Sozialdemokrat Ientralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit««»«»hm, d.« Montag tiigNch früh/«inzelpret» 70 Heller ^^^^unt^Derwaltung. Pxag XII,, FochovagL- Telephon 88077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Freitag,«. Auaust 1937 Aus dem Inhalt: Schuschnigg löst völkische Turnvereine auf Heimkehr vom Breslauer Söngerfest Die neue Schulordnung Warnung an Mieter Der Prager Bauarbeiterstreik Nr. 183 Pfund-Anleihe an China ™ n, L^bon.(Reuter.). Wie das Reuter, «ura erWrt' fam ,S während der Anwesenheit deS chinesischen FiNanzministerS Dr. K n n a, der abgereist ist, zu einer gründ» satzlichen Einigung über die Auslegung einer An» leihe.an Shin» in der Höhe bon 20 MMonen Pfund. Man nmNit an, daß die Anleihe öffeni. Uch ausgeschrieben werden wird." Amerika, Frankreich und Belgien geigen bereits für sie 3"!"efse. Außerdem wird- gemeldet, daß die «leider in London hinterlegt werden sollen, von ta* chinesische Regierung im Bedarfsfälle anfordern kann. Die Anleihe wird zür Kontier» sio» der innerchinesischen Anleihen verwendet werden. v« neue Völkerrecht ' Widerstand des feindlichen Heeres ist„Meuterei“ ‘. Tokio. Dem Blatte„Asahi".zufolge haben japanische Abteilungen am 3. August in der Nähe von Peiping 250Mannerschosse n, welche zu der Geydarmeriebrigad, der Provinz Hopei gehörten,. dir„gemeutert" und einige japanische Staatsangehörige, in Tunscha« am 28. Juli getötet Hütten.> Flucht vor den Japanern Shanghai. Wegen her Gerüchte Mer den bevorstehenden AuSbruch eines chinesisch-japanischen Kriege» und einer dann zu erwartenden sofortigen. Beschießung von Shanghai flüchteten etwa 16.00Q Chinesen mit Hab und, Gut aus den Stadtteilen Shanghais und den nordöstlichen Teilen" der internationalen Niederlassung in bnftBen» tarnt der Shanghaier KonzesfionSgebiet«. Aus Nanking-trafen mehre« tausend Flüchtlinge.'hier "ein, weil sie japanische Flugzeugangriffe auf die Hauptstadt der Zentralregierung befürchtet. ' Aber auch aus Shanghai reisten zahlreiche Einwohner in der Richtung Nanking ab..Der Flüchtlingsstrom war so groß, daß der ZugSver- kehr aüf der Streck« Shanghai—Nanking verstärkt werden müßte. Biele Chinesen verlassen auch' die Städte am Hangtse und an der Offlüste und zie- hen.sich ans das Land'zurück. TidNtsin. Die russischen Weißgardisten haben Mit-Bewilligung der Japaner in der ehemaligen russischen Konzession eine- M i l i z organisiert. Das Sowjetkonsulat ist mit dem ganzen Personal kn die britische Konzession übersiedelt. Pie Verlustliste ■ Tokio. Nach einer Mitteilung- des Kriegs- Ministeriums belaufen sich die'Verluste Japans in Nordchina bisher auf 864 Tote'und 889 Verwundete. Die- Chinesen, haben demgegenüber 2689 Tote gehabt. 8290. Mann chinesischer Truppen wurden entwaffnet und hundert gefangen genommen..Acht chinesische. Feldartillerie« geschützc, elf Minenwe'rser,' 209 Maschinengewehr« und 8090 Gewehre wurden von' den Japanern erobert. Pie Hinrichtungen gehen weiter MoSka«. Der Reuterkorrespondent meldet aus Moskau, die SowjetLehördcn hätten eine strenge Reinigungsaktion- in der Sowjetrepublik Ta dsch ikistanin Mittelasien durchgeführt. Der Vorsitzende des Sowjets wurde dep Spionage und der Stellvertreter des Ministerpräsidenten von Tadschikistan der E a b o ta g e beschuldigt.. -. Nach, einer Havas-Meldung hat das GerichtS- kribunäl in Asow den Direktor esttiir.SeWyären« fabrik, Steelec: ferner ben.Direktor des Le- benSntitteldiensteS,' R osche low.Und den Arzt der Gesundheitsdienstes,, Getman, die ange- kiagt waren: als,',trotzkistische Banditen Massen- Vergiftungen von Arbeitern organisiert zu haben", zum Tode durch Erschießen verurteilt. Die Anklage machte die Perurteilten dafür, verantwortlich, daß 122 Arbeiter nach demGenußvon Selchwaren durch Würswergiftung,. beinahe ums.Leben ge« wmmcn.Wfen:'/',",.... Waffenlager In Belfast aufgeweckt : Llmton.. Ein Waffe^aL,e,r wuMZyn' der Polizei tMÄMschen BieMMLeM.ent-' ■iüät. Mchr als 2000 Bombrnl Warden unter an» tzereut- beschlagnahmt.'' Die- iRazzttn-mch den MA-Fllhrern. schreiten', fhrt.' chabenj qberubiSher nicht zur Entdeckung, der Schuldißensgeführt.. Englands Luftaufrüstung Nur noch 200 Maschinen fehlen fast beendet Kampfflugzeuge mit mehr als 500 km Geschwindigkeit? Landö n.(HavaS.) DaS Luftprogramm Großbritanniens ist beinahe erfüllt. Rach einer amtlichen Statistik zählt die britische Luftwaffe heute 128 Eskadrillen, d. s. um 130 Prozent mehr alS im Iah« 1035. ES sind dies im ganzen 1542 Maschinen. Dem Programm entsprS- chend sollen die britischen Luftstreitkräfte 1750 Maschinen haben. Seit 1035 wurden 3500 neu« Piloten ausgenommen. ES muß fern« betont werden, daß di«' neu«» britischen Militärflugzeuge amßerordentlich leistungsfähig sind. Obwohl De« tailS geheim gehalten werden, steht doch fest, daß sich diese Maschinen mit den besten Typen der Welt messen können. Die Kampfflugzeuge sind schwer armiert und solle» eine Geschwindigkeit von weit über 500 Stundenkilometer erzielen. Am Montag, Dienstag und Mittlvoch kommender Woche finden in London Flugübungen statt, die die Möglichkeit der Abwehr eines nächtlichen Flugangriffcs aus London darstellcn. Mehr als 400 Militärflieger sowie zahlreiche Flugab- wehrabteilungcn nehmen an dieser Flugschuhübung teil. Fernost-Konflikt diplomatisch unüberbrückbar Japaner marschieren, Chinesen beraten jw erster Stelle siehe. Diese Forderung wär« je« oöchs wie man von chinesischer Teste erfährt,'für' den auf kommen lassen, daß doch noch Verhandlungen zwischen China und Japan in Gang kommen, durch welche der Zusannnenstoß zwischen der Zentralarmee und den Japanern aufgeschobe» werden könnt«. Bon japanisch« Seite verlautet angeblich, daß di« Forderung nach Zurückziehung aller Truppe» der Zrntralarmre aus Paoting und Südhopei Die chinesische Gesandtschaft in Prag erhielt über die Lage in China folgenden Bericht: In Rauling ist. die Konferenz für nationale Verteidigung zusammengetreten,. an der die höchsten militärischen Bebte Nanking-Regierung untragbar, wenn die Japaner nicht entsprechende Zugeständnisse in' der Frage der Zuriickziehnng der Truppenverstärkun- gen und einer Neuorientierung der derzeitigen politischen Ordiwng in Hopei machte». In Nanking wird angenommen, daß die ge- geiuvärtige Rnhe keineswegs als Z e i ch e n einer.Entspannung angesehen werden könne. Chinesische»kfiziell« Kreise' behaupten zwar, China wolle sich keinesfalls Berhandlungen verschließen, poch werden an die Berhandlungen, welche der- japanische Botschafter- Kawagoe in Nanking zu führe» beabsichtigt, nur geringe Hoffnungen geknüpft. Nanking ist zu Disknssionrn bereit, wenn die Japaner Nordchina znrückgeben und di« administrative Integrität Chinas in nördlichen'. Provinzen respektieren werden. Japan will„weiter bestrafen“ Tokio. Außenminister Hirota- teilte Anfrage im Reichstage mit, daß Japans grundsätzliche Forderung an China in der gemeinsamen Bekämpfung deS Kommunismus bestehe, der alS die treibende Kraft der antijapanischen Bewegung in China angesehen werde. Im Rahmen dieser Znsammenarbeit sei Japan bereit, den-chinesische» Wünschen entgegenzukommen. Weiter erklärte Hirota, daß die Besprechungen mit China neben den militärischen Aktionen weitergrführt werden. Kriegsminister Sugihanm erklärt« im Reichstag, eS fei möglich, daß-die japanischen Truppen über den Nungti-Fluß in südlicher Richtung weiter vorrücken würden, da die chinesische Armee ihren Marsch nach Norden in Richtung Peiping und Tiensin fortsehe. Die japanische Armee sei bereit, die chinesischen Truppen„bei Fortsetzung der herausfordernden Haltung" a« ch weit e rhin zu b e st rote tt. Sollten sich die Kampshändlüngen stn Süden Chinas auSdeh- nen, so müßte» neue Haushaltsmittel angefordert Werden, wodurch eine erneute Spndersitzusig deS Reichstages notwendig würde. In politischen Kreisen.erblickt man in dies« Erklärung SugihamaS «inen Hinweis auf die Unvermeidlichkeit»in« Ausdehnung des Konfliktes. Pie Parteien parieren und apportieren - Tokio. Bei der Konferenz aller P a r feien wurde beschlossen, dem-Parlament eine gemeinsameRes»lutionzuunter- breiten.inder die Nord chin». Politik der Regierung gebillig t wird. Gleichzeitig vor moderne Kriegsgott Japan hat den Verrät vor seinen Sieges- . wagen gespannt fehlShaber aus ganz China teilnahmen. Die Konferenzteilnehmer werden die persönlichen Instruk tionen Marschall TschiangkaischekS entgegen nehmen,. Ein japanischer Angriff aus die chinesische» Stellungen in Lihangsian an der Bahnlinie von Peiping«ach Hankau wurde»ürückgeschlagen.. Da bei wurde«in japanisches Flugzeug abgeschossen »nd ssir japanischer Tank«heutet. Ächt japanische Flugzeuge unternähmen Mittwoch einen Eekundungsflug über Hajtschao und einige andere Flugzeuge. kreiste», über den Städten'in Rordhonan. Die dort konzentriertet: chinesischen Abteilung«» haben aber volle Ruh» bewahrt. ES. wird erwartet, daß- j» kürzester Zeit heftige-Kämpfe beim Rangkai-Paß an der großen chinesische« Mauer äuSbreche» werden. : Schanghai. Die chinesische Gurnison 1»iSwätau terett'et sich»Ns'dit Äbwehrijapänisch« LäntumgSversuihe vor, nachdem die'Forderung der'Japaner auf Zurückziehung der.chinesische« Garnisonabgelehutwurben.DieAbrels« deS'jä»...._....... päNische» BätschafterS Kawagoe von Tientsin nach wird die Regierung ersucht, eine grundsätzliche Schanghaihat hier.«ine---'gewisse Hoffnung auf-'Lösung deS China-Problems herteizusühre». Frankreichs Sozialisten einig B B. Paris. In einer ausländischen Zeitung, die dem französischen Volksfront-Rcginte sonst positiv gegeitüber steht, lesen wir im Zusammenhang mit dem sozialistischen Parteitag von Marseille:„Dio Sozialistische Partei ist innerlich sehr gespalten, ein offener Bruch ist nur durch die überragende Persönlichkeit Blums verhindert worden". Und an anderer Stelle heißt es:„Es ist sicher, daß diese extreme Tendenz: deren Vorkämpfer Zyromsti und Pivert sind, immer mehr an Boden gewinnen wird." Hier liegt ei.. Verkennung der französischen Arbeiterbetvegung, des französischen. Parteibe- grisfs überhaupt vor. Die politischen Parteien Frankreichs haben keine straffe, sondern eine elastische Organisation und auch die Sozialisten machen keine Ausnahme. Die Sozialistische Partei verdankt ihre Entstehung dem Zusammenschluß mehrerer in ihrer taktischen Einstellung erheblich von einander abweichenden Gruppen,- die nicht nur ihre eigene Theorie, sondern auch ihr persönliches Idol hatten. Trotz aller-organisatorischen Einigung mußte das in irgend einer Form weiter» leben, was die eigentlichen Fraktionen, der Sozialistischen Partei während ihrer Sonderexisteuz hochgehalten hatten. Dem individualistischen Denken der Franzosen entspricht es, daß trotz der einheitlichen Plattform, welche gefunden worden tvar, innerhalb der Sozialistischen Partei neue Gruppen und Schicken entstanden. Daran empfand in Frankreich selbst niemand etwas besonderes, nur ausländische Beobachter, nichtsozialistische wie sozialistische sahen damit- Unheil herannahen. Das offizielle Bestehen von Fraktionen bei den fran« Wischest'SoziSIMN"ffk^iN«entktagrgen'jede- Unterminierarbeit, von welcher Seiw sie auch immer ausgehen- mag. Selbst,- wenn einmal ein in, nerer Gegensatz bis zur AbsplittedUng von Gruppen führt, so erleichtert das FrakstonSshstem eine Bereinigung des Konfliktes, denn die revoltierenden Kräfte lassen sich mit Leichtigkeit überschaue». So Ivar cs beim Abfall der Nöosozialisten Ivie beim Ausschluß der links-extremistischen Amster- damisten. Ledes. Parteimitglied ist vor den anderen Genossen von vornherein dahin abgestem- pelt, Anhänger der Resolution Paul Faure, der „Bataille Soeialiste" oder Marceau Piverts zu sein. Die gesamte Vorbereitung eines Parteitages steht im Zeichen des Fraktionskampfes. Dieser vollzieht sich folgendermaßen: Lede Fraktion— vor Marseiile waren, ihrer drei— arbeitet die Entschließungen aus, welche dem Parteitage vorgelegt werden solle». Sie erscheinen in einen« Anhänge zur Parteipresse. Jede lokale Sektion stimmt über die vorliegenden Resolutionen ab und delegiert nach dem Proporz Vertreter der einzelnen Fraktionen auf die Föderationskonferenz, welche sämtliche sozialistischen Organisationen eines Departements umfaßt. Hier erst werden die Delegierten für den Parteitag wiederum nach den Grundsätzen der. Verhältniswahl.bestimmt. Der Parteikongreß, der somit zum wahren Spiegelbild der Mitgliederstimmung wird, geht an Hand der gleichen Prozedur bei der Wahl der Exekutivorgane vor. Somit wird der Parteivorstand, in Frankreich„permanente Verwaltungskommission" genannt, zu einem kleinen Parlament; in dem die verschiedenen Parteischattierungen eine angemessene Vertretung finden. Auf dieselbe Weise kommt die Kontrollkommission, der BerwaltungSrat des„Populaire" und die Delegation für die Sozialistische Internationale zustande. An diesem programmgemäßen Verlauf der Dinge hat-sich auch-in-Marseille nichts geändert. Und nun' zu- dem„Extremisten" Zyromski. Während die Entschließung Blum«Faure 2149 Stim« men auf sich vereinigte, erhielt die ZyroMskyZ 1548 und die-Piverts 894 Stimmen. Wenn man von Zhromski'spricht, darf man seinen.Partner nicht vergessen, Blums alten Mitarbeiter Bracke, der heute Chefredakteur des sozialistischen Zentralorgans ist und zu den- angesehendsten Persönlichkeiten der internationalen Arbeiterbewegung gehört. Die Parteimehrheit konnte natürlich mit guten: Rechte für sich den so wichtigen Posten beanspruchen. Daß sie es nicht tat, beweist nur, daß' zwischen, den'bejden Haupttcndenzen innerhalb der Sozialistischen Partei kein Iveseicklicher Unterschied besteht. Die beiderseitigen Entschließungen enthalten ungefähr die gleichen-Forderungen, das gleiche Bekemstnis zu Löon Blum, gewiß mit einigen/stilistischen Nuau'zierungen, welche ver« l Teile 2 Freitag, S. August 1927. Nr. 183 schieden« Auffassungen über die Details der ein- zuschlagonden Taktik offenbaren lassen/ Wenn wir schon zugestehen sollen, daß Bracke-Zyromski eine Opposition, innerhalb der Partei darstellt, so kann dies nur mit der Cinschränlung gelten, das; es sich lediglich um eine ideelle Opposition handelt, um eine konstruktive, um Blums„allergetreueste" Opposition. Die Anhänger der„Bataille Socialiste", so hieß früher das Organ von Bracke- Zyromski, ivürden sich sehr wundern, wenn man ihr Sonderbekenntnis innerhalb der Sozialistischen Partei mit einem Mangel an Loyalität gegenüber Blum oder mit Extremismus identifizierte. Nicht nur Bracke, sondern auch viele andere enge Mitarbeiter Löon Blums stehen im Lager der „Opposition" und wenn die Entschließung der Mehrheit scherzhaft die„Resolution der Minister" genannt wurde, so hieß die ZyromskyS„Resolution der Attaches", weil ihr nicht wenig MItglie» der von Ministerkabinetten bcigcpflichtet hatten. Eine eigentliche Rechtstendenz, die«inen integralen Reformismus vertreten würde, gibt eS schon seit vier Jahren in der Sozialistischen Partei nicht mehr und diese Tatsache trägt vor allem auch dazu bei, daß den Auseinandersetzungen zwischen der Parteimehrheit und der Gruppe Zyromski- Bracke die Bedeutung eines prinzipiellen Kampfes fehlt. Als Extremisten kann man bestenfalls Mar- ceau P i v e r t bezeichnen. Um ihn sammelt sich alles, was an einem veralteten Defaitismus festhält, was mit den Lehren, die sich aus dem Siege des Faschismus in mehreren europäischen Staaten ergeben, nichts anzufangen weiß. Die Volksfront, die Pivert nur sehr lau unterstützt, scheint ihm nicht weitgehend genug und er möchte sie am liebsten durch eine„revolutionäre Front" ersetzen ohne Radikalsozialisten, aber mit Anarchisten und Trotzkisten, Gruppen, die nur in der Pariser Ge gend eine gewisse Bedeutung haben. Die Pivert- Fraktion hat den Ehrgeiz nicht nur die revosutto- närste Gruppe innerhalb der Sozialistischen Partei, sondern auch in der gesamten französischen Arbeiterbewegung zu sein. Pivertistcin ehrlicher;• aber leider zu gutmütiger Politiker, der nicht im« mcr seine Umgebung richtig zu beurteilen versteht. Daher war es im Frühjahr notwendig gewesen, eine chirurgische Operation durchzuführen, durch welche die Ausscheidung einiger parteischädigender Elemente ermöglicht wurde. Pivert besaß Disziplin genug, um sich den Beschlüssen der überwiegenden Mehrheit der Partei zu unterwerfen und sich von einigen kompromittierten Anhängern zu distanzieren. Eine Spaltungsgefahr besteht auch von feiten der Piverk-Gruppe nicht. Pivert weiß zu genau, daß seine Gedankengänge und seine Person nur innerhalb der Sozialistischen Partei eine Bedeutung haben können, losgelöst von ihr wäre er nur das Haupt einer bedeutungslosen Sekte. Allerdings wird er auch damit zu rechnen haben, daß die doktrinären Bedenken von den Massen der Parteimitgliedschaft angesichts der unleugbaren tatsächlichen Erfolge der Volksfront-. Regierungen immer mehr in den Hintergrund geschoben werden. So finden wir trotz nüchternster Betrachtung nichts, was berechtigen würde, von der Gefahr eines offenen Bruches bei den französischen Sozialisten zu sprechen. Zu diesem Resultate gelangen wir, wenn wir uns hüten zu übersehen, daß sich jede Arbeiterbewegung die Organisationsform gibt, welche dem nationalen Charakter und Temperamente am weitgehendsten entspricht. Die „gallikanischen Freiheiten" bedeuten für den französischen Sozialismus die beste Garantie für den Fortbestand einer einheitlichen Partei, während sie vielleicht anderswo angewendet verhängnisvoll werden könnten. Turnverein«— Sitz des Nazismus Wien löst Illegale Zellen auf Wien. Amtlich wird verlautbart! Im Zusammenhang mit den Demonstrationen der illegalen Nationalsozialisten am 17. und 18. Juli 1937 in WrlS anläßlich de» WiedersehenSfesteS der Frontsoldaten wurde von den SicherheitSbe- hörden von Ober-Oesterreich die Tätigkeit der deutsch-völlifche» Turnvereine„Jahn" in WrlS, Gall-Neukirchen, Ischl und Ebenste eingestellt, bzw. deren Auflösung verfügt. Bezüglich der anderen deutsch-völkischen Turnvereine gehen die Erhebungen weiter. Meutereien Im Franco-Lager Madr i d.(HavaS.) An d« Peripherie der Universitätsstadt, bei der Franzosenbrücke, war Donnerstag lebhaftes Gewehrfeuer und später auch Gefchützfeuer sowie einige Granateneinschläge zu vernehme«. Flüchtlinge bestätigen, datz es in den Reihen der Aufständischen zu einer Meuterei gekommen ist. Ein Teil der an dieser Stelle operierenden Aufständisch«, soll für di« Uebrrgabe gewesen sein, während die übrigen rrllärten, datz im Kampfe gegen die Negierungstruppen bis zum Schluß ausgeharrt werde» müsse. Zwischen de« treuen und den meuwrnden Abteilungen soll es dann zum Kampf gekommen sein. RrgierungSflieger Haien den Flugplatz in G a r r a y in der Provinz Soria bombardiert und 13 Flugzeuge der Aufständischen schwer beschädigt. Die RrgierungSflieger erreichten darauf wohlbehalten Saragossa, wo sie de» Flugplatz GarnpinelloS bombardierten und 18 Wug» zeuge der Aufständischen beschädigten. Lord Plymouth kommt nicht von der Stelle London. Das Kompromiß, auf dem sich die freitägigen Verhandlungen des Nichtinterven- tionSauSschuffeS aufbauen sollen, ist noch wenig übersichtlich. Die Donnerstag nachmittags stattgefundene Aussprache zwischen Lord Plymouth und dem deutschen Geschäftsträger Dr. Woermann verlief, wie in White Hall erklärt wird, in Fornr eines freundschaftlichen Gesprächs. Eine deutsche Note ist dabei nicht überreicht worden. Auf der Londoner Sowjetbotschaft wird erklärt, daß die Sowjetunion ihre Einstellung zur spanischen Frage nicht geändert habe. Sollten bis Freitag keine neuen Instruktionen aus Moskau ejntteffen: so ist omgesicht» des deütfch-Italletti» scheu Widerstandes kaum ersichtlich,.wie der tote Punkt überwunden werden soll. Zein Briefwechsel Mussolini—Hitler? Rom.(HavaS.) Amtliche italienische Kreise dementieren entschieden die in der ausländischen Presse aufgetauchte Nachricht von einem Briefwechsel zwischen Ministerpräsidenten Mussolini und Reichskanzler Hitler. ES wird hinzugefügt, die Achse Rom-Berlin fungier« normal, was jede außergewöhnliche Prozedur, wie einen Briefwechsel oder dergleichen, ausschließe. Japan und USSR »>r klar zu werden, daß auch drüben auf Zahnradstrecken keine Schnellzüge verkehren. Deutsch«: Staatsbürger dürfen in ihrer Heimat ihren Unmut nicht in dieser Form äußern, wenn sie es nicht riskieren wollen, in einem Konzentrationslager zur Volksgemeinschaft erzogen zu werden. Wieder auf heimatlichem Bilden, konnten Männlein und Weihlein nach Herzenslust schimpfen. DaS ganze wurde gemischt mit fast ununterbrochenem, kräftigem Heilgebrüll. Daß die Breslaufahrer, die am Montag über Polaun zurückkehrten,sin ihrer Mehrheit recht un« vernünftige Menschen sind, geht auch daraus Herdor, daß sie immer wieder erzählten, wie biNig und, gut alles im Deutschen Reiche sei. Für RM 6.20 haben sie erhalten: die Fahrt Polaun— BreSlau und zurück, Üebernqchtung und überreichliche und gute Verpflegung für viereinhalb Tage, Eintrittsgelder,' außerdem die schon erwähnten Geschenkpakete. An Deutschland lasse es sich daher sehr, gut und billig leben. Die Herrschaften haben sn.ihrer Einfalt nur überseben, daß mit den RM 6.20 kaum die Fahrtspesen gedeckt sind und alles anders, das deutsche Lott durch Steuern uyd In den nächsten Tagen feiert die Teplitzer „Freiheit" ihren vierzigjährigen Bestand. Es sind vierzig Jahre wechselvollen Kampfes, deren in einer Festausgabe des Blattes nun gedacht wird, vierzig Jahre, in deren Ablauf die„Freiheit" eine ruhmreiche und erfolgreiche Rolle spielte. ES ist das Blatt Seligers, das jubiliert, die Zeitung, die von Seliger zu einer der besten sozialistischen Zeitungen im deutschen Sprachgebiet entwickelt worden ist und In dem Ringen der sudetcndeutschen sozialistischen Arbeiterbewegung immer führend war. Josef Seliger hat das Blatt durch mehr als zwanzig Jahre betreut. Es war sein Sprachrohr und Kampforgan und war weit über die Grenzen seines Verbreitungsgebietes hinaus bekannt, Und so wie es im alten Oesterreich eine der bedeutsamsten geistigen Füh- rerfunktionen erfüllte, blieb es auch in der Spal- tungSzeit seiner Tradition und seiner sozialdemokratischen Aufgabe treu. Josef Seliger ist von uns gegangen und mit ihm viele Teure, die mit dem Blatte verbunden waren und ihm sein Gepräge geben: Karl Eermak, Oswald Hillebrand, Ernst Hirsch, Rudolf Rückl— aber geblieben ist ihr Geist, der noch heute in d«r„Freiheit" seinen herrlichen Ausdruck findet. Einige Generationen sozialistischer Journalisten sind, erst unter Seligers Führung, dann unter der Führung der anderen, durch die Schule der„Freiheit" gegangen: die Geschichte der„Freiheit" ist die Geschichte des sudetendeutschen sozialistischen Journalismus. In einer inhaltlich und technisch vorbildlich gestaüeten FestauSgabe wird die stolze Geschichte der„Freiheit" unserer ganzen sozialistischen Bewegung in eindringlichster Weise nahegebracht. Auf nicht weniger als 48 Seiten, die in einen herrlichen, von G. H. Trapp entworfenen und in Tiefdruck ausgeführten Umschlag gebunden sind, wird«In Querschnitt durch das gesamte Schaffen Abgaben bezahlen muß. Da im Hitlerreiche die Besitzenden mit Steuern und öffentlichen Abgaben weitgehend verschont werden, haben die sudetendeutschen Sänger mit ihren Damen in Breslau einige gute Tage auf Kosten der dcuffchcn Arbeiter verlebt. Wenn dieser Umstand ihr deutsches Gewissen nicht bedrückt, dann mag es eine Freude für sie sein, daß sie an einer Probemobilisierung gegen ihre Heimat mitgewirkt haben. vrtsgruppengrvndung In Handlova(KrlckerhSu) Im Zuge des Aufbaues der Parteiorganisation in der Slowakei wurde am vergangenen Sonntag im Anschluß an ein Referat des LandeS- sekretärS T e j e s s y die Ortsgruppe Handlova der Partei gegründet. Vorsitzender ist Bergmann Rudolf Dörer.— Mit dieser weiteren Neugründung sind nunmehr die Voraussetzungen geschaffen, um in der Kremnitz-Deutsch-Prob'ener Sprachinsel im Herbst eine eigene Bezirksleitung mit dem Sitze in Handlova einznrichten, um von hier aus das Banner der deutschen Sozialdemo« lratie auch in jene deutschen Gemeinden de» Gebietes zu tragen, in denen eine Parteiorganisation bisher nicht' besteht. Di« Eltern für dir Kinder! Die deutschen kaufmännischenLehrlinge und Lehrmädchen, Praltilantenund sonstigen Jungangestellten finden die zweckniäßigst« Betreuung und Jnteressentvahrung in der zuständigen freien Gewerkschaft und deren Zugendabteilungen, imAllgemeinenAn» vestellten-BerbandRteichenberg. Beruf»- und Allgemeinbildung, Geselligkeit, Sport und«Spiel in regebnäßigen Veranstaltungen.— Eltern, traget Sorge für die rechtzeitige und richtige Organisierung euerer Kinderl— Schüler und Hörer der Handelsakademien. Handels-, Fach-, Gewerbe-, Mit- tel-undHochschulen sichern sich durch den Beitritt in die Vereinigung der Mitte l«i, n d Hochschüler im Allgemeinen Anüestellten-Verband wertvolle Rechte und Vorteile. Außer den wichtigen Mitglieder» reihten besondere Begünstigungen durch Freitisch« aknonen, ermäßigte und fteie Eintrittskarten zu Theater, Konzerten, Besichtigungen, Vorträgen usw., Wohnungsvermittlung, kostenlose Nachhilfestunden, Vermittlung bezahlter Äu»hilf»dienststellen usw. Eigene Heime und Veranstaltungen. Di« Jugend» und Schülergruppen stehen unter der Leitung erzieherischund organisatorisch erprobter Funktio- nä re.— Eltern, sicherteueren Kindern w i rks a m e I nt e resse n w ab- ru n g imAll gemeinen Ange stellten»Verband Reichenberg. Aufllä- rung»- und Werbematerial durch die Verbandszen« Wale, Reichenberg, Tuknerswatze 27. Ort»- und Jugendgruppen in allen igrößeren Orten. Geschäfts- stellen in Karlsbad, Teplitz-Schönau. Bodenbach, Reichenberg, Trautenau, Jägerndorf, Mähr, Schön« bexg.und Brünn. . Di« Eröffnungsfeierlichkeiten de» neuen Naturfreundehauses im Riesengebirge finden voraussichtlich Mitte September statt, Schon heute ist dieser Tag jieizuhalteu.‘ J der sndcteiideutschcn sozialistischen Bewegung in der Gcgenlvart geboten, werden die vierzig Jahre des Ringens und Gestaltens unserer„Freiheit" dargestellt. Die Männer, die jetzt die„Freiheit" führe» und mit der Gestaltung dieser Jubiläumsschrift ein ehrendes Zeugnis für das hohe Können der sozialistischen Journalistik lieferten, nehmen neben den Vertrauensinännern der verschiedensten Zweige und den Betreuern der vielgestaltigen Tätigkeitsgebiete unserer Bewegung das Wort. Da sprechen die Führer der Partei und der Teplitzer Kreisorganisation zu uns, die Vertreter der Genossenschaften, der Gewerkschaften, der Kulturorganisationen, die Kommunalpolitiker, die Geschichtsschreiber, die Kulturpolitiker, die vielen ausländischen Freunde der„Freiheit" und der sudctendcutschc«« sozialistischen Bewegung, die Dichter und Graphiker, die tschechischen Mitkämpfer, die VerwaltungSmcnschen der Beweguitg, die Wirtschaftspolitiker, die Frauen, die Journalisten der Bewegung: und eS entstand ein ergreifend schönes Bild der kampfcriiilltcn Vergangenheit, ein hinreißender Querschnitt durch die Gegenwart, ein geschichtliches Dokument von so großem inneren und äußeren Wert, daß jeder S'oziülist bestrebt sein wird, cs zu besitzen. Auch diese FestauSgabe, die den großen Krcisarbeitevtag in Teplitz-Schönau würdig ein- leitet und den Beweis liefert, daß die Bewegung im Teplitzer Kreis die Bewegung Seliger? geblieben ist, trägt dazu bei, unseren alten, berechtigten Stolz auf die„Freiheit" und die Teplitzer Bewegung zu mehre». Das Fest der„Freiheit" ist das Fest der gesamten Partei: die Partei ScligerS fühlt sich dem Blatte SeligerS verbunden wie eh und je und ist überzeugt, daß eS seine bisherige ruhmreiche Geschichte im Geiste feines ersten großen Gestalters fortsehcn wird. lc. k. Warnung an Mieter In letzter Zeit bedienen sich viele Hausherren eines neuen Tricks, um Mieter, die den Mieterschutz noch genießen und daher nur mit Ge- nehmigung des Gerichtes und aus dein im Mir- terschutzgeseh ausgezählten Gründen gekündigt werden können, auf recht einfache und billige Weise Um ihr gute» Recht zu bringen. Eines Tages erscheint der Hausherr in Begleitung eines Zeugen in der Wohnung des Mieters und kündigt diesem mündlich di« Wohnung zu einem bestimmten Tage. Der Mieter protestiert, beruft sich auf den Mieterschutz und erklärt, die Kündigung nicht zu akzeptieren. Der Hausherr besteht auf der Kündigung und ohne viel« Worte zu verlieren, verläßt er die Wohnung de» Mieters. In der festen. Ueberzeugung von seinem guten Rechte und von der Ungültigkeit der dem Mieterschutzgeseh offenbar widersprechenden Kündigung läßt der Mieter diese unbeachtet und denkt nicht daran, die Wohnung zum Kündigungstermin zu räumen. Wenige Tage nach dem Ablauf der Kündigungsfrist erhält er jedoch zu seiner großen Ueherraschung eine Klage auf Räumung der Wohnung mit der Begründung, daß die ausgesprochene mündliche Kündigung in Rechtskraft erwachsen ist,.weil der Mieter gegen die Kündigung keine Einwendungen in der gesetzlichen Frist bei Gericht erhoben hat. Kein Lamentieren bei Gericht und kein Hin- tveis darauf, daß der Mieter ja nicht wisse«: konnte, daß er Einwendungen gegen die mündlich ausgesprochene Kündigung bei Gericht erheben müsse, helfen dem empörten Mieter, denn Unkenntnis des Gesetzes schützt nicht vor den Folgen, und der Räumungsklage des Hausherrn wird unweigerlich stattgegcben. Der Trick des Hausherrn, dem der Mieter auf dem Leim gegangen ist, hat seinen Zlvcck erreicht, der Mieter, welcher im festen Vertrauen auf den Mieterschutz die Kündigung nicht ernst nahm, hat sich durch Nichteinbringung der Einwendungen bei Gericht des Rechtes auf Mieterschutz begeben und muß die Wohnung räumen. ES ist hier nicht der Platz, gegen solche Entscheidungen der Gerichte zu polemisieren; eS sei nur erwähnt, daß sich vom juristischen Standpunkt viel gegen die Richtigkeit derselben einwenden ließe. Wir müssen unS mit der Tatsache abfinden, daß das Oberste Gericht in Brünn in diesem Sinne enffchieden hat und daß sich die unteren Instanzen selbstverständlich der Judikatur des Obersten Gerichtes anschließen- Darum seien alle Mieter ausdrücklich gewarnt, sich nicht auf den Meterschutz blind zu verlassen, sondern gegen«ine mündliche oder schriftliche außergerichtliche Kündigung, ebenso, wie gegen eine gerichtliche Kündigung, binnen acht Dagen beim zuständigen Bezirksgericht Einwendungen zu erheben und in diesen Einwendungen anzusühren, daß die Kündigung nicht an» erkannt wird, weil der betreffende Mieter unter Meterschuh steht. Falls dieser Weg gegangen wird, sichert sich der Mieter vor unangenehmen Ueberraschungen. vr. Vrltz Hä»*, MShr.-Ogtrau, Seite 4 «rcitnn, S. August 1037. Nr. 183 Jftgegnewigfceltw „Ein ganz unpolitisches Fest** Die„Frankfurter Zeitung" schreibt: „Der Festzug, der in Breslau zum 18. Deutschen Sängerbundesfest.versammelten Teilnehmer, die am Sonntag vor dem Führer und Reichskanzler vorbeizogen, gewann seine besondere Bedeutung durch die Teilnahme von Zü.OOOVertreternderauSlandS- deutschenBolkSgruppen, die aus Oesterreich, derTschechoflowakei, aus Polen und den Balkanländern, aber auch aus Nord- und Südamerika und Südafrika eingetrosfen waren und vor Adols Hitler ihre Verbundenheit mit ihrer alten Heimat, dem deutschen Lied und der deutschen Sprache bezeugten. Wir haben durch unseren Korrespondenten im MontagLblatt darüber schon kurz! berichtet und entnehnien nun dem„Deutschen Nachrichtenbüro" folgende Einzelheiten, die ein anschauliches Bild dieser Veranstaltung vermitteln: ■ Immer wieder muhte der Zug lange Zeit unterbrochen werden, und die M u s i k w u r d e ü b e rtönt durch die Stürme der Begeisterung. Alle gutgemeinten Absperrungsletten waren nutzlos, die Männer und Frauen stürmten zum Führer, Tausende von Händen streckten sich ihm entgegen. Und sichtlich bis ins tiefste ergriffen drückte der Führer ihnen immer wieder die Hand/ Sie empfanden das Glück, an der Wurzel und in der Urheimat ihres gemeinsamen Volkstums zu Iveilen und den Mann zu.sehen, der diese ihre alte Heimat zuneuerMachtu n d neu er Freist eit geführt hat. Der anfangs die Mitte zwischen den beiden gegenüberliegenden Tribünen ein-I haltende Festzug kam gleich bei den ersten auslandsdeutschen Gruppen aus der Bahn. In über« schäum enderBegeisterungbra- chen dieersteu aus derReihe aus. Der Bann war gebrochen/ und alles stürzte nun auf die Führertribüne zu, dem ganzen Zug für die Folgezeit die Richtung gebend. N o ch n i e z u v o r hat die Verbundenheit aller Volksdeutschen jenseits der Grenzen so spontan und so überwäl- tigendAusdruck gefunden wie bei diesent Festzug anlählich des 12. Deutschen Sängerbundes- sester, bei dem zum erstem Male Ausländsdeutsche in grober Zahl an dem Führer vorbeimarschierten. Immer wieder ergriff der Führer die ihm entgegengestreckten Hände der lachenden und weinenden Menschen und druckte sie herzhaft. Kleine Sträub- ch e n. m i t v i e l L i e b e g e b u n d e n. wurde» ihm überreicht/ und er nahm sie mit Dank. Die Stürme der Begeisterung nahmen orkanartigeAusmahe an, als Abordnungen der Sängerbundessestmitglieder aus B r a u- nau am Inn, der Geburtsstadt des Führers, im Jestzu'g marschierten. Hier kannte»der Jubel der schlesischen Volksgenossen, die jede einzelne Gruppe pes Festzuges, begrützten, keine Grenzen. Mit unbeschreiblichen Kundgebungen wurden die Braunauer Sänger von den Zuschauern auf den Tribünen empfangen, und auch die übrigen Gruppen des Festzuges jubelten ihnen ununterbrochen zu. Sie alle ehrten dadurch den Führer, durch den die kleine Stadt am Inn ein für die deutkche Geschichte historischer Ort geworden ist. Zwei Stunde» länger als nach der reinen Marschzeit des Zuges berechnet, blieb der Führer, ununterbrochen stehend, grüßend, Hände schüttelnd auf der Ehrentribüne, um alle deutschen Sänger aus dem Auslande mi sich vorüberziehen zu lassen. Als dann die letzte Gruppe des Festznges an ihm. vorüberzog, da brandeten noch einmal die Wogen d e r B e g e i st e r u n g z u m F ü h r e r empor. Die Zehntausende schlesische Volksgenosse«, die den Platz dichtgedrängt umsäumten, und ihre Gäste von j e n s e i t s d e r G r e n z e jubelten dem Führerminuten- lang zu. als er sich, nach allen Seiten grüßend, von ihnen verabschiedete. Noch einmal kam in diesen letzte» Augenblicken die unendliche, unbeschreibliche Begeisterung der Massen zum Ausdruck,, unvergeblich für jede» Zeugen dieser größten Kundgebung, des deutschen Volkstum», die jemals Deutsche von diesseits und jenseits der Grenzen zusantmenführte." Da kann man nur. in Erweiterung des Wortes von Abraham a Santa Clara sagen: „Merk's Wien" und Prag! Unfall SkaUningS. Der dänische Ministerpräsident, der erst vor wenigen Tagen sein Week- endhäuSchen bei Aalborg bezogen hatte,' unternahm, da er nicht schlafen konnte, um Mitternacht einen Spaziergang in den"Dünen am MeereS- strand. Dabei sank er mit dem linken Fuss so unglücklich ein, dah ihm der Knöchel brach. Unfähig, sich selbst aufzurichten, rief er um Hilfe. Nachbarn veranlaßten seine Einlieferung ins Aalborger Spital, von ivo er nach Anlegung eines Gips» Verbandes auf eigenen Wunsch in eine Kopenhagener Anstalt überführt werden wird." Der Bruch wird unseren so volkstümlichen Genoffen mindestens sieben Wochen lang ans Bett fesseln. (—6n—)| Die rumänische Zigeunerkönigin erschaffen. Die rumänische Zigeunerkönigin Ljuba C z e r o- b o w s k i, die Anführerin eines umherstreifenden Stammes, der durch seine Räubereien gefürchtet war, wurde in der Umgebung von Pitesti von Gendarmen nach hartem Kampf erschossen. Die. Erschossene wer ein Mädchen von seltener Schönheit und obwohl erst 21 Jahre alt, von teuflischer Grausamkeit. Ihre Bande beschäftigte sich besonders damit, verkrüppelte Kinder zu rauben, und an berufsmäßige Bettler zu verkaufen. Als die Gendarmen das Lager der Zigeunerbande, aufgespürt und das Zelt der Ljuba umstellt hatten, stürzte sie sich mit einem großen Messer auf die Gendarmen, von denen sie vier Mann verwundete, bevor sie von" den Gendarmen erschaffen würde,(th.) Die Frau, die Chaplin entdeckte. In sehr hohem Alter ist die frühere Zirküsbcsitzerin Elizabeth O'Shea in Sussex gestorben. Ihr Zirkus, der um die Jahrhundertwende in. kleineren Städten Englands gastierte, war keine besondere Berühmtheit und konnte sich gewiß nicht mit Bar- num messen. Aber trotzdem dürfte der Name von Elizabeth O'Shea in die Geschichte zwar nicht der zirzensischen, wohl aber der filmischen Kunst eingehen. Denn sie hatte eines Tages eine aus Rußland eingewanderte Familie namens Chaplin engagiert, und der erfahrenen Artistin fielen sofort die außerordentlichen Gaben des damals siebenjährigen Charlie duf. Sie setzte es durch, daß auch"er für die Zirkuslaufbahn bestimmt wurde, obwohl seine Eltern ihn gern«etwas Besseres" werden lassen wollten. Der Knabe hatte in einer Groteske, die damals noch„Pantomime" bieß^ einen ungeheuren Publikumserfolg,,.— dies wär die erste-Rolle von CharlieChäplin, und man kann sagen, daß Elizabeth O'Shea ihn nicht allein entdeckt, sondern auch sofort seine spezifische Begabung als Koniiker erkannt hat. Ucbri- gens hat Chaplin nie geleugnet, welchen Einfluß der Zirkus O'Shea auf seine Entwicklung gehabt hat, u»d er hat bis in die letzte Zeit mit Elizabeth O'Shae in einer dankbaren Verbindung gestanden. Regengüsse und Ueberschwemmungen. Aus verschiedenen Gegenden Jugoslawiens werden ständig große Ueberschwemmungen gemeldet. Im Westen wurde besonders Sombor betroffen, wo das Hochwasser ungeheuere Schäden verursachte und die Bevölkerung.in. Panikstimmung versetzte. Im südöstlichen Serbien setzte der angeschwollene Fluß Toplicä weite Gebiete, viele Häuser und den Eisenbahndamm bei Kursumlija auf esne wurden weggeschwemmt. In. einer Gemeinde rissen die Fluten-zivei Mädchen mit fort, die gerade einen Steg, überschritten: Ein. Mädchen ertrank, das.andere ist schwer verletzt. Infolge des andauernden Regens ist auch'der Wasserständ der Save und der Donau gestiegen. Di« Temperatur ist beträchtlich gesunken. i. Verbot der Pseudonyme. Aus den Vereinigten Staaten wird ein neues Kuriosum in der Gesetzgebung gemeldet. Das Parlament des Staates Massachusetts hat sich gegen die Verwendung von Pseudonymen ausgesprochen. Dieses Verbot be-. zieht sich vor allem auf die. Filmstars. Gründe werden nicht angegeben. Die Einwohner von Massachusetts, wo dieser Gesetzesvorschlag eingereicht wurde, werden sich also wahrscheinlich damit abfinden müssen, Marlene Dietrich, Fred Astaire und viele andere Stars nicht mehr unter diesem Namen auf der LeiMvand zu sehen. Leider Gottes ist der Ruhm der Filmschauspieler mit ihrem Pseudonym unlöslich verknüpft, und unter dem Namen«Marie Madeleine von Losch" lver- den sich wenige Leute Marlene Dietrich vorstellen können. Hollywood ist über. dieses Gesetz sehr wenig erbaut und befürchtet mit Recht, daß Filme mit mindestens dem Namen nach„unbekannten" Stars nicht sehr viel Zuspruch haben werden. Und es wird sich wohl kaum einrichten lassen, für den Staat Massachuetts spezielle Filme zu drehen. DaladiorS Jacht gerammt. Der französische Kriegsminister Daladier wäre Mittwoch nacht» beinahe ein Opfer eine» Unfälle» auf dem Meere geworden. Daladier unternahm in Begleitung einiger Freunde unweit von Genua eine Segelfahrt und stieß im Nebel mit einem Dampfer bisher noch nicht seftgestellter Identität zusammen. Da» Segelboot iväre wahrscheinlich zertrümmert worden, wenn der Kapitän de» Dampfers nicht im letzten Augenblick Kontradampf' gegeben hätte. Trotzdem war der Anprall'ziemlich stark, so daß da» Segelboot an einigen Stellen beschädigt und einer seiner Rettungsboote zertrümmert wurde. Obwohl der Führer de» Segelbootes den Kapitän der Dampfer» dazu ausfordert«, gab dieser die Identität de» Dampfer» nicht an und fuhr rasch davon. Mit dem Zwischenfall befassen sich die italienischen Behörden» Rennbahn in Flamme». Auf der Turiner Motorrad-Rennbahn brach in de» frühen Nachmit- tagsstündon de» Donnerstag eine Feuersbrunst au». Etwa 8000 Quadratmeter der Anlagen sind bereit» ein Raich der Flammen geworden. Der größt« Teil der Tribüne ist eingestürzt. Dar Feuer, über dessen .Ursache man noch keinerlei Anhaltspunkt hat, dauert zur Stunde mit unverminderter Heftigkeit an. Die Feuerwehren arbeiten sieberhast, um wenigsten» einen Teil der Sporthalle vor den Flammeir zu retten., Zur Beschleunigung de» Postverkehr» zwilchen Gxostchr i tanni en,, und mehreren.anderen europäischen Ländern.äibt der britische Generalpostmeister bekannt, daß Briese und Posttarten für die Tschechoslowakei, Deuttchland. Oesterreich, Bulgarien, Polen, Rumänien, die Türkei, Südrußland und Jugoslawien an Wochentagen mit dem Nachtpost-Flugzeug Croydon—Berlin an ihre Bc- stimmungrorte. befördert werden. Auf diese Weise soll«ine Beschleunigung der Poscheförderung bis zu 24 Stunden erreicht werden. Der jüngste Mörder der Welt. In dem kleinen Dorf Breille bei Saumur hat sich ein Vorfall ereignet, der gewiß ä!8 Unglücksfall betrachtet werden, aber bei^bem man dennoch von dein„jüngsten Mörder der Welt" sprechen kann. Ein anderthalbjähriger Ein„Pällawätsch". Die Staatsbahndirektion in Königgräh teilt mit: Während der Fahrt des Lastzuges Nr. 8882 entgleiste auf der.. Strecke. Semily—Libktät ein Wagen. Die Strecke wurde verbarrikadiert, der Verkehr jedoch durch' Ilmsteigen" aufrecht erhalte». Während de» Umsteigens stieß der Personenzug 888 auf die Lokomotive, welche mit' dem entgleisten Waggon ans,der Strecke stand, der dann wieder mäßig auf den Personenzng 802 stieß. Sechs Personen wurden leicht verletzt. Die Strecke wurde lun 0 Uhr wieder freigemacht. Die Ursache des Unfalles wird untersucht.— Uns scheint sie auch au» der Ferne unschwer zu erraten! Wohlfahrts-Briefnmrken zugunsten armer Kinder. Im Vorjahre brachten die Wohlfahrtsbriesmar-" ken, die zugunsten notleidender Kinder ausgegeben wurden, einen Reingewinn von 1,800.088 Ui!. Au» diesem Erträgnis wurden die ärmsten Kinder mit 808.988 Essen und 24.708 Kleidungsstücken beteilt., Benützen Sie auch Heuer unsere Wohlfahrtsbriefmarken, welche die wunderschöne Plastik des Bildhauers Suchard»„Wiegenlied" zeige». Mit jeder verkauften Marke geben Sie dm hungernden Kindern" Essen. Verlangen Sie in allen Trafiken Wohlfahrtsbriefmarken!‘ Wunderbares Musiktalent entwickelt.ein 14jäh- riger Knabe in der englischen Stadt Brighton. Er ist der Sohn eines Geiger» und obwohl er erst vor- einem Jahr Orgel spielen lernte, ist er heute Organist der Großen St. Matthias-Kirche. Er heißt Dennis. Newton. Ein Stier spießt zwei Mensche» auf. Auf dem Gut TrinkauS bei Korneuburg führte der 88jährige Arbeitet Diatthia» Jantscha einen Stier auf'die" Weide. Das Tier scheute plötzlich, stieß den Greis zu Boden, trampelte auf ihm herunt und schleuderte ihn schließlich mit den Hörnern zwei Meter hoch" über einen Zaun. Jantscha war auf der Stelle tot. Als einige Arbeiter und der Gutsadjunkt Grünhut den Stier fangen wollten, spießte dieser auch Grünhut. auf. und warf ihn ebenfalls über den Zaun. Der Adjunkt erlitt schwere Verletzungen und ringt im Krankenhaus mit dem Tode. In der Salzach ertrunken. Zwei britische Staatsangehörige aus Bradford, Dr. Jähn Sieiheri und Erie Marlin Pee wollten bei Golling in ein«» Kahn die Salzach überqueren, doch schlug der Kahn in der SJHtte des Flusses um und die beiden Engländer ertranken. Wahrscheinliche» Wetter heute. Im ganzen schön und wärmer. Nur im äußersten Osten vereinzelte Schauer noch immer nicht ausgeschlossen. W«iteraursichten für morgen: Noch ein wenig wärmer, sonst keine größere Aenderung. Vom Rundfunk 1 tMphlilMMiitu«ui den Proarammam SamStag Prag, Sender lr 10.08: Presseübersicht und Wetterbericht. 10.18: Deutsche Sendung:„Viertelstunde für die Frau." 10.80: Schallplatte». 12.11: Opernarien auf Schallplatten. 14.80: Deutsche Sendung: Zum fröhlichen Wochenende. 17.66: Deutsche Sendung: Sportvorschau— Humor der Heimat— Deutsche Presse und Wetterbericht.— Aktueller. 20.10: Bunte» Programm. 22.20: Heiteres auf Schallplatten.— Prag, Sender II; 16.10: Deutsche Sendung: Der Tanz in der moderne» Klaviermusik. — Brünn: 12.86: Militärmusik. 18.46: Lieder aus Filmen, Schallplatten. 17.40: Deutkche Sendung: Hörspiel: Die Prinzessin und der Drache. 22.88; Uebertragung aus Luhaäovie: Tanzmusik.—Preßburg; 10.86: Schallplatte». 11.06: Konzert de» Salonorchesters arbeitsloser Musiker. 14.00: Deutsche Presse.— Kascha»: 12.08: Heitere» auf Schallplatten. 18.40: Schallplatte».— Mähr. Ostrau: 18.00: Bauernblaskapelle aus Zäbkeh a. O. 10.16: Bunter Programm: Lieder, Geige, Schallplatte». Entfernung von 1800 Meter unter Wasser. Einige hundert Meter des.Eisenbahndammes Knabe spielte mit seinem kaum zwei Monate alten Schwesterchen, da» in der Wiege lag. Er ergriff die Milchflasche und schlug sie plötzlich dem unglücklichen Mädchen mit solcher Stärke auf den Kopf, daß das Kind einen Schädelbruch davon trug und sofort verstarb. Es lebe das Einmaleins! (W. S.) Diese Gcburtstagsbetrachiung kommt zioar verspätet, aber von Herzen, das vom Anlaß bedrängt ist; hat man doch lesen müssen, was die Journale— allen voran natürlich das NeueWiener— am 64. Geburtstag des Duce(20. Juli 1037) zu vermelden wußten! Und wieder einmal begrisf man da also, daß— gemessen an Intellektuellen, die in seinem Darm turnen— so ein Diktator das wahrhaftig tleiuere liebel ist, und dah eine Zeitgenossenschaft, die sich solcherart geistige Repräsentanz bieten läßt, noch ganz andere Plagen verdient. Nein, nicht die Diktatoren sind schuld, sondern das Pack, das sich nicht nur unterdrücken läßt, sondern auch— vollkommen freiwillig— unter die BewußtseinSstufe von Infusorien begibt. Ein echter Analphabet hat vor den graduierten Doktoren voraus, daß er nicht schreiben oder wenigstens(da sie es gewöhnlich ja auch nicht können) seine Artikel nicht in die Zeitung bringen kann, Ein Herr Dr. S. Schüller- Piroli hingegen ist ein Stück„öffentlicher. Meinung" und publizierte also zum 54. Geburtstag Mussolinis— unter anderem eben im„Neuen Wiener Journal"— einen Aufsatz, nach dessen Lektüre ihm(wie man gleich sehen wird) nicht nur Doktorat und Matura,, sondern.auch die Volksschulzeugnisse aberkannt' werden müßten. Denn getviß sind von einem akademisch Graduierten weder Würde noch Anstand zu erwarten (welche Erfahrung ein-deutscher König im abschließenden Satz formulierte:„Huren und Professoren kriegt man an jeder Straßenecke, zu kaufen"); aber man wird doch wenigstens verlangen dürfen, daß sie d a S E i n m a l e i n s b e h e r r- s ch e n? Nein, gerade das darf man nicht. Mehr als, die. Beherrschung des. Einmaleins wäre gar nicht nötig,, um. sich der zeitgenössischen Blödmacherei zu entziehen. Wovon sollten dann aber die Doktoren leben? Zum Unterschied vom 10. Jahrhundert, in welchem sie für das Lehren, des Alphabetes und des Einmaleins Gehalt bezogen, beziehen sie es im 20. Jahrhundert nur noch für das Gegenteil; ettva für die Mitteilung: „Wie sehr hat Mussolini stets den. persönlichen Kontakt mit allen BevälkerungSschichten aufrechtzuerhalten gewußt.„Ich habe in einem Jahr 60.000 Audienzen gewährt und habe mich mit 1,887.112 Gesuchen besaßt, die von Bürgern direkt an mein Privatsekretariat gesandt wurden." (Entnommen der Sammlung derjenigen"seiner schriftlichen und mündlichen Aeußerungen, die ein ' vertrauter Mitarbeiter, Spinettt, im Einverständnis mit dem Duce züsammengestellt und herauS- gegeben hat,)"."- Das also wurde von einem Doktor geschrieben-(der offenbar etwas geahnt und deshalb, nm sich zu decken, die offizielle Quelle, angegeben hat)) von Doktoren zum Druck befördert, leider von Arbeitern in tausenden Exemplaren vervielfältigt und von tausenden Doktoren gelesen.„Alles was ivahr ist— fleißig ist er, der Duce I". Und keiner hat nachgerechnet! Denn" es sind Intellektuelle, also Lebewesen, an deren.'selbständigem kritischen Denkvermögen, gemessen analphabetische Hirtenjungen die geistige. Potenz von Descartes haben. Spielt irgendwo einer den„starken Mann"., dann werden solche machtanbeterische Intellektuelle vor Geilheit blind und blöd ,wie ein balzender Hahn. Konservativ bis in die Knochen» habe ich nachgerechnet. Und ich bitte"um Nachprüfung: Zwar ist bei Diktatoren nicht minder als bei Königen alles groß; aber immerhin besteht sogar" auch für sie' ein Jahr aus 865 Lägenoder 8780 Stunden oder 525.800 Minutem Hingegen I dauert eine Audienz. doch wohl mindestens drei I Minuten(was im ditatörischen Durchschnitt ge-. wiß unterschätzt ist, weil sich unter den Zugelassenen ja das eine Mal E m i l L u d w i g, das andere Mal Lion Feuchtwanger befindet)/ Allein mit den 60.000, Audienzen(„in einem Jahr") hätte also der Duce 180.000 Minuten oder 8000 Stunden oder volle acht Stunden täglich verbracht, einschließlich den Sonn- und Feiertage. Blieben ihm für Regieren, Schlafen, Erobern, Reden, Lesen, Trinken, Schreiben, fürs Familienleben und Nichtintdr- venieren immerhin noch 16 Stunden täglich. Aber da kommen doch noch die 1,8 8 7.11 2 Gc- s uche hinzu, mit denen er sich„in einem Jahr" befaßt hat! Nun ist jedes dieser Gesuche (sonst.wären sie ja nicht von„meinem Privatsekretariat" entgegengenommen worden), ein Bündel schwerer Menschensorgen, an jedem hängt ein, Stück Leben, ein Schicksal. Durchschnittliche Menschen wie Sie und ich würden' getviß lange und bis in" den Schlaf hinein überlegen, ehe sie da eine Entscheidüng treffen.; aber ein Diktator istda ganz anders geartet(sonst wäre er keiner), er ist ein Genie der P'romvtheit, spielt Schicksal „schlagartig" und braucht also, nehmen wir an, pro menschliches Einzelschicksal nur eine kleine Minute,— alles inklusive: Lesen, Begreifest,. Vorstellung, Entschluß,'Auftrag ins Stenogramm, Gewissensbisse. Mit 1,887,112 Gesuchen, die der Duce„in einem Jqhr" pdrsöstlich erledigt haben soll, müßte er also mindestens 1,887,112 Minuten beschäftigt- gewesensein.' 1,887.112 Minuten— das sind 31.118,5 Stunden oder mehr als 8 58 Tage,„In eistem Jahr"; Nach dem Einmaleins besteht aber ein Jähr, alles Im allein, aus 865 Tagen. Oder 525.600 Minuten.-- Für die 60.000 Äudienzen und diel,887.112 Gesuche müßte der Duce 2,067.112 Minuten„in einem Jahr" verwendet haben, das—vorläufig auch noch in Italien— insgesamt nur für "525.600 Minuten Platz hat. Selbst ioenn ein Diktator überhaupt nicht äße, nicht regierte; nicht schliefe, nicht redete, nicht läse, nicht"schriebe, sich nicht einmischte, nicht eroberte, nicht Frau und Kiirder und andere Schwierigkeiten hätte,— wenn er also volle 24 Stunden täglich(täglich, das ganze Jahr hindurch, am laufenden Stimmband, ohne Ermüdung)" gar nichts anderes täte, als Besucher empfangen und GesuchSerlcdigungeii diktieren(pro Gesuch eine, pro Eäiil Ludwig drei Minuten), selbst dann könnte er„in einen; Jahr" neben 60.000 Audienzen nur 845.600 Gesuche bewältigen.(Oder 525.600 Gesuche und gar keine"Audienz. Der Herr Dr. S. Schöller-Piroli könnte sichs aussuchen.) Oder er müßte den Tag auf 04 Stustden verlängern. Daran ist nicht zu rütteln", solange das Einmaleins nicht durch eist internationales Ueberein- kommen der Diktatoren außer Kraft gesetzt worden ist. Ich fürchte freilich, die Heimkehr, der Mktatp». ren in"die" Völkerfamilie"wird an die Erfüllung dieses Wunsches geknüpft sein, und siewi.rdihn erfüllen« Der Bestand des Einmaleins widerspricht nämlich radikal dem Bestand der Diktaturen und. ihrer Propagastda. Das in Diktatur-. ländern auf-die Dauer wirksamste illegale Flugblatt wäre die schlichte Mitteilung:„Brüder!" Zweimal zwei i st b i e rl" Nichts anderes fällte auf dem Zettel, stehen! Es wäre das dien m f a s s e n d st e L o s u st. g g e'g e n die Diktatur e n, Aus der elementaren Tatsache— deren Mitteilung freilich m"o r g e n a l 9 Hochver r a 1 b e st r ä f t w e r'd ä n"tu t rd" — ergibt sich.alles andere^von selbst. Und' bäld wütden die tapferen Menschen in Katakomben üstb- Wäldern zusammenkoMmen, um das Einmaleins zu beten. Es werden darunter aber wenig Doktoren sein. Nr. 183 Freitag, 6. August 1937.. Seite 5 HMsuüktsckast und äosiaipaiM Der Präser Bauarbeiterstreik geht weiter Gestern fanden im Gebäude des Verbandes der Bauunternehmer Verhandlungen zwischen Unternehmern und Arbeitervertretern statt. Da die Unternehmer die Forderung auf allgemeine zehnprozentige Lohnerhöhung ablehnten, erklärten die Arbeitervertreter nach dreistündigen Verhandlungen, daß sie erneut mit ihren Organisationen beraten müßten, und schlugen die Vertagung der Verhandlungen auf Freitag vor. Das Ansinnen der Unternehmer, die Arbeit vor Erledigung der Lohnsrage wiederauszunehmen, wurde von den Arbeitervertretern abgclehnt. Da der fünfgliedrige Streikausschuß Verhandlungen in Gegenwart von Vertretern der agrarischen, nationaldemokratischen und faschistischen Organisationen ablehnte, mußten die Vertreter dieser von den Unternehmern zu den Verhandlungen hinzugezogenen Organisationen die Sitzung verlassen. Der Bauarbeiter-, streik, der von fünf Gewerkschaften einheitlich geführt wird, erstreckt sich auf das Gesamtgebiet von Groß-Prag und erfaßt zur Zeit schon über 18.090 Arbeiter. Arbeitslose Facharbeiter Während in der sonstigen Presse vielfach über Facharbeitermangel geklagt wird, weift der „Internationale Metallarbeiter"(Komotau) darauf hin, daß es noch immer arbeitslose gelernte Metallarbeiter gibt. Nur in einigen Gebieten besteht ein tatsächlicher Mangel an Facharbeitern. Am Internationalen Metallarbeiter-Verband beziehen noch immer 1818 gelernte Professionisten die Unterstützung. Die Ursache des Vorhandenseins qualifizierter arbeitsloser Metallarbeiter sieht das Blatt darin, daß viele Unternehmungen nur ganz junge Arbeitskräfte einstellen, während die mit den meisten Erfahrungen ausgerüsteten älteren Facharbeiter nicht ausgenommen werden. Vielfach kommt noch hinzu, daß man gelernten Arbeitern Hilfsarbeiterlöhn« anbietet, was nicht dazu beiträgt, verlockend aus die Arbeiter zu wirken. Bon wenigen Spezialisten abgesehen, so meint das Blatt, könnte der Bedarf an Facharbeitern in der Metallindustrie befriedigt werden. Auch der„Gutenberg", das Organ der Buchdrucker, weist darauf hin, daß die Arbeitslosigkeit unter dem Buchdruckerei-Personal noch, immer OWÄWSWÄfi Jahre 1984 mit 3456 arbeitslosen Buchdruckern erreicht worden. Seitdem geht zwar die Arbeitslosigkeit zurück, 1985 gab es 3804, 1936.2936 und im heurigen Juli 2360 arbeitslose Buchdruk- ker, aber die Anzahl der Arbeitslosen in dieser Branche ist noch immer sehr groß. Aufstieg 6er Halda-Schönauer Glasindustrie Wie die„Bohcmia" meldet, ist das erste Halbjahr 1937 füx die Glasindustrie des Gebietes von Haida-Steinschönau günstig verlaufen. Die Kapazität dieser Industrie hält wertmäßig bei 50 Prozent des Konjunkturjahres 1929, tvas einem Aufschwung von 28 Prozent gegenüber dem Jahre des Tiefstandes 1988 bedeutet. Nordböhmisches GlaS ist in der Welt wieder gefragt; gute Malerei.und Schlissglas sind in der. Welt wieder begehrt. Me Kräfte konnten wieder in den Arbeitsprozeß mit einhezogen werden, mit Ausnahme einiger Kategorien von Graveuren und Malern, welche Stapelwaren erzeugen und die heute noch nicht oder nicht mehr gehen. Der Grund dafür liegt wohl In einer Aenderung der Geschmacksrichtung. Es ist Sache des Staates und einer gesunden Wirtschaftspolitik, die Entwicklung dieser Industrie weiter zu fördern. Es gibt bereits einige Ansätze dazu. Die in letzter Zeit abgeschlossenen Handelsverträge lassen erkennen, daß man den Notwendigkeiten der nordböhmischen Industrie wieder Rechnung trägt. Auch in der Refundierung der Transport« und Kohlensteuer wurden begrü- ßenswerte Ansätze geschaffen. Der Verfasser deS Aufsatzes verlangt ferner noch Exportprämien und weist auf die Kompliziertheiten des Bewilligungsverfahrens hin. Auch neue Kompensationsmöglichleiten können geschaffen werden. Handschuhmacherstrelk In Prag beendet W'. das„PrävoLidu" meldet, kam es. Mittwoch, nach sechsstündigen Verhandlungen in Präg zu einer Vereinbarung zwischen den Unter« nehmern und den VertragSgewerlschäften, durch die der Streik.der Prager Handschuharveiter erfolgreich beendet, wurde. Freitag soll die gesamte HaMchuharbeiterschaft in Prag die Arbeit wieder, antreten. - ES wurde eine Teuerungsaushilfe in drei Raten vereinbart, und zwar 500 kiö für Verheiratete, die über fünf Jahre angestellt lind, und, 450 KS für Ledige. Die noch nicht' fünf Jahre in Arbeit stehenden Kräfte erhalten öle H älfte in den," gleichen Raten. Die llnternehnrer'haben sich verpflichtet, sofort über den Kollektiv« Vertrag für 1938 zu beraten, haben eine Lohnerhöhung an die Zuschneider von 15 Heller bei Damen« und von 20 Heller bei Herrenhandschuhen für das Paar zugesagt und versprochen, auch den anderen Kategorien die Löhne entfpre, chend zu erhöhen. Verbandstag des Fabrikarbeiterverbandes Wie di«„Verbandszeitung", das Organ deS Fabrikarbeiterverbandes(Aussig) mitteilt, wird der sechste ordentliche BerbandStag dieses Verbandes vom 18. bis 20. September 1987 in Bodenbach stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen außer Berichten folgende Themen: Wirtschaftsentwicklung und Gewerkschaftstaktik— Arbeitslosigkeit und Sozialpolitik— Entwicklung des Arbeitsrechts. Ostrauer Kohlenverladung auf Rekordhöhe. Die Kohlenverladung im Ostrau-Karwiner Revier war im Juli gegenüber demselben Monat des Vorjahres wieder bedeutend höher. Im ganzen wurden in diesem Revier mit Kohlen und Koks 51.957 Waggons beladen, d. i. um 23.789 Waggons oder um 84.4 Prozent mehr als im Juli 1986. Auf den Inländischen Bedarf entfielen 88.890, auf die Ausfuhr 18.067 Waggons. In der Zahl der verladenen Waggons hat das Ostrau-Kavwiner Revier heuer im Juli fast das Niveau des Jahres 1929 erreicht, in welchem 56.102 Waggons, d. i. nur um 8.1 Prozent mehr als heuer verladen wurden. Margarine auf dem Dorfe. Das„Prckbo Lidu" weist darauf hin, wieviel Margarine auch In den Dörfern, in den Bauernhöfen und auf den Großgrundbesitzen konsumiert wird. Auch die„Li- dovö Lisch" beschäftigen sich mit dieser Frage und sprechen von dem Gegensatz, der zwischen-der agrarischen Margarinepolitik und der Wirklichkeit besteht. Während die Agrarier die Erzeugung von Margarine einzuschränken suchen, wächst der Margarinekonsum der Bauern. Vielfach treten Bauern, welche Anhänger der Agrarpartei find, den Arbeiterkonsumvereinen bei und kaufen dort Margarine aus den Fabriken der tschechischen Großeinkaufsgesellschast. Außerdem züchten vielfach Restgutbesitzer Oelfcüchtc zur Erzeugung vün Margarine. Bon den Agrariern könne man wirklich sagen, sie haben nicht Butter, aber Margarine auf dem Kopf. Hochkonjunktur auch in der Hutindustrie. Die Neutitscheiner Hutindustrie, in der rund 5000 Arbeitet beschäftigt werdtzttz erhielt in den letzten^ Wochen große Exportaufträge und ist voll beschäftigt. In den letzten Tagen wurden wieder zahlreiche Neuaufnahmen von Arbeitern vorgenommen. Die Firmen Hllckel und Böhm haben in einigen Abteilungen Wechselschichten eingeführt, während die Firma Peschel um die Bewilligung von Ueberstunden für die Dauer von sechs Wochen ansuchte. ,(DND) Der Ertrag der öffentlichen Abgaben Im Juni um 31.22 Prozent höher alS im Vorjahre. Der Ertrag der öffentlichen Abgaben betrug im Luni d. I. insgesamt 723,474.421 Mill, llä und war damit um 81.22 Prozent größer als im Juni 1986. Der Ertrag verteilte sich folgendermaßen: direkte Steuern 186.85 Mill. KC, Umsatz- und Luxussteuer 166.05 Mill., Zölle 58.17 Mill., Verbrauchssteuern 181.88 Mill., Gebühren 130.84 Mill., Monopole 4.78 Mill. KC. ,(DND.) Der Webstuhlbestand der Tschechoslowakei. Die soeben in London veröffentlichte Webstuhlstatistik der„Jnteruatimml Federation of Masters Cotton Spinners' and ManufacturerS' Association" enthält auch Angaben über den Webstühlebestand der Tschechoslowakei. Ende 1986 waren in der Tschechoslowakei 104.180 Webstühle im Betrieb gegen 104.591 im Jahre 1980. In der Art der verwendeten Webstühle find gewisse Verschiebungen zu verzeichnen. Die st e i g e n d e Automatisierung geht daraus hervor, daß sich die Zahl der automatisierten Webstühle auf 1980 erhöht hat, gegen 1476 Ende 1980. In den Normalwebstühlen ist dagegen«in Rückgang auf 100.890(1986: 102.888)«ingetreten. Stark erhöht hat sich die Zahl der tzilfsauto- maten auf 1860(282).. i 40-Stunden-Arbeltiwoche In USA Nachdem in Frankreich und in Neuseeland die vieczigstllndige Arbeitswoche allgemein gesetzlich eingeführt worden ist, und einige weitere Länder Mr einzelne Industriezweige mit lebens» gefährlicher Arbeit eine, ähnliche ArbeitSzeiwer« kürzung bestimmt haben, haben jetzt die Bereinigten Staaten von Nordamerika den gleichen erfreulichen Schritt getan. Nach fünftägiger Aussprache hat der amerikanische Senat die Regierungsvorlage angenommen, die eine bundeSamt« liche Regelung der Löhne und der Arbeitsstunden porsieht. Die Vorlage gilt für alle Industrie« zweige, die ihre Erzeugnisse nach anderen Bundesstaaten ausführen, und das gilt praktisch für jeden. Industriezweig. Sie bringt die Bierzigstun- den»ArbeitSwoche und«inen Mindeststundenlohn von 40, Cents, züvMnführung. ': Ihre heftigsten Gegner sand die Regierungsvorlage in den sogenannten demokratischen Senatoren der SUdstaaieN. Sie gebrauchten die gleichen Argumente, die von den Industriellen unseres Landes zu hören sind. Vor allem jenes, wonach angeblich durch die Bierzigstunden- Avbeitswoche und den Mindestlohn die Wettbewerbsfähigkeit verloren gehe. Die Industriellen der amerikanischen SUdstaaten haben nicht nur bisher eine längere Arbeitszeit als im Norden, sondern sie zahlen ihren Arbeitern auch bedeutend niedrigere Löhne. Trotz ihres Widerstandes wird nun das Gesetz und damit die Vierzigstunden- Arbeitswoche in den Bereinigten Staaten zur Einführung kommen. Dieses neue Gesetz erhält außerdem die Bestimmung, daß der Versand von Erzeugnissen, die von Kindern unter 16 Jahren und in einigen Fällen unter 18 Jähren hergestellt werden, nach anderen Bundesstaaten untersagt ist. Ob eine genaue Prüfung möglich ist, und ob auf diesem Wege die Uebevwindung der Kinderarbeit, die der Zweck dieser Bestimmung ist, erreicht werden wird, bleibt«ine offene Frage. Damit ist der internationale Kampf um die Arbeitszeitverkürzung wieder ein gut Stück vorwärts gekommen. Me amerikanischen Gewerkschaften geben sich freilich damit nicht zufrieden, sondern sie haben bereits auf ihrem letzten Kongreß die Forderung der dreißigstündigen Arbeitswoche ausgestellt. Bekanntlich, hatten schon große Unternehmungen in den Bereinigten Staaten seit einiger Zeit die vierzigstündige Arbeitswoche ein- gefiihrt. Auf der letzten Tagung des Internationalen Arbeitsamtes haben amerikanische Unternehmer über di«.günstigen Auswirkungen dieser Arbeitszeitverkürzung berichtet. Auch die Vertreter von Neuseeland stellten in Genf fest, daß nach der Einführung der Vierzigstundenwoche in ihrem Lande nicht ein einziger Unternehmer Bankrott gemacht habe. Es muß dem tschechoflowakifchen Unternehmertum dringend empfählen werden, diese Erfahrungen mit der Vierzigstunden-Arbeitswoche recht gründlich zu studieren und daraus für ihre Stellungnahme zu dieser Forderung der Arbeiterschaft die Konsequenzen zu ziehen. Der Kohlenverbrauch steigt weiter Schon bevor die statistischen Ziffern über die Entwicklung der Produktion vörliegen, ist aus anderen Erscheinungen der weitere Verlauf abzuleiten. Zuverlässige Maßstäbe sind besonders die Entwicklung auf dem ArbeitSmarkt und der Kohlenverbrauch der Industrie. Zeigt die Arbeitslosigkeit auch im Juli wieder einen bedeutenden Rückgang, so hat sich andererseits der industrielle Kohlenverbrmich im Juni gegenüber dem Vormonat bedeutend erhöht. Im Mai war ein Kohlenverbrauch der tschechoslowakischen Industrie von 956.000 Tonnen zu verzeichnen, dagegen im Juni ein solcher von 1,040.000 Tonnen. Das ist Me, Steuerung uny 84.000 Tonnen, oder um 8.5 HrozcÄ. Für pie letzten fünf' Jahre ergibt sich jeweils im ersten Halbjahr folgender Kohlenverbrauch der Industrie: 1. Halbjahr in Millionen Tonnen 1983 8827,2 1984 3922,1 1985 4089,9 1986 4541,6 193.7 5852,6 Gegenüber dem Vorjahre ergibt sich demnach eine Erhöhung des industriellen Kohlenverbrauchs um rund 88 Prozent. Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Gebesserte Schuhausfuhr. Die Ausfuhr von Schuhen ist von 124 Millionen Kronen im ersten Halbjahr 1936 auf 142 Millionen Kronen in der gleichen Zeit des laufenden- Jahres- gestiegen. Allein in Damen» und Mädchen-Schuhen betrug der Export 112.8 Millionen Kronen. Stillgelegter Betrieb. Die Möbelfabrik Springers Nachf. in Römerstadt,«ine der äüesten Großtischlereien Nordmährens, hat den Betrieb eingestellt. Die Firma dürste wahrscheinlich in Konkurs gehen. 80 Tischler werden erwerbslos. Schulden aus dem Warenverkehr. Mitte Juli schuldete Deutschland der Tschechoslowakei auS dem gegenseitigen Warenverkehr allein zu Lasten deS Verrechnungskontos 843 Millionen Kronen. Oesterreichs Schulden betrugen 890 Millionen Kronen. Dir ESN verbraucht mehr Kautschuk. Bon 8114 Langwnnen im ersten Halbjahr 1986 ist der Verbrauch der Tschechoflowakei an Kautschuk auf 5515 Langwnnen im ersten Halbjahr 1987 gestiegen. Dieser mengenmäßigen Erhöhung entspricht eine wertmäßige Steigerung der Kautschukeinfuhr von 20.8 Millionen Kronen auf 70.2 Millionen Kronen. ES Wirtz, mehr Tee getrunken. Bereits im Vorjahre konnte eine Steigerung des Teeverbrauchs in der Tschechoslowakei festgestellt werden. In der neuen Saison hält die Verbrauchs- steigerung an. Nach der Statistik des internationalen Teekomitees betragen die Konsumziffern für die Tschechoflowakei für April-Mai 1987 128.000 lbs. gegen 108.000 lbs im Vorjahr. Die Spareinlagen nehmen zu. Bei den drei großen Prager Sparkassen, der städtischen Sparkasse, der Weinberger Sparkasse und der Löhmi- ichen Sparkasse, waren die Spareinlagen Ende Juni 1987 um 121 Millwne» Kronen höher als im Vorjahre. Steigende Einnahmen der Tatakergi«. Im Juki betrugen die Einnahme» der TÄakregie 159(9 Millionen Kronen, dal find 4.5 Millionen Kronen mehr al« im Sufi 1986. llustaircl Die Forderungen der CGT Paris. Der Nationale konföderative Anschuß des Allgewsrkschaftlichen Arbeitsverbandes hat seine Beratungen mit der Annahme einer ausführliche Resolution abgeschlossen, welche die der Regierung vorgelegten Forderungen zusammenfaßt. Es wird u. a. die Respektierung der Kollektivverträge, die Freiheit der gewerkschaftlichen Organisierung, die Respektierung des Rechtes auf Arbeit, die Einhaltung der sozialen Gesetzgebung und die Ausdehnung dec sozialen Ec- rungenschasten auch auf die öffentlichen Angestellten, auf die landwirtschaftlichen Arbeiter und die HauShaltangestelltcn gefordert. Die Resolution spricht sich ferner für die Anwendung von Sanktionen im Schlichtungs- und Schiedsgerichtsverfahren, sowie für die Organisierung der Gewerbeinspektion aus. In der breiteren Oeffentlichkeit erregte es Aufmerksamkeit, daß der Generalsekretär I o u- h a u x es Im Namen des Allgcwerkschaftlichen Arbeitsverbandes ablehnte, sich dem Streik des BauindusirieshndikateS, der für den 11. August angeseht ist, anzuschließen. Es ist darum wahrscheinlich, daß eS nicht zum Streik der Bauarbeiter kommen wird. Bonnets Wirtschaftspolitik Paris. Finanzminister Georges Bonnet bereitet in beschleunigtem Tempo im Interesse der Hebung der französischen Wirtschaft eine Reihe von Maßnahmen vor, Ivelche dem nächsten Mini- sterrate zur Genehmigung vorgelegt werden sollen. Der Ministerrat soll im August zusammentreten. ES handelt sich zunächst um die Krediwerbilligung, von der sich sowohl die Industrie als auch der Handel Erfolg versprechen. Hiezu führt bereits die Diskontherabsetzung, welche von der französischen Rationalbank durchgeführt wurde und ein weiterer Schritt hiezu soll die Herabsetzung der Zinssätze der Kassenscheine fein. Im Interesse der„Politik des billigen Geldes" beschleunigt der Staat als Schuldner die Auszahlungen an seine Lieferanten. Die Regierung schützt die Interessen der Verbraucher dadurch, daß sie alle unbegründeten Verteuerungen unterdrückt und sie beabsichtigt andererseits, die Angleichung der nationalen Produktion an die wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen zu unterstützen, das sich ständig ändere. Deshalb wurde der nationale Ausschuß für Preiskontrolle ermächtigt, Preisverteuerungen dort zu bewilligen, wo dafür ein berechtigtes Bedürfnis besteht. Die Regierung widmet der Verbesserung der Lage im Baugewerbe große Aufmerksamkeit zu. Es wird wahrscheinlich eine zehnprozentige M i e tz ins si e igerllng bewilligt werden! unter der Bedingung, daß die Hausbesitzer sofort dazu übergehen, ihre Häuser reparieren, respektive modernisieren zu lassen. Der„gefangene" Mufti '(AP) Der Großmufti von Jerusalem, Has Amil al Huffcini, die Seele des arabischen Widerstandes gegen die Teilung Palästinas, der Günstling Ibn Sauds und Gegenspieler des Emirs Abdullah von Transjordanicn, wurde bekanntlich für verhaftet erklärt, nachdein er einen feierlichen Eid geleistet hatte, daß er die Aufteilung bis zum letzten bekämpfen werde. Er ist ein Gefangener im Tempelbezirk der Innenstadt. Praktisch heißt das, daß der gegen ihn erlassene Haftbefehl erst auSgoführt werden würde, wenn er den Tempelbezirk verlassen sollte. Die Engländer wagen aber nicht, in diesen Bezirk einzudringen, weil dies als„Schändung einer heiligem Stätte durch Ungläubige" ausgelegt werden und einen Proteststurm unter den Mohammedanern Hervorrufen würde. Es wird erklärt, daß die Engländer ihn auch in seinem streng bewachten Asyl gar nicht finden würden. Denn unter diesem Stadtviertel befinden sich Katakomben, die bis auf die Zeit der Kreuzfahrer zurückgchen sollen. Ja man sagt, der Mufti würde sogar, wenn er es wollte, jederzeit in der Lage sein, Jerusalem zu verlassen. Er verfügt über ein ausgezeichnetes und ziemlich umfassendes Agcntennetz, durch das er alles erfährt, was sich im Mandatsgebiet abspielt, aber auch in der Lag« ist, selbst die Fäden des Geschehens zu lenken. Wohin er gehen würde, wenn er einmal beabsichtigt, Jerusalem zu verlassen, ob nach Syrien, dem Irak oder anderswohin, weiß man nicht. Nur das eine ist sicher: er wird sich nicht nach TranSjordanien wenden, denn dort würden ihn die Häscher des Emirs und die Engländer sehr bald hechen. Man erhhlt für fiö 100 Reichsmark.,,, 728.— Markmünzeu... 78b.— 100 österreichisch« Schilling 531.50 100 rumänische Lei.». 16.95 100 polnische Zloty.-. 523.50 100«n,arische Pengö.. 568.50 100 Schweizer Franken. 659.25 100 französische Francs. 107,60 1 englisches Pfund.. 142.75 1 amerikanischer Dollar 28.65 100 italienische Lire.. 139.40 100 holländische Gulden. 1583.— 100 jugoslawische Dinar« 64.55 100 BelgaS..... 483.50 100 dänisch« Kron«n.» 636.— 100 schwedische Kronen.» 735.— Seist 6 Sttltn#, 6. Sf’lß’ift 1937. Tfreitn«, 6.?lngust 1937. Nr.*33 Der Krieg in Spanien ist das Thema der Vortragsreihe, die vom 2. bis 8. Aiigust nach 8 2 des VerfammlungSgesches täglich von 17 bis 21 Uhr im Odborovh düm, Prag I., PerSthn 11, stattfindct. Während der Borträge wird Bllderinäterial über die spanischen Ereignisse anSgestetlt sein. Einladungen sind erhältlich im Sekretariat der DSAP., Prag XH., Slezskä 18. Ml&de£ soc. dem., Krajskä odborovä.ada 086., Sozialistische Jugend, Prag. die Kunst des Schneidens; Bedienung der technischen Apparate; Beherrschung der Sicherheitsvorrichtnn- gen. Dieses sind nur einige Punkte, hinzu kommen »och die Technik des Drehbuchschreibenz und wichtige Daten aus der Entwicklungsgeschichte des Films. Dieses ganze Unternehmen hat den Sinn,' den Schulkindern die Grundbegriffe des Filmens beizubringcn, um vor allem für spätere Zett bei der Beurteilung von Filmen ihre kritischen Fähigkeiten zu schärfen. Die junge englische Generation soll ein besserer Vcr> ständnis für die Filmkunst bekommen als die» bisher der Fall war. Die Lehrer werden übrigens während ihrer Lehrzeit selbst Filme drehen, die dann nach Beendigung des Kurses vorgcführt werden.. 8p^t-8pLet-Mkperpstege Erfolge der DTJ im Tischtennis auf der Arbeiter-Olympiade In Antwerpen Länderspiele: England gegen Belgien 1:0, Tschechoslowakei gegen-Frankreich 2:2, gegen England 2:2, gegen Belgien 4:0, Frankreich gegen Belgien 4:o und gegen England-IP.— Endstand: 1. England 8, 2. Tschechoslowakei 4, 8. Frankreich 8, 4. Belgien 0 Punkte. Männer-Einzel: Melnick, England.— Männer-Doppel: Bystkicky—Hejnal(Tsch.).— Frauen- Einzel: JirouSkovä lTsch.).— Frauen-Doppel: Jirouökovä—Eubovä(Tsch.)— Gemischte» Doppel: Lubovä—Stipänek(Tsch.). Die Straßen des„Jmpero". Anfang der Woche Ivurdc die rund 1200 Kilometer lange Autostraße zwischen Addis Abeba und Massaua, dem Hafen am Noten Meer, in Betrieb genommen. Wie gemeldet wird, besteht die Bedeutung darin, daß Addis Abeba auch in der schlimmsten Regenzeit mit dem Meer verbunden bleibt,und der Verkehr nicht mehr unterbrochen werden kann. Die Straße ist fast zur Hälfte betoniert und gepflastert. Auch die Straße vom Meer nach Gondar ist bereits betriebsfertig. Der Kampf zwischen KP und„Ponm" In Barcelona Iveilte eine französische Studienkommission, der u. a. der Syndikalisten- sührcr Louzon sowie der Redakteur Wolf von der„Lumiire" angehörten, und eine englische Delegation unter'Führung des bekannten Politikers Fenner Brockwan von der Independent Labonr Party, um genaue Einzelheiten über die Anklage, gegen die„Ponm"-Führung zu erfahren und sich nm die Rechtsgarantien für den Prozeß zu bemühen. Die Delegierten behaupten, daß die politischen Gefangenen schlecht behandelt werden und daß sich neben den Führern und zahlreichen Mitgliedern der„Poun>", zahlreichen Anarchisten und Linkssozialistcn etwa 800 Mitglieder der anarchosyndikalistischen CRT und 50 Ausländer in Haft befinden, die alle gegen Franco gekämpft hatten. Sie wurden vielfach mit Verbrecher» zusammengespcrrt, und die Ernährung sowie die. sanitäre Fürsorge liegen sehr im Argen. Am schlechtesten seien die deutschen und italienischen Emigranten daran, weil ihnen natürlich jede konsularische Unterstützung fehlt. Der Prozeß wird jetzt, nicht mehr auf Grund jenes Dokuments geführt, durch das Spionage für Franco bewiesen sein sollte und das als gefälscht bezeichnet wird. Doch bleibt die Anklage auf Spionage auf Veranlassung des kommunistischen Polizeiobersten Ortega bestehen. 95.000 organisierte Lehrer in Frankreich Gegeiiwärtig findet in Paris der Kongreß des französischen LehrersyndikatcS statt, welches bekanntlich an den französischen Gewerkschaftsvcr- band angeschlossen ist. Auf dem Kongreß berichtete der Sekretär des Syndikats Delmas, daß im lebten Jahre 10.000 neue Mitglieder beigetreten . sind, so daß sich die Mitgliederanzahl gegenwärtig auf 98.000 beläuft. Richt zeitgemäß Die Memoiren, die der AczuS Hailä Selassiä in amharischer Sprache geschrieben Hai und die ins Englische übersetzt wurden, sind nunmehr mif Anraten der politischen Ratgeber d,cS Negus zurückgezogen worden. Sie sollten im Verlag Michael Joseph in London erscheinen, der ursprünglich eine Biographßj hfl NegnS veröffentlichen wollte, davon aber Slbstand nahm, als sich der Regn» selbst ent« schlossen hatte, zur Abfasiung seiner Memoiren zu schreiten. Seihst mit den Memoiren hat der NcguS Pech. Sie mußten gerade fertig werden, al» England über Abessinien das Kreuz machte. Drei Selbstmörder. Gestern nachts, würde die ,44jährige Marie Boick von ihrem Mann,', einem Angestellten der Elektrizitätswerke, in ihrer Wohnung in Prag-Weinberge mit Leuchtgas vergiftet aufgefunden. Die RettungSgesellschflft brachte- sie auf die Klinik Hynek. Als Grund ihrer Tat gab sie zerrüttete Familienverhältnisse an.— Ebenfalls gestern nachts versuchte sich die öSjährige Anna Äap- prich in ihrer Wohnung am Hradschin zu erhängen. Sie wurde nach der polizeiärztlichen Untersuchung in die LandcSirrenansialt gebracht.— Der 34jährige Friseur Wenzel Bure» nahm gestern nachts ein unbekannte» Gift und versuchte sich gleichzeitig zu erhängen. Er wurde rechtzeitig gesunden und auf die Klinik Hynek gebracht; der Grund seiner Tat ist nicht bekannt. Siebzehnjähriger Lehrling überfahren. Gestern früh wurde der 17jährige Lehrling Karl Hnätek au» Zi.skov, der auf seinem Rad durch die Bredauergasse fuhr, vom Auto P 20.882 des Chauffeur» Karl Hoffmann au» Dolni Poiernice erfaßt und-zu Boden geworfen. Er erlitt Verletzungen leichterer-Natur; das Rad wurde zertrümmert, das Auto blieb unbeschädigt.'': Richt entspringen! Gestern sprang der 48jäh« rige Kaufmann Jan Kavaiovik au» Prag-Weinberge in der Nähe der Museums auf einen fahrenden Straßenbahnwagen der Iler-Linie und fiel unter den Schleppwagen, der ihm sämtliche Zehen des linken FnßeS zerquetschte. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Schlosser, wo er in Pflege blieb. Xiurst lind Mss-en••.] »■ I—WIMM Die neue Spielzeit de» Prager Deutschen Theater» beginnt im Großen Haus am ö., in der Kleine» Bühne am 4. September. Al» erste Neueinstudierungen starten: im Neuen Deutschen Theater „C a r m e n"(7. September), und in der Kleinen Bühne Kätschers Operette„BeiKerzenlicht" (7. September). Manuskripte Puschkin» gefunden. Wie die rumänische Presse berichtet, wurden in dein bessarabi- schen Zigcunerdorf Bärzäresti eine Reihe von Manuskripten und verschiedene Gegenstände de» bekannten russischen Dichters Puschkin, der jahrelang in Bessarabien in der Verbannung gelebt hatte, gefunden.(ih.) Veeeinsnaeknekten ----SW. SSaftWM*!• WMl HP 7 e Ortsgruppe Prag. Sam»tag, den 7. August:- Treffpunkt, um r Vt3 Uhr am Smichover Bahnhof, Fahrt nach Rev- nicc und Wanderung zur Hüt«, am Sonntag Badeiour, führt Pick. AuSflugSzüge der Staatsbahnen. Vom 14. bi» 22. August nach Karpathorußland 47S Uö; vom 14. bis 22. August quer durch die Slowakei 640 Ui; vom 14.-bi» 22. August Lagern im slowakischen Paradies 298 Ui; am 18. August nach Hirschberg 90 KL; vom 21. bi» 80. August in die Hohe Tatra und Telgär 860 KC. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilson-Bahnhof, Telephon Nr. 888-88. ' Di» Flieger im Altstädtcr Nathan«. Donnerstag nachmittags gegen 17 Uhr begaben sich die Fliegers die im Züricher internationalen Flugmeeting die Tschechoslowakei so erfolgreich vertreten haben, in offenen Militärauto» von Kbely durch die Haupt-, straßcn Prag» nach dem Altstädtcr RathauS, wo sie am Grabe de» unbekannten Soldaten einen Kranz niedcrlegten. Die Flieger wurden auf der Fahrt durch,die Stadt von dem läng» der Straßen Spalier bildenden Publikum herzlich begrüßt. Vor dem Altstädtcr Raihan» hatte eine Ehrenkompagnic der Nationalgarde Aufstellung genommen und beim Eingang in da» Rathaus wurden die Flieger vom Primator Dr. Zenkl, dem Stellvertreter des Generalstabschefs, General Fiala, General Zunek und in Vertretung de» Flugdcpartcmcnt» des Nationalvcr- ieidigungsministerium» von General Nicherek sowie den Mitgliedern des Stadirate» und der Zentralvertretung der Hauptstadt Prag begrüßt. Im Rathaus bildeten Soldaten Spalier und beim Grabe des unbekannten Soldaten hatte eine Ehrenwache Ausstellung genommen. Nach der Kranzniederlegung wurde da» Andenken de» Unbekannten Soldaten durch eine Zweiminutenstille geehrt, worauf sich die Flieger in den Primatbrensaal begaben, wo Primator Dr. Zenkl eine, Ansprache an sie richtete. .. Deutscher Protest auf der Biennale. Noch vor Eröffnung de» diesjährigen V. Film- fcstivals in Venedig hat Deusschland gegen die Vorführung de» französischen AntikriegSfilm»„La-grande. Illusion" Protest eingcbracht, der jedoch trotz stärkstem amtlichen Druck der deutschen Stellen vom Präsidenten des Biennale-Komitees abgelehnt wurde. Der Protest dürfte wegen der Mitwirkung Erich von StrohheimS als deutschem Offizier erhoben worden sein.' Der Film Jean Renoirs ist einer der besten pazifistischen Filme überhaupt. Jacktelloogan— Jazzdirigent. - Der einstige weltberühmte Kinderstar Jackie Coogan, der berühmte Partner Charlie Caplin» in „Kid", hat sich vom Film gänzlich abgewandt. Er bereist zur Zeit al» Jazzdirigent mit, einem eigenen Orchester die Bereinigten Staaten mit größtem Erfolg. 200.000 USA-Schnlen mit Filmvorführung. Die amerikanische Regierung hat beschlossen, insgesamt 200.Wv Schulen mit Filmvorführunasavva- raitn(Schmalfilm) au»zustatten. Die Kostest für diese Millioneninvestition werden gemeinsam von den Apparatefabriken und Filmfabriken getragen, die eine Siaatssiibvension erhalten. Außerdem haben sich alle Filmprodüktionen verpflichtet, ein große» Quantum Kultur-, Lehr- und Sporbfilme herzustcllcn und den Schulen kostenlos zur Berssigung zu stellen. Neuer bulgarischer Hafen Südlich von Burgas am Schwarzen Meer wurde soeben ter Hasen von C a r e v o, einer Stadt von 7000 Einwohner, die nach dem Weltkriege durch Einwanderung von Leuten au» Thrakien entstand, eröffnet. Der Bau des Hafens wurde 1987 begonnen und kostete gegen 80 Millionen Leva. Dec Hafen hat einen Wellenbrecher von 276 Meter und zwei Molen von 68 und 93 Meter Länge, sowie einen ücuchiturm, An der Einweihung des Hafens, die der Metropolit- Jlarion vorn-chm, nahm Zar Boris, Ministerpräsident Kjosejwanoff, die Generalität und Admiral Wariklctschkoff teil. Drr Mw Film-Neuigkeiten Kulturpreis für den heimischen Film Die zehn Kulturpreise de» Lande» Böhmen, die alljährlich zur Verteilung gelangest, hatten bisher die Filmkunst von dieser Konkurrenz ausgestaltet. Diese» Jahr wird erstmalig auch ein Film mit, diesem Preis ausgezeichnet werden. Abgesehen von der ehrenvollen Auszeichnung fällt dem Hersteller auch, eine Barprämie von 8000 Ai zu..-. Filmen al» Schulfach. In England hat man mit einem, überaus interessanten Experiment begonnen, ■mit dem Ziel, dar Filmen al» Schulfach einzufüh- ren. Zweihundert Lehrer und Lehrerinnen werden vierzehn Tage ihrer diesjährigen Sommerferien dazu benutzen, um zur„Schule" zu gehen. Allerdings handelt e» sich um eine Filmschule, die Vom Britischen Film-Institut eigens zu diesem Zweck gegründet wurde. In dieser Schule werden die„Schüler" einen umfassenden Kursus mitmachen, der ihnen einen guten Ueberblick über sämtliche Zweige des Filmschaffens vermitteln soll. Der Stundenplan sieht etwa folgendermaßen' aus: Prinzipien der richtigen Kamera-Einstellung und de» Aufnehmen»; Lterakie Ratgeber über Gemeindeatgaben und Gemeinde-, gebühren. Die Gemeinden sehen sich infolge ihrer -schwierigen finanziellen Lage, genötigt,,, immer mehr Abgaben und Gebühren cinzuführcn.- So finden wir in den meisten Gemeinden bereit» die Mietzjns- bzw. Raumabgabe, Abgabe. von vorübergehenden Unterkünften. Luxuswohnungsabgabe, Abgabe vom Verbrauche elektrischer Energie und Gas zu Beleuchtungszwecken, Hundeabgabe, Abgabe von Ankündigungen,' Wertzuwachsabgabc, allgemeiner und besonderer WasserzinS, Kanalgebühren, Gemeindebau- gebühren, Gebühr, für Asche- und Kehrichtabfuhr, Gebühren für die Benützung öffentlichen Gute», Amtshandlungsgebühren. Neber alle diese Abgaben und Gebühren sowie auch über Gcmeindcumlagen, Gemeindeersätze und Gemeindebeiträge und über Einschlägiges bezüglich der Gemeindeverwaltung hat Dr. Graupncr, Falkenau a. E-, einen Ratgeber. in Form des 496 Seiten stärken Buches„Gemeindelasten auf Hau»- und Grundbesitz"(Preis 43 KL) herausgegeben, welches ein unentbehrlicher Behelf für jede Gemeinde, für jeden Hausbesitzer, Mieter, RechtSantvalt und für jede» Unternehmen.ist. Ueber 1160 Entscheidungen sowie zahlreiche Eingaben- und Rcchtsmittelformulare erleichtern die Anwendung des Buche» in der Praxi». „Millionär wünscht Liebesheirat" Hinter den Kulissen des Prager Heiratsmarktes „Fabrikant mit Millioncnvermögen sucht Ebe mit bravem, hübschem, wenn auch armem Mädel, Angebote unter„Liebesheirat" mit Bild"..„Beamter mit hohem Gehalt ersehnt Ehe mit sympathischer, wenn auch unvermögender Dame. Bildanträge unter„Sommertraum" an die Aiizeigcnverwaltung"...„Gutsbesitzerstochter mit großem Barvermögen sucht guten, eventuell auch armen LebcnSkamcraden"... Tausende von Menschen aller Schichten und Altersklassen lesen Sonntag für.Sonntag diese „Kleinen Anzeigen". Bielen von ihnen hat das Leben übel mitgespielt;, viele find arm, einsam, schüchtern,-und ihre Phantasie flüchtet sich in Träume,- wie sic von diesen Heiratsangebotcn angeregt werden— Träume, die ihnen Film uyd Roman schon-so-oft als Wahrheit vorgegaukelt haben: vom armen Mädchen, das der Prinz zu sich in sein Schloß nimmt; vom netten Habenichts, drr die reiche- Erbin durch- die Kraft seiner Liebe erobert...----• Hunderte sehen das Glück schwarz auf weiß in den Spalten der-Zeitung, nah zum Greifen. Und sie wollen zupacken, schreiben einen Brief, -dessen Zeilen all-ihr« Hoffnungen und Sehnsüchte widerspiegeln-, kramen au» der Schublade ihr bestes Photo und legen- es bei. Die Antwort läßt nicht lang auf sich warten. Freilich,«in sofortiges„Ja" des Millionär», des Beamten oder der Gntsbesiherstochter ist es nicht. Uoberhaupt haben-der Märchenprinz und die Märchenprinzessin die Feder nicht persönlich ergriffen,' um das Angebot zu beantworten. Das Schreiben ist vielmehr der sauber- maschinengetippt« Geschäftsbrief eines Präger Heiratsvermittlungsbüros mit einem beigelegten Photo— dem Porträt des oder der Inserierenden. „Vertraulich", heißt es in diesem Brief, „teilen wir Ihnen mit, daß wir Sie in'die engere Wahl gezogen haben; der Herr(die Dame) bedient sich unserer altrenommierten Firma. bei der Auswahl seines(ihres) Lebenskameraden. Wir übernehmen es, Sie mit ihm(ihr) bekannt- znmachcn.. Füllen Sie bitte beiliegenden Fragebogen äus, damit wir Ihre Interessen individuell wahrnehmen können, und senden Sie uns gleichzeitig einen Spesenbeitrag- von...(folgt«ine Summe zwischen'60 und 120 KL). Weitere Spesen erwachsen Ihnen bis zu Ihrer Verheiratung nicht; wir verpflichten, uns auch,— falls Sie mit der betreffenden Partie nicht einverstanden sind-— Sie so lange mit Adressen anderer Herren (Damen) zu versorgen, bis Sie Ihr« Wahl getroffen haben werden. Erst dann erwarten wir eine freiwillige Entlohnung-für unsere Tätigkeit.' Wir versichern Sieindividuellstcr Behandlung und absolutester Diskretion und zeichnen..." Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, denken' sich nun- diejepigen der Briefempfänger, di« das Schreiben nicht gleich wütend in den Papierkorb geworfen haben. Sie füllen brav den Fragebogen nach Alter, Stand, Vermögens- ü. Bernfsverhält- nissen ihrer eigenen und der für den Lebensbund gewünschten Person aus und entschließen sich zur 'Zählung des Spesenbeitragcs. Dann betrachten sie verliebt das sympathische Bild, das dem Schreiben beilag— ist es nicht der lebendige Beweis dafür, daß er(sie) wirklich existiert und nur darauf.wartet, durch Vermittlung des altrenommierten Büros in den Hafen der Ehe gelofft. zu werden? Die zweite Enttäuschung läßt nicht lange auf sich warten.. Das altrenommierte Büro teilt bedauernd mit,, er(sie) hätte sich leider inzwischen anders entschieden, aber der werte Kunde könne gewiß sein, daß man seine Wüiffche anderweitig .voll befriedigen werde. Als Ersatz schlage.man ihm zunächst ein paar andere greifbare Partien -vor'... Und«S-folgt, mehrere Etagen unter Märchenprinz und Märchenprinzeffin, eine kleine Liste von Heiratskandidatin:- Bauerntöchter mit Aussteuer und-in Ehren ergraute Hausgehilfinnen mit kleinem Sparkassenbuch oder solide Handwerker .mit Eigenheim und Handelsreisende mit sonnigem Gemüt-— kurzum, der Träum vom großen Glück ist zu einem Stückchen hausbackenen Mtags zusammengeschmolzen. Und wenn' der Briefempfänger noch immer nicht den Mut verloren hat, so trifft er unter diesen bescheidenen Angaben .seine Wahl— bis er der meist noch viel bescheideneren Wirklichkeit. gegenübersteht. Gelegentlich kommt es sogar vor, daß das altrenommierte Büro in der.Lage ist, eine,„freiwillige Entlohnung" erbitten zu dürfen... Aus vorstehend geschildertem Gang der. Handlung ist«s nicht schwer» sich das Getriebe hinter den Kuliffen d«S Prager HeiraismarkteS zu vergegenwärtigen.. Das altrenommierte Bürs—? es gibt nicht nur eines in Prag!.— saugt sich von Woche zu Woche seine verlockenden Heiratsinserat- ' Kandidaten selbst-aus den Fingern; sie existieren lediglich in der Phantasie seines- Chefs.. Die Annoncen haben nur den Zweck, neue Kunden ausfindig zu machen upd sie dann gegenseitig unter die Haube, beziehungsweise den Pantoffel zu bringen. Und die Photos, die dem ersten Schreiben beiliegen? Sind sie nicht«iii Dokument für die Existenz des Märchcnprinzen, der. Märchenprinzeffin? Tatsächlich gibt cs die Originale dieser Bilder— sie sind sogar meist Kunden-des Büros; aber welche Metamorphose machen die-Photos durch,.nachdem, sie einst dem diskreten Unternehmen zu treue» Händen eingc- sandt wurdenl Aus der Fülle der Offerteiwilder, die auf jedes Inserat einlaufen, sucht man sich., charakteristische Photos für. kommende Phantasie- Annoncen aus, läßt sie. zwei-, dreihuydertmal vervielfältigen! und" legt sie den Antwortschreiben biss. So wird zum Beispiel ein gut aussehender Oberkellner zum„Fäbrikaytcn mit Millioitenbermö- gen", ein treuherzig dreinblickender Installateur zum Beamten mit hohem. Ginlommcn, eine liebenswürdige Stenotypistin zur Gutsbesitzerstochter mit.großem Barvermögeu erngnnt. Wenn dann die Liebe auf den ersten Blick entflanünt ist und' der Empfänger des Photos das Origsnal zum Mar führen will, ist es eben leider nicht mehr„auf Lager". Bisher ist es-noch nicht vor-- gekommen, daß eines dieser Photo-Originale, das sein Bild streng vertraulich eingesändt hat,«S durch Zufall mit völlig anderem.„Text!' in fremden.Händen wiederentdeckte... S.ch'a.'ii-- Bezug S.bgdjng u.n g-. n: Bei Zustellung in» SauS oder bei Bezug durch dje Poft monatlich KL; 16.—-, vierteljährlich KL 48.—. halbjährig KL. 96.—. ganzjährig Ki 192.—.-- Inserate werden laut'. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Sie Z-itungSfrankatur wurde Von der Post- und Tel«-'-. grapheydir«Liön mit Erlaß Rr. 18.800/VsI/10ü0. bewilligt— Druckrretr.^Vrbis", Druck«, Verlags- und Zeitw>gr-L.-G. Präg.