Aus dem Inhalt: Aentraloryan der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik '. ,. Erscheint mit«uonahme do» Montag tiiglich friih/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion u.Derwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub— Derantw. Redakteur I.B.: ZdenkoNeuwirth, Prag Olo Verhandlungen der Regierung nord nicht beendet Richtlinien für Wehrbetriebe Kundgebung der streikenden Handschuharbeiter Reisebericht aus Spanien 17. Jahrgang Freitag, 16. Juli 1W7 Nr. 165 Offensive, bei Madrid geht weiter Madrid.(HavaS.) Die republikanischen Abteilungen haben ihre Offensive an der Front bei Sierra int Lauf der ganzen Nacht i»id dcs Donnerstag vormittag fortgesetzt. Die Aufständische» konzentrierten ihre gesamten' Streitkräfte, welche über rin« große Menge von Kriegsmaterial verfügten, bei Billamantilla und unternahmen von diesem Orte auS mehrere Gegenangriffe gegen die Positionen der Verteidiger des Ortes Billanuova del Pardillo, doch wurden diese Angriffe von de» republikanischen Abteilungen allseitig zurückgewiesen. Im Laufe der letzten zwölf Stunden haben die Aufständischen mit Unterstützung schwerer TankS neuerlich angegriffen, waren aber genötigt, sich nach Billamantilla zurückzuzlrhen. Die Regierungsabteilungen unternahmen heftige Angriffe gellen den Ort Robledo de ühavola, der etwa 1b Kilometer südöstlich von EScorial-liegt. Der Zweck dieser Angriffe bestand in der Feststellung der Stärke dell, feindlichen. Widerstandes. Die Aufständischen mußten sich an dieser Stelle etwas zurückziehen,. ebenso Sei dem b Kilonieter östlich von Baldemorilla gelegenen Dorf FransillaS. Die republikanischen Flieger verfolgten den Feind auf deck Wege von Robledo de Ehavela nach llebreroS. Inzwischen setzten die republikanischen Abteilungen ihrx Aktion sm Abschnitt auf dem Wege von La Eoroiiafort, wo die Angriffslinien an die'linke Flanke der feindlichen Armee herangeschoben wurde«... Die-feindlichen Angriffe endete» mit einem Mißerfolg. Im Gebiete bei PeregrinoS südöstlich penESeerial übten dir republikanischru.AbtrilMl- lle»«ine« Ärmlich, starken Druck- auf Navas del MargueS aus, um auf dies« Weise di« Abteilungen g«unterstützen» welche den Bahnhof In dem kürzlich eroberten Ort LaS Navas in ihrer Gewalt, haben. Die republikanischen Flieger haben mehrere von den Aufständischen besetzte Orte erfolgreich bombardiert. Die Flieger der Aufständischen versuchten, di« Regierungspositionen in der Nähe Madrids zu bombardieren. Trotz dem herrschenden starken Wind und der starken Bewölkung trieben die Jagdflugzeuge der Regierung die Aufständischen-Flugzeuge i» die Flucht, ohne daß diese die Objekt« der Regierungstruppen hätten bombardieren können. ' GroBe Truppenlandungen InCadlz Valencia. sAgcncc Espagne.)"Die spani. scheu Zeitungen, veröffentlichen Nachrichten darüber, daß am 12. Juli. Ill.üOO Italiener in Cadiz an Land gegangen.sind.. Soldaten kür Spanien gesucht Berlin. Soldaten, die sich früher- einmal freiwillig, nach Spanien gemeldet hatten und denen dann mitgeteilt würden war, daß sie ihre Bewerbung.zurückziehen möchten, sind jetzt erneut befragt würden, ob sie noch bereit sind, nach Spanien zu gehen. Bon-militärischen Vorgesetzten. fallen, auch immer.wieder Äeuherungen über mögliche,'neüe Trüpp'enverschickungen. nach Spaniens ’• Generalleutnant Katsukl dtr bisherige GeneräÜn^pektor für das MllitärerzlehungsweB.en. in. J^apan,.. wurde mit besonderen Vollmachten zur. chinesischen Front entsandt. Die Labour Party gegen Eden London. Im Unterhaus begann Donnerstag abends die Debatte über Edens Spanien- Plan. Die Aussprache wurde auf Verlangen des Führers der Labour-Parttz Major Attlee ab- geführt, der den Entwurf Edens scharf verurteilte, ihn für ungerecht, schlecht und gefährlich erklärte und alS Kapitulation vor den faschistische» Mächten bezeichnete. Eden verteidigte die Borschläge. Er fordere die Billigung nicht, weil alle Einzelheiten' der Borfchläge gut sind— einig« gefielen ihm persönlich durchaus nicht— sondern weil er überzeugt sei, daß sie zur Erhaltung deS Friedens beitragen. Ein verschobener Krieg könne ein verhinderter Krieg sein. Es fei möglich, daß England daS Scheitern der Richtintervrntion und die Gefahr eines europäischen Konfliktes nicht werde verhindern können, aber er sei sicher, daß jede gute europäisch« Regierung eS ablehnt, sich absichtlich in eine solche Gefahr zu begeben. Eden griff die Arbeiterpartei wegen der' Erzwingung der Debatte im Unterhaus an und behauptete, daß sie damit dem Frieden schlecht diene! Der Sprecher der liberalen Opposition Sinclair sprach dir Ansicht aus» dem britischen Plan«, soll Gelegenheit gegeben werden, seine Zweckmäßigkeit zu beweisen. . Ministerrat in Paris Paris. Der Kabinettsrat nahm Donnerstag abends ein Expost des Außenministers Del- boS Über die. gegenwärtige Lage entgegen. Der Standpunkt zu den britischen Vorschlägen; wird i» der Freitag zusammentretenden Sitzung des Ministerrats definitiv durchberaten werden. Der. französische Botschafter in London, Corbin, er- | suchte im Auftrage von DelboS um verschiedene Aufklärungen über den britischen Entwurf. Oie englische Presse kritisch Der BermittlungSplan wird von den englischen Blättern keineswegs begeistert ausgenommen. Neben kritischen Bemerkungen zu einzelnen Punkten fehlt auch nicht der allgemeine Einwand, daß die Durchführung dieses Plans ein Vorteil vor allem für Franco iväre. Die Mehrzahl der Blätter spricht aber die Meinung aus, daß der Plan eine Grundlage für die weiteren Verhandlungen sei, wobei darauf hingcwiesen wird, dah er während der Beratungen im Nichteinmi- schungsausschuh wesentliche Acnderungen erfahren würde. Framo lehnt ab? Reuter meldet aus Salamanka: Aufständische Kreise erklären, daß die neuen britischen Borschläge in ihrer Gänze nicht annehmbar feien. Die Aufständischen fordern zuerst dse Zuerkennung des Rechtes alS kriegsührende Macht und bann erst Verhandlungen über die Abberufung der Freiwilligen. Watfenruhe in China nur vorübergehend Tokio.(Havas.) Ein Kommunique des KriegsministeriumS gibt bekannt, daß im Hinblick auf die ernste Lage in Nordchina der Beschluß gefaßt wurde, japanische Militärabteilungen dorthin zu entsenden. Auf einer Konferenz der Pro- vinzialgonverneure forderten der Kriegs- und der Marineminister Aufklärung der Bevölkerung über di, Notwendigkeit eines Einsatzes militärischer Kräfte in Rordchina. DaS Kommando deS japanische» Expeditionskorps unter der Führung von Generalleutnant Koisuki erklärte sich als di« allein zuständig« Stelle für die Regelung der Rordchina-Fragr. DaS EzveditionSkorpS soll«ine Stärke von fünf Divisionen erhalten. Shanghai.(Havas.) Wenn auch die Kämpfe in.Nordchina ausgehört haben,, halten chinesische Kreise die Gefahr neuer ernster Ereignissö keineswegs für beseitigt. Es herrscht die Ansicht vor, dah Vie japanischen Militärkreise in Erwartung der Ergebnisse der Verhandlungen in Tientsin zwischen General Suntschcn Juan und den Vertretern der japanischen Truppen bis. zum Eintreffen der Verstärkungen Zeit gewinnen wollen. Der Sprecher dev chinesischen Regierung erklärte, daß die militärischen Einheiten des LandheereS sowie auch die Fliegertruppen bereit sind, der 2V. Armee, zu Hilfe zu eilen, wenn die Japaner irgend eine kriegerische Aktion eröffnen. Diese ErNärung ist namentlich im Hinblick auf den.Umstand von Bedeutung, dah nach einer japanischen Erklärung die japanischen Garnisonen in Nordchina hauptsächlich zu dem Zwecke verstärkt wurden, um von dort aus gegen die 29. chinesische Armee ins Feld gestellt zu werden. Mlnderheltankonsreß gegen Minderheiten Der in. London versammelte Minderheiten- kongreh hat seine Beratungen mit der Annahme zweier Entschließungen, deren eine die Schaffung einer Minderheitenkommission beim Völkerbund fordert und deren-zweite von der Solidarität der europäischen Minderheiten spricht, abgeschlossen^ Diese„Solidarität" erscheint aber in eigentümlicher Beleuchtung durch die Vorgänge auf dem' Kongreß, der offensichtlich von den totalitären Führungen zuneigeyden Minderheitenvertrctecn beherrscht würde, Der SdP-Vertreter R u t h ä suchte in einer Rede. über dje Selbstverwaltung den Engländern ditz Forderungen der SdP mundgerecht zu machen,'indem er an die alte englische lokale Selbstverwaltung anknüpfte, die doch wirklich etwas völlig anderes ist.'als die verfässungS- mahige Auslieferung eines Bolksteiles- an eine einzige Partei.' Rutha behauptete, die Minderheiten hätten' den'besten Willen zum Frieden, aber eSwÜrdenicht ihre Schuld seih, wenn der Friede nscht erhalten- bleibk. Wie' dse'•„Wager> Presse" meldet, hat die Aüngrehseitung- a n d« r e n Bertrete rn äfiS d epsillsch.echo-slw-wa», -k-e i f e i n e.SH r.e ch e r l a wh» is e t-V feilt> ä.uch riichtdemB ertr eter des B'ü n'd eS.d a n d Wi r t e, H ä'ck e r l Und, der b''a.'S k i s'ch«'n- M.i.n d e.r h e i 1 wurde 'die'BeMe s-wng Ihrer R-'e f eva.t'e'v e r i> w e i'fi^ r t l' W'vräuf. trotz Widerspruches dell Vorsitzenden, ein baskischer'Vertreter die mündliche Erklärung'abgab! die baskischen Delegierten sähe»sich vcranläht, denKongreßzuver- lassen, weil er kein Minderheiten- k o n g r eh, sondern ein panger- man i s ch e r K o n greh sei. Die Nationalisten zerstören nach nnd nach jedes internationale Forum. Wenn ein Minder- heitenkongrehsolche Minderheitenfragen, die einer bestimmten Richtung, nämlich der dem Hitleris- niüs gleichgeschalteten, nicht angenehm sind, nicht erörtern läßt, wenn er über die Vernichtung einer Minderheit, der baskischen, nicht verhandeln läht, weil sich ein Teil der Vertreter den Vernichtern verbunden fühlt, und wenn nur bestimmte Rich» tuiigen innerhalb der Minderheiten zu Wort kommen könüen, dann wird der Kongreh zu einer Farce,-wird er wertlos für'die Minderheiten,, kann '«r für die Mlnderheiten gar nichts leisten. Aus 'eitler' Institution, die mahnendes Gewissen Europas sein- könnte, wird eine Deklamationsbühne für den Nationalismus. DaS mag dem Dritten' Reich wertvoll' erscheineni den: Minderheiten wird damit nur aufs Neue geschadet.- pacelll beim Papst. ' Stadt d«S Vatikans.(Havas.) Papst Pius XI. empfing Donnerstag den Kardinälstaats- sekretär'Pacelli und dessen Vertreter Msgr. Tar- dini, die-ihm- Bericht Über die;'Manifestationen erstatteten, denen- sie inFrankreichs beiwohnten sowie über die Aufnahme, die sie hort fanden. Der Papst äußerte über den Erfolg der, Sendung dcs Kardinals seine h ö ch st e B e f r i e d i g u n g. Neue Waffen Von Kurt Doberer An beiden Seiten der Front werden einem kommenden Weltkrieg geheimnisvolle, schreckliche und alles andere schlagende neue KriegLiverkzeuge angedichtet. In Deutschland ist eine planmähig organisierte Flüsterpropaganda am Werk, Mären über neue Waffen z» verbreiten, die der deutschen Heeresleitung die Möglichkeit geben sollen, den nächsten Krieg zu einem Spaziergang zu machen. Das deutsche Volk soll vergessen, wie und warum ver letzte Weltkrieg verloren wurde, es soll leichtgläubig und leichtfertig in den n ä ch st e n taumeln. Sonderbarerweise betreibt aber auch die Gegenseite, die Friedensfront, eine Propaganda mit geheimnisvollen neuen Kriegswafscn. Pazifistenwollen dadurch, daß sic das Gesicht des kommenden Krieges noch schrecklicher zeichnen als das des vergangenen, die Widerstandskräfte gegen den Krieg aufpeitschen. Negativ wird man damit zwei Dinge erreichen. Man wird einen unbegründeten Unglauben gegenüber solchen neuen Kriegswafsen erzeugen und man wird gegin alle SchreckcnSmittel dcs Krieges zugleich a b st u m p f« n. Bei einer positiven Wirkung dieser sonderbaren Friedenspropaganda kann daS Ergebnis nüch gefährlicher fein. Sie kann ein friedensbereites Land zu einer Panik treiben. Dort fühlen sich dann die Verantwortlichen Regierungsstellen durch die übermächtige geheimnisvolle Aufrüstung der drohenden An» grisfSbereiten an.die Wand gedrückt und find Mich ohne kriegerische Handlungen zü Zugeständnissen bereit, die dann selbst erst zur Wirklichen Kriegsgefahr führen. Das treffendste Beispiel dafür ist das England der letzten Jahre. Wenn durch Propagandisten des Friedens und des Krieges also gesagt wird, dah der lammende Krieg dnrch neue Waffen in keiner Weise den vorhergegangcnen. gleichen wird, dah er eine Lawine des Todes gegen den Schneeball deS letzten Weltkrieges sein werde, dann kann man ihnen die Tatsachen deS letzten großen Krieges ent« gegenhaltcn. Immer wurden vor dem Krieg solche Reden geführt und immer begann der Krieg doch dort, an jener Stufe der Technik, an der der letzte endete. Nur der Krieg f e l b st ist der entscheidende Weiterentwickler der Kriegsivasscn. Wohin dann abec schon in den ersten Monaten der Weg geht, das müssen alle, nicht nur die Generalstäbler,' abseits von jeder phantastischen Flüsterpropaganda erfahren. Emile Zola zeichnete die Larve deS kommenden. Krieges vor 1914: Mit den weittragenden Kanonen, den Haubitzen, die immer mehr Unheil anrichten, mit all den anderen Erfindungen, die uns in Aussicht gestellt werden, den Höllenmaschinen,, die auf Entfernungen von Kilometern ganze Regimenter vernichten sollen, cS ist klar, dah der Charakter des Krieges vollständig geändert werden wird. Er wird zu einer Art Wissenschaft, die den Feind zerstört, ohne dah man sich ihm zu nähern braucht. Der Weltkrieg hat Emile Zola recht und unrecht gegeben. Wohl tauchten im Verlauf deS großen Krieges entscheidende neue Waffen auf, aber der Kriegsvorteil wurde in-keinem Falle durch ein KricgsgeheimniS einer Partei erreicht. Es wurde zum Beispiel durch Einsatz der neuen Krupp'schen 42-8entimeter-Mörser— der Dicken Berta— der Fall der modernen belgischen Festungen beschleunigt, aber das war gegenüber dem ganzen Krieg nur eine Episode. Die wirklich entscheidend neuen, erst im Verlauf deS Krieges auftauchenden Kriegsmittel, wie zum Beispiel der Tank und.ter Stahlhelm, wären leine Geheim- konsttuktionen. Die deutsche Heeresleitung kannte sie schon Fahre vor ihrem Einsatz an der Front. Ihr fehlte nicht das Wissen, sondern das Können, der strategische und der taktische Weitblick.> Darüber' hinaus aber blieb vor allem das Problem des Tanks, des entscheidenden der modernen Kriegsmittel in den letzten Weltkriegsjah- rcn, in erster Ljnie doch auch einProblem des wirtschaftlichen Volumens d e r K«i e g s p r o d u k t i o n. Auch der Tankkritzg' wäre,' wenn nicht andere entscheidende Momente den Krieg beendet hätten, in erster Linie ein Problem der'Quantität und dann erst eines .der Qualität-geworden. Der letzte Krieg wurde also keinesfalls zu einer Wissenschaft, die durch Seite 2 Freitag, 16. Juli 1937 Nr. 165 die Qualität entschied, sondern zu einem gewaltigen G e s ch ä f t S m a n ö v e r, in dem die Organisation und die Quantität den Erfolg garantierte. Zwei Dinge lönnen bei allen neuen Kriegs« Werkszeugen nicht allzu lange geheim gehalten werde». Das eine sind die Grundprinzipien und das andere ist der wirtliche Stand der Versuchsergebnisse. Neue Prinzipien unter den KriegSmitteln entspringen dem jeiveiligen Stand der Technik. Sie lüngen von einem wirtlich unvoreingenomme« neu Beobachter vorauSgesagt werden. ES ist nicht abzuleugnen, daß durch den Aufbau geheimer Kriegslaboratorien der Großmächte die Theorie der allgemeinen Verbreitung neuer technischer Fortschritte auf kürzere Zeit ungültig gemacht werden kann. Aber dies geschieht dann auf Kosten des Geheimhalters ebenso sehr, wie auf Kosten der anderen. Es hat sich bei Kriegswertzeugen gezeigt, daß nur der praktische Großversuch über die Verwendungsmöglichleit Gewißheit geben kann. Wer zur Sicherung der Geheimhaltung vor dem Großversuch zurückschreckt, kann sich in eine Gefahr begeben, die größer ist, als der Wert der, Erfindung selbst. Der Besitzer des neuen Kriegsmittels wiegt sich in Sicherheit, in der Hoffnung auf eine Waffe, die beim praktischen Einsatz überhaupt versagt oder auch vom Gegner in kürzester Zeit mit primitivsten Mitteln paralysiert wird. Grundsätzlich stehen also den Großmächten zwei Möglichkeiten offen. Sie können einmal eine Erfindung vollständig geheim halten wollen und nur die in diesem Rahmen möglichen Arbeiten unternehmen. Dann können sie aber auch den Ausbau einer Erfindung mit allen Mitteln forcieren und nur auf die in diesem Rahmen mögliche Geheimhaltung Wert legen. Es ist leicht einzusehen, daß der erste Weg ein gefährliches Lot- ieriespiel darstellt. Der zweite Weg schließt dagegen das größte Maß von ErfolgSmöglichkeiten in sich. Dieser Großversuch macht jedoch vollständige Geheimhaltung unmöglich. Irgendwelche Einzelheiten werden immer bekannt, am ersten natürlich, wenn solche Versuche während eines„Probe- kriegeS" wie jetzt in Spanien stattfinden. Aber auch bei den im Inlande vorgenommenen Versuchen konstruiert der Fachmann im feindlichen Laboratorium auS kleinen Details den Stand der Experimente. Er führt zugleich den Indizienbeweis für die Grundprinzipien der neuen Erfindung. Anfang und Ende des Fadens sind dann in seiner Hand. Die fehlenden Zwischenglieder, die letzten Konstruktionseinzelheiten, die Erfahrungen, die während längerer Versuche gesammelt wurden, das ist allein der reale Vorsprung gegenüber dem Gegner. Diesen Vorsprung suchen dann die Mächte durch Spionage' aufzu- holen. Ein treffendes Beispiel ist hier der Fall des polnischen Obersten SoSnowski, der die Pläne der deutschen schweren Dampfbomber durch einige, adelige deutsche Damen stehlen ließ. Wenn man aber trotzdem vom Geheimnis neuer KriegSwaf- , fen sprechen kann, so bezieht sich daS auf die breite ' Oeffentlichkeit. Dadurch, daß jeder die neuen Kriegsmittel gegen den anderen einsehen kann, werden nicht ihre Schrecken, sondern nur ihre siegende Gewalt aufgehoben. Sie erhalten- darum keinen Einfluß auf die Kriegsdauer, wie sich das etwa der deutsche Generalstab in einem neuen Va-Banque« Spiel durch ein schlagartige? Einsetzen seiner Lustivaffe verspricht. Diese auf den zermürben-1 den Stellungskrieg des Weltkriegesfolgende Psychose, die den furzen entscheidenden Bewegungskrieg proklamierte, den Luftüberfall in der einen ersten Nacht, den UeberrumpelungSstoß durch die Tankarmee, ist lange wieder im Verblassen. Man kehrt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, zu der Anschauung, daß den Krieg die ökonomische Potenz entscheidet. Weil nicht den Krieg, aber den Kriegs- beginn noch andere Dinge entscheiden, weil die Unkenntnis der modernen krieg-technischen Möglichkeiten die Allgemeinheit durch SchreckenS- Da» Ministerium für nationale Verteidigung erließ am 12. Juli die Richtlinien über die Bewilligung des Betretens von Unternehmen, die für die Staatsverteidigung wichtig sind und für die Einhaltung des ProduktionSgeheimnisteS in derartigen Unternehmen. Die Richtlinien sind im Amtsblatt vom 16. Juli veröffentlicht. Nach h 21, Ws. 4, des StaatSverieidigungS- gefeheS vom 18. Mai 1986 sind die Besitzer von Unternehmen, die für die StaatSverteidigung wichtig sind, verpflichtet, den Zutritt zu ihrem Unternehmen oder in besten Teile unbefugten Personen zu verwehren, namentlich, wenn eS sich um Ausländer handelt. Ein derartiger Zutritt oder eine Besichtigung der Unternehmens oder seiner Teile ist nur nach besonderer Bewilligung der Militärverwaltung gestattet. Dar Nationalverteidigungsministerium wird jedoch die Einhaltung der im 8 24, Abs. 4, der StaatrverteidigungSgesetzes vorgesehenen Vorschriften nur bei nachfolgenden staatSwichtigen Betrieben fordern: 1. Bei solchen, wo ein militärisches Aufsichtsorgan bestellt ist. 2. Bel solchen, welchen durch eine schriftliche Weisung der Militärverwaltung die Geheimhaltung bestimmter Gegenstände aufgetragen wurde. 8. Bei Betrieben, die nach 8 26/27 des StaatSverteidigungSgesetzeS registriert sind oder 4. welche der Militärverwaltung Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate liefern. Die Pflicht zur Geheimhaltung bezieht sich entweder auf das gesamte Unternehmen oder'auf besondere Abteilungen und Räume. AlS unbefugte Person, die zum Betrete» eines solchem Betriebe» schristliche Bewilligung braucht, gilt jeder, der nicht auf Grund seiner Beschäftigung in de« Betrieb oder seiner Funktion im Aussicht»-, Derwaltung»- oder ReviflonSorgan»der auf Grund eine» besonderen Befehl» selten» der Staatsbehörde befugt ist, da» Unternehmen(seine Abtellungcn) zu betreten; oder wer nicht al» Besitzer de» Unternehmen» dazu berechtigt ist. Die Verwaltung de» Unternehmen» ist verpflichtet, von Eintritt in jene Pro- duktionSabteilUngan, BersuchSkaboratorlen u. ä. zu verwehren, in welchen an vertraulichen»der geheimen Lieferungen für die Militärverwaltung gearbeitet wird; die» gilt auch von den eigene« Angestellten, sofern sie lei der erwähnten Produktion nicht beschäftigt sind. Das Betreten der kommerziellen und admini- nistrativen Gebäude und Räume, wo gewöhnlich die Handels- und ähnliche Jntereffentenbesuche oder Besuche von Handelsvertretern empfangen werden, ist nicht an eine schriftliche Bewilligung gebunden, wenn in diesen Gebäuden und Räumen keine Anermerkun- gen, Modelle, Zeichnungen usw. von militärischen Lieferungen zugänglich sind, die im Jntereste der StaatSverteidigung geheim»ehalten werden sollen. Die» gilt auch von Geschäftibesuchen von Ausländern. Phantasien in Panik stürzt, deshalb., muß in realen Schilderungen der Fortschritt deS Todes gezeigt werden. Wenn wir wisse»,.daß auch die Mächte deS Friedensblocke» über die.neuen gefährlichen Waffen verfügen können, tvenn wir sehen, wie gegen jedes der neuen geheimnisvollen Krlegswerkzeuge auch ein Abwehrmittel bereit steht, wird die deutsche Panil-Propaganda unwirksamer werden. ES werden die Legenden zerstört, die die nationalsozialistische Flüsterpropaganda zu dem Zweck aufhäuft,, um Hitler-Deutschland gegen die Front der Friedensbereiten siegen zu lassen, ehe eS noch den Krieg begonnen hat. Für oberflächliche informaflve Besichtigungen ist unter folgenden Bedingungen keine schriftliche Bewilligung notwendig: Wenn es sich nicht um den Zutritt zu einem Unternehmen handelt, in welchem eben an Lieferungen für die Militärverwalwng gearbeitet wird; wenn die Besucher tschechoflowakische Staatsbürger sind und die Besichtigung in solchen Gruppen erfolgt, daß der Führer die ganze Gruppe beobachten kann, um das Photographieren«der Zeichnen von Einrichtungen oder ein Detailstudium maschineller Einrichtungen und der Produltionipro- zeste zu verhindern.- Beim Betteten de» Unternehmen» selten» fremder Personen, welche zur Durchführung bestimmter Arbeitsleistungen berufen wurden, muß die Verwaltung de» Unternehmen» alle Vorkehrungen treffen, damit die Interessen der Staatsverteidigung uichi bedroht werden. Bewilligte und verwirklichte Besichtigungen werden in besondere Listen eingetragen. Der Zuttitt zu Unternehmen mit einer Produktton, die für die StaatSverteidigung besonder» wichttg ist, ist in allen Fällen an die Bewilligung der Verwaltung de» Unternehmen» gebunden, die mit Zustimmung de» Na» ttonalverteidigungSministerium» erteilt wird. Besitzer von staatswichtigen Bekleben, ihre Organe und Angestellten sind verpflichtet, Sachen, die im Interesse der Staatsverteidigung geheimgehalten werden sollen, ebenso und mit den gleichen Skaffolgen geheimzuhalten, wie Personen in öffentlicher Stellung. Da» gilt auch von anderen Personen (z. B. Lieferanten), denen da» Unternehmen Sachen anverkaut hat, die im Interesse der StaatSvertei- digung geheimgehalten werden sollen. Jede Person, die mit einem solchen Betrieb, wo Dinge diskreter»der geheimzuhaltrnder Natur her- gestellt werden, in Berührung kommt, muß eine besondere Dienstbelehrung darüber unterschreiben, daß sie alle Tatsachen, welche sie während ihrer Anstellung im Unternehmen erfährt, geheimhält, und da» sowohl während der Zeit, in der sie dort beschäftigt sein wird, al» auch nach ihrem eventuellen Ausscheide» au» dem Betrieb,.Staatlich nicht, verläßliche Personen dürfe» in derartigen Betrieben nicht beschäftig sei». Auch muß für da» Einarbeiten von Ersatzleuten an führenden öder wichtigen Stellen des Unternehmen» Sorge gettagen werden. Da» Unternehmen muß«ine Evidenz aller Betriebsangestellten (Zahl und Qualität) führen, weiter» jener, welche nicht direkt im Unternehmen beschäftigt sind, aber' Zutritt»um Betrieb haben, und zwar infolge ihre» Dienstverhältnisse» zum Unternehmen, z. B. al» Vertreter; schließlich jener Personen, welche von Zeit zu Zeit da» Unternehmen betteten, sofern sie die Möglichkeit haben, den Produktionsprozeß zu sehen oder zu erfahren, welche Gegenstände in dem Betrieb erzeugt werden. Die staatSwichtigen Betriebe haben die Pflicht, I ihre Objekte bei einheimischen Versicherungsanstalten zu versichern und Besuche von Organen der' Versicherungsanstalten nur- mit Genehmigung des Nätto- nawertetdigungSministerium» zu gestatten. Sie haben auch die Pflicht,, die Zustimmung de» Rational« verteidigungSministerum» bei der Anstellung, von technischen«der Patentberatern einzuholen, namentlich, wenn e» sich um Ausländer handelt,& Noch keine Beschlösse Die gestrigen Regierungsverhandlungen führten zur Erledigung nur eines Teiler der Tagesordnung, brachten aber in den bekannten umstrittenen Fragen noch keine Beschlüsse. Di« Sitzung wird fortgesetzt. Die gestern stattgefundene Sitzung der Getreidegesellschaft endete unter diesen Umständen ergchnislo», da die Entscheidung der Regierung über die Getreidepreise noch aus steht. Die Getreidegesellschaft wird in den nächsten Tagen, vielleicht bereit» am Samstag, erneut zusammentreten.. Ueber den Ministerrat wurde der nachstehende Bericht auSgegeben: Der Ministerrat begann seine übliche wöchentliche Sitzung bereit» am Donnerstag, den 15. Juli nachmittags und stimmte nach einem Referate de» Vorsitzenden der Regierung' dm Entwürfen weiterer Maßnahmen zur Bervoll«' kommung der Staatsverteidigung, wie sie vom Obersten Staatsverteidigungsrat in feinen Sitzungen am 9. und 14. Juli l. I. empfohlen wurden, zu. Weiter» wurde nach Durchberatung der laufenden handelspolitischen Angelegenheiten auf dem Gebiete der-Beziehungen zu den übrigen Staaten da» Abkommen über die kulturellen Be« Ziehungen zwischen der Dschechoflowakei und Norwegen, da» im März l. I. in Oslo vom norwe- qlfchen Kultus» und Unterricht»minister und vom tschechoslowakischen Minister für Schulwesen und BolkSkultur vereinbart wurde, angenommen. Auf dem Gebiete der administrativen Angelegenheiten wurde die Zustimmung zu der Errichtung einer, neuen Filiale der Tschechoflowakische» Nationalbank in Jablonec a. Jser ausgesprochen. Der Vorsitzende der Regierung erstattete dann Bericht Wer die Ergebnisse der bisherigen Beratungen der engeren Ministerkomitee» Über den Vertrag der tschechoflowakische» Getreidegesellschaft mit dem Staate, weiters über deren Statuten und die Richtlinien der Kommissionäre und über die Festsetzung der Getreidepreise. Außerdem wurde die Tagesordnung der Berwaltungs», Wirtschaft»- und Personalangelegenheiten erledigt. Die Sitzung de» Ministerrate» wird noch fortgesetzt werden. "' Der ehemalige' kommunistische Abgeordnete Han», der wegen seiner einst von den Kommunisten verherrlichten Gewalttätigkeit seine» Abgeordnetenmandats verlusttg erklärt wurde und später nach Rußland ging, wurde, wie„När. Osv." meldet, dort verhaftet uNd befindet sich seit Monaten im Gefängnis. Er ist die» der zweite kommunistische Abgeordnete au» der Tschechoslowakei, den das Schicksal in Rußland traf. Der Karpathorusse Mondo! wurde bei dem Prozeß mit den ukrainischen Nationalisten zum Tode verurteilt und hingerichtet. Minister Dr. Spina hat seinen Urlaub angetreten. Vorschriften r urWehrbetriebe DurcMQhrungserlaB des Natlonalverteldlgungsmlnlsteriums zum Staatsverteidigungsgesetz COPYRIGHT BY 8 ATURN- VERLAG, WIEN „Aber lieber Herr. Das alles stimmt ja nicht. Was soll denn dem Mädel zum Lesen« und Schreibenlernen ein Nationale? So streng wird's ja nicht sein." „Ich brauche das vor der Schulbehörde, um die Ausnahme zu rechtfertigen." Seufzend ergab sich Dieter.- „Naniel"— Wie hieß sie? Liapaleng. Das war kein Name.„Sagen wir also Bella."— „Zuname?"— Nicht daß ich wüßte.— Ge- burtS- und Taufscheinl"— So etwas gibt's in Afrika nicht. Mer geboren ist sie, daraus können Sie sich verlassenl"—„KonsessionI"— Dieter kraute sich hinter den Ohren.„Sie wird wohl die Negerreligion haben." „Ist sie vielleicht katholisch getauft?" .Beileibe neinl" „Das wäre aber gut, dann hätten wir wenigstens einen Taufschein." „Meinetwegen, auf ein bißchen kalte» Wasser mehr oder weniger kommt es ihr nicht an, sie wird vielleicht eher weiß davon." „Name und Stand, Titel und Eharakter des Vaters I"—„Wie der Kerl heißt, weiß ich nicht, schreiben Sie einfach: König in Afrika."— „Aber das geht doch nicht, um Gotte» Christi willen I" „So geben Sie mich als Ziehvater an!"— Kopsschütteln des verzweifelnden Schulmannes. Zuständigkeit!„Afrika." Asrikal Da» war wieder eine Antivorti Afrika war groß. Sie muhte doch eine Heimatrgemeinde haben, oder nicht? Von dem hartnäckigen Bildungswert bezwungen, ergab sich der Oberlehrer in die völlig ordnungwidrige Existenz und Schulunwürdigleit Bellas, wobei er sich als Uebertreter aller Vorschriften recht unbehaglich und von einer peinlichen Rüge feiner Vorgesetzten bedroht fühlte. Schweihbedeckt verließ Vater Dieter den Lehrer, es hatte einen harten Kampf gekostet, bis Bella zum ersten Male mit einer Tasche auf dem Rücken, neben Josef in die Schule ging, um ohne Ausweispapiere das ABE zu lernen.' Morgen» vor acht Uhr war die Straße mit lauter steinen Leuten gefüllt, von denen sittsam und bedächtig, allein oder paarweise die einen, toll und abenteuerlich, raufend und balgend die anderen den täglichen Weg in die Schule gingen, um dann vier lange Stunden seufzend auf den Schulbänken zu sitzen und aufzupaffen. Al» Bella und Dieter zum erstenmal unter diese Schar gerieten, bildete sich ein Spalier von Kindern, di« zischten, tuschelten, riefen und auf die Schwarze mit Fingern zeigten. Darüber erbost, riß Bella die Schultasche vom Rücken, hieb damit nach rechts und links gleichmäßig um sich, so daß sie die Gaffe frei bekam und rief trotzig den davoneilenden nach„Pamschabel verfluchter, Saubllttelböhm", oder wa» ihr sonst an tschechischen und deutschen Schimpfworten geläufig war, die sich auf alle Feinde und Gelegenheit reimen, wie Pack dich auf: ich schlag dich! Im Schulzimmer gab es ein ähnliches Hallo und ähnliche Abwehr, nur daß Bella dort einen blonden Zopf zu packen kriegte und den zugehörigen Kopf hin und her zog wie einen Glockenschwengel, mit dem schönen mitgebrachten Lineal wie mit einem Negerschwert um sich hieb und schließlich verflucht, gefürchtet, verspottet und gemieden als eine wahrhafte afrikanische Gottesgeißel in der letzten Bank allein saß. Mer sie durste- sich nur zwei Tage lang unter den Weißen Kindern aufhalten, denn der Lehrer bekam wegen der menschenfreundlichen Aufnahme der wilden Negerin so nachhaltige Beschwerden der Eltern zu hören, die über Mißhandlungen ihrer Töchter, über blaue Flecke, Beulen, ausgeriffene Haare, ruinierte Kleider, zerriffene Bücher, um die Köpfe geschlagene Hefte unter Vorweisung der betreffenden Schäden so entschiedene Klagen vorbrachten, daß er Bella dem Herrn Dieter schließlich al» gänzlich unbrauchbar und leider bürgerlich unmöglich wieder zur Verfügung stellte. Josef, der sich kn der Rolle des Beschützers und Begleiter», einer schwarzen Königstochter gefallen hatte, war Wer diese-schnöde Behandlung wie sein Vater entrüstet und ttug in der nächsten Zeit mehrere Ehrenbeleidigungen ritterlich gpr, welche ihn und seine Gesährttn verunglimpften. Bella fand sich bald'in ihre Unbildung, rieb und scheuerte und begnügte sich damit, wenigsten» von außen ihrer angeborenen und verfluchten Schwärze Herr zu werden, ließ sich doch im Grunde auch ohne das Einmaleins auf der West sein. Wer die ruhigen Zeiten hörten auf, in denen Bella getrost gelebt hatte, wie ein Sommervogel in der Wärme des blauen Julitage». Wolken zogen auf. Bella sah sie zuerst nicht einmal, bis sie schwarz und schwer Wer ihrem Haupte hingen und das Gewitter dastand, so unverschuldet wie unabwendbar. Die Frau fbleter war immer schon müde gewesen,' das Gehen fiel ihr schwer, sie konnte die täglichen Arbeiten nicht, mehr bewältigen, und eines Wends kam aus ihrem stöhnenden Munde ein kleiner, roter Blutstrahl, und dann mußte sich die Arme niederlegen und erhob sich nicht mehr von ihrem Bette, hustete immer stärker, schwerer, mWstliger,.wurde immer blässer und immer röter und lag tagelang mit halbgeschloffenen Augen da, die fleißigen Hände kraft-- los auf der Decke, die Finger spielten auf dem Tuche, wie verirrte Kinder. Und über dke vertraute Stube sank von seihst, ohne daß irgendwer es geboten hätte,«ine zaghafte Sttlle. Alle flüsterten, Bella saß in einer Ecke und sah mit unwissenden Augen auf die Frau im Bette, und was mit ihr geschah. Josef kam au» der Schul, und setzte sich dazu und redete kein lautes Wort. Jetzt gab es kein. Wasserschaff am Mend, kein Schaukeln auf Herrn Dieters Knien, und eines Tages hatte die arme Frau die Augen ganz geschlossen, sie rief nicht einmal mehr ihren Mann und ihren Buben zu sich,-sie hättf kein letztes Lächeln und strich nicht einmal mehr über Josefs blonden Scheitel, sie schlief hinüber und war aus der Reinen Welt fort. Ditter stand' vor ihr und schüttelte den Kopf und wußte nicht, was er sagen sollte. So früh schont Sie hatte doch einen so kleinen Jungen und hätte sich noch durch ein gutes Stück Plage arbeiten'müssen, bis sie vielleicht auch an dem Buben ein wenig Freude gehabt hätte. Er führte die beiden Kinder zu dem Bett und ließ sie sie Tote anschauen, die mit müden, fttengen Zügen wachsgelb dalag' und schwieg. Josef barg seinen Kopf an dem Knie de» sitzenden Mannes und sah, daß der Tod unerbittlich war, ein furchtbarer Gott. Bella schaute von der Tosen zu den Lebenden, ratlos,, irr, und bekümmert, bis sie bktterlich heulte, denn dazu bedurfte e» keiner Belehrung, zu erfcchrestDaß da etwas Rechtes gestochen und zerstört, eine,»stegemutter ihr genommen war, dis n« HleiNMih und rein machen konnte.\ Man bestattete die Tote und kehrt«, in die verlassene Behausung zurück. Mer es war nicht mehr das alte Leben, da» man aufmchm. Eine Waschfrau half bei der kleinen Wirtschaft, und Bella rieb und scheuerte ohne Dank. Niemand besah mehr ihre roten Handflächen und fand sie blasser.- Mittlerwrile war Heskh in der Wektempor» gestiegen und«in hoher Herr geworden,, Er hatte sein fertige» we« in glänzendem Prachtbande dem Monarchen überreicht, ein ftattlichK Honorar geerntet, seine gewesene Braut Gefriedigt, nun reifte«r in ganz Oesterreich umher, hielt Borträge, feierte Triumphe- rüstete zu einer neue» Reise, kehrte doppelt bedeutend wieder in seinen gelichten Prater zurück.' lSortsetzung folgt.). Nr. 165 Freitag, 16. Juli 1937 Seite 3 20 Bergleute In Nordamerika getötet New Bork. In Sullivan im Staate Indiana sind bei einer Schlagweterexplosion in dem Koh- lenbergwerk 29 Bergleute ums Leben gekommen. Drei Leichen konnten bereits geborgen Iverden und 16 Leichen befinden sich noch in der Grube. Im Augenblick der Explosion befanden sich 208 Bergleute in der Grube und mit Ausnahme von 20 wurden alle lebend gerettet, doch sind einige schwer verletzt und ihr Zustand wird als kritisch bezeichnet. ’fudetendeutscficr Zeitspiele! 3000 streikende Handschuharbeiter demonstrieren in Abertham Karlsbad.(E. B.) Die streikende Handschuharbciterschaft des Erzgebirgsgebietes war für Donnerstag zu einer zentralrn Kimd- gebnng nach Abertham aufgerufe» worden. Sie leistete dem Ruf bis znm letzten Mann Folge. Scho» lang« vor dem angesetzten Zeitpunkt ver- smnmelte» sich Gruppen in den Straßen von Abertham und erwarteten die Sitzstreiker, die auS den Betriebe« kamen. In laugen geschloffenen Kolonnen trafen di« Streikenden auS den umliegenden Orten«in. Gegen 3000 Menschen versammelten sich auf dem Aterthamer Schulplatz. AuS ihren Zurusr» und dem Beifall» mit welchem st« die Ausführungen der Redner aufuahmen» klang die Empörung über daS uiisoziale und unmenschliche Verhalte» der Fabrikanten. Zu der Kundgebung war eine Vertretung der Bezirksorganisation der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei erschienen» welche die Verbundenheit der Partei und ihre Sympathien für die kämpfenden Handschuharieiter bekundet«. Der GewerkschaftSselretär Hofmann eröffnet, di« Kundgebung mit der Feststellung» daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen geschloffen hinter ihren BertrauenSleuten und ihren Forderung«» stehen. Rach ihm ergriff daS Wort der Vertreter des BekleidungSarbeiterverbandeS Schill« r-Reichenbrrg, um einen Bericht über die Verhandlungen zu gebon. Di« Unternehmer haben bei de» Verhandlungen erklärt, daß ein Tarifverhältnis bestehe und dir Arbeiter kein Recht hätten, jetzt Forderungen zu stellen, denn dies wär« Vertragsbruch!(Empörte Rufe.) Die Unternehmer wollten Entgegenkommen beweisen, keinesfalls jedoch in der Form eines allgemeinen perzentuellen Lohnzuschlags. Sie bieten mit Ausnahme der Handschuhnäherinnen eine einmalige Aushilfe in der Höhe eines Wochenlohns, zahlbar in zwei Raten(neue empörte Rufe), dagegen würden die Lohntarife unkündbar bis Ende März 1938 in Kraft bleiten. Die Gewerkschaftsvertreter haben den Unternehmern vorgerchhnet, daß dieses Angebot statt der geforderten 25 Prozent nur ein Zehntel beinhaltet(stürmische Entrüstung). Der Redner forderte die Anwesenden auf, zusammen- zuhalten und diesen Anschlag wie eine Mauer ab-, zuwehrcn, an welcher stch die starrköpfigen Unternehmer die Köpf« einrennen müssen. Rach Schiller sprach«in Vertreter der DAG, der gleichfalls das unsoziale Verhalten der Unternehmer verurteilte und versprach, den Kampf nach Kräften zu unterstützen. Im Namen der Streikenden sprach Bauer- Atertham. Er schilderte dir furchtbare Lage der Arbeiter und besonders der Frauen und erklärte, daß die Arbeiterschaft so einig und geschloffen wie sie heute sei LIS zum gemeinsamen Siege bleiben müsse. Eine vom Versammlungsleiter Gen. Hofmann«orgelegt« Resolution wurde einstimmig angenommen. die Kriegsopfer wichtige Fragen werden In dieser Zeitung behandelt. Durch die Leitung des Bundes und der 800 Ortsgruppen wird der Oeffentlichkeit und namentlich den Gemeindeämtern eine ganz bedeutende Arbeit abgenommen. Volksgemeinschaft nur bis zur Brieftasche Unter diesem Titel läßt sich das Organ des Bundes der Landwirte, ,,Dcutfcher Landrus", aus Bärn nachstehende Angelegenheit berichten, die ein bezeichnendes Licht auf die Wahrung des deutschen Besitzstandes durch die SdP wirst. ES handelt sich um den SdP-Kameraden Hans Appel, der sich, wie der Bericht zeigt, eeftzlWi'H fitA seine eigeneBrieftäsche^betätigt hat. Wir lassen den Wortlaut der Notiz, der wir sonst nichts hinzuzufügen haben, folgen: „Das Mitglied der SdP, Kamerad Han» A p p e l, hat«in Grundstück zum Bau« der tschechischen Minderheitsschul« in Bärn verkauft. In SdP» Kreisen wurde versucht, die Sache so darzustellen, al» ob«r sich um ein« Enteignung handeln würde. Wir sind auf Grund unserer Erhebungen in der Lage mitzuteilen, daß der Verkauf vollkommen freihändig erfolgt«, was auch schon aus der Höhe des Kaufschillings hervorgeht. Wir hätten von dieser Sache keine Erwähnung getan, da wir gegen den Bau eines tschechischen Schulgebäude-, wenn ge» niigend tschechische Kinder vorhanden sind, nicht- einzuwenden haben und weil dadurch endlich einmal die tschechische Schule au- dem Gebäude unseres deutschen Kindergarten- herauskommt. Aber man muß auf diese- Vorkommnis doch aufmerksam machen, weil 20 Jahre Bund der Kriegsverletzten Am 1. Juli 1987 waren es 20 Jahre, daß der Bund der Kriegsverletzten(B. d. K.), gegründet wurde. Roch zur Kriegszeit wurde vom Gründer des Bundes die Notwendigkeit erkannt, eine Stelle zu schaffen, di« sich der Kriegskrüppel, der vaterlosen Waisen und der Kriegerwitwen anzunehmen hat. Die ungenügend gelöste Ber- sorgungSfrage, die nach einem Gesetze vom Jahre 1875 behandelt wurde, die Rat» und Hilflosigkeit der Kriegsopfer, um die man sich nicht viel kümmerte, ließen den Gedanken reisen, den Kriegsopfern eine Bereinigung zu schaffen, die ihnen Stütze und Hilfe bietet. Und so schritt der damals noch in SpttalSpflege befindlich^ Frontsoldat Bern ha r d-L- p p i n daran,' den-Bund der KriegSverletzten für Oesterreich zu schaffen. Als der Umsturz kam, mußte der Gedanke, alle Kriegsopfer der österreichisch-ungarischen Monarchie zu erfassen, fallen gelassen werden und eS konnte sich die Tätigkeit nur auf die Tschechoslowakei beschränken. Dem Bunde sind anläßlich seines 20jährigen Bestandes aus dem In- und Ausland, u. a. von den deutschen Ministern der TSR. Dr. C z e ch, Dr. Spina und ZajiL«k, vom Minister für soziale Fürsorge Jng. R e i a S Glückwunschschreiben zugegangen. In allen diesen Schreiben wurde» immer wieder die Verdienste des Bundes hervorgehoben. Der Bund der KriegSverletzten hat nicht nur bestimmend an der Ausgestaltung der Versorgungsgesetzes für Kriegsbeschädigte und Nachsriegsbeschä- digte mitgewirkt, sondern auch eine Menge eigene Fürsorgeinrichtungen geschaffen, die den armen Mitgliedern zugute kommen: da» allgemeine Unier- stützungskonto, das Kriegsblindepkonto, das Frei- bettenkonw, das Erholungsheim in Pölitz a. d. E., die Ferienaktion für schulpflichtige, erholungsbedürftige Kinder au» den Notstandsgebieten. Dazu kommen die zugunsten der Mitglieder durchgeführten Interventionen bei den Zentralämtern, die Gewährung von Rechtsschutz in KriegSbeschädigten-Bersor- gungsfragen. Die Effekienlotterien, die der B. d. K. durchführt, müssen wesentlich zur Aufbringung der Mittel beitragen. Auch die durch den Verkauf der BdK-Zünder erzielten Beträge Lienen denselben Zwecken. Die Gterbekaffe, die der Bund der Kttegpber- letzten für seine Mitglieder in» Leben rief, zahlte bisher nach 6922 Verstorbenen 2,600.800 Kä an die Hinterbliebenen au». Der Beitrag für diese Sterbe» kaff« beträgt jährlich 6 flö DI« Melder, die zur Erhaltung der BundesageNda, sowie für' die Verwaltung' der"Fürsorgeeinrichtungen notwendig sind, werden au» den Mitgliedsbeiträgen, die' für die Hauptleitung 40 Heller per Mitglied" und Monat betragen,' gedeckt. Di« Zeitung„Der Kriegsverletzte",' die der Vvnd herausgibt und di« jedem Mitglied« monatlich zugeht, klärt ständig di« Mitglieder über alle Krieg»» befchädlgten-GefitzeSsragen auf. Auch andere für Spanische Reise Von Karl Kern Einige Eindrücke au» dem kämpfenden Spanien, aus dem unmittelbaren Umgang mit der Bevölkerung geschöpft, mögen uns erkennen ' lassen, in welch heldenhafter Beharrlichkeit Spaniens Volk an seinen Sieg glaubt und für ihn arbeitet. Hunde vom Krieg In C« r b i r e 3, der letzten französischen Grenzstation in den Pyrenäen, begegnen uns die ersten Mitglieder der spanischen Volksarmee, krafwolle junge Gestalten in alten Uniformen und tnit blitzenden Augen. Sie begleiten den internationalen Verbindungszug von TerbkreS nach Port B o u, der ersten spanischen Grenzstation. Hier In CerbkreS steht ein Zug mit Flüchtlingen. Da sind Frauen in tiefer Trauer und arme Kinder; Kinder, denen die Fahrt in die Freiheit und in die Sicherheit des Lebens auch ein großes freudiger Ereignis ist. Sie bestaunen die neue Umwelt und balgen sich ftöhlich. Di« Armut ihres Daseins ist nur auS den ernsten Mienen der Mütter zu erkennen, die den Mann und die Söhne im Kriege zuriickließen und die unwirtlich gewordene Heimat verlassen. Ungewiß ist das Schicksal, da» sie iw der Fremde erwartet; aber es ist nicht mehr zu befürchten, daß Granaten und Fliegerbomben die Leiber ihrer. Kinder zer» fetzen. Ein Signal— der Zug entschwindet unseren Blicken; das Gelächter der Kinder klingt noch lange i»,unsren.Ohren. Möge den. Kin- dern,. die der Hhlle des Bürgerkriegs.entronnen sind, und ihren schwergeprüften Müttern Glück und Freude heschied«» sein.., I Schon sind, wir, den..langen Grenztunnel Zur Wettausstellung nach Parts und Arbeiterolympiade nach Antwerpen im Autetuö vom 24. Juli bi» 4. August für XL 1490.— einschl. Fahrt, voller Pension, Rmcdf»hrtm» Edttritte, Führungen«te.— verlangt!» Sir Prospekte vyndrrURO-s Reisekanzlei vodentach(Pelrphon 557).!verlassend, in Port Bau. Links oben auf der wir genau wissen, wie die ganze SdP-Preffe aufgebrüllt hätte, wenn«In Bund-der-Landwirte-Mmn ein Grundstück zum Baue einer tschechischen Schale verkauft hätte. Da hätte man mit„Verrat" und „Volksverrätern" nicht gespart. Freilich, wen» er ein„Henlein-Kamerad" tut, ist er etwas gan- anderes. Man sieht aber auch au» diesem Beispiel wiederum klar: Bei den„Kameraden" reicht die Vollsgemeinschast nur bis zur Briestaschei" Verurteilung des Zettlitzer Ortsvorstehers rechtskräftig Wie wir seinerzeit berichteten, wurde der gewesene deutschnationale Ortsvorsteher von Zettlitz, Ant. Schlosser, wegen Veruntreuung von Gemeindegsldern in der Höhe von rund 200.000 XL vom Kreisgericht in Egev zu 18 Monaten schweren Kerker mit 18 Fasten verurteilt. Schlosser bracht« gegen dieses Urteil beim Obcrgcricht in Brünn die Berufung ein. Nun hat das Obergericht die Berufung abgcwiesen und das Urteil wurde damit rechtskräftig. Schlosser, der von der deutschen Wahlgemeinschaft zum Vorsteher gewählt war und das vollste Berirauen seiner Mannen genoß, hat diese durch seine Handlungen enttäuscht und die Gemeinde Zettlitz in große finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Geldstrafen wegen Brotpreiserhöhungen in Leltmerlfe Wie in anderen Gebieten Böhmens hallen kürzlich auch di« Mitglieder der Leiimeritzer Bäckergenossenschaft einverständlich eine Brotpreiserhöhung durchgeführt. Die Brotpreiserhöhung wurde aber von der Behörde nicht genehmigt und eS wurden jetzt 26 Mitglieder der Leit- meriher Bäckergenoffenschaft wegen der ohne Bewilligung der Behörden geforderten höheren Brotpreise mit größeren Geldstrafen belegt. Ole Präsidenten-Reise nach NordmMhren Präsident Dr. Beneä trifft am 18. August in O l m ü tz ein, wo er in der erzbischöflichen Residenz Quartier nehmen wird. Der Aufenthalt des Staatspräsidenten in Olmütz ist für vier Tage vorgesehen. Er wird von dort aus einige kürzere Exkursionen unternehmen. Das genaue Programm für die Besuche der nordmährischen Provinz und damit auch der deutschen Ge- meinden, die Präsident Dr. Bepeö besuchen will, wird im-Lauf«- der-nächsten- Woche. fest-- gefetzt.(DND) Abg. Wenzel Falsch spricht heute 18.35 bis 18.45 in den„Aktuellen zehn Minute n" der Prager Deutschen Arbeitersendung. Unfall bei Manneimann. Dienstag abends (zweite Schicht) ereignete sich in der Abteilung Walzwerk der ManneSmannwerke in Komotau ein Unfall, durch welchen der Arbeiter Pan- Hans schwer verletzt wurde und in das Krankenhaus übergeführt werden mußte. Dieser Unfall passierte an derselben Stelle, wo bereits vor drei Jahren ein ähnliches Unglück geschah. Seitdem hat der BetriebSauSschuß schon mehrmals darauf verwiesen, daß etwas unternommen werden müsse, damit in Hinkunft Unfälle vermieden werden. Anscheinend hat der Abteilungsleiter, Jng. Eger, trotz der Intervention des BetricbsauöschusseS, nichts unternommen, um die UnsallSgefahr aus ein Mindestmaß herabzusehen. Hoffentlich kommt es jetzt endlich nach dem neuerlichen Unfall zu der geringfügigen Aendcrung, Ivie sie von dem Betriebsausschuß vorgeschlagcn wurde. Flüchtiger Leiimeritzer SdP>Gcschäftömann in Warnsdorf verhaftet. Der Kaufmann Norbert S e l l n e r hatte vor'einigen Monaten in: Anschluß mi ein von seiner Mutter in Aussig betriebenes gleiches Geschäft am Leitmeritzer Marktplatz ein Herren- und Damenkonfcktionsgeschäft eröffnet. Obwohl er als besonders eifriger„SdP- Anhänger" für das einzige»arische Geschäft der Branche"eine große Reklame gemacht hatte, scheint Sellner vom Anfang an mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt zu haben und war auch in den letzten Wochen wiederholt von Exekutionen verfolgt. In den letzten Tagen der vergangenen Woche blieb das Geschäft gesperrt, das Personal, das schon längere Zeit keine Entlohnung mehr erhalten hatte, wußte nicht, tvo der „Geschäftsinhaber" geblieben ist. Chef und Auto — Sellner besaß ein eigenes Kleinauto— waren verschwunden, weshalb der Laden von der Behörde gesperrt wurde. Am Dienstag nun wurde Sellner in Obergrund bei Warnsdorf in einem Gasthause von der Gendarmerie ausgeforscht und dann nach Leitmeritz gebracht, wo er verhaftet und in das Kreisgevicht eingeliefert wurde, da er im Verdachte steht, verschiedene Betrügereien und Veruntreuungen begangen zu haben. Wachstum durch Werbung. 78.177 Mitglieder besaß die Deutsche Jugendfürsorge zu Beginn des WerbcmonateS April 1937. Heute besitzt sie über 9 5.0 0 0 Mitglieder. Und in wenigen Monaten? Weit iiber 100.000. Denn die Werbung geht weiter. Autokatastrophe del Karlsbad Karlsbad.(E. B.) Mittwoch abends kam eS in Meierhöfen zu einem Autounglück. Der Last- autochauffeur Anion Grund fuhr im Zustand boller Trunkenheit mit seinen ebenfalls betrunkenen Begleitern durch die Rcnnbahnstraße. Er stürzte dabei vom Wagen;' der nun- führerlos weiterraste und auf den Fußweg geriet. Nachdem das Auto an vier Häusern entlang gefahren war, erfaßte eS zwei Passantinnen. Die 16 Jahre alte Irma Plaul aus Meierhöfcn wurde in die Höhe geschleudert und blieb mit Verletzungen an den Füßen und inneren Verletzungen liegen. Sie wurde ins Karlsbader Krankenhaus überführt, während die ebenfalls verletzte zweite Frau nach Anlegung eines Nowerbandes in häuslicher Pflege verbleiben kann. Anton Grund büßte sein« Trunkenheit mit dem Tode. Er brach sich beim Sturz vom Auto das Genick und blieb tot liegen. In Karlsbad selbst kam es am Donnerstag zu einem Zusammenstoß ztvischen einer Autodroschke und einem Motorrad. Der Motorradfahrer wurde mit einem Beinbruch und einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus überführt. Höhe steht«ine Kirche, durch deren leere Fenster der Wind pfeift. Die GlaSfenster fast aller Ge-1 bäude sind zertrümmert. Port Bou ist ein beliebtes Ziel der Franco-SchifsSgeschütze. Der Bahnhof liegt oft unter Granatseuer und die„Retter der spanischen Kultur" haben selbstverständlich auch das Gotteshaus nicht verschont. Der Zug trägt uns durch Katalonien, vorbei an fruchtbaren, gut bestellten Feldern. Im Hinterginmd ragen die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen empor, zur linken Hand wogt da» blaue Mittelmeer. Da und dort ist«in Bauer auf den Feldern und geht seiner friedlichen Arbeit nach. Wo ist der Krieg? WaS hat die» schöne, reiche Land mit dem Kriege zu tun?— Aber da sind so viele Menschen in Trauer, Männer, Frauen und Kinder, ungewöhnlich viele. Welche Familie hat nicht jemanden an der Front? Der Tod Ivütet auch im Hinterland, FrancoS Bomben und Granaten halten reiche Ernte. Und auf der nächsten Station sehen wir,"wie ein Jüngling in Uni« form von stiner Mutter, seinen Schwestern und seiner Braut Abschied nimmt. Da werden all die Erinnerungen- aus dem großen Krieg in uns lebendig.-Der Tod schwingt seine Sense über dem blühenden Land und wir vernehmen ihr schneidendes Klingen aus den Abschiedsrufen weinender Mütter... Sonniges Barcelona Auch die Stadt gibt Kunde vom Krieg. Ge» dämpfter als sonst ist da» Leben, die Straßen sind zum Schuh gegen Fliegerangriffe verdunkelt, Straßenbahnen, Autor und Autobusse fahren mit abgeblendeten Lichtern. Und am Tage sehen wiri auch die Spuren der letzten Kämpfe. Unser Kotes, jetzt der Sih der Bereinigten sozialistischen Jugend Katalonien», hat Granat- und Gewehreinschüsse, in dm unteren Räumen spielt sich das Leben hinter Sandsackbarrikaden ab. Die eleganten Müßiggänger sind aus dem Straßenbild verschwunden. Allüberall leuchten die Fahnen und die Werbeplakate der Bolkssrontparteien, in deren Besitz sich die eleganten Hotels und viele einstmals den Faschisten gehörende Privathäüser befinden. In den früheren Konventen und in manchen dieser Häuser sind Schulen untergebracht. Man lernt in allen Teilen des republikanischen Spanien fieberhaft. Zugleich mit dem Faschismus mutz der Analphabetismus besiegt werden. In Barcelona wurden früher au» öffentlichen Mitteln zwanzig Millionen Peseten jährlich fiir die Einrichtungen ter Kirche, dafür aber kein Cente- simo fiir die Schulen ausgegeben. Jetzt ist es umgekehrt, und es kann nicht anders fein. In einem früheren Nobelhotel donnern die Rotationsmaschinen der sozialistischen Partcidruckerei, Licht und Aufklärung unter daS Volk tragend. Mögen die Feinde der spanischen Republik diesen Gang der Dinge bedauern. Er ist. folgerichtig und sie haben ihn selbst hervorgerufen.— Das Leben - in der Stadt und vor allem der Verkehr spielen sich in vollster Ruhe und Ordnung ab. Das gesamte Verkehrswesen befindet sich in der Verwaltung der. anarchistischen ENT-Ge>verkschaft.—- Sonne liegt über Barcelona, über der Stadt des Krieges, die zugleich die Stadt des Aufbaus einer neuen sozialen Ordnung ist. Herrlich dehnt sie sich am Meer, das friedvoll rauscht wie Äs und je und den Glanz des Himmels bläu zu den Kuppen der Pyrenijen emporspiegelt. Und auf dem Hauptpsatz füttern Kinder und Milizionär« die Tauben... Fahrt an der Küste Auf der gutgepflegten Küstenstratze geht die Autofahrt nach Valencia. Immer mehr nimmt das Land südlichen Charakter an. Zwischen den kahlen romantischen Bergey; Sette 4 Freitag, IS. Juli 1037 Nr. IS» Die Suche nach Amelia Earhart eingestellt. Auf ihrem Flug rund um die Welt ist die amerikanische Fliegerin Amelia Earhart, bic■■ als „Fliegende Lehrerin" volkstümlich geworden war, verschollen. Auf der Etappe von Port Darwin^Australien) nach der Howland-Jnsel ist sie mit ihrem Begleiter, dem Piloten' Rooman, spurlos verschtounden. Die umfangreichen Nachforschungen nach ihr mutzten" jetzt, ohne jeden Erfolg, eingestellt werden.— Man sieht linls die Fliegerin und rechts ihr Flugzeug auf dem Flughafen von Port Darwin. Die Theater„trotzklstlsch“ London.„Daily Telegraph" meldet weitere Verhaftungen aus Sowjetrusjland, die diesmal di« russische Theaterwelt betreffen: Amog- l a h e l l i, der Direktor des Kleinen Theaters in Moskau, und R a f a«i l l i, Direktor des jüdischen Theaters in Minsk, wurde» alS„volksfeindlich" in Hast genommen. Auch die Schau- fpieler Dunetz, Wolobirfky und Bron< ftein befinden sich unter den Verhafteten. Di« wurden als Anhänger des Faschismus und Helfer des emigrierten Granowski, des ehemaligen bekannten DirektdrS des jüdischen Moskauer Theaters„Habima" bezeichnet. Der„Daily Telegraph" fasst die gegen dies« Gruppe gemachte» Anschuldigungen dahin zusammen, daß ihnen jüdischer Rationalismus unter Beeinflussung des Auslandes zum Vorwurf gemacht wird, was das Blatt für di« gegenwärtige Lage in Sowjetruß- land für bezeichnend hält. 55.000 Galeerensklaven werden frelselassen Moskau.(Taß.) Im Zusammenhänge mit der Beendigung des Baues des Moskau—Wolga- Kanals in der festgesetzten Frist hat der Zentral- ausschuh und der Rat der BolkSkommissäre angeordnet, das den Mrenden Kräften, welche sich j bei dem Bau ausgezeichnet haben, wertvolle Geschenke und Geldprämien verliehen werden und von den Arbeitern— durchwegs politische Gefangene— 55.000 vorzeitig wegen ausgezeichneter Leistungen bei der Arbeit in Freiheit gesetzt werden. Bei der Entlassung erhalten sie eine Gratisfahrkarte und Geldzuwendungen.! Ausschreitungen In Tunis Tunis.(HavaS.) In einem Kommunique« teilt das Residentenamt mit, datz sich Mittwoch abends große Ausschreitungen ereignet haben.' Eiwa um 20 Uhr riesen Gruppen junger Leute, die verschiedenen politischen Parteien angehörten, Streitigkeiten und Zufammenstötze hervor. Viele Personen wurden verletzt,.eine davon schwer. In den Polizeiwachstuben wurden die. Fenster durch Steinwvrfe cingeschlagen. TumultuOser Kellnerstrelk Paris. Mittwoch gegen 28 Uhr haben cllva 50 Kellner ans den streikenden Unternehmungen das Cast„De la Paix" überfallen und demoliert. Die Polizei verhaftete drei Personen. Einige Gruppen von Kellnern demonstrierten auf den Boulevards. Vor einigen kleineren Tafts kam es zu unerheblichen Zivischenfällen. Donnerstag früh wiederholten sich in verschiedenen Stadtteilen von Paris, die Ausschreitungen. Vom Rundfunk empfehlenswert«! aas den Prosremmeai Samstag Prag, Dender I: 10.05: Deutsche Presse. 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau. 10.80: Populäre» Schallplattenkonzert. 14.00: Deutsche Sendung: Zum fröhlichen Wochenende, heitere Hörfolge. 17.65: Deutsche Sendung: Kloutek: Schmiedekunstwerke in Nordböhmen. 18.05: Humor der Heimat, Dr. Mühlberger: Der KirmeS-Kutz. 18.45: Deutsche Presse. 18.55: Deutsche Aktualitäten. 21.25: Populäres Orchesterkonzert FOK. 22.20: Tanzmusik.— Prag, Sender II: 15.10: Deutsche Sendung: Kleiner Solistenkonzert: Beethoven, Schubert, Schumann.— Brünn: 17.40; Deutsche Sendung: Kammermusik. 22.85: Schallplattenrevuc.— Prehliurg: 10.85: Operettenmusik.— Kascha» 12.85: Rundsunkorche« sterkonzert.— Mähr. Ostrau: 18.00: Liederkonzert. breiten sich Olivenhaine und am Strande von Tarragona neigen sich die Palmen im Winde. Einstmals war der Strand von Tarragona der Tummelplatz der oberen Zehntausend. Jetzt verbringen die Soldaten der Volksarmee hier ihren Erholungsurlaub und manchmal wird das Singen der Wellen vom Heulen der Granaten begleitet, die von Francoschiffcn hcrübersliegen. Malerisch breitet sich der Ort an den Hängen, Häuser mit den für den Süden typischen flachen Dächern kleben an der Berglehne, dazwischen schatten die dunklen Kronen der Pinien. Maul- tierlarrcn zotteln durch die Stratzcn, an ihnen sausen die Autokolonnen des Heeres vorbei.— Wir liegen ein verwittertes Denkmal hinter.uns. An dieser Stelle kämpste Scipio mit Hannibal. Weit hinten vcrschlvammen die Zacken der sagenhaften Gralsberges mit dem abendlichen■ Himmel...... Während wir infolge einer Autopanne/ vor Castellon halten,, geht übxr dem Mittelmeer der Mond ans. Seist Licht zieht einen roten Streifen über die Wollen, der immer silberner wird. und die. leuchtende Scheibe mit dem Lande verbindet. Zwischen Oliven, Pinien und Zypressen singt das verborgene Leben der Nacht. Kräftiger als in der Heimat tönt das Zirpen der Grille, hundert. Geräusche sind da, die’ mit dem Spiel der Wellen zusammenflietzcn zu einer dunkelschönen Musst des Friedens. In den verfinsterten Strdßen der kleinen Küstenorte sitzen noch spät nachts die Menschen vor den Türen..Man geht spät schlafen'ist Spä- nien. Wird man morgen gesund aufstehen? Gestern nachts waren feindliche Flieger dg und vorgestern feindliche Schiffe. Am frühen Morgen sind wir in Valencia. (Fortsetzung folgt.)-'' ÄgesneuiAkeitew Ein Irrender Ritter Der englische sozialistische Pazifist L a n s- b u r y, der vor einigen Monaten von einem Besuche bei Hitler mit der Uebcrzeugung zurückkehrte, er habe den„Führer" des Dritten Reiches„inspiriert", ist, obwohl von irgendwelchen Wirkungen seines Zuredens doch gewiß auch er nichts bemerkt hat, in der langen Zett seit seinem Dcutschland-Besuch, nun doch auch noch bei Mussolini gewesen, um auch dem Duce zuzureden. Er hat sogar zwei Unterredungen nut dem italienischen Diktator gehabt und nach der zwetten Unterredung Pressevertretern erklärt, Mussolini würde■— er, Lansbury, habe diesen Eindruck— eine Friedenskonferenz über finanzielle, wirt- schäftliche und' territoriale Fragen begrüben, Italien habe nicht die leiseste Absicht,' die Jstte- grität Spaniens oder der spanischen Kolonien anzutasten; Mussolini- wünsche eine Zusammenkunft englischer und italienischer Vertreter, um über Abessinien und die Anerkennung des Im- pero zu sprechen, den Frieden brauche Italien für den inneren Ausbau und jeder europäische Krieg wäre für ganz Europa eine Katastrophe. Mussolini sagte also allerlei, was seiner Meinung nach Lansbury gern hören wollte, so wie das auch'.Hitler getan, und Lansbury ist vielleicht der Meinung,, nun auch Mussolini inspiriert zu haben. Und nach ein paar Wochen wird auch er merken, datz sich nichts geändert hat. An die Richtigkeit seiner Methode wird er wetterhin glauben,— denn das ist der Glaube gerader, einfacher Menschen, es komme nur darauf an. die Mächtigen zu überzeugen von der Wahrheit und Gerechtigkeit. Und gerade bte• einfachen Menschen werden, wenn der ihnen an Reinheit und Güte des Herzens zwar sehr unterlegene, an Schläue aber natürlich tausendfach überlegene Diktator ihnen ein Paar nette Worte sagt, von diesem übertölpelt. Denn sie können an Schläue, Hinterhältigkeit gar nicht glauben, sind fest davon überzeugt, jeder wolle den Frieden, es feien nur Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen. Es sei noch nicht genug zugcredct worden.— Sie sind njcht lächerlich, sic sind rührend,Gestalten wie die des alten Lansbury; sie hoben wirklich etwas von jenem irrenden Ritter,' der eS nicht-erfaßte, daß die Welt anders geworden war. ES mag für. die Diktatoren' ein heimliches, teuflisches Vergnügen sein, einen solchen naiven christlich, sozialistischen Schwärmer vor sich zu sehen. Wie mögen sie heimlich lachens. Und die Sozialisten können die Reisen. Lansburys nicht anders als mit- einem-Peinlichen Gefühl beobachten.-Denn mag auch' die Labour Party nichts nut' ihnen zu tun haben, mag er seine BekchrungSverfüche auch ganz als Privatmensch unternehmen— sie müssen, alle, die'den' Faschismus besser.'und gründlicher'erkannt Hävenals Lansbury, unwillig machen.: So mag denn, so überflüssig es auch ist, nochmals daxanf hinzusveisey, doch wie- dcr gesagt werden, daß es.außer ihm selber,Wohl keinen Sozialisten giiht, der'sich etwas von. solchen Audienzen bei Diktatoren, erwartet, der, nicht,-im Gegenteil sie als etwas Beschämendes empfindet; Das freilich- wagen- wir trotzdem zu sagen: zu- letzt werden doch, wenn auch freilich mit ganz anderen Mitteln und auf anderen Wegen,' jene Ideen/als deren Vertreter Lansbury sich' fühlt', die Ideen der Freihctt und Gerechtigkeit und des Friedens, über die Diktatoren siegen— aber sie werden nicht siegen durch Ueberzeügung. Die TSR auf'der 3. Internationalen Arbeiter-Olympiade.. Das bedeutendste Ereignis auf dem Gebiete der internationalen Körpererziehung und des Sportes ist Heuer die 8. Internationale Arbeiter-Olympiade, welche in den Tagen vom 25. Juli bis 1. August dieses Jahres in Anttoerpen stattfindet. Auf. den. Antwerpener Sportstadionen werden mehr als 25.000 Arbeiterturner und-Sportler aus 17 Staaten Europas, Amerikas und Asiens aüstreten. Auch aus der Tschechoslowakei werden in.Anttoerpen 8000 Teilnehmer eintreffen. Die zahlenmätzig. stärkste Delegation von Arbeiterturnern und-Sportlern entsendet der tschechische Verband, der Aröeiter- turnverbände, welche bei allen. internationalen Konkurrenzen bei der Olympiade starten werden. Außerdem werden die tschechoslowakischen Teilnehmer zu einer besonderen Vorführung der Freiübungen austreten. Der tschechoslowakische Rundstink.wird zu den Olympischen Spielen, seinen Sportredakteur, Rodafteur Läufer, entsenden, derfiirdie.tschechoslowakischen Hörer an allen Haupttagen der..8. Internationalen Olylnpiaoc. im Rundfunk direkt Bericht erstatten wird. Am Haupttage der. Olympiade, d. i. dem 1. August, wird im tschechoslowakischen Rundfunk eine direkt« Reportage vom Antwerpener Stadion übertragen Werden. EinrückungStermin: 1. Oktober. IN der Sammlung der Gesetze und Verordnungen wird die Einberufungskundmachung des BcrteidizüngS- ministeriums veröffentlicht, wonach am 1. Oktober alle im heurigen Jahre Assentierten zum Präsenzdienst oder zur Ausbildung der Angehörigen der Ersatzreserve einrücken müssen. Ferner ntiissett auch alle Rekruten, die schon früher assentiert wurden und deren Aufschub der Präsenzdienstzelt nicht verlängert wurde, einrückech Nur jene Re kruten; denen ausdrücklich der 1. April. 1988 als EinrückungStermin bestimmt wurde(Äerzte) müssen nicht eistrücken; W. Simons gestorben; Der.ehemalige Reichsgerichtspräsident und ReichSautzonminIster Walter Simons ist in Berlin sm Alter von 75 Jahren gestorben. Simons bekleidete' in den Kabinetten Müller und Fehrcnbach das Amt des ReichSautzen- ministcrs vom Juni 1920 bis, Mai 1921,. von 1922 bis 1929 den Posten des Reichsgerichtspräsidenten und von März bis Mai 1925, nach dem Tode Eberts bis zur Präsidentschaft Hindenburgs, den des Stellvertreters des Reichspräsidenten. Er hat Deutschland' auf zahlreichen internationalen Konferenzen, vertreten,- darunter auf der Konferenz von Spa und. der Londoner Reparationskonferenz.. Oelsuchc in Karpathorusjlaud. In der, Gemeinde Volosjanka, Bezirk Belkh Bereznh, hat die Technische Kommission der. staatlichen Naphthaquellen aus Gbel ihren, Sitz aufgeschlagen. Sie besaßt sich mit'den vorbereitenden Arbeit«», für die Bohrung von Sonden für Naphtha in-der Umgebung der Gemeinden Luh; Stavnjä, Volo» öjanka, Ujok und. Sucht); wo vor. dem Kriegt bereits Naphthabohrungen porgenommen- wurden um rund 2000 ParrelS' Rohmaterial, gewonnen wurde. Vorerst werden die oberen Bodenschichten mittels Soyden geprüft,, später wird zu den Tief- bohrnngen geschritten werden... General Deutsch im Rundfunk. Am 18. Juli,' um-zwölf Uhr nachts' mitteleuropäischer Zeit wird General Julius Deutsch' sm Radio :,LIbertäd" auf Kurzwellen 81,6 und 4Ü)4 anläßlich des Jahrestages des.Ausbrüchesides.Bürgerkrieges und der Revolution sprechen. ;■ Geldfälscher in Wien verhaftet..Ueber'Ersuchest'der Berliner Bchörden'tvurde;in Dien,der Filmindustrielle Eugen. Alexänder Lukawiewski, früher Offizier der. polnischen Armee, verhaftet. Die Verhaftung erfolgte jvegen Betrügereien.und der Verbreitung. falscher Zehichfund-Bänknoteü. Gleichzeitig wurde über Ersuchen der Berliner Behörden in Buenos Aires ein Komplice Luka« wiewskis, der italienische Filmhändler Roman Pini, verhaftet.. SchtffSunglück auf dem La Plata-Strom. Der 6500 Tonnen große englische Frachtdampfer „ElstreS Grange" stieß'auf dem Rio de la Plstla auf der Höhe der Stadt La Plata mit dem englischen Motorpassagterschif^„Southern Pcince" <10.000 Tonnen) zusammen.„Southern Princtz" mußte mit einem großen Leck auf Grund gesetzt werden. Der argentinische Aviso„Eolondrina" übernahm die 52 Fahrgäste des„Southern Prince", um sie nach Buenos Aires zu bringen. „Esstree Grange" setzte seine Fahrt noch Montevideo fort. Die russischen Polar-Flieger haben, nachdem sie sich ausgeruht hatten, die Reise nach San Diego angetreten, wo sie herzlich begrüßt wiirden. Die Flieger werden noch nach Los Angeles usid 'San Francisco reisen, worauf sie in der kom-. wenden Woche in Washington vyn Präsident Roosevelt empfangen werden.. Da» Flugzeug mit den drei Barographen wird zwecks Anerkennung des Rekorde» nach Washington gebracht wetden.' Hindenburg-Katastrophe. bleibt ungeklärt? Nach zweimonatiger Arbeit hat der Untersuchungsausschuß de» Wirtschaftsministeriums den Bericht über pie Ursache der Katastrophe de» Luftschiffes „Hindenburg" nahezu fertiggestellt. Der umfangreiche Bericht, der ist der nächsten Woche Wirtschaftsminister Roper unterbreitet wird, läßt, wie- verlautet, die eigentliche Ursache de» Unglücks ungeklärt und beschränkt sich auf eine Aufzählung verschiedener Theorien al» Ergebnis der Aussagest der Sachverständigen und der Ueberlebenden.' Die H«wland-Jns«l. Vergeblich würde man auch auf recht genauen Karten de» Pazifik die Howland-Jnsel suchen, die durch das tragische Verschwinden von Amelia Earhardt allen vertraut geworden ist. Denn das Eiland liegt 4000 Kilometer von dem nächsten Festland, tatsächlich in der Mitte der Pazifik, und ist so klein, daß ei bi» vor zwei Jahren herrenlos war. Die Größe de» Korallenatoll» ist drei mal vier Kilometer. Hier wollte Amelia Eavhardt landest, die Fläche ist keiner al» ein gut ausgebauter Flugplatz. Die Insel wurde an sich 1842 von Kapitän Recker entdeckt, der ihre Läge in seinem Journal vermerkte, ohne e» der Mühe wert zu halten, da» winzige Eiland in Besitz zu nehmen. Da» seltsame Schicksal der kühnen Fliegerin will e», daß die Howland-Jnsel eigentlich von Amelia Earhardt selbst neu entdeckt wurde, und zwar erst im Jahre 1985, al» sie ihre berühmten, Flüge über den Pazifik durchführte, die im Zusammenhang mit den Studien für einen regelmäßigen TranSpazifik-Berkehr standen. Sie landete damal» auf der Howland-Jnsel, und ihr Bericht überzeugte den Staatssekretär für Außenhandel in Washington Miller sofort.,Er erkannt«, daß hier ein unvergleichlicher, auch strategisch wichtiger. Stützpunkt., für den Flugverkehr läge. Die USA. notifizierten daraufhin die Inbesitznahme der Insel, und England und Krpan dürsten sich sehr wenig darüber gefreut haben. Seit damal» ist die Insel besiedelt worden, allerdings nur von einem Dutzend junger Leute.• Ganz unpolitisch,(bz.) Anfang August d.- I. findet ly New Nork ein„Deutscher Tag" statt,«ine Veranstaltung auf der Oesterreich, Deutschland und die Schweiz mit deutschen Kulturleistungen äufwar- ten. Um jeden politischen Charakter zu meiden, kamen die Vertreter der drei Staaten überein, daß keine Nationalhymnen gespielt werden sollen. Jeder Staat solle ein neutrale» Lied auswählen. Oesterreich nannte daraufhin für sich den Radetzky-Marsch. Die Schweiz, wird„Ich hatt' einen Kameraden" spielest. Deutschland aber entschloß sich für die„Wacht am Rhein". Brandstifter. Dien»tag entstand in'der Einschicht Kiniei bei Korytan im Bezirk Ujhorod. im Anwesen de» Bauer» Sandor BkreSo ein Feuer, das bald da» gesamte Anwesen, auch, da», seines Bruder» Jan Bireso vernichtete. Den beiden. Landwirten verbrannte die Ernte in den Scheuern. Der Brand wurde gelegt. Wegen des Verdachtes, der. Brandstiftung wurde die Stiefmutter des Sandor kestgenommen. Sie. wohnte in dem Anwesen im Ausgedinge und sollte jetzt au»ziehen. Am gleichen Tage nachmittag» brannte ein Strohschober in der Zlatä«likka In Radvanky bei Ujjhorod ab, der dem Bürstenbinder Wenzel Krejök gehört«. Da» Feuer legten drei Jugendliche au» Radvanky, gegen die die Strafanzeige erstattet wurde. Milch lischt Feuer. In der Gemeinde Lipljan auf dem Amselfelde brach im Anwesen«ine» armen Häusler» ein Brand au». Die männlichen Familienmitglieder befanden sich aus dem Felde und nur Frauen und Kinder waren zu Hause geblieben. Da zur Bekämpfung de» Brände» nicht genügend Wässer vorhanden war, begannen die Frauen da» Feuer mit Milch zu löschen und«I gelang ihnen,, den Brand zu lokalisieren. Abkühlung nach Gewittern? Bei.reichlichem Sonnenschein stieg die Temperatur in. Mittel europa heute wieder meist auf oder etwa» über 25 Grad an. Im Rheingebiet wurden uachmittag»28 bi» 80 Grad verzeichnet-. Im Zusammenhang' mit einer Druckstörungüber dem Aermelkanal breitet sich jedoch au» Frankreich gegen da» BinnestlandM« neut etwa» kühlere Lust in Begleitung von Gewittern au», und dürfte morgen, Freitag, ap2h' den Westteil'der Republik' irfässeN. Wahrschein- liche» Wett.er. heut,«: Sehr warm, in den böhmischen' Länder»' wird jedoch'vom Westen.- her dle'Reigimg zu Gewittern zunehmen, worauf ei sich etwa»? abkühlen dürft«.> Im.Karpathengebiet« im ganzen,schön.— Wetterau»siicht«n für Sam»tag: Wechselnd, bewölkt, verschiedentlich Ge« Witter, ziemlich warm- Rft ISS Stettag, 16. Juli 1837 1)MsEtsckaft tuid SomlpalUifc Internationaler Kongreß der Keramarbelter in England Stole-on Trent. Am IS. Juli wurde hier der-8. Internationale Kongreß der Keramarbei« ter'beendet, welcher einige wichtige Entscheidungen'gefällt hat! Der Geschäftsbericht des inter« nationalen SelretärS Roll fand allgemeine Zustimmung. Die einzelnen Landesvertreter gaben Berichte Mer die wirtschaftliche und organi- satorische Lage. . Die tschechoslowakische Delegation wies im besonderen auf die ungünstigen Exportverhältnisse-ihrer Keramindustrie hin, welche- einen schweren.Kampf auf den weitgelegenen Absatz« markten zu führen hat. Höchst, interessant gestalteten sich die Verhandlungen bei der Frage„Nationalisierung". Zu diesem Punkte lag eine längere Resolution vor,, in. welcher auf die.. schädigenden Auswirkungen Eder Rationalisierungsbestrebungen in der Keramindustrie hiiigewlesen wird und'eine ganze Reihe wirtschaftlicher und sozialer Forderungen zu diesem Problem aufgestellt werden., Nach einem Reserat des internationalen Sekretärs und einer sehr sachlichen Debatte wurde diese Resolution einmütig beschlossen. '. Der.Kongreß hatte sich auch mit zwei wichtigen Organisationsfragen zu beschäftigen, und zwar- lag hier ein Antrag der holländischen Organisation auf Verschmelzung der Keramarbei- ter-Internationale, mit der Internationale der Fabrikarbeiter vor, ferner, zwei Ansuchen der beiden- tschechoslowakischen Glasarbeiterverbände um Aufnahme in die Internationale der Keramar- beiter. Die Debatte über diese beiden Fragen gestaltete sich zu einem großen Rededuell der einzelnen" Landesvertreter, mit dem Ergebnis, daß der'An'trag.der holländischen Or- g a n i s'a't'k ö n auf Verschmelzung mitderFabrikarbeiterinterna- tioualevou alle n Vertretern gegen d i e S t Immen der Antrag^st»l l.e-'r abgelehnt wurde. Mit-dem gleichen Stimmenverhältnis wurde auch die Aufnahme der beiden tschechoslowa- fi s ch en Glasarbeit« rorganisa« iiom.en. in die, I n t e r n a t i o.n«Je der Ke ra ma r b e i ter beschlossen. Einmütig beschlossen wurde auch eine 50prozen- tige Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, um eine bessere organisatorische Ausgestaltung der Keram- arbeitertnternationale zu ermöglichen. Die Wahlen erfolgten in boller Einmütigkeit. Als Sih der Internationale wurde wiederum Teplitz-Schönau bestimmt und Ernst Roll zum Sekretär bestellt. Vertreten waren am Kongreß fünf Länder durch 14 Vertreter, ferner der J.G.B. durch Schewenels. Die englische Organisation der Keramarbelter hatte alles aufgeboten, um einen"würdigen Verlauf dieser Tagung, zu ermöglichen und es nahm, an der Eröffnung des Kongresses der Oberbürgermeister der Stadt Stoke-on-Trent, sowie ein Vertreter der zuständigen Handelskammer teil. Ueber Antrag der französischen Delegation wurde auch eine Sympathiekundgebung für die Kämpfer der Volksfront in Spanien beschlossen. Die Beschäftigung , Im tschechischen Gebiet* Nach dem Bericht des ZentralverbändeS der KraNkenberficherungSanstalten in Prag waren im Mai dieses Jahres bei den ihm' angeschloffenen 84» Krankenkassen durchschnittlich 908.606 Personen Versichert, das ist um 61.000 mehr alS die DurchschnittSzähl im April betrug. Gegenüber dem Mai 1836 ist damit eine Steigerung um 12.4 Prozent eingetreten. An der Vermehrung der Arbeitsgelegeichei- ten-ist» am.stärksten die Baubewegung beteiligt, ulid zwar sowohl die private als auch die industrielle'Bautätigkeit und ferner die Bauten von Straßen und andere Erdarbeiten. Im Zusammenhang damit weisen auch die Hilfsindustrien, Man erhält für 100 Reichsmark.,,. . 758.— Markmünzen,,. . 810.— 100 österreichische Schilling . 633.50 100. rumänische Lei.. . 10.45 100 polnische Zloty... . 544.50 100 ungarische Pengö.. . 560.50 10g Schweizer Frauke«. . 057.— 100 französische Francs. . 111.20 ..1 englisches Pfünd... 141.50 1 amerikanischer Dollar . 28.00 100 italienische Lire.. . 137.40 100 holländische Gulden. » 1577.— , 100.jugoslawische Dinare.. . 04.80 100 BelgaS . 483.— 100 dänische Kronen.. .. 032.— 100 schwedische! Kronen . 731.— verstärkte Beschäftigung auf. Eine Besserung ist weiterhin festzustellen in der Metallindustrie, stellenweise auch in der chemischen Industrie. Die Textil- und die Wirkwarenindustrie waren ebenfalls stärker beschäftigt. Eine bemerkenswerte Zunahme von Versicherten weisen einzelne An« statten in Kleingewerbebetrieben verschiedener Branchen aus. Im Gastgewerbe ist eine Besserung hauptsächlich in der Nähe von Sommerfrischen und Ausflugsorten eingetreten. Die Feld« und Waldarbeiten find gleich intensiv geblieben« In Bezug auf die Löhne bemerkt der Bericht auch diesmal, daß die Löhne der Versicherten fast unverändert auf tiefem Niveau bleiben. Die Streikbewegungen sind sehr zahlreich. Es ist auch weiterhin, wie in der Krise, die Erscheinung zuiheobachten-rdaß die Betriebe'odke»Arbeiter»sofort.nach/.Erledigung eines Auftrags entlassen, auch wenn sie die Gewißheit haben,'daß sie einige Tage, später für sie neue Beschäftigung haben wettien. Beschaffung von Arveit-krästm für die Ernte. Auf Anregung und unter dem Vorsitze des Ministers für Landwirtschaft und in Anwesenheit des Ministers für soziale Fürsorge fand dieser Tage im Landwirtschaftsministerium eine Beratung der Vertreter der Landesarbeitsämter über Maßnahmen statt, durch die der Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern, namentlich zur Zeit der Ernte, behoben werden könnte. An der Beratung wurden alle geeigneten Mittel durchberaten, die zur Beschaffung der für die Ernte- Sicherung notwendigen Arbeitskräfte dienen, U. a. wurde beschlossen, die Evidenz der Nachfrage und des Angebotes von Arbeitskräften in der ,M Mm mM sind aus denGrähern gestiegen...“ . Von Erich Gottgetreu '. Die Männer von 1788 find'aus den Gräbern gestiegen, um ihr Vaterland zu verjüngen! Möchten sie erfahren! daß ein halbes Jahrhundert nicht vergeblich verfloß, seit die Barbarei verbündeter Tyrannen in jener französischen Nation die Freiheit der Welt zu vernichten glaubte!— Möchten sie es erfahren daß es heute keine Völker mehr gibt, die, wie einst wir Deutschen, es schmachvoll getan, ihren Drängern in» Feld gegen.die Freiheit folgen!—• Möchten sie uns alle bereit finden, das Schwert zu fassen, da» unsere Brüder in Paris so glücklich und-kühn geschwungen haben! Alle Völker haben ein Leiden, eine Mühsal, eine Schmach— Sie haben e i n Ziel, e ine Hoffnung, e t n.e Rettung; Wennalle Worte,» alle Bittschriften, alle Kammerreden fruchtlos blieben, wenn unsere Fürsten und Fürstendiener alle Versprechungen und Eide brachen, die sie», in den Freiheitskriegen.rms gelobten, wenndie übermütigen Geivalthaber Hohn sprachen„ihrem,. geduldigen Untertanen,, dann,-ihr Männer!'ist diese eine Rettung die entschlossene,» mutvolle, männliche Tat!,». Wir wollen uns überall, unter der Fahnp der Fresheit eng pervrü-, dert aneinanderscharen und unseren Drängern die letzte warnende drohend« Forderung entgegenhal- te: Gebt uns, was. wir wollen, die Freihett,-oder wir werden sie nehiptni",., Der. Löser soll nun nicht länger im Ungewiss sen- gelassen- werden.» Er-hat ein» Recht-darauf»zu erfahren» datz-eS'keinerIeI'„Aktualttät^' ist, die er liest! sondern ein' Aufriss äu»' der deutschen revo lutionär-republikanischen Bewegung von 1848— eins unter vielen anderen wichttgen Dokumenten, die ich dieser Tage im»Internationalen Institut für Sozialgeschichte" in Amsterdam sah. Und der zitterte Aufruf ist nur ein Beispiel aus einem ungeheuren Material. Was liegt in diesem Jnstttut, das erst wenige Monate all ist und von dem in diesen Spalten ausführlich Wohl noch nicht die Rede war, noch? Zunächst einmal steht hier eine Bibliothek von über hunderttausend Bänden Wer di« gesamte. Soziglgeschichte vom AuSgang des Mittelalters bis in unsere Zeit. Dann eine Sammlung von zahllosen Broschüren, Plakaten und Handzetteln zu-diesem 'Thema. Biele einschlägige ältere ZeltungS- und Zeitschriftenjahrgänge, sowie im fortlaufenden Jahrgang und fortgeführten Abonnement rund tausend verschiedene sozialwissenschaftlich, resp. gewerkschaftlich und.sozialpölitisch orientierte Zeitschrif- ten, die gegenwärtig erscheiilen. Eine spezielle Sammlung von Literatur und Aufrufen aus der französischen Revolution von 1788. ' Eine Sammlung von Literatur aus der englischen Sozialgeschichte de» 18.. und 18. Jahrhundert». i Literatur über die verschiedenen utopischen .Theorien, die die Vorläufer der'großen sozialistischen Bewegung waren, und eine ungeheure Fülle Won sozialistischer Literatur sebbst. .'-' Literatur über die französische Sozialbewegung besonder» von 1820 bis 1880, Wer die Kommune, dann' die Werke der anarchistische« Theoretiker, viel Dokumentation über die russischen Revblütionen, HM*1806 und 1817 und so bi» zur Gegenwart, die in zahllosen Sammel« Landwirtschaft zu verbessern, damit nach dem Stand des Bedarfes und des Arbeitsmarktes im Sinne der bestehenden Verordnungen' die Üeber- führung von Erwerbslosen, die der landwirt- schastlicheu Arbeiten kundig sind, jn. Bezirke mit Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften Ermöglicht wird. Die Bezirksämter und die öffentlichen Arbeitsvermittlungsstellen werden diesbezügliche Instruktionen erhalte«, die Interessenten werden durch Kundmachungen der erwähnten Aemter und durch die»TageSpreffe direkt" informiert werden. ' Goldrückkehr nach Parts Der letzte Ausweis der Bank von Frankreich verzeichnet.für die Woche vom 1. bis 8. Juli ein »geringfügiges Anwachsen der Goldvorräte. Die Geldvorräte der Bank von- Frankreich erreichen .insgesamt 48.888 Millionen Francs. Der Staat -hat in dieser Zeit bei der Bank von Frankreich leine neuen Vorschüsse angefordert. Die Deckung des Papiergeldumlaufes ist'von 47.63 Prozent auf 48.28 Prozent gestiegen. Dor Konflikt in der Lodzer Textilindustrie Am Dienstag fand eine Konferenz der Arbetter» und der Unternehmerorganisationen in Lodz statt, welche die Verhandlungen über die Forderungen der Arbeiterschaft aufnahm. Grundlage sind dabei die von den sozialistischen Gewerkschaften aufgestellten acht Punkte, deren wichtigste die Lohnerhöhung um 20 Prozent und die Verkürzung-der- Arbeitszeit sind. Nach Behandlung einiger Punkte, in welchen die Gegensätze nicht unüberbrückbar erschienen, wurde die Kon-' ferenz auf den 16. Juli vertagt, um zu dert Fragen der Lohnerhöhung und dec Arbeitszeit« Verkürzung Stellung zu nehmen. Die sozialistische' Gewerkschaft hat den Vollzugsausschuß für Freitag einberufen, um sofort nach Schluß dieser Verhandlungen die notwendigen Beschlüsse— eventuell«inen Streikbeschluß— fassen zu können. Am kommenden Montag sollen die Fabrikdelegierten und Vertrauensleute zusammentreten. Lino Schlappe Roosevelts Das Repräsentantenhaus hat neuerlich gegen das Beto des' Präsidenten den Entwurf auf Herabsetzung der Linsen für die landwirtschaftlichen Kredite mit 260 gegen 87 Stimmen angenommen. E» wurde also die notwendige Zweidrittel-Mehrheit erreicht. Der Senat müßte das Gesetz ebenfalls mit Zweidrittel-Majorität annehmen, damit es in Wirksamkeit treten könnte. ijbrtri M,i„i Wer steckt hinter dieser Propaganda? Diese Frage stellt im„New Leader", dem Blatt der brittschen Unabhängigen Arbeiterpattei, Jon. kimche, e'nem Artikel voran, in dem er sich mit den Broschüren beschäftigt, die heute in England gegen die Tschechoslowakei verbreitet werden. Er schreibt: „Gutfinanzierte Propaganda-Büro» Werschwemmen die btttische Presse mit kostspieligen, beredten Broschüren, die in Genf, Wien und Berlin erscheinen Einige plädieren für die unterdrückten Slowaken, einige für die mißhandelten Deutschen, einige betreffen das Desinteressement Britanniens an einem Kriege um der Tschechossowakei willen, andere wieder weisen auf die Gefahren hin,- die Deutschland von der Tschcchoslowalei drohen. und Einzeldarstellungen der Sozial-, der speziellen Arbeiter- und Frauenbewegung in dey verschiedenen Ländern der Erde repräsentativ vertreten ist. Das Internationale Jnstttut für Sozialgeschichte in Amsterdam ist also weit mehr als ein Archiv unter zahllosen anderen, mehr als eine große Bibliothek. Infolge seiner speziellen Themenstellung ist es vielmehr eine„Rettungsgesellschaft", dazu geeignet, vom Untergang.'bedrohtes dokumentarisches Material zur Geschichte der sozialen Bewegungen in der ganzen Welt sicher aufzubewahren über die Stürme aller Zeiten hinweg bi» zu jenen friedlichen, in denen nicht mehr für eine Reihe von Staaten zu fürchten ist, daß eine zur Macht gekommene politische Gruppe nach dem Siege nicht nur ihre Opposition, sondern grundsätzlich auch deren gesamten literarischen Nachlaß vernichtet. Solche Zeiten erleben wir gerade augenblicklich bei dem Totalitätsanspruch der Diktaturen, Doch nicht nur volitisch-absicht»- volle'Zerstörung, sondern auch, ganz normale menschliche Unachtsamkeit und.Unordnung bedroht diel Material mit dem Tode und dem Verlorengeyen. Wie könnte aber der Geschichtsforscher, der Sozialwissenschaftler und der Politiker künf« ttger Zeiten e» entbehren? / Nahe liegt e» nun, daß die Rettungsinsel, in der da» eiiifchlägige Material in. möglichster Bdllständlgkelt gesammelt wird, eines jener Länder wurde, die noch ein Leben im demokratischen Gleichgewicht führen; in denen die Toleranz noch immer ein öffentliches Prinzip ist; ein Land auch, da» ist Europa liegt und sich dabei eine verhält-» nismäßige Neutralität»bewahrt» hat. Holland kam äl»' ein solche» Land in Frage, Und da dies ein! Land ist! in dem politische. Emigranten und auch ihre Literatur noch immer Zuflucht.-finde«, wurde die Frage positiv beantwortet. Die Stadt .Seite. 6 Wer steckt dahinter? Was verbirg: sich hinter diesem bemerkenswerten Propagandüfeldzüg? Die politische' Bedeutung der Tschechossowakei geht au» einer Erklärung Bismarcks hervor:„Der Herr Böhmens ist der Herr Europas." Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Agitation'rund um die Tschechossowakei. Höchst aufschlußreich und typisch ist eine aus-, führliche Broschüre, die.kürzlich der„Slowakische Rat" in. Genf herauSgegoben hat.. Sie bezeichnet sich als Aufruf an die britische Vernunft— zugunsten des Weltfriedens.„Soll Großbritannien wegen der Tschechossowakei in einen Krieg' ziehen?" Man wird gebeten,'„eine halbe Stunde den Interessen de» Frieden» und der Gerechtigkeit zu widmen." Zunächst ist interessant, die Namen der Freunde dieser slowakischen Patrioten festzüstellen. Es sind: I.»L. Gar- v i n vom„Observer" und Lord R o t h e r m e r e von der„Daily Mail" und noch ein Haufen inter- yati analer Reaktionäre. Der Name Deutschlands aber ist nirgends erwähnt. Für wie dumm müssen sie das britische Publikum halten! Ihre Angelegenheit ist einfach. Sie sagen, daß die Tschechoslowakei ein krankes Land sei, da» von einer tschechischen Minderheit beherrscht werde, Beson- sonders über Karpathorußland sind sie böse, da» einst zu Ungarn gehörte. Die Minderheiten, sagen sie, bekämpfen die Regierung.„Die Slowaken hassen die Tschechen und werden sie bei der ersten Gelegenheit nicht'nur vertreiben, sondern aufhängen." Die Polen wollen Teschen und sagen:„Wir werden niemals auf den Boden verzichten, der die Wiege'unserer Rasse war." Die Deutschen sagen:„Es kommt der Tag," Die Broschüre schließt mit einem flammenden Aufruf an die englischen Eltern, ihre Söhne nicht für die schlechte Sache der Tschechen zu opfern. Das kingt überraschend ähnlich einem Appell zur Nichteinmischung nach spanischem Beispiel. Und da» ist der eigentliche Zweck all dieser vorbereitenden Propaganda gegen die Tschechoslowakei. Dahinter steckt der deutsche Handel und der Drang nach dem Osten, für den der spanische Krieg nur ein Vorspiel ist. Da» Ziel dieser Propaganda ist, die bitttischen Imperialisten davon zu überzeugen, daß Britannien alles zu gewinnen und nicht» zu verlieren hat, wenn e» sich den deutschen Absichten in Mitteleuropa nicht in den Weg stellt.., Angesicht» der offensichtlich faschsstischen Quellen, aus welchen die antitschechische Propaganda stammt, wächst in der britischen Arbeiterbewegung die Tendenz, sich auf die Seite der Tschechen zu stellen." Der„Bulle" als Akademie-Protektor! (DNB) Ministerpräsident Göring hat die Satzung der preußischen Akademie der Künste mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Der Ministerpräsident beaustratge Reichsminister Rust: eine neue, Nationalsozialist i schon Grundsätzen-nffyr-che"b- Satzung auszuarbeiten und sofortige Maßnahmen zur. Umgestaltung imo Verjüngung der Akademie zu treffen,.'Weiter übernahm Ministerpräsident Generaloberst. G.ö- ring das Amt eines P r o t e k t o r s der Akademie. Demgemäß hat Reichsminister Rust zunächst eine Reihe von Künstlern, darunter di? Architekten Sagebiel und Speer sowie den Musiker, Prof. Furtwängler als ordentliche Mitglieder in die preußische Akademie ausgenommen. Ausgeschieden ist bereits der Großteil von Mitgliedern einer vergangenen Kunstepoche, die einer nationalsozialistischen Neubelebung der Akademie nicht im Wege stehen wollten: Mittelmeer-ManSver. In Sizilien werden in der nächsten Zeit große Manöver statffinden, an denen vier Divisionen teilnehmen werden.. Jn Palermo wurde bereit», da» Hauptquartier aüfgeschla- gen, das mit den Vorbereitungsarbeiten zu den Manöver».begonnen hat, Amsterdam stellte für das wichtige Werk ein ehemaliges, zweckmäßig modernisiertes Schulgebäude an der stillen Keizersgracht zur Verfügung, die „Centrale Arbeiders LevenSperzekering" im Haag die erforderlichen Geldmittel, da dieses Institut der in Holland bekanntlich sehr stark organisierten Arbeiterschaft sadungsgemäß verpflichtet ist, einen Teil seiner Gewinne auf kulturpolitischem Gebiete' gemeinnützig anzulegen. Im Berwal- tungSrat sind die Kgl. Akademie der Wissenschaften und die Philosophische Fakultät der Universität Amsterdam vertreten. Mit der Leitung der Instituts, zu dessen Aktivität auch die Herausgabe eines Bulletin» und eine» Jahrbuchs gehört, würde ein- hervorragender Gelehrter der Amsterdamer Universität betraut: der Wirtschafts- und Sozialhistoriker Prof. N.. W. P o st h u m u s. Daß er das Institut nicht nur als wissenschaftliches Archiv und Museum aufbauen möchte, sondern auch im Sinne der Idee der Freiheit und der Humanität, die im Lande Erasmus' von Rotterdam zur Tradition geworden istt bewies er, indem er bei Gelegenheit erklärte: „Es ist gerade die Sozialgeschichte, die in engster Verbindung lebt mit dem inenschheitlichen Streben nach mehr Freiheit, nach mehr Recht aus Persönlichkeitsentfaltung und daher.auch mit dem Widerstand gegen'alle wirtschaftlich« oder geistige Unterdrückung. Obgleich diese Parole in einiger. Ländern heute kein Echo zu finden scheint, ist sie in der gegenwärtigen Weit'gewißlich nicht untergegangen., Es ist«ins der Hauptziele der. Err.ich- ter des Instituts das'Verständnis für»diefen-wert- vollen Besitz— der, wenn erst einmal verloren, es für Jahrhunderte zu sein scheint— lebendig zu erhalten und den Drang nach der Freiheit zu fördern, der für die Geschichte der Menschheit bestimmend war Stile 6 Freitag, 16. Juli 1037. Nr. 165 „Sozialdemokrat" VeceuifinocMcftteft. Nmst und Mssen i Deine Marke: DolkszUnder der zehn Ber gen, dagegen feierte man im vergangenen Jahre das Buch Dr. Hudalr„Deutsche-' Voll und christliches Ausland" als eine Tat. Als Bischof Dr. H u d a l seinen, Standpunkt revidierte und in einem öffentlichen Vortrag in Wien National so g i'a l i r m u S u n d B o I s ch e« wiSmuS auf gleiche Stufe stellte, hallen beide Schriften v e r g e s-s e n, dies ihrem Leserkreis mitzuteilen. Aller wird den Lesern Ortsgruppe Prag. Samstag. 17.. Juli. Treffpunkt um I48Uhr Smichover Bahnhof, Fahrt nach Revnice,' Wanderung-zur Hütte.' Sonntag: Wanderung: Karlstcin, Zadni Ticban zum Baden, führt Stelzig, Wenzel Beran, der sich dadurch verdächtig gemacht hatte, datz er Versahzettel zum Kauf anbot. Die versetzten Gegenstände, meist Schmucksachen, Photoapparate, Bieder u. dgl. ertviesen sich all Diebsbeute. Beran erklärte beim Verhör, datz ihm die Versahzettel von einem Freund, dem Bekufsdieb Karl Pech, zum Verkauf anvertraut wurden. Auch Pech wurde verhaftet und die bei ihm vorgenommene Haussuchung erbrachte weiteres belastendes Material. Die Untersuchung wird fortgesetzt. 100 Jahre Donau-Dampfsdilffahrt. Zum 100jährigen Bestehen der Donau-Dampf- schiffahrtS-Gesellschaft wurden in Oesterreich Erinnerungsmarken mit historischen Darstellungen auSgcgeben. Wir zeigen zwei dieser Wertet und zwar zu 12 Groschen(braun) und 6t Gro- schen(gtlln). räumen dieser schweren steinernen Bäume eine böse Arbeit. Aber dafür lohnte sie oft überreichlich. Warum der KieS um diese, einst Hölz gewesenen Steinmassen herum, besonders viel Gold führt,, erklärt sich guS den Vorgängen, durch, die diese Stgnune in die KieSbänke hineingekommen find. Vor Jahrmillionen sind sie als Treibholz vom Wasser talabwärts mitgeriffen worden. Da imd dort staute sich dieses Treibholz, sammelte sich, an und, bildet« ein Hindernis für Sand, Schlamm und Geröll«, welche'die von der Sierra Nevada herahkommenden Flüsse ebenfalls talabwärts, wälzte und auch für da» Gold, das im Sande mit fortgcspült wurde.'.Aber für^ene, alten Goldgräber des vorigen Jahrhunderts waren dje aufgestapelten-Pflanzeurestenur Wegweiser zu den, ersehnten Schätzen und. schwer. zu beseitigende Hindernisst,,-sonst nicht».". s . Heute hat man die, Goldgewinnung in"di«scm Gebiete wieder ausgenommen, nebenbei aber auch die Auswertung jener anderen Schätzender versteinerten Reste einer untergegangenen Welt. Der. kalifornische Botaniker. Prof, Mae Ginitie- hat diese' dankenÄverte Arbeit unternommen.-Eichen-.und"Fichtenwälder "stehen,"dem Klima entsprechend, äüf den Hügeln de» Goldgräberlandes. IN jenen,sehr fernen Zelten aher, als di«.steinernen Stämme noch grüne Baumkronen trugen,- da bauten Palmen und Magnolien,Zeigen, Aralien,"- Shkömören-und" viele andere Pflanzen , eindS, feuchtwarmen Klimas die^ Wälder ätzf/'ein'Beweis dafür, datz sich die, klimatischen Bedingchntzen : voMändig'geändert- haben müssen.'- Aber nicht" nur versteinert« Baumstänlme fördert inan zu Tag«:-Auch ander«/-weit weniger, leicht versteinernde Wanzen« !teist^besonder»,Blätter, haben sich^hjer, soi-gMyrhal- teni/dab' ei' jetzt- geling ein bi»".in"dst-EiyzeMffÄ gehende» Bild jener längst versünkenen Äelt'zu entwerfen.'' Die rlchtlggestellten Wählerverzeichnisse werden zur öffentlichen Einsicht in der Zeit vom 24. bis zum 81. Juli täglich zwischen 8 und 14 sowie-wischen 16 und 18 Uhr aufgelegt sein. Am Sonntag sind die Wählerlisten zwischen 8 und 12 Uhr zugänglich. Die Wählerlisten für Prag I—VII liege» im Altstädter Rathaus, für die übrigen Stadtteile in den zuständigen Magistrat-Ämtern auf. vorcnthalten, was in irgendeiner Weise gegen den Nationalsozialismus als solchen spricht. Diese Gruppe von Intellektuellen sind die Spaltpilze des deutschen bewußten Katholizismus, in.der TSR, Wie ihr Katholizismus, so ist auch ihre politische .Gesinnung und Haltung. Goebbels und die „Frankfurter Zeitung" brauchen. nicht die Zentrale in Asch,„Volk und. Glaube", da»„Mitteilungsblatt Stafselstein" liefern bedeutend besseres Material. Der Apostat Goebbels weiß noch, was katholisch sein heißt: wahr sein. Nur, daß er auch in diesem Falle seine„Wahrheiten" von Outsidern des Katholizismus bezieht Sommerspielzeit Kleine Bühne. Ensemblegastspiel von Mitgliedern deSWie- n e r ÄurgtheaterS. Morgen, 17. Juli, 20 Uhr, Erstaufführung„Die Fee" von Franz Molnar. Das Stück wird nur noch Sonntag, 18 Uhr, wiederholt werden.— Sonntag, 20 Uhr,„Dai Mädel im Schatten", Komödie von Walter Elli» in 8 Akten. Wiederholung Montag, den 18. Juli. Preise: Ui 6.— bis 85.—. Vorverkauf: Deutsche» Haus(Telephon 24687), Truhlät, Metzler, N. D. Theater. Eusemilegaftspiel GrüNtanm-FärkaS.. Dar wegen bereits abgeschloffener Verpflichtungen abgebrochene Gastspiel Grünbaum-Farka» mit ihrem Ensemble wird am 20. dS. für kurze Zeit fortgesetzt. Bezug» b eb t« g u n g- n: Bei Zustellung in» Bäu» oder bet Bezug durch die Post monatlich UL 16.—, vierteljährlich US.48.—, halbjährig US 06.- ganzjährig AL 192.—;— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bel öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten etfolgt nur"bei Einsendung der Retourmarken.— Dl« Zeitungßfrmikatur wurde von der Post« und. Lrlü^ -- graphendireltion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1S8Ü bewilligt,— Drückn:«:..OrbiS". Druck«, Verlag»- und Zeitungil-A.'«G.'PriL''"'""" Naturwissenschaftliche Kurzberichte Leber gegen Bergkrankheit .8 Millionen ist normalerweise die Zahl roten Blutkörperchen in jedem Kubikmillimeter Blut, s Da die Blutkörperchen vermöge ihres Gehaltes an ■ rotem. Blutfarbstoff Haemoglobin die Üebertragung ' des in der Lunge aufgenommenen Sauerstoffes auf die Zellen de» Körpers besorgen, kommt ihnen eine so außerordentlich wichtige Rolle zu, daß eine Verminderung ihrer Zahl oder ihres Haemoglobingehal» ' te» gesundheitliche Störungen zur Folge hat, wie sie" al» Blutarmut und Bleichsucht allgemein bekannt find. ES gibt eine sehr schwere Form von Blutarmut, die sogenannte perniziöse Anaemie, bei der die Anzahl der Blutkörperchen sinken.kann bis auf etwa ein Fünftel der normalen'Zahl, und di« damit schließlich zum"Tope führt. Seit.Iängerer Zeit schon wendet man zur Bekämpfung dieser krankhaften Verminderung der Blutkörperchen eine Leberdiät an, deren güt« Erfolge auf, die blutbildende Wirkung von Leber zurückzuführen sind., Seit ein paar Jähren versucht man nun, der Höhen- öder Bergkrankheit ebenfalls durch Leber- behändlung beizukommen..Wa» man als-Höhenkrankheit bezeichnet, find Gesundheitsstörungen, die sich in Schwindel, Uebelkeit,-Benommenheit, Herzklopfen, Schlaflosigkeit,, quälenden Angstzuständen. usw. äußern und meist rasch behoben sind, sobald der Pa« tient nach einem Ort geringerer Höhe zurückgebracht wird. Er gibt Menschen, die schon bei 2000 Meter Höhe die ersten Anzeichen der Bergkrankheit erkennen lassen, während andere 4000, selbst 8000 Meter ohne weiteres Verträgen. Es ist dabet natürlich nicht ' gleichgiltig, ob der Aufstieg in große Höhen rasch er folgt, wie ettva im Flugzeug, oder oh dem Organismus Zeit gelaßen wird, sich anzupaffen.DIe Ursachen der Höhenkrankheit sind einerseits Veränderung im Blutkreislauf, andererseits spielt Mangel an Sauerstoff' eine wichtige Rolle. Eine Anpassung an gröbere Höhen erfolgt" vor allem dadurch,'daß die Blut- reservoirc de» Körper» eine größere Anzahl roter Blutkörperchen im Umlauf sehen. Die Zahl der roten Blutkörperchen kann dabei von 8 Millionen bis auf 8 Millionen pro Kubikmillimeter ansteigen. Da» Haemoglobin wird unter Umständen auf da» Doppelte vermehrt. Dadurch ist der Organismus wieder in die Lage versetzt, den Sauerstoff der dünnen Höhenluft entsprechend auszunützen. -'Nun ist e» gelungen, in der Leberdiät ein Mittel ausfindig zu machen, durch welche» Man die Anpassung des Körpers an die Höhenluft beschleunigen kann, indem der Körper künstlich zu vermehrter Blutbildung angeregt wird. Schon auf der Htmalaya- expedition Dyhrenfurth» im Jahre 1980 hat man die Feststellung gemacht, daß die Verabreichung von Leberpräparaten gute Wirkung tut, Di« Gewöhnung, an die dünne Lust der.HöhVerfolgt leichter, die Leistungsfähigkeit wird gesteigert. In einem Falle von Bergkrankheit waren die Beschwerden nach Tagen fast vollständig beseitigt. Auch das experiment hat günstige Evgebniffe. Gold und Treibholz Al» vor etwa 90 Jahren in den KieSbänken de» Hügelland«» östlich'der Sierra Nevada, in Nordkalifornien die reichen Goldschätze entdeckt wurden und der. Strom der vom Goldrausch gepackten-Abenteurer und Glücksucher sich- in jenes Gebiet ergötz, da machten die Goldgräber bald die Erfahrung, datz der Kie» ganz besonders dort reich anGoldwar, wo. verstei- nerte Baumstämme" lagen: Freilich, war da» Weg« Nachklänge zum Velgo-ProzeB Das Schicksal Wenzel Cernas besiegelt Prag.■(—rb—) Wie bereit» berichtet, hat da» Oberste Gericht in Brünn der Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft gegen den.Freispruch der Marie Velgo stattgegcben, da» Urteil de» Brünner Schwurgerichte» aufgehoben und neuerliche Verhandlung diese»-Mordprozesses vor dem Schwurgericht in Neu-Titschein angeordnet. Die neuerliche Verhandlung de» Äelgoprozeffe» wird in der Herbstseffion de» Neu-Titscheiner Schwurgerichte» stattfinden. Gleichzeitig wurde die Nichtigkeitsbeschwerde de» eigentlichen Mörder» Wenzel Lernh verworfen, der von den Geschworenen schuldig erkannt-und zu dreißig Jahren schweren Kerker» verurteilt worden war. Lernt) hatte gleichzeitig Berufung gegen da» verhängte Strafausmaß'eingebracht. Ueber diese Berufung entschied da» Oberste Gericht in nicht- össentticher Verhandlung. Wie nunmehr bekannt wird, wurde auch die Berufung abgewiesen, so daß da» Urteil gegen Wenzel Lernt) in Rechtriraft erwachsen ist. Dieser mutz also seine dreißigjährige Kerkerstrafe verbüßen. Da Cernh heute bereit» über vierzig Jahre all ist, hat er wenig Aussicht, da» Gefängnis lebend zu verlaffen. Endlich auch Lieben und Troja an die Kläranlage der Kanalisation angeschloffen. Die Ablvässer der Stadt Prag werden bekanntlich in einer besonderen Kläranlage lam Moldauufer hinter dem Baumgarten) gereinigt, ehe sie in die Moldau geleitet werden. Welche volkSgesundheitlichc Bedeu- inng diesem Reinigungrprozeß zukommt, ergibt sich daran», daß der auf diesem Wege audgeschiedene Unrat täglich etwa fünfzehn Zehntönnenwaggon» stillen könnte". Welche Verunreinigung de» Flutz- waffer» und welche gesundheitliche Gefahren sich ergeben würden, wenn dieser Unrat in die Moldau geleitet würde, liegt aus der Hand. Bisher war nun ein dichtbevölkerter Teil Prag», nämlich Lieben, Vvsoian, Kobhli» und Troia, mit hinein Wort dar gesamte Gebiet östlich der Prager Möldauschlcife an die Klärstation"nicht angeschlossen. Die Känäle dieser Stadtteile mündeten direkt in die Moldau und verunreinigte» da» Flutztvasser. Diesem Uebclstande wird nun abgeholfen werden. Dieser Tage wurde der Bau de» neuen Sammellanal» E in Angriff genommen, der auch die östlichen Stadtteile an die Klärstatian. anschließt. Damit ist da» Prager Kßna- lisationSsystem erst komplett geworden. Rach zwei mißglückten Versuchen den ersehnten Tod gesunden. In Ziskov wurde der 42jährige Pri- vaibeamte Emanuel O. in seiner Wohnung erhängt aufgefundcn. Liebesenttäuschung soll ihn in den Tod getrieben haben. Die Flqcht au» dem Leben wurde ihiß Uschi sticht. Nachdem er sich eine Schnittwunde am Hal»" zugefügt hatte, die nicht zum Tode führte) I versuchte sich der LebenrÜberdruffige zu erhängen, doch riß der Strick." Der Vorsatz zu sterben war bei dem-Unglücklichen--aber so stark, daß er e» trotz seiner"durch den Bluwerlust verursachten Schiväche fertig bracht«, eine, stark« Klammer in"die Mauer zu schlagen und sich einen stärkeren Strick zu besorgen, der seinem Leben dann tatsächlich da» Ende bereitete. Der Fall ist ums» tragischer, al» der Selbstmörder eine alle Mutter zu erhalten hatte, die ganz auf ihn angewiesen war und nun völlig hitslo» dästcht. Auf der Spur der Band« von WohnungSdieben. Wie bekannt, treibt eine offenbar gut organisierte Baude von Wohnungsdieben in Prag ihr Unwesen. Im Lause einer Woche wurden fünf, zum Teil sehr schwere WohnungSdiebstähle gemeldet. E» scheint, s datz die Polizei dieser Platte auf die Spur gckom« i men ist. Die Detektive verhafteten einen gewiffefl „Ein paar Outsider“ Nazisten Im katholischen Lager Von besonderer katholischerScitc< wird un» folgender, die Wühlarbeit der Nazi im-I christlichen Settor des Sudetendeutschtum» bc<, wuchtender Beitrag zur Verfügung gestellt:< Tas außenpolitische Organ de» Herrn von i Neurath, die„Frankfurter Zeitung",. hat die- deutschen Regierungsparteien der DTR als ein paar Outsiders bezeichnet. Hätten die Herren des i „Völkischen Beobachter" oder sein« Ableger in der. ESR den Artikel schreiben dürfen, dann wäre an, Stelle von„Outsider" Goebbels Lieblingswort „BolkSverräter" gestanden. F. Kirchner drückt sich oeliNder aus, meint aber dasselbe wie Dr. Goeb- Velr:", Wer informiert die„Frankfurter Zeitung" über die LSR? Seit einem Jahr hat sie für Prag einen neuen Korrespondenten. Mit„srp" sind seine Berichte in der„Frankfurter" signiert. Unter.„srp" verbirgt sich der Name Dr. S ch a r p. In der„Systemzeit" war Dr. Scharp Redakteur" der linksgerichteten ZentrumS- zeilung, der„Rhein-Mainifchen Volkszei tung", deren Herausgeber der wegen Hochver rates, angeklagte, aber frejgesprochcne Prof. Dr. -Dessauer war.. Dr. Scharp verlegte bereits 19Ü3 seinen Wohnsitz nach Rom, d. h. er emigrierte und gab in Rom eine„katho lische deutsche Korrespondenz" heraus. 1986 schloß er Friede mit d,er Reichspressekammer und seinem Widersacher Dr. Goebbels und ist seitdem Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" für die LSR. Dr. Scharp ist katholisch und in der„Deut schen Preffe" wird von ihm-ein Buch über Rom angepricsen. Ob sich aus diesem Grunde die „Deutsche- Presse" die vornehme Zurückhaltung auferlegte,-in ihrer Nummer vom 29. Juni 1937 den Artikel der„Frankfurter" mit ein paar Zei len. unter Prcffeftimmen ohne eigene Stellung- nahmt zu. erwähnen, mag dahingestellt sein. -- Die am Reichsparteitag der Deutsch-Christ- lichsozialcn ob ihrer tendenziösen Berichterstat tung" geschmähte„deutsch geschriebene Preffe" muß" die Christlichsozialen und ihren Minister ZajiLek gegen, den Börwurf„Outsider" in Schutz nehmen. Bei Minister ZajiLek holt sich Dr. Scharp bestimmt seine" Informationen nicht ein, aber er bekömmt sie trotzdem von der Kleinseite, dort wo P"a t-e r M i t n a ch t, der Obmann der Aus ländskorrespondenten, seinen Sitz hat. Es sind jene Kreise, die sich um die katholische Studenten vereinigung t a f f e I{t c i n" gruppieren, di« erst(Hitler-) deutsch und dann katholisch sind. Wer einen Blick in die Zeitschriften der genannten Organisationen wirst, sei es nun„V o l kund Gl.aub e" oder. das„Mitteilungsblatt des Bundis Stafselstein",- sinket- bereits 19.86 Auf sätze, die dem der„Frankfurter" um nichts nach stehen. Diese Aufsätze atmen den"Geist der Wil-1 hclMstraßc. Wir entnehmen etwa dem Artikel /.tschechische Volkspsychologie'und tschechoslowa kische Außenpolitik" von Otto Waldbrunn nachstehende Gedankengänge: -„Wenn" die sudetendeutschen Politik' endlich" ihre Verpflichtung für ein außenpolitisches Kon zept erkennend,.immer klarer für diese Linie zu . kämpfen, beginnt— gemeint ist die Achse R om—Prag—Berlin— so bedeutet daS für da» tschechoslowakische Volk freilich eher ein psycholo- ' gische» Hemmnis, Da» entbindet den Su de t e n s ch e n aber nicht der Pflicht, -u- M d i«'s-« L ö s u» g z u ringen. Die derzeitige außenpolitische Konzeption ist für ihn unannehmbarer Provisorium. Warum sagt man er Niemand offen, war doch jeder weiß, datz nicht die Sperrung von Schulklaffen, nicht die Weg- ", nähme von Arbeittplätzen die eigentliche und letzte Tragik des Sudetendeutsch tums auimacht, sondern seine Eingliede- r'u n g i n« i n S y st e m, das seinen Grund im Gegensatz gegen dar eigene, da» deutsche Volk --hat," . 7 Die Haltung des„Mitteilungsblattes Staf felstein""wird am besten dadurch charakterisiert, daß es"bereits in den Theologenscminarcn in Prag Und neuerdings auch in Lcitmeritz verboten wurde. In der Nummer vom 20. Juni d. I: widmet genanntes Blatt den Sittlichkeitsprözcssen in" Deutschland seine Aufmerksamkeit. Es zitiert die katholische Zeitschrift—„Zeit im Quer schnitt", wo es u. a. heißt: "„Die große Zahl der Schuldigen gestattet s allerdings nicht, nur von Einzelsällen zu reden. "Die Dinge müssen so ernst genommen werden, wie ' sie sind. Wir möchten annehmen, datz auch die Kirche begangene Versäumnisse beklagt." Außer„Zeit im Querschnitt" tvird»och eine andere katholische Zeitung als Beweis für die Berechtigung der,Priesterprozeffe.herangezogen. Den Namen dieser Zeitung verschweigt die Re daktion des" Mitteilllngsblatkcs. Herrn Dr. Höss- mann'ist es bekannt, daß es i n D e u t f ch l a n d k e i N.e k a.t h o l i f ch e P r e s s e m e h r gibt. Wie mag es den Geistlichen zu Mute sein, die„Alte Herren" deS Bundes Stafselstein find, wenn sie in ihrem Bundesblatt lesen müssen, die Anwürfe" gegön den deutschen Klerus bestünden zurecht l „Boll und Glaube", daS.Mitteilungs blatt"-wiffen nichts von den Kämpfen des Katho lizismus in Deutschland, wiffen nichts zu berich ten von den zahlreichen Freisprüchen, die erfolgen mußten.. . Die Enzyklika„Mit brennender Sorge" Wurde von" beiden Zeitschriften bisher totgeschwie-