Sozialdemokrat Tentrtzlorga» der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag tiiglich frkh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion u. Verwaltung: PragXII., Fochova 82— Telephon 83077:— Herausgeber: Siegfried Taub— Derantw. Redakteur l. B.: Zdenko Neuwirth, Prag 17. Jahrgang Donnerstag, 22. Juli 1937 Ku» dem Inhalt: Sudetendeutsche Muttertragddle Christliche Front gegen das Dritte Reich Die Madrider Offensive Franco läßt hinrichten Bela Kun verhaftet Nr. 170 Der Beschluß Uber die Gemelhdewahlen Prag. Zur Frage der Wahlen in die Ae- mrinden und in dir öffentlich-rechtliche» Jntrref- scnorganisationcn, sowie zu de» mit dieser Angelegenheit zusammenhäugeude» Beschluß der Ministerratssitzung am- Mittwoch erhält das Tschrch. Pressebüro folgende Informationen: Der Ministerrat beschloß auf Gründ des Borschlages des politischen Ministerkomitees, daß die G e m e i n d e w a h l e n etappenweise vorgenommen werden sollen. Die Wahlen tverdcn etappenweise ausgeschrieben werden, vor allem mit Rücksicht auf die ablaufende FunktionS- periode und nijt Rücksicht daraus, daß den G e- inrindewahlen dcr politisch« Charakter genommen und daß fernes: ihre Wirksamkeit auf dem Gebiete der Ge- meindeantonomie im Sinne und im Geiste der Gesetze über di« Lokalverwaltung gestützt werde. Die Regierung befaßte sich auch mit der Frage der.Wahlen in die öffentlich-rechtlichen Jiitereffenorganisationen und in die sozialen Institutionen. In dieser Hinsicht ist zu konstatieren, daß die Wahlordnung«» in die AnsallSversicherung und die lqntppittschäftlichen Kammern In der Form von R ess ortv o rsch l ä g e n zur Behandlung in der Regierung vorbereitet sind. Di« Wahlordnungen ist. die übrige» Jnstitutimien und die Handelskammern blldm noch den Gegenstand, vog Berhandlimgeii zwischen de» betreffende» Ministerien unh den" Interessenten. •.>?' ^ür heütr ist eine Preffekundgebung de» Ministerpräsidenten angeküüdsgt.'Die Arbeite» der Regierung sind durch den gestrigen Ministerrat ist shren, unmittelbar notwendige» Punkten erledigt. Mitch den jetzigen Dispositionen werden die Herbstsitzungen der' Regierung nach. der Rückkehr': deS Ministerpräsidenten aus Karpatho- rußland, wo er einen' offizielle» Besuch abstatten wird, im Laufe de» Septembers wieder aufge- nommen werden. Bür tzieftr Zeit«erden als» dir EUtschrldungen über die WirtschaftS. und Finanz- fragett,' die mit dem Staatsvoranschlag für daS kommende Jahr' zusammenhängen, aber auch dir stährrrst DiStzSsitionr» über Wählen nicht getrof- jeniwerdem-j Gleichzeitig wurde die Vereinbarung der Mit glieder-er Regierung ühtzr'die gegenseitige Ber- Ministcrkomiies.- rrMß^M^lwek'SiöHWPij"W'sVlsWM^'DKM'M^M^bicht^'ls°e'^rkerlszM' in deren Statuten und neben einige» anderen unerläßlichen Maßnahmen auch die Richtlinien für die Bestellung der Kommt s s i o it ä t c der Getreidegesellschaft und die Festsetzung ihrer Einkaufsrayons. Es wurde» gleichfalls die Richtlinien, betreffend die Sanktionen auf Grund des 8 4 der Regierungsverordnung, Nr. 221 Slg. d. G. u. B„ vom Jahre 1988 über di« Regelung des Anbaues vöi?Weizen, Korn, Gerste 'und Hafer, für jene Fälle genehmigt, in welchen landwirtschaftliche Unternehmungen dieser sich auf die Einschränkung der Saatflächen beziehenden Verordnung nicht Folge leisten. Im Hinblick darauf, daß in der Tschechoslowakischen Getreidegesellschast die zur Festsetzung der Getreidcpreise notwendige Vereinbarung nicht erzielt wurde, welche dann der Finanzminister mit dem Landwirtschaftsminister kundmachen würde, setzt« die Regierung d i.e Preisefür Brotgetreide *f e st, u. zw. gemäß den: Vorschlag des engeren Zusammensetzung'der' engeren MknisteckointttS für die Vorbereitung der Behandlung deb':'einzelnen Gruppen der RcgierungSarbeiten zur Kenntnis genommen. . Hieraus ging der Ministerpräsident zur Behandlung der Maßnahmen über! die von feiten der Stäatsverwältung für die Regelung des Handels'mit Getreioe, Mühlenprodukten und Futtermitteln in der bevorstehen'-en Wirtschaftsperiode erforderlich sind. Gemäß dem Bericht uüd den Anträgen aus den vorhergcgangenen Beratungen der enteren MinisterkomitöS'wurden sodann die Grundsätze des Vertrages des Staates mit'der'Tschechoslowakischen Getreide»« s e l'l s ch a f t genehmigt, ebenso wie einige Aenderunge» RessottS über die Regelung des Vorgehens bei 8er Durchführung des BcwilligungsverfahrenS für die Holzausfuhr sowie der Rechnungsabschluß deS Holzsyndikats vom Jahre 1986 genehmigt. Der Bericht über die Regelung des handelspolitischen Verkehrs mit Griechenland wurde zur Kenntnis genommen. Die Regierung betraute den Innenminister damit, die's u kz c s si v c D u r ch f ü h r u ng der G e m e i n d e w ä y l e n mit Rücksicht,auf die Interessen der- Gemeindcauionomie und. in der Reihenfolge v o r z u b c r e i t c n, in welcher ihre'Funktionsperiode abläuft. Außerdem.würde eine Reihe, laufender administrativer, wirtschaftlicher und Personalangelegenheiten erledigt. iconkereni Dr. NodLes mit den deutsche» Ministern Prag. Dr. Milan HodZa konferierte im Rahmen seiner Verhandlungen über die Arbeitsund programmatische BastS seiner neuen Regierung DienStag nachmittags mit dem Minister für öffentliches Gesundheitswesen Dr. L. C z e ch und den Ministern Dr. Franz Spina und Erwin Zajiiek. Das neue Kabinett Hodza P r a g. Der Präsident der Republik empfing Mittwoch früh den blshe- . rigen Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan H o d l a, der mit der Bildung einer neuen Regierung betraut worden wor. Dr. Hodja erstattete dem Präsidenten der Republik Bericht über da- Ergebnis seiner Verhandlungen mit den Vertretern der politischen Parteien und schlug ihm die Zusammensetzung des neuen Kabinetts vor. Der Präsident der Republik genehmigte diesen Vorschlag und empfing noch heute vormittags die abtretende Regierung, der er für ihre Arbeit dankte. Sodann stellte der Vorsitzende der Regierung Dr. Hodisa dem Präsidenten der Republik die Mitglieder des neuen Kabinett- vor. Der Präsident der Republik sprach seine Befriedigung über die : rasche Bildung der neuen Regierung au- und nahm deren Mttgliedern da- verfaffung-mätzige GelSbnis ab. Au- dem bisherige» Kabinett ist somit nur der Finanzminister Doktor Kalfus au-geschiede«. An seiner Stelle ist der bisherige ständige Dertre- ' ter de- Finanzminister-, Minister für Schulwesen und Dolk-kultur Dr. Emll Franke, gleichzeitig mit der zeitweisen Leitung deS Finanzministeriums betraut worden« Sonst sind in der Zusammensetzung der Regierung keine Aen» derungen eingetreten. Einigung In allen Punkten Brotpreise gesichert# Gemeindewahlen In Etappen ■, Prag. Sogleich nach der Ablegung des Ge- läbnilseL in die Hände des Präsidenten der Re- ' pllMkchiM'^Lie tzeu^?rnäWt« Retziebüng"'8rtf Mittwoch, de» 21. d. M., die, konstituierende Sitzung ab, in welcher sie nach einer einleitenden Kundgebung des Vorsitzenden der Regierung Dr.' Milan HodZa dem Vorschläge des Ministers Dr. Franke gemäß den Eisenbahnminister Ru dolf B e ch y n i auf Grund der Bestintmung des 8-71 der Berfasiungsurkunde zum Stellver- t r e t e r des Vorsitzenden der Regierung wählte. Die Regelung der Getreidepreise Zu den Beschlüssen, welche der Ministerrat gefaßt hat, erfährt das Tsch. P.-B. folgende Einzelheiten:' Da.die Tschechoslowakische Getreidegesell» schaft bei. ihren Berhandlüngen über die Preise deS Getreides Heuriger Ernt« zu'keiner, einheitlichen Anschauung, gelängte, hat die Regierung selbst auf Grund der Anträge deS engeren Ministerkomitees die'Preise für Brotgetreide festgesetzt, wobei sie sowohl.di« Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Produktion, als auch die Jntereffen der Verbraucher berücksichtigte. Die. Tschechoslowakische Getreidegtfellschaft hat im beginnenden AirtsthastSjqhr 1937/1988 zum Korngrundpreia die bisher geltende» 1Ü KC zuzuzahlen, so daß der AuSsangS-GrundprelS für den-Ankauf von Korn in diesem, Wirtschaftsjahr Kö 135.— betragen wird.(Präger Parität.> Dieser. Zuschlag wird mit Rücksicht.auf die weni- grr.ergiebige Kornernte gewährt.', Gleichzeitig boschloü' dick Regierung, daü dar Verkaufspreis im. Hinblldc auf das Vorjahr unverändert 136 Kß beträgt. Aus dem geringen Unterschied.zwischen dem Einkaufs-'«IM Heist BerkäusSpretse entsteht, für dir-'' Tschechoslowakische Getreidegesellschast> ein finanzieller Abgangs der nach der Entscheidung der'. Regierung dutth eine»- Abzug vvm Grundpreise für Weizen im Betrage von 4 llä für eine» Meterzentner gedecktwerden wird. DaS bedeutet, daß der Landwirt für einen Meterzentner Weizen Istüllierhälr. ''•> Der Weizen-BerkaufspreiS wird im Wirtschaftsjahr 1937/1938 182.5« liä. betragen. Damit ür finanzielle Abgang voll gedeckt«erden kann, der für'dir Tschechoslowakische Metrei- degrseklschäft infolgeder nur I liL betragenden Differenz zwischmdemEin. und BerkaufSpreise für Korn, entsteht, hebt die Tschechoslowakische Getreidegesellschaft einen Teil der sogenannte» zeitlichen Zuschläge für Weizen und Korn, und zwar in der Weise aus, daß der größte Zuschlag für Korn und Weizen 8 KC betragen wird, wobei in den ersten Monaten die Höhe deS Zeit-Zuschlages, unverändert bleibt.' Gleichzeitig beschloß dir Regierung einig« Maßnahmen» durch welche der Schaffung von Weizrnüberschüffen, respektive de» Folgen vorgebeugt wird, die auS der Schaffung dieser lieber- schüffe entstehen könnten. In dieser Hinsicht ist eS besonders wichtig, daß die Regierung der Ge- treidegesellschaft die.Pflicht anferlrgt, über die Einhaltung der Regelung der Anbaüstächrn gemäß der Regierungsverordnung Rr. 221 vom Saht« 1086 zu wachen. Zu diesem Zwecke hat di« Regierung Richtlinien herauSgegeben, nach denen die, Getreidegesellschast die Bestimmungen deS Paragraphen 4'der zitierte»' Regierungsverordnung dürchführen wird, der sie berechtigt, solchen landwirtschaftlichen Betrieben die Grundeinkaufs- prrise für Weizen um 2« Prozent tzerab-usetzen, welche die Beiordnung über dir Einschränkung der Weizchiänbaufiäche nicht, ei'nhalirn. Was die sogenannje, eiserne Reserve ättbe- langi. sei es bei Weizen»der bei Roggen, welche mit einem aüßiröidentliche». militärischen Bedarf' iesrsindet Mrd,.wird diese'in das außerordentliche Armee-Budget eingereiht werden. Eine der schwierigsten und folgenschwersten Verwicklungen hat daistit ihre Lösung gefunden. Selbst'wenn die., ungechähnlichen Ereignisse der letzten ifünf Tag« nicht ühr grelles'Licht: auf' die hatten Auseinandersetzungen in l der Regierung geworfen chatte, hatte'' di«' Sache, nun Sie es.,ging, gMgt, um alle'Aufmerksamkeit auf sich zw kon- ,h/'.'«'..«i i:.(Fortsetzung auf Seite Die Rüstungs industriellen einigl Verständigung zur Fortsetzung des Wettrüstens I» den ersten Nachkriegsjahren sind in Deutschland Dokumente bekannt geworden, die einivandfrei klarstellen, daß die nationalistische Volksverhetzung, die Auspeitschung der Kriegslei- denschaft und das Geschäftemachen mit dem „Feind des eigenen Bolles" sich durchaus nicht gegenseitig auSschließen. Nicht nur vor Ausbruch des Krieges hatte die Rüstungsindustrie das Ausland ohne jede Rücksicht auf«freundliche" oder „gespannte" Beziehungen mit Waffen und Mu- nition aller Art beliefert. Die Völker erfuhren, daß z. B. Krupp auch noch nach Ausbruch des Weltkrieges Eisen- und Stahllieserungen über das neutrale Ausland in jene Länder gelangen ließ, mit denen Deutschland sich im Kriege befand. ES wurden die an den Fronten kämpfenden deu.t- schon Soldaten mit deutschem Stahl, der zu Granaten verarb.ei- tetaus in Deutschland herge- stellten Geschützen abgefeuert wurde zu Zehntausenden hingemordet. „ Im Jahre 1923 waren die wirtschaftlichen und politischen Umstände in Deutschland einer großzügigen Hetze der Uebernationalisten gegen Frankreich günstige In Frankreich stachelten ziir gleichen Zeit. die_Ehauv>nisiw, und Militärs die. niedrigsten Instinkte gegen.Deutschland' an. Es kam zu deur ernsten Ruhrkonflikt mit der Besetzung des Ruhrgebiets durch die damals alliierten Mächte. In Deutschland finanzierten die Stin- nes, Thyssen usw. die Front des„nationalen Widerstandes", in Frankreich betrieben die Herren vom Eomitö des Forges das Wiederaufleben der Kriegsstimmung. Aber zur gleichen Zeit setzten sich die gleichen Personen zusammen und berieten, wie sie zu einer Verständigung über die gegensätzlichen Interessen der deutsch-französischen Schlverindustri« kommen könnten. Als sie darüber ins reine gekouimeu waren, die Prositchance gesichert hatten und die deutsche Arbeiterbewegung durch die beispiellose Inflation ihres materiellen Rückgrates beraubt war, Ivar die Zeit zur Liquidierung des Ruhrkrieges gekommen, Er wurde liquidiert. Das Zusammenspiel dieser mächtigsten kapitalistischen Schichten über die Grenzen der einzelnen Länder hinweg hat seither nicht ausge- härt. E S s ch e i n t, d a ß, j e d r o h e n d« r d i e Gefahr eines Krieges sich erhebt, desto innigerund erfolgreicher sich für die Schwerindu- striellen die.Verst ä.n d i g u n g u u d Zusammenarbeit gestaltet. Obwohl sie die Verleumdung und die Verdächtigung der Arbeiterbewegung wegen ihrer internationalen Verbundenheit und ihrer Solidarität mit den Arbeitenden in allen Ländern, verstärken, fügen die kapitalistischen Gruppen selbst ihre interna« tionalen Verbände und Kartelle immer fester zusammen. No ch niemals hates in einer Periode des Wettrüstens und der ernstesten Kriegsgefahr so massenhaft internationale Konventionen, K a r teile, Verbände und Gemeinschaften der Ka.» p i t.a listen gegeben, wie gegenwärtig. ES ist'ihre Aufgabe, de» ProduktionSavpa- rat so laufen zu lassen, daß er de» höchstmöglichen Profit abwirst. Wo daS rasende Tempo der Kriegsvorbereitungen zu Stocküngserscheinungen führt, dort sollen die internationalen Kartelle die Reibungslosigkeit wieder Herstellen. DaS,' Weit-, rüsten darf, nicht zum Stillstand, komme»— in diesem Verlangen sind sich die Schwerindustriellen aller Länder einig. Ihre Solidarität, dse eine S olidarität gegen d i e S i ch e r u n g des F r i e« o e n s ist, hat in der letzten Zeit zwei bemerkenswerte Vorgänge gezeugt. Der eine ist die G r ü n- düng d-es internationalen Schrot tka r t e I l S. Durch sie ist die internationale' Erfassung und Verteilung. der Schrottbestande erreicht worden. ES war Deutschland, dessen Aufrüstung am schwersten durch den sich vor einigen Monaten, bemerkbar' machenden Bette 2 Donnerstag, 22. Statt 1937 Rr. 170 Schroitniangcl iiio Gedränge geriet. Schrott ist ein unentbehrliches Rohmaterial für die eisenverarbeitende Industrie und ivird umso nötiger gebraucht, ivcnn Erzknappheit die Roheisen- und Rohstahlproduklion hemmt. Die Lage der deutschen Rüstungstreiber gestaltete sich noch schwieriger, da für die geringe» Schrottmengen ein immer steigender Preis gezahlt werden mußte. Jedenfalls ließ sich in Auswirkung dieser Situation die deutsche Stahl- und Eisenproduktion nicht mehr steigern, das RLstungStcmpo verlangsamte sich bereits und ein unvermeidlicher Rückschlag stand bevor. Die Völler hätten erleichtert ausaimen könne», denn ein Nachlassen der Rüstungen des faschistischen Deutschlands hätte eine Milderung des Welt-Wettrüstens zur Folge haben können. Aber die internationale Rü- st u n g s i n d u st r i e ist an hem Fortdauern des Wettrüstens interessiert. Sie rettete mit dem internationalen Schrottkartell die deutschen Kriegstreiber aus dec Zwangslage und rettete damit gleichzeitig ihre Profite. Die Vertreter der Schwereisenindustrie nahezu aller Länder haben sich verständigt und die Deutschen erhalten seht ebenso ihren Anteil von dem zur Verfügung stehenden Schrott wie alle anderen Länder. Die Gefahr für die deutsche Auf- r ü st u n g i st b e s e i t i g t, die Gefahr fürden Frieden verfchärft. Stoch als die Herren von der Schwerindustrie aus den faschistischen Ländern sich mit ihren Kollegen ans den deniokratischcn Ländern über die Sicherstellung des Fortgangs der Ausrüstung berieten, verhandelten die Krupp, Thyssen, Flick und Klöckner mit den Vertretern des Comitö des For- ges. Die deutschen Eiscnerzsorgen wurden, seit« deni die Lieferungen aus Schweden gekürzt waren und die aus Spanien vollständig aufgehört hatten, immer ernster. Was aber müßte der Welt erwünschter sein, als daß der gigantische faschistische RüstungSplan wegen Eisenerzmangel unausführbar bleibt. Eine große Chance für den Frieden wäre gewonnen. Das Ende des internationalen Wettrüstens stünde in Aussicht. Dieser Helle Ausblick ist schleunigst durch einen zweiten Vorgang verdunkelt worden. Die französischen Schwerindustriellen haben sich mit den deutschen verständigt: Hitler erhält für ein Jahr 7,2 Millionen Tonnen Erz aus Frankreich. Aus diesem französischen Erz werden in Deutschland Geschütze, Bomben und Granaten erzeugt, mit denen nach dem Willen der faschistischen Diktatoren das französische Volk und seine Verbündeten erledigt werden sollen. Als Gegenleistung- bekommt die französische Schwerindustrie deutschen Koks geliefert. Diese Sonderverständigung der beiden mächtigen kapitalistischen Gruppen des ^faschistischen Deutschland und des demokratischen Frankreich ist in das kürzlich abgeschlossene französisch-deutsche Wirtschaftsabkommen eingegliedert worden. Die Frankfurter Zeitung" sagt von ihm, daß es„als ein Musterbeispiel für eine wirtschaftliche Verständigung über di« Grenzen hinweg gelten kann. Deutfchland wurde der Bezug französischer Erze in voller Höhe seiner Einfuhr vom Jahre 1986 zugestanden, dies, obgleich die übrige französische Erzausfuhr auf den niedrigeren Umfang des Jahres 1988 zurückgefchraubt wurde... Diese schwerindustrielle Verständigung, übrigens nicht die erste auf deutsch-fran- zösischer Ebene, bedeutet mindestens ebenso sehr einen wirtschaftlichen Ivie einen politischen Vertrauensbeweis." Diese Hilfe der französischen Schwerindustrie und die internationale Hilf« durch das Schrottkartell stärkt die Aufrüstung des faschistischen Deutschland gewaltig^... V Wenn nicht die Profltinteressen herrschend wären, würdur. die Regierungen diese Solidarität der RüsiungStreiber und ihre Allianzen verhindern"müssen. Aber in unserer Welt müssen die Völker zusehen, wie diejenigen, die äus ihren UeberfallSabsichten gar kein Geheimnis machen, vom Kops bis zum Fuß bewaffnet werden, und wieder faschistische Angreifer sie mit Waffen schlägt) die er ohne die Solidarität der schwer, industriellen Gruppen der> demokratischen Länder nie in solchen Massen hätte" erzeugen können und die ihm dig"Chancen eines Erfolges geben. Die Regelung der Getreidepreise <(Fortsetzung von Seit« 1.) zentrieren. Die Entscheidung, die gefallen ist, hat vor allem in dem kardinalen Punkt, in der Siche, rung des Brotpreises, den Standpunkt der sozialistischen Parteien zum Siege geführt. Wenn durch den Beschluß der Regierung die Kornverkaufspreise unveränhert in der bisherigen Höhe festgesetzt wurden und die berechtigten und von allem Anfang an von uns anerkannten Wünsche der Landwirte in diesem Punkte erfüllt werden konnten ohne die arbeitenden Menschen zu belasten, so wurde damit oben jenes Ziel erreicht, auf welches sich von allem Anfang an das größte Bemühen der sozialistischen Minister gerichtet hatte. Aus den vielen Einzelheiten, welche die Regelung der Getreidepreise ausmachen und deren schwer zu erkennender Zusammenhang durch das komplizierte Getriebe der Getreidebewirtschaftung bedingt ist, ragt als unverrückbare Tatsache hervor; Die Erhöhung der Kornpreise und damit der Brotpreise wurde abgewehrt. Ihre jetzige Höhe darf nicht überschritten werden. Abgewehrt Ivurde damit aber auch eine Gefahr, die jeder Auswärts» bewegung gerade dieser Preise innewohnt: Daß nämlich die Preise anderer, für di« arbeitende Bevölkerung lebenswichtiger Waren ihnen folgen und damit die Lebenshaltung der unbemittelten Schichten noch stärker drücken. An den zuständigen Stellen werden zugleich Vorkehrungen getroffen, um den Markt genau zu beobachten und es werden die Bemühungen fortgesetzt, das heutig« Preisniveau auch beim Weizenmehl zu halten. Waren die Gegensätze während der Verhandlungen in der letzten Zeit noch so schroff und stießen Forderungen und Gegenforderungen noch so hart aufeinander, so siegte schließlich doch die Ueberzeugung, daß eine Verständigung unerläßlich ist. Daß die Bereinigung der heute gelösten Fragen innerhalb der Koalition und der Regierung in einem Zeitpunkt erfolgte, in dem von außen her durch allerlei Manöver versucht wurde, für antidemokratische Wünsche Kapital zu schlagen, unterstreicht die Größe der Belastungsprobe, welcher die demokratische Methode ausgesetzt war. Es unterstreicht aber auch die Gröhe ihres Er«. folges, welcher wieder einmal alle Hoffnungen der Gegner zuschanden gemacht hat. Dr. Kalfus beim Ministerpräsidenten Prag. Dr..Hodja empfing den abtrcienden Finanzministcr Dr. Josef KalfuS, von dem er sich in seinem Amte herzlich verabschiedete und sprach ihm feinen aufrichtigen Dank für seine große und aufopsernde Arbeit sowohl im Finanzministerium als auch in der Regierung aus. r— Der Präsident der Republik wird heute den zu- rückgetretenen Finanzminister Dr. Kalfus empfangen. Zur Weltausstellung nach Paris und Arbeiterolympiade nach Antwerpen im Autobus vom 24. Juli bis 4. August für AL 1490.— einfchl. Fahrt,«oller Pension, Rundfahrten, Eintritte» Führungen etr.— Verlangen Sie Prospekte von der URL, Reisekanzlei Bodenbach(Telephon 557). China Ist nachgiebig —Japan rüstet weher Abwertung des Yen/ Räumung Hopels durch die Chinesen Infolge des lokalen Abkommens, das di« chinesischen Generale in Tientsin mit den Japanern abgefchloffen haben und gegen daS dir Regierung in Nanking keinen Widerstand zu leisten scheint, räumen die chinesischen Truppen die Provinz Hopei. Angeblich räumen auch die Japaner das Gebiet, daS von chinesischer Gendarmerie besetzt werden soll. In Wahrheit scheint rS sich hier bereits um die Auslirfernng der Provinz Hopei an die Japaner zu handeln. Der Statthalter, der daS Abkommen unterzeichnet hat, ist allerdings sofort von seinem Poften zurückgetreten. Eine gewifle Beruhigung ist zu verzeichnen, doch hegt man allerorts noch die größten Besorgnisie. Die Japaner mobilisicrenweiter und Haden ihre Währung in einem erstaunlich hohem Maße ab gewertet, um sich einen KriegSschatz von rund 800 Millionen Uen zu sichern. Während 1.83 Ben bisher einem Gramm Gold entsprachen, wird der neue Fen so abgewertet, daß ein Gramm Gold 3.50 Ven entspricht. Schanghai. Da ein befürchteter Einmarsch weiterer japanischer Truppm, in die Hopei-Provinz bisher ausblieb und Peipinger Gerüchte von einer Einigung über die Einstellung der Schießereien sprachen, beurteilt man hier neuerdings die Lage wieder etwas optimistischer. Die chinesischen Bericht« heben den Ge- gensieitigkeitScharaikter der erfolgten Bereinva- rung über di« Einstellung der Kämpf« und die Zurückziehung der Truppen auS dem Kampfgebiet bei Lukoutschiav hervor und melde» ferner, daß die Ueberwachung der Durchführung der vereinbarten Maßnahmen gemeinsam durch chine- sifch-japanijich Beauftragte erfolgt«. P e i p i nDie Truppen der 37. Division habe» ihre Stellungen bei Aamenkuo«, Papao- schan, Wansing und Paomschang freiwillig geräumt und sind durch Gendarmerie unter Führung deS Generals Schihyusnn abgelöst worden. Man rechnet daher/nlcht mehr mit weiteren Kämpfen in diesem Abschnitte. ES sind auch Anzeichen dafür vorhanden, daß di« kleine, auS einem Regiment bestehende Peipinger Stadtgarnison abzieht und daß di« Räumung des Militärlagers Rantzuan vorbereitet wird. Besorgnisse und Ausflüchte In London London. Die Zuspitzung des Konfliktes im Fernen Osten wird in London, mit wachsender Besorgnis" verfolgt. Außenminister"Eden hatte eine lange Aussprache mit dem chinesischen Botschafter. Auf eine Anfrage im Unterhaus erklärte Eden, es sei nicht ratsam, die englisch-japanischen Verhandlungen, die demnächst beginnen sollten, zu eröffnen, solange die gegenwärtige Lage'in China fortbestehe. Die britische Regierung habe die japanische Regierung von diesem ihren Standpunkt bereits in Kenntnis gesetzt. Auf eine weitere Frage, ob die umfangreichen Truppenbewegungen gegen eine befreundete Macht nicht als ein Angrifssakt anzusehen seien, gab Eden eine ausweichendeAntwort. Der oppositionelle Labour-Abgeordnete Henderson interpellierte den Außenminister wegen des Artilleriebombardements von Wangping durch die | Japaner. Ihm antwortete an Stelle Edens Lord Cranborne, daß Wangping nach einer zwei Stunden vorher erfolgten Warnung als Retz r c s s a l i c für die am Tage vorher durch.die Chinesen erfolgte Eröffnung des Feuers bombardiert worden sei. Aus eine weitere Frage, ob man nicht den Böllevbund mit der Beilegung des chinesisch-japanischen Konflikts befassen wolle, antwortete Cranborne, die englische Regierung befinde sich in ständigem Kontakt mit allen interessierten Mächten, auch mit denen außerhalb des Völkerbundes und betrachte dies augenblicklich als besten Weg für eine Beilegung des Konfliktes. Auf die Frage des Abgeordneten Fleischer, ob von den chinesischen Behörden eine Auf« sorderung zur Evakuierung der britischen Staatsbürger in Nanking ergangen sei, antwortete Cranborne, diese Frage sei schwierig, man möge sie darum schriftlich stellen. Christliche krönt gegen das Dritte Reich Oxford. Die(evangelische) Weltkirchenkonferenz in Oxford Hat zu Beginn der zweiten Ber« Handlungswoche bereits die ersten Ergebnisse aufzuweisen. Es ist bemerkenswert, daß die erste Plenarsitzung, die feierlichen Charakter trug, sich entgegen den ursprünglichen Präpositionen wiederum .mit den Verhältnissen in Deutschland befaßte. In der Sitzung, in welcher, der lutherische"Erzbischof von Upsala■ Dr. Eidem den Vorsitz führte, trug der anglikanische Bischof von Chichester eine an die evangelische Kirche in Deutschland adressierte Botschaft vor, die einmütig und in besonders feierlicher Form angenommen wurde. In dieser Botschaft erklärt sich der Kongreß mit der in Deutschland unterdrückten evangelischen Kirche solidarisch, billigt ihren Kampf gegen die Verfälschung und Unterdrückung des christlichen Bekenntnisses und versichert die leidenden deutschen Brüder der Liebe aller. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine eigene Delegation aus Oxford nachDtzutschland zu entsenden,damit diese die Botschaft persönlich überbringe und die Kirche von den Ergebnissen der Konferenz direkt unterrichte.' 26 Negerkönigs Tochter Roman von Otto Stösst COPYRIGHT BY SATURN- VERLAG. WIEN Da waren Damen, schön geputzt und vergnügt, sich bei guter Gelegenheit in allem Glanze zeigen zu dürfen. Man trug Sträuße und Kränze. Mancher hielt ein« besondere Gabe bereit, um sie dem verehrten Abreisenden zu widmen. Da war der Herr Unterrichtsminister, gefolgt von seinem. unvermeidlichen Präsidialisten, einem schlanken, nach allen Seiten hin ebenso verbindlich wie gefühllos sich verneigenden eleganten Manne, der seinem Chef die nötigen Eingebungen des Augenblicks zuzuflüstern» ihn auf wichtige Persönlichkeiten aufmerksam zu machen, vor etwaigen Verstößen zu warnen die ehrenvolle Aufgabe hatie. Da war der Präsident der ethnographischen Gesellschaft, welcher immerzu jedem, der es hören wollte, versicherte, er hätte niemals geglaubt, daß dieser Hesky wirklich so bedeutende Unternehmungen zustande gebracht. Man müsse den Mann nur daraufhin ansehen, ob ihm derlei zuzutrauen sei. Und schließlich kam sogar eine Hofequipage mit einem Leibjäger angesahren: Der Erzherzog, der dazu auserlesen war, alle Bestrebungen der Wissenschaft und Kunst mit höflichen Worten und durch die Tat, das heißt durch seine' hohe Anwesenheit zu fördern, hatte«S sich nicht nehmen lassen, persönlich dem Abschiede des verdienten Forschers beizuwohnen. Da gab es nun ein Borstellen, Verbeugen, Schmeicheln, Lächeln, Redensartenhersagen, Kopfnicken, eifersüchtig Sichvordrängen und unversehens Zurechtgewiesen werden, ein Zuviel an Wollen und zu wenig an Dürfen, ein Hin und Her, wie eben in der großen Welt immer, wo sie am kleinsten ist. Dieter trat möglichst weit abseits von diesem Trubel, wie es sich gebührt, da er ganz wohl wußte, daß er nicht dazu gehörte und seinen Platz in der geziemenden Entfernung von den Hauptpersonen der Ereignisse mit natürlicher Bescheidenheit einzunehmen verstand. Seinem Sohne aber prägte er die Namen derer ein, die zu merken es sich verlohnt«. Endlich trat auch der Gefeiert«, Erwartete und Begrüßte ein, Hesky. Und siehe da, am Arme seiner Gattin l Die hatte es aber verstandenl In einem wirklich vornehmen englischen Reisekostüm bewegte sie sich mit ihrer natürlichen Munterkeit und Ungezwungenheit, lachte mit dem blühendsten Mund und den weißesten Zähnen, verbeugte sich nach allen Selten, hatte für jeden den gebührenden Gruß, das rechte Wort. Weiber sind doch gleich in einem fremden Stande zu Haufe und brauchen nur die Kleider, um Leute zu sein. Hesky erschien weit ungeschickter. Er trug an einem warmen Maitage seinen gelben Khakianzug, seinen Tropenhelm und war mit allerhand Dingen beladen, mit einem Photographenapparat, einer Flinte in braunem Leinenfutterak, einer Hutschachtel und einem Pompadour von weiblicher Zugehörigkeit, er sah blaß und aufgeregt drein und wußte nicht, wen er zuerst begrüßen, wem er Zeit widmen,, wen er rasch abschUtteln sollte, er schoß ängstlich dahin und dorthin, brach eine bedeutende Unterredung ab, um irgend etwas Nichtiges zu besorgen, oder fragte einen hohen Gönner etwa um«inen unbekannten Fährtanschluß. Seine Frau erregte als schönes Zierstück des Tages'die Aufmerksamkeit mehr als'er, da der berühmteste Mann nur für die Unsterblichkeit, eine hübsche Dame aber für das bessere■ sterbliche Teil der Menschen bestimmt ist. So kam e», daß der Herr Unterrichtsmtnister den braven Dokwr wohlwollend mit' einer herablassenden Rede kurz abfertigte, um sich dann desto ehrerbietiger der Gattin deS Forschers zu widmen, die' ihn mit schnippischen Antworten und lustigen- Blicken gar rasch in den gewissen Zustand besinnungslosen Anbetungstaumels versetzte, dem alte. Herren auch in Amt und Würden sich mit I unverantwortlicher Begeisterung überlassen. Auch gegen den Erzherzog, dem sie vorgestellt wurde, benahm sie sich mit der ungezwungensten Liebeswürdigkeit, verzierte jeden halben Satz mit einem wohlangebrachten„kaiserliche Hoheit", wodurch die natürliche Einfalt ihrer Rede hübsch auf daS höfische Maß gebracht war, ohne an Freiheit zu verlieren. Und endlich kam Tesak. Wen schleppte der mühselig nach sich wie ein sich wehrendes und sperrendes Kälbchen?. Bella, die kleine Negerin, in einem langen schwarzen Kleide mit einem weißen blumengeschmückten Grohhut und einem tränenüberströmten, edlen Gesicht. Sie war nur mit größter Not herbeizuzerren und stand nun erstaunt, fassungslos in der Menge, die lachend und tuschelnd das schwarze Wunder des TageS begafft«. Mitten in dem Getümmel hatte sie plötzlich mit dem sicheren Blicke, den nur die höchste Not verleiht, weit enffernt von allen Eigen, Dieter und feinen Sohn,' ihren Spielkameraden bemerkt, riß sich unversehens von Tesäk los, zerteilt«. den Schwarm der Leute mit harten Fäusten und rannte zu dem Buben, klammerte sich an den Erstaunten und begann jämmerlich zu schreien und zu heulen, so daß sich aller Augen mit einemmal auf den bescheidenen Dieter und seinen Knaben richteten. ' Mittlerweile näherte sich die Zeit der Abfahrt, schon war das Coupk bereit, alles Gepäck hinge« schafft, und es hieß einsteigen, aber Bella hing an dem erstaunten Knaben ffst, und als Dieter ihr zursdete, doch abzulassen und schön brav mit« zureisen, brüllte sie ihm laut entgegen-und sah ihn.dabei aus ihrtn. wilden Augen so entsetzlich an)l daß er schwieg. Nichts schien, übrig, als st«, mit Gewalt zu verladen, aber wie peinlich ein solcher Auftritt für- die. illuswe Gesellschastl Hesky zuckte die Achseln und wüßte nicht, waS er tun sollte. Da trat seine Frau auf, die- Gruppe zu und? sägte mit ihrer eigentümlichen Bestimmtheit: „So, jetzt W» genug. Du kommst mit. Verstan den?" Bella lag bei diesen Worten beschämt auf dem Fliesenboden zu den Füßen deS kleinen Burschen, erhob sich gleich ganz verirrt und ließ sich gesenkten Kopfes von der Frau nach dem Waggon führen. Mancher Tag verging, die kleine Karawane reiste über daS engbewohnte Festland hinüber nach Englands starkem Jnfelreich, in London bestieg man den Dampfer und fuhr über den brausenden Ozean, nach Afrika. Endlich betrat män diese Erde. Hesky sah seine zweite fremde Heimat wieder, Bella ihre erste, die ihr feindlich, drohendverhaßt war als das Land, das sie schwarz und wild gemacht hatte, während sie unter den vielen weißen Menschen den Traum ihrer Erhöhung zu einem lichten Wesen so innig geträumt hatten Paß sie ihn nie mehr vergessen konnte, wie wenn sie dort erst«ine Seele bekommen hätte, der sie nun dienen mußte, was immer ihr Schicksal sein möchte. In Käpstadt wurde'die Expedition ausgerüstet. Mit hohem Eifer warb Hesky seine Ltut«, an, er sammelte ein Dutzend Neger auS verschiedenen Stämmen als Träger, Führer,- Dolmetsche, bewaffnete sie mit Flinten und freute sich ihrer grinsenden, gutmütigen Mienen, als sei er nun erst wieder unter Menschen, während Bella den freundlichen, ihr entgegenbleckenden Zähnen ihrer Landsleute das eigene blanke Gebiß drohend und verächtlich«ntgegenstreckt« und ihnen die blutrote Zunge wies, als seien es. lauter schmutzig« Tiere. Zu diesen sollt« sie'zurück. Wagen wurden ausgerüstet,, mit starken Ochsen bespannt, während «in.paar tüchtige Pferde Hesky und seine Frau zu tragen bestimmt waren,> Tesak, der Zimmermann, der einzige männliche europäische Begleiter HeskyS, fand sich mit dem Gedanken der-Expedition nun/ da sie unmittelbar bevorstand, nicht so leicht ab, wie in Wien, wo er sich daraüf-gefreut hatte. Schon di« Beschwerden der Meerfahrt, jetzt aber die ganz« Drohung deS weiten wilden LandeS, dasstchihin- ter der Stadt unermeßlich erhob, hatte ihn ängst« lich und jtörrig macht,''.(Schluß folgte'| Nr.l7§- DonnerStag, 22. Juki 1937 Seit« 3 Vie neuesten VerKsttungen Sol« Kun an der Reihe Der Korrespondent der amtlichen polnischen Telegraphenagentur meldet aus MoSlau, daß der Führer der ungarischen Kommunisten B e l a R u n in Moskau verhaftet wurde. Da die Mitteilung ungehindert die russische Zensur passierte, kann dies« Nachricht als offiziell betrachtet werden. Bela Kun arbeitete unter Dimitroff in der Komintern. Er wird der trotzkistischen Propaganda nicht bloß unter den russischen, sondern auch unter den ausländischen Kommunisten beschuldigt, die in der Komintern in Moskau arbeiten. Zusammen mit Bela Kun wurden 88 radikale österreichische Kommunisten verhaftet, die nach den Feberkämpfen des Jahres 1934 als Emigranten nach Rußland kamen. Gleichzeitig wurde die Schristletterin der »Deutschen Ze tralzeitung" Anenkova ihres Postens enthoben. Sie war eine in kommunistischen Kreisen bekannte Persönlichkeit und eines der alten Parteimitglieder aus der Zeft Lenins. M o S k a u.(HavaS.) Der Vorsitzende des ukrainischen RundfunkauSschusse» ist. auS der kommunistischen Partei ausgeschlossen und seiner Funktion entkleidet worden, weil er in dm Reihen der Rnndfunkaingrstellten keine Säuberung vornahm, weil er zuließ, daß in daS Programm eine geheime antsrrvo» kutionär« Propaganda Eingang finden konnte, und weil er der Partei seine trotzkistischen Rebe» auS dem Jahre 1923(!) verheimlichte. Surenlew bei Hitler Freundschaftliche Erklärungen Berchtesgaden. Der Reichskanzler empfing Mittwoch in seinem Haus« auf dem Oier- salzberg den nm«mannten Botschafter der Sowjetunion, I« r e n i e w, zur Ueberreichung seine» Beglaubigungsschreibens. Juriniew erklärte dabei in einer Ansprache u. a., daß die S ch a f- sung und Unterhaltung normnlerBezie- Hungen zwischen der Union der Sozialistifchm Sowjetrepubliken und Deutschland den Interessen beider Staatm entsprech« und zu dem Werke deS allgcmcinm Frieden» beitrage. Er werd« alle seine Bemühungen der Lösung dieser wichttgm Aufgabe»«wenden. Der deutsche Reichskanzler antwortete u. a.: Bon Ihrer Erklärung, baß TI« Ihre Bemühungen auf die Schaffung und Unterhaltung normaler Beziehungen zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken richten wollen, habe ich m 1 t B e- friedigung Kenntnis genommen. Ich bin mit Ihnen der Auffassung, daß.»in solche» Verhältniszwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion ebenso den hmte mehr den» je not- wmdigen Anforderungen der Nichteinmischung wie damit auch dm Interessen beider Länder mt- sprechm wird und so zur Sache deS allgemeinen Friedens Seitragm kann. Ich versichere Shnm daher, daß Ihnen bei der Durchführung der Auf- gaben, die Sie sich gestellt haben, sowohl von meiner Seite al» auch von Seite'meiner Regierung di« erforderliche Unter- stützung zuteil werden wird. Deutsches U-Boot spioniert bei Portland London.(HavaS.) Die Marinetehörden in Portland, da» eine wichtige strategische Bast» darstellt, verheimlichen eine» Zwischenfall, der sich am Montag auf See unweit von Portland ereignete. Da» Kriegsschiff„Wolfhound" führte bei Portland«ine Aebung durch, an der auch einige Minensucherschiffe teilnahmen. Bei dm Uevmr- gm an den Horch-Apparaten wurde di« Anwesenheit«ine» Unterseeboote» festgestellt. Diesem wurde sofort signalisiert, an die Wasseroberfläche zu kommen, doch beachtete» die Offiziere de» Unterseebootes dieses Signal nicht. Erst der A b» schuß einer Sprengmin« in der Nähe deS Unterseebootes veranlaßte dessen Kommando zum Austauchen. ES soll sich mn das dmtschr i Unterseeboot U—27 handeln, dessm Kommandant einvernommen wurde. Da» Unterseeboot wirb seine Fahrt fortfetzen, sobald e» die Bewilligung hiezu erhalten haben wird. Englische Stellen schildern, wie Hava» in esner»weiten Meldung mitteilt, de» Zwischenfall de» deutschen Unterseäboote», der sich bei Portland zutrüg,, etwa» ander». Es wird behauptet, daß die Lautsignale, welche da» Kriegsschiff„Wolfhound" auSsandte, einem britische« Unterseeboot galten, mit welchem da» Kriegsschiff zusammenarbeitete, während sich da» deutsch, Unterseeboot in diesen Gewässer« aufhielt. Es wird aber bemerkt, baß sich'trotz aller amtlichen Aufklärungen»och immer dir erste Nachricht über das deutsche Unterseeboot erhält. In Bereitschaft sein... L» n d^o n.„Daily Expreß" meldet, daß die sespännte internationale Lage Premierminister Ehamberläi» dazu bewogen hat, an dir t r i>, tischen Minister da» Ersuchm zu stellen, ihrm diMährige» Sommerurlaub inne rha ld de» britischen Insel- reichr» zu verbringen. Wen» da» Parlament am Freitag der kommenden^Woche in die Ferien geht, so. sind bereit» Borkehrungen getroffen, die eine rasche Einbemstmg im gegebenen Falle er- Mäglichm. fadetendeutscfier Zeit$me£et Sudetendeutsche Muttertragödie „Ehrt die deutsche Mutter"— das ist heute ein in den Kreisen der SdP besonders beliebtes' Schlagwort. Dies« Mutterehrung betreibt man aber nicht, um das opferreiche Leben der Mütter an sich anzuerkennen, sondern man tut es mit der Absicht, dadurch die Gebärsreudigkeit zu heben. In das Horn der SdP stößt mit ganzer Lungenkraft der Bund der Deutschen und der Kulturverband— wenn auch von einem anderen Standort aus— die Deutsche Jugendfürsorge. Bor einigen Wochen hat die SdP eine eigene Mion eingeleitet, um jene Frauen zu ermittelnd die mehr als drei Kinder haben und Mitglieder dieser Partei sind. Diese Mütter sollten betzn Muttertag vom„Führer" in besonderer Form ausgezeichnet werden. Wir wissen nicht, ob es zu dieser Auszeichnung kam. Wir hatten aber Gelegenheit, in einiges uns im Original vorliegende Material Einblick zu gewinnen, das der SdP übermittelt wurde. Bor uns liegen einige Erhebungsblätter aus dem Bezirk Braun a u. Die Tatsachen, die dabei festgestellt wurden, zeigen allerdings erschreckende Zustände auf, daß anscheinend sogar den findigen Propagandajünglingen der SdP das Bergnilgen an dieser zu sehr durchsichtigen Zwecken unternommenen Mion vergangen ist. Wir haben vor uns«inen Bericht, der von der„Blockfrau"— diese Bezeichnung ist keine Erfindung, sie ist örtlich so zu lesen— Maria Scholz-Niebert, Braunau M. S. 19, aufgenommen wurde. In ihm sind die Namen und Adressen von zwölf Müttern verzeichnet. Diese zwölf Mütter haben 88 Kindern das Leben geschenkt. Bon diesen 68 Kindern sind 32 am Leben, ' nicht weniger alS 33 jedoch gestorben! Mehr als die Hälft« der Kinder also, die von den Müttern mit Schmerzen geboren wurden, hlcken das traurige irdische Jammertal nach meist kurzem Dasein wieder verlassen. Eine dieser Müt- Der Sonderkorrespondent der Basler„Na- ttonal-Zeitung" veröffentlichte Ende voriger Woche in seinem.Blatt folgende. Betrachtung, über..die Offensive der Armee Miaias. auf Bcunetc. Obwohl die Bewegung inzwischen wie jede Offensive im befestigten Gelände in rin« Pause ae- treten ist, ohne daß allerdings die Gegenangriffe Franco» Irgendwo hätten durchdringen können, glauben wir, daß der sachliche Bericht eine» bürgerlich-demokratischen Publizisten, der im Kampf- gelände weilt, unsere Leser inieressieren wirb. Wir bringen daher den Artikel der National« Zeitung" zum Abdruck: Die Gluthitze lähmt Geist und Glieder. Keine Bäume, kein Schatten,«ine weite Ebene mit Oliven- und Getreidefeldern— das ist das Hauptkämpffeld der Offensive im Westen von Madrid. Die Soldaten kämpfen gegen die Erschlaffung und gegen den Durst. Es gibt wenig Wasser, der Tank für Trinkwasser steht«in bis zwei Kilometer hinter der Linie. Bis das Wasser hergebracht ist, ist«S heiß. An Schlaf, und Ruhe ist nicht zu denken. Tag und Nacht wird bombardiert. Auf beiden kämpfenden Linien überwiegt der technische Krieg. Die Rebellen schießen und werfen nachts, hauptsächlich Brandbomben. Die ganzen Ernten der Bauern verbrennen; dadurch wollen die Rebellen gleichzeitig das Kampsfeld erleuchten und di« Stellungen der angreifenden Republikaner verfolgen. Sie haben großeMengenvon Flugzeugen eingesetzt, sind aber technisch unterlegen. Sie haben bisher im Kampfe 40 Flugzeuge, die Republikaner nur 10 verloren..Die Rebellenflugzeuge haben die technische Geschicklichkeit der Regierungsflugzeuge noch Immer nicht erreicht, obschon sie jetzt wieder über ganz neuedeütsche und italienische Flugzeuge verfügen. In der Geschwindigkeit sind sie immer noch unterlegen und lassen sich ungern mit den Republikanern in Lustkampfe ein. Sie werfen die Bomben auf die Stellungen der Re« vublikaner, aber sie treffen wenig. 80 Tot« in acht Tagen auf einem Hauptabschnitt de» Kampffelde» durch die Rebellen ist ein Mißerfolg im Vergleich zu den riesigen Aufwänden. Die Republik«» erfind auch stellungsmäßig im Vorteil. Sie liegen im offenen Feld weit verteilt, während dse Rebellen in den Dörfern«in konzentriertes Ziel lchgeben. Der Kampf ist mörderisch; jetzt hat der Krieg wirklich begonnen und übertrifft auch große Schlachten de» Weltkriege». Haüptgegner firib' ! Mohren und Jremdenlegionär«, die besten Truppen Franco», erfahrene Kämpfer, die'sich erbittert vereidigen, und güte Schützen somit, Hier ist die Zersetzungspropagäüda schwer, Ästän hat ihnen gesagt, dah sie bon.den Republi« .känerft im Falle der Gefangenschaft auf jeden iFall getötdt würdtNi Die» ist ihnen schwer«»- ter hat 16 Kindern das Leben geschenkt, alle 16 sind gestorben! Äehnlich find' die Tatsachen, die in den anderen Berichtsblättern niedergelegt sind. In einem anderen Bericht sind fünf Mütter verzeichnet, di« 81 Kindern das Leben gaben; von diesen sind 18 als lebend, 18 als— gestorben gemeldet. In einem dritte» Bericht stehen die Slawen von drei Müttern, die 20 Kinder geboren Haien, von denen noch vier am Leien sind, während sticht weniger al» 16 als gestorben registriert wurde«! Gibt eS eine schärfere Anklage gegen unsere Klassengesellschaft? Gibt es ein« grauenvollere Illustration zu den schönen Sonntagsphrasen, die der Bund der Deutschen in Hohenelbe von sich gegeben hat und in denen«r an die Unternehmer appellierte, sie mögen den kinderreichen Eltern auS freien Stücken höhere Löhne zahlen? Kann man sinnfälliger darstellen, wieviel vergeudete Kraft und welche nutzlos ausgestandenen Sorgen und Schmerzen aus diesen Ziffern sprechen? Für uns Sozialisten sind diese erschütternden Tatsachen keine Ueberraschung. Sie bestätigen nur unsere Auffassung, daß das Bevölkerungs« Problem vor allem von der sozialen Seite angepackt werden muß und daß ihm mil schönen Reden, heuchlerischen Beschwörungen und stammen Wünschen nicht beizukommen ist, sondern nur mit verstärkter sozialer Fürsorge, durch Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und durch Sicherung eines menschenwürdigen Lebensstandards für alle schaffenden Bevölkerungsschichten. Diese Berichte lehren aber auch noch so manches andere. Wir zweifeln nicht daran, bqft die Erhebungen der SdP sehr viel interessantes Material ergeben haben und daß die ermittelten Tatsachen in den anderen Notstandsgebieten zureden, und den Mohren ist das Leben wenig wert, denn sie glauben, dah da». Lehen im Jenseits anfange,. Franc» hat ihnen'eine Moschee versprochen. Aber das wichttgste ist-bei diesen Primitiven, emschließlich der Fremdenlegionäre, daß ihnen Franco da» Plündern erlaubt hat. Hierauf kann sich die Republik ! nicht einlassen. DieOffensive ist genial angelegt. Man brach an einer schwachen Stell« der feindlichen Front durch. Man! umging alle größeren Ortschaften und tauchte plötzlich vor dem strategischen Zentralpunkt B r u n e t e auf, das fast kampflos fiel. Der Feind war überrascht.und konnte nicht begreifen, wie die Revublikaner vor Brunete erscheinen konnten, ohne daß die nördlichen und südlichen Ortschaften der Rebellen angegriffen worden waren. Bon dort au» begann ein erbitterte« Kampf. Weitere neue Kanonen.und. Flugzeuge zerschossen die Ortschaft Q u i j o r n a, ein Dorf von 800 Einwohnern, daS auf einem Hügel liegt, die ganze Ebene beherrschend. ES war dar dritte Dorf, da» von den Republikanern erobert wurde. 24mal würde eS gestürmt. Mit gefälltem Bajonett eroberten die Republikaner die Verteidigungslinien und die Häuser. Bon 1800. Mann Besatzung der Rebellentruppen waren 200 Phalangisten und 800 gehörten zu einem Bataillon eingeborener Truppen. 800 Mann waren gefangen genommen, der Rest fiel im Maschinengewehrfeuer. Der Verlust der Rebellen bei dieser Offensive ist ungeheuer. Die Aufständischen hahen zehn Bataillone an Toten und Verwundeten, da» sind ettva 8000 Mann. ES ist jedoch anzunehmen, daß die Rebellen auch die gleiche Zahl ihrer Toten und Verwundeten außerdem bergen konnten, so daß etwa zwei Divisionen der Rebellentrüppen vernichtet sind. Man kann sich von einem Teil der Eroberung der Dörfer, die die Republikaner übernommen haben, überzeugen. Da» eroberte Gebiet ist etwa 280 Oua« dratkilometer groß. Die erste'Offensive der Republikaner ist geglückt, Gegenangriffe der Rebellen sind sämtliche abgeschlagen. Ein Großteil der republikanischen Truppen besteht au» neu AuSgehobenen, die ihr« erste Schlacht mit großem EnchusiaSmu» durchkämpfen. Da» heißt, daß diese neuen Truppen.' verläßlich sind. Es ist die erste Offensive, di« da» bisher nur in Verteidigung kämpfende republikanisch« Heer durchführt., 42 Hinrichtungen; In Franca-Spanien A i br a t t a r.(Hava».) Außer den 36 der Sympathien für die Baleneiaregierung beschuldigt en Personen, die in Al»eeira» erschossen wurden» find heute weitere sech» Hinrich- tünge» vollzogen«orde». unseres Landes ähnlich wären wie Im Bezirk Braunau. Wir haben aber nichts davon gehört, daß die SdP au» ihnen sozial« Konsequenzen gezogen hat. Denn daß das von dieser Partei tolerierte Verhalten der SdP»Unternehmer im Falle Jungbuch, beim Gablonzer Streik und zuletzt in Hohenelbe nicht dazu beiträgt, die sozialen Grundlagen der sudetendeutschen Familie zu bessern, liegt klar auf der Hand. Die SdP will aus diesen Berichten nichts lernen. Für sie sind auch die grauenvollen Tragödien, die sich im LcbenSbereich vieler sudetendeutfchec Mütter vollzogen haben und täglich aufs neue vollziehen, nur ein Mittel zum Wählerfang. Für jeden denkenden Menschen aber sind diese Tatsachen Ansporn zum verstärkte» Kampf nm das Lebensrecht aller arbeitenden Menschen, 122 Sprengeldürgerschulen Das Schulministerium wandelt eben im Ber- ordnungSwege folgende Bürgerschulen zu Bezirks- sprengelbürgerschiilen um: Bilin, Böhm.-Bud- weiS, Tetschen, Falkenau, Friedland, Eger, Böh- misch-Krumau, Leitomischl, Brüx, PIsek, Pilsen, Ruinburg, Schluckenau, Aussig, Warnsdorf, Saaz. Die Errichtung weiterer Sprengelbürgerschulen erfolgt im Herbst, bis die Stellungnahme der Landesvertretung erfolgt. Insgesamt werden zunächst 122 Sprengelbürgerschulen errichtet. Ihre Tätigkeit beginnt am 1. Jänner 1988, damit die erforderlichen Vorbereitungen getroffen werden können. Bon diesem Tage an müssen die Bürgerschüler der einzelnen neuen Schulsprengel die zuständige Sprengeibürgerschule besuchen. Den Anstalten wurde empfohlen, die Aufnahmen der Schüler nach der neuen Regelung womöglich schon ab 1. September d. I. zu ermöglichen. Die Ausbeutung der Landarbeiter Auf den dem KlosterStrahov gehörenden Meierhöfen in Wallhof und Hör- s i n im Bezirke Wildstein erhalten Landarbeiter, Familienväter mit fünf bis sechs Kiirdern einen Stundenlohn von sage und schreibe einer Krone. Den Deputatisten wird vieles, worauf sie nach den Richtlinien Anspruch hätten, vorenthälten.'Darüber'hiüaÜS läßt die Behandlung der Arbeiter viel zu wünschen übrig. Den Versuch der Arbeiter, sich zu organisieren, hat die Gutsverwaltung mit der Heranziehung tschechischer Landarbeiter zunichte zu machen versucht. Ein Teil der Arbeiter hat trotzdem den Weg zur Gewerkschaft gefunden, den anderen kann nur geraten werden, diesem Beispiel zu folgen. Zum Morde in KönigSwald wird uns mitgeteilt, daß am Montag eine GerichtSkommission aus Leitmeritz am Tatorte den Lokalaugenschein vornahm und auch einige Zeugen«invernom- men hat. Die Mörderin Anna Spengler, die sich noch immer bei der reichsdeutsche» Krimi- nalpolizei in Haft befindet, hat ein volles Geständnis abgelegt und dürste in den nächsten Tagen den hiesigen Gerichten überstellt worden. Deutsche Ferienkolonie der Stadt Brünn. Den Bemühungen der deutsch-aktivistischen. Parteien ist es gelungen, die Gemeinde Brünn zur Errichtung einer Ferienkolonie für deutsche Schulkinder zu veranlassen. Die deutsche Kolonie befindet sich in Zinsendorf, wo 120 Schulkinder ausgenommen wurden. Das Personal der Kolonie besteht gleichfalls durchwegs au» Deutschen, sechs an der Zahl. Die UnterbringungSkosten von 8—10 KC pro Tag und Kind bestreitet zur Gänze die Gemeinde Brünn. Auf dem toten Punkt London. Der tote Punkt, der sich In den Verhandlungen des Nichteinmischungsausschusses ergeben hat, konnte noch nicht überwunden werden, obwohl dazu alle Anstrengungen gemacht wurden. Außenminister Eden hat Mittwoch vormittags den französischen Botschafter Corbin und den italienischen Botschafter Grands emvfangtn. Da» Nichtinterventionsproblem wurde auch in der«gulären Wochrnsitzung des britischen Kabinett» eingehend behandelst, wo Außenminister Eden die Ärge eingehend schilderte. Nach Londoner Auffassung müssen die Vorschläge deS britischen Plans als Ganzes erachtet und von Valencia und Salamanca auch als' Ganzes verhandelt werden. Da die»Vorschläge im allgemeinen von- allen Mächten angenommen wurden, bedeuten die auf technische Fragen gerichteten Einwendungen einen offensichtlich nicht gerechtfertigten Aufschub der Arbeiten. Nom, sDNB.) Nach der Anfang Mai' erfolgten Abberufung der italienischen Korrespondenten aus London teilt! di« Agenzia Stefant"am Dienstag Abend' mit,/daß sie ihren Nachrichtendienst aus London mit dem 1. August wieder durch einen eigenen Vertreter'versehen lassen wird. Die errte Offensive der Volksarmee Sette 4 Donnerstag, 22 Juli 1937' Haariges aus Deutschland - In Deutschland werden die beim Haarschnitt abfallenden Haare für die Filz» und Teppichfabrikation, und die ganz kurzen Haare unter seck>» Millimeter für Dachpappe verwendet. Man-hofft, 500.000 Kilogramm Haarabfall jährlich für die industrielle Verwertung zn gewinnen. Beim Friseur. Ein Herr mit flatternder Lävallietekrawatte und Ksinstlermähne:„Schneiden Sic mir'die'Haare; aber nur ganz wenig, ich trage sic gern etwas lang!"• .„Da muß ich als deutschbcwußtcr Haar- schneider und eines der ältesten MUgliedor der Partei entschieden Verwahrung eistlegen. Ich schneide grundsätzlich nur noch radikal, ratzekahl. Wissen Sie' denn nicht, daß es Ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit. ist, für den Staat Haare.zu lassem?!" Die Schere beginnt zu klappern, der Lehrling sammelt sorgfältig die abfallenden Haare, und der Kunde senkt ergeben sein gewesenes Lockenhaupt und denkt: Wir sind die Schafe des totalen Staates und werden alle über den gleichen Kamm geschoren. Reklame eines Haarwuchsmittelfabrikanten: „Jetzt ist der Augenblick gekommen! Nun dürfen auch Sie nicht länger zögern, unser bewähr- tes Haarwuchsmittel„Euwachsol" zu verwenden. Wer seinen Glatzkopf unbebaut läßt; ist ein Schädling des Vaterlandes. Keine Glatze mehr mit„Euwachsol"! Jedes Haar auf unserem Haupt ist gezählt— und du willst fehlen?!" Nach einer ErgänzungSverordnung sind auch die Haare aus den Zähnen für die Erzeugung von Dachpappe ablieferungspflichtig. # Unter Backfischen:„Du, Frieda, glaubst du, daß ich ins Konzentrationslager komme, wenn ich die Locke von Hans Albers aus meinem Medaillon nicht abliefere?" „Das ist ja zum Haarausraufen l"—„Wir bitten darum. Wann dürfen wir einen Beamten der Haarverwertungskommission zu Ihnen entsenden?" Lange Haare, kurzer Verstand.— Immerhin, im Interesse und vom Standpunkte der Kunstfaserindustrie haben wir dagegen nichts einzuwenden. ■. Junges Eheglück:„Nicht wahr, mein Horst, für daS Dach unseres SommerhäuSchenS wollen wir nur germanisches Blondhaar verwenden?" „Ja, meine Jrmentraut; und für den Fuß- abwischer benützen wir ausschließlich fremdrassiges, schwarzes Kräusclhaar. No. Di« Bahnverwaltung versucht in einer Aussendung an die Presse gewisse Unzukömmlichkeiten zu entschuldigen, die sich bei Jerienbeginn und zu den Feiertagen ergeben haben. Die Entschuldigung erfolgt mit unzulänglichen, um nicht AacÄremaLeiten. zu sagen naiven Argumenten. Man. schwelge .bessere wen» man keine anderen Ausrede», hat! Daß der Fahrplan für das ganze Jahr gemacht wird, wie-man dem Publikum zur Entschuld!», gung der ungenügenden Wagenbeistellung zu,Fe» rienbeginn mitteilt, wissen auch- die- blutigsten Laien seit langem. Daß man nur gewisse regelmäßige Saisonschwankungen berücksichtigen könne, heißt doch nicht: daß mmi auf-den Fericnbeginn und. auf das Zusanunenfallen von drei Feiertagen oder auf große Veranstaltungen keine Rücksicht zu nehmen brauche. Wann soll ungewöhnlicher Andrang denn zu verzeichnen sein, wenn nicht zu solchen Terminen? Es gibt aber auch im regelmäßigen Betrieb einiges, was sich leicht bessern liehe. Man ist'mit der Beistellung von Wagen, besonders bei Nachtzügen, etwa bei den nach Linz und Wien verkehrenden, mehr als knickrig. Man verkauft Platzkarten und stopft dann- die-unterwegs Zusteigest- dcn in die ohnehin besetzten Wagen, statt einen Wagen mehr mitzUführen, was sich wohl noch erschwingen-ließe und-das Defizit nicht wesentlich vergrößern-würde. Man macht überall Reklame für die billige 2. Klaff«. Sie ist erstaunlich billig und gewiß würden Leute, di« mit. Kindern reisen oder die auf. einer längeren Reise Ruhe hoben wollen, sie mehr benützen, aber man müßte, vor allem doch genügend viele Coupös 2. Klaffe beistellen. Wer soll denn den Zuschlag bezahlen, wenn man genau weiß, daß die— übrigens fast durchwegs mit. wenig sauberen und wenig komfortablen Wagen ausgestattete— 2. Klasse sofort überfüllt ist, wenn es.einmal einer dreiköpfigen Familie einfällt, Billetts 2. Klaffe zu nehmen! Und was die Verspätungen betrifft: es gibt, um ein Beispiel zu nennen, kein e vernünftige ErI lärung dafür, daß der in Aussig an den Prager Eilzug anschließende PZ nach Teplitz—Komotau nur ganz selten fahrplanmäßig um 20.43 abgeht, sondern fa st immer 10 Minuten und noch mehr Verspätung hat, dann noch im zweiten Aussiger Bahnhof überlange steht und infolgedessen auf der Fahrt weitere Verspätungen kumuliert. Man drucke wenigstens keine Phantasiezahlen in den Fahrplan, sondern sehe Züge, die später fahren — obwohl es oft ganz unerfindlich ist, warum sie nicht früher fahren können— eben auch später an. Die Leute, denen man vorspiegeln möchte, daß man schneller fährt, als man in Wahrheit fahren kann, merken leider den Irrtum früh genug und find dann erst recht verärgert. Komenskh als Wunderrabbi. Die Zeitung „Sunday Expreß" in Johannesburg vom 11. ds. bringt«in Bild der tschechoslowakischen 40-Heller-Briefmarke mit dem Bilde KomenskhS in blauer Farbe und in einen kurzen informattven Artikel für. die Leser, daß diese' Marke a n l ä tz- lich des Ablebens des W u n der- rabbi in Mukaöevo Spiro ausg^gebcn wurde und daß diese Briefmarke unter den. südafrikanischen Philatelisten sehr gesucht fei, die bereits bis zu einem Pfund Sterling(140 AL) für die Briefmarke bezahlen. Unwetter in der Slowakei. Mittwoch, kurz nach. 16 Uhr, ging über die Mittelslotvakei ein heftiger Wolkenbruch nieder, der mit einem Gewitter und einem starken Sturm verbunden war. Der Wolkenbruch zog in einem Kreis von Püchov über Sillein bis hinter Cadia. Obwohl nicht auS allen betroffenen Gebieten Meldungen über Schäden eingelangt sind, ist doch klar, daß die Schäden in die Hunderttausende gehen. In Sillein drang das Wasser in zahlreiche Keller ein, so daß die Feuerwehr gerufen werden muhte, um den am meisten bedrohten Stellen- bei den Rettungs- und Aufräumungsarbeiten zu helfen. In mehreren, Lagerhäusern'wurden die dort lagernden Wären vollständig vernichtet.•— Im Bezirke Bella Bhtka wurde fast der gesamte Obstbaum» bestand vernichtet. Besonders große Schäden wurden-an den Feldern verursacht, wo das zur Einbringung bestimmte Getreide vernichtet wurde. Das Unwetter hat auch Opfer an Men- s ch e n l e b e n gefordert.- »Blut und Boden." In Grieselstein im Burgenland überfiel der Sohn des Landwirtes Karl Mayer mit einer Mistgabel seinen Vater und verletzte ihn schwer. Außerdem brachte er mit der Mistgabel zwei anderen Familienmitgliedern, die dem Bedrohten zu Hilfe eilten, Verletzungen bei. Schließlich, zog er ein Taschenmesser und stieß er seinem. Schwager Johanna Pfingstel, der eben aus Amerika zurückgekehrt war, ins Herz, der tot zusammenbrach. Der Mörder wurde verhaftet« Der 33jShrigr Lauer Anton Einiöck, der vor einiger Zeit seine Frau mit Benzin überschüttet, sie angezündet und so ermordet hat, wurde von-den Linzer Geschworenen zum Tode durch, den Strang verurteilt. Ehret die Henkerk A. Wyöinskij, Rektor der 1. StaatSuiüvcrsität in Moskau und Staatsanwalt, wurde„für seines Tätigkeit" mit dem Lenin- orden ausgezeichnet.. Zwei Prager in der Schweiz verunglückt. Bei Schweizerhalle ereignete sich Dienstag ein schweres Automobilunglück. Infolge zu großer Geschwindigkeit verlor der Wagenführer einer mit vier Personen besetzten Personenautomobils die Herrschaft über den Wagen. DaS Auto überschlug sich und wurde gänzlich zertrümmert. Während der Besitzer und der Chauffeur der Automobils unversehrt blieben, wurden eine Studentin und ein Ingenieur aus der Tschechoslowakei, die auS Gefälligkeit zur Fahtt mitgenommen worden waren, verletzt. ES handelt sich bei der verletzten Studenttn um Fräulein Klötzer, Studentin der Medizin aus Prag. Sie erlitt einen Wirbelsäulenbruch. Ingenieur Cohn aus Prag ist. nur leicht an einer Hand verletzt. Abkühlung Und Wetterverschlechterung? Wahrscheinliches Wetter, heute: In den böhmischen Län, dein und in der Westslowakel wechselnd zeitweise ziemlich bewölkt, Neigung zu Gewittern oder Schauern, mäßig warm; Westwind. Im Osten vorerst im ganzen heiter und sehr warm, später verstärkte Gewitterneigung, und leichte Abkühlung. Wetteraussichten für morgen: In Böhmen unbeständig, Neigung zu Schauern, weitere Abkühlung, Westwind. Im übrigen Gebiet wechselnd bewöltt, ziemlich warm, stellenweise Gewitter. Vom Rundfunk CMPtahlMmrtM aut dan Proarammam Freitag: Prag, Sender Ir 10.05: Deutsche Preffe, 12.10: Wagner: Faust-Ouvertür«, 14.00: Deutsch« Sendung: Cembalokonzert, 18.05: Deutsche Sendung: Dr. Lump: Zum Gedenken des sudetendeutschen Afrikaforschers Palme, 18.85 Deutsche Arbeiter-Sendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.45: Deutsche Preffe, 18.55: Aus dem deutschen Kulturleben, 20.55: Populäres Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.25: Französische Unterhaltungsmusik.— Prag, Sender II: 15.00: Schallplatte», 15:15 Deutsche Sendung: Fahrt ins Blaue, 15.50: Deutsche Preffe. — Brünn: 16.10: Rundfunkorchesterkonzerr: Nedbal, Suppt etc., 17.40: Deutsche Sendung: Spottreportage; Meixner: Gutes Deutsch.— Preffburg; 11.05 Konzert, 14.15: Opernarien. 22.85: Tanzmusik.— Kasch au: 14.45: Operettenmusik. Mährisch Ostrau: 12.85: Rundfunkorchestettonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Dar Papier und seine Erzeugung; Liederkonzert. Di« tschechoslowakische Telegraphenverwalwng hat dar Andenken de» verstorbenen italienischen Erfinder» Marconi in der Weise geehrt, daß sie. in dem -Augenblicke,.da in Rom die Trauerfeier beginnt, den gesamten Telegraphenverkehr auf zwei Minuten einstellte. Die Einstellung de» Verkehrs erfolgte- von 17.58 Uhr bi» 18-Uhr. Der tschechoslowakische Rundfunk schloß sich an und hat ebenfalls für zwei Minuten die Sendungen eingestellt. Aehnlich wurde er in den anderen Ländern gehalten. kln«eitere» gerichtliche» Nachspiel zu den Kelsenkrawallen Prag.—rb— Die Gewalttätigkeiten, die sich bei der Antrittsvorlesung des Prof. Kelsen auf dem- Prager deutschen„akademischen Boden" ereigneten, sollten gestern ein weiterer gerichtlicher.Nachspiel: haben. Die Swatsanwaltschaft hat gegen den. 28jährigen heuttgen Doktor der Medizin und da-- maligen Studenten Rudolf O h r l i ch die AnAage wegen versuchter Anstiftung zum Verbrechen der Beschränkung der persönlichen Freiheit und der schweren Körperverletzung erhoben. Nach der Anklage soll der Angeklagte in den Räumlichkeiten der Rede- und Lesehalle tust einigen anderen Studenten ein Gespräch geführt haben, in welchem er sich geäußert habe, daß Prof. Kelsen offenbar in irgend-, einer„besonderen Mission" in der Tschechoslowakei weile, da er sonst auf seinen Lehrstuhl verzichtet haben würde. Wenn Prof. Kelsen, nicht auf gütlichem Wege zur Verzichtleistung auf seine Prager Professur zu bewegen sei,.müsse man mit Gew alt. einschre.ijenund Prof.Kelsen z.n.Brei geschlagen werdest. De» weiteren habe der Angeklagte«inen Plan enttvickelt, wie Prof. Kelsen in dem Hörsaal zu überfallen sei. Zwei Gruppen von Studenten sollten dabei zusammenwirken. Die eine sollte den. Studenten, die mit Prof. Kelsen sympathisierten, den Zutritt zum Hör-- saal abschneiden und die andere über. Ihn herfallen. Wie die Anklage ausführt, wurde dieses Gespräch von einer-Bedienerin gehört, die die Polizei davon in Kenntnis setzte, worauf sie sofort entlassen wurde und beim Arbeitsgericht die Klage gegen ihre Dienstgeber einbringen mußte. Dieser Arbettsge» richtSprozeß endete mit eineni Kontumazurteil gegen die Rede- und Lesehalle. Zu der- Mr gestern anberaumten Verhandlung hatte sich der Angeklagte, der heute Arzt in Levoia in'der Slowakei ist, nicht eingestellt, weshalb die Verhandlung vertagt werden mußte. Ein Lied geht In die Welt Andreas Hartauer und sein Böhmerwaldlied Am 25. Juli wird in Eleotiorenhain im Böhmerwaid ein Denkmal für den Dichter des Bühmcrwaldliedes, den Glasmacher Andreas Hartauer, enthüllt iverden. Das Lied ist als ein so allgemeines Gut verbreitet, daß es zu einem Volkslied geworden ist, dessen Autor niemand kannte und nach dem kaum jemand fragte. Geschah das doch einmal, so wurden Namen genannt, deren Träger zwar zur Verbreitung des Liedes beigetragen haben, nicht aber dessen Schöpfer Ivaren. Erst der Böhmcrwald-Schrift- stcller Rudolf K u b i t s ch e k hat genauere Nachforschungen angcstellt rind deren Ergebnis in einer kleine» Schrift") veröffentlicht, in der die Frage nach dem Autor des Liedes schlüssig beantwortet wird. Und zivar hat Kubitschek den Glasmacher Andreas Hartauer als den Dichter des Liedes und als Komponisten der' ursprünglichen Singireise ermittelt. - Andreas Hartauer, mn 28. November 1830 auf der Stachauer Hütte im Böhmerwäld als Kind eines Glasmachers zur Welt gekommen, verlebte seine Kindheit in Goldbrunn,, hoch im Walde des Bergrcicheiistciner DoniiniumS. Als GlaS- macher'lehrling kam er nach Eleonorenhain, aber wie alle Glasmacher trieb es auch ihn bald in die Fremde. Jahrelang blieb«r selbst für Eltern Und Geschwister verschollen, und sein Vater starb, ohne je ivieder von Andreas gehört zu haben. Eine Zeitlang hat sich Hartauer während dieser Wanderjahre in JohanneSdorf in Nordböhmen aufge- *) Rudolf Kubitschek:„Tief drin im Böhmerwald". Das Heimatlied der Böhmerwäldler- 22 Seiten. Kommissionsverlag Carl Maaschs Buchhandlung ll. H. Bayer, Pilsen. halten, wo er im November 1865 die Häuslerstochter Anna Oppitz aus Bürgstein heiratete. Wahrscheinlich ist er dann auch wieder im Böhmerwold gewesen. Deutlich wird seine Lebensspur erst wieder, als er sich 1883 in St. Pölten in Niederösterreich ansässig machte und dort Vie Glasmalerei zusammen mit einer Glas- und Porzellanhandlung betrieb. Er brachte es zu zienilichcm Wohlstand, der später aber-durch Familienzwistigkeiten aufgezehrt wurde. Am Ende zwang ihn die Verarmung, auch sein Haus zu verkaufen. In St. Pölten ist Andreas Hartauer am 18. Jänner 1015 gestorben; seine Frau war ihm im Tode schon vorausgegangen. Ein Sohn seiner Nichte, die er als Pflegekind aufgenommen hatte, betreibt noch heute in St. Pölten eine kleine Glasmalerei. Hartauer war. zeit seines Lebens«in Musikfreund. Er sang gern und gut und spielte Zither und Laute; der Winterberger Komponist Ble chin g e r hat ihn einen»begnadeten Musiker" genannt. In der Fremde hat Hartauer Allfang der siebziger Jahre, also wahrscheinlich schon während seines.Aufenthaltes, in- Nordböhmen,, das Böhmerwaldlied gedichtet und auch die ursprüngliche einfachere Singweise dazu gesetzt. Er gab in diesem Liede zwar kunstlos, aber doch aus tiefem Empfinden der Sehnsucht nach der Böhmerwald- heimat Ausdruck, dem Heimweh nach dem Walde, das jeden Böhmerwäldner in der Fremde überkommt, in-die Ihn.der Drang in die Ferne geführt hat.Undweil das Lied Hartauers eben einer so allgemeinen Empfindung Worte verliehen hat, wurde sein kleines und einziges Werk das Sehii- suchts- und Heimatsied. aller in der weiten Welt verstreuten- Böhmerwäldler:- Abschriften des Liedes, hatti Hartauer an-sein« Brüder-, und Verwandten im Böhmerwalde geschickt und schon um die Mitte der siebziger Jahre wurde das Lied in den Glashütten um Wintcrbcrg. und Wallern gern gesungen. Glasmacher, Handwerksburschen und Soldaten habend es' weitergetragen„ins Oesterreich" und nach Deutschland und mit den Auswanderern kam das Lied schon damals auch nach Amerika. Um 1900 schrieben Landsleute aus Chicago nach Hause in die Oberplaner Gegend, daß das Lied vom Böhmerwäld dort im. Theater gesüng«» worden sei und alle anwesenden Böhmerwäldler zu Tränen gerührt-habe. Und die bayrisch« Dichterin Emerenz Meier schrieb später aus Chicago:»Unser altes Böhmerwaldlied kehrt regelmäßig hier bei unseren Zusammenkünften wieder." Dem Liede war auf seinem Wege in die Welt schließlich eine andere Melodie unterlegt worden, die dem. steirischen Schvtzenlied„Dort ist die Heimat mein" von Jakob Eduard Schmöl» z e r entlehnt ist. Mit dieser Melodie ist das Lied In der Welt bekannt geworden.. Der. Volksschrift» steller.MariMilian Schmidt, genannt Waldschmidt, druckte es als Anhang zu sei- nem Roman«Am Goldenen Steig" ab. Ist die» scm Roman läßt Waldschmidt das Lied durch einen. Musikpröfeffor. der ist Amerika„Hoanstveh kriegt hat nach unserm Wald" und in seiner Sehnsucht das Lied, gedichtet hat, in die Waldheimat mitbringen, läßt es also den gerade umgekehrten Weg gehen als in Wirklichkeit. Waldschmidt hatte das.'Lied in einem Grenzdürfchen. des Böhmerwaldes von zwei Mädchen singen hören ünd Text und Melodie von eincm Schulgehilfen in Freyung aufzcichncn lassen. Durch seinen Roman hat Waldschmidt das Lied verbreiten helfen und länge Zeit ist er für den Dichter des Liedes gehalten worden, Auch der Komponist KarlHoschna, aus'dessen Operette'„Madpme Sherry"-.der Schlager„Komm-in meine.Liebeslaube, in mein PmadieS" in.aller Welt gesungen, gefiedelt und getanzt wurde, hat als Autor des Böhmerwalt- liedeS gegolten, wohl weil Hofchna die Melodie des Böhmerwäldlicdcs in seinem 1.894 komponierten„Böhmerwaldmarsch" hatte anklingen lassend Hoschna, ein gebürtiger Wsnterberger, hat fünfzehn.Jahre lang in Amerika gelebt und in Rejp Nork ist er auch im Jahre 1011 gestorben. Wahrscheinlich hat auch er, anfangs als Musiker, spä- ier in seiner Stellung in einem New Norker Musikalienverlag, zur Verbreitung des- Böhmerwald-' liebes in Amerika beigetragen. Diesem Umstand und der'Romanfabel Wakdschmidts mag cs zuzuschreiben sein, daß noch bis in die jüngste. Zeit die Meinung zu hören war, daß das Böhmerwaldlied aus Amerika herübergekoinmeü fest Diese irrtümlichen Zuschreibungen sind aber erledigt durch Kubitscheks zweifelsfreie Feststellung, daß tatsächlich der Glasmacher Andreas Hartauer der- Schöpser des Liedes ist. Um die.Jahrhundertwende war daS Böhmerwaldlied so. allgemein und weithin'bekannt, daß«S kaum einen Drehorgelspieler gab,-der es nicht auf seinem Werkel gehwbt hätte. Für' Männergesangvereine wurde es-eingerichtet, die da» mals beliebten Sängergesellschäften sangen. es auf ihrenKonzertreisen und auf den öffentliche'n Tanzsälen wurden es als Wälzer- gespielt.-Längst ist es in' die Schülliederbücher ausgenommen worden, und'auch eist tschechischer Text, beginnestd mit den' Worten„Tam v- kräsnö SuMavö",ist feinerMelodie ustterlegt worden. Es sst zu einem Volkslied: geworden, das sich nun erst widder mit dem Namen feines so länge'unbekannt gebliebenen Schöpfers,, des einfachen Glasmachers ünd dem Böhmerwald verbindet. Den. Lebenslauf des Liedes- schildert.Kubitschek,' ist seiner' kleinen. Schrift,, der er' astch ein Bild Hartauers, den Text und die Rötest, beider Singweisen des Liedes sowie Beispiele-der.später gebräuchlichen. Einschub sähe bikgegebest hat. Anläßlich der Enthüllung des Denkmals für Andreas Hartauer ist Eleonorenhain wird.Kübi- tscheks Schrift, die die Autorenschaft HärtäuerS mit'vielen Nachweisest belegt,., erneutes Anjtzr«. esse finden.“ E, H„; Nr. WO Donnerstag, 22. Juli 1937 Seite 8 Die wirtschaftlichen Hintergründe des Japan-China-Konffllktes (Dr. W. H.) Genau so wie seinerzeit der Konflikt im Fernen Osten anläßlich der Besetzung der Mandschurei durch japanische Streitkräfte die Folge wirtschaftlicher, bzw. kapitalistischer Expansionspläne der Grobindustrie deS JnselreicheS war, so ist auch der jetzige Konflikt zwischen Japan und China auf ähnliche Gründe zurUckzusühren.„Die japanische Grobindustrie, d. h. die industriellen Konzerne, sind ausnahmslos die finanziellen Träger der extrem nationalistischen-Militär-Partei und ihre Ziele verfolgt die Kwantung-Armce", so heißt es in der führenden Wirtschafts-Zeitschrift„Oriental Economist", die in Tokio erscheint. Nach den ausführlichen Berichten dieser Zeit- schrift ist nicht die japanische Regierung daS kriegstreibende Element, sondern cs ist dies die Andustriellengruppe und ihre Helfershelfer, die einen„mandschurisch- chinesischen Grotzwirt- schaftSraum" schaffen wollen. Seit Jahren ist die japanische Großindustrie in Nord-China an der dortigen Industrie stark interessiert. Dies gilt besonders für die nordchincsifche Textil-, speziell Baumwollindustrie. Nach dem„Oriental Economist".betrug die Zahl der japanischen Spindeln in Tientsin und Tsingtau Ende 1888 nur 820.000, Ende 1980 war sie bereits auf 680.000 und sollte Ende 1987 bis auf 1,88 Millionen gebracht werden. WaS diese Ziffern bedeuten, geht daraus hervor, dah die japanischen Textilkonzerne Kancgafuchi, Toyo, Kurashiki, Dai Nippon, Kishiwada und Kureha, Ende 1986 bereits insgesamt nicht weniger als 70 Prozent der in Nord-China befindlichen Spindeln besaßen. In 1989 sollte die japanische Spindelzahl mindestens 2,8 Millionen betragen. Dieser Plan drohte vom japanischen Finanzministerium dadurch durchkreuzt zu werden, daß es ein K a p i t a l- ausfuhrverbot erließ. Außerdem stellte das japanische Finanzministerium die Bedingung, daß die Ueberschüsse der bereits in Schanghai, Tientsin und Tsingtau arbeitenden japanischen Spinnereien, restlos für die geplanten Neuanlagen zur Verfügung gestellt werden sollten, wodurch«ine neue Kapitalausfuhr aus Japan vermieden werden sollte. Ferner sollten die japanischen Spinnereien verpflichtet fein, alle nur möglichen Bestellungen für ihre Nenan- lägen in Japan' selbst zu tätigen. Auch dagegen wandten sich die Groß-Konzerne, da verschiedene Waren in China bei den'doktigen billigen Arbeitskräften und Materialien noch viel billiger'zu haben find als in Japan. Zur Bedingung wurde schließlich von der japanischen Regierung gemacht, daß sämtliche Maschinen und Materialien aus Japan auf japanischen-Schiffen nach China transportiert werden müssen. Das Kapttalausfuhrverbot mußte der japanische Finanzminister angesichts der wachsenden Kapitalknappheit sowie der WährungS» und De» visenschwierigkeiten Japans erlaffen. Nach dem „Oriental Eeonomist" hat sich der Finanzminister„nur unter dem Druck der Kwantung-Armee üereitgefun- d e n, die allernoiwendigsten Gelder zur Ausfuhr nach China zu bewilligen." Gegenwärtig sind in Tsingtau neue Anlagen für 218.000 Spindeln und 4640 Webstühlen im Bau begriffen, in Tientsin sind es 488.000 Spindeln und 8700 Webstühle. Um den weiteren Expansionsplänen der japanischen Textil-Konzerne entgegenzütreten, hat der Gouverneur der Distrikte Hopei und Tschahar vor einigen Tagen— auf Anweisung der Nanking-Regierung verkündet, daß der Verlauf von Ländereien an„Ausländer" bei Todesstrafe verboten sei. Damit sollte nicht nur den wirtschaftlichen, sondern auch den militärischen Expansionsplänen Japans ein Riegel vorgeschoben werden. Dies« Darstellung der japanischen Wiri- schaftszeitschrift beleuchtet klar die Hintergründe, die zu dem jetzigen schweren Konflikt im Fernen Osten geführt haben. Wenn«s in einer offiziellen Auslassung hieß, daß Japan auf einen eventuellen Krieg vorbereitet sei, so geht diese Aeußerung auch auf die soeben bekaimt gewordene Mitteilung des Präsidenten der japanischen halbstaatlichen Eisenhütten, Nakai, zurück, der mitteilte, daß„die drohende Gefahr des Mangels an Eisen zur Stahlherstellung in Japan als überwunden gelten könne. Die Gesellschaft Nakais, die Nippon Seitetsu Kabushiki Kaisha, baut gegenwärtig drei Hochöfen zu je 700 Tonnen in Hokkaido und weitere zwei Hochöfen zu je 1000 Tonnen in der Provinz Hyogo. Der diesjährige Cisenverbrauch Japans, der auf 8,62 Mill. Tonnen geschätzt wird, von denen 2,8 Millionen im Inland gewonnen werden, ist allein durch Importe Nakais aus den Vereinigten Staaten, Britisch-Jndien und auch einer kleinen Stahlmenge aus der UdSSR bereits gesichert. Hinzu kommen noch umfangreiche Schrottimporte. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die für daS lausende Jahr geschätzte.Verbrauchsmenge von 8.62 Millionen Tonnen den Rüstungsbedarf einschließt. Japans Währung um zwei Drittel entwertet London. Wie das Reuter-Büro aus Tokio meldet, hat die japanisch« Regierung beschlossen, dqn Wert des Goldvorrates, bei der Bank von JdpüN zeitweilig von 800 Millionen Fen' auf 1 Milliarde' 812 Millionen gen zu erhöhen,’„w Kursschwankungen der Währung zu vermeiden". Dadurch wird das bisherige Verhältnis ein Gramm Gold— 1,88 gen auf ein Gramm Gold— 8.80 gen geändert. Das bedeutet eine Drvalvierung des Ucn um volle zwei Drittel. Der bestimmende Zweck dieser neuen Entwertung des gen kann kein anderer sein, als die Bank von Japan in di« Lage zu versetzen, aus dem Gewinn der Goldpreiserhöhung die immer größeren Rüstungen zu decken. Die deutsche Getreidenot AP.. Zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, daß man im ReichSernährungSministerium auf-dic neue Ernte keine hohen Erwartungen setzt. Durch eine Verordnung wurde dieser Tage bestimmt, daß nicht nur die bisherige hohe Ausmahlung bei Roggen und Weizen für das folgende Jahr beibehalten werden muß, sondern daß das Roggen- und Weizenmehl in dem Maße zu strecken ist, wie es irgend angeht. Der 7pro- zentige Maiszusatz soll daher nicht erst bei den Bäckern, sondern schon bei den Mühlen beigemischt werden, so daß es also gar kein ungemischtes Mehl mehr geben wird. Das vermehrt die Gefahr des Verderbens, die bei dem fetthaltigem Maismehl größer ist als beim Weizen. In Zukunft muß das Maismehl auch dem RoggenMehl beigemengt werden. Schließlich soll vom Herbst ab das Roggemnehl auch mit Kartoffel-Trockenerzeugnissen gestreckt. werden, und man darf generell Brot nur noch verkaufen, wenn es mindestens 24 Stunden alt ist. Dadurch sollen die Verbraucher offensichtlich zu anderen Nahrungsmitteln abgedrängt und der Brotverbrauch eingeschränkt werden. Nicht nur, daß das heutige Brot dem berüchtigten KriegSbrot immer ähnlicher wird, es wird teilweise das Reglement der Kriegszeit noch übertreffen. In Reden wird denn auch angcdeutet, daß das neue Jahr noch härter werde als das vorige. Woran liegt das? Die Verminderung der Getreideanbauflächen hat sich fortgesetzt. Man hat weiteren Getreideboden für Flachs, Hanf, Rüben und filr Wiesen sowie für militärische Zwecke verwandt. Für die Wintersaaten war das Wetter' schlecht. Weiterhin: war auch das Saatgut nicht: mehr ganz erstklassig. Es-fehlt auch der Saat- gutwechsel. Das Korn kann wegen Mangels an ausländischem Getreide nicht- ausgctauscht werden. Die^einseitige Düngung, mit zuviel. Kali und Stickstoff und zu wenig Phosphor, macht sich' I-schädlich bemerkbar.-Ferner mehren. sich.. die. Klagen Wer eine weniger sachgemäße Pflege der. Ackerkulturen, Der Bauer-Hat nichts mehr dies gleiche Lust wie früher.-- Die Folge davon ist. däß man eine noch schlechtere Ernte als im letzten Jahr zu erwarten hat. Damals mutzte man den Bedarf von zwei Monaten aus dem Ausland importieren. Im laufenden Jahr wird man weit mehr importieren müssen, und autzerdem zu wesentlich höheren Getreidepreisen. Der Streik kn den Pariser Hotels und Kaffeehäusern wurde Mittwoch gegen morgen beendet. Das Personal verpflichtete sich, während der Dauer der Ausstellung und des Touristenverkehrs an sechs Tagen wöchentlich zu arbeiten. Die Arbeitgeber erklärten sich dann einverstanden, alle Streikenden, mit Ausnahme der festgestellten Ruhestörer, wieder aufzunehmen. Verhandlungen mit Ungarn Budapest. Der Staatssekretär im Handelsund Jndüstrieministerium Halla teilte- mit, daß zu Beginn des kommenden Monats handelspolitische Verhandlungen zwischen Ungarn und,- der Tschechoflowakei ausgenommen werden."Einer der Hauptgegenstände dieser Verhandlungen wird dse Revision! des am 1. Jänner d. I. in Kraft getretenen Warenaustauschabkommens,' bzw. die Beseitigung gewisser Mängel sein, die sich bei der Ausfuhr verschiedener Artikel, ganz. besonders der Schweine! zeigten. Autzerdem soll di« Frqge des Kleinen./ Die ZemskL banka'(früher Landesbank des Königreiches Böhmen) wird vom'29. Juli 1987 äügffangen an Werktagen die August-Coupons Nr. 74 ihrer 4 Prozent Kommunal-Schuldscheine in Kroyenchährung, Nr. 76 ihrer 4 Prozent Meliorationsscheine in-Kronenwährung an ihren Kaffen,in Prag und Pceßburg einlösen.. Gesteigerter Zuckerexport. Vom 1. Oktober 1980 bis 30. Juni 1987 wurden nach der Schweiz 622.472 Meterzentner Rohzucker aus-' geführt. Gegenüber der gleichen Periode der Vor- jahrskampagne bedeutet das eine Zunahme von 284.668. Meterzentner. Die kleine Schweiz Ist Die Wissenschaft im Dritten Reich. Wie man erst jctzt auS B r e Slau erfährt, ist im. Januar dieses Jahres die rufftsche Abteilung des bekannten, Osteurchra-Jnstitutes an der Universität Breslau von der Gestapo plötzlich überfallen und äuSgeraubt worden. Das Institut hatte einen bedeutenden Ruf in Europa und'wurde oft von ausländischen Gelehrten besucht. Sein letzter Leiter war der Berliner Universitätsprofessor UeberSberger, der als der namhafteste Kenner osteuropäischer Fragen unter den deutschen Historikern gelten kann. Bei dem Ueberfall, an dem sich neben Polizei auch GS beteiligte, wurden 40.000 Bände der Bibliothek, alle Karteien, und sonsttgen wissenschaftlichen Hilfsmittel der«lssischen Abteilung entführt/ Die UeberfallSkolonne benahm sich in den Räumen so, daß einzelne Mitglieder. des weiblichen Personals Nervenschocks mnd Weinkrämpfe bekamen. Die Beamten' wurden unter Androhung- von Zuchthausstrafen' zum Schweigen verpflichtet. Mau sah äbir den Abtransport der geraubten Bücher, für den«ine Reihe Autos bereitgestellt waren. Wohin die wertvolle Bibliothek ver- schtvunden ist und warum sie geraubt wurde, ist aber bis heute nicht zu erfahren gewesen. „Anthony I." vor Gericht. Der„Thronprä- tendeNt" auf den englischen Königsthron, der direkt von Heinrich Vlll. abstammen will und' durch seine wiederholten Beleidigungen des herrschenden Königshauses bereits viel Aufsehen erregt hat, stand jetzt vor Gericht. Er heißt mit bürgerlichem Namen Anthony William Hall, und seine letzte Tat konnte nicht ungestraft bleiben. Er hatte sich nämlich mitten auf dem Trafalgar Square ausgestellt und für«inen Pence Banknoten ängeboten. Diese Banknoten lauteten auf ein Pfund Sterling und trugen die Bezeichnung„Zahlbar bei der Bank von England nach dec Thronbesteigung Anthonys I." Außerdem war sein ganzer Stammbaum auf den Scheinen auf- gcdruckt. Er wurde wegen Betruges angeflagt, nahm jedoch vor dem Richter eine ungeheuer selbstbewußt« Haltung ein und erklärte, daß er wohl erwarten dürfe, daß ihm sein Volk bei der Erli"'npfung seiner legitimen Rechte finanziell zur Seite stehe. Es handele sich um nichts weiter als um, eine.Staatsanleihe, denn er habe durchaus ernsthaft die Absicht, als„Anthony I" alle Scheine mit ihrem Nennwert einzulösen. Der Richter verurteilte ihn zunächst dazu, der Staatskaffe König Georgs VI.«in Pfund Sterling zu bezahlen.„Anthony I." zog sofort aus seiner Brieftasche den Schein und entfernte sich würdevoll. Die verschwundene Granate. Der englische Rundfunk hat 24 Stunden lang in kurzen Mb- ständen die Mitteilung verbreitet, daß diejenige Person,., die eine Granate aus dem Sande eines Strandbades' ausgegrab'tu' und Mitgenommen habe, sich melden solle. Gegen Rückgabe der Granate wurde Straflosigkeit und absolute DiSkre- tion zugesichert. Die Vorgeschichte dieses merkwürdigen Rundfunkaufruses ist, daß vor einigen Tage» eine Küstenbatterie ein neues Geschütz mittleren Kalibers ausprobiert hat. Drei Granaten schlugen dabei in den Weichen Sand und explodierten nicht. Die Militärbehörden, denen gerade daran gelegen war, die Mindestbedingungen festzustellen, bei denen die Granaten loSgehcn, ließen die Einschlagstellen durch einen Draht äb- 'sperren, bis die Experten die notwendigen Prüfungen unternommen hätten. Auch Warnungstafeln wurden angebracht. Am nächsten Morgen jedoch stellte man ftst, daß nur noch eine Granate in der gleiche» Lage verblieben war. Die zweite war von Unbekannten ausgebuddelt und quer über,die Einschutzsfelle gelegt.worden, Es grenzt an ein Wunder, daß bei dieser Ärbeituicht bereits ein Unglück paffierte. Die dritte Einschlagsstelle war jedoch ein leeres Loch, die Granate war spurlos verschwunden. Es dürfte sie irgendein Liebhaber von Militärrequisiten mitgenommen haben. Wenn aber dieser Mann etwa in London wohnt und die Granate in seiner Wohnung aufbewahrt, so kann jeden Augenblick eine Explosion erfolgen, die mindestens das ganze Haus niederreiht. Trotz der dringenden Rmidfuukpppelle hat sich bis zur Stunde niemand gemeldet. ' Als Helland di« Meere beherrschte..., Kürzlich wurden bei Stromboli vier Kanonen und die Reste eines SchifleS aufgefunden, dar vermutlich zu der Flotte de» Admirals de Ruyter gehörte, die am 22. April 1678 die Seeschlacht zwischen Stromboli und Salino ausfocht. Die italienische Regierung-hat diese Fundstücke durch Vermittlung, ihrer Gesandten im Haag der holländischen Regierung ängeboten.. Man erhält für KC 100 Reichsmark,«- 760.50 - Markmünze».-. ' 4 805.— 100 iisterreichische Schilling • 531.50 100 rumänische Lei. ä 16.35 100 polnische Zloty.. • 543.50 100 ungarische Pengö., 100. Schweizer Franke». ’ A 566:50 4 * 656.50 100 französische Francs. • 108.70 1 englisches Pfund-.. 141.50 1 amerikanischer Dollar e * 28.60 100 italienische Lire.. 186.40 100 holländisch« Gulden 1577— 100 jugoslawische Dinare. g -!/ 64.30 100 Belga»..... . 484.— 100 dänische'Kronen ,-632.— 1 100 schwedische Kronen. 4 1 782.— Belgisches Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges Auf einem 175 Meter hohen HUgel in der Nähe von Lüttich wurde ein 83 Meter hohes Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges 1914—1918 errichtet. demnach nach Deutschland der zweitgrößte Zuckerabnehmer der Tschechoslowakei geworden. Der Bicrausstosi stieg im Mai 1937 gegenüber dem Ausstoß im gleichen Monat des Vorjahres um 28.4 Prozent. Der Bierausstoß im Zeitraum Jänner bis Ende Mai 1937 war gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres nm 4.6 Prozent größer. Er betrug im Mai 863.888(1936: 688.746) Hektoliter, in den Monaten Jänner bis Mai 2,988.030(2,828.826) Hektoliter, davon 89.000(33.000) für das Ausland. tluslanU Das Geheimnis um Tuchatschewski. Die englische liberale Zeitung„News C h r o n i c l e" hat vor einiger Zeit ein angeblich von Stalin selbst stammendes Memorandum über den Fall Tuchatschewski verösfentlicht, aus dem hervorgeht, daß Marschall Tuchatschewski nicht Spionage für Deutschland-getrieben-hat,, foirdern, daß. sein Verbrechen darin- bestand, Gegner des außenpoliti»- scheu Stalin-Kurses gewesen zu sein. Tuchatschewski und die mitangeklagten Generäle sollen eine Lösung deS sowjetrussischen Bündnisses mit bürgerlichen Staaten tvie Frankreich und der Tsche- choslowakei und auch die Lösung der Beziehungen zum Völkerbünde verlangt und Schritte in dieser Richtung unternommen haben. Das englische Kommunisteublatt„Daily Wörter" hat diese Veröffentlichung als Fälschung bezeichnet und darauf hingewiesen, daß schon aus stilistischen Gründen das angebliche Memorandum nicht von Stalin stammen könne. Nun aber erklärt die Redaktion der„News Chronicle", daß sie an der Echtheit des Dokumentes festhaltc, dessen Inhalt sie sinngemäß wicdergegeben habe, wenn auch der Wortlaut stellenweise unkorrekt übersetzt gewesen sei.— Einen angeblichen Abschiedsbricf Tucha- tschewskis an Woroschilow, von dem eine Kopie ins Ausland gelangt sein soll, brachte bald nach der Hinrichtung„Aftepposten"(Kopenhagen). In diesem Brief forderte der Marschall den Kriegs» konimissär, den er des Verrates anllagt, zur Beseitigung Stalins auf, der ein„wahnsinniger Gorilla" genannt wird. Die Faschisierung der Jugend In Rumänien, Ein Genosse, der in der Kindcrfreundc-Bewcgung an leitender Stelle tätig ist, erhielt von rumänischen Freunden einen über die Grenze geschmuggelten Brief, in dem cs u. a. heißt:„Mit der Kindcrsreundebclvcgung ist es hier für lange Zeit aus, da wir Reaktion und Reinkultur im Lande haben. Faschismus mit der landesüblichen Verbrämung. Nach dem Muster der Hitlerjugend und der italienischen Ballila hat man nunmehr auch bei uns. Zwangsorganisationeu für die Kinder.„Falanga strajercsti" oder auch„Straja tarn" genannt. Die ehemaligen Pfadfinder sind auch dort«ingeschmolzen. Der Beitritt- für Schüler und Schülerinnen ist-obligatorisch. Einen Widerspruch gibt es bet uns nicht. Wer die Montur, weißes Hemd, gelbes Halstuch, nicht hat, fällt durch. Wen» in Deutschland die Eltern sich gesträubt haben, die Kinder in die HI einzuschreiben, so gibt es das bei uns nicht. Wir hcchen ja, genau genommen, schon seit>1919 den Faschismus,. doch damals hat man. diesen Namm nicht gekannt, Da sind die Rücken'schön viel elastischer geworden/Bei uns wird jeder Ministetial- erlaß wortlos durchgeführt.—Bei den Strajeri grüßen die Schulkinder mit dem Faschistengrüß und sägen„Sanatate", d. h.„Heil". Ich habe sie schon die Absätze zusammenllappen gehört, daß'ein ausgedienter Husar es nicht besser könnte. Die ältere Jugend, Lehrlinge etc., ist- bei den Premilitarif d. t. vormilitärsche Ausbildung. Sie werden am Sonntag von Exerzicrineisiern geschliffen.' Dies ist ist. Kürze der wahre Sachverhalt, Seite 6 „Sozialdemokrat' Donn-rStag, SS. Juki 1987. Nr. 170 ,9>lt Rer-Krlfe.'(AP.) Die Rex-Krise ist durch dicAmnestiesrage, die beinahe den Bestand des Kabinetts. Zeetand gefährdet hätte, vertieft worden. Denn dies Problem brachte Degrelle in «ineN Zwiespalt, aus dem er kaum einen Ausweg gab. Er hatte das Bündnis mit dem Flämischen Nationalverband, dem BNB, dessen hit- lerfreundliche Einstellung bekannt ist. Infolge dieser Bündnisses wäre er genötigt gewesen, für eine vollständige und bedingungslose Amnestie, auch zugunsten der wegen ihrer separatistischen Tätigkeit während des Weltkriegs verurteilten Flamen einzutreten. Der Anhang aus dem fran- zösischen Bürgertum aber, über den Degrelle in Brüssel, in den wallonischen GSbieten und auch unter der Minorität in Flandern verfügt, hätte dies niemals verstanden, und ein Eintreten für dre Amnestie hätte ihm in diesen Kreisen jeglichen Einfluß zunichte gemacht. Hatte er doch schon wegen seines Bündnisses mit dem VNB— das er einst als größtes politisches Ereignis feit der Staatsgründung von 1880 gefeiert hatte— unter den Frontkämpfern erheblich an Boden verloren. Man darf ja doch nie vergessen, daß dies Zusammengehen für beide Teile widernatürlich ist, denn der BNB will ja die Zerstückelung Belgiens. So stimmten die Rexisten gegen die Amnestie. Aber um die Flamen zu beschwichtigen, bemäntelten sie die» damit, daß sie— nicht weitgehend genug seil Damit hat Degrelle schließlich alle perstimmt. Seine Verlegenheiten haben aber damit noch kein Ende genommen. Denn der wallonische Flügel benutzt die Amnestie zu ständigen Angriffen auf das Parlament und das allgemeine Wahlrecht, so daß Degrelle geradezu gezivungcn wird, di« Flamen noch mehr zu reizen. Die belgische Abteilung der Feuerkreuzler, die für De» grelle«intrat, ließ durch den Mund ihres Führers Staffart verkünden, daß das Amnestiegesctz, das „durch die Feigheit der Kammern beschlossen" worden sei, nicht zugelasscn werden dürse. So wird die„zeitweise" Aufhebung des Bündnisses mit dem BiliB, die mit Leclerq vereinbart wurde, zur Farce. Die AlbeitSteiluiig erheischt er, daß Man sich nicht allzusehr durch daS Zusammengehen mit den flämischen Separatisten kompromittiert. Die Dinge, haben aber ihre eigene Dynamik, und c» kann sehr wohl sein, daß sich die Kluft zwischen Flamen und Wallonen erweitert. Im Hintergrund aber schwingt Hitler die Peitsche. Sein Ziel ist di« Schwächung des belgischen Staates, die Ausspielung der einen gegen die anderen, die Schaffung eines Hexenkessel», in dem einer gegen den anderen ist. Bonnets Sparmaßnahmen. Finanzminister Bonnet erwartet, wie er Pressevertretern erklärte, daß die Ersparungen in den Staatsausgaben, welche vom Ministerrat genehmigt wurden, bis zum Ende desTlahre» sechs Milliarden Franc» ciystügeN ttstrdeN, im nächsten Jähr« dann 28 Milliarden Franc», in»gesamt also 81 Milliarden Franc». Der Finanzminister betonte, daß die normalen Staatsausgaben in keiner Weise berührt werden. Der Voranschlag für das nächste Jahr werde vollkommen ausgeglichen sein. Serbien weist Reuter-Korrespondenten aus! Der Korrespondent des. Reuterbüros inBel» g r ä d Robert Harrison erhielt nicht die Bewilligung züm weiteren Aufenthalt in Jugoslawien, wo er ungefähr 18 Jahre tätig war. Sein Gesuch um Aufenthaltsverlängerung, das nach einer gewissen Zeit immer wieder eingebracht werden muß, hat die Polizei abgewiesen. Erfolg Roosevelt». Zum Führer der demokratischen Mehrheit im Senate ist nach dem verstorbenen Senator Robinson Senator Barkley mit 88 Stimmen gegen den Senator Pat Harrison gewählt worden, der 87 Stimmen auf sich vereinigte. Der Sieg Barkley» ist«in Zeichen, daß Roosevelt die Autorität seiner Partei behauptet, weil Senator Barkleys fast ausschließlich von den Anhängern des Gesetzentwurfes über die Reform de» Obersten BundcSgerichte» gewählt wurde, während die Stimmen, die Harrison erhielt, von den Gegnern der Entwurfes stammen. Auch die Buren„erwachen"? Die Vereinigung der.afrikanischen Kulturgesellschasten(Afrikaanse Kultur Verenigung») hielt in Bloemfontein in Südafrika eine Sitzung ab und beschloß unter Vorsitz de» nationalistischen Abgeordneten Merve«ine Kampffront mit der nationalsozialistischen Partei Dr. Milans zum Schutze der afrikanischen Kultur und zum Kampf gegen den englischen Einfluß zu gründen, der übrigen» allmählich schwindet.. Als erste Aufgabe wurde beschlossen, eine einheitliche Organisierung, aller afrikanischen Arbeitergewerk» schäften, namentlich der Arbeiter in den Goldgruben, welche, über 75?b afrikanischen Ursprung» sind, zu erreichen. Vorläufig anerkennt die Gruben- Kammer nur die unter englischem Einfluß stehende Union der Goldgrubenarbeiter an. ■ Die Tageizeitungen„New Jork American" und„Th« New N»rk Journal", die dem Hearst- Konzern gehöre», wurden dieser Tage zu einem Blatt vereinigt, Beide Blätter hatten während der Präsidentschaftswahlen ein« scharfe Kampagne gegen Roosevelt geführt und ihn hiebei einen kommunistischen Agenten genannt. Die» hatte bei der Leserschaft zu starken Verstimmungen geführt und zahlreiche Abonnenten stellten" den Bezug der Blätter ein. Der arme Teufel glaubt— sofern er für Zeitungen"schreibt— seine Untaten mit der Geringfügigkeit seines.Einkommens rechtfertigen zu könnens, Keinem Menschen würde es aber etwa beisallen, eine-Justiz, die gedungene Mörder im Verhältnis-zur Höhe des erhaltenen(Mordlohnes- bestraft,', für gerecht zu halten; und ebensowenig sinnvoll-ist-die Neigung nachsichtiger Leute, journalistische Delikte gegen das gewiß kleine Zeilenhonarar zu verrechnen.; j• Das war dem Hinweis auf. eine journalistische Untat der„Bohemia" vorauSzuschicken. Diese» immer noch rüstige Blatt," da» sich für die Sporttrottelei und den Mordappetit und all" die anderen Tollheiten der zeitungSkaufkrästigen Jugend- da» größte Verständnis bewahrt hat,' der» ösfentlichte am 21. Juli 1937.— al» auf: der ersten Blattseite völlig unmetaphörisch von mörderischen Schlachten zu berichten gewesen wäre— auf eben dieser Seite die ganzfette' Titelzeiler „M örderischc Davispokal- Schlacht". Wenn" man auch aus einer Mücke gewiß keinen Elefanten machen soll, so hat man doch zweifellos mit aller erreichbaren Sorgfalt Mücken zu zerquetschen, die Pestträger sind. Und gar diese Mücke! Ein Prachtexemplar von Bazillenträger! Vollendeter Ausdruck und Verbreiter einer Geistigkeit, die sich durch Nachrichten über die Blutrealität von mörderischen Schlachten nur mehr gelangweilt fühlt, aber deshalb noch lange nicht auf den Kitzel der Metapher verzichten möchte. Äenn's in Spanien echten Mord und in China echte Schlachten gibt,-läßt sich die Journalistik zu keinem so scharfen Ausdruck hinreißen, sondern kommt— vom Redaktionseleven aufwärts alles abgebrühte„Realpolitiker"— mit dem„nüchternen" Wortschatz von„Konferenz",„Nichtintcrventlon",„Einmischung",„Fünferausschuß",„Kein Abbruch der Beziehungen",„Maßnahme",„Straserpcdition", „Notenaustausch" restlos aus. Die Emotionen aber, die auf die Dauer eben nicht unausgelebt bleiben können, tauchen im Sportbericht ans, der in der zeitgemäß lebfrischen„Bohemia" nunmehr auf die erste Seite gerückt ist, und zwar in Fettdruck: Wenn ein deutsches Tennisschlieferl zweieinhalb Stunden schwitzen muß, ehe es gegen das amerikanische verliert, steigt die kriegerische Metapher, die die in den realen Kriegsberichten verdrängt worden ist,-auskreischend ins Bewußtsein. Ein Tennismatch, das am blutigen 2lt. Jllll'tzcs'Jahres 1'937'gespielt"Wörden ist, hat zweieinhalb Stunden gedauert,— und es heißt „mörderische Schlacht"; aber das Sterben und Morden und Schlachten, das sich in den anderen Zciinngsrubriken(und wäre es auch nur-im Sportteil) so gerne bei seinem richtigen Namen nennen ließe, heißt so gut wie gar nichts. Ohne Frage ist der Journalist, der die geile „Bohemia" so tüchtig bedient(und dem diese unsere Würdigung seines Talentes dort doch ganz gewiß nur nützen wird), elend honoriert. Aber dem Teufel die Armut als Verdienst anrechnen, — das wäre eine kuriose Buchhaltung, mit der sich die Kultur ebenso ohne Frage der betrügerischen Krida schuldig machen würde, W. S. Der Nachwerkehr auf der Prager Straßenbahn läßt, wie uns au» Leserkreisen wiederholt berichtet wird, nach wie vor sehr viel zu wünschen übrig. Die seinerzeitige Verordnung, daß insbesondere die letzten Wagen einer Linie in der Station auf den An- schlußwagen einer anderen Linie, warten müssen, wird oft nicht eingehalten. Die Wagenführer regeln gerade zur Nachtzeit den Fahrplan ost höchst eigenmächtig. Sie warten nicht auf die Anschlüsse, ja man kann manchmal merken, daß sie anscheinend absichtlich davonfahren, um den Passagieren, die buchstäblich das Nachsehen haben, Billa Tringlerotzt, ein« jung« tschechische Filmschauspielerin einen Possen zu spielen. Man läßt drei, vier Wagen hintereinander Von der Strecke abbiegen und in die Remise heimkehren, während die Leute fluchend und oft vergeben» warten, daß der fahrplanmäßige Zug komme, weil dieser fünf Minuten vor der Zeit da- vongefahren ist. Besonder» übel ist e» mit dem Rächtverkehr vom Deivicer Siege»pkatz in Richtung Podbaba(Nr. 7 und 18) bestellt. Da fahren alle Wagen nach Vokovice und gegen Podbaba kännen die Leute für ihr gute» Nacht-Taxcn- geld zu Fuß gehen. Besonder» lästig ist e», daß die Wagen, die nicht die vorgeschriebene Strecke fahren, nicht besonder» bezeichnet sind und daß einem die Schaffner meist erst an der Kreuzung, an der sie abbiegen. mitteilen, daß man auf» Pflaster geletzt wird und weitersehen kann. Man könnte andern-- fall», wenn man cs rechtzeitig wüßte, oft einen anderen. günstigeren Wagen wählen. Der Dienst am Kunden ist jedenfall» nicht die besondere Leidenschaft der Prager Städtischen Straßenbahn. AuSslugSzüge der CSD: Vom 81. Juli bi» 1. August„Fahrt in» Blaue" mit dem Sonderzng znm Baden(79 Kilometer) Ai 7s.—, vom 81. Juli bis 16. August nach Karpathorußland Ai 890.—, vom 1. August nach Mähren und der Ma- cocha Ai 180.— vom 7. bis 16. August Lagern im ssowakischcn Paradies Ai 296.—, vom 7. bi» 15. August„Quer durch den Böhmerwald" Ai. 4s0.—. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 888.85. Iümst Mck Mssen. ein Spiel von 6er deutschen Spionage im Theater in Rostow a. D. Rostow macht den Eindruck einer Hafenstadt; sie liegt nur wenige Kilometer von der Stelle entfernt, wo der Don in» Azowsche Meer mündet. Nach der anderen Seite hin geht der Weg in die Kosakendörfer und die Riesensteppen der Ukraine; im Bor- beifahren sieht man hier vom Dampfer aus«in Hohes weißes Gebäude, das durch feine moderne Architektur sofort alle Blicke fesselt. Von den verträumten niedrigen Häusern, die an die türkische und griechische Epoche Rostow» erinnern, wird es durch eine große Parkanlage getrennt. Bis die niedrigen alten Häuser am Donufet dem projektierten Stufenpark weichen werden, wird da» Theater einen noch.imposanteren Eindruck erwecken. Eine breite steinerne Treppe führt zu dem hohen Gebäude, da» sich nach rückwärts senkt und dessen Vorderfront, mit Skulpwren geschmückt, von zwei höhen GlaSausgänaen, die zum oberen Konzcrtsaal fuhren, fkänklerk Ist. Am'Abend sähen diesr AÜfgäNg« wie zwei Lichtsäulen au». Schon da» Vestibül ist überraschend, die Decke wird von neun mächtigen Marmorsäulen getragen. E» gibt eine Anzahl Wandelgänge, Rauchsalon», zwei Foyer», alle» modern und künstlerisch durchdacht und eingerichtet; nebenbei eine Raumverschwendung in einem Thatergebäude, die ihresgleichen sucht. Der Zuschauerranm hat nur Sitzplätze, halbkreisrundes Parterre und Balkon». Den größten Stolz haben die Projektanten darein gesetzt, daß von allen Plätzen au», gleich gut die bogenförmige Bühne übersehen werden kann. Die ÄuSschmückung de» Theater» liegt in seinen edlen Linien und- architektonischen Einfällen, die Wände sind mit glattem Marmor verkleidet. Da» Theater ist bi» nun das modernste in der Sowjetunion und da» Ziel vieler Architektenexkursionen. In diesem Theater wurde nun im Mai ein Stück äufgesührt, dessen Einstudierung, vor allem aber der dramatische Stoff, eine besondere Beach- tung verdienen. Man mag ja zugeben, daß in künstlerischer Hinsicht. Verschiedene» an dem Stück inir- zusehen wäre, an erster Stell« der manchmal störende lose Zusammenhang der Szenen. Er behandelt aber ein Thema, das eine» der brennendsten Probleme berührt und durch die letzten innerpolitischen Ereignisse im-llSSR eine- eigene Beleuchtung erhält. Eben, diese letzten Ereignisse machen die Tendenz verständlich, derartige Stücke zu- Propaganda» und Erziehungszwecken auszunützen. Da» Stück führt den Titel:„Konfrontation"(..Otschnaja stavka", von B. Tur und L. Schejnin). Der Prokurator des Antispionagedlenste» erfährt, daß vom deutschen Spionagedienst ein junger, besonders fähiger Mann nach USSR geschickt wild, der dem dort wirkenden alten Spionageleiter zugewiesen wurde. Der junge Spion wird über die Grenze geschmuggelt und fährt dann nach der Hauptstadt. Auf dem Bahnhofe wird ihm von einem Taschendieb sein Portefeuille gestohlen, in dem sich neben Geld auch die schriftlichen Weisungen befinden. Der Taschendieb entschließt sich nach langem Zögern, zum Prokurator zu gehen und ihm die Dokumente auSzühändigen und sichert sich Straflosigkeit' für den Diebstahl dadurch, daß er au» Bürgerpflicht die Spur einer Spionage' zu entdecken' half. Der Spion wußte sich indessen mit einer Beamtin der staatlichen Aerofabrik"zu befreunden, stiehlt mit fhxer Hilfe den Konstruktionsplan der neuen Flugzeuge, wirft aber bei: einem Ausflug seine Mithel- - fcrin von einer Böschung herab unter den fahrenden Zug. Die Polizei verfolgt seine Spur, verhaftet den alten Svionageleiter und mit Hilfe verschiedener Menschen gelingt es ihr-auch,"den jungen Mann, her mit den Plänen wieher nach Deutschland fliehen wollte und von den Grenzposten angeschossen wurde, der Spionage und de» Morde» du überführen- Die fünf Akte wollen-beweisen, daß sich die deutsche Spionage(sie wird nicht direkt, al» deutsche Spionage bezeichnet, es ist aber nicht schwer, da» zu erraten), aller Mittel bedient und daß ein jeder, her mit ihr in Berührung kommt, ihr unfreiwilliger Helfer sein kann; davon.geben die einzelnen Szenen aßsch'anliche Bilde« mit" durchsichtiger Warnung. Die pur gesunde Verdauung sorgt das natürliche Abführ-Erweichungsmittel, Verursacht Keinen' uurcnjan Für Diabetiker in gleicher Zusammensetzung ohne^uckej. Mft den,Bezeichnung D in jeder Apolhok*» Szene in der fremden Mllitärspionägezentrale stift ein Kabinettstück gut abgelauschtcr- Charakteristik und der Tatsache, daß der eigentliche Urheber stet» im Hintergrund bleibt. Die Übrigen Szenen liefen astf eine tendenziöse Pädagogik hinaus, entbehrten jedoch nicht dramatischer Spannung und manchmal eine» urwüchsigen Humor», vor allem durch die Gestalt de» Taschendiebe», der sich mit 50 Rubel begnügt, um ein neue» Leben anzufangen. Der alte Bauer weist entrüstet da» Anerbieten zurück, für eine" reiche Belohnung den jungen Mann über di« Grenze zu führen, der jüdische Schneider betrachtet er al» sein« Pflicht, bei der Aufdeckung de» Spion» mitzuhelfen, ebenso wie der Arzt im Grenzdorf«. Regie und Ausstattung bemühen sich, durch vollendet künstlerisches Spiel die politische Note so annehmbar wie nur möglich zu machen. Die Schluß» szene, die den Gipfel de» Spiele» und auch der Regiekunst bedeutet, die Konfrontation de» Spio- nagcpaarcS mit den Zeugen und entdeckten Tatsachen, war. ein Meisterstück russischer dramatischer Kunst. Dem ruhigen, aber bestimmten Kreuzverhör de» Prokurators hält der Spionageleiter, em früherer zaristischer Offizier, ein verbissener Gegner ter sozialistischen Regierung, nicht lange stand, während'der junge Spion mit einer— durch da» Spiel— bewundernswerten Eleganz und Beharrlichkeit bei seinem Leugnen verbleibt und erst dann zusaminenbricht, bis neben den Spionageversuchen auch seine Mordtat" entdeckt wird. Dar Spiel würde nirgends, wo die faschistischen Spionagemethoden in eine ernste Kriegsgefahr ausarten könnten, seine Wirkung verfohlen.'.. Milena Jllovä. Für das Karlsbader Smetanadenkmal. Der Präsident der Republik Dr. Edvard Benes widmete 10.000 Ak für die Errichtung eines Denkmal» für den Komponisten Bedkich Smetana, in Karlsbad. Ensemblegaftspiel Grünbaum— Farka». Heute in der Kleinen Bühne„G a n g st e r'über W ien". Morgen„Ali Farkas und di« 4 0 Grün bäume". Preise Ak 5.— bis 85.—, Vorverkauf: Bohemiafiliale,(Deutsches Hau», Tel. 21887), Wetzler, Truhläk, N. D. Theater. Der Mm, Statt„Boshiivgra" m„Kahana". Auf Ersuchen des japanischen Gesandten in Pari» willigte der Produzent des seinerzeit heftig umstrittenen französischen GroßsilmS„Uoshiwara" ein. den Titel de» Film» in.Kohana" umzuäudern. In diesem Film spielen Seffue Hayakawa, Mitsuko Tanako-Meinl und Pikrre Richard Wilm die Hauptrollen. Die Prager Merkur-Film teilt zu dieser Meldung mit, daß der Film im Gebiet der Tschechoswlvakei weiter unter dem Titel„Nofhiwara" erscheinen wird. Freigegebene-Filme. Da» Handelsministerium gab in der Vorwoche die Einfuhr von 18. abend- füllenden Spielfilmen frei. E» sind die»:„Zusammenstoß um Mitternacht",„Im Siebenten Himmel"^„Betrüger auf Reisen",„Detektiv Nick", „Die güte E r d e",„Nachtflug",„Land der Liebe",„Die gxoßenTorheiten",„Wenn Frauen schweigen",„Süzanna im Bade",„Sieben Ohrfeig«»"„Der Herrscher",„Romanze".' Ortsgruppe Prag. Sonntag, den" W. Juli: Treffpunkt um 7 Uhr früh beim Smichover Bahnhof, Fahrt nach Revnice, Wanderung nach Zadnl Tkeban zum Baden, führt ÄInternitz., Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Nachtflug."(A.)— Alfa:„Der „-Musterdiener."(Ä.)— Apollo:„Die„Liebesparade."(A.— I. MacDonald, Chevalier.)—. Avion:„Die wahnsinnigen Elemente."(A.)— Fenirr„Zirkus,"(Rufs.)— Flora:„Role-Marie." (A.— I. MacDonald.)-— Hollwood:„P;ater." (D.).— Hvizdar„Äqchtflug."(A.)— Jultt: „Das schöne Frt. Schragg."(D.)— Kinemar Reportagen, Louis Braddock.— Koruna: Aktualitäten, Groteske, Reportagen.— Kotvar„SchfcksalS- wegir-"(ENgl.— Conrad Veidt.) ,— Lüeernar ..Königin Christine."(A.— Greta Garbo.l Metro:„Dar Komödiantenschiff."(A.)— Passage: „Prater."(D.)— Praha:„Vampyr in Weiß. (Ä.)— Sfautr„Der gehennnirvolle Mr. O'Häriu" (A.— G. Cooper.)— Svitozor:„Die Frau am Scheidewege."'(Tsch.)— Almar„Die Jungen» au» Hefter-Street."-(A.)— Belvedere:„Pietadilly- Jim."(A.)-— Besetz«:„Eine Fran ohne>Bedeu- tnng."(D.)-r Illusion:„Spiel mit dem Feuer." (D.)— Lid» Ur.„Moskau—Schanghai."(D.)— Louvre:„Dje Gangstcrbraut."(A.)— Maeetka: „Ein" HochzcitStrai;m."V(D.)-r—. Olympier„Ma- .zurka,"(D.)— Roch:),Ein"Hochzcit»trastni,"(D,'). -7- Tatra:„Wenn Frauen.schweigen."(D.) U Bejvledu:'„Alle Tage ist kein'Sonntäg,"(D.)— Baldei:„Frauen' und Freundinnen:"(A.)-— Peleychhr„Donner und-Blitz!"'(A-)' Bezugsbedingungen: Bel. Zustellung tn» Hau» oder bei Bezug durch die Post, mdnatkich AS IE—,.vierteljährlich AS»8.—. halbjährig Ak 98.-. ganzjährig Ak 192.—.—' Jästrät«' werden laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellnn« von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Äetoursnarken.— Die ZeitungSfrankatur'wurde'von der Poik und Tele- graphendirektion mit Erlak Nr.18L00/VII/1980 bewilligt.—Drucktet:..Orbis", Druck-. Verlag»- und Zeiwngr-A.-S Prag.''' ’ KT-',V