Sozialdemokrat s-i,t«alorgan der Deutsche» sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der TschechoslowaNschen Reyubttk «rsch-»«t A«-«ahm- de« Mantas t»gNch früh/ Ein,-Ip--ia 70 H-H-r Redaktion u. Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber- Siegfried Taub- Derantw. Redakteur i.B.: Zdenko Neuwirth, Prag 1".«tatarnng ffreitod. 2.3«lt 1937 Aut dem Inhalt: Stürmische Schluß-Sifeung im Senat: Dr. Heller rechnet mit den Sudetonazis abl Die Schlacht bei Zborow Neuer Sitzstreik bei Pick-Oberleutensdorf Die Bestattung Max Adlers Nr. 154 Aussig ruft! freunde der RW heraus I Wenige Stunden trennen uns noch von der ersten Reichsveranstaltung unserer Republik», nischen Wehr. Die Treueste« unserer sturmerprobten sude- trndentscheu Arbeiterbewegung werden sich»um t. ReichSanfmarsch in Aussig versammeln. Mer und abermals sind die Männer der NW dem Rufe der Partei gefolgt. Zu jeder TageS. und Nachtzeit, in Käste und' Regen, ohne Rücksicht auf Opfer und Ge- fahren waren sie zur Stelle, wo eS das Interesse der großen Sache erforderte. Kür diese mustergültige Pflichterfüllung haben die RW-Männer niemals Dank gefordert oder erwartet.' Mer die Gesamtheit der sudetendeutschcn Sozialdemokratie ist ihnen Dank und Solidarität schuldig. Darum ist die Teilnahme an den Auffiger Kundgebungen sozialistische Ehrenpflicht. Wir zählen auf die eisernen Bataillone un- serer. nordböhmischen Arbeiterschaft. Sie haben allen faschistischen Anstürmen kühn die Stirn geboten.' Sie sollen auch beim sozialistischen Ge- genstotz in Len ersten Reihen marschieren. Wir rufen die sozialistischen Frauen, die freien-^Gewerkschafter aus--den- Betrieben-mnd- Schächten, wir,rufen die roten Sportler und die rote Jugend: Auf am Samstag und Sonntag in das Herz des industriellen Deutschböhme«, iu die schöne Elbestadt Aussig! Wer nur irgendwie die Möglichkeit hat, auch aus. den entfernteren Gebieten, am 1. Reichsaufmarsch der RW tcilzunehmen, der komme I Es mögen viele, viele begeisterte Send- boten dann zu Hause erzählen von der unbesieg- lichen Kraft, von dem neuen Offensivsseist, von der wieder wachsenden Größe der Bewegung, i' Aussig ruft! Bott der Arbeit- seid zur Stelle! Niemöller verhaftet Berlin.(Havas.) Donnerstag wurde Pastor Niemöller verhaftet. Pastor Niemöller, der während des Krieges Kommandant eines deutschen Unterseebootes war, ist bekanntlich der tapfere Führer der Bekenntniskirche. Horthy, der ungekrönte König Budapest.(92X3.) Mit einer in der »»»irischen parlamentarischen Geschichte seltenen Einmütigkeit nahm Donnerstag daS Abgeordnetenhaus die GeseheSvorlagr über die Erweitern« der Machtbefugnisse deS Reichsverwesers an, Das Parlament brachte auch nach außen hin di, historische Bedeutung des Gesetze- zum Ausdrucke. Der Sitzung wohnteu fast alle Mitglieder des Hauses bei. Ein« Ausnahme bildeten lediglich die S o z i a l d e m o k r a t« n, die sich von. der Sitzung s e r n h i«l te n. Auf der Achse.;. Innsbruck. Bor einiger Zeit hat in Italien das Bodenamt seineTätigkeit aufgenommen, dass»» Aufgabe darin besteht, im Grenzland Boden anzukaufen. DaS Institut arbeitet auch im ehemalige« S ü d t i r o l und hat bereit- mit Hilfe des Staate- 78 Bauern» siedlungen ang.ekauft, von denen 65 in dentfchen Händen waren. Attentaten Jaffa -"^Sqffa.-Der Führer"der'.ärabischen gemäßig« ten. Partei. ZgrA" Bey Ngschaschwi. wprde das Lpftr-eineS'rkttentateS radikaler:Amber in einem. KÄffcehauS-in" Jaffa. Er wurde durch drei Schüsse, virletzt,.- Will Italien den Krieg! Mussolini:„Freiwillige bleiben bei Franco“ I Parlamentarischer Rückblick 82,nt.(HavaS.) Im„Popolo d'Jtalia" ist ein Artikel deS Ministerpräsidenten Mussolini unter dein Titel:»Die Freiwilligen und London" erschienen. ES wird darin der italienische Standpunkt zu der Frage der Abberufung der Freiwilligen auS Spanien dargelegt. Die Abberufung der Freiwilligen wird als unmöglich erachtet, da die italienischen Freiwilligen, die in Spanien kämpfen, voir der italienischen Negierung nicht abhängig seien. Dem„Popolo d'Jtalia" zufolge seien bereit- im zweiten Halbjahr 1936 nach Spanien an 56.066 Freiwillige an- alle» Teilen Europa-, insbesondere au- Frankreich, gekommen. Die italienische» Freiwilligen kamen nach Spanien erst Grde de- Jahres 1936. DaS Blatt erinnert daran, daß im Feber 1937 der Richtinterven» tionSauSschuß rin Verbot weiterer Freiwilligenentsendung nach Spanien beschlossen habe. Italien, sagt das Blatt, habe daS Abkommen respektiert, während Frankreich eS offen" verletzte. Die italienischen Freiwilligen wurden nicht von der Regierung entsendet. Bon dem Tage ab, da sie spanischen Boden betraten und in die Armee der spanischen Rationalisten eintraten, unterliegen sie einzig dem General Franko. Italien kann diese Freiwilligen nicht abberufen und wird sie nicht abberufen. DaS Blatt bezeichnet im weiteren die Ansicht Großbritanniens als lächerlich, daß als Borwand zur Abberufung der Freiwillig«« ans Spanien"genommen werden soll, daß die Anwrsenheit der Freiwilligen'den- Kriegs in Spanien verlängere.. Vie Westmächte am Ende Ihrer Geduld? London.-(Reuter.) Wie da- Reuter- Büro meldet, wollen Rom und Berlin Vorschlägen, daß die Lücken in der Seekonttollc nicht auSgefüllt und di« See-Ueberwachnng aufgehoben, trotzdem aber der Grundsatz der Nichteinmischung beibehalten und beiden kämpfenden Parteien in Spanien die Rechte kriegführender Staaten zuerkannt werde». Der Standpunkt England» und Gefährliche Spannung In Fem-Ost Die gespannte Situation im Fernen Osten ist durch einen« e»en Zwischen füll kompliziert worden. Ein japanische» Kanonenboot auf dem Amur hat das Feuer gegen die russische Grenzpatronille eröffnet und 2 Mann getötet. Darauf haben russische Boote de» japanische gezwungen, am russischen Ufer anznlegen. Ja Moskau wurde der japanische Botschafter ins Anßenkommiffariat berufen, nm den Protest der Sowjetrrgiernag entgegenzunehmen. Zugleich protestierte er seinerseits. In Tokio finden Beratungen der politischen«nd militärischen Spitzen statt. Man erklärt allerdings, daß man eine friedliche Regelung anstrebe, besteht aber auf Räumung der Inseln. Bezeichnend für de» Ernst der Lage ist die Tatsache, daß auch die USA sich für de» Konflikt interessieren und durch ihren Moskauer Botschafter Informationen einholte«. Das polnisch-rumänische. Bündnis Gesandtschaften werden Botschaften Warschau. Der rumänische Außenminister AntoneSe« und der polnische AußenmiNi- stcr Beck haben Mittwoch nachmittags ans dem Wawel-Schlosse in Krakau ein Protokoll mrtrr- zeichnet, demzufolge in kürzester Frist.die rumänische Gesandtschaft in Warschau unddie-polnische Gesandtschaft in Bukarest zum Range von Bot», schäften erhoben werden sollen." ... lieber de» Besuch König Earals iin-Palen wurde esn amtliches Kommuniaut veröffentlicht, in welchem eS n. a. heißt,, der, Besuch Hase der «"«., erKör Sa r.en F r.e u n d s ch'a s t, die die'Seiden Länder-so glücklich verbindet, einen besonders stärken Ausdruck verliehen. Die llnter- rednngen, die bet. dieser Gelegenheit stgttfanden, vielleicht auch Frankreich- ist jedoch ein vollkommen konträrer. ES ist klar, daß ein« derartige Regelung, falls der Schutz gegen eine Einmischung zur See ernstlich geschwächt werden sollte, ivährend dir französisch-spanische Grenze gesperrt werden würde, nur teilweise fungieren könnte. Außerdem wird erklärt, daß Franeo einige Borteil« aus der Zuerkennung der Rechte al- kriegführende Partei ziehen würde. In London wird keineswegs bezweifelt, daß Groß- briiamiie» und Frankreich sich ans eine weitere Be- achtnng des SiichteinmischungSanSschusses einigen würden, falls die Seekontrolle außer Kraft gesetzt werde» sollte. FallS die französisch-englischen Vorschläge zur Ausfüllung der Lücken in der Seekontrolle in der Sitzung deS Richtein- mischung-auSschuffcS nicht angenommen werden, werden sich Großbritannien»nd Frankreich, wie nunmehr festzustehen scheint, ihren Standpunkt in der gesamten Nichteinmifchnngspolitik Vorbehalten. Par i S. Außenminister Avon Delbos erstattete Donnerstag in der Nachmittagssitzung des AußenauSschnsse« der Kammer ein Expost über die aktuell« außenpolitische Situation-«nd insbesondere über die Schwierigkeiten bei den Ber- handlungen deS"Londoner RichteinmischungsanS- schusseS. Der Außenanöschust der Kammer sprach die Ansicht ans, daß k e i n« R« d« davon sein könne, daß.Frankreich GeneralFraneo da» Recht einer kriegführenden Partei"zue r» ^ e n-n< nnd daß-auch England dieS nicht tun wolle. Die gleich« Einmütigkeit-nb sich kund, als der Außenminister hlnzusügte,' daß Frankreich und Großbritannien die ganze Frage der Nichteinmischung ne« durchberaten müßten, wenn durch de» Widerstand Deutschlands und Italiens da» Projekt der Seekontrolle vereitelt«nd so auch daganz« Richtrinmischnngsstzstem zunichte gemacht werden sollte. ES sei offensichtlich, daß insbesondere Frankreich dann nicht mehr z u l a s-' s e n könnte, daß an seiner PNrenäen- Grenze einc Kontrolle durchgeführt würde, insbesondere wenn an der" portugiesischspanische» Grenze keine Kontrolle bestünde. hätten zu der Feststellung der volle nUeber- ein st immun« derbeiderseitige» I n t« r e f s e» sowie zu der Konstatierung geführt, da die Aufrechterhaltung deS Friedens daS Grnndzirl deS polnisch-rumänischen Bündnisse- sei. Mittwoch wurde im Wawel-Schlosse vom rumänischen Außenminister Antonescu und dem polnischen Außenminister Beck ein Protokoll unterzeichnet. Aus der Anwesenheit des rumänischen Staatssekretärs im Nationalverteidigungsministerium General G l a tz, der Spezialist für Rüstungsfragen ist, wird— wie Havas sagt— allgemein gefolgert, daß Rumänien Flugzeuge und Gasmasken in Polen kaufen werde. Dafür werde Palen größere Einkäufe in rumänischem Mangan für die eigenen Rüstungen tätigen. Der Chef de» polnischen Generalstabes, General StachiewicS, wird mit zahlreichen Offizieren^ darunter General Maliniowski, der mit- der Ausrüstung der polnische» Armee besonders befaßt"ist, nach Bukarest abreisen. Marschall Rydz-Smigli wurde von König Carol eingeladen,- den Herbstmanövern der rumänischen Armee beizuwohnen. Franc-Abwertung 15—20 Prozent Paris. Die ersten Nachrichten über die übereinstimmende Notierung des Franc-Kurses an den Börsen in Paris, London" und New Fort weisen darauf hin, daß die Franc-Devalvierung, die zivischen den drei Staaten," tvelche im Oktober 1986.das. WährmigSabkqnnnen unterzeichnet haben,'. nfilulich USA, England. und Frankreich, grundsätzlich In» letzten. Augenblick vereinbart wurde) ettöa Iss", bis Ist. Prozent betragen wird. Es. wurde auchlvereinbürt, daß der Franc wenig« stens in der erstich Zeit Hne bewegliche Währung bleibt und7erst.".später Nach den.Erfahrungen" der neuen Regierung stabilisiert werden wird. ,-" '. London. Die"Regierungen von-Frankreich» England und Amerika Haben einvernehmlich festgestellt, an dem Dreier-WährungSabkomme» aus dem Jahre 1986 festzuhasten. Stach dem Buchstaben der Verfassung bestünde eigentlich fein Anlaß, der eben beendete» Sitzungsperiode der beiden Häuser des Parlaments einen Rückblick zu widmen. Denn nach der Verfassung inuß die Herbstsession im Oktober beginnen, die FrühjahrSsession dauert also formell noch an. Aber faktisch bedeutet die unvermeidliche Sommerpause einen solchen Einschnitt in- Verlaufe der parlamentarischen Verhandlungen, daß eine rückschaucnde Betrachtung durchaus am Platze ist. Mit Genugtuung können wir feststellcn, daß die parlamentarische Ernte diesmal ziemlich reichlich ausgefallen ist und der ArbeitSwilligwit und Arbeitsfähigkeit unserer gesetzgebenden Körperschaften ein gutes Zeugnis ausstellt. Es ist in einer kurzen Uebersicht natürlich nicht möglich, mehr als eine bloße Aufzählung der geleisteten Arbeiten zu liefern, und mehr ist auch gar nicht nötig, da die einzelne» Geseheswerke ja ihre Würdigung in unserem Blatte bereits gesunden haben. Aber schon die bloße Aufzählung wird uns manche politische Belehrung bieten. Es entspricht der überaus ernsten internationalen Situation, daß das Stzstem der Maß- nahnien zur Verteidigung des Staates einen weiteren Ausbau erfuhr. Hieher gehört daS Gesetz über die Feldgerichte, von dem wir hoffen lvollen, daß cs Vorsorge für einen Fall bleibt, der nicht eintreten wird, vor allem aber das Gesetz über die W e h r e rz i e h u n g, das freilich schon im- Frieden zur Wirksamkeit gelangt und von-dessen Durchführung" wir"erwarten, daß es. der.Ausgestaltung einer wehrfähigen Demo k r a t i e dienen wird. Außerordentlich bedeutungsvoll waren dies« mal die Leistungen aus dem. Gebiet der I u st i z» g e s e tz g e b u n g, die ja zu den klassischen Aufgaben des Parlamentarismus gehört. Der verflossene SesstonSabschnitt hat die bevorstehenden großen KodisizierungSarbeiten mit einem würdige» Auftakt eingeleitet, indem über den Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuches und der Zivilprozeßordnung — zum erstemnal in der Geschichte unseres Parlamentarismus— eine Debatte vor der Aus- schußbcratung abgeführt wurde, womit die üi unserem Parlamente leider so seltene Gelegenheir zu einer grundsätzlichen Aussprache gegeben lvar. Die Beratungen der VerwaltungSge- richts Novelle wurden beendet, ihr Ergebnis darf als Festigung der Rechtssicherheit gcwür- digt werden. Auf dem Gebiete deS V c r f a s s u n g S- und Berwaltungsrechtes ist neben dem Eisenbahngesetze, das nicht die vcr- kchrstechnischen, sondern die rechtlichen Verhältnisse der Eisenbahnen regelt, das Gesetz iiüer die Rechtsstellung des karpathorussisch en Gouverneurs zu registrieren, sowie eine Gemeindewahl Novelle, welche der übermäßigen Parteienzersplitterung entgegemvir- ken soll, die Stellung der parlamentarisch vertretenen Parteien aber unberührt läßt.. Besonders erfreulich ist es, daß wir diesmal auch von wesentlichen k-u l t u r p o I i t i s ch e n L e.i st u n g e n berichten können. Hier Ist die Errichtung einer- technischen Hochschule in Kqschau zu erwähnen, die, da nust der b e r e ch t igle Anspruch der Slowaken erfüllt wurde,. den Ruf nach Auflassung einer deutschen Technik endgültig zum Verstumme» bringen sollte. Ganz besonders wertvoll ist aber die Novelle zum kleinen Schulgesetze, die alle Klassen mit 45 Schülern vor der Auflösung bewahrt und die hoffentlich den- ersten Schritt zu einer pädagogisch befriedigenden endgültigen Lösung des Problems der Schülerzahl bilden wird. So. hat die abgeschlossene Tagung nicht nur fruchtbare Arbeit geleistet,- sondern auch neu« Arbeiten für die Zukunft vorbereitet. Es sei er- wähnt, daß auch der Entwurf eines neuen Strafgesetzes bereits ausgearbeitet wurde und es sei der Erwartung Ausdruck gegeben, daß das vom Genossen Czech in einer Pressekonferenz angekündigte" Krankenhaus g e s e tz bald auf den Puste» der Abgeordneten liegen-wirs, Zwei wichtige" Probleme fehlen freilich in unserer Uehersicht. Zunächst das national> politische Problem, da ja die Durchsüh- rung.der.. Vereinbarungen. vonr..18.. Fcbruaö Seife 2. Freitag, 2. Juli 1937 Nr. 154 Dr. Heller über die SdP; „Im Dienste einer feindlichen Macht“ Stürmischer Abschluß der Senatstagung Die letzte GenatSsttzung am Donnerstag gestaltete fich wider Erwarten noch sehr stürmisch. Herr Frank(SdP) setzte In einer Rede zur Wehrerziehung seine gestrigen Angrisfe gegen die tschechoslowakische Außenpolitik fort, wobei ihm die hümifche Schadenfreude lurn Gesicht zu lese» war, alS er die angebliche„Isolierung" der Tschechoslowakei in den düstersten Farben auS- malte. Das veranlasste den Genoffen Dr. Heller, diesen Herren wieder einmal energisch entgegenzutreten. Gleich bei seinen ersten Worten stieß er förmlich in ein Wespennest, so aufgeregt gebärdeten sich die Herren von der SdP vor der Rednertribüne. Herr Frank, der kurz vorher bei jedem Zwischenruf, der ihm selbst gemacht wurde, nasenrümpfend gewartet hatte, VIS wieder völlige Ruhe eingetreten war, suchte den Redner nun selber zu stören, wo er nur irgend konnte, und wurde dabei von Pfrogner, Bock etc. unterstützt, fo gut»der so schlecht sie eS eben trafen. Als ihre Geistesblitze alle daneben gingen, griffen die SdP-Leute zur bewußten Sabotage, provozierten vor den Bänken Zusammenstöße mit unseren Leuten, mit tschechischen Sozialdemokraten nnd Kommunisten, um so die anklagenden Worte Dr. Hellers im Lärm untergehen zu kaffen. Herr Frank(SdP) hatte in einer Rede zur Wehrerziehung die Tschechoslowakei sehr anzüglich mit dem Serbien von anno 1914 verglichen, wobei ihm Kreibich(Kom.) dazwischenrief:„Damals habt Ihr gebrüllt! Serbien muß sterbienl— und heute sprecht Ihr von dem tapferen Volk!"— In einem salbungsvollen Ton zitierte Frank weiters die schreckliche Gefahr einer Bolschewisterung Frankreichs und spöttelte darüber, daß dessen Goldreserven „futsch" seien. lZwischenruf: Vielleicht gibt Deutschland jetzt sein Gold Herl Gelächteri) Frank zitiert weiters den französischen General N i v ell e, der den Sowjetpakt als einen Betrug hingestellt habe, da man nicht wisse, auf wen die russischen Soldaten im Ernstfall schießen würden. Dr. Heller ruft:„So wie die Deutschen— aber die werden hoffentlich doch wissen, auf wen: auf ihre Peiniger!" Franks lveiiere gehässige Kritik an der Wehrerziehung und an der Durchführung der StaatSver» teidigungSgesetze» fertigte später der Referent Sole mit dem Bemerken ab, die tschechischen Parteien hätten eS nicht nötig, ausgerechnet bei der SdP in die Schule zu gehen, um zu erfahren, was Demokratie ist. Die Koalition beschränkte sich aus Zeitmangel ebenso wie im Abgeordnetenhaus auf eine gemeinsame Erklärung, die Dundr(Soz.-Dem.) vortrug. I Er erklärte, alle in den letzten Jahren getrof- s feneu Maßnahmen auf militärischem Gebiet haben nur den einzigen Zweck: zu zeigen, daß wir mora- s lisch, kulturell und militärisch auf jede Eventualität I vorbereitet sind, die Freiheit und staatliche Selbständigkeit zu verteidigen. An unserer Friedenspolitik ändert dar Gesetz nicht dar geringste. Dundr sprach Aber auch daS half nichts, da sich Dr. Heller all den Scheelem zum Trotz doch immer wieder durchsetzen und ihiren seine Meinung gründlich sage» konnte. ES war ganz ungewöhnlich, daß ihn znin Schluß seiner Rede die ganzen tschechi- i schließlich die feste Ueberzeugung aus, daß das Gescheit Parteien demonstrativ mit lang» s fetz auch in demselben demokratischen Geist durchge- anhaltendem, stürmischem Beifall überschütteten. I führt werden wird, in dem er beschlossen wurde. Eine gründliche Abfuhr des Herrn Frank II Der Heller befaßte sich einleitend zunächst mit der Rjchtergehaltsvorlage und stellte fest, daß die Frage der Nachzahlungen für die Jahre 1984 bis 1986 noch immer offen bleibt. Die Tatsache, daß ein'Oberstes Gericht Verordnungen der Regierung für verfassungswidrig erklärt, ist sicherlich nicht geeignet, dem Ansehen des Staates und der Regierung zu nützen. Durch die besonderen Zulagen werden die Richter nunmehr über die Bezüge der anderen Beamten gestellt. Wenn man den Standpunkt teilt, daß denRichtem eineVorzugs- stellu ng den ander» Beamten gegenüber gebührt, so aus der Erkenntnis heraus, daß das Amt des Richters das verantwortunqvollstesm Staat, ist;,dah unsere Richter aber auch den gestellten Anforderungen vollständig nachkommen. Die„Frankfurter Zeitung“ diktiert die Haltung der SdP Wie notwendig eS ist, fuhr Dr. Heller fort, unsere Richter vor Angriffen zu schützen, das zeigen die Vorfälle der letzten Zeit. Senator Frank hat die gestrigen Verhandlungen über den Fremdeiwer- kehrSIredit dazu benützt, um die auswärtige Politik unseres Staates anzuareifen. Daß der Rückgang der Frequenz unserer Kurorte zum großen Teil in der allgemeinen wirtschaftlichen Lage begründet ist (Zwischenrufe Franks), daß insbesondere der Rückgang der Kurgäste aus Deutschland auf valutarische Maßnahmen der Deutschen Reiches zurückzuführen ist, das hat Senator Frank nicht erwähnt. Er hat vielmehr alle Schuld an dem verminderten Fremden verkehr der auswärtigen Politik unseres Staates in die Schuhe geschoben! Die auswärtige Politik unseres Staates hat Herr Senator Frank gestern vollständig parallel behandelt mit der Art, wie dies die„Frankfurter Zeitung" In zwei Artikeln vom letzten und vorletzten Sonntag getan bat.(Unruhe.) In diesem Artikel wird alle Schuld daran, daß Europa sich heute in so schtverer Verwirrung befindet, der Tschechoslowakei und haiwtsächlich der Politik zugeschoben, die Präsident Dr. BeneL seinerzeit als Außenminister gemacht hat. ES ist mehr als bezeichnend, daß ein tfchecho- slowakischer Senator sich die Argumentation eines Blattes z« eigen macht, welches unsere auswärtige Politik in ganz rinseiti ger und unzutreffender Weise schildert und selbst die Person unseres Staatsvräsidenten in die Debatte zieht. Herr Frank hat fiir freundschaftliche Beziehungen zu unseren Nachbarn— er meint natürlich in erster Linie Deutschland— plädiert. Auch wir wünschen zwar nicht freundschaftliche Beziehungen zu einem nationalsozialistischen Staat, aber ruhige und korrekte Beziehungen auch zu Deutschland.(Pfrogner: Also keine Freundschaft!) Nein. Wir können keine freundschaftliche» Beziehungen zu einem Staate haben, dessen Grundlage von der unsrigen so vollständig verschieden ist. Wer ist schuld daran, daß es zu korrekten Beziehungen nicht kommt?(Frank: Sie können über Deutschland nicht reden. Sie sind ebenso wenig ein Deutscher wie Blum ein Franzose.) Kongreß der VSIkerbundligen Bratislava- Die Minderheiten-Kommission, welche Mittwoch unter dem Vorsitze Dr. Bakker van Bosses ihre Arbeiten beendete, hatte einen viel ruhigeren Arbeitsverlauf zu verzeichnen, als dies anläßlich früherer Kongresse der Internationalen Union dec Völlerbundligen der Fall war. Von der tschechoslowakischen Delegation nahmen an der Arbeit der Minderheiten-Kommission teil: Prof. Dr. K. B a x a, Dr. Z o u r e k, die Abgeordneten SzüIlö und E st e r h ä z h, Dr. F r a n z e l, Dr. Clary-Aldringen, Architekt Rutha und Dr. Margulies- Die größte Diskussion tvurde von dem österreichischen Antrag ausgelöst, der forderte, daß beim Völkerbunde eine Ständige Kommission für Minderheitenfragen errichtet worden möge, welche die Kontrolle.des Minderheitenschutzes durch- zuführen und zu leiten hätte. außerhalb des Bereiches der legislatorischen Arbeiten liegt. Aber Ivenn das nationalpolitische Verständigungstverk auch nicht in formellen Gesetzesbeschlüssen zum Ausdruck gekommen ist, so wäre eS doch ein Unrecht, den großen Erfolg der deutschen aktivistischen Parteien nicht auch in diesem Zusammenhang zu verzeichnen. Dann aber fehlt in dem Register der parlamentarischen Leistungen nahezu vollständig die Lösung wirtschaftlicher Probleme. Das ist wie allgemein bekannt, die Folge des Ermächtigungsgesetzes, das die Bewältigung der wirtschaftspolitischen Ausgaben fast ausschließlich der Verordnungsgewalt übertragen hat. Wir dürfen uns darauf berufen, daß gerade an dieser Stelle schon längst und wiederholt auf die gefährliche Tendenz des Ermächtigungsgesetzes hingewiesen wurde, weit hinaus über szjnen ursprünglichen Zweck als Notbehelf in einer sich überstürzenden Entlvicklung, eine Einschränkung der gesetzgeberischen Tätigkeit, eine Verkümmerung der parlamentarischen Initiative zu bewirken und damit das parlamentarischdemokratische System in seinen Wurzeln zu gefährden. Wenn sich die Regierung entschlossen hat, eine weitere Verlängerung der Ermächtigung nicht mehr anzusprechen, so hat sie damit der tschechosloloalischen Demokratie sehr wirksam gedient. Sie hat damit eine quälende verfassungsrechtliche Unsicherheit aus der Welt geschafft— die in einem peinlichen Konflikt mit den Richtern bereits akut geworden war—, sie hat aber auch der politischen Entwicklung des Landes eine sehr begrüßenswerte Wendung gegeben. So ist das Ermächtigungsgesetz eine Episode geblieben, die den harten Notwendigkeiten des raschen Eingreifens in das wirtschaftliche Chaos der Krise Rechnung trug, deren verhältnismäßig rasche Liquidierung aber beweist, daß die verfassungsrechtliche Entwicklung Unserer Republik dem psychologischen Druck der Diktaturen nicht erlegen ist. Das Erlöschen der Ermächtigung wird dein tschechoslowakischen Parlament eine wesentlich vermehrte Arbeitslast auserlegen. Wir sind überzeugt, daß es ihr gewachsen sein wird, daß es seinen schöpferischen Willen nnd seine Arbeitsfähigkeit, so wie schon bisher auf den anderen Gebieten der Gesetzgebung nunmehr auch in der Wirtschafts- und Sozialpolitik bewähren wird. Und so ist es das Erfreuliche an diesem parlamentarischen Rückblick, daß er einen Ausblick in eine neue Zukunft des lebendigen deniokratischen Parlamentarismus eröffnet. R. W. 10 Negerkönigs Tochter Roman von Otto Stttssl COPYRIGHT BY SATURN- VERLAG, WIEN Auch dies wurde huldvoll anerkannt und der kleine tschechische Doktor mit der Zusicherung jeder wünschbaren und möglichen Unterstützung wohlwollend entlassen. Nun ging in dem Praterpavillon das eifrigste Arbeiten an. Tesat der Zimmermann, ein junger kräftiger Bursch, der in einem abgetragenen schwarzen Anzuge mit brennroter Krawatte erschienen>var, hämmerte und sägte nach Leibeskräften. Man packte die Kisten aus, ordnete die Schätze, in dem großen Saale wurden Wände behängt und ausstasfiert. Dieter beschaffte die nötigen Schränke. In einer Ecke schlug man die dürftigen Lagerstätten auf, wo Hesky, Tesar und Bella schlafen konnten, in einer anderen stand ein Tisch, an dem sie ihre Mahlzeiten einnahmen. Ein Pxaiergasthaus stellte das nötige Geschirr bei, und so richtete man sich in dem Wirrwarr dee künftigen Ausstellung häuslich ein. Dieter ließ mächtige schwarz-gelbe Plakate drucken, in denen die bevorstehenden Sehenswürdigkeiten vernehmbar angekündigt waren, und er selbst ging mit seinem Buben, einen Kleistertopf und Pinsel in der Hand, in der Stadt umher und beklebte die verfügbaren Wände mit diesen Zetteln. Für den Knaben bedeutete dies die schönste Arbeit der schulfreien Zeit. Er fühlte sich dabei als Miturheber des großen Werkes. Endlich war alles so weit fertig, daß man eröffnen konnte. Geweihe und Gezähn aller Art, bunte, verschiedenartige Felle hingen an den Wänden, ausgestopstes Getier stand schweigend und doch beredt umher, ein Krokodil sperrte seinen drohenden Rachen auf, eine Kobra wand sich an einem Stamm empor, als wollte sie gleich niederzischen, in der Mitte war eine Negerhütte aufgerichtet, aus Zweigen und Reisig und Bambus naturgetreu hergestellt, Ivie in der afrikanischen Gegend selbst, darin die Hausgeräte der besuchten Stämme. Ferner gab es kolorierte Zeichnungen, die der Doktor Hesky selbst angefertigt hatte, auf denen die Gestalten der verschiedenen Negerrassen prangten mit ihren Wulstlippen und Lok« ken, Nasenringen und tätowierten Leibern, Karten, die seinen Weg durch diese unermeßliche Wetten zeigten. Kurz er gab, was er hatte, und Dieter fügte aus eigenem noch etwas mehr dazu, indem er manche sonstigen Schätze beistellte, die nicht gerade aus Afrika stammten, aber ohneweiterS mittun konnten und die Fülle vermehrten. Schließlich galt es, Bella als das lebende Zeugnis dieser Reisen auszustaffieren. Dieter meinte, sie solle von Rechts wegen so herumlau- sen, wie sie daheim lebte, und wie eS sich für sie gehörte, in einem schönen Schurz vom Schabra- kenschäkal, mit blauen Glasperlen um den Hals, mit bloßen Armen, einem feinen Nasenring, Beerenbändern an den Knöcheln und mit ihren natürlich geringelten Haaren. Aber da kam er schön an, als er sie auf diese Weise Herrichten wollte, denn sie trug seit ihrer Ankunft im Norden ein buntes Wollkleid, Schuhe, Strümpfe und war recht europäisch ausgeziert. Und dies gefiel ihr auch, da sie ja eben keiner Negerin, sondern einer Weißen gleichen wollte, um dereinst, wie ihr versprochen war, auch in Wahrheit eine Weiße zu werden. Sie schlug und biß um sich, als Dieter sie bewegen wollte, ihre heimatliche Tracht umzutun und schrie den braven.Mann mit Scheltworten an:„Du verfluchter Hundsknochen, du schmutziger Lausekerl, du stinkender Rekrut" und wie dergleichen Ausdrücke ihr beikamen, die, sie sich in den paar Monaten ihres Aufenthaltes im tschechischen Dorf rasch angeeignet hatte. Wußte sie auch nicht genau, was die Worte bedeuteten, so kannte sie doch die abwehrende Kraft eines wohlgelungenen Schimpfes und bediente sich ihrer weidlich. Das gab nun einen Heidenspaß, bei dem Tesat und Hesky und wohl oder übel auch Dieter ihr Vergnügen hatten. Der Doktor schüttelte den Kopf:„Lassen wir sie. Man glaubt ihr schon, was sie ist." Es blieb schließlich nichts übrig, als daß ihr die Frau Dieter aus weißem Zeug ein Konfir« mationskleidchen nähte, mit offenem Halse und spitzenbesäumten kurzen Aermeln. Das ließ sich Bella Wohlgefallen, besah sich eitel im Spiegel und duldete nun auch die Glasperlenhalsbänder, die ihr als allgemeiner Schmuck nicht unlieb erschienen. So wurde die Ausstellung mit Gepränge eröffnet. Bella stand vorne beim Eingänge an der Kasse, um den Besuchern einen richtigen Vorgeschmack der fremden Dinge zu geben, bald mit mürrischem Gesicht, bald grinsend, so daß ihr Mund bis zu den Ohren zu reichen schien und ihre weißen Zähne aus dem roten Rachen leuchteten; versuchte einer, sie zu streicheln, so fauchte sie ihn an, lächelte ein anderer, so zeigte sie ihm die Zunge oder spuckte verächtlich aus, kurz, ohne es zu wollen, verübte sie allerhand Kurzweil und diente als Beweis ihrer eigenen Ungezähmtheit, wie es ja beabsichtigt war. Nicht geduldig genug, sittsam an der Kaffe zu stehen oder zu sitzen, fuhr sie mit einemmal wie mit einem Katzensprung durch die Besucher auf den Doktor los und redete in ihrer Muttersprache auf ihn ein, oder sie sah bei einens Gaste irgendein Ding, das ihr Wohl« gefiel, eine glänzende Berlocke, j einen interessanten Spazierstock oder dergleichen und trachtete es entweder mit unterwürfiger Gebärde zu erbetteln oder mit Drohungen zu entreißen. Ammer wurde sie zurückgehalten und mußte wie ein wildes Tier bewacht und vor sich selbst geschützt werden. Für Geschenke War sie empfänglich, sie nahm Geld und band es gleich In einem"Schnupftuch ein, Zuckerwerk fraß sie, elegante Damen umschmeichelte sie wie ein Hündlein und liebkoste ihre weichen Klei« Dr. Heller: Ich bin Vertreter von so und so viel tausend deutschen Arbeitern in diesem Staate, und dieses Recht wird mir am wenigsten ein Mann nehmen, der seine Parteifarbe öfter wechselt als sein Hemd!(Beifall, Rufe: Wer wechselt seine Parteifarte?) Der Herr Senator Pfrogner! Wir alle, führte Dr. Heller weiter au», waren Zeugen der ungeheuren Angriffe, welchen unser Land seit Jahr und Tag seitens der reichsdeutschen Presse und des reichrdeutschen Rundfunkausgesetzt war. Ich erinnere nur an die bekannte Geschichte mit den russischen Flugzeugen, ich erinnere daran, was für eine unerhört freche Propaganda gegen uns aus dem Falle Weigel heraus getrieben wurde. Dieser Fall gibt mir Veranlassung, noch von einem anderen Fall zu spreche«. (Lärm. Bock: Gehen Sie nur unter dar sudetendeutsche Boll und sagen Sie, daß Sie das Boll vertreten.) Dr. Heller: Wie der Herr Bock Vertreter des sudetendeutschen Volle» ist, da» hat sich gezeigt, als er in Saaz von sudetondeutschen Arbeitern ordentlich Prügel bekommen hat.(Neuer Lärm.) Bock ruft dem Redner drohend zu:„Sie dürfen nicht hinausgehen, dafür garantiere ich Ihnen!" Einige tschechische Sozialdemokraten stellen den Herrn Bock wegen dieser unverhüllten Drohung erregt zur Rede, worauf er auskneift und fälschlich behauptet, er hätte nur gesagt, Dr. Heller„solle" hinausgehen. Dar Fall Sdiraml Dr. Heller befaßt sich nun mit dem Fall Schraml, was die SdP neuerdings zu wütenden Zwischenrufen anspornt. Dieser Schraml hat bei dem SdP-Abgeord- neten Dr. Neuwirth zu Protokoll gegeben, daß er von der Gendarmerie in Wallern und in Pilsen verprügelt und dann auch noch, al» er in Prag in Haft war, sozusagen über Auftrag des Untersuchungsrichters in unmenschlichster Weise geschlagen wurde.(Zwischenrufe Pfrogner».) Herr Abgeordneter Dr. Neuwirth mußte von vornherein sehen,— und jeder halbwegs intelligente Mensch und jeder Advokat, der nicht von vornherein gegen den Staat eingenommen ist, Hölle es auch gesehen, daß es fich hier«m da» Werk eine» Lumpen handelt. Eine einfache telephonische Anfrage in Pan. krae hätte genügt, um zu erfahren, daß der Mann ein Lügner ist und seine Behauptungen von A bis Z unwahr find! Wäre in diesem Falle nicht so rasch und unvermittelt die Wahrheit aufgeklärt worden, dann wäre daraus sicher wieder eine große Mion gegen die Tschechoslowakei geworden! Kreibich: Henlein muß sich doch die 84.000 Mark verdienen, die«r von drüben gekriegt hat! Kain Wort dar Abwehr gegen die reldisdeutsdie Hetze Dr. Heller: Was den Fall Weigel betrifft, so bin ich fest überzeugt, daß er genau so enden wird, wie der Fall Schraml. Dieser Fall Weigel wurde zu einer unerhörten Hetze im deutschen Rundfunk und. in der deutschen Pvesse gegen die Tschechoslowakei benützt.,-.• Vt Gegen diese Hetze, dir seit Jahren von Deutschland au» gegen nn» getrieben wird, haben die Vertreter der SdP auch nicht ein Wort der Abwehr gefunden! Und eS ist doch die Pflicht eines jeden Menschen, der ehrlich auf dem Boden dieses Staates steht, gegen solche freche und unerhörte, in der Geschichte kaum dagewesene Angriffe, wie sie von selten Deutschlands ununterbrochen gegen uns erfolgen, zu protestieren!(Lärm.! Die geifiigo und sonstige Abhängigkeit der SdP vom deutschen Nationalsozialismus verhindert sie. 4.(Frank: Was für„sonstige Abhängigkeit"?) Dr. Heller: Die materielle Abhängigkeit, wenn Sie es wissen wollen! DaS ist n ach gewir. s e n und die Abhängigkeit hindert die SdP daran, dort, wo die Tschechoslowakei angegriffen wird, deren Partei zu ergreifen!(Lärm.) Ja, Sie gehen noch weiter. Ein tschechoslowakischer Senator hat die der. Als ein würdiger Gelehrter, der einen schönen schwarzen Lockenkopf hatte, eintrat und sie heiter ansah, grinste sie ihm vertraulich zu und zerrte ihn unversehens bei den Haaren, indem sie mit der anderen Hand auf ihren eigenen Kopf wies, der ähnlich ausgestattet erschien. Es kam ein Kadett in seiner glänzenden Uniform, ein hübscher Bursch. Da war es vollends um sie geschehen. Sie begann unaufhaltsam um den verlegenen jungen Mann umherzutanzen, sich zu drehen und zu beugen mit vorgestreckier keuchender Brust, die sie ihm zu zeigen und wieder zu entziehen schien, dann mit frech herausgetrir- benem Bauch und ausschlagenden Beinen, wie sie es daheim gesehen hatte, wo die Natur die Weiber solche Tänze lehrt, sich anzubieten und ihren Trieb zu offenbaren. Sie zerrte lachend und toll an ihren Kleidern, um sie sich vom Leibe zu reißen und sich aus freien Stücken In einem echteren Naturzustand darzustellen, als Dieter früher gemeint hatte, der sie nun als Aufseher der ganzen Veranstaltung mit vieler Mühe bändigie und in ein finsteres Nebenzimmer einschloßj wo sie Zeit hatte, über die guten Sitten Europas und der weißen Tugend nachzudenken und ihrer eigenen schwarzen Seele inne zu werden. Drin aber schämte sie sich keineswegs, sondern tobte und schlug rasend an die Tür, so daß ihre Schreie» ihr Geheul und Gestampf halb belustigend, halb schauerlich hervordrangen. Ein Kind an Jahren und Vernunft, war sie doch hier in der Gefangenschaft in dem Alter, wo ihresgleichen, zu Hause dem Gatten gegeben wird und den Mann verlangt. Da hatte sie e» freilich nicht leicht, so zahm und fromm zu werden, wie die Weißen. Später trug man Sorge, ähnliche zwar interessante, aber peinliche, ja gefährliche Zufälle dadurch zu vermeiden, daß man Bella entfernte, wenn von'weitem ein Offizier oder ändere^Besucher sich zeigten, die ihre lebhaftere Teilnahme' erregen konnten. sFortsetzung solgyj Nr. 154 Freitag, 2. In» 1037 Sette 3 Stirn, Don dieser Tribüne an» di» Schuld an dem unangenehmen BerhUtnlS zu Deutschland der tschechoslowakischen Politik in di» Schuhe zu schleien- Da» ist«ine historische Unwahrheit(Beifall)... und ist von selten eine» tschechoslowakische« Senator» ein« geradezu ungeheuerliche Sache! Henleins Luxusauto Al» K reib ich in einem Zwischenruf die Sprache auf Henlein» Auto bringt, sagt Dr. Heller: Deutschland hat nicht da» Geld, um krank« Einwohnern die Devisen für«Inen Kuraufenthalt in der Tschechoslowakei zu»eben, aber Deutschland hat da» Geld, dem Herr» Henlein nicht nur einen«st» baren Horch-Wagen zu schenken, sondem auch noch 46.000 Kd Zoll für Herrn Henlein zu bezahlen! Frank: Da» ist n i ch t D e u t s ch l a n d, da» ist der Jndustrievevband.— Bock: Wa» ist mit den Auto» in Saaz? „Aut selten Deutschlands gegen das eigene Landl“ Dr. Heller: Davon weist ich nicht». Last di« Feinde der Republik dem Herrn Henlein ein Auw schenken, ist für ihn mir bezeichnend. Die SdP steht eben immer dort, wo«» Differenzen zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei gibt, auf selten Dcutschand»»ege« ihr eigene» Land. Damit ist da» nachgewiesen, wa» wir von Anfang an behauptet haben, hast hier im Land««in« Partei ist— leider eine groß» Partei—, die i m D i e n st e einer fremden Macht steht(Beifall auf der Linken, wütende Proteste der SdP)... einer Macht, di« feindlich gegen di« Tschechoslowakei eingestellt ist und deren Borgehen daher gegen di« J«t«r. «ssen unsere» Land«» verftbstt. Bock: Da» ist eine freche Denunziation! Dr. Heller: Der Herr Bock kann da» Wort »Denunziation" nicht einmal aussprechen. Pfrogner: Sie brauchen ihn nicht deutsch zu lernen! Dr- Heller: Man sagt»deutsch lehren", Herr Pfrogner, und nicht»lernen". Sie Linnen leider alle nicht deutsch; Sie muffen e» erst alle lernen!(Gelächter.) , Pfrogner: Sagen Sie da» in Saaz. Dr. Heller: Ich werde es sagen, wo ich will, und werde mir vom Herrn Pfrogner, der seine Gesinnung gewechselt hat, gar nichts befehlen lassen! M aix n er: Sie werden Ihre Gesinnung nicht wechseln können, weil Sie«ine zweite Partei nicht haben. Dr. Heller: Ich hab« meine GestMimg seit mehr al» 40 Jahr««. Ich hab« st« n i« gewechselt und hoffe, mit dieser Gesinnung noch in die Grube zu fahre«! Den« mein« Gesinnung ist kein« G«- s Innung der Konjunktur, Herr Pfrogner, sondern eine Gesinnung, die aus Urb erzen- gun g beruht! Als Dr. Heller mit der Erklärung schließt, daß wir für die Richtergehaltsvorlage stimmen werden, erhebt sich bei allen tschechischen Parteien demonstrativer, langanhaltender Beifall. Ueber die Richtergehaltsvorsage referierte ausführlich Panek, über die Gebührennovelle Modrakek. Zu beiden Vorlagen' gab es eine längere Debatte. Zum Schluß wurde auch noch ein Bericht des landwirtschaftlichen Ausschusses über Maßnahmen bei Elementarkatastrophen zustimmend zur Kenntnis genommen. Damit war dis Tagesordnung erschöpft und der Vorsitzende konnte die Sitzung mitf den- üblichen-Ferienwiinschen schließen.-'.■ Kalfus nochmals gegen Bata Unerwartet hatte im Laufe der Sitzung auch Finanzminister Dr. Kalfuß das Wort ergriffen, um nochmals auf die Angriffe, die Baka bei der kürzlichen Jndustriellentagung gegen die Steuerbehörden wegen ungerechtfertigter Schikanierung erhoben hatte, zu reagieren. Auf die erste Antwort des Ministers im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses hatte Baka mit einer Pole« mtt im Inseratenteil zahlreicher Blätter reagiert. Demgegenüber beharrte der- Minister auf seinen Ausführungen im Abgeordnetenhaus und verteidigte das Vorgehen der ihm untergeordneten Behörden. Anknüpfend an dieses Expost hielt dann der Gewerbeparteiler Vlk eine scharfe Rede gegen Baka. Artilleriekampf bei Madrid Madrid.(HavaS.) Im Abschnitte bei der Straße nach Estremadura bombardierten die republikanischen. Batterien die Positionen des Feindes, um-das Eintreffen neuer Verstärkungen in die erste Schützengrabenlinie zu verhindern, welche die Mannschaft in den ersten Nachmittagsstunden zu räumen begann. Im Abschnitte bei Aravaca wurde«in feindlicher Ausfall abgewiesen. Die republikanischen Batterien brachten die Auf- ständjschen-Geschütze, welche die RegierungSpositto- nen beschössen, zum Schweigen. Auch«in'feindlicher Angriff auf die Positionen bei ArgallaneS, südlich vom Tajo,- wurde von den RegierungStcuppen abgewiesen, wobei die Aufständischen großd Verluste erlitten. Das Vorrücken der feindlichen Abteilungen im Abschnitte Jarayiä wurde-.durch das Artilleriefeuer der Regierungstruppen zum Stillstand gebracht: Bei G r a n a d a rückten die Regierungstruppen um S Kilometer vor. Es wird sogar-bet-' sichert, daß die Regierungstruppen bet Vieser Mlii, tärischen Operation di« Sierra de- Gogolla überschritten haben. Die Offensive gegen Santander Bil» ao.(HavaS.) Der Havas-Sonder- korrespondent meldet: Die Franco-Truppen habe« sich nach der Eroberung der Stadt Castro de vrdiale» aller die Stadt beherrschenden Anhöhen, so vor allem drb Bir Cerredo, bemächtigt. fadctendcMfsfftCT Zeitspie&ct Erfolgreicher Proteststreik in Rehberg Belm Bau der Hydrozentrale Rrhberg.(E. B.) Die Erbauung einer großangelegten Hydrozentrale durch den westböhmischen Elektrizitätsverband, zu der nunmehr nach langen Vorbereitungen geschritten. werden konnte,, bedeutet zweifellos einen Beitrag zur wirtschaftlichen Hebung des mittleren Böhmerwaldes. Deshalb wurde das Projekt auch von den hiesigen Interessenten und von der Gemeinde in jeder Hinsicht unterstützt. Auch die schon seit Jahren unter der Krise schwer leidende Arbeiterschaft unseres Gebietes war froh, endlich eine Beschäftigung von längerer Dauer gefunden zu haben. Leider ergeben sich mtt der durchführenden Prager Baufirma immer wieder Differenzen- Schon vor einigen Wochen mußten der Bauarbeiterverband und die fozialdemokrattsche Partei eine Aktwn gegen das praktizierte Antreibersystem und gegen rücksichtslose Gruppen-Entlassungen einleiten. Bei den damals«Ingeleiteten Verhandlungen wurde Abhilfe versprochen. Trotzdem hörte das Herumschreien mtt der Baustelle, ost mit beleidigenden Ausdrücken' verbunden, nicht auf und Samstag wurden wiederum 17 Mann der Belegschaft ohne Fühlungnahme mit den Vertrauensmännern entlassen. Als diese Maßnahme kotz Einspruches nicht rückgängig gemacht wurde, trat die Belegschaft, Über 100 Mann, nahezu geschloffen in Streik. Die Gendarmerie bzw. die Bezirksbehörde in Schüttenhofen benahmen sich hiezu leider nicht mit der gebotenen Objektivität. So mußten Mittwoch früh an der Baustelle neuerliche Verhandlungen stattfinden, an der unsererseits auch Abg. Genoffe I a k s ch und von christlichsozialer Seite der Orts- kaplan teilnahmen. Bezüglich der Entlaffungm wurde eine befriedigende Lösung erzielt. Was das Verhalten der Vorgesetzten anbelangt, wird sich jetzt zeigen müffen, ob sie einer erträglichen Umgangsweise fähig sind. Sollte das nicht der Fall sein, so wird der Firma mit allem Nachdruck begreiflich gemacht werden müssen, daß auch die Arbeiter des Böhmerwaldes wie Menschen behandelt werden wollen. soll sich um schwere Verstöße gegen das Schuhgesetz handeln. Diese Verhaftung wirst ein grelles Licht auf die Verhältnisse innerhalb der SdP. Die geriebenen Oberbonzen triefen vor Loyalität gegenüber dem Staat, biedern sich bei den Tschechen als Regierungspartei an, lassen aber nebenher auch eine Flüsterpropaganda zu, die für junge Leut« gar ost zum Verhängnis wird. Diese jungen Leute führen oft direkt Aufträge für das Dritte Reich aus. Welch« Verschulden Kannhäuser auf sich geladen hat, wird die Untersuchung zeigen. Bleibt er Hungen, dann kann man mit Recht sagen, daß er einer von jener Sorte junger Männer ist, deren polittscheS Talent erst die SdP entdeckte. Die unpolitischen fanatisierten Jünglinge gehen dann für alle Arbeiten der SdP ins Zeug und müssen gar oft für die frei herumstolzieren- denden tatsächlich Verantwortlichen büßen. Auch da wird es noch eine Ernüchterung geben. kln Arbeiter seprilselt und dann entlassen I Bei der Deutschen Lagerhausgenoffenschaft kn Tum, die Kommissionär der Getreidegesellschaft ist, herrschen Zustände, die am besten durch folgenden Vorfall gekennzeichnet werden. Verwalter ist ein gewisser Aschenbrenner, Vorarbeiter ein sicherer Emanuel Schneider aus Brüx. Beide sind völlische Männer, die natürlich die deutschen Arbeiter dementsprechend behandeln. Und zwar so: Am 18. Mai beschimpfte der Vorarbeiter wiederum die Arbeiter in den gröbsten Ausdrücken wie»faiiles Gesindel" u. ä. Der Arbeiter H. aus Turn verwahrte sich gegen diese Beleidigungen und gab der Meinung Ausdruck, daß Schneider eher auf einen Meierhof paffe, da er die Arbeiter wie Vieh behandelt. Schneider bestätigte diese Meinung sofort, Indem er sogleich mit der F a u st zuschlug und dem H. unterhalb des rechten Auges eine Verletzung beibrachte. Diesen brutalen Angriff versuchte H. abzuwehren, da Schneider weiter mit Füßen und Händen um sich schlug. Als H. sich dann beim Verwalter beschweren wollte, bat ihn Schneider, es nicht zu ttin und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Worauf H. in seiner Gutmütigkeit einging. Den Lohn dafür bekam er dann am Montag vom Verwalter in Form der Entlassung, wobei sich diesep ausdrücklich auf die Differenzen mit dem Vorarbeiter bezog. Statt den Vorarbeiter für Mordversuch an einem zehnjährigen Knaben Ein abscheuliches Verbrechen, deffen Hintergründe noch nicht geklärt sind, wurde am 1. Juli in der Zeit von 8.15 bis 9.40 Uhr im Hause Nr. 47 in Königswald beiBodenbach an einem zehneinhalbjährigen Jungen verübt. Zu dieser Zeit schlief der Knabe Herbert W a tz k e allein in der ebenerdig gelegenen Wohnung seiner Eltern. Als diese,in die Wohnung kamen, lag der Junge mit schweren Verletzungen am Kopfe bewußtlos am Boden. Alle Umstände weisen darauf hin, daß er das Opfer eines räuberischen Ueberfalles geworden ist. In Verdacht, die grauenhafte Tat begangen zu haben, steht eine etwa 28 Jahre alte Frau, zirka 165 bis 170 Zenttmeter groß, ziemlich stark ,die in der kritischen Zeit und in der Nähe des TawrteS gesehen worden war und durch ihre Erscheinung auffiel. Sie ging i n Strümpfen, trug in der Hand ein Paar Halbstiefel, und war mit einem schwarzen Rock und einem Regenmantel bekleidet. Die dem Jun» gen.beigebrachten Verletzungen rühren allein Anschein nach von Beilhieben her. Man stellt sich den Hergang der Tat so vor, daß die verdächtige Frau durch das Fenster in die ebenerdige Wohnung stieg, wohl in der Meinung, daß niemand zu Hause sei. Als sie sich dem Knaben, der erwacht sein dürfte, gegenübersah, scheint es zu einem Kampf zwischen ihr und ihm gekommen zu sein, wobei der schwächliche Junge unterlag. Der Junge wurde sofort in das Tetschner Krankenhaus überführt. Seine Verletzungen sind schwer st er Art und die Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten, ist verhältnismäßig gering. Es ist möglich,-daß die verdächttge Person, die durch ihre Kleidung auffallen dürftet irgendwo gesehen wird. In diesem Falle wäre sofort die nächste Polizei- oder Gendarmeriestation zu verständigen. Ein SdP-Sekretär verhaftet Tachau. Am Samstag nahm die Staatspolizei überraschend eine- Haussuchung in der Privattoohnung und dann in den Kanzleiräumen des SdP-SekretärS Kannhäuser vor. Auf Grund des Ergebnisses wurde er sw f o r t verhaftet und dem Bezirksgericht eingeliefert. Es Zborov Heute sind es 20 Jahre, seitdem die tschechoslowakischen Legionen bei Zborov in Ostgalizien ihren ersten großen militärischen Erfolg errungen haben. Dieses Tages wird daher in der Tschechoslowakei gedacht und das Jubiläum wird zum Anlaß zahlreicher militärischer und ziviler Feiern genommen. Welche Bedeutung hatte der 2. Juli 1917 für die tschechoslowakische Auslandsrevolution? So wie Masaryk schon zu Beginn des Krieges erkannt hatte, daß ein Erfolg der tschechoslo- wakischen Sache nicht- so sehr im Bund mit dem zaristischen Rußland, sondern mit den viel stärkere«-westlichen Demokratien möglich sei, so hat auch Masaryk bald eingesehen, daß die Tschechen eine eigene Armee aufstellen müßten; um durch militärische Erfolge und Blutopfer die alliierten Mächte von- dem Ernst und-der Entschlossenheit, ihre, staatliche Selbständigkeit zu erringen, zu überzeugen. Größere Truppeneinheiten aufzustellen war jedoch nur sn-Rußland möglich, wo sich viele tausende österreichischer Kriegsgefangener tschechischer Nationalität befanden. Aber da» Streben nach Aufstellung einer Armee erfuhr nur geringe Unterstützung durch die zaristischen Regie», rungen und-deswegen kam Masaryk am 16. Mai 1917 nach Rußland, um eine großzügige Propaganda unter den' tschechischen KrieMesange- nen zu entfalten und di« russische Regierung— der Zarismus war mittleriveile gestürzt worden — zur Unterstützung dieser Aktton zu getvinnen. Es war dies schon deswegen eine schwierige Aufgabe, da die Meinung der tschechischen Kriegsge- faugenen in Rußland selbst geteilt war. Masaryk gelang es aber einen großen Teil seiner Landsleute für den Eintritt in die tschechische Armee zu veranlassen, indem er ihnen— die unter dem Einfluß der großen sozialen Umwälzungen in Rußland standen— zeigte, daß sie nicht nur für di« eigene Nation, sondern für die Sache der Menschheit kämpfen. Tatsächlich gelang es im Frühjahr u»d Sommer 1917 ungefähr fünf tschechoslowakische Regimenter aufzustellen. .In den Juni- und Juli-Kämpfen des Jahres 1917 traten nun diese tschechoslowakischen Regimenter zum ersten Male militärisch in Erscheinung. Sie hatten sich steiwillig zur Teilnahme an der Offensive gemeldet, durch welche die Russen die österreichischen Stellungen in Galizien durchbrechen wollten. Bei Zborov.(zwischen Tar- nopol und Lemberg) stießen die tschechoslowakischen Legionen mit den Oesterreichern zusammen, und zwar trafen sie tza gerade auf ihre Landsleute, nämlich auf die österreichischen Regimenter 85(Pilsen) und 75'(Neuhaus), die zum großen. Teil aus Tschechen bestanden. ES gelang den Legionären die österreichische Front an dieser Stelle einzüd'rücken. Sie verloren im Kampfe 190 Mann und hatten an 700 Verwundete, konnten aber Sitzstreik bei E. G. Pick Oberleutensdorf Die Firma bricht die Verträge I Lohnabbau in der Konjunktur Brüx.(Eig.-Bcr.) Bei der Firma E. G. Pick in Oberleutensdorf, deren Verhalten Heuer schon einmal eine spontane Kampfaktton der Arbeiterschaft provoziert hat, ist es Donnerstag nachmittags nm halb 6 Uhr zu einem Sitzstreik der viclhnndcrtköpfigcn Belegschaft gekommen. Die Ursachen sind Lohndifferenzen. Die Firma hat nämlich, nachdem sie vor kurzem einen Vertrag abgeschlossen hat, eigenmächtig und vertragswidrig Lohn Herabsetzungen vorgenommen, die in einzelnen Abteilungen bis zu zchnProzent des Lohnes ansmachen. Die Arbeiterschaft ist in größter Erregung Wege» dieses unerhörten Verhaltens. Die Verhandlungen sind bcrcfts ausgenommen worden. Der besetzte Betrieb ist von einer großen Menge«mlagert. Die Staatspolizei hat Verstärkungen erhalten. O Der Streik Im Komotauer Kohlenrevier beendet Mittwoch nachts fuhren die Bergarbeiter des Ellyschachtes aus und brachen den Streik ab. Auch die Belegschaften der anderen Gruben beschlossen die Wiederaufnahme der Arbeit. Ein Teil der Forderungen der Elly-Belegsckaft wurde erfüllt, jener Teil aber, der grundsälicher Natur ist, wurde den Organisationen zur weiteren Behandlung zugewiesen. Heute wird auf allen Schächten wieder normal gearbeitet. seine Ungehörigkeiten zu rügen, Ivurde der mißhandelte Arbeiter entlassen. Diese Art der auS- gleichenden Gerechtigkeit scheint wohl die höchste Form der deutschen Volksgemeinschaft zu sein: Die Arbeiter völlig wehrlos zu machen, sie zu prügeln und zu schikanieren bis aufs Blut. Der entlassene Arbeiter hat nun die Strafanzeige gemacht und wir sind neugierig, wie die Lagerhausgenoffenschaft sich benehmen wird; ob sie dem Arbeiter Genugtuung gibt oder ob dem Herrn Schneider weiterhin ermöglicht wird, seine völlischen Handlungen auszuübcu. Er Ist emigriert I Altfürstenhütte. Der Ortsleiter der SdP, Franz Dobner, nahm vergangene Woche vor dem Auto der Staatspolizei Reißaus und flüchtet« nach Bayern. In letzter Zeit erzählte er häufig, daß er mit Hitler persönlich im Briefwechsel stehe. Ob dies allein oder ob andere„loyale" Taten sein Gewissen vor der Staatspolizei beunruhigten, entzieht sich unserer Kenntnis. Gegenwärtig hält er sich im nahen Neudorf in Bayer« beim dortigen Stützpunktleiter der NSDAP auf. Die Ortsbewohner von Böhmisch Neuhäusl sehen ihn dort täglich und freue«: sich köstlich über den neuen„Emigranten". Teileinigung im Metallarbeiterstreik Indianapolis.(Reuter.) Der Gou- i vernenr von Indiana teilte mit, daß zwischen der Inland Steel Co. und dem Ausschuß der Arbeiterorganisation«in Abkommen zustande kam, demzufolge Donnerstag in die Fabriken in Ost- Chicago 19.000 Arbeiter zur Arbeit zurückkehrten. ihrerseits-mehr als 60 österreichische Offiziere und über 8000 österreichische Soldaten zu Gefangenen machen, 15 Kanonen und viele Maschinengewehre erbeuten. In den schweren Kämpfen in Galizien konnte das Treffe» bei Zborov keine entscheidende Bedeutung haben. Vielmehr ist die politische Bedeutung dieses Sieges der Legionäre größer gewe- sen als seine strategische. Die Russen erkannten die soldatischen Qualitäten der Tschechen und gaben ihre Zustimmung zur Bildung einer tschecho- flowakischen Armee, die vorwiegend durch Assentierung der Gefangenen gebildet wurde, so daß Ende 1917 die tschechoslowakischen Truppen ungefähr 80.000 Mann zählten und an die Bildung eine» Armeekorps geschritten werden konnte. Diese Truppen habe» dann die Anabasis quer durch Sibirien angetreten und eine weltpolitische Bedeutung in dem Augenblick 1 erlangt, als die russische Armee zerfiel und die, Tschechoslowaken die einzige disziplinierte, größere Truppenmaffe waren, über welche die Allierten auf dem östlichen Kriegsschauplatz verfügten. Die Taten dieser Armee haben die Tschechoslowaken in der ganzen Welt bekannt gemacht und wesentlich dazu beigetragen, daß die Sieger im Weltkrieg der Bildung des tschechoslowakischen Staates zugestimmt haben. So jst Zborov ein wichtiges Datum in der Geschichte der Esttstehnng der Tschechoslowakischen Republik geworden:- (Seite 4 Freitag, 2. Juli 1937 Ne. 154 Chautemps vor der Kammer Nach der Schließung aller Wertpapier- und Handelsbörsen trat am Dienstagnachmittag die französische Kammer zur Entgegennahme einer Erklärung der neuen Regierung Chautemps zusammen. Bei der Abstimmung erhielt die Regierung ein Vertrauensvotum von 398 gegen 142 Stimmen. Unser Bild zeigt Ministerpräsident Chautemps bei der Abgabe der Regierungserklärung; hinter ihm der Kammerpräsident Herriot. Ole Bestattung Max Adlers Selb, Genosse Dr. Wiener und Professor W. Reidi sprechen Die Bestattung des so plötzlich verstorbenen großen marxistischen Soziologen Dr. Max Adler fand Donnerstag von der israelitischen Zeremonienhalle des Wiener Zentralfriedhofes aus statt. Die Trauerreden wurden über polizeiliche Anordnung in der Halle gehalten. Es sprachen u. a. Professor Wilhelm Reich, der die wissenschaftliche Größe des Verstorbenen dadurch charakterisierte, daß. er ausführte, Adler habe in seiner Studie über I. G. Fichte sich selbst dargestellt in seinem unerschütterlichen Glauben an den Fortschritt der Menschheit und in dem Eifer, alle.» Menschen die Bildung zu vermitteln, die sie erst zu Mitgliedern der nationalen Kulturgemeinschaft macht. Genosse Dr. RobertWiener— ein Schüler und früherer Mitarbeiter Adlers— verabschiedete sich im Namen der deutschen Arbeiterschaft der Tschechoslowakei von dem Toten. Adler habe zu den deutschen Arbeitern in der ESR nicht nur durch dar gedruckte Wort, sondern oft durch sein lebendiges Wort, seine Vorträge gesprochen, wofür ihm die Arbeiter immer dankbar bleiben werden. Sie find stolz, daß er gern zu ihnen kam, die ihn verstanden, mochte auch sein Vortrag.sich auf den Höhen der Wissenschaft bewegen. Das Rätsel, das Adler lösen wollte, dar Rätsel der Gesellschaft, ist eben für die Arbeiter ihr eigenes Schicksal, darum verstanden sie ihn immer. Er lebt in seinen Werken und in unserem Herzen fort. KarlSeitz führte aus, daß hier nicht der Platz sei, Adler als Politiker zu würdigen. Adler fei als Mensch und Gelehrter wahrhaft groß gewesen. "Dar haben seine Freunde auch dann erkannt, wenn sie mit ihm nicht übereinstimmten und es hart auf hart ging. Adler wollte stets das Ideal verwirklichen und die Grenzen der Erkenntnis durchbrechen. Sein Werk werde bestehen bis in die fernste Zukunft. Seih erklärte, er habe den Verstorbenen an seinem Krankenlager oft besucht und wisse, daß Adler nicht gebeugt, sondern im Glauben an den endlichen Sieg seiner Idee in den Tod gegangen. Der Bürgermeister von Oran niedergeschossen Oran.(Havas.) Mittwoch um 17.30 Uhr wurde der Bürgermeister der Stadt Oran, Wbö Lambert, beim Verlassen der Bierbrauerei „W i l h e l m T e l l" von dem Assistenten des Museums von Oran, dem Maler F e r r a n d) durch Revolverschüsse schwer verletzt, so daß er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er mit einem Durchschuß beider Lungenflügel hoffnungslos dar- niederliegt. Der. Täter wurde verhaftet. » Dieser Wbö Lambert war mehr als der stmple Bürgermeister einer Stadt in den französischen Kolonie». Lambert hat im öffentlichen Leben Algeriens eine bedeutsame und gefährliche Rolle gespielt. Er gehört zu senen Figuren, deren LebenSgeschichte ein Abenteurerroman sein könnte. Lambert war Priester gewesen, aber die Kirche hatte ihn' von der Ausübung seiner geistlichen Pflichten suspendiert. Er trug noch die Soutane und wirkte damit auf. die ursprünglich spanischen und zum Aberglauben geneigten Kolonisten, aber er hatte nichts mehr von einem Geistlichen. Nach Oran kam er vor einigen Fahren als Wünschelrutengänger. Er gewann dort rasch großen Einfluß, Volksredner und Demagog, der er tvar. Man wählte ihn zum Bürgermeister. Als er sehr bald darauf auch als Abgeordneter kandidierte, erlitt er eine Wahlniederlage,, wie er glaubte, durch Schuld der Juden. Seit der Zeit ist er leidenschaftlicher Anttsemit. In Algerien, wie überhaupt an der nordafrikanischen Küste, kommt dieser Strömung mancher entgegen; der Araber ist judenfeindlich seit alters. Die Ereignisse in Palästina tuen dar ihre, eine latente Spannung bewußt zu machen, fremde Agenten sind am Werk, aus Berlin treffen Schallplatten und Kurzfilme ein. So war denn der Widerstand gegn die Volksfrontregierung auf dem heißen Boden der Koloniallandes besonders stark anttsemi» tisch gefärbt, was den Abbö Lambert geeignet machte, Exponent dieses Widerstandes zu werden. Um ihn sammelte sich alles, was von den aufgelösten Rechtsverbänden geneigt war, sich in einer„Nationalen Front" wieherzufinden. Schon im Jahre 1088 verbreitete sich einmal. daS Gerücht von einem Attentat auf dem Abbö Lambert. Es hatte schwere und blutige antijüdische Ausschreitungen zur Folge. Französische Bahnen werden teuerer Paris. Unter den ersten Vorlagen, die der Kabinettsrat behandelte und die vom Ministerrat definitiv verabschiedet wurden, befindet sich eine Empfehlung an die Verwaltung der Eisenbahngesellschaft betreffend die Erhöhung der Transportsätze im Personen- und im Warenverkehr. Für Personen werden die Tarife um fünf Centimes pro Kilometer einheitlich für alle Klassen hinaufgesetzt werden. . Der nationalistische„Deutsche Bund" in Kap-- ftadt wurde aufgelöst. Dies ist die Folge dessen, baß sich der„Deutsche Bund" als politische Organisation erklärt und alle deutschen Mitglieder, die bisher nicht Nationalsozialisten waren, aufgesordert hat aus dem Bund auszuscheiden. Berlin.(HS.) Nach einer Verfügung des Generals Göring als Kommissär für den Bierjahres» plan müssen binnen 14 Tagen alle Eisen- und Stahlvorräte, sofern sie die Menge von zehn Tonnen übersteigen, bem Amt für Eilen und Stahl, gemeldet werden. Gedichte Von Hermann Hesse (Zu seinem 60. Geburtstage) Con sordino Mir zittern die Saiten, und stimmen die Weise an, die ich für dich vorzeiten, die ich für dich in einem Mai aus lauter Glück ersann. Ich führe den Bogen so scheu und leis gespannt, wie ich"ihn da gezogen, da ich in einer, fernen Macht vor deinem Fenster stäsid.' Mein Herz ist beklommen von Liedern andrer Zeit— Weiß Gott, wie dar gekommen, daß mir aus deiner Liebe ward so eitel Weh und Leid.. Sommernacht Tropfe«, sinken, die Luft, ist bang. Noch geht kein Wind.. Ein Trunkener singt die Straße entlang, sein Lied ist irr und schwach wie ein Kinh. Nun schweigt er ganz: Der Himmel zerreißt, und grell im blauweißen Glanz der Blitze die Straße gleißt. Wie Getrabe von weißen Rossen rauscht Regen heran. Alles Licht erlosch, alle Form zerrann, stürzende Wogen halten mich eingeschlossen. Fünf Tote lei einem Flugunglück. In der Nähe von Metz stürzte ein Militärslügzeug ab und verbrannte. An der Unfallstelle wurden fünf verkohlte Leichen aufgefunden. Ein deutscher Dichter - Her m a n n Hes s e, der am 2.. Juli Sechzig wird, verkörpert in seinem Werk, und in seiner Person das beste Deutschtum, jenes nämlich, das nicht Geist und Geistiges ans den starren Rahmen nationaler Enge, auf die Pflege nationalen Bewußtseins, das heißt nationaler Vorurteile, auf die Prvgratnmatik nationalen Gefühls- und Gedankenschemas zurechtstutzt, sondern sich seiner Nationalität als einer Selbstverständlichkeit bewußt ist, als einer sicheren inneren Grundlage, von der aus- es bereit und ausgeschlossen ist, Vie Welt und das Leben schlechthin, ohne Rücksicht, auf materielle Beschränkungen, wie'Rasse oder Grenzen sie darstellen, verstehend und liebend zu erfassen.„Was in mir deutsch ist, das kann, mir keiner nehmen", sagte er im Frühjahr 1988, als wir. Wer. den jähen und barbarischen Einbruch jener primitiven Deutschtums-Kraftmeierei'sprachen, die den Namen-„Deutscher" von heute auf morgen, in den Augen der Kulturmenschheit■mit einem entehrenden Makel befleckte: In diesen einschränkenden Worten:„Was in mir deutsch, ist'.',,liegt zweierlei: Das. Bewußtsein, daß die Heimat des geistigen Menschen über fein Vaterland hinäusreicht; daß er Bürger.einer größeren Heimat, der Weltheimat ist; daß die Grenzen seiner Individualität'weiter sind als die der Gustav Koliö sechzig Jahre. Am 1. Juli ist der Obmann der Ersten Prager Krankenversicherungsanstalt der Handels- und Privatangestellten, Genösse Gustav Kalis sechzig Jahre alt ge» tvorden. Koliö blickt auf eine vierzigjährige opfervolle und treue Arbeit in der Arbeiter« und An» gestelltenbewegung zurück.', Er gehört zünden Gründern der tschechoslowakischen Angestellten» organifation, in der er.eine segensreiche, fruchtbringende und erfolgreiche Tätigkeit entwickelt hat und ist einer jener, welche dem Einheitsverband der Privatangestellten zu seiner heutigen Größe und Bedeutung verhalfen haben. Seit 1921" ist er Vorsitzender der Ersten Prager Krankenversicherungsanstalt, die er gemeinsam mit Direktor Wildmann zu einer musterhaften Versicherungsanstalt ausgebaut hat, die in der ganzen Republik das größte Ansehen genießt und der Tausende von Angestellten die Wiederherstellung ihrer Gesundheit zu verdanken haben. Koliö ist auch seit jeher in der tschechischen. Sozialdemokratie.tätig, gewesen, war Stadtverordneter und Stadtrat von Prag und hat auch eine bedeutsame Tätigkeit in der DTJ ausgeübt, wo er die Samaritergruppe organisiert hat. Als internationaler Sozialist hat Koliö den Bedürfnissen der deutschen Angestellten stets das größte Verständnis entgegengebracht und erfreut sich auch in den Kreisen seiner'deutschen Gesinnungsgenossen einer Sympathie, die dem verdienswollen Kämpfer um die Besserstellung der Angestellten und Arbeiter gebührt.. Seife und Handtuch- für Bahnreisende werden in nächster Zeit auf allen jenen Bahnhöfen erhältlich sein, wo Bahnhof-Buchhandlungen und ZeiiungSverschleiße bestehen. Zum Preise von 1 KC wird in einem Papiersäckchen'ein Stoffhandtnch und ein flaches Stück guter Seife angeboten werden. Schulbehörden flaggen für Zborow. Auf Anweisung der Präsidiums des Ministerrate» macht dar Ministerium für Schulwesen und Bolkraufklä» rung seine untergeordneten Behörden'-und Institutionen aufmerksam, daß. sie. anläßlich der Zborower Feiern am 1..und 2. Juli in den. Staatrsarben flaggen sollen. Diese Flaggen werden am,2. Juli nach 20 Uhr eingezogen, Nation. Und ein Hinweis auf Hesses Herkunft. Er stammt väterlicherseits von Schwaben ab(und ist 1877 in Calw in Württemberg geboren)^mütterlicherseits von Italienern. Die Blutmischung ist — ganz im Gegensatz zur primitiv-abergläubischen Rassentheorie der Nazis— einer der wichtigsten befruchtenden Faktoren für die Höherentwicklung der Menschheit. Sie sprengt die Enge des Bewußtseins,, erweitert den seelischen. Horizont des Individuums.— nicht so sehr, weil zwei verschiedene Sorten, von Blut miteinander; eine. Ehe eingehen, obschon oft erkennbar ist, woher ein Mensch gewisse hervortretende körperliche, oder- geistige Eigenschaften empfangen. hat„.sondern weil.ein Mensch, der sich der Verschmelzung und- Einung verschiedener' Nationalitäten, in seiner eigenen Person bewußt ist,-nie die sehr materiellen-Grenzen- der Rasse oder des Vaterlandes alsschicksals. mäßige, letzte und unantastbare Schränken seiner Weltanschauung und der Weltordnung anerkennen kann- Seelen« und' ChqräktsMldüng ist' nicht- das Ergebnis-eines, chemischen Vorgangs, der sich au» zwei-verschiedenen Vlutstoffen ergibt,' sondern eines' g e i'st-"1 gen Prozesses, eine» Büvußf» sein'SpryzesseS,. der innerem R.eichtu'm,-.dem-'.ANteil an.zwei verschiedenen Kultürbezirken/Lebenshäl» tüngen,.Denk« und HändlUngStradiilonen eyt- springt. Einer der Propheten' der deutschen'Sendung, Paul de Lägaide, eip' FraNzosenstänimling, Die Tarnkappe wird Wahrheit, Am Stand' der Sempes^it-Werke in. der Wiener Mustermesse führte, der Grazer Erfinder Pinther sein. Verfahren zur Unsichtbarmachung von Personen und Gegenständen den Pressevertretern vor, Zunächst wurde ein Gegenstand gezeigt,,-der.-allmählich durchsichtig und schließlich unsichtbar wurde. Anschließend wurde zum ersten Male in Wien das Ansichtbarmachen einer Person, die sich in den Vorführungsraum begeben hatte und dem Beschauer gleichfalls innerhalb weniger Minutenunsichtbar wurde, während sie selbst alle Vorgänge vom Vorführungsraum aus beobachten konnte, gezeigt. Ob diesem Verfahren optische,- elektrotechnische oder physikalische Vorgänge zu-, gründe liegen, hat der Erfinder nicht verraten. Ein mysteriöser Borfall, mit dessen Aufklärung die Sicherheit-organe beschäftigt sind, Hai Mittwoch unter den Fahrgästen des dicht besetzten Pariser Schnellzuge», der vor halb 8 Uhr nachmittag» Eger in der Richtung Marienbad verließ, große Aufregung' hervorgerufen. In der Nähe der Statton Linden- Hau sprang ein etwa 40 Jahre alter, französisch sprechender Herr, wahrscheinlich ein Marienbader Kurgast, aus dem in voller Fährt befindlichen Zng. Noch ehe der Zug zum Stehen gebracht werden konnte, sprangen weitere zwei Reisende au» dem Zug. Der schwer verletzte Franzose wurde mit dem nächsten Persouenzug nach Marienbad gebracht, die beiden andern Reisenden wurden verhaftet und in' Marienbad der Polizei übergeben. Wa» den Franzosen veranlaßt hat, durch den Sprung au» dem' Zug sein Leben zu riikieren, und warum die zwei andern Reisenden da» gleiche Experiment wagten, ist noch,nicht aufgeklärt. Die Nottzöücher Edison». Da» naturwissenschaftlich-technische Museum in New gork erhält eine wertvolle Gabe seilen» der Regierung. E» handelt sich um. rund 2000 Rottzbücher Edison», die zum Teil vom Forscher selbst der Regierung überlassen wurden, zum Teil, namentlich wo e» sich um ältere handelt, bei Autographenhändlern zusammengekaust wurden. Diese Notizbücher enthalten-fast sämtliche Ideen Edison», und zwar in der Form der ersten Einfälle, die dann, zu seinen großen Entdeckungen geführt haben. Die Notizbücher werden, um von der Luft nicht.beschädigt zu werden, nicht öffentlich aurgestellf, sondern in der Bibliothek de» Museum» unter größten Bor- sicht»maßnahmen aufbewahrt werden- Dagegen werden von den wichtigsten Blättern Photokopien herge- stellt, die auch dem Publikum zugänglich sein werden. Der italienische Dampfer„Aida Lamo" ist' unweit de» Leuchtturmes Pendeen in der Grafschaft Cornwall gescheitert. Da» Rettungsboot nahm 80 Personen an Bord, darunter 18 Mann der Besatzung. Zwei Personen mußten ins Krankenhau» ein», geliefert werden. Wahrscheinliche» Wetter heute: Noch veränder-. lich» untertags nur mäßig warm,,.in.der Nachtziemlich kühl,.im Osten de» Staate» ein wenig Schauer, West- bi» Nordwestwind. Wetteraursichten für morgen: Wechselnde, im ganzen jedoch abnehmende Bewölkung, Erwärmung, Westwind. Vom Rundfunk Eaiplahlanswartas au» das Ptoinmmv Sambia»: Prag, Sender 1: 10.08: Deutsche Presse, 10.18: Deutsche Sendung: Für die Frau. 10.80: Volkskonzert, 11.08: Dalian» Salonorchester, 12.10': Schallplatten, 12.88: Orchesterkonzert FOK: Ned- bal, Juiik, Glazunow, 18.40« Schallplatten, 14: Deutsche Sendung: Fröhliche» Weekend: Klassische Musik: Brahm», Mozart etc., 14.40: Chorgesänge, 10.08: Blechmusik, 17.35: Deutsche Sendung: Sportborschau, 18: Dichterstunde, 18.46: Deutsche Presse. 18.88: Deussche Aktualitäten. 10.18: Soli- stenkonzert, 22.86: Tanzmusik.— Prag, Sender U: 15.10: Deutsche Sendung: Schlager, 16.60: Deutsche Presse.— Brünn 18.45: Jnstrumentalsoli», 17.40: Deutsche Sendung: Sedlar: Kloster der Kreuzfahrer in Pöltenberg, Müllner: Goldene Hühner, Erzählung, 18.15: Tanzmusik. 20.20: Johann Strauß: Tausend und eine Nacht, Operette.— Prrtzbmg 10.85: Schallplatten.— Kaschen 12.06: Tonfilmlieder.— Mührisch-Oftrau 18: Zitherkonzert, 18.80: Schallplattenkonzert. hat trotz aller Deutschtümelei diese Tatsache nicht übersehen können und gesagt:„Das Deutschtum liegt nicht im Geblüt, sondern im Gemüt." Es wäre vergebliche» Bemühen, wollte man versuchen, bei Hesses Werk im einzelnen auseinanderzuklauben, was deutsch und was romanisch ist. Tatsächlich sind seine Romane, seine Gedichte, seine Essays, ihrem Wesen nach beste» deut-, sche» Gut. Sein unvergeßlicher Roman>,Ünierm Rad", die Tragödie eine» jungen Menschen, ist in Milieu, Stoff.und Problemstellung urdeutsch, Seine Gedichte in ihrer schlichten, sorglosen,, unmanierierten. Art sind- so sehr au» deutschem Empstnden erwachsen, daß sie ost die naive Größe deutscher Volkslieder erreichen. Die Novelle „Knulp", diese schwermütig-leichtherzige Geschichte eine» Landstreicher», fein, zart und doch erd- und menschennah, ist eine» der- köstlichsten Bücher' deutscher Sprache. Da» Buch„Peter Camenzinds!, ein Werk de» j u n g e n Hesse, ist in seiner Ruhe' und Männlichkeit.eine jener Schöpfungen, die man erst mit wirklichem Gewinn und Verständnis liest, wenn mgn ein r e i f e r Mensch geworden H. E» liegt mir fern, hier Hesse» Merks.aüfzü« zählen. E» sind ihrer viele, und sie sind von,verschiedener Art: Aber alle hochen'S in sich. Kurz nach dem Krieg erschien— zueD! unter dem'Pseü» donym Emil Sinclair.—-der. Roman„Dejniän"j;uioq Vun;var dann die Sonne ausgegangen, und als das Flugzeug schließlich, die sanft vernebelte Landspitze von Denia abschneidend, in Alted, dem Flugplatz von Alieante, langsam vor die Halle der„Air Franee" rollte, war man mitten im Sommer. ■ Welch friedlicher Anblick. Zwei Gendarmen in den alten grünen Uniformen schnitten sich geruhsam riesige Käsebrocken ab und spülten, sich den Mund mit Wein. Ein verbeulter, bestaubter Omnibus stand für. den Transport bereit. Die Kontrolle wurde von einigen Herren in Zivil aus- geübt, die man für Rechtsanwälte, Aerzte oder Lehrer halten konnte. Und sie waren es auch. Einer von ihnen, der unter dem Saeco einen schweren Revolver un> den Leib geschnallt trug, Ivar der angesehenste Advokat von Alieante. Die anderen Intellektuelle, die man auf diese Posten gesetzt hatte, um mit den landenden Fremden aus dem Ausland fertig zu werden. Hinzu trat, ein Riese, Typ: Matrose in Zivil, braunqebrannt, mit großen offenen Knabenaugen. Er begann die Unterhaltung im schönsten schwyzerisch, ein Tessiner, nach dem Kanton Basel zuständig, wegen seiner Bielsprachigkeit zum Zensor, für. die Post einer internationalen Brigade-Truppe. eingesetzt, die' hier in der Nähe lag. In seinem Wagen fuhr ich in die Stadt. Die Wagen der Regierungsstellen sind prächtig. Lauter Mercedes, Hispano-Suizas, Rolls-Royces und erstklassige Renaults. Die Bürgerschicht, die geflohen ist, hat zwar ihre Juwelen» aber nicht die Autos mitnehmen können. Nun war das Auto die Liebhaberei des reichen Spaniers. Drei, vier Wagen waren in einer der großen Familien nichts Ungewöhnliches. So kam die republikanische Armee zu einen: stattlichen Auto-Park. Biele Wagen würden freilich ihre Besitzer heute nicht wie- dererkennen.' Das sind die Beteranen-Wagen, die von der Front kommen, gegen Fliegersicht bunt übermalt. Schlammbespritzt, die Scheiben von Schußlöchern zersplittert, mit zerschmetterten Kotflügeln kehren sie heim zur Reparatur, oft kolonnenweise, invalide Kämpfer. Und auf der anderen Seite der Straße begegnen ihnen die neuen, hellen, grauen Lazarett-Autobusse, die aus den Spenden der Arbeiter in den Fabriken gebaut worden sind. Taxis gibt es nirgends. Zwischen großen Orten nur einmal im Tag Autobusse, die ihre Dächer'mit Planken eingezüunt haben, damit dort oben ganze Familien nächtigen,. Mittag essen und fom't sich die Zeit vertreiben können. Wenn ein solcher Wagen mit seiner Fracht die steilen Kurven durch das Küstengebirge emporklettert, hat man den Eindruck, er müßte jeden Augenblick unter dieser Ueberbelastung in die Schluchten stürzen. Hat man Glück, so stellt die Ortsbehörde einem fremden Journalisten einen kleinen Wagen zur Berfiigung. Und gibt jedesmal einen sprachkundigen Chauffeur dazu. Mein Mann am Steuer in Balencia war ein englischer Student aus Manchester, in dem kleinen Roadster in Barcelona saß der frühere Leiter eines Nürnberger Einheitspreisgeschäftes.neben mir. Der Corso am Meer von Alicante ist wie in Friedenszelten. Fast violetter Himmel, stahlblau das Meer, bunt die Schiffe, und die Mädchen und Frauen so sorgsam und modisch angezogen, als hätte nicht die Sendung der Pariser„Vogue" und„Femina" seit einem halben Jahr aufgehürt. Das freilich pittoreskere Moment stellen die Männer dar. Niemand ohne Uniform. Vom Halb- Stadt Im Krieg wüchsigen.bis zum Mqnn im schneeweißen Bart ist alles im Kriegsdreß. Von den Hotels am.Strande wehen die Fahnen, weht ein Fahnenrausch: rot-gelb-violett, die Staatsflagge, schwarz-rot die anarchistische, Von einem katalanischen Büro das siebenstreisige gelbrote, aus einem Baskenhaus das prächtige sternförmige rot-grüne Banner. Dazwischen flammend rotes Tuch. Riesige Spruchbänder ziehen sich wie Guirlanden an den Fenstern entlang. Bor den Casts eine dichte Menschenmenge. DaS Einzige, was missällt: nirgends auf den Tischen Brot oder Gebäck, überall nur das Glas mit dunkelbraunem Kaffee. Schwatzen, Lachen, Flirten, draußen auf der Reede schaukeln träge die Schiffe in der lauen Frühlingsbrise. Alle Mauern mit bunten Plakaten überklebt, und diese Plakate sind es,.die einem Fremden, der in diese scheinfriedliche Landschaft gerät, zuerst davon erzählen, daß der Tod in der Nähe ist. Man braucht erst, gar nicht bis in die Viertel zu.gehen, wo plötzlich zwischen zwei Hausern eine Brandbombenstätte klafft, die Plakate schreien den Aufruhr von Gefahr und Verderben jedem Auge entgegen. Nimmt man sie alle zusammen, so hat man eine Wandzeitung, die alle Programme der Parteien und alle Schrecknisse des Bürgerkriegs illustriert. Sehr viel ist primitiv, aber was stört Primitivität dort, wo das Konsulat des britischen Weltreichs unter einem zerschlissen baumelnden Union Jack angezeigt wird, durch eine >nit Tinte in großen Buchstaben beschriebene Papptafel. Die Straßen Ivimmekn, je mehr es dem Abend zugeht, von. Menschen. Viele Verwundete. Das traurige Bild der Kriegsetappe. Leere Rockärmel, Krückengestampf, weiß umhüllte Köpfe. Ein junger Bursche hastet durch die Schreitenden, merkwürdige Pfiffe ausstoßend.„Der ist draußen bei einem Fliegerangriff etwas verrückt geworden", erzählt mein Begleiter.„Aber er ist harmlos."- Bon den Kino-Wänden präsentieren sich Charlie Chan und Chaplin. In einem riesigen Raum wird vor der Jugend der Stadt ein Film von der Front gezeigt. Fünfzehnjährige sitzen da, das Gewehr zwischen den Knien, neben ihren Müttern, und wenn die AguilochoS(jungen Adler) von Aragon über die riffige Leinwand stürmen, braust daS Haus von Beifall. Junge Mädchen in blauen Blusen und breitrandigen Hüten sammeln dann draußen für ein neues Lazarett und reichlich prasseln die Kupfermünzen der uralten CentimoS-Stücke(Jahrgang 1878) in die handgenähten Rupfensäcke. 7 Kommen heute ab^yd Flieger? Niemand weiß es, niemand kümmert sich bärum. Auf einem freien Platz schwingen die Schaukeln, kreischt das Karussell und vor dem Tanzlokal, in dem die üblichen Mädchen die üblichen FlamecoS vorführen, drängt sich das ausgehungerte Soldatenvolk. Freilich, die Republik hat die Obszönität dieser Lokale unterdrückt. Was man früher hier zu sehen bekam, Entschälung der Tänzerin bis auf zwei Kleeblättche» auf den Brustspitzen, gibt es nicht mehr. Das Plakat verkündet, daß auch Familien jetzt hierher gehen können, die Vorstellung seien„nicht mehr frivol". Und wenn es auch allenthalben mit dem Mehl knapp ist, Fische und Früchte sind reichlich da. Auch Süßigkeiten. Die großen Buden mit den Marzipan-Leckerbissen zeigen noch immer fünf bis sechs Sorten der Götterspeise Turon, dieses Marzipans, das in zahllosen Varianten, mit Mandeln, mit Ananas, mit Fruchtstücken gemengt, zubereitet wird, und das so süß zwischen den Zähnen zieht. * Mühsam blinzeln die Lichter auf. In den Schänken und Bars ist Hochbetrieb. Alicante war Inge List in dem Film„Madame Kontusovka" einmal so etwas wie ein See-Badeort. Die offenen Kneipen haben einen eleganten Anstrich, erinnern ein bißchen an die Apöritif-Stuben der belgischen und holländischen Küste. Die Bewaffneten bewegen sich darin aber ohne Befangenheit. Die elegante und formvollendete Haltung, die jeden Spanier, vom Aristokraten bis zum Stiefelputzer, auszeichnet, das innere Gefühl von Herrentum und Menschenwürde, das dem Proletarier ebenso immanent ist"wie dem Granden, macht, daß sich der mit benageltem Stiefel bekleidete Fuß auf dem Parkett ebenso sicher bewegt wie der Lackschuh. Auch bei den Friseuren wimmelt es von Menschen. Die Läden sind riesig. Fünfundzwanzig bis dreißig Angestellte bedienen auf einnial. Das Friseurgewerbe ist sozialisiert wie viele andere Gewerbe auch, und bei dem Bedürfnis des Spaniers nach äußerer Pflege geht das Geschäft glänzend. Rasieren ist hier ebenso ein Kunstwerk wie der Stiefelputz. Mit so viel Liebe und so viel Schikanen wird es kaum wo anders betrieben. Zehn Uhr— die Strandpromenade liegt jäh i» pechschwarzer Finsternis. Die Straßen leeren sich rasch. Bewaffnete Patrouillen tauchen auf. Das Ist die Stunde der Ausweise. Wer um diese Zeit noch angetrofsen wird, muß dazu"eine Erlaubnis haben. In einer Seitenstraße, im Tor eines alten Palastes, brennt, blau verhüllt, ein kleines Licht. .Man steigt marmorne Stufen hinan, Statuen neigen sich schattenhaft aus den Wandnischen. Kein Pförtner, kein Wächter. Man durchquert einen parkettierten Salon mit prachtvollen alten italienischen Gemälden. Kleine elektrische Kerzen, in Spiegeln an der Wand reflektierend, zeigen den Weg. Gobelins, Fauteuils, kostbare Standuhren auf prachtvollen Kaminen. Nichts iu diesem Patrizierhaus, das von der Volksfront beschlagnahmt ist, ist angerührt oder zerstört. Die Inhaber, eine berühmte aristokratische Familie, sitzen in Paris, in ihrem Filialschloh draußen in Passy. In ihrem Palais zu Alicante haben sie sogar einen Saal mit eigener Kinoeinrichtung. Man betritt ihn und ist jäh mitten unter zweihundert Menschen, die, teils auf der Erde, teils auf Stühlen, gebannt auf die Leinwand starren. Aber auf ihr schwingt sich kein Tarzan von Baum zu Baum, noch lächelt Greta ihr melancholisches Liebeslächeln, sondern über die weiße Fläche ziehen Gewehrteile und Geschütze, auseinander genommen, mit Pfeilen und Kreuzen versehen, und dann sieht man die Laufbahn eines Geschosses oder eine graphische Darstellung zur Berechnung des Schußwinkels. Elementarunterricht für dir jungen Milizen.... . Draußen ist der« Mond aufgestiegen. Ein Auto schießt aus der Macht hervor und verschwindet rasend schnell. Das wäre eine Stimmung am Meer; leise wiegen sich die Palmen im Wind, das Wasser spiegelt den Nachthimmel, es duftet aus den Büschen— aber der junge Posten an der Mole ist mürrisch:„Scheußliches Wetter", meint er,„so klar und auSgesternt. Richtiges Ueber- sallswetter für die CaproniS." Manfred Georg. Iraker Zeitung. Die offiziellen Feiern des 29. Jahrestages der Schlacht bei Zborotv werden Freitag, den 2. Juli, am Jahrestag der Zborower Schlacht ihren Gipfelpunkt in einer festlichen Militärparade der Truppen der Prager Garnison vor dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, dem Präsidenten der Republik Dr. Edvard Benes auf dem Masarykstadion finden. An der Truppenschau nehmen alle Formationen der Prager Garnison teil. Der Präsident der Republik wird zuerst in Begleitung des Ministers für Nationalverteidigung Dr. Machnik die formlier- ten Truppenabteilungen besichtigen, worauf er sich auf eine Spezialtribüne begeben und von dort die Truppen begrüßen wird. Die Schau wird mit einem festlichen Vorbeimarsch der Truppen beendet werden- Nach der Parade wird zum ersten Male die erste Festszene„Verteidigung des Staates"(Zborow) aufgcführt' werden,, die Sonntag, den 4. ds. im Rühmen des Aryieetäges gleichfalls auf dem Strahover Stadion' wiederholt werden wird. Ausflugszüge der Tschechoslowakischen Staatsbahnen. Vom S. bis 6. Juli„Drei glückliche Tage in Babylon" Xi 180.—, vom 8. bis 11. Juli Aufenthalt im slowakischen Paradies Xi 298.—. Diese AuSflugszüge sind gesichert. In den Tagen vom 8. bis 6. Juli nach Prachatitz und Tabor Xi 228.—, Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 888.88. XumI ittui WUsm Sommeespielzeit Kleine Bühne. Das Mr die Zeit vom 1. bis 8. Juli von der Gastspieldirektion der Sommerspielzeit der Kleinen Bühne veranstaltete Ensemblegastspiel Szöke SzackallS bringt die Komödie Ä. v. Sumarys„Gold a u S K a n a d a". Preise: 8 bis 88 Xi. Vorverkauf: Deutscher HauS, Truhlär, Wetzlec, Neues Deutscher Theater. Beginn 8 Mr.•-....... Vom Angestellten-Berband. Der Mr Mittwoch angesetzte Besuch der Ausstellung„Slowakische Kunst" wird auf Freitag, den 2. Juli, verschoben.' Zusammenkunft um 8 Uhr abends im dritten Burghof.— VereinSeriyäßigung.— Angestellten-Berband. Die Ausstellung„Deutsche Künstln der ZipS" kann Samstag, den 8. Juli, nm halb 6 Uhr, unter fachlicher Führung besichtigt werden.— Ausstellungsort: Prag il, Pitrossova 12.— Allgemeiner Angestellten-Verband.— In der Gemäldegalerie der städtische» Bücherei am Marianska näm. sind Faksimile venezianischer Kunst ausgestellt. Täglich, außer Montag, von 9 bis 18, Mittwoch und Samstag auch von 18 bis 18 Uhr. Eintritt 1 Xi. Verfanget überall Volkszünder Das Rätsel des E.T. Lawrence Von Peer John(London) (Schluß.) Und doch war dieser Kriegsheld auch ein großer Schriftsteller. Sein Buch„Die sieben Pfeiler der Weisheit" gilt als ein Meisterwerk englischer Prosa. Er hat darin seinen arabischen Feldzug beschrieben— aber die Auslage auf wenige hundert Exemplare beschränkt.(Daß er sich verleiten ließ, eine verkürzte Ausgabe, die auch in allen Sprachen übersetzt wurde, zur allgemeinen Verbreitung zuzulassen, bedauerte er später tief und verzichtete auf alle Einkünfte daraus.) Die„Sieben Pfeiler" erzielten aus dem Büchermarkt phantastische Liebhaberpreise, beinahe so hohe wie die Preise, die die Türken einst auf den Kopf ihres Verfassers gesetzt hatten! Nach seinem Tode wurde das Buch neu und unbeschränkt aufgelegt und ein ungeheurer Erfolg. Ein anderes Buch, das er geschrieben hat,„The Mint", ist nie gedruckt worden: es ist ein Bericht über das Leben in der Fliegertruppe— so nackt und ungeschminkt, io schonungslos, daß niemand die Berössentlichung wagen kann. Der große Schriftsteller aber war auch ein großer Techniker. Er war zur Fliegertruppe gegangen, wie seine Vorläufer im Mittelalter ins Kloster gingen. Dort jedoch, in ständiger Beschäftigung mit Maschinen, wurde sein unendlich reger Geist bald konstruktiv und ohne je Technik studiert zu haben, wurde Lawrence zu einem der allerersten Fachleute aUf dem Gebiete des Motorenbaus, dem die britische Militäraviatik nicht wenig verdankt. In den Ruhepausen seiner anstrengenden technischen und militärischen Tätigkeit aber übersetzte Fliegersoldat Shaw die Odyssee— in ein knappes, hartes, ganz unrhetorisches Englisch— oder er betrieb archäologische Studien, die ihm noch von seiner Studienzeit in Oxford vertraut waren. Um die Ruinen der Kreuzritterburgen zu sehen und nach den Spuren der Hettitter zu graben, war er ja nach Vorderasien gegangen, hatte dort die Sprache' und die Bräuche der Araber kennen und lieben gelernt und sich.so für die" große Aufgabe qualifiziert, die ihm, dann im Kriege von der britischen Heeresleitung übertragen wurde. Ein geheimnisvoller Dämon hatte ihn in seine historische Rolle getrieben und trieb ihn nun weiter durchs Lebens Er selbst hatte kein Ziel. Alles, was anderen Menschen erstrebenswert scheint, Heim, Familie, Frauen, Geld, Behagen, Ruhm, Macht, bedeutete nichts für ihn. Widersprüche zerrissen seine Brust. Der Widerspruch, an dem er wohl sein ganzes.Leben lang am schwersten litt, war der zwischen seinem unbändigen Tatendrang und dem Wissen von der tieferen Vergeblichkeit alles Tuns. Darum gerade mag er seinen ruhelosen Geist in-die monotone Disziplin des Militärdienstes gebannt haben. In den GefchwindigkeitSräuschen rasender Motorrad- fahrten suchte er dann Entschädigung. Der Dämon saß ihm im Rücken und führte ihn schließlich in den Tod. Widerspruchsvoll war auch seine Haltung zu den Menschen. Niemand war im persönlichen Verkehr freundlicher^ gütiger als er, niemand hatte soviele Freunde. Die Großen des Landes waren stolz,' ihn zu ihrem Kreise zählen zu dürfen, dis besten Maler haben ihn gemalt, die' besten Schriftsteller' seine Gesellschaft gesucht, seinen Kameraden in der Fliegertruppe war er der beste Kamerad,-seine Untergebenen im'arabischen Feldzug hingen mit-abgöttischer Verehrung qn. ihm. „Ihn gekannt zu haben"', schreibt'einer.von ihnen in dem Buch..der Achtzig,.-bedeutet das größte Erlebnis, das mir'zuteil' ward.''-Und'doch-grub dieser liebenswerte und so viel geliebte Mann kurz vor dem Ende seines Lebens, da es aus der Fliegertruppe‘ äusttat und sich, in ein bescheidenes LandhäuS'chen zürückzog,-in dem Schlußstein dieses Hauses- ingriechischen Lettern das' verächtlichhochmütige Motto des-griechischen Menschenfeindes Hippokkeides. Er war gut und' freundlich zu allen Menschen, die er kansite, aber er haßtelrie Menschheit"alS-solche, zumindest die- Gesellschaft und ihre). Konventionen, verachtete sie und die-EhreN.dle sie zu vergeben hatte, stand- immerwährend in innerer Revolte gegen sie. Das also war der Mann, den sich die lahme. Kolportagephantasie als Karl-May-Helden im Kriege und als gefährlichen Meisterspivn im Frieden malte. Er war als Mensch größer als das Große, das er auf so vielen verschiedenen Gebieten vollbracht hatte. Zu seinem innersten Kern drin-- gen alle Deutungsversuche nicht. Aber es sei doch erlaubt, hier zum Schluß, so phantastisch sie klingt,, eine Hypothese anzuführen, die ein geistreicher Mann kürzlich vorgebracht hat:. Diese Hypothese knüpft an den Beitrag Ber». nard Shaws in dem Sammelband an, der auf. die merkwürdig'"jungenhafte Erscheinung'aufmerksam macht, die.sich Lawrence— er.war 47. Jahre alt, als er starb— bis zuletzt bewahrt hatte, auf sein ganzes jungenhaftes Wesen, seine Art zu sprechen, seine Art zu lachen;„und-so stärk und mächtig auch sein Geist war", fügt Shaw hinzu,,»so. hege ich doch Zweifel, daß er je seine volle Reise erlangt hat/' War Lawrence am Eiche — so lautet nun die Hypothese— eine Mutation, eine jäh austretende biologische Artveränderung? Der Vorläufer nieeS neuen Menschentyps-von höheren'intellektuellen Gaben, der später erst als der Mensch von heute zur vollen Reife gelangt, um dann in einem längeren und. reicheren Leben als dem unseren' Höhen zu- erreichen, von denen wir uns heute nichts.'träumen'lassen? Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Poll monatlich Xi 16.-7.^ierteliShrlIch, Xö-48.—. halbjährig XS. 06.- ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden-laut' Tarif, billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten ersolgt/nur bei Eilsendung, der Retourmarken..— Die Zeitungsfrgnkatur wurde von der Post, und Tele» graphenduMion mit Erlaß Rr. 1S.800/VH/1SS0"bewilligt.— DruckÄdi:-.,OrbiS", Druck-. Verlags- und- ZeitmgS-A.-G. Prag.■