Aus dem Inhalt: Die Delegation der Sozialistischen Jugend* Internationale In Spanien öle Praktiken des Papierkartells Mandatsklage gegen Abg. Liebl? Die Mörderin von Königswald verhaftet Ätzial-eckokmt gentralorgan der Deutsche» sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik «rscher»t Mit«wsna^me de« Moutag tSglich-r»h/«iuzelprei« 70-etter ^EdMoomBrrwaltung. PragXll.,Fochova S2- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Laub— Derantw. Aedalteur I.B.: Zdenko Neuwirth, Prag 17. Jahrgang Sonntag, 11. Juli 1SS7 Nr. 161 Ein sozialer Erfolg Ole Staatliche Gehesangsaktion für’ Kinder Arbeitsloser wird fortgesetzt , Der Ministerrat hat in seiner am Freitag «ßgehaltenrn Sitzung den Beschluß gefaßt, außer den bisher in die staatlich« Grnesungsaktion rin- ,gliederten 80,000 Kindern, auch noch wet- t e r e HOM Kinder einzubeziehe». Das Ge- sundheitsministerium trifft die nötigen Borde- reitungrn zur beschleunigten Durchführung dieser Aktion/ InnehpolltlkvorTorschluB Getreidepreise und Gemeindewahltermin - noch, anentschieden. Prag. In der abgelaufenen Woche fanden unustterbtochen Ministerberatungen statt, welche der. Aufarbeitung d-S innenpolitischen Vorferien- Programms galten. Neben den zahlreichen Frä- gen mehr administrativer Natur, welche im freitägigen Ministerrat eine Erledigung sanden,'sind noch zwei Entscheidungen von größerer politischer T r a g w e i t e zu treffen. Ueber die vordringliche Frage der Getreidepr e i s e konnte, bisher keine Einigung, erzielt werden. Die Beratungen darüber werden nächste Woche sort- gefetzt, wobei auch einige organisatorische Fragen des Äetreidemonopols einer Lösung zugeführt werden sollen. Der zweite offene Punkt des Borferienprogramms, dem sich besondere Aufmerksamkeit der Oeffcutlichkeit zuwendet, ist dieu>.zw- auch während der Dauer der' Weltausstellung und.der Touristen- saison. Die Besitzer der Hotels,und. Kaffeehliusee lehprM.'«1»»-dDepuf, Hatz.ihnen dasRechtzuii stehen söfl,«n Pngestellte»' die tzeww Tage- fr nach Bedarf deS- Dienstes-„selbst»«stimme« an köimen.-Gig.erklären, daßH, das Posonal' rin- schränken iodei-. ihre MlmPhWOUlW.fWeW: werden,«ennhiesrr ihr Standpnukt nicht berück- sichtigt werden sollt», den. der. französische Senat gebilligt hah. 1-eMe Warnung Frankreichs Internationale Kontrolle an der Landgrenze aufgehoben P aris. Amtlich wird gemeldet: Die französisch« Regierung wird am 12. Juli dem Richt- mterventionsausschutz' in London mitteilen, daß sie di« international« Kontroll« an der spanischfranzösischen Grenz« am 13.. Juli aufheben wird. Dieser Schritt Frankreichs bedeutet nicht die Kündigung der Richteinmischungsverpflichtungen, di« von der französischen Regierung übernommen wurden, sonder« stellen formal«ine Repressalie gegen die Berhinderung der internationalen Kontrolle an der spanisch-portugiesischen Grenze, wo auf Beranlaffnng von Lissabon die englischen Beobachter sich zurückziehen mußte». Gleichzeitig ist die Maßnahme als Ultimatum an den Richt- interventionSauSschutz gedacht, der damit gezwungen werden soll, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die von dem französischen vertret« bekanntgegebenen Bedingungen zu erfüllen. ES ist aber unzweifelhaft, daß die. französische Regierung auch'ihre Entschlossenheit»um Ausdruck bringe».will, dem deutsch-ötalienische« Mißbrauch der Kontrolle«in Ende zu machen. Im Endergebnis wäre das die Oefsnung der spanisch-französischen Grenze für di«. Regierung von Baleneia. Berlin— überrascht Berlin. Zu der Nachricht über den Beschluß der französischen Regierung, die internationale Kontrolle an der. französisch-spanischen.Grenze am Dienstag aufzuheben, wurde an Berliner- maßgebenden Sielle« folgender Ständpunkt formuliert: Dir-Berliner politischen- Stellen sind durch diese Nachricht überrascht.-Man hört-in Berlin die-Auffassung, daß eine solche Mitteilung, falls sie im Londoner. Ausschuß erfolgen sollt«, nicht mit dem von-.allen- Mitgliedern des Londoner Ausschusses angenommenen Antrag übereinstimmt, der die britische Regierung ersucht, einen Ausweg aus der in der NichteinmischnngSfrage entstandenen Lage vorzubereiten. Ribbentrop und Grandl — provokativ Die Betrauung Großbritanniens mit der Ausarbeitung eines neuen Vorschlages- wird, von der Londoner Presse mit resignierter Befriedigung zur Kenntnjs genommen.- Dieses Unternehmen, schreiben;,TimeS", ist kein solches, auf das'bei der gegenwärtigen Situation viel Hoffnungen gesetzt werden können. Es hat aber insofern« Bedeutung, weil«Sden definitivenAbbruch der Verhandlungen aufschiebt und einige Tage Zeit gibt, um die Vernunft wirken zu lassen. Die Sprache RibbentropSundGrandiS sei unnötig provakativ gewesen und die Ehancen, einen annehmbaren Plan zu finden, seien gering. England könne sich nicht zu der Auffassung bekennen, daß eS die Zivilisation in Spanien gegen den Bolschewismus zu verteidigen 'habe. Die englische Hoffnung sei, daß Spanien, von aller Einmischung von außen befreit, in der Lage sei, über seine Zukunft zu entscheiden. Der Führer der Arbeiieropposition Attlee sagte dem„Dailn Herald" zufolge, nachdem ihm die gestrigen Entscheidungen zur. Kenntnis gebracht wurden: ES sieht wie ein neuerlicher Aufschub der Verhandlungen aus und.ist als Entscheidung zu werten, di« dem Effekte nach an einer einseitigen Nichteinmischung festhält. Eine Massendemonstration der Labour- Party findet am-'Sonntag am Träfalgar-Sgnare statt. Die Labour-Part» will die Völker der Wei: anrufen, sie. mögen durch gemeinsame Aktionen eine Lösung der spanischen Frage herbeiführen. „Venn morsen die Pyrenäengrenze geöffnet wird.,." „Matiu" meint, die Mächte hätten offenbar begriffen, daß htnie für einen Kampf um eine abstralt« Ideologie nicht die Zeit-sei. Wenn morgen.diePhrenäengrenze geöffnet wird, führt dar Blatt fort, dann wird Deutschland ruhig bleiben. Er Ivird erkennen, daß das friedliebende Europa vor seinen Einschüchterungen nicht zurückweicht. Es wird-erkennen, daß Gewaltakte und fertig« Tatsachen'Methoden sind, die Europa nicht annimmt.„Püpulaire"- führt aus, daß, wenn man die Sitzung des Londoner Ausschusses nur auf Grund der Reden beurteilen wollte, dann tvsirde die Situation günstig aussehen, denn die deutsch-italienischen Vorschläge wurden nur von den Autoren selbst unterstützt. Das Gesamtbild über die Bedeutung der gestrigen Sitzung aber werde, man sich erst nach einigen Tagen machen können, bis dar Ergebnis der neuen britische» Bemühungen um«in Kompromiß bekannt sein wird. General Mlala an die Soldaten Madrid. fAgen« Espangne.) General Miaja.hat an die Armee, der Zentrums folgenden Appell gerichtet: „Genossen! Ihr kämpft'letzt den vierten Tag,«Nd Ihr habt gekämpft,.wie Ihr imtper ge- kämpft habt. Die von allen so sehr gewünschte Offensive hat begonnen. Flieger, Artillerie und Infanterie kämpfen ohne. Unterlaß wie erfahrest« Beteranen.' DaS antifaschistische Spanien erwartet von Euch.den Trinmph seiner'Sache! Borwärts,'ohne rückwärts zn»licken! Denkt au nichts. anderes ass den Sieg! Ruhm den gefallenen Helden! Euer General M i a j a." Erklärung Companys zu der Rede Edbns. : Barcelona.(Agenee Espagne.) Di« Zeitun , gen von Barcelona veröffentlichen«ine Erklärung des Präsidenten Companys zu der Rede von Mr. Eden... -„Jede Bestätigung.. des Jntegritätsprlnzips für. den spanischen Boden, wie. die/ welche Mr. Eden soeben gemacht haf, wird in Katalonien sebr günstig-ausgenommen. Wir.'wissest,, daß,, wen»' Italien und Deutschland Krieg gegen uns führen, dieser Krieg ausschließlich, dem Zwecke- dient, um iss Spanien PositionenM; geringen>mnd zu bc« wahrem Denn unsere,liberalen.' und: demokratischen. Jdeologiest, welche alle. Sprächen, und., alle. Besonderheiten der spanischen Völker respektierten, können keineswegs i:als-Rechtfertigung..für., die Angriffe dienen, deren Gegenständ wirisind.Mun' führt. Kwiegö'gingen ulns aus-r-ell in j m p eir.i a l j.st i s/ch« n Gründern, Wir sind Soldaten, der- Halbinsel.für.-, den-. demokratischen Frieden im Westen. Diesenigen Spanier, die um ihr« Leidenschaften und ihre Klaffeninteressen zu befriedigen, die Tore Spaniens den Marokkanern, Deutschen und imperialistischen Römern ge- öffnct haben, dürfen der Strafe-für ihre große Schuld, nicht entgehen. Sie haben di« Integrität Spaniens- gefährdet und wollen Mallorca den Fremden ausliefern. Sie wollten aus eine r Half teSpanienS eine d t u tsche Koloniemachen, sic haben Unsere Schutzgebiet« in Afrika gestört und haben diese. Gebiete den italienischen und deutschen Jn- triguen'geöffneti die durch die Rebellen in Tanger besonders gefördert werden, Alle diese bösartigen Handlungen nintz man verhindern und diejenigen, die sie begehen,-zur Verantwortung ziehen. Katalonien, im vollen Einverständnis mit allen Demokratien, die den Frieden und die Stabilität im Mittelmcet, im Westen Europas und im Nordwesten Afrikas äufrechterhalten wollen, wird Mitarbeiten um die spanische Integrität zu erhalten, -'.'selche di« fest« Basis des Friedens ist." Francos Tfuppsn Valencia.(Agencc Espagne) Die Gefange- nen, die bei der Besetzung von Ouijorno gemacht wurden, sind nach.Madrid gebracht wprtzen, Tor- rclodoneS hat den Zug der Gefangenen angehal- tcn, um den Gefangenen, die vor Hunger am Rand«, ihrer Kräfte..waren, zu essen zu. geben. UnM-dieseN^' Gefangenen befinden /./sich j junge Marokkaner, di« in-französischen Protektoratsgebieten von Marokko rekrutiert wurdön und junge Leüte, aus verschiedenen Gebieten Spaniens, die Lön.^de«. aufständischen Truppen mit Gew rlt rekrutiert, wprdensind, trotz ihrer Jugend uno ihrer Ungeeignetheit.für militärische Diente..' Dori Worte, hier Taten! Es ist alles in Ordnung. Die Partei Henleins hat wiederholt erklärt, sie sei eindeutig sozial und aus der Tagung des Bundes der Deutschen wurde betont, der Bund sei gleichfalls eindeutig sozial. Da so ziemlich jeder sudetendcutsche Unternehmer entlvedcr der Henlein-Partei. oder dem Bund der Deutschen, zumeist beiden dcntsm- nationalen Organisationen angehört, hier wie dort bedingungslos dem Führergebot unterworfen ist und dieses das Sozial-Sein anordnet, bei sonstiger. Gefahr der Ausstoßung aus der Pollsgemeinschaft, müssen jetzt für die sudetendcutschen Arbeiter paradisische Zeiten anbrechen. Die Volksgenossen Unternehmer werden einander den Rang ablaufen wollen im eindeutigen Sozial-Sein I Der Bund der Deutschen hat noch ein licbrigeü getan, um den Volksgenossen Arbeitern zu helfen. Er hat in einer Entschließung, die auf die dem Sudetendeutschtum durch den Geburtenrückgang drohenden Gefahren aufmerksam macht, sich an alle Unternehmer mit dem Appell gewendet,„Arbeitern und Angestellten in einer Zeit steigender LebenSerhaltungsko- sten aus freien Stücken heraus durch Gewährung von angemessenen Lohn- und Gehaltserhöhungen, insbesondere aber durch ausreichende und gestaffelte Kinderzu- lagen die Gründung und Erhaltung kinderreicher Vollfamilien zu ermöglichen..." Wenn nach solcher eindringlicher Mahnnng die deutschen Unternehmer nicht in sich gehen! Wenn sie jetzt nicht-ihr soziales Herz entdecken! Der Bund der Deutschen wird hoffentlich nicht unterlassen, fortlaufend Listen jener, deutschen. Unternehmer, die seinem Appell Folge leisteten, zu veröffentlichen... Die FreienGewerkschaftcn, durch vieljährige Erfahrungen skeptisch geworden, haben weder auf diesen Appell, noch auf seine Wirklingen gewartet, sondern bemühen sich seit Monaten nicht ohne Erfolg, gestützt auf die wachsende organisatorische Kraft der Arbeiter und auf ihre Kampfbereitschaft, allgemeine Lohnerhöhungen durchzusctzcn und in Tarifverträgen festzulegcn. Pfarrer Wchreusenuig, der Bundesführer, dürfte ja Goethes„Faust" kennen, wenn auch Goethe wegen mangelnder Volks- und Rassebewußtheit nicht sehr schätzen, und nicht umhinkönnen, die Berechtigung der Meinung anzuerkennen:«Den» was man schwarz auf weiß besitzt!"— Was vertraglich festgelegt ist, ist jedenfalls sicherer, als was von der eindeutig sozialen Einsicht der Volksgenossen Unternehmer zu erwarten ist. Diese Bollsgcnoffen Unternehmer Ivaren doch auch in den schlimmen Krisenjahren nicht weniger„volksverbunden" als jetzt, aber sie haben die Schwächung der politischen und gewerlschaft- lichen Kampfkraft der Arbeiter weidlich auSgenübr zu umfangreichen Lohnherabsetzungen und sie haben damit nicht wenig beigetragcn zum Geburtenrückgang. Denn daß Menschen, die seit Jahren nur noch Hungerlöhne bekommen, vor jeder.Fa- milienvergrößcrung Augst haben,-— daß also diejenigen, die sie zu einem Elenddasein bei Hun- gerlöhnen zwingen, mitschuldig am Geburtenrückgang sind, ist unbestreitbar. Und seltsam,>vie sehr die Volksgenossen Unternehmer, weit entfernt von aller Freiwilligkeit, sich gegen jede Lohnerhöhung sträuben! Sie. sind doch verpflichtet,-eindeutig sozial zu'sein!- Und doch mußten' höner schon zehntausend« sudetendeutscher Arbeiter streiken, um bescheidene.Lohnerhöhungen durchzusetzen! Die Unternehmer müssen also dazu gezwungen werden, so sozial zu sein, wie die Zugehörigkeit zur Henlein-Partei und zum Bund der Deutschen gebietet! Sie werden dazu gezwungen aber weder durch Henlein, noch durch Wehren» fennig, sondern durch die Freien Gewerlschaftenl Wieden bestätigt jüngste Erfahrung eine alte: einzig und allein die freie Arbei- terbewegu n g handelt im Volks- interesfe! Dev Kampf der Arbeiter, tausendmal geschmäht als vollSentzweienver Klassenkampf, ist Kampffür.daS Volk! In dem Maße, als es den Freien Gewerk« schäften und der sozialdcinolratischen Partei, gelingt, durch günstige Lohntarife und. durch den Ausbau der Sozialpolitik die LebenSmöglichkei- ten der Arbeiter- und. Angestelltenschaft zu verbessern, in dem-selben Maße wird der Wille zum Kind'wachsen./Und cs wird verantwortungsbewußte Elteryschaft sein, die zur Geltung kommt: Kinder sollen, gehören werden;»m.am, Leben zu TeU« 2 Sonntag, 11. Juli 1937 Nr. 161 bleiben und um als schaffende Menschen dereinst sich ausreichendes Brot eriverbcn zu können! Aber mit der Verbesserung der sozialen Ver- hältniffe Ist nur eine der Ursachen des Geburtenrückganges beseitigt. ES gibt noch eine andere sehr ernste I Die erwähnte Entschließung sagt, das Geburtenproblem sei in erster Linie eine Frage der geistig-seelischen Haltung, also des Tharalters eines Menschen. Gerade wenn man dieser Bemerkung zustimmt, muß man es verstehen, daß in einer Zeit wachsender Kriegsgefahr, herausbeschworen durch den italienischen und den deutschen Faschismus, es für sehr viele Menschen zu einer sehr ernsten Gewissensfrage wird, ob sie denn das Recht haben, Kinder in eine so schaurige Feit hin« oinzustcllen, ob es nicht Sünde wider die Kinder ist, sie zu zeugen und zu gebären, damit sie— als Tötende oder Getötete— Opfer des Krieges werden!' Di« ungeheuere Unsicherheit, das Bangen vor einem noch nie dagewefcnen Unheil ist cs, die viele daran hindert, Eltern zu werden. Wer ernstlich will, daß unser Volk'nicht ernstlich gefährdet werde durch den Geburtenrückgang, gerade unser suhetendeutsche» Voll,'der muß mit- helfen,'die Atmosphäre zu reinigen, die Astgstchon den Menschen zu nehmen,' er muß mithelsen an der Sicherung del Friedens. Das aber bedeutet: leidenschaftlich den NanostalisMu» bekämpfen, jeglichen Nationalismus und den Nationalismus in jeder Form.'' Von dieser Erkenntnis find die„Führer" und ihre„Volksgemeinschaften" noch weit, weit, entfernt. Sie find solcher Erkenntnis nicht'fähig. Wären sie es, so wären sie ja nie"«Führer" autoritärer„Volksgemeinschaften" geworden. Wer also im Geburtenrückgang mehr sieht als-«Inen Anlaß zu FcsttagSreden und billigen Appellen, wer in ihr wirklich ein« Gefahr für di« Zukunft sieht, der muß auch Friedenspolitik machen, und da« ist antinationalistische Politik, ist Politik gegen den HenleiniSmuSl Die Sozialistische Jugend-Internationale rar Spanien Auf Einladung der Bereinigten Sozialistischen singend Spaniens, die seit April dieses Fahre» Mitglied der Sozialistischen Jugend-International« ist, weilte in der Zeit vom 28. Juni bis 6. Juli eine Delegation der Sozialistischen Jugend-Internationale in Spanien. Die Delegation bestand au» dem Vorsitzenden der SJJ, H. C. H a n s e n, Kopenhagen; dem Sekretär der SFJ- ErichOllenhauer, Prag; dem Vorsitzenden de» Sozialistischen Jugendvevbande» Schwedens, TorstenNilsson; dem Vorsitzenden de» Sozialistischen Jugendverbandc» in der Tschechoslowakei, KarlKern; dem Sekretär der Arbeiterjugendzentrale Hollands, W i m T Hamas s e n, und dem Vertreter der SJJ in der Internationalen Propagandakommission für die spanische Jugend, E r n st B e ck. Die Delegation hatte den Auftrag, di« Tätigkeit der Vereinigten Sozialistischen Jugend Spaniens im Zusammenhang mit dem spanischen Freiheitskampf zu studieren und gleichzeitig die Möglichkeit einer Verstärkung und Bereinheit- liibung der Hilfsaktionen für Spanien zu untersuchen. In Barcelona fanden Besprechungen mit der Leitung der Vereinigten Sozialistischen Jugend in Katalonien statt und außerdem wurden die wichtigsten Bildungseinrichtungen der Organisation besichtigt. In Valencia begannen die Besprechungen mit einer Sitzung der Leitung der Bereinigten Sozialistischen Jugend Spaniens, in welcher der Generalsekretär der Organisation»'Santiago C a r i l l.o, über die poli- sche und militärische Lag« in Spanien und über die Wünsche seiner Organisation für eine Verstärkung und Vereinheitlichung der Hilfsaktion für Spanien berickitete. Di« Delegation hatte in Valencia ferner Besprechungen mit dem General- KriegSkonnniffar Alvarez de B a Y o, mit dem Sekretär der Sozialistischen Partei Spanien», L a m e o n e d a und mit Dolore» I b a r r u r i lLa Passionaria). In Albacete, dem Standort der Internationalen Brigaden, besuchte die Delegation die Offiziersschule und da» Erholungsheim der Internationalen Brigaden. Dar Beisammensein mit allen Teilnehmern der Offiziersschule vermittelte den Mitgliedern der Delegation einen außer ordentlich starken Eindruck von dem Geist der in Spanien kämpfenden Antifaschisten. Zwei Tage ihre» Aufenthalte» in Spanien verbrachte die Delegation in M a d r i d. Besonder» eindrucksvoll war hier der Besuch in der: vordersten Linien der Front. Eine Brigade, die vorwiegend au» Mitgliedern der Bereinigten Sozialisttschen Jugend Spaniens besteht, veranstaltete zu Ehren der Delegation in einem Solda- tenheim eine Feier, die von dem prächtigen KriegSgeist und dem starken Siegeswillen dieser Truppe«in eindringliches Zeugnis ablegte. In Madrid wurde die Delegation auch von General M i a j a empfangen. Am 4. Juli fand in einem der größten Säle Madrids eine Massenversammlung der Bereinigten Sozialistischen' Jugend Spanien» zur Begrüßung der Delegation statt. Die Reise vermittelte in ihrem Gesamtverlauf ein« Fülle von außerordentlich wertvollen Eindrücken und Aufschlüssen über die gegenwärtige Lage in Spanien. Mit großer Bewunderung erlebten die Delegierten die Entschlossenheit und die Siegeszuversicht der Massen des spanischen Volkes und seiner Jugend und den Ernst der Anstrengungen aller verantwortlichen Stellen der politischen und militärischen Führung de» spanischen Bolles, um den Kampf gegen die Rebellen mit einem Sieg der Freiheit und der Demokratie zu beenden. Die Bereinigt« Sozialistische Jugend Spaniens, die heut« fast ein« halbe Million Mitglieder zähll, steht in diesem Kampf in der vordersten Linie. SAI und III. Internationale für Spanien Pari». Freitag fand in Pari» eine gemeinsame Sitzung der H. Sozialistischen International«, für welche deren Vorsitzender de Brouck-re und Generalsekretär Friedrich Adler erschiene» waren und der Hl. Internationale, die von Senator Sachin und Abgeordneten Thorr» vertreten wurde, statt. Gegenstand der Verhandlung war die Ermöglichung einer gemeinsamen Akfion beider Internationale« zugunsten des republikanischen Spanien. DaS offizielle Kommunique besagt, daüber da» künftig« Vorgehen beider Internationalen im ganzen«in Einvernehmen erzielt wurde. Drohende jüdltch-arabltche Einigung gegen— England London.„Daily Telegraph" berichtet au»' Palästtna, daß die' ÄsMkerung, gleichgültig oö Araber-derJuden, vielfach her Ansicht ist» eS sei vorzuziehen; zu einer arabisch-jüdischen Einigung ist Palästina zu komisten, al» hi« von der Unters suchun'gSkomknission befürwortete Teilung anzst» nehmen. Interessiert sei lediglich der Emir von Transjordanien, der künftig einen klaren Machtzuwach» zu erwarten habe, wogegen e» klar sei, daß der Mufti sich gegen jede Veränderung seiner Autorität zur Wehr setzen werde. Der einzige BevöllerungSteil» der die Kommissionsvorschläge wirklich begrüßt, sind die arabischen E h r i st e n, da der künftige Mandatssektor die hauptsächlichsten christlichen Siedlungen mufaßt. vor ralüatina-Ielluugspia» Die punktierte Fläche zeigt das fttr den Judenstaat in Aussicht genommene Gebiet, das der Korridor Jaffa—Jerusalem unterbricht „Times" schreiben: Palästina diskutiert hin Bericht"der königlichen UntersuchuNgSkommisston .so wie«in. Patient«in« schlecht schmeckende Medizin schluckt, di« aber wie er weiß.ihm helfen soll« Das oberste arabische Komitee bat gest-W'Tele« gramme an die vier atcchischen König«, zahlreiche akaoisch« Körperschaft^ die Präsidenten vrm Libanon, Syrien, die'mohammedanischen Glan« bcnSgemeinden von Indien,' Tunis und Marokko geschickt, in denen gesagt wird, daß der Palästinabericht unvereinbar sei mit den von Großbritannien den Arabem gemachten Versprechungen. Man möge helfen, Palästina bör dem Imperialismus der jüdischen Kolonisierung und der Teilung, zu retten. Die Bereitwilligkeit, der Araber, schreiben die„Times", die Einzelheiten des Berichtes zu«rörtem, eröffnen die Möglichkeit einer. Round Table-Konferenz, Um brauchbar« Mittel zur Anwendung der Palästina-Vorschläge zu finden. Die Haltung der Zionisten werde weniger, von den Palästinajuden, wie von der Entscheidung de» am 3. August in Zürich beginnenden, zionistischen Kongresse» abhängen. Kongreß von Marseille eröffniet Marseille. GamStag vormittags wurde in Marseille der 34. Kongreß der Französischen sozialistischen Partei'unter Teilnahme der beglaubigten Delegierten aller Kreisorganisationen und zahlreicher ausländischer Gäste eröffnet. Die tschechoslowakische sozialdemokratische Arbeiterpartei Wird von dem Präsidenten de» Senate» Dr. Fr. Soukup und von Dr. G. Winter vertreten. Die Kongreß-Verhandlungen werden vier Tage dauern. Die Vormittagssitzung war vorwiegend BerwaltungSangelegenheiten gewidmet. Die eigentliche politische Debatte wird erst Sonntag begonnen, werden. Die ersten Eindrücke der anwesenden Delegierten bestätigen di« Meinung,' daß der sozialistisch« Kongreß nach einer lebhaften Debatte die Resolufion annehmen wird, welche sich für da». Verbleiben der sozialistischen Partei in der Regierung ausspricht, solange diese Regierung da» Programm der Bollsftont genau einhält. « Der Parteikongreß genehmigte mit 8987 Stimmen gegen 891 Stimmen den Bericht über die administrative Parteiführung, der von Generalsekretär der Partei Paul Faure erstattet worden war. hleue Kämpfe in Nordchina Die Japaner brechen den Veriraa Nanking. Der chinesische Außenminister legte am Samstag nachmittag» bei dem japanische» Botschafter Protest gegen da» Verhalten der japanischen Truppen bei Peiping ein. Zugleich wurde eine Denkschrift überreicht, in der darauf hinge- wiesen wird, daß ein« endgültige Verschlechterung der beiderseitigen Beziehungen nicht zugelassen werden dürfe. Ferner wird verlangt, daß sofort sämtlich« in Nordchina garnisonierenden japanischen Truppen jedwede Operation einstellen müssen. Eine ftiedliche Bereinigung de» Zwischenfalles wird angeregt. Inzwischen entsendet da» Außenministerium,«inen Delegierten zur.Unterstützung der Verhandlungen nach Nordchina. Peiping.(Reuter) Bor der Stadt Wanping zeigten sich neuerlich japanische Truppenabteilun gen, welche die Stadt einschloffen. Di« chinesischen Behörden haben die Tore der Stadt' geschloffen, die Wachen verstärkt und den Eisenbahnverkehr eingestellt. Amtliche Nachrichten besagen, daß entlang der Großen Mauer Truppenabteilungen konzentriert werden. Zehn Militär-Eisenbahnzüge sind von Mulden nach Tientsin abgefertigt worden und zwei von ihnen haben bereit» die Grenze passiert. Peiping.(Reuter.) Die chinesischen Behörden teilen mit, daß in Wanping neuerlich die Kämpfe aufgenommen wurden. ES verlautet, daß die japanischen Truppen«inen heftigen Angriff gegen hie bereit» vorher von chinesischen Truppen besetzte Stadt unternehmen. Negerkönigs Tochter Roman von Otto Stössl COPYRIGHT BY SATURN• VERLAG. WIEN »Ja, dul Ihr seid ein gemeine» Gesindel, alle miteinander, ich will von euch nichts mehr wissen. Einen anständigen, freuMichen Menschen, der keinem wa» Böses getan hat, uzen und hineinlegen, das ist weiter ein Hcldenstückl Von Rechts wegen sollt' er euch fünfundzwanzig aufmessen auf den Reiterhintern. Aber er ist viel zu gut und bedankt sich noch für die Blamage, die ihr ihm eingebrockt hat. Schämt euch über euren Stallwitz in die Erde hinein." Die andern lachten, daß es völlig wie das vergnügteste Wiehern ihrer Gäule klang. »ES war ein Hauptspaß. Soll un» einer den Witz nachtun. Da» Wettrennen macht den Hesky berühmter, al» das ganze Afrika I" „Euer Witz ist ein Roßmist, nicht» weiter, der wird weggekehrt, nur euer Stall sänkt davon." „Geh, Anna, gib mir ein Bussel und sei g'scheit, wa» hast du denn von dem böhmischen Afrikaner." Damit begann ein Handgemenge, man hörte eine kräftige Maulschelle, einen Wutausbruch des Beleidigten und die abwehrenden Rufe de» Frauenzimmer», dazwischen da» vergnügte Gelächter der übrigen, die zu weiterem Streit aufhetzten. Da öffnet« Hesky die Tür und führte das Pferd hinein. Bei seinem Eintritte wichen die Burschen zurück und einer, der mit dem Mädchen rang, ließ sofort M) von ihr, di« hochatmend und über und über rot im Gesichte dastand, eine handfeste, schlank«, wohlgestellte Person mit einfacher, sauberer Arbeitskleidung, einer blauen Schürze und bloßen Annen. Hesky hatte da» Mädchen bereit» wiederholt gesehen, sie war die Tochter des Hausverwalters, die in den verschiedenen Gebäuden scheuerte und' Ordnung hielt, zuweilen im Freien die Wäsche wusch und zwischen den Bäumen zum Trocknen aurhing, ein muntere» Ding, da» für jeden einen Scherz hatte und nicht maulfromm di« derben Annäherungen der verschiedenen Leute erwiderte, die in der verlassenen Gartenwelt umherstrichen. Freilich schien sie bei diesen Gefechten sich zu behagen und namentlich mit den jungen Stallburschen und Reitern nicht ungern anzubinden, aber sie war ihm eben deshalb recht vergnüglich erschienen, wenngleich er bisher mit ihr keine nähere Bekanntschaft angefangen hatte. Nun grüßte er kurz und freundlich und ließ sich über die schmerzlichen Begebenheiten de» Nachmittag» lein Zeichen de» Mißvergnügen» anmerken. Die Stallburschen nahmen ihm daher schweigend das Pferd ab und führten e» zur Krippe, während er mit höflichem Dank umkehrte. Als er wieder draußen war und langsam seinem Hause zuschritt, vernahm er hinter sich einen leichten Gang, wandte sich um,' und da' stand auch schon ganz erhitzt und verlegen da» Mädchen und erwiderte seinen freundlichen:»Guten Abendl" . Dann sagte sie:„Herr Doktor, Sie--müssen mir nicht böse sein, mich geht's ja nichj» an, aber Sie sollten sich doch mit dem Gesindel da nicht einlassen," dabei wies sie, die Schultern verächtlich zurückwerftüd, nach den Ställen. Hesky senkt« beschämt seinen Kopf und ging weiter, indes sie neben ihm blieb.- „Die haben ein recht, dummes Stück mit Ihnen gufgeführtl Sie sind doch zu güt für diese Leut« und glaubest, jeder"ist so wie'Sie. Dann passiert Ihnen«in Unsinn wie heut« nachmittags." „Liebe» Fräulein! Der Narr war; ja. ich, warum soll ich denn einem anderen hi« Schuld geben? Mich hat der Teufel, und, ich Habe das Wettrennen geritten. Wer im Leben"stoch keine Dummheit gemacht hüt; ist besser daran al» ich. Ich mache nicht» all Dummheiten.* »Reden Sie doch nicht so, Sie sind ja zehntausendmal gescheiter als dar ganze Pack, das sich ästSie heranmacht und' von Ihnen maust und Sie bei lebendigem Leib auffreffen wird; wenn das so weitergeht. Sie merken nicht» ustd denken! alles ist in Ordnung: Wenn einer sich in der Welt nicht MiSkennt, führen ihn eben alle an der Nase herum." .Damit waren sie vor dem Pavillon angelangt,, und das Mädchen streckte ihm die Hand 'entgegen:»Nicht» für ungut, ich hab'S nicht bös gemeint. Sie werden e» schon recht verstehen und sich daran halten.". Hefty ließ sie aber nicht fort und lud sie dankbar zum Abendessen ein,, sie, müsse jetzt mit ihm kommest, denn'gerade heute hätte ihn seine gewohnte Gesellschaft im Stich gelassen, und er brauche nach den Abenteuern de» Tage» ein. bißchen Aufheiterung und..Gesellschaft und so guten Rät. Da lachte sie und folgte ihm ohne Ziererei in den Saal.- Jede Ausstellung;''findet' ihr natürliches Ende, wenw das Publikum sich qn ihr sattgesehen und'«geschmäht hat; Auch die ustsere» Afrikarei« senden hatte ihre Tage hinter sich,«in nette» Sümmchen Angebracht, von welchem der Doktor Hefty recht angenehm«in. Jahr hier leben, s«in' Werk schreiben und'seine nächste Reise angemessen vorbereiten konnte. Jetzt war freilich die Niederschrift de» Buche», welches«! der Wissenschaft, dem Monarchen und dtr Oeffentlichkeit sozusagen schuldete, da» Allerwichtigste. Sollte e» doch auch endlich da» Honorar einbringen, uw der ungeduldigen fernen gewesenen Braut ihresUnbill zu ver« güten und ihren Verzicht zu bezahlen,'-> Dieter war nicht müßig geblieben. Er hatte einest wohlhabenden Buchhändler-für da» geplante Reisewett zu interessieren gewußt, ja sogar «inen ansehnlichen Vorschuß erwittt, der al» Zeichen vost Hefty»^Vertragstreue und gutem Willen nach Prag geschickt wurde, damit sich dte verlässene Jungfrau-bis aus weitere» mit der Abschlagszahlung zufrieden gebe. Nun wurde die Lusftellung geschloffen, die Tiere wieder verpackt, da» Negerhüttlein auf den Mist geworfen, die Gerätschaften«ingeräumt, die Sammlungen in Kisten getan, und. al» große Haufen verstaut. Hefty blieb Mit Tefal, seinem, Zimmermann, ist dem wüsten'Ramne wetterhist- wohnen, während er Bella auf Dieter»'Zureden diesem in Kost und Ostartier gab. Denn Dieter sagte:»Da» Mädel wird groß und soll hier wa» lernen, damit sie auch wa» vost Europa hat. Zu euch ledigen Männern paßt sie doch nicht, recht. Da» gibt nur dumme» Gerede unter den Leuten. Bet mir zu Hause wird sie schon ordentlich gehalten werden." Die» sah der Doktor auch eist und gab Bella seinem Gönner mit, zumal er sich vost' ihrem Wohlergehen ohnehin jeden Tag überzeugest konnte, da«r sein Wett mit Dieter recht' eigentlich gemeinsam' verfaßte.'Der' deutschen Spräche nicht sehr sicher. HM er sich giern« äst Dieter» Gefühl, Grammatik'ustd Rechtschreibung. Nachdem er morgen» ein« Stunde spazieren geritten war,' setzte"« sich äst seintzn' Tisch im'verödettst Saal,' nahm seiste Tagebücher w Notizen vor, strengte 1 fein Gedächtnis und all seist« Kenntnisse an und> schrieb unter Astgst, Schweiß und' Müh-' sal ein Kichitel Um da» andere. Zuweilen geriet er in arg« Nüchternheit und berwünschte den ruchlosen Plan, zuweilen-«ttatzt«'ihn wieder dashohe Gefühl d«»sern«N, wunderbaren' Lande», dessen Lust und Erde, WuchS ünd Lebest er im schönsten Bilde vor sich sah, ohne«» doch mit Worten fassen Ustd-wiedergebeNzu könnest.'‘ Jede» Tier, da» belauscht; schien daraüf zu'Wern, ob ihm sein- Rechte werde, und all' di« feierlichen, komischen, entsetzlichen Augenblicke, die et" einst in Abenteuern mit den Eingeborenen durchgemacht, befielen ihn in der Erinnerung wie Mahnungen ernster Zeugest, M'Wahrhett zu sägen und lasteten wie«in Alpdruck auf seinem bösen Gewissen, denstwie vtele» mußte er bloßd«rhälb'v«rschwii- gen, well er e» nicht auizusagen vermochte. W (Fortsetzung folgt), Nr. 161• Sonntag, 11. Juli 1037 Sette 3 friede—Wohlergehen Freiheit Der Pavillon der fransöslschen Gewerkschaften (Pariser Sonderberscht.) Zum erstenmal in der Geschichte der Weltausstellungen haben sich die Arbeiter, die das Wunderwerk der Pariser Internationalen Ausstellung schufen, ihr eigene- Hau» im Rahmen der ^USsttlluna evbäut. Sie sind nicht die Namenlosen /geblieben, di« Unbekannten.''Einer der schönsten'und gewaltigsten Pavillons gehört ihnen! Der' Pavillon der Gewerkschaften. Die Hauptfront.derSein« zugewendet, ist ein, riesiges Gemälde, eine SymMonie der Ar- beit, aufllingend zu-dem schönen Symbol: »Friede.— Wohlergehen— Freiheit*.. Dieses «inzigartigeGemälde kommt zu seiner, bollen Wirkung, wenn es nächt» die Scheinwerfer aus demDuickelheben, die Wappen und Fahnen der einzelnen Berufsgruppen aufleuchten und die FiWutter,- hie, die Getverkschasten der Fischer und Schiffer symbolisieren, rot bewimpelt auf der strahlenden Seine schaukeln. DaS Innere des Hauses der Arbeit wird von einem lichten,.lustigen Ehrensaal beherrscht. Fresken ziehen sich an den Wänden entlang und erzählen die Geschichte der Arbeit.von den Sklaven, di« die Pyramiden der Pharaonen erbauten Wer das Mittelalter zur Modern«. Sie erzählen aber auch von dem.Werke der Getverkschasten für die Jugend, für-den tätigen Menschen und für das Alter. An den Wänden entlang wird, von Niesenbüsten der Boclämpfer der französischen Arbeiterbewegung,.wie Lean Lauris und Albert Thomas unterbrochen, di« Entwicklung der französischen Arbeiterbewegung in packenden Gemälden geschildert:.von Barrikadenkämpfen vergangener Jahrhunderte wird gesprochen, von den grotzen, BorkriegSstreikS, die niedergeknüppelt wuÄen, und von dem gewaltigen Steg«, den die französische Arbeiterklasse im Borjahr erringen konnte« Im Lahre 1780 verkündete Frankreich die.Menschenrechte, im Lahre 1086 da» moderne Arbeitsrecht: Eine Figur an der Stirnseite der Ehrenhalle kilydet dies« beiden Großtaten einer großtzn Nation. Dieser Ehrensaal- den eine groß« Bühne abschließt, ist als Versammlungssaal gedacht. Hier werden während der Dauer-der Ausstellung noch viele Feste der Arbeiter gefeiert werden. Im ersten Stockwerk liegt neben den einzelnen Geworkschaftsbüros ein Empfangisaal für die Delegationen, mit einer Büste des Begründers der modernen französischen Gewerkschaften Lkon Louhaux geschmückt. Eine Inschrift kündet:„Die Naturkräfte im Dienste des menschlichen Genies müssen das Wohlergehen und den Frieden aller .sichem."(Les forces naturelles au Service du g6nie de l'homme dolvent assurer le bien- etre et la paix de tous 1*.) 1 Stark betont wird die Zeit nach der Arbest: Sport, Freiluftleben, Bücher, Theater und Bolks- hochschulcn finden ihren Platz in diesem Pavillon. Daneben zeigt jede Berufsgruppe ihr« kleine Sonderschau in bunten Panoramen. Ein« herrliche Terrasse über der Seine bildet den heiteren Abschluß. Bildhauer- Architekten und Maler haben in diesem Pantheon der Arbeit ihrer Zusammengehörigkeit mit dem Arbeiter lebendigen Ausdruck Verliehen. Ein Prunkstück der Pariser Ausstellung ist entstanden,/ein wahrhaftes Heim' für jeden schaffenden Menschen. GeorgeSWro, fudetendeutscftcr Zeitspieüet Provokationen von Henlein-Turnern In Aussig Freitag abends gegen 7 Uhr lieh der Führer einer Gruppe von Ordnern der Deutschen Turnersthaft, die jetzt in Aussig einen sogenannten„Tag für Erzilchimg" abhält, vor dem Aussiger BolkShauS Haltmachen. Er hieß feine Mannschaft, ungefähr 30 Ordner, einige Minuten lang da» BolkShauS betrachten und gab erst dann den Befehl zum Weitermarsch. Dieser Borgang stellt nicht nur eine dreiste Provokation der Arbeiterschaft dar. Er ist«ms» empörender, wenn man die gerade auS Anlaß des „TageS der Erziehung" besonders rege Flüsterpropaganda kennt und weiss» welch« Rolle die Propaganda für dir Methoden de» Dritten Reiche» dabei spielt. Genau so wie eS hier die Ordner der Turnerschaft vordemonstrieren, begannen in Deutschland die Provokationen der Arbeiter, vor deren BolkShäuser und Lokale man die SA aufmarschieren liess» um.de» Besitz der Arbeiter „zu betrachten". ES ist verständlich, wenn die über diese Provokationen empörten Aussiger daS Wort prägten, dass der„Tag der Erziehung" ein Tag der Erziehung sür daS Dritte Reich ist. Volksverräter oder VolksanwMIte? Daß die deutschen Sozialdemokraten Volks- verräter sind, diese niedrige Berleumdung ist so alt wie die deutsche sozialistische Arbeiterbewegung. Kaum hatten sich, vor Jahrzehnten, die sudetendeutschen Arbeiter zu organisieren begonnen,«schoben schon di« deutschnationalen Besitzenden wider sie den Borwurf d«S Volksverrates. Die nationalistischen Parteien wechselten, da» „Argument" gegen die Sozialisten blieb das gleiche, Partei gab es an Partei weiter, die All- deutschen an die Nationalsozialisten und diese an die Henlein-Partei. Für den gläubigen Henletni- sten steht der BolkSverrat der deutschen Sozialdemokraten ebenso fest wie die Unfehlbarkeit seine» „Führers" und des„Führers" jenseits der Grenzen. Nun ist im Wiener Verlag Wilhelm Braumüller, der ehemals ein wissenschaftlicher Verlag von gutem Rufe war, eine Broschüre erschienen, verfaßt von einem Herrn Han» Richter, die den Titel trägt:„Die Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei nicht unterdrückt?" und den Unter- tiiel:„Tschechoslowaken antworten der tschechoslowakischen Regierung." Die Broschüre soll beweisen, wie berechtigt die Beschwerden der Sudetendeutschen sind, sie soll es beweisen durch An- führung kritischer Aufsätze und Reden von Blättern der Regierungsparteien und aktivistischer Politiker. WaS sagen diese Stimmen? Daß die Not in den sudetendeutschen Gebieten besonders groß war, daß die Maßnahmen zur Linderung der Not ungenügend waren und daß die Sudetendeutschen mancherlei Ursachen zu Klagen hatten. Di« Broschüre kommt ein wenig spät,«S ist heute, da die Zahl der Arbeitslosen auf 800.000 gesunken ist, manche» schon wesentlich anders al» zu der Zeit, da diese Aufsätze geschrieben und dies« Reden gehalten wurden. Da» nur nebenbei. WaS für uns wichtig ist, für jeden objektiven Politiker wichtig sein müßte: die vielen ausführlichen Zitate aus dem„Sozialdemokrat" und dem«Nordbähmischen Bolksboten" und aus den Reden de» Abgeordneten Jaksch beweisen eines unwiderleglich: daß« S die d e'u tsch e n S o z i a l d e m o k ra« ten waren, die unermüdlich aus di« sudetendeutsche Not aufmerksam gemacht haben,daß also sie in Wahrheit treue Volks« nwält« war e n u n d? s i n d 1-:'.:, Sie haben ja auch wahrlich mehr getan als geschrieben Und geredet— sie haben auch im Parlamente und in der Regierung daran mitgearbeitet, die Krise zu bekäinpsen, die Not zu lindern/ Und geräde das wichtigste Ergebnis dieser Arbeit, die Vereinbarungen vom 18. Feber, wurden von jenepi die'die sudetendeütsche Not brauchen al» AgitätiönSmittel, di« also durch nicht»' in ihrer Politikso gestprt werden, wie durch die Milde- rung.dieser Not, al»'„nationaler Verrät" auS- geschrieenl Jene BolkSgemtinschastler, die im Ausland« mit der südetendeutschen Not gegen die Tschechoslowakische Republik agitierten, haben,.al» da» RegierupgSkomnlüniqüä vom 18. Feber veröffentlicht war, zornbebend die. sudetendeutschen Arbeitslosen aufgefordert, lieber Wetter zu hungern, als-.nationalen Verrat"' zu begehen etwa durch Annahme einer Stelle, die sie im Zuge der Durchführung" der Regierungsbeschlüsse bekommen könnten!. - Denn e»M,,ssMonaler Verrat", al» Arbeiter oderjflngestellter in d.en Staatsdienst zu.tr«t«T und dadurch die väMschen Agitationsmöglichkeiten zu schmälern. Und e» ist marxistischer BolkSverrat, an der Ueberwindung der Krise mitzuarbei- tcn. E» ist aber väMsch, den Hunger der Volksgenossen al» Agitationsmittel zu benützen, von diesem- HÜngerdaS Pärteileben zu fristen.?,• Manchmal allerdings wird, ohne daß man eS Wollte, durch„Fehlgriffe", dex Agitation, durch mißglückte Uebersteigerung, das Gegenteil dessen' bewiesen, wa» man täglich behauptet, wird zum Beispiel durch die genannte Broschüre bewiesen, daß die eifrigsten, die unermüdlichsten Volksanwälte die so ost de» BollSverrateS beschuldigten deutschen Sozialdemokraten sind. Was wird sein? Wie fast in aller Welt, so nicht zuletzt gerade im sudetendeutschen Gebiet ist in diesen Tagen deS bangen Fragen» kein Ende, was denn nun eigentlich werden werde. Beängstigt folgen die Menschen— wir sprechen hier natürlich von den vernünftigen Leuten, die nicht Hitler- und henlein-berauscht sind— den Verhandlungen in London und Mer alle politischen Erwägungen hinaus suchen diejenigen, die genug Phantast« besitzen, um sich die Möglichkeiten einer Katastrophe auszumalen, sich jedes Tages zu freuen, der noch so normal verlauft, als es die Abnormalität unserer Zeitläufte zuläßt. Alle, die nicht stur in den Tag hineinleben, fühlen sich al» Zeugen eine» furchtbaren Hasardspiel», von den Faschisten gewagt und in seinen Einsätzen alles überbietend, wa» die Weltgeschichte bisher an Aufregendem mit unausdenkbaren Folgen sah. WaS wird sein?, so fragen die Menschen auch bei un» sich selber und einander. Und begierig, leidenschaftlich interessiert greifen sie an jedem Morgen zu ihrer Zeitung,- um deutlicher den fiebrigen Pulsschlag der Zeit zu fühlen. Die Klugen werden in ihrem Blatt nicht nach Prophezeiungen suchen; werden wissen, daß die Entscheidungen von tausenden Umständen abhängen, die von oder in einem kleinen Land nur ganz geringfügig beeinflußt werden können;- werden auch immerzu der anderen Tatsache eingedenk bleiben, daß die Zukunft sich um so schwerer abschätzen läßt, je stärker sie mit abhängt von Mächten und Herren, deren Sinn zwn großen Teile wahnverhangen ist. Dennoch wäre eS grundfalsch zu gläuben, daß uns nichts anderes übrigbliebe, als ergeben zu warten, ob es regnen oder ob die Sonne scheinen werde; jeder von uns hat es in seiner Hand, so klein auch sein Wirkungskreis sein möge, Vernunft zu predigen; je umfassender, je weitreichender die Vernunft, desto größer trotz alledem, dem Wahn erfolgreich entgegenzutteten, seinen Ausbruch zu verhindern oder doch, wenn er sich nicht sollte verhüten lassen, so kurz und unschädlich wie möglich zu machen. Da» Allerdümmste und Wergesährlichste ist e» vielleicht, den flrieg als ein«.pöMg. unveriyeidliche Tatsache„gedanklich und seeusch borwcgzunehmen und auf diese Weise eine KriegSangft zur Kriegspsychose steigern zu helfen, di« selber als eine kriegtrei« bende Erscheinung angesehen werden muß. Und ganz arg, für sich selber und für di« Allgemeinheit, sind jene dran, di« sich jeden Augenblick dieser Wochen und Monate durch da» ständige Gefühl vergiften, daß man da» Unheil ja doch auf keine Weise aufhalten könne. Man kann eSl Und wenn wir auch nur ein kleiner und schwacher Teil sind— mithelfen können wir schon! Immer wieder heißt eS, an Goethe denken: Nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen... 1 Mandatsklage der SdP gegen Abg. Liebl? Der von der SdP suspendierte Abg. Liebl« Görkau wurde in letzter Zeit wiederholt in ultt« mativer Form zur MandatSniederlegung ausgefordert, er. hat dieser Forderung allerdings nicht Folge geleistet. In der kürzlich stattgefundenen Beratung der SdP-Patlamentarier unter Vorsitz Konrad Henleins wurde auch über den Fall Liebl beraten und eine Kommission eingesetzt, welche die Frage Merprüfen wird, ob eine Mandatsklage gegen Liebl vor dem Wahlgericht Aussicht auf Erfolg Hüfte, bzw. ob das Treugelöb« nt» an Konrad Henlein vom Wahlgericht al» ein Rebers gewertet werden müsse.(DND.j| Die Mörderin von Königswald festgenommen Die Mörderin des Keinen Watzke auS Kö- nigSwald, die nach ihrer bestialischen Tat nach Sachsen geflüchtet war, ist anr Mittwoch, den 7. b. M., di HinterhermerSdorf ft, Sechsen, hart an der Grenze, in der Nähe von Nixdorf, verhaftet worden. Sie war in den Ort gekommen und nach den in dm Zeitungen veröffentlichten Beschreibungen von Ortsbewohnern erkannt worden. Sie dürfte binnen kurzem den tschechoslowakischen Gerichten überstellt werden. Amtsenthebung eines Gemeindevorstehers Von der BezlrkSbehörde in Leitmeritz wurde auf Grund verschiedener Beschwerden der der SdP angehört« und erst kürzlich neugewählte Vorsteher der Gemeinde Tfchersing bei Leitmeritz seine» Amte» enthoben.(DND.) Endlich unbehindertes Beerenpf lüdcenl Laut einer neuen Mitteilung hat das Land- tvirtschastsministerium nunmehr den Zutritt in die, st a a t l i ch e n Wälder jedermann ohne Gebühren oder Abgaben gestattet. Personen, die durch den Wald gehen, dürfen Waldfrüchte für den eigenen Bedarf pflücken. Wo ^ine Kontrolle notwendig ist, stellt die Forstverwaltung um 60 Heller eine Legitimation au». Urlauber und Sommerftischler, die sich in der Nähe von staatlichen Forsten aufhalten und häufig in den Wald gehen, müssen«ine solche Legitimation verlangen. Für die ortsansässige Bevölkerung werden besondere Eintrittskarten, die zum gewerbsmäßigen Sammeln von Früchten berechtigen, ausgegeben. Da» GeburtShau» Gustav Mahler» niedergebrannt. Ueber den Bezirk Humpoletz ging ein Gewitter nieder. Durch Blitzschlag geriet die Gast- wittschast Kratochwil in Kalis ch t bei Humpo- letz in Brand. DaS HauS, in welchem sich die Die„Achse" und ihr Schwerpunkt Gastwirtschaft befand, brannte völlig nieder. E» ist da» Geburtshaus des großen Musikers und Dirigenten Gustav MahlerS. An die Olympia-Teilnehmer! Alle Teilnehmer, die keinen eigenen Paß besitzen, erhalten Devisen nur durch unS zugeteilt. Wir ersuchen um sofortige Einsendung der Beträge in KC und um Mitteilung, welche Devisensorten wir beschaffen sollen. Die Bestellung ist dringend. Die Unionsleitung 1 Der„Venkov“ und die Forderungen Deutschlands Der„Venkov" läßt sich von seinem Berliner Mitarbeiter über die nach reichsdeutscher Auffassung notwendigen Voraussetzungen einer Verständigung zwischen Prag und Berlin berichten, daß zwar die Lockerung des französisch-tschecho« slawalifchen Bündnisses und die Auflösung deS Pakte» mit Frankreich uund Rußland nicht die vielfach angenommene überragende Rolle spielten, daß aber der Ausgleich mit der deutschen Minderheit, und zwar im Zeichen der SdP gefordert werde. Ferner werde Kritik an der Mitteleuropapolitik deS Ministerpräsidenten Dr. Hodja und an der Ignorierung der Hitlerschen Nichtangriffspaktangebote vom Jahre 1986 geübt. AuS dem Kommentar, welchen der„Venkov" diesem Bericht anschließt, ist deutlich die Verlegenheit Mer solch ein Ergebnis seiner monatelangcn Politik der Anbiederung an die faschistischen Staaten fühlbar. Die henlcinfreundliche Politik, welche die agrarische Rechte mit dem Hintergedanken getrieben hat, daß Hitler im entscheidenden Augenblick Henlein ebenso fallen lassen werde wie er seine Anhänger in anderen Staaten fallen ließ, hat sich als Fehlspekulation erwiesen. Der Kreis um den„Venkov" hat es im Gegenteil bewirkt, daß Deutschland die Gelegenheit zu einer Stesgerung seiner Ansprüche gegeben sieht. Nun ist auch der.Penkov" zu einer Polemik gegen die Berliner Forderungen gezwungen und cs ist bezeichnend, daß er— der die Diskussion mit der SdP so warm befürwortet hat— jetzt die deutschen Forderungen als paradox ablehnt. nichtssagendes Kommunique über die österreichisch-deutschen Verhandlungen Wim. Ueber die Samstag abgeschlossenen deutsch-österreichischen Verhandlungen wurde folgendes Kommunique veröffentlicht: Der bei Abschluß des Abkommen» zwischen Oesterreich und Deutschland vom 11. Juli 1936 vorgesehene Ausschuß von Vertretern der beiderseitigen Außenämter hat seine am 6. ds. in Wien begonnene Arbeit beendet. Die Beratungen wurden in freimütiger-Aussprache und-in dem gemeinsame» Bestreben geführt- die auf Grundlage, des Abkommens ungebahnte Entwicklung des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen den beiden Staaten, entsprechend dem Willen der beiden Regierungen, weiterhin zu fördern. Al» Tagungsort für den nächsten Zusammentritt der Ausschusses, der vereinbarungsgemäß von Zeit zu Zett einberufen werden soll, ist Berlin vorgesehen. Das Attentat auf Salazar Lissabon.(Havas.) Der Polizeichef erllärle, daß die Polizei bereits Beweise für die Täterschaft de» Attentate» gegen den Ministerpräsidenten Salazar habe. Es handle sich um die bekannten gefährlichen Verbrecher Antonio Eourado, eiyen ehemaligen Angestellten der Lissaboner elektrischen Bahnen, der im Lahre 1936 einen Polizisten ermordet hat, weiters um Josö Santo» Rocha, ehemaliger Korporal, und um Francisco Horta Catarino, einen ehemaligen Zugsführer. Moskau. Am 10. Juli empfing der Vorsitzende der Zentralexekutivkomitös der Sowjetunion, Kalinin, den schwedischen Außenminister Sandler. Brüssel. kHava».)„Nation Belge" erklärt, daß Ministerpräsident Van Zeeland nicht beabsichtigt, nach Berlin zu reisen, um dort seine informative Mission Mer die Weltwirtschaft fortzusetzen, Sette 4 Sonntag, 11. Juli 1937 Nr. 161 Auf der Alm da sibts keine Siind’ Adolf Hitlers Zufluchtsort— Einst Berghütte, letzt Festung ; In de» Bayrischen Alpen, unweit der üster- reichischcn. Grenze, liegt am idyllischen KünigSsee in 1000.Meter Höhe das reizende Städtchen Berchtesgaden. Noch höher als die Stadt selbst liegt auf grünem Bergabhang ein echtbayerisches Bauernhause B c r g h o f genannt, daö einst malerisch und stimmungsvoll sich dem älplerischen Gelände einfiigtc. Heute ist der Bcrghof ein schloßähnliches HauS geworden, in dem nicht nur ein paar Gäste, sondern wenn es nötig ist vierzig und mehr Besucher in grohen Schlafzimmern, die lvie in einem Luxushotel ausgestattet sind, untergebracht werden können. Hier lebt der„Führer" des Dritten Reiches. Hier entwickelt er seine Pläne, die Europa in ständiger Unruhe halten. Hier besuchen ihn ständig seine Minister, seine Parteigrützen, seine militärischen Ratgeber, seine Gesandten. Meist lammen sie im Flugzeug und begeben sich nach erhaltenem Auftrag ebenso wieder zurück nach Berlin oder einem anderen Bestimmungsort. Der neue gcotze Flughafen'liegt dicht neben dem Berghof, gleich an der Autostraße. Auf ihm wurde daS neue Gebäude für die Reichskanzlei vor kurzem fertiggcstcllt, ebenso wie geräumige, bewnicrte Baracken für die SS-Wachmannschaft. Da der Führer ständig vor der Liebe seines Bolles geschützt werden muß, so ist die weite Umgebung des Berghofes in eine unüberwindliche Festung umgewandelt worden. Früher lag das Haus direkt am Weg. Jetzt ist der Weg um mehr als 200 Meter verlegt und so vertieft worden, daß man von ihm aus immer nur eine schmale Ecke des Hauses sehen kann. In der Umgebung des BcrghoseS wurden vom Staat 4g Privathäu- ser und Bauernhöfe enteignet bzw. aufgekauft, damit jede beunruhigende Nachbarschaft vermieden wird. Das so gewonnene Gelände umfaßt beinahe zehn Quadratkilometer und ist ringsherum mit Stacheldraht umgeben, der notfalls elektrisch geladen werden kann. Innerhalb dieses Raumes haben einige andere Nazigrößen sich Häuser gebaut, darunter Göring, Heß und der Inhaber des Eher-Berlages, der ehemalige Feldwebel Hitlers Amann. Privatautos ist die Annäherung an den Sta- chcldrahtgürtel nur bis aus eine Entfernung von einem Kilometer gestattet. Sie müssen, um den Sichcrungsbereich zu passieren, einen Umweg von 15 Kilometern machen, wobei ihnen an der einzigen Stelle, von der aus man Hitlers Haus sehen kann, daS Anhalten streng verboten ist. Aber auch die Autos, die in den SicherunzSkordon hineingelassen werden, deren Insassen also schon vorher genau geprüft und genehmigt sind, werden einer strengen Uebcrwachung unterworfen. Da und dort versteckt in der Waldlandschaft stehen kleine Türme, die ganz romantisch wie bayrische Häuschen ausschen, in Wirklichkeit aber Beobachtungsposten und BerteidigungSblockhäuser für die Leibwache sind und mit Maschinengewehren besetzt sind. Rechts vom Weg liegt das Torhaus, ebenfalls wie ein Alpenhaus gebaut, von dessen Dachturm aus die Beobachter alle Kurven der Autostraße übersehen und mit ihren Maschinengewehren beherrschen lönnen. Auf allen Bergen rings um den Berghof, teilweise in einer Entfernung von vielen Kilo- Vom Rundfunk Biiplehlentwertes aut den Programmen» Montag. Prag, Sender I: 7.00: Morgenmusik, 10.05: Deutsche Preise, 11.05: New Norker Philharmonie auf Schallplatten, 18.10: Opcrnaricn, 14.05: Deutsche Senduiig: Schmid: Die Bcdeutnna der Meister- krankcnkassen für Handel und Gewerbe, 14.40: Blechmusik, 17.40: Orgelkonzert, 18.05: Deutsche Sen- dung: Aus der Sommerfrische, 18.15: Im Sommer ein fröhliche? Lied: Lieder von Wolf. Reger, 18.80: Fachlehrer Rotter: Da? Eulautal als ÄusgangS- vnnkt und Fiel fürs Wander» in der Böhmischen Schweiz, 18.45: Deutsche Presse, 80.05: Konzert aus dem Baumgarten, 81.85: Trompeter-Septett, 22.80: Tanzmusik.— Prag, Sender H: 15.00 Ovcrnvoc- lpicle: Mozart, Weber etc., 15.30: Deutsche Sendung: Eine Minute im Leben des Menschen. Hörspiel von Neubauer. 15.50: Deutsche Presse.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Kreisler: Spanien in der deutschen Literatur, 18.15: Mozart: Quartett G-dur.— Kascha»; 18.05: Operngesänge, 18.10: Ründsunkorcheiterkonzcrt: Löhar, Nedbal etc., 18.80: Opcrettcnmusik.— Möhr..Ostrau: 18.10: Deutsche Arbeiters«»»»»»: Heinz Clever: Die Eugenik in der Literatur. Dienstag. ' Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.80: Dvokak: Slowalische' Rhapsodie, 11.05: Populäres Konzert ans Schallpl., 12.10: Opernszenen, 12.85: Salon- ürchesterkonzert: Smetana, Fuöik etc.. 14.00: Deutsche Senduna: Dr. Eisner: Ans dem tschsl. Kulturleben, 14.40: Schallplattenkonzert. 18.05: Deutsche Sendung: Dr. Hust: Wirtschaft!. Relief, 18.15: Heimische Komponisten: Bannner, Jeletz, Schnaubest, 18.45: Deutsche Presse. 18.55: Aus dem deutsche» Kulturleben. 20.45: Konzert der tschechischen. Philharmonie: Mozart: Konzert ES-dur. Ridky, 22.20: Italienische Musik ans Schallplatten.— Prag, Sender II: 15.00: Schallplatte», 15,15: Deutsche Sendung: Hahn: Jungens im Kino, 15.80: Schallplatte», 15.85: Dr.WosYka: Die Aufgabe der tschechischen Presse.— Brünn: 18.10: Runds» nkorchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Sozialinformationen, Ar- bciterscndung: Dr. Elh: Arbeiterkinder- in den Ferien,. 18.15: Schallplatte».— Presjbnrg: 14,15: Klavierkonzert, 28.85: Tanzmusik.—Mäht.-Ostrau: 14.8pr Opcrettcnmusik, 18.10: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 10.10: Chansons. meiern, find Luftabwehrgeschühe aufgestellt und unterhalb des Bcrghofcs selbst sind.in den Berg hinein geräumige gas- und bombensichere Lustschutzräume auSgebaut. Abgesehen von den in allen möglichen Eigenschaften getarnten Geftapobeamten, die in unmittelbarer Räbe den Schutz deS Führers vor allzu stürmischen Verehrern ausüben, versieht die aus SS-Mannschaften gebildete, militärisch organisierte und betvaffnete Leibwache den Außendienst in den Wachttürmen und an anderen Be- obachtungSpostcn. ES handelt sich natürlich ausschließlich um sehr sorgfältig gesiebte und ausgesuchte Leute, deren Stärke rund 200 Mann beträgt. Die Stadt Berchtesgaden, früher ein beliebter Ausflugsort, ist heute zwar stolz darauf, die eigentliche Hauptstadt des Drillen Reiches zu fein, muß aber diese Ehre mit mancherlei kleinen und große» Unannehmlichleitcn und Unbequemlichkeiten bezahlen. Selbstverständlich ist die Stadt durch die Gestapo längst von allen„verdächtigen Elementen" gereinigt worden. Doch kommt eS oft genug vor, daß irgendwelche gut zahlenden Gäste und Fremden, vielfach auch ausländische TonristcnundSommerfrischl er,ohne Antwort auf die Pilatusfrase „Was ist Wahrheit" fragt Pilatus-und die Anhänger einer skeptischen Philosophie und Le- bcnsanschauung haben ihn in fast zwei Jahrtausenden, die seit der großen Gerichtsszene von Jerusalem verflossen sind, immer wieder zu rechtfertigen gesucht. Es sei tatsächlich schwer, wenn nicht unmöglich, eine absolute Gewißheit und sichere Wahrheit zu gewinnen. Der ehrliche Mensch müffe sich eingestehen, daß er eben nie wisse, was Wahrheit und wo die Wahrheit sei.' Dagegen hat es immer auch Idealisten gegeben, welche die Wahrheit gesucht haben und bereit waren, für ihre Wahrheit zu sterben. Und es hat sich im Lause der Jahrhundert« als eine der wenigen wirklichen Errungenschaften menschlicher Kultur doch ein internationaler CSde, ein Chiffrenschlüssel der Begriff« herausgcbildct, dessen sich die Wissenschaft bediente und der auch für den Laien maßgebend wurde. Man einigte sich über einige Grundwahrheiten und lastete von diesem Ursprung durch die Nacht des Unwissens und Zweifels weiter an gewissen Zeichen, die man aufgerichtet hatte. Man stritt nicht mehr darüber, daß zweimal zwei vier, daß der Mord ein verbrechen, daß die Wanzen eine Landplage, Roheit ein Zeichen mangelnder Kultur sei. Es gab am Ende viele Hunderte solcher feststehender Begriffe, kleiner und großer Wahrheiten. Wir mußten bis ins 20. Jahrhundert„fortschreiten", um den Zusammenbruch all dieser Wahrheiten und kleinen Stützen der Wahrheitssucher zu erleben, um wieder vor der Pilatusfrage zu stehen: WaS i st W a h r h« i t? * Liest man etwa die Kommentar« reichsdcut- scher Zeitungen zu den Spanienverhandlungen, so fragt man sich nur noch, ob eS denn überhaupt ein Maß der Lüge und wo es noch ein« Grenze der Lüge gibt. Wenn eine noch verhältnismäßig europäische Zeitung mit jenem Schein von Sicherheit, mit dem sic vor wenigen Jahren noch höchstens behauptet hätte, daß zweimal zwei vier ist, beute erklärt, alle Mächte hätten stets unentwegt am Prinzip der Nichteinmischung und der Kontrolle fcstgehalten, abgesehen von gewiffen privaten Entgleisungen, wie sie eine eng lische Korrespondenz sich geleistet habe, so fragt man sich, ob cs noch irgendeine Möglichkeit der Erhärtung der Wahrheit, ja auch nur des glaubhaften Vorbringens der Wahrheit gibt. Denn es ist wohl kaum, etwas Keckeres vorstellbar, als die völlig leidenschaftslos«, ganz nüchterne und ohne jede Polemik und Bemühung um den Wahrheits- bcweiS vorgebrachte aufgelegte Unwahrheit, wie sie in besagtem Bericht schwarz auf weiß gedruckt wurde. Dagegen scheint sich eine andere Aussicht zu eröffnet!, die Pilatusfrage endlich zu beantworte». Wenn man liest, daß in Rußland her Generaldirektor des amtlichen Nachrichtenbüros„Tah" als TrotzkistSchläfzimmer" der Welt wird dieser Ueb^rnachftingSraum für die 25.000 Teil»'■ nehmer an dem großen Turn'- und-Sportfest in-Paris,- das anläßlich der Weltausstellung veranstaltet- wird, genannt. Nr. 161 So»»tos, 11. Juli 1037 'Seite 5 Vierzig Jahre LottKampi um denNordphi Der Gedanke, den kurzen und schnellen Weg durch, die Lustzur Erforschungder höchsten nördlichen Breitengrade zu wählen, ist. fast hundert Jahre alt. Phantasten und Wissenschaftler, Dichter und Techniker arbeiteten schon um die Mitte iv. Ja. Jlndr^e der Vorigen Jahrhunderts«ine Reihe von Plänen aus, um mit Luftfahrzeugen in jene Gebiete vor- zustoßen, die bisher den Erdbewohnern verschlossen waren. Man wollte Flugschisfe aus Küpser bauen und Ballon» mit Heißluftbetrieb nach Norden schicken— Projekte, die natürlich nie zur Ausführung gelangen konnten. Erst dem norwegischen Ingenieur Salomon AugustAndröe blieb das Debüt der Luftfahrt in di« Arktis vor- behälten. Alfred Nobel finanzierte das Unternehmen. Andrte, von Haus aus kein Luftfahrtspezialist, lernte den Ballonflug in dreimonatiger Ausbildungszeit kennen; sein Lehrer war der Franzose Georgc»Besanron, ein heute noch lebender Ballonkonstrukteur, der ihm auch den Ballon für die Nordpolfahrt baute. 1806 war da». Luftschiff fertig, Andröe errichtete auf Spitzbergen eine Abflugstation und unternahm Probeflüge. Am 11. I u l i 1897 startete er nach Norden, begleitet von Nils Strindberg und Knut Fraenkel. Der Ballon„Lernen"(„Adler"), der 4606 Kubikmeter Gas sagte,.war mit primitiven Mitteln al»„lenkbarer Ballon" hergerichtet worden: man hatte ein paar Segel an der Hülle befestigt, und lange Taue schleiften, gewissermaßen als Steuerruder, unten im Wasser nach. Es war ein tollkühnes Unternehmen mit völlig unzulänglichen Mitteln. Das eiste und letzte Lebenszeichen aus An- drle» Ballon war eine^Brieftaube, die drei Tage nach dem. Start die Meldung„Alles wohl an Bord" heimbrachte. Dann blieb der„Ohrnen" verschollen, und-man fürchtete, der Ballon sei in Grönland niederaegangen und seine Insassen„von Eskimo» ermordet" worden... Erst 86 Jahre später, im August 1980, fand das norwegische Fangschiff„Terningen" auf der „Weitzen Insel" die Leichen der drei Männer und die Ueberreste der Expedition, darunter zwanzig Fotofilme, die zum Teil, noch entwickelt werden konnten, und die TagÄUcher Andries—. erschütternde Dokumente, aus denen hervorging, daß.der Ballon schon nach dreitägigem Flug landen muhte; auf. einer Scholle begann nun'«ine drei Monatlange Irrfahrt durch das Eismeer. Endlose Futz- tnärsche brachten die Männer zur„Weltzen In« seli', wo sie ein. furchtbarer Schneesturm überraschte. Andröe lebt« am längsten. Das letzte Wort in. seinem Tagebuch hieß:„Resignation",.. . Ein Jahrzehnt lang lieh die Erinnerung an diese Tragödie keine weiteren arktischen Flugpläne aufkommen. Erst in den Jahren 1907—09 versuchte W ellman mit einem lenkbaren Luft« schiff hon.9000. Kg. Auftriebskraft, von Spitzbergen aus zu stqrten. Mer die Versuche mihMckten,! der,Aufstieg scheiterte und Wellman gab das Un- tcknchm'en.Huf!'^910, tistichö'dag.'erste Projekt' einer Zeppcliucxpeditiofl zu»; Nordpol auf. Graf Zeppelin-sinh. Geheimrat...Htzmekefl-'.'ytist^' nach' Spitzbergen, um die Startverhältnissc. zu prüfen:' Aber da sich schwere.Bedenken gegen diesen Flug' erhob..»,, wurde das flnwrnehnen abqcblascn. ,... Mufft,.'lM den ersten erfolgreichen.. Arktisslug unternahm: kurz vor AuÄruH- des Weltkrieges startete' der' Leutnant N a g u r s k>t/,. von Mowaja SeMljg au»? vjerchWntif leistem'FarMan«Wasserflugzeug uM erretchke^ iMMlWUichÄe'^ff^dtts.^ gin Nord* voMs^^tza^^s7.Mär>nicht,-aber'tmisterhin'mit, dest"ksdarWgen''WischlW'eiti^ beachtenswerte MMMMSklSKv,?-• f. ils.'Ä.er Miegsusttierhrach' die. Kgjhr depiMkM«' cxpcditionen,. Erst 1928 gelang es dem vor kurzem z'M"bei seiner' Hilssexp edition für Amundsen efntw IMo-MlometerflM hsirH die'ArÜtS' zu zü. 80',nördlicher -Msttzl-bche, russische Flieget Tschüchnowski einen ausgedehnten Fllsgüberdas'Karische Meer durch. M '-'PtMMM.UV-WvM.fVW.HdM qM'tH- E h peb^Wi öisilMt-zwet W'äsierflug- zciiaen von KtngSbah auf Spitzbergen au»; sie erreichte bereit» 87' 28! nördlicher Breittz. Bei einer Notlandiingginäeineder.LeihenMaschinenver^ loren; nach ,26 Tagen kostntcn nlle TeUnehmü: mit der anderen Maschine geborgen werden. 1026 drangen die Flieger Wilkins und Eielson von Cap Narrow aus vor, erreichten jedoch nur 74'. Aber kurz darauf gelang dem Amerikaner Byrd die erste Ueberfliigung des Nordpols: er folgte dem 11. Breitegrad östl. Länge, und kehrte wohlbehalten ohne Zwischenlandung zurück nach Spitzbergen. Dieser erste Sieg Wer den Nordpol ermutigte Amundsen, Ellworth und Nobile zu einer neuen Expedition Mit der„Norge", einem Halbstarren Luftschiff von 18.800 Kubikmetern GaS- inhalt. Der Flug führte von Spitzbergen nach Alaska und böieutete somit die erste Ueberque- rung der Arktis von Europa nach Amerika ohne Zwischenlandung. 1028 führten Willins und Eielson eine zweite Ueberquerung in umgekehrter Richtung mit dem Flugzeug innerhalb von 21 Stunden durch. Im gleichen Jahr ereignete sich die Katastrophe der„Italia". Nobile führte mit seinem halbstarren Luftschiff drei Flüge aus: der erste sührte an der Nordküste Spitzbergens entlang, der zweite nach Osten bis zum Nikolaus-kl.- Land, der dritte bi» in die Polgegend selbst. Aber bei der Rückkehr strandete das Luftschiff. Acht Mann wurden mit der Ballonhülle abgetrieben und fanden den Tod. Nobile und einige seiner Begleiter konnten sich auf eine Eisscholle retten. Sofort brachen HilfSexpeditionen auf: Tschuchnowfli startet« von dem russischen Eisbrecher„Kraffin" au» und fand die Gruppe mit dem Italiener Zäppi; Babuschkin staüete vom Eisbrecher„Malygin" aus und suchte nach Amundsen, der mit dem Flugzeug„Latham" und zwei französischen Piloten, Guilbaud und de Cuverville, seinerseits zu NobikeS Rettung aufgebröchen und seitdem ver schollen Ivar. Babuschkin führte auf feinen Flügen — eine damals überraschende Leistung— fünfzehn Zwischenlandungen auf bem Eis mit Schneekufen aus. Nobile wurde gerettet, aber der große Retter selbst, A m u n d s e n, blieb für immer verschollen. Wahrscheinlich mußte die„Latham" auf dem Eis niedergchen und wurde flugunsähig. Man wollte eS in der Welt nicht glauben, daß Amundsen wirflich nicht mehr wiederkehren werde.... Unzählige Expeditionen suchten ihn und seine fünf Gefährten, und noch Jahre danach traf sich das deutsche Luftschiff„Graf Zippelin" bei einem arktischen Rendezvous mit dem SowsetciSbrecher „Malygin", unter anderem in der Absicht, Näheres über Amundscns Schicksal zu erkunden. Ein Jahr nach der Katastrophe der„Italia" und„Latham", 1929, stürzte Eielson mit seinem Flugzeug in einem Schneesturm ab; er war von Alaska aus zur Eismeerküste geflogen, um dem vom Eis eingeschlossenen Schiff„Nanuk" Hilfe zu bringen. Da er keinen Radioapparat an Bord hatte, konnte er nicht vor dem drohenden Schnecsturm gewarnt werden. Zwei Dutzend Menschenleben hat der Luftkampf um den Nordpol bisher gefordert; sie verteilten sich auf vier Lufschiffexpcditionen mit zusammen sechs Flügen und dreißig Flugzeugcxvc- ditionen mit über 100 Flügen. Erst heute aber darf der Nordpol als endgültig besiegt gelten; mit der Expedition des Professors Schmidt, mit der fast mühelosen Ueberfliegung von Sibirien bis Westamerika, hat das letzte Kapitel der Eroberung der Arktis durch den Menschen begonnen. Eta. IMfewlrtecfioft and äoÄatpoiM Die Praktiken des Papierkartells Die Oesfentlichkeit wurde in der letzten Zeit neuerlich auf das Papierkartell aufmerksam gemacht, als sich die Regierung veranlaßt sah, die Einfuhr von Druckpapier freizugeben und eine Herabsetzung des Einfuhrzolles anzulündigen. Diese Maßnahmen erfolgten, weil das Papierkartell di« Druckpapicrpreise, welche erheblich über Weltmarktniveau stehen, unter Berufung auf die Holzverteuerung um sieben Prozent erhöht hat. Der treibende Faktor zu diesen Maßnahmen sind zweifellos die Grotzverleger, die großen Presse- Konzerne. Dies« haben natürlich ein egoistisches Interesse an der Preisentwicklung sür Druckpapier--. Da»-.Recht zu einet' moralischen'Ent- rüstung kann man Amen allerdings nicht"einräü-' men, denn das Druckpapier ist in den letzten zehn Jahren um über 20 Prozent verbilligt worden, aber die Zeitungsabonnenten haben nichts davon währgenommen, daß die großen Zeitungsverleger die Abonnementspreise herabgesetzt hätten. Die Preissituation in der Papierindustrie sehen wir von einem anderen Gesichtspunkte aus. Da» Papierkartell ist daran interessiert, die Preise so zu gestalten, daß auch di« kleinsten Betriebe ren-! tadel arbeitest können. Diese» Bestreben'ist dem Kartell auch gelungen. Denn gerade in der Papierindustrie ist in sieben langen Krisenjahren kein einzige» Unternehmen zu Fall gekommen. Das Papierkartell hat. noch ein weiteres Interesse an möglichst hohen Inlandspreisen. Der Kartellvertrag ermöglichte die Stillegung der Papierfabriken Franzensthal, Birkigt, BubenL, Pisek, Pti- byflaviee, Sandhübel und Poprad durch Berkaus der inländischen Absatzkontingente. Der niedrigste Kaufpreis für ein Jnlandskontinzent beträgt 15 Prozent de» Fakturenwerte» diese» Kontingentes, ist also autzerordentlich hoch. Die abgelösten Kontingente erfordern jährlich eine» Aufwand von über acht Millionen lik. Diese ensumme kann nur hcreingcbracht werden, wenn die inländischen Papierpreise diese Belastung vertragen. Darin erblicken wir die schädliche Tendenz der biherigen Arbeit des Papierkartells. Heute ist die gesamte Papierindustrie Werbeschäftigt, hat sowohl im Inland wie im Export besten Absatz und erhöhte Preise. Aber der Kartellvertrag verhindert es, daß die stillgelcgten Fabriken wieder in Gang gesetzt werden, datz hundert« Arbeiter, die seit mehr als fünf Jahren arbeitslos sind, wieder Arbeit und Brot finden. Man richtet sich im Päpierkartell und in'seiner. Mitgliedschaft.darauf ein, dem Staate für ewige Zeiten zuzumuten, die Opfer der industriellen Wirtschaftspolitik durch Unterstützungen notdürftig am Leben zu erhalten. Der Staat hat bereits Millionen für diesen Zweck auSgeben müssen, während anderseits die Besitzer der stillgelegten Fabriken, wie di« Kontingentkäufer den Nutzen aus dieser Situation zogen und weiter ziehen. Es ist also höchste Zeit, datz sich die Regierung diese Praktiken etwas'näher ansieht. Aber das Uebel ist nicht beseitigt damit, datz man sich nur auf. die Verhinderung einer Preiserhöhung oder auf die Bekämpfung von Preiserhöhungen einstellt, wenn nicht gleichzeitig alle Hebel angesetzt werden, um den Opfern der Stillegungspraxis im' Papierkartell wieder zu Arbeit und Brot zu verhelfen. Wir müßen daher die Aufmerksamkeit der maßgebenden Kreis« auf diese Tatsache lenken, welche dem Staate i'ach wie vor Opfer kostet und als Hauptursache für die rigorose Preispolitik des Papierkartells angesehen werden mutz. Pie Besch&ftigung der nord- mährlsch-schleslschen Industrie hielt auch im Juni ist allen Produktionszweigen 'äst,'. Bei'den Eisenwerken hat sich der Einlauf der Bestellungen von Walzmaterial nach ustbedeuten- dör Abschwächung', im Monat Mai erhöht und 'zeugt von einem anhaltenden inländischen Bedarf. Dec'BestcllungScistläuf'bei. Blechwalze' war tm Monat'Juni gut,'-bei..denRöhrenwerkest abgeschwächt.' In den Drahtwcrken ist der.Beschäf- tigungsstand ein wenig zurückgegangen. Sämtliche Maschinenfabriken standen int Juni in' vollem Betriib','ist. einigen wurdest' sogar neu« Ar« fbeitsktäste,.eingestellt.■, Auch-die. landwirtschaft« lichcst Maschinensabriken ärheitetcn-weiter normal. Pie'.,Fahrzeügiverle.sind' mit dringenden Aufträgen bi»-Ende de» Jahre»- versorgt, vorausgesetzt, daß sie da» erforderliche Material rechtzeitig angeliefert erhalten. Der. Autobus hätte im Be« richtsmonät in allen Abteilungen Vollbctrieb. Die 'Feflestfavritest waren' sehr gut beschäftiüt, doch fslägen. einige'über den. Mangel äst Facharbeitern :und.die' längen Liefertermin«.der.Mctallfabrikan« test., Die Drahtz' pnd--Hastfseilfabrifen' arbeiteten j nach wie poch normal, und konnten.- ihren. Arbeiier- stand erhöhen.. DieMtzihlrohpmöhelindustrie,nr- beitete voll, bei- der BüghvlzmöbK.indüstrie-nahm der Jnlandsabsatz zu, die Aussuhrhossnungen bessertest sich. In den Möbelfabriken und den damit verbundenen Dampssägen-war normaler Betrieb. ■ Die.Werk« für chemische und metallurgische Produktion ständen aüch im/Juniin vollem. Beil trieb. Bei idenWyerälhMDenMeg gegenüber t dem Börmonat der Absatz von Benzin und Gäröl, wogegen der Ausstoß von Petroleum und Maschinenöl etwas schwächer war. Parasfin hielt sich auf gleicher Höhe. Die Teerfabriken waren wie im Vormonat zufriedenstellend beschäftigt, was auch von den Rohpappenfabriken gesagt werden kann. Die SpirituSsabriken hatten* Bollbe- tricb. Bei den Stickstoff- und Kunstdüngerfabriken, die normal arbeiten, ist gegen den Vormonat keine Aenderung eingetreten. Die in den Chemi- kalteniverken seit einiger Zelt sestgestellte günstige Beschäftigungslage hat auch im Berichtsmonate «»gehalten. Die Zellstosfindustrie hat ebenfalls im Juni unverändert günstig gearbeitet. In den Webereien ist der Rückgang im Fer- tigwarengeschäst weiterhin zu konstatieren, was in diesem Monat al» saisonmäßlg bezeichnet werden kann. In den-Spinnereien ist keine Veränderung zu verzeichnen. Bel der tzutindustrie hat sich gegen den Vormonat i der Beschäftigungsstand' nur.unwesentlich geändert. Der BestellungSeintauf war für'die jetzige Jahreszeit normal. ..Die Zementfabriken und auch die Kaliwerke ständen im Berichtsm.onat in vollem Betrieb. Der Auftragseingang der Tonwarenfabriken war so, datz alle Abteilungen dieser Werke voll beschäftigt werden konnten, Sämtliche Ziegeleien sind in. vollem Betrieb und haben ihren Arbeiterstand gegen den Vormonat erhöht. - Der Absatz der Bierbrauereien ist saison« geistH. und infolge de» warmen Wetter» gestiegen und günstig gewesen. .'.In der Druckindustrie war der Beschäftig gungsgrad im Berichtsmonat etwas schwächer als im Mai, da der erwartete höhere BestellunaSein« lauf teilweise ausgeblieben ist. Auch die langen Ein gesundes Herz und starke Nerven Siegen. No.hniflh Öle die klinisch und ‘v.' irxHich emp/oplenen’WsWin 7' ’.FÖrDi ab oilk' c r in ßloichor Zusammensottunc oh ne zuckor Ml frier' Bezeichnung 0 In jeder Apotheke Lieferfristen der Papierfabriken verursachten eine Stockung. Bei der Erzeugung von Geschäftsbüchern und Kai^lelartikeln ist saisongeniäß ein Abflauen der Bcschäftiguug eintreten. Die Elektrizitätswerke haben boll gearbeitet. Unerwartet gute Maisernte in der Slowakei. Die diesjährige Maisernte in der Südslowakei wird unerwartet groß sein. Die Höhe des Ku- kurruz erreicht bereits 180 Zentimeter. Die ersten Marktbelieferungen werden in drei Wochen erfolgen. Um die Berlängerung des Bauförderungs- gesetzes. Da die Wirksamkeit des Bauförderungs« gcsctzes Ende dieses Jahres abläust, finden Erhebungen über die Möglichkeit seiner Verlängerung statt. Die Deutsche Hauptstelle für Woh- nungs- und Siedlungswesen stellt vorderhand durch Umfrage bei den deutschen Gemeinden fest, in welcher Richtung das Gesetz versagte, welche Lücken und Mängel sich in der Praxis zeigten und durch welche Maßnahmen diese Uebclstände beseitigt tverden könnten. Die Vorerhebungen sowie die einschlägigen GesehcSvorschläge müssen bis Mitte September verarbeitet bzw. fcrtiggestellt sein. Slowakische Bergarbeiter nach Belgien. Die belgischen Gruben machen derzeit eine Hochkonjunktur durch, die sogar zum Arbeitermangel geführt hat. Die belgischen Gruben entsandten daher Vertreter in die Ostslowakei und nach Kar« pathorußland, um von dort Arbeiter für Belgien zu werben. Bei der Aufnahme werden sie von den zuständigen Vermittlungsämtern begleitet, welche die Bedingungen kontrollieren. Um die Arbeitszeitverkürzung Im polnischen Bergbau Den Verbänden der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber wurden von der polnischen Regierung drei Gesetzentwürfe über die Verkürzung der Arbeitszeit im Bergbau vorgelegt, hie auf die Verhandlungen einer besonderen Ministerialkommis- sion mit den beiden Parteien zurückgehen. Die Vorlagen sehen vor: Eine Arbeitszeitverkürzung auf sieben Stunden für alle Untertagsarbeiter, eine Arbeitszeit von 8 Stunden für die sogenannten Arbeitsbereitschaften'(Feuerwehren,^ Gru» benw'ächter sisw), ferner Arbeitszeitverkürzung für jene Arbeiter, die besonders gefährliche Arbeiten verrichten und für die im Akkord Beschäftigten. Diese letztgenannten Vorschläge stoßen auf besondere Schwierigkeiten, da die Arbeitszeitverkürzung nach den Zusagen der Regierung keine Lohnsenkungen zur Folge haben darf. Sollte e» zu einer Einigung rechtzeitig kommen, würde die Herabsetzung der Arbeitszeit bereits im September Wirklichkeit werden. Frankreichs Bezüge aus Deutschland. Samstag wurde in Paris eine Reihe von Wirtschaftsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich unterzeichnet, die eine Gültigkeit von zwei Jahren haben. Bei der Berechnung de» Warenverkehrs tritt nach der Neuregelung an die Stelle des Verrechnungsverkehrs die Barzahlung. Der Zahlungsplan geht von einer auf 324 Millionen Mark geschätzten deutschen Ausfuhr nach Frankreich aus. Die deutsche Einfuhr aus Frankreich wird bei Waren auf rund 156 Millionen Mark geschäht. Ergänzend zu diesem Abkommen über den Zahlungsverkehr tritt«in Abkommen über das Handelsvolumen und die Kontingente. Die österreichische Arbeitslosigkeit. In der zweiten Junihälfte ist die Zahl der Arbeitslosen Oesterreichs wieder um 6800 Personen auf 196.067 zurückgegangen. Ende Juni 1936 wurden noch 322.601 Beschäftigungslose gezählt,. yin Ferbasova Selle 8 .Sozialdemokrat" Sonntag, 11. Juli 1837. Nr. 161 Ausland Polens größte Sorge: Der Streit um Pilsudskls Gruft... Warschau.(PAT) Amtlich wird mitgeteilt: Gleich nachdem die polnische Negierung von der Absicht des Krakauer Erzbischofs, den Sarg mit den sterblichen Ueberresten des Marschalls Pil- sudski überführen zu lassen, sowie über die Tatsache Kenntnis erhalten hatte, daß der Erzbischof auf einen Brief des Präsidenten der polnischen Republik in dieser Angelegenheit ablehnend geantwortet hatte, unternahm der polnische Geschäftsträger beim Batikan am 24. Juni beim £>l. Stuhl eine Demarche und machte den HI. Baier auf das unzulässige Borgehen des Kra- laücr Erzbischofs aufmerksam, wobei er der Ueber- zeugung Ausdruck gab, dah der Hl.. Stuhl Mittel finden werde, auf welche Weise dem polnischen Staatsoberhaupt und den Gefühlen der polnischen Station Genugtuung verschafft werden könnte. Der apostolische Nuntius brachte großes Verständnis für die Wichtigkeit-und den Ernst der ganzen Angelegenheit zum Ausdruck und war bemüht, durch gemeinsames Vorgehen mit dem Außenminister Beck ein Mittel zu finden, durch das der Zwischenfall beigelegt werden könnte. Zum Unglück wich der gegenüber allem Erwarten am 8. Jüli dein polnischen Präsidenten durch eine Delegation. des Krakauer Kapitels überreichte Brief des Krakauer Erzbischofs von der Regelung der Angelegenheit, wie sie nach dem Ergebnis der Beratungen zwischen Msgr. Cortesi und dem Außenminister Beck zu erwarten war, in einem solchen Maße ab, daß sich über Weisung des Präsidenten der Republik der Chef der Zivilkanzlei des Präsidenten der Republik genötigt sah, der Delegation gegenüber folgende Erklärung abzugeben: „Nachdem der Krakauer Erzbischof es abgelehnt hat, dem in dem Briefe vom 22. Juni gcäiißerten Wunsche des Präsidenten der Republik zu entsprechen, hat der Präsident die Angelegenheit der Regierung übergeben. In dem Briefe des Metropoliten vom 8. Juli, den Eure Exzellenz überreicht haben, hat der Präsident der Republik keinen Anlaß zu einer Aendcrung seines Standpunktes gefunden. Die Angelegenheit verbleibt daher auch weiterhin in den Händen der polnischen Regierung." Auch die Richter kommen dran.„Times" melden aus Riga, daß Aaron Solls, ein bekannter bolschewistischer Richter und Journalist von der sowjctrussischcn Geheimpolizei, nach einem unbekannten Aufenthaltsorte verschickt wurde. Nach der Revolution gehörte Solts zu den leitenden Redakteuren der„Prawda" und war seit 1921 Richter am Obersten Gerichtshof. Hilfskreuzer.(FTF) Bei Neubauten der deutschen-Handelsflotte wird auf die Wünsche der Kriegsmarine weitgehend Rücksicht genommen. Die neuen Motorschiffe haben bereits eingebaute Verstärkungen(Pivots) als Schwenkpunkte für Geschütze. Die Motorschiffe der Neptun-Reederei haben je ein Pivot auf der Back und eins auf der Achterkante des Bootsdccks. Die neuen Motorschiffe der Hamburg-Süd haben Pivots auf Back und Poop. Die Pivots werden durch ein herausnehmbares Holzdeck oder durch eine starke Blcchplatte verdeckt. Diese Motorschiffe(Belgräno",„Porto Allegre" und„Montevideo") haben auch technische Vorrichtungen zur Aufnahme einer Torpcdoanlage. D« la Roaue kauft aS„Petit Journal". Wie die Pariser Blätter melden, hat der Vorsitzende der französischen sozialen Partei, Oberst de la Roque,, eben die große Pariser Zeitung„Petit Journal" gekauft. ES heißt, daß er für das Blatt neun Millionen Francs bezahlt habe. Das Blatt war ehemals Besitz des Ministers Loucheur und gehörte in den letzten Jahren dem ehemaligen Staatssekretär Deputierten Patenotre. In der letzten Zeit hatte es eine ausgesprochen freundliche Haltung gegenüber. der Volksfront eingenommen. Unter der neuen Leitung wird es seine Richtung radikal ändern. Mitteilungen aus dem Publikum. Aprikosen-Märmelade. 2% Kg. entkernte Aprikosen. ieder Äpotni». gendcs Bedürfnis zu verrichten hat, wird im Motorzug verzweifelt und vergeblich nach einemAbort Ausschau halten. Sie ist n i ch t vorhanden. Anscheinend hat hier die Bahnverwaltung Sparmaßnahmen auf Kosten der Unterkleider der Passagiere eingeführt. Ein freundlicher Kondukteur hält auch manchmal den Zug in einer Station an, der dann wartet, bis der Passagier in der Stationstoilette seinen Bedürfnissen Genüge geleistet hat! So ähnlich sind auch die Verhältnisse auf der Lokalbahn Neuhaus— Neubistritz. Was aber dann, wenn einer aus offener Strecke„mal muß" und der Zug nicht halten kann? Es bleibt nichts anderes übrig, als dem Reisenden in diesen Gebieten den Rat zu geben, sich mit genügend Unterwäsche auszustatten. Oder er muß eben trachten, daß er siegreich' durchhält bis zur Endstation. Daß die diversen Bahndirektionen sich noch-nie um die Ausstattung einzelner Motorwagen mit Klosetts bekümmert haben, scheint daran zu liegen, daß höhere Bahnbeamte nie auf solchen Strecken ressen. Was soll man aber sagen, wenn solche Züge in Kurorte fahren, wie dies in Konstantinsbad der Fall ist? Soll das Propaganda für den Kurort sein? Das Eisenbahnministeriums täte gut daran, diese Uebelstände einmal zu untersuchen und Abhilfe zu schaffens 1987..ab bereits in diesem Gebäude. Die Ueber- siedlung der restlichen Exekutionsabteilungen wird in dieser Woche fortgesetzt werden. Bon der Stefänik-Sternwarte wird mitgeteilt: Ein neuer.Komet wurde am 9. Juli 1987 von dem Astronomen FinSler in Zürich entdeckt. Er ist. mit kleinen Fernrohren sichtbar und geht dieser Tage durch das Sternbild des Perseus hindurch. Am 17. und 18. Juli wird er in unmittelbarer Nähe del Fixsternes Algenib im genannten Sternbild zu sehen sein. Es ist der siebente Komet, der im Jahre 1987 entdeckt wurde und trägt den Namen seiner Entdeckers FinSlcr. Gegenwärtig nähert er sich der Erde und der Sonne, so daß ec wahrscheinlich auch mit freiem Auge sichtbar werden wird. Neuer Sieg der BaskenfuOballer in Moskau Das Baskenteam gewann in. seinem zweiten Spiel im Moskauer Dynamo-Stadion vor 50.000 Zuschauern gegen die so w i etru ss is ch e Aur- Wahlmannschaft mit 7:4(4:0). „Musterbeispiele des Sport" sollen die Mitropa- Cüpspiele sein, ohne Roheiten und Zwischenfälle— dar kommt in einem Aufruf der Mitropa-Cup-Bor- sitzendcn Jng. Fischer(Budapest) zum Ausdruck- Zum Schluß werden Spieler, Schiedsrichter und das Puklikum ausgefordert, weiter« Zwischenfälle zu ver- Wenn Frauen schweigen.- Der einzige- neue Film der Woche ist dieser deutsche, der eigens-für den Hochsommer geschaffen zu sein scheint.: Ein-Tenor verheimlicht seiner Frau, daß er ein Tenor, ist, und die Frau verschweigt ihm, daß sie daSAo.eiß, und die„Konflikte", die sich aus. diesem Mißverständnis entwickeln, werden von den Autoren miß- vcrftändlichcrwcisc für lustig gehalten. Die Haupt-. rollen werden von den Damen Hansi K note.k und Hilde v. Stolz und von dem singenden Herrn H e e st e r S gespielt.-.—«i»--- Tschcchoslowakischc Musiker nach dem Femen Osten. Im vorigen Jahre gelang er der Musikersektion der EinheitSverbandeS der Privatangestellten, eine größere tschechoslowakische Musikkapelle in Charbi» unterzubringen. Mit Hilfe der Sektion war er auch möglich, dar Problem der Aufbringens der für die Reise nötigen größeren Geldmittel zu lösen. Die Kapelle(Kapellmeister Kalivoda) hatte in Charbin einen so großen Erfolg, daß die Musikersektion der EinheitSverbandeS jetzt— durch Vermittlung der tschechoslowakischen Konsul» Dr. Hejnh in Charbin— aufgefordcrt wurde, eine zweite tschechoslowakische Kapelle nach dem Fernen Osten zu senden. Das angedotcne Engagement soll sich auf die Zeit von zehn Monaten erstrecken.— Die Kapelle Kalivoda konzertiert augenblicklich in Schanghai. Konsul Dr. Hejnh in Charbin gibt sich große Mühe, noch einer weiteren Zahl tschechoslowakischer Musiker in Manschukuo ein Tätigkeitsfeld zu schaffen. Die Ausstellung Fran» Hals', der hervorra- gcndcil Meisters der holländischen Malerei de» 17. Jahrhunderts, wurde dieser Tage im H a r l e- m e r M u s e u m, dar nach diesem Maler benannt ist,- in feierlicher Weise eröffnet. Die Ausstellung weist einen regen Besuch aus, weil zahlreiche der mehr als hundert Originale von ihren meist amerikanischen Besitzern entliehen wurden, wodurch ein ziemlich vollständiger Ueberblick über daS LebcnS- werk des Malers ermöglicht wurde. Die Bilder sind chronologisch geordnet, d. h. angefangen von der Frllhzeit ,alS Franz Hals noch von der Tradition der vorangegangenen und. zeitgenössischen. Richtungen in der Malerei abhängig war, bis zur Periode, in der er sich von diesen Einflüssen freigemacht und seine persönliche Note erreicht hatte. Sounnerspielzeit der Kleinen Bühne. DaS Enscmblcgastspiel Grünbaum-FarkaS, bringt heute abends 8 Uhr die zweite seiner lustigen Revue» „Ali F a r k a S und die 40 GrÜNbäu- ni e" zur Prager Erstaufführung.— Heute nachmittags 8 Uhr zum letzten Male„G a n g- st e r ü b e r W i e n", als billige Vorstellung. Preise: Ui 5.— bis 85.—, Vorverkauf: Deutsches HauS, Truhläk, Wctzler. Neues Deutsches Theater. StraBenbahnzusammenstoB bei der 3lräsek**Brüclce Gestern knapp vor 12 Uhr mittags stießen in der Resselgasse bei der Jiräsek-Brücke zwei Straßenbahnzüge der Strecken 20 und 21 zusammen: Zu dem Unglück kam cs, als ein Lastauto und der Zwanzigertvagen, die in der Station auf das Freisignal gewartet hatten, sich MOORBAD KUMMERSDORF Fest Oschitz. Station Iriesdorf. lelejlton Oschitz I hellt Rheuma, Gicht, Ischias, Frauenleiden Zeitgemäße Prolse. vorzügl. Unterkünfte und Verpflegung. Tägl, Konzerte. Neue Strandbadanlage. Kurhausgarten. Tennisplatz. Kegelbahn. Waldreiche Umgebung für kurze Wanderungen. Pro- »pekte pnd Anfragen durch die Kurverwaltung. Jaunerzen verfliegen bei Rheuma, Gicht, Iochiaa, wenn der Kranke direkt in den urkräftigen, unpräparicr» ten Schwefelquellen badet Dieses Ideal der modernen Balneologie wird verwirklicht Zu unserem Eisenbahnverkehr Zuschrift yuS Leserkreisen: . In oen letzten Jahren hat sich im Eisenbahnverkehr unserer Republik zweifellos manches gebessert. Die Verkürzung der Fahrzeiten und die Einstellung der neue» blauen Motorwagcngarni- turen als-Eilzüge und einiges andere deutet dies an. Daneben gibt es allerdings noch Dinge, die eine Kritik unbedingt notwendig machen. Wer die Keilerei auf den Bahnhöfen am 3. und 4. Juli mitgemacht hat, kommt zur Ansicht, daß unser Bähnvcrkchr schwer« M ä n g e l in der Organisation aufzuweisen hat und nicht in der Lage zu sein scheint, einen größeren Verkehrsandrang ordnungsgemäß abzuwickeln. Immer wieder hörte man von Reisenden Bedenken, wie man denn bei diesem Betrieb wirklich schweren Anforderungen gewachsen wäre: Interessant ist auch eine Neueinsührung der Bahnverwaltung aus gewissen Lokalstrecken. Dort geht man nämlich daran, de» Menschen die natürlichsten Bedürfnisse abzugewöhnen. Wer von Neuhof, nach Konstantinsbad fährt und ein drin- Sozialver$lcherung$- Brief kästen AuSstattungsteltrag. Der Anspruch auf den AuSstattungSbeitrag muß binnen zwei Jahren nach Abschluß der Ehe geltend gemacht werden. Da Sje diese Frist verstreichen ließen,, ist Ihr Anspruch.'bereits verjährt. Ein Ansuchen wäre nunmehr zwecklos. Witwenrente. Falls Sie sich wieder verehelichen, verlieren Sie den Anspruch auf die Witwenrente. Sie erhalten aber gemäß Paragraph 117/8 de» SVG als Abfertigung den-dr'cifachen-JahreS- betrag Ihrer Witwenrente. Das Wasserball-Turnier der Arbeiter-Olympiade Mit nicht weniger Interesse— wie es dar Fußballturnier der 14 Nationen finden wird— wird auch das W a s s e r b a l l- T u r n i e r auf der A r- beiter-Olympiadein Antwerpen verfolgt werden. Die Tschechoslowakei, wird durch ein Team des DTJ- Verbau des repräsentiert; außerdem sind noch gemeldet: Frankreich, die Schweiz. Belgien, Holland. England, Spanien und Palästina. Das Turnier-nimmt am Donnerstag, den 29. Juli, seinen Anfang und wird in zwei Gruppen auSgetragcn- Die Gruppe A besteht aus: 1. Frankreich, 2. Spanien, 8. Tschechoslowakei(DTJ), 4. Palästina.— Die B-Gruppe weist folgende LänderteamS auf: 1. Holland, 2. Schweiz, 8. England, 4. Belgien- Die Auslosung sieht am 29. Juli nachstehende Begegnungen in der A- wie in der B-Gruppe vor: 1, gegen 2., 8.- gegen 4.— Am 80. Juli spielen in beiden Gruppen die Sieger von 1—2 gegen die Unterlegenen von 8—4.— Am 81. Juli stehen sich einander die Unterlegenen und die Sieger vom Vortage gegenüber und am'1. August wird dar Endspiel um den Olympia-Meister ausgetragen. Vorursacht kenen Durchfa Für Diabetiker ,n ohne Zucker.-. Mit der Bi zo-: r Reichenberger Sparkasse Gemeinde- und Bezirkupirknue Gegründet Im Jahre 18M Poetaparkaaeen-Konto Prag Nr, 9323. 3608» und 38691 Fernsprecher Reichenberg I8<1 Hauptanstalt: Zweiganstalt: Zweiganstalt: Zwelganstalt: Reichenberg, SoNoBgasse B . Reichenberg, AltetädterPI.2 Relcbenberg,„Am Kranich** Hanlchener StraBe 13 Georgswalde^ Tarupr. Nr. 16 PoBtsparkasaen-Konto Nr.8B.O3O Unbeschränkte Haftung der Stadtgemeinde und. dSa Bezirkes Reichenberg MW Filme In Prager Lichtspielhäusern Adria:„Spione über, dem Ozean."(A.)—- Alsa:„100.000 Dollar."(A.— Wal. Beery.) Apollo:„Marokko."(A.)— Aviont„Die Frau am Scheideweg?."(Tsch.)— Ftnix:'„TexaSreitex," (A.)— Flora:„Der Sänger Ihrer Hoheit:"(D.) — Hollywood:.Aergert nicht den Großpapa-?.(Tsch-, Vl. Buriay.)— Hvizda:„Spione über dem Ozeay." (A.)— Julii:„Wenn Frauen schweigen.",(D.),— Kinema:„Louis—Braddock."— Koruna:„Jour-- nale, Grotesken, Aktualitäten."—Kotva:„Moderne Z e i t,"'(A. Chi'Cch a p l tnrii.-.l-^- Lueerna:„Biva Billa."(A.— W. Berry!) — Metro,„Die Frau am Scheidetv/ge."(Tsch.)—. Passage:„Wenn" Frauen schweigen."(D.)-— Praha:„Die Gangsterbraut."(A.)-y-, Skonti „DieganzeStadtsprichtdavo chl." nnf, J.IS n,iturlir)u* Abführ-Erweichungsmiltcl, B e zngr bodingnngen: Bei Zustellung inS Hau» oder bet Bezug durch die Post monatlich Ai 16.—. vierteksShrlich.kS 48.-^-. halbjährig Ai 96.-. ganzjährig KC192.—.— Inserate werde» laut Tarif billigst berechnet.-Bei öfteren Einschaltungen'Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgb nur bei Einsendnstg-der Äetourmarken.— Di« ZeitungSftanmtur. wurde von der Pakt» tjudvTK» * graphendirektion mit Erlaß Rr. 18.8ÜÜ/VII/198Ü bewilligt.— Dtuck-rei:.Orbis". Druck». Verlags« und 8«itungs-A>B. Prag.'.