Tozvldemokrat entralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit«««nähme de, Montag tSg«ch frllh/«inzelprei« 70 Heller . Verwaltung. Prag XU., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub— Derantw. Redakteur!.B.: Zdenko Neuwlrth, Prag 17. Jahrgang Mttwo», 28, Juli 1937 Aus dem Inhalt: Alles Brotgetreide In Deutschland requiriert Tschechischer Pfarrer als Franco-Agitator der SdP Selbstmord des Gendarmenmörders Hrna Nr. 175 Japanisches Ultimatum abgelehnt Kriegszustand In Pelplng Bewegte Debatte Im Selm London. Die„Times" melden, das« der sowjetrussische Anßenhandelskounnisiär Rosen- a o l tz nebst zwei Bizekommiffären sowie, eini- acn Trustleitern verhaftet wurde». Ihnen wird die Verantwortung für das 36 Millionen Rubel betragende Defizit der Außenhandelsbilanz angelastet. Weiter wurde dem gleiihen Blatte zu? folge auch der Bizekommistiir für Ackerbau ver- hnftet, sowie zahlreiche Leiter des K o m s o» m o l. Auch die Schriftsteller P a st e r n i a l und P i l n a k sollen verhaftet worden sein. Madrid.rbe erneut in Tokio und. Rauling die Hosf- iimlg auSdrückcn lassen, daß die Kämpfe in Pci- ping aufhören möchten, da auch zahlreiche Aine- rikaner dort tvohncn(I). Amerika wünsche keine Konsultation mit anderen Mächte» in dieser Frage und werde sich nicht an Vermittlungsversuchen beteiligen. Auch irgendein P r o t e st sei nicht beabsichtigt. Das furchtbare Ringen um Madrid Regleningsffront halt stand Ferhöst-Krieg unabwendbar?! Dle“ s,!,” omTa8e Schweres Gefecht In Pelplng Tokio. Die Nachrichten-Agentur Domei meldet anS Peiping, daß DienStag um 17 Uhr bei Ranjuan, 10 Kilometer südlich von Peiping, «in heftiger Kampf begonnen hat. Die 38. Di- Vision der Chinesen, griff die japanischen Truppen an, wurde jedoch zurück,«schlagen. In Peip- tng wurde der Kriegszustand proklamiert. Die Garde» der ausländische n Gesandtschaften in Peiping haben B e r e i t s ch a f t. ES. sind Sandfäcke vorbereitet, damit, so schnell als niöglich dir Eingänge in das-Gefaudtschaftsviertel verbarrikadiert werden können. Pelplng berelts ohne Drahtverbindung • Schanghai. Alle'telegr^Mchen'ünh^stele«' phvnischen. Verbindungen Mit. Peiping sind schon unterbrochen; Der Verkehr mit Peiping ist nur- mehr durch drahtlose Telegraphie möglich. Nordchina In Waffen Skanking. Die Nankinger Regierung läßt Mit größter Beschleunigung Truppenabteilungen nach Nordchina' fchasfen, u. zw. in Eisenbahnzügen, Automobilen und auf Schiffen; Gleichzeitig lverden LebcnSmittelvorräte und Kriegsmaterial nach Nordchina transportiert. Die Regierung hat ihren, Truppen, welche sich bereits in der Provinz Hopci befinden,'die Weisung erteilt, sich' unter den Befehl des Generals' Suntschajuan zp, stellen. Grauenvolles Gemetzel T i e n t s i n. Dir Nachricht von der Vernichtung der chinesischen Besatzung. in T u.n» schn hat in hiesigen chinesischen Kreisen große Erregung auSgelöst. ES laufen Gerüchte nm, daß die chinesischen. Soldaten nach ihrer Entwaffnung durch Maschinengewehr- und Geschützsalven nirdergeschoffin wurden. Der hiesige Vertreter der japanischen Militärbehörden bestätigte die Nachricht, daß bei T u n g s ch a ü von den Japanern ein chinesisches Bataillon,, das sich weigerte, seine Waffen auSzulieferu, vernichtet- wurde. DleWestmächte sind— besorgt . Amerika protestiert nicht einmal AnS London wird gemeldet: Die Lage Die Würde Ist In Ihre Hand gegeben... Linz. Die ober-österreichische Vaterländische Front fordert alle O c ste r re i ch c c, welche in diese» Tage» zu dem Sängers«st nach Breslau reisen, auf, österreichische Abzeichen zu tragen und sich w U r d i g z u b en e h m e n. - Gegen Personen, welche dieser Aufforderung nicht nachkommen, lvird nach ihrer Rückkehr einge» ! s ch r i t t e n werden. Behörden haben die offizielle Erklärung ablehnen und entschlossen find, b'ärdo» Militärbehörden gaben den chinesischen De- S.1 P««In« Wo« schreiten werde«, falls die chine. fische« Truphen«icht aus Peiping abberusen würden. «»»ML? beiden Erklärungen wird setzt ein japanisch- chinesischer Konflikt in großen Ausmaßen als unabwendbar angesehen. Schwere polnische Angriffe gegen Warschau. Gelegentlich der Beratungen über> drückt;. Der zweite oberschlesische Abgeordnete, 'die von,d«r Regierung eingebrachteii Gesetze für" WWng"''" Polnisch-Oberschlesien kam eS in der Dienstag- Plenarsitzung des Sejm zu einer bewegten De batte über die polnisch-deutschen Beziehungen. Der Abg. Rvwak aus Kattowitz wies u. a. darauf hin, daß die Genfer Konvention die Folge seiner suggestivem deutschen Propaganda war und nichts anderes als eine Einschränkung der Souve- ranitÄ Polens in diesem Lande bezweckte. Unter deM Deckmantel der Genfer- Konvention feierte die deutsche Propaganda, wahre Orgien. Der Redner beschwerte sich.sodann Über die Ent- na t tonal i s ittun g d er polni- s ch«n Mi v d e r h e t t im Dritten Reiche- und erklärt« u. a., daß entgegen der seinerzeitigen.Erklärung des Reichskanzlers Hit ler die Polen im Dritten Reiche auf Grund des Gesetzes über-die Staatsbürgerschaft eigentlich älter-Bürgerrechte beraubt wurden.-Die Wjrkun- gell'.des Erbhofgesehessind die gleichen wie jene des-. berüchtigten: EnteigNüngSgesetzeS, welches. vor dem Weltkriege gegenüber, dem'Polen in Deutschland angewendet wurde. Die t>p> o l n l« MWWWWMWWWw China wird in London mit besorgter Aufmerk samkeit' verfolgt. Die britische Regierung steht in ständiger Verbindung' ntit den' Regierungen' der ,Vereinigtell Staaten und Frankreichs, um durch übereinstimmendes Vorgehen eine möglichst weitgehende Sicherung der fernöstlichen In teressen zu erzielen. Der britische Geschäftsträger in Tokio wurde von London beauftragt, im japa nischen Außenministerium darzulegen, daß Groß britannien japanische Truppeflaktionen in unmit telbarer Umgebung'von. Peking und, iw Peking selbst, vermieden sehen, möchte. Ed en,', der im Unterhause auf eine'Frage Major A't t l e e s auch diese Tatsache erwähnte, erklärte, daß di« bAtische Regierung.'sowohl; der. chinesischen wie der.japanischen Rigierung. gegenüber' ständig ihre Besorgnis zur'MeflntlliS^gebracht, und..ih'r^n«^ teresse an einer friedlichen C.inigullg nachdrücklich aMesprochen habe; In der gleichest Weis«.sei- bön^; der Hansischen, und der amerikamschen RÄtÄflgvörgegallgen'Wörden.n. r.- ----Eilligttinaßen im Widerspruch' damit wird sche Pr.e-sse'in Deutschland werde von den aus' WasSi'llnton-berichtet: Auf Anfrage deutschen'Behördeft. k i q u i d i« r t und das übet'die-SÜ!uÜflg«ähme Amerikas zum Nord- polnische Schulwesen unter-. Vie bange Frag« .Wie lange noch Weltkonjunktur? Die halbe Million Männer und Frauen, di« infolge des KonjunkturanstiegeS lvieder als schaffende Menschen in den WirtschaftSprozeß unseres Landes eingegliedert werden konnten, haben kein stärkeres Verlangen als das, daß die Konjunktur anhaltend sei und sie vor einem neuen Aurücksin- ken in die Arbeitslosigkeit betvahre. Aber die Erfahrung ihres Arbeiterlebens lehrt sie, daß die Wirtschaftskrisen mit ihren hochgehenden Wellen der Massenarbeitslosigkeit Aperiodisch wiederleh- reu. Und so schleicht sich immer lvieder die Frage an sie heran: Wie lange wird die Konjunktur noch andauern? Wie lange lverden lvir noch Arbeit und Erwerb haben? Daß die wirtschaftliche Entlvicklung ilnsereS Landes ans das stärkste- mitbestiuunt lvird von der Entwicklung der Weltwirtschaft, daS mußte in den letzten Jahren auch von jenen anerkannt lverden, die die innige Verflechtung der„nationalen" Wirtschaft mit der Weltwirtschaft am liebsten leugnen. So wie die Weltkrise des Kapitalismus mit nur geringer Verspätung auch die tschechoslowakische Wirtschaft erfaßte, so hat dann auch—■ wieder mit einiger Verspätung— die weltwirtschaftliche Belebung die Produktion, die Beschäf« tigung und dell Handel unseres Landes in die Höhe gerissen. Eben jetzt sind lvir soloeit, daß die industrielle Produktion der Tschechoslowakei den Stand von 1020 überholt hat, und die Arbeitslosigkeit -eine so starke Abnahme verzeichnet, die vor einem Jahre nicht äle^wahrscheinlich angenommen' wurde. Dabei lassen alle in den letzten Tagen veröffentlichten Berichte darauf schließen, daß der Wirtschaftsanstieg sich weiter, fortsetzt. La, einige Industriezweige und die bedeutendsten Konzernunternehmungen der Eisenindustrie melden, daft ihr Auftragsbestand und Auftragseingang ihnen die Aufrechterhaltung des.hohen Beschäftigungsstandes und die Fortführung des erweiterten Pro» duktionsumfanges bis tief in das Jahr 1038 hinein garantiere. Wenn also auch nach dem Ablauf des Sommers mit einem saisonmäftigen Rückschlag zu rechnen ist, zu einem tiefen Einbruch in die Produk« tioilskonjunktur und die Gesamtwirtschaft der Tschechoslowakei dürfte es kaum kommen. Diese Perspektive gilt freilich nur dann, wem: nicht die Kriegskatastrophe über Europa hereinbricht, von deren Vorbereitung die Weltkonjunktur noch im« iner genährt wird. Während die Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft unseres Landes gerade das stärkste Tempo eingeschlageu hat, sind an den Weltmärkten der Wirtschaft einige Borgängo zu beobachten, die als Symptome einer'sich ankündigen- den Stockung der Konjunkt u r gewertet, werden können. So hat die Hausse an den Weltwarenmärkten ihr Ende gefunden und einer unsicheren Lage Platz gemacht. Die Produktion einiger wichtiger Rohstoffe und. auch derui Verbrauch geht zurück,' Die Vorräte, um die man sich zu Beginn des Jahres riß, nehmen wieder zu. Obwohl die Weltmarktpreise gefallen sind, haben' die Großhandelspreise in den Länder» kaum nachgegeben und..die nationalen Lebenshaltungskosten haben sich in der Mehrzahl der Länder weiter erhöht. Dadurch sind die Ausweitungsmöglichkeiten, des JnlalldSkonsumS in'diesen Staaten begrenzt worden,' da nur vereinzel teinewesentlicheErhöhun.gdeS Reallohnes zu verzeichnen ist. In den wirtschaftlichen Großmachtstaaten, Großbritannien, und den Vereinigteil Staaten, ist eine getvisse Zurückstellung der Ausführung großer privater Investitionen festzustellen, die teils auf die umfassenden Anstrengungen zur Fertigstellung der Aufrüstung. teils'auf die Besorgnisse'vor einer evc.n- tuellen Ueberkapazität znrückgehtt die den kapitalistischen Profit schädigen könnte. Jn diesen beiden Ländern, am stärksten Wohl in Großbritannien, versucht mau; sich auf»icht zu vermeidende Rückschläge vorzubereitefl. ES wird dje Errichtung eines-öffentlichen JflvestitionSam- tes verlangt, das öffentliche. JnvestitjonSprojekte soweit'-vorbereiten soll,-daß sie auSgeführt werden können', sobald' sich ein erflster Rückschlag in der Produktion und ifl der Beschäftigung bemerkbar machen.' --' Es-ist vorläufig noch nicht-soweit. ES wären nochgonug Möglichkeiten für ein längeres Fort« Seite 2 Mittwoch, 28. Juli 1937 Nr. 17» dauern des Konjunkturanstieges. Die laiche Krise bat in allen Ländern einen gewaltigen Bedarf an Waren anwachscn lassen, der bisher nur zu einem ganz geringen Teil gedeckt worden ist. Aber an diesem Punkt gerät daö Interesse der Gesellschaft mit dem Snstem unserer Wirtschaft in Widerspruch. Das privatkapitalistische Profitprinzip läßt nicht zu, daß die Massen in den Völkern ihren Bedarf an Gütern befriedigen, und es zerschlägt damit die Voraussetzung für die Erhaltung und die Weiterentwicklung der Konjunktur. Gibt die wirtschaftliche Lage unseres Landes keinen Grund zum PesscniismuS, so enthebt sie die verantwortlichen Faktoren keineswegs der Verpflichtung, rechtzeitig und mit allen Kräften einem späteren wirtschaftlichen'Rückschlag vorzubeugen. Die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften haben wiederholt und nachdrücklich die entsprechenden wirtschaftlichen und sozialpoliti- schen Maßnahmen gefordert, unter denen die Verwirklichung der Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit noch immer im Vordergründe.steht. ES darf nicht wieder so kommen, daß über Millionen Menschen die kapitalistische Kris« mit so elenwntarer Wucht herfallen kann, wie wir das einmal erlebt haben. Gerade an. diesem Punkte des gesellschaftlichen. Lebens ist die Demokratie den arbeitenden Menschen verpflichtet und«S ist die Leistung der Sozialdemokratie, wenn sie dieser Verpflichtung gerecht wird. Deutschlands Hand in Spanien Tas im Asy-Verlag, Barcelona(früher in Berlin) erschienene„S ch w a r z r o t b u ch" sollte in allen Ländern Massenverbreitung finden. Es ist weder Roman noch Reportage, sondern einfach eine Sammlung von Dokumenten mit verbindendem Zwischcntext.■ Die Dokumente bestehen in rund IVO faksimilierten Briefen, Aktenstücken usw., ferner in einer großen Anzahl nichtfaksimilierter, in Drucksatz wiedcrgegebener Schreiben. Dazu kommen eine Reihe von Bildern der Naziagenten, die in Spanien tätig gewesen waren, und einige FotoS von dem segensreichen Wirken deutscher Bomber In Spanien. Die wicdergcgebenen Dokumente wurden nach deni Ausbruch der Rebellion in den Wohnungen und Büros dcr Hitleragenten gefunden. Sie ermöglichen einen Ueberblick über den Aufbau der Naziorgani- s a t i o n im Ausland, der für jedes nichtfaschistischc Volk, für jede nichtfaschistische Regierung von höchstem Interesse sein muß. Es ist leider nicht möglich, aus dem reichen und verschiedenartigen Material ganze Episoden, einzelne Stücke, bezeichnende Einzelheiten in einem Maß wicderzugeben, das einen wirklichen Begriff von der Vielseitigkeit, dem Umfang— und der schlagenden Beweiskraft dieses Buches geben würde. Man wird sich mit einer Skizze des Inhalts begnügen müssen, die im wesentlichen nur Behauptungen ausstellt. Die Belege, Begründungen, Beweise mutz man im Schwarzrotbuch nachlesen. Das Buch gibt zunächst einen Ueberblick über die AuSlandSorgauisation(AO) der Nationalsozialistischen Partei, soweit im gefundenen Material Belege dafür enthalten waren. Spanien gehörte zum Länderamt II(zusammen mit Großbritannien, Irland, Frankreich, Portugal, Luxemburg, Belgien usw. usw.); die Tscheche slowakei ist mit Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Albanien, Griechenland, der Türkei, Aegypten, Irak, Afghanistan und anderen dem Amt III unterstellt, Schweiz, Italien, Oesterreich und Ungarn hat das Amt IV unter sich. Man sieht, nach welchen geopolitischen Gesichtspunkte» die Zusammenfassung geschehen ist. Die Welt ist ausgeteilt; die Liste der AusläudsNiitarbeiter der Partei zeigt, daß kein Erdteil ohne seinen Sachverwalter ist. Ob Wien, Mailand, Thun(Kanton Bern), London, Paris, Buenos Aires, Lima, Johannesburg, Angola, Java, Tokio, Samoa überall, und nicht nur an diesen Orten, sitzt ein Landesgruppenleiter, ein Kultur- amtsleiter, ein KrciSleiter, ein Stabsleiter deS Außenkommiffariats oder sonst ein Funktionär. Selbst in Palästina gibt eS einen LandeSkrciSlti- ter, den Pg. Cornelius in Jasfa. Die Zusammenarbeit mit den Konsuls- i e n ist— nachdem manche Konsuln zunächst versucht halten, ihre Selbständigkeit zu bewahren’— heute perfekt: die AO, also die Partei, ist allmächtig und höchste Instanz; der Konsul hat sich faktisch nach ihren Anweisungen zu richten. Eines der wichtigsten Organe der Auslandsorganisation ist auch die Deutsche Arbeitsfront(DAF), in die alle deutschen Staatsangehörigen gepreßt werden t- und in der nicht immer nur Reichsdeutsche zu finden sind. Auch„schaffende deutsche Volksgenossen mit österreichischer oder tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit" finden dort Aufnahme; kehren sie dann nach ihrer Heimat zurück, so bleiben sie Mitglieder, mindestens dann, wenn«r sich nur um einen Urlaub handelt. Allerdings muh jeder dieser Volksgenossen beim Eintritt eine Proforma-Erklärung abgeben, die besagt:„Für den Fall meines Verzuges nach und Aufenthaltes in Oesterreich(bzw. Tschechoslowakei)' verzichte ich auf meine DAF-Mitgliedschaft und die damit verbundenen Rechte." Die Berliner Leitung der AO sagt dazu:„Diese Erklärung ist deshalb notwendig, weil wir die DAF-Mitglieder mit österreichischer, bzw. tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit bei endgültiger Rückkehr in ihr Heimatland vor der Gefahr bewahren müssen, dort als Angehörige einer nationalsozialistischen Organisation verfolgt zu werden, wir aber andererseits miS politischen Gründen zur Zeit nicht in der Lage sind, unsere Leistungs-Pflicht in diesen Ländern entsprechend abzugelten." Kurzum: Tarnung!. Tarnung ist überhaupt das Losungswort. Gleichviel, ob eS sich darum handelte, die in Spanien verbotenen politischen Vereinigungen auf harmlos aufzuziehen und durch inhaltslose Protokolle über die Versammlungen die spanischen Behörden irrezuführen; oder-ob cs um-die Eist- schmuggelüng von Propagandamaterial ging— bei der die Konsuln regelmäßig in Aktion traten. ES gibt völlig ungenierte Briefe darüber, daß die RonsUlatSbeamten das sonst der Zensur verfallende Propagandamaterial persönlich auf den deutschen Schiffen in Empfang nahmen und durch Zoll und Hasenkontrolle schmuggelten; immer wieder wird Hamburg oder Berlin gebeten, nicht zu viel Pakete auf einmal zu senden, da jeder Beamte höchsten» eine» oder zwei mitnehmen könne. Noch gründlichere Formen der Tarnung stellen die für den Schriftwechsel vereinbarten Codes dar. So weist dar AußenhandelSamt an, folgende Decknamen zu benutzen:„Arier— Gruppe 1, Parteigenosse— Gruppe 50, Frei« Siege hoffnung der Basken' Paris. Dec Vorsitzende der baskischen Pro- ölnzialkegierung Aguirte, der in Pari» weilt, erklärte einem Vertreter der Aaence HavaS, er sei gekommen, um den französischen Behörden für die aufopferungsvolle Gastfreundschaft zu danken, welche st« den baskischen Flüchtlingen gewährt-hab«n, und um die Voraussetzungen für deren weiteren Aufenthalt in Frankreich zu organisieren. Die baskische Negierung, erklärte Aguierre, wird ihren entschiedenen Kampf gegen di« Usurpatoren fortsetzen. Der Krieg an den baskischen Fronten sei wahrhaft schrecklich gewesen, die Basken hoffen aber immer noch auf eine endgültige Niederlage der Aufständischen. Der Tod Gerda Tachls Madrid.(HavaS.) Montag abends fuhren auf der,Straße unwest der Front von Brunete der Sonderberichterstatter der Agentur„Federated Preß" und de» Blatte»„Clarion" au» Toronto Ted Allan und Frau Gerda T a ch i, welche Photoaufnahmen für die französisch« Presse liefert, im Auto. Während st« anhielten und au» dem Wagen stiegen, kam in rascher Fahrt«In Regierung»tank heran und stieß an da» Auto an, so daß Frau Tachi schwer verwundert wurde und infolge der Verletzungen nach ihrer Einlieferung in da» Krankenhaus starb. Ted Allan erlitt einen Beinbruch. Die französische Bildreporterin wollte am gleichen Tage nach Frankreich zurückkehren. An. der Front bei Brunete würde gestern Randolf Salenbtrger, ein Mitglied der britischen Aerztemission in Spanien, erschossen. maurer— Gruppe M, Jude— Gruppe U". Und der Ullsteinvertreter Foertsch hat mit seinem Verlag ein System ausgemacht, bei dem die Geheimschrift schon auf der Adresse beginnt. Außer Kennwörtern, die mehr allgemeine Hinweise geben, hat er eine Reihe von verabredeten Sätzen und Wörtern.„Losschlagen revolutionärer Verschwörung unmittelbar bevorstehend" heißt z. B.:„Automobil verkauft",„Diktatur" wird mit„Direktion" umschrieben,„Minister" wird„Vertreter" oder„Vetter",„Regierung"—„Firma". Der „Aufstand" heißt„Bankprotest",„entdeckt" wird zu„eingelüst",„verhaftet" zu„diskreditiert" und „füsiliert" zu„gepfändet". Kommunisten sind „Vermittler", Kanonen„Bananen", Revolver „Orangen" und Gewehre.„Apfelsinen". Sozialisten sind„Genossen", Syndikalisten dagegen ein« „Gesellschaft"/ Journalisten„Kaufleute", Soldaten„Angestellte" oder„Warenlager"(also Menschenmaterial I) und Generäle AufstchtSräte. Und so weiter. Man sieht: erstens, um welche Dinge eS geht: und zweitens, daß als Tarnungssprache diedcSKaufmäuns verwendet wird. Selbstverständlich gab«S auch eine Gestapo, genannt„Hafendienst". Sie hatte vor allem die Bespitzelung und Ueberwachung der Emigranten, der Angehörigen der Partei und der anderen deutschen Organisationen sowie mancher Spanier unter sich. Man sieht immer wieder: die Deutschen in Spanien bildeten einen Staat i m Staate, und ihre Regierung war die AO in Hamburg. Konsulate müssen die Deckadresse für Illegal arbeitende Parteifunktionäre abgeben; im Verein mit Parteistellcn betreiben sie die.Hetzjagd nach politischen Emigranten, um sie auf deutsche Schifft zu laden und nach Deutschland in die Hände der Henket zu liefern. Die Partei sperrt unbotmäßigen Pfarrern deutscher AuS- landsgeweinden.die Gemeindekaffe, zieht sie für Aeußerungen oder sonstige Stellungnahmen, di» mehr dem Interesse- der Kultusgemeinde entsprechen als dem der Nationalsozialistischen Partei, in einem Tone zur Rede wie der Unteroffizier den ihm untergebenen Soldaten. Der Kreisleiter ter Partei in Bilbao wird von Madrid au» angewiesen,. einen deutschen Lehrer eidesstattlich zu vernehmen und zu maßregeln, weil er In einem privaten Kreis ausgesprochen hat, daß der Reichstag von den Nazis selbst angezündet worden ist. Die Denunziation des Lehrer» kam von einem Deutschen in Guatemala und wurde über Hamburg auf dem Dienstweg an die LandeSlei« tung in Spanien gegeben: man sieht, wie weltumspannend das Netz der Naziorganisation ist und wie gut e» funktioniert. Aus den aufgesundenen Dokumenten, besonder» au» dem reichen Material, da»«in aewiffer Rodatz hinterließ, acht auch der enae Zusammenhang der deutschen Organisationen mit den politischen und militärischen spanischen Feinden-der republikanischen Regierung hervor. Rodatz war Vertreter der Junkers-Werke, zugleich aber Verbindungsmann zu Franco und mit geheimen Missionen betraut. Da» von ihm zurück« gelassene Material liefert neue Beweise dafür—- wenn sie noch nötig gewesen wären— daß die deutschen Stellen über den kommenden Aufstand der Militärs nicht nur informiert waren, sondern daß sie auch mit seiner Vorbereitung zu tun hatten. Wa» hier aufgedeckt wird, ist ein Teil des GeäderS, mit dem die deutsche AuSlandSorgani« sation sämtliche Erdteile durchwoben hat, ein Teil der furchtbaren, wirkungsvollen Apparates, mit dem■ Hitlerdeutfchland durch die stetige unterirdische Arbeit seiner Sendboten Überall die Voraussetzung für Hi« Verwirklichung seiner imperialistischen Ziele schafft. Das Schwarzrotbuch ist eine Fibel, ein Lehrbuch für alle Nationen. Hoffentlich nehmen sie eS.zur Hand, und hoffentlich lernen sie daraus. M a x B a r t h. DI» Macht des Streik« New Kork. Eine ernste LebenSmiitelnot bedroht die 573.000 Einwohner zählende Stadt Buffalo infolge eines seit langem anhaltenden Streiks der Lastwagenfahrer und Fleischer. Streikposten vor 44 Großhandelshäusern verhindern jeden Abtransport von Nahrungsmitteln. Verschiedene Fleischereien rattonieren bereits den Verkauf. Die Streikenden fordern di» Anstellung von organisierten Arbeitern. Alle bisherigen Verhandlungen mit den Streikenden sind gescheitert. .- Errichtüng'eineS Betrat» für- da»-Studium de» Bevölkerung-Problem». Das' Gesundheitsministerium beschloß, einen„Beirat für da» Studium der Bevölkerungsproblems" zu errichten, der in Kürze seine Tätigkett aufnehmen und di« Grundlage für die einschlägigen Arbeite» des Ministeriums bilden wird. Das Hauptprogramm der neuen Institution wird die ganzstaatliche Regelung der tschechoslowakischen Population vom eugenischen, sozialmedizinischen und wirtschaftlichen Standpunkt bilden. ES wird also nicht allein auf eine extenswe Bevölkerungsvermehrung hingearbeitet werden, wenngleich auch die Entvölkerung namentlich der Slowakei(hohe Säuglingssterblichkeit, Sinken der Geburtenzahlen) dringend einer Lösung bedarf und im Beirat behandelt werden wird.(DND) Es wurde daher ein Klub ins Leben gerufen, und da Frau Dorechana den Tip „England" nicht mißverstanden hatte, entstand der Francnklub nach englischem Muster. Ein schöner Raum wurde. gemietet, Sekretärinnen engagiert und die Rundschreiben an llubhunge- rige Frauen zirkulierten. Eine Reihe von bekannten weiblichen Persönlichkeiten tvurde als Rednerinnen engagiert und erhielten so hohe Bezahlung zugesichert, daß keine Absagen er» solgien. Sinn begann der mühsam durchdachte Aufstieg der Dorechana. Ihr größter Stolz war, „die Dorechana" genannt zu werden, da das absolut nach berühmt klang. Ihr Geld sicherte ihr die Stellung, aber sie konnte auch gut organisieren und die neuertvorbene„geistige" Materie tvar bald so gut in Umlauf gesetzt, wie in anderen Veryältniffen sicher Weißwaren oder Knöpfe. Der Klub hatte Zulauf. Man diskutierte nach den verschiedenen Vorträgen und die„Besseren" verzogen sich zum Schluß in ein Klubrestaurant, wo mgn das geistige Korsett etwas lockerte, gern gute Dinge aß und aus Reaktion in die extremste Fröhlichkeit geriet. Die Dorechana ruhte und rastete nicht. Sie wollte und mußte noch mehr leisten. Schon war sie demütig bewundert von ihrer Familie und dem Personal. Ihre beiden blassen, vollen, ungeschickten Knaben wichen nicht von ihrer Seite, wenn sie sich irgendwo in der Oeffentlichkeit zeigt« und ihr Gatte, der sonst so selbstbewußte zielsichere kugelrunde Kaufmann, kroch förmlich in ihren Strahlenglanz getaucht und von seiner geistigen Minderwertigkeit überzeugt hinter ihr her. Aber da» war nicht genug. Die Dorechana mußte eine eigene geistige Leistung vollbringen. Das war recht schwierig, da ihr ja jede innere Beziehung zu irgend einer geistigen Welt fehlte. Der Ehrgeiz aber ersetzte dieses Manko, denn die Dorechana war sich in ihrer Geschäftstüchtigkeit keines Mankos bewußt. Im Moment, wo die Sehnsucht nach geistiger Bindung in ihr gewesen lvärc, geistiger, seelischer Bindung, hätte sie. sofort Kontakt zu dieser innerlichen Welt gefunden. So aber blieb eS lediglich beim-ausgeprägten Geschäftsgeist und ihrer Organisationsgabe. ES wurde Umschau gehalten, wo ein leicht zu erfassender geistiger Quell die Möglichkeit bot, ihn durch Geld und Fleiß und weise-Voraussicht in eine sichtbare Bahn zu lenken. Wieder wurde ihr ein Tip gegeben: Griechische Weisheit^ Griechenland im Gegensatz zu jetzigen Wirren, als ruhender Pol— wunderbar I Die Dorechana besuchte ein Kolleg über Griechenland. Dann raste sie täglich in die Bibliothek und las über Sokrates'und Plato und die anderen griechischen Philosophen. Schließlich schrieb sie ein Drama über Plato. Das war nicht ganz einfach, aber eö gelang.mit Hilfe von Schriften, Lehrern, Verbindungen und geschickten Fragestellungen« Das Drama wurde auf eigene Kosten. gedruckt,- war wunderbar In gelbes Leinen gebunden, und ein berühmter Künstler zeichnete für viele» Geld, einen kaum erkennbaren Kopf, der Plato al» „geistige Vision" darstellte. Diese» Bildnis erschütterte sogar den Kaufmann Dorechana, der e» für„üninöglich" erklärte. Wer die viel geschultere Frau hatte schon Ausstellungen von Kokoschka gesehen und bewies ihrem-Mann, daß wirre Striche eine Idee, in' diesem Falle die geistige Substanz von Plato darstelley. Er gab sich zufrieden. Das Buch kam in die Mitte des großen rundeni englischen Tisches im„Parlour". Die geistig« Anhängerschaft war bald orientiert über dieses Drama, und geschickt wurde verbreitet, daß die Dorechana-schon al» kleines Kind sich mit Plata beschäftigt, von ihren geistigen Eltern diese» platonisch« Interesse geerbt habe. Daß der Vater mit Knöpfen hausiert und di« Mutter irgendivo Geschirr'gespült hatte, danach Fisch roch, da» existiert« nicht mehr, war überhaupt nie dagewesen. Die Krönung des Dramas bedeutete eine Vorlesung desselben in einem geistigen Rahmen, der nach Keyserling» schem Muster„Schule der Weisheit" hieß. Die allen Inder wären empört darüber, wie ihre Adisheit umgesetzt wird, aber das macht ja nichts« Die Dorechana hatte ein-schimmerndes Kleid an, ihre weiße Haut schimmerte, da» rote Haar schimmerte, ihre Familie schimmerte. Ein .erlesenes Publikum— fast nur reiche Leute ähnlichen Ursprung» wie die große Dichterin bildete Hie Zuhörerschaft. Mehrere Schauspieler teilten sich in den Rollen-und erschienen im griechischen Kostüm. Die Szenerie war von einem bekannten total verarmten Maler gemalt, der traurig-froh war, auf'diese Weise etwa» Geld zu verdienen: Er malte zerstreut und ohne Schwung-häßliche Kulissen: aber'sein Name wär die Hauptsache. Die Dorechanä vermied noch geschickt da» Lächerliche, dazu wär sie doch zu klug. Mer das Geschmacklose koiinte sie nicht vermeiden, da eS in der Natur der gänzen Angekegen» heit lag. Seit diesem Abend' hieß«» allgemein: „Die Dorechana und Plato"« E» maß noch br- merlt werden, daß Plato» Werke so quasi unabsichtlich verstreut und Mit Lesezeichen versehen in den verschiedenen Wohnzimmern lagen. Da» gehörte zum„Tip", den dieser oder jener wohlmeinende Freund oder Freundin gaben. Heute lag die Dorechana schon lange wach und überlegte, wie sie eine in der Stadt wti-. lende Berühmtheit, ein« nordische Schriftstellerin, in ihr Hau» ziehen könnte. Diese Dame war dem zu neuen Klub abgeneigt« hatte auch,, trotz allerhöchster Summ«, die geboten war,, einen Vortrag abgelehnt— kurz, sie wollte nicht! Aber die Dorechana wollte. E» war jetzt überhaupt so ein leise» Aufschwung-Stagma eingetreten; män brauchte neue Zufuhr. Sie mußt« cs mit einem telephonischen AnMf versuchen, dann mit dem schönen Steyrwagen vorfahren und die Dame abholen. E» war ausgeschlossen, daß«ine so' berühmte Frau ihr entging. Zum mindesten mußt« sie sich mit ihr in der Stadt zeigen. Man wurde ja sofort von etlichen gesehen; zur Not genügte das. Mit sämtlichen Energien geladen Werftgte sich die Dorechanä einen förmlichen Schlachtplan, und zuletzt glitt»in eitler Zug in ihr volle» Ge« sicht. Sie sprang au» dem Bett, stellte sich in ihrem grellen Schlafanzug auf einen Schemel und mimte eine Aussprache. Irgendwo hatte sie. einmal einen berühmten Mann reden hören, welcher in kurzen. Pausen seines schwierigen Vorträge» angestrengt auf sein« zusamiüengepreßten Finger sah. Diese» wurde kopiert und sie fand im Spiegel, in den sie aus ihren schweren Lidern hin- blinzelt«, die/WIrkuiig ausgezeichnet. Dann stieg auch- sie in ein Bad, aber ohne sonderliche- Zuneigung, sondern weil es dazugehürtc, genau wie Touch und. englischer Stil und.devotes Personal. Danach wurde ein Trape-srüit gegessen, weil geistige Frauen das zu tun pflegen, bevor sie an di« Arbeit gehen. In diesem Fall war die Arbeit da» Auswendiglernen eines Manuskripte», und zwar in der Form, al» wenn diese» Produkt schwerster Gedankenarbeit eben erst in ihrem Hirn erarbeitet worden wäre. Um- dieselbe Zeit rannte«in noch, junger Mann in buntkariertem Hemd und sehr alten Hosen in der Mansarde' desselben Hause»- verzweifelt hin und her. Im unordentlichen Bett lag eine noch junge,-sehr-hübsche Frau ünd mühte sich ab, einem«Säugling ihre zarte. Brust, zu reichen. E» war sehr schwierig,'denn das Kind faßt« nicht di« Brust, schrie ungeduldig. Die junge Mutter war verzweifelt. Dicke Tränen liefen ihr di« Mangen herunter, tröpfelten auf den winzigen«Kopf des KleintN, und schließlich schrie, sie ungeduldig: „Bert,, haft, bitt«, sofort die Hebamme, da» Kind verhungert!"/.(Fortsetzung folgt.).- Nr. 17» Mittwoch, 28. Juli 1037 Seite 8 Sudetendeutscher Zeitspiegel „Ohne Freiheit kein Friede“ Im Antwerpener Rathaus Ansprache des Senators Heinrich Müller-Aussig* an die Stadtvertretung. Neben Müller; Silaba-Pragxx Pfarrer Frantßek Vicenik als SdP-Redner im Dienste Francos Bor Achten liehen die Kommunisten immer ihre Rußlandsdelegierten ausmatschieren, um gegen die Sozialdemokraten zu Felde zu ziehen. Dieses Patent machen ihnen jetzt die Faschisten wie so manches andere getreulich nach. Sie haben einen Mann entdeckt, der in Spanien gewesen sein will und der Schauergeschichten erzählt, daß den Zuhörern die Haare zu Berge stehen und es ihnen ständig eiSlalt über den Rücke» läuft. Dieser Herr nennt sich Jng. Pfarrer Mis« stonär Frant. Vicenit, ist angeblich griechisch- orthodoxer Priester, au» Rumänien gebürtig, in Prag ivohnhaft, anscheinend Tscheche; spricht schlecht deutsch. Er erzählt beispielsweise: Die Kinder werden in Spanien von„Bol- schewilen" zu Hunderten in Bottichen ertränlt und an den Wänden zerschmettert, die Gefangenen werden reihenweise niedergeschossen, ganze Wagenladungen von Priestern werden einfach mit Benzin übergosten und angezündet, 10.000 Gotteshäuser wurden zerstört, 18 Bischöfe und 18.700 Geistliche, Mönche, Nonnen ustv. wurden aus grausame Weise umgebracht. In der kurzen Zeit von sieben Monaten haben die Bolschewiken in Spanien genau 850.000 unschuldige Menschen ermordet. Alles das glauben die Zuhörer in den SdP- Bcrsammlungen, für die jetzt dieser neue Heilige gewonnen wurde. Er sprach bereits in Plan, in Rosental l und soll dieser Tage in Ruppersdorf und Ratschendorf in sogenannten 8 5-Versamm« lungen zum gleichen Gegenstände sprechen. Er ist der neue Prophet für die SdP, da die Hollube und Weller nicht mehr so richtig ziehen. Alles, was er erzählt, trägt den Stempel der skrupellosen Erfindung. Flieht da Geld au» den Kassen Francos'?^ Man wird diesen Heiligen näher untersuchen müssen I Für die SdP aber Ist es besonders bezeichnend, dah sie sich diesen Menschen zum Kronzeugen aurwäblte. Der Fall zeigt, dah nian im Kampf gegen den Sozialismus aNe Skrupel fallen läßt. Kamerad Pfarrer Frantlöek Vicenik als intimer Bundesgenosse Henleins und Francos— das hat noch gefehlt! Die„Zeit" meldet schmerzbetvegt, dah die Polizei in Bad Königs w art eine dort für den 22. Juli angesetzte öffentliche SdP- Bersammlung mit Herrn Vicenik als Spanien- Referenten verboten hat. Teplltz ehrt Beethoven und Dobrovsk* Die Tatsache, dah vor 125 Jahren der größte deutsche Tonkünstler Ludwig van Beethoven und der erste WIedererwecker der tschechischen Literatur Josef Dobrovslh gleichzeitig in Bad Tep- lih anwesend waren, hat dem Teplitzer Kurdirektor Kolarz den Gedanken nahegelegt, der i n n i- gen Berührung des deutschen nnd tsche chischen Kulturkreises in TePlitz Ausdruck zu verleihen. Diese Absicht erfuhr werktätigste Hilfe von feiten des kürzlich verstorbenen Dobrovskh-ForscherS Dr. Bolf, des Direktors des Böhmischen Nationalmuseums, der die vielfachen Beziehungen Dobrovskhs zu Teplitz zusammengefaht hat. Unter der Förderung des Teplitzer Bürgermeisters R u s s y und der Mitarbeit des Direktors der staatlichen Fachschulefür Keramik Janig hat Pros. Watzal zwei grohe Hochreliefs-Plastiken mit Portpaiis her, ,beiden berühmten.Teplitzer Gäste. modelliert, welche. nebst entsprechendes doppelsprachigen künstlerisch auSgeführtcn Keramiktafeln an den beiden gegenüber dem Eingang« zum Stadtbad gelegenen Häusern»Zum Pelikan" und„Zur Harfe", in welchen jene beiden Männer gewohnt haben, nebeneinander angeordnet werden sollen.— Die Enthüllung der beiden Gedenktafeln wird nach erfolgter Adaptierung der betreffenden Hauserfassaden im Herbst dieses Jahres gleichsam als Auftakt der Teplitzer Kursaison 1088 erfolgen. Eine entsprechende Feier soll in ausdrucksvoller Form die Gemeinsamkeit des kulturellen Erleben» der beiden größten Völker unseres Lander unterstreichen. Die Enthüllung da* Böhmerwaldlied-Denkmals Der Gedanke, einem Heimatltede ein Denkmal zu setzen, einem Liede, in dem die Liebe zum Böhmerwalde und die Sehnsucht nach ihm lebt, war schön. Dah der Gedanke verwirklicht werden konnte, ist nicht minder schön. Und dessen freuen wir»mS ganz besonders, dah das schlichte Denkmal zugleich eines des Schöpfers des einfachen uNd doch so gefühlSstarken Liedes, des Glasarbeiters AndreasHärtautr, wurde.. Am Sonntag wurde das Denkmal in El cono r e nh ai n enthüllt. Zur Feier.hatten sich eine gröhe Anzahl Bähmerwäldleräus der Umgebung eingefunden, auch Vertreter verschiedener Körperschaften, einige SchriftsteUer und Heimatforscher, Vertreter de» Landwirischastsmi- nisteriums und der politischen Behörde. Im Mittelpunkte der Feier, die von den bürgerlichen Gesangvereinen aus Eleonorenhain und Umgebung mit einem Chor eröffnet wurde, stgnd die Rede de» Herrn'Dr, Kubitschek, dessen Verdienst «S ist, Hartauer als Verfasser und'Komponisten de» BöhmerwaldliedeS entdeckt zu haben. Doktor Kubitschek feierte HartaNxr. als den Dolmetsch der'Empfindungen der so sehr heimatverbundenen Böhmerwäldler. Nach der Festrede wurde von den Gesangvereinen da» Böhmerwaldlied gesungen, dann dankte nach einigen kleineren Ansprachen der GläSindustrielle Kralik allen Festgästen» besonders den Vertretern der Behörden und der Körperschaften, für jhr Kommen und dem Schöpfer des. Denkmals, Herrn Prof. Blumentrttt, für - fein Werk.■'*/ Der' Arbeitergesangverein nahm ander Feier nicht teil, weil'mit den bürgerlichen Gisang- ' Vereinen keine Einigung über die vorzutragenden Weder erreicht tvurde. Dr. Czech auf Urlaub. Der Minister für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung Dr. Ludivig Czech hat am 27. Juli den Urlaub angetreteu. Unsere Kinder im Brüsseler Rundfunk. Heule Mittwoch um 17 Uhr senden Uber Radio Brüssel die tschechoslowakischen Rinder, die auf dem Wege zum internationalen Zeltlager nach England sind, eine tschechische und deutsche Kintz e r st u n d e(Gesang, Musik und ein Hörspiel). Lebensmüde springt vor dem Motorzug. In der Nähe der Eisenbahnbrückc der Strecke Bodenbach—Dux bei Zuckmantel sprang die 22jährige I, aus Bokau vor den Motorzug und wurde getötet. Das Mädchen, das schon öfter LebcnSüberdruh äußerte, hatte auf einen Zettel die Worte geschrieben:„Hier unter Zug. Gruß an Mutter." Die Tellnitzer Gendarmerie stellte fest, dah der Tod der Lebensmüden durch Anprall auf den Bahnkörper eingetrctcn war. Der herbeiaeholte Arzt stellte einen Schädelbruch fest. ,^ Dse Brünner deutsche Arbcttersendung bringt In den nächsten Woch«i:-am,27v Julft iDr. I.- ch. Brügel: Schuh der arbeitenden Jugend.-- 29. Juli: Dr. Walter Schallinger: Berufskrankheiten.— 8. August: Dr. Arthur Marburg: Da» Rassenpro- blem I.— 5. August: Prof. Gust. Schweitzer: Ratschläge für die erste Schulklasse.— 12. August: Adolf Schmidt: Maxim Gorki.— 10. August: Josef Schramek: Aktuelle Zeiiproblcme. Neue Adresse der aktlvlftlfchcn Zentralstelle. Die Zentralstelle der deutschen aktivistischen Parteien übersiedelt mit 1. August aus dem Klubgebäude des Abgeordnetenhausc» in ein in der Nähe gelegenes Privatgebäude. Die neue Adresse lautet: Prag I., Kktjovnickä 8, 2. Stock, Telephon 866<15. Alle Zuschriften sind ab 1. August an diese neue Adresse zu richten. London.(Reuter.) Ministerpräsident Neville C h a m b e r l a i n hat heut« m seinen Amtsräumen den italienischen Botschafter G r a» d i in Audienz empsangen, welche 00 Minuten dauerte. Berlin.(HavaS.) Pastor Wilhelm Niemöller; der Bruder des bekannten Pastors Niemöller au» Dahlem, der vorgestern verhaftet wurde, wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Minister Krofta an den Kongreß Luhakovire. Unter Teilnahme von inehr als LOO Frauen aus allen Teilen der Welt wurde am Dienstag vormittag» der 0. Internationale Kongreß der Fraucnliga für Frieden und Freiheit mit einer Begrüßungsansprache der Vorsitzenden Prof. R a g a z au» der Schweiz eröffnet. Prof. Ragaz betonte den Willen der Liga, für die Erhaltung de» Frieden» im Geiste der Gründerin der Liga Addam» zu arbeite». Die lschechoslotvakische Delegierte Ha» nonskovä begrüßte den Kongreß im Namen aller demokratischen Bürger der Tschechoslolvakei und sprach den Wunsch aus, die Zusammenarbeit der Liga möge das Weltchaos in eine Weltharminie umwandeln. Die Delegierte der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei, Frau Kalmus, gab der Ergebenheit der deutschen Frmien für die Tschechoslowakei zum Ausdruck. Dann wurde unter großer Aufmerksamkeit die BegrüßungSkundgebung des Außenministers Dr. Krofta verlesen, In der es u. a. heißt: „Sic haben sich für die Verteidigung des Frieden» und der Freiheit in der richtigen Ueberzebgung organisiert, daß«SohneFreiheitkei- n en Frieden gibt und daß ohne Frieden die Freiheit untergeht. Die Demokratie bedeutet Frieden und Freiheit. Deshalb sehe ich in Ihnen eine mächtige Gruppe, welche die Welt zur Demokratie erziehen hilft. Sie wollen eine neue internationale Ordnung. Sie wollen einen starken Völkerbund, ausgerüstet mit allen Attributen der Exekutivgewalt, eine aktive internationale Schlichtung»- und Schiedsgerichtsbarkeit, Zm'ammenarbeit unter den Staaten auf Grundlage der gerechten Verteilung der Rohstoffe, sozialen Frieden, den Schutz der Menschenrechte. Sie verlangen die Beruhigung der Geister, d. h. die Herabsetzung der Rüstungen und hauptsächlich die Befriedung der Press«. Als Minister für auswärtige Angelegenhoitenkann ich ihnen sagen: Ihre Forderungen stehen voll»nd ganz im Einklang mit der demokratischen Politikun» sereS Staates. Die Namen Masarhk und Benes sind der Beweis dafür." BeneS: der populärste europäische Staatsmann in China Das Außenministerium in Nanling ist ein mehrstöckiges hohes Gebäude in modernem chinesischem Stil, neu wie alle» in der neuen Haupt- jladt,der Chinesischen, Republik. I» zehn 2al>rcn tvnrtzc hier die alle verfallene Stadt Nanking mit ihren engen Straßen und armseligen Häusern in eine moderne, elegante Kapitale umgewandelt, deren breite Avenuen, hohen Paläste und weiten Parks vergessen machen, daß man sich hier in der ehemaligen Residenz der Ming-Dhnastie befindet, daß Nanking älter ist; als alle Städte Europas. Zwei gekreuzte Fahnen über dem Eingang zum Ministerium: die Flagge der Kuonüntang und die Staatsflagge. Auf allen öffentlichen Gebäuden Chinas sieht man diese beiden Fahnen nebeneinander. Ich bitt der erste tschechoslowakische Journalist, der Nanling besucht und werde mit der aufrichtigen Herzlichkeit ausgenommen, die einem überall in China das Leben unter diesen Menschen zur Freude macht. Der hohe Beamte, der mich in Vertretung des abwesenden Außenministers empfängt, lächelt:„Sie wissen wahrscheinlich nicht, daß man hier in China mehr Über die Tschechoslowakei weiß als Über die anderen mitteleuropäischen Staaten? Seit Präsident Benes, damals noch Außenminister vor dem Genfer Forum für China sprach, hat man nicht aufgehört, der Tschechoslowakei die sUmpaihischcstcMuf« merlsamkeit zuzuwenden. Dr. Benes ist in China der populärste europäische Staatsmann und wir habe» an seiner Wahl zinn Präsidenten der Republik mit großer Freude Anteil genommen. Da Sie der erste Gast aus Prag sind, den wir hier begrüßen, so vergessen Sie nicht, in Ihrer Heimat unsere aufrichtigen Spuipaihien zu bestellen.. Auch die jungen Chinesen, mit denen ich hier zusammenkommc, sind über unsere Geschicke sehr genau informiert. Während sic sonst vorsichtig und verschlossen sind, wenn man mit ihnen über Europa und die weißen Menschen spricht, werden sie offen und freimütig, da die Rede auf die Tschechoslowakei kommt. Sie haben meist in Paris studiert und kennen die geschichtlichen Taten von der Errichtung der Tschechoslowakischen Republik sehr genau. Neber Masarhk und Benes wissen sic viel mehr als über die anderen europäischen Staatsmänner. Der eine meiner jungen chinesischen Begleiter, der in seinem modernen Dcillen und dein Gefühl für chinesische Familicntradition die glücklichste Verbindung des modernen Chinesen repräsentiert, erzählt mir, daß er„Weltrcvolution" sehr genau gelesen habe. Auch in den Schulen Chinas werde der Geschichte der Tschechoslowakei und ihrer großen Männer besondere Anfmerksam- .keit zugewendet. In keinem anderen Staat Asiens begegnet der Tschechoslowake ähnlichen Sympathien wie hier in China. Josef Wechsberg lNanling). Oer Propagandachef der Komintern Willi Münzenberg ist nach zuverlässigen Nachrichkcn aus Paris nunmehr auch in Ungnade gefallen. Miinzenberg selbst hat zwar in der„Humanitö" donientiert, daß er einen Konflikt, mit Stalin, habe, aber den Wert derartiger Dementis kennt man. ES steht fest, daß Münzenberg aus der Führung' der KPD ausgeschaltct ist, daß er in einem Gegensatz zu Stalin steht und daß er sich bisher konstant geweigert hat, zum Rapport nach Moskau zu fahren. Münzenberg tvar der große Propagan- d i st der Komintern. Die meisten ihrer Parolen hat er fabriziert und popularisiert— soweit das möglich lvar. Er ist zweifellos der eigentliche Erfinder der Propagandamcthoden, die später von Mussolini, Hitler und Goebbels übernommen und auch gegen die Kommunisten angewandt wurden. Allerdings konunt Münzenberg an Phantasie und an Instinkt den faschistischen Propagandagrößen nicht gleich. Worauf die Masse gerade jetzt„fliegen", was den indifferenten kleinen 3>!aun auf- rütieln, welche Parole ins Ohr gehen und durchschlagen ivürdc, das haben Hitler und Goebbels doch bei weitem besser gemerkt. Die größten Erfolge hat Münzenberg dort gehabt, wo es sich darum handelte, gewisse Intellektuelle n s ch i ch t c n für'den Kommunismus zu gewinnen. Hier, wo es weniger auf instinktives Einsührungsvermögen und plumpes Einhämmcrn von Lügen, als auf Schmeichelei gegenüber dem Snobismus und Entgegenkommen an den blinden Radikalismus anlail:, schlug Münzenberg Goebbels aus dem Feld. Als O r g a» i s a t o r der vielen getarnten Randorganisatio- n e n der Komintern, ihrer Verlage, Zeitschriften, „Überparteilichen" Kongresse hat MUnzenberg eine Arbeit geleistet, ohne die Moskaus Filialen im Westen wahrscheinlich schon lange verschwunden wären. Ob derigcschickte und wendige Propagandist den völligen Bruch wird vermeiden, ob er sich dem Rus vor das Moskauer Gericht wird auf die Dauer entziehen können,> bleibt ivorlnufig dahingestellt, ■wsr-’ rwnswun*»ww.'Jihbsp'w. mumm Walter Kolarz: Das Regime Blum Preis Kü 16.— Bei. alle» Kolporteuren oder beim Bcrlagr Zentralstelle für das BildungSwesen, Prag XU, Slezskä 18. ( » Seite 4 Mittwoch, 28. Juli 1037 Nr. 17» Sogmeiugfceitm I 40 festgesetzt I Ein Pariser die eine be- Aur Einäscherung Max Winter» am 18. Juli in Los Angeles hatten sich, wie, uns ein Freund aus Kalifornien schreibt, die Vertreter vieler amerikanischer Arbeiterorganisationen ein» gefunden. Der alte Max Winter, der Breis mit dem treuherzigen Kindergemüt, mit dem unzerstörbaren Menschheitsglauben, war auch in Los Angeles kein Einsamer, In den Arbeiterorganisationen war er ein häufiger und gern gesehener Gast, von dessen reicher Erfahrung gern Gebrauch gemacht wurde, und sein Wesen, seine gewinnende Art hatte ihm viele persönliche? Freunde znge- sührt. Obwohl? selber oft genug ist bitterster Not, Sowjetrußland erschienen, die mit begeisterten Worten die Schönheiten und Sehenswürdig, i ketten. der Sowjetunion anpreist und Reisende I zur Fahrt nach Rußland werben will.„Sowjetrußland", heißt es da,„ist unendlich ab- tnechslungsxeich".„Die Theater und die Oper von Moskau zu besuchen, ist zu einem Abenteuer geworden, das die Besucher in ateniloser Spannung hält". Und weiter wird geschwärmt: „Farbe und Bewegung überall— selbst in den weiten Feldern des Anbaues und der Ernte,, und Unger: Berufskrankheiten. 18.15: Lieder von Schu bert.— Prehburg: 12.85: Militärkonzert. 17.40: Violoncellokonzert.— Raschau: 12.05: Opernfanta- sien. 10.10: Rundinnkorchesterlonzert:■.Gainuw, r—jr-v; Halcvh etc.— Mähr.-Ostrau: 18.10: Deutsche Sen-, der sozialistischen Organisationen soww vieler düng: Della Zamvach liest, aus ihren Werken,-',..” daß der Beschauer ihn in sich selbst schwingen sühlt". Die Herausgeber der Broschüre bekennen sich nicht nur als Bewunderer, sie empfehlen sich auch als Sachverständige für die Sowjetunion und so erklären sie:„Um die volle Bielgestaltigkeit Rußlands— in der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken— zu sehen, ist es erforderliche daß die Reisen sachverständig vorbereitet werden es ist uns ein Vergnügen, zu Diensten zu sein".. Wer aber sind die Herausgeber dieser Broschüre?-■®ie''$ a m b ü r g. A m e r'i k a'»' Linie und der Norddeutsche Lloyd, die beiden großen Schiffahrtsgesellschaften des Dritten Reiches, die auf ihren Ozeandampfern die Hakenkreuzslagge hissen(auch wenn man sie ihnen im New Noriker Hafen zuweilen herunterreißt) und deren Auslandsfilialen so oft Pro- Pogandafilialen des Herrn Goebbels sind. DaS Drstte Reich, das sich der ganzen Welt als unentbehrliches Bollwerk gegen den Bolschewismus empfiehlt, das alle Staaten, die mit der Sowjetunion Pakte abgeschlossen haben, mit wüsten Beschuldigungen überhäuft, das in seinen Zeitungen von schrecklicher Hungersnot und blutigen Unruhen in der Sowjetunion erzählt, läßt den amerikanischen Dollarmillionären ein herrliches Bild von den Schönheiten der Sowjetttion entwerfen, damit sie ihr Geld in das Land des Bolschewismus tragen— und einen Teil davon auf den Schiffen des Dritten Reiches lassen, in den Händen der sachverständigen „Führer", die den Amerikanern den besten Weg zu den Schönheiten, dem Lebensrhythmus und der Vielgestaltigkeit des Sowjetlebens zeigen. Wenn es sich nicht um den Norddeutschen Lloyd handelte, würde der„Sttirmer" eine solche Geschäftspraktik zweifellos„jüdisch" nennen. Da es sich aber um einen Teil des heroischen Kampfes zur Erschleichung von Devisen für die Vorbereitung des Massenmordes handelt, ist die Welt wahrscheinlich verpflichtet, auch dieses Geschäft zwischen Hambutg, Amerika und Moskau als eine Erscheinungsform der neu erwachten sittlichen Größe in Deutschland zü' bestaunen. gestoßen. In den letzten Tagen war keine Spur von den Verfolgten mehr zu finden, die den um sic gezogenen„eisernen Ring" der Verfolger unter dem Schub des einsetzenden Unwetters durchbrochen hatten. Josef Hrüa Ist nun gesunden worden, sein Bruder und Josef Kolbäek sind nach wie vor spurlos verschwunden. Der Mißerfolg der Gendarmerie wird verständlich, wenn man die ungeheuere Ausdehnung und Wildheit der waiachischen Ge- birgSwälder in Betracht zjeht. Hier hausten ja auch im letzten KricgSsahre die aus Deserteuren der österreichischen Armee bestehenden„Grünen KaderS" im ganzen unangefochten.- Und dann Vom Rundfunk tmplahlaniwartas au* dan Programmen! Donnerstag Prag, Sender I: 7.00: Morgenmusik. 10.05: Deutsche Presse. 10.80: Kammermusik aus Schallplatten. 11.05: Salonorchcster. 12.10: Schallvlatten. 14.00: Deutsche Sendungt Gegenbauer: Wie soll und kann man die Heimat bekannt machen? 14.10: Hrabi liest eigene Gedichte. 18.05: Deutsche Sendung: Dr. Hoop: Sportvorschau. 18.10: Landwirtschaft. 18.45: Deutsche Presse. 18.55: Aus dem deutschen Kulturleben. 20.25; Klavierkomvositionen von Novak. 22.85: Tanzmusik.— Prag, Sender II: 15.15: Deutsche Sendung: Ein Kind erobert die Selbstmord des Gendarmenmörders Josef Hrna Von einem Naher Im Feld aufgefunden— Schon zehn Tage tot kommt noch ein Moment dazu. Die Bewohner dieses rauhen und kargen Berglandes, die einen unsäglich harten Existenzkampf zu führen haben, lieben die Gendarmen nicht und sind stets bereit, sich eines von ihnen Verfolgten anzunehmen. Der Gendarm hat dort eine schwere Aufgabe. Er verfolgt Wilderer und Holzdiebe, deren„Verbrechen" dem Rechtsbewußtsein dieser Gebirgler keineswegs als besonders schwer oder unehrenhaft erscheinen. Rund um sic wächst sa in llebcc- fluß das Holz, das ihre Hütte warm macht und sie sollen frieren? In Ueberfluß ist auch Wild vorhanden und sie sollen keinen Gebrauch von der Möglichkeit machen, sich einen Bisten Fleisch zu holen? Kein Strafparagraph wird sie von der Sträflichkeit solcher Aneignungen' überzeugen und das Sicherheitsorgan erscheint ihnen demnach als Gegner, gegen den zusammenzuhalten, selbstverständliche Pflicht ist.. in eine Gruppe von Menschen, wobei eine Person getütet und drei verletzt wurden. Najcl Backer» würde dann tot beim Steuer des Autos äufge« sunden, Ausnahmsweise siegt die Gerechtigkeit. Der Fall der-amerikanischen Seottsboro-N.e- g e r fand Sainstag ein dramatisches Ende, indem der Staatsanwalt bei fünf der angeklagten neun Neger— sie sotten 1981 zwei weihe Frauen vergewaltigt haben, eine gestand später, sich einet falschen Aussage schuldig gemacht zu haben— von der Vergewaltigungs-Anklage zurücktrat. Der Gerichtshof setzte vier der Angeklagte» sofort in Freiheit; der fünfte, Ozie Powell, der gestanden hatte, einen stellvertretenden Friedensrichter ge- iötet zu haben, als er voriges Jahr gefangen genommen- würde,- bekam zwanzig Jahre Gefängnis. Drei der vier freigelassenen jungen Neger waren ursprünglich.zum Tode verurteilt lvor-... den. Der Prozeß war schon mehrere Male verhandelt worden, da das Oberste Gericht zweimal Todesurteile für nichtig erklärt hatte. Schreckliches Bergeffen. In TamSlverk (Oesterreich). sanden dieser Tage drei Hirten eine' Granate, welche von dort exerzierenden Soldaten vergessen worden Ivar. Die Granate explodierte und alle drei Hirten starben nach einigen Tagen an ihren schlveren Berloundungen. Erhöhung der Schülerzahl in den höheren landwirtschaftlichen Schulen. Mit Rücksicht auf den großen Andrang qualifizierter Bewerber um Aufnahme in den ersten Jahrgang der höhere» landwirtschaftlichen Schulen haben zahlreiche Schule» um die Bewilligung zur Errichtung von Parallelklassen angesucht. Aus erzieherischenZÜM Abschied M. von dem toteni österreichischen/.SMssMM fvaren, Vertreter der Naturfreunde, die e» seit vielen Gounod, Bahren auch in USA gibt; der Gewerkschaften und (—rb—) Eine überraschende Nachricht kommt aus Mähr.-Ostrau. Gerade in deut Zeit punkt, da die Blätter feststellten, daß bereits vier Wochen verstrichen seien, seit die Brüder Josef und Jan Hrüa unter Ausbietung eines ganz außerordentlichen GendarmeriekontingenteS ver geblich gesucht-würden, wurde die Leiche des älteren der beiden Brüder, des 24jährigen Josef Hrüa unweit ihres HeimatörtSdorfeS Hovözt bei Vsetin ausgefunden. Montag abends mähte im Tale des Baches Tisüvka ein Häusler sei» Ge treidefeld. Als er sich der Mitte des Feldes näherte, verspürte er Verwesungsgeruch und als er der Ursache nachging, sand er die Leiche eines ihm unbekannten jungen Mannes auf. Er ver ständigte die Gendarmerie, die aber infolge der bereits stark vorgeschrittenen Vevivesung den Toten vorerst auch nicht zu identifizieren ver mochte. Dann aber wurde in dessen Tasche ein Militärbnch aufgefunden, das auf den Namen Josef Hrüa lautete. Neben der Leiche lag eine Repetierpistole, die. als Eigentum des von ihm erschossenen Gendarmeriewachtineisters Knoll er kannt wurde. Zwei weitere Pistolen fand man in den Taschen des Toten. Der Arzt stellte S e I b st- m o r d durch Schuß in die rechte Sch adel feite fest. Bestätigt wird die Tatsache, des Selbstmordes übrigens durch einen ® JL? r’»n seinen jüngeren Bruder zestung" erfährt, eine Propagandabroschüre für und Mitichuldigen Jan Hrüa, in Ivelchem der- Selbstmörder seine Reue über das Geschehene ausspricht. ES muß Ein qualvolles Ende gewesen sein, das Josef Hrüa gefunden hat. Wie der Arzt feststellie, hatte er am rechten Arm eine schwere, vereiterte und sichtlich ganz u nb e h a n d el t e W u n d e, die er offenbar am 6. oder 7. Juli davongeiragen hat, als die Brüder mit den Verfolgern zusammen stießen, aber nach einem heftigen Feuergefecht entkommen konnten. Weiter wurde am Körper- des Leichnams eine Stichivunde festgestellt, deren j ein Rhythmus des Lebens, so durchdringend, Ursprung nicht bekannt ist. Nach Meinung des~ Arztes ist der Tod vor etlva zehn Tagen einge- treien, so daß sich der Angeschossene mindestens die gleiche Zeit mit der schweren Verletzung her- umgeschleppi hat wie ein sterbendes Tier, ehe er sich in das Feld verkroch, um seinem elenden Leben ein Ende zu machen. Durch vier Wochen-hat dir Verfolgung der beiden Brüder Hrüa die Oesfentlichkeit in Atem fiehalten. Nicht weniger als 400 Gendarmen und 200 Mann Forstpersonal wurden nach und nach eingesetzt, doch gelang es den Verfolgten immer wieder zu entschlüpfen. Seinen Beginn nahm dieses Drama ain 30. Juni. Die Brüder Josef und Jan Hrüa— dieser ist erst 20 Jahre alt— waren einiger Diebstähle verdächtig. Als die Gendarmen vormittags die Wohnung der HrüaS in Hovizi betraten, fanden sie die Stutze leer. Sie stellten ihre Karabiner zur Seite und woll ten die Rückkehr der vermeintlichen Abwesenden abwarten. Plötzlich stürmten die Brüder ans einer anstoßenden Kammer, wo sie sich versteckt hatten, in die Stube und eröffneten ohne weiteres das Feuer auf die beide» Gendarmen. Der Wachtmeister Josef Knoll wurde tödlich getroffen und taumelte in den Hof hinaus, Ivo er sterbend zusammenbrach. Sein Kollege Rudolf D o l e i a t wurde schwer verwundet und ist erst dieser Tage, noch keineslvegs geheilt, aus dem Spital entlassen worden. Die Brüder Hrüa nahmen die Karabiner und Pistolen der Gen darmen und flüchteten in die endlosen walachi schen Wälder, wo sie vorerst verschwunden blieben, obwohl alle Gendarmeriestationen in weitem Umkreis alarmiert wurden. Am 6. und 7. Juli wurden sie gesichtet und gestellt und beide Male entkamen sie, nachdem sie auf die Gendarmen geschossen hatten. Am ü. Juli lieferten sie ihnen ein förm liches Gesecht. Seither wurden sie wohl hier und dort gesehen, kehrten wohl auch in einsamen Hütten ei», um sich zu verproviantieren, wovon aber die Gen darmerie regelmäßig erst erfuhr, tvenn sie über alle Berge waren. Gleich zu Beginn war noch der gesuchte Räuber Josef Kolükek zu ihnen Hltzwelle Uber Bulgarien Sofia. Ganz Bulgarien wird von einer.un« gewöhnlichen Hitze heimgesucht. An vielen Orten' der nordbülgarischen Tiefebene ist die Temperatur bi» auf.40 Grad. Celsius im Schatten gestiegen. Die Bewohner der größeren Städte suchen Zuflucht an den Flüssen und in den Bergen. Etne Gruppe von Ausflügler» aus Sofia, die ist. der Nähe des Badeortes Panöerevo, östlich vost Sofia, am Ufer eines Flusse» ein Zeltlager auf« geschlagen hatten, wurde Montag abends pog.. einem plötzlichen Hochwässer überrascht: Während' eines heftigen Gewitters gingein. Wolkenbruch nieder. Der Fluß schwoll rasch an und rsß unter gewaltigem Getäse Bäume und Steinblöcke mit sich. Die'Bewohner wurden von einer Pastik erfaßt. DäS Wasseh riß zwei Brücken um;' zer«? störte- vier Mühlen; eine- Restauration,? sowie einige Billen, und- verwüstete zahlreiche Gärten. Dienstag früh hat eine, stärke Abteilung von Sappeüren unter Mithilfe fast der gesnchtenSo« fioter Feuerwehren in Anwesenheit des Zaren Boris, de» Innenministers, des Kriegsministers, upd de». Sofioter-ProvinzialgouverneüerS mit den- Rettungsarbeiten' begonnen. Eine Frgu fänd durch das Hochwässer den Tod. Eist bekänN« ter Sofioter.. Sportsmänn rettete 12 Personen. Der verursachte Schäden tv.ird auf einige Miklsöz- iien Lewst geschätzt. Nr. 175 Mittwoch, 28. Juli 1037 Seite 5 (taafond NMsEtsekast uml äoÄalpoilM Die neue chinesische Armee Von Oberstleutnant Dumont kAVM Der Mangel an den, lebenswichtigsten Produlten führt in Deutschland zu" immer drastischeren Maßnahmen, die seit dem Kriege nicht mehr bestanden hatten und heute in keinem ander«» Lande als dem nationalsozialistischen Deutschland notwendig sind. DaS vollkommene Chaos in der Bersorgung der deutschen Bevölkerung wurde in dem wichtigsten Abschnitt, der Deckung-des Bedarfs an Brotgetreide, Heuer durch die schlechtere Ernte besiegelt. Da« System der Bezugsscheine, welcher für eine Reihe wichtiger Artikel längst eingesührt wurde, genügt nicht mehr. DaS Dritte Reich sieht sich gezwungen, zu jenen Methoden zu greifen, die das ausgehungerte Land mitten im Kriege anwenden muhte. Das Deutsche Nachrichten-Büro teilt mit, daß der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Darrt durch eine Verordnung die Requirierung der gesamten Brotgetreides eingeführt bat. Jeder Erzeuger von Brotgetreide wird verpflichtet, allen Weizen und Roggen, den er geerntet hat, abzuliefern. Ausgenommen ist davon nur das kleine Quantum, welches er für feine«» eigenen Bedarf braucht. Die Vcrfütterung von Brotgetreide wird streng verboten. Auch Futtergetreide mutz restlos abgelicfcrt werden. Den Landwirten wird dafür in Aussicht gestellt, datz ihnen vom Rcichsernährungsministerium fortlaufend durch Vermittlung der Landesbauernschaften Futtergetreide je nach den Verhältnisien zugeteilt werden tvird. Die Zuteilung wird davon abhängen, wie die Ablieferung des Getreides funktionieren wird. Wenn das Hitlerregime keinen andern Ausweg mehr findet als die Wiederkehr zur Kriegswirtschaft in ihrer drückendsten Form, bedeutet das nichts anderes als das Eingeständnis dcS vollständigen Bankrotts seiner wirtschaftlichen Methoden. Es widerlegt aber auch die Fabeln von den» neuen Geist, den Hitler im deutsche«» Volke wachgcrufen haben soll. Die Requirierung des Getreides sagt ja nicht? anderes, als daß die deutschen Bauern nicht mehr für verläßlich angesehen werden und datz man befürchten mutz, datz sie ihre Ernte, soweit sie nur können, in den Speichern liegen kaffen— gewitz ein unerwünschter Erfolg der ständigen Bemühungen, das deutsche Volk auf einen Krieg vorzubereiten I Jllegaler Schubbund— Kerkerstrafe Wien.(Tsch. P.-B.) Montag verantworteten sich vor dem Schöffengericht in Wien 18 Sozialdemokraten und Koinnlunisten aus dein XXI. Wiener Gcmeindebezirk, welche eine Zweigstelle des Republikanische«» Schutzbundes errichtet sowie Versammlungen und militärische 1ieb«ingen veranstaltet hatten. Hauptangeklagter war der Elektrotechniker Theodor S z i g e t t i, der zu acht Monate!» schiveren Kerkers verurteilt«vurde, die übrige»» Angeklagten erhielten Freiheitsstrafen von einem bis zu sieben Monaten. ben im Saargebiet mit den Familien der entlassenen Bergarbeiter vor, die in Werkswohnungen wohnen. Mit dem Tag der Entlastung werden sie rücksichtslos au« den Wohnungen exmittiert. Schauderhafte Zustände sind zu verzeichnen. So wurden Familien mit mehreren Kindern auf die Straße gesetzt. Eine Frau mit vier Kindern, von denen das jüngste einen Monat alt ist, mutzte sogar eine Nacht in einem Stall kainpicrcn. Nach- her setzte man die Familie in einen alten leeren Schulsaal. Dieses rücksichtslose Vorgehen hat die Erbitterung der Bevölkerung noch gesteigert, besonders noch deswegen, weil die freigewordenen ! Werkswohnungen von Denunzianten und arbei- Nach Ablauf des Genfer Oberschlesien-Vertrages (AP.) Das Erlöschen der Genfer Konvention bringt eine Fülle von Veränderungen und auch von Verhandlungen mit sich. Ueber den Grenzübcrtritt«vurde eine Einigung erzielt, die auch den Grenzgängern Rechnung trägt. Beide Staaten verpflichten sich, bei Grcnzauswcisen möglichst entgegenkommend zu sein. Die Nationalsozialisten werden das für ihre Propaganda auszpnützen Wiste». In der Frage des weiteren Aufenthalte» der Optanten in, Polen, worauf von deutscher Seit« gedrängt' wurde, gab Polen nicht Nach. Es wurde von polnischer Seite erklärt, es sei nicht einzusehen, warum Leute in Polen bleiben sollten, die durch die Option ihre Verbundenheit mit Deutschland dokumentarisch bekundet hätten. Sie hätten gut daran getan, schon vor Ablauf des Genfer Vertrages abzuwandern. Es zeuge von wenig Sehnsucht nach Deutschland und voi» wenig persönlichem Stolz, jetzt nicht gehen zu wollen. Während die Gemischte Komnlistion unter Vorsitz des schweizerischen Bundesrates Calonder ihre Tätigkeit einstcllte, wird das unter Vorsitz des belgischen Professors Kaek- kenbeek in Beuthen arbeitende Schiedsgericht die vorliegenden Fälle noch aufarbeiten. Dem deutschen Bottsbund, dessen Existenz aus dem Genfer Vertrag geboren wurde und dessen Leiter große Einkommen hatten, während das Gros der Mitglieder von den Unterstützung««» der polnischen Wohlfahrtsämter lebte, ist der Ablauf der Genfer Konvention besonders unerwünscht. Ulitz erlich einen Ausruf an das Deutschtum in Polnisch-Oberschlesien, der aber wirkungslos verhallte. Welchen Schaden auch hier der Nationalismus dem Deutschtum zufügte, ist wieder charakteristisch. Die Gleichschaltung hat die gesamte Arbeit für das Deutschtum diskreditiert und seinen Gegnern billige Argumente gegeben. Die Gleichsetzung von deutsch unv nationalistisch, von den Nationalsozialisten propagiert, erweist sich als ein Pumerang, der auf seinen Urheber zurückfällt. Ulitz hat die Hoffnung ausgesprochen, datz der Vottsvund weiterbestehen werde. Von polnischer Seite aber wird dagegei» Einspruch erhoben. Man erklärt, die deutsche Presse in Polnisch-Oberschlesien werde jetzt nicht mehr in der Lage sein, sich wie früher Dreistigkeiten herausnehmen. Die weitgehenden postalischen Vergünstigungen, die es dem»Ratiborer Anzeiger", der„Ostdeutschen Morgenpost" und dem „Oberschlesischen Wanderer" ermöglichten, unter Ausnutzung des polnischen Postdebits Polen zu schmähen und irredentistische, alldeutsche Propaganda zu treiben, lverden Wegfällen. Die Empörung über all das trifft infolge jener Gleichsetzung nationalsozialistisch— deutsch nicht nur die Nationalsozialisten,, sondern das, ganz« Deutschtum, das davon den Schaden hat.: Bergarbeiter-■, werden zwangsverschickt\ Die deutschen Bergarbeiter— das erste I Opfer des RÜstungswahnsinns I Im Saargebiet wurden einige tausend Berg-] arbeit» entlassen, die man zur Arbeit auf die j Erzgruben in Donaueschingen und an der Ruhr verschickte. Besitzer der Erzgruben bei Donaueschingen ist der Hüttengewaltige Röchling. Aus' seinen Erzzechen arbeiten nur Bergarbeiter, di« von der Saar, dem Aacmner Rcyjer und der Pfalz dorthin zwang-verschickt worden sind. Ihnen gegenüber glaubt der Hüttenbaron Röchling besonders brutal vorgehen zu können, was di« Zustände auf den Gruben in Donaueschingen beweisen. Auf den Arbeitsämtern, wo die Bergarbeiter für die Röchlingschen Erzgruben unter dem Druck der Behörden angeworben wurden, lietz dieser durch seine Menschenhändler den Angeworbene» einen auskömmlichen Lohn verspreche». Wie so viele Versprechungen der Nazis, ist natürlich auch dies« nicht gehalten worden. Die Bergarbeiter kommen bei Anspannung aller Kräfte höchsten? auf einen Tagelohn von 6.40 Mark, war zum Leben zu wenig und zuin Verhungern zu viel ist. Denn man bedenke: von diesem Betrag muh nicht nur der Zwangsvcrschickte selbst leben, sondern er soll davon auch noch Geld an seine Familie schik- ken. Bei der Anwerbung wurde den Arbeitern ebenfalls versprochen, sie würden in dem Erzdistrikt gute Wohnungen vorfinden. Wie„gut" diese sind, geht daraus hervor,' daß es sich um Holzbaracken, handelt,' die zu Maffenquartieren eingerichtet wurden. Als man den Bergarbeitern anfangs erklärte, sie könnten bald ihre Familien nachkommen lasten, so war das eine glatte Lüge, denn«S sind einfach keine' Wohnungen vorhanden und' neugebaut wird ebenfalls nicht. Das Esten wird, in einer Kantine verabreicht, die ebenfalls Röchling gehört. Da für«Wohnung" und Esten die Beiträge gleich vom Lohn abgezogen werden, ist der Arbeiter zum vollendeten Sklaven geworden. Ueber die Höhe der für das Hausen in der Baracke und die miserable Verpflegung in der Kantine eingesetzten Abzüge hat die Arbeiterschaft nicht mitzubestimmen. DaS aller regelt der Grubenbesitzer allein. Da die nach Donaueschingen Zwangsverschickten niemals ihre Familien werden zu sich kommen lasten können,. andererseits aber Besuche der Familie infolge des Jammerlohnes ausgeschlossen sind, so ist ohne Uebertreibung zu sagen, datz. der Nationalsozialismus in Masten Fäniilicnglück und Familienleben" zerstört,«„ weil e» hi«..Durchführung.der LMng„Kanonen statt Butter"'so verlangt. Die Arbeit im Revier von Donaueschingen ist außerordentlich schwer und gefährlich. Die Erzgänge sind sehr niedrig, so datz fast die ganze Arbeit knicend verrichtet werden mutz. Ueberdies ist das Lieg-Ende jm Gegensatz zum Kohlenbergbau, sehr uneben. Da. die Verwaltung den Bergarbeitern keine Knieschützer liefert, sind Erkrankungen, besonders Verletzungen und Entzündmrgen an den Knien, eine sehr häufige Erscheinung. Auch tödliche UnglückSfälle sind häufiger als anderswo, wozu die in den Erzgrube«» übliche Hetzarbeit daS ihrige tut. Bon einem kleinen Transport Bergarbeiter, der vor einigen Monaten von Aachen nach Donaueschingen' kam, sind bereits drei Kameraden tödlich verunglückt. Die Familienangehörigen hatten nicht einmal da» Fahrgeld,-um an der Beerdigung ihrer Ernährer teilnehmen zu können.’.' Bor einiger Zeit wurden aus dem Aachener Revier wiederum 60 Bergarbeiter nach Donaueschingen zwangsverschickt. Als Lockung bezahlte man ihnen das Fahrgeld. Als es ihnen jedoch nicht möglich war, mit den ungewöhnlich geringen Ber- diensten sich und ihre Familien zu ernähren, kehrten fast alle wieder zurück. Natürlich würde ihnen das Fahrgeld für die Rückfahrt weder von der Grubenverwaltung noch vom Arbeitsamt gezahlt, so datz viele von ihnen den Weg zu Fuh zurücklegten. Wenn das Arbeitsamt-im Heimatort sich weigert,.Wen die Evwerbslosenunterstützung weiterzuzahlen, da sie die Arbeitsstelle„freiwillig" verlassen haben, so sind sie dem Verhungern preisgegeben. Auch die nach dem Ruhrgebiet zwangsverschickten Saärbergleüte kommen in ähnliche Verhältnisse.- Sie werden nicht, wie ihnen ursprünglich gesagt wurde, auf Kohlengruben beschäftigt,' sondern auf einigen uralten und sehr primitiven Erzzechen bei Effen.Kver Lohn liegt ebenfalls weit Feuer gegen die eigenen Leute! Madrid.(Agence Espagne.) Als der deutsche Pilot in» Dienste der Rebellen Georg Kohl und seine beiden Begleiter, nachdem ihr Flugzeug ab- geschossen worden«var, über den republikanischen Linien im Fallschirm absprangen, begannen die übrigen Flieger derselben Rebellcneskadrille ein intensives Maschinengewehrseucr auf sie zu richten. Als sie sie nicht zu treffen vermochten, flogen sie zurück und kamen nach kurzer Zeit mit einen» dreimotorigen Bomber wieder, der drei schwere Bomben über der Stelle abwarf, an welcher die deutschen Flieger lande«» sollten. In diesen» Augenblick liefe«» die republikanischen Soldaten herbei und nähme«» die deutschen Flieger gefangen. Diese riefen:„Schietzt nichtI Wir sind Sozialisten!" Als Georg Kohl von den republikanischen Militärbehörde«» einvernominen wurde, erklärte er, nur nach Spanien gekommen zu sei», un» seine Mutter und vier Geschwister ernähren zu können und datz seine Vorgesetzte«» ihm die Teilnahme am Kampf gegei» die„Roten" als Kinderspiel dargestellt hätten. Er fügte hinzu, datz er über Roin nach Sevilla gekommen sei. Er habe 400 Peseten in der Tasche gehabt und einen sehr vorteilhaften Kontrakt erhofft. unter dem im Kohlenbergbau, die ihnen zugewie sene„Wohnung" besteht aus Baracken, und die kasernenmätzige Verpflegung ist alles andere als gut oder auch nur ausreichend. Bor dem Abtransport wurde den Saarbcrgarbeitcrn gesagt, ihre Familien erhielten«ine Trennungszulage. Sie erhalten sie auch, nur wurde vorher nicht gesagt, datz diese nur den lächerlich geringen Betrag von 5 Mark in der Woche betragen würde. i«veriswoynungen von rvennnzianicn un. Rigoros gehen die Verwaltungen der Gru-1 terfeindlichen Elementen bezogen werden. Paradies der Waffenhändler und-Schmuggler war und auch geblieben ist. Die Infanterie, Chinas Hauptwaffe, proportional viel stärker vertreten, als cö dies in modernen europäischen Heere» der Fall ist, verfügt sowohl über Mann« licher-Gctvehre und-Karabiner, wie sie in der österreichisch-ungarischen Monarchie gebraucht ..wurdel», wie, atzch,,.über japanische, Gechehcc desselben Kalibers),äiiö pen, Jahren 80.und..38.der Mciji-Epoche, Mauscrgewehre 7.9 Millimeter, Modell 1888, und 6.8 Millimeter, Modell 1913, fabriziert in chinesischen Arsenalen, nach europäischen Lizenzen, alte japanische Gewehre, 7.9 Millimeter, teilweise noch aus dem Jahre 22 der Epoche Mumia stammend, endlich das gute, den Bedürfnissen des chinesischen Soldaten— seiner robusten Konstruktion wegen— durchaus angepasste russische Dteiliuien-Gewehr, 7.62 Millimeter, normales Armeegewehr des russischen Heeres. Als Maschinengewehre gibt es sowohl Maxim, wie auch Hotchkitz,„Rex" aus Kanton, Maschinengewehre japanischer Fabrikation usw. Auch die Artillerie ist recht verschieden. Interessant ist, datz drei chinesische Arsenale,, die vor dem Kriege von Krupp vollständige Werk- maschinenauSrüstung erhalten haben, noch heute in der Lage sind, Kruppsche 76-Mllimeter- Kanonen zu drehen. ES sind dies: die Arsenale in Kanton, Honan und Hanhang, Provinz Hopei; das letztere Arsenal.beschäftigt dauernd rund 4699 Arbeiter. Aber auch Schneider-Creusot» Kanonen, schwedische Bofors-Geschütze usw. sind vertreten. Die gesamte chinesische Küstenartillerie hat Krupp in den Jahren 1896—1900 geliefert. Endlich haben die Sowjets deutsche, russische und amerikanische Remington-Gewehre und dergleichen mehr den Chinesen verkauft. Die größeren Truppenverbände sind recht buNt organisiert. So gibt es drei Klaffen von Infanterie-Divisionen: Klass« A hat drei Brigaden, Klaffe B nur ztoei und Klaffe C ist auf drei Regimenter beschränkt. Die Durchschnittsstärke einer Division, eS gibt deren 184, wär« mit 8000 Mann zu veranschlagen, doch gibt eS Divisionen mit etwa 18.000 und andere mit nur 6000 ManU. Eine besonders starke Division ist dije 37. des christlichen Generals Feng, die jetzt bei-Wang-Ping mit den Japanern zusammenge- stotzen ist. Diese Division,- wie' auch die 88., 182. und 2. T.O.-Division bildeten die 29.. Tschahac-Armee des Generals Sung. Außerdem stehen in Tschahar etwa 12.400 Mann Provinztruppen; die 68. Armee de» Generals Wan steht mit ihren Diviswnent 108., US., 129, und 180. in Peking. Dazu kommen.noch die.2. und 8. Kavallerie-Division und die 6. Artillerie-Brigade. Außer dieser sehr zahlreichen und sehr modernen Armee sind, westwärts von Peking, Teile der 68. Armee, insbesondere die 91. Division und es» Artillerie-Regiment gelagert, Alles in allem kann gesagt werden, datz ikhiga etwa 400.000 618 600.000 relativ modern ausgebildete und equipierte Soldaten besitzt. '(MTP Paris.) ES ist verhältniSmätzig leicht, sich in den Hauptnachschlagewerken über die Armeen verschiedener Staaten einige zahlen mäßige Angaben zu verschaffen. So können wir beispielsweise ziemlich viel Material über die japanische Armee finden, jedoch fast nichts Wer Chinas Wehrmacht. Auf dem Papier beziffert JTOimit,.rund. 2,333.000 Mgny, ändere Quellen schwamep, Machen 1,80.0.000 utib"l,'90v'.M. Alle diese Zählen sind jedoch wertlos, denn sie umfaffen nur Männer, die in China mehr oder minder militärisch organisiert und bewaffnet sind, ohne dem wichtigen Umstande Rechnung zu tragen) ob sie auch wirklich im modernen Sinne des Wortes«Soldaten" sind. Die chinesische Armee ist ein Werk von fünf Jahrtausenden Geschichte und zwanzig Jahren Arbeit von zwei Männern, dem Marschall Tschiang-Kat-Tschek und dem ver storbenen deutschen Generalobersten H a n S von Seeckt, der ja auch.Gründer des neuen deut schen Heeres geworden ist..Seit jeher haben die Chinesen fremde Instrukteure angestellt. Nach dem Weltkriege kam eine Reihe deutscher ehe maliger Offiziere unter der Leitung des Obersten Bauer, des Freundes Ludendorffs, nach China; sie leisteten jedoch keine wesentliche Organisations arbeit. Diese begann erst, als von Seeckt, der sein Amt als Chef der deutschen Heeresleitung nieder gelegt hatte, an Tschiang-Kai-DschekS Seite die chinesischen Streitkräfte von Grund aus zu orga nisieren'begann. Bon Seeckt erkannte sehr wohl die ungeheuren Möglichkeiten des Landes: sein fast unbegrenztes Menschenreservoir, die Bedürf nislosigkeit und Todesverachtung des chinesischen Soldaten und dergleichen mehr, Doch sah auch Seeckt, daß ein starker, hervorragend ausgebil deter Kern notwendig sei, um überhaupt in China ein modernes Heer bilden zu können. Seeckt ist nach Europa zurückgekommen und nach einiger Zeit gestoiben, ohne daß sich die Erfolge seine» Aufenthalte» auf die chinesische Armee nennenswert ausgewirkt haben. Nach jahrelanger Arbeit ist es der Nanking- Regierung so ziemlich gelungen, da» Gro» der Truppen, meistens Freiwillige' mit drei Jahren aktiver und drei Jahren 1. Reserve-Dienstzeit, der Kommanidogewalt der Zentralregiermig zu unterstellen, Sehnlich wie bei den Japanern wol len die Generale der Regierung nicht immer ge horchen, wie die» auch jetzt, bei den Kämpfen um Peking und Tientsin, der Fall ist. Bor. etwa zwei Jahren zählten die sogenannten regulären Trup pen der Zentralregierung rund 1.4 Millionen Mann; die selbständigen Streitkräfte der Pro vinzen waren etwa halb so stark, d. h> sie um faßten rund 700,000 Mann. Als-letzte» Glied in der chinesischen BerteidigungSkett« wäre noch die Armee der Provinzen Kwantung und Kwangsi zu nennen,, die rund-160.000 Mann umfaßt. Die Ausbildung, Ausrüstung und Organisation dieser Truppen wär noch weit vom Ideal einer moder nen Armee.eiüfernt. Bor ällem war die Bewaffnung—........ und sie ist es heute noch— aus allen Teilen der Letztens wurde«» viele Flugzeuge, Tanks und Welt und allen Epochen-der Technik zusammen» ander« moderne Waffen in Europa, und Amerika Zusammenstösse in Cleveland. Montag kam' eS in Cleveland gegen Mitternacht zwischen Arbeitern.und Streikposten zu neuen Zusammen-, stößen, wobei sieben Personen verletzt wurden.' Gegen 70 Automobile wurden dabei beschädigt.. Wie weiter berichtet wird, haben die. Kämpfe' zwischen den. Streikenden und Streikbrechern in den Republic-Stahlwcrken bisher einen Toten EMchW'MaimnenNÜvKM' Man""darf äüfäeiaüft. Die Japaner würden dieses Mal hart und 66 verletzte gefordert. 75 Kraftwagen war» »Mich nicht hergeffen,' daß China seit jeher da» zu kämpfen haben. den von. den Streikenden be,chadigt. Vie Kriegswirtschaft ii Deutschland verschärft Alles Brotgetreide wird requiriert Man erhMIt für KB, 100 Reichsmark..... 708.— Markmünzen.... 806.— 100 österreichische Schilling. 681,60 100 rumänische Lei.. 17.06 100 polnische Zloty... 686.60 100 ungarische Pengö.. 608.60 100 Schweizer Franken.. 658.50 100 französische Francs.. 107.67 1 englisches Pfund... . 141.02 .1 amerikanischer Dollar-. 28.60 100 italienische Lira•..■. 132.40 100 holländische Gulden.. . 1580.— 100 jugoslawische Dinare.. . 04.30 100 Belga»...... . 484— 100' dänische Krönen...' i, 688— 100. schwedische Kronen >. 785.— Seite 6 Sozialdemokrat Mittwoch, 28. Juki 1987. Ne. 17S Dee Fisches von(tniilerbuili sprach an. der Spitze einer grosse» Tepniation im Fvreign Office der. Der;)luerf der Vorsprache war, Erkundigungen darüber einzuzlehenj lvekches Amt nach der Ans» lösung des ÄInnicnaniies mit den» Schuh der Flücht- liuge betrank werden soll. Tie Deputation berlangte die Einfchung eines ständigen Komitee» des Völkerbundes für den Fl ü ch t l i n g S s ch u tz. Marc Prvido gestonbe». Alls London erreicht »ns die Nachricht vom Tode M a r c B r o i d o S, de» enge» Freundes des russischen Sozialisten Marlow. Schon in sehr jungen Jahren trat er der illegalen Sozialdemokratie seines Lande- bei und errang i» ihr rasch eine leitende Stellung. Wie die meisten seiner Genossen brachte er viele Jahre in der sibirischen Verbannung, im Gefängnis und der berüchtigten Katorga zu.- An der Feberrevolution, des Jahres 1917 hatte er führenden Anteil, der Endsieg der Bolschewilen und die Ilnterdriiltung der Sozialdemokraten zwangen ihn und seine Fran 1921 aber zur Flucht nach Deutschland. Bon hier aus unternahm Eva B r o l d o eine stiesse nach Solvjetrussland, wo sie nach kurzer Zeit zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und danach ins siüirifche Exil geschickt wurde. Nach dem Ausbruch des Dritten Reiches ging Broido nach Danzig, wo ihm 1030 das Leben infolge des völligen Nazineges unmöglich gemacht wurde. Tie letzten. Monate hat er.in London verbracht, wo er nun, fern von. seiner verbannten Gattin, in einem Spital verschieden ist. Seine Tochter VeraBoroido ist eine bekannte Schriftstellerin,(bn.) Reichshcer und SA. Die Marinestation Kiel bat die Mannschasten der Marine anfgesordert, sich in den össentliche» Lokalen vor Schlägereien zu hüten. Bei Belästigungen soll stets die Polizei herbeigernsen werden. Dieser Befehl hat eine Vorgeschichte. In Kiel beherrscht das Militär das Elragenbild und die gesamte Stadt. Bon den SA- und SS-Männern der früheren Jahre ist launi mehr etwas zu sehen. Nur dann und lvann — bei festlichen Anlässen— wagt einer der „alten Kämpfer" noch in seiiier Uniform auSzu- grhen. Aber wehe, lvenli er sich in die öffentlichen Lotale lvagt. Sofort setzen Hohnreden ein, und die Folge sind stet» solenne Prügeleien, bei denen die allen Kämpfer von den Soldaten nach Strich und Faden verprügelt lverden. Schon oft mutzte sich die Gauleitung beschwerdesiihrend.an die Marincleitung wenden, ohne datz ei jedoch besser wurde. Sonntag nachmittags oder gar Samstag nachts in einer Naziunsorni auf die Stratze zu gehen, wurde zu einer gefährlichen Sache. Durch den neuen Befehl dürste es auch nicht besser werden, zinnal da die meisten Soldaten auf den Kaierncudrill wütend sind und de» Nationalsozialisten sagen:„Ihr seid selbst schuld daran. Euch verdanken lvir die drei Jahre Dienst." Bezeichnelid aber" ist, datz sich an den Schlägereien Nicht nur die Gemeinen, sondern sogar die II nter- o f s i z i e r e beteiligen. Der Hab gegen alles „Braune" ist allgemein. Haken- mid andere„Kreuzler". Der Name „Halenlreuzler" hat auf die Phantasie aller derer, die sich irgendwie geistesverwandt fühlen, in der ganzen Welt, Ivie es scheint, anregend ge- lvirlt. Es gibt auber deii Hakenkreuzlern: in Lettland: Donner kreuzler, Ungarn: Pfeil» kreuzler und Sensen kreuzler, Mexiko: S i l- b e r kreuzler, Südafrika: Orange kreuzler, Bulgaien: S ch m e t t e r l i n s kreuzler, Brasilien: Knall kreuzlerswie sinnig!), Frank reich: F e n e r kreuzler, Monaco: Spinne n» kreuzler,Paraguay: P a p a g eie n kreuzler. Die jüngste Entwicklung in Indien.(AP.) Während der indische Nationalkongreh sich bisher gelveigert hatte, in einer der sechs Provinzen Ministerien zu bilden, hat der Arbeitsausschutz nunmehr beschlossen, den Mitgliedern der Kon- grebpartei dort, wo diese die Mehrheit hat, die Annahme" von Ministerien in den neuen Provinzregierungen zu gestatten. Die Gouverneure hatte» nämlich in der Zwischenzeit Minderheitskabinette eingesetzt, die Vertreter der Provinzial- räte wurden nicht einberufen, und es machten sich bereits Zersetzungserscheinungen bemerlbar, die eine Aenderung der Taktik des Kongresses erforderlich machten. Matzgebend war dafür auch die Tatsache, datz Gandhi in einen G egen- i a tz z u N e h r u geraten war und für die Ueber- nahmc der Negierungsgeschäfte cintrat, und dätz Unterführerin den Provinzen teilweise Vrrhand- krkolgrelcke Arbeit der prsser Klnderfreunde-Ortsgruppe Wie alle Fabre, war auch Heuer unsere kleine, aber rührige Kinderfreundcgruppe bemüht, für die Kinder ihrer Mitglieder Ferialaktionen durchzuführen. Gleich nach Schulschlust begann die Reftfalken- Heimgemeinschaft In Sandau am Polzen. Zehn unserer Kleinsten lvaren dort im Ferienheim der Sozialistischen Jugend vier Wochen mit Kindern aus dem Bodenbacher Gebiet beisammen. Der schöne, von Wald umsäumte Spielplatz vor deni- netten sauberen Heime war mit frohem Jngendtreiben erfüllt: unter der Leitung zweier Helfer unternahmen die Kinder schöne Wanderungen, u. a. auch zum Hirschberger Teiche und in das Zeltlager derAtuS- Jugend nach Neustadtl. Froh und gesund sind die Kleinen nun nach Prag zu ihren Eltern zurückgekehrt- Dreizehn Jung- und Rotfalken lvaren zur gleichen Zeit wie die Nestfallen nach Wegftödtl ausgebrochen und hatten dort, gemeinsam mit Kindern auS dem Bodenbacher Gau. ani Elbeufer ein Zeltlager errichtet. Die«rotzen stabilen Rundzelte,.die ein ganzes Dutzend Kinder leicht aufnehinen können, haben jeder Wetterunbill leicht standgehalten, da sie von den Kindern fachmännisch inr Erdreiche verankert und durch tiefe Gräben vor dem lieber- flulen geschützt worden waren. Die Prager Falken zeichneten sich in diesem Lager durch ihre besonders ordentliche Mitarbeit aus. Nach 14 Tagen kehrten die meisten Kinder nach Prag zurück. Sechs Falken aber reisten mit unserem Grossteile weiter in den Teplitzer Bezirk, wo sie mit Kindern aus dem Gau Teplitz in der. Nähe der Stadt Klosterzrab ei» neues Zeltlager errichteten. Montag sind- nach vierwöchiger Abwesenheit auch, diese Falken früh und munter in Prag wieder einaelangt. Damit haben die Prager Kinderfreunde den ersten Teil ihrer Ferialaktion erfolgreich beendet. Die an und für sich sehr niedrigen Lagerbeiträge < für vier Wochen Ki 180.— bis 200.—) und die Sammlungen für die linbemittelten ermöglichten es, datz auch nicht ein Kind aus Geldgründen daheim bleibe» mutzte., Porige Woche trat ei» Dutzend unserer ältesten Falken die«rohe England-Reise an. Zunächst sollen die Falken an der Arbeiter-Olympia de in Annverpen teilnehmen, dann wird sie. ein Schiff an die Südtüste Englands tragen, wo In der lungen mit den Gouverneuren einleiieiell, so beispielsweise in den Zentralprovinzen, in de» Vereinigten Provinzen,, in Madras. Es wurde jedoch bei-em Kongretzbeschluh die Einschränkung gemacht, datz die Uehernahme von Ministerien auSgenutzt werden müsse, um die Kongretzpolitik, die Bekämpfung der Verfassung und die Durchsetzung eines konstruktiven Programms zu fördern. Die Beschlüsse von Wardha gehen sogar noch einen Schritt weiter und gestatten sogar die Mitarbeit von Kongrctzmitgliedern dort, ivo der Kongretz in der Minderheit ist, also in Koalitionsministerien. Im ganzen genommen betrachtet man jedoch diesen Beschlutz als einen Erfolg der Negierung, der es gelang, den Kongretz zur lsebernahme von Ministerien zu veranlassen. Man erklärt, die Regierung habe dadurch viel Terrain aufgeholt, das sie durch.die Wahlsiege und die Bohkoitkundgebungen der Kongretzpariei verloren hatte. Nähe der Stadt Brighton die grotze Jnternationake Kinderrepublik stattfindct, an welcher Falten aus vielen Ländern Europa- teilnehmen lverden. Auf der Nückresse lverden die Falken die Pariser Welt« a n- st e l III n a besuchen. Eitern! Sichert eure» Kindern durch Beliritt zu den Kindcrfrennden die Möglichkeit, schon an der nächsten Ferialaktion der Prager Kinderfreunde teilznnehmen lWinterlagcr. wahrscheinlich in der neuen Natursrcnndebaude im Riesengebirge) I Kinderlose Genossen und Genossinnen, fördert' durch euren Beitritt dar Kindersreunde-ErziehimgSwcrkl Autokatastrophe aus der Zlichover„TodeS- lrücke". Die über die Pilsner Bahnstrecke führende Brücke bei Zlichov, vor deren beiden Enden die an dieser Stelle schmale KLnigsaaler Strasse scharfe einem- schweren Autounglück. Ein Lastaui» der einem schweren Autöunglüch. Ein Lastauto der Smichover Brauerei kam durch Anprall gegen einen Strassenstein in» Schleudern und fuhr mit voller Wucht gegen da» Geländer, dar durchbrochen wurde, so datz der Wagen in die Tiefe stürzte. Die Fahrer Wenzel K k e'm e n und Josef PribyI wurden durch den Sturz getötet, der dritte Begleitmann Jos. Schulhof erlitt schwere Verletzmigen. Diese Stelle Ist schon der Schauplatz zahlreicher Autounfälle gelvesen und wird von den Automobilisten, wen» auch mit einiger llebertreibung, als die „Todesbrücke" bezeichnet. Kein Attentat— nur ein seltsamer Zufall. Verschiedene Blätter brachte» die Nachricht, datz im Bamngarten auf den Lenker eine- Wagen» der Dreierlinie ein Anschlag verübt lvorden sei. Während der Fahrt wurde piötzlich ein Fenster des Führerstander durch einen von autzen dagegenflie- geudeu... kleinen Gegenstand» zerschlagen,- der aber Nlcht nufgefunden wurde. Man vermutete also,'datz es sich um eiste Rivölvtrkugel gehandelt habe." Ta sich dieser Vorfall am Nachmittag ereignete, erschien diese Annahme von Anfang an. wenig..glaubwürdig. Die Untersuchung hat" auch ergeben, datz nach der Art der Zersplitterung de» Glase» ein Geschotz nicht in Frage komme, sondern eher ein scharskantiger Gegenstand, etlva eine gröbere EiseNschranbe. Rach Ansicht der Sachverständigen ist die Zertrümmerung der Scheibe am ehesten dadurch zu erklären, datz bei der Durchfahrt de» Strassenbahnwagens unter der Brücke der Karlsbader Strecke, wo gerade eine Ver- schnbgarnitur rangierte, da» Fenster durch einen, von der Lokomotive abgesprungenen Dietallteil getroffen wurde. Trude lProsslicht in„Advokatin Vöra" mm■ Nächtliche Razzia auf Hasardspiclcr., Kurz nacheinander hat die Prager Kriminalpolizei zwei nächtliche Razzien gegen Hasardspiclcr dnrchgeführt. Bei der ersten, in der Nacht vom Samstag, Iviirden 46 Personen— größtenteils Berufsspieler an gehalten. In der folgenden Nacht wurde die Streifung wiederholt. In einem Grabenkaffeehans wurden abernials 18 Spieler angehalten, darunter auch ein höherer Staatsbeamter. Sport- Spul- Davis-Pokal nach Amerika England verliert 4:1! Dienstag wurden in Wimbledon die restlichen Einzelspiele im heurigen Daviscup aiiSgeträge». Gleich im ersten Spiel führte .Amerikas Vertreter Parker durch einen leichte» 6:2, 6:4, 6:2-Sieg über Hare(England) de» E n d- sieg Amerika s herbei- Im"letzten Treffe» des Tage», bei dem es bereits um nichts entscheidendes mehr ging, schlug der Amerikaner B u d g e den Eligländer Austin 8:6, 8:6, 6:4, 0:8. Amerika, welches Heuer aus" allen Begegnungen al- sicherer Sieger hervorging, hatte cs diesmal gegen England im Finale ziemlich, leicht. Denn feit dem Abgang Perrvs zum Professionalismus, fehlt er England sowie Europa wirklich an Könnern, welche ilmerika oder besser gesägt, Amerikas Spitzenspieler B.udge ernstlich gefährden könnten. So wird wahrscheinlich der Davis-Pokal auf. Jahre hinaus in Amerika bleiben:- See fcUUgende Magschdn Ist zue J&wahtung dec(Uonnemzntegdufte zu uerwendea l U!ec im Rückstände ttüöt. schädigt die Partei und deren Tresse Die Verwaltung Aaqer fettarm Ursprung und Entwicklung des Schachspieles Das moderne Schach ist nur etwas über 400 Jaluc all, und das orientalische Brettspiel, aus welchem es sich eniwickelt Hai, ist nach den jetzt allgemein als richtig angenommenen Forschungen, für welche hauptsächlich die reiche SanSkritliteratnr die Grundlage bildet, erst im sechsten Jahrhundert unserer Zenrechnung in Indien erfimdcn worden, von wo d sich zunächst»ach Persien, von dort auS nach Arabien und nach dem Abendlande verbreitet hat. Ter Verfasser dcS Koran, in welchem eine grotze Anzahl von Spielen teils als erlaubt, teils als verboten angeführt wird, hat das Schachspiel offenbar überhaupt noch nicht gekannt; erst nach der Unier» Iverinng PcrsienS durch den Kalifen Omar wurde das Schachspiel den Arabern bekannt, und eS war dann lange Zeit hindurch eine theologische Streit» sragr, ob dieses Spiel zu den erlaubten oder zu den berüoicncn zu zählen sei, welche, schlietzlich zugunsten, des Schachspieles entschieden wurde. Die aliindischen Schriften übermitteln un» leider nur den Name» des Spieles sowie der Figuren; über die Gangart der Steine und die Regeln des Spieles geben im» erst die Quellen aus dem zehnten Jahrhunderte Aufschliitz, vor allem das berühmte Schach N a m e h des grossen persischen Dichter» Firdnsi; freilich ist es nngetviss, ob die ursprünglichen Regeln im Verlaufe von vier Jahrhunderten nscht eine Aenderung erfahren haben. Ein Vergleich der Regeln de» alten Schachspieles mit.denen des nwderne» ist sehr interessant. Tcm Erfinder schwebte zweifellos der Gedanke vor, ein Sinnbild des Kriege» zn schaffen, worauf schon der Name:„Tschaiuranga", gleichbedeutend mit Heer, deutlich hinlveist. Auch die uralten einfacheren Brettspiele, tvelche als Vorlänser de» Schachspiele» anzusehen sind, stellen ja stets einen Kampf von Truppen dar, doch handelt es sich hiebei, z. B. bei vielen äghplischen Funden, nur um flache, runde Steine gleicher Grötze und Gestalt, welche demgemäss alle auch stur nach denselben Regeln ziehen, bzw. schlagen konnten. Erst im Schachspiele begegnen uns aus dem 64feldrigcn Brette die sechs verschiedenwer» tigen Figuren: König, Dame oder Rat, die zwei Türme, die zwei Läufer, die zwei.Springer und die acht Bauern; sie hatten aber bis auf den König und die Springer eine andere Gang« und Schlagart, und auch ihre Namen wechselten häufig im Laufe der Zeiten. Da» alte Tschaturanga, arabisch Schatrandsch, persisch Tschatrang, isteinkurzschrittige» Spiel, au» welchem in da» moderne Schachspiel nur die Gangart de» König» und der Springer unverändert übernommen worden ist.. Zu der Langschrittigkeit der Dame und der Läufer kam e» erst int Laufe einer sehr lange dauernden Entwicklung, welche sich an Hand der zahlreichen samt den Lösungen erhalten gebliebenen Probleme und Endspielaufgaben(Mansuben) recht gut ver- folgen lässt. Zuallererst, und zwar bereit» sehr bald nach der Erfindung de» Spiele», habest hie Türme da» Recht erhalten, in ihrer BewegungSqrt beliebig weit zu schreiten; die Türme allein beherrschten.damal» da» ganze Brett, waren also, dieweitau» mächtigsten Figuren im Spiele."Erst viel später erhielten auch die Läufer die analoge Befugni». Auf. die Springer aber ließ sich die» bei ihrer kombinierten Gangart nicht auch qnwenden; ohnehin war ja der Springer, auch wenn er auf zwei Schritte beschränkt blieb, eine starke Figur, denn ihm sind sämtliche Felder de» Bretter zugänglich, wa» bei den Läufern, bei den zweischrittigen Türmen, wie auch bei der.früher nur in schräger Richtung einschrittigen Dame nicht der Fall war. Gleichfäll» sämtliche Felder waren auch dem Könige zugänglich, welcher im alten Spiele, in allen dessen Phasen eine sehr mächtige Figur war. Die Dame dagegen war lange Zeit hindurch von allen Figuren die schwächste, sie durste sich, wie bereit» oben erwähnt, nur tzinen Schritt in" schräger Richtung bewegen- Aber auch die Bauern waren im alten Spiele weitaus schwächer al» im modernen, denn der Doppelschritt au» der AnsangSstellung war noch nicht erlaubt, und wenn ei» Bauer die letzte wagrechte Reihe erreichte, durste er sich nur in die schwächste Figur, nämlich in die Dame, verwandeln. Zu der groben llmlvandlung de» Schachspiele» kam r» erst im fünfzehnte» Jahrhunderts, welche» ja auch auf so vielen anderen Gebieten das Zeitalter gewaltiger Neuerungen war! Die neue Spielweise entstand um das Jahr 1478 in Spanien, und hat von dort au» dann in raschem Siegesläufe die ganze Welt erobert. Durch die neue Gangart der Dame, iwbeschränkt sowohl in gerader wie auch in schräger Richtung,- hatte' da» Schachspiel ungemein an Schwungkraft gewonnen; während au» früherer Zett außer Aufzeichnungen über die wirksamsten Spieleröffnun» gen lTabijen) keinerlei Proben aus der Spielpra- ris überliefert sind, erschien nunmehr bereits im Jahre 1407 ein gedruckte» Wert über dar Schachspiel," welche» äutzer der neuen„deka dama" genannten Spiestveise..auch noch die althergebrachte „del viejo" berücksichtigte. Diese» älteste Schachbuch, verfasst von dem Marannen Luce na, ist nur noch in. fünf. Exemplaren, wahren Prachtstücken der Buchdruckerkunst, erhalten. Bekannter ist da» im Jahre 1812' in RoM erschienene Werk de» Portugiesen Damiano, welche». sehr lange al» da» älteste Zeugni» der modernen Spielweise galt; in diesem Buche wird die neue Spielmethode„alla rabiosa", dl h.„auf stürmische Art", benannt,, aber auch die spanische Bezeichnung„dela dama" wird daneben noch mitangeführt. .. Die moderne Spielwei.se. hatte auch sonst noch tlefeingreifende Aenderunge» der Regeln mit sich gebracht.'Während er früher neben dem Matt-Siege, welcher eine grötze Seltenheit gewesen fein" mutz, solange der König noch, die mächtigste Figur war, auch noch den BeraubungS-Sieg und den Pätt-Sieg gab, welche Gewinnarten allerdings geringer bemerket Wurden, fand jetzt bald nur noch der Mat-Sieg Anerkennung; war doch diese Möglichkeit des Partiegewinnes ungemein gesteigert,.seitdem die Dame mit einer so überlegenen Macht ausgestattet worden.wart Ungefähr gegen die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, haite sich das neue. Schachspiel gegenüber dem althergebrachten endgültig durchgesetzt. Freilich gab. es noch gewisse Schwankungen in den Regeln, doch betraf dies nur unwichtige Einzelheiten; die Hauptregeln des moderne» Spieles erscheinen bereits in den Werken von Lücena und Damiano klar festgelegt. Welche glänzende Weiterentwicklung.dar Schachspiel seither genommen hat, ist allgemein, bekannt. Gerade in unserer Zeit.ist das Interesse für das königliche Spiel wieder sehr lebhaft geworden, wa» sich auch in der grotze» Zahl der allenthalben veranstalteten Wettkämpfe zeigt. Noch in- jüngster Zeit wurden Versuche unternommen, da» Spiel nm- zngestalren, z. B. durch Vermehrung der Figuren auf einem 100 feldrigen Brette, ferner durch das sogenannte Zhlinder-Schach, bei welchem daS Brett als Zylinder'gedacht" wird, und die Figuren' vom Rande ber senkrechten Reihen auf die-andere Seite gelangen können, aber/diese und auch- andere- Neuerungen konnten keinerlei'Bedeutung"erlangen: Gäbe es aitf dem Gebiete menschlichen Wissens und Könnens überhaupt etwas VollkomineneSf.-so wäre wohl,da» Schachspiel mit seinen.gegenwärtigen"Regeln innerster Reihe hiezu zu zählen. Nur Wenige bringen es hierist zur Meisterschaft,.und" von einer!EititönigkÄt> deren Vorhandensein die. Neuerer,zur. Rechtfertigung ihrer.Versuche.behaupteten, kann bei wirkliche» Meistern des Spieles kessle Mede-sein. Immer noch-gibt er in- dieser G.eistxsühung üene Wegc fsl.r.neue.-Ta- lente," und' jeder, npu.auftretpiide herpörragende Meister:zeigt auch, eisten ,neuen, eigenartigen Stil! So wird'dem Schachspiele, als einer der schönsten und edelsten Blüten unserer n e,u zw! t lichen, Kultur,! gewiss" noch. e.ine.lauge weitere..Dauer,,.stnd. eine Fortentwicklung, aber nicht durch Aendebung^derNe-, gelns sondern durch Fortschritte/ ist.der SPiÄWtist,' beschieden sein.. Dr. Mar Lederer, Gablonz a. N. Bezngsbeding u n g- n: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich Ai 16.—; vierteljährlich Ki 48.—. halbjährig Ki 06.- ganzjährig XÜ1Ü2.—.— Inserate werden laut Tarif billigst, berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt,nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeityngSfrankätur würde von dcr Vostl und"Tel-. graphendirMon mit Erlass Nr. 1H.800/VII/198Q bewilligt,— Druckerei:„Orbij", Druck-, Verlag», und ZeitungS-A.-G.Prag.'"™