Mr. 153. Abomument«-Kedingungt«: «bonnemenl»-Prei» pränumerando: Vierleljährl. ZL0 Ml., monatl. 140 Sit., wöchentlich SS Psg. frei in! Hau». Einzelne Nummer v Psg. Sonntag», Nummer mit Illustrierter Sonntag», Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Äbonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung», PuUüsle für 1899 unter Dr. 7880» Unter streuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erschein! läglich auger vionlag». Devliner VolksblAlt. 16» Jahrg. Die Inserttons- Gebühr beträgt für die sechigespaltene stolonel« zetle oder deren Raum»0 Psg., für politische und gewirlschastlichi Verein«- und Versammlung»-Anzeigen so Psg. „Kleine Knieigen" jede« Wort 5 Psg. (nur da« erste Wort settj. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bi» S Uhr vormittag« geöffnet. JtouQmchtri Dm! I, Nr. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrai Berlin" Centraiorgan der sociatdemokratisthen Vartei Deutschlands. Krdaklion: SW. 19. Benth-Strafke 2. Dienstag, den 4. Jnli 1869. Expedition: SW. 19, Benkh-Strahe 3. Die Lage in Brüssel. Bis Dienstagabend herrscht Waffenstillstand. Das Volk wartet, die Waffen in der Hand, ob die Regierung ehrlich den Frieden will, indem sie auf jede Wahlrechtsschmälerung verzichtet. Nuser Freund Vandervelde, der in erster Reihe mit die Stümpfe der vorigen Woche geführt hat, hatte die Güte, in dieser thatenreichen Zeit uns einen Bericht über die Situation zu geben, den wir nachfolgend mitteilen: Seit den Streiks für daS Stimmrecht im Jahre 1833 vollzog sich die Entwickelung der Socialdemokratie in Belgien still und friedlich. Unsere Genossenschafts- Organisation machte außerordentliche Fortschritte. Unsere politische Macht vermehrte sich von Wahl zu Wahl. Trotz der Ungerechtigkeiten des Pluralwahlsystcms konnte man den Augenblick absehen, wo im Parlament eine demokratische Majorität vorhanden sein würde, entschlossen, das allgemeine Wahl- recht ohne Einschränkungen durchzuführen. Um dieser Gefahr zu entrinnen, um zu vermeiden, daß ihre bisherige parlamentarische Majorität bei den nächsten Wahlen der- loren geht, hat die Regierung den Wahlgesetzentwurf vorgelegt, der die Revolution in die Straßen Brüssels gerufen hat. Dieses Wahl- gesetz bedeutet eine ungeheuere Schurkerei. Vermittelst einer be- trügerischen Vereinigung des Proportional- und Majoritätssystems will die klerikale Partei alle ihre Mandate in den kleinen Bezirken, deren zie sicher ist, erhalten, und in den großen Bezirken, die sie schon so gut wie verloren hat oder die zweifelhaft sind, will sie mit den anderen Parteien teilen. Die Annahme dieses Wahlgesetzes würde die Erhaltung der klerikalen Herrschast auf lange Zeiten bedeuten. Die Socialdemokratie hat sofort alles gethan, um diese schänd- liche Politik zu durchkreuzen. Während die liberale Bourgeoisie sich auf platonische Proteste beschränkt, hat die socialistische Opposition, im Parlamente sowie außerhalb des Parlaments, nicht gezögert, alle möglichen Mittel aufzubieten, um die Abstimmung des frevel- haften Gesetzes zu verhindern. Sechs ObstruktionS- Sitzungen in der Kammer! Unsere kleine Schar von socialistischen Deputierte» hat die parlamentarische Maschinerie vollkommen zum Stillstand gebracht, bald durch Ein- bringung von Interpellationen über die Tagesereignisse, bald durch systematisch organisierten Lärm. Volksmengen umwogten das Parlamentsschloß. Der Ausstand in den Straßen wuchs fortwährend. Die Behörden waren außer stände, die Unruhen zu beseitigen; die Bürgergarde, die zum großen Teil aus liberalen Elementen besteht, versagte, und die Furcht verbot, das ordentliche Militär aufzubieten, das vom Socialismus ergriffen ist. Dies war der Inhalt der letzten Woche. Die unwiderstehliche Wut des Proletariats, die Neutralitäts- bezeugungen des liberalen Bürgertums in den Versammlungen und in den Zeitungen, welche die Bewegung ermutigten, und die aus- schließlich proletarische Zusammensetzung der Armee,— das sind die Gründe, welche die Regierung genötigt haben, vor der öffentlichen Meinung zurückzuweichen. Am letzten Freitag, bei Beginn der Kammersitzung, beschwor der katholische Abg. Theodor die Regierung, versöhnliche Erklärungen abzugeben, die geeignet seien, die Unruhen zu beenden. Sein Rat- schlag fand Gehör und der Ministerpräsident Van den Pcereboom schlug der Kammer vor. sich bis Dienstag zu vertagen, und verpflichtete sich, bis dahin einen Einigungsvorschlag zu suchen. Da§ ist noch nicht der Friede, aber es ist ein Waffenstillstand, ein Waffenstillstand, der für uns schon einen Sieg bedeutet. Schon jetzt scheint es sicher, daß das Regierungsprojekt thatsächlich zurück- gezogen wird. Andererseits wird die Opposition keinen anderen Vorschlag annehmen als die Bestagung der Wähler vor irgend einer Reform des Wahlgesetzes. Die Bewegung dauert fort; augenblicklich erscheint sie friedlich, aber sie ist kraftvoller denn je. Wenn du Frieden willst, rüste den Krieg. Das Wahlgesetz der Regierung ist zurückgeschlagen, aber„es gehört zu den Toten, die man zweimal töten muß". Unsere Armee bleibt Gewehr bei Fuß, gerüstet für jedes Ereignis. Die Lehre, die auS den letzten Ereignissen in Belgien zu ziehen ist, ist die, dcih da, wo die socialistische Propaganda das ganze Volks- leben durchdrungen hat, die öffentliche Meinung eine Macht ist. an der jeder reaktionäre Anschlag zerschellen muß, auch der Appell an die brutale Gewalt der Waffen. Die drei Bürgermeister von Lüttich, Brüssel und Antwerpen wurden am Sonnabend vom Könige empfangen. Sie erklärten ihm und haben diese Erklärung öffentlich bekannt ge- geben, daß die Polizei und Gendarmerie nicht im stände seien, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und daß andererseits das Ein- greifen des Militärs das Signal zur Revolution bedeuten würde. Emil Vandervelde. An telegraphischen Nachrichten über die Vorkommnisse am Sonn- lag und Montag ist zu verzeichnen: Briissel, 2. Juli. Der König hatte gestern eine lange Unter- redung mit dem Ministerprüsidenteii Vandenpeereboom. „Petit Bleu" nieldet, der König beabsichtige, falls im Laufe der Woche keine Einigung der Parteien über die Formulierung des neuen Wahlgesetzes erzielt werde, die Kammer aufzulösen und das Land zu befragen. Es werde angenommen, daß General Brialmont bei dieser Gelegenheit ein Manifest zu Gunsten der allgemeinen Wehr- Pflicht erlasse. Liittich, 2. Juli. Nach der heutigen Parade von etwa 230 Bürgcrgardistcn begaben sich diese singend und die Gewehr- kolben schwingend nach einem Versammlungslokal der Socialisten Es wurde hier sofort eine Versammlung abgehalten, in welcher die Redner, unter denen sich auch mehrere Bürgergardisten befanden, die Wahlvorlage der Regierung tadelten und aufforderten, die Agitation gegen diese Vorlage fortzusetzen. Mehrere Bürgergardisten richteten vom Balkon herab Ansprachen an die auf der Straße befindliche Menge. Es kam zu keiner Ruhestörung. Brüssel, 3. Juli. Der„Gazette" zufolge wurden in A I o st bei der gestrigen Kundgebung zehn Personen von den Polizisten durch Säbelhiebe verwundet; vier Verhaftungen wurden vorgenommen. Nach dem„Patriote" trugen in Lütt ich die Socialdemokraten ein Plakat uniher, durch welches die Bürgergardisten aufgefordert werden, den Gewehrkolben nach oben zu tragen, wenn niä» ihnen befehlen sollte, gegen die Manifestanten zu marschieren. In Möns beschloß gestern abend eine im Volkshause abgehaltene socialistische Versammlung, wenn die Regierung am Dienstag die Wahl- vorläge nicht zurückziehe oder wenn sie eine neue Vorlage einbringe, welche nicht das allgemeine Wahlrecht enthält, werde sofort der Ausstand im Kohlenbecken von Möns erklärt werden. Brüssel, 3. Juli. Der General Chapelier, Kommandant der Provinz Brabant, wurde heute vom König empfangen, um über die Lage mit ihm zu beraten. Heute fand im Parlamentsgebäude eine Versammlung der Socialisten, Liberalen und Christlich-Demo- k r a t e n statt. Sie beschlossen einstimmig, von der Regierung die Zurückziehung der Wahlvorlage oder Auflösung der Kammer mir nachfolgendem Referendum zu fordern. Was die Regierung anbetrifft, so ist dieselbe entschlossen, morgen Abänderungen der Vorlage mitzuteilen, welche sie geneigt wäre, an der Regierungsvorlage vollziehen zu lasse». Die Linke will, ivie behauptet wird, die Verweisung dieser Nmänderungs- vorschlage an die Sektionen der Kammer fordern, unter der Bedingung, daß die umgeänderte Regierungsvorlage erst nach den Neuwahlen vom Jahre 1900 in Kraft trete; hicnnit be- zlvecken die Oppositionsparteien die kommenden Wahlen auf der Basis des allgemeinen Stimmrechts zu beginnen.(?) Schließlich wird versichert, daß die Socialisten bei Eröffnung der morgigen Kammersitzung einen Antrag auf Revision des Artikels 47 der Verfassung einbringen werden, um das allgemeine und gleiche Stimmrecht zu erhalten. In Voraussicht wahrscheinlicher Unruhen befahl die Behörde, das Gefängnis St. Gilles teilweise zu räumen, um etwaigen Neuverhafteten Platz zu machen. Die gesamten Miliz- regimentcr werden morgen in der nächsten Nähe des Stadtcentrums bereit gehalten. Der Generalstab der Miliztrupprn wird von fünf Uhr nachmittags an in Permanenz vereinigt sein. Außerdem haben, Feuerwehr, Polizei und Gendarmerie strengsten Befehl erhalten, überall, wo es nötig sei, energisch einzugreifen._ Der Ausstand der polnischen Bergarbeiter in Herne ist nun vollständig beendet, nachdem am Montag die ganze Beleg- schaft angefahren ist. Auch die am Sonnabend gemeldete Ausstands- bewegung im R e ck l i n g h a u s e r Bezirk scheint bereits wieder erloschen. Dieser Ausgang war vorauszusehen, konnte doch von einem Streik im modernen Sinne des Wortes nicht wohl die Rede sein. Der Ausstand ist spontan, ohne jegliche Vorbereitung, planlos und ziellos, entstanden und bei dem„strammen" Vorgehen der Behörden war es nur zu erklärlich, daß die aufgeregte, undisciplinierte Masse durch den geringsten Anlaß zu Gewaltthätigkeiten überging. Dazu kam der nationale Haß der Polen. Seit Jahren befleißigen sich die deutschen Unternehmer, die Polen zu Tausenden heranzuziehen und sie, die billigeren, bedürfnis- loseren Ausbcutungsobjekte gegen die deutschen Arbeiter aus- zuspielen. Als vor kurzem der Minister eine Verordnung erließ, wonach fremdländische Kohlenarbeiter der deutschen Sprache wenigstens insoweit mächtig sein sollen, daß sie sich mit ihren Kameraden in den Gruben verständigen können, damit Unglücksfälle durch Miß- Verständnisse ausgeschlossen bleibe», machten die Unternehmer aller- Hand Einwände dagegen. Sie mögen von ihren billigen Lohn- sklaven nicht lassen, wird doch durch das Vorhandensein Tausender, aus den Gefilden OstelbieuS stammender, der deutschen Sprache kaum mächtiger Leute die Organisationsarbeit der Bergleute ganz gewaltig behindert. Zu dem nationalen kommt der religiöse Fanalismus und die schlechte Schulbildung, so daß die Versuche der organisierten deutschen Bergarbeiter, die Polen aufzuklären, sie zur Organisation heranzuziehen, bisher nur geringen Erfolg gehabt haben. Im übrigen sorgen die Unternehmer durch Maßregelungen, die Behörden durch mancherlei Schwierigkeiten dafür, daß die Aufklärungs- arbeit nicht vor sich gehen kann. Hätten einige„socialdemokratische Hetzer und Wühler" nur seit wenigen Monaten ungehinderten Einfluß auf die Masse der polnischen Bergleute nehmen können, die bedauerlichen Vorkommnisse von Herne wären höchstwahrscheinlich unterblieben. Die Unternehmerpresse, voran die„Kölnische Zeitung", bleibt natürlich dabei, daß es„gewerbsmäßige Aufreizer" zu ermitteln gebe, die gebührend gestraft werden müßten. Der Umstand, daß bei dem Vertrauensmann der polnischen Socialdemokraten in Herne ein Zettel gefunden wurde, der circa 30 Namen enthielt, wird zu der Behauptung benutzt, diese seien die vorausbestimmtcn Leiter des Streiks gewesen. Die Urheber sollen in Berlin sitzen. Wir haben neulich mitgeteilt, daß den Berliner Führern der polnischen Arbeiter- bewegung die Ansstandsbewegnng ebenso überrascht gekommen ist, und daß die„Gazeta Robotincza" zur Besonnenheit mahnte und gegen den Streik schrieb. Daß die wenigen socialdemokratische» Polen auf ihre LandSlcnte in Westfalen nur ganz geringen Ein- fluß haben, geht auch aus dem Umstände hervor, daß die„Gazeta Robotnicza" in ganz Westfalen kaum in hundert Exeniplaren ver- breitet ist. Die Namen auf dem beschlagnahmten Zettel sind die Namen einer Anzahl von Abonnenten auf das genannte polnische Blatt. Mit dem„energischen Vorgehen" der Behörden ist die Scharfmacherpresse natürlich sehr zufrieden.„Glänzend"— so schreibt die„Rhein.-Westf. Ztg."—„sei durch die Vorkommnisse ihre Ansicht gerechtfertigt, daß ohne Militär unter solchen Verhältnissen„Ruhe und Schutz der Arbeitswilligen nicht aufrecht zu halten sind." Wir begreifen die Befriedigung der Kapitalistenpresse, mehr als niederschießen kann man die Missethäter doch nicht. Aber nicht alle sind niedergeschossen, und nicht bei jedem Streik bietet sich Ge« legenheit, die Flinte schießen zu lassen; darum, so argumentiert sie weiter, ist doch die Annahme der Zuchthausvorlage notwendig. Sie fordert weiter die Gerichte auf zu exemplarischer Bestrafung; die „Köln. Ztg." giebt zu, daß für die Bestrafung der Gewaltthätigkeiten und Störung der öffentlichen Ordnung das deutsche Reichs-Straf« gesetzbuch sehr scharfe Strafen vorsieht. Das Untemehmerblatt mag an Löbtau gedacht haben, wo eine Gewaltthätigkeit, begangen all einem Manne, mit 33 Jahren Zuchthaus gesühnt wurde. Das scheint selbst diesem rachedürstenden Blatte eine ausreichend« Strafe gewesen zu sein, aber es wünscht eine recht schnelle Sühne. Nichts sei verhängnisvoller, als eine Verschleppung der gerichtlichen Entscheidung. Und nun verweist das Blatt auf England und Frankreich, wo man ein besonderes Gefühl für die Bedeutung habe, welche die Schnelligkeit des Richterspruches für die ganze Rechtspflege besitze. Das kapitalistische Hetzblatt weiß recht wohl, daß auch die Richter Menschen find, und daß in Fällen, wo eine allgemeine Auf« regung sich der ganzen Bevölkerung bemächtigt hat, auch bei dem besten Willen der Urteilende davon nicht frei bleibt und die Urteile dann leicht viel schärfer ausfallen. Wir aber sind der Meinung, daß nicht Pulver und Blei, nicht drakonische Urteile das richtige Mittel sind gegen solche Ausschreitungen, sondern Aufklärung, Volks- bildung, sociale Hebung der unteren Volks- schichten.—_ politische Mebeeflcht. Berlin, den 3. Juli. Die Herrenhänsler retten das Vaterland! Im Herrenhause hat Graf Mirbach mit Unterstützung zahlreicher anderer edlen und erlauchten Herren den Antrag eingebracht: „Das Haus spricht seine Befriedigung auS, daß die Staats- regierung im Bundesrat und SHeichstag für die Vorlegung eines Gesetzes' zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses ein- getreten ist. Das Haus erwartet, daß die Staatsrcgieruug an dem von ihr bei diesem Gesetzentwurf eingenommenen Stand- puNkt unentwegt festhalten wird." Der Antrag koinmt bereits am Mittwoch zur Beratung. Für die Regierung mag es ein Trost sein, daß ihr in ihrem Unglück, wo sie von allen verlassen ist, wenigstens ein Freund. das preußische Junkertum, treu geblieben ist, und das trotz des Kanals! Wenn die Junker jetzt für das Zuchthaus schwärmen, so berufen sie sich offenbar auf jenen Vorkämpfer des Junkertums, der diese Stätte der Erziehung vor kurzem verlassen hat und nun aus eigener Anschauung weiß, wie trefflich solche Anstalt wirkt. Aber was für einen Junker gut sein mag, ist nicht für einen freien Arbeiter tauglich, der um die Kulturgemeinschaft und den Kulturfortschritt kämpft. Daß aber die Junker jetzt für die Zuchthausvorlage ein- treten, beweist mehr als alle Reichstagsreden, wie tief das herrschende System in diesem Entlvurf gesunken ist. Nichts ist so kompromittierend wie der Beifall der Herrenhäusler.— Prenstischer Landtag. DaS Abgeordnetenhaus hat heute die Gebühren- orbnung für Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher, sowie das' Gesetz über die freiwillige Ge« r i ch t s b a r k e i t in zweiter Lesung angenommen. Zu dem Artikel 83 des letztgenannten Gesetzes, wonach der Notar zur Ueber« nähme eines unbesoldeten Amts in der Gemeindeverwaltung oder der Gemeindevertretung nicht der Genehmigung seiner Aufsichts- behörde bedarf, beantragte der Abg. Ka Irsch sfrs. Vg.) einen Zusatz, wonach die Genehmigung der vorgesetzten Dienstbehörde nicht erforderlich sein soll bei der Uebernahme der Mitgliedschaft in dem Vorstand oder in dem Aufsichtsrat einer Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit oder einer eingetragenen Genossenschaft oder in dem Aufsichtsrat einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Dieser Antrag wurde, nachdem der Justizminister Schön st edt dem Hanse die Beschlußfassung anheimgestellt hatte, angenommen. Von den Petitionen, mit denen sich das Haus sodann befaßte, sind nur diejenigen erwähnenswert, ivelche sich gegen großkapita« liftische Detailbctriebe, Beamten- und Konsumvereine richten und die Einführung einer Umsatzsteuer unter Freilassung der Konsumvereine von einer Sondcrbcsteuerung erstreben. Entgegen dem Kommissionsantrage auf Ueberweisung als Material wurden die Petitionen auf Antrag des Abg. Dr. H a h n der Regierung znl Berücksichtigung überwiese». Am Dienstag wird sich das Haus auf mehrere Wochen vertagen, nachdem es vorher die heute in zweiter Lesung beratenen Justizgesctze in dritter Lesung erledigt hat. Im Herrenhause stand heute zunächst die Interpellation des Grafen L y n a r u. Gen. zur Beratung:„Was gedenkt die Regierung zu thun, um das Sprecgebiet, insonderheit die Gegenden des Ober- und Unter-Spreewaldes vor fernere» Schäden zu schützen?" Aus der Debatte ist nur die Mitteilung des Landwirsschaftsministcrs Freiherrn von H a m in e r st e i n erwähnenswert, daß dem Land- tage in der nächsten Session eine entsprechende Vorlage zu- gehen wird. Im übrigen erledigte das Haus nur Petitionen und kleinere Vorlagen, darunter das' Gesetz über die Versetzung richter- licher Beamter in den Ruhestand in der Fassung des Abgeordnetenhauses, mit der sich Justizminister Schönstedt namens der Regierung einverstanden erklärte. Morgen stehen kleinere Vorlagen und Petitionen auf der Tages- ordnung.— Der Reichstags Henry, der den amtlichen Parlamentsbericht gefälscht hat, ist noch nicht entdeckt. Wenn irgend ein Vureaubcamter vorgeschoben wird und wenn man versichert, daß dieser Schuldige mit einer Mgo bedacht worden sei, so haben die Beschwichtigungsräte vergessen, daß es sich hier nicht um ein bloßes Tisciplinar- vergehen handelt, sondern um eine strafrechtlich zu der- folgende That. Es träfe auf den Beamten der Z 348, Abs. 2 des Strafgesetzbuches zu, der lautet: „Dieselbe Strafe(Gefäiigins nicht unter einem Monay trifft einen Beamten, welcher eine ihm amtlich anvertraute oder zugängliche Urkunde vorsätzlich vernichtet, beiseiteschafft, beschädigt oder verfälscht." Noch wichtiger als das Einschreiten des Staatsanwalts erscheint uns, daß der Präsident, bei dem die Disciplinar- gewalt über alle Beamten des Reichstags liegt, unverzüglich die Ergebnisse der von ihm angestellten Untersuchung der Oeffentlichkeit unterbreite. Der Reichstag hat die Pflicht, sich mit allen Mitteln gegen eine im Dunklen thätige Fälscher- gilde zu schützen, die in seinem Hause ihr dreistes Wesen treibt.— Aeutsches Hleich. Authentische Kaiscmde. In Lübeck hielt der K a i s e r eine Rede, in der er, wie schon unter den Telegrammen der Sonntags» nummer zu lesen war,i u. a. nach dem Wolfffchcn Telcgraphenburcau gesagt haben soll: Er erinnere sich an ein altes Wort:„Das Fähnlein ist zwar n r ch t an dk Stange gebunden, es kostet aber viel, es herunter zu holen." Es sei das ein Gedanke, dessen mancher Wettsegler eingedenk sei, wenn es morgens an den Start gehe. . Das„alte Wort" war in dieser Fassung unverständlich. So versendet denn jetzt das amtlidbe Telegraphenbureau eine Berich tigung. der zufolge der Satz heißen soll:„Das Fähnlein ist zwar leicht an die Stange gebunden, es lostet aber viel, es herunter zu holen." Gerade durch diese Berichtigung wud bewiesen, daß die durch das Wölfische Bureau verbreiteten Reden Authentizität beanspruchen. Gras BalU'strein wird also auch nichts dagegen einzliwendeii haben. wenn die durch das Wölfische Burean festgestellten Reden im Reiche tag kritisiert werden. Wenn der„Reichs- Anzeiger" diese Lübecker Rede sonderbarerweise nicht abdruckt so erreicht er also damit ebenloweiiig wie der Fälscher dcS Reichstags- Stenogramms, daß die notwendige Kritik kaiserlicher Reden dem Parlament entzogen wird.— gehen wider den berüchtigten§ 1ö3 der Gewerbe-Ordnung handelte. Jin Streik der Firma Sommer hatte der Maschmenarbeiter Hafenmeister den Arbeitswilligen gespielt. Trotzdem besaß die Dreistigkeit, am Maiscfte der Fürsher Arbeiterschaft, Die Pcrional-AendcrungS- Gerüchte werden fortgesponnen. Selbst Herr v. Miguel wird jetzt als amtsmüde bezeichnet. Da segen ist Herberl Bismarck wieder von der Tagesordnung abgesetzt ..'"if Zwar gleichzeitig mit dem Kaiser in Travemünde gewesen lein, aber überhaupt nicht niit ihm gesprochen haben. Andererseits wird behauptet, er werde als Botschafter nach London gehen. Eines ist so gleichgültig wie das andere.— Pom NatioiiallibcraliSmuö. Die„Köln. Ztg." brachte jüngst zurZuchtbausvorlage. einen Artikel, der Basiernionnsche Ansichten vertrat. Das schciiir in den Abonennteii» und Jnscreiitenkreiscii des gesinniingslosen Blattes Acrgernis erregt haben, und so muß deunS chmock, der eben nach links Brillanten gesirent hat, wieder schreiben nach rechts und zwar so heftig rechts, daß es die Organe der Stumm und Krupp, ja selbst Herr Arendt nicht besser niachen könnte. Zum Hierner Streik, der so eindringlich die Notwendigkeit der Stärkung der soclaldeiiiokratischcn Organisation predigt, leistet sich daS Kölner Blatt folgende„geschichtliche" Betrachtung: ... Die bisherige Beratung der Arbciterschutz- Vorlage l- w nennen die journalistischen Helfer der Großindiiftrielleii das Zuchthansgesctz—) erinnert vielfach an die Vorgänge »m� Jahre 1878, die mit den beiden Mordanfällen auf unseren ehrwürdigen Kaiser verknüpft, waren. Nach den Schüssen des Klenipnergcscllen Hödel am 11. Mai wurde alsbald «rne Vorlage zur Abwehr socialdemokratischer Ausschreitungen ein gebracht. Aber die damalige Reichötagsmehrheit verkannte die politische Lage vollständig; sie hatte die Fühlung mit der Be- volkerung verloren und lehnte schließlich die Vorlage am 24. Mai ab. Als dann aber am 2. Juni die gefährlicheren Schüsse des Dr. Nobiling fielen, da machte sich in den weiteste» Kreisen des Lölkes eine lebhafte Bewegung dagegen geltend, daß der Reichstag aus Besorgiiis vor Einbrechen der Reaktion und aus juristischer Bedentlichkeit den verbündeten Regierungen die Mittel zur wirksamen Bekämpfung der Socialdcmokratie versagt hatte. Der Reichstag wurde alsbald aufgelöst, und das Ergebnis der Neuwahlen am 30. Juli erbrachte wenigstens die Möglichkeit, ein Socialistengesctz zu erlassen, wenn auch die Mehrheit»ichr den Mut hatte, � dieses Gesetz in einer Form zu verabschieden, die es ftir lange Jahre im voraus dem Kampfe der parlamentarischen Parteien entrückt hätte. Heute kann es keinem Zweifel unter» liegen, daß allerdings die Beschränkung der Dauer des Gesetzes bis zum 31. März 1881 der schwerste politische Fehler war; denn sie zwang den Parteien in endloser Reihenfolge den Kampf um die Erneu erung des Gesetzes auf, und gerade ans diesem Kampfe erwuchsen, wie die Erfahrung bewiesen hat, der Socialdemokratie bei allen Wahlen immer neue Anbänger. Aber das Eingreifen der Staatsgewalt ivar damals eine Notwendigkeit die für die damalige Zeit auch noch heute anerkannt werden muß. Wir möchten an diese geschichtliche Entivicklung erinnern, um alle, die es angeht, rechtzeitig zu mahucn, den bevorstehenden Gerichts- Verhandlungen um so größere Aufmerksamkeit zuzluuciiden und das Bedürfnis des gewerblichen Lebens nach Frieden und Ordnung mit wachem Auge zu verfolgen." Wem, man schon die Gcftnnnng verlauft, so sollte man doch wenigstens ein bißchen Intelligenz zurückbehalten, um das ekle Ge- werbe wenigstens mit einem gewisse« äußeren Anstand zu üben. Der Vergleich aber, den der Rcchts-Schmock zieht, ist gerade für die Interessen außerordentlich unglücklich gewählt, denen diese Feder« Prpstitution dienen soll. Heute iveiß jedermann, daß der Socialisten- schrecken von 1878 nichtsiviirdiger Schwindel war. Der christlich» sociale Hödel und der Nalioiialliberale Nobiling hatten in der That genau so viel mit der Socialdemokratie zu thnn wie die Herner Excesse, wobei gerade die Socialdeinokralcn in der Rolle der „Arbeitswilligen" erschienen, mit den organisierten Arbeitern. Die „Kölnische Zeitung" mutet also, indem sie den Vergleich zieht, dem Reichstag z», daß er noch einmal sich durch den gleichen plumpen und gemeingefährlichen Schivindcl nasführen lasse.' Aber die Zeit der Bismnrckschcn Praktiken ist insofern vorüber, als die schwächlichen Epigonen mit ihre» jäminerlichen Nachahmuugsversuchen leinen Kredit mehr haben.—_ Zwei Urteile. Das Schöffengericht in Fürth, daß sich in letzter Zeit viel mit Streikvergehen beschäftigte, fällte zwei Urteile ummtelbar auf- einaitder, die in dieser Gegenüberstellung sehr drastisch wirken. Im ersten Falle waren angeklagt die Fabrikanten G. und M. Bern- Hardt, bei denen die Holzarbeiter seit Wochen streiken, und die Arbeiter Pfeiffer und Z» ck er. zwei AbeitSwillige. wegen Körperverletzung. Die beiden Brüder rrafen in der Nacht zum 12. Mai den streikenden Politurarbeiter H o p s e n g ä r t n e r, mit dent sie in Streit gerieten und den sie dann in Gemeinschaft mit den herzueilendeii Arbeitswilligen ordentlich verprügelten, wobei H. zwei blutende Kopfwunden und eine zerschundene Nase davontrug. M. Bernhardt, der die ganze Hanerei angestiftet hatte, erhielt 20 M. Geldstrafe, ebensoviel der Arbeitswillige Zucker, weil er die kräftigste Klinge geführt hatte. G. Benihardt wurde mit 10 M. und der andere Arbeitswillige Pfeiffer mit 5 M. bestraft. Nach Verkündigung des Urteils wurde der Fall des Schreiners I. Weiman» aufgerufen, in dem es sich um ein angebliches Ver- als der Streik noch! im gange war, einen Pcrkanf-stand mit Znckerwaren ic. ans dem Festplatze aufzustellen. Weimann ent deckte das„Geschäft" und„empfahl" es bei den Festteilnehmern auf das angelegentlichste, wobei er sich auch des Wortes„Streik- b re ch er"' bedient haben soll. Die Folge Ivar eine Anklage ans Grund des§ 153 und W. wurde, obwohl nicht festgestellt ist, daß das Wort Streikbrecher fiel und der Angeklagte dies auch in Abrede stellte, zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt Man behalte im Auge: Dort zwei Unternehmer, die niit einem Streikenden, wegen des Streiks einen Streit provozieren und dann in Gemeinschaft mit Arbeitswilligen über den einzelnen her� fallen und ihn blutig schlagen— sie erhalten wegen einfacher Körperverletzung geringe Geldstrafen. Hier ein Streikender, der sich mir bemüht hat, zu verhindern, daß ein„Arbeitswilliger" die Groschen der klassenbewußten Arbeiter nach Hause trage— er muß 14 Tage ins Gcfängnißt Es wird genügen, diese beiden Urteile lediglich zu registrieren._ Die„Krenz-Zeiftmg" ereifert sich über Bemerkungen, die unser Dresdener Partei-Organ den belgischen Vorgängen gewidmet hat. Indem die„Kreuz-Zeitung" aus dem Artikel' die Gefahr eines revolutionären Aufstandes in Deutschland herausliest, verrät sie, daß sie die Voraussetzung, die jenes Vorgehen der belgischen Genossen gehabt hat. so viel an ihr liegt, erfüllen möchte, nämlich die Revolution von oben, den Wahlrechts- Umsturz. Dieses Geständiiis ist eS, das den sonst im üblichen denunziatorischen Scharfmachcrton gehaltenen Artikel wertvoll macht.— Geheimnisvolle Geschichten. In der„Neuen Bahrischen Landeszeitung" des Bauernbündlers Memminger lesen wir: Hochstehende Mitarbeiter, ja sogar Damen aus der allernächsten Umgebung regierender Für stse n muß die„Neue Bayrische Landeszeitung" haben, sonst wäre es nicht möglich, daß sie über Dinge und Jntima hochstehender Persönlichkeiten berichten könnte, welche anderen Zeitungen unbe» kannt sind oder von ihnen wegen Mangels an zuverlässigen Korrespondenten nicht berichtet iverden. Oherchez la femme (suchet die Dame)— schreit die.Lippische Tageszeitung", das Organ de« Prinzen Adolf von Schaumbiirg-Bückeburg— denn eS ist gar kein Zweifel, daß ein neuerlicher Artikel in der „Landeszeiwiig" von einer hohen Persönlichkeit stammt.„Wir haben"— schreibt das großfürstliche Blatt in Nr. 141—„bestimmt Grund dafür, die Aiuiahme nicht von der Hand zu weisen, daß auch der gedachte Artikel in der Umgebung des Regenten— wenn nicht entstanden ist. so doch dort seinen geistigen Urheber hatte". Wir geben dem Blatt den wohlgemeinten Rat. siÄ über die Her- knnft einzelner Artikel in der, �Landeszeitung" nicht iveiter den Kopf zu zerbrechen und sein Riechorgan ungebührlich anzu» strenaen. Sind doch auch alle Bemühungen vergeblich gewesen, die Quelle zu entdecken. aus der uns im Vorjahre das Tele- gram in des Kaisers an den Fürsten von Lippe zugeflossen ist. Auch Haussuchungen führen bei uns zu keinem Eigebnis. worüber die hiesige Polizei entsprechende Auskunft geben kann. Wenn aber das Organ gerade eine Neugierde nach weiteren Mitteilungen von unserer Seite hat. wen» es vielleicht gar noch Schuldscheine eines sehr hohen, aber nicht etwa in München residierenden Herrn sucht, welche auch unerklärliche Dinge erklärlich er- scheinen lassen, könne» wir ihm in seiner nächsten Umgebung eine sichere Stelle bezeichnen, wo solche Scheine zu finden sind: in der Schatulle der alten, sehr reichen F tt r st i n von B ü ck e b u r g. Cberobsz la femme 1 Wollen Sie noch mehr wisse», fragt daS bayrische Blatt am Schlüsse das Organ der Anti-Bicsterfeldpolitik, offenbar überzeugt, durch diese dnnkle Andeutung das Blatt in Angst und Schweigen jagen zu können. Die„alte Fürstin" ist die Fürstin Hermine, die Mnrter des Prinzen Adolf, der den Thron von Lippe nicht erlangen konnte.— De? Entwurf eines Urheberrechts, der im Reichs-Justizamt ausgeardeilet worden ist, soll zu Bcainn des nächste» Jahres dem Reichstage unterbreitet, dagegen sehr bald veröffentlicht werden, damit die beteiligten Kreise hinlängliche Zeit haben, sich darüber zu äußem. Die litterarischen Autorenrechte sollen verstärkt und ge- sichert werden. Von allgemeinerem Interesse sind die über den Schutz der Erzeugnisse der T a g e S p r e s s e. Hier ist sehr nach- drücklich dem ichwungvollen Zcitungsraub entgegengetreten. DaS Gesetz verlangt unbediiigte. für jedennann klar erkenntliche Quellenangabe bei Entnahm« von Mitteilmigeii ans allen Zeitungen. Unbedingt verboten ist der Abdruck, ohne Genehmigung des Verfassers, bei einer wiffciischastlichen Arbeit, die sich in einer Zeitlmg findet. Unbedingt gestattet iunter Quellenangabe) ist der Abdruck ihatsächlicher Mitteilungen, die sich als sogenannte Tages- lieuigkeiteil kemizeichnen; bedingt gestattet, falls nichl der Nachdruck besouders verboten wird, ist der Abdruck sonstiger Artikel. DaS Gut Cadincn ist bekanntlich dem Kaiser geschenkt worden. und hier war es, wo der Kaiser bei der Bestchtigung des Gutes den Vergleich zwischen Arbeiterwobnungeii und Schweineställen zog. Der Bcsitzivcchsel veranlaßt die„Dtsch. Agrarkorr." zu folgenden Rand- bemerkmigcn: Es muß einmal öffentlich ausgesprochen werden, daß es noch viele Taufende von Gutsbesitzern giebt, die sehr froh sein würden, wenn sich einflußreiche Leute fände», die das Verschenken ihrer Güter an den Kaiser unter ähnlichen Bediiigungen vermitteln würden, wie bei Cadinen. Der Kaiser hat eine hypothekarische Belastung und eine lebenslängliche Leibrente an den Vorbesitzer in einer Höhe übernommen, die nach dem Urteil sachverständiger Leute zu dem Ertragswert des Gutes Cadinen in einem solchen Verhältnis steht, daß für die liebenswürdige Vermitteluiig dieser Schenkung" der Geschenkgcber mehr Anlaß zum Dank hat, als der Geschenknehmer.— Slus dem Groffhcrzogtum Sachsen-Weimar, 1. Juni. Dem im Oktober wieder zujammeiitretendcn Landtag soll eine Vorlage über Neuregelung der StaatSdienergrhälter zu- gehen, und zwar wird eine allgemeine zehnprozcntige Erhöhung in Vorschlag gebracht.— Aus Hessen, 2. Juli. Die hessische Steuerreform hat mm die Durchberatung in der zweiten Kammer glücklich über- tanden. Glücklich insofern, als der nach Ainputatton der Weinsteuer von der Regierung neu konstruierte Reformplan: Erhöhte Progression der allgemeinen Einkommensteuer und ergänzende Berniögenssteuer, daneben Erhöhung der Erbschaftssteuer, der Hllndestener und der Stempelgebührcn, sowie Einführung einer Staatslotterie, in allen feinen Hauptpositionen angenommen worden ist. Im einzelnen ist die zweite Kammer allerdings der Regierung arg in die Parade gefahren und da die erste Kammer sich vermutlich gegen einige Beschlüsse der Volksvertretnng sperren wird, so läßt sich über das Schicksal der ganzen Reform noch nichts Bestimmtes sagen. Der Gedanke, den durch Erlaß eines Teils der direkten Stenern entstehenden Ausfall auf dem Wege der indirekten Besteuerung wieder einzubringen, war höchst unglückselig. DaS haben insbesondere die viertägigen Wer- handlimgen über den neucn Stempeltarif gezeigt. Die fociald emokratische Fraktion fand vielfach Ge- legenheit, das Verkehrte und Ungerechte dieses Steuer-AllerleiL zu geißeln. Abg. Ulrich begründete treffend unseren principiell ab- lehnenden Standpunkt aller indirekten Bestcuernng. An einigen Punkten gelang es Ermäßigungen durchziisetzen, so wurde der Satz Zunkten gelang es Ermäßigungen durchzusetzen, so wurde der Satz iir behördliche Ausfertigungen, Abschriften w. von 1 Mark auf 50 Pfennige herabgezwungen. Bei anderen Positionen stimmten wir,„ach Annahme der Vorlage, für Ergänzungen zum Zweck der ausgleichenden Gerechtigkeit. So gelang es beim Stempel auf T n n z b e l» st i g u n g e n die Streichung des Zusatzes„bei be- zahlter Mnsil" durchzusetzen. Mögen die in ihren PrivatsalonS tanzenden Herrschaften ihr Vergnügen so gut verstempel» wie ander: Leute! Ans dem gleichen Grunde stitiiinten wir nach Annahine der Fahrradstencr l5 M. jährlich pro Rad!) für eine Steuer ans Lnxiis- wagen il»d Reitpferde. Gegen die Nadfahrstener sprachen die Abgg. Haas und David in ausführlichiter Weise. Sie be- tonten die enlinente Bedelitnng, die das Fahrrad in gewerblicher und gesundheitlicher Beziehimg habe. Jedoch vergeblich! Die Bauern- bllndler legten wieder ein glänzendes Zeugnis ab von der Beschränki- hcit ihres socialpolitischen Horizontes. Die moderne Entwicklung ist ihnen ein Greuel. Der antisemitische Abg. Bäh r beaniragle so- gar von weiblichen Radfahrern den doppelten Steuersatz zu erheben. Daß dieser Antrag mir mit knapper Majorität abgelehnt wurde, kennzeichnet vortrefflich die geistige Rückständigleit eines großen Teils der hessischen Volksvertreter. Steuerfrei sollten nach der Regierungsvorlage sein„Lohnarbeiter, welche das Fahrrad als Transportmittel zur Arbeitsstelle heiintzcn, sofern ihr Einkomnien den Betrag von jährlich 1500 M. nicht erreicht". Abg. David beantragte, statt dessen zu sagen:„Personen mit einem steuerpflichtigen Einkommen unter 1500 M.". Dadurch wären wenigstens auch alle sonstigen Leute beiderlei Geschlechts und einer- lei zu welchem Zwecke sie das Fahrad benutzen, steuerfrei geworden. Leider wurde dieser Antrag abgelehnt: auch das„volksfreundliche" Centruin stimmte dagegen. Angenommen wurde schließlich eine Fassung, welche außer den Lohnarbeitern auch alle Gcwerhtrcibende mit weniger als 1500 M. Einkonimen stenerfrei erklärt Danach sind Beamte, Bureauangestellte, Handlnngsgehilfen ec. auch bei viel niedrigerem Einkommen von der Vergünssigimg ansgeschkosse». Ein trauriger Ruhm für Hessen, sich mit dieser reaktionären Sleuer be- packt zu haben!— Erfreulicher war die Haltung der Kammer gcgeii- über dem socialdemokratischen Antrag auf Erhöhnng des Fivci- komlniß-Stempels bis zu 10 Proz. des Gntsivertes. Der Antrag wurde nach einer wirksamen Begründung durch den Abg. D a v i d mit großer Majorität angenommen. Die Herrschafte» in der Ersten Kammer werden ihn vermutlich höchst ungnädig behandeln. Nach Erledigung des Stcmpeltariis atmete Staatsrat w K r u g, der den kranken Flnanzministcr K ü ch l e r vertrat, erleichtert auf. Er ahnte die uiilicdsaineii Ueberraschnngen nicht, die ihm die Kammer noch bereiten werde. Die Beschlußfaffung über die Progression der Einkommenstener und über den Satz der Vermiigrnsstener stand noch aus. Hinsichtlich der erstercn bezeichnete die Regierung 4.5 Proz. als die Maxiinalgrenze. über die sie nicht hinausgehen könne. Der socialdemokratisch'e Antrag ging auf 6 Proz. Er wurde leider gegen 10 Stimmen abgelehnt: das iir aber ein Antrag Haas-Offe»bach. der eine Progression bis zu 5 Proz. erhöht, fast einstimmig an.- genommen. Noch länglicher aber wurden die Gesichter amRcgiernngstisch bei der Abstinimung über den Vermögenssteuersatz. Dje Regierung?« Vorlage verlangte 65 Pf. pro 1000 M. Vermögen gleichmäßig für jede Vermögenshöhe. Der s o ci a l d e m o k ra t i s ch e«nttag forderte dagegen auch für die Vermögenssteuer eine progressive Steigerung des Satzes, und zwar bis zu 1 M. pro 1000 M. bei den Vermögen von 300 000 M. ab. Es gab noch einen heftigen Redekampf, in dem von unserer Seite die Abgg. Ulrich und David nochmals den großen Griindgedanken des socialdemo- kratischen Steuerprogramms trefflich ins Feld führten. Das Er- gebnis war die Annahme des socialdemokrati- scheu Antrages. Dafür stimmten noch daS Centrum. die meisten Va'uernbiindler, sowie einige Freisinnige und Nationalliberale.— Nach dieser anerkennenswerten Leistung war aber auch das sociale Empfinden der Kammermehrheit erschöpft. Der Antrag des Abg. R e i n h a r t(ein nationalliberaler Wormser Großindustrieller), der für die drei untersten Steuerstufen (500—300 M.) eine bescheidene Steuerermäßigung verlangte und der von socialdemokratischer Seite energischste Vertretung fand, scheiterte an dem„christlich-socialen" Abg. W e i d n e r und seinen Freunden I— Schließlich leistete sich die Mehrheit der Kammer (Nationalliberale und einzelne Ultramoutane) noch den Scherz, für einen von den»atl. Abgg. Osann und Friedrich eingebrachten Antrag zu stimmen, wonach für unverheiratete großjährige Einkommeifftcncrpflichtige der Steuersatz um V« erhöht wird. Stimmt die erste Kammer zu, dann erhalten wir also eine Juug- gcsellcilstcner. Wir überlassen den Nationalliberalen neidlos das Verdienst, diese bahnbrechende That vollbracht zu haben.— Für die Socialdemokraten haben die Stenerverhandlungen einen reichen Agitationsstoff gebracht, der uns bei den im Herbst vorzunehmenden Landtagswahlen treffliche Dienste leisten wird. AnS Baden.(Eig. Ber.) Das Komitee für die Errichtung de» SHq stattet Denkmals versammelte sich kürzlich in Karlsruhe, um endgültige Festsetzungen zu treffen. Trotz der von der Eiscnlohrschen Polizei an der projektierten Jmchrift geübten Ccnsur wird nun mit der Herstellung des Denk- malS für die standrechtlich erschossenen Freiheitskämpler von 1843 begonnen. In einen Syenitstein ans dem Oden- wald wird mit goldenen Lettern eingeschrieben, waS unter dem nationalliberalen Regiment in Baden von der projektierten Widmung nnbcoiistandet blieb. Die Nachwelt soll den Text vollenden.— DaS Mannheimer Lokalkomitee für die Gedenkfeier an die Niedcrschießung der dortigen Standrechtsopier ist mit der Vorbereitung betraut zu der allgemeinen G e d ä ch tn i S f ei er, die zu Mann- heim im Monat August. unmittelbar nach der Aufstellung des Denksteines auf dem Rastattcr � Friedhof, stattfinden soll. Die Feier selbst leitet der auS Anhängern der demokratischen nnd socialdemokratischen Partei gebildete neue Aus- schuß. welcher das Denkmal vom alten Komitee zu übernehmen hat. Die Feier soll eine öffentliche werden.— Die Friedenskonferenz. ES unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß Deutschland in der Haager Komödie allein den Mut beweist, den unverfälschten Geist des durch keine Skrupeln beengten Militarismus zu vertreten. Nicht ohne Absicht ist Professor v. Siengel als Delegierter entsandt worden. Seine Philosophie der Schneidigke'it beherrscht die Reden der deutschen Vertreter im Haag. Es wird zetzt der Inhalt der Rede des Obersten Schwarz- hoff belannt. die in zedem Punkt das genaue Gegenteil der Ge- danken ist, die im Zarcn-Manifest entwickelt wurden. Ihm erscheint der Militarismus als keine Bürde, sondern als ein Segen. Man glaubt, daß der Kongreß am 15. Juli geschlossen wird. Daß nichts bei den langen Berhandlungen herauskommen wird, als ein paar unwesentliche' Formalien, ist sicher. Darum verlohnt es sich kaum, die dürre» Notizen über seine„Arbeiten" wiederzugeben. Der Ausschuß fiir die Redaktion des Schiedsgerichts- Vorschlages ist Sonnobendnachmittag wieder ziisainmengetreten und hat. wie wir bereits im Depeschenteil der Sonntagsnummcr mitteilten, ans Antrag des amerikanischen Deleairten Holls an den Codex über das schiedsgerichtliche Verfahren noch eine Bestimmung zugefligt,� wclckie von der Znlässigkeit der Revision schiedsgerichtlicher Entscheidungen handelt. Der Ausschuß ging dann zur zweiten Losung des von dem englischen Delegierten Pauncefote gestellten Antrages über. Hier wurde die Aendcrung getroffen, daß das Schiedsgerichtstribunal der Namen»Ständiger Schiedsgerichtshos" tragen soll. Ausland. Schweiz. Bern, 30. Juni.(Eig. Ber.) �Jm N a t i o n a l r a t gab es bei Beratung der bundesrätlichen Geschäftsberichte. Kapitel„Politische Polizei" el»e A u s w e i s u n g s- D e b a t t e. Die Kommiision hatte m ihrem Berichte erklärt, daß ste energisches Auftreten gegen die anarchistische Propaganda für gerechtfertigt halte. Dazu bemerkte der katholische Socialpolitiker Dr. Decurtins: Alles ist damit einverstanden, wenn die Anarchisten den Boden einer politischen Partei verlassen und den des Verbrechertums betreten, strenge gegen sie verfahren, aber es ist etwas andcres mit der Theorie des Socialismus. Die Anarchie wurde nicht bei uns gepflanzt. Sie ist ein Produkt der Uiisreibeit. Wir sollten dafür sorgen. daß die Flüchtlinge wenigstens die Rechte genießen bei uns. die sie in ihrem vatcrlande haben. ZDas Ashlrecht ist a n f z u f a s s e n nicht in den, Sinne: Du muht hier schweigen! Wc> die Freiheit der Diskussion nicht in c h r i st, da i st kein A s y l r e ch t. F o r r e r iiüerpellierte sodann de» Bundesrat über die von Greulich enthüllte Aus- wcisungLaffaire. Bundesrat Brenner antwortete, man habe in» letzten Jahre keinen Socialisten ausgewiesen sunsere italienischen Genossen behaupten das Gegenteil), sondern nur nachweisbar in der anarchistischen Propaganda thätige Personen. Von den letzthin aps- gewiesenen drei italienischen Anarchisten sei der eine als Aus- gewiesener von England in die Schweiz gekommen, um sich an einem Dhnamitdiebstahl zu beteiligen, wie der Polizei ge- meldet worden sei. Die Polizei in Zürich sei daher a»geivie>en worden, ihn und seine zwei Helfershelser zu verhaften. Den Diebstahl konnte man nicht nachweisen, wohl aber stand ihre anarchistische Propaganda fest und sie wurden sodann deswegen nach Italien verbracht, weil andere Staaten keine ausgewiesenen Anarchisten mehr annehmen wollen. Der bezügliche Bericht GreulichS widerspreche den Thatsachen und nachdem schon so viel zusammengelogen worden, sei er es seinem Renommee schuldig, einmal die' trüben Lncllen zu nennen, aus denen seine Gewährsmänner geschöpft haben. Greulich hält demgegenüber seine Darstellung aufrecht, betont nochmals die Thatsache der zwangsweisen Auslieferung und erklärt, seine Beweise nicht vorlegen zu können, da er dadurch einen Ber- irmienSbruch begehen würde.„Ehe ich das thne, will ich mich lieber von oberflächlichen Leuten der Unwahrheit zeihen lassen und gewärtigen, wer das glaubt." Es steht somit Behauptung gegen Behauptung.— Frankreich. Ucbcr DreyfuS wird berichtet, daß er zwar körperlich gesund sei, aber infolge des vierjährigen strengen Einsperrungssystems die Fähigkeit zu sprechen und Gesprochenes schnell aufzufassen, v e r- l e r» t habe. Bon den Vorgängen der letzten vier Jahre in Frank- reich weist er n i ch t s, sodast er alle Personen und Verhältnisse vollständig schief beurteilt. Sein Verteidiger Labori. der in Reimes angekommen, wird ihn in wiederholten Be- svrcchungcn systematisch über die Borgänge der ganzen ihm betreffenden„Affaire" unterrichten. Paris, 3. Juli. Nach dem„Echo dcS Paris" werden die Ber- tcidiger Dcmanae und Labori verlangen, dast der Prozeß Drehfus, falls es der Zustand Drehfus erlaube,' auf den 17. I n l i, andern» fnils aber aus den 31. Juli anberaumt werde. Die Verteidiger glauben, daß der Prozeß, wenn die Verhandlungen sich nur auf das Bordcreau beschränken, 3 Tage, andernfalls aber 3 Wochen dauern werde. Jaurös schreibt in der„Pctite Rspubligue". General Mcrcicr schwanke gegenwärtig zwischen zwei Anklagesystemcn; einerseits gedenke er, dem Urteil des KastationShofes sowie allen Zeugen- aussagen und Thatsachen zum Trotz, den Versuch zu machen,'das Bordercau Drehfus zuzuschreiben, da er jedoch fühle, wie kläglich dieses Bemühen ausfallen würde, wolle er vor dem Kriegsgericht eine Art von diplomatischem Roman erzählen, in dem Rußland eine Rolle spielen solle.— Italien. In dem Prozeß gegen den Attentäter Acciarito enthüllt sich ein gemeingefährliches System der Spionage und der Ueber- listnng von Untersuchungsgefangenen in den italienischen Gefängnissen, Der Gcfängnisdireltor spiegelte dem jungen anarchistischen Schwänner väterliches Wohlwollen vor, unterhielt sich fast täglich stundenlang mit ihm und entlockte ihm die Namen von angebliche»„Milschuldigen", indem er ihm für den Fall der Namensnennung die Gnade dcS Königs verhieß. Auch legte inan ihm einen Spion in die Zelle, der be- hauptete, wegen anarchistischer Verbreche» im Zuchthaus zu sein, um auf diese Weise die Namen anderer Anarchisten zu erfahren, und darauf dann die Verschwörung aufbauen zu können. Mit welchen Mitteln gearbeitet wurde, geht zum Beispiel daraus hervor, daß auf Veranlassung des Direktors ein Brief der Geliebten des Attcu- täters erfunden und gefälscht wurde, in welchem diese behauptet, ein Kind zu haben. Sie beklagt sich darin über ihr Elend und erzählt in rührender Weise, sie selbst sei durch Hunger so kraftlos, daß sie ihr kleines Pcterchcn nicht nähren könne. Dann beschwert sie sich über die M i t s ch u l- d i g e n AcciaritoS. die, trotzdem sie ihren„Mann" ins Zuchthaus gebracht hätten, keinen Pfennig für sie opferten, um ihr Elend zu mildern. Acciarito wurde im Gefängnis durch den Brief so gerührt, daß er gleich eine Reihe der angeblich so schlechten Kameraden verriet. Der Prozeß hat übrigens am Montag zu einer Sensation und zur Vertagung geführt. Das Benehmen und die That AcciaritoS muß wohl Zweifel an seiner ZurcchnnngSfähigkeit haben aufkommen lassen. Die Verteidiger der von Acciarito der Mitschuld an seinem Anschlag bezichtigten Anarchisten hatten deswegen die Untersuchung desGeisteszustandes AcciaritoS beantragt, Infolge der Ablehnung diese« Antrags legten sämtliche Per- tcidiger ihr Amt nieder, weshalb der Prozeß vertagt wurde, Tpanicn. Die Bewegung gegen die nrnen Steuer» wächst in S p a n i e n noch immer an Ausdehnung. Allerdings ist die Rc- gierung durch die Massendemonstrationc» geneigt gemacht worden, ihre Finanzpläne etwas zu ermäßigen. So erklärte der Kriegs« minister in einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Silvela. daß er geneigt sei. die Fricdenspröscnzslärle dcL HeercS auf 80 000 Mann festzustellen, statt der von 108 000 Mann, die im Budget aufgestellt worden ist. Auch sollen mit dem Vatikan Verhandlungen über Berringerung des .bultliSbudgets nngelnüpft iverden. Aber fürs erste nehmen die Auf- stände iu verschiedenen spauischcn Städten noch ihre» Fortgang, Namentlich ans Barcelona und Valencia liegen alarmierende Nach- richten vor, In Barcelona wurde» am Sonuabcud bei der Er- Öffnung des Munizivalrats aus der Mitte der Menschenmenge heraus Schüsse auf die Räte abgegeben; drei derselben wurden getötet, neun bcrwundct, ES wurden bei dem Aufruhr 30 Personen verwundet und eine nicht näher bekannte Zahl getötet. Am Schlüsse einer Versammlung, die ebenfalls in Barcelona zu Gunsten der Revision d e s P r o z e j s e s der Gefangenen von Movtjuich abgehakte» wurde, zogen die Teilnehmer»ach einem Jcsuitcnklostcr und veranstalteten dort eine Kundgebung. Die G> ndanncrie, welche hiergegen einschritt, wurde von der Menge mit Steinen beworfen und machle infolgedessen von der Waffe Gebrauch, wobei mehrere Personen vclwnndet' wurden, Auch in Palriicta kam es zn Tumulten, Als die Gendarmerie einschritt, wurde sie von der Menge mit St ein würfen eni- pfangcn. Die Gendarmerie und die Truppen schössen daraus, so daß'mehrere Personen verwundet wurden. Abends nahmen die Unruhen noch größere Dimensionen an, Die Hauptpunkte der Stadt wurden von Truppen besetzt. Die Aufrüher errichteten Barrikadcn, von denen eine von der Kavallerie genommen wnrde, nachdem von beiden Seite» lebhaft gefeuert worden war, ES wurden zahlreiche Pörsonen verwundet; ob auch Leute ge- tötet worden, ist bis jetzt nicht bekannt. Die Lufrührer wollten auch gegen ein Kloster einen Angriff richten, wurde» aber von den Truppen und der Gendarmerie daran gehindert. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. In der Nacht waten die Generale zu einer Bcratling über die Sachlage zusammen. Der Bürgenueister ver- öffcntlichte eine Proklamation, in welcher er die Bevölkerung zur Ruhe auffordert. Man befürchtet, daß sich die Unruhen erneuern werden. Nustland. Der FriedenSzar und Finnland. Eine Deputation, be- stehend aus dem französischen Senator Trarienx, de» Professoren Westlake-Cambridge. Pleegt-Holland. Brusa-Jtalie», Szinnyei- Ungarn, Brogger-Norwegen, Freiherr v. NordenSkjöld-Schwcden, Dr. Morman-Dänemark. hat vergeblich eine Audienz beim Kaiser Nikolaus nachgesucht, in welcher sie eine die sinn ländische Frage betreffende Adresse überreichen wollte, die von über imnend Gelehrten und Künstlern aus Frank- reich. England. Oestreich- Ungarn. Deutschland, Italien, Belgien, der Schweiz, Dänemark, Schwcden-Norwegen unterzeichnet ist,— Türkei. Der serbisch-türkische Grenzkonflikt hat sich zu einem regek- rechten diplomatischen Krieg ausgewachsen; die geharnischten Noten fliegen zwischen den beiden Mächten nur so hin und her. Am Sonnabend erging von der Pforte eine Note, in der cS heißt: ES liege kein Grund vor, den türkischen Truppen und den Albancsen die Schuld an den Grenzvorfällen zuzuschreiben, im Gegenteil, die Haltung der Trupe» sei korrekt gewesen und von feiten der Albancsen seien keine Provokationen vorgekommen, wohl aber von feiten der Serben; auch habe der serbische Kommissar, Oberst Oeschitsch, dem türkischen Kommissar gegenüber sein Bedauern über die Ucbertreibnngen der Presse ausgedrückt. In Beantwortung einer anderen türkischen Note überreichte am Montag der serbische Gesandte der Pforte eine Note, welche besagt, die an der Grenze angestellten Untersuchungen hätten zn Ergebnissen geführt, die weit entfernt seien von den Angaben, ans welche die Note der Pforre sich stützte. Das vorläufige Ergebnis habe gezeigt, daß der Angriff gegen die serbischen Wachthäuser vorbereitet gewesen und von türkischen Soldaten und Albancsen im Einvernehmen ausgeführt worden sei. In Erwartung des definitiven Ergebnisses halte die serbische Regierung ihren in der Note vom 16. v. M. erhobenen Protest vollinhaltlich aufrecht.—- Bulgarien. Die KrisiS in Bulgarien. Sofia. 1. Juli. Infolge der Annahme der neuen Finanzgesetze, für welche in der Sobranje nnr durch die erzwungene S t i m m e n e n t h a l t u n g von elf bisher regierungsfreundlichen Abgeordneten eine schwache Mehrheit gewonnen werden konnte, habe» die oppositionellen Gruppen im ganzen Lande eine P r o t e st b e w e g u n g eingeleitet. In Ost» rmnelie», wo durch den Eiscnbahnvcrkauf die Bevölkerung in be- sonders hohem Maße aufgeregt wurde, hat man bereits mit S t e u e r- Verweigerung begonnen, und ans vielen Orten wird ein Zu- sammcnströmcn der Landbevölkerung nach den Kreisstädten gemeldet. wo man die Gemeindehäuser bedroht und die Magazine z» plündern versucht. In den nordbiilgarischcn Landstädten würden Mauer- anschlage und Flugblätter verbreitet, Ivelche die s ch ä r f st e n An- griffe gegen den Fürsten enthalten und dessen Entthronung fordern, da er von ausländischen Finanzgescllschaften zehn Millionen Franks für die Prcisgebung der bulgarischen StaatshohcitSrechte angenommen habe. Afrika. In Südafrika wird stark an der Beilegung dos Konflikts gear beitct. Am Sonntag fand in B l o e m f o» t a i n eine Konferenz statt, an welcher der Präsident Stejn, das Mitglied des Ausführenden Rates des Oranjefreistaatcs, Fischerj der Führer der Afrikandcr i» der Katzkolonie, Hofmeycr, der Kapmiiiister Herholdt, der Staats- proknrator der Südafrikanischen Republik Smuts und der Unterstaatssekrctär de« Aeußern Grobler teilnahmen. Das Ergebnis der Konferenz ist noch unbekannt. Fischer soll die Vorschläge des Gouverneurs der Kapkolonie Milucr begünstigen. Tie Abgesandten Transvaals reisten heute nach Pretoria ab, Hofmeycr und Herholdt werden morgen die Rückreise antreten. Von England miS wird die Lage in der südasrikaiiischen Republik natürlich als sehr düster barznstellcn gesucht. Die„TimeS" melde» aus Johannesburg vom 2, Juli: ES herrscht hier ein voll- ständiger Stillstand der Geschäfte und die Verarmung nimmt infolge dessen in bedenklicher Weise zn. In der Bevölkerung giebt man allgemein dein Wunsche Ausdruck, daß der gespannten Lage bald ein Ende gemacht werde.— Ei» sächsisches Urteil. Das Dresdener Schöffengericht hat am Montag das Urteil im Prozeß wegen Beleidigung d e r B e a»i t e n d e s„D r e s d. Journal" gefällt. Die veraniwortlschcn Redacteure des„Vor- lvärts" und der„Sächsischen Arbeiter-Zcitung", die Genossen Jacobetz und Bayer wurden zu je Ä Monaten GefängntS verurteilt, Genosse Licnecke, der in einem ebenfalls das Dresdener ZuchthauSurtcil be- handelnden Flugblatt die Beleidigung begangen haben soll, zu einem Monat Gefängnis. Die Urteilsbegründung lautet nach ein- leitender Darstellung de« Thatbcstandcs: „Bei Jacobey und Beyer hat das Gericht die Thäterschaft auf Grund der eigenen Angaben der Angeklagten ohne weiteres für erwiesen angesehen, bei Lienicke nicht. Bei letzterem ist aber an» genommen worden, daß der Inhalt des Flugblattes mit seinem Wissen und Willen, indem er sich über den Zweck klar war, verbreitet worden ist. DaS Amtsgericht in Dresden hat n l s zu- ständig angesehen iverden müssen, der Antrag auf Unzuständigkeit war z n r ü ck z ii>v e i s e n. Was den Strafantrng anlangt, so ist derselbe vom Ministe- r i u m des Innern gestellt worden, lieber die Rechtmätzigkeit des StrafantrageS besteht kein Zweifel beim Gericht. Erste Voraussetzung für die Bcamtciieigenschaft ist. daß dienstlich Anstellung überbaupt er- folgt, ES ist völlig gleich, ob die Anstelliing durch eidliche Verpflichtung, ob auf bestimmte oder unbestimmte Zeit erfolgt, lieber die Art der Anstellung bestehen keine rcichsgcsetzlichcn Vorschriften, es komme» demnach die der einzelnen Büiidesstantc» in Betracht. Es kommt bezüglich der Art der b e rn f I i ch e n AmtSthätigkcit nicht darauf an, ob ein Beamter speziell für Staat oder Behörden eine dem Wesen und Zweck dieser Körperschaften eilt« sprcchcndc selbständige Thäligkcit ausübt; es genügt viel- Das„Journal" wird vom sächsischen Staate herausgegeben und vom Ministerium verwaltet. Es könnte auch ganz gleichgültig sein. ob das nur im Nahmen und aus Gründen von Erwerbsinteressen geschieht. Auch im letzteren Falle, der hier nicht zutrifft, würde eS sich um Beamte handeln. Die Redacteure dcS.Journal" haben ganz selbst- verständlich, auch ohne besondere schriftliche Anweisung, ihre Thätig- keit zum Wohle des Staates zu eiilfalten. Nach dieser Richtung sind sie allerdings gebunden und in ihrer Selbständigkeit beschränkt. Auch der nichtamtliche Teil dient Staatszivecke». Die Erklärung des BundeSratS-Bevollm ächtigten Fischer im Reichstage, die gelegentlich gegeben wurde, erschüttert diese That- fache nicht.' Es ist Aufgabe der Redacteure. solche Artikel aufzunehmen. Sie sind daher in Bczichmig auf ihren Beruf beleidigt. Der Wahrheitsbeweis fei in Bezug auf Form und That- fachen völlig mißlungen. Bon absichtlicher Täuschung kann keine Rede sein, da die Beamten einfach das ihnen übergebene Material verarbeitet haben. Daß es de» Gang der Verhaiidluiiq erzählende Begründungen bei Schwurgcrichts-Urteilen nicht giebt, ist allgemein bekannt. Es konnte durch den Artikel auch niemand in einen anderen Glanben versetzt werden. Daß die Klcmmsche Schießerei weggelassen und der PassuS betreffs des Bruches der Schädeldccke nicht entsprechend geändert wurde, sind kleine Unrichtigkeiten, die ganz unerheblich sind. Daß die Redacteure des.Journal' um diese Uiirichiigkeiten gewußt. ist auch nicht nachgewiesen. Die Angeklagten haben selbst gemeint, daß das Material von an der Vcrhaiidlnng beteiligte» Beamten geliefert wurde, die„Jonrual'-Redafteure also eiaeucs Wisse» darüber nicht hatten. Trotzdem wird der Vorwurf der Fälschung erhoben. � vi Der§ 193 giebt der Presse allerdmgs ein gewisses Recht, nnt sachlichen Gründen falsche Urteile zu kritisieren. Das Recht wird nicht bestritten, hier ist aber schon m der Form das zulässige weit überschritte». Der zweite Artikel im„Journal" enthält nur An- sichten des Verfassers; Unrichtigkeiten können da nicht zum Vorwurf gemacht werden. Die aus dem„Journal" verlesenen früheren Artikel sollen beleidigend für die Angeklagten sein. Sie enthalten aber nnr kritische Bemerkungen gegen die die Vater- ländische nnd monarchische Gesinnung untergrabende Thätigkeit der Socialdemokrattc. Das Gericht hat bei den Angeklagten je eine Strafthat an- genommen. Strafschärfend kam die völlige Grundlosigkeit, die Schwere der Beleidigungen, die Gehässigkeit und Aiißerachtlastmig allen publizistrschen An stände S. strafmildernd eine gewisse Erregung über daS harte Urteil, das Mitgefühl für die ver- iirtcilten Bauarbeiter nnd der schon länger datierende Aerger gegen das„Journal" tn Betracht. Das Schöffengericht hat sich die Motive der Anklageschrtft fast durchweg zn eigen gemacht. Zwischen Staatsanwalt und Richter ist in Sachsen fast kein Unterschied. Denn sächsische Richter haben selbst ein eigenes Auge für alles, wa« den politisch Angeklagten belastet, es ist ihnen aber unmöglich, das ihn Entlastende gehörig in Rück- ficht zu ziehen. Wir wissen nicht, ob diese Gcistesvci ustnng der sächsischen Justiz die Ursache einer sehr eigenartigen Auslassung war, welche die „Leipz. Ztg."— d. h., gemäß dem jetzigen Dresdener Urteil, die Beamten, welche die„Leipziger Zeitung" bedienen— kürzlich gegenüber dem vielbesprochenen Freispruch des Berliner Landgerichts machte: � „Zn Triumphgeschrei haben die socialdemokratischen Blatter vorerst keine begründete Veranlaffmig. immerhin war der Ausgang dex Klage für unser W s n i st e r»» m ein Mißerfolg, den wir bedauern. Wundern müssen wir uns allerdings darüber, daß das sächsische Justizmiiiisterinm»übt, wie es konnte, den„Vorwärts" vor.'einem sächsischen Gerichtshof znr Berauttvortiing gezogen, statt bei einem preußische« Klage zu erheben, deiien Mitglieder über die bei i»is obwaltenden Verhältnisse gar nicht g e h ö r i g o r i e n t t e r t s e i n k ö n ii e n." Jedenfalls werden die Beamten der„Leipziger Zeitung" ihre vorgesetzte Behörde diesmal eines Lobspruches würdigen, weil sie den„Vorwärts" nicht wieder in Berlin angeklagt, sondern ver- mittels de«„fliegenden Gerichtsstandes" nach Dresden genötigt hat. Die Thatsache. daß sich daS Dresdener Schöffengericht für z u- st ä n d i g erklärt hat. auch über den„Vorwärts" zn Gericht zu sitzen, beweist von neuem die oft beklagte Unleidlichleit der Reichsgcrichts- Entscheidung. daß eine Zeitung mcht mir an ihrem Herstellungsort. sondern allerort, Ivo nur einige oder nur ein einzige« Exemplar derselben zur Verbreitung gelangt, abgeurteilt werden darf. Der Kläger zieht seinen Gegner vor ein Gericht, dessen Richter er von ähnlichen Anschauungen»nd Empfindungen beseelt weiß, wie er lelbst sie hat. Der Angeklagte kommt so vor den Richter, der für ihn der alleriingünsiigstc ist. Das Dresdener Schöffengericht hat den von den Angeklagten geführten Wahrheitsbeweis nl« völlig mißlungen bezeichnet. Es kounte aber nicht bestreiten, daß der Verteidiger dem„Journal" verschiedene Unrichtigkeiten nachgewiesen hat. und erklärt diese Unrichtigkeiten aber als„klein": und„ganz unerheblich". Noch sonderbarer ist jedoch die Meinung des Gerichts, daß eine„Fäl- s ch u» g" de«.Journal" nicht erwiesen sei. weil die„Jonrnal"- Redacteiire gar kein eigenes Wissen von dem Gang der Schwur« gcrichtsverhandlung gegen die Lvbtaner Arbeiter gehabt und»ur das ihnen von anderer Seite zugetragene Material veröffent- licht hatten. Nach nichtsächsischer Logik hätten bei dieser Voraussetzung die Angeklagten freigesprochen werden müssen, da der Vorwurf der Fälschung sich nicht gegen gänzlich unbeteiligte Per- sonen richten konnte, sondern gegen die wirklichen Urheber der Jonrnal-Artikel, die aber nicht geklagt haben. Uebrigens weist das Dresdener Schöffengericht den Redactcuren eine höchst angenehme und ehrenvolle Rolle zn. Diesen Redacteur- Beamten ist die Auf- gäbe gestellt. Artikel aufzunehmen und zu verantworte», die ihnen von anderer Seite zugestellt werden. Selbständig urteilen und entscheiden ist ihnen verwehrt. Sie sind Untergebene, die höchstens für die Sünden ihrer Hintermänner sich bestrafe» lassen dürfen. Die Auffälligkeit dieses Gerichtsspruchs tritt besonders herbor in der Beurteilimg d e r B e l e i d i g u n g e n, mit denen das „Dresdner Journal" die Partei der Prozeßgegner seit Jahr und Tag überhäuft hat. Wir eriuucrn an einige Auslassungen deS sächsischen Regierungsblattes gegen die Socialdeniokratie ans neuerer Zeit: „Lotterbuben wie Hödel, Nobiling. R a v a ch o l, C a s c r i o, L u c ch e n i iverden öffentlich als Helden und Märtyrer gepriesen: in der Tagespreise und in den Ver- sammlungen einer an Mitgliedern starken Partei werden die Mord- gesellen von Chicago nnd der Pariser Komnwne verherrlicht; ni der Rcichshauplstadt will man ei» Jubelfest für de» Aufruhr von 1848 feiern»ud den gefallenen Empörern aiif dem Kirchhofe ein Ehrendenknial errichten; ohne Scheu wird gelehrt. Mord z» p o l i t i s ch e n Zwecken fei erlaubt,»ach Befinden sogar verdienstlich; Meineid und Lüge werde», so weit sie der Partei nützen, gebilligt und empfohlen; der Glaube an Gotr, Ewigkeit nnd jüngste« Gericht wird als Aberglaube verspottet; durch die Lehre von der freien Liebe iverden die wilden sinnlichen Triebe entfesselt und dieGriindlage» der Familie unter- graben; kein Ansehen und kein Gebot, am wenigsten da« der getreten. Aber die Umstürzler kämpfen schon lange. Und mit welche« Mitteln: mit Lug«nd Trug. mit Heuchelei nnd Meineid, mit Messer» uud Dolchen, mit Pulver und Plei, mit Dynamit und Prandlcgnng." Dies ist die Sprache der Beamten de«„Dresdner Joiiriial". DaS ist alles Wahrheit, lautere Wahrheit und sachliche Kritik. Die früheren Artikel des„Journal", sagt das Schöffengericht zn Dresden, enthalten„nur kritische Bemerktnigen gegen die die vater- ländische und monarchische Gesiimniig untergrabende Thätigkeit der Socialdemokrattc". Bei solcher Abwägung von Recht nnd Unrecht auf feiten der beiden Prozcßgegner ist das Strafmaß von zwei Monate u G efängnis, das sonst gegenüber Prcßpolcniike» n»d unter den in diesem Falle vorliegenden Umständen völlig unverständlich wäre. nicht mehr verwunderlich. Und zu alledem war diese Verurteilung mir möglich durch die Feststellung des Gerichtes, daß die Rcdaeteurc des sächsischen Rc- gicnmgSblattes auch bei der Aufnahme von Artikeln in den nichtamtlichen Teil V c amt e np f li ch t e n erfülle, also als Beamte und i» Bezug auf ihren Berns beleidigt worden seien. Würde diese Auffassimg dcS Dresdener Gerichts dem Reichsgericht vorgelegt werden können, fv wäre die Aufhebung des Urteils und die Einstellung des Verfahrens sicher zn erwarten! Die sächsische Rcgiernng'aber muß es sich nun gefallen lassen, daß sie kmiftig für den Inhalt auch des»ichtamtlichcn Teile« ihrer Organe vollauf verantivortlich gemacht werden wird. Vnvkvi Parteiltteratur. Die von der Bnchhandlniig„Vorwärts" an- gekündigte Broschüre:„DtcZuchthanSvorlage vordem Reichstage" ist erschienen. Das nach dem offiziellen stenographischcii Bericht angefertigte Buch umfaßt 192 Seiten; ein Sprachregistcr erleichtert das Nachtchlagen. Der Preis von 2ö Pf. ist so gering bemessen. daß jeder Arbeiter sich die Broschüre ansckaffen kau». Wir sind überzeugt, die Buchhandlung wird einen großen Absatz erzielen, deiiii die Reden der Genossen Bebel nnd Heine ebensowohl, als»ich d,e von de» Abgeordneten B ass ermann. Lenzman» und Rösickc. nicht minder aber selbst die der RcgicnmgSvertreia em- halten«in reichhaltige! Material gegen die Zuchthau!- Vorlage, eine einzige, wuchtige Anklage gegen ihre Urheber. Der Thüringer Parteitag ist auf einen im vorigen Jahre in Arnstadt gefaßten Beschluß, zur Erledigung der sich von Jahr zu Jahr anhäufenden Arbeiten, diesmal auf zwei Tage, den 29. und 39. Juli, nach Ilversgehofen bei Erfurt einberufen worden. Am 1ö. Juli findet in Jena für den 3. weimarischen Wahlkreis eine Konferenz statt, in welcher unsere Genossen zur weiteren Agitation, Landtagswahl, Beschickung des Parteitages in Haunovtr usw. Stellung nehmen werden. Poliieiliches, Gerichtliches nstv. — Wege» Veranstaltung einer öffentlichen Kollekte war Genosse W e tz e l vom Z e i tz e r Schöffengericht verurteilt worden, weil er bei einer Volksversammlung Entree erhoben hatte. Das Landgericht zu Naumburg sprach ihn auf seine Berufung hin frei. Es sei erwiesen, daß das Geld nur zur Deckung der Unkosten verwandt worden sei; wäre es, wie von der Anklage behauptet, dem socialdemokratischen Preßfonds überwiesen worden, dann hätte Ver- urteilung erfolgen müssen. GvmevKfttzttfklifhcs. Berlin und Umgegend. Die Holz- und Bretterträger beschlossen in einer gestern Wontag) stattgehabten Versammlung, auf allen Holzplätzen. Ivo die am 1. Juli gestellten Forderungen nicht bewilligt werden, die Arbeit am 4. Juli sofort einzustellen. Die Zimmerer der lokalen Richtung beschlossen am Montag- abend, gemeinsam mit den centralorganisierten Zimmerern von den Unternehmern eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 65 Pf. zu fordern. Neben der Erhöhung des Stundenlohnes wird die Fest- legung auf der winterlichen Arbeitszeit, Errichtung eines paritätiichen Arbeitsnachweises und die Durchführung der früher schon gestellten Forderungen bezüglich der Schutzvorrichtungen u. s. w. verlangt. Bon der Arbeitseinstellung soll tw-aufig Abstand genommen und versucht werden, mit den Unternehmern eine Verständigung an- zubahnen, eventuell vor dem EinigungSamte in Vcrhandluiig zu treten. Deutsches Reich. Daö Arbeiter-Sekretariat in Halle a. T. übernimmt nicht, wie mitgeteilt. Dr. Winter- Beuthcn, sonder» Güldenberg- Erfurt. Dr. Winter war zwar gewählt, hatte aber, wie das Hallesche Parteiblatt schreibt, nachträglich seine Zusage an eine Be- dingung geknüpft, welche die betreffende Kommission nicht glaubte erfüllen zu können. Aus Halle a. S. wird uns geschrieben:„Lohnbewegungen beginnen jetzt in verschiedenen Gcwcrken. Die Zuchthaus- vorläge hat auch hier die Arbeiter aufgerüttelt und in die Ob- ganisationen getrieben. Die Metallarbeiter- Organi- s a t i o n fljat kürzlich in einer imposanten Versammlung zur Bc« seitigung der Ueberarbcit Stellung genommen und dieserhalb«in Rundschreiben an die Industriellen gesandt. Die Maurer haben am Sonntag in einer stark besuchten Versammlung nach einem Vor- trage von Kater-Berlin beschlossen, von Montag ab einen Stundenlohn von 59 Pf. und die Bauarbeiter einen solchen von 49 Pf. zu verlangen. Die Innung verhält sich ablehnend. Einige Bauunternehmer haben aber schänden geforderten Lohn bewilligt. In den Betrieben, wo der Lohn nicht bewilligt wird, soll d i Arbeit niedergelegt werden. Der Streik der Zcitzer Zimmerlcute ist beendet, und zwar mit einem vollen Siege der Gcfellen. Kleinkrieg gegen die Gewerkschaften. In Frankfurt a. M. weht, wie wir an verschiedenen Beispielen nachgewiesen, seit einiger Zeit ein scharfer Polizeiwind gegen die Filialen der Gcwerkschafts- verbände. Eine ganze Reihe Filialvorstände hat polizeiliche Straff befehle erhalten wegen versäumter oder verspäteter Anmeldung von Mitgliedern, Neuwahlen usw. Dieser Tage standen vor dem Schöffengericht die Vorstandsmitglieder der Zahlstellen des Verbandes der Barbiere, des Maurerverbandes sowie des Malerverbandes, welche Einspruch gegen die Strafbefehle erhoben hatten. Gegen die Barbiere wurde die Verhandlung vertagt. Die Strafbefehle gegen die Vorstände der anderen beiden Zahlstellen wurden bestätigt, da die Anmeldung von Mitgliedern, bezw. die der Vorstandsneuwahl ver- säumt worden sei. Schnt» den Arbeitswilligen. Mit Rücksicht auf den noch immer andauernden A u s st a n ö der Maurer in Meerane niacht der dortige Stadtrat auf K 153 der Gewerbeordnung und § 123 des Strafgesetzbuches aufmerksam. Alle Beteiligten werden gleichzeitig zu einem ruhigen und gesetzmäßigen Verhalten ermahnt mit dem Bemerken, daß gegen Ausschreitungen un- nach sichtlich vorgegangen, denjenigen aber, die arbeiten wollen, gleichgültig, ob sie von Meeranc stammen oder von auswärts zugezogen sind, energischer Polizei- licher Schutz zu teil werden wird.— Es scheint jetzt, so bemerkt hierzu treffend die„Sächsische Arbeiter- Zeiwng", bei der Poilzei Sar keine verdienstlichere Handlung zu geben, als Arbeitswillige zu hützen.— Zum Formerstreik in Leipzig nahm die dortige Arbeiterschaft in einer vom Gewerkschaftskartell einberufenen Versammlung Stellung. Die höchst brutale Maßnahme des Unternehmertums, die Streikenden auf zwei Jahre auszusperren, fand eine energische Verurteilung. Die Versammelten verpflichteten sich einstimmig, ollwöchentlich bis zur Beendigung des Streiks eine Steuer von 59 Pf. zu entrichten und erwarten dasselbe von der übrigen Arbeiter schaft Leipzigs. Trotzdem wurde aber doch das Gewer'kschaftskartell auch beaustragt, seine Dienste zur eventuellen Beilegung der Differenzen bereit zu halten. In Planen i. S. sind die Bauhandarbeiter in eine Lohnbewegung eingetreten und hatten den Baumeistern ihre Forde- rungen unterbreitet. Diese haben sie aber abgelehnt. Sie bestanden u. a. in zehnstündiger Arbeitszeit, Minimallohn von 49 Pf. für die Stunde, Abschließung eines korporativen Arbeitsvertrages zwischen der Organisation der Arbeitgeber und der Gesellenorganisation. Die Arbeiter verfolgen ihre Forderungen weiter und treten zunächst noch- mals in Unterhandlung mit den Arbeitgebern. Die Friseurgehilfen von Pforzheim befinden sich in einer Bewegung um eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Forderungen lauten: 1. Schluß der Geschäfte vom 1. April bis 1. Oktober abends 8 Uhr. Vom 1. Oktober bis 1. April abends g Uhr. Ausnahmen machen Sonnabende und die Vorabende an gesetzlichen Feiertagen, ebenso wird Mittwochs bis Vsg Uhr abends gearbeitet. 2. Pünktlicher Schluß der Geschäfte an Sonn- und Feier- tagen um 2 Uhr nachmittags. 3. Vollständige Arbeitsruhe am Char- freitag, Ostermontag, Pfingstmontag und zweiten Weihnachtsfeiertag. Bis jetzt haben 12 Prinzipale die Forderungen bewilligt. Die Zinngiester Nürnbergs haben, da die Meister die ge- stellten Forderungen zurückgewiesen, die Kündigung eingereicht. Nuk sechs Meister haben bewilligt. In Mannheim sind die SteinuieNen in einen Streik ein« getreten. Die Meister suchen durch Inserate Arbeitswillige heran- zulocken. Die Maler nnd Anstreicher sind in Metz in eine Be- wegung um Verkürzung der Arbeitszeit eingetreten. Da bereits ein größerer Unternehmer die Forderungen der Arbeiter, neunstündiger Arbeitstag und l'/.stündige Mittagspause, bewilligt hat, so ist zu hoffen, daß die Differenzen auf friedlichem Wege beigelegt und der drohende Ausstand vermieden werde. Ausland. Die dänischen Steuermänner drohen mit Streik. Vor einiger Zeit haben die Matrosen, Heizer und Schiffs- zimmerleute höhere Löhne durch Streik erlangt, sodaß jetzt manche Matrosen besser gestellt sind, als die jungen Steuer- männer, weil jene Ueberstundenbezahlnng bekommen, diese aber nicht. Die Steuermänner haben daher durch den Navigateur- e r b a n d an die Reedereien ein Gesuch um Gehaltserhöhung ge- sandt, das aber von den Reedereien gar nicht beantwortet wurde. Der Verband will nun in seiner nächsten Generalversammlung be- schließen, daß eine Gehaltserhöhung von 59 Proz. verlangt werden soll, andernfalls der Streik erklärt wird. Es ist zweifellos, daß die Reedereien die Forderung erfüllen müssen, da sie keine anderen Leute bekommen, und sie thäten gut, noch nachträglich auf das Gesuch freiwillig einzugehen. Der jüdische Borstenarbeiter- Bund in Westrustland. Während der Znsammenhang zwischen den geheimen jüdischen Gewerkschaften an den einzelnen Orten durch geheime GeWerk- schaftskartelle und für ganz Wesirußland durch das Centraikomitee des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes hergestellt wird, giebt es— soweit uns bekannt— bis jetzt nur eine Branche, und zwar ist dies die Borstenindustrie, in welcher die Gewerkschaften der ver- schiedenen Städte sich zu einem speciellen geheimen Gewerkschafts bunde zusammengeschlossen haben. In fünf größeren Städten (Wilna, Kowno, Minsk, Dünaburg, Bobriusk) und in einer Reihe kleinerer Städte und Flecken Westrußlands wird eine bedeutende Anzahl ausschließlich jüdischer Arbeiter mit der Bearbeitung von Borste beschäftigt,— diese wird alsdann nach dem Auslande, Haupt- sächlich nach Leipzig exportiert, Ivo aus ihr Bürsten gemacht werden. Die Eigentümlichkeit der Produktionsweise in der Borstenindustrie bedingt, daß die Arbeiter dieser Branche ihren Aufenthalts ort oft wechseln, infolge dessen sind die Borstenarbeiter früher als die anderen' Arbeiter zu einem engeren Zu- sammenschlusse niit ihren Berufsgenossen in den anderen Städten gekommen. Im Jahre 1895 hat bereits die erste Borstenarbeiter Konferenz stattgefunden, 1897 trat schon die sechste Konferenz zu sammen und auf dieser wurde die Einigung der Borstenarbeiter Gewerkschaften in den„Jüdischen Borftenarbeiterbnnd Litauens und Polens" sowie die Einfügung dieses Bundes in den Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund beschloffen. 1893 fand die siebente geheime Borstenarbeiter-Konferenz statt. Die auf dieser letzten Konferenz vorgetragenen Berichte er- gaben das folgende: 1. Der durchschnittliche Prozentsatz der organisierten Borstenarbeiter in den Ortschaften, in welchen es überhaupt Gewerkschaften dieses Berufes giebt, beträgt 53. 2. In dem größten Teil der Städte mit Borsten Industrie wird jetzt in dieser zehn Stunden gearbeitet.(Vor der Entstehung der Borstenarbeiter-Organisationen' betrug die täg liche Arbeitszeit bis 18 Stunden. 3. Die Löhne sind infolge der Kämpfe, welche die Borstenarbciter in der letzten Zeit durchgeführt haben, überall gestiegen. 4. Das kulturelle Niveau der organisierten Arbeiter hat sich gehoben. Die Arbeiter lesen jetzt viele Schriften, erlaubte sowohl als verbotene. Die Konferenz faßte unter anderem den Beschluß, daß ein specielles Organ der Borstenarbeiter herausgegeben werden soll. Dieser Beschluß ist bereits ausgeführt worden, zwei Nummern des Organs der Borstenarbeiter, welches den Namen„Der Wecker" führt, sind schon erschienen. Den Hauptinhalt dieser Zeit- schrift bilden Artikel über die Arbeitsverhältnisse in der Borsten- industrie und Korrespondenzen über die Lage der Borstcnarbeitcr und ihre Kämpfe in den verschiedenen Städten Westrntzlands; außerdem enthält sie aber auch Artikel allgemeinen Inhalts, so z. B. ein Feuilleton, in welchem die Klassengegensätze zwischen den jüdischen Arbeitern und Kapitalisten geschildert werden, einen Artikel über Zionismus und Socialismus, einen weiteren Artikel, welcher einen flammenden Protest enthält gegen die politischen Massenverhaftungen w Rußload usw.— J_ Aus dsv FrÄuenveiurgung. Frauenarbeit in Fabriken. Die preußischen Gewerbeaufsichts- beamren veranstalten jetzt eine Erhebung über die Gründe und Wirkung der Beschäftigung verheirateter Arbeiterinnen in Fabriken. Der darauf bezügliche Fragebogen verlangt Auskunft über folgende einzelnen Punkte: Name und Stand(ob Frau, Witwe, geschieden, separirt); Lebensalter; seit welchem Lebensjahre Fabrikarbeiterin; Be- schästigung vor der Fabrikarbeit nach der Schulzeit; besondere Veranlassung zur Fabrikarbeit; Arbeitszeit; Arbeitspausen; wöchentlicher Verdienst; Beruf und wöchentlicher Verdienst des Mannes; Zahl der zu versorgenden noch nicht schulpflichtigen, schulpflichtigen und schulentlassenen, der mitverdienenden Kinder im Haushalt; wöchentlicher Verdienst der letzteren, und wer be- aufsichtigt die zu Hause gebliebenen Kinder. Endlich sind noch Angaben über die allgemeine Arbeitszeit und die Ruhepausen in der Fabrik zu machen. Schließlich wünscht die Gewerbe-Juspektion zu erfahren, welche sittlichen und wirtschaftlichen Wirkungen die Fabrikarbeit verheirateter Frauen zur Folge hat. Zweifellos wäre diese Enquete als eine sehr nützliche durchaus anzuerkennen, wenn ihr Ergebnis sich auf objektive Utteile stützen würde. Da aber die Fragebogen, wie ver- lautet, an die Unternehmer und nicht auch direkt an die Ar- beiterinnen versandt werden, so ist darauf nicht zu hoffen, und die Resultate wird man daher skeptisch aufzunehmen haben. Die drei ersten Studentinnen haben sich an der Berliner Uni- versität im Seminar für orientalische Sprachen ein- schreiben lassen._ Ssciales. Arbeiterrisiko. Zweibrücken, 3. Juli. An den im Bau begriffenen städtischen Fäkaliengruben bei Ern st Weiler stürzte heute früh ein Gewölbe ein und verschüttete sieben Ar- beitcr. Sechs derselben konnten, mehr oder weniger ernstlich verletzt, hervorgezogen werden, einer blieb tot. Sämtliche Arbeiter sind Italiener._ Gevichks-Beitunfl- Flugblattverteilung als öffentlich bemerkbare Arbeit. Die Parteigenossen Peters, Dr. Winter, Trallst und Slotta hatten am Himm'clfahrtstage des vorigen Jahres in dem schlesischen Orte Kieferstädtel socialdemokratische Wahlflugblätter verbreitet und waren deshalb wegen Uebertretung einer Polizeiverordnung vom 9. März 1896 angeklagt worden. Sie sollte» sich gegen eine Bestimmung vergangen haben, wonach an Sonn- und Feiertagen alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten verboten sind. DaS Landgericht in Gleiwitz sprach jedoch damals die Angeklagten frei. Es vermochte in dem Herumtragen der Flug- blätter'eine Arbeit überhaupt nicht zu sehen. Das Kammergericht als Revisionsinstanz hob dann aber die Entscheidung auf und ver- wies die Sache nochmals an das Landgericht zurück, indem es davon ausging, daß der Vorderrichter den Begriff der Arbeit nicht richtig gewürdigt habe. Nunmehr kam das Landgericht zu einer Verurteilung der Angeklagten, die jetzt ihrerseits das Rechts- mittel der Revision ergriffen. Sie betonten vor allem, daß man hier nicht von einer Arbeit reden könnte. Das Kamnicrgericht verwarf indessen die Revision der Angeklagten als unbegründet und führte aus: Der Vorderrichter habe jetzt den Begriff der öffentlich bemerk- baren Arbeit richtig aufgefaßt. Unter solchen Arbeiten im Sinne der Polizeiverordnung vom 9. März 1896 seien Arbeiten zu ver- tehen, welche geeignet seien, durch ihre Art das religiöse Gefühl anderer zu verletzen und die Feiertagsruhe zu stören. Eine derartige öffentlich bemerkbare Arbeit sei aber auch das öffentliche Herum- tragen von Flugblättern. Gin wichtiges Urteil über die Gültigkeit von Reversen hat der 4. Civilsena't des Kamme rgerichts gefällt. Der Bäcker- meister Sch. in Berlin war im vergangenen Herbst die Rever!« Verpflichtung eingegangen, nicht mehr an Rabatt-Spar« vereine zu liefern, hatte dies aber dennoch gethan und war deshalb auf Erfüllung des Reverses verklagt, auch in erster Instanz verurteilt worden. Gegen das Urteil hatte Sch. beim Kammer- gericht Berufung eingelegt,' welche aber zurückgewiesen wurde. Die Entscheidung ist von größter Wichtigkeit, da sie klar zum Ausdruck bringt, daß solche Reverse rechtsverbindlich sind. Ein Ende mit Schreite»! Wegen schwerer Kuppelei hatte sich gestern die Masseuse verwitwete Bertha Kuhn bor der zweiten Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. Sie war be- schuldigt, in Charlottenburg ihre beiden Töchter gegen Entgeld ver- kuppelt zu haben. Die Angeklagte war die einstige Inhaberin der „Großen Berliner Schneider- Akademie" im„Roten Schloß", die Gattin des früher vielfach genannten„Akademiedircktors" Emil Kuhn, der auch die„Deutsche Schneiderzeitung" verlegte. Im Jahre 1389 verkrachte die Akademie samt der teitung. Kuhn überlebte diesen Krach nicht lange, er starb plötzlich. äe Frau, die bisher einen hochherrschaftlichen Haushalt führte, blieb plötzlich mittellos mit ihren Kindern zurück. Jeder ehrlichen Arbeit entwöhnt, wartete sie nur das Heranwachsen ihrer jüngsten beiden Töchter ab, um von deren Schande zu leben.(Die jüngste der Töchter ist bereits mit 14 Jahren Mutter geworden.) Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Staatsanwalt hatte vier Jahre Zuchthaus beantragt, der Gerichtshof erkannte auf e i n Jahr Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust, auch wurde die Angeklagte sofort in Haft genommen. Die Verzweiflungsthat einer Mutter lag der Anklage wegen versuchten Totschlags zu Grunde, welche gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts 1 gegen die 2öjährige Maler-Ehe« frau Ida Martha M e tz k e n verhandelt wurde. Die Angeklagte war beschuldigt der versuchten Tötung ihrer drei Kinder, wobei sie gleichzeitig mit denselben in den Tod gehen wollte. Es war ein trübes Bild aus dem Eheleben, welches die geständige Angeklagte unter reichlichem Thränenerguß in der Verhandlung entrollte. Sie sei seit fünf Jahren verheiratet. Ihre Ehe sei von Anfang an ein« höchst unglückliche gewesen. Ihr Mann habe sie und später die Kinder in der rohesten Weise mißhandelt. Wenn er Arbeit gehabt habe, habe er den größten Teil des Verdienstes für sich be- ansprucht. Um ihre Kinder zu unterhalten, habe sie eine Stelle als Arbeiterin in einer Wäschefabrik angenommen, die ihr einen Wochen- verdienst von 19 M. einbrachte. Nun habe sie sich notdürftig ein! Zeitlang mit den Kindern durchgeschlagen. Aber dann habe ihr Mann, der sie außerdem mit unbegründeter Eifersucht gequält habe, darauf gedrungen, daß sie ihre Arbeit wieder aufgäbe. Die tägliche Not sei darauf in verstärktem Matze wieder aufgetreten. Ihr Mann sei häufig in trunkenem Zustande nach Hanse gekommen und habe dann sie und die Kinder gemißhandelt. Am Pfingstheiliaabend sei zwischen ihnen verabredet worden, am folgenden Morgen das Früh- konzert zu besuchen. Aber in der Nacht sei sie wiederum von ihrem Manne gemißhandelt worden und zwar in außerordentlich grober Weise. Als sie flüchtete habe er ihr einen eisernen Topf nach- geworfen, sie am Arme getroffen und erheblich verwundet. Vom Besuch des Frühkonzerts sei nicht mehr die Rede gewesen. Als ihr Mann die Wohnung gegen 9 Uhr morgens verlassen habe. sei sie von dem Gedanken ergriffen worden, daß sie nun den schon so häufig gefaßten Plan, mit ihren Kindern gemeinsam in den Tod zu gehen, zur Ausführung bringen müsse. Sie habe den Kindern das beste Zeug angethan und sich dann mit ihren Kindern in der Küche gebettet. Die beiden älteren Kinder hätten auf einem Strohsack gelegen, sie habe, das jüngste Kind im Arm, das Bett eingenommen. Vorher hatte sie alle Thürcn und Züge der Maschine verschlossen und ein Feuer von Holz und etwa vier Preßkohlen angelegt. Sie mochten etwa fünf Minuten gelegen haben, die Wirkungen des Rauches hätten sich schon bemerkbar gemacht, da das Kleinste vom Husten befallen wurde, da habe es geklingelt. Die Angeklagte habe erst nach noch- maligem Klingeln geöffnet, es sei ihr Ehemann gewesen, der un- vermutcterweise nach Hause gekommen sei. Als dieser sah, was ge- schehen war, habe sie ihm offen erklärt, daß sie sich mit ihren Kindern ersticken wolle, da das Zusammenleben mit ihm nicht länger zu ertragen sei. Ihr Mann erstattete Anzeige und nach der Polizei« lichen Feststellung des Thatbestandes wurde die Angeklagte in Haft genommen. Sie blieb auch in der Hauptverhandlung dabei, daß e! mit ihrer Absicht ernst gewesen sei und daß sie nicht ihrem Ehemann habt Komödie vorspielen wollen. Der letztere, der als Zeuge vernommen, aber nicht vereidet wurde, mutzte zugeben, daß er seine Eheftau wiederholt geschlagen habe, er wollte aber keineswegs ein so schlechter Gatte und Vater sein, wie ihn die Angeklagte ge- schildert hatte. Geheimrat Dr. Long als medizinischer Sachverständiger begut- achtete, daß drei Stück glimmende Preßkohlen wohl ausreichten, um bei den im Räume anwesenden Personen den Erstickungstod herbei« zuführen. Staatsanwalt Stachow II verkannte nicht, daß die Angeklagt« Mitleid verdiene, denn durch die schlechte Behandlung, welche der Ehe» mann seiner Familie angedeihen ließ, sei sie zu der schweren That getrieben worden. Sie müsse seiner Ansicht nach zweifellos, aber unter Zubilligung von mildernden Umständen verurteilt werden. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Brandt, führte aus, daß die An« geklagte über die Vorbereitungen zu der strafbaren Handlung nicht herausgekommen sei. Würden die Geschworenen zu derselben Auf« fassung kommen, so könne die Schuldftage verneint werden, da dann ein strafbarer„Versuch" noch nicht vorliege. Der Wahrsprnch der Geschworenen lautete auf„ N i ch t s ch u l d i g', worauf die Frei- s p r e ch u n g der Angeklagten und ihre sofortige Entlassung er- folgten._ Uetzko Machvichken und Depeschen« Koburg» 3. Juli.(W. T. B.) Der gemeinschaftliche Landtag des Herzogtums nahm in seiner heutigen Sitzung den von der Ver» fassungskoinmission vorgelegten Gesetzentwurf gegen die Stimmen der Socialdemokraten an. Danach ist für die Thronfolge der Herzog Karl Eduard von Albany bestimmt. Stirbt dieser ohne Nachkommen oder erlischt sein ManneSstamm, so wird Prinz Arthur von Connaught zur Regierung berufen. Unter den gleichen Voraussetzungen gelangt eventuell die Nachkommenschaft des Prinzen von Wales zur Regi!« rung. Der Herzog von Albany muß seinen wesentlichen Aufenthalt im Lande nehmen. Der Erbprinz von Hohenlohe-Langenbiirg erhält die Zustimmung des Landtages zur RegierungSverwesimg für den Herzog von Albany, falls dieser ininorenn zur Regierung ge- langt. Wenn ein anderer Vormund bestimmt wird, so muß erst wieder die Zustimmung deS Landtages eingeholt werden. Paris, 3. Juli.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Ferry bringt einen Antrag ein, in welchem die Kammer aufgefordert Wied, die verschiedenen Anträge über das Arbeitsverhältnis, welches die Rc- gierung durch ein Dekret zu regeln beschlossen hat, auf die Tages« ordnung zu setzen. Dieser Antrag veranlaßte einen heftigen Lärm, weshalb der Präsident Dcschanel die Sitzung unter- bricht. Nach Wiederaufnahme der Sitzung teilt Deschancl mit, daß der Zwischenfall beigelegt sei, da der Handelsminister Millerand sich bereit erklärt habe, morgen auf die Frage zu antworten, welche Beauregard über den durch Ferry hervorgerufenen Zwischenfall an ihn richten werde. Die Kammer beginnt hierauf die Beratung über die vier direkten Steuern. Die vier direkten Steuern werden mit 459 Stimmen gegen 45 Stimmen genehmigt. Brun bringt einen Antrag ein. in welchem die Kommission für die Einkommcnstener« Vorlage ersucht wird, ihren Bericht bei Beginn der nächsten Session vorzulegen. Der Antrag wird mit 299 gegen 297 Stimmen angenommen. Rom, 3. Juli.a nun aber kein verständiger Mensch verlangen kann, daß er in der vierten und dritten Etage so billig wohne wie in der zweiten uiib ersten, so erfolgt bei diesem doch der Gesundheit der Mieter zu gute kommenden Beredlungsversahren eine kleine, aber den Berhältnissen angemessene Mietssteigerung. So vollzieht sich ti-n Schaffung der vierten Etage ohne alle Apparate, ganz im stillen und ohne daß sie mit der so störenden und kostspieligen verbunden ist. Ein socialdcmokratischer Gewerbe- gerichts-Bcisitzer meinte zwar neulich, daß es jenen Mitgliedern der „ordentlichen" Gerichte, die oft ehrenhafte Arbeiter in Streikprozessen wegen Erpressung und Nötigung verurteilen, auch ein leichtes sein umne, to einen abschaffenden Hanswirt wegen Betruges zu ver- knacken aber der Mann, der so sprach, war eben ein Socialdemo- �.j103 kennzeichnet von vornherein seine unzureichende Ja. wen« bitten gcgenkommen der etwas uiitzte! Ein Appell an das Eni- t Geschäftsinhaber geht bürgerlichen Blattern von dem„Deutsch-nationnlen Handlungsgehilfen- Perband" sHamburg, Gr. Reichenstr. 30) mit der Bitte um Ber- Mentlichung zu:„Ta gein, tagaus, Winter und Sommer steht der Gehilfe hinter dem Ladentisch oder vor dem Pult, um in treuer Pflichtersullung seine Stelle auszufüllen. Der kaufmännische Beruf rjt gewig der anstrengendsten einer, und es wäre zu wünschen, daß das gute Einvernehmen, daS erfreulicherweise zwischen den Geschäfts- Labern und den Gehilfen obivaltet, dazu führen würde, den letzteren alljährlich eine kurze Spanne Zeit zu gewähren, um Körper und Geist von den Anstrengungen der verflossenen Monate zu erholen. Eine llrelhe angesehener Handelshäuser haben in früheren Jahren bereits der- artige S o m m e r f e r i e n für ihre Angestellten eingeführt! hoffcnt- �.bürgert stch dreier Brauch mehr und mehr in der deutschen Ge- schaftsweit ein." n, tlle-&c- /incn Alchen Appell an das Mitgefühl werden die Geschäftsinhaber so lange schmunzelnd hinweggehen, bis die Handlungsgehilfen erkannt haben, daß das vielgerühmte gute Ein vernchnien zwischen ihnen und den Prinzipalen nur dann einen Wert hat, wenn die Gehilfen es durch eine machtvolle und zu energischem Handeln befähigte Organisation erzwungen haben. Aus freien Stucken geben die Geschäftsinhaber ihren armen Verkäuferinnen ja gelegeuheit�I � 0�nc laiche Schädigung zu geivährende„Sitz Für die drei Komwnnal-LandtagSabgeordneten der Stadt Berlin sind in Vorschlag gebracht: die Stadtverordneten Es 0 Khllmann, H e r b i g. Als Stellvertreter hat der Ausschuß die Stadtverordneten Jacobi, George und Nosenow em- psohlen. Die Wahl selbst findet erst nach den Ferien, am 14. Sep- tember statt. Die Masern-Epidemie dieses Frühjahrs ist von besonderer N e s t l g k e r t. Die Zahl ber polizeilichen Meldungen von Er- kraukungcn an Masern war bis Anfang Mai selten über 60 in einer .h'nausgegangen, begann dann aber rasch zu steigen und stellte stch Mitte Juni(Veröffentlichungen liegen erst bis dahin vor) air �9 m �«mer Woche(11.— 17. Juni). In den sechs Wochen vom 7. Mai bis 17. Juni 1899 kamen zusammen 606 Erkrankungen an Masern zur Kenntnis der Polizei. Die Rosenthaler Vorstadt ist daran allein mit 89 Fällen beteiligt. In denselben sechs Wochen starben an Maseru bezw. an Llingenentzüildung nach Masern - i? P�ouen— das ist fast so viel, wie in anderen Jahren in sechs Monaten. Zeugschmicde-(Zwangs) Innung. Die Abstimmungsliste über die Errichtung einer Zwangsinnung für das Zeugschmicde Handwerk in Berlin ist geschlossen worden. Diese Liste liegt bis 9. Juli er. an den Wochentagen von 11 bis 1 Uhr in den Dienst- räumen der Gewerbe- Deputation des Magistrats, Stralaucr- siraßc Z— 6, 1 Treppe, Zimmer 35, zur Einsicht und Erhebung etwaiger Elnjprllche der Beteiligten öffentlich aus. Die Stell- und Radcmachcr-(Zwaugs-)Jnilung hält ihre erste konstituierende Generalversammlung am 11. Juli, nachmittags 4 Uhr im Bürgersaal des Berlinischen Rathauses ab. Die Ver- sammlnng hat u. a. die Wahl des Obermeisters und der übrigen Mitglieder des Jnnungsvorstandes zu vollziehen. Infolge des Umbaues des Diphtherie- Pavillons tm Krankenhause am Urban können von nun an Diphtherie erkrankte Personen bis zur Vollendung des Umbaues nicht aufgenommen werden. An Diphtherie erkrankte Personen um das Krankenhaus ain Urban werden sich vozugsweise im Kranteir haus Bethanien oder in der kgl. Charts beziehungsweise in dem Krankenhanse in Moabit und im Kaiser und Kaiserin Friedrich- Äinderkrankenhause melden müssen. Ueber eine» polizeilichen Mistgriff wird uns folgendes be richtet: Der Tischler K. trat am Sonnabend in der Nacht gegen 1 Uhr gemeinsam mit seiner Ehefrau von der Laubenkolonie aus den Köllnischen Wiesep nach seiner Wohnung in der Forsterftr. 4 den Heimweg an. Plötzlich in dem Augenblick, als der Ehemann die Hausthür schließen wollte, wurde diese mit ziemlicher Heftigkeit aus- gerissen und ehe K. die Situation noch überblicken konnte, war seine Frau von ein paar kräftigen Arnien zur Hausthür hinaus- gezerrt. Wie sich nun herausstellte. war der Eindringling ein Krhninalbeamter, der die Frau K. unter ganz falschem Verdacht verhaften wollte. Nach heftiger Auseinändersetzung mit dem Ehemann ließ der Beamte von seinem Vorhaben ab. Der Vorgang selbst hat für die Frau recht unangenehme Folgen, denn sie ist durch die Erregung erkrankt. Es muß nur im Anschluß an solche Vor- gänge wieder darauf hingewiesen werden, daß bei ihren Aufträgen die Polizeibeamten zunächst mit peinlichster Vorsicht, damit Unbe« scholtene nicht belästigt werden, vorgehen sollten, sodann aber auch mit großer Rücksichtnahme operieren. Beides scheint hier nicht der Fall zu sein. Die Untersuchung gegen Gehlsen nimmt Dimensionen an, die bei der vor 4 Wochen erfolgten Verhaftung Gehlsens niemand hätte ahnen können. Die Zahl der Zeugen ist noch gar nicht über- sehbar, und die„Fülle", die gegen Gehlsen anhängig gemacht werden, mehren sich immer weiter. Wie schon gemeldet worden, schwebt gegen Gehisen auch ein Verfahren wegen vollendeten und versuchten Betruges. Diese Betrugsfälle haben eine eigenartige Vorgeschichte. Gehlsen war seiner Zeit, wie noch manchem erinnerlich sein wird, wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck Mitte der 76 er Jahre zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt worden, hatte sich aber der Strafe durch Flucht ins Ausland entzogen. Ob- gleich er dann 1888 durch den Amnestie-Erlaß des Kaiser Friedrich begnadigt wurde, hielt er sich doch noch weiter im Auslande aus und ging in London unter die Korrespondenten für deutsche Blätter. Da wollte es sein Verhängnis, daß er vor fünf Jahren in dem da- maligen ersten großen Londoner Schlittenfahrer- Prozeß durch den Korrespondenten der„Köln. Volkszeitung" entdeckt wurde. Die Rolle nun, welche Gehisen in jenem Londoner Prozeß spielte, wird bei der Anklage, welche wegen Betruges gegen ihn vor dem Landgericht I Berlin zur Verhandlung kommen wird, weitere Aufklärung erfahren. Der Korrespondent R.' von der„Köln. Volkszeitung" und ein Mit- arbeiter der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" Namens B. waren die heftigsten Gegner in dem Londoner Prozeß und beschuldigten einander' ehrenrühriger Handlungen, die zu dem Schlittenfahrer- Prozeß in Beziehung stehen sollten. Als die gerichtliche Entscheidung hierüber vor der Thür stand, erschien Gehlsen bei Herrn R. und erbot sich für eine Summe von 160 Pfd. Sterling zu seinen Gunsten g e g e n B. Zeugnis abzulegen. R. banne für diese Art der Zeugenschaft und Gehlsen bot darauf sein Zeugnis dem Korrespondenten B. mit dem Erfolge an. daß er von diesem einen Gutschein auf 100 Pfd. Sterling erhielt, welche Gehlsen aus- gezahlt werden sollten, falls der Prozeß einen für B. günstigen Aus- gang nehmen würde. Da aber B. dann trotz GehlsenS Zeugnis zu einer hohen Geldstrafe verutteilt wurde, kam Gehlsen um seinen Lohn Als er dann später nach Deutschland zurückkehrte, erinnerte er sich des Gutscheines und gab ihn vor längerer Zeit einem Buchdruckerei besitzer in Bielefeld für eine größere Druckkostenrechnung in Z ah lung. Der ungülttge Schein konnte abernatürlich nicht eingelöst werden und G ehlsen erhielt denSchein zurück mit der Aufforderung, in b a r zu zahlen. Seine daraufhin unter- nommencn Versuche, denSchein in Charlottenburg an den Mann zu bringen, hatten schließlich den Erfolg, daß gegen Gehisen Strasanzeiae wegen versuchten Betruges bei der Staats- anwallschaft erstattet wurde. Und jetzt hat sich auch der arg ge- schädigte Bielefelder Druckcreibesitzer mit seiner Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, so daß nun die eigenartige Geschichte des Gutscheines die Berliner Gerichte beschäftigen wird. In Bezug auf eine vorausgegangene Notiz in derselben Sache wollen wir richtigstellen, daß Rechtsanwalt Dr. Harzfeld aus Köln nicht als Beschuldigter, sondern als Zeuge vernommen ist. Auf einen Kurzschluß in der Centrale der Strasteubahn ist eine größere Verkehrsstörung zurückzuführen, die sich auf mehrere Linien von Norden nach Süden erstreckte. Am Montagmittag gegen \2Vi Uhr mochte sich die Wirkung des Kurzschlusses zunächst in der Brumienstraße bei der Usedomstraße geltend, wo niehrere Wagen infolge mangelhafter Stromzuführnng stehen blieben. Nach und nach wuchs die Zahl der ausständigen Wagen dort auf etwa 90 an. Diese Störung dauerte indes nicht lange. Dann aber trat um IVz Uhr aus der gleichen Veraulässung eine weitere Unterbrechung in dem Betriebe ein, die sich von der Brunnenstraße bis zum KrenzungSpunkt der Münzstraße bemerkbar machte. Ueber diesen Punkt kamen die Magen von beiden Seiten nicht hinweg, so daß von der Miinzstraße bis zur Jannolvitz brücke und bis über den Werderschen Markt hinaus, ebenso auch in der Gertraudtenstraße lange Wagenreihcn gebildet waren. Diese langen Ketten waren untermischt mit Pferdedahnwagen. Die unter diesen Uniständen nicht aussetzen konnten. Die Wagen waren so dicht an einander geschoben, daß an ein Hindurchkommen sür andere Fuhr- werke an mehreren Punkten nicht zu denken war. Nachdem man auf der Centtale eine andere Zuführung des Stromes bewirkt hatte und die Wagenführer hiervon durch Versuche niit den Glüh- lampen Kenntnis erhiclren, setzten sie die Wagen wieder in Betrieb Da aber der Strom für die ganzen Reihen nicht genügte, blieben die Wagen alsbald wieder stehen, bis sie einzeln in Entfernungen von etiva je hundert Metern auf Anordnung der am Platze er- schienenen Ingenieure abgelassen wurden. Als endlich alle Wagen sich in Betrieb befanden, lvar es Uhr geworden. Ei» grostes modernes Warenhaus soll jetzt auch die Stadt Schöneberg erhalten. Der durch seine VolkscrnährungSvcrsuche auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung von 1896 bekannt gewordene Kaufmann Abraham hat dort ein umfangreiches Terrain an der Colonnen- und Siegfried st raßen-Ecke erworben, um an dieser unmittelbar neben dem stark frequentierten Bahnhof der Stadt-Ringbahn belegenen Stelle ein modernes Waren- Haus im großen Stile erbauen zu lassen. Ferner hat in Berlin die Hamburger Warcnfirma I a n d o r f einen umfangreichen Häuser- komplex an der Großen Frankfurter st rahe. Ecke An dreasstraße, angekauft, um auch im Osten Berlins ein neues großartiges Warenhaus zu errichten. Drei jugendliche Automatenmarder sind am Sonntagmorgen um 9 Uhr auf frischer That ergriffen und der Kriminalpolizei zu geführt worden. Seit einiger Zeit ivar bemerkt worden, daß die Automaten am Bahnhof Alexanderplatz geplündert wurden. Am Sonntagmorgen bemerkte eine Händlerin, daß drei Knaben sich Süßigkeiten teilten. Später ermittelte der Inspektor der Gesellschaft, daß 14 Blechmarkcn in der Größe und im Gewicht von Fünfpfennig stücken in den Kassen enthalten waren. Die Diebe kehrten auch gerade zurück zu einem neuen Beutezug und konnten gleich ergriffen werden. Alle drei waren gut gekleidet und standen im Alter von 10 bis 12 Jahren. Der rcichtatowiertc Verbrecher Günther, dessen Entweichen wir Somitag meldeten, ist bereits ermittelt worden. Günther, der in dem Strafgesängnis zu Tegel wegen Diebstahls und Hehlerei eine Strafe von anderthalb Jahren verbüßte, wurde Ende Mai zu einem Termin in Moabir vorgeführt. Als er später den Wagen zur Rücksahrr benutzen sollte, stieß er den Begleiter plötzlich beiseite und emfloh. Noch an demselben Tage wurde er von einem angeblichen Arbeiter Emil B. auS der Reinickendorferstraße als unbekannter, kranipjkranker Mann der Cbarite eingeliefert. Dort verweigerte er einen Namen und spielt jetzt, nachdem er bemerkt zu haben scheint, daß man ihn erkannt hat, den Tobsüchtigen. Wieder ein Zusammenstoß im Strasteubahubctrieb. Am Sonntagnachmittag um 1�/« Uhr war ein Wagen der Ringbahn an der Ecke der Karl- und Friedrichstraße infolge falscher Weichenstellung auf das andere Geleise geraten. Er fuhr auf den Anhängelvagen der ihm entgegenkommenden Bahn und warf ihn auS den Schienen heraus. Der getroffene Wagen wurde am hintern Teil so beschädigt, daß er außer Betrieb gesetzt werden mußte. Am Sonnabend- abend ereignete sich ein Zusammenstoß der elektrischen Bahn an der Pettikirche mit einem Wagen, der mit Topfgewächsen beladen war. Das Fuhrwerk wurde umgeworfen und flog der Kutscher in weitem Bogen vom Bock, glücklicherweise ohne Schaden genommen zu haben. In dem Befinden des bei dem Gerüsteinstnrz in der Usedom- ttaße schwer verletzten Arbeiters Julius Stillert ist eine entschiedene Wendung zur Besserung eingetreten und erscheint jegliche Lebens- gefahr nunmehr ausgejchlossen. Auch Lippke befindet sich auf dem Wege zur Besserung. Seitens der Staatsanwaltschaft ist behufs Klarlegung des Unfalles eine Untersuchung eingeleitet worden. Aus dem Wasser gerettet wurde am Sonnabendnachmittag um 2 Uhr am Südufer in der Nähe des Johannisstiftes von zwei Arbeitern eine anscheinend geisteskranke Greisin von etwa 70 Jahren. Eine« grausigen Fm»d machten am Sonntagnachmittag gegen Uhr Ausflügler. In einem Roggenfeld am Verlorenen Weg nahe der Verbindungsbahn lag die Lerche eines Mannes, in dem der 69 Jahre alte Schuhmacher Wilhelm Schwallach erkannt wurde. Er 'cheint an dem Fundott schon längere Zeit gelegen zu haben, hat an- �cheincnd keine Wohnung und keine Mittel gehabt und ist vielleicht infolge Entkrästung zusammengebrochen und gestorben. Ein trauriges Eude hat eine Landpattie genommen, die vor- gestern die Arbeiterinnen einer Schneiderwerkstatt veranstaltet hatten. Die Angestellten der B.schen Arbeitsstube in der Brunnenstraße waren am Sonnabendmittag nach einem Lokal in Treptolo hinaus- gefahren und hatten dott Kaffee gekocht. Gegen 6 Uhr bestiegen drei Näherinnen ein Ruderboot und fuhren damit bis nach dem Eierbäuschen hinaus. Auf der Rückfahtt kenterte das Boot und die Insassinnen stürzten in die Fluten. Zwei derselben ivurden durch herbeieilende Fahrzeuge gerettet. Die dritte, die 21jährige Klara Schneider, wird vermißt. Allem Anschein nach ist die Unglück- liche unter das umgeschlagene Boot geraten und ertrunken. Die Leiche ist bis jetzt noch nicht gefunden. Im Schlafe abgefaßt wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ein langgesuchter Verbrecher, der Arbeiter Holz. Als gegen zwei Uhr ein Bewohner des HauseS Neue Schönhanserstt. 1 heimkehtte, vernahm er vom Hofe her ein lautes Schnarchen und bemerkte daselbst einen ftemden Mann, der unter einem Arbeits- wagen lag und fest schlief. Ein hinzugeruiener Schutzmann nahm den Unbekannten fest. In seiner Jacketttasche wurden vier Dietriche und 14 Nachschlüssel, sowie eine Radfahrerniütze gefunden. In diesem Festgenommenen erkannte man den schon vielfach vorbestraften und auch jetzt wieder wegen Beteiligung an verschiedenen Einbrüchen und Diebstählen in Fahrradgeschäftcn gesuchten Holz. Zweifellos hat H. auch an dem Otte seines Nachtquartiers einen Einbruch verüben wollen. der ahnungslose Optiker verließ den Laden, um nachzusehen, was dott vorgehe. Diesen Augenblick benutzten die Langfinger, um das Geschäft durch die offen gebliebene Thüre zu betreten und aus dem Schaufenster einen Ständer mit 17 goldenen Uhren zu entwenden. Die wohlvorbereitete Arbeit ging so schnell von statten, daß sie mit der Beute entkamen. Die regelmäßig jeden Mittwoch, mittags 12 Uhr in der Marienkirche bei freiem Eintritt stattfindenden Orgel- vortrüge des kgl. Musikdirektors Otto Tienel erfahren durch die Sonimerfenen keine Unterbrechung: In dem Orgclvortrag am 5. Juli wird Herr Diene! seine I'-äür-Konzert-Fantasie spielen und der Rcgicrungsrat Herr Curzescinski eine Baschsche Arie und Mendelssohns„Sei gerreu" mir Cellobegleitung singen. Außerdem wirken mit die Konzettsängerin Frl. Marie Lindow, der Cellist Herr P. Neumann und der Organist Herr P. Heuer. Radrcnnru im Spottpark Friedenau. Man muß wohl ein Eingeweihter ersten Grades sein, um ergründen zu können, warum eine Amateurkonkurrenz nicht in dem üblichen Rasen zu Rad, sondern in der Kunst möglichst bummeligen Fahrens gipfelte. Bei der Gewitterschwüle am Sonntag hätte diese im Zweisitzerhaupt-Fahren gebotene Ileberraschung schon ans hygienischen Gründen sicher den Beifall aller Verständigen verdient. Leider waren deren aber nur sehr wenige auf den Tribünen; die große Masse fühlte sich enttäuscht und johlte beim Anblick des ungewohnten Kuusistückes so arg, daß der Vorstand den Scherz vor seiner Beendigung abläuten ließ. Die enttäuschten Zuschauer wurden später durch glänzende Tharcn der Berufsfahrer entschädigt. Jni Fünflilometer-Fahren siegte der Engländer Chase mit großer Bravour; im Zehnkilomcier-Fahren dagegen der Held des vorigen Sonntags. Köcher. Das Programm nahm folgen- den Verlans:, Hanptfahren für Herrenfahrer. 3 Ehrenpreise. 1000 Meter. 1. W. Krüger-Lübcck, 1: 45: 4. 2. P. Damm-Leipzig. 3. G. Drescher- Mainz, Nach Gegeiiwehr sehr sicher gewonnen. Motor-Dreirad-Fahren. 200. 100, 50 Mark. 7500 Meter. 1. Bandra-Paris. 9: 02. 2. W. Lehmann-Berlin. 3. Mnlder-Amster- dam. Mit großem Vorsprung gewonnen. Friedenauer Handicap. 3 Ehrenpreise, 80, 40, 20 Mar.. 1609 Meter. 1. Kaallwachs-Berlin<120 Meter), 2: 07: 1. 2. Klapper- Berlin(100 Meter). 3. Schwalbe-Berlin(130 Meter). Siegte leicht. 5 Kilometer-Fahren mit Schrittmachern. 1000 M. 1. A. A. Chasc- London, 5: 22: 1(Deutscher Wettfahr- Rekord). 2. Alfred Köcher- Friedenau. 3. Dutrien-Lille Taylor und Struck aufgegeben. Chaje gewinnt in größtem Stil. 10 Kilometer- Fahren mit Schrittmachern. 1000 M. 1. Alfred Köcher, 10; 55: 4(Deutscher Wettfahr- Rekord). 2. Taylor- Paris. 3. Dutrieu. 4. Sttnch 5. Chaje. Siegte mit großem Vorsprung. Moror-Tandem-Fahren. 150, 75. 40 M. 10 000 Meter. I.Müller- Reckzehs Motor. 10: 7. 2. Taylors Führungsmaschine. 8. Brett- schneider-Stecgcs Motor. Nach Kampf gewonnen. Tötlich verunglückt ist Montagabend 7V» Uhr der Schlosserlehrling Otto Vi eck. Auf dem zweiten Hofe des Grundstücks Bülo'wstr. 98 war eine Stellage mit Stabeisen übermäßig be- lastet, so daß sie zusammenstürzte und den Vieck unter den Trümmern begrub. Der alannierten Feuerwehr gelang es zwar, den Ver- imglückten noch lebend unter den Trümmern hervorzuziehen und ihn mittels Mannschaftswagens nach dem Elisabeth- Krankenhause zu schaffen, doch verstarb er unmittelbar nach der Einlieferung. Fcuerbericht. Heute ftüh 21/g Uhr wurde die Feuerwehr nach Margareten st raße 7 gerufen, wo in einem Keller eine kleine Ueberschwemmung aufgetreten war. Sonntagnachmittag erfolgte ein Ausrücken der Wehr nach Oranienstraße 56. Hier lag jedoch keine Feuersgefahr vor, sondern eS war ein Pferd im Stalle hingefallen, das mit Hilfe der Wehr wieder auf die Beine geholfen wurde. Ein Alarm nacki Kottbuserdamm 20 ivar von geringer Bedeutung. In der B e r g m a n n st r a ß e 99 waren Preßkohlen in Brand geraten. Sie mußten umgeschichtet werden. Außerdem erfolgte Sonntag gegen 12 Uhr Immanuel- kirchstraße 14 eine Benzinexplosion, wobei keine Menschen ver- unglückt sind. Das Benzin war beim Reinigen von Kleidungsstücken durch eine brennende Cigarre explosionsartig entflammt. Das Mctropol- Theater bietet in seinem Programmwechsel für den Monat Juli eine Reihe neuer Aufführungen. So führte sich Herr Harry Allister als ein Verwandlungskünstler ein, der sich in einer Darstellung historischer Männer unter an denn die französische Ministcrkrisis ausersehcn hatte. Siegwatt GentheS, auf einem andern Gebiet der Parodie ein Künstler, kopiette mit gutem Humor einen Stern der ftanzösischcn Chansons, Uvette Guilbett, wobei er lebhaften Applaus erntete. Nachdem so die Künstler ihr Können auf dem Gebiet der Parodie erschöpft hatten, verlangten hierauf unsere bravsten ausfreunde unsere ungeteilte Bewunderung in derVerwandlungskunst. ar grimmig, mit der iiöwcnhaut umgethan, erschienen sie unter dem Kommando von Charles Baron. der die Bestien, die gelegentlich durch lautes Bellen ihre wahre Abstammung verrieten, ttefflich ein- exerciert hat. Jedoch wäre es ungerecht, wollte man im landläufigen Sinne des Wottes behaupten, sie hätten die Verwandlungskunst auf den Hund gebracht. Außer einigen andern interessanten Debüts mögen die ikattsche» Spiele der Bonhair Truppe erwähnt sein, die 'ich' das Recht des längeren Verweilens durch ihre staunenswerten Leistungen erworben haben. Natürlich ist auch„Berlin lacht", mit einigen neuen Schlagern ausstaffiert. weiter auf dem Rcpertoir und in der Gunst des Publikums geblieben. Von Oskar Kilians Taschenbuch für Radfahrer<11 die zweite Auflage im Verlag van Max Rackenslcin, Halleschestr. 4, erschienen. Bei Besprechimg der ersten Auflag- dieses sür jeden Radfahrer überaus nützlichen Büchleins hoben wir seine Handlichkeit und seinen pravischeu Wert hervor. In dieser zweiten Ausgabe hat der Verfasser nun neben einer Durchsicht und Erweiterung des technischen Teils, den Anforderungen der Zeit ent- sprechend, ein eigenes Kapitel dem Automobilismus eingeräumt, das, wenn au» nur flüchtig diesen neuen, dem Radfahren verwandten Sportzweig streifend, doch genügt, um die Touristen mit dessen Wesen einigennassen ver- traut zu machen. Ferner ist der neuen Auflage eine äusserst wertvolle Be- reicherung in der Belehrung über Karreulesen und der Orientierung im Gelände geworden. Des weiteren aber wurde eine nicht allzu breite, aber aus- reichende Instruktion aber die bei allen Touristen beliebte Amateurphoto- graphie nebst einer Reihe praktischer Winke beigefügt. Nicht unwichtig ist zum Schluß eine juristische Besprechung deS Rcckits der Radreisenden im Gasthose. Erwähnen wir noch des zweiten Teils des Handbuchs, des um- fangreichcn Tourenverzeichnisses für Deutschland und die angrenzenden Länder, so bietet sich den Wanderfreundcn in dem Kiliansche» Taschenbuch für Radfahrer eine zuverlässige Auslunft über alle einschlägigen Fragen. Der mäßige Preis von 1,50 M. sür das 321 Seiten starke und praltych ge- bundcue Taschenbuch erleichtert wesentlich seine Anschassmig. Außergewöhnliche Dreisttgkeit haben Spitzbuben bei einem Diebstahl bekundet, den sie am Sonnabendabend am Spittelmarkt 2 äst unter den Augen des Bestohlenen ausführten. Dott hat der Uhrmacher und Optiker Karl Schnegas einen Laden inne, dessen inneres Schaufenster nicht verschlossen gehalten wurde. Die Diebe lockten Herrn Sch. auf eigenattige Weise aus dem Geschäft, sie ließen auf dem Flur von zwei Weibern einen lauten Streit aufführen, und Ans den Nachbarorte». Trcvtow-Vaumschulcuwcg. Mittwoch, den 5, d. Mts.. hält der socialdemokratische Verein„Vorwärts Kine Versammlmig»" Lokal des Herrn Siaffeldt. Baumichulenjir. 84/8o, ab. Um zahlreichen und pünttlichen Besuch bittet Der Vorstand. SittlichkcitS-Vcrbrcchcn anf dem Kirchhof. A» 9 e sich's einer Beerdigung verübte am Sonnabendnachiniltag Jakobikirchhof zu Rixdorf ein am Kottbufer Damm m Berlin wohnender junger Mensch an einem etwa 8 Jahre alten Mädchen ein schweres Sittlichlcitsverbrechen. Die That wurde von einem der Leidtragenden bemerkt, der die sofottige Festnahme dcS Wujttiiigs veranlaßte... Die Schufivorrichtimg eines Straßenbahnwagens der Linie Rixdorf— Scdöiihauser Allee hat stch am Sonntagnachnmtag al- mres Namens würdig erwiesen. In der Knesebech'traße geriet ein K,nd unter den Wagen, wurde aber von dein Schutzblech aufgefangen und vor deni Ueberfahrenwerden bewahrt. Das Kind isi demnach mit einigen Quetschungen davongekommen. Die Schöneberger Stadkverordnekeu-Versanimltmg beschloß gestern in ihrer letzten Sitzung vor den Ferien die sofottige Ein- führung eines völlig kostenlosen städtifchen Arbeits- Nachweises und wählte in die ständige Lerwaltungsdeputation für diesen Arbeitsnachweis 3 Arbeitgeber und 3 Arbeit- n e h m e r. Der Magistrat hatte sich im Februar d. I. für ciue kostenlose ArbeitSvepnittetung mir bei ungelernten Arbeitern erklärt, während die Stadtverordneten den kostenlosen Nachweis auch auf gelernte Arbeiter und Dien st boten ausgedehnt haben wollen. Da sich in der Versammlung eine Einigung nicht erzielen ließ, wurde eine gemischte Deputation eingesetzt, welche sich für einen kostenlosen Arbeitsnachweis ohne jede Ausnahme entschied. Um den Stadtverordneten ein Entgegcnkonnnen zn zeigen, trat der Magistrat den Beschlüssen der gemischten Deputation dann bei und die Stadl- verordneten nahmen hierauf die Magistratsvorlage einstimmig mit der Maßgabe an, daß die Vcrmittelung für weibliche Arbeitsuchende einer Iveiblichen Person übertragen werden soll, welche für ibre Thätigkeit, die auch an Sonntagen auszuüben ist, jährlich V00 M. erhält. Des weiteren stimmte die Stadtverordneten-Versammlnng dem Antrage auf Errichtung einer Endhalte st eile der Süd- lichen Vorortbahn bezw. der Großen Berliner Straßenbahn in der E i s e n a ch e r st r a ß e nach längerer Debatte unter der Voraussetzung zu, daß die Linie Vi n etaplatz— M a n st e i n st r a ß e spätestens nach Einführung des elektrischen Betriebes ans derselben bis zn jener Endhaltestelle verlängert, die Linie T r e p t o w— G r o ß g v r s ch e n st r a ß e bis zum 1. Oktober 19 zum Militärbahnhof durchgeführt und auf der Linie Alexa n der platz— Schö neberg- Ebers st raße ein 6 Mi unten-Verkehr derartig eingeführt werde, daß jeder zweite Wagen bis Steglitz weiterfahre. Der zur � Vorberatnug des Antrages eingesetzt gewesene Aus- ichuß hatte empfohlen, die Genehmigung der Endhaltestelle für die A l b e r t fr r a ß e zwischen der Haupt- und Feurigstraße zu erteilen. Seitens des Magistrats wurde jedoch dies wegen der un- penügenden Breite der Albertstraße, sotvie auch wegen des in der Nähe befindlichen Feuer wehrdcpots als nicht angängig be- zeichnet, andererseits aber darauf hingewiesen, daß durch die End- Haltestelle in der Eisenacherstraße ini Herzen der Stadt ein Central- Verkehrspunkt geschaffen werden würde, der für die ganze Lmwicklung des Verkehrs zwischen Schonebcrg und Berlin von außerordentlicher Bedeutung sei, woraufhin sich dann die Siadtvcrordneten mit allen gegen 7 Stimmen für die Eiscnacher- straße entschieden.— Schließlich nahm die Versammlung noch von einer Magistratsvorlage betreffs Bildung eines fturaiotiums für das Reforni-Gymnasium Kenntniß. Die Auslosung des ersten Drittels der Schöncbcrger Stadtverordneten fand gestern vor Beginn der ordentlichen Sitzung statt. Es wurden ausgelost in der ersten Abteilung die Stadt- verordneten Behrend, Scclig, Grix, Knoll. Kutznitzky; in der zweiten Abteilung: Lejsig, Hacker, V. Franken berg, Wigratz, Dr. Rothe, Grund und in der dritten Abteilung: Masnch sSoc.), Speck, Berge- mann, Schoppen undFinke. Die in der drittenAbteilnng ausgeschiedenen Stadtverordneten vertreten den Wahlbezirk 5 sumfasscud Barbarossastraße 78— 81, Gledirsch-, Grunewaldstr. 12— 116, Heinrich Kiepert- und Mixstraße); den Wahlbezirk 8(umfaffend Bahnstr. 1—16, Brun- hildstr. 1 und 2, Colonncnstraße, Kasernen- und Scdanstr. 1— 10); den Wahlbezirk 12 sumfassend Bahnstr. 25—33, Erdmannstraße, Hauptstraße 1— 22b und 136— 153, Helmstraße, Stubcnrauch- slraße 1—3); den Wahlbezirk 13(umfassend Bahnhofs-, Becker-, Begas-, Cranachstraße. Dürerplntz. Fregc-. Hauff-, Hedwig-, Menzel-, Rcmbrandt-, Wieland- und Rubensstraße); den Wahlbezirk 15(umfassend Erfurter-, Hauptsir. 51—56 und 94 bis 115/116, Koburgstr. 1—12, Mariendorfer Weg, Mühlenstraße, Priester- weg. Tenipelhoferstraße und Tcmpclhofer Weg). In das Kuratorium des städtischen Arbeits nfa ch tv e i s e s wurden folgende Parteigenossen als Beisitzer seitens des Ausschusses zur Wahl vorgeschlagen: Buchdrucker Schubert, Tischler Köster und Maurer Daumig. Schöncbcrg. Gegen die von uns geschilderte Wohnungsnot der westlichen Vororte wendet sich der„Schöneberger Stadt-Anzeiger", indem er die erwähnte bedeutende Steigerung der kleineren und mittleren Wohnungen für übertrieben erklärt. Trotzdem er zugeben wuß, daß die Preise der kleinen Wohnungen im Laufe der letzten �ahre gestiegen und es selbst als einen der bedauerlichsten Mängel unserer Zeit betrachtet, daß gerade der kleine Mann seine Wohnung so teuer bezahlen muß, daß er von seinem Einkommen eine in der That unverhältnismäßig hohe Summe dafür aufzuwenden hat. Nach Abschluß des Kündigungstermins können wir nur sagen, daß die von uns gegebene Darstellung noch weit übcrtroffen wird. So wurde uns für Küche und Stube im Vorderhause der Bahnstraße der Preis von 390 M. genannt. Wir haben Hofwohnungen von 2 Stuben und Zubehör gesehen, die in einfachster Weise ausgeführt, den Preis von 400 M. erreichten. Wenn das noch keine besonderen Preise sind, dann allerdings befinden wir uns in einem Irrtum. Des weiteren wird in diesem Artikel behauptet, daß die mittleren Wohnungen im Preise zurückgegangen seien. Die Lehrer Schönebergs, welche erst vor wenigen Monaten durch die hier herrschenden Mietspreise veranlaßt, eine Ausbesserung ihrer Mietsentschädigung verlangten, werden ob dieser Behauptung des„Stadt-Anzeigers" stark verwundert sein. Klipp und klar wurde von den socialdcmokratischen Stadtverordneten sowohl als von dem Schuldirektor Dr. Bartels in der damaligen Stadt- vcrordneten-Bersammlung bewiesen, daß eine Steigerung der kleinen und Mittelwohnungen eingetreten sei und selbst der Stadtverordnete erhalten. Daß dies aber der Fall ist, lehrt uns ein Blick auf die täglich von dem Gmndbesitzer-Verein veröffentlichte Wohnungs- k a f e l. Eine ganze Reihe von Wohnungen, bestehend aus drei Zimmern und Zubehör werden dort zu einem Mietspreise von 700 bis 800 M. aufgcfübrt. Daß dies für einen Vorort wie Schöncberg anormale Berhälwisse sind, steht fest. In Groß- Lichterfelde betreibt jetzt der Gemeindcvorstand ernstlich das Projekt einer Kraftstation für elektrische Kraft. Jnter- csiant ist die rechnerisch nachgewiesene Thatsache, daß die bei diesem Unterilehmen auf jeden Gewinn für den Gcmcindesäckel verzichtende Gemeinde in der Lage wäre, bei genügender Beteiligung von vorn- herein schon die Kilowattstunde einschließlich der Zählernüete mit »ur 48 Pfennige zu berechnen, während in Berlin und einigen Vor- orten laut Tarif 50 Pf. pro Kilowattstunde ohne Zählermiete er- hoben werden. Der neue Vorort- Bahnhof Lankwitz- Victoriastraste wird beute dem Verkehr übergebe», obgleich die innere Aus- stattung des Bahiihofs-Gebäudes noch nicht vollendet ist. Zunächst werden von heute ab sämtliche von Berlin abfahrende Vorortzüge der Anhalter Eisenbahn auf dem westlich vom Bahnsteig gelegenen, jetzt fertiggestellten Vorortgeleise halten und dasselbe von Südende bis Groß-Lichierfelde befahren, während die von Lichterfelde her- kommenden Züge vorläufig nock wie bisher das östliche Ferngeleise benutzen und an der alten Stationsanlage halten, da das östliche Vorortgeleise hier noch nicht ganz fertig ist. Sobald dies in Kürze geschehen sein wird, werden dann zwischen Südende und Lichterfelde, wo die Ncuanlage des gesamten Bahnkörpers eine ziemlich be- deutende Steigung erhält'und über zwei diesen kreuzende Straßen hiiiweggeführt werden muß, die Fcrngeleise ebenfalls höher gelegt werden. Während der Dauer dieser Arbeiten werden die Fernzüge ebenfalls über die Vorortgeleise geleitet. WohnungSclcnd in Spandau. Die zum 1. Oktober angekündigten Steigerungen der Wohnungsmieten für kleine und mittlere Wohnungen haben einen ungewöhnlich großen Umfang an- genommen; die meisten kleinen Mieter, die schon ohnehin unter der Last der schweren Miete zu leiden haben, zogen es deshalb vor, ihre Wohnung zu kündigen, so daß am 1. Oktober ein sehr großer Wohnungswechsel stattfinden lvird._ Die aufgekündigten Wohnungen sind aber schon jetzt fast sämtlich vermietet, sodaß mele Arbeiter gezlvungen find, ihre Wohnungen nach der äußersten Peripherie der Stadt oder auf das Land zu verlegen. Von einer privaten Baulust merkt man infolge der unerträglichen Rayon- verhältniffe fast gar nichts, die Stadt dehnt sich unverhältnismäßig langsam aus, was Wunder, wenn die Hausagrarier mit ihren Forde- rungen immer maßloser werden. Noch fühlbarer wird die Wohnungs- not iverden, wenn erst die der Fertigstellung entgegengebende Fabrik von Ohrenstein u. Koppel in Betrieb gesetzt iverdeii wiro und hier- durch Spandau einen Zuwachs von ungefähr 1500 Arbeitern erhält. Gevirtzks �Ssitung. Eine falsche Sclbstbczichtigung— wie ist dieselbe zu stände gekommcu? Im Jamiar dieses Jahres ist bei einem Ackerbürger in Nauen eine Partie Weizen gestohlen worden. Der Verdacht lenkte sich auf den 16jährigen Dienstknecht Adolf Schmidt. Derselbe wurde verhaftet und legte auch aus dein Polizeiburcan in Nauen ein Ge- stniiduis dahin ab, daß er in Gemeinschaft mit seinem Vater den Diebstahl verübt habe. Dieses Gcstälidnis ist thatsächlich falsch, denn der wirkliche Dieb ist später ermittelt und bestraft worden.— Die„Braiidcilbnrgcr Zeitung" hat diese Thatsachcn mitgeteilt nnd weiter behauptet, Ad. Schmidt habe sich zu der falschen Selbst- bezichtigung nur dadurch bewegen lassen, daß er ans dem Polizei- burcau mißhandelt worden sei.— Durch letztere Behauptung, ivelche nicht ivahr sein soll, soll sich der Rcdacteur der„Braiiden- bürg er Zeittma", Genosse Theodor Huth, der Beleidigung der Polizei schuldig gemacht haben. Desselben Vergehens sind der Maurer K r u I l und der Arbeiter F e ch n e r. beide ans Nauen, an- geklagt, weil sie in einer Versamiiiliiilg in Nauen, wo der betreffende Artikel der„Brandenburger Zeitung" verlesen wurde, Aeußerungen zu der Augelegeuheit gemacht und dadurch gleichfalls eine Beleidi- guug der Polizei begangen haben sollen.— Huth, Knill und F e ch n e r standen deshalb am Montag als Angeklagte vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II Berlin. Vor Eiiltritt in die Vcrhaiidluiig protestierte der Verteidiger Rechtsaiiwalt Heine gegen die Zuständigkeit des Gerichts betreffs des Angeklagten Hnth. Der- selbe könne vor dem hiesigen Gericht nicht zur Veraiitivoriung gc- zogen werden, wenn ein Artikel der in Brandenburg crscheiilendeil Zeituilg ohne sein Zuthun in Nauen verlesen und besprochen werde. Wenn das Gericht sich aber darauf stützen sollte, daß die Zeitung auch in Nauen verbreitet werde und das Landgericht 11 deshalb zuständig sei, so müsse er dieser Auffosinng prnicipiell entgegentreten, da die Reichsgerichts-Entscheidling, welche den sogenannten fliegeiiden Gerichtsstand der Presse begründet, auf irrtümlichell Voraussetzuiigeu beruhe.— Der Gerichtshof erklärte sich nach längerer Be- ratuiig für zuständig, iveil die„Brandeub. Zeitung" durch ihre m Nauen bestehende Filialexpedition daselbst verbreitet iverde. Zur Sache selbst sagte der Zeuge Adolph Schmidt, er sei durch zwei Gendarnien verhaftet worden, man habe ihm vorgehalten, daß seine Stiefel zu den am Thatorte gefundenen Fußspuren paßten, nnd als er die Schuld am Diebstahl iii Abrede stellte, hätte ihn der eine der Geiidarmeu an den Ohren gezogen und an die Wand gestoßen. Er sei dann ans das Polizcibureau in Nauen gebracht worden, und da habe der Wachtmeister Hagemann, der ihn verhörte, ihn zu einein Geständnis zu beivegcn gesucht, indem er ihm sagte, wenn er sich schuldig bekenne, könne er freigelasien werden, wenn er ober leugne, komme er nach Berlin ins Gefängnis. Ferner habe der Wachtmeister Hagemaiin ihm mit dem Finger vor den Kops geklopft nnd dabei gesagt:„Da ist es drin, da ninß es heraus." Ans Angst habe der Zeuge sich bewegen lassen, sich und scmcn Vater des Diebstahls zu bezichtigen.— Der Vorsitzende des Gerichts hielt dem Zeugen vor. doß er nach dem polizeilichen Protokoll von einer Mitzhaiidliing durch die Gendarmen bisher nichts gesagt habe. Der Zeuge behauptet, er habe das auch bei seiner polizeilichen Vernehmiuig gesagt, es sei aber nicht ins Protokoll geschrieben worden.— Sehr unverständlich nild konsils sind die Angaben des Zeugen Schmidt(Vater), der den Vor- fall in Nauen erzählt luid dadurch indirekt die Veranlassung zur Veröffentlichung desselben gegeben zu haben scheint.— Wachtmeister Hage mann bestreitet den Ad. Schmidt wegen Ab- Icguilg eines Geständiiisies beeinflußt, oder sich a» ihm vergriffen zu haben.— Die Verhaiidlmig wurde vertagt und die Ladung weiterer Zeugen beschlossen. Schmidt(Vater) wurde ans Antrag des Staatsanwalts mit etiler sofort zu vollstreckenden Hastslrafe von 48 Stunden belegt, weil er in trunkenem Zustande vor Gericht erschicit._ Vermifitzkes. DaS Ende einer Gattcninördcrin. In dem Dorfe Klein- Besten bei Köiligs-Wusterhausen mordete die Ehefrau des Bahn- Wärters Zesch in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1896 ihren Ehe- manu, indem sie ihm mit einem Revolver zwei Schüsse in den Kopf beibrachte. Der Getötete war ihr vierter Mann, von den ersten Dreien war einer gestorben, von zweien war sie geschieden. Zesch hatte sie nach dem Tode seiner ersten Frau trotz ihrer bewegten Vergangenheit geheiratet. Iveil sie etwa 500 Thaler Geld besaß, die er brauchte, da er sich mit seiner ersten Frau ein kleines An- Wesen, bestehend aus Hans und Garten, beschafft hatte und sick) mit den Kindern auseinandersetzen mußte. Die Ehe, die kaum zwei Jahre gedauert hat, war eine überaus unglückliche. Frau Zesch hatte stets Gift im Hause, welches sie angeblich zu Haarardeiren brauchte, die sie gelegentlich anfertigte. Zweimal hat der Ehemann Probe» solcher Gifte im Essen gefunden, seine kräftige Natur hat sich aber beidemale durch Erbrechen geholfen. Aber die Ehescheidung be- antragte er darauf, und an dem Tage, an welchem der Sühne- tcrmin in Königswusterhauscn stattfand, der an der Hartnäckigkeit des Ehemanns scheiterte, kaufte sie sich in Königs-Wnsterhause» einen Revolver, mit dem sie bald darauf ihren Maiti» des Nachts im tiefsten Schlafe erschoß. Sie hatte die Sacke überaus fei» ein- gefädelt, doch teilte sie das Schicksal der meisten Kapitalverbrcchcr, ihr Kalkül hatte eine kleine Lücke, die ihr zum Verderben wurde. Der Ehemann lag mit zwei Schußwunden, von denen jede einzige auf der Stelle tätlich war und außerdem mit einem Streiffchuß am Kopf im Bett, die Hände unter der Bettdecke gekreuzt. Der Revolver lag dagegen vor dem Bett am Erdboden. Hätte ein Selbstmord vorgelegen, wie die Frau glauben machen wollte, dann konnte der Mann sich nicht zuerst die tätlichen Schüsse beibringen, dann den Revolver zum Bett herauswerfen und sich fein säuberlich zu- decken, die Hände über der Bnist fallend._ Es fanden sich noch andere Beweise und so wurde die Frau Zesch am 26. November 1897 vom Schwurgerickt am Landgericht II abgeurteilt. Die Geschworenen votierten nicht auf Mord, sondern nur auf Totschlag, worauf Frau Zesch zu acht Jahren Zucht- haus verurteilt wurde. Jetzt ist aus dem Zuchthause die Nachricht eingetroffen, daß s i ch Frau Zesch vergiftet hat. Vor ihrem Tode hat sie eingestanden, daß sie während der ganzen Zeit ihrer Gefangenschaft eine kleine Phiole mit Gift in ihren Haaren verborgen bei sich getragen hat. Sie war früher Friseurin und Haararbeiterin, aus ihrer früheren Zeit stammte das Gift und die Fähigkeft, ihre Haare so zu ordnen, daß sie die Phiole verbergen lonitte._ Briefkasten der Redaktion. H. 5t. 1000. Ist Wochenlohn vereinbart, so ist nach richtiger Ansicht für die gesetzliche» Feiertage Lohn zu zahlen. Daraus, dnh widerspruchslos Lohn nicht gezahlt ist, kann aber auf entgegenstehenden Willen der Parteien geschlossen werden. Ihr Anspruch erscheint daher aussichtslos.— ft. 8. Wenden Sie sich direkt an das Auswärtige Amt, Kolonial'- Abteilung — F. S. 17. Wenn Sie verttagsmäbig Awpruck auf ein eigenes Zimmer haben: ja, sonst: ncm.— 5t. M. 11. Wenden Sie sich beschwerdeführend an das Reichöpostaiilt.— Fräse. 1. Sie können einen kostsvieligen Auf- gebotsautrag dein: Amtsgericht stellen; bester ist es: Sie warten bis nach dem 1. Januar 1S00 ab. 2. Nein.— Richard 1877. Nein.— G. R. 18. Kommt keine besondere Verewbarung zu stände oder wird der Pflege- vettrag nicht ausgehoben, so muß weiter nachgezahlt werden.— M. W. Verlust des AdelS tritt als Folge einer Verurteilung nicht mehr ein. Em zu Zuchthausstrafe verurteilter Adliger bleibt so adlig wie zuvor, desgleichen ein mit Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte Belegter. Die Verurteilung zur Zuchthausstrafe hat die dauernde Unfähigkeit zum DtenstM» dem Heer oder der Marine Deutschlands sowie die dauernde Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter zur Folge. Die Aberkennung bürgerlicher Ehrenrechte bewirkt den dauernden Verlust der aus öffentlichen Wahlen für den Wer- urteilten hervorgegangenen Rechte, den dauernden Verlust der öffentlichen Aemter, Würden, Titel. Orden und Ehrenzeichen sowie femer die Unfähig- keit, während der Dauer deS Ehrverlustes in die Armee einzutreten, öffent- liche Aemter, Würde», Titel, Orden nnd Ehreuzeichcn zu erlangen, Zeuge bei Aufnahme von Urkunden zu fein, Borniiiiid(abgeseheil von besonderen Fällen, bei denen es sich um Verwandte absteigender Linie handelt) zn sein. nnd endlich den Verlust des aktiven und passiven Wahlrechts für die Dauer des Ehrverlusis. Adlig, Freiherr„von" bleibt der Verurteilte, gleich- viel, ob daS Wörlchcu„von" andeutet, da« irgend ein Vorjahr des Be- trcffeudcn oder er selbst den Dung des Ortes besäst oder besitzt, daS dem„von" folgt, oder dast einer der Borfahren einem Landes- sürflen die drei Biichsiäben gegen Geld abgekauft oder dast er sie geschenkt erhalteu hat. Ter Adel ist leine„Würde" inid deshalb bleibt Freiherr von H. trotz Znchthailsstrafe und Ehrverlust— Freiherr von.— F. M.. 5»«. Reichen Sie die Beläge über die von Ihnen erforderten Kosten bei Gericht uiit dem Antrage ein, die vorn Gegner zu ersiatteuden Kosten festzusielleu. Zuvor müssen Sie Ihren Gegner aiiffvrdem, seine Kostenrechnung dem Ge- richt ciiizureichen, und diese Aufsordening durch einen Gerichtsvollzieher zustellen lassen.— 6t. P. 50. Darüber vermögen wir Ihnen keine Aus- kunft zu erteilen.— A. B. Ja.— R. H., Rixdorf. 1. Zu der im Vertrag vereinbarten, und wenn keine diesbezügliche VereinSarimg getroffen ist, zu der ortsüblichen Zeit, must die Besichtigung für Mictslustige gestattet werden. Die Zeit von 9—6 wird als üblich erachtet. 2. Ja.— M. Nein. — Sk. G. 25, Sie sind zahlungspflichtig. Die weit verbreitete Ansicht, daß mau eine Zeit lang nach Eutlassliiig vom Militär sieuerftei sei, ist irrig. Es kommt lediglich darauf an, ob man steuerpflichtiges Einkommen hat.- A. B. C. 1. 153/4 Millionen. 2. Nein. 3. Nein. 4. Ja.- A. F. 13. Vom 1. Januar 1900 ab bedürfen 21 Jahre alte junge Leute beiderlei Geschlechts keiner elterlichen Gciiehmigling zur Heirat mehr.- G. G. 10. Etwa 6 M., einschlicstlich der Bescheinigungs- Urkunde. Der Preis gilt für ganz Prensteil.— X. U. Z. Nein. — E. 44. Wie stelle ich daS Eigentum meiner Frau am besten sicher? Der einfachste Weg zur Sicherstellung des Vermögens der Ehesrau ist der, dast vor der Heirat die Brautleute das Vermögen der Braut aufzeichiien und dann mit dem Vcrmögeüsverzcichuis sich zum Amts- gcricht begeben. Dort erklären dann beide zw gerichtlichem Protokoll, dast sie die Ehe mit einander eingehen wolle», scruer erklärt der Bräutigam: Ich anerkenne, daß das in dem überreichten Verzeichnis Aufnotiert« Eigen- tum meiner Braut ist imd verzichte auf mein ehemännlicheS NiestbrauchS- und Bcrwaltungsrecht. Dieser Vertrag erleichtert bei etwaige» Jnter- ventionen sehr den EigentumSbeiveiS. Ist der beschriebene Weg vor der Heirat verabsäumt oder will der Ehemann Vermögen auf seine Ehekrau übertragen, so küuiieil sich auch nach geschlossener Ebe die Eheleute aus das Amtsgericht begeben und dort einen Vertrag verlautbaren. In diesem Vertrag erklärt der Ehemann etwa: ich anerkenne, daß die in dem übeucichieu Verzeichnis unter 1—10 ausgeführten Gegenstände zum eingebrachten Vermögen meiner Ehefrau gehören, schenke ihr die unter 11—15 ausgcführleu Gegenstände und verzichte auf mein eherechtliches NießbrailchS- und Verwaltiiugsrecht. Die Ehefrau erklärt etwa; die von meinem Ehemann in diesem Vertrag erklärten Aiictkelllltiliffe, Verzichte und Schenkinigen nehme ich an. Solcher Berttag wirkt nur gegenüber künstigen Gläubigern und tritt erst erst zwei Jahre nach seinem Abschluß voll in Wirpamlcit. Marktpreise bo» Berlin mit 1. Juli 1899 uack Lrmiiteliingen des lgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. «Meizen BRoggc» Futter-Acrste Haser gut „ iiiiilel„ ,. gcriug Richtstrvh Heu +) Erbsen„ si)Speiscbvh»cu„ ÜsLinsen Kartossclii, neue Rindfleisch, Keule 1 kg da. Bauch„ ) Ermittelt pro 16.00 15,10 13,40 15,60 15,— 14,40 3,82 0,20 40,- 50- 70,- 6,— 1,60 1,20 Touiie Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Heckte Barsche Schleie Bleie Krebse Ikg 60 Stück 1!-g per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 3,60 2,80 2,60 2,40 1,60 2,50 1,40 U- 1- ],- J- 1,80 2,20 1,30 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3- 14,90 13,80 12,80 15,10 14,50 14,- 3,32 4.- 25,- 25,— 30,- 4,60 1,20 ........... von der Ceiitralflcllc der Prellst. Landiviri- schastslammcr- NoiiennigSstrlle— und nuigerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Centiier. ff) KleinhaudelSpreise. Produkte, iwarkt vom 3. Juli. Weizen und Roggen wurden am heutigen Frühniarkt bei mäßigem Nmsatze 1,50 M. höher bezahlt. Späterhin zogen die Preise nanientlich für Roggen noch weiter an, da schweres Nu- weiter aus Rustland gemeldet wird, dnich welches die dortigen Aoggensaaten park pcliitcii haben sollen. Haser lag ruhig, im Preise behauptet; Nüböl fast geschäftölaS.„„ Am SpirituSmarkt wurden 50000 Liter loco 70er mit 41,»0 M., unverändert, gehandelt. Die Tcrimiipreise zogen auf Deckungen 0,20 M. an. Berlins Getreide- und R! e l> l z u f u h r e n zu Wasser vom l.-L. Juli mittags betrugen 645 Touiieii Weizen, 207 Tonnen Roggen, 253 Tonnen Hafer, 8 Tonnen Gerste, 222 Tonne» MaiS, 5528 Tonnen Weizenmehl. Eier-Bericht vom 3. Juli. Normale Eier je nach Qualität van 2,30—2,70 M. pro Schock, kleine Ware je nach Qualität 2,15—2,20 M. pro Schock. Kalkeier je nach Qualität von— M. Tendenz: still. Berlins Eicrzusuhrcn in voriger Woche betrugen per Bahn 1 033 451 Kilo- gramni, davon 986 760 Kilogramm per Nicderschlesische, 8060 per Ost-, 26114 per Anhalter, 5370 per Stettiner, 5650 per Nord-, 1317 per Hamburg- Lehrter Bahn. Die Ausfuhr betrug 57 297 Kg., davon 5100 Kg. per Weder- schlesiiche, 10 814 per Anhalter, 3480 per Stcttiner, 1020 per Nord-, LOiO per Görlitzer, 3410 per Hamburg-Lehrter, 25 543 Kg. per Potsdamer Bahn. evitteruugsüberslcht vom 3. Juki 18VV. uiorgenS 8 Uhr. Stationen Swiiiemde. tamburg erliu Wiesbaden Müiiche» Wien S| s| aS ffiC 750O 751|NS3 76020 757iSW 760,20 75620 1 Wetter Regen biegen 4,Regeit 3ibedeckt 7bedcckt 4Regen (9 35 s't 5" r Stationen Haparanda Petersburg Eork Aberdecn Paris LL UL --- P 764 706 768 760 Still NNW NNW SW Witter & 13 4* ib heiter 5hlb.bcd 4woltig 3Regen 20 11 13 13 Wonor. Prognose für Dienstag, de» 4. Juli 1899. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit etwas Regen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner W c t t e r b u r e a n. Die glückliche Geburt eines ge- sunden Jungen zeigen hocherfreut an Leopold Zwarg und Frau Louise, geb. Wecke Glogauerstr. 32.(1127b Am Sonntag, den 2. Juli, verstarb nach kurzem Leiden unser treues Mit- glied und Parteigenosse, der Drechsler Saizmann. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch 61/2 Uhr vom Trauerhause Admiralstraste 186 aus. 1122b Leicht sei ihm die Erde! Der Rauchklub„Virginia«. Zoeialslenlvlii'atisolltzr sVsIllverem f. den 3. Beiiinei Roidistags- Wahlkreis. Todes-Auzclge. Dm Mitgliedern zur Nachricht, dast das Mitglied, der Drechsler Ernst Salzmann am Sonntag, den 2. Juli, verstorben ist. Die Beerdigimg findet am Mitt- woch, den S. Juli, nachm. 5V, Uhr, vom Trauerhaufe Admiralstr. 18 d auS statt. Um zahlreiche Beteiligmig ersucht»er V«r«t»iick. Vuchchttndlung Vornmrfcs __ Berlin SW,, Beuthstraste 2._ Soeben erschien: Die Z«chthll«g-Nl>rllige vor dm Reichstage. Stenographischer Bericht der Reichstagsverhandlungen. 192 S. gr. s». Preis 25 Pfg. Porto 10 Pfg. Trotz der Niederlage der Regierung ist die Gefahr der Zuchlhauzvorlag« nicht beseitigt: mit allen Mitteln suchen die Scharsmacher die öffentliche Meinung über den Sharalter der Vorlage hinwegzutäuschen, obgleich aus dem Wortlaut, den Motiven, der famosen Denlschrist und ganz besonders au« den Reden der Minister für un» unzweideutig hervorgeht, daß die Folgen diese« Gesetze« die Anfhedun» der Koalitionsfreiheit, da« Perbot und die Ilnterdriiiinuig jeden Streiks, jede« Lohnkampf,» wäre. Da« mutzten sogar die Vertreter der bürgerlichen Parteien zugeben. Deshalb wird die Verbreitung dieser«erhaudlungen für unsere Agitation reich« Früchte tragen. ffi Geiverkschafteu. Vereine, Vertranenslente erhalten ionszwecke die Broschüre zum Selbstkostenpreis. BMit bcii Iiilmlt der Jnsernte «iberniuiiiit die Nednriioi, dem Piiblirum gegenüber keinerlei Beraiiiiiiortnng._ Thrtttov. Dienstag, d e n 4> Juli. Neues Opern- Theater(Kroll). Die Fledennaus. Anfang 7V2 Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7'/- Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Hierauf: Abschiedssouper. Ansang 7'/, Uhr. Westen. Das goldene Kreuz. Hier- auf: Cavalleria rusticana. Anfang 7 Uhr. Bchiller. Der Trompeter von Säkkingen. Anfang 7 s/z Uhr. lkentral. Hamburger Leiden.— Hierauf: Vadders Ebenbild. Anfang 7 Uhr. Belle-ZIllianee. Eine kranke Familie. Anfang 8 Uhr. Friedrich.- WillielniftiidlischeS. Der Nachtomnibus- Controleur. Anfang 8 Uhr. INlexanderPlah. Nana. Anfang 8 Uhr. Oftend. Liane, die zweite Frau. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 iihr. Slpvllv. Frau Lima. Speclalitätew Borfiellung. Anfang 8 iihr. ReichShallen. Stettiner Sängeii Anfang 8 Uhr. Passage< Panoptikni». Special! täten-Vorstcllnng. Urania. Tanbensirahe 48—4». Naturkundliche Ansstcllung. Tüg- lich gcössnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt so Pf. Abends 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". Operntelcphon. Jnvalidenstrasie K7/«iS. Täglich abends von S-10 Uhr: Stern- warte. TdjiMfillto (WnIIner-Theater). „Ä o r w l't z• O p e r". Dienstag, abends 7i/z Uhr: vor Trompeter von Säkkingen. Oper in 3 Akten von Victor E. Nehler. Mittwoch, abends 7i/2Uhr: Der Wildschütz. Kam. Oper in 3 Alten v. Alb. Lortzing. Donnerstag, abds. 7>/z Ubr: Gastspiel„Heinrich Btttel": Der Tronbadonr. Gr. Oper in 4 Alten von G. Verdi. Crnkvsil D hvtttvv Direktion: lose peronorr. Anfang 8 Uhr. Gefamt-Gastspiel des Hamburger Ernst Drucker-Theaters Dlllnbmger Zeihen. Lokaler Schwank in b Bildem von Julius Stinde. In Szene gesetzt vom Oberregisseur Herrn W. Biel. Hierauf: Mdcr-i Edciiblid. Plattdütsche Comedi in 1 Optog von W. Fricke. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. In Vorbereitung: Hamburger Lininpenpack._ Metropol- Theater. Behrenstr. 53/64, Direction: Richard Schnitz. Phänomenales Juli-Programm. JW Biene Debnts!"913 8 Champions. Das graziöse engl. Gesangs- und Tanzensemble Charles Baron. Der urkomische Dresseur im Löwenkäfig, Siegwart Gcnthcs als Yvette~ Gallbert, unvergleichliche Kopie. Sar Um 9 Uhr'S® der grüsste Saison-Erfolg Berlin lacht! Berliner Bevue. Das grosso Presse-Ballett. Des grossen Erfolges wegen prolongiert. Die G Bonnairs. Sommergarten. Bauchen gestattet Anfang: Sonn- und wochentags 8 Uhr. Urania Tanbenstrasse 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalldenstr. 57/6%: I. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr Passaue-Fanoplicum 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Von 6i/j Uhr ab: Specialitäten. Neu! Die Riesen- briiher. Herold und Leons in ihrer Burlesk- Szene: Die Riesenbraut. Lstend-Clirl Weij-ZWer. Gr. Frauksurterstrasje lltL. C>klus volkstümlicher Vorstellungen. Ziane, hie zweite Zran. Schauspiel in 5 Alten v. H.Merls. WM- Anfang 7i/z Uhr."Mg Donnerstag: Die Zauberin am Stein. Im Garten: Heues Jull-Programm. Lebende Photographien. Theätre en miniature. Rennert-Stange, Jnstru- mentallomiker. Franziska Normann, Jenny Buchwald, Chansonnetten. Mist Marguerite, Taubenkönigin, ic. jc.:c. 27 Nummern. Nur Kräfte 1. Ranges. Anfang 4 Uhr. Mittwoch: Rinderfest._ Victoria-Brauerei Liihouistrasie 111/112. Im Riatnrgarten oder Saal: Täglich Humoristische Soiree der MMscdeu Sänger (FUhrmann, Horst, Walde), f? Ans. Sonntags' präe. 7, wochentags 8 Uhr. Entree SV Pf. Borverk. 40 Pf. Familienbillets »-IM. Sonntag und oestag nach der Vorstellung Danzkrünzchcn. ?»>!> CASTANS PANOPTICUM Die sensationellen mr lebenden'� Photographien! mit Figuren in Lebensgrösse. Die russische Uinnnn" Damenkapelle„HillJliUIl In moskowltlschen Kostümen. nnoifiioo"mlt3Belnen9ebor- „UICIIUOO leb. Kosakenpferd. Reichshallen. Garten resp. Saal täglich: Stettiner Sänger (Met, sei, Pietro, Britto», Steidl, Krone, K i r ch 1» a y e r, Schneider und Schräder). Zum Schluß: Wrscheuherriichkeit. Ein Studentenbild von Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Rntree 50 Pf.(für die Wochentage Im Vorverkauf 40 Pf.) Numerierte Estrade l M., unnumeriert 75 Pf. Relchshallen-Restaurant täglich: Großes Instrumental-Konzert bei freiem E n t r e e. W. Noacks Theater, Brmmenstrabe 16. Täglich: Theater- u. Speeialitiiten- Vorstellung. Das goldene Kalb. Charakterbild in 1 Akt. Neu!-W« M5- Ken! Mein Hnsar. Liederspiel in 1 Akt von Steiner. Musik von RunaSky. Im Saale: VanzkrtLnzchen. Apollli-IIiöstki'. Abends 9 Uhr: Frau Lima mit dem l-nftballett „Origolatis". Ferner: K Otto Rentter» und 6 neue Debüts. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. r der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Vedding-Fark Müllerstr. 178._ iW Jeden Dienstag-WB original- Norddeutsche Silnger 1976L* Blegler, Wolff, Hohenberg etc. Nachher Tanz. W. Trapp. Moilbiter CtseWastsW. Alt-Moabit 80-81. Täglich:-*8 Konzert u. Specialitäten- Yorstelluny. Entree Sonntags 15 Pf., wofür ein Glas Bier gratis verabfolgt wird. Nachzahlung: Parkett-Platz Äv Pf., reservierter Platz»v Pf. Wochentags Entree frei. Jeden Mittwoch: Minderfest. C. Peters. Könl�shanh. Gr. Fraukfurterstr. 117. Täglich: Frei-Konzert auster Sonnabend.[2090S AWng! Putzer. Achtung! Dienstagabend«Us Uhr, in Kellers Kestsälen, Koppenstr. SS: OeßGenKI. Hfsnssmmlung der iPut�er Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: Welche Forderung stellen wir an die Arbeitgeber und in welcher Form sollen die am Mittwoch stattfindenden Verhandlungen geführt werden? Kollegen! Da es sich dämm handelt, feststehende Grundsätze im Gewerbe einzuführen, darf kein Kollege in der Versammlung fehlen._ 133/16 W?" Tapezierer."MS Mittwoch, den 5. Juli, abends 8V- Uhr, in den Arminballen, Kammandaiitcnstrafie 80: Oeffentllehe Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Der Streik bei der Finna Jakob u. Braunfisch. 2. Die Maßregelung der Kollegen bei der Firma Kimbel u. Friedrichsen. Die Kollegen der Firma Krieg u. Görke sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. 1138b Der Vertraiieusmann: heo Schmidt, Schöneberg, Belzigerstr. 3, Achtung!"AZ BW" Achtung! Gürtler und Bronzeure. Montag, den 10. Jnll, In der Xenen Welt, Hasenheide: Sommerf'est. Konzert u. SPccialitäten-Vorstcllnng. Gr. Riefen-Land- u. Wasser- Feuerwerk. Um ö'/j Uhr: Zug der Kinder zum Riesen-Bonbonrege» Volks- und Kinderbelustigiiuge» aller Art, dazu drei Billets für Kinder 10 Pf. Von 6 Uhr ab: BALL. Entree 30 Pf. Vorverkauf 25 Pf. Kinder unter 14 Jahren in Begleitung Erwachsener haben freien Eintritt. 1012b Um red>t zahlreichen Besuch bittet_ Das Komitee. Deutsch-Wilmersdorf. Donnerstag, den 6. Juli, abends 8 Uhr, bei Herrn Witte, Bcrlincrstr. 40: Uolks-Uersammlnng für Frauen und Männer. T.-O.: 1. Vortrag Frau Dr. Llly Braun; Im JBnchthansknrs. 2. Diskusston. 3. Wahl einer Bertrauensperson. 4. Verschiedenes. 203/10 MU" Heute abend 8 Uhr isü beginnt bei der „ISlehtra", Prinzenstratze 55, ein neuer Abendkursus für Elektromouteure, Installateure, Maschi- nisten, Zeichner zc. Dauer 6 Monate, ohne Störung des Berufs. Honorar 6 Mark monatlich. Keine Vorkenntnisse erforderlich. Leichtfaßliche Lehrmethode(400 Demonstrations-Apparate). 70v Schüler besuchten die Anstalt seit 1. November v. I. Erfolg' garantiert. Praktischer Unter- richt 4 Monate. Eigene Licht- und Kraftanlage. Schluftprnfung. Diplomzeugniö zum Monteur. Stellnngsnachweis. Anmeldungen noch heut im Bureau. Prospekte und Lehrplan gratis. Telephon: Amt IVa, 6006 Schweizer Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am FriedrichShain. Täglich: Theater- unh Zpetiaittäten-Vorstellung. Auftreten des neuen Kiinstler-Enseinbles. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Oveiliskten im Vöde. Burleske mit Gesang in 2 Bildern. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: ESclBIa In Vorbereitung: Der Hatador von Klantschon. Int August sind noch zwei Sonnabende an Vereine zu vergeben. Max Kliems Sommer-Theater Hasenheidc 14-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. ISr Täglich: Croßes Artell-Mzert. � Theater- und Speeialitäten-Vorsteilttng. Auftreten des gesamte» Schauspiel- u. Specialitäten-Personals. Nur erstklassige Kräfte. Georg Fischer(Liedersänger), Karl Cursch(Tanz- Parodist), Erna Barnola (Kostüm-Soubrette), Vendaro-Trlo(Phänomenal), Fräres Roslnl(Equilibristcn), Mr. Leotardl(Antipode). Neues gediegenes Familien-Programm. Entree: Wochentags 20 Pf. 1 Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf. I Numerierter Platz 60 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Festsälen: Großer Ball."VB Die Kafsccküche ist geöffnet._ Mai Kllem. Puhlmanns Vandeviile- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: Konzert, Theater n. Specialitäten-Vorstellnng. Prater-Tlieater Kastanien-Allee 7/9, Täglich: Dorn» Resl. VolkSstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kostümsoubrette Fräul. Lude Sarow. Gebr. Mllardo, ©rot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Adoue u. Campton, Reckturner. Br. Plcardy, Hand- und Kopf- Equilibrist. Ballettgesellschaft Döring. Mr. Bertling, lebende Photogravhien. Konzert und Ball."MlS Eintritt wochentags und SonnragS 50 Pf., mim. Platz 50 Pf. Kalbo. RTBällschraieders „Kastanienwäldchen" Äoitjcrtfidi'tcu u. Prachtsäle Badstr. 16. Gesundbrunnen, Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grofser Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschrnleder. Osthahn-Park Hermann Imbs 71 NUdersdorser Straße 71, am K ü st r i n e r Platz. Täglich: Monzert, Theater- und Specialitöten-Borftelliiug. hur erstklassige Hummern. Anfang: Sonntags 4 Ubr. Entree 20 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Ansang: Wochent. 5 Ubr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Morddentsche Sltnger. Hermann Imbs, Direktor. TMmerthtllterMritllbll!! Bodstrasie 33/30. Regie: WIllv Reusche. Direktion: Max Mekeiburg. Heute sowie täglich: Konzert-, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Berlin wie's näht und trennt. Poffe mit Gesang und Tanz in 2 Akten von L. Elp. Nach der Vorstellung: Dali. In Borbereititng: Rose» ans dem Sude». Sommer- Theater ..Alter Dessliilkr" Artillerieftr. 3S. Inhaber: A. Eadcwlg. Schattigster Garten Berlins. Täglich: Theater und Specialitäten-Borstellnug. Zotialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. i|K&~ Versammluiiff"Wff am Dienstag, den 4. Juli, abends 83/4 Uhr. im Wedding-Kasin», Schnlstr. 89. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wagner über: Aerztliche Ehrengerichte. 2. DiSlusston. 3, Vereinsangelcgenheiten. 247/7 Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. NB. Die Bezirks- resp. Avteilungsführer werden ersucht, die Ztameit der über 6 Monate restierenden Mitglieder bis zum 12. Juli dem Haupt» kassierer, Genossen Tausche!, Wiesenstr. 29, zu übermitteln, damit der Vorstand in der Generalversammlung, welche Ende Juli stattfindet, einen genauen Bericht über den Mitgliederstand geben kann. Gleichzeitig bitte» wir den Beruf mit anzugeben, damit der Vorstand eine Uebersicht geben kann, wie viel Parteigenossen der einzelnen Gewerke ihren politischen Ver, pflichtungen nicht nachgekommen sind. MF Die Komiteemitglieder, welche beim Stiftungsfest thätig waren, werden gebeten, Mittwochabend 9 Uhr bei Tausche! zu erscheinen, um die Abrechnung zu prüfen. Den Bezirksführern zur Nachricht, daß die Gratis-Brofchüre über die„Zuchthaus-Vorlage" am Mittwoch von den Zahlstellen abgeholt werden kann. Für Moabit bei Pfarr; für Wedding bei Tauschcl. für Oranienburger Borstadt bei Schulz; sür Rosenthaler Vorstadt bei Bachgänger; für Schönhauser Vorstadt bei Augustin; für Gesundbrunnen bei Brinkmann. Berechtigt zum Empfang der Broschüre sind alle diejenigen Mitglieder, welche nicht über 3 Monate mit ihren Beiträgen im Rückstände sind. D. O. lleutslZltki'aoligl'bkitei'-Vki'bgnll. (E ahlstelle Berll n.) Mittwoch, den 5. Juli 1899, abends 8 Uhr: VkrlrllukilsmSiiilkr-VetsWMlittigen. IHOailit: im Lokale(früher Holzbächer), Turmstr. 84. Tages-Ordnung: Werkstattangelegenheiten und Verschiedenes. 107/4 In dieser Versammlung müssen sämtliche Werkstellen vertreten sein. Wedding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herrn Kaabe(Kolberger Salon), Kolbergerstr. 83. Tages-Ordnung: I. Bericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Werkstatt- uud Verbands- angelegenheitcn. Wegen Ausfalls der Bezirksversammlung ist jedem Mitgliede der Zutritt gestattet. Rosenthaier und Schönhauser Vorstadt: Schwedterstratze 83 bei Wernau. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Werkstatt-Kontrollkommission. 2. Verbands- und Werk- stattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünttlich eröffnet. OsteN NNd UardosteN: bei Mann. Strautzbergerstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Obmänner. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verbands- angelegenheiten(Wahl von Beitragssammlern). 4. Verschiedenes. Jede Werkstatt deö Bezirks muß vertreten sein. Uchinna I WnphnftiMl Bei Werkstattdifferenzen haben die Kollegen sich Äujiull!)! Vti)illU|llU. an den Obmann F r i tz K ö N t g, Greifswalder- straße' 218, Hof II, zu wenden. Südosten: bei Bantenbcrg, Oranienstr. 180. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns über die Thätigkeit der Kontrollkommission. 2. Werkslattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Besonders eingeladen sind die Vertreter der folgenden Werkstätten: Spahn, Adalbertstr. 72. Seidel, Görlitzerstr. 39. Schulz, Reichenbergerstr. ST. Daniel, Köpnickerstr. 176. Dltten, Skalitzerstr. 119. Rux, EisenbaHnstr. 11. Hansen, Ratiborstr. 18. Schlitze, Skalitzerstr. 10. SÜdtN: bei Krieger, Wasserthorstratze«8. Tages-Ordnung: 1. Vortrag:„Welche Gefahren drohen unserer Organisation durch die neue Zuchthausvorlage." 3. Bericht der Kommission. 3. Werkstattangs- legenheiten. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Werkstelle von Brandt, Dieffenbachstraße, eingeladen. Die Verttauensmänner der Bauwerkstellen werden ersucht, sämtlich zu erscheinen. Westen und Südwesten: b-»-üben. 8i«be«ftr. 10«. Tages-Ordnung: 1. Werkstattangelegenheiten. 2. Verschiedenes.— Anfang 8V, Uhr. Mnsikinstrnmenten-Arbeiter im Lokale des Herrn Eubeil, Linden Stratze 106. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtigen Streiks und die obligatorische Einführung der wöchentlichen 10-Pfennigmarken. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünttlich eröffnet. Jede Werkstatt muß ver- treten sein._ Modell- und Fabrik-Tischler bei Herrn Dieke, Ackerstr. 183. TageS-Ordnung: 1. Welches sind in Anbettacht der günstigen GefchäftSIonjunktur unser« nächsten Aufgaben? 2. Verschiedenes.— Anfang 8V, Uhr. Kollegen! Die Verhältnisse in unserer Branche erfordern eS, bah jOe Werkstatt vertreten sein muß. Parkettbodenleger � te" Moabit» Sgtf Versammlung."ML TageS- Ordnung: 1. Bericht der Vertrauensleute betreffs deS AbladenS und wann schaffen wir dasselbe ab. Kollegen, es ist Eure Pflicht, daß Ihr alle in dieser Versammlung erscheint_ Achkung! Drechsler. Nchkung: D.: bei Mühle, Kophenstratze 41. ST.: bei Hoppe, Ackerstr» tze 143. SO., W. imbSW.: bei, Metzner, Oranienstratze 184. Die Kollegen der Werkstatt von Marzahn, Bergmannstt. 91(Dreckw�r. Tischler und Stellmacher), sowie die Drechsler des Tischlermeisters Rai,, Köpnickerstr. 169, sind besonders eingeladen. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Die bevorstehende Wahl des G-sellenauSschusses zur Zwangsinnung. 2. Bericht der Obmänner des Bezirks über ihre Thätigkeit und Werkstatt! angelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten.— Abends 8»/- Uhr. Kollegen! In Anbetracht der Wichtigkeit des erüen Punktes ist es dringend notwendig, daß jede Werkstatt durch einen Vertrauensmann ver- trete» ist.— Bekanntmachung des Wahltages zur Zwangsinnung. Textilarhelter U. Arheiterinnen Charl o t te aburgs. Dienstag, 4. Juli, abends 8 Uhr, H der Gaiubrinus-Branrr. Wallstr. 9-.- Oeffentliche Bersammlmilk. Tages-Ordnung: 1. Die Arbeitseinstellung bei der' Firma Gebauer. Diskusslou. 2. Wahl von 2 Delegierten zum Gewerkschastskartell. 3. Verschiedenes. Die Agitationskommission. Verantwortlicher Redacteur: August Jaeobel» w Berlw. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. 5t. 153. 16. 2. KkilM ilks Jotmürtf Iniinn lollisMntt. Diensinz. 4. Inli 1899. Die Massenaussperrmtg in Dänemark. Kopenhaiten, den 2. Juli 1899. DaS zur Einigungskammer erweiterte Schiedsgericht hielt gestern seine erste Sitzung ab; diese wurde vormittags 1/iii Uhr eröffnet und dauerte bis nachmittags S Uhr. Die Regeln für die Zusammensetzung und die Arbeit der Einigungslammcr sind im wesentlichen folgende: Die Einigungskammer bilden die sieben Mitglieder des Schieds- gerichts, nämlich: Der Universitätsprofessor D cuntzer als Vorsitzender; als Mitglieder der Arbeiter: Landsthings- Abgeordneter C. C. Andersen, der Vorsitzende des dänischen Maurcrverbandes H. R a s- muffen soivie der Folkethings-Abgcordnete Gustav Philipsen (die beiden erstgenannten gehören der Organisation der Arbeiter an, während letzterer, welcher zur liberalen Partei gehört, außerhalb steht); als Mitglieder der Arbeitgeber: Unternehmer M o n- berg, Malermeister Hansen und Direktor Brümsen(die beiden erstgenannten als Mitglieder des Arbcitgebervercins, letzterer als außerhalb stehend). Um die Sache vor der Einigungskammer zu prozessieren, ernennt sowohl der„Arbeitgeberverein" als„Die zentralisierten Gclverkschaftsverbände" jeder drei Delegierte. Wenn diese sechs Delegierten darüber einig werden, können sie die Einigungskannncr mit vier weiteren Mitgliedern verstärkt verlangen, nämlich zwei für die Arbeitgeber und zwei für die Arbeiter. Diese vier Mitglieder, welche„Vertrauensmänner" genannt werden, haben dann ihren'Sitz in der Einigungskammcr mit denselben Rechten nnd denselben Aufgaben, wie die ursprünglichen 7 Mitglieder. Wenn diese letzteren darüber einig werden, können sie außerdem die Kanimer mit weiteren 2 Mitgliedern verstärken; dieses hat jedoch bis jetzt noch nicht statt- gesunden. Die Hauptregeln für die Behandlung der Sache vor und von der Einiginigskammer sind folgende: Zuerst sollen die von den Arbeitern' resp. Arbeitgebern gewählten Delegierten ihre Klagen und Forderungen aufstellen. Die Einigungs kammer soll dann einen Vergleich herbeizuführen suchen, um eine Grund läge zu haben, auf welcher der Streit abgeschlossen werden kann. Wird eine sollbe Einigung nicht erzielt, soll die Einigungskammer ein Veto abgeben, welches zum Abschluß des Streites führen kann. Ein solches Veto kann jedoch nur abgegeben iverden, wenn zwischen sämtlicken Mitgliedern der Kammer. mit Ausnahme des Vor- srtze nd en, eine Majorität dafür ist. Wenn nun sämtliche Delegierten der Arbeiter denjenigen der Arbeitgeber scharf gegen- überstehen, darf der Vorsitzende seine Stimme nicht abgeben, sondern er hat nur zu erklären, daß das Veto nicht abgegeben werden kann. Wenn ein Veto abgegeben wird, soll dieses den beiden Parteien »nitgeteilt werden, und diese haben dann innerhalb einer näher fest- zusetzenden Frist zu erklären, ob sie sich fügen wollen. Wird eine solche Erklärung von einer oder der anderen Partei nicht abgegeben, gilt dieses als ein Beweis dafür, daß sie sich dem Veto n i � � fugen will. ~af Veto führt also keine Verpflichtung für die Parteien mit sich, daß sie sich ihm unterwerfen, sondern der Streit kann trotz dem abgegebenen Veto sehr lvohl fortgesetzt werden. Wird ein solches nicht erzielt, ist es selbstverständlich, daß der Streit ebenfalls fortgesetzt wird. Außer den schon genannten 7 ursprünglichen Mitgliedern des Schiedsgerichts besteht die Einigungskammer aus folgenden Ver- trancnsmännern: Für die Arbeiter: Folkcthings-Äbgeordncter Jensen aus Jütland und der Vorsitzende des dänischen Zimmerer- Verbandes, Petersen. Für die Arbeitgeber: Maurermeister tfufsing und Obcrgcrichtsadvokat Bus ch. Die gestrigen Verhandlungen bestätigten vollauf, was wir er- wartet haben, nämlich daß die Arbeitgeber um jeden Preis die Aus spcrrung so lange aufrechthalten wollen, bis sie die Arbeiter so aus gehungert glauben, daß sie sich dem kapitalistischen Sklavenjoche voll ständig unterwerfen. Von feiten der Arbeiter wurde die Forderung gestellt, daß die Aussperrung sofort aufgehoben werden solle, und daß mau dann über die Streitpunkte verhandeln könne, welche die Arbeitgeber und Arbeiter scheiden. Diese Forderung wurde jedoch von den Arbeitgebern einfach verworfen. Dieie stellten dagegen eine Reihe von Forderungen ? 0,h'e'.l�e den Zweck haben, teils die Organisation � iter als Schutz ihrer Interessen unmöglich zu machen, teils die einzelnen Arbeiter durch erniedrigende Kontrakts- und Reglemcntsbestimmnngcn zu willenlosen Sklaven zu machen. Und diese Forderungen waren noch dazu nicht alles, was sie durchgeführt haben wollten. Zum Beispiel wollten sie an die Arbeitgeber in der Provinz schreiben, um zu erfahren, ob diese vielleicht noch mehrere Forderungen zu stellen wünschten. Einen kräftigeren Beweis dafür, daß die Arbeitgeber mit einer an Scham- losigkcit grenzenden Frechheit die Sache in die Länge zu ziehen suchen, um die Arbeiter auszuhungern, braucht es nicht. Die gestrigen Verhandlungen gaben doch auch andere Beweise in derselben Richtung. Als die Delegierten der Arbeitgeber erklärten, daß sie sich nicht dazu verstehen wollten, die Aussperrung sofort aufzuheben, erklärten die Vertreter der Arbeiter. daß sie. unter Hinweis auf das Urteil des Schiedsgerichts ,_ wonach die Aussperrung ein Bruch von be- stehenden Verträgen sei, diese als nicht mehr geltend ansehen könnten mit Rücksicht auf die Bestimmungen betreffend Verhandlung mid Schiedsgericht. Als Bedingung für die Errichtung von neuen Ver- trägen verlangten sie d i e Durchführung d e s 9 st ü n d i g e n Arbeitstages in Verbindung mit einer mit der Verkürzung der Arbeitszeit übereinstimmenden Erhöhung deS Stundenlohnes. _ Unter diesen Verhältnissen wurde gestern selbstredend kein Resultat erzielt. Dagegen wurde auf Dienstagvornnttag 10 Uhr eine Sitzung anberaumt. Diese wird doch ebenfalls resultatlos ver- laufen, indem die gestrige Sitzung es einleuchtend gemacht hat, daß die Arbeitgeber den Kampf um jeden Preis fortsetzen wollen. Die Ausgesperrten werden dann genötigt sein, im Kampfe anszuhaltcn und wir hoffen, daß uns dieies gelingen wird mit Hilfe der Unter- stiitznng, welche wir von den Genossen im In- und Auslände er- warten. VevP»ntlnl ungcn. Im Wahlverrin deö dritten Wahlkreises sprach am 30. Juni dieses Jahres Genosse Heine über Bernsteins neueste Schrift. Redner erörterte zunächst die Kritik Bernsteins an der materialistischen Geschichtsauffassung, und betonte, daß die von Gegnern gegen die Marxsche Gcschichtsphilosophie erhobenen Vorwürfe hinfällig wären, sobald man sich klar machte, daß der„Materialismus" in ihr nichts sei als die Alltvendung der naturwissenschaftlichen Methode aus ge- scllschaftlichc Erscheinungen. Redner berührte dann in kurzen Worten den Streit über die Dialektik und forderte, daß unterschieden werde zwischen der Dialektik im Sinne der Auffassung der Dinge in ihrer Entwickelung, was die Auffassung der gesamten modernen Nawr- und Geschichtswissenschaft sei, und der Dialektik als einer bestimmten Form, Gedanken zu entwickeln. Bon der letzteren zu behaupten, daß sie unentbehrlich und die spccifisch proletarische Denkweiseffei, entspreche nicht den Thatsachen. Freilich häbe Bernstein ihn auch nicht über- zeugt, daß gerade die Anwendung dieser logischen Methode Marx und Engels zu Fehlschlüssen � Erführt habe. Einen wesentlichen Punkt der Theorie berühre Bernsteins Kritik des Wertgesetzes. Wenn Bernstein statt mit dem Mehr wert im Marx- scheu Sinne mit dem Begriffe des Mehrprodukts operieren wolle, so leite ihn dabei nicht die Absicht, den Schlußfolgerungen Marx' de» Boden unter den Füßen wegzuziehen, sondern viclniehr die Absicht, einen sinnlich greifbaren Vorgang an Stelle eines abstraften Bc-' griffs einzuführen, und sie dadurch besser zu begründen. Im übrigen müsse Redner diese Frage den Fachökonomen überlassen. Wichtiger als diese theoretischen Deduktionen sei es, zu unter- suchen, wie sich Bernstein zu dem praktisch-socialdemokratischen End- ziele stelle. Bernsteins zugespitzter Satz:„Die Bewegung ist mir alles, das Endziel nichts", sei der Anfang des Streites gewesen. Redner forderte scharfe Unterscheidung zwischen dem Endziel als Idealbild, das unbewußt in den Menschen als Ausdruck ihrer Be- dürfniffe im Gegensatz zu den Leiden der Gegenwart entstünde, und dem Endziel als Ergebnis wissenschaftlicher Feststellung des zw künftigen gesellschaftlichen Zustandes. Durch Aufstellung eines idealistischen Endziels sei zwar nicht bewiesen, daß es erreichbar sei, aber doch sei ein solches Ideal von unendlichem Werte, insbesondere für die Stärkung der Willenskraft. Darin liege die große reale Bedeutung der menschlichen Hoffnungen. Im Gegensatz hierzu sage uns das wissenschaftliche Ideal, was sein wird. Hier fehle die treibende Kraft auf den Willen. Beide Betrachtungsarten müßten einander ergänzen, indem die Wissenschaft liche Forschung uns sagen könne, ob das Znkunftsjdcal ausführbar sei, und wie wir uns praktisch dem e r st r e b te n und erwttnschten Jdealziel nähern könnten. Bernstein überschätze die theoretische, wissenschaftliche Betrachtung des Endziels etwas, doch sei ihm immer- hin zu danken, wenn er uns zu erneuter wissenschaftlicher Selbst- kritit gezwungen habe. Redner behandelte dann die Frage, zu welchen Resultaten die Bernsteinschen theoretischen Untersuchungen im einzelnen führten. Da sei zunächst das schon bis zum Ueberdruß erörterte Schlagwort von der Verelendung. Hier renne Bernstein offene Thürcn ein. Anscheinend habe auch Marx niemals eine absolut zu- nehmende Verelendung behaupten wollen. Anders steht es mit dem Satz von der steigenden Proletarisierung der Massen und deren Gegenstück, der Konzentration des Besitzes und der Betriebe. Bernstein verkenne, daß es darauf ankomme, die prolctarisicrende Tendenz der heutigen Verhältnisse festzustellen, welche mit einer Hebung der Lebenshaltung und der Einkommen wohl vereinbar sei. Diese prolctarisiercnde Tendenz könne in den gelehrten Berufen, wo die Unsicherheit der Existenz immer schärfer hervortrete, und in dem Kleinunternchmcrtum nicht verkannt werben. Ein solcher Kleinunternchmer ist trotz seiner scheinbaren Selbständigkeit ein Proletarier, weil er von dem Großkapital ab- bängig und in völlig ungesicherter Lebenslage sei. Die richtige Fragestellung sei allein die: Vermehrt sich die Zahl derer, die an der Äufrecht'crhaltung der heutigen Gesellschaftsordnung ein Interesse haben oder nicht?— Daß diese Frage im letzteren Sinne zu bcant Ivorten sei, könne keinem Bedenken unterliegen. Es werde nun gestritten, ob wir in die zukünftige Gesellschaft durch eine nahe bevorstehende uns unmittelbar zum Siege führende Katastrophe oder durch eine lange Reihe von Katastrophen gc- langen würde», oder ob die neue Gesellschaft friedlich ans der allen herauswachsen würde. Der Glaube an eine nah bevorstehende Vollendung unserer Hoffnungen habe die Wahrscheinlichkeit und die geschichtliche Erfahrung gegen sich. Die beiden anderen Möglich- keiten seien beide mit umerem Princip vereinbar, doch thäte man gut, das Prophezeien überhaupt zu unterlassen. Bernstein habe sich durch die Mißerfolge der Revolutionsprophcten nicht abhalten lassen, eine Entwickelung durch friedliche ffRcfornien Ivic ganz sicher vorauszusagen. Redner halte diesen Optimismus für zu weit gehend. Bernstein überschätze die liberalen Parteien und übersehe, daß ihre Führer weit liheraler seien, als die hinter ihnen stehenden Massen. Die liberalen Ideen würden in der Hauptsache w i r ver- treten müssen. Ebenso unterschätze Bernstein die Macht nnd Bosheit der Reaktion. Das feudale und industrielle Junkertum treibe darauf hin, die Arbeiter rechtlos zu machen und sie auf den Standpunkt eines Kulitum? herabzudrncken. Wir müßten mit der Möglichkeit rechnen, daß dies vielleicht auf Jahrhunderte hinaus gelingen könnte, denn. dergleichen sei in der Weltgeschichte öfter vorgekommen. Allerdings würde das der Untergang der deutschen Nation sein, aber herrschenden Klassen sei es stets gleickgiltig gewesen, ob sie ihre Nation vernichteten, wenn sie nur ihre Herrschaft für einige Zeit verlängerten. Zum Schluß erörtert Redner die Frage' deö gewaltsamen Um- sturzcs der Gesellschaftsordnung. Zur Zeit des Kommunistischer Manifestes habe man unzweifelhaft damit gerechnet. Marx und Engels seien die ersten gewesen, die die Unmöglichkeit erkannten, nicht ans irgend welchen sentimentalen, sondern aus rein praktischen, nüchternen Erwägungen. Und Ivir folgten ihnen hierin. Schon ans rein technisch-militärischen Gründen sei es thöricht. mit dem Gedanken der socialdemokratischcn Revolution zu spielen. Man würde damit nur die Geschäfte der Gegner besorgen. Redner hob hervor, daß Bernstein auch in dieser Beziehung nur vertrete, was in der Partei längst anerkannt sei, ivie er denn über- Haupt betone, keine Aendcrung der praktischen Programmpunkte, keine neue Taktik zu wollen. Bernstein wolle aber eine Aenderung des Tons, eine Enranzi- pation von den hergebrachte» Phrasen. So sehr er damit für das Gebiet der Wissenscha'ft recht habe, so unentbehrlich sei das prägnante, zusamnienfassende, überall sofort Verständnis findende Schlagwort in der Politik. Es sei ein ganz unglücklicher, am Schreibtisch ausgcdachtcr Einfall, wenn uns Bernstein riete, uns nicht mehr eine„revolutionäre" sondern eine Reforn, Partei zu nennen. Was wir unter„revolutionär", verständen, wüßte jedermann, unter Reform verstehe man— gleichgültig. ob mit Recht oder Unrecht— allgemein ein Vorgehen, dem Energie und guter Wille mangelten. Am Namen liege sehr viel, er sei für eine kämpfende Partei das. was für den Soldaten die Fahne. Ihn aufzugeben, würde uns schaden, und nicht, wie Bernstein glaube, jemand versöhnen, denn die Gegner fürchteten sich ja gerade vor friedlichen„Ncfonninaßregeln", nämlich wenn wir sie in die Hand nehmen. Redner schließt mit der Bemerkung, daß wir keine Veranlassung hätten, die bisher verfolgte Praxis nach irgend einer Seite hin zu ändern. In der Diskussion sprachen die Genossen Wilhelm. Fensch und Paul Jahn. Der Referent betonte im Schlußworte noch die Notwendigkeit der Einigkeit zur Zeit der reaktionären Anschläge. Die Versammlung wurde um 3 AI Uhr mit einem Hoch ans die Social- dcmokratie geschlossen. Der Fachvcrcin der Holz- und Bretterträger hielt am 30. Juni eine öffentliche Versammlung bei Möhring, Märkischen Hof, ab. Zur Lohnbewegung wurde beschlossen, daß überall da, wo die Forderungen nicht bewilligt iverden, die Arbeit einzustellen sei. In der Versammlung der selbständigen Herren- und Knabcn-Koufekttonöschcidcr am 24. Juni, woselbst Herr Wag euer über die Z u ch t h a u s v o r l a g e referierte, wurde einstimmig Protest erhoben gegen eine derartige Gesetzesvorlage. Die Töpfer Berlins(lokaler Richtung) hielten am 29. d. M. eine öffentliche Versammlung ab, in der T h i e m e namens der Konimission, die mit de» Vorarbeiten zur Lohnbewegung betraut ivar, Bericht erstattete. Die Versammlung erklärte sich gegen eine Stimme mit den Vorschlägen der Kommission einverstanden. Die gefaßten Beschlüsse solle» gedruckt und jedem zum Streikfonds bei- steuernden Kollegen zugestellt werden. Als Revisoren für die bc- lebende Kommission wurden Glas und Hofft gewählt. Eine Resolution, die ein gemeinsames Vorgehen der centralen und lokalen Richtung bei einer cvent. Lohnbewegung wünscht, gelangte nach längerer Debatte, an der sich auch der Maurer Kater im Sinne der gestellten Resolution beteiligte, einstimmig zur Annahme. Ent- gegen dem Beschluß der öffentlichen Töpfcrversammlung vom 22'. Juni. durch welchen dem Kollegen Topf der Auftrag zu teil ward, die auf der Deutschen Bank niedergelegten 790 M. abzuheben und den Maurern Berlins zu überweisen, wurde folgender Antrag ebenfalls einstimmig angenommen:„Die Versammlung beschließt, die bei der Deutschen Bank deponierten 790 M. dort zu belassen nnd diese Summe nur der Lohnkommission bei einer eventuellen Lohnbewegung der Töpfer Berlins zur Verfügung zu stellen." Die Mitglieder- Bersammluug der Filiale l(Putzer) des Centralverbaudes deutscher Maurer, die am Sonntag, den 2. Juli, in den Arminhallen tagte, beschäftigte sich mit der Ein- führung der Tarifgemeinschaft(korporativer Arbeitsvertrag) bei den Putzern. Nachdem Schulz den Wert solcher Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern klargelegt hatte, teilte er zugleich mit, daß von feiten des Gcwerbegcrichts der Wunsch an die Putzer gerichtet sei, etwaige Wünsche betreffs Lohn- und Arbeits- bedingnngen bis Mittwoch daselbst einzureichen, um eventuelle Ver- einbarungen mit den Unternehmern in die Wege zu leiten. Die Versammlung sprach sich dahingehend aus, daß es an der Zeit sei. die Accordar'bcit mit ihren begleitenden Mißständen aus der Welt zu schaffen. Es soll jedoch am Dienstag, den 4. Juli, eine öffentliche Versammlung der Putzer stattfinden, um weitere Wünsche und diesbezügliche Bestimmungen zu beraten und dem Gcwerbcgcricht zur weiteren Unterhandlung mit den Unternehmern unterbreitet werden. Die Putzer werden daher ersucht, am Dienstag(heute) alle zu erscheinen. Charlottcuburg. Hier fand am 29. Juni eine öffentliche Ver« sammlung der Maurer statt. Schulze referierte über:„Unsere Aufgaben auf Gnmd des jetzigen Einigungsvertrages". In der Dis- knssion bemängelten einige Redner den Einigungsvcrtrag. Der Streik sei zu früh beendet; wenn wir länger gefircikr, hätten ivir, wenn auch nicht 65 Pf., so doch mindestens 62Vz Pf. erringen können. Dieses wurde sowohl vom Referenten als auch von anderen Redner» für nicht so wahrscheinlich gehalten, vielmehr darauf hingewiesen, daß wir das erreicht haben, wofür die Maurer hier in Berlin sckon jahrzehntelang gekämpft haben, und das ist die Anerkennung der Organisation. Nun würde ja von verschiedenen Seiten gegen die Einigung geschimpft, aber es werden keine Vorschläge gemacht, wie es denn hätte eigentlich anders gemacht Iverden sollen. Beschlossen wurde hierauf, für den Streik« fonds jetzt wöchentlich das zu zahlen, was die Berliner Kollagen beschließen werden zu zahlen. Schulze wurde hierauf in die 18er- Koinmffsion gewählt. Nachdem ein Bauarbeiter an das Solidaritätsgcsühl der Maurer gegenüber den Bau-Lohnarbcitcrn appelliert nnd die Zusicherung der Solidarität erhalten, wurde die gut besuchte Versammlung um 12>/2 Uhr geschlossen. FriedrichSfcldc nnd Umgegend. In einer gut besuchten Ver- sammlung. welche am 22. Jum iin Lokal des Herrn Bube stattfand. referierte Genosse T h. M e tz n e r über das Thema:„Gleiches Recht für alle". Redner erntete wohlverdienten Beifall. Nach kürzer Dis- kussio» wurde die Versammlung geschlossen. Berein selbständiger Fcnsterpntzer. Heute, abendS 8 Uhr, bei Mchrwald, Alte Jakobstr. öi/hb: Sitzung. Bureau- Angestellte aller Branchen. Heute, abends Uhr: Oeffentliche Versaininlung in den Ariniuhalle», Kominalldautenstr. �9. Tagesordnung: 1. Unsere Forderungen au die Gesetzgebung und der Reichs- tag. Referent: Kollege Bauer. 2. Beratung über-ine an den ReichStug zu richtende Petition. Briefkasten der Redaktion. Tie iuristische Sprechstunde wird Dicustagö, TouucrStagö und Freitags abends tion 6 bis 8 Uhr abgehalten. Winkeliliaui«. Ja.— 6). F. O. Das darf er nicht.— Ocste U. Die Beiträge erhalten Sie nicht zurück.— F. M. 100.. Wie wiederholt dar- gelegt, sind Sie nicht verpflichtet, an die Pleitelafle. Zahlung zu leisten. In- dessen besteht hierüber Streit. Sie thun gut, der Kasse initzuteilen, daß Sic wiederholt Ihre» Austritt erklären, und sich an Rechtsanwalt Herzfeld, Markgrascnstr.(52, zu wenden, der viele ebenso wie Sie Heimgesuchte ver» tritt.- A. W. Die Verpflichtung liegt vor.- H. Albrccht, Töustedt. l. Sie wenden sich an die ans den-S»amten ersichtliche AnfsichtSbehördz id. i. dort wohl der Landrat). 2. Die Beranlagung ist an sich gerechtsertigt. Menz, Wart» Ihrem mündlichen. Mietsvertrag, in dem eine Miete unter ISO Mark vereinbart war, die Dauer der Mictszcit nicht bestimmt, aber doch her Betrag der Miete nach einem gewissen Zeitraum(z. B. monatlich, jährlich) bemessen, so kann, falls monatlicher Bewag vereinbart war, ipätestepö zum 15. jeden Mona», falls jährlicher Bertrag vereinbart war, spätestens in den ersten 3 Tagen des Quartals, im letzten Falle aber mir zum Schluß des Mictsjahres gekündigt werden.— 250 Dbut. De» Wirt muß noch besonders kündigen.— F. B. 43. 1. Uns nicht möglich. 2. Nein, nur für die Dauer des Empfanges und ein Jahr später. — E. W. 20. Das Gesetz setzt keine bestimmten Stunden fest, innerhalb deren die Wohnung zur Bcsicbligung sür Atictslustige freigestellt werden muß. Entscheidend sind hierfür in erster Reihe die Bereiubarungcn im Mictsvertrag. Fehle» solche, so hat man zur ortsüblichen Zeit die Wobiumg Mietslustigcn zur Besichtigung freizustellen. Als ortsübliche Zeit wird in Berlin die Zeit von v bis 6 Uhr erachtet.— I. L. Leider nein, sprechen Sie doch mit dem Bescheid gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor, um zu sehen, ob nichl doch etwas zu machen nnd ob der Fall sonst verwendbar ist. — A. 1022. Der Vater hat die Kosten nicht zu zahlen.— M. Rein. - U. W. 22. Ohne Einsicht in das Statut ist Ihre Frage Über Aus- legung des Statutentuhalts nicht zu beantworten.— Paul H. Sind in einer Fadrikordnung Strafen vorgesehen, so muß die Fabrikordnung auch Bestimmungen über den Zweck, zu dem die Strafgelder verwendet werden sollen, citthaltcu. Der von Ihnen angegebene Zweck ist zulässig.— Schulz, Was„Hazardspiel" ist, ist vom Richter von Fall zu Fall zu entscheideis, tir die Beurteilung der Frage kommt iiiSbesoiibcre in Betracht, ob de» Zufall allein oder doch überwiegend entscheidet und ob nach den besonderen Uniständen des Falls der Wert des Spielgegenstandes für die Spielenden sa liiierhcblich ist, daß deren Absicht nicht als dahingehend zu erachten ist, cincii Bermögensvortcil zu erlangen.— B. T. Rein.— H. B. 47. Nein. — F. S. 100. Ihre Frage ist längst mit„Ja" beantwortet.— B' SS. Daß Ihnen das Portemonnaie gestohlen sei und wer es gestohlen hat, läßt sich aus Ihrer Darstelluiig nicht mit Sicherheit bezeichnen. Jedenfalls dürfte Ihr das Krankenhaus bettcffendcr Verdacht migerechtfertigt sein. Die einzige Möglichkeit, den wahren Sachverhalt zu eruiren, wäre eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft.— A. Z. Ohne mündliche Darlegung deS Sachverhaltes Nicht zu bcniitwortcn. Sprechen Sie in der junstischen Sprech- stunde vor.— Luise St. S christliche Antwort erteile» wir nicht. Dt« Ehescheidung ist möglich, müßte aber noch vor dem 1. Januar 1900 zu Ende geführt werde».— W. Z. Dank. Besten Gruß.— Gruft Tschiriner Görl. 1. Der Antrag ist auf ein Jahr gültig und verlängert sich, iveiin nicht rechtzeitig, d. i. spätestens 6 Wochen vor Ablauf gekündigt wird, um ei» Jahr. 2. Darüber bestehen ieiiie Sondervor« schristeji. Es bleibt Ihrer Schwägerin nur übrig, sich bei derPolizei zubeschweren. — R. 1. Ja. 2. Rein. 3. Ja. 4. Rein. ö. Sttafbarkeit würde nur vor- liegen, wenn die Echtheit der Unterschrift van Erheblichkeit wäre.— A. I» Stein: Sic würden niit Ihrem Anspruch nicht durchdringen, weil der Zu» stand bereits seit 7 Jahren unbeanstandet besteht.—�0 M.an. Sophaftoffe auch DM" Nestv in Mips, Damast. CrSpc. Phantasie,(itubelin und _ Plüsch fpoitbillig![IBOQii« Proben Dane»!"VQ Wrtiifci'ftiiffe in allen Qualitäten «llllsttllvsst zu Fadrikpreisen. Emil Leievre, dir. IÜS. Bi| M. Bnt S« Pik. | 2 U. Albrcclit's Bäckerei* Wrangelstr v. Krautstr 1». Falckensteinstr. S8. LausiNerftr. S» Is Fahrräder! von 88 AU» an Baer Sohn Chausseestr. 24a. Falirräder-Tellzahlung direkt ans der Fabrik mähige Anzahlung, coul. Teilzahlung @(0- 1 Jahr fchtiftl. Garantie. IJBO 33. Oranienstr. 33.[21868* I auf Teilzahlung. J. Kellermann, Prinzenstr.O?. parterre. 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