Sozialdemokrat gentralorga» der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit.«»»nähme de» Mantn, tiigiich frith x«inoelprei» 70 Heller Redaktion u. Verwaltung: Prag XII., Fochova 62— Telephon 58077— Herausgeber: Siegfried Taub— Derantw. Redakteur i. B.: ZdenkoNeuwirth, Prag 17. Jahrgang Donnerstage 29. Juli 1837 Aus dem Inhalt: Große Erfolge der Union der Textilarbeiter Handschuharbeiterstrelk geht weiter Erfolge des 18. Feber Bomben und Brandstiftungen in Belfast Flugzeugkatastrophe mit 14 Toten Nr. 176 SchangHai.(Reuter.) Wie von chinesischer Seit« amtlich mitgeteilt wird, habe» die Chinesen Tungschou» 15 Meilen von Peiping, eroberte Bei dieser Gelegenheit griff auch die chinesische Klug Waffe zumersten Maleeln. Die chinesischen Truppen haben di« Beschießung. von vier japanischen Schissen lei Tank« ausgenommen. Die Japaner entsernten sich in der Richtung auf-die hohe See,«S gelang ihnen später aher doch, de» Hafen zu erreichen. Nanking.-Nach amtlichen chinesischen Birldnngen haben dir'chinesischen Truppen Mitt- wach früh Fengtai und Langfang zurückerobert, während der Kampf bei Tfchungtschan noch fortdauert, wobei die chinesischen Streitkräfte die Oberhand haben. Zwei japanische Flugzengge» schwader erschienen früh über Ranyuan lei Peiping und warfen Bomben und Propagandaschriften ab. Jir einem Rundtelegramm, das- heute früh in Nanking eintraf, erklärt General Snng- chihhuan, daß-die fortgesetzten Provokationen der Japaner die'chinesischen Streitkräfte gezwungen hätten, Härten Widerstand- zu leisten, um die nationale- Existenz zu verteidigen. Schanghai.(Reuter.) General Sun- tschchnan, Kommandant des' 29. Armeekorps und Vorsitzender des politische» Rates von Hopei und Tschahar hat eine' Erklärung verüffentlicht, in der er verspricht, China VIS zum letzten Mann zu, verteidigen.. Chinesischen Blättermeldungen zufolge hat, dir Reglern», beschlossen, Sun- tschrhuan«olle Unterstützung angedeihen zu lassen. Sobald die Nachricht von dem chinesischen Sieg, in Schanghai einträf, wnrdc augenblicklich alle Arbeit eingestellt und der Maffe», denen der. Der Japanische„Kriegs* anlaß“ demaskiert S Ha n gh ai.- Der seftDamstag aus dem hiesigen Stadtviertel Hongkew-verschwundene japanische Matrose-Miyazaki' wurde Mittwoch in Tschingkieang, einer Stadt am Bangtse-Fluß unterhalb Nankings, aüfgefuuden. Die Meldung besagt, daß der japanische Matrose sich wohlauf befinde. Bekanntlich"hatte das Berschwindrn Miya. zakis zu.großer Erregung unter den Japanern geführt. . Miyazaki ist abends.' durch Pas..chinesische Außenamt. dem japänifchen. Geucralkonsiilat in Nankiüg abgeliefert worden. In hiesigen chine- stschenKreisr» Erklärt man, Miyazaki sei nach dem Besuch eineS vonden japanischen- Behörden für japanisches Misisär nicht-zugelaflenen Lokals auS Angst vor Bestrafung geflüchtet. Beim Durchschwimmen des. Jangtse sei er von einem. Fischer aufgefischt und dann der- Polizei übergeben worden, von politischen Hltztergrüuden jkönne. also keine,Repe-kety:)'." China lehnt ab- der Kries besinnt Die chinesische Gesandtschaft in Prag stellt den Blättern am 28. Juli folgenden Bericht zur Berfügung: Die chinesische Gesandtschaft in Prag hat die offozielle Bestätigung erhalten, baß die chinesischen Behörden in Peiping die Forderung der Japaner nach Abzug der Einheiten der 29. Armee aus Peiping und Umgebung abgelehnt haben. Die japanische» Forderungen wann folgende: 1. Di« Einheiten der 37. Division in Lukutschiau marschieren biS DienStag, den 27. Juli» mittags nach Schansingtien-ab. . 2. Auch die übrigen. Abteilungen der- 37. Division In der Stadt Peiping und Hsiujang zieht sich bis 28. Juli vor Mittag nach Weste» zum Flusse Jungting zurück. 3. Die ganze 37. Division zieht sich sofort nach der Evakuiernng der erwähnten Orte nach Paoting zurück. In'der Umgebung von Peiping und'längs der Bahnstrecke zwischen Peiping und Tientsin finden gegenwärtig schwere Kämpfe statt.-- ES droht ein großer Konflikt auszubrechen. Feng- tni und Laugfang wurden von de» chinesischen Abteilungsn nm 28,- Juli zurückcrobert. Die Kämpfe im Abschnitt von Tungtschan werden fortgesetzt,-wobei die chinesischen Abteilungen Erfolg« erzielen konnten. Zwei ESkadrillen japanischer Flugzeug« unternahmen Mittwoch früh einen Anflug ans Rangjuau in der Nähe von Peiping, wobei sie Bomben und' Flugzettel abwarfen. General Sutschcyuan, der Borsitzende deS politischen RateS für Hopei und Techahqr, hat einen Aufruf an die ganz« Ratio» erlassen, in welchem er erklärt, die ständigen japanischen Provokationen hätten die chinesischen Abteilungen gezwungen,- entschieden zum Schutze der Ration einzugreifen. Chinesische Wafffenerffolfle Sieg durch den Rundfunk, Plakate und Flugzettts bekannt gemacht wurde, teMchtigte sich eine unbeschreibliche Begeisterung. " Auth Japan meldet Siege Tokio. Wie Domei berichtet, gibt pah Krieg-Ministerium bekannt, daß im. Verlauf-der .militärischen Aktionen der japanischen Notdchina» Garnifon nuumrhr- heftige Kämpfe bei Schau,- hatschen und Tschinghotschen nördlich von Peiping sowie bei RaNYUan und Hsiyuan südöstlich' von Peiping mit dem Ziel der Besetzung der strategisch wichtigen Peiping-Duiyan- und- der Pei- ping-Tirntfln-Bahn im Gang« seien.' Da- Hauptquartier der Nordchina-Garnison meldet, daß Gegenangriffe der chinesischen Truppen bei Langfang nach Heranziehung japanischer Verstärkungen- mit- schweven Verlusten für' die Chinesen zurückgeschlagen worden' seien. Die Kasernen von Naiiyuan seien- zerstört«erden. Zahlreiche Tote und Verwundete bedeckten das Schlachtfeld.', S ch a n g h a i.(Havas.) Nach einer Mel» -dang der chinesischen Agentur Central New- ha» bm die chinesischen Behörden di« autonome Regierung in. der Vstprovinz Hopei aufgelöst und die Kontrolle der gesamten Verwaltung übernommen. Als Grund für diese Maßnahme wird die Besetzung von'Tungschou angegeben. Der Vorsitzende der Verwaltung in Hopei Jinjuken wurde verhaftet. Völkerbund Wird nicht strapaziert London.(Reuter.) Auf di« Frage, ob der Völkerbundrat von der Lage im Ferne»'Osten in Kenntnis gesetzt werden wird, die als sehr ernst bezeichnet wird, antwortete Minister Eden, er beabsichjige-nicht, in dieser Hinsicht die Initiative zu-ergreifen. Wir dürfen nicht vergessen, fuhr Eden fort, daß zwei sehr bedeutende Mächte, welche diese Angelegenheit angcht, die Vereinigten Staaten-und Japan, nicht Mitglieder des Völkerbundes sind.. London.(Havas.) Zweck der Beratung der chinesischen Diplomaten auf der chinesischen Botschaft in London soll die. Ausarbeitung einer Empfehlung gewesen sein, die der chinesischen Zentralregierung vorgelegt werden soll und welche die diplomatische Hilfe, welche die fremden Regierungen ihr zuteil werden- lassen sollen, »sBÄ«.die., eventuelle Lieftrung-vo» Waffen betrifft. In chinesischen Kreisen verlautet, daß tm Hinblick auf- den Neunmachteverträg- über China China im Falle.eines Angriffes fordern könne, daß ihm das. Recht, zuerkannt werde,' in de» Signatarstaaten jene Waffen'einzukaufen, welche es benötigt. Chinesisch-amerikanischer Zwischenfall Tientsin.(Havas) Die amerikanischen Militärbehörden bestätigen, daß chinesische Abteilungen in-Peking auf amcrilanische-Soldaten feuerten, als diese amerikanische Bürger in Sicherheit brachten.-Ein amerikanischer Soldat wurde leicht verwundet. Die-chinesischen. Militärbehörden haben, sich entschuldigt und diesen Zwischenfall damit erklärt, daß di«, amerikanischen Soldaten für. eine japanische Patrouille gehalten wurden. bomben und vrandsMungen wahrend des Könlgsbesuches In Irland London. Beim Besuch deS kirgisischen KöuigSpanres in Besfast kam'eS zu einer GaS» rxplösion in einem- Belfaster' Warrnhastch und -zwar gerade.zu der' Zeit,- als das Königspaar zum offizielle» Empfang. Im Rathaus weilte. Die Explosion, bei der' übrigens niemaiid.' verletzt wurde, war so heftig, daß in der Sjadtzahlrejche Fensterscheiben zertrüuünert wurden. Die ersten'Meldungen, welche, von einrm zufälligen Ereignis sprachen, wurden bald.überholt durch weitere Berichte,, di« ein getreueres Urteil über die Vorgänge nicht nyr, in Belfast, sondern auch in anderen Teilen- deS- Lande-. ermöglichen.-.'-. Es ist unzweifelhaft, daß die Explosion im -Warenhaus nur«in Glied in einer ganzen Kette wohlvoriereiteter, Anschläge ist, welche- den- Besuch deS KönigSpaareS stören sollten.-- Brandbomben und flaschlnengewehre In der Rächt auf Mittwoch wurden längS der Grenze, deS, ipischen FlristaateS utid Rord- irlanPS zahlreiche Zollhäuser i», Brand gesteckt und vernichtet..,'''.. .' Insgesamt' wurden.' Zyllwachhästfer .durch-Explosion--oder.Feuer. seitens^prgqMerjer und bewaffneter. Äruppesi zerstört. In. Elgnti- crim Letzten bewaffnete. Revolüt.ipnäxe. die'Zoll- 'bäräcken in Braud,..nachdem sie- sie.mit'.Petroleum-übergossen hatten. Hierauf'..feuerten''M mehrer«, Schüsse- auf die' nahegelegene Polizei- station ab und-flüchteten-dann über-die--Grenze i;qch)dxitr-^Freistaätz.-.BeiTrlllßdonttell- tpurde i«in Mäschineitgewehr von der Seite des Freistaates über die Grenze gebracht..Iiordirische Polizisten, die sich i»! einem Kraftwagen näherten, wurden mit einem Kugelregen begrüßt und mußten sich schleunigst' zurückzichen.■ In Retory, zwangen mehrer«'Leute eine Polizeipatrouille- mit einem Maschinengewehr)- die Polizejstatiön mit- Benzin zu übergießen'und in Brand zu fetzen. Auch in ClsneS wurden Mehrere Zollbaracken zerstört. Elseiibahhbrilcke In die Lüft gesprengt ' DaS ernsteste Attentat in der Provinz wird «ich der Röhe von Dunwalk gemeldet, wo eine Eisenbahnbrsicke- teilweise' in di« Luft.gesprengt wurde.- Eine Reihe von Personen wurde verhaftet: DaS Ziel, ,daS erreicht- werden sollte, war offenbar die Unterbrechung deS lebhaften Eisen» ttzhnverkehrS"«US dem irischen Freistaat nach BAfäst^ das derzeit von Besuchern aus allen feilen; Msterst überfüllt ist.'-:_ '.'-'Die'-AnsKsgll«'Herden. IrtscheN röpuhlikäni- schen Extremisten.,züaeschri.ehen, welche. die voll- kommcnc Unabhängigkeit Irlands von Großbri« tarsitien.- gtzstrche'tz..',^eft'1,920.', bildet.'.-Irland (mit.-AnsNahnie.des-im.'Norden- gelegenen protestantischen Ulster.mit der..Hauptstadt Belfast) d.eg^ Wischen-'Äreistägt,i,der seine. eigene Btzrsiss- sung besitzt» im Völkerbund vertreten, ist- und. in sitiMiPr.)Zest seine Selbständigkeit durch dipBer- weigerung des-Treueids-für den König, die Ab- sentierinfsi von- dpr Krönung und andere staatsrechtliche Akte-««reut, büonte.^ Ion der„Straiahtlon mm Krieg Auch die gewiegtesten Schönfärber entschließen sich, wie cs scheint, die Ereignisse i» China nunmehr doch als einen Krieg zu. bezeichnen, obwohl die Japaner bisher so wenig den Krieg erklärt haben, wie Mussolini ihn dem Ncgns, wie Nom und Berlin ihn Spanien erklärt haben. In-Asien geht es genau so gemütlich zu wie seinerzeit i» Afrika. Mußte der italienische Gesandte in Addis Abeba seinerzeit mit sanfter Gewalt vor die Tür gesetzt werden, so hat auch der japanische Botschafter in Nanking seine Zelte noch nicht abgebrochen, er ist nur. meist „auswärts", weil er in den chinesischen Provinzen wichtige. Geschäfte zu besorgen hat. Der Ausbruch des Krieges um Nordchina beweist, lvas klarblickende Zeitgenossen schon vor dem abessinischen Krieg behauptet haben:-daß es d e n ,,d y n a m i s ch e n" M ächten gar nichts» sehr um das vorgeschützte K r i e g S z i e I, als um d c n K r i e g s c lbstgeht. Ter Krieg um seiner selbst willen, die Gewalt, der Wasfenruhm, die Ablenkung der politischen Spannungen nach außen, das ist das wahre Ziel der faschistischen Politik.. Und dies ist eben auch der Grund, weshalb Völker mit demokratische» Ideologien die faschistische Politik so schwer verstehen, daß sie so selten begreifen, welches die einzig wirksamen Gcgenzüge gegen die Manöver der Gewaltpolitiker sind. Man hak Mussolini im Jahre. 1985 alle möglichen Zugeständnisse in.AbesslNien mache» wollen. Er schützte loirtschastliche Interessen vor und man wvllte sie in der liebenswürdigste»-Weise befriedigen. Aber ehe' es noch dazu kam und während man noch glaubte, ihn' schon am Verhandlungstisch zu haben,./donnerten vor Adua die Kanonen. Di« Japaner wollen- in.Nordchina einen Tributärstaat errichten..Sie behaupte!!, daß die „Unabhängigkeit" der nordchincsischen Provinzen — nämlich die Unabhängigkeit dieser Provinzen von der chinesischen Regierung in Nanking!— ein Lebensintercsse MandschukuoS, Japans und Asiens überhaupt darstelle. Die Mächte haben allem Vernehmen nach in den letzten Tagen versucht, zu„vermittel»", das heißt in der Diplo- matettsprache von 1987:-sie haben versucht, den Angegriffenen und Ueberfallenen.zum Nachgebcn zu bewegen. Die chinesische Regierung hatte das erste Abkommen der lokalen Machthaber mit den Japanern genehmigt, das heißt, sie hatte sich damit abgesunden, daß ihre eigene Souveränität in den Nordprovinzen erlischt und daß dort-langsam die japanische Souveränität an die-Stelle der chinesischen tritt. Eine diplomatische Aktion Japans hätte genügt, einen-Rechtszustand zu schaffen, der einer Annexion von Tschachar und Hopei durch die Japaner gleichkäme, der militärisch und wirtschaftlich jede Garantie geboten hätte, die Japan nUr wünschen kann; diese diplomatische Aktion hätte weniger Menschen und weniger Geld gekostet-als die ,Strafaktion" gegen Peiping. Trotzdem ziehen, die Japaner es vor, Krieg zu. führen. .- Der Krieg, den Japan begonnen hat, ist für da? fernöstliche Jnselreich alles andere als ein Spaziergang-, eine gefahrlose- Expedition. Die Wehrkraft Ainas ist nicht zu unterschätzen. China ist ein ungeheuer großes, an Menschen und Rohstoffen.reiches Land, es ist nicht wie- Abessinien ein wildes Land,' dessen Soldaten mit Lanzen gegen Maschinengewehre, mit nackten Fäuste): gegen Tanks kämpfen werden. China wird' bei einem'länger-dauernden Krieg beträchtliche'Kräste entwickel» können. Im Rücken der Japaner steht Rußlands fernöstliche Armee-,. Eine Viertel» million Mann unter Marschall Blücher kann Uber Charbin-und Mulden die japanische Basis, kann Darren, Korea, die japanische Ktvaniung-Armec bedrohen., Eine Flotienaktion Englands und Amerikas könnte Japans Seemacht vernichten, während das, Reich der aufgehenden. Sonne seine -Kräfte tm Kampf gegen-China verbraucht. Trotzdem führt Japan Krieg,- nimmt es das- ungeheure Risiko auf sich.. Ein. sehr yerbreiteteS Vorurteil wird-widerlegt: her Glaube,a» die rationalen, die.vernünftigen und logischen Motive der „dynamischen" Politik).In. Paris Md London hat man sehr lange gemeint, Rom und Berlin- würden keinen Krieg, führen, weil sich.leicht. äuSrech- nen lass«,' daß sie zu schwach zu. einem Krieg sind, Seite 2 Donnerstag, 28. IM 1937 Nr. 175 Londoner Illusionen Noch Immer Locarno Sanbim. Die britisch« Regierung, hat wie erst seht bekannt wird, vor ungefähr einer Woche an die ehemaligen Locarnomächte eine Nvte gerichtet, in welcher rin Rückblick auf die bisherigen Bemühungen um das Zustandekommen eines WestpaktcS gegeben wird und die gleichzeitig eine Reihe von Vorschlägen enthält, di« auf die Fortführung der diesbezüglichen Verhandlungen abzielen. Die Note wurde den Regierungen in Paris, Berlin, Rom und Brüssel auf dem üblichen diplomatischen Wege zugestellt. Unter den neuen britischen Vorschlägen soll sich auch ein solcher auf Einsetzung eines Expertenkomitees befinden, das aus Sachverständige». der ehemaligen Locarnomächte bestehen würde und die Aufgaben hätte, die technischen Probleme zu klären, welche für di« Fortführung der Verhandlungen notwendig erscheinen.■ • Der Besuch des italienischen Botschafter» Grandi beim Premierminister Chamberlain steht in London im Vordergrund de» Interesses. „Star" schreibt, daß, obwohl es für einen Gesandten nicht ungewöhnlich sei, dem Ministerpräsidenten" eine Höflichkeitsvisite von 18 bis 29 Minuten abzustatten, es doch säst noch nie dagewesen sei, daß der Ministerpräsident einen fremden Besucher so lange bei sich behalte. Ueber den Inhalt der Unterredung heißt es, diese habe sich hauptsächlich mit dem künftigen englisch-italienischen Verhältnis im Zusammenhang mit der Völkerbundspolitik, sowie der Lage im Nahen Osten besaßt. Chamberlain wolle authentische Informationen über die künftige Völkerbundspolitil Mussolinis erhalten und dies besonders im Zusammenhang mit jenem kürzlich im„Popolo d'Jtalia" veröffentlichten Artikel, der dem Duce zugeschrieben wird. Der Ministerpräsident, der«in Befürworter der Völkerbundspolitik sei,'wünsche die Mitarbeit Italien» im Völkerbund zu sichern.. Dies solle noch vor der Herbsttagung des Völkerbundes erfolgen, in welcher in Genf sowohl über die Zugehörigkeit Abessiniens zum Böllerbund, als auch über das Schicksal Palästinas entschieden werden soll. Londoner diplomatische Kreise wollen wissen, Chamberlain habe dargelegt, wie er sich die Beilegung der Spannung zwischen England und Italien vorstelle und die Stellungnahme Mussolinis hiezu als wünschenswert bezeichnet. Diese Stellungnahme soll auch die italienische Politih im Nahen Osten, in Nordasrika, Kleinasien und im roten Meer, sowie die Araberpropaganda umfassen. * Der russische Botschafter in London, Majflis hatte Mittwoch im Foreign Office eine fast einstündige Unterredung mit Außenminister Eden, die sich auf den britischen Spanienplan bezog und sich mit der Haltung der Sowjetunion gegen die Zuerkennung der Rechte einer kriegführenden Macht an die beiden Parteien in Spaniest befaßte. Der Botschafter hat bekanntlich in ter letzten Sitzung des Unterausschusses des Mchttnterven« tionskomiteer in London dargelegt, daß die Sowjetunion unter keinen Umständen ihre Einwilligung zur Zuerkennung der Rechte einer kriegführenden Macht an die Spanier geben würde. Die Antworten auf das britische Weißbuch in dieser Angelegenheit sind zum Teil bereit» eingelaufen. Die französisch! i Antwort lautet z u st i m m e n d.> Labour beugt vor London. DaS Exekutiv-Komitee der Labour» Party erließ gestern«ine an die britische Regierung gerichtete Warnung, in der di« Befürchtung ausgesprochen wird, daß die britische Regierung die Franco-Regierung in Spanien al» legitime Regierung anerkennen könnte, IvaS sich in der Folge als für Großbritannien und den Weltfrieden verhängnisvoll erweisen müßte, denn die dynamischen Staaten Italien uiw Deutschland seien ständig bemüht, die strategische Lage im Mittelländischen Meer zu ändern und damit das Kräfte- verhältni» zuungunsten des Weltfriedens zu verschieben. Die deutschen Flieger In Spanien Madrid.(Agence Espagne.) Der deutsche Flieger Georg Kohl hat dem Korrespondenten der Agence Espagne erklärt, wie die Luftstreitkräfte der Rebellen von Deutschland aus geleitet werden und daß sie den Auftrag haben, die letzten deutschen Flugzeugtypcn in Spanien auszuprobieren. Der deutsche Flieger erzählte mit sehr genauen Angaben, wie er sich in Hamburg Schwere Kämpfe an der Madrider Front Madrid. Die nationalistische Offensive gegen Billa Nueva de la Canada wurde gestern mittag» eingestellt. Weitere nationalistische Berstärkungen sollen im Ouijorna-Settor au» dem Norden eingetrofsen fein. Die Absicht der Nationalisten besteht jetzt offenbar darin, einen Halbkreis«m da» Gebiet zu bilden, um den Angriff zu erneuern. DI« Hauptstadt wurde in der vorangegangenen Nacht wieder 1)4 Stunden lang bombardiert. Die Granaten fiele» im Zentrum der Stadt nieder. Ueber die Wirkung der Beschießung liegen Meldungen noch nicht vor. Die Aufständischen melden, daß st« die Dörfer Fria» und Dillar del Coda besetzt und bei Onijorna 1800 Mann RegierungSttuppen von d«t übrige» Front! abgeschnitten hatten.•" i Francos Lase bleibt gefährlich Der Havas-Berichterstatter. meldet: Die Offensive der Franco-Truppen bei Brunete ist, wie«» scheint, auf einem toten Punkt« ange- langt. Di« g«sttig«n Angriff« dir Aufständisch«» «ndeten mit groß«» Verlusten. Di« RkgirrungS- den Abteilungen Franco» der Durchbruch nicht gelingen sollte, würde sich dir Lag« trotz der Eroberung von Brunete für ihr« Front in der Nähe von Madrid bei Sasa del Sampo«nd der Universitätsstadt weil sie den Krieg verlieren müssen, weil dar Risiko größer ist als der denkbare Geivinn, iveil sie alles, was sie vernünftigerweise fordern können, auf anderem Wege leichter erreich«». Das japanische Beispiel beweist eS deutlich genug: die Dynamiker scheuen das Risiko nicht, sie wollen den Krieg, weil der Krieg das notwendige Ende ihrer ganzen Politik ist. Ein politisches System, dessen Basis ein« totalitäre Kriegswirtschaft, dessen Idee der irrsinnigste, der explosivste Nationalismus und Imperialismus, dessen Religion die Verherrlichung des Mordens, de» Sterbens, der Bernichtung, dessen einziger Sinn eben der Krieg ist, kann sich den Krieg nicht durch Rohstoffe, Kredite, Grenzrevisionen, Ver- trägc abkausen lassen. ES wird, wenn die Gegenspieler in jedem Punkte nachgebcn, weit eher Krieg führen, als- wenn cs auf keinerlei Entgegenkommen stößt. Denn das einzige, was diesen Politikern den Mut zum Kriege nimmt, ist wahrscheinlich der laltbcrechucie Gegenschlag, die nüchterne Feststellung: Wer weitcrgeht, wird erschossen. Diese Politik allein kmm nämlich in dem Lande, das angreifen will, die Gegenkräfte au» ihrer Lähmung lösen, sie zur Aktion ermutigen. Und ohne die Aktivierung dieser Gegenkräfte ist der Krieg nicht zu verhindern. Ein von England, Rußland und den USA. gezeichnetes Ultimatum an Japan, binnen 48 Stunde» alle chinesischen Provinzen zu räumen, würde wahrscheinlich das Wunder bewirken, das keine Nachgiebigkeit, Eleganz und Diplomatie erreichen kann: daß Japan auf den Krieg verzichtet» weil sich in Tokio selbst Kräfte finden würden, die der KriegSpartei in den Arm fallen. Abessinien und Spanien haben längst dasselbe gelehrt. Eine, entschiedene Politik der BölkerbundSmächte könnte noch heute Hitler und Mussolini bändigen, weil sie allein auch in Rom und Berlin den Friedenswillen mobilisieren würde. Der Krieg, in den Japan sich einläßt, ist ein. halsbrecherisches Abenteuer. Ec kann in längerer Frist mit einer Katastrophe sür Japan enden. Aber aller Welt könnten unendliche Opfer erspart werden, wenn man die Entscheidung, die sonst in Jahren fallen wird, heute Vorwegnahme. Wir sind noch immer d«S Glaubens, daß dies möglich wär«. Man müßte nur einmal Idee und Buchstaben der kollektiven Sicherheit in politische Aktion umsetzen. Man würde diesen Krieg und andere Kriege, di« auf dem Programm der„Dynamiker" stehen, im Keim ersttckenl Des Attentat auf Koc Warschau.(PAT) In dem endlich über daS Attentat gegen Oberst Koc ausgegebenen Kommunique heißt eS u. a.: Das Attentat verübte Adalbert B i e g a n e l aus dem Dorfe Rozopol in der Wojwodschaft Posen, der bereits mehrfach vorbestraft war. Als Bie- ganck die Bombe beim Eingang zur Billa des Obersten Koc vergraben wollte, explodierte sie und der Attentäter wurde getötet. Sein Körper wurde zerrissen und mehrere Mieter weggeschleudert. Mittäter war BieganekS Bruder Johann, der zwei Tage nach dem Attentat verhaftet wurde. Die Untersuchung wird zwecks Feststellung aller Einzelheiten, die dem Attentat vorangegangen sind, fortgesetzt. Ihr Mann wollte ihr ungeschickt helfen, «S gelang nicht, traurig und zornig rief er:„Es geht doch nicht, daß ich jetzt eine Hilfe hole, das kostet mich doch was, woher soll ich das denn nehmen? Das Kind ist doch vier Wochen alt,' und jede Mutter weiß nach einem Monat, wie sie mit ihren: Kind umzugehen hatl" Seine Frau schluchzte mutlos und gekränkt, das Baby brüllte. Bert lief fort und warf die Türe zu. Schon auf der Treppe empfand er Reue. Aber er konnte jetzt nicht in dieses dürftige Wochenzimmer zurück. ES war doch Heller Wahnsinn, daß er in seiner Lage Frau und Kind hatte. Aber noch vor einem Jahr hafte er ganz gut bei Zeitungen verdient und die sanfte jung« Freundin geheiratet, welche ihm so ergeben zugetan war, ihm iede Arbeit auf der Schreibmaschine schrieb und ihn als höheres Wesen anbetete. Dann kam der berühmte politische Umsturz im eigenen Lande. Er versuchte zu bleiben, indem er zarte, rein psychologische kleine Geseichten schrieb. Dann entdeckten gute Freunde die nichtarische Abstammung der beglückend nachgiebigen Frau, die Aufträge blieben aus, und sie mußt«» fortziehen. Fort ins Nachbarland. Er war fest überzeugt, dort seinen Weg zu machen. Er vertraute seiner Feder, vor allen Dingen seinem guten alten Namen. Als sie nach einiger Mühe ein bescheidenes Zimmer hoch oben in dem großen Mietshaus fanden, da konnten si« wohl noch für einen Monat die Miete, aber bald kein Essen mehr zahlen. Die bevorstehende Entbindung lastete.wie ein Alp, Er kam alles anders, als er es sich gedacht hatte. Er lief sich die Füße wund, um Manuskripte unterzubringen. Man empfing ihn" höflich, war fteundlich, man versprach, sich seiner zu erinnern— dabei blieb es. Die Schreibmaschine mußt««r versetzen, um die Ent« bindungSkostcn zu zahlen. Aber woher; eine größere lebensnotwendige Summe borgen? Er kannte:mr noch ärmere Schriftsteller und Künstler, die ihm das kommend« Kind überhaupt nicht verziehen. Wenn seine Frau durch die Schwangenschaft nicht völlig Äsorbiert gewesen wäre, hätte sie sich vielleicht auf der Sftaße verkauft, um Essen kaufen zu können. Ein anderer Erwerb schien so gut wie ausgeschlossen. DaS Bewußtsein, durch ihre Raffe Ursache seiner Auswanderung und jetzigen Lage zu sein, peinigte sie ttef, ließ sie aber in doppelter Bewunderung an ihm hm- aufsehen. Er war in seiner Empfindlichkeit so gesteigert, daß er noch mehr als früher Bewunderung und Dienskbereitschaft wie etwas Selbstdcr- ständlicheS hinnahm. Er kam sich noch beklagenswerter al» sein« Frau vor. Nach furchtbaren Schmerzen gebar Esther da» klein« zarte Kind in der Klinik, und alle Lebens not und Verzweiflung waichelte sich bet ihr in leidenschaftlichste Sorge und Liebe zu dem Kleinen. Die stillen Krankenhaustage in der. Umgebung der ernsten Wöchnerinnen schienen ihr ein, Paradies im Vergleich zu der düsteren Stube mit dem nervösen, anspruchsvollen und tief deprimierten Mann. Ihre jetzige. Lage war die Ursache einer furchtbaren Reaktion Zum ersten Male ftagt« sie sich:„Muß er dichten, muß er schreibest? Er könnte ja noch etwas anderes tun, jetzt fordert doch ein Kindl" Sie hüllte sich ganz in die Welt de» Kinde»«in, und er vermißte zum ersten Male di« bedingungslose Demut dieser jungen Dienerin. Momentan war überhaupt kein Geld da; sollte«r betteln und vom Wachmann ausgeschrieben'werden? Er stieg so bedrückt die Treppe hinab, daß Frau Hardt, welche ihm mit dem l Mops entgegenkam, stehen bljeb und ihn ansprach. Frau Hardt gehörte zu den Frauen, die stet» bereit finb, sofort eigen« Nöte zu vergessen und zu übertönen bei Witterung fremdem Leids. Frau Hardt konnte ungefähr alle» an der Skala ihrer eigenen Nöte verstehen. Heute war wieder so«in greulicher Tag, an welchem sie besonders spürte, daß sie befähigt wäre, andere Dinge zu tun, als recht und schlecht ein« Bedienerin zu mimen. Dies« Erkenntnis war die Ursache zu heftigem Streit mit ihrem ältesten Sohn. Der Streit war di« Folge eigener Zerrissenheit, welche der ebenfalls reizbare Sohn herausbeschwor, der ihr die Schuld gqb für sein verfehlte». Leben. Frau Hardt warf dem dicken Mops einen bösen Blick zu. und sagte ohne Uebergang:„Ja, ja, es gibt Menschen und Möpse, die sinnlos und fett existieren," während ein anderer, der es wirklich verdiente,"nicht einmal das tägliche Brot für Frau und Kind hat." Frau Hardt wußte, daß da oben«ine junge ernst« Mutter lag, da» übrige konnte sie sich mit ihrer Einfühlungsgabe denken. Sie sagte oft Dinge, zu jungen Leuten, die so absolut ihr Seelenleben Erfaßten, da» schon viele jung« Männer dämmerhaft dachten:„Wäre dies« Frau nur meine Mutter oder um zwanzig Jahre jünger, dann existiert« da» Problem Mutter und Freundin bestimmt nichtl" Aber sie wußten nicht, daß diese Frau erst nach sehr viel Kämpfen vom „Ich"" in da»^Du" gelangt war. Und daß es ibr noch immer, nicht gelang, den Weg zu den eigenen Kindern, so zu finden wie zu den fremde». Ihr« Wesensart,,rebellierte gegen da» verwandte! Blut und fast unbewußt suchte sie als Ausgleich das fremde Leid, statt ihr eigenes Schicksal in würdige Lebensform umzusetzen. Ihre Kinder erklärten fte- als»unbrauchbar". Sie ärgerten sich über die Vergeudung ihrer Mutter, über ihre Schüchternheit an falscher Stelle, Über di« unbeachteten Verdienstmöglichkeiten. " Bert Horchte seltsam berührt auf ihre Worte, er brachte keinen Laut hervor und sah so hilflos au», daß sie spontan sagte: /.Gehen Sie mal hinunter zum Portier, ich komme gleich nach: Aber mit etwa zwanzig anderen Deutschen/ wahrscheinlich Offizieren, auf. einer. Schaluppe nach dem Gebiete der Rebellen eingeschifft habe. Da das Schiff cwer die Küstenkontroll« nicht zu durchbrechen vermochte, wurde tr nach Berlin zurückbeordert. Bon dort flog er dann mit einem Flugzeug der Type Junker» 82 in der Begleitung mehrerer anderer Piloten und Offiziers nach Sevilla. Nachdem er sich seinem Chef präsentiert hatte, wurde ihm zunächst sein Reisepaß abgenommen. Ferner bekam er den Auftrag, nie Personaldokumente auf seine Flüge mitzunehmen. Er erhielt 400 Peseten und das Versprechen einer folgenden hohen Belohnung. Vom Flughafen Sevilla, wo er zahlreiche italienische Maschinen beobachten konnte, kam er imch Sala- manca, ivo er dem deutschen Kapitän Neudorfer unterstellt wurde. Die Equipe, der er angehörte, trug den Namen„BersuchSgruppe". Die in Salamanca stationierten deutschen Junkersflug- zcuge dienen teils als Bomber, teils als Jnstruk- ttonSapparate für die spanischen Piloten. Kohl selbst flog mit einem Apparat der Type Dornier 17. Diese Type ist mit drei Maschinengewehren bestückt und entwickelt eine Geschwindigkeit von 880 bi» 880 Kilometer pro Stunde. Sie tragen 10 Bomben zu je 80 Kilogramm. Die Motoren tragen die Marke BMW(Bayrische Motorenwerke). Diese Apparate bombardieren aus einer Höhe von 8000 Meter. Kohl betonte, daß er sich von"der Ueberlegeicheit der republikanischen Flngwaffc, insbesondere der Jagdflieger, überzeugt habe. Die Verluste der Rebellen schätzt er seit Beginn der Gegenoffensive auf etwa 100 Apparate. » 0 weiterhin gefährlich gestalten. Die Aufständischen wollen um jeden Preis eine Umfassung durch die Regierungstruppcn bei Oui- jorna, Billa Nueva de la Canada«nd Billa Nueva del Pardillo verhindern. Obwohl die RegierungSttuppen die' Dörfer räumen mußten, die si« in der letzten Zeit resetzt hatten, gelang eS ihnen dennoch, dem Gegner große Berluste beizubringen. Die Aufständischen wurden durch die Offensive bei Bilbao und die Gegenoffensive bei Brunete schwer betroffen. Mlala-lntervlew gefälscht Die Gesandtschaft der spanischen Republik in Prag beehrt stch, der geschätzten Redaktion nachfolgende» mitzuteilenr In einigen Blättern der tschechoslowakischen Press« wurde«ine angebliche Unterredung des Generals Miaja mit ausländischen Prrffevertte- tern in Madrid veröffentlicht, in denen er ein überaus zpessjstiistischeS Bifd der Kriegslage vor Madrid entworfen wirb. Obwohl oie Unglaub- würdigkeit dieser angeblichen Mitteilungen schon durch die Tatsache erhärtet wird, daß dir republikanischen Stellungen vor Billa Nueva de la Canada und Quijorna durch einen Bormarsch der Aufständischen lei Teruel bedroht sei»' sollen, zwei Frontabschnitte, die, wie ein Blick auf die Karte zeigt, ohne jeden unmittelbaren Zusammenhang sind, hat die spanische Gesandtschaft in Prag sich sofort mit General Miaja persönlich in Berbindung»«setzt. General Miaja ermächtigt die spanische Gesandtschaft in Prag zu erklären, daß er keinem Journalisten ein Interview gegeben hat und daß die ihm zugeschriebenen Arußr- rungen geradezu unsinnig sind, in einem Augenblick, wo die feindlich« Gegenoflenstve erstirbt. 'laufen Sie nicht weg!" Oben lieferte sie den Mops ab und wollte rasch die Treppen hinunter. Sie merkte aber wieder einmal, daß zu ihrer, fast kindhaften Beseeltheit ihr Alter nicht im Verhältnis stand. Denn, die Beine wüllten nur langsam gehen. Bert saß etwas verlegen in der blitzsauberen Küche. Die Portierssöhne tranken Kaffee und trugen Netze auf ihrem zurückgekämmten Haar. Alles blitzte und atmete etwas aus, was er früher oft als„spießig" belächelt hatte. Und jetzt kam er sich absolut als der Untergeordnete vor. Er atmet« beim Erscheinen, von Frau Hardt aus, welche ihn sofort beiseite zog und sagte:„Wer verdient denn überhaupt noch als Künstler oder Schriftsteller etwa»? Es geht ja alles nur durch Protektion." „Ja," sagt« Bert,„aber gerade Protektion fehlt mir".„Natürlich," meinte sie,„es ist eine widerliche Sache, kriechen zu.müssen, mir brauchen Sie das nicht zu sagen. Aber so wenig ich" etwa» für mich oder meine Kinder tun könnt«, so leicht fällt es mir, für andere anzufragen. Es muß Ihnen jetzt jemand Vermögender mit einer größeren Summe aushelfen, sonst gehen Sie. nebst Frau und Säugling völlig zugrunde. Da ich zufällig hier oben im Haus« bei reichen Leuten arbeite, wozu ich leider' durch mein privates trübselige» Schicksal gezwungen bin, werde ich mit der Dame, einer Frau Dorechana, sprechen." Bert fuhr etwa» zusammen. Im Kaffeehaus hatte er diesen Namen von Freunden gehört und ihre Witze über di«, bombastische Lebensweise dieser Art Frauen. Und jetzt wollte eine Frau, die eigentlich Bedienerin ist, ihn dieser! dicken Geisterhyäne. empfehlen. DaS paßte-ihm gar nicht. Frau Hardt" erriet/was er dachte, und meinte freudlich:„Ja, da» muß man jetzt. Es ist ja hoffentlich nur ein vorübergehendes„Muß","denn so kann es nicht bleiben. Aber ich werde, mit der Dame sprechen, ich weiß ja nicht/ ob er positiv' ausgeht, aber ich hoffeeS." ^Zögernd"willigte Bert ein. Seine Augen/"Re so gern«"träumten, sahen matt wie die einer schläfrigen Babys aus,.(Fortsetzung folgt.)]; Nr. 176 Donner-tag, SS. Juli 1937 Seite 3 fudetendeutscficr Xcitepie^ Volkstod durch Mischehen? schon sehr gemischten Blut. Und dieses„hochwertige" Mischblut soll nun vor der Mischung bewahrt werden! Hierzulande vor der Mischung mit tschechischem Blut. Ein Herr Dr. Multendorf, der als Bevül- lerungspolltiker der Henleinisten gilt, wehklagt in einer Broschüre, die den Titel„VollStod" trägt. Über di« Mischehen, die eine große Gefahr für das sudetendeutsche Boll seien, weil es sich „bei den deutschen Mädchen, die BolkSfremde heiraten, um biologisch und rassisch wertvolles Erbgut" handelt, das dem deutschen Bolle verloren geht.„So wachsen aus unseren letzten biologischen Reserven dem Nachbarvolk« neue wertvolle Kräfte zu." Und wenn ein tschechisches Mädchen eine» Deutschen heiratet—was dann? Wird dann dem deutschen Volke schlechtes biologisches Erbgut zugeführt? Kann man denn überhaupt behaupten, das eine oder andere der beiden großen Böller der Tschechoslowakei fei' biologisch wertvoller? Und wie kann man von irgendeiner„Berschlech- kerung" durch tschechisch-deutsche Mischung ernsthaft sprechen; da doch so viele Tschechen auch deutsche Ahnen, so viele Sudetendeutsche tschechische Borsahren haben? Wollen diejenigen, in deren Reihen eS nicht wenige Teutonen mit tschechisch klingenden Namen gibt, etwa andeuten, sie selber seien bedauernswerte„Zwittergeschöpse"? Oder soll damit der heftige Nationalismus jener Führer, die tschechische Großmütter hatten, erklärt werden? ES ist mehr als Unsinn mit der Behauptung, deutsch-tschechische Vermischung führe zu biologischer Verschlechterung, gegen die Mischehen zu Im Leiste des 18. Feber Die Prager Landesbehörde hat die Pflasterung einiger Abschnitte.der Staats st raße M i e S—A s ch ausgeschrieben. Ueber Einschreiten der Zentralstelle der deutschen aktivistischen Parteien hat nun die LandeSbehörde im Einvernehmen mit dem Arbeitenministerium die Lieferung von Pflasterwürfeln für diesen Straßenbau einer deutschenFirma in Kladrau vergeben. * .. Die Borstandsstelle im Postamt P ix.- darf wurde einem d« u t s ch e n Beamten vor, liehen. Die Zentralstelle der deutschen aktivistischen Parteien hat für Sonntag, den 1. August, eine KoNserenzdermährisch-schle- fischen Bezirks st eilen der deutschaktivistischen Parteien nach Olmütz einberusen. Auf dieser Konferenz, die um halb 10 Uhr vormittags im Gasthaus„Zum Nordmährer", tkeskä 3, stattsindet, werden die bisherigen Erfahrungen bei der Durchführung der Regierungsbeschlüsse vom 18. Feber und die nächsten Aufgaben der aktivistischen Bezirksstellen besprochen werden. Die Bezirksstellen wurden aufgefordert, von ihrem Delegiertenrecht weitgehend Gebrauch zu machen.(DND.) Die Gleichschaltung der„Reichenberger Zeitung“ reicht bereits in die feinsten Verästelungen. Auf Gebieten, bet denen man«S selbst bei den kühnsten Erwartungen nicht vermuten würde, zeigt sich daS Blatt der Goebbelspropaganda willfährig. Da ist z. B. in einem in der„Reichenberger Zeitung" vom S8. Juli erschienenen Aufsatz„Zur Briesmarkenkunde" folgender Satz zu lesen: „Durchaus begrüßenswert ist der Aufruf des Deutschen Reichsbundes der Philatelisten an die kämpfen. Wenn man den Kern dieses ganzen Geredes heraüsschält, so bleibt nur übrig die Befürchtung, daß die sudetendeutsche Volkszahl zurückgehen könnte, wenn sehr viele deutsche Mädchen tschechische Männer heiraten. Aber der Volksverlust, der dadurch entsteht, wird wenigstens zum Teile ausgewogen durch den Zuwachs deutscher Kinder aus deutsch-tschechischen Mischehen, im übrigen aber haben bisher Predigten gegen die LicbeSwahl wenig geholfen. Wer ernstlich besorgt ist um die Erhaltung der sudetendeutschen Volkszahl, darf sich nicht auf passive BcvölkerungSvolitik beschränken, auf eine freilich sehr biNige, denn die Warnung vor Mischehen kostet das sudetendeutsche Unternehmertum so wenig Ivie der Aufruf zu emsigerem Kinderkriegen,— er muß aktive Bevölkerungspolitik machen. Die Lebenshaltung der sude- tendeutschen Volksmassen gilt es zu heben, für auskömmliche Löhne und Gehälter gilt es zu sorgen— und das Gefühl der Lcbenssicherheit zu geben I Gebt den sudetendeutschen Menschen die Gewißheit, daß nie der jenseits der Grcnzcn herrschende Nationalsozialismus versuchen lvird, sein Programm der Angliederung der sudetendeutschen Gebiete an das Dritte Reich zu verwirklichen,— gebt ihnen die Gewißheit, daß nie von dorther unserer Heimat Krieg drohen wird — und sie werden gerne Kinder haben I Es ist etwas ganz anderes, in einer Versammlung einem„Bcvölkcrungspolitiker" Beifall zu klatschen, wenn er mehr Kinder fordert— und daheim, wenn der Phrascnnebel verflogen ist, daran denken zu müßen, daß man Kinder für die Vernichtung durch den Krieg zeugen soll. Gute LebenSmögltchkeitcn und Friedenssicherung— dann brauchen wir keine Angst zu haben vor dem Verlust einiger deutscher Mädchen an tschechische Männer I deutschen Sammle!, russische Sowjetmarken auf deutschen BriefmarkcnauSstcllun- gen nicht mehr zu zeigen und nicht mehr zu sammeln." Weil also Goebbels schon durch den bloßen Anblick der USSSR-Briefmarken eine Verseuchung der Nazigemüter mit bolschewistischem Gift zu befürchten scheint— so stark schätzt er eben ihre wirkliche Ileberzeugung ein— muß auch die Reichenberger Sprech stelle des Berliner Propagandaministeriums seine Weisungen verlautbaren. Dagegen ist man wirklich überrascht, in derselben„R. Z." am 27? Juli in dem Berichte über die in Paris ausgctragenen Weltmeisterschaften im Fechten zu lesen, daß die Siegerin und Weltmeisterin Helene Mayer als Vertreterin von Deutschland bezeichnet wird. Die verfemte Jüdin— übrigens steht auch an dritter Stelle eine Jüdin(Ellen Preiß aus Oesterreichs — soll auf einmal Vertreterin jenes Deutschland sein, von dem sie als.sNichtarierin" in Acht und Bann getan wurde I Ja, wenn man Hitler- Deutschland als an der Spitze einer Sache stehend zeigen kann, dann verschlägt cS eben nichts, wenn die Spitzenleistung eine„nichtarische", eine„jüdische" Leistung ist! Wae man aus der„Zelt“ erfährt In der Mittwoch-Nummer der„Zeit" ist folgendes zu lesen: Lnditz. Dar Bezirkssommerfest der SdP wurde Samstag abend mit einer Gefallenenehrung eingeleitet, an der trotz Regenwetters etwa 500 Personen teilnahmcn. Das Freilichtspiel„Trutz, TodundTeufel" bet Fackelschein am Rechenteich übte eine starke Wirkung auf die Zuichauer aus. Der Sonntag Vormittag vereinigte etwa 300 Amtswalter des Bezirkes zu einer Arbeitstagung... Da man doch annehmen muß, daß die 300 Amtsivalter auch der Gefallenenehrung und dem In Versammlungen der Henlein-Partei wird nicht nur über politische Tagessragen und über di« Größe und Herrlichkeit des Dritten Reicher und über die Bolschewikengreuel in Spanien gesprochen, sondern es werden auch öfter Belehrungen über völkische Pflichten gegeben. Besonders gern wird über Bevölkerungspolitik gesprochen. So etwa- wie dies auf der Auffiger Turnertagung geschah:„Weniger Kleider— mehr Kinder!"(Die sudetendeutschen Schneiderinnen haben seither noch nicht über Kundenverlust zu klagen gehabt.)— Aber nicht nur die Forderung nach fröhlicher, aber pslichtgctreuer Vermehrung wird an die Sudetendeutschen gerichtet, sondern auch die, daS Blut rein zu erhalten. Je nach Veranlagung und Stimmung mag es als erschütternd oder erheiternd erscheine», wenn ganz ernsthaft bald von„Vermanschten"— also in wegwerfender und überheblicher Art—, bald mit mitleidszitternder Stimme von„unseligen Zwittergeschöpsen" gesprochen wird und. dabei vor einem mitunter zwitterigen, aber beifallsfreudigen Publikum unbekümmert die Begriffe Raffe und Nation vermanscht werden. Daß Raffemischung biologische Verschlechterung bedeutet, ist einfach nicht wahr. Es kommt nur darauf an, ob es sich um wertvolle oder minderwertige Individuen handelt. Wenn die Henleinisten mit. ihren Predigten gegen die Raffevermänschung auf die Juden abzielen, die doch zahlenmäßig unter den Sudetendeutschen keine besondere Rolle spielen, so entspricht das zwar ganz der neudeutschen Raffelehre, aber gerade unter den„Mischlingen" zwischen Deutschen und Juden gab und gibt, es sehr wertvolle Menschen(der Dichter Paul Heysel). UebrigenS: sie lassen sich doch sehr gerne die Lobgesänge Sven HedinS auf das Dritte Reich gefallen und Sven Hedin hat doch auch jüdische Ahnen! Und der Prediger des neudeutschen stiaffemythoS, Rosenberg, ist geradezu das Musterexemplar einer Blutvermanschungi Aber es werden auch die Begriffe Raffe und Volk vermanscht! Da» deutsche Bolk ist rassisch sehr gemischt; wenn man von deutschem Blut spricht, spricht man von einem Schwierigkeiten der Agrarier und Schwierigkeiten der Koalition u. In den„Lidovö Novinh" schreibt H. Ripka: Die agrarische Presse bleibt gereizt nervös. Die schnell überwundene Regierungskrise hat sie nicht beruhigt. Offenbar befriedigt daS Ergebnis nicht... ES hat keinen Sinn, sich mit all den Polemiken im einzelnen zu beschäftigen, mit welchen die agrarische Presse täglich gefüllt ist. Lehrreich ist es aber, sie zu oerfolge», denn sie verraten ausgezeichnet die innere Unruhe und Zerrüttung der Agrarpartei. Sie verlangt und fordert, daß man an die feste Einheit, den Zusammenhalt, die Einigkeit aller Faktoren, Teile, Gruppen und Organisationen der Partei glaube. Sie benimmt sich dabei aber so aufgeregt und reizbar, daß keine besonderen Informationen notwendig sind, um zu erkennen, daß die Partei an ernsten inneren Schwierigkeiten krankt. Ihr« ständische Solidarität wird zersetzt durch die fortschreitende Jnteressendifferenzierung der gegensätzlich gerichteten Schichten der-Großgrundbesitzer, der mittleren und kleinen Landwirte, der Häusler und landwirtschaftlichen» Arbeiter. In allen wichtigeren Dingen wird offenbar, da die Partei vor allem die Interessen der Grundbesitzer und reicheren Landwirte vertritt. Indem sie immer mehr zur Exponentin dieser Gruppen wird; wird sie gleichzeitig dazu getrieben, in den Bereich ihrer Bedürfnisse und ihres Einflusses mächtige Gruppen de» Bank- und Industriekapital» zu ziehen- Die Partei muß sich den bäuerlichen Eharakter erhalten. Sie wird aber auch zu einer Partei der städtischen Bourgeoisie... Ihre ExpansionSlust ist groß, sie bewirkt aber, daß ihre Unausgeglichenheit wächst... Di« Krise der Agrarpartei trifft allerdings auch die ganze Koalition. Die Zerrüttung der Agrarpartei bereitet der Koalition mehr Schwierigkeiten als der Kampf, den die anderen Parteien mit ihr um die Machtverteilung im öffentlichen Leben üü> tat... Die Agrarier halten geradezu kvampfhaft an ihre», jetzigen Positionen in der Regierung fest. Da sthr« inneren Kräfte abnehmen,.verteidigen sie leidenschaftlich ihren Machtbereich, der ihnen sicherere Mittel zur Erhaltung der Ruhe und Macht gibt. Sie fürchten, daß Wre Partei fühlbar geschwächt weiben würde, wenn ihr Vertreter nicht mähr-den entscheidend«»! Einfluß im Innenministerium und dachst in der ganzen politischen Administrative ausüben würde. Unh, der Gedanke, daß da» Land- wirtschastsministerium in andere als agrarische Hände kommen,könnte, erscheint Ihnen al» aufreizend absurd- i, Verstaatlichung der landwirtschaftl. Schulen m Mähren-Schlesien. Nachdem bereits in, April d. I. beschlossen worden war, die landwirtschaftlichen Schulen de» Lande» Mähren-Schlesien innerhalb dreier Jahre zu verstaatlichen; würde nunmehr die erste Etappe dieser Berstaallichüng für^da». kommende Jahr angesetzt. Ab 1. Jänner bi»>Ende 1938 werden insgesamt 20 Anstalten, die bisher bom Lande erhofften würden, in staat- 300.000 Fischer Von Richard Rax Der Schriftsteller Justus lag geme in der Sonne am User des Donaukanals, wo dieser seine Fluten aüfatmend aus dem Steinmecr der Häuser Wien» in das grüne Gelände des Praters wälzt. Hier werden die uralten flachen Dampfboot«, Sokol und Orel, täglich mit neuer Freude von Kindern begrüßt, deren Großeltern schon fröhlich■ auf diesen Schiffen zum Pferderennen fuhren,'al» sie noch,Freudenau und Greifenstein hießen. Die Uebermalung der Namen erinnerte Justus an die bedeutenden Umwälzungen im Donaüraum, zu denen er auch seine eigene Wandlung vom Dichter zum Schriftsteller mit dech fixen Auftrag auf lustig« Geschichten ohne tieferen Sinn zählte/ während einer durch daS Anbeißen eines alten Schuhes verursachten Arbeitspause die anerkennenden Worte:„Ein schöner Sport, das Angeln." Der Fischer brummte:„Warum?" und JustuS antwortete:„Es gehören viel Ruhe und Optimismus dazu, Eigenschaften, die gerade heutzutage von besonderem Wert find." „Endlich«in Mensch, mit dem sich reden läßt", meinte der Fischer zwischen Zähnen und Pfeif«.„Was sagen Sie zu meinem Vorschlag, den die Herren im Arbeitsamt abgelehnt haben? Man sollte! jedem Arbeitslosen von Staats wegen eine Angel«eben und alles zum Fischen anhalten. Erstens könnte da jeder die Geduld lernen, die er höchst nötig hat, zweitens kämen dadurch eine Menge Fische zusammen." „Gewiß!" fagte JustuS.„Wenn jeder Arbeitslos« täglich nur einen Fisch fangen könnte, der eist Kilo wiegen mag, der Einfachheit der Rechnung halber, so wären das droihunderttau- send Kilo Fisch täglich. Damit läßt sich schon Staat,machen,".., - Doch der Fischer erwiderte, entsetzt über so. viel-Naivität de» Lasen:»„Wo denken Sie hin, Herr? Einen Fisch täglichl? Ich habe den letzten in dem Jähr vor dem Krach der Kreditanstalt, also.vor sechs Jahren erwischt und der hatte nur Ankunft in Antwerpen Antwerpen. Die Arbeiter-Turner auö der Tschechoslowakei trafen nach dem glatten Verlaufe der Reise durch Deutschland nm Mittwoch um 14 Uhr in Antwerpen ein und wurden auf dem Bahnhof von Vertretern Ws olympische» Festausschusses und dem tschechoslowakischen Geschäftsträger Knbclka ans Brüssel bcgrüsst. Hierauf begab sich die Exkursion in die Antwerpener Vorstadt Dournc, wo sich ihre Quartiere befinden. In diesem Stadtteil befindet sich auch das städtische Stadion für 80.000 Zuschauer. Von dort wird auch vom tschechoslowakischen Rnndfunk eine Sonderreportagc non der Olympiade gesendet werden. Ter Zug weckte in den Antwerpener Straßen lebhafte Aufmerksamkeit und wurde begeistert akklnmiert. Anschliessend fand auf dem Rathaus in Dourne, welches die tschechoslowakische Staatsflagge gehisst hatte, ein Empfang statt, an dem Vertreter der Delegation der Arbeiterturnvereinigungen aus der Tschechoslowakei und die znr Antwerpener Olympiade ringetroffenen Journalisten ieilnnhmen. Die Turner sandten nach ihrer Anlttnsi>n Antwerpen an die Präsidenten Masnryt und Dr. Benetz, den Vorsitzenden der Negierung Dr. Hadja, den Minister für Gesundhcitsivescn Dc. Ezech, den Außenminister Dr. Krofta und den Vorsitzenden der tschechoslolvalischcn sozialdemokratischen Partei Abg. Hampl VegrüßungS- tclegramme. Den Nachmittag widmeten die Exkursionsteilnehmer der Vorbereitung für die Wettkäinpse, die Donnerstag ihren Anfang nehme». Am Abend fand im Stadtsaal eine Begrüßungsfeier für alle Gäste statt, auf tvelcher der Bürgermeister vonAntwerpen HuySinanS, ferner der Sekretär der Zweiten Internationale Friedrich Adler, der Vertreter der Gewcrkschaftsinternatio- nale Mertens und der Generalsekretär der Kör- pererziehnngS-Jntcrnationale Silaba ans Prag Ansprachen hielten. Freilichtspiel beiwohnten, so ergibt sich, daß außer ihnen noch 200 Nichtamtslvalter mit dabei lvaren. Also nicht einmal so viel Geführte als Führer— Trutz, Tod und Teufel I Vie Geliebte ermordet I» der Montag-Nacht hat. der 21jährige Georg Hoyer im Dörfchen D ü c» g r ü n bei .Schönbach, seine Geliebte, die 23jährige Hand- fchuharbeiterin Marie Köhler ermordet. Der Bursche hatte dem Mädchen des Nachts aufgclauert und ihr auf der einsamen Straße eine Esfcrsuchtsszene gemacht. Während des Wort- tvechscls zog er plötzlich sein Taschenmesser und brachte der Köhler einen Stich in den Hals bei. Das Mädchen sank zu Bodeli und rief jämmerlich um Hilfe. Die Hilferufe wurde» tatsächlich in Dürngrün gehört, doch maß nian ihnen keine Bedeutung bei. Hoyer ließ noch nicht ab von seinem Opfer. Er stach noch einige Male blindwütend zu, obwohl die Köhler ihn bat, er möge sie schonen. Sic sagte ihm auch, sic wolle mit ihm gemeinsam ins Wasser gehen. Angeblich wollte Hoyer dann selbst einen Arzt holen gehen. Die Köhler war jedoch schon tot und so packte er die Leiche bei den Beinen und schleifte sie einige Meter tveitcr bis in ein Getreidefeld. Neben der Leiche ließ er das Mordmesser liegen. Dann lief Hoyer nach Hause zu seiner Mutter und erzählte ihr, was er angerichtet habe. Die Mutter machte sich sogleich niit ihm auf, um an den Tatort zu komme» und zu sehen, ob noch Rettung möglich wäre. Unterwegs jedoch rannte Hoyer davon und da die Mutter in der Dunkelheit nichts anzufan- gcn wußte, ging sie wieder heim. In der Früh stellte sich der Mörder der Gendarmerie. Die Leiche des Mädchens lvurde von Arbeitern gefunden. ein freies Blatt die Brüche:„300.000: 8— 50.000 und 50.000: 5— 10.000."—„Also scchzigtauscnd Fische jährlich könnten gefangen Ivcrden. Rechnen wir jeden zu zwanzig Deka, lvaS eher zu viel ist, macht zehntausend Kilo Fisch im Jahr. Das könnte die Donau vielleicht»och hergeben und beffor als nichts ist es doch." Justus blieb nachdenklich stumm und verharrte weiter rechnend.— Dio Länge der Donau in. unserem Land beträgt dreihundert Kilometer, das macht auf den Kilometer tausend Fischer, das sind für je zwei Meter ein Fischer auf jedem Ufer, — Er kam zu dem Schluß, daß daS Arbeitsamt,, obwohl ein Amt, diesmal mit seiner Ablehnung recht gehabt haben dürste.. Da jedoch der Fischer unter seine» Geräten auch einen, großen Hammer hatte, um dainir den rsach dem Ablauf des sechsten Jahres bald fälligen zweiten Fisch zu töten, fühlte sich JustuS zu dem Lob gezwungen:,„Ein prächtiger und beherzigenswerter Vorschlag!" Dann schlich der ehemalige Dichter still und heimlich davon. Trotz der ihm gewordenen Anregung verzweifelte er an der Aufgabe, daraus eine lustige'Geschichte, laut Bestellung wie gehabt, zu' drehe», für deren Honorar seiner lieben. Schreibmaschine ein frisches Farbband zu kaufen bereits, äußerst dringend gewesen wäre. nche Verwaltung ausgenommen,' und zwar die höheren. landwirtschaftlichen Schulen, Haüshal- tungs-, Gärtner-, Obst- und Weinbauschulen. . Rur in..einer Beziehung war»alles beim alten. Noch immer angelten hier. dieselben drei Fischer, wie Symbole der Ewigkeit, Auf Suche nach neuer Anregung trachtet« Justus schon lange Mit.-einem der Angler in» Gespräch zu kommen^ Nachdem, ev drei heiße Augusttage in unmittel barer' Nachbarschaft des einen- stumme». Fischer». siWm.i^,der.Sonne.gebraten,.hatte;"wagte er. zwanzig Deka. Erlauben Sie!".Damtt ergriff er endlich; um den Fischer zum anbeißen zu bringen,/des Justus Jdeenvormerkbüchel und schrieb auf Seite 4 Donnerstag, 29. Juli 1937 9fr. 17« 3agm€uigfceUw Ueber allen Worten Diese- sind die ärmsten Toren, di« mit Wort« sich begnüg«, sich um dies« Welt betrüg«, eitlem Wortgellirr verloren. Worte, die wie Blitze zünd«, sind kein Ziel und sind kein Ende, wollen nur, dass euere Hände »Mich sich zur Tat verbind«. Wollen nur wie Flammen steh«, blitzend diese Stacht zerreiß«, leuchtend euch die Wege weis« hin zu ungeahnten Höhen. Sind das wilde Trommelrühren, das zum Kampfe euch gerufen, sind de- Weges steile Stuf«, die ins Land der Zukunft führ«. Und ihr schreitet n«e Bahn«, unter euch zerfällt die Erde, in«ch glüht ein neues„Müde!" doch das Ziel läßt sich kaum ahnen. Martin Grill. Die Grausamkeit der Sieger r&cht sich Reichsdeutsche Zeitungen berichteten aus B i l b a o, daß die großen Industrieanlagen unbeschädigt geblieben seien, daß es jedoch lange dauern werde, bis die Produktion wieder auf. genommen werden könne. Denn nur ein Drittel aller Industriearbeiter sei in Bilbao zurückgeblieben. Die anderen seien geflohen. Als einer der Gründe für die Flucht wird die Furcht vor der„Grausamkeit der Sieger bei früherer Gelegenheit" genannt. Es brauche nicht nur viel technisches, sondern auch politisches Geschick, wenn cs Franco gelinge,, soll, die Arbeiterschaft von Bilbao fiir sich zu gewinnen. Die Grausainkcit muß schon rocht arg gewesen sein, wenn selbst die nicht gerade verweichlichten Nazi-Zeitungen sie als durchaus verständlichen Grund der Flucht-er baskische,, Ar» beiter bezeichnen. Haben nicht spanische Generäle verkündet, die Arbeiter auszurotten? Plötzlich entdeckt Franco, daß cs ohne die Arbeitet doch nicht geht! Aber für sich gewinnen wird er sie nie! Bekäme er das ganze Baskenland in seine.Gewalt, dann würden die Arbeiter schließlich durch den Hunger gezwungen, wieder zur Arbeit zurückzukchrcn. Mit unausrottbarem Haß im Herzen. Und mit dein unerschütterlichen Vorsatz, bei späterer Gelegenheit sich ihre Freiheit zurückzuholen. Denn das ist das Irrige am Glauben der Gewaltmenschen: daß man die Arbeiter ein für alle,na! niederwerfen könne. Sie können einmal, sie können öfter besiegt werden. Aber sie sind da— falls man sie nicht wirklich ausrotten und mit ihnen auch alle industriellen Möglich, leiten. Das kann man"nicht und das kann man nicht einmal wollen. Also meint man um so mehr Grausamkeit anwcndcn zu müssen, sie niederzuhaltcn. Und sorgt dadurch dafür, daß sic erst recht auf— die nächste Gelegenheit war- ten. Es gibt nichts anderes; die Grausamkeit rächt sich. Nicht nur in Spanien. Kinderspiel mit dem Tode. Nur durch einen gnädigen.Zufall wurde auf der Strecke Strako- nitz-Wallern kurz vor der Station Winterberg ein Eisenbahnunglück verhindert, das furchtbare Folgen Wie haben können. In einer scharfen Kurve vor der Einfahrt in die Station entgleiste Dienstag um halb 12 lihr der aus zwei Wagen bestehende Motorzug, in* dem sich über zwanzig Passagiere befanden. Die Bahnstrecke war mit Steinen blockiert gewesen, die der Motorwagen» führcr zwar erblickte, aber auf so kurze Entfernung, daß er den Zug, der mit 50 Kilometer Geschwindigkeit fuhr, nicht mehr zum Halten bringen konnte. Der erste Wagen entgleiste und die Garnitur wäre ivohl die sieben Meter hoho Böschung hcrabgestürzt, wenn sich nicht der zweite Waggon quergestellt und zwischen die Schienen verkeilt hätte. Die Nachforschungen ergaben, daß den Unfall ein elfjähriges Mädchen verschuldet hatte, das an dieser Stelle die Steine auf die Schienen zusammentrug. Ein zweiter Fall ä In Hrna. In den Wäldern des Böhmisch-Mährischen Hügellandes fahndet ein starkes Gcndarmericaufgcbot seit Samstag nach dem gefährlichen Verbrecher V o t ö ch S t r a t a, der an diesen. Tage vormittags einen Gendarmen bei der Ortschaft Horni Vcs bei Ce- rekve angefällen und nach ihm geschossen hatte. Bei der Verfolgung feuerte er noch mehrere Schüsse auf den Lehrer des Dorfes, der sich der Verfolgung angeschloffen hatte. Keiner der Schüsse traf ckber. Am Abend des gleichen Tages würde er von einer Gendarmeriestreife in einem Getreidefeld betreten, doch konnte et abermals entkommen, nachdem er wieder mehreremalo auf die Gendarmen geschossen hatte. Der 81jährige Strala ist ei» gefährlicher Einbrecher, der eine ganze Reihe schwerer Einbruchsdiebstählc auf dem Gewissen hat, bei denen er auch verschieden« Feuerwaffen mitnahm. An, Sonntag und Montag wurde er an verschiedenen Orte» gesehen, u. a. auch in. der Haltestelle Scdejov, wo er sich eine Fahrkarte.nach Cejle kaufte. Allerdings wußten die Zeugen nicht, mit wem sie es zu tun hatten und konnten ihn erst nach der auSgehäng- ten Personalbeschreibung identifizieren. Gegenwärtig hält er sich wohl in den Wäldern von Ba» telov und Racov auf, oder ist inzwischen in die Teller Gegend hisiübergewechselt. Gendarmen im Hinterhalt' an Josef Hrüa» Grab. Der Mörder und Selbstmörder Josef Hrna wurde Dienstag nach durchgeführter Obduktion auf dem Friedhof seiner Heimatsgemeinde Hovizi begraben. Die Beerdigung, vollzog sich an einer abgelegenen Stelle des Friedhofes und ohne alle Zeremonien. Es lvaren lediglich die notivendigen Amtspersonen anwesend, sonst nur di« Mutter und der jüngste. Bruder des Toten,, der 18jährige Jaroslav. In der folgenden Nacht lagen über den ganzen Friedhof verstreut Gendarmen hinter Büschen und Grabsteinen auf der Lauer, da man damit rechnete, daß möglicherweise der nach wie vor verschwundene Jan Hrüa dar Grab seines Bruders besuchen werde. Er zeigte.sich aber, nicht. Vielleicht war er gewarnt worden. Aus gewissen Indizien schließt die Gendarmerie, daß Josef Hrüa während der ganzen Zeit mit seiner Mutter zind seinem jüngsten Bruder in geheimer Verbindung gestanden sei. So soll sich bei der Leiche ein Rock gefunden haben, von dem angeblich feststeht, daß er noch" einige Tage nach der Flucht der Brüder in der Wohnung der Mutter war. LiebeStragädie. In Police bei Müglih ereignete sich in der Nacht auf Dienstag eine blutige Liebestragödie. Der 19jährige Fleischergehilfe Joachim HoSek, der in Müglltz beschäftigt Ivar, unterhielt eine Bekanntschaft mit der 17- jährigen Philomena TomäSck, die bei dem Land- tvirt Hrubh in Police in Arbeit stand. DaS Mädchen machte eine andere Bekanntschaft und wollte das Verhältnis mit Hoöek lösen, wovon dieser aber nichts hören wollte. Montag abends verließ sic ihren Dienstort, nach eigener Aussage, um sich mit HoSck zu treffen. Sic kam nicht mehr zurück. Nach langem Suchen fand man die jungen Leute leblos in einem'Feld auf. HoSek hatte, nachdem er seiner Geliebten vergeblich zugeredet hätte, die Bekanntschaft ausrcchtzuerhaltcn, zuerst dieser und dann sich selbst den Hals durchgeschniitesi.' Das Mädchen war bereits tot, HoSek lebte noch und seine Wunde zeigte sich auch als nicht tödlich. Er hat offenbar bes sich nicht die Kraft aufgewcn- det wie bei dem tödlichen Schnitt, den er seiner Geliebten bcibrachte, deren Hals bis auf die Wirbelsäule durchtrennt war. > Ein Erdbeben, daS anr Sonntag Mexiko, heimsuchte, wird als die schwerste Erdbewegung der letzten Jahre bezeichnet. In Jalapa ist kein Haus unbeschädigt geblieben. Sämtliche Licht- und Kraftleitungen sind zerstört, wodurch alle Fabriken zum Feiern gezwungen sind. Auch ist die Wasserzufuhr teilweise unterbrochen, da die Leitungen infolge des Bebens platzten. Di« Regierung des Staates Veracruz, die im Regierungsgebäude von Jalapa ihren Sih hat, mußte ausziehen, da der Regierungspalast unbewohnbar geworden ist. Fast völlig vernichtet wurde die Ortschaft Hua- tusco, ebenfalls im Staate Bercruz. Unter den Trümmern, dieses Ortes wurden.bisher drei Tote und zahlreiche Verletzte geborgen. In Orizaba ist die Concordia-Kirche nur noch ein Steinhaufen. Hier ist auch das Zivilhospital teilweise eingestürzt.: Aus Maltrata werden insgesamt zwöl" Todesopfer und 72 Verletzte gemeldet. Luftakrobat!!. In Longjumeau in der Umgebung von Paris ist ein Fluaieug bei einer Akrobaiik-Uebung abgestürzt. Der Pilot und der Beobachter fanden den Tod. Schwere Unwetter sind während der letzten Tage über Norditalien niedcrgegangen. Hagel- und Gcwiiiersturm richteten im Gebiet von Aldeno Schilden in Höhe von mehr als einer Million Lire an. Obstbänme und Weinberge wurden vernichtet und die Ernte schwer beschädigt. 680 Formulare. Die führende englische Finanzzeitschrift„The Banker" schreibt in ihrer letzten Nummer wörtlich:„Eine- südwestdeutsche Handelskammer hat sestgestellt, daß bis zu 75 Prozent der Burcauarbeiten in mittleren Fabriken aus die unfruchtbare Erledigung von Kontrollen entfallen. Für ein internationales Tauschgeschäft von"zum Beispiel 10.000 Pfund Wolle gegen deutsche Spielsachen"mußten nicht weniger als 680 Formulare auSgefüllt werden, so daß die Abwicklung volle anderthalb Fahre dauerte."— Bureaukratie gibt cs auch außerhalb Deutschlands, z. B. in. der Tschechoslowakei Aber seit Deutschland, geweckt durch des Führers Geschrei, au» der System-Zeit erwacht ist, hat eS auch auf dem Gebiet« der Bnrcaükratisiernng alle alleren Staaten nicht nur eingcholt, sondern, überflügelt. Deutschländ in der Welt voran I. KohlweißlisigSplage, Bereit» im Vorjahre wurde hie und da ein ungewöhnlich" starkes Auftreten von Kohlweißlingen beobachtet, besonder» in' Nordmähren und" Schlesien". Im'heutigen Sosimier ist in weiten Gebieten Mitteleuropa» dieser Schmetterling In solchen Mässen ausgetreten,' daß er stellenweise zu einer Katastrophe für Gärtner'und' Gemüsezüchter wird. In der mährischen Walachei wurde ein ungeheuerer Zug dieser"Schädlinge beobachtet, der fünf Stunden währfe. Die Schwärme und Züge der Schmetterlinge erwecken den Eindruck weißer Dollen.- Selbst ans I dem Gipfel de» 1482 hohen Altvaier zeigen sie sich Flugzeug vom Blitz getroffen 14 Tote B r ii s s e l.(Havns.) Mittwoch vormittags gegen 11 Uhr stürzte in der Umgebung von Hal südlich von B r ü s s e.l eine, holländische Maschine ab, die den Dienst aus der Strecke Rotterdam— Brüssel— Paris versah. DaS Flugzeug wurde, von einem Gewitter erfaßt und wahrscheinlich vom Blitz getroffen. Zahlreiche Zengen sahen, wie auS dem Flugzeug, daS senkrecht in ein Kartoffelfeld stürzte, die Flammen schlugen. DaS Flugzeug bohrte beim Sturz rin großes Loch in die Erde. Die ersten Helfer, die herbeieilten, trugen einige Leichen au» den Flammen. Die übrigen Insassen de» Flugzeuges verbrannten vor den Augen der entsetzten aber machtlos« Zuschauer. Ihre verkohlten Ueberreste, die zwischen den Trümmern deS Flugzeuge» verstreut sind, werden geborgen und aus dem benachbarten Getreidefeld niedergelegt. ES kam« zehn Reisende um» Leben, darunter Holländer, Reichsdeutsche imd«in Mexikaner, die von Brüssel flogen. Die Besatzung deS Flugzeuges bestand-aus v i er P r rf on e n, die ebenfalls umS Leben kamen. Brüssel. Zu dem Flugunglück in der Nähe von Brüssel"wird noch mitgeteilt, daß diese» Insgesamt 15 und nicht bloß 14 Opfer gefordert hat. DaS 15. Opfer ist ein Mechaniker, der in Paris verschiedene Reparatur« deS Flugzeuges durchführen wollte. Förderstuhl absestürzt Londo n. In dem Kilnhurst-Bergwerk bei Rotherham ereignete sich Mittwoch nachmittags ein schwerer Unfall. Ein mit 17 Mann besetzter Förderkorb stürzte den 809 Meter tiefen Schacht hinab. Ein Teil der Leute wurde sofort getötet» während mehrere schwer verletzt wurden. Dir genaue Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt.' London.(Reuter.) Bei dem Unglück in dem Bergwerk in Kilnhurst ist, wie nunmehr, gemeldet wird»«in Bergmann getötet worden, während 16 Bergleute verletzt wurden. In Massen. In einem. Wäldchen bei Brünn sand sich eine Ankündigungstafel, die für je 400«Ingelieferte Weißlinge 5 Kt in Aussicht stellte. Als Ablieferungsort war da» zuständige Polizeikommiffariat bezeichnet., Den ganzen Tag hätten, dann die Polizisten reichlich zu tun, nm die sich massenhaft einstcllenden Ablieferer, die ganze Scheffel Schmetterlinge brachten,-davon zu überzeugen, daß sie einem üblen Scherz aufgesessen seien. Eine Wagenladung Unterschrift«. Im Unterhaus wurde Dienötag eine Petition vorgelegt, die ein« Million Unterschriften trägt. Acht Dimer waren mit dem Transport der großen, in braune» Papier gewickelten Pakete, die die Denkschrift und die Unierschriftenbögcn enthielten, beschäftigt. Die D«kschrist beschäftigt sich mit der Gewährung von Alterspensionen an ledige Frauen und verlangt die Herabsetzung der Altersgrenze von 65 auf 55 Jahre. Die Unterschriften wurden in einem Monat aufgebracht. Nord und Süd. Statistiker haben kürzlich berechnet, daß in Süddeutschland pro Kopf der Bevölkerung mehr. Eier und Fleisch verbraucht werden als in Norddcutschland. Darauf ist von amtlicher Seite erklärt worden, dies sei unberechtigt, und die Süddeutschen müßten angesichts der Notlage des Reichs auf derart„kostspielige Gewohnheiten" verzichten! Inzwischen aber hat mack ermittelt, daß in Norddeutschland wiederum wesentlich mehr Fett verbraucht, wird als in Süddeutschland. Und zwar beträgt der Verbrauch an der Nordseeküstc 21. Kilogramm jährlich pro Kopf, in Württemberg 8 Kilogramm. Demgemäß erging die neue Anweisung zur- Einschränkung an den Norden. Auf den Gedanken, daß derartige' ErnähnmgSunterschiede auch klimatisch bedingt sind, kamen die Neunmalweisen nicht, obwohl sich dies doch im großen und ganzen ausgleicht. Die Einschränkung führt also zu keiner Umlagerung, sondern— zur Unterernährung. Wahrscheinliche» Wetter heut«.' Weiterentwicklung unsicher, beträchtliche Bewölkung, stellenweise etwa» Regen. Temperatur wenig verändert.— Wette raussichten für morgen: Allmähliche Ertvärmung. Vom Rundfunk Cnpinhlnniwnrtni aui den Proirammam : Freitag".'•’_ Prag, Sender I« 10:05: Deutsche Presse. 11.05: Populäres Schallplattenkonzert. 14.00: Deutsche Sendung: Alte Erntelieder.'14.40: Lieder von Fibich. 18.05: Deutsche Sendung: ObergerichtSrat Weinhuber: Rechttzbergtung für ftderniänn, 18.85: Deutschs Arbeitersendung: Aktuell« zehn Rinnt«. 18.45: Deutsche Presse. 18.55: Au» dem deutschen Kulturleben. 19.40: Populärer Orchefterkonzert FOK. 20.85: Au» Toulouse: Faustsinfonie von Liszt. 22,85:^Tanzmusik.— Prag, Sender Nr 15.00: Schallplatten. 15.15: Deutsche Sendung: Fäkior liest- seine Erzählung Phantäsiemenschen.' 15.80: Schallplatten. 15.85: Limiak: Wie ein Rundfunkempfänger entsteht, 15.50: Deutsch« Press«.>— Pax Der Pavillon des Friedens (Pariser Sonderbcricht.) Die Pariser Ausstellung ist ihrer Vollendung entgegengereift.''Sie ist schöner und strahleirder geworden, al» er selbst die Optimisten anzunehmen wagten.- Es ist- Ferienzeit, der Hochbetrieb läßt sich an den nüchtü:« neu Zahlen der verkauften Eintrittskarten"'erkennen. Kein Tag unter 180.000 zahlender Gäste, die Sonntage bringen-250.000 Menschen auf die Beine. Von morgens bi» mitternachts unter, den Strahlen der Sonne oder der-taghell strahlenden, Scheinwerfer schiebt sich die begei«. sterte Menge durch dieses Labyrinth vorher' nie gesehener Wunder. Alle diese Wunder aber krönt die. Fr l:e> dcnssäulc auf dem Trocadero-Platz. Es ist. ein schönes Zeichen fiir den Friedenswillen Frarik» rcichs, daß dem Pavillon des Friedens ein Ehrenplatz eingeräumt wurde; absichtlich wurde/ er außerhalb der Umzäunung aufgestellt, damit Di jeder auch ohne Eintrittsgeld besichtigen kann. Di« freistehende, sich wie Laubwerk höchrän- kende Säule ist von Mahnrufen für den Fried« in vielen Sprachen umrahmt. Um diese Säule herum ist der Friedenspavillon errichtet, der'.auf seinen Außenwänden die Hauptparägraphen de» Völkerbund-Paktes trägt. Die Flaggen aller Mitgliedsstaaten des Bundes wehen vom Dach. Da» Dritte Reich ist n i ch t dabei.-. Das Innere des Pavillons ist in.fünf Säle geteilt. Der erste Saal zeigt in packenden Gemälden den Kampf zwischen Krieg und Flieden.. Er zeigt das Zerstörende des Krieges und die Aufbauarbeit des Friedens; doch ist er nur Allf- takt für den nächsten Saal, der schonungslos da» Grauen der Kriege enthüllt. Mit Zahlen usid Bildern wird dieser Erbfeind der Menschheitvom 15. Jahrhundert an mit seiner ganzen Wucht usid seiner zerstörenden Kraft vor Augen geführt. Em« Uhr tickt mahnend: in jeder Minute wurden.während des Welürieges Tausende von Menschenleben vernichtet, zehntausende zum Krüppel gemacht, Hunderttausende von Werten vernichtet.: Wir haben das mahnende Ticken im Ohr, da» Auge aber sieht da» Grauen des spanischen Kriege»;an der gegenüberliegenden Wand. Die Zartbesaiteten sollten draußen bleiben, denn hier vor Heu Bildern zerfetzter Kinderleichen, vor den entsetzten Gesichtem fliehender Frauen vergeht 1 schnell aller Heldenmut. Wir sehen da» von Fliegerbomben zerstörte Guernika und wissen: hier i st da» Dritte Reich dabei... Vom Schrecken-de» Kriege» zu dm-Wohltaten des Frieden»; Der nächste Saal versinnbildlicht die Arbeit der 48 Komitees aller Völker« bundländer der R. U. P..(Rassemblement Uni« vcrsel'pour la Paix). Ein unendliche» Filmband zeigt-di« Verbundenheit aller Rassen-amd' Völker und ihren Willen zum Frieden.„Die großen Friedenskräfte" heißt dieser Saal, die Werke der einzelnen Komitees werden gezeigt, die sich ohne Unterschied politischer oder religiöser Meinungen zusammengeschloffen haben zu diesem gewaltigen Werk. Wir sehen friedliche Bilder, frohe Bilder," wir ruhen aus in dieser glücklicheren Umgebung von dem Grauen de» vorher Gesehenen. Und-dä» Dritte Reich ist nicht dabei... Die Faschisten haben bewiesen, was"."sie können: Bor einiger Zeit verübten„unbekannte Täter" eine Brandstiftung im- Friedenspavillon. Der Saal des Völkerbund«» hat darunter gelitten. Es sollte gezeigt werden,, was die Genfer Institution trotz aller ihrer Schwächen doch schon geleistet hat: Schlichtung iniernaiionällr Streitigkeiten, Schaffung internationaler. Ber» träge, Kampf gegen das Rauschgift und änhliche». Nun zeigen neben geretteten Plaketten. Schilder an:„Vom Brand zerstört, wird rekonstruier!". Mer diese Schilder mahnen deutlicher, an die.Gefahr, die dem Frieden droht, als. es di«„unbekannten Brandstifter" vielleicht wünschten;. Sie sind ein Beweis, daß man immer auf der Wacht fein muß vor vielleicht größerer Brandstiftung. Der Saal zeigt, was ein wahrer Böllerbund. ly« sten kann, er verherrlicht nicht die Genfer Institution, sondern ihren Kern,^ er-verherrlicht. Lse Zusammenarbeit der Böller— und da» Dritte Reich ist nicht dabei...-- Ausklang de» Pavillon» ist der fünft«:Saäl, der Ausschluß über die Arbeit des,„Raffemble- mcnt Universel pour la Paix.göbt und."der pazifistischen Literatur gewidmet ist; Literatur in allen Sprachen der Well, der Ruf-nach."Frieden, aus allen fünf Erdteilen— die Literatur de» Dritten Reich» ist-nicht dabei.... Deutschland hat die Pariser'JsiterngtioMlt Ausstellung reichlich beschickt. Reben'feinen? gießen Pavillon mit dem teuersten Restaurant Mr Ausstellung auf dem Dachgärten und-eigenem Kino hat es noch einen zweiten Pavillon an de» Ufern der Sein« errichtet: da» große-„Restaurant der Stadt Köln". ES hat seine- modernsten Lokomotiven auf die Etsenbahnschau" geschickt,^ eß zeigt im Touristik-Pavillon seineschöne-Land- schäft, im Palaiß der Entdeckungen,-mrdesi.-Pavillon» der Radio» und de» Lichte», kommen seine Physiker und Chemiker zu Wort, sein Bier fließt in Strömen, ober den FriedenSpavillonhate» nicht beschickt, dabei könüte das Worteinetseiner großen neuen Männer so gut al» Mahnung.dienen:„Der Weltfrieden ist ein Träum, und mich nicht; einmal'"- ein schöner IWj-.’ G«org;eS-»'r-^' Nr. 175 Donnerstag, SS. Juli 1937 Seite 5 WksMrtsekast mul äosiaLpoütiki Wiedergutmachung der Krisenschäden Ein Gesamtbericht der„Union der Textilarbeiter** über die Lohnbewegung* Lohnerhöhungen für 100.000 Textilarbeiter! Im Jänner dieses Jahre- gab eine gemeinsame Sitzung deö Borstandes der Union der Tex» tilarbeiter und der Hauptfunktionäre aus den Gebieten die Richtlinie» für die Lohnpolitik unter der.Devise»Wiedergutmachung de- Abbaues und der Schäden au- der Krisenzeit" aus. In der darauffolgenden Zeit sind rund hunderttansend Textilarbeiter in den verschiedensten Branchen in den deutschen Gebieten de- Staate- in Lohnkämpfen gestanden. Der grüßte Teil dieser Ber» tragStewegungm ist durch den Abschluß von neuen Kollektivverträgen, Zusatzvereinbarungen und andern, betrieblichen Regelungen beendet worden, In Trauten«» und Warnsdorf, wo die Bewe». gungen zuerst eingeleitet wurden, kam eS zum Streik. Erst durch diesen Druck wurden die Unter« nehmet davon überzeugt, daß die Arbeiterschaft nach den Krisenjahren wieder bereit ist, für ihre Forderungen in den Kampf z» treten. ' Eine Sitzung de- Unionsvorstandes der Union der Textilarbeiter, die am 18. Juli tagte, nahm jetzt den Gesamtbericht de- Genossen Mayer über die Ergebnisse und den Stand der Lohn« bewegungrn entgegen. Dem im»Textilarbeiter" dervffcntltchten Auszug entnehmen wirr Gail Trautenau Hn den Flachsspinnereien wurde nach längeren schwierigen Verhandlungen und einem Streik eine generelle Erhöhung der Stundcnlöhne um 12'Prozent, sowie eine mindesten- achtprozentige Erhöhung der Akkordverdienste, auch wenn sie über dem neuen Vertrag-Niveau liegen, festzelegt. Gleichzeitig wurde eine Reihe von Betrieb-forde« rungen und Sonderregelungen mit aufgeworfen, die zu einem Teil in neuen Ergänzungsbestim- mungen des Tarifvertrags Berücksichtigung finden Und in einzelnen Kategorien weitere Lohnerhöhungen noch über 19 Proz. hinaus brachten. ' In der Jütetndustrie des Gebiete» Träutenäu-Hohenelbe wurde nach einem sieben Wochen dauernden Streik ein neuer Vertrag abgeschlossen, der" eine zehnprozentige Erhöhung der StUnbeNlöhne für alle Arbeiter, für Zweistuhlweber.außerdem eine weitere zwölsprozentige Erhöhung der Grundstundenlöhne enthält. Der Streik bet Etrich konnte ebenfall- erfolgreich liquidiert werden. Bei den Verhandlungen über die Bettieb-sorderungen wurden wesentliche Verbesserungen sowohl im allgemeinen al- auch für einzelne Kategorien besonders durchgesetzt, so daß die Lohnerhöhungen außer den 10 Prozent generellen andern Abteilungen noch weitere'10. bis 20' Prozent brachten, lieber einen Teil der strittigen Fragen wird noch, weiter im Betrieb verhandelt,' . In den L e in en Webereien wurden durch Verhandlungen die Löhne um rund 9 Prozent erhöht. In den Leinengarnbleichen wurde eiißk-AehissKoMtigknEkhöhang. der- SNindenlöhno vereiNbittd-DepIÄrtrag wird aber von den Trau-, tenauer Unternehmern jetzt mit der Begründung angefochten,, daß im Mähr.-Schönberger Gebiet zwei Firmen aus den auch dort geführten Ber- haüdlungen ausgesprungen'sind. Der wegen die- ser'Angelegenheit entbrannte heftige Streit ist bis jetzt noch nicht beigelegt. Vorläufig zahlen die Trautenauer Unternehmer noch die erhöhten Löhne. IM. Braunauer BertragSgebiet kam eine Vereinbarung zustande, die'der Arbeiterschaft in der Form einer laufenden Stundenzulago von 8s^ Stunden in der Woche ein« Lohnerhöhung von 7% Prozent bringt. Die Arbeiter- schaft hat diesem Uebereinkommen zugestimmt, ob- wohl sic damit nicht voll befriedigt Wurde. IM Rochlih» Hoch städter Gebiet wurden durch Verhandlungen in vier Raten aulzahlbare Aushilfen in der Höhe von 180 Stundenlöhnen erzielt. Gau Reichanberg " Für, die Vertragsgebiete Reichenberg, Tannwald und Friedland wurde» nach mehrmaligen Verhandlungen in vier Raten aur- zuzahlende Aushilfen in einer durchschnittlichen Höh« von 9 bis 11 Prozent durchgesetzt. Für diese BerträgSgebiete ist eS«in ganz beachtlicher Erfolg, wenn man bedenkt, daß im tschechisch-ostböhmischen Gebiet die hluShilse bei weitem geringer ist. Für die B e r«d« l u ng S i n d u stri e und die Skreichgarnspinnereien, die seit .1988 nicht im Vertrag sind,'wurde erreicht, daß dort, vorläufig ohne Vertragsabschluß, dieselbe Aushilfe gezahlt wird. Für die Stteichgarnspin- nereicn ist eine neuer Vertrag,vorgesehen, zu wel« chein noch eine einmalige Aushilfe von'100 XL angeboten wird. Obwohl die Wünsche der Arbeiter hier nicht boll erfüllt sind, bedeutet die jetzige Lage doch, daß auch in-diesem Industriezweig ein erfolgreicher Vorstoß unternommen'würde, Gali Rumburg-Warnadorf Nach einem Streik von 4000 Arbeitern Wurde die Bewegung mit dein Abschluß eines Vertrages beendet. Der Abschluß für die WarnSdorfer, Spinnereien und Webereien, ist., b e sond er s er.folgreich, weil dort erstmaljg auch«in Zuschlag für Akkordarbeiter erreicht- wurde.■' Auch die monatelangcn Verhandlungen Wer eineN' neuen Vertragsabschluß in. der Eotto n- f n d mst.ri e haben zym' Erfolg geführt. Der Vertrag mit der Firma Kunert und einigen an- dern Firmen beinhaltet vor allem eine wesentliche »Steigerung der Ähn«/für den größten Teil der w elshll ch'eM'Hrt,l f s a r b ei/t«rinnen und-gleichzeitig die Siche-rheit für die andere Arbeiterschaft im Betrieb bei' der Aufrechterhaltung höherer als der im Vertrag enthaltenen Löhne. Auch für die Heimarbeiter wurde erstmalig erzielt, daß auch ihnen dieselben Akkordsätze zu zahlen sind wie den Arbeitern im Betrieb. Die Vertragsbewegung im Rumburger Äreis-Textilgebiet konnte nach mehreren Verhandlungen mit einigen Teilerfolge n In einigen Branchen abgeschlossen werden. Die Lohnbewegungen in diesem Gebiet haben, insbesondere in einigen Zweigen, kein befriedigendes Ergebnis gezeitigt. Die Verbindlichkeit der Verträge Warnsdorf und Rumburg konnte infolge der Proteste der Kreibiher Industriellen und einiger WarnSdorfer Firmen bisher nicht erzielt'werden. Gaugebiet Teplife Für die Cottonstrumpf-, Strickerei- und Wirkereibetriebe des ganzen wcstböhmischen Gebietes wurde nach monatelangen Verhandlungen ein großer Gesamtvertrag abgeschloffen, der insbesondere einem Großteil der Arbeiterinnen bedeutende Erhöhungen der Stundenlöhne bringt. Eine große Anzahl von Fragen der andern Kategorien wurde ebenfalls zugunsten der Arbeiter gelöst. Die jahrelange Vertrag S- ...Wag,.(Eigenbericht.) Genau.eine Woche- nach^dM-erfolgreichen Abschluß des' Strei-, ke- iuwer Aberthamer Handschuhindustrie berief das Gewerbe-Inspektorat in Prag für Dienstag, den 27. Juli, Verhandlungen zwecks Beilegung deö Lohnkonflikts in der Prager Handschuhindustrie ein. Die Unternehmer lehnten neuerlich die Gewährung einer Lohnzulage zu den bestehenden Tariflöhnen ab und botey lediglich einen Bewag von Xi 150.— für Handschuhmacher, welche in ein und demselben Unternehmen wenigsten»«in Jahr beschäftigt sind, an. Dieser Betrag sollte zweimal, also in der Gesamthöhe von XL 800.—, 'zur Auszahlung gelangen. Zu Weihnachten sollten XL 76.—, bzw. Xi 50.— Weihnachtsaushilfe Erfolgreicher Abechluß dec Flakonarbeiterstrelks Entsprechend dem Protokolle vom 22. Juli, sowie der Beschlüffe vom 24. Juli, wonach der Streikin der Flakonerie abzubrechen und weitere Verhandlungen zu pflegen waren, ist eö nun zu einem einvernehmlichen Abschluß gekommen. Der bisher schon geltende Ibprozentige Werkzeugregiebeitrag an die Arbeiterschaft wird von dem um 6 Prozent, bzw. ab 1. August um weitere 10 Prozent erhöhten Lohn berechnet und gezahlt. Um die Verrechnung klaglos zu gestalten, wird ein be- sonderer Kontrollapparat auf Kosten beider Ber« tragSteile eingerichtet, dem die weiteren Beratungen überlasten bleiben. Die Vereinbarungen gelten rückwirkend ab 28. Juni und laufe» bis 31. Dezember 1937.— Damit ist ein Ringen abgeschloffen, welche» den Glasarbeitern neuerlich und eindringlich die Bedeutung ihrer Gewerkschaftsorganisation vor Augen führt. Diese so auszubauen, daß auch der letzte Mann in ihr bereinigt ist, ist die Ausgabe der kommenden Zeit, für die Zeit- wenn diese Vereinbarungen wieder zum Ablauf gelangen.- Man grhllt für KB 100 Reichsmark-..,. 765.50 Markmünzen..... 805.— 100 österreichisch« Schilling.. 531.50 100 rumänische Lei.... 17.05 100 polnische Zloty.... 535.50 100 ungarische Pen-ö.... 563.50 100 Schweizer Frank««... 658.50 100 sranzöflschr Franc»... 107.57 1 englisches Pfund.....-141.62 1 amerikanischer Dollar.. 28.60 100 italienische Lire.... 188.40 100 holländisch« Gulden... 1580.50 100 jugoslawische Dinare..... 64.30 100 Belga»'488,75 100 dänische Kronen.... 636.— 100 schwedisch« Kronen. 735.— lostgkeit wurde endlich beseitigt. Bon Bedeutung' ist, daß nach dem Vertrag bestehende höhere Lohn- und Akkordsätze aufrecht bleiben. In den Polzental-Bewieben wurde durch einen neuen Verwog eine Lohnerhöhung von 5 Prozent generell erzielt, außerdem haben sich die Firmen zu einer Aushilfe in der Höhe von 4 Prozent bereit erklärt. Eine Ausnahme bildet di« von Henletnleuten beherrschte AlgerS- dorfer Spinnerei. Rach einem kurzen Streik wurde von der Zeltfabrik in Turn eine im Durchschnitt zehnprozentige Lohnerhöhung zugestanden. Ueber die Lohnbewegung in Oberleutensdorf haben wir vor einigen Tagen ausführlich berichter. Im Tetschen-Bodenbacher Ber- wagSgebiet werden derzeit Verhandlungen über die Forderungen der Arbeiter geführt. Bei der Firma Sochor in Tetfchen wurde eine Regelung erzielt, die einem Lohnzugeständnis von 8 bis 9 Prozent entspricht. Für da» Weiperter Gebiet wurde ein Berwag abgeschloffen, der Lohnerhöhung mit sich bringt, die um 8 Prozent schwanken und bei einzelnen Kategorie» über 80 Prozent hinauSgehen. Ferner wurde der Akkordzuschlag von 10 auf 1b Prozent erhöht und eine Zulage für die Nachtschicht in der Höhe von 5 Prozent bewilligt. Gau Aach Der neue Vertrag für die Wirkerei und Strickerei des. ganzen westböhmischen Gebietes ist auch in Asch in Geltung getreten. Für die Webereien, Spinnereien und die VeredelungSinduswie wurde nach mehrfachen Ber« Handlungen ein Vertrag abgeschloffen, der eine zehnprozentige Lohnerhöhung in den Spinnereien und Weberei«» beinhaltet. In der BeredelungSindustrie wurden die Löhne um 7 Prozent hinaufgesetzt. Dieser Vertrag, der zu den besten in der Republik gehört, kam zustande, nachdem die ersten Angebote der Unternehmer abgelehnt worden waren und die Arbeiter mit dem Eweik gedroht hatten. In der Neudeker Wollkämmerei wertzdn in der nächsten Zeit Verhandlungen geführt Iverden. Jn Zwodau, GraSlih und Liebauthal wurden Aushilfen durchgeseht. Heber die Lohnbewegungen In Mähren- Schlesien werden wir noch berichten. ausgezahlt werden. Die Hilfsarbeiter sollten die Hälft? der obigen Beträge erhalte«! Wr-die' Fi- lialbewiebe irii’ oherest Erzgebirge sollte.gesondert' verhandelt werden. In einer Massenversammlung' der Handschuhmacher, welche am 28. Juli Im Steinersaal im Prager Bolkshau» stattfand, und in welcher nebst anderen auch Schiller vom Bekleidungs-, arbeiter-Berband in Reichenbcrg über den erfolgreichen Abschluß des Aberthamer Lohnkamstses, oft von Beifall unterbrochen^ sprach, lehnten die versammelten Arbeiter das vollkommen unzulängliche VerhandlungSergebnii ab und erklärten sich neuerlich mit ihren deutschen Berufskollegen des oberen Erzgebirges solidarisch. Der geschlossenen Front der deutschen und der tschechischen Unternehmer in Prag steht die geschlossene Front der Handschuhmacher beider Nationen gegenüber. Die Handschuharbeiter sind«ntschloffen, in dem ihnen aufgezwungenen Kampf bis zu einem erfolgreichen Abschluß auszuhalten. Tschechoslowakische Baumwollhandschuhe verdränge» in den ADA die deutsche». Nach den USA wurden in den ersten 4 Monaten d. I. insgesamt Baumwollhandschuhe für 1.25 Mill. Dollar» eingeführt. Hauptlieferant ist die Tschechoslowakei, die heuer ihre Lieferungen gegenüber dem Vorjahr mehr al» verdoppelte und Baumwollhandschuhe für 520.000 Dollar»»ach den USA exportierte, gegen nur 200.000 Dollar» in der gleichen Borjahrszeit. Diese Zunahme geht vorwiegend auf Kosten Deutschland», da» Heuer nur für 520.000 Dollar» Handschuhe lieferte» gegen 1,170.000 Dollar» in der Vorjahr-Periode. Kladnoer Bergarbeiter lehne» Arteit-ange- bote au» Belgien ab. Nach der Aufnahme slowa- kischer, mährischer und karpathorussischer Arbeiter sollten auch Bergarbeiter au» dem Kladnoer Gebiet für belgische Bergwerke angeworben werden. Nach Bekanntgabe der Arbeitsbedingungen sehnten jedoch die Kladnoer Arbeiter die belgischen Angebote ab. ES scheint demnach, daß die Bedingungen durchaus nicht so günstig sind, wie dies anläßlich des Werbefeldzugs im Osten der Republik, wo die Lohnansprüche allerdings niedriger find, geschildert worden ist. Tschechoslowakei größter Damenschuhlieferant England». England hat im ersten Semester 1987 147.819 li. B. 113.481) Dutzend Paar Damenschuhe aus Leder für 574.927,(i. V. 588.589) Pfund eingeführt. Größter Lieferant ist Heuer die Tschechoslowakei geworden, deren Anteil auf 188.780 li. iS. 155.476) Pfund gestiegen! ssti Di« Schweiz,' welche im Vorjahre. mit 156.851 Pfund geführt hat, wurde auf oen zweiten Platz, verdrängt, obzwar die.Bezüge auS der Schweiz heuet ebenfalls auf-176.854 Pfund gestiegen sind. Soeben erschienen: Josef Hofbauer: Dorf In Scherben Dieser sudetendeutsche Arbeiterroman schildert den Verzweislungskampf der Arbeiterschaft einer großen Glasfabrik und mit ihr der Bevölkerung des ganze» Ortes gegen die Stillegung des Betriebes,— einen Kampf, der ergebnislos ist, mit der Schließung der Fabrik und der Arbeitslosigkeit der Bevölkerung eines ganzen Dorfes endet. Preis kart. XL 32.—, geb. XL 38.—. Zu beziehen durch die Zenwnlstelle für da» Bildmigswesibn in Prag XII, Slefkä 1.1V. Ausland Um die Teilung Palästinas Wie aus einem Artikel EastermannS im »Daily Herold" hervorgeht, haben die englischen Juden der britischen Regierung einen Vcrmitt- lungSvorschlag gemacht, aus dem hcrvorgeht, daß sie unter gewissen Bedingungen dem Teilungsplan zustimmen Waffen. Die Bedingungen sind: daß die Neustadt von Jerusalem, die überwiegend jüdisch ist, dem jüdischen Staate zugcsprochen werden soll; daß der jüdische Staat die freie Vcr- fttgung über den Hafen von Tel Aviw erhalten und daß SUdpalästina entweder zwischen Juden und Arabern geteilt oder unter britischem Mandat bleiben soll. Weiter wird gefordert, daß der jüdische Staat tatsächlich souverän sein soll, besonders in Zollfragen, und daß für die Ueber- gangszeit bis zur vollen Souveränität eine neue britische Verwaltung amtieren soll, da die bisherige Palästina-Verwaltung auch von der Königlichen Kommission scharf kritisiert worden ist. Die Konttolle der jüdischen Einwanderung soll an die Jewish Agency übergehen. Wie der„Daily He- rald" bemerkt, sei die britische Regierung der Annahme der Jerusalem und Tel Aviw betreffenden Vorschläge nicht abgeneigt. Gleichzeitig berichtet das Blatt, daß der Großmufti von Jerusalem, gegen den die britische Palästina-Verwaltung wegen seines Versuch», einen neuen arabischen Aufstand zu entfesseln, einen Haftbefehl erließ, in der Omar-Moschee von der Polizei belagert werde. Seine Versuche, die Moschee zu verlassen, seien bisher erfolgreich verhindert worden. Der Kavinettsrat von Salvador beschloß den Austritt aus dem Völkerbund. Salvador folgt damit dem Beispiel der mittelameri- lanischen Staaten Guatemala, Honduras und sttcaragua, die bereits im vorigen'Jahre ihren t. Austritt aus..dem Völkerbund erklärte haben. Der Menfchenjöger als Kirchenkommtffar. In der Gestapo ist ein neues Dezernat eingerichtet worden, das sich mit der Spezialaufgabe zu befassen hat, die Vorgänge in der katholischen Kirche zu überwachen. Es soll insbesondere solche katholische Kreise bespitzeln, die in dem Verdacht stehen, Opposition gegen das Regime zu betreiben. Die Einrichtung einer solchen Spezial- Spitzelstelle wäre an sich kaum erwähnenswert, man könnte sich nur darüber wundern, daß angesichts der Wildheit, mit der der Kampf gegen die Kirche bettieben wird, eine solche Stelle noch nicht früher geschaffen Ivorden ist. Interessant wird diese Neugründung erst durch den Leiter, den sie erhalten hat. Es ist derGestapokommis- sar Müller und es verlohnt sich schon, diesen Herrn genauer zu betrachten. Dieser Herr Diül- ler ist mit jenem Manne identisch, der vor noch nicht allzulanger Zeit den Auftrag durchzuführen versuchte, in der Schweiz den ehemaligen Reichskanzler Brüning entweder zuermordenoderlebendigüberdie Grenze zu bringen. Die Bundespolizei konnte sein Vorhaben noch rechtzeitig verhindern, doch ehe sie zupacken konnte, war der Herr Müller Wer die Grenze gekommen. Später wurde er in Holland verhaftet und ausgewiesen. Letzt erst durfte er seine anstrengende Tätigkeit als Men-- schenjäger im Auslande aufgeben und den ruhigeren Posten eines Kirchenlommiffars in der Zentrale seiner Auftraggeber beziehen. Ledes Regime hat die Beamten, die seinem Wesen entsprechen. Der Herr Müller paßt nun einmal zu Herrn Himmler und Herr Himmler hat das besondere Verttauen seines Führers. Soweit wäre alles in Ordnung bis auf die noch ungeklärte Frage, ob und wann die Kirche Herrn Hitler ex- kommunizieren wird. Rumänische Kreiswahle«. Am vergangenen Sonntag sanden in 16 Departements die Wahlen in die Depar- tementsverttetungen statt. Nach den bisher' bekannten Ergebnissen erhielten: die Nationale Bauernpartei- 120.000 Stimmen, die Regie- rung-ltberalen 110.000 Stimmen, die Nationalchristliche Partei 45.000 Stimmen und' die Rumänische Front 37.000 Stimmen. I» den Lbri-- gen Departements, in denen I» den letzten zwei Monaten Wahlen stattfanden, sind- folgende Er«' gebnisse erzielt worden: Liberale Partei 847.000 Stimmen, Nationale Bauernpartei 307.000 Stimmen,. National-christliche Partei 200.000 Stimmen und rumänische Front 121,000 Stimmen. Die Liberale Partei erlangte in acht Depar-. tement» die Mehrheit, die National« Bauernpartei iw sieben Departements unddieNational- christliche Partei in einem Departement. Vie Solidarität der Handschuhmacher bekräftigt Der Streik der Handschuhmacher in Groß-Prajj und in einzelnen Orten des Bezirkes St.-Joachlmsthal dauert weiterhin an Seite« Sozialdemokrat' DonnprStag, 20. Juli 1037. Rr. 178. Kroger jevtung Prager Verkehrsmisere Sechs Verletzte an einem Nachmittag! Die llnfallbilauz"dck. Montag verzeichnet nicht weniger al« sechs VerkehrSuufällc, bei denen sechs Personen teils schwer, teils leichter verletzt wurden. Es bandelt sich durchwegs um Unfälle, die durch Motorfahrzeuge verursacht wurden. Sieht man"von den besonderen Umständen der einzelnen Fälle ab, so lassen sich ihre Ursachen auf ztvei Hauptmotive zuriickfiihren, Einmal auf die Rücksichtslosigkeit der Fahrer und. dann auf die Undiszipliniertheit der Fußgänger. Immer wieder: schiessende Diebe. Bei Königsaal kam cS dieser Tage wiederholt zu Schießereien, deren Urheber Einbrecher und Diebe waren: ES scheint, daß der Fall der Brüder Hrüa ein« förmliche Gewalttätigkeitspsychose auSgelöst hat, die sich dahin auSwirkt, daß die Täter an sich geringfügiger Diebereien und ähnlicher nicht allzuschwcrer Delikte bei dem geringste» Anlaß zur Masse greifen. Nachdem gleichfalls in Königsaal ein ünbekannter Täter, der beim Einsteigen überrascht wurde, den MohnungS- inhaber ohne weiteres angeschoffcn hatte— dieser liegt mit sehr, schweren Verletzungen im Prager Krankenhaus— kam es dieser Tage im gleichen Ort zu einem weiteren Vorfall ähnlicher Art. Der König« fnnlcf Teichwächter Eduard Mika ertappte in der Abenddämmerung mehrere.junge Burschen beim Fischen, AIS er sie fragte, ob sie einen Erlaubnisschein hätten, ergriffen sie die Flucht. Einer der Burschen blieb aber plötzlich stehen und feuerte aus einer Flo- bcrtpistole gegen den Teichwächter einen Schuß ab. Tie Gendarmerie forschte den Schützen und seine Kumpan« schnell ans. ES ist der 21jährige Jaroslav Maron« aus Lipany und sein lüjährigcr Bruder Jam Die beiden anderen, die Jaroslav zum Schießen veranlaßt haben sollen, sind bekannt, aber geflüchtet- Die Gebäransealt verschließt sich verheirateten Frauen.. In Prag herrscht nicht nur ein katastrophaler Mangel an Krankenhausbetten, der die sattsam bekannten trostlosen Verhältnisse in den Prager Krankenhäusern zur Folge hat, auch die sonstigen volksgesundhcitlichen Institute reichen.für die Bedürfnisse der zur Millionenstadt augewachseuen Metropole nicht mehr aus. So hat sich die Direktion der Prager Landesgebäranstalt genötigt gesehen, die Oeffentlichkeit davon in Kenntnis zu sehen, daß bis auf weiteres v e r- heiratete Frauen nur Indrin- g en den Fällen ausgenommen werden,.wo sofortig« sirztIM Hilft iGM ist. HöM Wtz hsh Anstalt M oüf' bfe Tlufsioihme, lediger. Mütter beschränken, ftir die sic bei ihrer Grüubung ja vor allein bestimmt war. Seit dieser Zeit sind viele Vorurteile weggefallcn, welche die verheirateten Frauen früherer Generationen gegen dieses Institut hegten. Nicht zuletzt haben die heutigen Wohnungsvcrhältnisie dazu beigeiragen, daß unter den Klientinnen der Anstalt heute die verheirateten Frauen überwiegen,(im Verhältnis 3:2). Durch den Ausschluß der Verheirateten werden besonders die unbemittelten Schichten schwer getroffen. Es wird einem wirklich sonderbar zumute, wenn' man liest, mit welcher Selbstverständlichkeit etwa das Vorbereitende Komitee für die Ausstellung ,1942■-> mit' Milliarden, zu ,:R e p r ä se«tat i o ii ä z w c ck c n". jongliert— die,selbstverständlich aus öffentlichen Mitteln zu bestreiten wären— und wie ivcpig daran gedacht wird, haß, es gemeinnützige Zwecke gibt, denen- nicht einmal das Notwendigste aus diesen öffentlichen Mitteln, zugcwcndet wird.. Deutsch-tschechischer Jugenda»lStausch. Ter Jn- iernationäle Jugcnddicnst, Prag II, Borsilskä 2, Telephon Nr. 46789,. sucht, noch Jahrertäuschpliitze für 142 tschechische Kinder- in deutschen Gegenden. ■— Familien, die ihre Kinder auf Tausch Wdep gegen Bezahlung ins tschechische Sprachgebiet geben wollen, werden ersucht/ sich ehestens anzumelden,' damit ihrem'Wunsche noch entsbrochen werden kann..', Lauben zur Entlastung des Prag» Straßenverkehrs. Die Stadt Prag hat sich an das Ministerium für öffentliche Arbeiten mit dem Ersuchen gewendet, bei einigen Gebäuden in besonders stark srequentierten Straßen, die sich im Besitze oder in Verwaltung dieser Ministeriums befinden. Lauben-' gäiig« cinzubauen. um den Paffantenvctkehr an diesen Stellen leichter zu gestalten.' ES handelt sich vor allem, um Häuser in ber Zellnernasse und in der Ulice Karoliny Evktlö auf der Altstadt und um die Karmelitskä auf der Kleinscite. Auch das Scklick- pgsais in der Rationalstraße soll in dieser Weise adaptiert werden. Tie'Kosten des Umbaues soll"der Staat tragen. „Hellenische Straße" auf den Weinbergen. Der Prager Stadtrat hat beschlossen, die bisherige Doudlcbskä ulice auf den Weinbergen in Helen s k ä ulice(Hellenische Straße) umzubenennen. Diese als Ehrung des griechischen Volkes «Machte Umbenennung tvird damit motiviert, daß sich in dieser,Straße die griechische Gesandtschaft befindet.— Und weil gerade von Straßcnumbeuennun- gen. die Rede ist,, sei das Gerücht verzeichnet, daß der heutige Weinberger Platz(Vinohradskö näm.) vormals Friedensplatz(Mlrovo näm.), vormals Pur- kyniiplatz, angeblich eine neue Umtaufe erfahren soll. AuSslugSzüge der StaatSbahnen. Bom 81. Jäli bis 1~. August Ausflug ins Blaue mit Sonderzug(70 Kilometer) für 74 KJ; am 1. August in den Mährischen Karst(Macocha) für 160 Ke; ein viertägiger JagdauSflug in die Reviere von Nitra und Novt Zamlh für 1800 Ui mit voller Verpflegung; diese Reviere, sind sehr wildreich und habe» einen Rebhuhnstanh, von 42.000 Stücke Anmeldungen und Jliforwmiäükn' durch' den Votks-Reifeinforniations» dienst.in Prag II, Nämisti Republikv, Tel. 2>8—25. Weiters wird ein AuSflugSzug• für Fischer nach Smrdjonka.(Slowakei) vorbereitet, verbunden mit Fischfangbercchtigung für Lachse, und Forellen. Im Fahrpreis von 040 Ui sind Logis, Verpflegung, Fischtaxe, Fisch-nng und Versicherung sowie Schncll- zugsfahrt enthalten.' Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 888—85. Lteratur . Joan Giono:„Vom wahren Reichtum". Die Büchcrgilde Gutenberg legt ihren Mitglieder» ei» neuer Werk vor, taffen Veröffentlichung In zweifacher Hinsicht eine tvesontlichc Bereicherung der Gilden-Literatur darstellt: Einmal tritt mit Giono einer der erfolgreichsten und originellsten Schriftsteller des häutigen Frankreich in den Kreis der Gildenautoren und bann bedeutet der mit 112 Photographien, reich geschmückte Band ein ganz besonders ästhetisches Erlebnis. In selten schöner Weise ergänzen sich Wort und Bild zu einen: ein-' heitlichen Buch, das sich wie eine Landschaft öffnet, aus der die Menschen neuen Atem schöpfe». Am südlichen Berglanb der Provence hat Giono jene Welt gefunden, die den Zerstörungen einer anf-der Macht des Geldes begründeten Gesellschaft nicht«r- legen ist. sondern' all das bewahrt hat. woraus der wahre Äeichwm.besteht. Von dort ans schickt de: Dichter seine Botschaft'einer neuen Freiheit.., die man froh und dankbar hört; dieses Land zeigen auch die Bilder, in denen sich das findet, was nach Giono so vielen-Mensche», vorenthalten ist: Wind. Schnee. Sonne. Berge, Flüsse nnb Wälder, das Antlitz einer unverfälschte« Welt. Der Preis des Buches für Gildenmilgliedev beträgt' 81.00 Kä. Gedcnkblätter. Von Hermann Hesse. Verlag S. Fischer, Berlin. Dieses Buch, das— neben einem Bändchen„Neue- Gedichte"— zu Hesses sechzigsten Geburtstag erschienen ist, vereinigt eine' Anzahl Erlebnistc des Dichters mit' Mensche»’ und Dingen, vornehmlich Sprache von Schulkameraden, von Lehrern» vom Vaters, von einem Bruder, den er vor zwei*Pah«>» auf-schmerzliche Weise verlor; von- Häusern, in denen er gelebt hat,'von einem. Herbsttag im Tessin. Dieses lebte Stück in seiner durchgezeichneten Klarheit und Deutlicheit ist«tivaS wie Dürers Zeichnung „Das Rasenstück". Es geht mir— nt'nii kann? wenn man sich zu Hesse äußert, kaum anders als persönlich sprechen—wie immer mit ihm: seine Geschichten bezaübern mich. Es ist wahrhaftig mehr als ein Zufall, daß«r— man lese das innige und ergreifende. Stück„Erinnerung an Hans".-— als Kind solche Freude daran hatte, den Zauberkünstler zu spielen, und daß er einmal in einem Abriß feines Lebens scherzhaft-ernsthaft ausgemalt hat. wie er später ganz und gar zum Zauberer wird, im Alter von mehr als siebzig Jahren ins GesänmiiS kommt, weil er«in junges Mädchen durch Zauberei verführt hat. und> eines Tages, uin einer der langweiligen Vorführungen vor den Richtern zu eniaehen. vor den Augen der Gefangenemvärtcr in einen. Eisenbahnzug steigt, den er an die Wand der GofängniSzelle gemalt hat, und mit dem Zug in einen ebenfalls gemalten Tunnel hineinfährt und ganz verschwin» bet-„Eine Weile sah mau noch flockigen Rauch aus dem runden Loche kommen, bann verzog sich der Rauch und verflüchtigte sich, und mit ibn: bas ganze Bild, und' mit ihm ich. An großer Verlegenheit blieben die Wärter zurück." Helle ist wirklich ein Zauberer. Er arbeitet mit den einfachsten Mitteln 'und bereitet damit' eindrucksvollste und stärkste Werke; Er begnügt sich mit alltäglichstem Stoff und wacht' daraus svannendstc. ergreifendste Scköpfun- gtn. An den„Gcdcnkblättcrn" redet, er von Dingen, die auf irgendeine Weise im Leben einer jeden von uns.vorhanden sind und ihre Rolle spielen: nebensächliche. kleine Dinge. Er nimmt sie in di« Sand, schmst sie an. schildert siv— sieh da: er such höchst wichtige, fundamentale, ia. manchmal geradezu große Angelegenheiten, in denen Sinn und Endziveck unseres eigenen Seins auf unwidersvrechliche Weise enthalten sind, und die zugleich unser kleiner, begrenztes Leben als Brennpunkt des Lobens über« XumI and Wte&w Hitlers„deutsche Kunst** Die von Hitler mit einem FastnachtSzug eröffnete. Ausstellung deutscher Kunst in München, die in ihrer Gegenüberstellung zur„entarteten Kunst" pro- granmiajischcn Charakter hat. findet in den noch nicht ganz unkritischen reichSdcutschen Blättern ein merkwürdiges Echo. Die^Deutsche Allgemein« Zeitung" bat eine Reihe von Bildern und Plastiken aus der Ausstellung deutscher Kunst reproduziert, die—- mit einer einzigen Ausnahme— so lächerlich wirkten, daß man, die Auswahl-der Wiedergaben als Absicht empfinden mußte. In der„Frankfurter Zpitung" ist ein Bericht des Kimstrcferenten Äenkard über die Ausstellung erschienen, aus dem hervorgeht, daß sich unter den Glanzstücken der Kollektion folgende Bilder befinden:„Die letzte Handgranate",„Appell am 28. Feber 1088",„Plenarsaal der Reichstages nach der Brandstiftung am 27. Feber 1088" tmd„Hitler- junge mit schwarzer Fahne"— sämtlich von bisher völlig iinbokannten„Meistern". Die mcistporträtier- ten Zeitgenossen in der Ausstellung' sind Hitler, Schacht, Heß u. Mussolini. Nachdem Herr Benkard alle Ausstellungsobjekte getreulich verzeichnet und„gewürdigt" hat, kommt er schließlich zu dem vorsichtigen, aber vielsagenden Urteil:„Es ist im wesentlichen' die Art des ausgehenden 10. Jahrhunderts, es ist eine Wiederaufnahme der Malweiscn, die in den Tagen unserer Väter als revolutionäre Methoden Aufsehen erregt haben."-Und er schließt mit dem Satze.:„Alles in.allem:, der Weg, der vor,uns liegt, ist! soll er zu erfolgreichen Zielen führen, langwierig und mühevoll. Darüber kann kein Zweifel Herr-' scheu'." In ber gleichen Nummer der„Frankfurter Zeitung" wird berichtet, daß das Berliner Kronprinzenpalais,' di« bisherige repräsentative Ausstellung moderner-deutscher Kunst, geschlossen werden mußte—„wegen Umhängens der Bilder". Ein erheblicher Teil ber dort ausgestellten Bilder ist nämlich nach- München transportiert und dort in die Schau„Entartete Kunst"- ausgenommen worden. Der Direktor des Kronprinzenpaläis heißt Hanf- staengl und ist der Bruder von Hitlers langjährigem Pressechef, der sich seit einiger Zeit in London aufhält:mb nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, sondern in England ein Buch über seine Erfahrungen mit Hiller veröffentlichen will..'.'■■■ Walter Kolarz: Das Regime Blum Preis Xi 16.— Bei allen Kolporteuren oder beim Verlag: Zentralstelle für daS Bildimgswescn, Prag XU, Slczskä 18. Haupt enthüllen. Geste, außer daß er uns feffelt und spannt, gibt UNS etwas, was uns, gerade in unserer Zeit, in dec alle Grundlagen fragwürdig sind, alle Gewißheiten verdunsten, nötig ist,' zurück: daß Bewußtsein,. daß wir. was immer auch geschehe, doch wirklich da und Andividuen mit.eigenem Schicksal und eigenem Leben sind. MarBarth. kür den Lebenskunde>Unterrlcht Am 17. Mai Hal der Bund proletarischer Freidenker(Sitz Tetscheu) in Tevlid-Schönau ein« Enaucte über den LebenSkunde-Unterricht veranstaltet. die. nun— zusammen mit der an das Schul- Fliegende Kranken wagen in Dänemark Die dänische Rettungsgesellschaftlhat mit-der'dänischen Luftfahrtgesellschast' ein Abkommen' getroffen,^ nach dem ein Sanit ä t sf lu g di e>n st eingerichtet wird. Von jedem Flusi» platz können! künftig.-„Fliegende Krankenwagen" in kurzer Zett zur Verfügung gestellt werden. Ein gesundet Herz und starke Nerven siegln. Nehmen Sie die klinisch und Ärztlich empfohlenen Pastillen Für Diabotik c-r in gleicher Zusammensetzung ohne Zucker Mit der Bezeichnung D«'n jeder Apotheke, Ministerium gerichteten Denkschrift— int Druck erschienen ist. Die Einleitnimsansprache des Bnndes- sekvetärs Lebenhart, die Referate Bros. NoväkS und Oberlahrer a. D. WeckelS und die abschließende Rede Professor Hartwigs geben nickt nur eine USberiickt über die historische Entwicklima des Kampfes um den LebenSknnde-Unterricht mW Begründungen für die Forderung, ibn zu vcrwirklicken. sie lasten auch die Aufgaben und die Gestaltung des geplanten Unterrichtsfaches erkannen, so daß die Lektüre des Heftes gerade auch denen von Nutzen sein kamt, die dem Gegenstand bisher noch fermstanden. Die For- dernna. den LeibenSkunde-Unterricht auch an den deutschen Schulen.der Republik für die am Religionsunterricht nicht beteiligten Schüler eing'n- fühvcn, stützt sich vor allem auf die Tatsache, daß cs in der Tschechoslowakei 100.000 konfessionslose. Kinder gibt, die den gleichen Anspruch auf einen Unterricht in ihrer Weltanschauung haben- wie die Kinder, di« kirchlichen Konfessionen angeboren, uns baß die Hoffnung, der Büraerkunde-Unterricht werde das leisten, was ber Lobenskunde-Unterricht sich zur Aufgabe-«stellt hat, nicht«rsiillt worden istf". An den tschechischen Schulen gibt es feit 1088 den Unterricht in„Laienmoral", über den bei der Enaucte Professor Noväk berichtete, der aber, wie Professor Hartwig erläuterte, für die euidcrS gearteten Verhältnisse der Deutschen nicht übernommen werden kann,, da im Lehrplan der.Läiemnoral" di« rationalistische, weltanschauliche Note vorherrscht, lvährcnd der Bund proletarischer Freidenker im LcbcnSkundo-Unterricht vor allem die Aufgabe sittlich sozialer Emiohung stobt; was Professor Hartwig mit dem Hinweis barauf begründete, daß die Deutschen nicht mehr in jener AufklärungSveriode stehen, die der tschechischen,„Lgicmnoral" und dem tschechischen Frcidenkcrtlnn baS Gcvräae gibt. Die Schwierigkeiten, die— außer den politischen und religiösen Anfeindungen— der Einführung; des LehetiSkNnde- Unterrichtrs entacaenstchen.' werden,.nicht verschwiegen, sie würden vor. allem in dem änsäim- lichen Mangel an Lehrkräften-und 7 Lehrbüchern lieg«».'aber, die Dankschrift ans Echulministcrium zeigt, daß die Ilmrisse beS Lehrplans für deirLöbenS- kunde-lluterricht bereits fch'tlsegen. der dar Kind systematisch zur Erkemitnis und zum Erlebnis der Gemeinschaft, des sozialen Lebens der Gegenwart und der Zukunfsaufgabon der Menschheit führen soll. Verlanget Übereil VolkezUnder Der Mm Kipling-Filme Der im Jänner vorigen Jahres, verstorbene englische Dichter Rudhard Kipling: der Autor des weltberühmten„DschungelbNches", feiert jetzt im amerikanischen Film Auferstehung. ÄlS erster- bat der bekannte irische Filmregisseur O'Flaherty, dec Schöpfer des„Mannes von Aran", einen Kipling- Film„Der Elefanten-Knabe"(nach Kiplings Erzählung...Toomeh of the, ElephantS") gebrehc. Jetzt sind„Die-mutigen Kapitäne" mit Freddie Bartholomew und„Wee Winnie' Winkle" mit Shirley Temple verfilmt worden. Und nach Kiplings berühmtestem Roman„Kim"' wird ein Film der Metro-Goldwyn-Mayer hergestellt. Film-Erfolge, In London läuft seit- Wochen- der- englische Annabella-Film„WingS of the morning"'(Flügel des Morgens);«in'farbiger Film. In Paris hat per KriegSfilm„Die große Allusion", des Regisseurs Jean Renoir(der seinerzeit den„Madame-Bov- ar»7-Film schuf) großen Erfolg. Ein anderer fran- zösischer Film„Pöpi le Moko", der.in.Marokko spiest und das Schicksal eines aus Paris geflüchteten Apachen barstellt., wird gleichfalls als. außerordent- uchlünd künstlerisch wertvoll gerühmt Rüsten-Film„Letzte Nacht" verboten. Die- Prager Einfuhrkommissiön hat..den soivjctrussischen Filnr„Die letzte. Nacht", der;zunr Jahrestag der' Oktober-Revolution-'hergestellt,"svurde,. für.,.die. Dschdchosloiüakei verboten;,--;* B e zugSb ediugung- n: Bei' Zustellung ins HauS-oder bei Bezug durch die Post monatlich Ui 16.—, vierteljährlich llö 48.—, halbjährig Ki 06.—, ganzjährig Kö 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—Rückstellung von Manuskripten erfolgt nür bei Einscndüng der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankaMr wurde von der Post- und Tele« .. graphendirektion mit Erlaß Nr. 1S.800/VIM080 bewilligt.—DruLrrei:.hOrbi»". Druck«. Verlag»-und Zeitungl-A.-T. Praa.