender des parbmientarischen Klubs der tschechischen Nationalsozialisten war, wegen seiner Beziehungen zum Erzherzog-Thronfolger Gegenstand einer Berleumdungsaffäre. Am». März 1914 wurde er in einem Artikel der„Närodni listy" öffentlich beschuldigt, ein bezahlter Kon« fidient der österreichischen Polizei zu fein. Sviha-überreichte gegen den verantwortlichen Redakteur, Dr. Heller, die Ehrenbeleidigung»« klage, verlor jedoch den darauffolgenden Prozeß, da Dr. Heller von den Geschworenen! einstimmig freigesprochen wurde. Dies war der Auftakt zir einer stürmischen Kampagne gegen Dr. Sviha, in der der spätere Präsident T. A. Masaryk auf feiten des Angegriffenen stand. Obwohl Sviha eigentliche Konfidontendienste niemals nachgewiesen wurden und auch niemals irgendjemand auf Grund von Angaben, die er hätte machen könnens verfolgt oder verhaftet worden ist, mußte er«»ter dem Druck der öffentlichen Meinung aus dem Parlament und dem Staatsdienst auSschei- den. Er. ist nie wieder öffentlich hervorgetreten. Gelte 4 Mittwoch, 30. Juni 1937 M. An alle Leser, Abonnenten und Verschleißer I Anläßlich des Feiertages am Montag, den 8. Juli, erscheint unsere DienStag-AuSgabe erst am Mittwoch, de« 7. Juli, zur gewohnten Stunde. Die Verwaltung. TiAestmügMkn, Doktor Pangloß Diese Betrachtung stammt— sonderbarerweise— aus der Bata-Zeitschrift„Weitblick'. Prager Blätter brachten die Nachricht von einem Arbeiter namens Wenzel Masck aus dem Vorort ZiZkov, der plötzlich wahnsinnig geworden war und interniert werden mußte. . Maick war lange Zeit ohne Arbeit gewesen. Eines TagcS aber fand er wieder Arbeit. Glückselig arbeitete er den ganzen Tag. Bor Freude über seine Beschäftigung wurde er dann in der Nacht irrsinnig. Wahrscheinlich doch wohl nicht ganz so irr- sinnig wie eine Zeit und eine Menschheit, die starke, gesunde, arbeitswillige Männer jahrelang beschäftigungslos herumlungcrn läßt, bis ihre Nerven so kaputt gehen, daß sie beim Eintreten normaler Lcbensbedingungcn vor Freude seelisch zusänimenbrcchcn. Während andererseits Mil- lioneN Menschen die Waren, die infolge dieser famosen Weltordnung nicht erzeugt werden, auf das schmerzlichste vermissen, sie aber nicht kaufen können, weil sie keine Arbeit haben, weil die Waren nicht erzeugt werden können, die die Menschen zwar brauchen könnten, aber nicht kaufen können, weil sie keine Arbeit haben, weil die Waren nicht erzeugt werden können, die die Menschen zwar brauchen könnten,... dieser Satz kann beliebig lang fortgesetzt werden, solange, bis Sie selbst, lieber Leser, Ihr Gehirn sich drehen fühlen... . Die Krise ist seit kurzem vorüber. Der Ar- beiter Maöek wird nicht mehr viel Freude davon haben. Mit ihm Tausende anderer, die zwar nicht gerade wahnsinnig geworden sind, aber doch seelisch und moralisch so untergraben wurden, daß sie nicht mehr in normale Lcbensbcdingun- gen zurückfinden können. Zu ihnen dürften die vertierter jungen Menschen gehört hoben, die, ebenfalls seit langem arbeitslos und hungernd, ein junges, schönes Mädchen, namens Ingrid Windgreen, das im Auto zu ihrem Freunde fuhr, überfallen, ermordet und ausgeraubt haben, und die vor kurzem in Wie« hingcrichtct worden sind. Auch für diese hat also, wie für den Arbeiter Mosel, die leider ein wenig zu spät aufgehört. Es gibt einen genialen alten Roma» von Voltaire, betitelt:„Candide ou l'optimis- me". Die Hauptfigur dieses Romancs ist ein Philosoph namens Pangloß, der bei jedem Widersinn, bei jedem Verbrechen und Unglück, das durch die Dummheit und Borniertheit der Menschen verursacht worden ist, seinem Schüler Eändide schlagend beweist, da sei/eben nichts zu machen, so sei oben der Gang der Welt, alles befinde sich in der schönsten Orduuug.und wir lebten„in. der besten aller denkbaren Welten". Solche Doktoren Panglössc gibt cs. leider auch heute ziemlich viele.... Mord an drei Schulmädchen. In einem Walde In der Nähe von Jnglcwood(Kalifornien) wurden die Leichen dreier Mädchen im Alter von sieben bis neun Jahren gefunden, und zwar der Schwestern Melba und Madeleine Evrett und Jeanette Stcphensou. Die Mädchen waren bereits seit Samstag abgängig und konnten Nicht aufgesunden werden, trotzdem 60 Personen die Suche nach ihnen ausgenommen hatten. ES wurde festgestellt, daß die Kinder das Opfer eines Mörders geworden sind, der sie in den Wald lockte, zwei von ihnen vergewaltigte und dann alle drei lötete. Militärflieger verunglückt. Unweit.des Flugplatzes in Novi(Ligurian) stürzte ein italienischer Militärslugzeug ab und verbrannte. Der Pilot und der Mechaniker kamen dabei umS Leben.— Ein Schulflugzeug der Militärflugstation Cintra (Portugal) stürzte Montag abends nahe der Küste ins Meer. Maffenvergiftung. In der Irrenanstalt in Morctta(Italien) kam cS, wahrscheinlich infolge einer Verunreinigung der Essens, zu einer Mas- senvergistung. Neunzig Kranke wurden ins Spital gebracht, wo zwei davon starben. Die deutschen SittlichkeitSprozeffe. In einem Prozeß in Bonn gegen Angehörige des Ordens der Alexiancr' in Köln-Lindenthal stellte der Staatsanwalt fest, daß von diesem Orden, der zur Zeit 00 Mitglieder umfaßt, 53 Mitglieder wegen Sittlichkeitsverbrechen angeklagt wurden. In dem gestrigen Prozeß Ivurdcn die Angeklagten wegen zahlreicher Sittlichkeitsverbrechen zu Gefängnis von sechs Monaten bis zu einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Infolge Ncberfahrens des Haltesignals stießen in Rio de Janeiro zwei Vorortezüge zusammen. Bier Fahrgäste waren auf der Stelle tot. 20 Schwerverletzte und etwa 50 Leichtverletzte wurden in die umlliegenden Krankenhäuser eingeliefert. Zur Bergung der Verunglückten und Räumung der Strecke mußte Militär eingesetzt werden. - Die Sorgen des„Völkischen Beobachters". Im Fragekasten dcS„B. B.", des offiziellen Organs der NSDAP, der Reichsregierung und speziell Alfred Rosenbergs und Hitlers, finden wir am 22. und 28. April d. I. folgende Notiz: Ich gehörte der NSBO vor der Machtergreifung an, ohne Parteigenosse zu sein. Heute bin'ich SS-Mann, darf ich den Ärmwinkel tragen? Antwort: SS-Männer, die vor der Machtergreifung der NSBO angehörten, dürfen den Armwinkel tragen. e Ich sah. am Geburtstag der Führers einen Mann im Braunhemd mit einer Hakenkreüzarm- binde, auf der 2 Sterne und eine platzende Granate aufgesetzt waren. Was bedeutet das? Antwort: Die Armbinde, die Sie beschreiben, wurde in den ersten Anfängen der Bewegung vom damaligen Regiment München der SA. getragen. Andere Sorgen kennt das deutsche Volk wahrscheinlich nicht als Aussehe» von Armbinden und Armwinkeln. Von Arbeit und Brot wird nicht mehr geschrieben. Das steht nur noch über der Zeitung: Für Freiheit und Brot,(bz) Die Prado-Schätze im Louvre. Die spanische Regierung, die bereits seit langem die Schätze des Prado-Museumi in- Madrid aus der belagerten Stadt entfernt und in Valencia ausbewahrt hat, hat den Vorschlag gemacht, anläßlich der Weltausstellung eine Sonderausstellung spanischer Kunst zu veranstalten. Dar Abkommen mit. der französischen, Regierung ist jetzt getroffen worden und etwa 150 Gemälde werden in den nächsten Tagen aus einem spanischen Hafen nach Marseille verschickt werden. Die Ausstellung.selbst wird am 10. Juli eröffnet werden- Wie verlautet, werden jedoch die Gemälde nach Schluß dieser Sonderausstellung nicht nach Spanien zurückkehrcn, wenn bis dahin-der Bürgerkrieg noch andauevt, sondern dem Louvre zur Aufbewahrung übergeben werden. ES.steht noch nicht fest, ob sie auch später dem Publikum zugänglich sein werden, es wird jedoch auf dar Entschiedenste dementiert, daß dieser Uebereinkommen irgend«inen politischen Hintergrund habe oder gar zu einem Verkauf der Gemälde führen solle. Ei» Klub der Totgesagten. Zu den absonderlichen Klubs, die seit je die Besonderheit des Londoner gesellschaftlichen Lebens darstellen, ist ein neuer hinzugetreten, der kurzerhand überhaupt keine lebenden Mitglieder hat. Selbstverständlich verkehren in diesem Klub nicht nur Leichen und Geister, obwohl er sich stolz der„Klub der Toten" nennt, aber jeder, der Aufnahme finden will, muß nachweisen, daß er totgesagt war."Personen, deren Ableben sogar amtlich bestätigt oder durch die Zeitungen publiziert worden ist, haben ein Anrecht darauf. Ehrenmitglieder des Klubs zu werden und sind von den Gebühren befteit. Die größte Zahl der Mitglieder setzt sich aus ehemalige» Kriegsteilnehmern zusammen, die verschollen und in den Verlustlisten geführt waren. Flugzeug, suchen Opium. Eine ganz neuartige Technik, um den verbotenen Anbau von Mohn, aus dem Opium gewonnen wird, auf die Spur zu kommen, hat dar betreffende Departement der ägyptischen Negierung entwickelt. Sie hat nämlich eine Reihe von Flugzeugen über die riesigen, über Dutzende von Ouadratmeilen ausgedehnten Felder de» Lander geschickt und genaue photößraphische Aufnahmen der Felder Herstellen lassen. Dabei wurde in der Tat sestgestellt, daß die Eingeborenen inmitten der riesigen Weizenfelder Mohn angebaut hatten. Die Entdeckung war nur mit Hilfe der Lustphotographien möglich. Auch in mehreren großen Gärten, die völlig mit Dattelpalmen verdeckt schienen, wurden mit Hilfe der Lustphotographie derartige Rohnfelder festgestellt. Da» Departement übergab die Photo» sofort der Polizei, und so hofft die ägyptische Regierung, in Kürze de» Opiumbau völlig ausrotten zu können, Ei« gut« Fang. Die Pardubitzer Gendarmerie verhaftete am Dienstag einen Betrüger großen Stils, den 20jährigen Erwin K o z l i i« k aus Königinhof. Kozliiek wurde bei der Entlastung aus dem Krankenhaus vechaftet, wohin er vor"14 Tagen Wegen eines Selbstmordversuches in einem Pardue", bitzer Hotel übergeführt worden war. Der Verhaftete wurde mehrmals bestraft und in seinem Register findet sich auch«ine zweijährige Kerkerstrafe, zu der er vom Gericht auf Jalva in Holländisch-Jndien verurteilt worden ist. Er ist verschiedener Veruntreuungen und Betrügereien in der Höhe von 800.000 Ai verdächtig und wurde von zahlreichen Gendarmeriestationen verfolgt. Schwedische" Stipendien für tschechoslowakische Staatsangehörige. Die schwedische Regierung hat für dar Studienjahr. 1987/88 zwei Stipendien für tschechoslowakische Hochschulhörer' oder Absolventen errichtet, die an irgendeiner Hochschule. In Schweden die schwedische Sprache," Literatur oder Geschichte studieren wollen. Dar Ministerium für Schulwesen und Vollrkultur schreibt einen Konkurs für diese Stipendien aus, besten genaue Bedingungen bei den Dekanaten den Philosophischen Fakultäten der tsche- choslowakischcn Universitäten zu erfahren sind. Das Problem der Stigmatisierungen An den Tatsachen ist nicht zu ztvcifeln. Seitdem der Heilige Franziskus nach inbrünstigem Gebet die Wundmale Christi erhalten hat — eine Legende, die unzählige Male in der Kunst dargestellt worden ist—, wurde im Mittelalter die Erscheinung relativ häufig bei Mönchen und Nonnen beobachtet, die sich durch eine besonders ekstatische Form ihrer Frömmigkeit auszeichncten. Ein Historiker hat festgestellt, daß im Mittel- alter dieses Gnadenwundcr etwa alle 70 Jahre einmal austrat. In unserer Zeit scheinen sich die Zwischenräume eher verringert als vergrößert zu haben. Nachdem es um Therese Neumann in Konnersreuth einigermaßen still geworden ist, obwohl die Erscheinungen, die vor einigen Jahren so großes Aussehen erregten, fortbestehen sollen, wird aus Italien ein neuer Fall gemeldet, der zwar nicht neu an sich ist, aber jetzt weitere« Kreisen zur Kenntnis kommt. Es handelt sich um eine Nonne, namens Helena Aiello in Montalto Ussugo in Süditalien, Im Alter von 18 Jahren hatte dieses als schwer neuropathisch geschilderte Mädchen eine lebensgefährliche Operation zu überstehen, die sie. viele Monate lang ans Bett fesselte- An einem Karfreitag laS sie mit großer Bewegung die LebenS- geschichte deS Heiligen Franziskus und" wurde davon so mitgerissen, daß sie in einen ekstatischen Znstand mit BewpßtseinStrübung verfiel. In diesem Instand öffneten sich von selbst an Händen und Füßen und in der Seite blutig« Wunden, und von der Stirn tropfte-Blut herab. Seither erscheinen die Wundmale an jedem Karfreitag. Natürlich haben sich medizinische und kirchliche Autoritäten um. das Phänomen bemüht. Man stellte fest, daß die Wunden so tief sind, daß man mit einer Sonde in sie eindrin-. gen kann. Das Blut ist srischrot und frei von irgendwelchen Beimischungen. Die Blutung, dauert jedes Jahr am Karfreitag etwa sechs Stunden, dann schließen sich die Wunden allmählich, und die Nonne führt das Jahr hindurch ein normales Leben. Ein Betrug scheint in diesem Falle ebenso ausgeschloffen, wie im Falle der Therese Neumann. Es hieße, sich die Erklärung leicht machen, wollte man. solche„Wunder" einfach leugnen und sie auf Taschenspielertricks und Betrug zurücksühren. Eine so oft beobachtete Erscheinung, die sich durch eine tausendjährige Epoche hindurch erhalten hat, kann nicht so einfach erklärt werden. Nicht nur das mystische, wundergläubige Mittelalter kannte sie, sondern auch unser« Zeit, die auf ihre naturwissenschaftliche Aufgeklärtheit so stylz ist, kann an der Tatsache der Stigmatisierung nicht Vorbeigehen- Freilich bewegen sich die Erklärungsversuch« der heutigen Gelehrten-in ganz anderer Richtung wie die Auseinandersetzungen-im Mittelalter. Damals bestand kaum«in Bedürfnis nach natürlicher Erklärung. Das geistige Leben wär so tief von religiösen Gedanken erfüllt, daß die Stigmatisierung. nur als ein besonders augenfälliges Wunder unter vielen anderen angesehen wurde, mit denen die-göttliche Gnade besonders fromme Menschen beschenkte. Ein« psychologische oder naturwissenschaftliche Erklärung wurde gär nicht versucht. . Heut« führt, die psychologische Einstellung in- wissenschaftlichem Sinne wenn auch nicht zu einer völligen Erklärung, so doch zu einem weitgehenden Verstehen der Erscheinung. Man geht von den Erfahrungen in der Hypnose aus, die mit der religiösen Ekstase einige Verwandtschaft ausweist, soweit die eigentümliche Veränderung des BewußtseinSzuständes und die Möglichkeit der Beeinflussung körperlicher Vorgänge in Frage kommt. Manche Heilungen in Hypnose gleichen genau den Wundheilungen, von denen die Bibel und die Heiligengeschichte" so vielfach berichten. Das Grundexperiment stammt" wahrscheinlich von der„Schule von Nancy", wo L'tbault und Focachon die moderne Lehre von der Hypnose begründeten. Diese Forscher suggerierten in tiefer Hypnose einem Individuum, daß ihm ein blasenziehendes Mittel auf dem Rücken appliziert wurde, das in der Tat gar nicht existierte- Nach einiger Zeit bildete sich/wirklich eine Blase,"die genau so aussah und sich genau so entwickelte, wie eine durch ein echtes Mittel hervorgerufene Blase. Der Versuch ist. unter allen.Vorsichtsmaßregeln mit wissenschaftlicher- Genauigkeit oft wiedercholt worden. Er gelingt bei disponierten Personen verhältnismäßig leicht.- • Pierre Janet suggerierte einmal einer Patientin, daß auf ihre Brust einSenfpslaster aufgelegt würde. Nach einiger Zeit bildete sich eine Rötung, die aber merkwürdigerweise nicht genau rechteckige Form, annahm, sondern-di« Ecken des Rechteckes erschienen wie".abgeschnitten. Es stellte, sich heraus, daß die Frau, wenn sie sich selbst «in Senfpflaster auslegte, die Ecken.abzuschneiden Pflegte. Die Person Hatte. also die Suggestion durch ein Detail-bereichert, das nur ihr," nicht aber den suggerierenden Aerzten bekannt war.-:--.,>. Dieser Fall bildet den Uebergang zu den 4, Großflugtag In Hendon Den Abschluß der Krönungsfeierlichkeiten in- England bildete ein Großflugtag der englischen Luftwaffe in Hendon. Ein Maffenvorbeiflüg, an dem 200 Bomber aller Größen und 50 Jagdflugzeuge teilnahmen, bildet« den Abschluß des Tagcs. Viel Aufmerksamkeit erregte die berühmte „Queen Bee"(Königin Biene), däS neue, bisher noch nicht gezeigte fernlenkbare Flugzeug.- Auf unserem Bilde sieht man einen Fesselballon, der von einem Flugzeug abgcschoffen wurde. Achtung»er Schwindlerinnen! Im. deutschen Gebiet gehe» wiederum einige Verkäuferinnen um, die verschiedene Artikel zum Besten der Blindenfürsorge«Mieten und sich hiebei nmnentlich auf die Klarsche Blindenanstalt in Prag berufen. Es wird hiezu mitgeteilt, daß di« Klarsche Blindenanstalt in Prag keine Verkäufer, Agenten, Sammler oder dergleichen entsendet und daß daher jeder, der sich bei einer solchen" Tätigkeit auf die Klarsche Blindenanstalt in Prag beruft, dies in betrügerischer Absicht tut. Die Oeffentlichkeit wird aufgefor» dert, solche Personen, wo immer sie auftreten,/un«" verzüglich den-Sicherheitsbehörden zu übergeben. Vom Rundfunk bnpWilantwartM au» den Programmen! Donnerstag> Prag, Smder I.r 10.05: Deutsche Press«, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Schallplaten: Lchär etc. 12.10: Schallplatten:Weber, Schubert, Haydn, eic., 14:"Deutsche Sendung; Horning: Bom Ältvater bis zu den Karpathen, 14.40: Französische Musik: Debussy, 17.05: Deutsche Sendung: Landwirtschaft,. 18.45: Deutsche Presse, 18.55: Au» dem deutschen Kulturleben,.19:85:" Soldatenlieder.— Prag, Sender II.: 11.15: Schallplatten, 15.15: Deutsche Sendung: Der Tanz durch fünf Jahrhunderte, 15.50: Deutsche Presse.— Brünn 12.85: Rundfunkorchesterkonzert: Deliktes, Nedbal, etc., 17.05: Deutsche Arbeiterfendung.— Preßburg: 14.20: Violoncellokonzert.— Kaschau 12.05: Schallplatten, 10.10: Rundfunkorchester.—Möhr. Ostrau: 17,05: Deutsche Sendung: Übertrag, aus Grätz bei Troppau, Reportage vom Schloß Grätz. Erscheinungen der sogenaiMten Autosuggestion, Es gelingt manchen Menschen, wie wiederholt einwandfrei auch von mir. selbst beobächtet-wor» den. ist, sich in«inen Zustand zu versetzen, in. dem sie. auf körperliche Vorgänge Einfluß gewinnen,, die sonst dem direkten Willen nicht zugänglich siikd. - Die neuere Psychologie nimmt für-die-Erklärung solcher Vorgänge den Begriff der-„Iden-, tisizierung". zu Hilfe.- Der Hypnotisierte. identifiziert sich weitgehend mit dem Hypnotiseurs-und folgt damit dessen Jntensionen bis.in-die-körperliche-Sphäre hinein-> Bon hier aus ist der Schritt zum Berständ« nis der Stigmatisierungen nicht mehr groß. Der ekstatisch Religiöse-versetzt sich in einem Zustand« in dem er sich mit der Gestalt Christi" in"weitgehendem Maße identifiziert. Er erlebt in'seiner Phantasie unter Ausschaltung der Wirklichkeit und.'der Gegenwart, in einem spezifisch"veränderten Bewußtseinszuständ,-die" Leiden- Christi am Tage- der Kreuzigung"so- stärk, daß-sich, sein Körper-so verhält,-als wäre er"Christus, wie er ihn sich- vorstellt.. .. Die Metapsychologie nennt"derartigeErscheinungen^,',ideoplästische", was nichts anderes aüsdrückt als. die Plastische Veränderung körperlicher Vorgänge durch ,Ideen."Das ist frefljchMr .ein. Wort und noch länge keine" Erklärüng.-.Aber steckt-.nicht- in jeder'Naturerscheinung, wenn wir sie.auf die wirklich/m, Gründe HÜrÜckführen" Wollen,, ein.StückWunder? Es gibt, sicher" vielt" ganz natürlich erscheinende Vorgänge" in der Nä« tur„ die. ebenso^ wunderbarpnd, isir'Gssistde-uif«^ erklArpch. sind, wie die Wunder der'Stjgjnätisis«- rüng'./....-.",m.r;!!' Dr. E. I o l.o- w.'-i tz(MTP) -Nr. 162 Mittwoch, 30. Simk 1037 Lotte 6 XV. Pen-Kongreß< Die Internationale des Geistes für die Freiheit des Geistes Paris. Nicht nur Menschen, auch Kongfesse können mit der Aufgabe wachsen, die ihnen gestellt wird.' Der P. E. N.-Rlub diese zu neunzig Prozent bürgerliche RepräsentationS-Beöeinigssng der Schriftsteller der ganzen Welt— hat kaum Je während der Zeit seines Jetzt fünfzehnjährigen Bestehens einen so harmonischen und vor allem geistig einheitlichen Kongreß erlebt, wie den soeben' in Pari- abgeschlossenen. Gewiß, er war auch diesmal ein.,glänzendes gesellschaftliche» Ereignis, mit Empfängen.am Quais d'Orsay und beim Präsidenten, Ausflügen und Pänketten, war geschmückt mit den klingendsten Namen-der Weltliteratur von heut«, beschickt von ckiber fünfzig Staaten, eine wirkliche international Veranstaltung des Geistes nach außen — aber auch nach iiknen. Der. Schatken der Zeit fiel düster und drohend über diese Versammlung und ließ fast aste Gegensätze-verbleichen. Die gefürchteten Zusammenstöße blieben aus. Selbst Marinettl, Major!m abessinischen Feldzug geworden, trat still von seinem Posten zurück und sprach laut gegen die Ungeistigkeit diktatorialer Literatur-Zwangsmaßnahmen und Autoren-Aechtungen. Höhepunkt aber war die Rede seines Landsmanns, des großen exilierten Historikers Gu- glielme Ferrero. Die schlank« Gestalt des Gelehrten bebte vor Zorn und heiße Erkenntnis erstickte oft seine Stimme, al» er im„Thöätre Athenee" die Worte ausrief:»Leute werden Schriftsteller dazu kommandiert, aus Gott dtn Teufel und au» dem Teufel Gott zu machen. Die Schriftsteller der noch freien Länder müssen begreifen, daß sie für diese Freiheit kämpfen müsse» oder untergehen werden. Wenn aber die Freiheit in Europa vernichtet sein wird, so wird«ine geistig« Stagnation eintreten, wie sie jahrhundertelang in manchen muselmännischen Ländern geherrscht hat." Der Pen-Club hat sich bisher streng von der Politik ferngehalten, und der österreichische Vertreter Han» von Hammer st ein unterstrich diesen Wunsch seiner Grupp« auch für die Zukunft. Aber es gibt Augenblicke, wo Politik und Literatur zwangsläufig zusammenfließen. So vorsichtige auch die angenommenen Resolutionen gehalten sind, so entspringen sie doch einfach dem Geschehen des Tages. Eine protestiert gegen die Verhinderung Ossietzkys, der Pen-Club-Mitglied ist, an seiner Reise nach Oslo. Eine wendet sich.gegen die„physischen und moralischen Verfolgungen, deren Opfer die Jüdischen Bolksmassen und die jüdische intellektuelle Elite' in gewissen Ländern sind", eine dritte gedenkt des großen spanischen, in Granatla^on'-ßstcknxo'-TrpMn füsilserteb Dichters Lorca und stellt die BaÄare» oießr'hlrmor- dung fest. . Spanien wurde überhaupt beinahe eine Wunde de» Kongresses. Hier gerieten der Vertreter Argentiniens mit den Valencianischen Spaniern und Katalanen hart zusammen. Die Formel der Entspannung, wurde schließlich in dem Wunsch nach der Unabhängigkeit Spaniens und seines Geisteslebens in einem offiziellen Pronunciamento des Kongresse» gefunden. E» gibt keine Atmosphäre de» Schaffen», die nicht unter der vulkanischen Temperatur der Zeit sich sichtbar verändert und formt. In diesen Tagen hat gerade G r n« st H« m i n g w a y auf dem zweiten Kongreß der amerikanischen Schriftsteller in der New Forker Carnegie-Hall ausgerufen: „Gin Schriftsteller, der nicht lügen will, kann nicht unter dem Faschismus arbeiten. Das Schicksal der Kultur ist unlöslich verbunden mit der Aufrechterhaltung' und Intensivierung• einer organischen Demokratie." ' Dasselbe erklang in allen Tonarten auf dem Pariser Kongreß. Ob ein so rechtsstehender Autor, wie der Leiter der Tagung, Jules Romain», ob ei» Analytiker wie James I o y e«, ob Lion F e u ch t w a n g e r oder Luc D u r t a i n, ob Franz Hellens oder P i e r r a r d, der hebräische Dichter Tschernichovskv oder der jiddische Führer Steinberg, ob Chilenen oder Japaner, Engländer wie P r i e st l y oder O u l d sprachen, oder ob H. G. W e l l» oder Stefan Zweig in Zuschriften zu Worte kamen, immer gab es nur einen Tenor:„Es ist die zwölfte Stunde. Di« Schriftsteller müssen sich ihrer Verantwortung v^r der Zeit bewußt werden und einig sein in. der Verteidigung de» freien Geistes, wenn sie nicht überrannt werden wollen." Auch in den Kommissionen ging die Arbeit gut und intensiv von statten. Einen der imeressan- testen Vorträge hielt der Schriftsteller Hans Jacob über die Umformung der Sprache in der gegenwärtigen Literatur des nationalsozialistischen Deutschland und wies.nach, wie ivohl fast züm ersten Mal in der Geschichte des Wort» der Sprachstjl zum Jnfiltrationskayal für ganz bestimmte politische Denkformen geworden ist. ..Pie tschechoslowakische Delegation nahm an allen Arbeiten Und Sitzungen den regsten Anteil. Sie'war besonders stark und repräsentativ zusgm- mengesetzt. Ihr ösfizieller- Führer''war Frantiitek Langer. Weiterhin gehörten ihr an. Karel Cap.ek, der Pariser Presseattache Milos Sa- fr a n e k, Otto R a d l, Gustav Winter und Ivo DüchaLe k. Sie hat noch einen besonder» schönt» Erfolg zu verzeichnen: der»ächsteTa- g u n g s ort des Pen-Club im Jqhx« 1038 wird vermutlich Prag sein. Man fred K« o r IWfcgwtsdiaft and äoslaipoiltiL Gröler Erfolg des genossenschaftlichen Dreijahresplans In der„Konsumgenossenschaft" berichtet der Geschäftsführer de» GEC-BerbandeS R u'd o l f Fischer über die bisherigen Ergebnisse des DreijahreSplanS unserer Genossenschaften. Wenn auch da» ziffernmäßige Ergebnis der ersten zwölf Monate noch nicht vorliegt, da da» Berichtsjahr erst in einigen Tagen endet, kann doch schon heule gesagt werden, daß der erste Planabschnitt mit einem vollen Erfolg schließt und das Ziel in vielen Punkten weit überschritten wurde. Wir entnehmen dem Bericht: Um 80 Millionen Xi sollte der Umsatz der BerbandSgenossonschaften in drei Jahren gesteigert lverden; e» ist wahrscheinlich, daß diese Umsatzvermehrung Im ersten Jahre schon erreicht, wenn nicht überschritten wurde. Ganze Kreisgebiete haben eine Umsatzerhöhung zu verzeichnen, die weit größer ist al» der zu erzielende Mehrumsatz in den drei Planjahren. Der Umsatz des GEC-BerbandeS sollte in drei Jahren um 20 Millionen XL erhöht werden; diese Steigerung war schon In den ersten elf Monaten erreicht. Der GEC-Berband kann sich ein neues, viel weiter gestecktes Ziel sehen. An der Steigerung de» GEC-Umsaher sollte die Eigenproduktion mit 10 Millionen Ki beteiligt sein. Auch dieses Ziel wird weit überschritten, denn schon di« ersten elf Monate.brachten eine Steigerung der Eigenerzeugnisse vön Uber sieben Millionen XL. Der Dreijahrplan, der für die einzelnen GEC-Betriebe ausgestellt wurde, ist weit überholt worden. Diese gesteigerte Produktion erforderte bauliche Vergrößerungen der Fabriksanlagen und ein« technische Verbesserung der einzelnen Produktionszweige. Die Eigenerzeugniffe mit der Marke „GEC" sind so beliebt geworden, daß ihr steigender Absatz auf Fahre hinaus gesichert ist. Die finanzielle Lage der Genossenschaften ist günstiger und ihre GebarungSergebniffe sind viel bessere geworden. Durch die erhöhten Umsätze wurden die Unkosten gesenkt, die Leitung der Genossenschaften war straffer, ziel- und planmäßiger. Die Außenstände der Mitglieder sind im Rückgänge begriffen, der Grundsatz der Barzahlung beginnt sich durchzusehen. Die Mitgliederspareinlagen weisen seit Anfang diese» Jahre» eine Steigerung auf und nach Zuschreibung der Zinsen werden die Einlagen erstmalig seit 1031 eine Erhöhung von mehr al» 6 Millionen XL aufweisen. Die Genossenschaften de» Verbandes sind in stetlgei» und gutem Aufstiege. Diese Tatsache MMMp" tzirlelw^ MW.WMM ziehen, denn auch die Privatwirtschaft hat bei der allgemeinen Vecbrauchssteigerung erhöhte Umsätze und einen vermehrten Geldzufluß zu verzeichnen. Der Erfolg der genossenschaftlichen Wirtschaft hängt davon ab, ob sie sich rascher entwickelt als die Privatwirtschaft. Bei der Zielsetzung für das zweite Planjahr werden die Genossenschafter, soweit daS Ziel den Umsatz und die Finanzen betrifft, auf die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse Bedacht nehmen müssen. „Wir müssen schneller vorwärts kommen trotz alle« Hindernisse", muß die Losung de» zweiten Planjahres sein. Die Erwartung, daß die Genossenschaften im zweiten Planjahre den Aufstieg. im bisherigen Tempo fortschen werden und daß diese» Tempo noch beschleunigt werden kann, ist vollauf berechtigt. Die bessere Beschäftigung und der Rückgang der Zahl der Arbeitslosen ist hiefür eine der Voraussetzungen, obzwar die Lebenshaltung der Massen sich infolge der niedrigen Löhne und der steigenden Preise der Waren noch verschlechtert hat. Die zweite und wichtigere Voraussetzung ist die, daß die Genossenschaften die Warenversorgung in stärkerem Umfange erfassen. Die Gewerbepariei und ihre politischen Verbündeten wollen den Verbrauchern das fundamentale Recht auf den Zusammenschluß in Selbsthilfegenossenschaften nehmen. Bei den kommenden Wahlen wird die Flut der Angriffe gegen die Konsumgenossenschaften verstärkt anftreten. Die Konsumgenossenschaften iverden nicht nur abzuwehren haben, sondern. die Gegner angreifen müssen, wenn sie siegreich bleiben wollen. Noch sind die Konsumgcnossenlchafter eine Minderheit, von allen Seiten bekämpft; sie müssen alles tun, damit sie innerhalb der Bevölkerung zur Mehrheit werden. Die Genossenschaften müssen mehr noch als heule ein Mittel zur Hebung des Wohlstandes der gesamten Bevölkerung lverden. Es gilt darum, in jedem Orte Kämpfer zu erziehen und sie mit dem Riistzcuge genossenschaftlichen Wissens auszustatten. Die Dildungs- und Erziehungsarbeit wird dieses Rüstzeug beistellcn. Das Ziel des ersten Planjahres ist überschritten, erfolgreiche und nükli^e Arbeit ist ge- kcistet worden. Ein neue?,.größeres Ziel für das zweite Planjahr wird aufgeltellt. Daß es erreicht werden wird, dafür bürgt die hingebungsvolle Arbeit tausender Genossenschafter rind Frauen, die mit treuer und warmer Liebe für die Verwirklichung der groben Ideale der genossen- fchafss'jL-v. Bssveglwsi,.ihre beste straft.und ihr igaMS Köniien einseben. Verhandlungen Uber die Zuckerwirtschaft Dse Regierung befaßt sich, wie„LidovL No- viny" melden, mit der Regelung der Zuckerbewirtschaftung, die durch da» auf der Londoner Konferenz erfolgte Abkommen notwendig wussie. Für die Zuteilung der Rüben und di« Bestimmung der AuSfuhrkonfingente an jede einzelne Zuckerfabrik soll«in besonder«« Ausschuß geschaffen werden, dessen Zusammensetzung auf Grund einer Einigung der Zuckerindustrie und der Rüben« zuckerproduzenten erfolgen soll. Die Aussicht über diesen Ausschuß soll das Handelsministerium im Einvernehmen mit dem Finanz-, Landwirtschaft--, Fürsorge- und Innenministerium haben. Dieselbe Kompetenz ist auch für die Bewilligung neuer Zuckerfabriken, beziehungsweise Raffinerien bestimmt, für welche damit der Numerus clausus auf die Dauer von fünf Jahren geschaffen wird. * Sotveit die Meldung der„L. N.", die vermutlich von den Vorschlägen des Handels- und deS LandwirtschaftSministerumS auSgeht. Die hier angedeutete Regelung ist durchaus unbefriedigend, denn sie bedeutet praktisch, daß die Entscheidung über die Zuckerwirsschaft in die Hände zweier Interessengruppen gelegt wird, die sich, wenn auch manchmal mit Schwierigkeiten, auf Kosten der inländischen Konsumenten einigen werden. So wenig über die Vertretung der Verbraucher in der neuen Organisation die Rede ist, so wenig werden die Interessen der Arbeiter und Angestellten erwähnt. Die Verwirklichung der Vorschläge würde nichts anderes als die Verlängerung des von der Bevölkerung und vom Ernährungsausschuß verurteilten Diktats der Zuckerbarone bedeuten.' Beschäftigung Im tschechischen Gebiet Der Zentralverband der Krankenversicherungsanstalten in Prag berichtet aus dem Bereich der 8t ihm angeschloffenen Anstalten, daß die durchschnittliche Zahl der Versicherten im April 1087 auf 888.226 gestiegen, ist. Der Zuwach» gegenüber dem März 1087. beträgt 66.800 oder 8,6 Prozent. Im'Vorjahr betrug der saisonmäßige-Zuwach» der Versicherten«^! sechs Prozent, so daß im heurigen Jahr ein beschleunigtere» Tempo zu verzeichnen ist. Zu dem gleichen Ergebnis gelangt man, wenn map die Spanne verfolgt, die zwischen den entsprechenden. Monaten der Jahre 1086 und 1087 seit Beginn de» heurige» Jahres liegt." Im Jänner 1087 waren um rund acht Prozent.mehr Personen bei den erwähnten 8t.Anstalten versichert als im Jänner 1086, im Feber betrug der Unterschied ebenfalls rund acht Prozent, im März stieg er auf neun Prozent und im April schon auf 11.8 Prozent. An der vermehrten Beschäftigung hatte einen großen Anteil das Baugewerbe(und zwar sowohl die eigentlichen Bauarbeiten als auch die Hilfsindustrien), ferner landwirtschaftliche Arbeiten und insbesondere die Forstwirtschaft. Die andern Industriezweige zeigten keine wesentlichen Aeiide- rungen. Nur die Textilindustrie wie» eine verstärkte Beschäftigung auf. Die versicherten Löhne blieben auf demselben niedrigen Niveau. Tschechoslowakei— das Land des„kleinen MonneS". Nach einer Einkommensteuer-Statistik gibt es in der Tschechoslowakei 202.000 Personen mit einem Einkommen bis 0000 XL jährlich, 840.000 Personen haben ein Jahreseinkommen von 0—21.000 XL, 134.000 Personen ein Jahreseinkommen von 21—80.000 XL, 86.000 Personen«in Jahreseinkommen von 80—60.000 XL, -31.000 Personen ein Jahreseinkommen von 60 bis 100.000 XL und 9342 Personen ein Jahreseinkommen von über 100.000 XL. Zwei Drittel der selbständig erwerbstättgen Bevölkerung haben somit ein Einkommen von höchstens 21.000 Kronen.(DND) Japan. verdrängt tschechosloivaksscheö Porzellan in Oesterreich. Nachdem Oesterreich heuer erstmalig Japan ein Kontingent für 70.000 Kg. Porzellan bewilligt hatte, ist nunmehr, die Tschechoslowakei, bisher der Hauptlieferant Oesterreichs, beim Porzellanimport auf die zweite Stelle verdrängt worden; an erster Stesse steht Japan. Rückschlag im Welthandel. Während der Export der CSR. im Mai den höchsten Stand seit der Krisenüberwindung erreichte, ist in der Ausfuhr der übrigen europäischen Länder meist ein leichter Rückschlag eingetreten. Die britische Ausfuhr betrug gegenüber dem Vormonat 42,73 (48,08)' Mill. Lst„ die deutsche Ausfuhr 466,8 (491,8) Mill. RM, die französische Ausfuhr 1,76 (1,97) Milliarden Frs. und die polnische Ausfuhr 90,9(111,6) Mill." Zloty. Frankreich» Arbeitslosigkeit stark unter Vorjahr. Die französische Arbeitslosigkeit stellte sich nach der letzten Veröffentlichung auf 327.574. In der gleichen Borjahrszeit wurden noch.418.919 Beschäftigungslose gezählt.— Die holländische Arbeitslosigkeit ging von Mai 1986 bi» Mai 1987 »hi 64.847 aus 828.587 zurück. . Amerikanische Streikstatistik. Im Vergleich zum Vorjahr gab es in den Vereinigten Staaten im ersten Viertelpahr 1140(498) Streiks, an denen 62i;000(171.000) Arbeiter beteiligt waren. Es. gingen 7,6(2,7) Millionen Arbeitstags verloren. Moffee est umhttetettch.! Meinl-Kaffee stets frisch geröstet Mischung I.... 1/4 kg K« 14— Mischung II.... 1/4 kg Ke 12*30 Mischung IV..• 1/4 kg Kr o— und bltligsrs Mischungen Kongreß der Italienischen Sozialisten Am Sonntag wurde in Paris der Kongreß der italienischen sozialistischen Partei eröffnet. Der Konferenzsaal war nstt den Bildern vieler Genossen geschmückt, die in Italien oder in Spanien ini Kampfe gegen den Faschismus gefallen sind; auf der Bühne sah man die Bilder Matteottis und Filippo Turatis. In seiner Eröffnungsansprache gedachte Pietro N e n n i der Märtyrer der Partei, unter anderem Fernando de Rosas, der an der Madrider Front fiel, und der in Paris ermordeten Brüder Rossessi. Modigliani, der den Vorsitz führt, begrüßte die Gastdelegierten: für die Internationale de Broucköre, Fritz Adler, Ban RoSbroeck, ferner die Franzosen de Bracke, Longuet, Maurice Paz, als Vertreter der spanischen Partei Cocdero und ein« Delegation der in Spanien kämpfenden Brigade Garibaldi. De Brouckire prägte in seiner Ansprache das treffende Wort:„Vassny ist, der erste Sieg der Marseillaise gewesen; Guadalajara -ist der erste Sieg der Internationalel" Cordero dankte den italienischen Sozialisten für ihre großartige Hilfe Im Befreiungskämpfe der Spanier. Bracke,' der Leiter des„Populaire", schloß .Hede mit„den Worten: ,„Man kann nicht ' mehr an dse'FreihM',''ssnh'.ass'dle Miücklrätie rühren, ohne die Arbeiterklasse zü treffen; und man kann nicht mehr an die Arbeitesslasse rühren) ohne die Freiheit zu treffen."— Pietro Nenni erstattete dann den Bericht der Parteileitung, an den sich eine lange Debatte knüpfte. Gerücht um Radek Paris.„Paris Soir" berichtet, daß Karl Radek vor zwei Monaten begnadigt und in Freiheit gesetzt worden sei. Man glaubt, daß er seine Begnadigung der Rolle verdankt, die er in der Affäre Tuchatschewski spielte. Bereits im Laufe seines Prozesses erwähnt« Radek die Beziehungen TuchasschewskiS zu. den Verschwörern, aber unter dem Druck der vom Prokurator vorgelegten Fragen habe er alle» widerrufen. Damals erklärte man in Moskau, Radek habe seinen Kopf dadurch gerettet, daß er im Besitze von für Stalin sehr wichtigem Bewei»- material war, das er feinen Pariser Freunden geschickt hatte. Radek habe sich aus der Haft-mehr- mals an Tuchatschewski mit dem Ersuchen, gewandt, ihm zur Freiheit.zu verhelfen,-und,ihm auch gedroht, daß er sonst mit schrecklichen Enthüllungen vorgehen werde. Aber der Marschall, selbstsicher und gestützt auf das uneingeschränkte Vertrauen WoroschiloivS, habe Radel niemals geantwortet. Erst als es Radek gelang, eine Unterredung mit dem Proknrator Wischinski zu erzielen, bot er ihm an, seine Dokumente gegen seine Freilassung heranSzugeben. Wischinski habe nach einer Unterredung mit Stalin dieses Angebot angenommen. Auf Grund dieses Materialgewann Stalin den formalen Beweis der Schuld TuchasschewskiS und der übrigen Generale. Aus Moskau meldet dazu Havas: In Moskau ist, wie es heißt, nichts davon bekannt, daß Karl Radek begnadigt wurde. Moskaüer Kreise erklären, daß dieses Gerücht im A u s l a n d entstanden ist. Japanischer Protest gegen USSR Tokio. Die japanische Nachrichtenagentur „Domai" erfährt, daß der Außenminister dem japanischen Botschafter in Moskau. Auftrag gegeben habe, bei der Sowjetregier mg gegen die Besetzung der Insel B o l i 6 d i und S e m n u f a im Ämurfluß durch sowjetrussisches Militär zu protestieren. Auch die Regierung von Man.« d s ch u k u o hat beim Generalkonsul der Sowjetunion in Charbin gegen die Besetzung dieser Inseln und zahlreiche Zwischenfälle, die sich in der lebten Zeit an der mandschurisch-russischen Grenze, ereigneten, protestiert. Di« Mandschurische Regierung fordert in ihrer Rot« di« Besträ- sung derienigcn, welche für diese Zwischenfäss« verantworllich sind.''..-- Seite 6 .Sozialdemokrat" Mittwoch, 30. Juni 1987. Nr. 152 dramcn wurden übrigen» auffallend vernachlässigt. Eine einzige bedeutende Uraufführung fand statt, die allerding», doppelte künstlerische Bedeutung batte, weil sie da» Werk eine» sudetendeut« Wen Tonsetzerr betraf, Fidelio Flinke»„Ja- kob»fahrt"./ 8 r st ä u f f ü h rungen wurden v i e r in Szene gesetzt, N e u einstudie- tun n en uni Senin s z eniernngen zwölf. Ein komplette», gut zusammengespielter und. dadurch. stilistisch einheitliche» Opernensemble stand dem Theater auch in der vergangenen Spielzeit nicht zur Verfügung. Sängerinnen» und Sängergastspiele verschiedentlichster Art waren daher an der Tage-ordnung. Die Frühjahrs-Fe st- spiele de» Theater» gipfelten in musikalischer Hinsicht in der al» künstlerisch beachtenswerte Tat zu wertenden Erstaufführung der Oper„Die schweigsame Frau" von Richard Strauß. Aber gerade diese Festspiele hätten dem Deutschen Theater al» Hüter der Prager Mozart-Tradition Gelegenheit geben sollen, in ihrem Rahmen ganz besonder» Mozart zu berücksichtigen, da e» tust heuer 180 Fahre sind, daß Mozart in Prag weilte und daß die Prager Erfolge Mozart» die„Don Juan"-Uraufführung zeitigten. Die deutschen Arbeitervorstellungen hatten sich In der abgelaufenen Spielzeit auch dieser und jener Oper für ihr Publikum versichert. Bemerkenswert für die Präger deutsche Opernsaiso» 1938/11187 ist schließlich der an ihr Ende gesetzte Wechsel de» leitenden Operndirigenten. Prof. Georg S z i 11 tritt vom Schauplatz seiner langjährigen und zweifellos sehr erfolgreichen Tätigkeit ab, um einem neuen Mann, Karl R a n k l, Platz zu machen. E. I. Sommerspielzeit Kleine Bühne. Da» Gastspiel SzökeSzakäll beginnt am 1. Juli, 8 Uhr, mit der Lustspiel-Rovität„Geld aus Kanada" von Alexander von Sumarp. Inszenierung: Emil Feldmar: Preise 5 bis 80 Kd; Vorverkauf: Deutsche» Haus, Truhläk, Wehler, Neuer Deutsches Theater. ■ Kindesleiche gefunden. Gestern vormittag» wurde im alten Moldaubett beim Haufe Nr. 17 in der Ufergaffe in Äarolinental die Leiche eine» neugeborenen Kinde» gefunden. Die Leiche wurde in» Institut für gerichtliche Medizin gebracht, die Nach- forfchungen nach der Mutter eingeleitet. , Rohlinge.. Gestern früh um 4 Uhr.ging. der Hoteldiener Karl Svejkovskü an» Prag-Weinberge mit seiner 22jährigen Frau Anna und dem Aüto» vwnteur Rudolf RIha durch die Uruguayer Straße nach Hause, al» sie von drei unbekannten slllännern angefallen wurden, wobei Svejsovskh einen Mes- leist ich in die Seite und Riha unter die rechte Schulter erlitt. Die Berletzien'wurden auf die Klinik Schlosser' gebracht. Die Nachforschungen wurden eingeleitet.— Borgestern wurde der Chauffeur Konstantin Nalevajko verhaftet, der In der Nacht in betrunkenem Zustand durch die Michalskä in Prag I gegangen war und begonnen hatte, auf jeden, der ihm begegnete, einzuhauen. Auf diese Weise verletzte er vier Personen nicht unerheblich; al» die Polizei erschien, begann er anch mit ihr zu raufen, so daß e» erst einer herbesgeholten Berstärlung gelang, ihn zu überwältigen. Die Berwundeten wurden in» allgemeine Krankenhau» gebracht und, nachdem sie verbünden worden' waren, in häusliche Pflege entlassen. Berhaftungen in Prag Im Fahre 1936. Wegen verschiedener Delikte wurden in Prag im Jahre 1988.insgesamt 18.975 Personen(14.875 Männer und 4600* Frauen) verhaftet, darunter befinden sich 282 Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren(168 männliche und 64 weibliche). Verhaftungen wegen Sinnkenheit erfolgten bei 8666 Personen(29 Prozent, der gesamten Verhaftu n- gen), und zwar 8278 Männer und 889 Frauen, ebenso acht jugendliche Personen unter 18 Jahren. Die Verhaftungen wegen Trunkc iheitSdelikten verteilen sich unter besonderer Berücksichtigung der Be- rnfe wie folgt/ und zwar bei Männern: Arbeiter, Kaufleute, Akademiker und Beamte, Fleischer und Selcher, Arbeitslose, Chauffeure, Kellner und Kellermeister, Kutscher, Mgurer; bei Frauen: Prostituierte. Arbeiterinnen, Bedienstete, Kellnerinnen. > Dio Staatsbahnen fertigen folgende AuSflug»- züge ab: Vom 8t bi» 6. Juli nach Husen» Gegend 255 Ke, vom 8. bi» 6. Juli Karlsbad 299 Kd, vom 8: vis 7. Juli drei glückliche Tage in Babylon um 199 Kd. vom 8. bis 11. Juli Lagerleben im slowakischen Paradies um 295 KL, vom 8. bis 11. Juli nach Tatranskä Lomnica um 629 Kd, vom 4. bis 6. Juli: Jidin, Böhmischer Paradier, Hirschberg um 189 Kd. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilfonbabnhof, Telephon 88885. Kunst und Wissen Die Prager deutsche Opern- und Konzertsaison 1936-37 Ueberblickt man die abgelaufene Prager deutsche Musiksaison 1986/1987, um eine Art künstlerischer Bilanz au» ihr zu ziehen, so springt vor allem die starkeBelebung de» Musiklebens imKonzertsaalein die Augen. Die Konzertsaison 1986/1987 zeigte in Prag eine so ständig zunehmende Besserung der Konzertverhältnisse, sowohl hinsichtlich, der steigenden Zahl der Konzertveranstaltungen als auch hinsichtlich ihrer zusehends sich bessernden Besuche», daß sie als erfreulicher Beweis, für dar Abjlauen der Krise im zeitgenössischen Musikleben zu werten ist und al» der Beginn eine» neuen Aufschwunges der modernen Musiklebens angesehen werden kann. Wie immer entfaltete sich der Konzertbetrieb am regsten in den Herbst- und Frühjahrs-Monaten. Aber wir erlebten Heuer auch die schon jahrelang nicht mehr vorgekom- nienen Fälle erfolgreicher Äonzertveranstaltungen während der Weihnachtstage, in den Osterwochen und sogar nach längst beendeter Konzertzeit in den Wochen nach Pfingsten bi» tief In den Juni hinein. Auffallend und erfreulich war im diesjährigen Äon- zertbetrieb die Zunahme! am mermusi- k a l t s ch e r V e r a n st a l t u n g e n, die merkwürdigerweise auch die stärkste PublikumSteilnahme sande».., Daß die S o l i st e n I o n z e r t e wie stet» vorherrschend waren, ist begreiflich, wenn man das von Jahr zu. Jahr steigende, und mit ber Abnahme der Konzertkrise Hand in Hand gehende Ueberangehot von Konzeistkünstlern In Betracht zieht. Die instrumentalen Konzertkünstler,, vor allem die Pianisten, stellten, diesmal die Überwiegende Mehr, Helt Im. Konzertsaale dar. Daß sich unter Ihnen ebenso wie unter den konzertierenden Sängerinnen und Sängern zahlreiche neue Namen befanden. kann al» Beweis dienen, daß P ,r a g in den lettzen Jahre» immer mehr und immer nachdrücklicher zu einem europäischen Mus ikzentrum wird. In dessen Konzertsälen ausgetreten und durch dessen Kritik gewerkt worden zu sein, für die reisenden Konzertkünstler eine wichtige Voraussetzung für ihr künstlerisches Weiterkommen zu sein scheint. Besondere deuiswe Konzertgelegenbe'ten waren in der vergangenen Saison namentlich die anläßlich de» 49. Tode»lageS von Anton Bruckner im Herbst 1986 in Szene gesetzten Bruckner-Konzerte und jene Konzertveranstaltungen, die sich die Förderung der sudetendeutschen Tonkunst ustd Tonkünstler zum Ziele gesetzt hatten. An der günstigen Koiizertbilanz de» Konzertjahre» 1986/1987 hatte» der D e uff ch e Kammer- musikverein, da» deutsche Bolkrbil- dungrhauS„Urania" und die Deutsche Musikakademie besonderen Anteil. Mit ausgesprochenem Erfolg hatte in der abgelaufenen Konzertzelt auch der Bildungsausschuß der deutschen sozialdemokratischen ArbeiterparteiinPrag zum erstenmal Konzertveranstaltungen in» Werk gesetzt; einen Kammermusikabend und einen BolkSliederabend, beide mit betont volksbildnerischer Tendenz. Bemerkenswert im negativen Sinne der Konzertbilanz 1986/1987 war das Wegfällen der feit Jahren zur Tradition der Prager deutschen Musikleben», gehörenden. philharmonischen Abönnemeniskonzerte der deutschen Theaterorchefter» als. der.einzige», deutschen Symphonipkonzerte Prags. Die deutsch e O p'e r n s a i s on 1986/1987 zeigte da» Präger Den t s ch e T h e a t e r nicht itnmer' gleich erfolgreich Und umsichtig.' Daß der Weber-Gedenktag'übersehen, wurde, war. ebenso unverzeihlich wie die geringe Beachtung W. A. Mozarts im. Repertoire. Auch Richard Wagners. Mufik- Mittellungen au» dem Publikum Stachel beer-Marmelade pa stiert. 1% Kg. reife passierte Stachelbeeren werden mit dem Inhalt einer Doppelpackung Opeta Trocken» Kd 3.59 bestreut und .1 Minute brausend gekocht. Dann gibt man 1.15 Kg. Zucker dazu, kocht 5 Minuten brausend durch und Mllt sofort randvoll in Gläser/. Johannisbeer-Marmelade. 1 Kg. durch ein Haarsieb, passierte) Johannisbeeren, weichen mit dem Inhalt'einer Doppelpackung Opekta Trocken» Kd 3.59 bestreut und 1 Minute brausend gekocht. Dann gibt man. 99 Dkg. Zucker dazu, läßt noch 5 Minuten brausend kochen und fülltheißraichvoll in Gläser. Carola Lombard im Film„Lnxnskabine B 60" e Schmerzenskinder Richt zur Unterhaltung in leeren Stunden, nicht angenehntem Zeitvertreib dient Georg Fink» Roman„Schmerzenskinder", erschienen im Hnma- niraoverlag in Zürich.(859 S., geb. Fr. 8.59, kart. Fr, 6.25.) Vielleicht ist deshalb bisher so wenig auf. ihn aufmerksam gemacht worden, weil er eilt so furchtbarer Roman ist, eine so entsetzliche Dichtung, so schrecklich, weil eines Dichters Kunst und eines Wahrheitsfanatikers Unbestechlichkeit au- schwarzen Blöcken der Not, der ungeheueren körperlichen und seelischen Not seiner Menschenbrüder, ein düster-schöner, ein grausig-erhabenes Monument schufen. Georg Fink, vor siebe» oder acht Jahre» rasch, bekannt geworden durch den Roman„Mich hungert",' ist mit seinem neuen Roman, seinem dritten, wieder— wie er in einem dem Buche Vorangestellten' Briefe an' den Verlag sagt— zurückgekehrt In jenes Land, In dem ihn hungerte.- Aber er, erzählt nicht, mehr das Leben einer einzelnen Kinde», sondern die Schicksale einer ganzen Kinderwelt. in einer Straße de» Norden» Berlins. Wie kann da ein andere» als ein Gemälde der Schmerzen und Leiden entstehen? Dä ist eine Mutter, die ihr Kind, ihr eigenes Kind,.aber empfangen von einem unbekannten Mann und deshalb gehaßt,' systematisch mißhandelt, vorbedacht zinn Krüppel macht— und doch von diesem Kinde inbrünstig geliebt wird. Da sind um diesen Knaben Martin gruppiert, ihm begegnend, seinen Weg kreuzend, ein Stückchen mit ihm gehend,. Gefährten seine» Schicksals, viele andere Kinder von Berliner Proletariern, und Kleinbürgern, und ihr Leben und Streben und Heranwachsen und Unter gehen. ihr Waten durch den Dreck, ihr Keuchen durch eine Hölle, ihren Kampf mit einer scheußlichen Welt läßt un» Fink miterleben, er zwingt un» zu diesem Miterlebe», ist fast grausam gegen seine widerstrebenden, gepackten, sich auflehnenden, doch sich führen lastenden Leser. In dem Knaben Viertln blüht ein selten-seltsameS Licht: die Kunst. Er ist musikbegnadet. Er entwächst schließlich, geleitet und gefördert von dem alten jüdischen Patriarchen Lester,' der Elendrwelt seiner Jugend, in der er am ärmsten war an des Leben» Wichtigstem, an Liebe. Abel, der jüdische Freund Abel, der von überströ». mender Menschenliebe erfüllt ist, an die Menschenliebe glaubt, sie auSströmen lassen will in die-Herzen der der anderen, muß daran zugrundegehen— er ist ja ein Jude! Denn so erhöht sich doch der. Nazi-Arier über den Juden: er bestiehlt ihn und'be-' spuckt ihn. Abel war nicht so robust, wir Nazi sind, so seelisch-robust... Vielleicht ist die rührendste, die mitleiderwek- kendste Gestalt de» Roman» die. arme kleine Agne» Balduweit, Opfer ihre» Vater», mit fünfzehn Jahren Mutterl Mit allen seinen Töchtern hat e» der ruhige, solide, geachtete Bälduweit so gemacht. Seine Frau schwieg, schwieg aür-Liebe zu ihm, opferte.au» Liebe zu ihm.ihre Kinder. Arme kleine Agne»! Räch der Entbindung in die. Fürsorgeerziehung gesteckt, durchgebrannt, um ihr' Kindchen zu; sehen, Selbstmord... der Vater Reibt weiter der geachtete Mann. Einbruch) Zuhältertum, Mord, Hurerei, Hunger, aufopfernde Arbeit kranker Mütter, kleine Sehnsüchte Armer, große Not Armer, körperliche und. seelische Not,. VerzweiflungLauSbruch, Barrikadenschlacht, Niederwerfung der Armen.... immer ist e» so: Ihr laßt den Armen schuldig werden! Und'in solcher Welt wachsen Kinder heran!„Sie sprechen schon' mit sechs Jahren die Sprache der Großen, kennen Flüche und Zoten, und ahmen miteinander die Eltern nach, die großen Geschwister. Prügelei, Betrunkenheit. Wenn e» kein'Kind mehr gibt— was bleibt von Gott übrig?"— Aber noch einmal bricht. Gott in ihnen durch, ste blicken in den Himmel, sie lieben die. Sterne, sie flüstern scheu entzückt) wenn wieder einer fällt.— Ich hab mir was gewünscht.— Ich auch.— Du auch?— Was, du, was?— Man darf es nicht sagen, sonst erfüllt e» sich nicht.— Ja, auch Vierzehnjährige werden für eine Nacht Kindir. Dora und Hilde, die sonst schon hent alles vergessen,- hocken bei den Kleinen'und wünschen sich. Da schießen zwei Sterne auf einmal nebeneinander durch, da» Weltall, ah,' in.weitem Bogen, wie Schimmer, sie ertrinken' im weiten Raum. Nein, Im. Hetzen der Kinder erlöschen sie, in diese Herzen mündet da» himmlische Feuerwerk." Fink sagt:„Diese».Buch schrieb ich au» Liebe, au» unlöslicher Verbundenheit mit'den Armen, aus Hoffnuüg: den oder jenen-aus dem sündigen Schlaf des Nichtwissen» zu wecken, manches Her.z wa'ch zu rufen." Gelingt es, da» eine oder andere Herz wächzurufen, so ist gewiß etwas getan. An mehr glaubt Fink nicht, vermag'er nicht zu glauben:„... die Armut ist ein Naturgesetz, ste ist' unausrottbar." Wir. aber, die wir glauben an eine Welt ohne Armut— nicht heute, nicht morgen schon, aber doch möglich und einzige» wirklich erstrebenswerte Ziel'alles menschlichen MühenS— wir wollen.Mich die Worte.de» Dichters, die zugleich. Worte der Klage und der Anklage'sind, un» mahnen lassen zu höchster Pflichterfüllung, zu einer Pflichterfüllung, die die Liebe un» gebietet, die Liebe zu de»'Armen, und da» Mitleid.mit den Leidenden.'.■?-■ I. H, nun Marmelade kochen» fit kl tewtirtthMe sMetelnt fltwim(bnrtto J l/ t kg) worin mit dta Solntampfir zerdrlekt oder m Hilftmi gnokoltlM atd mit 2‘/» kg Zitter 10 Mmtes brimsd tukocht. Diu tflbrt mal du Wm|t ilur Flucht Oukti 4 U 0*00 mim. MOt Mthmito uhnUM nd llllt ufert riühill imGISeer tn 10 Minuten - VMnenachdchkn Republikanische Wehr, Prag. Am Donnerstag, den 1.. Juli, am Sportplatz der DTJ, hinter dem Baumgarten,letzterUebungSabend vor dem Reich»aufmarsch. Erscheinen all e r 81 SB* Mitglieder unbedingtnotwendig! Ausgabe der restlichen Legitimationen und Instruktionen. Zudcmantel— Fußballmeister des 5. Union-Kreises Da» am vergangenen Sonntag in Kleinaugezd zwischen„Freiheit" Warnsdorf und Viktoria" Zuckmantel ausgetragene Endspiel um den Fußballmeister deS 5. Union-Kreises schloß mit dem hohen 8:1, (2:9)-Siege Zuckmantels und mit besten Erringung des Meistertitels. Die Warnsdorf«, die bei der herrschenden Hitze bald ihrem eigenen Tempo zum Opfer fielen, konnten nur eine Halbzeit, gefallen. Nach der Pause hatte Zuckmantel leichte» Spiel und bereitete Warnsdorf eine Niederlage, die bei anderen WitterungSverhältniffen wähl nicht ein» solch katastrophale Höhe erreicht hätte. Aber immerhin wäre Warnsdorf anzuempfehlen, seine. Mannschaft entsprechend zu verjüngen, um. für später in ähnlichen Situationen bester gewappnet zn sein..Der Sieg Zuckmantel» als die technisch bessere Elf war verdient, wenn auch nicht in dieser Höbe. Leichtathletische Ausscheidungswettkämpfe Im 5. Union-Kreis Die am Sonntag im Aussiger, Stadion durchgeführten Ausscheidungswettkämpfe des 5. Union- Kreise» ergaben nur durchschnittliche Ergebnisse, mit Ausnahme dds 1599-Meter-Laufe», der zum Fünfkampf zählte. Im Dreisprung emielte Rossel(Prag) eine neue Bundeshöchstleistung und im Kugelstoßen wurde' erstmals die Elf-Meter-Grenze überschritten. Folgende Ergebnisse ivurden erzielt: Sportler: 199 Meter: 1. Nossek(Prag)' 11.8, 2. Sterzel(Aussig) 12.2 Sek., 8. Goldbach (Aussig), 4. Raschel(Marschen).— 299.Meter: 1. Nossek 24.8, 2. Goldbach 25.2 Sek., 8. Raschel. — 1599 Meter: 1. Kraus(Aussig) 4:26.4 Mm., 2. Jäger(Aussig) Kugel: 1. Rossel 11.19, 2. Landsteiner(Aussig) 11.95, 8. Chliepek 19.45 Dieter. — Dreisprung: 1. Nossek 12.98 Meter(neue Bun« deshöchleistung).— Fünfkampf: 1. Breite(Aussig)' 844, 2. Max Richter(Biela) 818.95, 8. Löbel (Biela) 818.85, 4. Bradatsch(Aussig 818.68, 8. Pltrosf.(Tischau) 318.48, 5. Erwin Gaube(Groß«, priesen) 899.88 Punkte.— Sportlerinnen: 199 Meter: 1. Eckert(Teplitz) 14 2, 2. Kauer (Prag) 14.8 Sek. Alle„guten" Dinge sind drei: Auch Sparta hat es nicht geschafft Admira gewann 1:0(0:0) - Der letzte Vertreter der Tschechoslowakei Im Mitropa-Cup,. Sparta Prag, welcher am Dienstag in Budapest das dritte Mal mit Admira Wien um den Aufstieg in die zweite Runde kiünvfte, ist nun dem Schicksal der Proßnitzer und der Slavia gefolgt. Spartas Angriff war wiederum der versagende Teil' und nach der Pause,' als die Wiener energisch wurden, fielen auch die rückwärtigen Formationen durch Ueberläftung ab. Admira spielte wieder taktisch richtig und ihre schnellen Angriffe fanden nach der Pause weniger Widerstand als vorher. Für Sparta bedeutet das Ausscheiden auch einen schwer zu überwindenden finanziellen Verlust, denn' bei den gemachten Investitionen' arch dem eigenen Sportplatz hat man wähl mit den Einnähmen au» dem Mitropa-Cup sehr gerechnet—über für diese» Jahr bleibt der„Segen" aus......■ - Die Wiener Vienna uewann in Zürich ihr drit« tes Spiel im Mitrppa-Cup gegen Noung Fellow» mit 2:9(9:9).— Die Wiener Klichz steigen also gemeinsam in die zweite Rnnde auf. Partelgenosstn! Parteigenosse! . Bist Du schon Mitglied der AstßnhWWWßOeH wenn nicht, dann tritt bei. „OrrunfeftOaftt“ B e z u g» b e»« n g u n g-. n: Bei Zustellung in» Hau» oder bet Bezug durch die Poft monatlich Ai 16.—, vierteljährlich'Kd 48.—, halbjährig Kd 00.— ganzjährig Kd 192.—,'— Jnjekäte Herden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß,.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele» . graphendireltion.tnitErlaß Nr. 18)8llü/vll/1989 bewilligt,— Druck-rei:.Orbis". Druck-. Verlag»« und Zeitungl-A.-G. Prag.