Sozialdemokrat Aentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag tdglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion u. Verwaltung: Prag XL, Fochova«2- Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub- Derantw. Redakteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Prag 17. Jahrgang^rettag, 30. Juli 1937 Aus dem Inhalt: Deutscher.Nachwuchs für die Staatspolizei Irische Terrorbllanz schlägt jeden Rekord Sven Hedlns wundersame Reise Bericht vom Kinderfest In Antwerpen Nr. 177 Peipins durch Verrat in Japans Hand gefallen Vasallenstaat Nordchina ausserufenzTlentiln In Hammen/Neue Schlachten Im Gans Francos Gegenstoß gebrochen London. Das Kabinett von St. JameS kommt in eine stündlich schwierigere Lage. In wachsendem Maße wird die öffentliche Meinung von den Ereignissen Im Fernen Osten in Erregung versetzt. Eden sprach Donnerstag im Unterhaus unter einem Regen von Zwischenrufen und Anfrage». Er sah sich genötigt, dir.Taktik drS Verschweigens und deS vorgrtiiuschten Nichtwissens, aüfzngeben und von japanischen Gewaltakten in Peiping zn sprechen. Er erklärte schließlich dezidiert, England werde die Abtrennung weiterer nordchinestscher Provinzen von China nicht anerkennen. Im übrige» beschränkt die Negierung sich wie eö scheint, auf eine vorsichtige Fühlungnahme mit Washington«nd Paris. Amerika scheint sich für die englische Passivität im Jahre 1031 zu rächen, indem rS diesmal nur zögernd«In Interesse an China zugesteht und jede gemeinsame Intervention vorläufig ablehnt. Japan hat den USA- angeboten,«S werde nicht über den 02. Breitegrad nach Süden vorstoßen. In dieser Situation scheint das Kabinett entschlossen zu sein, England a«S der mißlichen Lage eines Konfliktes mit-zwei»der drei Großmächten um jeden Preis z« befreien. Da Japan Tientsin.(HavaS.) In der Nacht auf Donnerstag Ist bei Tientsin eine neue Front entstanden, die die japanische Armee von der Flanke sowie auch die japanische Konzession und aste übrigen ausländischen Konzessionen bedroht, die nunmehr unter daS Feuer der von Süden und Südoste» vorrückenden chinesische» Truppen geraten können. Die ausländischen Konzessionen wurdendeshalb, bereits Donnerstag früh. in M adel d.(HavaS.) Die Aufständischen unternahmen LonnerStag früh einige heftige Angriffe auf die republikanischen Stellungen südlich von Billanueva de.la Canadg. Trotz der ungewöhnlichen Wucht dieser Angriffe gelang«S den Aufständischen nirgends, in die Verteidigungslinien der Regirruugstruppen einzndrin- gen. Der strategische Punkt„MoSguito",'der etwa 8 Kilometer östlich von Brnnete im Walde am linke»Ufer deS FliisseS Guadarrama liegt, befindet sich noch immer in den Händen der Re» gierungStruppen. Die Brrteidiger dieses Punktes werden int Nordosten durch eine stark« Ab- ieiltitn, RegierungSmiliz gestützt, die sich bei Castillo de Billa Franca eingegraben hat. Die Gräben und Stützpunkte der republikanische» Truppen sind>in diesem Abschnitt sehr stark a«ö- gebaut?stnd alle Bemühungen der Aufständischem die gegnerischen Linien an dieser Stelle zu durchbrechen, sind bisher gescheitert. Die'Artillerie der Aufständischen hat die. BerteidigungSlinie» der Regierungstruppen andauernd mit schweren Ka libern bombardiert, ohne hiebei jedoch. größere Schäden aNz'nrichten. Dem präzisen Feuer der RegierungSbatterie» gelang»S, einige Batterien der-AufstäNdischen zum Schweigen zu bringen. - Der Versuch der Aufständischen, in di« Ber- teidigungslinien der Regierungstruppen im Frontabschnitt bei Tiemble in der Provinz Avila einzüdringen, i ist gescheitert. Die republikanischen Flugzeuge bomtardirrten mit Erfolg dir Sam- melpunkte der aufständische» Truppen an diesem Frontabschnitt. Im Abschnitt, südlich des Tajo sammeln«nd sichten die Regierungötruppen daS Kriegsmaterial, welches die Aufständische» an dieser..Stelle zuriickgelassen haben.' NimeS. lHavaS.) Drei spanische.Frachtschiffe wurdest/'auf. der Fahrt, von Marseille nach Spanien bei.dem. Hasen Carau du Ros. auf hoher See von einem/Unterseeboot unbekannter Flagge angpfallen. Auf' einem der. überfallenen Dampfer, brach ein Brand aus, der jedoch gelöscht werden, konnte. Die DqMpfe«,suchten.dann in dem Hafen Cara« du Roi Zuflucht,. im Augenblick der gefährlichste G e g» ner ist, liegt eS nahe, zn dem schwächsten, zu I t a l i e eine Brücke zu suche«. Die Unterredung Chamberlains niit Grand! soll diesem Zweck gedient haben. Man nimmt an, daß England den Italienern den Ausschluß Abessiniens a«S dem B ö l k e r b u n d und eine via facti Anerkennung deS„Jmpero" angeboten hat. ES ist aber schwer vorstellbar, daß sich«ine Verständigung ohne, eine gleichzeitig definitive Abmachung über Spanien erzielen läßt. Ob Mussolini Franeo, ob England seine spanischen und Mittelmeer-Jnteressen opfern, ob Mussolini dabei Hitler verraten»der ob. Hitler an der Berständignng teilnehmen, wird, läßt sich im Augenblick nicht sagen. Fest steht aber, daß man im Foreign Office fieberhaft nach einem AuSweg' sucht: Nüchterne Beobachter der deutsch- italienisch-japanischen Politik sind allerdings der Ansicht, daß Hitler und Mussolini auch» a ch einer Entente mit London di« erst« Gelegenheit zu neuen Borstößen auSnützen und daß Tokio, Rom und Berlin weiter eine Partie zu dritt mit veitttilten Rollen gegen England spielen iviirden. Foreign office sucht einen Ausweg Versöhnung mit Mussolini?» Was Ist der Preis? Tschangkelschek . weiter zum Kampf entschlossen . Schanghai.(HavaS.) Marschall Tschiang- kaischek hat zu der Lage in Nordchina Donners-' tag vormittags eine Erklärung abgegeben, in der es u.».heisst, daß er. selbst, wegen der plötzlichen Wendung dpr Militärischen Lage, in Nordchina alS-Dberkommandierepder/dic-Äerantlvoxtung- übernehme. Di« Rückschläge seien vom chinesi. schen Sachverständigen vorausgesehen worden. Die. Feindseligkeiten könnten jedoch nicht als beendet angesehen. werden. Die Zentralregierung werde sich dem'japanischen Druck nicht beugen. Mr die weitere Politik Chinas. verweist Tschiangkaischek auf.seine Erklärungen' in Kuling vom 10. Juli und die darin enthaltenen vier Mindeftbedingungen Chinas, die heute noch unabänderlich bleiben. Die Grenze des Erträglichen fei nunmehr erreicht. Die Zentralregierung könne'den Konflikt in Peiping und Tientsin nicht als- eine lokale Angelegenheit betrachten. Die gesamte Nation müsse in den K a in P fg e f ü h r t werden. Eine lokale Regelung sei völlig unmöglich. An seinen vier Min- destbedingungen hänge die Existenz Chinas. China sei entschlossen, niemals einen Kompromiss einzugehen. Kein'Gebiet dürfe verloren gehen und die. souveränen Rechte dürften nicht verletzt werden. Nanking. Negierung und Bevölkerung stehen stark unter dem Eindruck eines völligen KmschwnngeS der Lage in Priping, dir Gegenstand-eingehender. Besprechungen zwischen de» Mitgliedern/der Regierung ist. Nach chinesischer Darstellung ist die Wendung durch Meuterei des Generals Schihusnng und der ihm. unterstellten Gendarmerie eingetrrten. Die Wenterer«sachten gemäß einet».bei den Militärstellen in Nanking eingelaufenen Telegramm gemeinsame Sache mit. de» Japanern und besetzten die Eisenbahnstation«rit dem Ergebnis, daß die lotznlen Truppen Priping verlassen, mußten und daß General Sungtschehhnan nach Pao-/ tipg ging, die Macht in Peiping dem Kommandeur.der 38. Division Tschan gts u t s ch« n g überlassend, der wegen feiner Neigung zum Ausgleich mit den Japanern bekannt ist. DI«-»Frie- dcnSverhandkungen" haben bereits begonnen. Unter diesen-Umständen war die 37;. Division gezwungen, di« von ihr besetzten Orte Langfang, Fengtäi und Tungtfchao wieder zn räumen. .. Dien tf in.(Reuter.) Die B o m bar- d i e r u n g T i e n t s.i n S dauerte vier Stun- de«.' An.fchlifßestd. entbrannte/ eine mehrer« Stunden,währende Schachst.in deren Berlanf«S den chinesischen Militärabteilungen«nd der, Polizei• beinahe gelang, deS /japanischen Flugplatzes habhaft zu werden. Die Bombardierung von Tientsin und Umgebung/wurde, von einer ESka- drille vjapanischer. ÄluSztuse.-durchgrführst^ dir. nach dem Abwiwf.iihrrr Bochbenladung wieder nach deck Flugplatz' zur Mfitähm««euer Pom- bem.tzurückkehrlritiMn-alleist SMe»'der Stadt I,derw Flämmen. Räch' Beendigung deS Bomvor- demeätS'herrschte. in.der/ Stadt Grabesstille, dir Während di, chinesische Nordarmee sich Mittwoch durch einige überraschende militärisch« Er- solgr in den Besitz de« entscheidenden Punkte auf der Linie Peiping—Tientsin setzen«nd die japanische Position in Nordchina schwer bedrohen konnte, ist de» Japanern ein Spiel geglückt, daS wahrscheinlich seit langem vorbereitet war und das beweist, mit welchen Mitteln Japan— in diesem Punkt den anderen„dynamischen" Mächten völlig gleich— den Kampf auSzufechten gedenkt. Chinesische General« und ihre lokalen Truppen(Gendarmerie) sind zu den Japanern übergegangen«nd haben Peiping in FeindeShand gespielt. Damit war«S auch den Truppen, die zu der Regierung von Nanking stehen, unmöglich geworden, sich länger in Peiping zu halten. Die nordchinesische Hauptstadt mußte geräumt, die Eroberungen vom Bortag mutzten preiSgege- ben werden. Nur Tientsin ist heftig umlämpft. Die Japaner haben aber durch ein vielstün- digeS Bombardement die Stadt in Brand geschossen. I« Peiping ist unterdeffen«ine nordchinesische Republik auSgerufen worden, womit Japan eines seiner Hauptziele politisch gewonnen hat. ES besitzt neben Mandschukuo nun«inen z w ei t e n Ba fallen st a at und erweitert für alle künftigen Fälle sein FestlandSglacIS, zwischen China und Rußland einen mächtigen Keil treibend. Die Nankinger Regierung will den Kampf r.ber nicht ausgeben. Sie anerkennt dir Abmachungen der Neberläufer nicht. Die europäischen Mächte und di« USA haben sich in China bisher damit begnügt, durch die lokalen Konsularbrhörden Proteste gegen di« unvermeidliche Gefährdung des europäischen Eigentums und deS Lebens der Europäer einzureichen. Japaner und Chinese» bezichtigen, einander gegenseitig der Besetzung deS„BoxerabkomMenS" vom Jahre 1903., bloß von dem Knattern und Knistern der auS zahlreichen Gebäuden züngelnden Flammen unterbrochen war. Der Feuerschein dir brennenden chinesisch-japanischen Universität ist auf einige Meile» Entfernung sichtbar. In dieser Universität wurden gleich früh bei Begin» deS chinesi-,»-»---r»«<•»«»>»„-»»»»-»>»» scheu Angriffes 200 japanisch« Soldaten einge- Kriegszustand versetzt und ihr« Grenzen werde» schloffen und umzingelt und fS ist nicht bekannt, Mi NUljtüpdetachementS der betressenden Machle ob-sie- flüchte».konnten oder- vernichttst-wurden..-'»'rMchützt<—--—~ Marschierende Jugend Achteinhalb Millionen junge Deutsche sind der ErziehungSgewalt des Nationalsozialismus unterworfen. Durch das Gesetz vom 1. Dezember 1938 ist die gesamte deutsche Jugend in der»Hitler-Jugend" zusammengefasst worden. Es gibt keine andersgearteten Jugendorganisationen und keine sreien Jugendbünde mehr, eS gibt keine deutsche Jugendbewegung mehr. Hitler-Jugend und Schule, die ja auch nur noch ein Teil des gewaltigen nationalsozialistischen Parteiapparates ist, sind zu alleinigen Trägern der Erziehung geworden. Dem ReichSjugondführer wurde die Stellung einer obersten Reichsbehörde übertragen. Achteinhalb Millionen junge Deutsche sind der ErziehungSgewalt deS Nationalsozialismus unterworfen— das bedeutet, dass achteinhaiv Millionen junge Deutsche, dass die gesamte deutsche Jugend militarisiert wird. Immer stärker tritt der militärische Charakter der Erziehung hervor. Es gibt keine sportliche Ausbildung ausserhalb der Hitler-Jugend, und die körperliche und geistige Erziehung in der Hit- ler-Jugend hat ganz den Charakter einer Re- k r u t e n s ch u l e. Geländeübungen, Schiessen, Fliegen— Schiehunterricht auch für die Mädchen — sind die wichtigsten Sportzweige geworden. DaS technische Wissen— selbstverständlich mili- tärtechnischesl— und Können wird in Sonderformationen gepflegt, denen die zahlungskräftigen Hitler-Jungen angehören. Die Motor-HI hat 86.000 Mitglieder, die in 600 Motorsportscharen zusammengefasst sind. Die Marine-HI umfasst 118.090 Jugendlich«-und-verfügt. Wer- zwet-See»- sportschulen, zu denen nächstens eine dritte aus Rügen'dazukommen wird. Die Marine»HI hat die besondere Aufgabe, für die Handelsschiffe Besatzungen auszubilden, die sich als Träger der nationalsozialistischen Auslandspropaganda eignen.— Eine besondere Pflege wird der Flieger-HI zuteil; sie ist bereits die an Zahl stärkste Sonderformation. Ausserdem gibt eS noch ,,R e i t e r st ü r m e" der HI. Und selbstverständlich— was wäre in einem Polizeistaate selbstverständlicher I— gibt es auch eine eigene Hitler-Jugend-Polizei. „Ob man die Jugend beim Spiel beobachtet oder bei ernster Arbeit, ob nmn ihre Schriften liest pder ihre Heime besucht, ob man die Lehrpläne der Schulest studiert oder das Treiben m den Zeltlagern verfolgt— ein Wille beherrscht die ganze sein auSgedachte und immer besser arbeitende Maschine: derWillezumKriegi" So heisst es in den Deutschland-Berichten der Sopade, denen wir die vorstehenden Einzelheiten entnehmen. Der Nationalsozialismus muh, will er sich an der Herrschaft erhalten, sich ganz früh schon der Jugend bemächtigen, in ihr jeglichen freien Willen zu ertöten versuchen, sie ans unbedingte Gehorchen gewöhnen und mit dem Gedanken an den Krieg nicht nur vertraut machen, sondern den Krieg als alleinigen Lebenszweck zeigen. Sicher ist nicht alles eitel Freude und Begeisterung in der deutschen Jugend. Vielen Jugendlichen ist bald die Luft am Exerzieren und am Drill vergangen, viele haben den Glauben an die Ewigkeit des Dritten Resches verloren. Aber die deutsche Dil- tatur ist eine gewaltige Maschine, die alles in ihre Klammern zwängt, alle Jungen zum Marschieren zwingt. Deutschlands Jugend bietet heute ein riesiges Bild marschierender Kolonnen. W o- h i n marschieren sie? Haben jene sudetendeutschen Bewunderer des „Führers", die vorgeben, seinen Friedensworten zu'glauben,, sich, schon einmal" Gedanken darüber gemacht, warum denn, wenn diese FriedenSlieve echt ist, die gesamte deutsche Jugend so völlig militarisiert und für den Krieg und für nichts anderes als für den Krieg, erzogen wird? Haben jene nazistischen SÜdetendeiitschen, die so schön für die traute deutsche Familie schwärmen können, schon einmal bedacht, dass die völlige Inanspruchnahme der Heranwachsenden Kinder durch die HI, also durch den nationalsozialistischen Staat, die Kinder den Eltern wegnimmt, sie ihnen entfremdet, also die Familie zerstört? Mag die deutsche Jugend für den Krieg erzogen werden I Mag sie den Eltern entfremdet werden I Der Führer will es, der Führer, der selber keine Kinder hat und deshalb die Jugend einer Seite 2 Freitag, 30. Juli 1037 Nr. 177 ganzen Nation für sich, für seine politischen Ziele verlangt,— der Führer will es und des Führers Wille ist unfehlbar. Es gab einmal eine Zeit— ach, sie liegt gar nicht so weit zurück, wenn sie uns auch heute unendlich fern erscheint—, da ein großer Teil der deutschen Jugend, der wesentlichste, der wertvollste Teil der deutschen Lugend, und zwar der Jugend aller GesellschastSgruppen, nichts von Führergeboten wissen wollten. Esgabeinnial eine eutscheJugendbelvegung und sie Ivar etwas so Einmaliges und etwas so Neues, daß Bücher über dieses„luiturhistorische Phänomen" geschrieben lvurden. Die Jugend hatte sich erhoben gegen den Traditionszwang und gegen alle Bevormundung von oben. Durch ihre Vertreter hatte sie, das war lurze Zeit vor dem Kriegsausbruch, in der berühmt gewordenen Zusammenkunft auf dem Hohen Meißner gelobt,„in eigener Verantwortung und vor dem eigenen Gewissen" zu, leben. Die deutsche Jugendbewegung war nicht allzulange etwas Eigenes, Besonderes, Neues. Die Parteien bemächtigten sich der Jugendbünde, die Alten siegten über die Lugend, indem sie den Hang der Jugend zur Romantik mißbrauchten. Im Nationalsozialismus ist der Sieg des Alten über das Lunge vollständig. Einst zogen die Lungen frei und ungebunden, um sich selber zu erleben, hinaus in die Wälder. Heute darf die Jugend auch romantische Erlebnisse haben— aber sie wird zu ihnen tommandiert. Zu Märschen und nächtlichen Geländeübungen und Rasten an Lagerfeuern, zum Schießen und Marschieren. Ganz Deutschlands Lugend marschiert. „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft." Weisheit aller Parteien. Aber hat der National- . sozialiSmuS nun, da er jeden Lungen in eine Uniform und jedes Mädchen in den Bund deutscher Mädel zwingt und Buben und Mädchen marschieren läßt nach seinem Kommando, wirklich die Lugend nicht nur für heute, sondern für alle Zukunft? Die deutsche Diktatur ist gewiß eine gewaltige Maschine. Aber die klügst organisierte Maschine versagt, wenn ein Teilchen versagt. Die Militarisierung der Lugend—• das ist etwas raffiniert AuSgedachteS. Das ist— eine schöne Besonderheit der Partei, die auf daS Irrationale schwört— etwas höchst Rationalistisches. Aber Jugend— das ist, bei aller Lenkbarkeit der Jugend, bei aller Unfähigkeit zu reifem Urteil, bei allem jugendlichen Bedürfnis nach körperlicher Betätigung, nach einer Unterordnung unter überlegene Führer, doch immer auch etwas nie ganz zu Berechnendes. In der Lugend— und auch in der deutschen Lugend— steckt auch etwas Irrationales, Eigenwüchsiges, Unfaßbares, und dieses Irrationale kann sehr wohl eines Tages dem Kommando, dem Drill, der Uniform, der Gleichabschaltung. entwachsen,.Jugend. ka n».. s ich einmaldaraufbesinnen, wie sie es schon einmal getan hat, daß sie— Fuge n d i st. ES ist keineswegs gewiß, daß sie dann bereit sein wird, nach dem Gebot des Führers zu marschieren. Kai».(Reuter.) Donnerstag vormittags wurde König Faruk ig feierlichem Zeremoniell zum König von Aegypten proklamiert. London.(Reuter.) Gesundheitsminister Kingsley Wood reist SamStag in die Tschechoslowakei, um hier die Wohnungsfrage und die sozialen Verhältnisse zu studieren.,< Dieser sensible, eilvas prononeierte Aesthet fühlte sich aller Waffen beraubt. Gegen den Faktor Hunger konnte er nichts anderes tun, als den Vorschlag annehmen. Denn oben hungerte eine junge Mutter und ihr Kind. Vielleicht hätte er über Kind und Mutter etivaS Rührendes, Zartes schreiben können, aber bei der eigenen Not fehlten ihm alle Impulse, auch störte es ihn, daß dieses Wochenbett eigentlich so der Mittelpunkt war, und seine eigene geistige Depression in den Hintergrund gedrängt wurde. Frau Hardt wiederum wußte, daß weder gute Ratschläge noch Hoffnungsschimmer momentan fehlende Lebensmittel ersehen, aber sie konnte doch Bert kein Geld anbieten, da sie nur über die paar Groschen verfügte, die sie gerade verdiente. Im Zwang deS Augenblickes fiel ihr jedoch Ivas ein. Und mit größter Freundlichkeit flüsterte sie hastig:„Können Sie mir einen Riesengesallen tun? Ich hübe noch zehn Schweizer Franken liegen. Bitte, nehmen Sie sie und wechseln Sie mir das Geld gelegentlich. Ich brauche es erst in einigen Wochen." Dann kramte sie etwas verlegen und eilig in ihrem Zimmer herum und drückte dem Ueberraschten das Geld in die Hand. Im Augenblick vergaß Frau Hardt ganz gern, daß dieses Geld ihrem Jungen gehörte und er ihr es zur Aufbewahrung gegeben hatte. Sie war halt immer dem Moment hingegeben, im zwangsmäßigen Bedürfnis zu helfen, und wenn es aus Kosten ihrer Kinder ging. Bert erriet nur halb den großen Takt dieser Frau, dankte und rannte zur nächsten Wechsel- Irische Bilanz London. Die Bilanz der Terrorakte in Irland und Ulster ist nachfolgender u» t e r IN I n i er u n g einer Eisenbahnbrücke mit teilweiser Zerftörung der Bahnstrecke Dublin—Belfast, Zertrümmerung oder Ntedertrennung von 28 Zollhäusern in der Grenze, ZwangSevakuterung nächtlicher Weise, während welcher die evakuierten Familie« zusehen mußten, wie ihr HanS vom Feuer zerstört wurde, Explosion in einem Belfaster Warenhaus, die ursprünglich für eine Gasexplosion erachtet wurde, und schließlich der vergebliche Versuch der Sprengung eines SonderzugeS mit 750 Polizisten während der Mittwochnacht. Diese wohlvorberei- teten Terrorakte, die den vierten Besuch, den ein englischer König in' den letzten 250 Jahren tn Belfast atstattete, verhüten sollten, ging der „Times" zufolge von der radikalnationalistischen Organisation LRA(Irische Republikanische Ar. mee) aus. ES handelt sich um einen halbmilitärischen politischen Verband, der im Freistaat Irland sowie auch in Ulster verbreitet ist. Seit der Ermordung des AdmiralS Sommerville und O. Firrals, durch Mitglieder dieser Geheimorganisa» tion, hat de Balera die Organisation unterdrückt. Die neuen Terrorakte waren darauf angelegt, de Balera in Verlegenheit zu setzen imd zu verhindern, daß sich eine englisch-irische Versöhnung anbahne» könnte. «Daily Herald" erachtet die Terrorakte als wohl vberkegten Versuch, die seit einiger Zeit in Verhandlung stehende Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Irland und Großbritannien zu durchkreuzen, für welche de Balera arbeitet und der die britische Regierung nicht abgeneigt ist. Russische Vorbehalte zum Spanien-Plan London.(Reuter) Alle an den Arbeiten deS RichteinmischungsauSschuffeS beteiligten Hauptmächte haben dem Ausschuß bereits ihre Antworten auf die britischen Vorschläge■ überreicht. Die sowjetrussische Antwort enthält, obwohl sie die britischen Vorschläge annimmt, zwei wichtige Vorbehalte. Hinsichtlich der Zurückziehung der Freiivilligen drängt die Sowjetregierung darauf, daß die in den Diensten FraneoS stehenden m a- rokkanischen Abteilungen unter die Kategorie der Freiwilligen eingereiht werden. Die Sowjetregierung lehnt auch ihre Zustimmung zur Erteilung deS Kriegsrechtes ab, weil dies im gegenwärtigen Augenblick die Grundlagen der Richteinmischungspolitik zerstören würde. Erst nach Abberufung aller Freiwilligen werde sich' eine neue Lage ergeben und dann werde die Sowjetregierung bereit sein, ihren Standpunkt neuerlich zu erwägen. Der Unterausschuß des NichtinterventionSkomitees wird Freitag nachmittags zusammentreten. Japan lehnt jede Vermittlung abl Tokio. Der japanische Außenminister Hi- rota erklärte im Reichstag, daß Japan eine I n- tervention von dritter Seite in der Nordchinafrage schärfstens zurück w eisen würde. DaS Oberhaus stimmte dem ZusatzhauShalt für die japanischen Maßnahmen in Nordchina in Höhe von 07 Millionen Ben zu und traf gleichstube. Dann kaufte er ungeschickt und teuer allerlei ein, bestellte die Hebamme, welcher er nun etwas Geld geben konnte. Dann bemerkte er, daß der Febertag schon erste leise Frühjahrsreflexe auf Anlagen und Bäumen zittern ließ. Als er heimkam, fand er Mutter und Kind schlafend. Auf dem kindlichen Gesicht der ersteren sah man noch Tränenspuren. Inzwischen traf es sich günstig, daß die Do« rechana zu Portiers hinuntertelephonierte, Frau Hardt niöge sofort, hinaufkommen. Die Dore- chana wollte nämlich zu Ehren der berühmten Schriftstellerin ein echt englisches„Rout" veranstalten. Und da brauchte sie noch eine gut aussehende ältere Person zum Tee-Servieren. Frau Hardt, schien ihr gebildet und durchaus geeignet. So fragte sie sie dann, ob sie ein anständiges, schwarzes Servierkleid besäße, was Frau Hardt verneinte. Nachlässig sagte die Dorechana:„Aber das spielt ja gar keine Rolle. Sie werden sich sofort ei» englisches Sevvierkleid im Kaufhaus auf meine Kosten kaufen." Sie gab ihr einen größeren Geldschein. Frau Hardt fand, diese Gelegenheit günstig:„Gnädige Frau, ich will Ihnen von der Not einer jungen. Familie berichten." Und sie begann von Bert zu erzählen, sie betonte sein Talent(ohne von ihm je etwas gelesen zu haben) und schloß:„Könnten Sie nicht, gnädige Frau, diesen Schein dem jungen armen Dichter stiften, und ich ziehe meinen alten Rock mit der sauberen Waschbluse an?" Und nicht ohne Ironie fügte sie hinzu:„Dann seh' ich sicher auch etwas englisch auSl" Die Dorechana fand diese Geschichte blöde und rührselig. Sie interessierte sich nicht für solche halbverhungerten Dichter, Kabarettkünstler und KaffeehauSgeiger. Es war taktlos von der Hardt, da quasi eine Art Erpressung aufzuführen. Im Moment läutete gerade das Telephon in Klubangelegenheiten. Die Dorechana straffte sich und zwischen zwei Telephongesprächen sagte sie: „Wissen Sie, ich bin der Ansicht, daß wahres Ta« zeitig Vorkehrungen für die Einbringung■ eines weiteren ZusatzhanShalteS für den Fall einer Ber- zößerung in der Beilegung deS Nordchinakonfliktes. Kriegskredit bewilligt Tokio. Das Züsatzbudget zur Durchführung der militärischen Maßnahmen in Nordchina in Höhe von 97 Millionen Aen wurde vom Unterhaus einstimmig angenommen. Mehrere tausend Zivilisten getötet I Schanghai.(HavaS.) Aus Tientsin wird ungeteilt, daß daS Fliegerbombardement um 17 Uhr aufgehört hat. Die japanischen Flugzeuge warfen Brandbomben ab, durch die ein großer Teil der Stadt vernichtet wurde. Man schätzt die Todesopfer unter der Zivilbevölkerung auf mehrere tausendPrrsonen. Seegefecht Tokio. Meldungen aus Tientsin zufolge ist der, japanische Dampfer«„Thoan Marn" am Mittwoch abends an der Taku-Barre von chinesischen Truppen beschaffen worden. Einige Zeit später eröffneten die Chinesen auch das Feuer auf den japanischen Zerstörer„Fuji", der jedoch, von anderen Zerstörern unterstützt, daS Feuer erwiderte und die chinesischen Stellungen bei Taku beschoß. Auch Truppen der japanischen Nordchina-Garnison griffen schließlich in daS Gefecht ein. Via Anklage gegen Niemöller Berlin.(DNB.) Gegen den Paswr Martin Niemöller aus Berlin-Dahlem, der sich seit dem 1. Juli 1937 in gerichtlicher Untersuchungshaft befindet, ist von der Staatsanwaltschaft Anklage beim Sondergericht Berlin erhoben worden wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz, wegen Kanzelmihbrauches, wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen Verordnungen und wegen Zuwiderhandlung gegen die ministerielle Anordnung vom 1. Feber 1987.(Niemöller, im Weltkrieg einer der mutigsten U-Boot-Kommandanien, ist der beliebteste und mutigste Prediger der Bekenntniskirche gewesen.) Niemöller II von neuem verhaftet Berlin.(Havas.) Pastor Niemöller aus Berlin-Dahlem,' der bekanntlich verhaftet und wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, wurde heute von der Geheimen Staatspolizei neuerlich in Haft genommen. Dar mißverstandene Trauersalut Ein Belgrader Idyll Belgrad. Donnerstag fand daS Begräbnis des Patriarchen Barnava statt, daS kirchlichen und nationalen Charakter trug. In dem Bericht heißt eS u. a.:„In vollkommener Ruhe und ohne Zwischenfall wartete die Bevölkerung in dichten Spalieren stundenlang auf den Leichenzug, kniete vor dem Sarge mit den sterblichen Ueber- resten des Patriarchen nieder und rief ihm einen letzten AbschiedSgruß nach. Als dann ein Trauersalut abgefenert wurde, e r s ch r a k e i n T e i l des in der Nähr stehenden P» b l t k u m S in der Meinung, daß rS vielleicht lent sich durchsetzt. Obendrein bin ich allein schon derart beschäftigt, Leute mit dem größten Namen zu bedenken, natürlich nur in der takwollsten Art und Weise, daß ich wirklich nicht iwch mehr minderwertige Talente unterstützen kann. Ich habe ein System, nur dem wirklichen Menschen und Künstler weiterzuhelsen. Aber derartig unkontrollierbare Schicksale sind nicht meine Sache". Dann sprach sie am Telephon weiter, und Frau Hardt wußte, daß jetzt keine Hilfe mehr zu erwarten war, daß aber auch unwiderruflich die Schweizer Franken verloren waren und daß man gegen Ungerechtigkeiten und Härten dieser Welt nicht im Einzelfall angehen kann. Trotzdem war, Frau Hardt Frau genug, um in Miene und Gebärde, ihre Verachtung zu zeigen, als sie verbissen ihre gewohnte Arbeit verrichtete.. Bei nochmaliger, Aufforderung der Dorechana, das 'schwarze, englische Kleid zu kaufen, gab sie sich einen Rück, zog den Geldschein aus der Tasche, legte ihn auf den Tisch und. sagte leise, aber mit tödlicher Sicherheit:„Jch kaufe dieses lächerliche fileid nicht, solange ein Säugling da oben hun» gert." Keifend erwiderte die Dorechana:„Dann können Sie nie essen, nie schlafen, nie kaufen, weil Millionen Obdachlose, hungern." Aber die Hardt hatte schon die Türksinke in der Hand und reagierte nur mit den ganz oberflächlichen Worten:„Es wird in Ihrem Sinne sein, wenn ich nicht mehr^komme, Frau Dorechana!"(Das „Gnädige Frau" sparte sie.sich im Wgang.) Dann fiel die Tür ins Schloß. Inzwischen hatte sich Fräulein Mirza ondulieren lassen.und. mit Behagen die weiche parfümierte Luft des Frisier- und: Schönheitssalons eingezogen. Sie reagierte sehr stau auf Parfüm und alle Gerüche. Sie witterte auch immer Sonne, wenn andere nur Nebel sahen. Dann fühlte sie schon den Kampf der Sonne hinter den Wollen, und die' ersten Strahlen berührten sie wie eine Liebkosung. Sie konnte Stunden lang in der Sonne sitzen oder liegen und tatsächlich aller zu einem Zusammenstoß gekommen sei, und begann auseinander zu laufen, wobei einige Personen, größtenteils durch Tritt«, v e r- letzt wurden. Der Zug setzte unterdessen ruhig de« Weg zur Hl. Sava-Kirche fort. DaS Publikum, zerstreute sich sodann. Der versuch einer Grupp« jünger Burschen, nach dem Begräbnis Demonstrationen hervorzurufen,hatte kitnen Erfolg.' Im Anschluß a« daS Begräbnis d«S Patriarchen ist«S, was die offiziellen Berichte verschweigen» doch vielfach noch zu größeren Krawallen gekommen, wobei auch Schüsse fielen und in Sarajewo ei» Todesopfer zu beklagen war. DI« serbische Kirche setzt StojadinoviL unter stärksten Druck und will die Wahl deS neuen Patriarchen benützen, um die Regierung zu Fall zu bringe». Patriarch Varnava Henkeinterror und Frauenbewegung. Für die deutschen Frauen aus Nordböhmen sprach auf dem Kongreß in LuhaLovie Donnerstag Frau R ö S l e r, die darauf verwies, daß die Arbeit der Frauen in diesem Teil der Republik dadurch erschwert sei,' daß sie auf den T err o r d e r S u- d e t e n d e u t s ch e n Pa r t e i stoße. Die Sudetendeutsche, Partes behaupte.,,jm. Auslande, alle Deutschen in der Tschechoslowakei hätten keinen anderen Wunsch, als an Deutschland angeschlossen zu werden. Das Ausland muß erfahren, daß dem nicht so ist. Die Frauen in Nordböhmen beweisen durch ihre Arbeit, daß. ihnen der Frieden am Herzen liegt. Was für eine Freiheit die Partei Henleins den Deutschen in der Tschechoslowakei anbiete, habe sich kürzlich in London gezeigt, wo bei der sogenannten„Mlnderheitenkon- fereyz" Architekt Rutha, der Außenpolitiker der Partei Henleins, verhinderte, daß der Führer des Bundes der deutschen Landwirte in der Tschechoslowakei, Gustav Hacker, das Wort ergreife. Die Ansprache wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und mif Beifall bedacht. um sich herum ausschalten. Bis jetzt hatte sie kein Erlebnis mit einem Mann so fesseln können wie ihre Sonnenstunden. Aber die Notwendigkeit, zu erwerben, zwang sie ebenso widerwillig zu Männern, wie andere Mädchen in eine Fabrik gehen oder in ein Büro. Al» Fräulein Mirza die erste Frühlingswelle des Febertages spürte, tyurde ihr Schritt langsam und schlendernd. Sie blieb vor Auslagen stehen und besonders gern vor einem Reisebüro: Dort war eS herrlich. Schöne Bilder illustrierten die Fahrten nach dem Süden und erweckten die lockendsten Vorstellungen. Dann bmmnelte Fräuleist Mirza heimwärts und beschloß, ihren neuen Frühjahrsmantel anzuziehen. Diese Aussicht verursachte ei» erwartungsvolles Leuchten tn ihren Augen, und diese, Augen berührten Doktor Glaser, welcher etivaS benommen vom Dienst heimkaM, so tief, daß er plötzlich stehen blieb. Statt des üblichen förmlichen Grußes behielt er den Hut in- der Hand und sagte höflich und leise:„Sie freuen sich auch über den ersten warmen Tag". Dabei schlug-sein Herz wieder so schwer und so seltsam» er befand sich im Zustand eine» herabgleitenden Fliegers. Alles war plötzlich anders. Seine Frau, seine Wohnung:- diese lange sinnlose The entschwanden ihm völlig. Er empfand bliharttg, daß er durch eigene Schuld sein Leben sinnlos gestattet hatte. Er hatte aber kein« Zeit mehr zu tanger R«u« und langsamer Umgestaltung. Das Herz forderte e» anders, und uwbewußt gehorchte er. Mirza ver» stand ohne viel Worte, obwohl sie nicht"wußte, daß hier eine Krankheit das Ausschlaggebende der für Doktor Glaser absonderlichen Handlungsweise sei.- Sie empfand unbewußt, daß dieser' sonst korrekte Mann tödlich einsam sei, dah er völlig' losgelöst von feiner Umgebung vor ibr stand und bettelte. Er,, der Wohlhabende, Gutsituierte, hätte nichts vor ihr voraus::, fast wie., ein verträumter Junge sah er sie zärtlich an..(Fortsetzung folgte Nr. 177 Donnerstag, 29. JuN 1937 (Seite 3 'fadetenqeutsdier Zeitspiegef Der Brüsseler„Peuple“ Uber Heinrich Müller „Le Peuple", das Hauptblatt der belgischen Sozialdemokratie, widmet in seiner Mittwochnummer unserem- Freund und Senator Heinrich Müller, der in Vertretung von Julius Deutsch als erster Repräsentant der Arbeiter-Sport-Jn- ternationale an der Antwerpener Olympiade teilnimmt, einen schönen bebilderten Artikel, in dessen Titel Heinrich Müller bereits als die S e e l e des Arbeitersports inderTsche- choslowaket angesprochen wird. Ein Redakteur des„Peuple" gewann in einem.Interview, das. ihm Müller gab, einen ganz außergewöhn« sich guten Eindruck von unserem Freund, dessen kraftvolles und klares Wesen als Gewähr dafür Ungesehen wird, daß der Arbeitersport und dar-, über hinaus die"Demokratie, von solchen Menschen vertreten, über alle Schwierigkeiten triumphieren werd?. Der Artikel im.„Peuple" schildert erst Müller selber und beschäftigt sich dann mit der Bedeutung, die unsere Sportorganisationen, unsere Partei und unsere RW ay der Grenze des Dritten Reiches im Kampfe, sowohl gegen den Hitlcr- FäschiSmuS als mich gegen die Henleins haben. Die Unterhaltung zwischen Müller und dem Redakteur des„Peuple" erstreckt sich dann auf die Bedeutung der Antwerpener Olympiade und auf die Wiedergabe persönlicher Schilderungen Müllers. Der„Peuple" schließt dann dieses Interview mit der Feststellung ab, welch Glück es doch sei, daß die Arbeiterbewegung solch tatkräftige Männer hervorbringe, die ihr Leben in den Dienst einer so schönen Sache gestellt haben und gegen Wind und Wetter kämpfen, um die sozialistische Idee zum Fiele zu führen. Aufnahme einiger hundert Deutscher In den Pollzeldlenst Im Grenzgebiet Wie wir erfahren, wird demnächst eine stattliche Anzahl Deutscher in den-Staatspolizei- Dienst in den Grenzgebieten aufgenommm werde». ES wird unS berichtet, daß die Gesuche all der deutschen Bewerber, die sich mit der Kenntnis der tschechischen Sprache auSzuweisen vermögen, berücksichtigt werden. Die Anzahl der deutschen Staatsbürger, die im heurige» Jahre in die-Staatspolizei anfgenömmen werden," wird beträchtlich größer sein, als die der im Borjahr AüSgenmsterten und einige Hundert betragen. Die Musterungen werden im Herbst stattfinden. Wir verzeichnen auch diese Nachricht als einen Beweis für den Willen zu fortschreitender Erfüllung der nationalpolitischen Vereinbarungen vom 18. Feber dieses JahreS. Lum Kreissängerfest In Karlsbad«Altrbhlau Vom 81. Juli bis 2. August findet in Ält- rohlau-Karlsbad das 1. Kreissängerfest Westböh» mens statt. Wochen-, ja monatelanges Studium, Proben und UebungSabende waren erforderlich, um das große Programm" von Chormeistern und Sängem durcharbeften zu lassen. Nun steht der wuchtige Massenchorvon 8999 Sängern und Sängerinnen bereit, nicht nur, um der Kunst und dem"Volkslied zu dienen, sondern auch gerade mit jener den Arbeitersängern innewohnenden Kraft durch unsere Kampf- und Freiheitsgesänge die Herzen der Festteilnehmer zu begeistern. Die Arbeitersänger der Gaue Falkenau, Fischern und Komotau hoffen, daß ihre mit so großem Eifer seit fast einem Jahre einstudierten Chorwerke eine große Masse gleichgesinnter Hörer finden werden. Kein Fest, keine größere Versammlung oder Konferenz unserer Partei- und Kulturorganisation vergeht doch, ohne daß ihnen die Sänger festliches Gepräge geben. Nie und nimmer wird ein solcher Wunsch von unseren Sängern abgelehnt, immer sind sie bereit. Und nun dürfen sie mit Recht hoffen, daß ihr 1. westböhmisches Kreissängerfest einen Massenbesuch finden werde. Vas dar„reif' berichtet wird Unserem Karlsbader'„Bolkswille" entnehmen wir folgende Glosse, an deren Spitze ein bezeichnendes„Zeit"-Zitat prangt: .. auch die zahlreichen Fremden, die Karlsbad hochsaifonmäßig bevölkern, konnten es sich nicht versagen, gekleidet in die schmucken Egerländer Trachten, der Veranstaltung beizuwohnen." Woher sie nur schnell das uralte„Brauchgut" genommen haben mögen? War also ganz Karlsbad in eine einzige Eghalanda Gnioi verwandelt/ dann glaubt man auch diesen Satz: „18.999 Trachtenträger marschierten im Festzug besinnliche Abendstunde 1937 Die Sonne ist schon lange untergegangen. Ihre letzten Strahlen treffen von fernher die leichten, in großer Höhe schwebenden Wolkenschleier und überziehen sie mit sanften blauen und roten Farbtönen. Ein Widerschein des schwachen Lichtes fällt sogar auf die Hochauftagenden Stämme der Rotbuchen, die zu beiden Seiten des Waldtale« in die Höhe streben. Um ihre Wipfel spielt noch ein sanftes Glühen, doch im dichten Unterholz und im Talgrunde braut schon die Nacht. Wir sitzen am Berghang und schauen hinaus übers Land. Die matten Konturen der fernen Berge verschwimmen, hie und da blitzt ein voreiliges Lichtlein auf und über den Wiesengründen schweben schon die ersten Abendnebel. Ringsum ist aller still; der Wind schweigt; verschlafen raschelt ein Vogel in seinem Nest.— Die Welt scheint enger geworden zu sein, Nähönmd Fernq UerschtzigMU jg grauen Mtteltönen gehaWnen. Gemälde,, dar eingroßer Meister vor dem Berghang aufgebaut hat. Wie heimlich ist doch diese Stunde zwischen Tag und Nacht I Wie weit ist der Städte Lärm und Enge, wie weit der Mensch mit seiner Unrast und seinen LeidenI Wir gewinnen den Glauben an diese Welt zurück, den Glauben daran, daß diese Erde für alle schön sein könnte, wenn er nur der Mensch verstünde, sich ein bißchen besser auf ihr einzurichten. Auf nachtdunklen Wegen gehen wir den unzähligen Lichtern de» Tale» zu. Wir sind bei den ersten Häusern, als uns gellender Sirenenton zusammenfahren läßt. Trompete» antworten und ehe wir begreifen, war geschehen ist, verlöschen mit einem Schlage die Lichter der Häuser und Straßen. Menschen rennen vorbei, wir sehen weiße Armbinden, ein Feuerwehrauto sucht sich mit Notbeleuchtung seinen Weg. Da tauchen auch schon einige Gestalten mit Stahlhelmen und langen Gewehren auf. In wenigen Augenblicken sind die Straßen dunkel und leer. Nur die Schritte der Posten hallen von den Häuserwänden wider. mit." In Karlsbad selbst, wo man natürlich nicht so unverschämt ausschneiden darf, konstatiert das Badeblatt:„Insgesamt dürften nach übereinstimmenden Schätzungen zweieinhalb bis dreitau- sen Teilnehmer im Zuge gewesen sein." Aber in BudweiS, in Reichenberg und in Aussig kann man den Lesern der Henleinpreffe schon erzählen, daß es 15.999 waren. Auf eine Null mehr kommt es den Aufschneidern ja nie an. Schnellzug überfährt eine Greisin. Der Prager Schnellzug üherfuhr Mittwoch gegen 19 Uhr vormittags bei der Siation Deutsch-Kralup, die 86 Jahre alte Leopoldine HaSler aus Deutsch-Kralup hei Komotau. Die alte Frau wollte den Bahndamm überqueren. Dabei überhörte sie den Lärm de» her» annahenden Zuge», wurde von ihm erfaßt, überfahren und getötet. Wegen de» raschen Fahrtempo» gelang e» dem Lokomotivführer nicht, den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Die Leiche der allselt» geschätzten alten Frau wurde in die Deutsch- Kraluper Friedhofshalle übergeführt. Tertilfachschulen überfüllt. Wie aus Nordböhmen berichtet wird, bat die Konjunktur in der Textilindustrie zu einem Andrang in die Textilfachschulen geführt,, so daß die Jahrgänge überfüllt sind. Die Zahl der Neuanmeldungen z. B. an der Staatsfachschule für Wirkerei in S ch ö n- linde ist so groß, daß nicht alle Bewerber Auf- nahnie finden können, Die Deussche Jugendfürsorge zählt heute In Böhmen etwa 96.999 Mitglieder. Die Zahl der jährlich unterstützten Kinder ist weit mehr als doppelt so groß. Darum: Hinein in die Deutsche Jugendfürsorge i Die Werbung geht weiter! Luftabwehrübung! Samariterübung! Probe für den Ernstfall! Verdunkelte Wohnungen. Gesperrte Straßen. Markierte Lazarette. AerwundetentranSpart. Gasvergiftete. Einige angenommene Volltresser durch Flugzeugbomben. Ueberall Bewaffnete, al» wenn sie die Erde au»- gespuckt hätte. Verstörte Gesichter in den HauS- eingängen, selten ein laute» Wort. Man weiß, e» ist noch nicht Ernst. Bei den ersten Hebungen lachte man noch öfter», betrachtete sie al» eine Art Volksbelustigung. Heute lacht man nicht mehr. Man ist ernster getvorden. Man will e» nicht wahrbaben, aber es Ist so: Die Schreie der sterbende» Frauen und Kinder Spanien», die angesichts der ganzen Welt ermordet werden, ermordet werden dürfen, gellen über den ganzen Kontinent und dringen in unser Bewußtsein.— Der Schrecken vor dem Mög- ,liche».krie zentrationslager in sein Herz ge- chlossen. Nach seinen Angaben gibt cs in ganz Deutschland nur fünf Lager mit 4000 Insassen, und während seines Besuches ini Lager Sachsenburg hat er sich davon überzeugt, daß d i e G e- "angenen Fußball spielen und "ich„in nichts anderem als durch die einfache Gefängnistracht vor irgendwelchen anderen Fuß. ballspielern unterscheiden", daß„sie ebenso alis- gelassen schreien, Plaudern und lachen", wie ihre Sportgenossen in der Freiheit.„Die Ouar- tieresind geräumig, licht, gut ge- heizt und besonders rein und s a u b c r". In der Küche brodelt angenehm duftend das Menü—„Suppe, Kartoffeln und Fleisch"— und als Sven Hedin zu hörcil bekommt, daß die Gefangenen„durchschnittlich während vier bis fünf Monaten acht Kilo an Gewicht zunehmen", ist er von dem Sanatoriumscharakter dieser neudeutschen Erziehungsanstalten ÜöllendS überzeugt. Sogar in der n a z i f r e u n d l i ch e n Zeitung Schwedens gingen denl Rezensenten von Hedins Buch diese Ausführungen über die Hutschnur;„ein deutsches Konzentrationslager", schrieb der Rezensent, „erscheint in Sven Hedins Darstellung wie eine Sonntagsschule. Ich habe selbst deutsche Konzentrattonslager besucht... Entweder muß dieses Regime in den letzten zwei Fahren sich voll, ständig verändert haben, oder aber sind Sven Hedin und der"Unterzeichnete von der Natur mit vollständig verschiedenen Sehorganen ausgestat- tet worden". Natürlich glaubt Sven Hedin fest an Hit- lerS Friedenswillen. Nach den Reisen, die ich in allen deutschen Ländern unternahm und den Gesprächen, die ich mit unzähligen Volks- genossen hatte, habe ich die feste Ucberzeugung gewonnen, daß Deutschland niemals einen. Krieg beginnen wird, falls cs nicht durch eine fremde Invasion oder einen Ueberfall dazu gezwungen wird.... Das ganze deutsche Voll steht hinter seinem Führer, auch in seinem aufrichtigen Be- mühen zum Wohle des Weltfriedens." Aber mit der gleichen Bestimmtheit versichert er, daß der Raummangel für die physische und psychische Enttvicklung des deutschen Volkes mit mathematischer Sicherheit, wenn nichts gemacht werde, zu einem europäi» s ch e n K r i e g f ü l; r e n m ü s s e. Es ist sinnlos, auf Sven Hedins Extrakt aus den nationalsozialistischen Partcidrucksachen, auf alle seine widerspruchsvolle» Behauptungen cinzugehen. Begnügen wir uns damit; zu be- dauern, daß ein Mann mit solch internationalem Ansehen, sich zu Handlangerdiensten für das Hitler-Regime hergegcben hat. Wie im übrigen aus der schwedischen Presse hervorging, überraschte Hedins Apotheose deS Dritten Reiches keineswegs. S e i n e L a n d S- l e.u t c haben sich seit dem Weltkrieg, daran gewöhnt, den Auslassungen ihres Com- patrioten- zu politischen Fragen ,nur mit einem belustigten Lächeln zu begegnen. Beim Anzündcn seiner Pfeift ging der 79jährige Pensionist Fr. Reinisch aus Korneu- burg bei Wien so unvorsichtig um, daß sein Anzug in Brand geriet. Bevor Hilfe herbeigebracht werden" konnte, hatte der Greis schwere Verbrennungen erlitten, denen er e r l a g. Seite 4 «r. 177 Donnerstag, SS..Juli 1987 Mobilgarde löst die Flüßsperre wieder auf Auf. den französischen Flußläufen und Kanälen waren die Kahnbesiher in. einen»Protest» streik" gegen die Einführung der vierzigstündigen Arbeitswoche getreten, und hatten die.Flußläuse durch Bootssperren unbefahrbar gemacht. Die Regierung setzte ein.starkes Aufgebot von Mobilgarde ein, durch welche die Sperren wieder befestigt wurden.- Die Mobilgardisken, die. kurzerhand die Taue lappten, hatten sich vorsichtshalber Schwimmwesten angelegt. Der König der Globetrotter gestorben. In .Honolulu verstarb plötzlich an Herzschlag im Alter von 70 Jahren Julius Brittlebank, der im ganze» Pazifik unter dem Namen„Der Marco Polo des 20. Jahrhunderts" bekannt war. Er war unbestreitbar der König der Globetrotter und hat nicht weniger als 18 Weltreisen gemacht, die ihn möglichst an internationalen Häseu vorbei auf unbekannte Insel» oder an verkehrsferne Küstenstriche geführt haben/Insgesamt hat er über 2 Millionen Kilometer im Laufe seines Lebens ziirückgclcgt, sein Tagebuch enthält hierüber ganz genaue Angaben. Er starb mitten auf seiner 18. Weltreise, deren erste Station Honolulu sein sollte. Er war allen Konsulaten und Behörden seit den letzten 28 Jahren bekannt, so daß der Pisumzwang für ihn fast über« all aufgehoben wurde, da er als einer der Habitus» der Zollämter und Konsulate galt. Eine totstchere Abmagerungskur. Auf der letzten Sitzung der„British Medical Association" betrat kurz vor Schluß der Debatten ein in London recht bekannter Arzt Dr. Hunter das Podium und teilte mit, daß er ein absolut sicheres Mittel zum W- magern wisse. Er könne es allerdings in keinem tlicferat schildern, sondern nur praktisch vor Augen sührcik, freilich nicht im Sitzungssaal, sondern im Zoo. Wer an dieser Borführung teilnehmen wolle, sei herzlich willkommen. lieber 2000 Jnteressenien, eine Armee von Journalisten und Photographen stellten sich von der von Dr. Hunter bestimmten Stunde ein- ES führte seine Hörer vor den Löwenkäfig. Seelenruhig ging er hinein, er war noch im Frack nlit einer Nelke im Knopfloch. In der Hand hielt er lediglich einen kleinen Staubwedel. Die Löwen Ware» so verdutzt, daß sic sich zunächst in eine Ecke zurückzogen. Aber eine Löwin wollte sich den Besucher doch etwas näher anschauen, bewegte sich auf ihn zu und hob sogar die Tatze. Roch immer völlig ruhig, schlug ihr Dr. Hunter mit dem Staubwedel über die Schnauze und sagte laut:»Mund auf, sagen Sic, bitte,„aa"I" Die Löwin brüllte auf, zog jedoch den Schwanz«in. Dr. Hunter blieb so bolle fünf Minulcu im Käfig und hielt die Löwen ohne weiteres in Schach. Dann verließ er ihn, die An« wesenden stellten nun fest, daß er schweißgebadet und völlig erschöpft war. Er konnte noch gerade sagen:„Sehen Sie, meine Damen und Herren, wenn Sie dieses Experiment täglich durchführen, garantiere ich Ihnen 20 Pfund Wnahme in vierzehn Tagen!" Feirer an Bord. An Bord des Dampfers „Josö Antunas" im Hafcir von Belem(Brasilien) entstand ein Feuer. Zehn Personen werden vermißt, neun Personen wurden verletzt. Güterzug zertrümmert das Stellwerk. Ein von Elsterwerda kommender Eilgüterzug fuhr Donnerstag früh im Bahnhof Radebeul-Köischcii» broda auf das Stelltvecl auf und zerstörte es. Vier Personen wurden getötet, eine wurde schwer verletzt. Wie der Pressedienst der Reichs- bahndircktion Dresden niiftcilt, hat der Eilgüterzug das auf Halt stehende Signal überfahren. SF-Sender. Wie die„Schwarze Front" mittcilt, verfügt sie in Brasilien neuerdings über einen Sender„P a m p e i r o", der jeden Sonntag abends aus Welle 21.4 von 21 biö 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit sendet. Mörderischer Greis. In der ungarischen Gemeinde Abasar hat der 84jährige Bauer Pcthes seine 80jährige blinde Frau überfallen und sie mit neuti Stichen getötet. Nach der Tat flüchtete er, wurde jedoch von der Gendarmerie gestellt und verhaftet,•’;■ 1, 60 bis 80 Meter hohe Dünen auf der fast 80 Meter breiten Landzunge. Sie entstanden ähnlich wie der Karst durch rücksichtslose Entwaldung. Ein Teil von ihnen wird heute als Damm ausgeforstet, um das Bcrschütten der Dörfer durch den wandernden Sand zu verhüten. Unterhalb der Hohen Düne liegt das„Tal des Schlvcigens". L>icr, tvo früher ein Dorf verschüttet tvurdc, sammelt jeder seine Reiseandenken. Bor allcni weiße Tierknochen, deren versteinerten Bruchflächen die Struktur von Madrcporcn-Korallen ausweiscn. Die schönsten Neiscandcnkcn sind aber die merkwürdig muscheligen oder geweihartigcn Stücke von vcrstei- nertcni Holz, das durch jahrhundertelange Ausschleifung des Sandes sich zu sonderbaren Holzschnitzereien der Natur umwandclte. Es hat die Farbe von Gummi oder Glaserkitt, in den Bertic- fungen perlgrau. ES ist ein ganz ungleichmäßiges Bruchstück ursprünglich. Aber die großartige Monotonie von Wind und Sand gab ihm in Jahrhunderten fast die Form eines Nautilus. Die gleichmäßige Schleifung hat das Holz, gestreift, wie den Sand ain Ufer, in Stufen gegliedert. Die Hitze hob einige Streifen wie Schnäbel heraus, ohne das Holz zu brechen. Die Bertvitterung schlug Ouerspalten, die sich mit den Karnelierungen kreuzen und förmlich Fifchschuppen bilde». Ein Astknorren wird zum Auge. 2. Eine alte Wetterregel: Stehen am Bortag weiße steile Aolkentürme am Himmel, so stürmt es. Rucktvcise fahren immer vier sechs ineinandergreifende Parabeln von Wasser flach über den Sand; man springt rasch zurück, sonst find die Schuhsohlen noch durchweichter als ohnehin. Die grauschwarze Wand der stampfenden Ostsee, mit den weißen zornigen Halbmonden der Schaumkämme. Sie türmen sich, wie am Bortag die Wolken. Sinken. Wachsen und sinken noch einigemal. Wachsen uns über den Kopf. Stampfen, zerspringen, überschütten uns. Immer weiter müssen Et» Goethe-Zimmer im Marieubader Stadt- Mufenm. Das städtische Museum im Hause „Sanssouci" in Märienbad wurde um ein Goethe-Zimmer erweitert, in weichem alle Erinnerungen an Goethes Marieubader Aufenthalt in'den Jahren 1821, 1822 und 1828 sowie die Erinnerungen an seine Äaricnbader Zeitgenossen untcrgebracht sind: Ulrike v. Lcvetzow,.Pauline Midder-Hauptmann, die Pianistin Marie Szy- manovska. Casimira Wolowska, der er zwei Gedichte widmete. Goethes berühmteund vollständig erhaltene Gestcinssannnlung erinnert an seine geologischen Studien und. einige Herbarium- blättcr künden von dem Botanisieren Goethes im Kaiserwaldgcbict. Niedergeschlagene Sträfkingsrevolte. In der Strafanstalt von Targu-Ocna, einer der größten Rumäniens, kain es Dienstag zu einer Rebellion der Sträflinge, die sich in einem Saale verbarrikadierten und den Wärtern den Gehorsam verweigerten. Da die Rebellion größeres Ausmaß anzunehincn drohte, wurde die Wache hcrbeigcholt. Als die Sträflinge auch Vox der Wache nicht zutückwichen und ihre Haltung immer drohender würde, wurden mehrere Schüsse auf. sic abgegeben. Ein Sträfling wurde getötet; zwei schivcr verletzt. Sodann wurden die Sträflinge in,Einzclzellen abgeführt.. In Mährisch Ostrau wurde von der Stadtvcr- waltinig gemeinsam mit dem Mähr. Ostrauer Aeroklub ein Flugplatz errichtet, der bereits jetzt vollauf den Zwecken der Sportfliegerci dient. Da dieser Flugplatz in Zukunft, zu einem Ivichtige» internationalen Flugplatz.für die Luftverkehrslinien nach Polen/ die Nordstaatcn und Rußland auSgcbaut werden, soll, sobald cS zwischen dec Tschechoslowakei wir zum; Damm zurückweichcn. Zu den sonderbar frostig zarten, scharfrandigen Strandpflanzen, die die lilagraue Farbe verwitterter Baumstämme im Hochgebirge zeigen. . 8. Lautlos, wie auf Socken kommt der Jagdwa- gcn mit uns Wandervögel» durch halbhohen Jungwald. Das Stanipfc» der Pferde, das leichte Zwitschern der Achsen und Lcitcrwagenstangen, verschluckt das hohe Gras, der schnarchende Wind, das Stampfen der Ostsee, die ma» nicht sicht. Sie ist kaum 80 Schritte weit. Auf dieser Strecke und in diesem Tempo sloh vor ettva 180 Jahren die Königin Louise vor Napoleon nach Tilsit. Es gibt keinen Weg. Bon beiden Seiten sprüht uns Gischt triesnasscr Aeste an, die Nadeln bürsten übers Gesicht. Der Wagen tanzt, wirft uns abwechselnd einander auf den Schoß. Meine Nachbarin hält sich fest an mich, ihr Kichern zensuriert, der Wind. Ihr blauer Trenchcoat überströmt meinen weißen Mantel wie ein Tintenfaß. Ich sehe aus wie«in. mittelalterlicher Standcsherr, rechts bla», links weiß.'Wochenlang werde ich Benzin bemühen müssen, aber wer. denkt jetzt daran? Wir fahren doch zu de» sagenhaften Elchen. Noch eine harte Biegung, der Wagen kippt fast um. Eine kleine, von' braunen Tümpeln schimmernde Lichtung. Und— da sind die Elche.- Eine ganze Familie. So sieht, das aus? Knochig, groß wie Pferd«. Mit Kuhblick und Adlernase; mit unwahrscheinlich großen, tellcrartigen Geweihschaufeln. Sie sehen uns und sehen uns nicht. Wir spielen beiderseits Pathos der, Distanz. Da niest ein Pferd. - Die Elchdame steht, gemessen auf/,.Sie staunt uns, über, die- Achsel an. Blickt beiläufig nach dem. Wald.' Wendet sich blitzschnell, stiebt ins Gestrüpp-, Die.anderen nach. Man hört den dämpfen, Donner der-Hufe im Moor. Denn der Wind hat für Sekunden ausgesetzt/ Alfred'E n d l e r.' und Polen zu-einer Vereinbarung gekommen- fein wird, wird cs notwendig werden, diesen Flugplatz dem Umfange nach den Bedürfnissen anzupassen, damit auf/ihm große und schnelle moderne Flugzeuge mit großer LauduiigSgeschwindigkeit jederzeit, auch bei uiisichtigem Wetter, landen könne». Die.Mög» lichkeit der Flugplatzerweiterung wird gegenwärtig im Ministerium sür öffentliche Arbeiten studiert. Glück und Elend in Hollywood. ES ist noch gar nicht lange her, als Jean Acker von Millionen von Frauen auf der ganzen Welk beneidet wurde. Sie war damals die Frau des angebetrteir- Rudolph Valcntino, sie war reich, sie war schön, und man konnte sich keinen glücklicheren Menschen auf der Welt vorstellen als sie. Noch im Jahre 1020 besaß sie ein ansehnliches Vermögen, kurz vorher waren cs Millionen gewesen. Aber dann kam der Bankkrach in Amerika, und sie verlor alles. Als sie arm war,- und als die Erinnerung an Rudolph Balen- tino zu verblaffen begann; kümmerte sich niemand mehr um sie- Sie wurde von ihren Freunden vergesse», und-ihre eigene schauspielerische Begabung war nicht groß genug, nm ihr ein Fortkommen im Mm zu ermöglichen. Und so tauchte sie-wieder in der: großen Masse der Statistinnen unter, sie ver- m'.cd cs, als Frau Balcntino um kleine Engagements zu betteln, und so mußte erst ein Reporter darauf, kommen, daß Jean Acker mit der früher beneideten-Frau identisch sei.-Er. hat sie gesprochen, als sie gerade ihren Wochenlohn abholie,. der genau 18 Dollar betrug.-' ♦• Eine japanische Zeitung in Paris. In Paris erscheinen, wie. man weiß, eine ganze-Reihe'von fremdsprachigen Zeitungen, russische, deutsche, italienische, spauische u. a. m. Aber es gibt auch, eine in Iveiteren'Krciscn allerdings kaum bekannte japanische Zeitung, die gerade auf ihr. einjähriges Bestehen, zurückblicken kann.. Sie heißt.„Nitifutu Tusin" und wird von Hiroatsu Takata hcrausgegeben. Für diese Zeitung existiert jedoch nicht di«.moderne Drucktechnik. Denn sie hat nur eine-Auflage von 100-Stück täglich, wobei 80 an/ständige Abonnenten gehen. Sie' kann nicht gesetzt werden; eine japanische Setzmaschine würde sich in Paris selbstverständlich nicht rentieren. Sie kann nicht einmal mit der Schrcib- maschine geschrieben werden, denn eine japanische Schreibmaschine müßte mindestens 4000, Zeichen haben. Eine, solche Maschine-ist-zwar ccfun.de» worden,'ist aber noch nicht im praktischen Gebrauch, Die Zeitung wird also mit Pinsel, und.Tusche,.genau.wic vor Erfindung der- Buchdruckerkunst, geschrieben. Takata' und seine Mitarbeiter belvältigen /diese Arbeit in täglich vier Stunden. D»uu wird— und das ist das einzig Moderne bei dem Verfahren.— die Zeitung vervielfältigt, allerdings auch nicht aus einem Rotationsvervielfältigungsappgrat, sondern auf, einer alten Kopierpreffe. Der Inhalt der Zeitung setzt sich vornehmlich aus Nachrichten- aus Japan und dem Fernen Osten, zusammen,, und zwar nicht nur politischen, sondern auch aus Lokälnachrich- tcn. Die Beschaffung dieser Nachrichten'.ist relativ einfach: Takata hört täglich abends den S. nder von Tokio ab, wofür. er sich einen/ Ext'rä-Ki'irzwellen- empfänger gebaut hat,Für die 800köpfige japanische Kolonie in Paris stellt die Zeitung,, deren /jährlicher Abonnementspreis.600'Francs beträgt,/ ein-völlig genügendes JnformationSorgan dar. '' Selbstmord wegen eines Fahrrades. Dem 16jährigen Bäckerlehrling Julius Hogl in Drahowitz wurde bei der Markthalle-in Karlsbad, wo-er Einkäufe für seinen.Meister besorgte, dessen Fahrrad gestohlen. Wegen dieser Verlustes hat-der.,Junge sich erhängt, obzwar ihm der Meister;;wie;dieser versichert, keinerlei. heftige Vorwürfe gemacht hatte. Wahrscheinliches. Wetter heute. Veränderlich, zeitweise zunehmende.Bewölkung/ stellenweise Schauer, und zwax besonder» in/den Kartzaflen« ländechi,' mäßig kühl,' West- bis Nordwestwind;';— Wetter«» s-s i ch t e'n/fii.r m o r g e n: Noch unbeständig, ohne. bedeutendere Niederschläge,/ etwa» wärmer, Westwind.‘-.'/■?' J:-' 1 Eisenbahnunglück In Japah T v.k i p.(HavnS.) Der S ü d lv-e st.« schnellzng, dcrvon Osaka aus fährt, ist Mittwoch-in der Station Okajama mit einem LnxuSzug zusammengestoßen. Die Lokomotive und zwei Waggons des Schnellzuges wurden vernichtet. Den ersten Meld,,»gen zusolge würden 8 0 Personen getötet bzw. verletzt. Ole Freundin des Diktators vor Gericht Paris. Das UebertretungSgericht verurteilte Donnerstag Frau Fontagnc, die im März d. I. auf den ehemaligen Botschafter In Rom, Ehäm- brun, einen Revolveranschlag verübt und ihn leicht verletzt hatte, zu einem Jahr Gefängnis bedingt sowie zu einer Geldstrafe von 100 Francs. Frau Fontagne verteidigte sich dahin, daß sie in einem Zustande plötzlicher SinneSverlvirruna. gehandelt habe, da sie in der Vorstellung lebje, daß der ehemalige Botschafter sie in Rom absichtlich um die Freundschaft einflußreicher Persönlichkeiten bringen wollte. Ein Teil der Verhandlung, in welchem Frau Fontagne über ihre B c z/i e h u u- gcnzu„führendenpolitisch en Pc r.» sönlichkeiten in Italic n" aussagt«, wurde für geheim erklärt. Meder ein Erfolg unserer Militärflieger In Zürich Zürich.(SDA) Bei herrlichem Wetter wurde Donnerstag die Kategorie C des Alpen» rundflugeS sür ein» und mehrsitzige Militärflugzeuge und für dreigliedrige Gruppen ausgetragen. Auf der ganzen in drei Etappen— Dübendorf—- Thun—Bellinzona—Dübendorf— eingeteilten Flugstrecke gab es einen harten Kampf fischen der tschechoslowakischen und der reichsdeutschen Stafsel. Die tschechoslowakische Staffel Ivurde auf dem Schweizer Abschnitt von der deutschen über» holt. Die Klassifikation des ohne Unfall verlaufenen Wettbewerbes, ist'folgende: Sieger ist Deutschland geblieben und zwar unter Führung des Hauptmannes Restemaier mit den drei einsitzigen Jagdflugzeugen'.des- Typs Messerschmitt BFW Mc 109. Die deutsche Staffel betoältigte die ganze Strecke in 88 Minuten 62.7 Sekunden. An zweiter Stelle steht die Tschechoslowakei unter der Führung des Leutnants H l a ö o mit der Mannschaft: Zugsführer Pelina und Rottmeister. Sndbl, sämtliche auf Flugzeugen Avia B—684 mit Avia»Motoren von 660/760 PS in der Flugzeit von 1 Stunde 0 Minuten 54.4 Sekunden. An dritter Stelle steht Fr a n k r e i ch auf Delvoitine-Maschincn mit Hispano Suiza-Moto- ren in der Zeit von 1 Stunde 5 Minuten 31.1 Sekunden, und an v i e r t e r Stelle Belgien aus zweisitzigen. Faircy-Fox Apparaten mit der Zeit von 1 Stilndt 7 Minuten 1.4 Sekunden. Belgrad Im Umbau Belgrads Straßen sind jetzt nicht nur unerträglich heiß, sondern, auch unvorstellbar staubig. Das .liegt daran, daß die Stadt sich gelvisiermatzcii selbst den Krieg erklärt hat,- soweit sie älter als drei oder vier Jahrzehnte ist. Alle alten Gebäude sollen nach dem sehr großzügigen Bauprogramm niedergerissen und durch neue ersetzt werden. Das bedeutet, daß auch die schönen alten, gelben, schiefen und unhygicnischen Häuschen verschwinden,... von denen einige noch ün Zentrum der Stadt stehen. Der Gegensatz, der dabei entsteht, kennt, keinen mildernden Uebergang: in einem unheimlichen Tempo worden die Baracken dem Erdboden gleich gemacht— zwei Monate später steht in reinstem amerikanischem Stil an ihrer Stelle ein hochmoderner Wolkenkratzer. Man geht so radikal vor; daß man es später einmal bedauern^vird, nicht wenig- stcns einige der schönsten Baudenkmäler aus der Türkenzeit stehen gelaßen zu haben. Mit dem ganzen Eifer einer sehr jungen Stadt soll.möglichst mit einem Schlage der Schutt von Jahrhunderten fort« geräumt.werden. Dabei geht es natürlich nicht ohne phantastische Staubentwicklung ab. Manche Groteskbilder überraschen da» Auge, und eines von ihnen ist unter dem Titel;Fab!lio, der Hmidschuher" recht populär geworden:'man hat eine Barackengruppe niedergeriflen, die in nächster Nähe de» Monumeytalbau» de» Parlamentes steht. In einer'der Baracken hatte und hat Herr. Kabilio sein Handschuhgeschäst. Alle anderen Mieter haben den Block gern verlaffen. Herr Kabilio berief sich, auf seinen Mietvertrag, der ihm bis zum Winter da» Wohnrecht gibt. Wan bot ihm eine horrende Abstandrsumme, er'wollte bar liebgewor- dene Lokal sticht verlaffen. Man wollte ihn-„her-/ auSekeln" ustd riß da» ganze Hau»'rund.um ihn herum ad. Hundert Meter hoch erhoben sich die Staubsäulen; zwischen.ihnen saß Herr Kabilio'in seinem Geschäft. Jeder Tag Warten bedeutete für'bi«', Bauunternehmer Tausende von Verlust. Als. Kabilio nicht welchen wollte, begann-man, um seinen. altmodischen Laden herum e^nen Koloffalbau zu errichten, der schon bi» zum zweiten- Stock gediehen- ist und bald bis zum elften Swck reichen wird.- Und; zwischen Betonwänden, Zementpfeilern, Chrom«- leisten und Stählgerüsten, Dampframmen-- und, Steinmetzen sitzt nach wie vor- Herr-- Kabilio; und. verkauft so viele Handschuhe, wie noch nie. Sein«-. Existenz ist ein erfteülicher Beweis dafür, daß trotz aller Wolkenkratzer die gute alt« orientalische-Ruhe in Belgrad noch nicht auSgeftorboi ist, Und diese kleine Tatsache trägt erstaunlicherweis« viel-dazu, bei, daß-auch in ,diesen doppelt heißen» Tagen.di« Belgrader ihr kälte» Blut noch nicht ganz verlorenhaben.\-'..' MTP An der litauischen Küste Str. L77 Donnerstag- 20. Auli 1937 Seit, 5 und äoslakpoiilA Die Lohnbewegung der Textilarbeiter in Mähren-Schlesien Ebenso wie in Böhmen hat die Union der Textilarbeiter' in den mährisch-schlesischen Gebieten bedeutende Erfolge ihrer Bewegung zur Wiedergutmachung des Lohnabbaues und der Krisenschäden zu verzeichnen.- Im Gaugebiet Mährlsdi-Sdiänbarg wurde im Anschluh an den Beitrag im Traute« nauer Gebiet bei der H a n n S d o rf e r Flachsspinnerei»ine zwölfprozentige Erhöhung der BertragSstundenlühne erzielt. Nachdem die Ver- fuche, gemeinsame Verhandlungen für die Leinengarnbleichen dieses und des Tra'ute- nauer Gebiets durchzuführen, gescheitert waren, wurde In separaten-Verhandlungen ein Vertrag für daS Schönberger» Gebiet zustandegebracht, der wesentliche Lohnerhöhungen mit sich brachte, wenn auch die Löhne der Trautenauer Vertrages nicht erreicht wurden. Nur zwei Firmen traten dem Vertrag nicht bei. Durch Zusatzvereinbarungen zum Reichsvertrag erzielte die Arbeiterschaft in den Seidenbetrieben«ine Lohnerhöhung von 7 Prozent. Bemühungen, durch«inen Ausdehnungsvertrag die Firma Schefter in Hohenstadt zur Anerkennung der Löhne zu zwingen, find noch im Gange. Bei der Firma Perutz in M.'Roth- wasser sind Verhandlungen angebahnt, die einen Erfolg versprechen. Gaugsbfet Römerstadt Auch hier wurde die siebenprozentige Lohnerhöhung in den Serdenbetrieben erreicht. Soweit die Betriebe nicht VertragSlontrahenten sind, wird durch die BerbindlichkeitSer« kl ä r u n 8 der Vertrag auch dortzur Geltung kommen. 6 In den Sternberger Webereien hatten die bisherigen Verhandlungen noch kein Resultat. Gaugebiet Zwittau Die Fglauer Strickereibetriebe haben' sich zum Abschluß eines Vertrags bereit erklärt. Es werden jedoch noch gleichartige Ber- handlungen, die in den tschechischen Gebieten geführt werden, abgewartet, damit nicht durch einen vorzeitigen Abschluß in Jglau die Möglichkeit, höhere Löhne zu erzielen, verschüttet stird. Der..Abschluß'.eines. Vertrags. in Jglau wäre ein beachtlicher.Erfolg, da dieses Gebiet noch-niemals einen Vertrag hatte. Die Ergebnisse der Verhandlungen in der Seidenindustrie haben auch der Arbeiterschaft des Zwittauer Gebietes Lohnerhöhungen gebracht. Gaugebiet Jägerndorf Die Lohnbewegung in der Jägerndor- f e r Tuchindustrie, die nicht als abgeschlossen betrachtet wird, hat bisher die Gewährung von einmaligen Aushilfen in der Höhe von 199 bis 169 Kronen und Zuschläge für Kinder gebracht. Auch in der Troppauer Jutefabrik wurde die Auszahlung einer einmaligen Aushilfe- von 169 bis 269 Kronen für die Dauer von acht Monaten erreicht, was einer Erhöhung der Löhne um rund 9 Prozent gleichkommt.. In der- Neu titsche iner T u chi n du st r i e betragen die Aushilfen, 199, 299, 809 und in einzelnen Fällen mehr. Gaugebiet Freudenthal Hier.wurde unter Beibehaltung der bisherigen AkkovdbasiS eine Lohnerhöhung von 8 Prozent erzielt, ferner ein 29prozentiger Zuschlag für Nachtschicht.sowie einige kleinere Aenderun- gen zugunsten der Arbeiter. Unter den Textilarbeitern hat nach dem Kvebben der Krise die alte Kampfbereitschaft schnell wieder an Boden gewonnen. Nach den Jahren, welche gerade diese Industrie mit' am schwersten betroffen haben und die Arbeiterschaft bei Lohn« und Arbeitskämpfen In die Verteidigung'drängten, war die Besserung in der Textilindustrie das Zeichen zu den Lohnbewegungen, welche in allen Zweigen dieser Industrie einsetz- ten. Es ist das Verdienst der- Union der Man srhMIt für Kö 100 Reichsmark.»».- 768.— Markmünzen... .. 805.— 100 österreichische Schilling .. 531.60 100 rumänische Lei.. .. 17.05 100 polnische Zlotv.. .. 585.50 100 ungarische Pengö.. .. 565.50 100 Schweizer Franken. .» 658.50 100 ftanzösische Franc-. ,-. 107.57 1 englisches Pfund.. .. 141.62 1 amerikanischer Dollar .. 28.60 100 italienische Lire.. .. 137.90 100 holländische Gulden. .. 1580.— 100 lusoskawische Dinare. .. 64.80 1« Belga» .. 483.75 100 dänische Kronen.. .. 636.— 100 schwedische Kronen.» . l 735.— Textilarbeiter, daß ste als führende Organisation diese Aktionen in Bahnen leitete, welche die gegebenen Möglichkeiten zum größten erreichbaren Erfolg auLnützten. Der Bericht, welchen sie jetzt vorlegen kann, legt daS beredteste Zeugnis für die gewaltige Leistung ab, die in wenigen Monaten vollbracht wurde. Die Arbeitslosigkeit unter den Metallarbeitern Trotzdem die Beschäftigung in der Metallindustrie ziemlich»»genommen hat, hatte der International« Metallarbeiterverband in Komotau, wie sei« Organ, der„3«t Metallarbeiter" mitteilt, zu Beginn deS Monates Juli in feinem Ber- bandSgebiet noch immer 3921 Mitglieder, welche die Arbeitslosenunterstützung beziehen mutzten. Der„I. M." bemerkt dazu:„Bedenkt man, daß dte Einstellung der Krisenunterstützung im Juni viel« Kollegen vont Unterstützungsbezug ausgeschlossen hat, so ist ersichtlich, datz die Arbeitslosigkeit unter den Metallarbeitern keineswegs beseitigt ist.. Bon de» in Unterstützung stehende« Mitgliedern waren 2874 Männer und 147 Frauen." Im Juni hat der Bertand niit dem Für- sorgeministerium einen Betrag von über einer Million Kronen an auSbezahlten Arbeitslosenunterstützungen verrechnet, wobei die Krisemmter- stützung, welche rund 96.990 Kronen betrug, nicht inbegriffen ist. Die Anzahl der UnterstützungStage betrug 82.000» der Betrag, welcher auS eigenen Mitteln aufgebracht wurde, fast 300.000 KC. (MTP.) Der neue Konflikt zwischen China und Japan ist ein ausgesprochener Festlandskonflikt. Seit Jahren haben die Japaner auf dem asiatischen Kmtinent nicht nur wirtschaftlich und imperialistisch, sondern vor allem rein militärisch Posten bezogen, und wenn eS zum Kriege kommt, sind sie hier strategisch und taktisch geschult und gerüstet. China braucht von den Japanern nicht mehr von den Küsten her angegriften zu werden, da es viel leichter von Mandschukuo und von Nordchina her zu erreichen'ist. Darum werde» in einem durch die Ereignisse sehr wahrscheinlich gewordenen offenen Krieg zwischen Japan und China die Flotten nur eine sekundäre Rolle' spielen. Zu dieser Rolle ist die chinesische Flotte ohnedies verurteilt. Denn während Japan im Laufe der letzten vierzig Jahre eine ungeheure Flottenmacht— die drittgrößte der Welt nach England und den USA— aufgebaut hat, stecken die Wicderaufbaubestrebungen Tschiang-Kai-TschekS auf dem Gebiet maritimer Rüstung noch immer in den Anfängen. Wenn man weltpolitisch von Seeinteressen und Seekon- slikten im Fernen Osten spricht, so meint man ja auch niemals die zweite„gelbe" Flotte, die der Chinesen^ als möglichen Gegner der japanischen, sondern.stets ftemde„weiße". Flotten, nämlich die der USA und Englands, die hier ihre Interessen und Kolonien zu schützen haben. Trotzdem macht der chinesisch-japanische Konflikt auch«Ine Uebersicht über die Flottenstärke beider Nattonen aktuell. Seit 1989 hat Japan seine schon damals sehr starke Flotte weiter in einem sehr erheblichen Maße ausgebaut. Das erste Bauprogramm, das bis zum Jahre 1987, ja, sogar noch bis zum nächsten Jahre reichen sollte, ist 1981 verabschiedet worden und sah den Bau von vier Kreuzern, zwölf Zerstörern, acht Unterseebooten und einer Reihe kleinerer Einheiten(Minensucher u. a.) vor. Es ist sehr bezeichnend für die Entwicklung der japanischen Seerüstung, daß dieses Programm bereits 1988 überholt worden ist, und daß Im gleichen Jahre ein weiteres Zusatzprogramm beschlossen und vont Parlament verabschiedet ivurde, das wiederum zwei Kreuzer, vierzehn Zerstörer, vier Torpedoboote, sechs Unterseeboote und neben den kleineren Einheiten diesmal auch noch zwei Flugzeugmutterschiffe enthielt, Seit -damals ist auch dieser Plan überholt, in immer' schnellerem Tempo wurden, ohne daß jahrelange Programme bekanntgegeben wurden, neue Schiffe .aufgelegt und gebaut. Seit dem Ende des Flottenabkommens hat sich die Rüstungstendenz zur S«e nur noch weiter verstärkt. Die Zahlen für die japanische Kriegsflotte, die wir nachstehend angeben wollen, sind darum bestimmt überholt und bezeichnen höchstens den Stand von 1986/38. Damals besah Japan: zehn Schlachtkreuzer» von denen die größten die aus den Baujahren 1919/21 stammenden 82.729 Tonnen verdrängenden„Negato" und„Mutu" sind. Sechs dieser Panzerschiffe sind nach dem Kriege gebaut. Die Kreuzer-Flotte umfaßt 46 Einheiten, von denen acht ganz neu, nach 1986 gebaut sind! Rund di« Hälft« der Kreuzer verdrängen über 8699 Tonnen. Die Zerstörer- und Torpedobootflotte hat-182 Einheiten, an Unter- Gis 40-Stundenwodie In Frankreich Das französische Arbeitsministerium hat Erhebungen über die Zahl der Beschäftigten unter besonderer Berücksichtigung der Wirkungen der Arbeitszeitverkürzung durchgeführt. Das Ergebnis der Enquete ist außerordentlich aufschlußreich. In den Betrieben, in welchen die 49-Stun- denwoche noch nicht eingefiihrt wurde(bie Einführung geschieht bekanntlich branchenmäßig nach einem besonderen Verfahren), waren im heurigen März 728.167 Arbeiter beschäftigt, um nur 1486 mehr als im vorjährigen März. In den andern Betrieben arbeiteten Heuer 1,489.999 Personen, um 88.999 mehr als im Vorjahr. Nach fachmännischen Schätzungen wird die allgemeine Durchsetzung der 49-Stundenwoche die Einstellung von einer Million neuer Arbeitskräfte zur Folge haben. Gis Arbeitszeitverkürzung • Im polnischen Bergbau Die polnische Regierung hat, wie wir bereits gemeldet haben, durch drei Verordnungen die Arbeitszeit im Kohlenbergbau neu geregelt. Die erste Verordnung sieht die Kürzung der täglichen Arbeitszeit untertags auf siebeneinhalb Stunden vor, die zweite fetzt die bisher zwölfstün- dige Arbeitsbereiischast auf acht Stunden herab, die dritte kürzt die Arbeitszeit für besonders gefährliche Beschäftigung im Bergbau auf sieben und in besonderen Fällen auf sechs Stunden täglich. Die erste, und dritte Verordnung treten am 1. September,.die zweite tritt am 1. November d. I. in Kraft. Die wichtige Frage des Lohnausgleichs wird in den Verordnungen überhaupt nicht erwähnt. Es wurde auch nicht bekanntgegeben, ob die Lohnfrage Gegenstand einer besonderen Verordnung sein wird. In einem Kommentar der amtlichen Presse-Agentur heißt es nur allgemein, daß die Verordnungen schon in nächster Zeit ergänzt und vervollständigt werden können. Sollte die Lohnfrage nicht in befriedigender Weise gelöst werden, sind große Lohnbewegungen im polnischen Kohlenbergbau nicht zu verhindern. seebooten besitzt Japan mindestens 76, was für 1986 die ossizielle Zahl war. Bon ganz besonderer Bedeutung sind für Japan die Flugzeugmutterschiffe, von denen es sechs besitzt. Sie können zusammen 329 Flugzeuge transportieren, ungerechnet der Flugzeuge, die die größeren Kampfeinheiten mitführen. Der'Mannschaftsbestand umfaßt rund 19.990 Offiziere und 169.099 Mann. Stellt man diesen eindrucksvollen Zählen, hinter denen sich noch eindrucksvollere Angaben über die Bestückung und über die allermodernste Ausrüstung der japanischen Kriegsflotte verbergen, diejenigen der chinesischen Flotte gegenüber, so wirken sie nahezu grotesk. Denn im Jahre 1933 besaß China kein einziges Panzerschiff, insgesamt zwölf Kreuzer, und nur acht Zerstörer und Torpedoboote. Bon kleineren Einheiten kamen rund 49 winzige.Kanonenboote dazu, aber die Kreuzer blieben bei rund 2699 Tonnen Verdrängung, können sich also mit denen der japanischen Flotte überhaupt nicht messen. Der größte Kreuzer ,Haishi" hat nur 4899 Tonnen Verdrängung, aber dafür ist er auch 1898 gebaut, allerdings 1927 modernisiert. In den letzten vier Jahren sind gewiß einige Veränderungen eingetreten, und es sind insgesamt rund 49 Einheiten hinzugelommen, von denen jedoch der Großteil nach wie vor auf Kanonenboote entfällt, deren Tonnage nicht einmal 109 Tonnen erreicht. Die schnellsten, 1935 von Italien gelieferten Kanonenboote, erreichen bis zu 40 Knoten in der Stunde, sind aber nur 40 Tonnen groß. Bei den Kreuzern ist man bei 2600 Tonnen geblieben. China hat jetzt eine Haupt- flotille solcher Kreuzer in Foo-Chow, einem Kriegshafen gegenüber von Formosa, stationiert. Dieser Flotille gehören die drei modernsten, zwischen 1981 und 1986 gebauten Kreuzer„Ping- Hai",„Ning«Hai" und„Ming-Hai" an. Die zweite Seedivision hat an ihrer Spitze den alten Kreuzer„Haishi" und ist in Kanton stationiert. Die dritte befindet sich in Tsingtao, hat aber lediglich Einheiten unter 1000 Tonnen Verdrängung. Der Mannschaftsbestand der chinesischen Kriegsflotte ist 16.000, ihre Gesamtton« nage bis heute erst 60.000. Wie man sieht, ist die chinesische Kriegsflotte für irgendwelche Kampfhandlungen größe- den Ausmaßes viel zu schwach. Ihr bisher einziger Zweck war die Ueberwachung der Küsten, und zwar sticht gegenüber einer angreifenden ftemden Flotte, sondern gegenüber Piraten'und Schmuggler«, und hier taten die Kanonenboote, die weit die Flüsse hinauffahren konnten, gewiß ihre guten Dienste. Nr Maler und Anstreicher Berlin. In Kronenburg(Hifel) ist ein« Meisterschule für Malerei errichtet worden, die . Mjnisterpräsident Göring unmittelbar untersteht und den Name«.Hermann Göring-Meisterschule für Mälerei" trägt. Zum Leiter der Schule hat Ministerpräsident Göring den Maler Professor Werner- Peiner berufen, der Mitglied der preußischen Akademie der Künste ist. Walter Kolarz: Das Regime Blum Preis KS 16.— Bei allen Kolporteuren oder beim Berlagr Zentralstelle für daS Bildungswesen, Prag XU, Slezskä 13. Gefilers Gesandter bei Wilhelm Teil Infolge des Beschlusses der Schweizer Regierung, einen Diplomaten der Franco-Regierung anzuerkennen, ist der frühere LegationSsekreiär der spanischen Gesandtschaft in Bern, Toca, dazu ausersehen worden, unter der Bezeichnung»offizieller Vertreter des Generals Franco" mit allen Vorrechten eines Missionschefs in Bern zu amtieren. Nähre Diplomaten (mb.) Die chinesische Presse tellt mit, Mitglieder der diplomatischen Korps in Peiping hätten die chinesischen und die japanischen Behörden darauf aufmerksam gemacht, daß dar Boxer-Protokoll Kämpfe innerhalb eines Umkreises von zwanzig Meilen um Peiping verbietet.— Da werden aber die Japaner einen Bombenschreck belommen und sofort ihre Generale angewiesen haben, das Boxerprotokoll striktestens zu respektieren! Hilfsaktion für Generalskinder Air Bord des Dampfers„Heluan" trafen in Genua aus Sevilla kommend 789 spanische Kinder zu einem italienischeit Ferienaufenthalt ein. ES handelt sich zum Teil um Waisen der im Kantpf gegen die Regierung gefallenen spanischen Soldaten. Unter den Kindern befindet sich auch die T o ch t e r des spanischen Generals Q u a i p o de Llano(womit wohl alles Nötige über den sozialen Charakter der Aktion gesagt ist l)> AlphonS macht sich„hoffähig" Die römischen Korrespondenten der Pariser Abendblätter berichten über die ausfallende Versöhnung zwischen dem ehemaligen König von Spanien Alphons XIII. und dessen Gatttn Victoria, von der er bereits seit fünf Jahren getrennt lebt und mit der er nicht einmal während der Hochzeit seiner Kinder zusammentraf. Die Ursache der jetzigen Versöhnung soll darin liegen, daß General Franco mehrmals offen von der Möglichkeit einer Wiederausrichtung der Monarchie in Spanien gesprochen hat. „Goten" ,(A.-P.) Das deutsche Propagandamiiliste- an rium hat die„Entdeckung" gemacht,, daß di-' Kroaten-Germanen gotischen Stammes seienI Großzügigerweise werden auch die Slowenen in diesen„neuen gotischen Stamm" einbezogen. Diese vorläufig papierene Annexion ist natürlich eine Etappe des Vordringens nach Südosteuropa. Die Wirtschaftsoffensive der„Technischen Union" soll jetzt auch noch raffenpolitisch unterstützt werden. Es paßt wenig zu den LiebeSbeteue- rungen an die Belgrader Adresse, wenn man dergestalt die Kroaten zu gewinnen sucht und wiederum ausgerechnet Kurs auf die rechtsextremistische Frank-Partei nimmt. Einer ihrer Führer, Dr. Buc, fand sich bereit, in Versammlungen die neue„Theorie" vor kroatischen Zuhörern zu popularisieren. In Binkovici hatte er aber damit wenig Glück. Kroatische Jugendliche vertrieben ihn aus dem Saal, und er mußte unter polizeilichem Schutz das Hasenpanier ergreife». Die Kroaten scheinen also auf ihre gotische Abstam- mung kein allzu großes Gewicht zu legen. Ein Bekehrter Richt alle, die als Francos Freunde nach Spanien kommen, kehren auch als Francos Freunde zurück. Ein früherer Verehrer Francos, der eben ans Spanien zurückgekehrte jugoslawische Journalist und Presseattache an der Berliner Gesandtschaft, Z i r n j a n s k i, der z. B. dem Einzug in Bilbao beigetvohnt hat, gibt in seiner Enttäuschung über die Denkweise der Umgebung des Generals im Belgrader R e g i e r u n g s o r g a n„B r e m e" wahrhaft erschütternde Eindrücke wieder. So hat ihm beispielsweise der Chef des Geheimdienstes, der Francos uneingeschränktes Vertrauen besitzt, wörtlich gesagt:„Es gibt in Spanien kein soziales Problem. DaS Land ist reich, und der Bauer lsbt im Wohlstand. Nur die kommunistische Propaganda hat in der Welt die Meinung verbreitet, daß Spanien ein Land sozialer Konflikte sei und sozialer.Reformen bedürfe." Der.enttäuschte Verehrer bekennt, daß ihm bei dieser Auskunft die Haare zu Berge gestanden hätten. Sagen habe er aber nichts dürfen, denn die Gefängnistore öffnen sich leicht und schnell in diesem Lande, selbst für allerbeste Freunde, die mit wertvollen Empfehlungen gekommen sind. Zirnjanski bi-stä-, ttgt den Tod des Falangistenführers Manuel Hedilla und achtundvierzig seiner Gesinnungsgenossen, di« sämtlich ohne Verfahren und Urteil „das Schicksal Röhms" ereilt hckbe. Das nationale Spanien kann bei ihm keine Begeisterung mehr erzeugen.„Es ist das furchtbare Spanien alter Zeiten, das Spanien der Inquisition und der Mord« ohne Urteil." Ein nationales Spanien ohge-soziale Reformen sei keinen„Katzenschwanz" wert. Die gelben Botten des kernen Ostens Sette 6 SiUtalbemafait 1 WteiMfl. 30, In« 1937. Ne. 177 ——-— Schwere Autokatastrophe bei Präs UebermUdeter Chauffeur— ein Toter, drei Schwerverlebte gast täglich fallen dem Motor Menschenleben jum-Cpfec und vielfach trägt die sträfliche Unvor- sichtigkest der Autolenker die Schuld daran. Allerding» können sich in vielen Fällen die schuldtragenden Autolenker darauf berufen, daß sie ihrerseits wieder ein Opfer der rücksichtslosen Ausbeutung ihrer ArbeiiSkrast durch ihre Dienstgeber sind. In welcher Weise der gesetzlich gewährleistete Achtstundentag im Autotransportgewerbe gehandhabt wird, ist ein Problem für sich. Mittwoch abends lam er zu einem neuerlichen schweren Autounglück uMveit Prags, da» vorläufig rin Todesopfer und vier Schwerverletzte forderte, von denen keineswegs feststebt, ob sie sämtlich mit dem Leben davonkommen werden. Der Lieferwagen einer Zijkover Gemüsefikma, da» Lastauto Nummer ..19.483, nahm in Strakonitz mehrere Kisten Heidelbeeren und sonstiger Waldfriichte auf und trat gegen 21. Uhr die Rückreise nach Prag auf. Am Steuerrad sät- der' Chauffeur Rudolf B l i e k, neben ihni nahm dec 28jährige Jan Hudee Platz, auf der Plattform de»- Wagen lagerten sich die Mitfahrer Josef«mas und Josef Houdek. Nach etwa ztveistUndiger Fahrt, kurz nach Verlassen' der Ortschaft Mni» ek, 28 Kilonieter von Prag, fuhr das Auto plötzlich.auf die rechte Straßenseite.. und rannte mit voller Wucht gegen eine Telegraphenstange. Wie sich später her- auSftellte, wurde die Telegraphenstange mit solcher Wucht entzweigebrochen, daß ihr oberer Teil zwei Meter weit zur Seite geschleudert wurde. Der Wagen geriet mit- dem rechtsseitigen Räderpaar' in den Straßengraben und fuhr, obwohl der Chauffeur mit allen Kräften zu bremsen versuchte, noch sechzehn Meter weit. Schließlich überschlug sich der schwer beladene Wagen dreimal und begrub die vier Fahrer unter sich und unter der Last der aufgeladenen Kisten. Al» einige Minuten später dar von dem Chauffeur Jaroslav Saba gelenkte Lastauto, dar gleichfalls mit Gemüse und Obst beladen war,, die Unsallstelle passierte, fand es den umgestürzten Wagen und neben und Unter ihm die vier leblosen Körptr der unglücklichen Fahrer. Der Mitfahrer J.a n H o u- dekwar bereits tot.. Er hatte eine Schä« delzertrümmerung und verschiedene änderet schwere Verletzungen erlitten. Die übrigen drei Fahrer waren sehr schwer verletzt und wurden nach der ersten Hilfeleistung in das Krankenhau» übergeführt. Ihr Zustand'ist sehr ernst. Wie bereit» festgestellt/trägt an dem Unfall hauptsächlich die Uebermüduna d e r. C h a u f f e u r r die Schuld, der nach ganztäg iger schwerer Arbe.it den Wagen s o schnell al» mögt ich nach Prag bringen sollte. Ofsenb.ar Hai ihn die Müdigkeit am Lenkrad übermannt, so daß er die Herrschaft über den Wagen verlor.' ArteiiSMfälle. Vorgestern abend» wollte auf dem Gut de» Emil Bondy in Michle die 82jährige Arbeiterin Kathariiia Venelik von einem Heuschober heruntersteigen,. wobei sie von der Leiter stürzte Und bewußtlos liegen blieb. Die Rettungsgesellschaft brachte die. Schwerverletzte auf die Kli- nik- Jiräsek. wo ein Bruch der Halswirbel festgestellt wurde.— Bei Ausbesserungsarbeiten in einer Pension in Bubenetsch begoß sich der. 82jährige Arbeiter Stanislaus Teska mit siedendem Asphalt, der ihm über die Beine floß. Mit Brandwunden 2. und 8' Grade» wurde er auf die Klinik Bezeeny gebracht. — Der 28jährige Zimmermann Franz Cerny stürzte gestern vor einem Neubau in Krä von einem Brett, da» unter ihm zerbrach, drei Stock tief zu Boden. Mit einer schweren Gehirnerschütterung und einem Bruch de» Oberschenkel» wurde er auf die Klinik Jiräsek eingeliesert. AuSflugtzzüge der tschechoslowakischen StaatS» bahnm. Boni 81. Juli bis 1. August AuSstug in» Blaue(70 Kilometer) 74 Ki; am 1. August in den Nlährischen Karst(Macocha) 180 Xi; am 8. August nach Hirsch berg 98 Ke; vom 7. bi» 10. August Rundfahrt durch Mähren 590 KL; vom 7. bis Iß.. August durch Heu Böhmerwqld 440 Xi. Anmeldungen und Informationen ich Basar, neben dem Wilsonhahnhof, Telephon 88885. Bauarbeiter-Streik. Mittwoch sind 840 Arbeiter, die. auf dem Neubau von 14 Zinshäusern auf dem Belvedere' in Prag VII beschäftigt sind, in Streik getreten. Sie fordern von der Bausirma, Ingenieur Beika, Lohnerhöhungen von ungefähr 10 Prozent. Die Neubauien gehören einem Konsortium, dem u. a. auch der Oberdirektor der Zivnobanka Dr. Preiß angehört. Rabiater Untermieter. In der Zävij-Gasse in Zi.skov geriet gestern' nachni. der 47jähr. Wohnung»« Inhaber Franz Bubenik mit dem 25jährigen Arbeiter Wenzel. Pavel, seinen Untermieter, in Streit, weil dieser mit dem Zins im Rückstand war. Hiebei warf Pavel den Bubenik in,eine Glastür. Bubenik erlitt burch die Scherben mehrere Schnittwunden im. Gesicht und am Halse und mußte auf die Klinik Jiräsek gebracht werden. Zur Spanienkundgebung der Prager SJ Die Sozialistische Jugend, Kreis Prag, übermittelt un» folgende .Erklärung:.. Die„Rote Fahne" berichtet in ihrer Folge bom 24. Juli 1987 in einem Artikel: ,.Einheitsfreunde und Einheitsfeinde in.der SJ" über die Solidaritätskundgebung, die am 18. d. M. in unserem Lager in Johannesberg bei Gablonz stattgefunden hat. Die ungenaue Berichterstattung der„Röten Fahne" könnte Anlaß zu Mißverständnissen geben; daher sehen wir uns veranlaßt, folgende Berichtigungen, vorzunehmen: 1. Die Kundgebung wurde auf unseren ausdrücklichen Wunsch lediglich von der Prager und Reichenberger SJ veranstaltet.. 2. Da» Thema der Kundgebung beschränkte sich auf eine Darstellung der spanischen Ereignisse. Die Ausführungen de» Vertreter» de» Verbandsvorstandes der SJ, Genossen Pah, und des Prager OrgäNi- sationsleiter», Genoffen Ktekek, ergänzten einander, ohne daß eine Unterschiedlichkeit der Meinungen sest- zustellen gewesen wäre. Es entspricht nicht der Wahrheit, daß Genosse Patz in diesem'Zusatnmen- hange einheitsfeindliche Aenßecungen getan hat.'7 8. Er ist unzulässig, au» den Ausführungen re» Prager Redner» üher die Sowjetunion und„ dih Rolle der Trotzkisten im spanischen Bürgerkrieg' Folgerungen bezüglich innerorganisatorischer Angelegenheiten zu ziehen. Sozialistische Jugend, Prag. Da» Archiv de» Nationalmuseum». in Prag bleibt im August geschlossen. Bewußtlos im Straßengraben wurde gestern nachmittags von Vorbeigehenden der 16jährige Raseurgehilfe Franz Cerny aus Cakowitz. gesunden; sein Rad, dessen Hintere Bremse fehlte und dessen vordere beschädigt war, lag neben ihm. Im Krankenhaus auf der Bulovka wurde festgestellt, daß er außer mehreren Rißwunden eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hatte. Al» er das Bewußtsein wiedererlangt hatte, konnte er sich an gar nicht» mehr erinnern und über die Art seines Unfalls keine Angaben machen..,' ..'Sich selbst, gefangen. Der 27jährige Bäckergehilfe'Franz Janou» aus Holleschowih kroch gestern mittag» unter die Decke eine» scheinbar herrenlosen Auto» vor dem Masäryk-Bahnhof, da« Mt Fleisch und Speck beladen war, um zu stehlen; al» er erwischt wurde, hatte er 28 Kilogramm Fleisch und drei Stück Speck zum Mitnehmen vorbereitet. Der Wagenlenker, der im gegenüberliegenden Gasthaus mittagmahlte,.bemerkte, als er.»Urückkam, eine ver» dächtige Bewegung unter dem Wägentuch und sprang hinzu, während Janou» versuchte, davonzulaufen, sich- aber'in» Tuch verwickelte und zu Boden fiel. Ehe er stch. befreit hatte, war ein Polizist zur Stelle, der ihn auf die Sicherheitrwache brachte. Die Mutter verzeiht... ' Prag, k-rb«) Vor dem Einzelrichter GR. Dr. Kry s't ü sek war der 24jähr. Bohumil Hejny tze» Verbrechen» der schweren Körperverletzung, begangen an.der eigenen Mutter, angeklagt. Die in. Frage stehende Missetat geschah am 28. Mai d. I. Am Morgen diese» Tage» wollte die Mutter de» Angeklagten diesen aüfwecken, damit.er rechtzeitig zur Arbeit gehen solle. Der junge Mann hat aber, einen harten Schlaf und so wußte sich die Mutier nicht ander» zu Helsen, al» daß sie ihm einen Krug kalten Wasser» über den Kopf, schüttete. Daraufhin fuhr der Angeklagte aus dem Schlaf auf, ergriff, das Grammophon, das auf seinem Nachttisch stand und warf e» nach seiner Mutter. Da» gewichtige Wurfgeschoß traf nur allzugut. Die Mutter brach bewußt- lo» zusammen und erlitt außerdem eine Verrenkung der Unterarme» und eine Schlüsselbeinverletzung, Der Angeklagte verteidigte sich damit, daß er durch' den kalten Wasserguß erschreckt, aus dem Schlafe aufgeschreckt worden sei und nicht recht gewußt habe, wa» er tue. Als ihm der Richter die Unglaubwürdigkeit dieser Verteidigung vorhielt, gab er zu, da» Grammophon ergriffen, zu haben, da» dann'„seiner Hand entfallen sei". Wie der Richtet aus den Akten konstatierte, ist Bohumil Hejny als roher Geselle'bekannt/ wegen'einer Sittlichkeitsdelikte» vorbestraft und genießt schlechten Ruf. Die Mutter, die als Hauptzeugin bei dieser Verhandlung auftreten sollte, erschien nicht vor Gericht. Dafür richtete sie an den Staatsanwalt ein Schreiben, das wir nachstehend im Wortlaut zitieren: „Löblicher Herr Staatsanwalts Bitte, seien Sie so gütig und lassen Sie meinen Söhn Bohumil frei. Er ist ein braver Mensch und im Guten läßt sich mit ihm auskommen. Ich muß drei Kinder ernähren und mich verläßt schon, die Kraft. Jetzt sind Erntearbeiten und er. könnte sich dabei etwa» Geld verdienen. Sonst wäre ich genöttgt, meinem Leben ein Ende zu machen. 3m voraus herzlichen Dank für günstige Erledigung..." Bdhunstl Hestiy befindet stch seit zwei Monaten in Untersuchungshaft. Dar Gericht erkannte ihn im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn un- ter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Monaten schwerenKerkerS. Eine bedingte^ Verurteilung war mit Rücksicht auf die Vorstrafen de» Angeklagten ausgeschlossen, indessen ist chie Strafe durch die UntersuchungS- haft verbüßt, so daß der Wunsch der Mutier jirt. Erfüllung ging. Der Angeklagte wurde.sofort auf freien Fuß gesetzt. Das Aergernls der alten Sunsfer Prag, t-rb-) Dieser Tage wurde vor dem Bezirksgericht ein heiterer Fall verhandelt, der wie ein 'Plagiat an einem alten Humoreskenstoff anmutet. Eine ledige Dame reifen Alter» hatte einen Heinrich George kn Ibsen»„Stützen der Gesellschaft" Studenten, der in einer Wohnung hauste, die gegenüber ihrem Fenster liegt, wegen Erregung „öffentlichen Aergernisse»" zur Anzeige gebracht. Die züchtige Dame hatte daran Aergerni» genommen, daß dieser entartete Jüngling völlig nackt bei offenem Fenster allerlei Leibesübungen vorgenom- men habe, durch die da» empfindliche Schamgefühl der Anzeigerin auf» gröbste verletzt worden sei. Tatsächlich' wurde gegen den uissittlichen jungen Mann das Verfahren eingeleitet. Im Zuge de» Verfahren» ergab sich aber die überraschende Tatsache, daß die„gegenüberliegende" Wohnung de» Uebel» täterS durch einen Platz von den Fenstern der sittlich entrüsteten Dame getrennt ist und die. Entfernung der Heiden Fenster gute 200 Meter beirägt. Wie weiter festgestellt wurde, konnten die„unsittlichen". Körperübungen des Studenten aus der Wohnung wer Anzeigerin überhaupt nur mit Hilfe eine» F e r n, g l a s er wahrgenommen werden. Der Angeklagte würde natürlich freisgesprochen. Der Mn. Ein neuer Erich Kästner-Film?„Die verschwundene Miniatur", der jüngst, erschienene humoristische Roman Erich Kästners(dessen Kinderbuch„Emil und die Detektive" seinerzeit' in Deuffchlantz. verfilmt wurde) ist von der Metro-Goldwyn-Mayer'in Hollywood zur Verfilmung erworben wordem 7- Auster Kraton wird Regisseur. Der einst berühmte Filmkomiker Buster Keaton, der vor''zwei- Jahren einen schweren Anfall von ÄemiitSkrankheit erlitt, wird' jetzt, wie man au» Hollywood-erfährt, feine Filmtätigkeit von neuem beginnen, nicht-mehr als Darsteller, sondern als-Regisseur von Kurzfilmen. NkeLnsaaekkiekten- Naturfreunde, Ortsgruppe Prag. SamStag, 81. Juli, Treffpunkt 148 Uhr auf dem Smichover Bahnhof, Fahrt nach Revniee und Wanderung über den Brywald- Kamm auf den Plesivee und nach Hostömitz; führt: Platz. Joseph Ressel Von Friedrich Iraner, Karlsbad") Joseph Ludwig Franz Ressel, dessen Schicksal viele tvesenövertvandie Züge niit dem anderer bedeutender Männer der ehemaligen österreichisch- in.garischen Monarchie aufweist, ist ein Sohn Böhmens, Am 29. Juni 1798 erblickte er zu Ehrudim das Licht der Welt. Sein Vater Anton Ressel, eiü k. k. Mauteinnehmer, stammte aus. dem böhmisch-sächsischen Grenzland, aus Heinersdorf bei Friedland, einem-Industriegebiet, dessen Bevölke- rinig Unternehmungslust, Gründlichkeit, ein ausgeprägter'Ordnungssinn und jene Forschheit und Geradheit im Denken auszeichnen, die ganz besonders dem. Erfinder der Schiffsschraube,Joseph Ressel,, eigen, waren, Charaktereigenschaften, die ihn bei der Erreichung"seines Zieles ost in schickere Konflikte mit der Umwelt brachten. Seine Mut- terir die tschechischer Herkunft war, mochte ihm in seiner Kindheit die ersten Worte und Gedanken in ihrer Muttersprache beizebracht haben, aber schon mit dreizehn Jähren wurde er. aus dieser Umgebung gerissen; er verließ seine Heimat,-um an dem Gymnasium' in Linz den Mittelschulstudien zu obliegen. Budweis, Wien, Laibach, Venedig und Triest waren' von nun an-die Staiionen seiner' Lebenspilgerschaft. In Budwei» trat er mit sechzehneinhalb Jahren als Zögling in das Bombardier-Corps ein, wo in ihm unter der Anleitung des Haupimanns .* Dieser Aufsatz tst- gekürzt des Verfassers Buchmanuskript„Märtyrer ihrer lieber-, zeug» ng" entnommen.- S m o l a der Grund zu seinen mathematischen Kenntnissen und späteren Fähigkeiten gelegt wurde. Im Jahre 1812 kam er an die Universität nach Wien, wo-er zum ersten Male den Plan faßte, die archimedische Schraube, von elektrischen Kräften getrieben, für eine Flugmaschine zu verwenden. Später aber kam er auf den Gedanken, ihre Anwendung für die Schiffahrt zu erproben, wo sie von der Dympsmaschine betrieben werden sollte. So kam es zu einem Entwurf der Pro», pellerschraube, die seit dieser Zeit fiir jedes Luftfahrzeug, sei es ein Luftschiff, sei es ein Aeroplay, unentbehrlich ivurde. Von Jugend an war Ressel.von dem Wünsche beseelt, durch seine Erfindungen nicht bloß der Wissenschaft, sondern auch dem praktischen Leben zu. dienen. Deshalb'war er auch auf änderen Gebieten wissenschaftlich und erfinderisch tätig, wodurch er sich-eine solche allgemeine Bildung' in technischen Fragen aneignete, daß er an einer Reihe von Erfindungen einen bedeutenden Anteil hat;, so z. B. erfand er einen neuen Pflug-' eie neue Olivenpresse, schenkte'der- Schiffahrt-eineneue Bussole, schuf durch seine Erfindungen, bessere Möglichkeiten der Entwässerung von Süinp- feil und der Bewässerung der Sandebenen bon Aegypten, schließlich geht auf ihn die Erfindung der pneumatischen Briefpost mittels Röhren,-die' Zwischen zwei Stationen gelegt werden,. zurück. Das wissenschaftliche Rüstzeug hiezu„ hatte sich. Ressel aü» den Vorlesungen über Landwirtschaft, Chemie, Mechanik, Naturgeschichte und. Physik, die er an der Universität hörte, geholt. Da. qber seine Eltern- das Gesd. für das Hochschulstudium ihres Sohne»- nicht.mehr, aufbringen konnten,.müßte er umsatteln. Ein kaiserliche» Stipendium gewährte auf zwei Jähre da» Studium an der.Forstlehranstalt in Marsabrunn. Den 'dritten Jahrgang aber konnte Ressel trotz seines .ausgezeichneten Studienecfolges nicht mehr besuchen,, da die kaiserliche Unterstützung nur für den Unterhalt der beiden ersten Jahrgänge ausreichte. Ressel trat in den praktischen Forstdienst ein, der ihn zuerst nach Krain,. dann, nach Triest und Venedig führte.>-.7 Ein Wendepunkt im Leben Ressels war die zu Begiyn des Jahres 1821 nach Trieft erfolgte Ber« sehung. Die herrliche Lage, und Umgebung der Stadt, das blaue Meer und die Möglichkeiten, peue.Ideen praktisch zu erproben, waren für-sei«, nen Aufenthalt- in' dieser Stadt richtunggebend 'und bestimmend. Aus-dieser Zeit stammen mehrere-Entwürfe zu-einer Reihe von später fertiggestellten Arbeiten. Unter ihnen befinden sich mich ein„Belväfferü.ngSplan der Ebenen. Aegyp- tens durch das Njltvasser"^ Jm.Jahre.1868 war der deutsche Dichter-Ingenieur M a x Eyth mit der praktifchen Lösung der von-Ressel angeschnittenen Fragen beschäftigt... Zur Tragödie in.Ressels Leben gestaltete sich gber seine Erfindung'der Schiffsschraube, der al» Schraubenmutter da» Wasser dieyen sollte. Diesem genialen Gedanken, der durch seine Einfachheit so bestechend wirkt-, lag eben, die Vorstellung von der Benutzbarkeit des Wassers als'Schrauben» hipfter zugrunde.. Am.11. Feber. 1.827 erhielt.er chä».Patent„für eine. Schrapbe-ohnf Ende zur 'Fortbewegung der Schiffe", i Anfangs war die ^Schraube im Vorderteil- des'Schiffes eingebaut, später änderte. Ressel feine Anordnung dahin ab, -daß sie am Hinterteil der Schiffe» anzubringen jsei, wo. sie heute noch nach mehr-al» hundert Jah- iMMHÜNperäNdert'.heMhrt'.hat, . Wenn auch schon vor Ressel her eine oder der) andere Techniker mit dem Gedanken der Schiffs- fchraube. gespielt hatte(vgl.' K. Karmärsch, „Joseph Ressel und seine Ansprüche auf die Erfindung der Dampfschiffssibräube" in„Unsere Zeit", VH. Band, 1888, S. 880 u. ff.), so war ihre Anbringung an einer exponierten Stelle de» Schiffes sehr unpraktisch, ja gefährlich, da sie von jeder ftürmischen Woge und verborgenen Klippe weggerissen werden konnte. Ressels großes Verdienst war es, der Schraube an einer solchen Stelle de» Schiffskörper» ihren Platz angewiefen zu-haben, wo sie-gegen alle äußeren Gefahren gedeckt ist. Er war sich.aber auch der Bedeutung seiner Erfindung so bewußt, daß er sie neben der Dampfmaschine, der Eisenbahn und dem Telegraphen zu den größten Erfindungen der Menschheit, zähltd. Er ließ' sich' auch von'den Spötteleien der Triester Bevölkerung-nicht irre machen, diei-beini Atibhck des ersten BersuchsfchiffeS'intden' Ausruf ausbra- chen:„Will er Mit der Schraube das Meer'mi- bohren?"?---» " Im Juni'1829-fand in der Adria zwischen. Triest und Venedig.äuf- einer Strecke, die.bishrr im Betriebe dgr englischen Firma William Morgan gestandest war, die'den Verkehr mittels eines kleinen.. Raddampfers.' herstellte,'., die. berühmte Probefahrt der„Cicketta" statt, ,Die. Schraube dieses Dämpfirs,'dermit.dem Geldepes Triestiner Großkaufmanns Ottavio. F o n t ä.n''q, aüf^her Werft Pämftli vom Schisfsbaumeister Vincenz Zano'n mit einem Fäffungsverin.ögen von 33 Tonnen und einem Gesämtdeplacement'von',48 ,Toi;- nen erbaut wdrvdn war, wurde.durch eine Dampfmaschine von sechs PÄ angetriebep... Ä'eider zwang ein Röhrbruch iM Dampfkessel nach fünf Minute» die.Fährt eittzüstellen,'"-7--',''fSchluß folgt-)-, i B.e z» g» d e d i n g u n g- n: Bet Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich Ci ist.--, vierteljährlich Kä 48.—, halbjährig Ki 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif-billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—> Rückstellung von Manuskripten erfolgt stur-'bei Einsendung der Retourmärken.— Die Leitungsfrankatur wurde von der Poft- Und Tele» .. grävbtndirekiion mit Erlaß Nr.l8.8llÜjVlI/1980 bewilligt.— Druckerei:...Orbi»". Druck-. Berlag»- und. 8eitung»-A,-Gl,,Prag...-. j.' 7-