8entralürga» der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiteryartel t« der Tschechoslowakischen Republik Erschotot«««nooohme»O« Montag tägttch frNH EtnzOlpret» 70 ch-U-r Redaktion».Derwallcmg: Prag XU., Fochova SL- Telephon S3V77- Herausgeber: Siegfried Taub— Berantw. Redakteur I.V.: Zdenko Neuwirth, Prag W^KWWM lllllll Samstch», 3i. Wr M? Hus dem Inhalt: Furchtbares Eisenbahnunglück; ?. In deir tzlälip von Paris „Volksgemeinschaft“ Iri Worten, nicht In Taten Ein neuer Erfolg des Internationalen Metallarbeiterverbandes Nr. 178 Atus-Mit$lieder bei Antwerpen verunglückt Genossin Irma Schmldt-PreBburs getötet Vier weitere Exkursionsteilnehmer verletzt Ein furchtbares Unglück, welches Freitag eine Gruppe von’ Mitgliedern der Atus-unidn/traf, die züi* Arbeiter-Olympiade nach Antwerpen gekommen waren, wurde gestern abends cjurch eine Nachricht des Tsch.Presse- Büros bekannt. Die spät abends eingelangte Meldung lautet: Freitag nachmittags um 13 Uhr 3p stieß In der hlähe des Dorfes Hover, zehn km von Antwerpen, e|n Autobus mit 28 Teilnehmern der III. Arbeiter- Olympiade, durchwegs Mitgliedern des tschechoslowakischen Arbelter-Turh- und Sportverbandes Atu», mit einem Traktor zusammen. Elne Person wurde getöt e t, vier v e n I etz t. Das Opfer des tödlichen Unfalles ist dieSQJätirige Irma SdimidtdUs Preßburg; Ihr Mann Otto Sdi m i d t hat eine sdiwefe Gehirnerschütterung erlitten. Schwerverletzt Ist auch Her«. mlne P e s ch e I aus Odrau in Mähren, leichtverletzt sind Karl O ff rt e r; und Anna M o n a r t h aus Preßburg. Die Verletzten wurden In das Kran- kenhaus in Antwerpen geschafft. J:‘. Die Meldung besagt weiter, daß sich der Bürgermeister von Antwerpen Huy S m a n und die leitenden Funktionäre der internationale sofort an den Uhglüdcsort begoben haben. Ein genauerer Bericht über das Unglüdc, welches in der ganzen Arbeiterbewegung diejf lebhafteste Antellhahme her« vorrufen wird, wbr bis ElnitHuhluÜ nicht 0u erfanden. Der neue Vasallenstaat’ Die Loslösung Pelplngs/ In Tientsin wird hoch gekämpft Edens LMywn-pttn aussichtslos? Nichteinmischungsausschuß vertagt ' Lende«. In der FEag-Sitz««g des NMera«rsch«fft» des Nichtinterventionsausschns- see erklärte der dentsche Botschafter Von Ribbentrop, daß der Sowjüverband dadurch^ daß er die Zuerkennuug der Kriegsrechte an beide spanische Parteien.ablehntr, de« ganzen.britische« Plan' umgestoßen Habe,. Botschafter Ribbentrop fügte Hinzn, daß es unter diesen Umständen unnütz sei, in die Detaildebätte Über die britische» Borschlüge eitUiigeHen nitd^aß er sich die Stellungnahme seiner Regierung von alle» lüesichtspunkten aus Vorbehalten mÄse.„Wir Deutschen wissen schon lange," sagte Ribbentrop, „daß etz. ohne ikmgrrifep des Howsaverhandrs in Spanien keine« Bürgerkrieg gäbe". Schließ- lich erklärte der' demsche Boischästtr, tigß sich chlltz Mitgliedy: des Nichtinterventionsausschnffes ein für allemal z« BewflWI« Kriege» müsse«, daß jegliche Maßnahme. der NichtiiftdrveätioaSa»-- HMM welche sich auf Spanien bezieht oder, die titzLWmiyceaaririt beider spastische« Parteien erforderlich machen würde, in Ankstast nur»sttxr der B e d i» g»« st durchgeführt werd«, kann, daß alle im Ausschuß MtkrHD'Staate» V öW her da» MWjrJ** zuerkenuen.• Die Schnng de» Unterausschnsse».dauerte drei Stunde«.. Wie verlautet, kam der Unte r- ausschnß zu keiner Entscheidung. Z» Begin« der nächsten Woche dürfte er z« einer neuen Sitzung komme«. Der französische Botschafter Corbin betonte, daß Frankreich alle wesentlichen Punkte der britischen Planes angenommen hat und somit gewisse Zugeständnisse gemacht hat, war leider von den übrigen Ausschußmitgliedern nicht festgestellt werden könne, Der italienisch« Botschafter Brandl.erklärte, daß et mit der Kundgebung Ribbentrops voll übereinstimmr. Der Sowjetbotschafter Majskij erklärte«. a.r Ribbentrops Urteil über di« Sowjrtantwort sei ungerechtfertigt und ungerecht. DaS einzige Ziel der Nichteinmischung soll die Verhinderung der Lieferung von Kriegs- und Menschenmaterial nach Spanien sein. Die Zuerkennung der KriegS- rechte ist eine Frage, die in keiner Wkise mit der Nichteinmischung»usammenhängt. Der Vorsitzende schlug schließlich vor, die Beratungen ans einen' von ihm zu bestimmenden. Tag, wahrscheinlich Donnerstag oder Freitag nächster Woche z«. vertagen. Der Antrag des Borsitzenden wurde angenommen. . London,■(Reuter.) Das Parlament trat Freitag zum-letzten'Male vor de« Ferien zusammen. Der Oppositionsführer Major A t t l e e ersuchte die Regierung um eine ausdrückliche Erklärung,"daß das Parlament einberufen werde, bevor die Regierung eine neue Politik einleite, in welcher die Zuerkennung der Rechte einer kriegführenden Macht än.General Franco cfttuell werden würde.... Lloyd George übte scharfe Kritik.an der?.Regierung, 7 insbesondere, an ihrer VöÜer- bündSpolitik, Und rügte>eS, daß England wegen, der Vermittlung im SpanienkoNflikt und im Fern- ostlousliki nicht an den Völkerbund herangetreten sei. Nach der Ansicht Lloyd Georges sei der Nicht.ejnmischungSpakt ein völliger Fe h l s ch l a g gewesen und zum Zusammenbruch: verurteilt, da jene S t a a t e n, deren Vertreter,ihre Unte.rfchrist unter.das Nichinterventionsabkommen g e s e tz t habest, hie furchtbarsten W a f f e stund-ahÜose K ä m p f e nach S p a n j e n e st t sestden, nachdem sie sich vorher verpflichtdt hatten, weder eiste Ka« nonenochein^Flugzeug, noch eistem einzigen Mastn nach'Spanien zu- entsenden. Die Doktrin, daß die Berträge«ist. Blatt. Papier.seien, ist heute ist Europa vorherrschend und da, wolle der Mini- Tokio. Der Sprecher des Außenamtes gab der Auffassung Ausdruck, daß„der größte Teil der militärischen Aufgaben der Nordchina-Garnison>m Gebiete boN Peiping und Tientsin bereits gelöst", sei. ES sei möglich(I), daß jetzt in Peiping chinesische Organisationen entstünden, die zur Führung der Verwaltungsausgaben japanische Hilfe beanspruchHl und aus denen Träger der Autonomiebewegung erwachsen könnten. Eine solche Entwicklung widerspreche nicht der japanischen Zusicherung auf Unantastbarkeit der chinesischen Souveränität in Nordchina. WaS hier verschämt als Möglichkeit bezeichnet wird/ ist selbstverständlich längst vorbereitet gewesen und wurde- inzivischen durchgeführt. Wie die, Agentur Domei meldet, ist in Peiping der»Ausschuß zur Aufrechterhaltung des Friedens" bereits gegründet. Dem Ausschuß gehören 40 Mitglieder an. Die Kommünalverwaltung von Peiping, die Handelskammer,‘ die Bankvereins- sterpräsident mit den anderen Mächten einUeber- einkommen für einen großen W e st p a k t treffen. Lloyd George sprach sich gegen die Zuerkennung des KrieqSrechtes an die Spanier aus. Auf die Frage der Befestigungen, bei G i b r a l t a r. übergehend, erklärte Lloyd George, eS sei ihm unverständlich, daß Frankreich die. Entwicklung im Mittelmeer so ruhig mit angesehen habe. Elemen- eeäu hätte nicht zugelqffeii, daß bei einem Bündnis zwischen dem saszistischen Deutschland und einem feindlichen Italien, die Mittelmeerinseln so befe« stigt würden, daß die Verbindungen zwischen 'Frankreich und. den nordafrikanischen Kolonien unterbrochen sind, ES sei ihm unerklärlich, warum Frankreich nicht gehandelt habe. Er glaube nicht an einen unmittelbaren, Krieg, könne aber noch weniger ddrän glauben, daß die Regierung bereit seh gegen die militärischen Diktaturen aufzutreten.'■'' : Dapn ergriff Außenminister Eden das Wort und erklärte,tdätz'es.gefährlich wäre, jn'der Welt die Vermutung aufkommen zu lassen, daß die englische Regierung.— mag kommen' waS wolle — keine Aktion unternehmen, würde. Die Regierung hat. nie etwas AehstlicheSerllärt. Im. Ge-. >,enteil, wir hasten das genaue G e g e n t e I I er klärt., gung, die Presse, die übrigen Selbstverwaltungs» verbände und die führende BUrgerschicht haben je.sechs Verteter delegiert. Borsitzeiider des Ausschusses ist Ehianchaotsugg. - In Peiping herrschs gegenwärtig Ruhe und alle Formationen der; 29. chinesischen Arme» haben die Stadt verlassen. Sie sind- in. südlicher Richtung abgezogen. General Suntschejwan' und die führenden Offiziere antijapanischer Gesinnung haben ihr Quartier in Paotinfu aufgeschlagen. Kämpfe um Tientsin Washington. Offizielle Nachrichten bestätigen, daß die Situation in Tientsin auch weiter- hin sehr kritisch ist. Die Kämpfe zwischen den Japanern und Chinesen dauern an. Der Eisen- bahndenst zwischen Peiping und Tientsin ist unterbrochen. Die japanische Artillerie bombardiert fortgesetzt den Bahnhof von Tientsin. Die auswärtigen diplomatischen Vertreter bemühten sich vergebens, die Einstellung der Kämpfe zu erreichen.' Es wird hart beim Ostbahnhof, in der Umgestüng der Post, der Polizeidirektion und in der Umgebung der Universität von Nankai gekämpft. Aufruhr gegen die Eindringlinge - Tokio. Da- KriegSministrrium bestätigt die Nachricht, daß die Gendarmeriebrigade in Tungtschau, welche der. autonomen Regierung von Osthopei zur Verfügung gestellt war, gemeutert und die Kaserne der japanischen Garnison belagert hat. Sie'mußte sich aber zurückziehen, als die japanischen Flugzeuge begannen» sie zu bombardieren. Seeräuber In Aktion ' Madrid.(HavaS.) Das Kommando' des Generalstabes der Marine hat- bekannt. gegeben, daß ein unbekanntes Unterseeboot einen Angriff gegen die beiden Petroleumdampser„Zorroga" und*„Saustan" und den Damstfer„Andunte- mendi" unternommen habe, welcherdie Schiffe ist dje französischen Gewässer begleitete. Der An» griff, fand üm IO.Iü» Uhr statt und zwar schon in den französischen Gewässern in btx: Nähe des Lhuchtturmes' von Estinguette. Der Dampfer „Anduntemend!" wurde leicht beschädigt. Die Schiffe, fuhren dann in den französischen Hafen. Irrsinn aus Irland oder„dunamlsdie“ Politik? Die: terroristischen Gtandardleistüngen,.die der irische: Nationalismus> zum KönigSbesuch ist Ulster'vollbracht hat,, lenken, die AufMerksamkest der Welt auf eist Problem, das man seit ändert- halb Jahrzehnten steigelegt und begraste».wähnte. Dey^ irische,.Nationalismus hat' keinerlei.triftige Gründe zu Beschwerden. Jrlgnst hat'.' seine alte Forderung»ach Home rule, nach SHbstregierüNg, in dem äußersten Umfang durchgefrtzt, der sich noch Mis der'Zugehörigkeit, des Landes zum Bri- Uschen.Reich vereinbaren ließ. Bor..kurzem hat der Ministerpräsident de Valero ein übriges ge- ton.Er hak auch die letzten Reste einer britischen Oberherlschast,■ also die Souveränität des'König?, das Amt des Gouverneurs^ dir als Vertreter des Königs eingesetzt war,' er hat die englische Per«. tretung Irlands!m Völkerbund annulliert und Jtzlgnd elNe.Perfaffijstg gegeben,. dir das Land zur völligsoiwtzränen Repubtik macht, die an England,nur noch.ein VertragSverhältnis binden kann, daS zwei völlig gleichgestellte Staaten mit- eistastder reingehen.^Ejigland hat auch: diese. Herausforderung hinsteyommesti^,indem es sie igno« rirrt hat. Aber die neue Verfassung Irlands geht noch weiter. Sie statniett'-dje Zugehörigkeit Nord» irlands des protestantischem U l st e r. zur irischen. Republik und erklärt den. jetzigen Zustand der. Zugehörigkeit Ulsters zu BritäüNleN; lediglich alS ein.Widerrechtliches- Provisorium. Nordirlano aber will englisch bleiben. und England denlt nicht, daran, die protestantMen..UIÜttleUte^der^ Oberherrschaft ihrer katholischen und irtsch-Natio- nalen StammeSgenossen auszuliefern. So har London denn in diesem einen Punkt auf die Herausforderung geantwortet, indem'es den König nach Ulster reisen ließ. Es hätte ihn beinahe den Kopf gekostet. Der irische Nationalisnrus, der sich heule die fehlende» Konfliktstoffe mit allen Mitteln erzeugt(so. durch die künstlich betriebene Wiedereinführung der fast schon ausgestorbenen irischgälischen Sprache), ist das Schulbeispiel eines tollen, durch kein wirtschaftliches, kulturelles oder politisches Interesse zu erklärenden Nationalhasses. Nur alter Groll, nur die Sucht nach R a ch e für ehedemerlittene Unbill vermag eine Erklärung für den irischen Nationalismus zu bieten. Die Engländer* hatten Irland durch Jahrhunderte derart mißhandelt, daß ein Jahrzehnt eben nicht ausreicht, alles vergessen zu machen, daß ein wilder Haß zurückblieb, der nach immer neuen Mitteln sucht, sich selbst die errungene Freiheit zu bestätigen, den Briten immer lvieder einen neuen Tort anzutun. Für die wahnivitzigen Terroraktionen aber, die sich beim Besuch des Königs ereignet haben, taucht in der Weltpresse noch eine andere Erklärung auf. Man weist auf Verbindungen zwischen den irischen Ultras und den Nazis hin. Ob das nun stimmt oder nicht, erklärlich ist es schon, daß man auf. diesen Gedanken verfällt, llleiß man doch heute, daß der Nazismus eine große, über alle Kontinente verbreitete Organisation besitzt, deren Arbeit in Spanien z. B. sehr gründlich und verhängnisvoll gewesen ist. Es fragt sich nun, ob es einen weltpolitischen Sinn für den Nazismus, für die„dy- namischen" Mächte überhaupt(daß die Dynamik dicht beim Dynamit wohnt, bestätigt sich eben immer wieder), für die potentionellen Gegner Englands in einem europäischen Krieg hätte, sich Irland zu sichern. ' Während des Weltkrieges hat Deutschland große Hoffnungen auf Irland gesetzt, aber diese Hoffnungen sind nicht in Erfüllung gegangen. Die durch U-Boote besorgten WafsetranSporte waren schwierig und unzureicheyd, der Aufstandsversuch Sir Roger CasementS endete damit, daß der Jrenführer, kurz nachdem er laö deutsche U- Boot verlassen hatte, verhaftet und bald darauf hingerichtet wurde. Erst nach dem Krieg, brach der -irische Aufstano wieder mit aller Macht los. 1914 bis 1918 haben, irische Regimenter sehr tapfer gegen die Deutschen und für England gekämpft. Die Lage hat sich aber auch hier stark geändert, die Bedeutung Irlands, seine kriegspotentiellen Kräfte, sind getvachsen. Heute haben die U-Boote einen größeren Aktions- radtuS^/si« sind schneller, größer, besser geschützt, seetüchtiger geworden. Ejue deutsche U-Boot« Lloyd George stellt Eden Die Regierung zum Handeln entschlossen? Teile 2 SamStag, 31. Juli 1037 Nr. 178 Greift Korea ein? Eine Karte zu den irischen Ereignissen Mehr als zwei Drittel der Insel Irland gehören zum Irischen Freistaat, der nach den augenblicklich »och gültigen Rechtsverhältnissen ein britisches Dominion ist. Ministerpräsident de Valera will für den Irischen Freistaat die völlige' Loslösung erreichen und«ine vollkommene Gleichstellung— wahrscheinlich in der Form eine- bundeSgenössischen Ber- hältnisses— Herstellen. Die zu England gehörende Provinz Ulsterer ein'kriegführendes Irland auf der Gegenseite,, fo kann auch Liverpool blockiert, die britische Seefahrt, die im Ka nal, die" im Mittelmeer, die im Atlantischen Ozean von Spanien und der afrikanischen Westküste ans bedroht Ivird, auch unmittelbar vor den eigenen Hafentoren von Flugzeugen und U-Booten be drängt, vielleicht lahingelegt werden. Irlands Landstrcitkräfte werden nie aus reichen. über die Seo hinweg England anzugreifen. Aber England Müßte, will es nicht in der Luft- und Untcrwasscrblockade ersticke»,"" zuerst Irland Roman von L Pringsheim Mirza hatte öfters die eitle Frau an seiiiem Arm pendeln sehen und ihren lächerlich verächtliche» Blick. Mirza lächelte ihm zu. Und dieses Lächeln wirkte so verstehend, so loslösend, daß Glaser noch mehr die reale Welt vergaß und leise bat:„Darf ich Sie besuchen?"„Aber gern", erivicderte Mirza,„ich freue niich sehr— ich— ich—" und plötzlich stockte sie, denn diesem Glück Ivar sie noch nicht begegnet. Er kam ihr absolut nicht fremd vor. Sie gingen nebeneinander her, sie waren schon nahe der HauStüre, als sie wie verabredet umdrehten und weiter schlenderten. Glaser schob seinen Arm in den ihren, Mirza dachte noch eine Sekunde bedauernd an ihren Hellen Mantel und dann dachte" sie überhaupt nichts mehr. Glaser sprach zu ihr wie noch nie zu einer Frau. Es»rar, als drängte sich seine ganze erotische Eudlvicklung in dieser Stunde zusammen.„Weißt du, ich habe immer nur Ordnung und Pünktlichkeit gekannt. Meine Schulzeit vorging ohne Stürme, aber fast auch ohne Wünsche. Meine Eltern waren so-typische pedantische Beamten, und ich- als einziger Sohn follte das Musterprodukt von Bravheit sein."„Ach", sagte Mirza" respektvoll, „Deine Eltern waren sicher bessere Leute I" „Nein, sag das nicht", sprach Glaser,«mich kränkt das,— was heißt bessere Leute? Wenn zufällig das Geld in einer Familie zur sogenannten akademischen Bildung vorhanden ist, kann man nicht vvn besseren Leuten sprechen- Das) und das Geld machten leinen inneren lluterschicd. Du siehst, ja, wie kümmerlich sich mein Leben gestaltet hat.' Ich bin eine wandelnde Rechemnaschine geworden. Nie hat etwas Starkes, Schönes, Blühendes in meinem Leben stattgefunden. Ich habe einmal einen englischen Roman"gelesen, wo der Autor mit trauriger Ironie feststem, daß er ein ewiger Pedant bleiben müsse, weil feine erschreckend ordentliche und nüchterne Mutter im Moment seiner Zeugung ihren Mann unterbrach mit der Frage:„Hast du auch nicht vergessen, die Uhren aufzuziehen?" Mirza hatte noch nie so eine Sprache gehötü und sagte nachdenklich:„Du magst recht haben". Dann betraten sie vergnügt ein Kaffeehaus, setz- ten sich ins Freie, wo die».Sonne beinahe heiß" schien und Glaser tvar es völlig gleichgültig, daß ihn Bekannte oder Kollegen sehen konnten.„Ich habe in meiner Studienzeit manchen aufkennenden Wunsch unterdrückt. Ich heiratete eigentlich das Mädchen, welches die Mutter am passendsten" fand. Und die Ehe brachte keinerlei Aenderung. Ich klage niemanden" an, denn ich bin' ja selber schuld. Und jetzt sehe ich das alles so deutlich, du bist sür mich ein süßes Licht der Erkenntnis. Dir bist ja eine wundervolle herrliche Blüte für mich verkümmerte Erdei" Mirza fühlte die-poetische Steigerung,' ohne sie sich erklären zu könnest. Sie hörte nicht nur aus Anpassungsvermögen, sondern sie war wirklich wie berauscht und zog eine nie -gebotene Welt ein, AIS die Sonne sich verkroch," wanderten sie durch die dämmernden Straßen,, -und Glaser flüstert«:„Schau,-wie herrlich so ein beginnender Frühlingsabend," sonst geht man blicklos durch alle.Schönheit,, und plötzlich-hat man Äugen und Ohren, und die schlafenden Sistne werden wach." Dann schloß er bittend und ganz leise:«Ich "darf doch nut dir heim?"«Ja",, flüsterte sie zu^ rück,' und ihre Glieder wurden schwer vor.süßer Erregung. Sie schlossen die.Haustüre ans und machten: kein Licht.-Dann- ging Mirzas Türe hinter den beiden zu. Frau Franzi Glaser hatte sich in weiblicher Aufregung und Eile zu einem Bridgenachmittag bei einer der ungezählten sogenannten Freundinnen eingesunden. Dieser war von eminenter Wichtigkeit, ebenso ihr heutiger Diättag, welcher auf dem Progrmnm stand. Die Sorge vor zu» nehmender Körperfülle bracht« es-fertig,- daß Frau Franzi sogar ab und zu an diesem Diättag etwas AehnlicheS wie Hunger empfand. An einem solchen Tage atz Franzi nicht dasselbe Menü-wie ihr Rkastn.und«ging, fort,, bevor er zum. Essen heimkam.„Finni, meinen Pelzt Oder meinen Sie, man kann schon den Frühjahrsmantel anziehen?— Ilm Gottes Willen, wenn mir nachher zu heiß ist und ich schwitze, dann kann Ich mir die schönste Erkältung und den Tod holen auf den leeren Magen heutet" --'Finni heuchelte reges Interesse:„Dann ziehen gnädige Frau doch lieber den dünneren Mantel ant -Gnädige Frau kann ja einen Fuchs umlegen, wenn es kühl wird!"—.„Aber", meinte Franzi erregt) -„der Fuchs wärmt- doch nur oben, und ich muß doch so furchtbar vorsichtig sein, mir de» Unterleib nicht zu erkläten i Meine Freundin, di« Ge« »cralstochtcr, hat schon vier Wochen lang ein Unterleibsleiden, weil sie beim großen Konzert» -hauSball nicht gleich ihr Auto-fand und in dem schrecklichen kalten Wind" mistdcstcnS zehn Minutest fachen Mußte. Es war furchtbar! Ueberhaupt dis Rücksichtslosigkeit der heutigen- Menschen gegey- über Damen! Die Balldiencrmüsscn doch merken, wenn mast-wer ist und" konntest der" Armen behilflich, sein!" Finni nickte seufzend:„Ja, gnädige Fraul —'Man hört allgemein von der herrschenden Un- /höfsichkeit." An der Mre angelangt, rief Franzi ailfgeregt. nach Mopserl, welcher noch in seinem Körbchen schlief und befahl ein dünnes Ääms- chen,. ein FrühjahrSwämSchcn für.-ihn. Während, dasi Mädchen sich mir Mopserl beschäftigte- istthm Franzi Abschied vom Kanarienvogel:!-Pi Pi Pipi Vogerl, ata, ata, Frauerl geht-fort- Vogerl, gib Frauerl Handibussi!— Na gib doch, gib doch—" Schwerfällig flog der überfütterte Vogel auf ihre Hand und von da mühsam auf die rotgeschminkte» Lippen und bis der Mops fertig war, wurde geküßt. Endlich war sie fort, der Wirbel-vorbei und das Mädchen atmete auf. FinniS ganze Sympa- thie galt ihrem Herrn, Sie freute sich schon imnrcr .auf diesen einen Mittag in der Woche, wo sie ihm allein servieren konnte, was sie auf eine absolut persönliche Art und'Weise tat. Fiuni wollte- da» mit ihrem Herrn ihre Verbundenheit.beweisen, ein seelischer Vorgang, der sich oft zwischen Angestellten und Dienstgebern.ichspielt.-77- selten von Ehefrauen begriffen oder akzeptiert. Heute- wartete dar Mädchen vergeblich. Trotz der. resigniertautomatischen Pünktlichkeit von" Doktor Glaser Ivar es'möglich, daß er im Amt aufgchalten wurde "und keine Zeit hatte," abzutelephonieren. ES"bildete immerhin«ine schöne Gelegenheit für FiNni, sich zu Portiers HInzuFhen und auch einmal eine Ausnahme zu machen."Unten bei Portierst warf der bevorstehende" Waschtag schon seine Schatten voraus, die Frau kochte vor, große Waschkörbe standen da, bildeten den Mittelpunkt des Interesses. Der Nachmittag verging sehr rasch für Finni bei den unantastbaren weiblichen Haushalts- und Wäschgesprächen,' und sie kam- gerade zur rechten Zeit hinauf, als das Telephon heftig läutete und Frau Franzi anrief:„Hallo, hallo— hier, ist die gnädige Frau-'— Finni, ich komme heut.atzend nicht nach Hause, ich bleibe wegen einer, nicht be- endigken Bridgepartie'bei" Frau Direktor" Mueller — Sie wissen' doch—l Mueller— Bankdircktor ich werde dann in der Nacht heimgebrächt Mit dem Auto-^7. bitt« richten Sie es meinem Mann aus- und tzr^niöge sich-nicht ästgstigenl-7^" Und Sie" bleiben-auch auf- damit ich mich Nicht so schrecklich fürchte, wenn" ich allein heiinkotntne— mein Mann hat ja Sitzung heut atzend,'sonst hätte er mich bestimmt abgeholt—- es- ist schrecklich, daß ich"ihn-nicht im Amt' änrufen kannN- (Fortsetzung folgt.), Rr. 178 SamStag, 81. Suli 1937 Sette 3 fudetendeutscfier Zeitspie&et Wort und Ist beim Bund der Deutschen! I» Nachäffung der faschistischen Parole von der Pflicht der Frauen, recht viele Kinder zu gebären, bat sich auch der Bund der Deutschen in unserein Staate mit den vom Dritten Reich aus- gegebenen Schlagivortcu glcichgeschaltet. Er verlangt, dah recht viele Kinder hcrvorgcbracht werden sollen und hat auch an die deutschen Unternehmer das Ersuchen gerichtet, durch Gewährung von Lohnerhöhungen und Familienzulagen einen Anreiz zum Kinderkriegen zu bieten. Wie tvcmg sich die Unternehmer, die doch zum grossen Teil politisch in seinem Lager stehen, darum scheren, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, daß, soweit 'Löhnerhühunssen, Anlagen usw. überhaupt erreicht werden, diese nur dem Wirke» der freien Gewerkschaften zu verdanken sind. Wie hält sich aber der Bund der Deutschen selbst an seine eigenen Parolen? Man mühte doch annehmcn, daß er selbst ein leuchtendes Vorbild ist und als gutes Beispiel vorangcht. Aber— wie in vielen anderen Dingen, ist auch hier der Unterschied zwischen Wort und Tat recht groß. Bei einer Bezirks st elle des Bundes der Deutschen ist ein Beamter«»gestellt, in dessen Versorgung auhcr der Gattin drei Kinder stehen. Dieser Beamte, der wohl seiner völkischen Pflicht in der Sorge für ausreichende Nachkommenschaft besser, Genüge getan hat als so mancher Wortführer des Bundes der Deutschen, bekommt den fürstlichen Mo-' natsgehalt von sage und schreibe vierhundert(400) Kronen l Tas böse Wort des.tzohcnelbcr deutschen Fabrikanten,' dah am Donnerstag nicht Sonntag sei, hat sich also der Bund der Deutschen viel mehr zu Herzen genommen als seinen eigenen Appell an die Unter- nehmer, die Arbeiter und Angestellten so zu bezahlen, dah sie Lust bekommen,/mehr Kinder als bisher aufzüziehen. Es handelt sich eben auch hier nur um leere Phrasen, denen die /innere Wahrhaftigkeit und derWisse zur wirklichen Tab vollständig fehlt. Die Unternehmer brauchen sich mit ihren Schundlöhnen nur auf den Bund der Deutschen zu berufen, der ihnen das Vorbild bietet. Bund der Deutschen. zahlt KC 10’— Wochenlohn Der Jeschken-Jsergau des B.d.D. eröffnet am.1, August ein Mädchenarbeitslager in Ein- - siedel bei Reichender». Das Lager ist als E r n t e- , d i e n st gedacht, wobei die Mädchen von früh bis , nachmittags bei Bauern in Einsiedel l ä n d» w i r t s ch a f t l i ch e A r b eiten 3 u ve r- . richten haben, wofür sie verköstigt werden. Der Spätnachmittag ist mit Schulung ausgefüllt. .(Leider wird nicht gesagt, welche Zeit man unter Spätnachmittag versteht; manche könnten der , Meinung sein, dah dies der Abend ist.) Aber aüher„freier Kost"' erhalten die Mädchendienstler noch ein Taschengeld von sage und schreibe zehn XL wöchentlich. Taschengeld ist eine neudeutsche Umschreibung für Lohn und wer Lust haben sollte, hier elnzusteigen, der melde sich rasch bei der GaugeschäftSstelle in Reichenberg, Wiener Str. 40, oder in Friedland bei der B u n d e s s ch w e st e r und Bezirksführerin Elli; Riemer, die auch nur fürlOXL die Woche arbeitet. Damit aber nicht etwa ein räudiges Schaf in die Herde komme, besteht noch die.Vorschrift, dah die Teilnehmerinnen Bundesmitglieder sein müssen. — Im alten Oesterreich konnte dem damaligen Bunde der Deutschen in Böhmen nachgewiesen werden, daß er Streikbrecher vermittelte. Dem heutigen B.d.D. mühte man sagen, daß er mit dieser Methode den ärgsten Lohndruck betreibt, der nur denkbar Ist. Welcher sudetendeutschc Landwirt wird noch so. dumm sein, einen Arbeiter z u einem Tariflohn aufzuneh.men, wenn ihmderBundLeutefürXöi 0.— wöchentlich frei ins Haus liefert? Ob sich doch nicht die Behörden, besonders die Gewerbeinspektion, einmal für dies« Manipulationen interessieren sollten? Volksgemeinschaft versagt In Lohnffragen Lassen wir den Kulturverband, der in der Nähe der besten„Volksgenossen und Kameraden" steht, doch lieber selber sprechen, was er über das Elend der ostböhmischen HauSsteber zu sagen hat. Er schreibt in seiner Pressekorrespondenz: Dl« Not der Leinweber in OstbShmr«. Obwohl ihr Beschäftigungsgrad in den letzten Monaten eine Besserung erfahren hat, ist doch die wirtschaftliche Lage der HeinUvebcr»ach wie vor äußerst drückend. Von zeitlich früh bis zum späten Abend darf das Weberschiffchen nicht zum Stillstand kommen, damit zwei Leute guf «inen wöchentlichen Verdienst von 70—80 KJ kommen l Um diesen kärglichen Lohn zu erzielen, inüs« senhäufigauchnochdieKinder fleißig mithelfen. Hier sind alle Voraussetzungen für die Inangriffnahme praktischer volkswirsschaftlicher Hilfsmaßnahmen gegeben. Duuch genossenschaftliche Zusammenfassung könnte der Einkauf deS Rohmaterialt» und der Verkauf der fertigen Erzeugnisse so geregelt werden, dah die Heimarbeiter«inen gerechter«» Lohn für ihre Arbeit erhielten. Hoffentlich wird diese- Arbeit durch die z u st ä n d i g e n S t e l l e n b a l d / i n Ang r i ff genommen. Das Elend die« s er'V olksgenossen erhebt eine b i t tereAnklag e gegen UNS all« und ruftunS z u.st ärkst« rVerp s l i ch- tung. /....Bezeichnend.ist, dah man heüfe den ge- fK'ö^^u-stchM'f t'l WJj' t n Z>u f'ä- mm-emi- 'schluß empfiehlt, also das, wär die'Aweiter sonst' in anderen- Fällen tun und- wofür man sie dann alS Totengräber verschiedener Beruf« stigmatisiert.„Gerechter Lohn"-wird verlangt! WaSist gerechter Lohn?. Auch das.mühte deutlicher gesagt werden. Und dann sollen die.„zuständigen.Stellen" helfen; wersind diese? Sind es die Hausweber, oder sollen das die Behörden des tschechoslowakischen Staates sein, die da die Kameraden Wqrenausgeber und Webereiinhaber MorcS lehren sollen? DaS sind Fragen, die bei den Herren VolkSgemeinschaftlern für gewöhnlich unbeantwortet bleiben und wobei.sich, jeder denken kann, was ihm beliebt. Die Prager Deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: Sonntag, 1. August, 14.18—14.25: Krieg und Frieden(Gad M. LippmaNn); 14.80 bis 14.85(StraSnice): Für Volk»ab Frieden. Mittwoch, 4. August, 18.40—18.45: Ar- beitsmorki; 18.20—18.40: Seelischer Umschwung durch Arbeit(Bürgermeister Fritz Keßler, Bodenbach); 18.40—18.50: Soziale Anformationen. Freitag, 6. August, 18.J5—18.45: Aktuelle zehn Minuten. Widerlegung von SdP*Tendenzmeldungen Angesichts der Kampagne, welche die„Feit" anläßlich des Verbots der Ausreise für eine Kin- derexpedition nach Deutschland begonnen hat, veröffentlicht die„Prager Presse" Einzelheiten, welche die wahren Tatsachen klarstellen: „Der Bund der Deutschen veranstaltete bereits im Vorjahr und ün Frühjahr des laufenden Jahres Exkursionen deutscher Kinder ins Ausland, die von den tschechoslowakischen Behörden gestattet wurden nach der vorausgesetzten Feststellung, ob die Kinder nach ärztlicher Ucberprüsung ausgenommen wurden, wie dies da» Abkommen zwischen den Gastgeberorganisationen und dem Bund der Deutschen vorsieht, ferner bei wem die Kinder unlergcbracht werden, damit sowohl die zuständigen ausländischen Behörden,. als auch die tschechoslowakischen Bertre- tungsbehürden sich über ihr Befinden informieren können.— Neben diesen Exkursionen wurde auch um die Bewilligung einer analogen großen Exkursion an die See nach Deutschland angesucht. In dem Gesuche wurde nur allgemein erklärt, daß cs sich um einige tausend Kinder Handl«,«S wurde nicht angegeben, wie die Kinder ausgcwählt wurden, wohin sie geschickt werden solle». Noch Ende Juli d. I. konnte der intervenierende Vertreter deS Bundes der Deutschen keine genauen Taten angeben I Er gab diese Daten auch später nicht an, so daß auS diesem Grunde und mit Rücksicht auf die Kontingentierung verschiedener Nahrungsmittel in Deutschland, die in ausgiebiger Menge vorhanden sein müssen, wenn eS sich um eine Gesundheitsaktion für Kinder handelt, die Bewilligung nicht erteilt werden konnte- Ter organisatorisch nicht simdierte Charakter der Exkursion ließ überdies auf eine demonstrative Betonung der Aktion schließen." Warum die„Feit" sich so aufgeregt gebärdet, ist ja nicht schwer zu. erraten. Wie groh ihr soziales und menschliches Interesse an den deutschen Kindern ist, war ja an der Art zu erkennen, in welcher sie die großen staatlichen Aktionen behandelt hat, welchen tausende deutsche Kinder wochenlange voöbildliche Fürsorge zu verdanken haben. „Tragisches Schicksal«in«S sozialdemokratischen Emigranten." Das kommunistische Tag- blatt„Rote Fahne" konzentriert in letzter Zeit wieder einmal seine Kräfte auf die Verleumdung dtr^Söziäldemokratie. In der Nummer vöm Freitag, den 80. Juli, veröffentlicht cs unter dcrvör- stehenden Ueberschrift eine-Notiz, nach der ein auS dem Dritten Reich emigrierter Sozialdemokrat von der Parteileitung der SP. im Stiche gelassen worden sei bei den Versuchen der Landesbehörde, seine Aufenthaltsbewilligung im Bezirk Aussig aufzuheben und ihn nach einem Bezirk der Böhmisch-mährischen Hochebene abzuschieben. Ein Gesuch um Aufschub sei abgewiesen worden. Wört- lich heißt eS in der Notiz:„Die Parteileitung der S.P. hat gegen diese drohende Ausweisung bisher nichts unternommen." Dazu ist zu sagen, dah es in Türmih einen sozialdemokratischen Emigranten K. nicht gibt. Ein Emigrant, dessen Name mit dem Anfangsbuchstaben K. beginnt, und nur um den kann cs sich handeln, wird v 0 nd e r demokratischen F l ü ch t l i n g s h i l f e betreut. Trötzdemhabensozial- demokratische Funktionäre und die sozialdemokralisch« Flucht- lingShilfe sich deS Emigranten mit Erfolg angenommen. Ein Gesuch um Aufschub könnte nicht abgewicsen iverden, weil ein solches nicht gestellt wurde. Die„Rote Fahne" aber kann dar zweifelhafte Verdienst für für sich in Anspruch nehmen, den Emigranten schwer geschädigt zu haben. Zur Prager deutschen Sendung im Juli Für den Rundfunk gibt es keine Ferien,, aber immerhin. eine Art.Sommerspielzelt"(die in der Prager deutschen Sendung schon Mitte.Juni einzusetzen begann). Das Ist.nätürlich eine, fragwürdige Sache:/ die Quantität der Sendungen bleibt, die Ounlitäf' aber ist vermindert,' sowohl in bei Wahl der Programme, als auch in dec Besetzung(da' dir „erste Garnitur" auf Urlaub- ist). Man wird al» Hörer der Rundfunks die Ursachen dieser Zustandes, anerkenn««, aber man findet sich, auch wenn man an sich selbst«in Nachlassen der Ausinerksämkeit und Bereitwilligkeit feststellt, doch nicht leicht mit ihm ab, Dec Rundfunk teilt da» Schicksal der Zeitung; für die es auch keine Sommerpause gibt, und so.wie die Zeitung Müßte er seine Unentbehrlichkeit auch außerhalb der„Saison" durch Aktualität, beweisen. Nicht etwa dadurch, daß er das wiederholt, war.schon in den Zeitungen'stand(so wird er viel zu ost in den ^.Wochenschauen".-und. den.Kulturberichten" gemacht), sondern- indem. er aktueller Geschehen ent-' weder hörbar vermittelt oder in eigener Gestaltung nacherleben und weiterwirken läßt,/., Er gab sm.vergangenen Monat in Prag nur wenige deutsche Sendungen, djei dieser Aufgabe gerecht wurden. An erster Stelle verdient hier die Uebertragung vom Aufmarsch derR« publi- kani.schen Wehr in Aussig am 4. Juli genannt zu werdend eine Sendung die' nicht nur die Funktion erfüllte, ein Tagesereignis miwrleben zu lassen, sondern darüber hinan» die demokratische Mission der Prager deutschen Sendung so deutlich machte, wie c» nicht ost geschieht. An zweiter Stelle ist die lieber- tragnng au» E l e 0 n 0 r e n h a i n am 25. Juli zu nennen,' als da» Denkmal für. den Glasmacher Hartauer, den Dichter de» Böhmerwaldliedes, mit Reden'und'Gesängen«ingeweiht wurde.(Die deutsch«. Sendung' hatte- schon tag» zuvor mit der von Han» Multerer geleiteten Aufführung der Hörfolge „Tiefdrsn im'Böhmerwald" von Dr. Kubitschek auf da» EreignI» vorbereitet.) Dar waren die echten Aktualitäten. Weniger echt wirkten die zahlreichen Sendungen-, die sich auf das Dauerereigni» de»(vom Wetter nicht immer bestätigten) Hochsommer» bezögen. Am lebendigsten wirkte da' eine'(von Fritz- Seemann besorgte) Reportage au» Franzen»bad,'während Sendungen, die abwechselnd„Au» der' Sommerfrische",„Aus der Sommerwohnung" und»Zum fröhlichen Wochenende" hießen, durch ihre. Aehiilichkeit nicht reizvoll^ für den Daheimgebljebenen.picht tröstlich und für den Urlauber Werflüssig wären, Bei den Hörspiele» macht« sich im übrigen(außer gewissen Besetzung»-: schwierigkeiten) da» Bestreben bemerkbar, manche» Halbbergtskene au» den Schätzen der Vergangenheit' zu heben: so erklang(unter Leitung K. M- Pisaro» witzs) die phantastische Operette»Indigo" von Johann Straub, Anzengrubers derbe Bauernpusse »Der Dö p p e l selbstm 0 rd" wurde(In einer reichlich polternden Aufführung) wiedcrbelcbt, und daß man Ben JonsonS alte Komödie„V 0 lp 0 ne" in.der guten Bearbeitung von Stefan Zweig aufs sommerliche Nachmittagsprogramm gesetzt hatte, bewies, daß der literarische Ehrgeiz nicht ganz erloschen war. In der musikalischen Sendung wurde die Vorstellung heimischer Komponisten fortgesetzt,, dje mehr neu« Namen brachte, als der Uneingeweiht« sich hätte träumen ilafsen, von denen aber am Monatsende nür noch B a m m e r und Pfeifferim Aedächt- niß. geblieben sind al» jene, die am meisten Aufmerksamkeit verdienen. Sehr zum Unterschied von dem Gesamtniveau der sommerlichen Sendungen wahrte auch im vergangenen Monat die A r b ei t e r s end Ung ihren gewöhnten Stil: wahrhaft aktuell inden„A k t n c r- len zehn Minuten"'und wirklich interessant und vielseitig in den Vorträgen, hie'in. der'Ansprache de» Abgeordneten Wenzel J a ks ch„Arbeiteraufstieg — Volksaufstieg" gipfelten--- einem. Bekenntnis zu den aufbauenden Zielen einer sozialistischen Politik, die von ihren Gegnern so oft' geleugnet werden. (Unmittelbar vorher war auch ein katholifcher Redner, Direktor Zak, in seinem Vortrag»Heber die Schlcksaliverbundenheit de» Bürger» mit dem Staate" dem falschen Nationalismu» mit guten ArJean Jaurfes wurde vor 23 Sehren ermordet „Die Proletarier stehen auf dem Boden des Vaterlandes, weil sie auf es einwirken, weil die Unabhängigkeit der Nationen als Nationen die internationale sozialistische Bewegung schützt, weil die Demokratie, die Daseinsform der modernen Nationen, die Bestrebungen der Lohnarbeiter begünstigt, weil diese nur siegen können, wenn sie sich in jedem Lande die höchsten Seelen- und Geisteseigenschaften und das wahre Wesen des Nationalcharakters aneignen, weil die neue Menschheit nur dann reich und lebensvoll sein kann, wenn die Eigenart jedes Volkes in dem allgemeinen Zusammenklang fortdauert, und wenn alle Vaterländer schwingende Sa.it en an der Lyra-der Menschheit sind. So haben die Vaterländer in ihrer wunderbaren Bewegung von der Natur zum Geist, von der Gewalt zur Gerechtigkeit, vom Wettstreit zur Freundschaft, vom Krieg zur Verbündung, zugleich die ganze organische Kraft des Instinkts und die ganze Macht der Idee. Und die proletarische Klasse bedeutet imVaterlandmehr als jede andere Klasse, denn sie wir k t ja im Sinne de rauf sie i-g e nd en Bewegung des Vater, land e s.“ Jeatt Jaurds Der Mörder Straka wieder entkommen. Dis Verfolgung des 21jährigen Automcchanikers und Räubers Vojiöch Straka au» Strpi bei Prachatitz wegen mehrfachen Mordversuches an Gendarmen und einem Heger aus Räcov bei Batclov wurde im Jglaucr Gebiet nach vier Tagen beendet, weil eS Straka gelungen ist, in den Wäldern bei TelL gegen die Daiicer Gegend zu cnisliehen. Dort wurde er am 27. Juli in den Wäldern vom Böh- misch-Rudoletz von Pilzesucherinnen gesehen und später nach einem vorgelegten Bild erkannt. Dann stahl Straka in einem Bauernhöfe in Stoihen ein Fahrrad, mit welchem er nach ModeS fuhr,, wo er sich einige nötige Wäsche kaufte und weiter nach Zinokten flüchtete. Dort lieh er das gestohlene Rad in der.Fahrkartenausgabe der Eisenbahn und es gelang ihm, ungestört mit der Bahn in die Gegend von Neuhaus zu entkommen, wo er den Zug in Sevitin hei Wittingau verlieh.. Nunmehr wird er in dieser Gegend verfolgt. Der Plan des Räubers, nach Südböhmen zu entkommen, ist gelungen, wen)» auch nicht in der Richtung auf Jglan, sondern durch die Grenzwälder in südlicher Richtung. gumenten entgegengetreten.) Während Dr. Fran- zel in seinem Vortrag„HuS und.unsere Zeit" das ^Verständnis der Gegenwart aus dem Geist der Geschichte zu mehren unternahni, gab Dr. Brügel in dem Vortrag»DaS sozialpolitische Werk Lion BlumS" eine klare Darstellung der wichtigsten politischen Fortschritts de» letzten. Jahres. Zählt man dazu noch die Informativen Vorträge über soziale und organisatorische Einzelfragen und die mehr philosophischen über die durch de» technischen Fortschritt entstandenen Kulturprobleme der Gegenwart, so ergibt sich dar— gerade im letzten Monat besonders erfreuliche.— Bild einer Sendung, die sich im besten Sinne treu bleibt und ihre Aufgabe» in den Grenzen de» Möglichen ganz zu erfüllen bestrebt ist. Von den Vorträgen außerhalb der Arbeitcrsen- dnng war(von dem genannten der Direktors Za! abgesehen) nur der Dr. Weirkopfr beachtenswert, der auf die- gerade hcutci interessante Problematik des. groben realistischen Dichters,hinwies, der konservativen, ja reaktionären Ideen anhing und doch in seinen Wirkungen ein Revolutionär war. Am Ende erwähnt sei noch der seltene Fall, daß in einem der„Kulturberichte" eine beachtliche Anregung irrfolgte: Dr. Emil Faktor plädierte,für die Gründung eiiwr Rilke-Gesellschaft in Prag, wo der große deutsche Dichter,'dessen Nachruhm heute In der,ganzen Welt im Wachsen ist, geboren wurde und seine frühesten dichterischen Werke schul—eiS— Seife 4 SamStag, 31. Sufi.1037 Mr. 178 und hat damit im Sinne der ägyptischen Konsti» I solchen Giftmenge setzen konnte. Lieder von Bach. BIzet, Krieg. 15.50: Deutsche strieort be7rei t M e rEmt es eiaentlcki datz Presse.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendling: Musik-»-UW. datz diese Stadt seit 1084 von der Labour Party regiert wird? Das Geheimnis dieses Wahlresul- tat?, das erst in diesem Jahr nach der ersten dreijährige» Wahlperiode mit Erfolg^fiir die den sich W a I l f a h r e r aus Lisieux und K i n- d e r aus der Ferienkolonie. Unter den Opfer befindet sich auch ein 18jähriges Kind, dem beide Beine oberhalb des Knies amputiert werde» mußten und dessen Zustand hoffnungslos ist. Die Identität dieses Kindes konnte nicht sichergestellt werden. Durch die Untersuchung der Katastrophe wurde endgültig festgestellt, daß das Unglück durch eine schlechte Weichenstellung verursacht wurde. ES war nämlich das Eintreffen deS Zuges Nr. 511 gemeldet und für diesen Zug die Weiche gestellt worden. Im letzten Moment teilte aber eine Depesche aus Paris mit,, daß der Zug Nr. 1017 und nicht der Zug Nr. 511 eintreffe. Man kann sagen, daß einige Sekunden über die Katastrophe entschieden haben. ES wurde nämlich sofort der Auftrag erteilt, die Weiche richtig zu stellen, aber der Zug Nr. 1017 fuhr gerade in die Station ein, als sich der Weichenwärter zum Stellen der Weiche anschickte. Die Lo-. komotive geriet ins Wanken und entgleiste bald darauf. Es handelt sich nunmehr darum, festzustellen, ob der Weichenwärter noch genügend Zeit hatte, die Weiche richtig zu stellen oder ob dies bereits physisch unmöglich war. Zwei Weichen- tvärter wurden während der ganzen Nacht vom Untersuchungsrichter einem Verhör unterzogen. auf"der Hütte. 18.15: Klavlerkompositlonen Von Kienzl, Schadler.— Preftbur«: 18.45: Overn- aesänge. 14.40: Operettenmusik.—Kascha»: 12.05: Kompositionen von Bizct. bräunt und eine größere Zahl ist verletzt. Einzelheiten fehlön noch. Alle hiesigen Feuerlöschboote und Küstenwachschiffe eilten zu Hilfe. Die Bewoh- ner einer benachbarten Insel erklärten, daß sie eine furchtbare Explosion gehört und Flammen nilttschisfs auflodern gesehen hätten. In den nächsten Minuten sei der ganze Dampfer eine einzige Flammenmasse gewesen. Die zweite Ueberfliegung des Rordatlantil in beiden Richtungen durch ein englisches und ein amerikanisches Flugzeug im Rahmen der Versuchsflüge für die Ueberquernng des Atlantik ist erfolgreich verlaufen. Die amerikanische Maschine„Clipper" traf Freitag vormittags um 9.50 Uhr in FoyneS'(Irland) ein. Das englische Wasserflugzeug„Tambria" ging kurz nach 10 Uhr in Bodwood auf Neufundland nieder. Kinder als Brandstifter. In der Gemeinde Nagysemtin(Ungarn) steckten zwei Kinder im Alter von 3 und 5 Jahren während der Abwesenheit der Eltern das väterliche Anwesen in Brand. Eines der Kinder kam in den Flammen um, das zweite wurde in sterbendem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Die Mutter wurde nach ihrer Rückkehr beim Anblick des verbrannten Kindes vom Schlag getroffen und mußte gleichfalls ins Krankenhaus übergefiihrt werden. Jeder Kaufmann lobt seine Ware. Bei der Eröffnung der Deutschen Rundfunk-Ausstellung 1037 in Berlin hielt Dr. Goebbels eine Rede,'in der er u. a. aussührte: lieber die technischen Möglichkeiten des Rundfunks hinaus habe der Nationalsozialismus ihn zu einem der wichtigsten Führungsmittel der deutschen Politik gemacht. Der Rundfunk erftille an zahlreichen Volksgenossen die große nationalpolitische Aufgabe der Beteiligung an den geistigen(?) Gütern des Volkes. Zur Programmgestaltung des Rundfunks stellte Dr. Goebbels u. a. fest: Der deutsche Rundfunk müsse der beste, interessanteste, aktuellste, bildendste und unterhaltendste BolkSsunk der Welt werden.— Arme WeltI Wird König Faruk I. gekrönt werden? Am 20. Juli ist König Faruk 18 Jahre alt geworden Iniion die Volljährigkeit erreicht. Der Regent« I geführt hat: Die Slums, das heißt, die Elend»« fchaftSrat wird aufgelöst,'und der junge König I viertel und Elendsquartiere Londons, sind aus Paris.(HavaS.) Die HavaSagentur erfuhr Freitag gegen 2 lihr nachts von der Polizeiprä- lekinr, daß es zu einer schivercn Eisenbahnkata- ftrophe in der Nähe der Gemeinde Ville Neuve Saint Georges gekommen sei. Die Eisenbahngesellschast Paris—Lyon— Mcditerannä teilt mit: In Paris eingelangten Meldungen zufolge, forderte das Eisenbahnunglück bei Ville Neuve Saint Georges ungefähr 27 Tote und etwa 50 Verletzte. Die Katasirovhe ereignete sich in einer Entfernung von etiva 800 M. vom Bahnhof Ville Neuve St.-Georges und ungefähr 20 km von Paris. Der Zug Paris—St.-Etiene entgleiste um 28.15 Uhr. Die an der Unfallstätte befindliche Amtsperson erklärte, daß die Entgleisung durch eine fehlerhafte Aufstellung der Weiche erfolgt ist. Die Lokomotive, tvelche über die schlecht aufgestellte Weiche fuhr, stürzte über den Damm hinab. Dec Tender der Lokomotive wurde vollkom- men zertrümmert. Der Postwagen fuhr auf dem Geleise noch etwa 3V M. iveiter, ivobei er einen Waggon 2. Klasse, welcher beinahe uicheschädigt blieb, mit sich zog. Der dritte Wagen der 3. Klaffe wurde vollständig zertrümmert, da er von zwei Waggons mit Ganzstahlkonstruktion in die Zange genommen worden war. Unter den Opfern befin- iibernimmt selbst die Herrschaft. Aber an diesem i Tage fanden keine Krönungsfeierlichkeiten statt,.' da die mohammedanische' Tradition solche nicht' kennt. König Faruk leistete" lediglich vor dem Parlament den Treuschwur auf die Berfaffung und i wurde gleichzeitig Marschall von Aegypten. Mer die Krönungsfeierlichkeiten in London haben auch in Aegypten den Wunsch auflommen zu lassen, die Thronbesteigung des König» in großer Ausmachung zu feiern, und es ist der Plan entstanden, im Feber 1038 König Faruk l. zu krönen. Nun besitzt Aegypten, jedenfalls das moderne Aegypten, keine Königskrone. Man muß schon bi» in daS antike Aegypten zurückgreifen, wenn.man die Insignien finden will, die der Würde deS Herrschers vom Oberen und Unteren Nil gerecht werden. Denn die Pharaonen trugen tatsächlich Kronen. ES tvar ein schmaler Siirnreif, in dem sich die Leiber dreier Schlangen abzeichneten. Die Köpfe der Schlangen erhoben fich Über der Stim und fielen rechts und links auf die Schultern herab. Diese Krone ist von sehr vielen Pharaonen-Bild- nissen bekannt, aber es existiert auch ein Original der königlichen Insignien: es ist die Krone Tut« Anch-AmonS, die im Museum von Kairo aufbewahrt wird. Und mit dieser alten Pharaonen« kröne soll eben der junge Faruk l. gekrönt werden. Ob der Plan zur Durchführung kommt, steht im Moment noch nicht fest, da sich die orthodoxen mohammedanischen Kreise auS religiösen Gründen vorläufig dagegen ausgesprochen haben. Erich Kuttner verwundet. Wie die„Pariser Tageszeitung" meldet, wurde der frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Redakteur des„Vorwärts", Erich Kuttner, verwundet. Erich Kuttner lebte erst in Holland in der Emigration und begab sich, obwohl er Kriegsinvalide ist, nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges nach Spanien, wo er publizistisch täfig ist. Seine publizistische Tätigkeit im Dienste der spanischen Republik führte ihn in die ersten Linien bei Bru- nete, wo er einen Schuß in den rechien Unterschenkel erhielt. ES kann mit der völligen Wiederherstellung Kuttners gerechnet werden. Wetter„halbheiter". Die Zufuhr kühlerer Luft von Norden her gegen Mitteleuropa ist vorläufig beendigt. Infolgedessen dürften die Temperaturen mif dem Festland stärker ansteigen. Die Wetterlage bleibt jedoch noch unsicher, da bei einer gleichmäßigen Lustdruckverteilung bei un» Neigung zu örtlichen .Gewittern oder Schauern zunehmen wird. Wahr- scheinliche» Wetter heute: Wechseftid, stellenweise noch ziemlich bedeckt, bi» aus vereinzelte Gewitter oder Schauer trocken, mäßig wann, Westwind. Wetteraurstchten für morgen: Halbheiter, wettere Erwärmung, Neigung zu örtlichen Gewittern, ruhig. Arsenkristaft als Edelstein. In Brünn starb dieser Tage die 7Sjährige Franziska Skop, nachdem sie einen erfolglosen Selbstmordversuch unternommen hatte, indem sie sich in» Wasser stürzte, an den Folgen einer Arsenvergiftung. Die lebenS- überdrüssige Greisin hatte sich vergiftet, wie die Obduktion ergab, durch Arsen. MS die Polizei bei ihrem Bruder, dem 65jährigen Wilhelm Fiel, bei dem sie zuletzt gewohnt hatte, nähere Erhebungen anstellte, gah dieser zu, er habe in den Kleidern der verstorbenen Schwester einen Kristall gefunden, den er in Verwahrung nahm, weil er glaubte, es handle sich um einen Edelstein. Als er sich später überzeugte, daß ihn diese Erwartung getäuscht hatte, warf er den Kristall auS dem Fenster., Die Polizei fand tatsächlich den fraglichen Kristall unter dem Fenster und stellte fest, daß es sich um einen 11 Gramm schweren Arsenkristall handelt, eine Gifimenge, die hinreichen würde, hundert Menschen zu töten. Wilhelm Flek und seine Frau wurden einstweilen in Hast genommen Und die Polizei ist nun bemüht, festznstellen, wie die' lebensmüde Greisin sich in den Besitz einer London, im Juli 1037 Das Geheimnis eines Wahlresultats Gegenüber dem großen Glockenturme, der sich an der Ecke von Westminsterhall, dem Sitze des englischen Parlaments, mächtig erhebt, dem „Big Ben", liegt jenseits der Themse ein breites stolzes Gebäude, der Zentralsitz der Londoner Stadtverwaltung. Das Rathaus Londons, der— als Stadtgebiet genommen— größten Stadt der Welt, macht einen so imposanten Eindruck, daß man sich fragt, was wohl in der Unzahl der Räume, die es birgt, vor sich gehen mag. Und doch ist bereits ein Anbau im Gange: Londons County Council(sprich: Kauitti Kaunzl) wird vergrößert, das riesenhafte Rathaus ist zu klein geworden. Wie kommt es, so fragt der Fremde, dem man versichert und der es mit eigenen Augen zu sehen glaubt, daß London nicht nur die größte, sondern auch die reichste Stadt der Welt ist, der sie in jedem Falle aber als gigantische» Handelsund Verwaltungszentrum, nicht aber als Jndü« Ein Dampfer verbrannt. Der Küstendampfer „City of Baltimore", der mit etiva 150 Ausslüg- kern an Bord von Baltimore nach Norfolk(Virgi- nien) unterwegs Ivar, geriet Donnerstag abends 14 Meilen von Baltimore entfernt in der Chesa- peakc-Bai in Brand. Drei Menschen find ver- Arbeiterpartei erneuert wurde, liegt im Wahlrecht und in Verkehrsproblemen. Während jedermann zu den Parlamentswahlen geht, sind zur Londoner Stadtverwaltung nur die eigentlichen Stadtbürger, das heißt diejenigen wahlberechtigt, die in der Stadt London selbst wohnen und Steuern zahlen. Die Leute aber, die es sich leisten können, wohnen, nicht in'dieser Stadt) die einem unendlichen Ameisenhaufen gleicht,— sie leben an der Peripherie, auf dem Lande, in unzähligen Villen der ferneren Vororte und kommen nur, um ihren Geschäften nachzugehen Hinern, An der zwei bis drei Quadratkilometer großen Londoner City mögen'rund 250:000 Menschen anzutrefsen sein, wahlberechtigt sind bei den Kommunalwahlen nur- etwa 10.000. Oeffentliche Verkehrsmittel- und Privatautos bringen die meisten anderen heran und hinweg. Fiir,den kleinen Mann und dey Arbeiter heißt es, nahe der Arbeitsstätte wohnen: iii der an sich sehr-teueren Stadt fallen-di» Verkehrsspesen entscheidend ins Gewicht. Das sozial» Problem So ist das wesentlichste soziale Problem akUt-geworden, mit dem sich seit 30 Jahren die Londoner Stadtverwaltungen beschäftigen" müssen: Die Uebervölkerung des Stadtgebiete», die' zur Entstehung der„SIumS"(sprich„Slams") Mörder hlnterm Lenkrad F» verhältnismäßig kurzer Zeit ist bereits der dritte Fall zu verzeichnen, daß skrupellose Autoinobillenker Straßenpassanten über den Haufen fahren und dann feige das Weite suchen, ohne sich um die Opfer ihrer verbrecherischen Unvorsichtigkeit zu kümmern. Das Wort M ö r- d e r ist keine Uebertreibung. In manchen Fällen solcher Art hätte das Leben der Betroffenen viel, leicht gerettet werden können, wenn der Bube hinter dem Lenkrad nicht Reißaus genommen hätte. Ein solches Verhaften läßt sich nicht mehr als Vergehen gegen die körperliche Sicherheit qualifizieren— wenigstens nicht vom Stand- punkte des menschliche» Empfindens aus. Das ist keine fahrlässige Tötung mehr— das ist Mord', feiger niederträchtiger Mord. Der letzte Fall dieser Art ereignete sich auf der Straße zwischen den Ortschaften Pkednk Lhota und Piskova Lhota bei Podöbrad. Der bisher noch unbekannte Verbrecher hinter dem Volant hat den 17jährigen Schleifergehilfeu Miroslav Kinel und dessen 18jährige Freundin,- BoZena Herzog überfahren und auf der Straße elend zugrundegehen lassen. Beide Opfer sind tot. Wie es heißt, verfolgt die Gendarmerie eine bestimmte Spur und rechnet damit, daß eS gelingen werde, den Täter auszuforschen. In einer Zeitung las nian die trostreiche Versicherung, daß der Großteil solcher Uebeltäter der „gerechten Strafe" doch nicht entgehe, wie die Statistik erweise. ES mag schon sein, daß der Großteil dieser gemeingefährlichen Subjekte früher oder später gefaßt wird, daß sie aber der „gerechten Strafe" zugeführt werden, ist eine kühne Behauptung. Wir haben mehrfach daraus hingewiesen, was fiir eine unvegreif- liche Milde die Gerichte bei Straftaten solcher Art an den Tag legen. Man hat einen solchen Fall verzeichnet, der mit der Verurteilung des Täter» zu— fünf Monaten A r- re st bedingt endete. Eine solche Praxis bedeutet allerdings nichts anderes, als daß Verbrecher dieser Art sich der Erwartung hingeben dürfen, daß ihnen selbst wohl im schlimmste» Fall nichts Ernstliches geschehen wird, daß fiir solche Ruchlosigkeiten der Arm des Gesetzes zu kurz und zu schwach ist. Furchtbares Eisenbahnunglück. 27 Tote— Kinder und Wellfnhrer Id FrankfdCh unter den Opfern— Zus entgleist wegen zu spät erfolgter Weichenstellung u>;u»r. rss.oo: a-anfluiuiit— Prag, Sender II: 15.10: Deutsche Sendung: Kleines Solistenkonzert: Im Rathaus der größten Stadt der Welt Londons Stadtverwaltung Vom Rundfunk Empl«hl«newertee au» den Prosrammani Samstag Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Presse. 10.80: Kompositionen von Mozart. 11.05: Schallplattenkonzert. 12.85: Blechmusik. 18.40: Operngesänge. 18.05: Konzert auS dem Baumgarten. 17.55: Deutsche Sendung: Der Arbeitergesang. Zum deutschen Arbeitersängerfest in Karlsbad. 18.80: Dichterstunde: Paul Leppin liest. 18.45: Deutsche Presse. 18.55: Deutsche Aktualitäten. 19.85: Fröhliche Musik. 22.85: Tanzmusik.— Brno. Sender II: Wie London regiert wird Groß-London hat 8,4 Millionen Einwohner, der Stadtkern, der das polittsche Gebiet der Stadigemeinde London umschließt, ist räumlich nur ein kleiner Teil davon, aber er ist von mehr als vier Millionen Menschen bewohnt. So schon die berühmten Londoner Parks sind: In den Straßen dieser Stadt steht kein Baum, ein unendliches Chaos von Mauern, gebaut im.Stil-- gewirr aller Zeiten, wird durchbraust vom Verkehr, wird erfüllt von der ruhelosen Geschäftigkeit des auf„büsineß"(Geschäft) eingestellten Betiebes. Dank der Bautätigkeit hat-London' „wenig" Arbeitslose: Im Juni 1988 waren eirund 100.000,— immer noch eine Großstadt für sich..„Wir sind Beamte und wissen, daß cs eine Regierung gibt", sagt der auSkunstertei- lende Beamte in der städtischen Pressestelle,„aber daß sie in Parteien getrennt ist, wissen wir nicht". Immerhin verletzt er seine echt englische Zurückhaltung insoweit, al» er zugibt, die Arbeiterpartei habe unter den 144 Stadträten Londons (124 wählt das Volk, 20 weitere werden von den 124 Hinzugewählt) die Mehrheit, ihr Vorsitzender, Lord Snell, und der Präsident der Stadwerwaltung, Herbert Morrison, früher TranSportminister im Kabinett MaeDonald, gehörten der Labour Parthy an. Morrison, in London äußerst populär, ist durch einige Aeuße- rungen zu weltbewegenden Ereignissen über seine kommunale Tätigkeit hinaus sympathisch bekannt geworden. Seine glänzende Wiederwahl hat er jedoch nicht einem politischen Richtungskampf, sondern ganz einfach seiner überzeugenden Leistung zu verdanken. Londons Bürgermeister wird nicht besoldet, er iibt sein Anit ehrenamtlich aus. Denn hier geht alles nach uralten traditionellen Gesetzen, nirgendwo spielt die Ueberlieserung eine so große Rolle wie im englischen Zeremoniell. Die City hat noch einen eigenen„Bürgermeister", aber die Aufgaben de» Lord-Major of London sind völlig repräsentativer Art: Man erinnert sich au» den Berichten von der Krönungsfeier, daß der König selbst, wenn er in die City eintreten will, erst bei dem in Perücke und historischer Aufmachung erschienenen Sir George Lchoma» Broadbridge— so heißt der-derzeitige Lord- Major— die Erlaubnis dazu einholen mutz. In ähnlicher Art wie in der Kommunalverwaltung anderer Länder teilen die 144 Stadträte der grüßten Stadt der Welt ihre Arbeitsgebiete.. in Ausschüssen-und Kommissionen auf, jeden Dienstag tagen sie gemeinsam,.um die entscheidenden... Beschlüsse zu fassen. Kleines Zsltsymptom Die beste Verwaltung kann nicht überall seim Än London, dieser durch den grötzteii Hasen der Welt weitgehend bestimmten, allen interna-.. tionalen Einflüssen offenen Stadt, haben sich trotz der tief verwurzelten demokratischen Statsbür- gergesinnung, die jeden faschistischen Erfolg aussichtslos erscheinen läßt, natürlich auch, einige Diktaturbäzillen angesiedelt. Ganz'frei von An-. stecküng ist auch das Rathaus nicht: Diese Zeit», kränkheit muß wohl.überall Überwunden werden. Der bereits zitierte Herr auf der Pressestelle des Rathauses, der doch so streng unpolitisch-sein! kann, erklärt- gleich bet der ersten Frage:„Bor allen Dingen müssen sie nicht vergessen, daß wir hier noch eine Demvkratie haben und also auf manchen Gebieten.weit zurück finit* Er sagt där in deutscher Sprache, und der verdutzte Besucher, der die AeutzerUng einem in London.ansässigen Kollegen wiedererzählt, mitß erfahren, daß.derselbe Beamte auch jenem anderen Journalisten gegenüber vor Wochen fich ebenso< geäußert hat.'.;'E» wird dem si?>* auswirkenden demokratische»)," Sne«.. Verwaltung nicht schad:.!, A..-' j vielen, auch literarischen Darstellungen, bekannt und berüchtigt geworden. Sie sind-da» Ergebnis s einer überschnellen kapitalistischen Enttvicklüng' der Hauptstadt des britischen Empire, dessen äußeres Merkmal ungesunde, dunkle, häßliche,, vor allem aber zu enge Wohnungen für die breite/ Masse des Einwohner sind. Da man aber gerade' die arbeitenden Menschen, in der Stadt braucht, kann man sie nicht auss Land oder in die Vororte verpflanzen: Man muß in der Stadt, deren, Baugrund immer begrenzter und gedrängter.. wird, Abhilfe schäften. Diese Problematik sor»- derte gewalttge Opfer, millionenhohe Summen und erst seit 1034 hat man sich zu ihrem rücksichtslosen Einsatz entschlossen. Seit 1088 hat sich die Summe, die man für die Beseitigung der SlumS auswirft, ver--- si'mffacht. 1084 übernahm Labour die Stadtverwaltung. Am nächsten Fahre wurden 8508 Wohnungsbauten errichtet, 1087 wird sich diese Zahl verdoppeln, im letzten Jahre hat man rund 3000 Häuser niedergerissen, nicht nur tu den Vororten, sondern säst überall begegnet man in der Stadt den riesigen Eisengerüsten, dib da» charakteristische Merkmal de» englischen Häuserbau» find. In London wird an allen Ecken und Enden gebaut. 85.000 Personen wurden- im letzten Jahre in neuen Wohnungen untergebracht, aber weitere 70.000 Wohnungen müssen noch ersetzt werden, bi» man vom Ende der Londoner Slum» wird sprechen können. Die Energie, mit der die linke Stadwerwaltung diesem zentralen Problem zuleibe gegangen ist, hat ihr den neuen Wahlerfolg gesichert. «r. 178 SamStag, 31. Juli 1937 Seite 5. I)MsMrtsckast und äosiaLpoLM Eine Teuerungsaushlife In der PoldihOtte - Vom Internationalen Metallarbeiterverband wurde Anfang Ault an die Direktion der„Poldt- HUtte" das Verlangen gestillt, der Arbeiterschaft des Werkes eine Aufbesserung der Verdienste zu bewilligen, Ueber diese Forderung fand" am Ntontä'g, den 28. d. M.,'eine Verhandlung sttzitr Die Forderung der Metallarbeiterverbandeö ging im erster Linie dahin, die hestehendenT a< rislöhne zu erhöhen. Leider ist es nicht mög-; lich gewesen, diese Forderung durchzusetzen und eö wurde lediglich von der Direktion der Poldihütte die Zusicherung gemacht, in der nächsten Zeit' eiste Ileberprüfnng d er L ö hn e vor» zunehmen. Nach der Verhandlung allerdings konnte auch der Grund, weshalb die Firma diesen ablehnenden Standpunkt einnahm, festgestellt werden. ; Sie DAG, welche im Betriebsausschußbie. Mehrheit Innehat, also heute leider noch als Mehr-- heitSorganisgtion im Betriebe betrachtet werden muß, hatte überhaupt kein« Forderung auf Erhöhung der Löhne eingebracht, weshalb es wohl jedem vernünftig denkenden Menschen klar ist, daß die Firmadie vom Internationalen Metalkärbei« terverband"eingebrachte Forderung aus generelle, Lohnerhöhung, ablchnte..Sie, ist scheinbar heute noch sder Meinung, daß von der Mehrheit der Arbeiter des Betriebes, die von der DAG angeblich, vertreten werden, eine Erhöhung der Löhne nicht, verlangt wird. Die Vertreter des Metallarbeiterverbandes verlangten auch, daß die im Jahre 1982 abgebaute Nachtzulage für jene Arbeiter, die in der Zeit von 10 Uhr nachts bis sechs Uhr früh arbeiten, im Betrage von 48 Heller per Stunde, wieder«ingeführt werde. Doch auch diese Forderung wurde nur vom Metallarbeiterverband eingebracht; die andere Organisation machte hievon ggr keine Erwähnung, weshalb es begreiflich ist, daß auch hier eine Ablehnung erfolgte.. Die Finna erklärte sich jedoch bereit,, die Arbeiterschaft an der wirtschaftlichen Besserung dadurch zu beteiligen,.daß sie«ine einmalige Aushilfe gewährt. Der MetaNarbeiterverband ist dann darauf eingegangen und schlug eine einmalige Aushilfe in der Höhe von zweiWochen- durchschnittsverdienften vor. Nach längeren Berhandlungen war eS dann möglich, ein« Aushilfe zu erreichen, die für jene Arbeiter» di« bis zum 1. Jänner 1936 im Betriebe waren, 72 Stundenlöhne, für jene, die lit zum 1. Jänner 1937 im Betriebe waren, 56 Stundenlöhne und für jene, di« vom 1. Jänner 1937 bib zum 30. Juni 1937 in dm Betrieb eingetreten sind, 36 Stundmlöhne beträgt. Dir Auszahlung dieser Aushilfe erfolgt in zwei Ra- ten,.ynd zwar Im August und Dezember. Die Verträge wurden bis 31. März 1938 abge- schlossc». ... Wäre cs aus die„Deutsche Arbeitetgewerk-i schäft"(Henleingewerkschaft) angekommen, hätte die Aushilfe nicht die jetzt vereinbarte Höhe-.ew reicht, da von dieser Organisation als Höchst- a u S m a-ß nur 64 Stundenlöhne gestochert wurden. Dadurch, daß die Vertreter de»„Jnterna- tioualen Metallarbeiterverbandes" auf. ihrem Standpunkt verharrten und von den geforderten 96 Stunden lediglich auf 86 zurückgingen, war es möglich, der Firma eine Aushilfe von 72 Stunden(HöchstauSmatz) abzuringen. Dieser, den Tatsachen mtsprechmde'Bericht heigt, daß die erreichte Aushilfe bei der Poldihütt« einzig, und allein auf das Eingreifen unseres MetallarbeiterverbandeS zurückzuführen ist. Um die Verbindlichkeitserklärung -de* Warnsdorfer Textil Vertrags Auf Veranlassung des Fürsorgeministeriums fand am 28. Juli eine von der Warnsdorfer Ve- zirksbehörde einberufene Sitzung wegen der Ber- binolichkeitserklärung des Kollektivvertrages in der Warnsdorfer Textilindustrie statt. Gegen die Verbindlichkeit werden von einigen Firmen in WtuinSdorf und Kreibitz Einwendungen-erhoben, die zut.Folge hatten, daß auch die erwähnte Be- ratung zu keinem Einvernehmen führte.. Dä.der bestehende Kollektivvertrag' bereits rpnd 84 Ppo- zent der in der Warnsdorfer Textilindustrie. Beschäftigten umfaßt, ist di« vom Gesetz-erlangte 76prozeniige Mehrheit zweifellos gejsebeü. ES«ist zu erwarten, daß dl« zuständigen Ministerien nunmehr eine rasche Entscheidung-fällen werden: Neue Jndustrieverschleppungen? Nach den? Bemühungen einer rumänischen Gruppe,, die mit tschechoslowakischer"Beteiligung in der Bukowina'.eine.heram.-t.s'ch« Fabrik.errichten'will/ strecken.jötzt ungari-sche Te^- til.i n d u-st r.t e'.l l«..ihre. Fühler nach- der Tschechoslowakei aus. In Budapest soll eine yeüe Taschentuchfabrik gegründet werden. Die ungarische Strumpffabrik, die- hinter-, dieser Neugtün- dung steht, sucht jetzt dieBeteiligünghiestger Jst- düstriefachleute, die sich an tzem steuen Unternehmen evtl. mit ihren Maschinen-beteiligen- sollen. 7 Tschechoslowakei größter LnxnSglaSlieferant Englands. Am ersten Halbjahr importjeWEng- lgnd aui der Tschechoslowäkti für. 178.876 Pfund Wirtk'chafts-' und Lüxusglas,-geßen-168.897 Pfund in der gleichen BorjahrS^eit.-iDmNit stand die Tschechoslowakei an der Spitze der Einfuhrländer. Den zweiten Platz nimmt Belgien ein, an dritter Stelle steht Deutschland. Die Konjunktur in der Maschincnindnstrie. In den ersten, fiinf- Monaten 1987 betrug die Ausfuhr von Metallbearbeitungsmaschinen 26.2 Millionen Kronen, gegen nur 18.6 Millionen in der gleichest. BorjahrSzeit. Neuer Auslandsauftrag für Skoda. Die Skoda-Werke haben den Auftrag zur Einrichtung einer Zuckerfabrik in Ostfinnland erhalten. Der Auftrag hat einen Wert von 16.7 Millionen Kronen. Audi In Frankreich schwierige Getreidepreisregelung Paris. Auf der Tagesordnung des Ministerrates stand u. a, auch die Frage der Festsetzung der Getreidepreise aus der neuen Ernte. Die Verhandlungen Wer den Verwaltungsrat der Getreideanstalten wären sehr schwierig und es kam dabei zu keiner", Einigung. Die Vertreter der Landwirte verließen die Sitzung und infolgedessen beschloß der Ministcrrat über Antrag des Landwirtschaftsmiyisters, den Preis für Weifen algerischer Provenienz mit 169.. Francs pro Me- terzentner festzufetzen. Ausgabenherabsefeung um 13 Milliarden Francs Paris. Der Ministcrrat hielt Freitag-seine letzte Sitzung vor den Ferien ab, in der er sich mit wichtigen finanziellen: sozialen, landwirtschaftlichen und außenpolitischen Angelegenheiten befaßte. Der Ministerrat billigte die neuen Ersparungen im Staatsbudget für das künftige Jahr. Die Posten für di« die Nationalverteidigung sichernden Arbeiten(11 Milliarden Francs) werdest ans dem ordentlichen Budget herausge- Eiu Pariser. Erlebnis Im Trubel der Weltausstellung betritt man auch den österreichischen Pavillon. Der Stände- Staat gibt sich aus gemütlich. Fremdenverkehr und nochmals Fremdenverkehr ist seine wichtigste Sorge. Gleich beim Eingang wird ein prächtiges Alpenpanorama mit der bekannten Glocknerstraße dargeboten. Im Innern des Pavillons erinnern mächtige Reliefs den Reiselustigen daran, welch ungewöhnliche Schönheiten ihm die österreichischen Eisenbahnen und Autosttaßen erschließen. Gesamteindruck:.Ein-Land-mit hohen Bergen ntid tiestwTälern, wo die Bewohner fleißig'.jodeln.und'.'tanzest öder zum Heurigen gehest, wahrend, der.brave Bürgermeister' Schmitz, ein neues, viel- schönercS Wien aufbäut, als eS je unter roter Führung dastand. Man verläßt nachdenklich das Gebäude und fragt sich,-wie weit die österreichische Wirklichkeit mit dieser anheimelnden Schau übereinstimmt. Da tritt' uns.vor-dem'(Eingang eine ausgesucht hübsche junge Dame entgegen und reicht uns mit gewinnendem Lächeln eine, bebilderte B r o s chÜ'r e mit der Aufschrift:„La helle Autriche", zu deutsch:„Das schöne Oesterreich." Sofort durchzuckt den biederen Tschechoslowaken der Gedanke: Donnerwetter, die verstehen sich auf Fremdenverkehrs-Propaganda. Davon könnten wir was. lernen. Doch beim Nachblättern wird der Beschenkte stutzig.- Denn plötzlich spricht, nicht mehr das offiziell« Oesterreich zu ihm, sondern das inoffizielle. Er hört die Stimme seiner Freunde aus den neuösterreichischen Gefäng- nissen, aus dem WöllerSdorfer'„Anhaltelager", aus de«.Betrieben, in denen eine rechtlos« Arbeiterschaft, front und darbt.-Unter dem.Titel:„La belle Autriche". verbirgt sicki eine alänzend geschriebene Aufklärungsbroschüre unserer sozialt- stischen Freunde Wer die.,wahren Zustände im .„schönen".und„gemütlichen" Oesterreich der .Febersieger. Wir lassen in deutscher Uebersetzung -einige. Kostproben, daraus folgen, damit unsere Leser sehen,.wie die österreichische Arbeiterbewegung auch.hinter d?n Kcrkergittern der Illegalität mit Satire Und Ironie z» kämpfen und das, Ohr der freiheitlichen Welt, zu erreichen vermag.! Gleich! im Gele'itwprt,. da» erst, recht rekla,' memäßig anhebt, heißt'eS plötzlich: ' Jeder, det Oesterreich näch unseren Rätschlä-- '- gen churchwastdert^^wird. in der.österreichischen' Landschaft', und. in'der.neuen österreichischen! Eigenart die Schönheiten Italien» und' D e u t s-ch l'-stln d r zugleich wiedererkennen. ,s Alle Kapitel-Titelisistd unverfänglich im Baedeker-Stil anlockend,gehalten,, desgleichen die Bilder., Interessiert man sich aber näher, beispielsweise'für!da»,>"'.. modeme Brauchtum an der Universität- „das st.recht.hie unverwüstliche Lebendigkeit des österreichischen Volles Bligt",. sp findet man, daß' darunter(. folgende- gemeint ist: .„wiedexhqlle'stzimtqn» Demonstrationen bei de» vaterländischen- Pslichipqrlesungen. Illegale Stu»,. - dententreis« benützen di« vaterländischen Pflichtvorlesungen- oftmals, um mrbote», Flugschriften nommcn werden, ferner wird der Aufivand für die öffentlichen Arbeiten um annähernd zwei Mil» liarden Francs herabgesetzt- werden u. a. Durch diese Ersparungen und durch die geplante Verstaatlichung aller Eisenbahnnetze in Frankreich werden die außerordentlichen Ausgaben, die Heuer annähernd 89 Milliarden Francs betrugen, auf 17 Milliarden Francs herabgesetzt werden. Die amerikanische Streikbewegung. Di« Wirtschaft der Vereinigten Staaten büßte im Monat Juni durch Streiks 4.6 Millionen Tagewerke ein. Laut Angaben des Arbeitsministeriunis begannen im Juni 676 neue Streiks. 860 Streiks waren am 1. Juni im Gange. 630 Streiks wurden im Beslaufe des Monates Juni beendet. Hoher Einfuhrüberschuß Italiens. Im ersten Halbjahr importierte Italien für 6.94 Milliarden Waren, während die Ausfuhr nur 8,78 Milliarden Lire erreichte. Die Bilanz schließt somit mit einem Einfuhrüberschuß von 8.16 Milliarden gegen nur 1.52 Milliarden im Vorjahre. — Im Verkehr mit der Tschechoslowakei wird«m Passivum von 61.8 Millionen Lire zuungunsten Italiens ausgewiesen. Man erhblt für Ke 100 Richsmark.... 773.— Markmünzen... 810.— 100 österreichisch« Schilling 831.50 100 rumänische Lei.. • 17.05 100 polnisch« Zloty... 100 ungarische Pengö.. • 533.50 • • 568.50 100 Schweizer Franken 658.— 100 französische Francs. • 167.45 1 englisches Pfnnd.. • 141.62 1 amerikanischer Dollar 28.60 100 italienische Lire.. 136.90 100 holländische Gulden. 1580.50 100 jugoslawische Dinare. 65.05 100 Belga»....« 483.75 100 dänische Kronen.. 636.— 100 schwedische Krone» 735.— zu verteilen. Besonderer Aufsehen erregte eS, al» während der vaterländischen Pflichtvorlesung über dem Katheder eine rote Fahne mit den sozialistischen und kommunistischen Emblemen sichtbar wurde. Au» diesem Grund« wurde der Krei» der bei den Pflichtvorlesungen Anwesenden auch um zahlreiche Geheimpolizisten erweitert, die nunmehr jeden Versuch oppositioneller Kundgebungen unterdrücken. Dann wieder findet sich unter der barocke» Fensterreihe zur Rechten deS Ball-' hauSplatzes• das Folgende: „Der Bundeskanzler Dr. Kurt v. S ch u t ch- uigg ist der absolute Herrscher über Oesterreich» Geschick. Denn in Oesterreich herrscht die Totalität de» Führer» der„Vaterländischen Front", ein Amt, zu welchem sich Bundeskanzler Schuschnigg nach dem Sturz de» Vizekanzler» Starhemberg selbst ernannt hat, der bi» 1986 „lebenslänglicher Führer" der Vaterländischen Front gewesen war. In einem Kapitel Wer di« Donau und die Rossauerlände, an der das Polizeigefangenenhaus steht, heißt es: Führungen durch die sehenswerten Anlagen diese» Hause», da» meist überfüllt ist, werden . nicht veranstaltet, denn e» besteht die Gefahr, daß die Gefangenen Beschwerde sichren könnten oder daß die ausländischen Besucher durch den furchtbaren Gestank, der In den Zellen herrscht, Ohn- machtsanfälle erleiden könnten. Im Untersuchungstrakt der Polizeigefangenenhause» sind meist Einzelzellen vorgesehen, sie sind aber in der . Regel von drei, manchmal auch von vier Häftlin- '- gen.besetzt. Anfangs Dezember 1986 waren in den 16 Zellen de» im 2. Stock de» Polizeigefan« ■' genenhause» gelegenen Frauenträkt» nicht weni- ger al» 61 weibliche Häftlinge— in Räumen, die für 16 Personen bestimmt sind! Vom schönen Schwarzenbergplatz, der unter anderem vom Haus der.Jndu- strie geziert ist, wird berichtet: Unser welchem Druck die österreichischen Ar- ' beiter stehen, zeigt folgender erpresserischer Brief,. -' den der'steirische„R«gi«rung»kommissär zur Bekämpfung staatsfeindlicher Bestrebungen in der ' Privatwirtschaft" einem Arbeiter in«Ine« obersteirischen Betrieb schrieb: 2.„Sie erscheine» ob Ihre» Verheilten» sowohl Während al» nach der Revolte 1934 al» i» poli- tischer Beziehung t,lastet.'.'. E» wird Ihne« 1 hiermit«ine ÄewähtunzSfrift in der Dauer eine» Jahre» auferlegt. Während dieser vewährung»- '' frist hat«».Sie deutlich fichttare, jeder«»»»«r- ..' kenntliche Zeichen einer deutlichen Gesinnungsänderung zu geben und sich im vaterländifchr« . Bit«« positiv zu»«tätigen. Ich Werse daher Ihr ' Verhalten scharf beobachten. Sollte«ach Ablauf - erwähnter Bewährungsfrist nicht festgesteltt fei«, ..daß Sie sich in Politischer Beziehung p»gk»m«r« gewandelt haben, s» werden Sie Ml den« Betrieb« entfernt werde» ' Die Empfehlung de» ,;l i e b l i ch e n Liebhart»tale»' wird also gewürdigt: „Auf dem Wege komme» wir an dem Polizei» kommissariat Hubergasie vorbei, da» eine berüchtigte Stätte der von uns gcschilderien Prügel« Methoden ist. In der Kreiturrgasse sehe» wir eines der größten A r b e i t« r h e i m e, die sich die Wiener Arbeiterschaft errichtet hatte und das im Feber 1934 der Schauplatz blutiger Kämpfe war. Bei der Belagerung durch die Polizei und da» Bundesheer wurde es schwer beschädigt, Minenwerfer und schließlich auch Artillerie haben die Vorderfront fast völlig zerstört. Die Gattin!-k sozialdemokratischen Abgeordneten S e v e r. der im Arbeiterheim seine Wohnung hatte, wurde durch eine Mine getötet." Ganz ausführlich ist der Hinweis auf die Dollfuß-Straße(so heißt die neue Glöckner-Straße); aber er ist in diesem Tone gehalten: „Beachten Sie die zahlreichen„Marterln", die Stätten frommen christlichen Gedenken», die die Dollfuß-Straße umsäumen. Da gibt c» zunächst einen Gedenkstein für falsche Eide; er findet sich am Begiim der Straße, denn mit gebrochenen Eiden hat da» christliche Oesterreich begonnen... An verkehr-stillen Tagen sieht nian bei diesem Marterl den Bundespräsidenten, einen der frömmsten Katholiken Oesterreichs, eine recht scheue Andacht verrichten." Die drei Punkte vor dem lehtzitierten Satz diktierte uns der Respekt vor dem Zensor. Gar vieles Anderes aus dieser Broschüre läßt sich aus dein selben Grunde hier nicht wiedergeben. Sie schließt also: „Plötzlich bricht die Dollfuß-Straße selbst ab — kein Weg führt weiter, kein Weg zurück. Wer sich soweit auf der gefährlichen Straße Vorgetvagt hat, stürzt ab,— denn die Dollfuß-Straße führt Oesterreich in» Verderben. Dar zu zeigen, ist Aufgabe diese» Reiseführer» durch da» neue Oesterreich I" fluzfani Wachsende Spannung zwischen KPF und Sozialisten Paris. In der letzten Zeit ist die Spannung zwischen der kommunistische» und sozialistischen Partei und zwischen der kommunistischen Partei und dem Allgeivcrkschaftlichen Arbeitsvcrband bedeutend gestiegen. DaS kommunistische Blatt„Hu- manits" veröffentlichte Freitag das Programm der vorbereiteten Vereinigung in eine Partei des französischen Proletariats, die durch die Fusionierung der kommunistischen und der sozialistischen Partei zustande kommen soll. Die Bedingungen der Fusionierung beinhalten fast durchwegs Grundideen der kommunistischen Partei, so daß das Generalsekretariat der sozialisttschen Partei heute mit einer amtlichen Nachricht antwortete, m der es heißt, daß der kommunistische Vorschlag den grundsätzlichen Beschlüssen des kürzlichen Marseiller Kongresses der sozialistischen Partei widerspreche. Die Frage der Annäherung und allfälligen Bereinigung beider Parteien wird in gemeinsamen Sitzungen der Delegierten der sozialistischen und der kommunistischen Partei in den von der sozialistischen Partei festgesetzten Grenzen beraten werden. Gleichzeitig mit dem Näherkommen deS sogenannten Kleinen Kongresse» des Allgcwerl- schaftlichen ArbeitsverbandeS mehren sich die scharfen Proteste einiger führender Persönlichkeiten gegen die wachsenden kommunistischen Eingriffe in die Gewerkschaftsleitung. Freitag hat der erste Stellvertreter des Generalsekretärs dcS Allgewerkschaftlichen ArbeitsverbandeS, Belli», einen scharfen Protest veröffentlicht. Kampf um den Südpol (AP) Die Sachverständigen sind der Ansicht, daß daS Festland in der Nähe des Südpols große Reichtümer an Gold, Kupfer, Blei, Silber und anderen Mineralien und Erzen enthält und daß auch Kohle vorhanden ist. Das ist die Erklärung dafür, daß die britische Reichskonseren: sich mit dieser Frage befaßt und einen besonderen Polarausschuß eingesetzt hat, der die Erforschung dieser Gebiete in die Wege leiten soll. Es- wurde beschlossen, ein Expeditionsschiff auSzurüsten, das eine 2ümonatige Forschungsreise antretcn soll. Es soll dabei von den Dominions unterstützt werden, die an die Antarktis angrenzen, also von Australien, Neuseeland und Südafrika. Einen Teil des Südpolargebietes hat sich das Empire bereits gesichert, nämlich das Gebiet, das an die Falklandinseln anschließt. Dort befindet sich, ein wichtiges Territorium für den Wal-Fang. Man rechn« damit, daß England in absehbarer Zeit zue formellen Besitzergreifung weiterer antarktischer Gebiete schreiten wird. Anspruch wird aber auch von andepen Ländern erhoben, und zwar von Argentinien, den USA, Frankreich, und angeblich auch Norwegen. Amerika verlangt ein Gebier von etwa 8661066 Quadratmcilen. Dao Marx-Byrd- Land war schon früher von Admiral Byrd als amerikanischer Boden erklärt worden. Was Argentinien anbelangt, so hat«S mit England Differenzen wegen verschiedener Inselgruppen. Australien nahm bereits 1988 von ejpem antarktischen Territorium. Besitz. Frankreich verlangt da» Adelie-Land. Neuseeland beansprucht das an den australischen Teil angrenzende Gzbiet. Und Norwegen will auf Bouvert-JSland. die Hand legen.■ La belle Autriche — Das schöne Österreich Seite 6 .Sozialdemokrat' SamStag, 31. Sn« 1037. Nr. 178 auffiel-,und auf Befragen angab, sie wolle Selbst« mord begeben. Die Unbekannte, die später als die 28jährig« Schneiderin Diarie Müller aus Prag ll agnoszier! wurde, wurde nach Dohnitz übergeführt. Wahnsinnig geworden. Gestern vornMägS wurde die-Polizei in«in HauS in Michle gerufen, wo die 84jährige Bojen« Pklk plötzlich wahnsinnig geworden wär und die,-Wohnungsinhaberinbedrohte- Als die Wache, eintraf, fand ste die Pktt völlig entkleidet mit einem Messe« in der Hand. Nach kurzem Kampf gelang er, sie zu überwältigen.. Wieder ein Motorwildling- Die 87jährige Lei« tüngsverkäuferin Josefa Smät aus Smichow wurde gestern in der Palackystrasse in Smichov beim Heber« schreiten der Straße knapp vor dem Gehsteig von einem unbekannten Motorradfahrer zu Boden ge« Dozent M. N. Dr. Hugo Hecht, Prag H,„Der Mann ohne Herz".(D.)— Louvre:„Der Muster« d i euer.-(Charles Laüghton. A.)— Maceika: „Falles Bcrgire''.(M- Chevalier, M- Oberon- Engl.)— Olymplc:„Wenn Frauen schweigen". (D.)— Perityn:„Die WildniS ruft?.(C. Gable. Ä.)— Rozy:'„Ave Maria".(Äenj. Äigli. D.)— Tatra:„Der Jäger von» Fall".(D.)-r- UBejvodü: „Prinzessin Inkognito".(McDonald. A.)— Baldek: „Eine Frau ohne Bedeutung"'.(D.)— Bcletrhy: „Der Gefangene de»-König»";'(D.) HMOK Heil-- bearketlnmi»maKhlnen erltklqMae gonltruktton. Und ttuSfübruna,' für TranSmtsä ston-antrieb oder direkt anne- bautem Motor 42V1 RIKOWWERKE HolzbearbettttnaS- . Maschinenfabrik. Uldiard Kodi.WinUirf 8 Die erste Damplmolkerei und Käserei iiGratzen.Biiliacrwilil empfiehlt Ihre erstklas«. Erzeugnisse. Beachten 8lo die Sohutamarke.l■ Joseph Ressel .Von Friedrich Tramer, Karlsbad*) (Schluss.)'. ■ Die Tragik bei dieser-misslungenen Probefahrt besteht aber darin, dass nicht die Erfindung Ressels,- die Schiffsschraube, versagt-hat, sondern der Bruch eines Dampfrohrs, das im Hüttenwerk St. Stephan.in Steiermark, hergestellt war,'die Ursache des Maschinendefektes war. .- Obgleich die Ursache des Unsälles leicht und schnell hätte behoben werden können, wurden von der Polizeidireltion in Triest alle weiteren Versuche, strengstens mit der'Begründung untersagt! dass die Verwendung von Gusseisen für Dampfkessel die.Sicherheit der Fabrt gefährde. So folgte Schlag auf Schlag. Auch die beabsichtigten regelmässigen Fahrten zwischen Triest und Venedig- wurden behördlicherseits verboten, da die englische Firma Morgan das ausschliessliche Privileg,.die Konzession für diese Strecke, befass: Während dem Erfinder-in's e i n e m Vaterlande diese Schwierigkeiten bereitet wurden, während er von Enttäuschung zu Enttäuschung gehetzt wurde.— ein jahrelanger, durch drei Instanzen geführter-Prozess mit Fontana endete schliesslich nach dem Tode des Triester Kaufmannes mit einem Vergleich mit dessen Erben**), hatte die Schiffsschraube- in Frankreich, England und Amerika ihren Siegeslauf angetreten..Schwere Kämpfe **) Ressel erhielt nach Abzug aller ihm durch den Prozess erwachsenen Spesen 1100 fl. C-°M. um die Priorität der Erfindung entbrannten, Kämpfe! die- den wahrheitsliebenden, mäckensteifen und für sein Recht mit'einer fanatischen Ueber- zeugungStreue kämpfenden Erfinder fast zu einem zweiten Michael KohlhqaS machten. Ressel müsste an sich.die. Wahrheit des Dich« terwortes„Selten ernten den-Lohn der Künste erste Begründer" erfahren,- . Nach einer.glänzend-bestmidenen. Probe.seines. Schraubendampfers, die er-in Gegenwart dreier französischer Kapitalisten auf dem Grossen Kanal in Pari» im April 1829 ablcgtc, muhte er erkennen, wie-unvorsichtig' er chei seiner Vorführung vörgegangen.war/ Denn die drei Franzosen wollten dem Erfinder n a ch h e r keine Vor- tcile für seine Erfindung zusichern, zumal auch Ressel mit ihnen vorher- keinen schriftlichen Vertrag abgeschlossen hatte. Ueberlistet und getäuscht, ohne einen Kreuzer in der Tasche, stand nun Reffelwöllig mittellos in Paris da.. Nicht einmal für die Rückreise hätte er. Geld, so dass er sich an seinen Geldgeber in. Triest, an Fontana, mit der Bits»-um Zusendung der nötigen Reisespesen lvandtc.-Diese» Ersuchen hatte aber zur Folge, dass.Fontana, vielleicht durch Morgan» Intrigen, beeinflusst,.sich- gänzlich von Ressel.lossagte und-seinen ,Schützling- im. Stiche liess.- Wohl selten, hat. ein Erfinder im Dienste: einer.genialen Idee so viele Schi^salsschläge erdulden müssenwie der arme Ressel. ' Sowohl in Frankreich als auch in England, und in'Amerika gelten andere al» die Erfinder der Schiffsschraube; denn Ressel wär finanziell' nicht imstande, die ungeheueren- Mittet für- die' Erbauung geeigneter Schiffe, für- die Fertigstellung der Schiffsschraube und für die mit den Probefahrten verbundenen Kosten auszubringen: ' Im Jahöe.1832 erhielten Sauvage in Frankreich-und 1886-Smith in England und Ericson für.Amerika das Patent, als Erfinder der Schisss- schraube zu gelten. Mit diesen Patentverleihun- gcn wurde- aber keineswegs: der-Kampfumdie Priorität der Erfindung ernstlich gelöst.,- Denü wenn auch, ein Schraubendalnpfer im ehemaligen Oesterreich das erste Mal 1840-unter englischer Flagge den. Hafen von Triest anlief, während'in anderen Ländern die von Ressel gemachte Erfindung bereits' erprobt und anerkannt, war, so bleibt die. Tatsache unbestreitbar,-„dass.Joseph Ressel nicht'nur der Zeit,-sondern auch'-der-Ide«-nach der erste war, der. die. noch- heut« übliche.Schraubenanordnung zwischen Hintersteven und Steuerruder erdacht und qpSgefiihrt-hat!'- ...Der Kampf um die Priorität der Idee und ihrer Durchführung muss aber- ist England noch einmal.entbrannt sein; denn im Jahre 1852 setzte die englische Admiralität eine Prämte-Von 29.900 Pfund Sterling füv denjenigen au»> der. den Nachweis erbringen könne, züch, ersten Male die' archimedische Schraube zum Betriebe'.Von'Dampfschisfen verwendet zu haben. ,' Aber'äuch bei diesem-Wettbewerb unterlag, der wirkliche Erfinder und'.der Vater- der-Jhe,e. gegenüber, Mssf anderen Bewerbern, unter' die im'Jähre 18Ü5 die Prämie zu gleichen Teildn verteilt'würde.- Ressels'näch London geschickten Dokumente' tvaren merkivür- digerwcise„in-Verlust geraten"-,'-so'- dass für die Zuerkennung' d«s Preises an Riffel'die gesetzlichen VlltäuSsetzüNjseflifcMen?!^ 'i Die Entscheidung des Komitees gelängt« aber nicht mehr iU die Hände RcsselS. Denn«»feiner Dienstrcisc, die ihn von Triest nach Laibach führie, erkränkte er an Mäläria und ein hohes.Fieber, das, ihn befie.l,. raffte den- unermüdlichen, an dem Sieg der Wahrheitfast verzweifelnden Ma»N nach einem-kurzen Krankenlager' in der Stacht vom-.v. auf. den. 19, Oktober 1857 himpeg: Mutterseelenallein, fern voll-seiner Familie,-starb Josef Ressel in einem Laibacher.Hotelzimmer.--Seine M>üde Hand hielt noch ein ärztliches Rezept fest, äüfi dessen Rückseite der Sterbenskranke' an seine Kinder, di« dringend«' Mahnung richtete, ,-„seine»-, Anspruch als de» ersten Erfinders-. der' Schiff»-' schraube vor her. Weltgeschichte nicht aufzügeben,". Als sein Mohn in däs. Sterbezimmcr trat, hatte derVater.bercits alleirdischenLeiden überstanden. -"-»-- , In Ressel erfüllte sich, ein ausgesprochen österreichisches Schicksält^verkännt, von Ort zu-Ort gejagt,'als'„unruhiger' Kopf und Projektemacher in'Disponibilität-versetzt", Müsste' er trotz selndr Armut und der Berwärnung seiner' Vorgesetzten -einen' Kampf. UM-Recht äusfechten,^ in.welchem er lejdev— wenigstens zu Lebzeiten'^-- unterlegen war."'i: ■> Erst die Nachwelt erkannte sein Verdienst an und würdigt«! wenn auch sväti-die' bedeutende Leistung und Erfindung' des„k.'ik.. Marine-Forstintendanten".:Am 18;>Jänner deS'Jähre»-136S würde.-'ein--ihmtvor- der Technischen Hoohschule-'-in Wien^gesetztes- Denkmal feierlich enthüllt. Aist 15..'Jüni',»1024 wurde'auf-lheimischer,'.Erde-'iN !sejnem'-!'Aebur'tsorte-Thrudim'^^-'ein-Denkmäl/ier« richtet.'!- B-zugrbedingu n g- n: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich-Ki 16.-t-, vierteljährlich jiä 48.—. halbjährig Kt 96.-r,, gänjjjährtg Kö 192.—.— Inserate werden lau« Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt.nur bei Einsendung der Rewurmarren.— Dir ZeitunaSfrMMtUr wuS« von der Polt« und Tel«, graphendirektion mit Erlass Rr. 18,89Ü/VlM9S9 bewilligt.,—»ruckssrei: Luch«,.»erW««atz LtW«gL«..a^zwchi^-«