Sozialdemokrat Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der TschechoslowaNschen Republik «rsq-tnt mit«»«»ahme de« Mont«,»glich friih z«in-elpr-i» 70 Heller ^^^EE^^^2Xll^FochqvaS^^lephon53M^^e^geber^SIegfriedTau^^^tw^Redalt^^V^8denkoN^irth^Prag 17. Jahrgang Frettag, S.Iutt 1S37 /hur dem Inhalt: Hungerstreik gegen Betriebsstillegung Das Nachspiel der Staaber Maifeier Wie die Baskenfront zerbrach Aus einem Kulturstaat Nr. 159 Einladung Neurath wieder aktuell? holen, daß Frankreich auch die Landkontrolle an der Ptzrenäen- grenzeaufheben würde, falls Italien und Deutschland der französisch-englischen Seekontrolle in Spanien in Anwesenheit von neutralen Beobachtern Hindernisse in den Weg legen wird. Gelegenheit zn einem persönliche» An- sichtenauStausch ergeben wird, der auf beiden Seiten.ein. bessere« Bcrftrhcn der^anderen Seite bewirken wird. Zu Spanien erklärte Chamberlain: Da ich überzengt bin, daß niemand ein« Konslagration ganz Europas hervorzurnfen wünscht, sehe ich nicht'ein, warum wir nicht.mit. einer kleinen Portion Vorsicht und guten Wille» eine Lösung für unsere- Schwierigkeiten finden könnten, die sogleich beseitigt wären, wenn wir uns über die Abberufung der Freiwilligen aus Spanien einigen und cs Spanien selbst überlassen könnten, seine eigene Zukunft zu bestimmen. Die Pariser Presse ist den Beteuerungen Francos gegenüber, daß Italien und Deutschland nicht irgendwelche Positionen in Spanien oder im Mittelmehr gewinnen wollen und daß die spanische nationale Negierung dies ja auch gar nicht zulassen könne, sehr skeptisch eingestellt. „P e t i t P a r i s i e n" meint, daß Franco damit England gewinnen lvolle. Der„Populaire" meint ebenfalls, daß Franco nunmehr bemüht sei, England durch Versprechungen wie durch Drohungen zu gewinnen, daß er dies jedoch in vollem Einverständnis mitBerlin und Rom tue.■ Berlin, Rom und Salamanca seien bestrebt, London und Paris zu trennen und ein ^„Kompromiß" zu erreichen, das ihnen alle Paris. Dir Rote, in der General Franco offiziell feine Anerkennung fordert, ist im fran zösischen Außenministerium«ingetroffcn. Sir wird an den kompetenten Stellen sehr kü h l aufgenomnren. Dir Stellungnahme der Regierung wird, wir es heißt, mit der der britischen Regierung vollkommen einverstanden sein. Sie.schließe ein prinzipielles Kompromiß«urd die Möglichkeit der Ziwrkennung des Rechtes als kriegführende Par tei nicht aus, falls General Franco v» r h r r dir genau gestellten Bedingungen erfüllt, d. h., a l l e a«f f r i n e r S e i t e k ü ik p f e n d e n Freiwilligen entläßt. England und Frankreich fiiü>, wie cs heißt, entschlossen,' zwar in sehr versöhnlichem, aber trotzdem festem Grift« zu verhandeln. Ei»'Be weis dessen sei die Erklärung des englischen Außenministers Eden, daß di« britische Regie- rung In der Freitagsitzung des Londoner Richt- intervmtionsnnsschusses keinen Plan vor legen, sondern auf ihrem bisherigen Standpunkt beharren wird. Auch der französische Botschafter r u„.. in London soll im Londoner Ausschuß wieder- I Vorteile gewähren würde. London. Einige Londoner Zeitungen wol- len von einer bevorstehenden neuen Einladung .EiigsgUdL-^gN-tl«llLtz.eutschkv-Keichs.at>ßenmjnistep von Neurath wissen..Reuter meldet dazu, daß an: amtlichen Stellen die Meldungen von der.Festsetzung eines neuen Datums für diesen Besuch „vorzeitig?.seien. Am Abend bestätigte Ministerpräsident C h a m b e r l a i n in einer Bersammliingsrede diese Gerüchte, üidcm er es bedauerte, daß Neuraths Reise verschoben werden mußte, und hinznfügte: Ich habe volles Bertrauen zu einem persönlichen Kontakt zwischen einflußreichen Staatsmännern uni teile völlig die Hoffnung des Außenministers Eden, daß sich eine andere Wird Franco zuerst die Freiwilligen entlasten? nend ab.» Die Aufständischen verloren sonach bei Minorca in den letzten 24 Stunden zwei Flug- zeüge.. Vergebliche Gegenangriffe Ein späterer Bericht der VertcidigungS- miuisteriunlS besagt: Dir Aufständisch«» versuchten, die von den republikanischen Truppen am Dienstag erzielten Erfolg« wettzumachcn und konzentrierten Truppe» gegen Madrid, insbesondere aber Flieger, wleche den ganzen Tag über, jedoch erfolglos, operierten. Die RegirrnngStruppen, welche Brn- urt« besetzt hatten, wurden von den Aufständischen überfallen,, doch wnrde d e r Angriff abge- wehrt und»S konnten' n en e Positionen b e s e tz t werdett, insbesondere im Guadarrama- Berglandr. Die im Abschnitte von Sesena operierende»' Truppen besetzten weitere Positionen, so namentlich die Gräben der.Aufständische» aus dem die Straß« Sesena—Enesta Reina beherrschenden Hügels Ein Gegenangriff der Aufständischen scheitert«. Hin Racheakt Francos Gibraltar.-»(Agence Espagne.) Die Details, die:übcr das Luftbombardement von Algeciras bekannt werden,zeigeni daß vierLustab- w,e h r b a t t eilen d e r I n s u r g en- t e>:uz e r st ö r t^worden sind, ebönso wurden die KWenbatferien von G e s a r e 8,- die erst vor lttrzchn von den Deutschen, aufgestellt worden sind, vernichtet.'-' t::x Sofort»ach dem Bombardement' haben die Insurgenten al-1 Repressalie- 38 Gefangene füst- lirrt, die^seit Beginn des Kriege- in Haft, waren, wess sie ihrer Sympathie für di« Regierung Ausdruck gegeben Hatton.. Vas paiHstina-icompromiü ' Alle Rind enttäuscht ■ London. Der britische Hochkömnrisskr von Palästina hatte in Jerusalem eingehende Beratungen mit den Führer» der Araber, der Inden und der Mohammedanischen Opposition über den Bericht der Palästinakommission. Der arabische Hohe Rat faßte Donnerstag vormittags Beschluß Wer die von den Delegierten cinzunehmende Haltung. Ueber das Ergebnis der Beratung ist bisher noch wenig bekannt. .An einer Unterredung mit dem Vertreter des Reuter-Büros erklärte ein hervorragendes Mitglied des Obersten arabischen- Rates, büß es n.nm-glich sein werde, den Pleür.der Teilung Palästinas durchzuführen, es sei denn,, daß Großbritannien Gew alt anwendr. „Eveuiug Standard" erfährt, daß die tzapptetnwäüde per. Zionisten sich, g e g e u das g e r i.n g e F l ä che.it a u s m a ß d. e s iüdisch enSta a t e S sowie-gegen die Zuteilung. des Ncgev'-Gebieics(eines Gebietes a,n Suezkanal) au die Araber- richten- von dessen Erschliehung- fie sich.^ viel erhoffen.. Desgleichen opponiere» sie gegen- die, den Arabern.zu gewährende'Subvention.-; Der. Vollzugsausschuß der.■ Jewish Agench und die zionistische Organisation.haben, erllärt, daß'!die Vorschläge mst dem, Mandate aus dem Iährei 1022 p n v erehnb a r seien. Die-beiden Organisationen betrachten auch den neuen Vorschlag zwecks Regelung der-Einwanderung nach Palästina als Verletzung-ihror--Rechte.--:- DaS Reutrrfche Büro meldet auS Palästina, dgßi auf. allen Seiten der Bevölkorungdie Ent- tdufchims übenviege.. NiemSiier vor ein Sondergericht? ' London. Do.r PSozeb.gegen'.Pastor NIemäl- lSr'sölli'' wie"!:Eve'nina' Sjandgrd" aus Berlin, erfährt,- einem Sondergericht üverwagm werdest. Gegen dessen Urteil-soll keine. Bcrufungi Möglich , soin^-. Weiterer Vormarsch der Regierungstruppen Auch die„TaB" faschistisch? London. Ja«ob Doletzki, der Generaldirektor der offiziellen russischen Tcle- graphenagentur„T a ß", wurde als Volksfeind nnd unter faschistischem Einflüsse stehend, welchem er mit anderen Mitgliedern dv Agentur unterlegen sei» soll, verhaftet. Dies wird nach London in einem Artikel des Swerdlowsker„Uralarbeiters", des offiziellen bolfche- Wistifchen Parteiorgans in Swerdlow berichtet. Das Blatt gibt" auch dic Berhaftung anderer leitender Redakteure de« sowjetruffischcn amt- Wen"PreffWro« bekannt, so de» Hauptmit- Ntbüter»- S o l tz. Es handrkt- fiist-dem--gr-- nannten. Blatte, zufolge um.„Volksfeinde", welch« über Weisungen von au-ländischrn Anf- traggebern gearbeitet haben. Dabei deckte» diese «Volksfeindes durch ihre-besondere Auswahl ihn«»,genehmen Nachrichtenmaterials ihre Mit- fchuldigen. So sollen auch kritische Urteile über die Bürokratie unterdrückt- worden sein, wahrend wichtige Informationen, welche die staatsfeindliche Tätigkeit verschiedener Saboteure nnd Staätsschädlinge behandelten, einfach unter den Tisch geworfen worden find. Emigranten Im Munde vieler ei» Schimpfwort: Emigrant. Wie es gesagt wird, wie es die Presse der Henlcinpartei gebraucht, hassend und verächtlich, geringschätzig und wütend, offenbart nicht-nur die freiwillige naziatische Gleichschaltung unserer Volksgemcinschaftler— cs schwingt auch die Mitz- achtung der besitzlosen, unsteten, heiinailoseu Flüchtlinge durch die„bodenständigen", besitzsicheren Bürger mit. Ein Emigrant: einer, der nichts hat, der von Unterstützungen leben muhl Und noch dazu ein Gegner des„Führers aller Deutschen"— genug Grund, ihn zu hasse», ihm das bloße Dasei» nicht zu gönnen. Achtung vor einer Ueberzeugung, die das lvirklich oft sehr large Brot der Emigration der nährenden Gleichschaltung vorzog, solche Achtung vor menschlichen Werten, kann man von.den Volksgenossen Emi- grantenfeinden nicht erlvartcn. Und doch— auch die gehässigsten Emigran- tcnfeinde unterscheiden zwischen Emigranten und Emigranten. So gründlich unterscheiden sic, daß sie die einen schmähen und beschimpfen, die anderen gar nicht als Emigranten betrachten. Tie einen— wenn sie im Gastlands schriftstelleri'ch tätig sind und die Zustände im Dritten Reich kritisieren, werden sie wütend vergiftender Umtriebe angeklagt. Die anderen— die anderen können das Land, in das sie emigrierten, regieren, ohne daß die volksbewutzten Emizrantenfcinde daran das mindeste auszusetzen finden. Daß die deutschen Emigranten in Frankreich, in Holland, in Belgien, in der Tschechoslowakei je auch nur im entferntesten versucht hätten, sich in die Politik dieser Länder einzumengen, wird Mum jemand ernstlich zu behaupten wagen. Im Dritten Reich- aber machen Emigranten nicht nur Politik, ReichSpolim, und oft sehr entschieden gegen ihre Heimatländer gerichtete Politik, sondern sie regieren sogar das Deutsche Reichl Denn mögen die sudetendeuischen Nazi und die Nazi anderwärts Adolf Hitler noch so hoch einschätzen, sie werden nicht bestreiten können, daß er ein österreichischer Emigrant ist. Kein politischer Emigrant, er mußte nicht aus Oesterreich flüchten, er hat es bloß verlassen, weil die skeptischen Wiener lveder an seinen handgcmalicn Ansichtskarten, noch an seinen politischen Ergüssen Gefallen fanden, aber doch ein Emigrant. Ein Zngcwanderter hat in Deutschland nicht nur vo» der demokratischen Freiheit dcS Gastlandes wci- testgehenden Gebrauch machend, Politik gemacht, sondern sich sogar zum Diktator dieses Lander gemacht. Und einige seiner engsteti Mitarbeiter sind gleichfalls Zugewanderte. Die Blut« und Boden- Weltanschauung des Dritteti Reiches, für die auch die Herzen der sudetendeuischen Nazi so heiß erglühen, wurde und wird philosophisch begründet von dem Balte nAlfredNosenberg, der wie kein anderer zur Verkündung des germanischen Blut-Mtzthos berufen ist, weil ganz gewiß kein Tropfen germanischen Blutes in seinen Adern fließt, sondern ein-Gemisch von lettischem, also slawischem, und finnischem und französischen: Blut Mit emer kleinen Beimengung.von jüdischem. Der Stellvertreter-des„Führers", RudolfHetz, ist D e u ts ch- A e gyp t e r und der deutsche Bauernführer Walther.Darrö ist D e-u t- sch- A r'g e n t in i e r. Wesentlich verstärkt wurde die Emigrantengruppe,' die sich zur Führung des Dritten Reiches berufen fühlt, durch den Zuzug aus der Tschechoslowakei. Neben kleineren Grützen wie dem ziemlich konfusen westböhmischen Naziführer Langhans und dem Professor L e h m a n n und Dr. L e i b l(die beiden letztgenannte» haben besonders eifrig die Religion der Heimattreue und StammeSzugehörigkei: verkündetl) wirken im Dritten Reich Hans Krebs als Regierungsrat und beschästigungs- loser Reichstagsabgeordneter, Ru.dolf Inn j als Ilniversitätsdozont und gleichfalls als M. d. R. und Herr Dr, Bi ererb! als Leitartikler des „Völkischen Beobachters". Und gegen die'höchst intensive politische Tätigkeit dieser Emigranten»in dem Lande,' in das sie emigrierten, hat keiner, wirklich keiner, der hiesigen EMigrantenfcinde etwas einzuwcndcni Daß jemand hier sein Ehrenworte bricht und über die Grenze- wechselt und- dann drüben gegen den Staat,-der doch'auch :—nicht wahr, es ist doch so?— der Staat bet Südetendeutschen ist, Politik macht, das erscheint ibneh als oie selbstverständlichste. Sache der Welt. Madrid. Im Abschnitte La Sierra ist der Bormarsch, den daS fünft« imb achte Armeekorps DienStag begonnen hat. am Donnerötag erfolgreich fortgesetzt wordan. Rach 7 Uhr morgen- bemächtigt«: sich die Truppen des sisttfton KorpS der wichtig«: Position-ei LoSLlanos. Die republikanische» Truppen eubeuteten dabei ein Flngabwehrgefchütz, vier Maschinengewehre und«in» große Menge Munition. Weiter- haben die Rrpnbliklmer Positionen bei MoSquita, R0» manilloS und CastiM de Billafranca erobert. Das Dorf Onirojan isr von dm RegierungStruppoN' vollständig eingeschlossen. Di« Moral der RegierueigStruppen ist ausgezeichnet. Zahlreiche Urberlitstfer haben den Republikanern wertvolle Meldung«: über di«' Truppenbewegungen des Fed:des gübracht, der versucht, den'Bormarsch der Regierungstruppen aufzuhalten. In Andalusien besetzt«: di« Republikaner»ei P o z o B la ne a verschiedme Positionen. IM Abschnitt von Alcala kg. Real Haien die Regie-, rungStruppcn einen Leutnante einen Unteroffizier und 2b aufständische. Soldaten- gefangin- genommen und hab«: außerdem einTaukabwehr- geschütz, vier Maschinengewehre und 50 Gewehre erbeutet:- . I» Estremadura besetzten Abteilungen des 7. Armeekorps daS Dorf Rmä und schlossen da»' Dorf Billar de Rena ein. Im Frontabschnitt von Meddelldia wurde die Gemeinde BatanrhiS besetzt. In Aragonien hab«: dir RrgirrungSnqPPen die Stadt. Albarraei». eingefthlossen. .", Auß den Balearen versuchte Dogner-tag um- 3 Uhr- morgens eiygBmndfstflugzkug einige An--, griff« auf. de»-Häsest-von-M ä h o n„ die'jedoch die. MlNzougÄbivehr vereitelte. Ein Ausständi» -schcn-FluMug würde getroffen und.stürzte vren- 2ustlrmord an drei Arbeitern B e r l i n. Donnerstag wurde» hier Wal- dcmar Schulz, Paul Zimmermann und Bruno S ch r»ter, die wegen Verbrechen» gegen die Sffentlrche Ordnung ,nm Tode ver- urteilt. worden sind, hi»gerichtet. Die ?a!<"«lte» wurden beschuldigt, im Oktober w'iS 1!? Revolverschüsse in einem Berliner Borstadtkaffeehaus gegen SA-Leute abgegeben zu haben. ■’ S« Wahrheit hatte cs sich, wie die im Ausland ausgenommen«,: Zeugenaussagen und Bewrlse ergeben, um eine von der SA provo- zlcrte Schlägerei gehandelt. Seite 2 Freitag, 9. Juli 1937 Nr. lb» Denn diese Emigranteiipolitik ist Politik gegen die Demokratie, ist hakenkreuzlerische Politik, ist großdeutsch-imperialistische Politik, antipazifistische und antisozialistische Politik und also jene Politik, die' o'ken zu machen die hiesigen Gleichgeschalteten verhindert sind. Sie ist also Politik nach ihrem Herzen. Sie ist freilich auch eine für das Sudetendeutschtum äußerst gefährliche Politik. Die Politik der sudetendeutschen Emigranten, die drüben sofort an der antitschechoslowakischen Front eingesetzt wurden, ist Politik gegen die Sudetendeutschen und gegen die sudetendeutsche Heimat. Sie ist ein Teil jener neudeutschen Politik, die ins europäische Chaos zu führen droht. Die Sudetendeutschen haben aber keine wunderbare Auferstehung aus einem europäischen Chaos zu erhoffen, sondern den Untergang zu befürcht e n. Sie können ihre Heimat nur schützen, ihr Volkstum nur festigen, ihre Kultur nur fortführen auf dem Boden des demokratischen Staates und nur dann, wenn der Friede erhalten bleibt. Die„Franlfnrier Zeitung" läßt sich von ihrem, natürlich bei den faschistischen Invasionstruppen befindlichen, Sonderberichterstatter ausführlich.über die Eroberung Bilbaos und die vorangegangenen Offensiven der Faschisten berichten. Der Bericht stellt den Basken das Zeugnis aus, daß sie sich tapfer gewehrt haben, zeigt aber, wie schwer es dem kleinen Gebirgsvolk gemacht wurde, gegen die technische Uebermacht der fremden Eindringlinge mit unzulänglichen Waffen zu kämpfen. Die Basken hatten drei Widerstandslinien errichtet. Die erste wurde durchbrochen, die zweite überrannt, ehe sie noch ausgebaut war. Die„Franks. Ztz." schreibt: „AIS dritte Verteidigungslinie folgte dann der„Eiserne Gürtel", an dem die nationale Offensive zerschellen und vor dem sich die Angreifer langsam aufveiben sollten. Diese Linie, die hinter Pleneia an der Küste begann und sich im Osten halbkreisförmig vor Bilbao legte, von Galdaeano aus nach Süden und Westen umbog, Ivar in ihrer ganzen Ausdehnung nicht überall gleichmäßig zu Ende gebaut. Entsprechend der ersten Angriffsrichtung der Nationalen, die anscheinend auf der Durangostraße den Durchbruch erzwingen wollten, befestigte man die Hänge links und rechts der Gallo-Strahengabelung bei Galdaeano in einer Breite von rund 10 Kilometer bis zum Bizearguiberg. Als sich die an der Küste operierende gemischte Brigade immer weiter vorschob, ergab sich die Notwendigkeit, auch hier daS Stück, das von Pleneia bis auf die Höhe von Munguia reichte, in Verteidigungzustand zu sehen. Am Zwischenteil dieser ganzen etwa 30 Kilometer langen Ostlinie waren im Augenblick des Durchbruches die Arbeiten noch im Gange. Auf den Höhen im Süden und Westen Bilbaos, die weiterhin in den„Eisernen Gürtel" mit einbezogen werden sollten, war kaum ein Spatenstich zu sehrn. Wie sah nun dieser berühmte Verteidigungsgürtel, gleichsam die Maginotlinie von Bilbao aus, auf welche die baskische Nordarmee ihre ganze Hoffnung setzte? Da diese selb st keine schweren Waffen, keine nennenswerte Artillerie, keine Flug- Jene Emigrantenpolitik, mit der die sudetendeut- sche». Nazi so sehr mitfühlen, für die sie sich so sehr begeistern, gefährdet das Sudetendeutschtum. Aber diese Politik ist zutiefst antisozialistische, arbeiterfeindliche Politik! Daß der Arbeiter nicht mehr selber Politik machen kann, daß er willenloser Gefolgsmann des Unternehmers ist, daß er keine Lohnerhöhung mehr fordern kann und schon gar nicht streiken und daß er, wenn er zu„Melkern" wagt, in ein Konzentrationslager geworfen wird, daß endlich die notigen Proleten zum Kuschen gezwungen sind,— das läßt die Herzen unserer eindeutig sozialen VolkSgemeinschaftler höher schlagen, da» begeistert sie so sehr für jene Emigrantenpolitik, die die Politik des Nationalsozialismus und de» Dritten Reiches ist. Und weil die demokratischen und sozialistischen Emigranten Gegner dieser Politik der völligen Entrechtung der werktätigen Volksschichten waren und sind, trifft sie der dumpfe Haß der Anhänger der nazistischen Emigranten. zeuge und keine Tanks hatte, die den Kampf mit den in diesem Abschnitt von den Nationalen versammelten Material hätten aufnehmen können, mußte ihre Sorge fein, die Befestigungen so anzulegen, daß ihre Infanterie dort die Wirkung der schweren Waffen überstehen konnte, um die nachfolgenden Stoßkolonnen abhalten zu können. Zunächst liefen am Waldrand an den Hängen oder oben auf den Hügelketten und Kuppen zwei bis drei hintereinander liegende Schützengräben entlang, die fast alle sorgfältig mit Fußstand und Brustschutz ausgeschachtet waren. Davor zog sich ein oft bis zu acht Meter breites Drahtverhau. Bäume uild Büsche vor dieser Linie wurden gefällt oder abgebrannt. Zwischen den Gräben waren in Abständen von fünfzig bi» hundert Meter einfache Maschinengewehrnester oder flankierende Schützenstände mit Betonwänden gebaut. Hier und da lagen mehrere Meter lange Bewnunterstände in den Gräben, die meisten aber waren zehn, fünfzehn Meter tief rückwärts in den Berg gegraben, um als Schutz gegen die besonders gefürchteten schweren Fliegerbomben zu dienen. Fast nirgends war versucht worden, diese rund 80 Kilometer lange Sperrlinie zu tarnen. Von den nationalen'Vorposten aus konnte man mit dem Fernglas nicht nar jeden Bewnblock, sondern auch den Verlauf jedes einzelnen Grabenstückes genau erkennen." Die Offensive gegen den Eisernen Gürtel setzte unmittelbar nach der Besetzung der zweiten Linie ein: „Durch einen Ueberläufer, einen Ingenieur, der am„Eisernen Gürtel" mitgearbeitet hatte,wußte das nationale Kommando, daß das M i t t e l st ü ck dieser Verteidigungslinie kaum bi» zur Hälfte fertiggestellt war. Hier zwischen Munguia und dem Bizearguiberg sammelten sich am 12. Juni zwei Brigaden, einige 15.000 Mann. Das Feuer von rund vierzig Batterien vom 7,5 Zentimeter Feldgeschütz bis zur 28 Zentimeter Haubitze, begann sich bereits am vorhergehenden Nachmittag auf den Abschnitt zu konzentrieren, verstärkte sich dann am Kampftag selbst und hielt, den kaum'zwei Kilometer breiten Sektor, der als Durchbruchstelle-ausersehen war, in einer Tiefe von etwa vier Kilometern unter einem-ständigen Trommelfeuer. Zwei, drei Flug-, staffeln, die in regelmäßigen Zeiträumen wiederkehrten, bombardierten die Stellungen und die rückwärtigen Anmarschstratzen. Auf der gegnerischen Seite tastete eine einzig eBatte- r I e an diesem Großkampftag dar Gelände ab. Die zehn, fünfzehnJagdflieger, welche die Basken im Norden besaßen, hatte sie schon wochenlang vorher in Einzelkämpfen verloren; und von Flugabwehr» geschähen war in der Nähe der Front nirgends etwas zu spüren. Als die Vorhuten der nationalen Kolonnen die Befestigungen auf den Berghöhen erreichten, fielen nur noch wenige Schüsse. Wer die Bombardierung ausgehalten hatte, war durch die tags vorher schon ausgebrannten Wälder abgezogen, immer noch von den Infanteriefliegern bedrängt und der nachgreifenden Artillerie verfolgt." lieber den baskischen Widerstand heißt eS in dem Bericht noch: „Mehr noch als die Abwehr scheinen ihre Gegenangriffe- um verlorene Stellungen' ihre Kräfte geschwächt zu haben. Um die Abwehr der nationalen Artillerie und Flugwasfe auSzuschal» ten, griffen sie oft mehrmals nachts in immer neuen Wellen die tags vorher verlorenen Stellungen an, ohne auch nur mehr als einen vorübergehenden Erfolg zu haben. Meist fehlte ihnen, hatten sie wirklich einmal nach, mehreren Angriffen die nationale Stellung erreicht, die Kraft, den Erfolg auch rasch genug auszunützen. Dennoch versuchten sie Wochen hindurch, eine Wendung in dem immer aussichtsloser werdenden Kampf zu erzwingen. Zwischen Chinesen und Japanern Peiping. Unweit von Peipbtg ist eS Mittwoch abend» zu ctstem schweren Zusammenstoß zwischen chinesischen und japanischen Truppen gekommen. Nach der japanischen Darstellmig wurden Teil« der japanischen Garnison von Peiping, die etwa 70 Kilometer westlich von Peiping eine Nächtübung durchführten, von chinesischen Soldaten beschossen. Die Japaner erwiderten daS Feuer und zogen sofort Verstärkungen heran. Die Kämpfe, in die auch japanische Artillerie elngriff, dehnten sich DannerStag morgens auch auf benachbarte Orte und die dort stationierten japanischen und chinesischen Truppenteile auS. ~ Um 10 Uhr früh wurde ein W afseststll- stand abgeschlossen. Da sich die chiueststhen Truppen jedoch dem japanischen Ultimatum, sich btS Mittag zurückzuziehen, nicht fügen wollten, eröffneten die japanischen Geschütze kur» vor Mittag neuerdings da- Feuer. Die Verluste sollen auf chinesischer Seide an Toten und Verumn- deten sich auf 200 Mann belauftn. Auf japanischer Seite gab eS zehn Tote, darunter zwei Offiziere. Kur» nach Mittag wurden die Verhandlungen erneut ausgenommen. Die Japaner fordern, daß die ganze chinesische 29. Armee deS Generals Sungfchetzuain von beiden Ufern deS Flusses Juntin zurückgezogen werde. Die Chinesen lehnte» diese Forderung ab und nun stehen die bei- Antwort an die Nationaldemokraten. Auf die Angriffe der tschechischen nationalistischen Presse auf Minister Dr.-Czech erwidert„Prado lidu" mit folgenden- Worten: Was hat' unser deutscher Genosse verbrochen? Richt, mehr und nicht weniger,, als daß er auf dem ReichSauf- marsch der uniformierten Hüter und Verteidiger unserer Grenzen sprach. Die nationaldemokratische Presse, die noch vor'kurzem ihre Grauhemden über den grünen Klee lobte,, findet an den uniformierten Einheiten der deutschen Sozialdemokraten keinen Gefallen. Der Grund dafür? ES sind keine Faschisten, eS sind bloß— demokratische Sozialisten, die, solange die demokratische Ordnung in diesem Staate dauern wird, niemals mit„BerzweiflungSauSbrüchen" drohen können und werden wie es Herr Henlein tut, der Patron der deutschen Großindustriellen, der Freunde der Herren HodaL und Preiß. UnS ist freilich klar, was den Nationaldemokraten nicht gefällt: Minister Czech und dje ganze tausendköpsige Versammlung huldigten der Republik," ihrer demokratischen Armee und unseren beiden Präsidenten." Die zensuriert« Getreidegesellschast. Donnerstag wurde eine ganze Reihe von Blättern» darunter„Prävo lidu" und„Ceskk Slovo", be- schlagi'.ahmt, weil sie einen vom Tschechoflowaki« scheu Korrespondenzbüro verbreiteten Bericht über die Getreidepreisverhandlungen enthielten. Dieser Bericht war offiziell von der Getreidegesellschaft ausgegeben worden! Der Präsident der Republik empfing am Donnerstag den Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan Hodja, ferner den bevollmächtigten Minister Dr. Vilem PospISil und schließlich den Dekan der journalistischen Fakultät in Seattle Vernon Mae Kenzie. den Armeen an den Ufern des Flusses einander feindlich gegenüber. Rach dm letzten Meldungen wurde» dl« Feindseligkeiten Donnerstag um 19 Uhr wieder ausgenommen und«m 23 Uhr«ment eingestellt. Um Mittemacht gerieten die Verhandlungen über die Beilegung deS Konfliktes wieder in eine Sackgasse. Reuter meldet, daß mit jeder Stmide, um die sich die Trmnung der beidm Armeen verzögert» die Gefahr neuer feindlicher Akte wachse. Ueber Peiping und Timtsin wurde der Kriegszustand verhängt und auf zwei«ach Peiping führendm Eisenbahnlinien der Betrieb eingestellt.> ,.... ck Nach' den Darstellungen von chinesischer Seite scheinen die Japaner den Konflikt a b» sichtlichprovoziert zu haben. Japanische Soldaten hätten während der Nachtübung kurz vor Mitternacht Schüsse gehört und behauptet, daß diese vo« chinesischen Soldat«» herrühren. Daraufhin, hätten die japanischen Militärbehörden sofort gefordert, daß japanische Soldaten die angeblichen Wter selbst sicherstellen können. Tokio. DaS Marineministerium trug der drittel« FlotteneSkadr« auf, sich zum Auslaufen in die nordchinrstschm Gewässer bereitzuhalten, falls dies notwendig merdm sollte. Wie die Baskenfront zerbrach Die technische Unterlegenheit der Verteidiger NSchtllche Zusammenstöße MWelWM COPYRIGHT BY SATURN- VERLAG, WIEN Weil aber das vorgcschlagene Geschäft mit dem Kabriolett von dem absichtsreichen Silberstern keineswegs ausgegeben, sondern täglich mit neuen Gründen angeboten und umgewendet wurde, wobei eS für ihn immer prachtvoller, für Dieter und Hesky allerdings immer fragwürdiger und wie eine dringlich symbolische Vorfrage für das zweite, größere Unternehmen der Heirat auftrat, so daß eine Vertrauenssache die zweite nur vorbereitete und als Bedingung gedeihlichen weiteren UcbereinkommenS dastand, muhte man sich gerade hier schlau davor hüten, ihm auf den Leim zusgehen. Daher zögerte Dieter nicht, dem Doktor einen Gegenvorschlag zu unterbreiten. Allerdings war es notwendig und begreiflich, daß Hesky als Afrikareisender nicht wie alle gewöhnlichen Leute stand und ging, doch mußte nicht gerade ein Kabriolett diese besondere Haltung bezeugen, vielinehr schien eS weit angemessener, wenn er seine afrikanischen Reiterkünste übte und pflegte, um sich nicht hier im Lande zu versiegen und Fett anzusetzen, wozu er leider Neigung zeigte. Ein Pferd anzuschassen und zu reiten, entsprach seinem Stande und seinen Lebensgewohnheiten weit besser, als ein Fahrzeug zu kutschieren. Der weite Prater mit seinen Auen, den Hesky sehr liebte, war für solche einsame Spazierritte und Hebungen wie geschaffen, hier konnte er gesunde Bewegung machen, und was die Kosten betraf, das wäre schlimm, wenn er sich einem Roßhändler ausliefern und sein schwer erworbenes Geld an den Hals schmeißen würde! Er mußte dank seinem Stande umsonst ein Pferd bekommen, ohne das.Königreich seiner Freiheit dranzugeben. Weshalb war er denn der Schützling des Monarchen? In den kaiserlichen Stallungen gab es mehr als einen ausrangierten Hengst ü>er eine ältere Stute, die sonst pon Hofbediensteten zugeritten, ihr Futter verzehrten, ohne irgendwem sonderlich zu nützen und zu dienen. Von dort mußte er beziehen, was er brauchte, und was seine Würde als österreichische Berühmtheit gebieterisch verlangte. Er sollte nur wieder einmal Audienz nehmen, schuldete er doch noch den Bericht über die huldreich unterstützte Ausstellung, da ergab sich gewiß Gelegenheit, einen solchen Wunsch geziemend vorzubringen, denn der wohlgeneigte Monarch unterließ bei solchen Unterredungen niemals die gütige Frage, ob der Besucher nicht sonst irgendeii« Begehren habe. Hesky schüttelte zwar über dieses Ansinnen bedenklich das Haupt und zweifelte, eine so unbescheidene Bitte wage» zu dürft», aber da Dieter seine Angst durchaus grundlos, seine Bescheidenheit sehr übel angebracht nannte.und geradezu empört tat, daß ein großer Mann nicht einmal«inen ausrangierten Hengst sollte ansprechen können, verhieß er kleinlaut die Sache zu erwägen. Bei der Pflege, Fütterung und Unterbringung des erwarteten Pferdes gab eS schon gar keine Hindernisse, lag doch ganz nahe dem Ama« teurpaviflon der Rennplatz mit- den; schönsten Stallungen, wo magere Jockeis und Pferdeknechte zu Dutzenden hausten, die sich bereits alle mit dem Doktor Hesky als mit einem Nachbarn angefreundet hatten. Die Engländer führten mit ihm englische Konversation und freuten sich an seinen englischen, die Deutschen an seinen deutschen Sprachfehlern und betrachteten ihn als ihren komischen Schützling, denn er wär zwar berühmt, aber eben deshalb für ste ein wenig lächerlich mit seinem weltunkundigen zaghaften Benehmen. Das scheinbar dreiste Unterfangen glückte vollkommen. In der Audienz nahm der Monarch den Bericht des größten tschechischen Mannes über das außerordentliche Gelingen der Aussteflung sehr huldvoll entgegen, begrüßte das allgemeine Interesse der Wiener mit Genugtuung und erkundigte sich sowohl um die Aussichten des geplanten Reisewerkes, als auch um Heflys sonstiges Befinden. Dieser ergriff die Gelegenheit, zu klagen, daß ihm die ruhige abenteuerlose Lebensweise hier im Lande nicht recht behage, da er Anstrengung und Bewegung gewohnt und sieben Jahre lang beinahe nicht aus dem Sattel gekommen sei. Der Kaiser, selbst ein leidenschaftlicher Reiter und wahrlich lieber zu Pferd bei Manöver» und Jagden, als im Zimmer bei Akten und papierenen Geschäften, vernahm teilnehmend diese Not, und es ergÄ sich fast Kn selbst die Bitte, und das einfachste Mittel, ihr abzuhelfen, indem man dem reisigen Manne einen ausrangierten Hengst aus dem Marstalle zuwies. So verließ Hesky den Saal um ein Pferd reicher, das schon am nächsten Morgen von einem feierlichen Bereiter vor den Pavillon gebracht, ihn nach dem Frühstück mit hellem. Wiehern begrüßte. Welch ein Prachttier, braun, mit zierlichen Fesseln, federndem Gange, freundlichen Augen! Hefly bestieg eS auf der Stelle, saß, sogleich fest im Sattel und brauchte nur den leichtesten Schenkeldruck, da flog das gehorsame.Tier schon gestreckten Laufes durch den weichen Sand. Nach ein paar Stunden kam der Doktor munftr,> wie neubelebt, schweißbedeckt zurück, das Roß dampfte, dieFlok- ken stoben ihm von den bebenden Nüstern und, die Jockels, denen e» der Reiter.zur sorglichen Wartung übergab, bedeckten es achtsam mit den warmen Tüchern und sagten bewundernd)' tnit einem solchen Tier müßte man ohneweiterS ein Wettrennen gewinnen, wenn es darauf ankäme. Hefly schüttelte stolz und befriedigt den Kopf ut«d ritt fortan täglich stundenweit au», seinen gelben Tropenhelm kühn auf dem Haupte, in seiner afrikanischen Khakitracht. Der' kleine,'untersetzte lhkann mit dem schwatzen Spitzbart und der ab« sonderlichen Kleidung' wurde dadurch noch mehr,. als durch seine vergangenen Taten in der Stadt bekannt und eine der vertrauten Figuren, die jeder zu nennen wußte. Herr Silberstern empfand freilich diesen Triumph als eine Niederlage, doch durste er sich davon nichts merken lassen, denn die hohe Gnade eines solchen Geschenkes hatte den Marktwert des erwünschten Schwiegersohnes bedeutend gesteigert, und es war nun doppelt wichtig, ihn doch zu ge« Winnen. Ein. scheinbarer Unfall'verhalf schließlich dem Doktor Hesky zu seiner Rettung aus der Gefahr der Verlobung, von der er sich halb'willig, halb uMvillig bald hätte umgarnen lassen. Das kam so. ES war Spätfrllhling geworden und die Zeit der vielen Rennen. Hesky, der seine Reiterkünste täglich erprobt und gesteigert hatte, sah sich zu' den kühnsten Stücklein berechtigt und befähigt. Nicht bloß das Gerede der fach- und spaßverständigen Jockeis, das eigene Selbstgefühl sagte ihm, mit diesem Pferde könne er jedes Rennen ehrenvoll'bestehen. Da befiel ihn plötzlich d«r Ehrgeiz, derlei auch tatsächlich zu versuchen. Seinem vertrauten Dieter enthüllte er diesen Plan. Der schüttelte wie immer bedenklich den Kopf, sägte ja, ja und nein, nein und gab seinem Schützling zu verstehen, daß der doch eigentlich mehr sei als"ein Jockei, und wenn er Afrika entdeckt)' brauche^er eigentlich keine Steeplechase mitzumachen und zu gewinnen. Aber halte einer das Kind zursick, das sich in einem Männe regt! Ist.doch gerade der Ernsthafteste den Anfällen kindischer Wünsche und Träume am gefährlichsten ustterworftn.' So erklärte Hefly eines Tages den Reitknechten) er werde an einem Rennen mit seinem Heyaste teil« ,' nehmest: Arif.'die, Frage, wen er) damit! betrauest i wolle,, das Pferd zu. reiten, antwortete er,, das werde er selbst tun: Die Burschen sahen einander verständnisinnig an und grinsten, ^Fortsetzung folgt.))) Nr. 159 Freitag, 9. Suti 193? Seite 3 fudetendcuiscfictZcitsirie£ct Hungerstreik gegen Betriebsstillegung 133 Bergleute seit 1. Juli untertags Seit 1. Juli sind 133 Bergleute der Gruden „ll o n e o r d i a" und„M arta" beiBla t» nitz im Streik, da» heißt, die Bergleute sind seit dieser Zeit untertagS geblieben. An den Einfahrt» stellen zu de» Schächten spielen sich erschütternde Szenen ab. Die Gewerkschaftsfunktionär« bemühen sich, damit sich die Familienangehörige» der Streikenden nicht zu an sich begreiflichen Bandlungen hinreihen lassen. ES märe aber höchste Zeit, daß die zuständigen staatlichen Behörden di« Bemühungen der GewerkschnstSfunk- tionäre würdigen und ihren Borschlägen zur Brr- wirklichung verhelfen würden. Die Bergleute von Blattnitz waren schon Mitte Juni zum Protest gegen die beabsichtigte Betriebsstillegung in den Streik getreten, nahmen aber die Arbeit wieder auf, als sich ihnen bei den Verhandlungen mit den Regierungsorganen die Aussicht bot, daß die Betriebsstillegung unterbleibt. Die Arbeiter sehen sich jetzt um diese Erwartung geprellt. Am Donnerstag wurde der Streik in den Bormittagsstunden abgebrochen, weil einige der untertags befindlichen Bergarbeiter schwer an Angina«rkrankten und für die übrigen grosse Ansteckungsgefahr bestand. Nach neuntägigem AuSharren in der Grube fuhr daraufhin di« Belegschaft aus. Der Zustand dreier erkraitkter Bergarbeiter soll ernst sein, Brief an den Zeitspiegel „Das Böhmerwaldlied“ Zu der Notiz in der gestrigen Ausgabe wird uns aus Eleonorenhain geschrieben: Mit der Beteiligung aller Rohiahten der Bevölkerung bei der Enthüllung des Böh- merwaldlied-Denkmales stimmt es leider nioht. Auch diesen Anlaß kann ein Teil des Bürgertums, der besonders scharf gegen die organisierte Arbeiterschaft eingestellt ist, nicht vorübergehen lassen, ohne den Arbeitern zu»eigen, daß sie beim Bürgertum nicht gern gesehen sind, wenn sie nicht gerade nur«ur Staffage oder als Stimmvieh gebraucht werden. Zu dieser Feier wurde auch der Arbeitergesangverein Eleonorenhain vom Denkmalkomitee um seine Mitwirkung angegangen. Der Verein hat diese in der Form eugesagt, daß er«wei Chorlieder»um Vortrag' zu bringen sioh bereit erklärte. Dieses selbständige Singen des Arbeitergesangvereins Eleonorenhain hat aber nioht das Wohlgefallen des Obmannes des Denkmalkomitees gefunden und er gab seine Resignation. Diesen Funk- tionsversioht hat er(Herr, Siegfried K r a l i k) später unter der Bedingung zurückgenommen, daß der Arbeitergesangverein bei der Feier gänzlich ausgesohaltet werde. Auch eine Art Volksgemeinschaft! Wenn der Schöpfer des Böhmerwaldliedes, ein schlichter Arbeiter, sehen könnte, wie sein Werk mißbraucht, und durch ein solches Vorgehen geschändet wird, er würde wohl auf das Denkmal versiegten. Ein Veteran der Arbeiterbewegung Der Bergarbeiter- Provisionist Josef tz a in p l in Neusattl wird am 10. Juli achtzig Jahre alt.-Selten, daß ein Grubenproletarier ein solches Patriarchenalter erreicht I tzampl erreichte e» auf einem sehr mühevollen Lebenswege. Als Zwölfjähriger schon muhte er bei einem Bauern in Dienst treten. Später wurde er Bergarbeiter- Als im Lahre 1887 in Falkenau, das damals ein Zentrum der jungen Arbeiterbewegung war, der ArbeiterbildungSverein gegründet wurde, schloh tzampl sich ihm an und wurde zum Obmannstellvertreter gewählt. Auch am Austau der Bergarbeiterorganisatjon wirkte er eifrig mit. Falt selbstverständlich ist eS, dah er dlts'schönchänials'sehr eindeutige soziale Stellung der Unternehmer gründlich kennen lernt«: er wurde gemahregelt, kam auf die Schwarze Liste und konnte über ein Lahr lang nirgends Arbeit finden. Aber er lernte auch die Arbeitersolidarität kennen, seine Grubenkameraden unterstützten ihn so lange, bis er schliehlich doch wieder Arbeit bekam.— Immer, wo er auch Arbeit bekam, in wel- chen Ort er auch übersiedeln muhte, immer war Josef tzampl«in treuer Mitarbeiter in Gewerk« schäft und Partei. Und nun feiert er zugleich mit seinem achtzigsten Geburtstage auch ein seltenes und schöne» Jubiläum, da» der fünfzigjährigen Parteizugehörigkeit. Zu dieser Doppelfeier be- glückwünschen auch wir den braven Veteranen der sudetendeutschen Arbeiterbewegung, diesen allzeit aufrechten Egerländer, und dem Wunsche seiner Freunde, er möge noch eine, lange Reihe gesundheitsgesegneter Jahre erleben, schlichen auch wir, schlicht die Partei sich an. Erfolgreiche Lohnbewegung In der Kaolin-Schlämmerei der Firma Löw und Komp, in Leffau bei Karlsbad war die Belegschaft am 2. Juli zum zweitenmal in den Ausstand getreten, weil die Firma sich beharrlich weigerte, die berechtigten Lohnforderungen der Arbeiterschaft zu erfüllen. Bei der Bezirksbehörde in Karlsbad wurde nun am Donnerstag nach dreistündigen schwierigen Verhandlungen eine Vereinbarung erzielt, wonach die Firma der Arbeiterschaft eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 18 Prozent bewilligt«. Entlastungen oder Mahregelungen wegen de» Streike» dürfen nicht vorgenommen werden. Auherdem wird das Gewerbetnspektorat sofort Verhandlungen zwecks Abschlüh eines Lohn- und Arbeitsvertrages für diesen Betrieb einberufen. Der Knabenmord in Köni»Swald. Wie uns mitgeteilt wird, haben die Nachforschungen nach dem Verbleib der Mörderin an. den kleinen Watzke noch tu keinem weiteren Ergebnis geführt. Die Anna Spengler, die de» Mordes dringend verdächtig ist und die, wie wir bereit» berichteten, nach Sachsen entwichen ist, konnte noch nicht festgenommen werden. Ln einzelnen Zeitungen würde berichtet, dah die Mörder— e» wurden zwei Personen genannt, in Haft genommen worden feiens da» entspricht nicht den Tatsachen. Zur Weltausstellung nath Paris und Arbeiterolympiade nach Antwerpen im AutobuS vom 24. Juli bis 4. August für KC 1499.— einschl. Fahrt, voller Pension, Rundfahrten, Eintritte, Führungen etc.— verlangen Sie Prospekte von der URv- Reisekanzlei Bodenbach.(Telephon 557)., Vie 8omde . Wer gegen die ZUndschnur stößt sprengt die ganze Erdkugel in die Luft. Bonnets Steuererhöhunsen Auf 8 Milliarden Mehrertrag geschätzt Paris. Donnerstag früh ist da» französische Parlament nach einer Nachtsitzung, die bi» halb 7 Uhr dauerte, in die Ferien gegangen, die bis Ende Oktober dauern sollen. Am Vormittag beriet der Kabinettsrat die zur Erzielung de» Gleichgewichte» im Staatshaushalt erforderlichen Mahnahmen, die bereits Freitag im Amtsblatt verlaustart werden sollen. Man ninimt an, dah die zusätzlichen Einnahmen einen Betrag von acht Milliarden Franc» erreichen werden. Minister Bonnet erklärte, er sei mit dem im Kabinettsrat erzielten Ergebnis zufrieden, und betonte, dah durch die Verordnungen eine weitre'chende Besserung der finanziellen Situation erzielt werden wird. Wie verlautet, soll e» sich auher einer Erhöhung der Post- und Bahntarife und der Ta- bakerzeugniffe um eine Erhöhung der Einkommen- und Rentensteuer bei einem Einkommen von über 70.990 Franc» und um eine Erhöhung der Erbschaftssteuer handeln. * Durch Regierungsverordnung wird in der Wirtschaftsabteilung des Finanzministerium» ein Preisüberwachuiigsausschuh unter dem Vorsitz eines früheren Polizeipräfekten und höherer Beamter der Polizei eingerichtet. Der Ausschuß hat die Aufgabe, unmittestar für die Durchführung der PreiSüberlvachungSbestim- mungcn zu sorgen. Aufgeflogene Karl-Zentren Bor dem Landesgericht In Salzburg hatten sich 19 Nationalsozialisten aus dem Pinzgau wegen illegaler Propaganda zu verantworten. Sie wurden zu schwerem Kerker von 7 bi» 16 Monaten verurteilt. In einem Gasthaus im II. Wiener Bezirk wurden bei einer illegalen Versammlung 24 Nationalsozialisten betroffen und verhaftet. Die Nationalsozialisten trafen sich in dem Gasthaus unter dem Vorwand, dem, Kegelspiel obliegen zu wollen. neue Massenhinrichtungen In Sibirien. London. Der Reuierberichterstatter In Moskau meldet, dah in Ost-Sibirien 64 Personen hingerichtet wurden, welche der Erpressung und der Sabotage auf den Eisenbahnen angeklagt ge- tvesen sind. Es sollen Mitglieder einer trotzkisti« scheu Organisation gewesen sein, welche zugunsten Japans Spionage betrieben. Schwedens Außenminister In Moskau MoSkan. Der schwedische Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Sandler, ist Donnerstag um 18 Uhr auf dem Moskauer Zentral« flugfelde gelandet. Er wurde vom Voltskom« mistär für Auswärtige» Litwinow, dessen ersten Stellvertreter Potjemkin, dem Moskauer ÄarnifonSkommandanten und andere» Persönlichkeiten empfangen und begrübt. Wieder ein Gefecht zwischen Polizei und Arbeitern New Bork. In Alcoa(Tennessee) ereigneten sich schwere Zusammenstöhe bei der Wiederaufnahme de» Betriebe» der Almpinium-Eompany of America, in der, nach siebenwöchiger Streikpause, die Arbeiten mit einem ßroßen Teile der Belegschaft wieder begonnen werden' sollten. Zwischen mehreren hundert Streikenden und der Polizei kam e» zu einem Feuergefecht. Bog dm Streikenden wuvde ein Mann getötet und 29 grüh- tenteil» schwer verletzt Auf feiten der Polizei wurde ein Mann verletzt, der binnen kurzem, seinen Verwundungen erlag. Gouverneur Smith entsandt« an den Ort de» Zusammenstöhe» auher Nationalgarde eine Maschinengewehrkompanie, «ine eigene Militärabteilung mit TränengaSbom« ben, und zwei Kompanie» Infanterie« Henlein-Maifeier In Staat» Zwei Nazis verurteilt— sämtliche Sozialdemokraten freigesprochen Ueber die Vorgänge bei der tzenleinkund- gebung am 1. Mai in Staab haben wir seinerzeit ausführlich berichtet. In Staab und der näheren Umgebung weih man auherdem zur Genüge, welche Missetaten den Sozialdemokraten von Staab von der tzenleinseite anerzählt wurden, weil diese Kundgebung vom Regierungsvertreter aufgelöst und von der Gendarmerie auseinandergetrieben wurde. Am 2. Juli fand nun die Angelegenheit vor dem Bezirksgericht in Staab ihren Abschlüh. Die tzenleinordner Karl Lutz und Wilhelm L a u b n e r aus Staab waren wegen leichter Körperverletzung angeklagt, während sich 18 Sozialdemokraten wegen Uebertretung des Terrorgesetze» zu verantworten hatten. Im Laufe de» gerichtlichen Verfahren» wurde bewiesen, däh sich zu der tzenleinversammlung einige Genossen eingefunden hatten, die, al» der tzenlein-Redner in der bekannten nazistischen Art gegen die Marxisten loSzog, mit Pfui-Rufen antworteten. Da» darauf folgende tzeilgebrüll der Henleinanhänger wurde wieder mit Pfui-Rufen beantwortet. Diese im Festprogramm nicht vorgesehenen Pfui-Rufe Wurden dem tzenleinordner Lutz recht unangenehm. Er beschwerte sich daher bei der Gendarmerie, die ihn jedoch an den anwesenden Regie- rungSvertreter verwies. Lutz behauptet, sich an dielen auch gewandt zu haben. Nach dieser Exkursion kehrte Lutz an seinen früheren Standort bei Grenzllbertrltt vermelden! Verhaftung eines Metallarbeiters an der Grenze Wie unsere Troppauer„Voltspresse" berichtet, ist der Metallarbeiter Rudolf Kempe, «in tschechoslowakischer Staatsbürger, der mit einem ordnungSgemäh ausgestellten UebertrittS« schein am 26. Juni 1987 nachmittags auf einem Fahrrad nach gräsl. Wiese(Deutschland) fuhr, um dort eine kleine Besorgung zu machen, von dieser Fahrt nicht mehr zurückgekehrt. Wie von Augenzeugen berichtet wird, tvurde Kempe in einem Aust gesehen, da» nach Neusstdt fuhr, und nach weiteren Mitteilungen soll die Kriminalpolizei in Neustadt zugegeben haben, dah Rudolf Kempe verhaftet sei. Hier handelt e» sich um eine Freiheitsberaubung, die den internationalen Grundsätzen widerspricht. Die Verhaftung ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dah die Eltern de» Kempe einen Emigranten beherbergten. Dieser Menschlichkeitr- alt allein genügt, um den Sohn zu verhaften, ihn womöglich in da» Konzentrationslager zu stecken, ihn zu foltern und zu peinigen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Rudolf H e e g e r hat bereit»«ine diesbezügliche Zuschrift mit den notwendigen amtlichen Beilagen an da» Außenministerium geschickt, damit von zuständiger Stelle alle Maßnahmen getroffen werden, die zur Freilassung des Rudolf Kempe führen. Reichs-Feuerwehrtag In Troppau An den eben verflossenen Feiertagen fand in' Troppau der dritte Reich»verbandstag fssr Feuerwehr« u»d Rettungswesen unter Teilnahme von zehntausend Feuerwehrleuten und SaMae ritern statt.! Gleichzeitig feierte die Troppomtt Stadtfeuerwehr ihren 7vjährigen Bestand. Die Reichsveranstaltung iy der festlich" geschmückten Stadt begann mit einem großen Fackelzug cm- Freitag, Tag» darauf faiib, eine- öffentliche Sitzung de» Reichsverbandsausschusses statt, dtp dem S t a a t« p r ä f td e.n t e n durch eiye Staf«tt e von Feuerwehr- ündRettungSfahr- zeugen eine E r geb e n h e i t s a d r e i s e übermittjlte; di« Adresse würde Sonntag fr'ich in der Kundgebung zurück und als die tzeilrufe weiterhin mit Pfui-Rufen beantwortet wurden, entschloß er sich, selbst und auf Naziart, Ordnung zu machen. Er ging auf unseren Genossen Franz Theiß lo». Hiebei wurde bemerkt, daß dieser resolute Henleinkamerad einen funkelnden Gegenstand au» der Tasche zog, von welchem er behauptet, daß es ein Stein, die Zeugin Katharina G i t t n e r hingegen, daß e» ein M e s s e r war. Bei diesem Borgehen wurde Lutz tatträstig von dem Mitangeklagten L a u b n e r und«»deren Henleinordnern unterstützt. Da» Resultat war die Auflösung der Versammlung und die leichten Körperverletzungen de» Franz Theiß, Anton Schuster und der 68jährigen Katharina G i t t n i t, die nach ihren Angaben von Lutz zuBoden gestoßen wurde und Verletzungen am Rücken erlitt. Der Richter schenkte der Verteidigung der beiden Henleinordner keinen Glauben und verurteilte Lutz zu 48 Stunden, Laub» ner zu 24 Stunden Gefängnis, bedingt auf zwei Jahre sowie zum Ersatz der Kosten des Verfahren» und der Pribatbeteiligten. Die angeflagtm Genossen wurden insgesamt freigesprochen, davon einem Terror ihrerseits nicht dir Rede sein konnte. Die angellagten Genossen und die Pribatbeteiligten waren durch Dr. H a h n au» Pilsen vertreten. der Prager Burg überreicht.— Ansprachen der Delegierten de» tschechischen Feuerwehrverbande» und der deutschen verband»borsitzenden würdigten die Notwendigkeit immer engeren Zusammen» arbeitens der beiden Organisationen. . Den Höhepunkt des prächtigen Festes bildet« die große Kundgebung, die am Sonntag auf dem Oberring stattfand und an der sich insgesamt gegen 29.99 9 Menschen beteiligten. Der disziplinterie Aufmarsch der etwa. 8999 uniformierten Feuerwehr- und Rettung»männ«r hinterließ einen überwältigenden Eindruck. All« Länder der Republik waren vertreten. Der ver- bandsvorsitzende Zapp faßte die Forderungen des Verbandes also zusammen: vor allem müssen Staat, Länder und Bezirke die Gelder zur Beschaffung der Gerät« und Löschvorrichtungen sowie für deren Unterbringung in geeigneten Räumen bereitsteUen und darüber hinan» für die nöttge Schulung der Mannschaften Sorge wägen. E» gilt/ferner,'durch gesetzliche Maßnahmen und Verordnungen den Feuerwehrmännern und Samaritern die Möglichkeit zu geben, daß sie ihre freiwillig übernommene Pflicht auch wirklich erfüllen können. Die Erneuerung de» im. Jahre 1961 erlassenen BeiwagSgesepe» ist de»wegen erforderlich, ebenso«in« zeitgemäße Neuregelung unserer Brand« schutzgesetzgebung. Unsere Mitglieder müssen in Aü»- übung ihre» schweren und verantworstng»voll«n Dienste» al» Amtspersonen anerkannt werden. Die Beschädigung von Lösch« und RetstngSgeräten ist strengsten» zu besttafen, da» Strafmaß für Ueber- trestngen der Löschordinmg zu erhöhen. Alle Krqst- fahrzeuge sind dem Feuerwehr«, sind Retstng»dienst nützbar zu machen; Für unsere«Wen Kraftfahrzeuge und motorisierten Geräte verlangen wir spiri- tuzfrete» Benzin und.die Gewährung der Steuerfreiheit beim Bezug all« Betriebsstoffe. Wir fordern weiter Beihilfen für den Ausbau des Feuerwehrund Rettungzwefen« und«inen prozentuellen Zuschlag für alleren« Versicherungen, denen da» Feuerwehr- und RettüNgKoesen dient. Außerdem die Bewilligung besonderer Sammeltage, di« Heranziehuna buJUgendzum Feuerwehr« ündRetstngldienft, ent« sprechende Aübbildüng unserer Funkttonäre, die Mitwirkung unsmp Samariter bei den Bestrebungest des Internationalen Roten^«üz«S.'usio.^'^'' ; Der Kundgebung folgte eine Defilierung. Gin» Reihe Interessanter Vorträge, Ä^rchttische Uebungen und«ine Luftschutzübung umrahmten den ReichSverbandStag, der dann am Montag stiittfand.'■ Seite 4 Freitag, 9. JM1S37' Nr. ISS 3ägesneuigLeitetr „Ver neue Glaube" „Der neue Glaube,■ 4er heute erwacht, ...ist der Glaube, daß das nordische Blut jenes Mysterium darstellt, welches die alten Sakramente ersetzt und überwunden hat.“ Alfred Rosenberg „Der Abendmahlswein ist das Zeichen des in uns ewig pulsenden Blutes, das Abendmahlsbrot die Frucht deutschen Bodens.“ „Relchsbiscliof'* Müller „Wäre ein solches heiliges Mahl wie dieser Eintopf nicht viel wunderbarer, als das, was wir heute in der christlichen Kirche habenf“* Pfarrer Schneiden(Stuttgart) „Gott hat sich nicht in Jesus Christus, sondern in Adolf Hitler geoffenbart.“ Reichsvikar Engelke „Während die Führer hochpolitisch, psychologisch und umfassend zu bilden sind, müßte der Masse der Nationalsozialismus in primitivster Form, doktrinär und dogmatisch eingeimpft werden. Dazu ist nötig, daß unsere Schulung für die Masse wenigstens in kultisch religiöser Form vor sich geht. Ein bestimmter Ritus der Heimabende mit Gedenken der Toten(Märtyrer) der Bewegung und aus dem Programm als unserem Neuen Testament(oder unseren 10 Geboten)...; und all das regelmäßig und immer in gleicher Form.“ Inform.-Dlenst der Relchsjugendführung(Berlin) „Das Christentum hat jene brutale germanische Kampflust einigermaßen besänftigt, konnte sie jedoch nicht zerstören, und wenn einst der zähmende Talisman, das Kreuz, zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten Kämpfer, die unsinnige Berserkerwut, wovon die nordischen Dichter so viel singen und sagen. Dann— und ach! dieser Tag wird kommen— erheben sich die alten steinernen Götter aus dem verschollenen Schutt und reiben sich den tausendjährigen Staub aus den Augen, und Thor mit dem Riesenhammer springt endlich empor und zerschlägt die gothischcn Dome... Und wenn ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Welt gekracht hat, so wißt:„Der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht.“ Heinrich Heine, 1834 Drei Bilderseiten vom ReithSaUfmärsch der Republikimischen Wehr in Aussig a. E. bringt das soeben erschienene Heft 8 der illustrierten Wochenschrift ABC, die sich besonders angelegen sein lieh, ihre Leser so rasch als möglich von diesem bedeutsamen Ereignis zu unterrichten. Die Nummer enthält auherdem einen Bericht über den tragischen Nordpolflug des Schweden Andree, der vor genau dreißig Jahren seine abenteuerliche Fahrt antrat, ferner eine interessante Erinnerung an den Aufenthalt Beethovens in der Slowakei, ein neues spannendes Abenteuer des amerikanischen Geheimagenten Norman Wheele, einen Bil- dcrbericht über nordböhmische Schmiedekunst, die Fortsetzung des ungewöhnlichen Kriminalromans „Schuh ins Kaffeehaus" und neben reichem Lesestoff zahlreiche Bilder mis aller Welt, Rätsel und die Würdigung auherordentlicher Begebenheiten. ABC ist überall erhältlich und kostet trotz seines reichen Inhaltes nur KL 1.80. Schwerer Unfall bei einer militärischen Uebung.(Tno.) Bei einer Pionierübung beim Genicregiment Nr. 2 in Kremsier wurde Mittwoch, den 7. d. M., nach 14 Uhr das Abbrennen einer sogenannten Tretmine durchgeführt. Der Soldat i. R. Heinrich Gold betrat vorzeitig das Brett und verursachte die Explosion der Mine. Er selbst erlitt so schtvcre Verletzungen dabei, daß er ihnen im Krankenhaus erlag. Weiter wurden leicht verletzt der längerdienende Zugssührer FcantiLek P r i b n l, der ins Krankenhaus nach Olmütz übergeführt wurde und der llnterlcutnant der Kavallerie Vladimir D o st ä l, der im Spital in Kremsier liegt. Der Vorfall tvird untersucht. Ein vernünftiger Beschluss. Angesichts der trotz wiederholter eindringlicher Warnungen ständig wiederholten Versuche der Besteigung der Aiger-Nordwand in den Berner Alpen, die in der Mehrzahl der Fälle tödlich Verliesen, hat der Berner Kantonalrat in Anbetracht des Umstandes, dah Gruppen ausländischer Touristen beabsichtigen, diesen Versuch wieder zu unternehmen, die Führer der Rettungsmannschaften ausgesordert, die Teilnehmer an solchen Versuchen darauf aufmerksam zu machen, dah im Falle von Unfällen bei diesen Versuchen keine Reitungsarbeiten angeordnet werden. Wirbelfänlenbrüch beim Baden. Als am Mittwoch, den 7. Juli, in der Badeanstalt' in Kremsier der Soldat Arnost K r y s u l t a aus grohcr Höhe ins Wasser sprang, schlug er auf die Betoneinfassung des Schwimmbassins auf und verletzte sich so schwer, dah er aus dem Wasser gezogen werden muht«, weil er-sonst ertrunken wäre. Der Soldat wurde sofort in das städtische Krankenhaus gebracht, wo sestgcstellt wurde, dah er einen Bruch der Wirbelsäule und schwere innere Verletzungen.erlitten! habe.• Mordversuch In Oberplan Studenten Überfällen, den Filialleiter ' der'Kreditanstalt der Deutschen Ein aus dem Hitler-Reich entflohener deutscher Arbeiter, besten Namen wir kennen und besten Dokumente uns vorlagen, stellt uns folgende erschütternde Schilderung zur Verfügung: Nachstehend möchte ich- schildern, wie- der sächsische sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Genosse Färkel von der politischen Polizei in Deutschland ermordet wurde: Am 2. August 1984- wurde ich in Leipzig nach einer ergebnislosen Haussuchung verhaftet. Am gleichen Tage wurden 120 Männer und mehrere Frauen festgenommen. Nach einem fünfstündigen üblichen„verhör", das in Beschimpfungen und Mihhandlungen bestand, wurde ich in eine GemeinschastSzelle geführt. Unter den 89 Insassen fiel mir ein m e nschliches Wrack auf: Kopfhaar und Bart waren kn Büscheln her« auSgeriffen, der Schädel war von Beulen und offenen Wunden bedeckt; die-Bugen waren blau geschlagen, Lippen und Nase geschwollen und kn alle« Farben glänzend. Die Zähne waren zum Teil: eingeschlagen; der ganze- Körper war mit Striemen und- offenen Wunden, die- teilweise eiterten, bedeckt. Der Mann hatte mehrere gebrochene Rippen und, wie sich später herauöstellte, innere Verletzungen. Das war der frühere sozialdemokrqtische Abgeordnete'Färkel; ich erkannte ihn nur an seiner Stimme. Er lag in einer Gemeinschaftszelle auf der üblichen Strohmatrahe, die von handbreitem, speckigen Dreck starrte. Decke« und Bettzeug gab es nicht. In diesem Züstand wurde Genosse Färkel in der Zeit vom 2. bis zum 29. August täglich mehrmals unter Mihhandlungen und Fußtritten zum Verhör geholt. Die Beschimpfungen sind zu gemein, um sie wiederzugeben,„rote Drecksau" war die höflichste. Nach den fortwährenden nächtlichen Verhören muhte Färkel sichmehrmals an« und ausziehen. Bei dieser„Uebung" wurde-er dann wieder mißhandelt. Färkel konnte weder sitzen, noch stehen oder liegen. Stand er, so brach Die Suche nach der Fliegerin. Die drei Flugzeuge vom. Panzerkreuzer„Colorado" sind zurückgekehrt, nachdem sie ergebnislos die Phönix-Inseln durchsucht hatten. Es wird noch ein.neuer Versuch an dieser Stelle unternommen werden. Das Meer ist ruhig und die Wittetung ist günstig. Der kalifornische Radioamateur Charles Miguel miS Oakland behauptet, eine Depesche der Fliegerin Earhardt folgenden Inhalier aufgefa«- gen zu haben:„Wir befinden uns auf Atol. Wir wissen nicht, wie lange wir auShälten. ES ist UNS nichts zugestohen, sind aber geschwächt. Zusammenstoß st» der Luft. Ein amerikanisches MarinetJagdslugzeug und ein Marine- Beobachtungsflugzeug- stiehen am Mittwoch zusammen, gerieten in Brand und stürzten ab. Zwei Marineflieger fanden dabei den Tod. Hitzewelle. Der mittlere Westen und die Nordatlantikstaaten- Amerikas werden augenblicklich von' einer schweren Hitzewelle heimgesucht. Die Temperaturen betragen 39 bis 42,5 Grad C. Bisher wurden 22 Todesfälle infolge Hitz- schlages gemeldet. New Fork erlebte gestern den heißesten Tag dieses Jahres. Grauenhafter Wirbelsturm. Wie'aus Nie- derländifch-Jndien berichtet wird, ist die"Umgebung der Ortschaft Martapure(Südborneo) von einem schtveren Wirbelsturm helmgesucht worden. Bisher wurden'21 Tote festgestellt. Da die Verbindungen ins Innere.des Landes sämtlich zerstört sind, fürchtet man, dah der. Umfang der Katastrophe noch weit größer ist, als bisher bekannt würde. Kurz vor dem Ziel.' Die- junge dänische Schwimmerin Jenny KemmerSgaard, die zu einem Langstreckenschwimmen von Nordwest-Seeland nach Jütland gestartet war, muhte um Mitternacht aufgeben. Sie hatte 79 Kilometer zurückgelegt und befand sich nur noch wenige Kilometer vor dem Ziel. BersuchSflöge. Der deutschen»Lufthansa" wurde, die Bewilligung erteilt,, acht BersuchSflüge zwischen Frankfurt a, M. und New flork sowie retour zu unternehmen.. An Bord der Flugzeuge dürfen aber weder Fracht,«och Passagiere genommen, werden. Die Flugzeuge werden von einem. Dampfer bei den Azoren und an der nordamerikanischen'Küste von Katapulten abgeschossen, werden. Schiffsunglück verhütet. Als der von Wien nach Budapest fahrende Dampfer»Königin Elisabeth" der Ungarischen Dampfschiffahrtsgesellschaft Donnerstag vormittags gegen' 11.18 Uhr in Preß- bürg anlegen wollte, wurde- die Steuervorrichtung beschädigt, so dah das Schift den Kurs mich! halten, konnte und in Gefahr kam, an«inen Pfeiler der Donaubrückc zu stoßen. Im kritischen Augenblick kam dem gefährdeten.-Dampfer- der Remorqueur „Haza" der- gleichen Gesellschaft zu Hilfe- Der Dampfer stieß seitlich an de« Remorqueur, so daß der-Anprall an- den Brückenpfeiler, wesentlich gemildertwurde. Der Rumpf der Dampfer» wurde überhaupt nicht beschädigt und der Remorqüepr. ,Haza" schleppte sodann den Dampfer zur Anlegestelle ab. DerSteUerschaden wurde- binnen zwei Stunden beseitigt und. dar. Schiff.verlieh-um 18,15 Uhr Preßbürg zur Weiterreise nach Bitdapest:-... Auto-Unglück In Kärnten..Auf der Straße bei Zauchen, unweit von Villach in. Kärnteüstieß dar Auto.der tschechoslowakischen. Privatbeamten Jan er'zusämiNen.'''Er" scht'ie förtKäh):end,"wälztesM auf,-der Matte und- stöhnte:.Ich lann-mir-nicht denken, daß, das>. sm sesn stzhss-dah- I..michl so her» eiNgelegt.-hat-.lJ.-war.als Kronzeugegegen' iHn aufgetreten). Ich überlebe es nicht.' Meine Tochter ist' im.Unglück, sie- kann, nicht-weiter studiercht (auch, seine Tochter, befand sich'in Hast). Alle Ztlleninsassen versuchten- Färkel zu'trösten-, und bemühstn'sich'um-ihn!---" Am 29. August, wurde ich gemeinsam mit Färkel'zum-Verhör geholt. Vier Beamte.zeigten ihm eine Photographie und sagten:„Du rote Sau, willst Dü- immer noch leugnen', daß Du in Prag gewesenBist? Johne, Zeiger, Müller: Schön» seldcr-haben schon- zugegeben,: mit Wels- iw Prag verhandelt zu haben, um-Hitler.zu stürzen. Und- jetzt- schickt uns Walter aus- Pragdas Bild,- auf dem Ihr.Lumpen und auch Du rote.Sau photographiert.seid." Ais Färkel alles.in-Abrede stellte, fielen, sie über, ihn- her.' Dabei' halfen' ihnen' auch noch die drei Gebrüder Wilken(vvn'deNen jeder-allein über zwei Zentner'wiegt)' und der Kommissar Lonysser.....--e.-...: Am gleichen Tage konnte ich- den Heildiener auf Färkel-ausmerksam machen! Färkel'bekam den Besuch des Arztes,- der- die sofortige'Ueberführüng in das Krankenhaus anordnete." Von"'dort käm Färkel sofort in die Jrren-Heil- und Pflegeanstalr Flecksig, wo er dann verschied. Damit'erfüllte sich der einzige Wünsch,'-den-ich-noch für ihn hätte.' ' Der Heildiener erzählte mir später von- den inneren Verletzungen Fätkels-und davon, dah- der Polizeiarzt und'die übrigen Aerzte gesagt hätten: „Siet können nur ganz verkommene Sud- jette gehandelt haben. Menschen mit Herz und Charakter-können das nicht-gewesen sein." Zum-Lohn- für- die.Benachrichtigung des HeildienerS. wurde- ich-' am-' nächsten- Tage mit Briefbeschwerern und Eisenrohren niedergeschlagen. Dadurch brach mein im Wielikrieg- erhaltener Lungenschüh-wieder auf, so-dah mir ein Blutstrahl aus dem Mund'spritzte.-An-den Folgen dieser Behandlung habe ich noch heute zu' leihen. Levo j ka aus-Mähr! Ostrau,- der vorschriftsmäßig auf der rechten Straßenseite fuhr,-mit-dem. Auto der. Amerikaners. Leopold Godowsky zusammen. Beide Autor wurden beschädigt. Der Besitzer de» tschechoslowakischen Autos, Levojka, und sein Gesellschafter,'Vladimir Htssek aus Frtsdek, wurden schwer verletzt, während der Amerikaner, der den Unfall. verschuldet hatte, unverletzt blieb. Zänieekünftl« als Kolonisatoren. Nach fünfzig Jahren ehrt Frankreich da»-Andenken von zwei Zauberkünstlern,-von'denen! der eine weltberühmt geworden ist. Der Grund! für die Ehrung ist die. Tatsache, dah beide sich beim Ausbau' des französischen Kolonialreiches außerordentliche Verdienste epworben haben, und so hat das Kolonialministerium-zwei Gedenkmünzen für. Robert Houdini und Cazenave prägen lassem die in feierlicher Form dem französischen Berbandder-professionellen Zauberkünstler überreicht wurden. Die Rolle, die'der weltberühmte Houdini-in Algier gespielt hat, ist-weit bekannt. Er-würde seinerzeit von der französischen Regierung in offizieller. Mission in die, neue Kolonie geschickt.-Diese Mission bestand-darin, die-Eingeborenen von.der fast göttlichen Uebermacht. FraiikreichS zu-überzeugen. Dies gelang Houdini auch weitgehend.'In.einer ganzen Reihe von Fällen-haben-Scheich» und-Fürsten nach feiner- Vorstellung' ihm wie einem- Gott gehuldigt.-— Auch Tnzenave.hat.'die-'gleiche'n Erfolg«:luif M ad a g-a s k a rzu verzeichnen, gehabt. Cazenave war Dilettant,. Von. Beruf ,Arzt,. widmete sich aber früh der!„schwarzen- und.weißen- Magie".. Als er 18(35 ,««8 Madagaskar kjrm,' war Lie'Änsel'' fast vollkommen uister! englischem Einfluß.-Die Regierende Königin- Ränwalo'in.'.hörte- lediglich' äuf'di.e englischen Missionäre. Cäzenape. gab/an ihretü-Hofe eine Vorstellung.--.- DieKunst seiner- Zätibe ceien- wär- so ..! Auf den Filialleiter der Kreditanstalt-der Deutschen in-Oberplan, Johann Beer, wurde Mittwoch abends ein Raubüberfall verübt,. bet welchem Beer. durch einen Bauchschuß lebensgefährlich verletzt wurde. Den Mordversuch unternähmen zwei Touristen aus Linz,-und zwar der siebzehnjährige Walter Lemberger und der achtzehnjährige Willy Rseper, beide Studenten der Handelsakademie und Söhne wohlhabender. Eltern. Sie hatten.nach Schulschluh.Oesterreich verlassen und kamen,, mit Revolvern ausgestattet, in den-Böhmerwold, welchen Lemberger von früher her kannte. Um sich Geld für die weitere Reise zu beschaffen, verabredeten sie den Raubüberfall. auf. den Bankleiter. Lemberger wurde kurz.nach, der Tat verhaftet. Er versuchte dabei zum zweitenmal,- von der'Schußwaffe, gegen den Gendarmen Gebrauch zu machen.. Rieper ist. ge» flüchtet.- Direktor Beer wurde in-das Krumauer Krankenhaus übergeführt. groß,, daß die Königin von nun an ihn zu ihrem intimen'Berater erwählte: Und er riet ihr, eine Mission-nach Paris zu. senden, wo sie viel bessere. Vorteile finden könnte al» in London. Er selbst begleitete djese-'Mffion. Aber in Paris hielt man ihn für einen Phantasten, der Kolonialminister empfing ihn zwar, nahm jedoch seine Ratschläge nicht ernst. Die» kostete Frankreich einen ganzen Kolonialkrieg zur Eroberung von Madagaskar. Der Berband der tschechoslowakischen erblindeten Soldaten- veranstaltet zugunsten der Soldaten aus dem Weltkriege und ihrer Familien, eine Auk« tion von Waren, welche mit einer gesetzlichen Schutzmarke versehen sind, und zwar mit dem Kopf einer Blinden mit einer Binde über dar linke Auge. Er wird gebeten, daß das Publikum nur solche Waren fordere, die mit dieser Schutzmarke versehen sind. E» wird weiter die Bitte ausgesprochen, daß die Vertreter, welche sich mit der Per« einrlegitlmation ausweisen und die Waren anbieten, die mit der obgenannten Schutzmarke versehen sind, nicht abgewiesen werden, denn durch den Kauf der Waren wird die Unterstützung der Opfer aus dem Weltkriege und ihrer Familien ermöglicht. 'Wieder schöne» Wetter. Unter dem Einfluß höheren Druckes, welcher sich aus Frankreich gegen das Binnenland ausbreitet, kann in den nächsten Tagen erneut ruhigeres und schönes Wetter erwartet werden.— Wahrscheinlicher Weiter heute: Veränderliche, im allgemeinen jedoch abnehmende Bewölkung. Nur im Nordosten der Republik noch vereinzelte Schauer. Auch im Karpathengebiet ein wenig kühler.— Wetteraussichten für morgen: Im ganzen schön und warm- ; Vom Rundfunk CaartalilanswartM aus dan Programman« , SamStag: Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse/ 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Populäres Konzert, 11.05 Salonorchester, 12.10: Schallplatten, 12.85: Blechmusik, 14: Deutsche Sendung: Emil Peuker: Zum fröhlichen Wochenende, Ründfunkspiel mit Musik, 14.40: Tschechische Volkslieder, 17.05: MuZikS Salonquartett, 17.55: Deutsche Sendung Allen zu Gefallen, musik. Funkpotpourri, 18.45: Deutsche Presse, 18.55:> Deutsche Aktualitäten,-21.25: Bunter Konzert, 22!20: Tanzmusik:!—• Prag, Sender II r 15.10: Deutsche Seu» dung: Janctschek: Musiklehre,.15.50: Deutsche Presse-—Brünn 18.45 Schallplattenkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Vorlesung für Frauen;— ll'n« bekannte Lieder von Hugo Wols, 18.15: Schallplattenkonzert.-— Preßburg 18.45: Sptinischc Musik auf Schallplatte».— Kascha» 12.05 Opernszenen. — Möhrisch-Östrau 14.20: Schallplattenkonzert, 18: Blechmusik..-' Brandschain und Rauchwolkan zeichnen Francos Spur Im Baskenland Nr. 150 Sette 8 Freitag, 9. Juli 1937 1)oiksMrtsckaft und ävLiaip-oktlk Verlauf und Grenzen der Konjunktur In USA (MTP) Die Vereinigten Staaten von Amerika nehmen hinsichtlich des Umfanges der WirtschaftSbelebung eine Mittelstellung unter den führenden Ländern ein. Nimmt man das Jahr 1929 als Ausgangspunkt, so weisen Japan, Ungarn, Chile, Großbritannien' und Schweden die stärkste Steigerung der Industrieproduktion auf. Wenn man deir Index der Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten für das Jahr 1929---- 109 seht, so steht er jetzt auf 99; jedoch auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, macht er nur 85 Prozent seines Standes vor der Krise aus. Die besonderen Merkmal« der Entwicklung des amerikanischen Wirtschaftsausschwunges bis Anfang 1Ü87 waren folgende: 1) Die Ungleichmäßigkeit und das Schwanken der Auswärtsbewegung bis ungefähr zur Mitte des Jahres 1985; 2) die lange Verzögerung, mit der die Verbesserung und Erweiterung des Produktionsapparates(Anlagen und Ausstattung der Betriebe) und einige Arten von Dauergütern für den Verbrauch, besonders der Wohnungsbau, der Bewegung, sich anschlossen; 8) die tatsächliche Wiederherstellung des Verhältnisses Wischen landwirtschaftlicher und industrieller Produktion, wie es vor der Krise bestand; 4) die bemerkenswerte Preisstabtlität der Fertigwaren von Anfang 1984 bis Ende 1988; 5) die Entwicklung des Verhältnisses von Löhnen und Preisen in dieser Periode; 8) eine anhaltend ungewöhnlich große Zahl von Arbeitslosen; 7) daS ständige Sinken der Zinssätze für lang- und kurzfristigen Kredit, bis in die jüng- sten Monate; 8) das gewaltige Anwachsen der öffentlichen Schulden. In den letzten Monaten sind jedoch bedeutende Veränderungen«ingetreten. Die Gewerkschaften der Industriearbeiter haben vermittels von Lohnkämpsen eine beträchtliche Verminderung der wöchentlichen Arbeitszeit bei gleichzeitigen bedeutenden Lohnerhöhungen zu erreichen vermocht. In der Stahlindustrie und einigen anderen Industrien zum. Beispiel ist anstatt der 48- Stunden-Woche die 49-Stunden-Woche einge- führt worden. Die Mehrarbeit über 49 Stunden in diesen Industrien wird jetzt im allgemeinen mit dem. anderthalhfachen des normalen Lohnes abgegoltE'Aüf'isshsc W'eistssind die"Löhne"etkvä' um 29 bis 89 Prozent gestiegen. Gleichzeitig bestand, zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern Einigkeit darüber, daß die Preise im großen und ganzen analog den Lohnerhöhungen steigen würden., Dieses Im Frühjahr des Jahres beginnende Ansteigen dec" Preise ist'für den weiteren Kon» junkturverlauf unter Umständen nicht ohne Gefahr. ES könnte sein, daß die Preissteigerung für Grundstoffe wie Eisen, Stahl, andere Metalle, Baustoffe, etc. ein Hindernis für die Prodük» tionssteigerung in manchen anderen Wirtschaftszweigen darstellt. Käme es lvirklich dahin, so wird als Folge der jüngsten Entwicklung, die Wiedereingliederung der Arbeitslosen in de» Wirt- schaftsprozeß verhindert und die so außerördent- lich wünschenswerte Verbesserung der Lebenshaltung ausgehalten' werden, Man muß jedoch bemerken, daß diese nach-' teiligen Wirkungen auf jeden Fall beträchtlich. hinäuSgeschoben werde» können. Jede Preissteigerung wirkt in der Regel zunächst anfeuernd auf die Beschäftigung der Industrie ein. Bei anziehenden Preisen erteilt die Wirtschaft und ebenso die Masse der Bevölkerung eiligst Aufträge, und man kauft In wachsendem Umfang ein. Die Sieigerung der Nachfrage■ erhöht ihrerseits auch den Warenhunger, trägt allerdings gleichzeitig auch dazu bei, die Preise zu steigern. Im ganzen dürfte also 1937 für die USA. ein Jahr lebhafter Beschäftigung und einer weiteren nicht unerheblichen Produktionssteigerung fein.' Da. aber die Lage durch einige Faktoren bestimmt wird, die. sich jeder Berechnung entziehen— hierzu gehören auch, die Wirkungen des europäischen Rüstungswettrennens aus Amerika — kann man nicht sehr- weit in di« Zukunft blicken.'7• M.aii erhält Wir.,. 100 Reichsmark..»-.- 753— Mnrkmünzcn.'.-. 815. 100 österreichische Schilling 533.50 100 rumänisch« Lei-.. 18.47 IkfO polnische Zloty,.. 543.50 100. ungarische Pengö.. f■ b 573.50 100 Schweizer Franken« b 858.^ 100 französische Francs-. ., 4 110.70 .-1' englische» Pfund 141.50 '--1 amerikanischer Dollar 4. 28.60 1001 italienische Lire: p 144.40 109 holländische Gulden. b• 157-7-,— 100 jugoslawische Dinar«'.' ■ b 65,30 100--Belga» i 463.50 100 dänische Kronen1'- 832.-^ '100' schwedisch« Kröiien'''t" •• "731.—" Handelspolitische Verhandlungen In Berlin werden Verhandlungen über die AuSftibr von tschechoslowakischem Weizen und von Mühlenprodukten sowie über die Zusatzkontingente, von Jndustrieerzeugnissen geführt. Es handelt sich um Zusatzkontingente in der Höhe von 78 Millionen ttö. Gleichzeitig soll über eine Aenderung der Kompensationspraxis verhandelt werden, die in der letzten Zeit zu Schwierigkeiten geführt hat. Ein Teil der tschechoftowakischen Vertreter wird anschließend nach Holland fahren, um in den Verhandlungen fortzufahren, die im Juni unterbrochen worden sind. Für die nächsten Tage wird eine Verlautbarung der amerikanischen Regierung erwartet, in welcher die tschechoslowakischen Waren angeführt sein sollen, auf welche die Bereinigten Staaten Zollermäßigungen zu bewilligen bereit sind. Die Interessenten werden gleichzeitig aufgefordert werden, ihre Anträge, Einwendungen und Anmerkungen bekanntzugeben. Rach Ablauf einer Frist von sechs bis acht Wochen wird der Termin für die Verhandlungen in Washington angesetzt werden. Dividenden Die Generalversammlung der Kammgarnspinnerei Anton Richters Söhne A.-G. in Mildenau beschloß die Verteilung einer Dividende von 7 Prozent. Die Generalversammlung der Georg Schicht A.-G- in Aussig setzte die Dividende auf 8 Prozent fest." Die Apollo-Mi neralölraffi- n« r i e A.-G. in Preßburg gewährt 19 Prozent Dividende daß— fernab von Hollywood— Propagandafilme gegen das Kur« p-f u f ch«-r w e- s e n hergestellt werden. Die Tätigkeit der Kurpfuscher kostet nicht nur in Amerika, so»dern überall auf der Welt zahllosen Leuten im Jahre Gesundheit und Leben. Das A'cherb a um ini ste r i u m hat bisher ungefähr 5.9 Filme herstellen lassen, die auf dem Lastde den Farmern gezeigt werden. Es handelt sich darum, zu-zeigen, wie man am wirksamsten den--Kampf gegen die schädlichen Insekten führt, Bewässerungsanlagen anlegt rmd ähnliche wichtige-Ding« mehr. E» gibt weiterhin kaum eine'der großen U n sV'e'rs i't ä t.e n in. U. S. A.',' die"nicht Helena Buöovä in„Scheidung der Frau Eva". Vertauschte Rollen. sAP.) HImniler, dec Ches der Polizei, hat die„Deutsche Volksküche" von Arthur Dinier siir das gesamte Reichsgebiet aus-. gelöst und verboten, nachdem kurz zuvor Reichsinnenminister Frick die Dintersche Sekte als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt und ausdrücklich wegen ihrer„religiösen Bedeutung" als nnter- stützungstvürdig bezeichnet hatte. Dies kennzeichnet zunächst einmal das Durcheinander im„autoritären" Dritten Reich, wo einer gegen den anderen regiert- Darüber hinaus aber mutet merkwürdig an, wie sehr die Rollen vertauscht sind. Ihrer ganzen Einstellung nach hätten nämlich sowohl Frick wie Hinimler genau entgegengesetzt verfahren müssen. Denn Frick gilt als orthodoxer Protestant, der zwar nicht zur Be- lenntniskirche gehört, immerhin aber aus seinen Sympathien für die lutherische Kirche niemals ein Hehl machte. Deshalb hätte er Dinier bekämpfen müssen, dessen Lehren doch alle Glaubensinhalte über Bord werfen. Statt dessen hat er ihn aber sanktioniert. Andererseits hätte man erwarten dürfen, daß Himmler, der zur Deutschen Glanbensbcivegung gehört, die ZcrsctznngSarbeit Dinters innerhalb des evangelischen Lagers begrüße» müßte. Statt dessen hat er die Bcivegung verboten. Wie erklärt sich das? Frick ist mit.Divter. trotz aller.xeligi.öse>i,.Gegensähe, einfach, von der RegierungStätigkeit in Thüringen her, verbunden. So finden der„Gemäßigte" und der' „Radikale" zusammen. Das läßt sich nur aus den Fraktionsstreitigkeiten verstehen. Der„Radikale" Himmler aber sicht in DinterS Bestrebungen eine Gefahr für den Staat. Wie leicht könnten sich in einer solchen Sekte, die doch der Deutschen Glan- beiisbewegnng Konkurrenz macht und außerdem Tuchfühlung mit Lndcndorff halten dürfte und deren Chef schon einmal außerhalb der Partei war, staatsgefährliche Elemente sammeln. Der Gestapochef ist aber zu mißtrauisch, um so eüvas zu dulden. Ein bezeichnender Ausschnitt aus dem Dritten Reich. Deutsche GeheimbÜndelei in Polen.< DNB> Da» Bezirksgericht I» Könitz verurteilte'eine größere Anzahl Angeklagter wegen Geheimbündelei zu zwei Jahren Gefängnis bi» sechs Monaten Arrest. Die Angeklagten— im ganzen 22— waren beschuldigt, auf einem Gute, im Kreise Tuchcl, ein Lager, nach dem Muster der reichsdeutschen Arbeitsdienstlager organisiert bztv. daran teilgenommen zn haben, wobei sie Zweck und Bestehen vor den Auffichtsbehördeii geheimgehalten haben. Die Verteidigung hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. eigene Filme produziert. Dabei handelt es sich durchaus nicht immer um trockene Lehrfilme. Einer der interessantesten und kurzweiligsten UnwersttätSfilme heißt„Wo ace all ActistS" und zeigt an Hand verblüffender Beispiele, welche ungeahnten Fähigkeiten in jedem auch nur durchschnittlich begabten jungen Mann stecken, wenn er es versteht, seine Kräfte zu nutzen. Ebenso stellen die Krankenhäuser Filme her, in denen den Müttern gezeigt wird, wie man Babies erzieht und zu Hause Hygiene treibt. Oft klingen diese Filme in der Werbung aus, sich durch Geldsammlungen an dem Bau neuer Krankenhäuser und Kinderheime zu beteiligen— eine Werbung, die einen außerordentlichen Erfolg hat, besonders dann, wenn der Film gut war. Alle diese Filme sieht man kaum in den Wlichen Kinotheatern, wohl aber,in den Tausenden von Klubhäusern der Religionsgesellschasten, Frauenvereine etc. Auf diese Weise bekommen ihn mindestens so viel Leute zu sehen, wie das Publikum der Wlichen Lichtspielhäuser, und der Erfolg dieser abseits von Hollywood gemachten Filme ist so groß, daß immer mehr Besitzer der großen Broadway-Theater sich darum bemühen, ftir ihr Beiprogramm einen dieser Filme vorzuführen. MTP Seite« .Sozialdemokrat' Steif#«,«.«ult 1937. Nr. 15» Schwedische BUcherspende v für die CSR Donnerst## vormittags übergab in der Prager Universitätsbibliothek der schtvedische ReichSbibliothe- kär Dr. Colliin dem Regierungsrat Dr. Emler die schwedische Bücherspende, die ungefähr 1500 Bände umsaßt. Anwesend waren außerdem der schwedische Gesandte de Lagerberg, ferner der Intendant des schwedischen Nationalmuseums Wettergren, der Sek» tionrchef des MinisteriimiS für Schulwesen und BolkSkultur Dr. MatouS Malbohan und Oberfek« tionSrat Dr. Paine. Dr. Colliin betonte In seiner Ansprache, daß diese schtvedische Spende der erste Schritt zu einer engeren schwedisch-tschechoslowakischen Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet sei, so wie dies bei den Beratungen des tschechoslowakischen llnterrichtSministerS Dr. Franke mit dem schwedischen Minister Dr. Engberg zuerst in Prag und dann in Stockholm vereinbart wurde. Die Sammlung schwedischer Bücher konnte Dr. Collisn unter Mitwirkung schtvedischer offizieller Institutionen und zahlreicher schwedischer Freunde der Tschechoslowakei zusammenstellen. Dr. Collisn fügte hinzu, er wolle bemüht sein, diesen Grundstein der schwedische» Abteilung In der tschechoslowakischen Nationalbibliothek möglichst anwachsen.zu lassen, um. io den tschechoslowakischen Studenten ein vollkommeneres Studium Schwedens und seiner Literatur zu ermöglichen. Anschließend ersuchte Dr. Colliin RegienmgSral Emler, den Direktor der National- und Universitätsbibliothek in Prag, die Spende als Beweis der engen Freundschaft Schwedens für die Tschechoslowakei entgegenzunehmen. RegiernngSrat Emler verdolmetschte die Dankbarkeit der National- und Universitätsbibliothek sür die so herrliche Speiide und betonte, daß diese Bücher gemeinsam mit den übrigen schtvedische» Werken in der Bibliothek stets eine lebenvige Quelle der Belehrung für die junge tschechoslowakische Generation über das herrliche Schweden sein werden. Namens des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur dankte Sektionrchef Dr. MatouS Malboban dem Gesandten de■ Latzerberg und Dr. Collisn für die Spende. Beim Vorfahren wurde Mittwoch nachmittags der 80jährige Hilfsarbeiter Slanina von einem Lastauto erfaßt und zu Bode» geschleudert, wobei ihm der rechte Arm mehrfach gebrochen wurde. Eine Gesellschaft von Taschendieben verhaftet. Während der Feiertage wurden der Polizei einige größere Taschendiebstähle genieldet. Den Dieben kamen besonder? die großen Menschenansammlungen in den Straßenbahnwagen, die zum Stadion fuhren, zugute und selblwerständlich auch dar Gedränge auf den Prager Bahnhöfen. Die Opfer waren meist gutaussehende ältere Herren. Mitttvoch bemerkte» nun Detektive in Bievnov eine Frau, die in der Straßenbahn versuchte, einem Derrn die goldene Uhr aus der Tasche zu ziehen. In ihr wurde die 85 Jahre alte Marie Czotter aus Budapest festgestellt, die vor einigen Tagen in Begleitung von drei Männern in Prag eingetroffen war. Alle vier hatte» sich in einen» der besten Prager Hotels eingnartiert. Die Helfer, Szasz. Pasor und Csaszar, wurden im Gasthaus„U Flekü" gesunden und verhaftet. Durch die Explosion einer Spiritusflasche erlitt iNittwoch die Frau einer Postangestellten in Prag XIV., Agnes Weigert, lebensgefährliche Brandwun- den. Unbelehrt durch die unzähligen Unglücksfälle, die auf diese Weise schon herbeigesührt wurden, versuchte sie die schlecht funktionierende Heizung dadurch zu beschleunigen, daß sie Spiritus aus einer Flasche in den Ofen goß. Die dabei entstandenen Gase bewirk» ien eine Explosion; die Kleider der Frau fingen Feuer und bevor die herbeieilenden Nachbarn erste Hilfe Ieilten' konnten, hatte die Frau Verbrennungen ersten bis dritten Grades erlitten. Die Verunglückte ist ün achten Monat der Schwangerschaft. BerkehrSunglück auf der Hlävka-Brücke. Mittwoch abends stieß auf der Hlävka-Brücke in der Nähe des WinierstadionS ein Straßenbahnzug der Strecke 8 auf einen Handwagen auf, der von dem Tapezierer Michaliik gezogen wurdi!. Michaläik wurde mit seinem Wagen gegen einen vor ihm fahrenden Lastwagen mit Bierfäßern geschleudert, auf den. die Straßenbahn nach dem ersten Zusammenstoß noch auffnhr. Einige ailf die Straße rollende Fässer fielen dabei vor ein aus der entgegengesetzten Richtung kommendes Auto. Michaliik erlitt schwere Verletzungen. Er wurden ihm beide Beine gebrochen, als er von dem Motorwagen gegen das Branereifuhrwerk gepreßt wurde, ferner wurden im Krankenhaus schwere innere Verletzungen bei ihm festgestellt. Der Kutscher der Brauerei wurde vom Bock vor die Räder des Wagens geschleudert. Auch sein Zustand ist ernst. Der dritte Leidtragende ist der Miliahrer.de» Lastwagens. Alle vier Wagen wurden demoliert. Die Ursache des Zusammenstöße» ist noch nicht bekannt. Zehn Gebote für Petroleumkocher werden jetzt zur Wanderzeit bei uns ebenso gern gehört werden wie in Dänemark, wo sie eben ans Anlaß einer Explosion veröffentlicht werden: 1. Der Behälter muß nach der Winterruhe erst gereinigt und mit etwas reinem Petroleum gespült werden. Der Brennstoff muß durch einen Seiher eingegossen werden. 2. Der Behälter ist nur zu drei Vierteln zu füllen, das heißt, für die gewöhnlichen dreibeinigen JCuast und Wte&ea Das Theater in Deutschland Ueber den Internationalen Theater ko ngreß In Paris lesen wir in der „Basler National-Zeitnng" unter anderem das Folgende: Der deutsche Delegierte las Zahlen vor,'die er aus Deutschland mitgebracht hatte. Wir hörten, daß es in Deutschland 876 Bühnen gibt (211 stehende Theater, davon 105 staatlich? und städtische Bi'n, 42 Privattheater, 40 Wanderbühnen, 125 Tu.uk-Freibühnen und Äastspielunterneh- mungen). Tie Mehrzahl würde vom Staat„betreut". Auf diese neuesten Zahlen, die durch ihre Quantität alles erschlage» sollten(aber was bedeutet schon die Zahl in der Kunst?), darf erwidert werden, daß im Jahre 1980 in Deutschland 805 BolkSbüh« nengemeinden(freie!) und 100 Wanderbühnen (freie!) bestanden haben. Dazu kamen noch die an Zahl den Volksbühnen nur wenig nachstehende» Gemeinden deS Bühnenvolksbundes. Und die großen, beispielhasten sozialen Einrichtungen, welche die frühere deussche Bühnengenossenschast gemeinsam mit dem alten Deutschen Bühnenverein für alle deutschen Bühnenangehörigen geschaffen hat, find von keintm andern Land, auch nicht vom„neuen" Deutschland, erreicht worden. Der Niedergang des deutsch» geistigen Lebens wird offenbar auch im Verbot des Äeiter- erscheinenSdes„P hilos ophen- Lexikon S", von dem bisher sechs Hesie ausgegeben wurden. Es wurde verboten,, weil es sachlich war, weil es auch im Dritten Reich versucht hatte, objektiv, also wissenschastlich zu bleiben. ES batte zwar die dem Nationalsozialismus ergebenen Konjunkturphilosophen nicht totgeschwiegen, sondern im Gegenteil auch denen, die als Philosophen des Nationalsozialismus gelten oder doch als seine Wegbereiter, wie Houston St. Chamberlain. Raum ge- Apparate% L. 8. Spare nicht an Sprit zur Vorwärmung, sonst kann statt Petroleumdampf flüssige» Petroleum sich entzünden, was an einer großen Flamme zu erkennen ist. In diesem Falle muß der Druck sofort: vom Brenner ausgeschlossen'werden. 4. Kaltzündung.kann, auch durch Zugluft.entstehen. Vergossener Sprit muß aufgetrocknet, werden, bevor man anzündet. 5. Durch Aussetzung einer Auffüll- deckels, der ein Membran-Sicherheitsventil hat, kann Man dem Entstehen eine- zu großen Drucke» im Behälter beim Pumpen oder sonstwie vorbeugen. Ist der Behälter frisch aufgefüllt, so pumpt man wenig» als wenn er nicht so voll ist. Bei fast leerem Behälter pumpen, kann eine Explosion hevbeiführen. 6. Die Auffüllung eines erschöpften Behälter» muß langsam geschehen. 7. Allzu häufiger Gebrauch der Relni- gungSnadel erweitert die Oeffnung zu sehr. Lieber kaufe man für wenig Geld ein neue» Mundstück. 8. Große Waschgefäße oder Kübel stelle man nicht auf den Kocher, denn die dann zurückstrahlende Wärme kann die Zinnlötung der Kocher» zum Schmelzen bringen und eine Explosion erzeugen. Solche große Gefäße stelle man auf ein dreihelnige» Gestell über den Kocher. 9. Im Winter darf der Kocher nicht an einer feuchten oder gar zu kalten Stelle aufbewahrt werden, sonst rostet da» Messing de» Behälter» und wird spröde. 10. E» gibt jetzt neue Kocher mit eigener Regulierung und automatischer Reinigung, die da» Aufpumpen bereits vor Eingießen des Spiritus gestatten. Die AuSflugSzüge der tschechoslowglischeu Staatrbahnen veranstalten folgende Exkursionen: 10. bi» 18. Juli Lagerleben Im Slowakischen Paradier 295 Ak-, 10. bi» 18. Juli eine Woche imRiesen- gebirge(Spindlermühle) 450 Ak. 10. bi» 18. Juli eine Woche im Riesengebirge'(Sokolbaude) 470 Ak; 10. bi» 25. Juli Karpath.orußland 690 Ak; 11. Juli Besichtigung der Rosenpläntage» in Blatnä 60 Ai. A:mieldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonhahnhof, Telephon 88885, nug gewidmet, aber auch die jüdischen Philosophen nicht übersehen, die Husserl, Cohen und Cassirer. Und damit war eS„untragbar" geworden.— Diese» Verbot fällt zeitlich fast zusammen mit der Entlassung de» Heidelberger Philosophieprofessors K^rl Jaspers, der gehen mußte, weil er die Persönlichkeit gegen die Gleichschaltung, gegen die Vermassung verteidigte. klebrig bleiben werden auf .den deutschen philosophischen Lehrstühlen bald nur noch die AuSdeuier der„Bibel des Nationalsozialismus". Die Pradv-Schiihe komme« nicht in tau Louvre. Vor einiger Zeit wurde bekanntgegeben, daß man im Rahmen einer Sonderausstellung spanischer Kunst, die aus Anlaß der Weltausstellung am 10. Juli im Louvre eröffnet werden sollte, die berühmtesten Gemälde des Prado, insgesamt 150 Bilder, in Paris zu sehen bekommen sollte. Es knüpften sich an diese Mitteilungen sofort Kombinationen, daß die spanische Regierung aus diese Weise die aus Madrid seit langem entfernten Schätze völlig in Sicherheit bringen und dem Louvre zum Aufbewahren übergeben wolle. Diese Version ist auch nicht dementiert worden, e» wurde lediglich kategorisch bestritten, daß irgendwelche Verkaufsverhandlungen geführt würden. Die Erösfnltiiä der AÜSstellung Ist zunächst aus den 15. und dann auf den 25. Juli verschoben worden, und mm erfährt man, daß sie erst im Oktober stattfinden soll. Da aber gleichzeitig bekanntgegeben wird, daß die französische Regierung aus sehr ernsten Erwägungen zur Zeit die Uebernahme der Prado-Bilder abgelehnt hat, so ist anzunehmen, daß die Ausstellung überhaupt nicht stattsinden wird. Politische Rücksichten haben hier Pari» und die Weltau»- stellungsbesucher um einen ganz besonders großen Genuß gebracht. Sommerspiclzeit der Kleinen Bühne. Ense mblega st spiel Grünbaum-Far- ka», heute Erstaufführung„Gangster über Wien" um 8 Uhr. Preise: Xi 5.— bis 85.—. Vorverkauf: Deutsches Hau», Truhläk, Wetzler,-Neues Deutsche» Theater. Vekeinsnacimctlten ' Naturfreunde, Ort»gruppe Prägt Samstag, den 10, Juli: Treffpunkt um>A8 Uhr am Smichover Bahnhof, Fahrt nach Revnice, Wanderung zur Hütte,. Sonntag Wanderung nach Vozniee, Dobtii, Hütte, Skalka. Rev nice, führt Schaffer. Lteratur Moa Martinson: „Frauen und Apfelbäume“ Die Büchergilde Gutenberg Prag hat in der dichterisch nachfühlenden, sprachlich brillanten Ueber- setzung durch Helen Uhlschniid das Erstlingswerk der Schlvedin Moa Martinson herauigebracht und' damit den zahllosen Verdiensten eine» literarisch wie ge- sinnungSmäßig vorbildlichen Berlages ein neue» hinzugefügt.„Frauen und Apfelbäume" ist einer der ursprünglichsten und besten Romane, die je der Feder einer Fra» entflossen, ein von der Fülle überreichen Erleben» satte» Buch, ein wunderbare» Bekenntnis zu den Notwendigkeilen härtest sich auswirkender Verwicklungen gerade zartest organisierter Herzen, und eine schaurig-großartige Anklage gegen die Gesellschaft, die unbekümmert ist um da» leibliche, wie denn erst um das seelische Leid der Armen, Ausgebeuteten. AuSgeftoßenen. Moa Martinson zeichnet mit ungewöhnlicher Einprägsamkeit da» Elend der Proleten in Stadt. und Land, ist eine Meisterin moderner Charaktergestaltung und ist bei alledem so eigenwillig(und dabei selbstsicher) in der vor keiner Wirrni» der Gesichte zurückschreckenden, scheinbaren Unübersichtlichkeil der Komposition, daß einerseits es ihr gelingt, die Kakophonie der Leben» in unserer Zeit beklemmend aufklingen zu lassen, daß anderseits ihre Gedanken-Arbeit, ihre Konzeption und ihr Stil mit der Art keines toten oder lebenden Meister» welcher Nation recht verglichen werden könnte. Dabei verfällt die Autorin mit weitem menschlichen Gefühl nie in die Versuchung, daS Edle un» in der unterdrückten Schicht, der ihr. eigener Kampf-Sinn gehört, zu suchen und zu finden; im Gegenteil überzeugt..in diesem Buche gerade die Liebe zur bedingungslosen Wahrheit, mit der alles erzählt wird, was dem Auge der Erzählerin sich bietet. Da» Wort von den„Apfelbäumen" im Titel der Romans ist Andeutung dxs weichen Naturhaften, da» sich in diesem Roman mit den Grausamkeilen de» unendlichen Lebens' paart; und wir Männer können durch diese Lektüre dar so ganz anders schlagende Frauenherz, das so. ganz anders arbeitende Frauengehirn besser verstehen lernen. Bor allem aber sei diese» Buch unseren.Frauen selbst innigst empfohlen, denn in ihm sind Daseinsrätsel aufgegeben und zu lösen versucht, die gerade im Weib stärkste Teilnahme auslösen mögen, l. g. Uranla*Klno, Hllmpnlshä 4. Fernsprecher 61828. «v Freitag Ferien »m 12. oiuauft. der Arbeiterfürsorge finden jede« Samstag von 5—7 Uhr im Berel« deutscher Arbeiter, Smekkagasse Nr. 27, statt. Es gibt Ausnahmen Von Wera Inder - Josef Korsiiker, der Schnstermeister, sitzt bei der Arbeil und gibt seinen Gedanken freien Lauf. — Schwer ist das Leben— und gar keine Aussichten für die Zukunft! Da schauen Sie, bitte schön, sich diese Stiesel an. Ich habe sie nur zur Hand genommen und ich weiß schon die Autobiographie dieser Füße. Sehen Sie. diesen Platz— da— hier ist ein Knöchelchen herausgekrochen... Natürlich ist das Gicht oder Rheumatismus, mit einem Worte, ettvas aus dieser goldenen Serie, lind hier ein Nest von Hühneraugen. Na, und hier, da ist überhaupt nichts mehr zu sagen, daS ist einfach ein Loch. Und wessen Stiefel find das, denken.Sie? Sie glauben bestimmt, daß diese Stiefel irgendein arbeitsloses Element trägt? Keine Spur,, im Gegenteil: der verantwortungsvolle Redaktionssekretär der Zeitung unserer Stadt. Esist wahr, unsere Stadt ist nicht sehr groß— aber ein Nedaktionssekretär, das ist schon eine Persönlichkeit. Also, bitte, er trägt-diese Stiefel. Und selbst ist er... Nun, er wird morgen kommen, da werden Sie ihn sehen. Am nächsten Tag ist er wirklich gekommen. Durch das Fenster sieht mau den Frühling scheinen. Die Pfützen sind schon ganz ausgetrocknet und den geflickten Stiefeln steht eine kurze, aber glückliche Zeit bevor: kein Staub, kein Schmutz, keine Ueberschuhe. Der schwere blaurötliche Flieder blüht im Garten gegenüber den Fenstern des Schuhmachers Josef Korinker. Am Ende der Straße sieht man das frühlinghaste Meer grünen. Bald wird das Meer ivarm und die Tollster des alten Josef, die Cäcilie, achtzehnjährig mit blendend weißer Haut, dunkelrot und süß lvie eine Kokosnuß, wird baden und sich auf dem samt-1 weichen Sande sonnen gehen. Aber einstweilen ist sie nach dem Tode ihrer Mutter die Wirtin des Hauses geworden und bereitet eine Fleischbrühe aus einem herrlichen jungen Huhn goldig wie die Sonne vor. Es soll aber niemanden einfallen zu glauben, daß Josef Korinker mit seiner Tochter Cäcilie jeden Tag so einen Luxus treiben. Keine Spur/ Diese Bouillon ist sozusagen eine politische und das Huhn ist zweideutig. Josef Korinker hat nämlich den verantwortlichen Nedaktionssekretär, den Besitzer der geflickten Stiefel, zu sich, zu Mittag eingeladen. Dieser ist eben von Moskau eingelangt und ist natürlich voll Eigendünkel. Er ist überzeugt, daß alles im Lande der Räte gut geht. Aber Josef Korinker mit seiner unwiderlegbaren Logik wird ihm an Hand der Tatsachen das Gegenteil beweisen... Auf dem Tisch liegt ein weißes Tischtuch und der Hering schtvimmt im Oel. Josef Korinker steht beim Fenster, zu ebener'Erde, und sieht, wie aus dem Gebäude der Redaktion der verautwort- liche Redakteur herauskommt und, wie- ein Füllen einen Fliederzweig im Munde kauend, sich seinem Hause zuwendet, Ans dem Tisch duftet schon die Bouillon und das Huhn tvartet, daß es an die Reihe komme, während, die rosige Cäcilie dem Gast Hering anbietet. Auf dem Fensterbrett stehen'die kunstvoll geflickten Stiesel bereil. Aber leider vermag nicht einmal die Kunst KorinkerS die schwere Vergangenheit dieser' Stiefel z» verhüllen. Josef Korinker, nicht einmal-das Huhn-ab- tvartend, beginnt schon beim Hering mit der KriegShandlung. — Da wollen Sie, junger Mann, behaupten, wendet er sich an den Redaktionssekretär, daß wir' auf dem Wege deS Fortschrittes sind. Aber wenn i wir auf diesem Wege mit solchen Stiefeln gehen, Ivie die Ihren zum Beispiel, entschuldigen Sie schon, da kommen wir nicht weit. Essen'Sie, bittet .— Genosse Korinker— erwidert der Redaktionssekretär, Sie wohnen im Kellergewölbe und deswegen haben Sie auch keine richtige Perspektive, keinen richtigen Blick auf die Dinge. Sie sehen nur die Füße und danach urteilen Sie. Natürlich Ist unser Weg schwer, aber wir gehen den richtigen. — Junger Mann, werfen Sie nicht so mit den Füßen herum, da- ist die Sprache der Tatsachen. Erstens.- Und zweitens: wer Ist daran schuld, daß ich im Kellergetvölbe wohne, wenn nicht eben dieser Staat? Nehmen Sie Rettich, bitte! Zwar haben Sie neue Sandalen an und schauen aus wie ein blühender junger Mann, aber Josef Korinker irrt sich nie! Ihre Schuhe haben mir alle Ihre. Fehler, aber, auch die Fehler des Staates verraten. Ist es denn nicht so?. So ist es. So, junger Mann! Cilja, gib noch ein Flügelchen Herl ES Ist Nacht.-Der Mond erhebt sich über das Meer und schwebt bis in die Richtung des RedaktionshaüfeS.. Und hier bleibt er stehen. So süß duftet der Flieder, so groß und. sichtbar sind die Schatten auf der Bank, eine solche Stille ist im Gras, daß sich des Mondes eine Müdigkeit bemächtigt hatte und er hier stehen, bleibt, obwohl seiner noch andere Gärten warten. Josef Korinker, der sich nie' irrt und der nur' der Sprache der Tatsachen gehorcht, entschließt sich, entgegen seiner-Gewohnheit, ein bißchen Luft zu schnappen. Weil die Nacht so ungemein still ist und er die eine Stimme als die seiner Tochter erkannt hatte, so bleibt er stehen'und lauscht. — Andrej Petrowitsch— spricht Cäcilie— dir sagen Sie: mit Ihnen-nach- Moskau- fahren. Aber dort ist ja so ein schreckliches Leben!. Der i Staat ist noch nicht organisiert. Wohnungen gibt es keine. Sie haben ja selbst gehört,!vas Pa- Pascha gesagt hat. DaS ist doch bestimmt alle» richtig so.'. Der Mond und Korinker, die beide an dem Gespräche interessiert sind, betvegen sich näher zum Gitter und lauschen aufmerksam. — Cäcilie Josefowna— antwortet der Sekretär— geben Sie Ihr Händchen. So! Sie können sich kaum vorstellen, wie es jetzt schön, wie selten gut eS jetzt zum leben istl — Aber Sie sind doch ein' unversicherter. Mensch-— erwidert Cäcilie mit zaghafter Stimme.— Und überhaupt, Vater hat recht: mau muß nach Palästina fahren. Ist das ein Land hier, wenn so ein qualifizierter Arbeiter wie Sie, solche Stiesel trägt! Ich habe ja gesehen..>•■ — Cäcilie Josefowna,— verschluckt sich der Sekretär,— sprechen Sie nicht darüber. Hier Ist ein klejneS Pünktchen nicht richtig. Diese Stiefel, um-die Wahrheit zu sagen,-sind nicht meiste,' weiß auch nicht, wem sie gehören. Ich habe sie absichtlich aus dem bischöflichen Archiv genommen, um einen Vorwand zu haben, zu Ihren Vater zü gehen. Aber Sie habe ich-schon am ersten Tag meiner Ankunft bemerkt,- geben Sie die äiidere Hand. Korinker, der.gewöhnlich nur Füße sieht, stellt sich auf die Zehen- und, durch das Gitter hin- eiuschauend,-erblickte er zwei Köpfe, die sich anscheinend küßten,-- - Danach hatten sich der junge Mond Und.der alte Korinker wieder in Bewegung gesetzt. — Run, was den»— spricht zu sich selbst Korinker, sich vom Gitter entfernend,—-Ich irre mich nie. Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen.., ''(Au» dem Russischen von Recha Katz.)- Bezug»bedingung-n:Bei Zustellung in» Hau» oder be, Bezug durch die Post monatlich Kt 16—. vierteljährlich Kö 48.—, halbjährig Kö 96.- ganzjährig Ai 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bel öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektion mit'Erlaß Rr. 18.'MÜ/VIl/1980 bewilligt.— Druckuielr„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungr-A.-W. Prag.'