Ur. 154. Abonmments-Zedtngungen: vbonnementS-Pret» prünum-rando: vierleljährl. ZLo Ml.,«mmatl. 1,10 Ml., ivöcheilllich 28 PIg. frei WS Hau». "Sinjelne Nummer 5 Plg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonnlag»» llZeiiage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3L0 Marl pro Quartal. Singetragen tn der Post- ZetlungS» Preisliste für 1SSS unter Dr. 7820» Unter Kreuzband fiU Teutschland und Oesterreich-Ungarn»Marl, für da» übrige Ausland s Mark pro Mona». Erscheink liglich außer Soniag«. Devlinev VulKsblstfk. 16» Jahrg. Die Inftrtiims- Gebühr betragt für die lechzgespaltene ikolonel» »eile oder deren Raum 10 Psg., sür poltttsche und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anselgen" jedes Wort 5 spfc. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« i Uhr nachmittags tn derExpedilton abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- ragen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bi» 8 Uhr vormittags gevstnst. Fernsprecher: Smk l> Nr. 1503. T-legramm-Adresse! «Sorialdemokral Serlln" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19. Beukh-Skratze 2. Mittwoch, den 5. Juli 1899» Expedition: SW. 19, Veuth-Skrahe 3. Die Fälschung deS ReichstagSberichts erfährt in der Presse immer noch die gewagtesten Deutungen. Der„Frankfurter Zeitung" wird zum Beispiel von„geschätzter Seite" geschrieben: „Berliner Blätter machen geheimnisvolle Andeutungen darüber, dah die vorgenommene Korrektur in letzter Linie auf„eine sehr hohe Stelle" zurückgehen müsse, auf eine so hohe, daß der betreffende Be- mute geglaubt haben müsse, sicher zu gehen, selbst wenn er nicht mehr Zeit gehabt habe, den Präsidenten zu fragen. Ob wirklich ein Beamter, der einen persönlichen Wunsch des Kaisers erfährt, ihn in dieser Art zu erfüllen sucht, kann völlig dahingestellt bleiben; denn der Kaiser äußert derartige Wünsche nicht. Daß in unserem inneren Staatsleben vieles, sehr vieles aus Rück- ficht auf die Person des Kaisers geschieht oder unterbleibt, ist richtig. Aber eS ist eine gänzlich falsche Vorstellung, daß da, wo diese Rücksicht genannt wird, ein Wunsch des Kaisers vorliege. Höflinge haben es zu allen Zeiten für ihre Aufgabe ge- halten, den Wünschen ihres Fürsten vorauszueilen und von ihm alles fernzuhalten, was ihn nach ihrem Bedünken unangenehm berühren könnte. Speciell in ReichstagS-Angelegenheiten hat sich bei uns die Auffassung eingenistet, daß es gewissermaßen Aufgabe der Minister sei. für das Wohlverhalten des Reichs- tages einzutreten. Die Minister fühlen sich gewissermaßen für daS verantwortlich, waS im Reichstage vor sich geht. Für die Person des Monarchen ist eine eigene handschriftliche Bericht- efrsst a t t u n g über die Hauptvorgänge in jeder Reichstags-Sitzung eingerichtet. Diese Berichterstattung gehört ganz regelrecht zuni Ressort deS Staatssekretärs deS Innern, der bei wichtigen An- lassen sich verantwortlich dafür fühlt, daß der Bericht von den Vor- gängen der Sitzung die Anschauung wiedcrgiebt, die er für die richtige hält. Diese Berichte müssen so frühzeitig fertiggestellt werden, daß sie den stenographischen Bericht nicht abwarten, sondern ihn höchstens im Herstellungsstadium benutzen können. Statt geheimnis- volle Andeutungen zu machen, sollte man über die ganz bestimmte Frage Aufklärung verlangen, ob die Einschiebung etwa auf einen erläuternden Zusatz zurückgeht, der für Zwecke jenes handschriftlichen Berichts bestimmt war. Man sollte dieS umsomehr, da auf diese Art der Reichstag selbst doch einmal erfahren würde, welche Bewandwis es mit jenen Benchten über seine Sitzungen hat. Daß der arme Bureau» beamte, der jetzt als Sllndcnbock hingestellt wird, nicht der eigentlich schuldige ist, geht aus seiner Bestrafung selbst hervor. Demi wenn er nichts als«ine„Rüge" erhalten hat, so ist damit der Beweis ae- liefert, daß man die Hauptschuld einem andern beimißt. Ob dieser andre jemand ist, der der Disziplinargewalt des Präsidenten ent- zogen ist, insbesondere ob und inwieweit dabei das Ressort des Reichsamts des Innern beteiligt ist, dies aufzuklären liegt allerdings sehr im öffentlichen Interesse."'— Es Wird in dieser Auslassung die Vennutung ausgesprochen, daß die Fälschung urspriinglich für den privaten Reichstags für den Kaiser angefertigt wird. irrtümlich in das Stenogramm bericht bestimmt war, der Diese Anweisung sei dann hineingekommen. Ob es eine geringere Schuld ist, dem Kaiser gefälschte Rcichstagsberichte vorzulegen, als dem Reichstag das Stenogramm zu„korrigieren", mag eine Streitfrage sür ge- prüfte Monarchisten sein. Wir sind trotz unserer republikanischen Anschauung der Ansicht, daß die Fälschung gleich verwerflich bleibt, ob sie nun dem Kaiser oder dem Reichstag zugedacht war. Diese halben Enthüllungen und krausen Mutmaßungen, diese Verwechselungen und Mißverständnisse erinnern nun in der That mehr und mehr an die französische„Affaire", und eine an den Drcyfus-Sensationen befeuerte Phantasie könnte jetzt den Zufall, daß der Rcichstags-Berichtcrstatter des Kaisers am Sonntag nach den Zuchthausdcbattcn in der Havel ertrunken ist. in einen ursächlichen Zusammenhang mit der rätselvollen Fälschungsgeschichte bringen. Wir sind der Meinung, daß der Fall zu ernst ist, uni ihn in dunklen An- deutimgen und mehr oder minder waghalsigen Kombinationen allmählich aus der Aufmerksamkeit der Oeffcntlichkeit heraus zu schwatzen. Die Ehre der Reichstagsbeamten und der verantwortlichen Regierung er- heischt eS, daß eine klare unzweideutige amtliche Darlegung gegeben wird. Geschieht das nicht, so wird man das Schlimmste ver- muten müssen, das nicht aufgeklärt werden kann. weil es mächtige Einflüsse bloßstellen würde. Da dieser Fall bei dem Gericht des Reichstags zuständig ist. so wird es auch nicht gelingen, ihn im Ungelvissen stranden zu lassen. wie es mit dem Kotze- und Tausch-Skandal geschehen ist. Auch die agitatorische Kraft, die diese Angelegenheit haben muß. sollte man nicht unterschätzen. Es giebt noch viele„Gut gesinnt e", weil sie Gut gläubige sind: schwindet das Vertrauen dieser Schichten der Bevölkerung zur Weisheit des herrschenden Systems, so ist damit die Opposition um neuen Zuzug vermehrt. Auffällig ist das Verhalten des rheinischen Centrums- blattes, der„Kölnischen Volkszeitung", die sich bemüht, die Sache als ganz harmlos hinzustellen. Sie schreibt: „Offensichtlicb hat das Bureau des Reichstages die Veröffentlichung im„Reichs-Anzeiger" mit Rücksicht aus das Erfordernis der authentischen Bekanntmachung irrig und grundlos einschränkend dahin aufgefaßt, als müsse die Rede im amtlichen Teile des- selben veröffentlicht sein, und es war nun bemüht, die jüngste Änderung des Herr» Präsidenten mit dieser seiner Auffassung in b.illang zu bringen. Etwas Weiteres ist hinter der Korrektur nicht zu suchen." Niemand wird glauben, daß sich das Bureau für befugt hält, eine Meinung des Präsidenten in ihr Gegenteil umzu- fälschen. Das Kölnische Blatt bringt sich und seine Partei in keine günstige Lage, wenn es die Fälschung auf diese Weise zu verschleiern sucht.— Das Manifest der äußersten Linken in Italien. Aus Rom schreibt man uns: Die Abgeordneten, die den verschiedenen parlamentarischen Gruppen der äußersten Linken angehören, haben am 1. Juli folgendes Manifest veröffentlicht:- An das Volk! Die äußerste Linke erfüllt die Pflicht, dem Volke von ihrer Thätigkeit Rechenschaft zu geben. Anstatt von dein Parlamente die so oft versprochenen Steuer- und socialen Reformen zur Fördenmg der nationalen Produktion diskutieren zu lassen, ließ sich das Ministerium auf das chinesische Abenteuer ein, daS ebenso unfruchtbar und gefährlich war, wie da? afrikanische Abenteuer; andererseits Ivollte es die Annahme von Maßregeln er- zwingen, die die Unterdrückung der v e r f a s s u n g s- mäßigen VereinigungS-, V e r s am m l u n g s-, Preß- und Arbeitsrechte bezwecken, Rechte, welche eine unerläßliche Vorbedingung für das Gedeihen und den Fortschritt eines civilisiertcn Volkes sind. Und das alles zum Schaden der im Volke wurzelnden Parteien, die die öffentliche Meinung erleuchten und erobern wollen, damit sie Front mache gegen die unheilvollen Folgen einer fiskalischen Unterdrückuugspolitik. einer Politik der Verschleuderung öffentlicher Gelder, der Polizeigewalt und des un- nützen VergietzenS von italienischem Blut. Um diesen Verletzungen der verfassungsmäßigen Rechte Wider- stand zu leisten, organisierte die äußerste Linke einen parla- men tarischen Oppositionsfeldzug. der, sich auf die den Minderheiten garantierten gesetzlichen Mittel stützend, das Parlament auS einem Instrument der Privilegienivirtschaft und deS Jasagens zu allen Mißbräuchen der Regierung in eine i»iüber> windliche Schanze zum Schutze der Freiheit und des Rechts ver- wandeln sollte. Ohne von dem gesetzlichen Wege auch»ur um eines Fingers Breite abzuweichen, gelang es der äußersten Linken— die sich der Annahme von Gesetzen zum Nutzen der Staatswirtschaft nie widersetzte und auch nie widersetzt haben würde, wie sie sich jetzt auch nicht der Erörterung des Etats widersetzte— drei Wochen hindurch zu verhindern, daß die verfassungswidrigen Maßregeln zur Annahme gelangten. Die ministerielle Mehrheit— die doch gegen die Verfaffnng keine despotische Allmacht haben kann, eine Allmacht, welche civilisicrte Staaten nicht einmal den Autokraten bewilligen— zeigte sich schon bei dem ersten Artikel über daS Versammlungsrecht reaktionärer als das Ministerium; dagegen war sie unfähig, auch nur die elementarsten Pflichten einer Diskussion zu erfüllen, ja sie fand sich zu den parla- mentarischen Sitzungen nicht einmal in legaler Zahl ein. Nachdem die eisten Ungewißheiten über die Formen, die Richtung und die Wirksamkeit der Obstruktion geklärt waren, nahni die öffentliche Meinung die defensive Thätigkeit der äußersten Linken immer beifälliger auf. Diese Thätigkeit würde vor unserem eigenen Gewissen und selbst bei unseren Gegnern niemals solche Autorität und Wirkung gehabt haben, wenn sie nicht der Ausdruck eines unantastbaren Rechts zu I e g i t i m c r V e r t e i d i g u n g der elementarsten Lebensbedingungen eines Volkes gewesen wäre. Als dann, durch eine neue Knechtung des Rechts der Minderheiten, u n g e h e n e r l i ch e E i n s ch r ä n k u n g c n für daS K amm e r- st a tut �Geschäftsordnung) in Vorschlag gebracht wurden, setzte die äußerste Linke auch gegen diese denselben VcrtcidigungSfeldzug fort. Nachdem nia» einen Tag über die Acndcrnngcn des Statuts diskutiert hatte, vertagte die Regierung, die sich unfähig fühlte, mit Hilfe ihrer Mehrheit und mit Gründen zu siegen, aber dennoch darauf versessen war. sich mit Gewalt Geltung zu verschaffen, die Sitzungen der Dcputiertcnkammer um eine Woche. Und an dem- selben Tage, 22. Juni, als daS Parlament noch geöffnet war und funktionierte, erlangte und veröffentlichte sie ein königliches Dekret, daß eine neue und an einigen Stellen noch reaktionärere Redaktion der politischen Maßnahmen enthielt mit der Drohung— die in der Geschichte deS konstitutionellen Regimes durchaus neu ist — sie am 20. Juli auch ohne die durch Art. 3 der Verfassung für jede? Gesetz vorgeschriebene Billigung der beiden Zweige des Parlaments zur Anwendung zu bringen. Als wenn die Exekutiv- gewalt allein, in einem konstitutionell regierten Lande, willkürlich selbst das Strafgesetzbuch ändern und Strafen und VermögenskonfiSkationen dekretieren könnte! Als die Kammer am 23. Juni wieder eröffnet wurde, sah die äußerste Linke mit Freude, wie selbst die regierungstreuen Parteien vergeblich erklärten, das Dekret sei verfassungswidrig, das Dekret, das auch der Ministerpräsident in seinen Erklärungen an die Kammer als»nicht gesetzlich" anerkannte. Nach diesem neuen Gewnltstreich nahm die äußerte Linke ihren Dcfensivfeldzug mit größerer Energie auf, entschlossen, sich aller Mittel zu bedienen, die das immer noch in Kraft befindliche Kammerstatnt den Minderheiten gewährt. Aber in der Sitzung vom 30. Juni erreichten die Parteilichkeit und die Unfähigkeit in der Leitung der parlamentarischen Arbeiten, die bereits in früheren Sitzungen heftige Proteste hervorgerufen hatten, einen solche» Grad, daß man den Antragstellern von der äußersten Linken daS Recht des Namensaufrufs verweigerte und eine Ueberrumpelungsabstimmunng herbeiführte, welcher der Präsident der Kammer, der ivillkürlich auch die Tagesordnung änderte, eine andere ungesetzliche Abstimmung folgen lassen ivollte. Angesichts des Versuchs der Mehrheit, gegen Recht und Gesetz zu votieren, mußte die äußerste Linke energisch gegen diese neue und wohl vorbereitete Gewaltthat reagieren, da es offenkundig war, daß, wenn sie sie geduldet hätte, sie dann ohne Vertcidignngsmittel gegen den von der Mehrheit vorbereiteten cndgistigen Gewaltstreich gewesen wäre, der die politischen Maßnahmen ohne Diskusston und ohne Kontrolle der Minderheit zur Annahme bringen wollte. Auf diese notwendige Verteidigung des Rechts und der Gesetz- lichkeit antwortet man jetzt mit einem Dekret, das die parla- mentalis che Session für geschlossen erklärt. Die äußerste Linke überläßt denen, welche eS angeht, die Verantwortlichkeit für diesen Akt, der zwar im Lande nicht unmittelbare und materielle Gegenschläge hervorruft, aber doch dazu beiträgt, bei den civilisicrten Nationen das strenge Urteil gegen die unkonstitutionelle Haltung unserer Regierung immer mehr zu verschärfen und bei der großen Mehrheit des italienischen Volkes die Unzufriedenheit und den Haß gegen die Oligarchie, die es aussangt und unterdrückt, zu nähren. Die äußerste Linke hat das Bewußtsein, ihre Pflicht gethan zu haben, indem sie verhinderte, daß die einen Hohn auf die Ver- fasiung und die Rechte des Volkes bildenden politischen Maßnahmen die gesetzliche Billigung des Parlaments erhielten. Und zum Schutze der Volksfreihcitcn konstituiert sich die äußerste Linke, die ihre parlamentarische Thätigkeit dem Urteil des Landes unterbreitet, inzwischen als permanentes Komitee, um mit jedem gesetzlichen Mittel sich den Getvaltstrcichen der Regierung zu lvidcrsctzeu» in dem Bewußtsein, das ihr durch das freie Votum des Volkes anvertraute Mandat getreu ausgeübt zu haben, und entschlossen, ein unbeugsamer Wächter desselben zu sein bis zu den äußersten Grenzen der Achtung vor der Volkssouveränctät. Rom, 1. Juli 1809. Aggio, Albcrtoni, Angiolini, Agnini, Badalvni, Bovio, Bissolati, Bcduschi, Barzilai, Bcrcnini, Budassi, Bosdari, Busetti, Bcrtcfi, Andrea Costa, Crcdaro, Celli, Colajnnni, Caldesi. Cyindamo, De MariniS, De CristoforiS, De Fclice Giuffrida, Del Bakzo, Del Buono, Ferri, Fazi, Guerci. Giampictro, Gatti, Gattorno. Girardini, Garavetti, Jmbriani, Lagasi, Riccardo Luzzatto, Mazza. Morgan, Muffi, Mirabelli, Marcora, Nofri, Pavia, Pipitonc, Prampolini, Pautano, Pansini, Pinna, Pcnnati, Raccnini, Rocca, Rampoldi, Ruffoni, Ravagli, Sani, Sichel, Scvcri, Socci, Sacchi, Taroni, Tasst, Valcri, Vcndemini, Zabeo. Juli. Mvbvvfilkzk« Berlin, den 4. Der rettende Kuhhandel. Die Lage in Preußen schien verfahrener und wirrer denn je, so daß ohne etliche Mimsterivechsel keinerlei Aussicht auf Lösung der schivebenden Fragen möglich erschien, daß hie und da selbst von Auflösung des Abgeordnetenhauses geflüstert wurde. Doch scheinen die Parteien, die im Drciklassen-Parlament einseitigste Interessen- Wirtschaft betreiben, nun schließlich doch ein Kompromiß zn Wege gebracht zn haben, das Aussicht auf Durchführung der viclumstrittenen Kanalvorlage sowohl als der Gcmcindewahl-„Rcform" bietet. Die Kannlvorlage scheiterte bisher an dem Widerstand der Agrarier nicht nur, sondern auch des C e n t r u m S. das wie im Reichstag so im Abgeordnctenhause ausschlaggebende Partei zwischen Konservativen und Liberalen ist. Das Ceutrnm giebt nichts umsonst ab. Es verlangte die Sicherung der G c n» c i n d e w a h l r e f o r m, durch welche es hofft, die Verwaltung in zahlreichen rheinischen Gemeinden zu gewinnen. Die Gegnerschaft der National- liberalen gegen diese Ccntrumsplänc kam den Agrariern sehr willkommen, denn so hofften sie die Kaualvorlage z» verschleppen, bis sie bei Beratung der H a n d e l s v c r t r ä g e ihre Kompcnsations- Forderungen geltend machen würden. Jetzt nehmen die Dinge eine völlig veränderte Richtung. C e n t r u m und Nationalliberale haben einen Kompromiß in der Gcmcindcwahlfrage geschlossen. Man überrumpelte die ahnungslosen Konservativen in der Kommissionssitzung am Montag- abend mit einem gemeinschaftlichen Antrag Fritzen-Snttlcr, der— neben dem in der Regierungsvorlage vorgeschlagenen„Durchschnitts- Prinzip" bei der Einteilung der Wählerklasscn— für Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern, bei Zustimnmng von mehr als Zwcidrittel der Stadtverordneten-Versammlung, die Klassen- bildung durch Zwölftelung zuläßt. Danach sollen 8/i2 der Steuersumme auf die erste, 4/i2 auf die zweite, 3/i2 auf die dritte Abteilung fallen. Dieser Antrag bedeutet ein geringes Entgegen- kommen des CciitrumS an die Befürchtungen der rheinischen National- liberalen. Die Nationalliberalcn haben sich entschlossen, nach dieser Abänderung der Regierungsvorschläge das Geineindc-Wahlgesctz um der Kanalvorlage willen anzunehmen. Die Kompromißbestiminung wurde mit 13 gegen 8 Stimmen in der Kommission angenommen. Herr v. Miguel läßt auch bereits erkennen, daß die Regierung wohl mit diesem KommissionSbeschlusse einverstanden sein werde. Die Gemeinde- Wahlrefonn behält auch nach den Acnderungen der Kommission so wenig den Namen einer Reform, daß sie viel- mehr eine Erhaltung und Festigung des ungerechtesten Wahlsystems bedeutet, welches dem Reichtum Macht giebt, die Armut zur Ohn- macht auch in den wichtigen Fragen der koimnunalen Verwaltung verurteilt.—_ Preußischer Landtag. DaS Abgeordnetenhaus hat am Dienstag in dritter Lesung den Gesetzentwurf über die freiwillige Gerichtsbarkeit und die Gebührenordnung für Rechtsanivälte und erichtsvollzieher angenommen nnd sich dann vertagt. Die nächste Sitzung findet, wie der Präsident ausdrücklich erklärte, nicht' vor dem 14. August statt. Das Herrenhaus erledigte nur kleine Vorlagen, die sämtlich bereits vom Abgeordnetenhauie angenommen sind. Erwähnenswert ist lediglich der in veränderter Fassung vom Abgeordnetenhaus zurückgelangte Gesetzentwurf betreffend Schutzmaßregeln imOuellgebicte der linksseitigen Z uf l ü s s e der Oder in der Provinz Schlesien. Ursprünglich-hatte . das Herrenhaus beschlossen, daß für die den Grundbesitzern oder j Nutzungsberechtigten aus den Meliorationsarbeiten entstehenden Nachteile und Kosten zu einem Drittel die Gemeinde und zu zwei Dritteln der Staat Entschädigung zu leisten hat. Das Abgeordneten- Haus hat diese Bestimmung dahin abgeändert, dafe die Kosten zu je einem Drittel auf Gemeinde, Provinz und Staat verteilt werden und daß im Falle der Leistungsunfähiglcit einer Gemeinde an ihre Stelle Staat und Provinz zu gleichen Teilen treten. In seiner heutigen Sitzung beharrte nun das Herrenhaus auf seinem Beschluß, fo daß die Borlage nochmals an daS Abgeordnetenhaus zurückwandern muß. Am Mittivoch sollen kleinere Vorlagen und der ZnchthanS- Antrag deS Grafen Mirbach beraten werden.— Deutsches Weich. Die Motive der HcrrcnhänSler. Die Edlen und Getreuen der Herrenhäusler, die der Regierung ans Herz legen, den Zucht- hansknrs unentwegt zu steuern, haben ihrem Antrag auch„Mo- tive" beigegeben, die noch schneidiger sind als der Antrag seihst. Sie hoben nämlich ihrem Demonstrations-Antrag zu Gunsten der Zucht- Hausvorlage folgende Begründung beigegeben: Ein wirksamer Schutz der arbeitswilligen Arbeiter sowie der Arbeitgeber ist aus socialen und wirtschaftlichen Gründen dringlich geboten. Punktrrm I Wir gestehen, daß die Begründung genau so durch- schlaaeiid ist, wie die der Regierungsvorlage und d:e Reichstagsreden der Minister. Eine ZuchthauSvorlage st't notwendig. Warum? Darum! Die Herrcnhäusler versichern auf Ehre, ein Gesetz sei notwendig. Diese Erklärung ist Begründung genug; eS bedarf keiner weiteren geistigen Arbeitsleistung. Wenn sich die HerrenhänSler dergestalt um den Reichstag Mnmieru. so bietet sich dem Reichstag Gelegenheit, sich seinerseits fiir das Junkerhaus zu interessieren. Man Ivird als Antwort an: die Aktion des Grafen Mirbach und seiner Standesgenossen cS nich unterlassen dürfen, im Reichstag den Antrag einzubringen:„Das preußische Herrenhaus ist abgeschafft."'lind die Be giündung dieses Antrags wird ebenfalls sehr kurz sein können „Weil es nicht ins zwanzig st e Jahrhundert gehört."— Erwähnt sei noch, daß nach einer Aufstellung der„Freisinnigen Zeitung" der Antrag Mirbach, der 42 Unterschriften trägt, lediglich adlige Namen aufweist. Nicht ein einziger bürgerlicher Name steht unter dem Antrag. Es haben unterzeichnet: 1 Fürst, 17 Grafen, S Barone und IS ge wöhnliche Junker, die bloß ein„von" vor ihrem Namen führen. Fast sämtliche Unterzeichner sind Ostelbier, nur 3 sind im Westen au sais'g., Die Blüte deS ostelbischen Junkertums umduftet das Zucht hauS I Fanlilienderhältnisse des Herrenhauses. Die Matrikeb koninnssion dieses hohen Hauses hat ihren zweiten Bericht aus gegeben. Danach sind gegenwärtig 323 Berechtigungen auf Sitz und Stimme, die königlichen Prinzen ungerechnet, vorhanden, und zivar mit Erblichkeit 103, auf Lebenszeit 31, für Familie* verbände 12, für die Verbände deS alten und befestigten Grund besitzcs SO, für Landesuniversitäten 9. für Städte 48. Von diesen ruben zur Zeit: von den erblichen Berechtigungen 29, von den Be rcchtigungen auf Lebenszeit 6, in, Ganzen ruhen also 3ö Stimmen. Es sind mithin 288 wirkliche Mitglieder vorhanden. Davon sind bisher nicht eingetreten. Ter„Reichs-Anzciger"«nd die Stenogramm-Fälschnng Wir haben neulich darauf hingewiesen, daß ,n dem Bericht des „ReichS-Anzeigers" über die Zuchthans- Debatte die Aeußerung des Präsidenten Ballestrem.„dann ist es etwas anderes", fehlt. Wir werden jetzt auf Veranlassung der Redaktion des„Reichs-Anzeigcrs darauf anfmcrksam gemacht, daß diese Auslassung keine absichtliche Leistung der Redaktion des amtlichen Blattes ist, sondern darau' zurückzuführen ist, daß schon die benutzte Parlaments-Korrespondenj die Wendung als belanglos nicht enthalten hat. Ilebrigens wird uns, waS alle Zuhörer auf der Tribüne versichern, bestätigt, daß die Aeußerung des Präsidenten sich auf die Worte„dann ist es etwas anderes" beschränkt habe. Demnach scheint auch der zweite Satz „dann können Sie sie in angemessener Weise erwähnen" selbständig von dem„Korrektor" des amtlichen Stenogramms hinzugefügt worden zu sei».— Die ZuchthauSvorlage lebt ein zlvar scheues, aber zähes Dasein. Ihre Pfleger scheuen die Wahrheit, die über das schmähliche Ausnahmegesetz gesprochen worden ist, und lassen die Entstellungen, auf denen sie aufgebaut ist, eifrig weiter im Lande herumziehen. Der sattsam un- rühmlich bekannte Pastor Hüllcschc Flngschriftcnverlag bewährt sein Christentum und seinen Patriotismus durch Vcrbreiwng eines Schmäh-Flugblatte»„Schutz den Arbeitswilligen", in dem' die oft widerlegten Unwahrheiten von neuem auferstehe». Die Scharstnachcr- presse betreibt denselben Verleumdungsfcldzug in der Hoffnung, daß in der Frist langer Monale die Agitation gegen das ZuchthauSgesetz abstumpfen und ein Umschwung der Stimnmng eintreten werde! Auch die Regierung hält fest an ihrem Plane. Die ungc- heure Blamage in, Reichstage hat sie erst recht störrisch gemacht und in hartnäckiger Verbissenheit will sie nicht weichen, sondern ihre Aktion bis zu Ende führen. Nicht ohne Fühlung mit Regierungskreisen verbreiten die Kreisblätter die Unwahrheiten der„Denkschrift". Aus dem Hannoverschen berichtet die„H. L.-Z.", daß daS Landratsamt selbst Druckschriften zur Agitation für die zweite Plenarberatung der Vorlage verteilen lassen. Vielleicht entschließt sich die Regierung, einen Kriminalroman voll düsterer Bilder vom Arbeiterterrorismus herauszugeben»nd gratis zu verteilen; so wären die Phantastegreuel der„Denkschrift" vielleicht noch zu übertreffen. Die heutige Agitation der Reaktion für die Zuchthausvorlage fordert eine ebenso' und doppelt eifervolle und unablässige Gegen agiiation aller Volksfrcnn�e heraus!— Zu dem Verbot des KaiscrhochS in Halle wird der„Köln. Zig." geschrieben:„Der Regicrungspräsident hat der Studentenschaft mitgeteilt, daß er nach Prüfung des Sachverhalts das Verfahren der Polizeiverwaltung, soweit es das Verbot eines KaiscrhochS und einer Bismarckrede auf dem dortigen Marktplatz betrifft, entschieden miß- billige und lebhaft bedaure". „Post"-Poffcn. Die Scharfmacher beginnen sich nun selbst zu benilkcn. Der Ruhm der terroristischen Schulkinder- Geschichte des Grafen Posadowsky hat die journalistischen Höfnarren Königs Stumm zu folgender Leistung angereizt: „Die Verstärkung des Schutzes der Arbeitswilligen ergiebt fich, so schreibt die„Post", umsomchr als eine Notwendigkeit, als die Streikenden stets neue Listen erfinden, um der behördlichen Ans- ficht und den Gesetzen sich zu entziehen. Wie jetzt bekannt wird, haben die Polen bei dem Ausstand in Herne einen neuen Kniff an- gewandt: sie veranstalteten Versammlungen und Be- r a t u n g e n unten in den Gruben. Man braucht da keine An- Meldungen, es kommt keine Aufsichtspolizei, und eine AuflösuiJfl kann felbst bei aufreizendster Sprache nicht stattfinden. Diese neue Erscheinung Ivird, wie Man der„Köln. Ztg." schreibt, imnier in ihrem thatsächlichen Bestände dadurch festgestellt, daß die ganze Belegschaft eingefahren ist, und trotzdem die Förderung stockt. Dies war am Freitag und Sonnabend der Fall, und auch für gestern wurden ähnliche BessEechungen vermutet, so daß Pessimisten den nächsten Tagen mit Beunruhigung entgegensehen." Das ist in der That eine so schaurige Erscheinung, daß Herr Arendt bei der zweiten Beratung der ZuchthauSvorlage den Zusatz- Paragraphen beantragen wird:„Bergarbeiter, die unter Tage ohne polizeiliche Genehmigung miteinander reden, werden mit Zuchthaus nicht uuter fünf Jahren bestraft." Am Ende veranstalten die Leute, wenn der TerroriSnmS derart um fich greift, noch in der Grube Tanzkränzchen. ohne daß die Polizei es gestattet hat. Kann so etwas in einem geordneten Staatswesen geduldet werden? Nein, und abermals nein l Für die zweite Auflage der Denkschrift zur Zuchthausvorlage wird nnm die Grubenversammluiigen in Herne sehr hübsch verwerten können.— Die Berufögenossenschaften haben aus dem Reich s-Ber- sicher» naSamt folgende Verfügung erhalten: „Es ist neuerdings wahrgenommen worden, daß bei mehreren Beruftgenossenschaften die Sitte herrscht. in Unfallreuteniachen den Rekurs einzulegen, ohne ihn zu begründen, die Begründung vielmehr erst nach geraumer Zeit mit den Akten nachfolgen zu lassen. ES liegt auf der Hand, daß die Gepflogen beit, für welche sich in den Nnfallversichenmgs-Gesetzen und in der kaiserlichen Verordnung vom 6. August 1882 kein Grundlage findet, geeignet ist, eine erhebliche Verzögerung des Rekurs- Verfahrens herbeizuführen. Die Genoffenschafts- Vorstände werden deshalb erstuht, in Zukunft von' dieser Maßnahme abzusehen oder sie doch nur ganz ausnahmsweise— in Notfällen— zur An- wepdnug zu bringen, also möglichst zugleich mit der Einlegung des Rekurses die Begründung des Rechtsmittels und die dortigen Akten einzureichen. Da sich in den ersten Instanzen ausreichend Gelegen� heil bietet, die streitigen Fälle in thatsächlicher Hinsicht völlig aufzuklären, so wird sich die Anführung neuer Thaisachen in der Rekurs- fiistanz in der Regel vermeiden oder doch so' einschränken lassen, daß die für die Rckurseinlegung wesentlichen neuen Aufühnmgen inner- halb der Reknrsfrist gemacht werden können." Es scheint dangch bei den Beruftgenosscnschaften die Gewohnheit zu herrschen, bei allen Entscheidungen, hurch die sie zur Zahlung von Unfallrentcn verurteilt werden, auf alle Fälle den Rekurs ein- zulegen. Daß dadurch die GeschDe de§ Reichs-VersicherungSamtS erschwert und verzögert werden, ist selbstverständlich, ebenso, wie es bedauerlich ftt, � daß die zum Rentenbezug berechtigten Arbeiter im» gebührlich länge warten muffen, ehe sie in den„Genuß" der an und für sich so bescheidenen Renten gelangen.— Ter Kaiser als Dichter. Die Nachricht, daß der Kaiser ei» neues großes Dichttvcrk geschrieben, wird englischen Blättern aus Berlin gemeldet. Es handelt sich um ein lirchliches Oratorium, zu dem der Kaiser das Libretto verfaßt hat und das schon in diesem Herbst in Berlin zur AnffühnMg gelangen soll. Ob auch der Kaiser die Musik dazu komponiert hat, darüber verlautet nicht».— Wegen MajcstätSbeleidigung wurde vom Dresdener Landgericht der 20 Jahre alte, noch unbestrafte Steinmetz Karl Ikrthiir Richter aus Leutewitz zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Richter soll den sächsischer König in einer Restauration beleidigt haben. Wie aus der Urteilsbegründung hervorgeht— die Verhandlung selbst war geheim— handelt es sich um eine Aeußerung in Beziehung auf die vor einiger Zeit hier stattgefnndene sogenannte Veterairenehrnng, zu welcher Veteranen aus ganz Sachsen hier ver- sammelt wären.— Ausland. Ei« patriarchalisches Manifest. russische„Regieningsbote" veröffentlicht nachstehendes an vou Finnland gerichtetes kaiserliches Der den Gencral-Gouverneür Reskript: „Bei der am 18. Mai durch Sie erfolgten Schließung des außerordentlichen Landtages berichteten mir die Vertreter der Stände über die erregte Stinimung, welche durch die bevorstehende Reorganisation der Militärpflicht im Großfürstentnm Finnland und durch die Veröffentlichung des Manifestes vom 3. Februar veranlaßt worden sei. Zu meinem Bedauern ersehe ich aus den Reden des Landmarschalls Talma»?, daß die ständischen Vertreter den all- gemeinen staatlichen Nutzen nicht erkannt haben, durch den die Notwendigkeit dieser Maßnahmen bedingt wird, und sich über dieselben unstatthafteKritiken erlaubten. Ich beauftrage Sie, zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, daß diese Kritiken unrichtig sind und der seit Anfang dieses Jahrhunderts bestehenden Lage der Dinge nicht entsprechen. wonach Finnland ein intcgrirender Teil des rnssischen Reiches und von diesciN initrennbär ist. Fleichfnlls wünsche ich, daß dem finnischen Volke bekannt werde, daß ich bei der Thron besiciguiig die heilige Pflicht übernommen Hobe, für das Wohl aller dem r u ssischen Szepter unter st ehen- den Völker zu sorgen und es für gut befunden habe, Finnland den bejonderen von meinen mächtigen Vorfahren ge scheilkten Bau der inneren Gesetzgebung zu erhalten. Als Erbschaft der Vergangenheit übernahm ich die Sorge für die Präcisierung der Beziehungen des GroßfiirstciitlimS zu dem russischen Kaiserreiche. In diesen Erwägungen sind vou mir am 3. Februar die Grundbestimmllngen bestätigt ivordeu, welche die Bestimmungen über den Erlaß allgemeiner RcichSgesctze, die auch'Finnland be- treffen, festsetzen. In der durch diesen legislativen, auch für die Zukunft verbindlichen Alt festgesetzten Ordnung erhält die zu künftige Thätigkcit des außerordentlichen Landtages ihre Richtung. Diese' Ordnung wird auch bei dem definitiven Entwürfe des Militärgcsctzcs in Erwägung gezogen werden. Indem ich von Ihnen feste Handlungsweise erwarte, um die richtige Bedeutung der znr V e rst ärknn g der Bande zwischen dem Reiche und dem Großfürstentum ergriffenen Maßnahmen in den Gemütern der Bevölkerung zu befestigen, hoffe ich, daß die treuunter- thänige Ergebenheit des finnische ir Volkes, an der ich nicht zweifle, durch Thatsachen bewiesen und Ihnen die June Haltung meiner Direktiven erleichtern werde." So redet Väterchen mit seinen finnischen Kindern. Die Kritiken über die Vergewaltigung Finnlands sind unstatthaft. Väterchen will nur das Beste seiner Unterthanen, er„präcisiert" nur die Be- Ziehungen des Großfürstcnttims zu seinem Reich. DaS ist«in netter Ausdruck. In diesem Sinne schlachtet eins Räuber nicht ettva ein Opfer ab. sondern er„präcisiert" nur seine Beziehungen zu ihm Väterchen präcisiert, ohne auf irgend welche Einwendungen zu hören. Wir haben gestern mitgeteilt, daß der Zar die Deputation der„Intellektuellen" Europas, die zu Gunsten Finnlands eine Adresse überreichen wollte, nicht empfangen hat. lieber diese mißglückte Aktion wird uns geschrieben: Der Zar hat nicht die Stimme seiner finnischen Unterthanen hören wollen. Die Adresse mit den 530 000 Unterschriften ist von ihm gänzlich unbeachtet geblieben. Infolgedessen entstand in meh rcrcn Knlturcentren Europas, in denen der Kampf des finnischen Volkes um sein'gutes Recht mit Svmpathie gefolgt worden X der Gedanke, einen Appell in der Form einer Adresse zu richten. Einen passenden Anlaß dazu bot das Friedensmanifest dos Zaren, in dem feierlich erklärt wird, )aß die Sicherheit deS Staates und daS Wohlergehen der Völker ans den PrtncipicN des Rechts und der Gerechtigkeit ruhen müssen. Man war der Ansicht, daß die Adressen sich an die finnische Massen- letiiion anschließen sollten, in welcher das Volk bittet, feine von ünf Kaisern beschworene Konstitution, seine Rechte und seine uralte ! ireiheit behalteri zu dürfen. Hervorragende Männer verschiedener Länder nahmen unab- hängig von einander den Plan auf, von dem Gedanken geleitet. die geistigen Mächte der Welt gegen das Princip der Gewalt zu stellen. Den 23. Juni sammelte sich in Petersburg«ine Deputation, bestebend aus: TrarieUx, Senator, ehemaliger Minister Frankreich). W e st I a k e, Professor des internationalen Rechtes in Cam- bridge, Ehrenmitglied des Institutes für internattouales Recht England). van der Vlouhti, Professor des Rechts in Lehden sHolland). B r u s a. Professor des Rechts in Turin, ehemaliger Präsident deS Institutes für internattouales Recht. S z i n n g e i, Professor der Sprachwissenschaft an der Universität in Budapest stlngarn). NordenSkjöld, Freiherr, Professor, Entdecker der N.-O.- Passagen(Schweden). B r ö g g e r. Profeffor, Geolog(Norwegen). Norman-Hansen, Augenarzt in Kopenhagen(Dänemark). Die Adressen von 12 verschiedenen Ländern, die jene Deputation vorzulegen hatte, waren von mehr als 1000 Namen unterzeichnet, welche die ersten Gelehrten, Schriftsteller und Kulturträger der ckc- treffenden Länder repräsentieren. Unter den Uiiterzeichnern befanden sich auch eine Menge bedentcnder Juristen, wie z. V. S o h m (Leipzig), Gielde(Berlin), Jellinek, Meyer(Heidelberg), Hänel(Kiel), v. Maurer(München), Hilty. Le Fort (Schweiz), Lyon-Caen(Paris), B i r s e l(London), Oliocrona (Stockholm), Pier Antoni(Rom). Unter den Schriftstellern und Künstlern mögen folgende hervor- gehoben werden: Sardou, Zola. Flammarion, Sully-Prudhomme, Aiintole France(Frankreich), Ibsen, Björnson, Gricy(Norwegen), Amici, Bonfadini, Caducci(Italien), Begas, Earl Becker, Lenbach, Rosegger(Deutsche). Das sind Männer der Kunst und Wissenschaft, Gelehrte, unter denen viele Weltruhm besitzen, wie Höckel, Birchow, Mommseu, Larisse, Passh, Gaston Paris, Sabatier, Herbert Spencer, Lorel Lister, Nansen, Forel, Loinbroso usw. Diese Männer haben ihr Wort zu Gunsten einer friedfertigen Nation eingelegt, die, weil sie klein ist, vollständig recht- und macht- los gegenüber ihrem Unterdrücker ist. Dennoch wird jetzt von Petersburg telegraphiert, daß der Zar die Deputation nicht empfangen hat. Rußland bleibt trotz allem der Barbarstaat in Europa!— Oestreich- Ungar«. Demonstrationen gegen die christlich-sociale Gemeinde. wahl-Reform in Wien. Zwei am Montag wieder abgehaltene social: st ische Protest Versammlungen nahmen einen bewegten Verlauf. Die Polizei schritt energisch ein, als sich die Ver- sammlungsteilnehmer unter Pfnirufen auf Lucgcr entfernten. Es kam zu wiederholten Zusammenstößen, wobei zahlreiche Ver- Haftungen vorgenommen wurden. Um Kundgebungen zu ver- hindern, bewachte die Polizei die ganze. Nacht die Redaktionen der antisemitischen Blätter sowie die Wohnungen der christlich-sociolcn Partoihäuptcr. Eine dritte fortschrittliche Versammlung, in der ein socialistischer Redner die Anwesenden zu einer Kundgebung f ü r die belgische Arbeiterschaft aufforderte, wurde be- hördlich aufgelöst.— Schweiz. Bern, 2. Juli.(©ig. SB er.) Die Session der Bundes- Versammlung ist gestern nach vierwöchiger Dauer geschlossen worden, ohne alle die ihr vorgelegten Geschäfte erledigt zu haben. Zu diese» unerledigten Sachen gehören u. a, auch der Rekurs, des Professor Dr. Zürcher gegen die Ausweisung der drei italienischen Genossen und die R e v i s'i o n des R u h e t a g s g e s e tz e s. lieber die Nichterledigung des Zürchersche» Rekurses läßt sich weniger sagen, da er erst bei Beginn der Session eingebracht worden und die schweizerischen Parlamentarier nun einmal die Praxis haben, nichts zu überstürzen. Dagegen ist die vom Verband des Personals schweizerischer Transportanstalten in Fluß gebrachte Revision des Ruhelagsgesetzcs schon seit Jahren auf der Tagesordnung. Die wichtigsten Forderungen deS Verbandes sind: Einführung des Zehnstundentages und alljährlich ein achttägiger Urlaub bei Fortzahlung des Gehaltes. Ueber die finanzielle Tragweite dieser Forderungen liegt ein sehr interessanter Bericht des Bundes- ratcs vor, der die Aeußerungen der Bahnvcrwaltungen wiedergiebt. Danach würde die Reduktion der Arbeitszeit von 12 auf 11 Stunden für die Nonnalbahnen eine Mehrausgabe von 1 350 000 Fr. pro Jahr zur Folge haben und eine Reduktton von 12 auf 10 Stunden eine jährliche Mehrausgabe von 5 386 000 Fr. Entsprechend werden die eventuellen Mehrausgaben bei den Sekundärbahnen und beim Schiffsverkehr berechnet. Immerhin erklärte der Bundes- rat. an der vorgeschlagenen elsstündigen Arbeitszeit fest- zuhalten. Nun ist die nationalrätliche Kommission auch in Bezug auf die Urlaubsfrage insofern entgegengekommen. als sie beschloffen hat, daß das Zugs« und Lokomotivpersonal sowie da§- jenige der Bahnhöfe vom 6. Dienstjahre an Anspruch auf einen acht- lägigen Urlaub haben und das übrige Personal von den gesetzlichen 62 Ruhetagen 8 Tage als zusammenhängenden Urlaub erhalten soll. Damit erklärte sich auch der Eisenbahnminister, Bundesrat Zcnge, einverstanden. Die Kontrolle über die richtige Ausführung deS Gesetzes soll nach dem Antrage der Kommission durch Tage- bücher ausgeübt werden, die vom Personal nach nähern An- ordnungen des Bundesrates zu führen sind. Ein kleiner Fort- schritt sieht also für die Eisenbahner in Aussicht, aber er bleibt weit hinter dem zurück, was sie angestrebt haben. Die sociale Gesetz- gebung marschiert eben auch in der Schweiz in langsamstem Tempo. Die nationalrätliche Kommission hat nun den redaktionell be- reinigten Text der Versichcrungsvorlagen veröffentlicht. Alle drei Vorlagen, betreffend die Kranken-, Unfall- und Militär- verfichernng sind zu einem Gesetze vereinigt, das ein Ungetüm mit rund 400 Artikeln ist und 174 Druckseiten umfaßt."— Frankreich. RenneS. 4. Juli. In Bezug auf den Dreyfus-Prozeß vor dem Kriegsgericht wird versichert, daß keine neue Enquete statt- finden werde. Oberst Carriöre werde sich darauf beschränken, seinen Bericht zu erstatten.— Italien. Rom, 1. Juli.(Eig. Ber.) Heute morgen hat ein königliches Dekret die Session des Parlaments geschlossen und somit den voll- ständigen Sieg der äußer st en Linken bestätigt. Diese hat durch ihr Vorgehen im Parlament den Beweis geliefert, daß der König gegen die Verfassung verstößt; sie hat die Durchführung der neuen Geschäftsordnung verhindert und die Annahme des Diktatur- Dekrets, das die politischen Rechte beseitigt, durch die Kammer vereitelt. So besteht jetzt der Konflikt nicht mehr zwischen Majorität und Minorität der Kammer, sondern zwischen einem großen Teil des Landes und dem Könige, der gegen die beschworene Verfassung ver- stoßen hat. Die große Mehrzeit der Zeitungen, auch derjenigen, welche die Obstruttion verurteilten, erkennt die Ungesetzlichkeit des sogenannten Diktatur-DekretcS an und hofft, daß die Gerichte es nicht anerkennen werden, sobald es angewendet werden sollte. Spanien. Z« den Unruhen. Aus Barcelona wird berichtet: Mit dem Einbruch der Nacht fuhren gestern abend einzelne Gruppen fort. Steine gegen die Kaufläden zu schleudern. Zwei Geistliche wurden verhöhnt. Die Gendarmerie stellte die Ordnung wieder her. — In Alicante bewarf eine Volksmenge die Läden, deren Schließung verweigert wurde, mit Steinen und'steckte ein städtisches Steuer- Häuschen i» Brand.— In Valencia wurden die Ansammlungen der Menge durch Kavallerie zerstreut. Die Nacht verlief ruhig.— In Saragossa herrscht große Erregung, die den Ausbruch von Un- ruhen befürchten läßt. Iii Barcelona beschloß eine Versamnilung von' Industriellen, sich der Auferlegung„clier Steuern zu widersetzen. Rußland. Profeffor Schenk nnd die rnssischc Thronfolge. In der von Karl Krauß herausgegebenen Wiener satirischen Zeitschrift„Die Fackel" finden wir folgende Notiz: Herrn S ch e n k s Theorie von der künstlichen Beeinflussung des Geschlechtes der Kinder hat einen majestätischen Krach erlitten. Es ist dem Wiener Professor der Embryologie und Vorstand des Institutes für Embryologie, der sich zu einer Art von Wissenschaft- lichcm Beichtvater für Mütter und solche die es werden wollen, herausgebildet hat. eS ist Herrn S. Schenk nicht gelungen, die Zukunft der Dynastie des Hauses Romanow» Holitcin- Gottorp durch einen männlichen Erben zu stützen. Die Kaiserin Alexandra hatte ohne Schenks Vorwissen am 16. Ro- venft>er 1895 die Großfürstin Olga und am 10. Juni 1897 die Großfürstin Tatjana geboren. Da ließ sich denn Herr Professor S. Schenk herbei, einem ehrenvollen Rufe— Samuel hilf!— an das Petersburger Hoflager zu folgen, und siehe da, der Zar wurde nm 26. Juni mit einer dritten Tochter überrascht. Der zu so schönen Hoffmmgen berechtigende Wiener Fachmann verließ ein ent- täuschtes Herrscherpaar, das er von der bangen Sorge um einen Kronprinzen nicht zu erlösen vermocht hat. Demnach dürfte es ihm auch nicht gelungen sein, die Klasse des russischen St. Annenordens, den frühere Verdienste ihm verschafft haben, um einen Grad zu er- höhen.— 4 Serbien. Wie in Serbien liberale und demokratische Ideen aussehen, darüber wird aus Bukarest vom Montag gemeldet: Die Depuiiertenkammer nahm mit 84 gegen 7 Stimmen den Adreß- entwurf in der Specialdebatte an. Im Laufe der Debatte erklärte der Ministerpräsident Cantacuzino, die konservative Partei verschließe sich nicht den liberalen und demokratischen Ideen; die Regierung sei sc st entschlossen, die Ordnung aufrecht zu erhalten und gegen soclalistische sowie anders Agitatoren mit Strenge vorzugehen.— Afrika. Südafrikanische Republik. Pretoria, 3. Juli. Zu Anfang der heutigen Sitzung des Volksraad forderte Präsident Krüger die Mitglieder desselben auf, in der Frage der Unabhängigkeit Transvaals Festigkeit zu zeigen und legte den Entwurf zu einer Erweiterung der Vertretung der Goldfelder im Volksraad vor, welcher für Johannesburg zwei weitere Mitglieder vorsieht. London, 4. Juli. Dem„Standard" wird auS Kimberleh sKap- kolonie) telegraphiert, daß die Behörden des Oranjefreistaats unter die an der Westgrenze gegen Kimberleh zu wohnenden Burghers Waffen und Schießbedarf verteilen. Amerika. Bündnis der südamerikanischen Republiken. Buenos Aires, 3. Juli. Wie verlautet, wird Präsident Roca Mitte Juli nach Uruguay abreisen; er wolle dort seinen Vorschlag einer Alliance der vier östlichen südamerikanischen Republiken unterbreiten. Er soll beabsichtigen, die Präsidenten derselben zu einer Konferenz in Buenos Aires für den Herbst ein- zuladen, auf der mit dem Präsidenten von Chile über die Herab- sctzung der Rüstungen in Südamerika beraten werden solle.— Berichtignng. In dem gestrigen Artikel„Ein sächsisches Urteil" ist durch Versehen der Schlußsatz des vorletzten Absatzes fortgefallen. Es mußte dort im Zusammenhang heißen: „Würde diese Auffassung des Dresdener Gerichts dem Reichs- g e r i ch t vorgelegt werden können, so wäre, gemäß der von diesem geübten Spruchpraxis, die Aufhebung des Urteils und die Einstellung des Verfahrens sicher zu erwarten. Da aber entgegen der sonst üblichen Verweisung von Bcamtenbeleidigungen an das Land- gericht dieser Prozeß dem Schöffengericht zur Aburteilung übergeben wurde, verbleibt er im Bannkreise der Dresdener Judikawr; das Oberlandesgericht in Dresden ist die oberste Instanz." Die Ausstandsbeweguitg der polnischen Bergarbeiter ist zwar als endgülti Erloschen zu betrachten, die dabei zu Tage getretenen Begleiterscheinungen beschäftigen aber nach wie vor die gesamte Presse auf daS lebhafteste. Die Scharfmacherpresse wieder- holt täglich Wider besseres Wissen die Behauptung, daß der Streik doch von socialdemokratischer Seite aus angefacht worden sei; zum mindesten sei der Berliner Leitung der polnischen Socialdemokraten die Schuld beizumessen. Wir haben diese lügenhaste Be- hauptung bereits widerlegt. Jetzt hat nun die polnisch- socialistische Parteileitung einen Aufruf an die st r ei k en d e n L a n ds l e u t e des westfälischen Bergwerksbezirkes erlassen. Sie ermahnt darin die polnischen Arbeiter ausdrücklich, sich zu keinerlei Ausschreitungen hinreißen zu lassen, und lvarut sie vor unüberlegtem und unvorbereitetem Streik. Der Vorstand der polnischen Socialistenpartei verwahrt sich auf das entschiedenste gegen die Behauptung, den Streik von Herne und einige Folgeerscheinungen seien auf seine Initiative zurückzuführen. Für eine solche Behauptung liege nicht der mindeste Beweis vor. Unter den Aus- ständigen seien fast gar keine Socialdemokraten. Der Organisation gehöre nur eine verschwindende Minderheit an. Ein großer Teil von ihnen stehe auf streng religiösem Boden und gehöre katholischen, von Geistlichen geleiteten Vereinen an. Die seiner Zeit in Essen, Bochum usw. ins Leben gerufene polnisch-socialistische Organisation hätte sich auf die Dauer nicht halten können. In Herne bestehe' eine socialistische Organisation nur in Gestalt eines polnischen H i l f s- Vereins.» Die„Rh.-Westf. Ztg." bemerkt in hämischer Weise dazu, daß dies „Abblasen" zu spät käme. Wie konnte die Leitung„abblasen" von Dingen, deren Kommen ihr gänzlich unbekannt war, und von dem sie ebenso überrascht wurde, als alle übrige Welt? Dagegen kann die„Kölui Ztg." nicht in Abrede stellen,„daß die socialdemokratische Presse sich von Anfang an gegen den Aus- stand in Herne ausgesprochen und die polnischen und anderen Arbeiter ermahnt hat, sich nicht auf eine Arbeitseinstellung einzu- lassen, von der man sich keinen Erfolg versprechen könne. Die Leiter der Socialdemokrätie sind eben klüger als die polnischen Arbeiter in und bei Herne, die in jeder Beziehung kopflos gehandelt haben." Wenn die„Köln. Ztg." dies einsieht, dann möge sie auch die richtigen Schlußfolgerungen ziehen und mit uns fordern, daß ein vollständig freies Koalitionsrecht gewährt werde, damit auch die ungeschlachten polnischen Arbeiter durch ihre deutschen Klasscngenossen organisiert und erzogen werden können. Statt dessen will auch sie aus den Vorkommnissen um Herne die Not- wendigkeit schärferer Strafbestimmungen ableiten, ja sie plaidicrt so- gar für eine Wiederholung des nichtswürdigen Schwindels, der 1878 mit den Attentaten gegen die Socialdemokratie gemacht wurde. Diesen Jdeengang nehmen übrigens auch die„Berl. Pol. Nachr." des Herrn Schweinburg in ihre Spalten über. Wir sollten meinen, daß, wenn man einmal 12 000 Mark für die Bekämpfung der Arbeiter ausgiebt, dann doch wenigstens ein eigener Gedanke verlangt werden könnte. Nun, da die Unternehmer, die das Geld blechen, damit zuftieden sind, wir sind es schon immer. Interessant ist, was der„Voss. Ztg." aus dem Ruhrbezirk berichtet wird:„Nachdem der Ausstand sowie die damit verbundenen Krawalle der polnischen Bergarbeiter im Ruhrbezirk anscheinend vorläufig ihr Ende erreicht haben, beabsichtigen die organisierten Knappen, bei den Zechen dahin vorstellig zu werden, zur Wahrung des Rufes des Bergarbciterstandes bei der Annahme fremder Arbeiter eine schärfere Auswahl zu treffen, als dies bisher der Fall gewesen ist. Diese Vorstellung soll in demnächst anzuberaumenden Versammlungen in Form von Resolutionen ge- macht werden. Auch in den Kreisen der Zechenbesitzer wird bereits die Frage ventiliert, ob es angesichts der Zügellosigkeit der polnischen Arbeiter nicht zweckmäßig sei, die Beschäftigung solcher thunlichst ein- zuschränken und durch Erhöhung der Löhne und V e r- besserung de r W o h lf a h r t s e in ri ch t u n g e n deutsche Arbeiter in größerer Anzahl für die Bergarbeit zu gewinnen. Es dürfte dies in der That der einzige richtige Weg zur Lösung der Bergarbeiterfrage im hiesigen Bezirk sein. Diese Frage hat sich während der letzten fünf Jahre geradezu zu einer brennenden gestaltet, die ihrer Lösung bringend bedarf. Der Mangel an Berufs-Bergarb eitern wird auf den Zechen immer größer, während die Zahl der polnischen Arbeiter sich in einem Zeitraum von fünf Jahren um rund 40 000 vermehrt hat. Diese fremden Arbeiter sind wegen ihrer Zügellosigkeit, Neigung zur Völlerei und Gewaltthätigkeiten nicht nur zu der gefahrdrohenden Bergarbeit wenig geeignet, sondern auch bei der einheimischen Bevölkerung sehr gefürchtet. Eine Verbesserung ist aber nur in der oben angegebenen Weise zu erzielen, weshalb die Zechen gut thnn werden, den Wünschen und Vorschlägen der organisierten Arbeiter Gehör zu schenken und recht bald eine Säuberung in den Belegschaften vor- zunehmen. Dabei darf jedoch nicht die politische Parteistellung der Arbeiter, sondern nur ihr moralischer Wert in Frage kommen. Die bisherige Abneigung der Zechenbesitzer gegen Arbeiterorganisationen muß unbedingt auf- gegeben werden, denn gerade mit organisierten intelligenten Arbeitern werden die Arbeitgeber am leichtesten vorkommende Streitigkeiten aus- gleichen und Mißverständnisse aufklären können. Verharren aber die Zechen auf ihrem bisherigen Standpunkt, so werden die Zuckungen in der Arbeiterbewegung des Kohlenreviers niemals auf- hören und sich immer gefahrdrohender und verderblicher für den Bergbau gestalten, visoits rnoniti!" Im wesentlichen ganz unsere Meinung, aber— die Zechenbarone werden die Stimme nicht hören, sie werden an dem a b s o l u- tistischen Herren st andpunkt festhalten. Von ihm werden sie auch nicht eher abgehen, bis die organisierte Arbeiterschaft mächtig genug geworden, sie dazu zu zwingen. Ist es doch viel einfacher, gegen eventuelle Ausschreitungen undisciplinierter Massen Militär und Polizei zu Hilfe zu rufen? Uebrigens wird die Herbeirufung des Militärs für die Zechen- besitzer auch noch unangenehme Folgen haben. Unser Bochum er Korrespondent schreibt uns darüber:„Nicht allein, daß die Zechen für die Kosten aufkommen sollen, welche das Militär verursacht, denn die Stadt Herne, die 1389 zur Streikbewegung sich für das herbei- gerufene Militär mit 80 000 Mark belastete, will diesmal nichts wieder zahlen, sie verlieren aber auch eine ganze Masse Arbeiter; auf Shamrock I und II haben allein vergangene Woche gegen 400 Mann die Abkehr genommen. Die bürgerlichen Zei- hingen berichten bloß v o: Entlassungen unangenehmer Elemente, die freiwillig Abgehenden verschweigt man." Nun, was die Kosten für die militärische Hilfe anlangt, so wird die Regierung hoffentlich mit den armen Zechenbesitzern ein Ein- sehen haben._ Die Protestbewegung gegen die ZuchthauSvorlage dauert, in der richtigen Erkeiminis, daß mit dem Abschluß der Reichstags- Verhandlungen die Gefahr für das Koalitionsrecht keineswegs be- seitigt ist, fort. Die Generalkommission, die alle Versammlungen, deren Teilnchmcrzahl usw. registriert, veröffentlicht in der letzten Nummer des„Korrespondenzblattes" deren wieder eine große Zahl. Aus allen Orten, in welchen Versammlungen stattfanden, wird be- richtet, daß diese unverhältnißmäßig stark besucht worden sind. Aus einigen Orten wird berichtet, daß überhaupt noch keine so stark be- suchte Versammlung stattgefunden habe. Die Regierung dürfte nun- mehr wohl bald erkennen, daß die Arbeiterschaft nicht ihrer Meinung ist, daß das Gesetz nicht gleichbedeutend mit Aufhebung des Koalitions- rechts wäre. Belehren wird die Regierung sich durch diese Bewegung wohl kaum lassen, und wird es deshalb hauptsächlich darauf ankommen, den Volksvertretern durch Fortsetzung der Bewegung den Rücken zu steifen, damit im Herbst die Vorlage schleunigst in den Papierkorb des Reichstages fliegt. Ei» Geistlicher— Socialdcmokrat. Die D r o n t h e i m e r „D a g s p o st e n", das größte Blatt der Stadt, bringt einen Artikel von Pastor Heiberg, worin derselbe seinen Anschluß an die Socialdemokratie erklärt, da die kapitalistische Ausbeutung abgeschafft werden müßte. Die vereinigten und kampfbereiten Kapitalisten der ganzen Welt führten einen Kampf gegen die arbeitenden Klassen, wobei sie sich auf die Gesetzgebung, die Polizei und das Militär stützen könnten. Die letzte Ursache zu diesem offenen Auftreten des Geistlichen ist das Verfahren der dänischen Arbeitgeber in der großen ArbeiterauSsperrung. Totenliste der Partei. In Gera ist der Parteigenosse Hermann Stroh einer unheilbaren Lcberkrankheit, an der er schon lange litt, erlegen. In ihm verlieren die G e r a e r Genossen einen langjährigen Mitstreiter. Polizeiliches, Gerichtliches usw. — Wegen Beleidigung des Brtriebsfllhrers Schemmann von der Zeche Steingard bei Altcndorf wurde vom B o ch u in e r Schöffengericht der Redactcnr O. Hue von der„Deutschen Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung" zu 500 M. Geldstrafe verurteilt. Der§ 193, Wahrung berechtigter Interessen— Hus hat in einer Notiz seiner Zeitung Mißstände in der Grube Steinaard gerügt— wurde ihm nicht zugebilligt; auch nahm das Gericht nach Abhörung von 11 Zeugen an,' daß dem Augeklagten der Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen nicht gelungen sei. Die Bergleute zeigten sich in ihren Aussagen etwas befangen, der Betriebsführer stand dicht an ihrer Seite.' Sieg ver Kohlengräber in Monteean- lcs-Miues. Paris, 30. Juni. Nach 23 Tagen hat der Streik am 29. Juni siegreich geendet. Der Erfolg ist auf die gleiche Linie zu stellen mit demjenigen der Metallarbeiter des benachbarten Creusot. In beiden Fällen handelte es sich um das Erwachen einer vollständig geknechteten Arbeiterschicht. In Montceau kämpften die Arbeiter noch ausgesprochener als in Creusot für die m o r a l i s ch e B e f r e i u n g. Die Lohnforderungen spielten in Montceau eine ganz untergeordnete Rolle. Die Kohlen« gröber haben folgende Forderungen durchgesetzt! Anerkennung der ferst im Beginn des Streiks gebildeten) Gewerkschaft, keine Maßregelungen ivegen des Streiks; Verpflichtung der Gesellschaft, die Gewissensfreiheit der Arbeiter zu achten, d. h. Aufhören des Zivanges für die Arbeiter, ihre Kinder in die klerikalen Ordens- schulen zu schicken, und Fernhaltung der Ordensschwestern" aus den Frauen-Werkstätten, wo die Arbeiterinnen zum Beten angehalten wurden; Abschaffung de r pri baten Geheimpolizei der Gesellschaft und Entlassung der drei Chefs der Spitzelbande; Lohnauszahlung alle zwei Wochen anstatt der dreimonatlichen Lohnauszahlung, die die Arbeiter dem Trucksystem mit gefesselten Händen auslieferte; das Recht auf die proporttonale Alterspcnsion(im Verhältnis zu den Arbeitsjahren) nach dem vollendeten dritten Arbeitsjahr— zwecks Verhinderung des Manövers der Gesellschaft, mißliebige Arbeiter kurz vor der Zeit der vollen Pensionsberechtigung zu entlassen und sie so um die Pension zu prellen. Nur die Forderung der Lohnerhöhung für die Frauen wurde nicht bewilligt bezw. aufaeschoben. Von hoher Bedeutung ist ferner die Disclplin, die ca. 12 000 unorganisierte, jahrelang geknechtete Arbeiter über drei Wochen be- obaäitet haben. Disciplin nach zwei Richtungen hin: Kein einziger Arbeiter wurde abtrünnig und keine einzige Gewaltthat iviirde von den Streikenden begangen, trotz der Herausforderungen der Geheim- Polizei der Gesellschaft. In Montceau, wie in Creusot, haben die Socialisten da? meiste für den Erfolg des Streiks gethan. Die soeialistischen Abgeordneten lösten einander ab. stets den Streikenden mit Rat und That beistehend. Der Ausgang deS Streiks ist daher ein direkter Erfolg auch für die socialistische Bewegung. Von nun an hat daS kämpfende socialistische Proletariat in die kapitalistisch-feudale Zwing- bürg von Montceau Bresche geschlagen. Der Erfolg wurde ferner sehr begünstigt durch den soeialistischen Mini st er Millerand. Die Gesellschaft hatte nachweisbar während der Ministerkrise auf das Zustandekommen eines reaktionären Kabinets spekuliert. Mit dem Eintritt Millerands ins Ministerium schwand für sie jede Hoffnung, den Streik durch militärisch-polizeiliche Gewaltinaßnahmen zu erdrücken._ Sie wurde sofort nachgiebig. Auf die tclegraphische Nachricht seitens der in Monceau thätigen soeialistischen Abgeordneten Letang, Lassalle und Dufour, daß die Militärbehörden sich verschiedene Herausforderungen zu schulden kommen ließen, erwirkte Millerand sofort die schleunige Beendigung der vom Präfekten bis dahin verschleppten Unter- Handlungen mit der Gesellschaft. Das geschah buchstäblich binnen 24 Stunden.— GemeMMslftlMzes. Berlin und Umgegend. Zwischen den streikenden Breslanev Dachdeckern nnd deren Meistern haben Einigungsverhandlungen statt- gefunden, ohne daß eine Verständigung erzielt worden wäre. Die Unternehmer wollen die Organisation der Arbeiter nicht anerkennen. Die Zahl der Streikenden beträgt jetzt 77. Die Piltzer, die gestern, Dienstagabend, bei Keller, Koppen- straße, eine öffentliche Versammlnng abhielten, beschlossen, den Unternehmern bei den geplanten Verhandlungen vor dem Einigungs- amte nachstehende Forderungen, die wiederholt eingehend berathen wurden, zu unterbreiten:. 1. Als dringend notwendig halten die Putzer die Einführung der Lohnarbeit und daß die Putzer durch ihren Arbeitsnachweis ber- mittelt werden. Als Lohn wird bei 8'/zstündiger Arbeitszeit 3 M. pro Tag gezahlt. Dieser Lohn tritt mit dem 1. September in Kraft. 2. Sollten die Arbeitgeber die Einführung der Lohnarbeit nicht bewilligen, so wird von den ca. 1000 im Eentralverband der Maurer organisierten Putzern die öVsstündige Arbeitszeit und 8 M. pro Tag Abschlagszahlung aufrecht erhalten. Für die Herbeischaffung des Materials durch'Hilfsarbeiter hat der Unternehmer Sorge zu tragen. 3. Wenn bei Jnnenputzarbeiten bei künstlichem Licht gearbeitet werden muß. so hat der Arbeitgeber dasselbe zu liefern. Gleichfalls ist für die Beleuchtung der Gänge zu sorgen._ 4. Für besonders notwendig halten die Putzer die Einführung eines gleichartigen Arbeitsvertrages. In demselben muß besonders ausgeführt werden, daß bei allen Accordverträgen ein Mindestlohn von 8 M. gesichert wird, auch wenn der vcraccordierte Preis nicht zurcicht.�as ö0n Latten, Schablonen ist nicht Sache der Putzer. In Bezug auf die Polizei- und Unfallverhüwngs- Vorschriften beim Gerüstbau übernehmen die Putzer keine Verantwortung. Es soll vielmehr der Arbeitgeber gehalten sein, genügend Rüstzeug auf der Baustelle zu haben, um vorschriftsmäßig die Rüstung bauen zu köimeii. Viele Unglücksfälle würden vermieden werden, wenn die Rüstung im Lohn gemacht würde. Achtung, Former! In der Märkischen Eisen- und Stahl- gießerei, Inhaber Nosenbera.Rixdorf, sind Differenzen aus- gebrochen. Die daselbst beschäftigten 20 Former wurden infolge Lohnstreitigkeiten, sowie wegen Verweigerung der Anfertigung Leipziger Arbeit entlassen. Zur Erklärung dient, daß besagte Firma dem Verband der Industriellen beigetreten ist. Zuzug ist fern- zuhalten. Deutsches Reich. Die Holzarbeiter d-S Waldcuburgcr Bezirks sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Lohnkommission hatte eine ISpro- zentige Lohnaufbesserrmg und zehnstündige Arbeitszeit gefordert. Der Jnnungsvorstand antwortete ablehnend, und so ist am Montag in allen Werkstellcn von den Gesellen gekündigt worden. Einige Meister haben bewilligt. In Bremerhaven ist mm auch der Streik der Zimmerer beendet, nachdem derselbe acht Wochen gedauert. Die Unternehmer haben erklärt, die Streikenden nach Bedarf wieder einzustellen; die ausständig gewesenen Maurer sind bereits fast alle wieder in Arbeit. Die Arbeiter der Deutschen Schuhfabrik tu Erfurt haben am Montag früh die Arbeit nicht mehr anfgeuommen. Lohubcwcguug im Wuppcrthal. Die Färber in El ber- seid haben nm Montag, 900 an der Zahl, die Arbeit eingestellt, da ihnen der geforderte Lohn von 21 M. Pro Woche nicht beivilligt wurde. Zu dem Ausstand der Färber schreibt die Elberfelder „Freie Presse":„Vor nunmehr ll Jahren war es, als die Färber zu», letztenmal hier in einen Streik eingetreten waren. Damals kämpften sie ebenfalls fast um die gleiwen Bedingungen. Aber zwischen heute und damals ist ein großer Unterschied. Damals waren die Färber fast gar nicht organisiert nnd die Arbeiter der anderen Branchen ancki nur wenig. Heute steht eine kompakte Masse da als orgaiilsicrte Arbeiterschaft, d,e sich zum größten Teil solidarisch mit de» organisierten Färbern erklärt hat. Dazu kommt, daß die Arbeiten in den Färbereien aufgehäuft liegen nnd die Kaufleute drängen auf Lieferung. All diese Umstände tragen dazu bei, daß der anSgebrochene Kampf zwischen den Färbern und den Färberei- besitzern sehr zu Gunsten der Färber liegt. Die auswärtigen Färber thun gut, jetzt Elberfeld zu meiden." Die Maurer beschlossen ebenfalls, in den Ausstand einzutreten, da die B a u g o w e r k S« I n n u n g auf ihre eingereichten For- dcrungen nicht eingehen will. Die Zimmerer stehen bereits zum Teil im Lohnkampf. Sie hatten einen Minimollohn von 45 Pfg. und die lOftündige Arbeits- zeit gefordert. Die Meister wollen nur einen„Durchschnittslohn" von'45 Pfg. anerkennen, im übrigen„nach Leistung" zahlen. Hierauf haben die Zimmerer beschlossen, daß, falls bis zum 8, Juli eine Verständigung nicht erzielt ist, die Arbeit niedcrzu- legen. Der Maurerstreik in Dresden hat wieder größere Dimensionen angenommen. Von den zu den alten Bedingungen arbeitenden' Maurern haben neuerdings 600 auf 34 Bauten die Arbeit eingestellt. Obwohl sofort eine größere Anzahl der Streikenden zu den»encii Bedingungen untergebracht werden konnten und ein Teil abgereist ist,' befinden sich Noch 420 Mairn im Ausstand, 68 Unteriiehmer haben bis jetzt die Fordermigen bewilligt. Die Bebörden find in hervorragender Weise thätig; Sistierungen Verhaftungen und Anklagen sind an der Tagesordnimg. Zuzug ist feklizuhalten. Arbeiterfreiliidliche Blätter werden um Abdruck des Vorstehenden gebeten, da bürgerliche Blätter die falsche Nachricht verbreite», der Streik sei beendet. Die Leipziger Formernnsspcrrung zieht immer weitere Kreise. In Leubnitz lSachsen) haben etwa 30 Fornier am Montag' die Arbeit niedergelegt, weil sie Leipziger Arbeit anfertigen sollten. In der Kirchnerschen Fabrik zu L.- Sellerhausen ist durch Anschlag bekannt gegeben Ivorden, daß aus Anlaß des Formerstreiks die Arbeitszeit für die Schlösser(mit Ausnahme der Hobler und Dreher) auf täglich sechs Stunden reduziert wird. Von der Maßregel werden etwa 300 Personen betroffen. Maurerstreik»ntz Regierung in Darmstadt. Der social- demokratische Abgeordnete E r a m e r hatte den hessischen Justiz- minisler prtvatini über die Stellung von Maurern seitens der Gefängnisverwaltung an die Unternehmer als Ersatz für die streikenden Maurer befragt. Der Justiznmiistcr erklärte, daß die Regierung nicht die Absicht habe, im gegenwärtigen Maurerstreik die eine oder die andere Partei zu unterstützen; er habe die Gefängnis- verwaltiing sofort angewiesen, den Unternehmern keine Gefangenen mehr zu stellen, die die Arbeiten ber streikenden Maurer verrichten sollen. -_ Zu« AugSVnrger Maurerstreik. Di« vom Regierungs Präsidenten angebahnte Vermitteln»� zwischen Unternehmern und Streikenden ist durch das Verhalten der ersteren als ge scheitert zu betrachten. Ausland. Demonstration für die Sonntagsruhe. Die Wiener Handlungsgehilfen habe» am vergangenen Sonntag eine wirkungsvolle Demonstralion zu Gunsten der Sonntagsruhe veranstaltet. Nach einer Verordnung der Statn halterei ist die Sonntagsruhe im Wiener Handelsgewerbe nach folgenden Grundsätzen neu geregelt worden: A. N i ch t l e b e n s- mittel-Geschäfte.(Strich Verschleiß bei Produkrionsgewerben, Pfandleihern, Trödlern). Vom 16. Juni bis 30. September voll- ständige Sonntagsruhe. Vom 1. Oktober bis 15. Juni Warenverkauf bis 11 Uhr gestattet, Comptoirarbeit gänz- lich verboten, alle übrigen Arbeiten(Ordnen des Lagers, Arrangieren der Auslagen, Verpacken, Expedieren, Agentieren, Muster- machen ec. ec.) gänzlich verboten. L. Lebensmittel- geschäfte. Vom 16. Juni bis 30. September Verkauf von Lebens- Mitteln von 5 Uhr früh bis 10 Uhr vormittags gestattet. Vom 1. Oktober bis 16. Juni Verkauf von Lebensmitteln von 6 Uhr früh bis 10 Uhr vormittags und von 6 Uhr bis 8 Uhr abends gestattet. Wer abends arbeitet, muß den nächsten Sonntag ganz frei oder einen freien halben Wochentag bekommen.(3. Comptoirarbeit in Fabriken. Während des ganzen Jahres voll- ständige Sonntagsruhe." Das bedeutet eine Errungenschaft, von der wir, wie das hiesige „Handlungsgehilfen-Blatt" niit Recht sagt, hier im Reiche der„größten Arbeiterfürsorge noch sehr weit entfernt sind. Die socialdemokratischen Handlungsgehilfen Wiens, deren eifriger Agitation diese Maßnahme namentlich zu danken ist, geben sich mit den Erfolgen noch nicht zu- frieden; sie wollen nicht eher ruhen, als bis für alle Comptoir- angestellten die volle Sonntagsruhe für alle Sonn- tage des Jahres erreicht ist. Um für diese ihre Forderungen zu manifestieren, hatten sie für Sonntagvormittag drei Versamm- lunaen anberaumt. Nach Schluß der im VI. Bezirk abgehaltenen Versammlung kam es zu einer sehr stürmischen Straßen- d e m o n str a t i o n vor einem Geschäftslokal(Firma A. Jan o- Witz er). Entgegen den Bestimmungen über die Sonntags- ruhe ließ die Firma ihre Angestellten arbeiten und sperrte selbst dann ihr Lokal nicht, als auf Veranlassung mehrerer Passanten ein Wachmann den Firnia- Inhaber hierzu aufforderte. Die im VI. Bezirk versammelten Handelsangestellten, die hiervon verständigt wurden, zogen nun in der Stärke von 200 Personen zu dem noch immer geöffneten Geschäftslokal. Ihnen hatten sich noch viele zufällig des Weges kommende, ferner zahlreiche in der Nähe dieses Geschäfts in ihrem Vereinshause weilende Buchdrucker und andere socialdemokratische Arbeiter angeschloffen, so daß in wenigen Minuten die Straße mit Demonstranten dicht gefüllt war. Aus der sehr erregte» Masse erschollen nun stürmische Rufe der Entrüstung.„Zusperren! Ausbeuter! Sonntagsruhe!" usw. ertönte von allen Seiten. Als bald darauf die Slngestellten der Firma aus dem Lokal kamen, wurden sie mit stürmischen Zurufen begrüßt. Es gelang nur mit Mühe, einen der Chefs, der als letzter das Geschäft verließ, vor dem Anstürme der entrüsteten Menge zu schützen. Die Demonstration, die in der Umgebung bedeutendes Aufsehen machte, war min beendet, und die Demonstranten zerstreuten sich unter Ab- singung des Liedes der Arbeit. In gleich imposanter Weise verliefen die anderen zwei Ver- sanrmlungen. Socisles. Arbciterrisiko. Aus Odessa wird berichtet: Ein entsetz- liches Unglück hat sich im Kohlenbergwerk Kriny-Rog ereignet. Bei Sprengung eines KohlenschachteS ist durch Unvor- sichtigkeit eines Bergmannes eine Dhnamitpatrone zu früh explodiert. S-I. Bergleute sind tot, über 20 schwer verwundet. Der stete Rückgang der Handwcberei in Schlesien wird wieder durch den Bericht der Schweidnitzer Handelskamnier dar- gethan. In diesem Bezirk, der die Kreise Neichenbach, Schweidnitz und Waldenburg umfaßt, hat sich die Anzahl der Handweber, die im Jahre 1806' von 7300 auf 6769, also unr 7,4 Proz., und im Jahre 1897 von 6769 auf 6310, also um 6,6 Proz. zurückgegangen war, im Jahre 1898 wiederum um Ö'/s Proz. vermindert, da sie von 6310 auf 6721 zurückging. Uebcrstnndenarbeit in Rußland. Die Bestimmungen beziig- 'lich der zulässigen Ueberstunden in Fabriken haben durch ein kürzlich erlassenes Cirkular des kaiserlich russffchcn Departements für Handel und Industrie folgende offizielle Erläuterung erfahren: Nach dem Sinne des bezüglichen Gesetzes ist die Ueberstundenarbcit, die vom gesamten Arbeiterpersonal oder von einzelnen Arbeitcrgrnppen desselben geleistet wird, zulässig; nur muß in jedem ein- zelnen Falle der Leiter der betreffenden Fabrik nnt den Arbeitern ein Uebereinkommen treffen. Die Fabrik-- In- spektionen dürfen solche Abmachungen nicht hindern, wohl aber sind sie gehalten, sich davon zu überzeugen, daß die Arbeiter zu der Ueberstundenarbeit nicht gezwungen werden. Die Leiter der Fabriken sind daher verpflichtet, die Fabrikinspcktion jedes Mal über die in dieser Richtung getroffenen Abmachungen zu verständigen. Die Ar- bester, welche die Verpflichtungen eingegangen sind, Ueberstunden- arbeit zu leisten, können dieselbe zu jeder Zeit lösen, ohne sich des Vertragsbruches schuldig zu machen. Vevssrunnlnngen. Die Zimmerer Berlins und der Vororte(Vertrauensmänner- Centralisation) hielten am Montag bei Cohn, Beuthstraße, eine gut besuchte Versammlung ab, um über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse und die zukünftige Regelung derselben zu beraten. Der Vertrauens- mann T h. Fischer verweist zunächst darauf, daß mit den Zimmerern centraler Richtung eine Verständigung stattgefunden hat und ein gemeinsames Vorgehen geplant ist. Er schilderte hierauf die fortgesetzten Kämpfe, die sich im Zimmerergewcrbe ab- gespielt haben und meint, daß der beständige Kleinkrieg, der einerseits viel Opfer kostete, doch das erstrebte Resultat nicht ge- zeitigt hat. Es seien wohl eine ganze Reihe von Errungenschaften zu verzeichnen, aber sie mußten immer, oft bei jedem Wechsel der Arbeitsstelle, von neuem erkämpft werden und es waren niemals eigentlich stabile Lohn- und Arbeitsverhältnisse vorhanden. Bei jeder Gelegenheit, insbesondere bei schlechter Geschäftskovjunktur versuchten die Unternehmer, vielfach mit Erfolg, die Löhne zu reduzieren bezw. die Slrbeitszeit zu verlängern. Angesichts dieser Zustände und in- folge der veränderten Verhältnisse, daß auch nun die Unter- nehmer den Arbeiterorganisationen gegenüber, wie es scheint einen anderen Standpunkt'einnehmen, sei es angebracht, nnt den Unternehmern in Verhandlung zu treten, um die Lohn- und Arbeits- bedingungen auf eine bestimmte Frist festzulegen und einigerniaßen stabile Verhältnisse im Baugewerbe zu schaffen. Allerdings würden die Kämpfe damit noch nicht gänzlich beseitigt, da die Unternehmer kaum dazu bereit sein werden, die Lage der Zimmerer, wie es not- wendig ist. zu bessern, aber es sei schließlich ein ruhigeres Arbeiten für die Zukunft ermöglicht. In längeren Ausführungen er- läuterten hie' mf M y l e r und Lehmann die gemein- sam mit den-.' centralorganisierten Kollegen aufgestellten Forde- rungen. No' einer längeren Diskussion, in der sich fast alle Redner fürWie geplanten Verhandlungen mit den Unternehmern aussprachen und in der von mehreren Rednern die bei den Maurern zu stände gekommenen EinigungSbedingungen als teilweise ungünstig für die Arbeiter bezeichnet wurden, gelangte folgende Resolution zur Annahme: Die in Cohns Festsälen tagende öffentliche Versammlung der Zimmerer lokaler Richtung beschließt, dem Ersuchen der Verbands- Mitglieder stattzugeben und gemeinsam mit diesen die Unternehmer ?il Unterhandlungen aufzufordern. Die zu wählende Kommission at aber, bevor Abmachungen getroffen werden, Bericht zu erstattem Mit allen gegen 4 Stimmen wurde hierauf beschlossen, den Unternehmern folgende Forderungen zu unterbreiten: Die täglich längste Arbeitszeit beträgt 8 Stunden, und der Mindestlohn 66 Pf.— Die Arbeitszeit beginnt in den Sommer- inonaten März bis November, morgens 7 Uhr und endet abends um 6 Uhr. Diese Arbeitszeit wird durch folgende Pausen unter- krochen:'/s Stunde Frühstück. 1 Stunde Mittag, �/s Stunde Vesper. Diese Pausen gelten auch für den Winter mit Ausnahme der Vesper- pause.— An jedem Sonnabend ist eine Stunde früher Feier- abend, jedoch fällt die Vesperpause fort.— An den Tagen vor Ostern, Pfingsten und Weihnachten ist 2 Stunden früher Feier- abend und zwar: Ostern und Pfingsten um 4 Uhr. Weihnachten um 3 Uhr.— In der übrigen Zeit des Jahres beruht die Arbeitszeit auf fteier Vereinbarung, darf jedoch 9 Stunden nicht übersteigen. Bei dieser Arbeitszeil ist an jedem Sonnabend«ine halbe Stunde rüher Feierabend.— Der Lohn muß jedesmal Holl und gleich nach Feierabend auf der Arbeitsstelle ausgezahlt werden; oder es ist so viel früher Feierabend zu machen, als der Weg Zeit erfordert, um zum Bureau des Arbeilgebers zu gelangen.— In Accord und des Sonntags darf nicht gearbeitet werden. Ueberstunden und Nachtarbeit sind nur dann gestattet, wenn Leben und Gesundheit in Gefahr sind, oder sonst Betriebs- und Verkehrs- störungen entstehen würden. Für jede Ueberstunde sind 76 Pf. zu bezahlen.— Wenn Gesellen entlassen werden. so sind dieselben eine Stunde vorher davon tn Kenntnis zu setzen, damit sie ihr Werkzeug in Ordnung bringen können.— Auf jeder Arbeits- stelle muß ein verschließbarer Raum vorhanden sein, in welchem die Arbeiter ihre Mahlzeiten einnehmen und ihr Werkzeug unterbringen können. Ferner muß derselbe den sanitären Bedürfnissen entsprechen. — Zimmerer, welche die Durchführung der vorgeschriebenen UnfallverhütungS- Bestimmungen und den in sanitärer Be- ziehung notwendigen Schutz der Arbeiter fordern, dürfen seitens der Arbeitgeber aus diesen Gründen nicht entlassen werden. Das- selbe gilt auch für diejenigen Zimmerer, welche für die Stärkung ihrer Organisation und für die Sammlungen im Interesse derselben eintreten und agitieren; ferner für diejenigen, welche den 1. Mai feiern.— Um das Herumlaufen der Zimmerer von Bau zu Bau, von Platz zu Platz zu vermeiden, verpflichten sich die Arbeitnehmer gemeinschaftlich mit den Slrbeitgcbern einen Arbeitsnachweis zu gründen, in welchem beide Teile gleichmäßig vertreten sein müssen. Da iit der bisherigen, provisorischen Kommission bezüglich der Taktik Meinungsverschiedenheiten bestanden haben, machte sich eine Neuwahl notwendig und wurden nach einer lebhaften Debatte Th. Fischer, Hinrichsen und Liebenau als Kommissions- Mitglieder gewählt, die event. mit den Unternehmern in VerHand- lungen zu treten haben. Der Beitrag zum Streikfonds wurde nach längerer Diskussion und nachdem ein Antrag, für die nächste Woche noch eine Mark zu steuern, abgelehnt worden war.— von mehreren Rednern wurde die Herabsetzung des Beitrages auf 20 Pf. ge- wünscht— bis auf weiteres gegen eine große Minorität auf 60 Pf. pro Woche festgesetzt. Die Rabttzputzer beschlossen in ihrer letzten Versammlung, den Beschluß, 3 M. in den Fonds zu zahlen, aufzuheben und von nun an wieder 26 Pf. zu zahlen. Die Streikunterstützung wird ivieder ivie bisher mit 8 M. pro Tag ausgezahlt. N i e k e bedauert die Saumseligkeit der Kollegen in der Ausführung der Baulontrollp; eS wird jeder Kollege aufgefordert, die Liste einzureichen. „Die augenblickliche Situation im Droschkenfuhrgewerbe und die von einigen Besitzern angedrohte Lohnverknrzung" lautete der erste Punkt der Tagesordnung, welche die Hofvcrtrauens- männer der Droschkenkutscher in ihrer letzten Versammlung beschäftigte. Alljährlich im Frühjahr und Sommer, wenn sich bei dem Droschke fahrenden Publikum die Reiselust regt, gehen die Einnahmen der Droschkenkutscher zurück. Natürlich hat dies auch eine Rückwirkung auf die Geldbeutel der Fuhrherren. In den Jahren vor 1899, Ivo als Grund- lohn bei den meisten Fuhrwerksbesitzern nur 1 M. und die bestimmten Prozente gezahlt wurden, war um die sogenannte„Saurcgurken- zeit" die Mißstimmung wegen des geringen Verdienstes bei den Fuhr- Herren immer schon groß, wie viel mehr erst jetzt, wo dieselben infolge der glücklich durchgeführten Lohnbewegung der Kutscher 1,60 M. Grundlohn zahlen müssen. In Besitzerkreisen hat man sich von vornherein mit dem Gedanken getragen, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit diese 60 Pfennige wieder abzuziehen, oder, wenn irgend angängig, einen anderen Modus der Lohnbcrech- nung, nur Prozente ohne Grundlohn, zur Einführung zu bringen. In Kreisen der Droschkcnbcsitzer scheint man nun den Zeitpunkt für gekommen zu erachten, einen Vorstoß nach der gedachten Richtung hin wagen zu können und die kaum erst eingetretene Ruhe im Droschkengewerbe durch Heraufbcschwörimg eines neuen Lohn- kanipfes zu unterbrechen. Derartigen Gelüsten gegenüber sprach sich die gut besuchte Versammlung(110 Droschkenhöfe haben bereits Vertrauensmänner gewählt) einstimmig in einer Resolution dahin aus, nuter allen Umständen an den Lohnsatz von 1,60 M. Grundlohn und 25 Proz. der Einnahme, und über 10 M. Einnahme 30 Proz., festzuhalten und die alte Taktik beizubehalten.— Im weiteren beschäftigte die Versammlung die Frage der Sonntagsruhe und wurde diesbezüglich beschlossen, in nächster Zeit die Agitation für die Sonntagsruhe im Droschken-Fuhrgewcrbe in geeigneter Weise einzuleiten. Die Holz- und Bretterträger nahmen in ihrer Versammlung am Montag den Bericht der Lohnkommission entgegen. Danach sind die bereits mitgeteilten Forderungen etwa 160 Betriebsinhabern unterbreitet worden; davon haben bisher nur 62, teils zustimmend, teils ablehnend geantwortet. K a r n a l und Hinze tadelten die vielfache Lässigkeit eines großen Teiles der Kollegen. In vielen Bc- trieben sei ein Stundeniohn von 36—33 Pfeiniig noch üblich und bei Accordarbeitcn werde die Arbeitszeit oft über die Gebühr weit ausgedehnt. Wie von einer Anzahl anderer Redner mitgeteilt wurde, haben sich leider schon viele Streikbrecher gefunden, welche sich erboten, noch u ntcr den bisherigen Bedingungen zu arbeiten, z. B. für einen Stundenlohn von 30 und 36 Pfenuig. Nichtsdestoweniger sind die Bretterträger überzeugt, daß die Forderungen von einer Anzahl Unternehmer als gerechtfertigt anerkannt, binnen kurzer Zeit bewilligt werden. Um den übrigen Gewerkschaften nicht zur Last zu fallen, wurde beschlossen, daß innerhalb der ersten 14 Tage die Ausständigen keine Unterstützung erhalten. Dagegen hat ein jeder Brettcrträger, der bereits unter den neuen B e- dingungen arbeitet, 2 Mark pro Woche für den Streik- f o n d s zu enttichten. Zu diesem Zweck werden Streik-Kontrollkarten verausgabt und alle Slusständigen veranlaßt werden, sich im Sl r b e i t s n a ch w e i s- B u r e a u der Holz- und Bretter- träger Berlins und Umgegend, Restaurant von KindcowSky, Berlin 8.. Ncichenbergerstraße 16, zu melden. Alle Holz- und Brctterträger sind verpflichtet, gemäß dem einstimmig gefaßten Beschluß der Versammlung überall da, wo die Forderungen bis zum 4. I u I i nicht bewilligt werden, die Arbeit einzustellen und der Lohnkommission sofort Mitteilung zu mache». Die Wiederaufnahme der Arbeit unter den neue n Bedingungen kann ebenfalls nur mit Zustimmung der Lohnkommission erfolgen. Die Bekanntmachungen derselben werden nur im„Vorwärts" erfolgen. Alle weiteren Mitteilungen und etwaige Beschlüsse über den weiteren Verlauf der Lohn- beweg, mg. erfolgen in einer am Donnerstag, den 6. Juli, stattfindenden Versammlung im„Märkischen Hof" in der Sldmiralstraße 18 o. Mit der Mahnung des Vorsitzenden Karnal: treu im Kampfe auszuharren und die Versammlungs- befchlüffe zn befolgen, wurde die Versammlung mit einem kräftigen Hoch auf die Arbeiterbewegung geschlossen. Rummelsbnrg. Eine socialdemokratische Parteiversammlnng für den Kreis Nieder-Barnim, die hier am 2. Juli tagte, hörte einen interessanten Vortrag des Vertreters des Kreises, Genossen Stadt- Hägen, der über das Thema:„Zickzack, Tittak. Taktik" referierte. Redner erörterte die socialen und politischen Bcivegungen in den einzelnen Staaten des Festlandes und kennzeichnete an einigen drastischen Beispielen die Unstätigkeit im politischen und Wirtschaft- lichen Leben in unserem deutschen Vaterlande. Die heutigen Machthaber gelangen in ihrer Hilflosigkeit dahin, heute etwas für ganz selbstverständlich zu betrachten, und dasselbe am nächsten Tage unter Zlusnahmegesctz und Zuchthausstrafe zu stellen. Ueberall wohin man sieht, kein Ziel, kein Plan, nur ein hin- und herschwauken. Allerdings ein Tiktak in diesem Zickzack: auf feiten der Unternehmer das Streben, die arbcitsthätige Bevölkerung zu willenlosen Sklaven zu degradieren, auf feiten der Arbeiter das berechtigte Streben, an den Errungenschaften der Kultur voll teil- zunehinen. Dort besteht der Tiktak, in dem Kampf gegen, hier in dem Kampf für die Kultur. Zur Beschleunigung des' Sieges in diesem Kulturkampf ist es Aufgabe der Socialdemokratte, an ihrer bisherigen Taktik festzuhalten, Gefühlsduselei und Kompensationspolitik seitens einiger unserer Genossen und alle Kompromisse mit anderen Parteien von sich fernzuhalten. Jede Reform, welche unter den heutigen Verhältnissen der Arbeiter- schaft zu gute kommt, nehmen wir als Abschlagszahlung, unverrückl unser Ziel im Auge haltend. So wollen wir ivciler arbeiten und, ohne einen Fingerbreit von unserer bewährten Taktik abzugehen, vorwärts streben trotz alledem I Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit der Schaffung eines Organisationssiatuts für den Reichstags-Wahlkreis Nieder- barnim. Stadthagen. Günther und G e r st e n b e r g e r be- gründeten die Einführung eines derartigen Statuts damit, daß es dann eher möglich ist, die große Masse der Genossen in den ein- zelnen Orten einheitlicher und dauernder an den Arbeiten und Be- ratungen der Partei zu beteiligen, als es heute in einer Kreis- versamnilung der Fall ist. Einwendungen gegen den vorgelegten Entwurf wurden nicht gemacht und derselbe mit allen gegen eine Stimme angenommen. Der Sieg des Volkes. Die entrüsteten Kundgebungen des belgischen Volkes gegen die lerikalen Wahlentrechtungs-Pläne der Regierung haben den Sieg davon getragen. Die Regierung hat eingelenkt, um es nicht zum äußersten kommen zu lassen. Sie verzichtet vorläufig auf die Beratung ihres Gesetzentwurfs und ist einverstanden, daß eine aus allen Parteien zusammengesetzte Kommission Vorschläge zur Verbesserung des belgischen Wahlrechtes ausarbeite. Das bedeutet. wenig verhüllt, die glatte Preisgabe der geplanten Wahlcntrechtung. lieber die Sitzung der Deputiertenkammer empfangen wir den folgenden telegraphischen Bericht: Brüssel, 4. Juli. Beim Beginn der Sitzung erklärte Mini st erpräsident Vandenpeereboom im Namen der Regierung: Am letzten Freitage habe er erklärt, daß die Regierung auf das lebhafteste zu einer Versöhnung und Beruhigung zu ge- langen wünsche. Mehrere Abgeordnete hätten neue Wahlvorschläge angekündigt. Die Regierung willige ein, dieselben in Empfang zu nehmen und sie einer Kommission, in welcher alle Parteien vertreten sein würden, zur Prüfung zu unterbreiten. Er bitte diejenigen Mitglieder, welche Vorschläge zu machen hätten, dies bald zu thun. Die Regierung sei bereit, zu der gewünschten Verständigung zu ge» langen. Der unabhängige Deputierte Theodor bringt einen Antrag ein, welcher eine vollständige verhältnißmäßige Vertretung im ganzen Lande fordert. Der Socialist Vandervelde erklärt, daß die beiden linken Gruppen der Kammer sich dem Vorschlage der Regierung anschlöffen und fügt hinzu, die Vorschläge seien im wesentlichen gleichbedeutend mit der Zurückziehung der Regierungsvorlage, Seine Partei billige die Bildung dieser Kommission, denn„wir werden dort nicht die Gruppen der Linken, sondern das Land vertreten, welches soeben einen großen Sieg davongettagen hat."(Rufe links: Sehr gut I) Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Vandervelde, er sei überzeugt, daß angesichts der Meinungsverschieden» heiten der Parteien die einzige Lösung darin bestehe, das Land zu befragen entweder durch die nächsten Wahlen nach der Auf- lösung der Kammer oder auf dem Wege des Referendums. Er bitte, alleVorlagen, welche bereits eingebracht sind oder noch eingebrachtwerden sowie die Referendnmsangelenheit der Kommission zu überweisen. Im Namcn der Parteien der Linken erkläre er, daß diese einig bleiben würden, um sich der Rückkehr der Regierung zur Offensive zu wider- setzen und neue Eigenmächtigkeiten zu verhindem.(Beifall links.) W o e st e bekämpft das Wahlsystem mit verhältnismäßiger Ver» trcttmg der Parteien und spricht sich für das Uninominal-System aus. Er fügt hinzu, daß die Rechte einig bleiben werde in der Verteidigung der konstitutionellen Freiheiten. «* « Die Parteien der Linken veröffentlichen ein Manifest, in welchem es heißt, daß die Parteien, nachdem sie von der heutigen Erklärimg der Regierung, welche die durch die Erhebung des Landes hervorgerufene Zurückziehung der Regierungsvorlage bedeute. Kennt- »iß genommen, sich verpflichten, einig zn bleiben, damit keine Wahl- refonn zugelassen werde, ehe das Land befragt sei. Das Manifest ist von allen liberalen und socialistischen Abgeordneten unterzeichnet.— In politischen Kreisen glaubt nian, daß die Wahlreform-Vorlagc auf lange Zeit von der Bildfläche verschwinden werde. Bor dem Parlamentsgebäude ist eine große Menschenmenge ver- sammelt, welche singt:„O Vandenpeereboom!" Urtzke Mschvichken und VepvlÄzen. Paris, 4. Juli.(W. T. B.) Wie der„Temps" aus RcnneS erfährt, hat D r e y f u S seiner Frau erzählt, im Herbst 1896 sei er, obgleich heftig fieberkrank, z ive i Monate lang in Eisen gelegt worden, ohne daß sein Verhalten zu dieser Maßnahme irgend einen Anlbß gegeben habe. Außer seinen unaufhörlichen Unschuldsbeteucrungen in seinen Briefen habe man ihm nichts vorwerfen können. Die unverdiente Strafe habe ihn jedoch gerettet, weil dadurch seine Widerstandskraft gerettet worden sei; er habe damals geglaubt, man habe ihn allmählich umbringen wollen. PariS, 4. Juli./s Uhr sah man ihn blutend aus dem Keller auf den Hof wanken, wo er zusammenbrach. Er hatte sich aus einem Revolver eine Kugel in die Brust gejagt. Ein Koppscher Krankcnwagcn führte ihn in das Charlottenburger Krankenhaus, lvo Aussicht zu seiner Wieder- Herstellung vorhanden ist. Die Leichen deS Cigarrcnhändlcrs Runge nnd der Näherin Milkowcit aus Berlin, die, wie wir seinerzeit meldeten, vor etwa 14 Tagen im Scddin-Sec bei Schmöckwitz gcmeinschastlich Selbstmord ausführten, sind nicht weit von der»mtmahlicheii Un- glücköftelle anfgefunden und gelandet worden, lieber die Ursache des Doppelselbstmordes ist nichts bekannt; es ivird jedoch an« genommen, dah R. geschäftliche Sorgen gehabt hat. Apollo-Thcatcr. Den GesangShimioristen muh man auf ihrem von der Polizeieensur so reich mit Dornen bepflanzten Pfade sckwn manchen Schritt vom Wege der Satire nachsehen. Noch weniger ist bei ihnen Splitterrichterei über den poetischen Gehalt ihrer Leistunge» angebracht, besonders wen» sie, wie Otto Nentter, den' ZeitungS- schrcibcni an Aktualität nacheifern. Dieser wohlbekannte Sänger feierte auf seiner Leier bereits am Montag den Abschied des großen Kainz und daneben noch manche andere auf dem Gebiete der Kunst und der Politik liegende TagcSbcgelwicheit. Nicht jeder Reim war eine Perle. Zuweilen erinnern Renurrs Improvisationen ein wenig an die Kunst des dichtenden Pferdebahn- schaffners; manchmal komnit aber auch ein wirklicher Schlager heraus. Wie aber auch Reutter der Poet gerade auf den Fluren der zehnten Muse begünstigt sein mag, Reutter der Sänger hat stets Erfolg. Seine' Art, mit der denkbar einfachsten Technik, unter Verschmähung jeglicher Klownkünste zu wirken, kann man getrost unnachahmlich nennen. Das gerade Gegen- teil von Reutter ist Robert Steidl, der seine Harm- losen Couplets in toller Beweglichkeit pointiert und auch am Montag ivicdcr zeigte, dah Einfälle, über die man beim Lesen den Kopf schütteln würde, mit entsprechendem Geberdenspiel vorgetragen, bombensicher zum Lachen verführe». Das Juliprogramm zählt weiter noch außer einigen kunstfertigen Akrobaten männlichen und weiblichen Geschlechts in den Schwestern de la P r a z zwei vortreffliche Harfenistinnen. Das lieber- und flitterreiche Aus- stattungsstück„Frau Luna" ist auch im neuen Monat um diverse Kalauer der gcsährlichsten Wirkung bereichert worden. SlnS den Nachbarorten. Wilmersdorf. Heute findet die Generalversammlung des Soeialdemokratischen Vereins abends 3�/2 llhr bei Witte, Berlli.r« strahe 40, statt. FricdrichShagcn. Den hiesigen Parteigenossen zur KennlniS. dah am Sonntag, den 9. Juli, im Restaurant„WilhelmSbad" ein S o»i m c r f e st stattfindet, bestehend in Konzert, Theater- Vorstellung, GesnngSvortrage deS„Sänger-Ehors". Zur Aufführung kommt:„Ehrliche Arbeit", Volksstück in 3 Akten. Anfang 3 llhr. Eintrittspreis 25 Pf. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Das F e st- K o m i t o e. Uebcr MictSsteigernngen kommen jetzt fortgesetzt Klagen aus den Vororten. So wird uns rniS Pankow geschrieben: Anfangs des Jahres 1897 mietete ich in cincr fast leerstehenden, abgelegenen Mietskaserne in der Heynstrahe eine aus Stube und Küche bestehende, vier Treppen hoch gelegene Wohnung zum jährlichen MictSpreise von 120 M. Der MictSprcis erschien mir vcrhältnismähig niedrig und lieh ich eS mir gefallen, dah ich zn», 1. April 1898 um 9 M. jährlich gesteigert wurde; auch eine weitere Steigerung zum 1. April 1899 um i'vcitere 12 M. jährlich erschien mir noch annehmbar. Am 23. Juni d. I. nun erhielt ich wieder eine Kündigung zum 1. Oktober mit dein Hinweis, dah der Eigentümer bereit ist, zu einein höheren Miels- preise mit mir einen neuen Mictsvcrtrag abzuschliehcn. Auf eine Anfrage forderte der Eigentümer 39 M. mehr und fügte hinzu, wenn ich anSziehe, mühten Ncnzuzichende noch mehr zahlen. Gegen 30Proz. beträgt diese Steigerung, die seit l>/2 Jahren zusammen 50 Proz., das dürfte wohl niemand bescheiden finden. Tcll'stmordvcrsnch cineS 33 Jahre alten Soldaten. Der beim Lculnant Dresler vom Spandauer Fenerwerkslaboratorium als Bursche kommandierte Musketier Buchholz vom 163. Infanterie- Regiment wurde gestern in seiner Bnrschcnstube mit geöffneten Puls- ädern ausgcfundc'n. Ein herbeigerufener Afsistenzarzt verband den Schwerverletzten und ordnete seine Ueberführung in da« Gariiison- lazarett an. Das Motiv der That soll in Melancholie bestehen. Der Selbstmordkandidat entzog sich seiner Zeit der Militärpflicht durch Flucht»ach Amerika. Ini Jahre 1897 nach Deutschland zurück- gekehrt, wurde er als unsicherer HcereSpflichtigcr in das genannte Re- gimcnt eingestellt und dient gegenwärtig im letzten Jahre. AlS Mitglieder des Knratorimns für den städtischen Arbeitsnachweis in Schöne bcrg wurden in der Stadt- verordneten-Sitzung am Montag folgende Herren gewählt: Brauerei- dircktor F i n k e,'Kanfmann Spich(i. F. Meihcnbach, Risfarth u. Co.) und Maurermeister Colosser als Arbeitgeber; der Blich» drncker H. Schubert, Tischler H. K ö st e r und Maurer G. D ä u m i g als Arbeitnehmer. Sociale KeMspflrgv. Der Kutscher F. war für das Verschwinden cineS Wagen- plancS von dem Unternehmer Kiiadcr verantwortlich gemackit worden; er bestritt jedoch seine Schuld und klagte beim Gewcrbeg ericht auf Hcransgabe der 33 Mark, an denen sich der Beklagte schadlos halten wollte. Die Beweiserhebung ergab nichts darüber, wann und wie der Plan abhanden gekommen ist. Der Beklagte wurde hierauf verurteilt, die 33 Mark u zahlen. Der Vorsitzende Dr. Meier führte begründend aus, daß iö5 Landgericht bei Ersatzansprüchen der vorliegenden Art de» genauen Nachweis eines Zusammenhanges zwischen dem Verschwinden d. z Gegenstandes und einem schuldhaften Verhalten verlange. Ein un- zweifelhaftes Verschulden sei hier aber nicht nachgewiesen. Gevicszks-Svitun In einer Gcwcrbrgcrichts-Streitsachc deO�sm'mmädchciiS H. gegen den Hotclwirt Leopold Walt n er. Unter den Linden 17. hat das Landgericht unter tcilwciscr Abänderung eines Urteils der sechsten Kammer deS Gewcrbcgcrichts eine Reihe wichtiger Recht»- grundsätze aufgestellt. Znnächst ist ausgesprochen, dah ein Zimmer- mädchcn in einem Hotel Gewerbegehiifin, nicht Dienstmädchen ist und daher den Bestimmungen der Gcwerbe-Ordnung, nicht denen des Gesinderechts unterliegt," da ihre Dienstleistungen nicht häusliche. das heißt für die Person des Dienstberechtigten und seiner Familienmitglieder hestimmte, sondern mit dem gc- werblichen Hotelbeirieb zusamn'cnhängeilde sind. Daher darf weder eine solch« Gewcrbegchilfin ein Zeugnis nicht allein iiber die Art und Daner ihrer Beschäftigung, sondern auch über Führung und Leistungen fordern. Sie kann die Nnsdchnung des Zeugnisses über Führung und Leistungen auch noch in der zweiten Instanz verlangen. da eine Klageänderung hierin gegenüber dem ersten zunächst nur auf Ausstellung eines Zeugnisses über Art und Dauer der Beschäftigung lautenden Klageantrag nicht liegt. Die Ausstellung eines Scheins, worin die Klägerin über den Empfang" einer bestimmten Summe bei ihrem Weggange ans dem'Dienstverhältnis des Beklagten mit den Worten;„Zinn Ausgleich sämtlicher Forderungen" quittiert, steht der Klägerin gegenüber später von ihr geltend gemachten Forderungen, insbesondere den Anspruch auf Schadensersatz wegen entgangener Trinkgelder, nicht entgegen, wenn sie sich bei Ilntcrzcichnung des Scheins den Anspruch auf Trinkgeld mündlich vorbehält. Der Schein ist dann ohne recht? liche Wirkung, da die Erklärung bei Leistung der Unterschrift anders gelautet hat, als wie es in dem Schein zum Ausdruck gekommen ist. Maßgebend aber kann nur die thatsächlich abgegebene Erklänmg sein. Tie Hebcaniwe Witwe N. hatte sich mit dem von seiner Frau betrogene» Maurer T. zu einer Zeit intim eingelassen, als die Scheidungsklage des T. vom Gericht noch nicht erledigt war. Sie beschwor dann aber vor Gericht, daß kein Verkehr stattgefunden hätte und wurde deshalb zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Das veranlnßte die zuständige Polizeibehörde, gegen die Frau nach Vcr- büßung ihrer Strafe auf Entziehung des Prüfnngsscheincs ?u klagen. Nachdem der Bezirksausschuß dementsprechend erkannt hatte, legte Frau N. Berufung ein. Sie erschien persönlich vor dem 3. Senat des Ober-VerwaltiingSgerichtes und bat hier unter Thränen, daß man ihren Leichtsinn doch verzeihen möchte. Sie wüßte nicht, ivaS aus ihr und ihren fünf Kindern werden solle, wenn_ man ihr das Brot nähme. Zu anderen schweren Arbeiten sei � sie schon wegen ihrer Gesundheit u>cht fähig. Sie habe gefehlt, aber man möge doch Gnade vor Recht gehen lassen. Das Gericht verwarf indessen die Berufung und der Vorsitzende Rommel führte aus: Das Gericht habe nicht Gnade zu üben, sondern Recht zu sprechen. Das Gesetz verlange von Hebeammcn llnbcscholtenhcit, wer aber lvege» Meineides bestraft fei, könne nicht mehr als unbescholten gelten. r-x verräterische Hniidcschwänzche». Ruhigen, gemessenen Schrittes näherte sich eine Frau, die ein festgewickcltes Paket im Arme hielt, dem Ausgange des Schlesischcn Bahnhofes, nachdem sie eben den aus Ripdorf eingelaufenen Zug verlassen hatte. Hinter ihr gmg ,hr Ehemann, der Werkführer Rose. Dieser bändigte dem Kontrollbeamten zwei Fahrkarten aus. Ein Lächeln huschte über die Zuge des Beamten, als er der die Treppe hinabsteigenden Frau nachsah und dann in ruhigem Tone den R. ersuchte, auch die dritte �ahrkarte auszuhändigen.„Was wollen Sic denn?" fragte R ver- wundert,„wir sind doch nur zwei, meine Frau und ich. und zwei Karten haben Sie doch I" Der Beamte zeigte mit unerschütterlicher Ruhe m rtil Rückseite der Frau R. Nunmehr erhob sich ein allgemeines Gelächter, denn aus dem länglichen wohlverschnürten Paket,' das die Frau unter dem Arme trug, wedelte deutlich ein schwarzes Schwanzchen heraus, welches an dem hochnufgcrichteten Ende ein buschiges Haarbündel trug und keinen Zweifel' an der Pudelnatlir seines Besitzers ließ. Nunmehr mischte sich die Trägerin in das Gespräch »nt dem Beaniten, indem sw meinte, daß solch kleines Hündchen auf der Bahn doch frei mitgenommen werden könne Der Beamte veranlaßte jedoch die Feststellung der Eheleute. gegen welche Anklage wegen gcmcinschasllichcii Betruges erhoben wurde. Im gestrigen Termine versuchte Rose auszuführen, daß er eine Fahr- karte für den Hund gelöst habe, der Beamte in Ripdorf habe aber m der Eile wahrscheinlich vergessen, diese zu durchlochcn und er. der Angeklagte, habe vergessen, die Karte am Schlcsischen Bahn- Hofe vorzuzeigen. Der Beamte erklärte jedoch. daß fast alle derartige Personen für EntdcckuiigSfnlle eine Reserve- * ttli. 1" �Cr. halten. Die Fälle seien m?aemein häufig. idüst femgekleidete Damen schmuggelten die Schoßhi'mdchen durch. Er habe deshalb auf vorsichtig getragene Pompadours ein besonderes Augenmerk, das schon wiederholt zum Erfolg geführt habe. Der Gerichtshof hatte an der Schuld der Angeklagten keinen Ziveifcl, sah aber den Fall milde an. da in iveiten Kreisen des Pnblikunis die Ansicht verbreitet sei. eS sei nicht so schlimni, den Fiskus zn bc- trügen. Es wurde deshalb der Ehemann zu 20. die Ehefrau zn 10 M. Geldstrafe verurteilt. Bon der Einziehung dcS Hündchens wurde Abstand genommen. Beleidig, mg der Offiziere t» Bernbnrg sind am 27. Marz vom Landgericht Dessau der frühere Rcdacteur des „Anhalter Tageblattes", Walter D r e ß l e r, und der Rcdactcnr des „Dolksblattcs', unser Parteigenosse S ch m u tz l e r, verurteilt worden, der erstere zu 200 M. Geldstrafe, der letztere zu cineni Monat Gcfäiigms. Beide hatten einen Artikel berösientlicht, der sich auf ein vielbesprochenes Rencontre des Oberlentnoiits v. Oppeln- Bornikotvski mit einem Ehepaar Junge bezog. Der genannte Offizier war von Bernbnrg nach Dessau versetzt und später bcsiichslvcise wieder in Bernburg. Hier klopfte er spät abends an die Fenster eines Hauses, welches früher gewissen Zlvezken gedient hatte. Als die Ehefrau Junge das Haus öffnete. NIN die Wünsche des Offiziers eiitgcgenznnchmen, stellte es sich heraus, baß auf seiwn des letzteren ein Mißverständnis vorlag. Es kam schließlich der Ehemann Junge hinzu und die Erörterungen ge- langten dann zu einem etwas dramatischen Abschlüsse. An diese Thatsachen wurde mm in den inkriminierten Artikel» die Bemerkung angeknüpft, die Begleiter, des Oberleutnants seien, als die Ereignisse vor dem bewußten Hause ungemütlich wurden, verschwunden. In dieser Bemerkung wurde- eine Beleidigung sämtlicher Bernbnrger Offiziere erblickt. Das Gericht hat angenommen, daß die Angellagle» erwarteten, die Leser würden unter den„Begleitern"_ nur Offiziere verstehen, und daß der Artikel in Wirklichkeit darauf zugespitzt gewesen sei. diese Annahme hervorzurufen. Wenn aber gesagt werde, Offiziere seien verschwunden, als einer ihrer Kollegen in eine prekäre Lage kam und der Hilfe bedurfte, so liege darin der Borwurf der Feigheit. Den Strafantrag für die Bernburger Offiziere hat der Kommandeur gestellt.— Gegen�das Urteil hatte nur Drehler Revision ein- gelegt. Er suchte nachzuweisen, daß ans dem Urteile nicht klar genug hervorgehe, welches Strafgesetz angewendet worden ist, und beschwerte sich darüber, daß ihm nicht der Schutz des K 163 zu teil geworden ist.— Das Rcichsgeriöht erkannte heute ans V e r>v e r- f u n g der Revision, da das Urteil vollständig klar sei und der An- geklagte den Schutz des ß 193 in der Hanptverhandlnng nicht geltend gemacht habe. Verpflichtung zum Bestich einer Seminar-Ucbungöschnle. An der Scininar- Uebniigsschule in Pöhlitz unterrichteten ältere Seminaristen, die unter der Aufsicht eines Lehrers stehen. Zwischen der Direktion de? Seminars und der Stadt besteht ein Abkonimen, wonach eine Anzahl der Volksschüler der Seminar-Uebungsschule zu überweisen find. Ein Pohlitzer Bürger, Namens Christand, protestierte gegen die Ueberweisung seiner Tochter dadurch, daß er sie eine Zeit lang überhaupt nicht zur Schule schickte. Er hielt das genmmte Jiistitilt für minderwertig und glaubte sich nicht verpflichtet, sein Kind dort von den jungen Männern, die sich erst auf den Lehrerbcruf vorbereiten, unterrichteii zu lassen. Christand ivurde daim wegen seines Verhaltens iil zweitcrJnflauz zu einer Geldstrafe voii4M. verurteilt. Man machte ihm zum Vorwurf, daß er den§4611 12 Allgcm. Landrcchts und den LaudtagSabschied vom 23. Mai 1833 übertragen habe. In der Begründung seiner gegen das landgerichtliche Urteil eingelegten Revision betonte der Angeklagte noch, daß ein Lehrer nicht genüge, die Seminaristen, die den Lehrstuhl bestiegen, hinreichend zu beanf- sichtigen. TasKammcrgericht hob die Vorentscheidung auf und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zurück, indem es ausführte: Es sei nicht rechtsirrtümlich, ivenn der Vordcrrichter annehme, daß die Seminar-Uebungsschule einer Volksschule gleichwertig sei. Unerheblich sei, daß sie zur Uebnng und Fortbildung der Seminaristen diene. Die Seminaristen seien auch als fähig zur Uuterrichtserteilung anzusehen, wenn sie dazu von der Aufsichtsbehörde zugelassen würden. Wenn dem Angeklagten die Beaufsichtigung der Seminaristen durch e i neu Lehrer mcht genügend erschien, dann hätte er sich im AnfsichtSwcge beschlveren können Auf jeden Fall hätte er feine Tochter in die fragliche Schule schicken müssen, vorausgesetzt, daß er ihr nicht Privatunterricht erteilen ließ. Mit der Straffcstsctzung müsse sich jedoch das Landgericht nockrnials beschäftigen, denn eine Bestrafung auf Grund des Landtagsabschiedes von' 1833 sei nur unter gewissen Voraiisfctznngcn möglich, z. B. nur nach vergeblichen Ermahnungen und Verivarnungen. VsvmiMkes- Die Katze als Mörderin eines Zwillingspaares. Der Familie F. in Makranftädt ivurde vor einigen Wochen ein Zwillings- Pärchen beschert.#fca mm die Leute als Liebhaber von Katzen sich eine solche im Hause hielten, so ordnete die Hebamme an, daß das Tier sofort aus dem Schlafraume entfernt werden sollte. Dies ist jedoch leider nicht geschehen. Als dieser Tage die Mutter durcki eigentümliche Töne ans dem Schlafe'geivcckt wurde und sofort nach ihren Kleinen sah, bot sich ihr ein entsetzlicher Anblick dar. In dem Kinderkorbe saß die Katze und hatte das eine Kind bereits erdrückt, während sie dem andern das linke Händchen und die Nase vollständig abgenagt und auch noch ein Stück ans dem Acrmchcn herausgebissen hatte. DaL bcdancrnSwerte Geschöpf starb bald darauf an diesen Verletzungen. Dieser Fall mahnt von neuem zur Vorsicht für Eltern und diejenigen, denen Kinder anvertraut sind. ,,Sitz-Redacteure". lieber das„Prisen Forum", das neu- gegründete Organ der... Sträflinge von Ncw-Dork, wird uns initerni 19. Juni geschrieben: Gestern wurde die erste Nummer des Magazins für die„geschlossene Gesellschaft"„Dbo Frison Forum ausgegeben. Die Zeiischrift erscheint monatlich und wird von den Jnsäffcn der Strashäuscr der Stadt Ncw-Dork geschrieben, illnstriert und gedruckt, ist also ein ganz„intra muros" hergestelltes Organ. Die Auflage ist 3000, die fast ganz in den Gefmiguisien verteilt wurde; nur wenige Nummern fanden ihren Weg nach außen. Der Chefredakteur ist cm junger Mann, welcher in einem Heim für weg- gelaufene Kinder erzogen wurde und jetzt im Gefängnis auf Blackivells Island wegen Großdiebstahls sitzt. Der Verleger gab früher in New-Fork eine Miisikzcitschrift heraus; gedruckt wird die Zeitung, die 16 drcigcspaltene Seiten hat, im King« Connty Penitentiary. Die uns vorliegende erste Nummer dieser neuen und gewiß merkwürdigen Zeitschrift hat ein sehr gefällige? Aussehen. Man würde es ihr nicht ansehen, daß sie in einem Gefängnis her- estellt ist, denn sie ist typographisch und illustrativ geradezu muftcr- oft. Die Illustrationen sind sehr sauber in Federzeichnung aus- geführt. Von der ersten Nummer sind drei Seiten dem Neubau der Tombs(New Dorker Gefängnis), den projektierten Gefängnissen auf Harts Island und anderen GefängniSnachrichtcn gewidmet, ferner iuden sich Artikelfüber die Vagabundcngcsctze, ein Sprechsaal unter der Ueberschrift„Wenn ich Bürger wäre", in welchem die Gefangenen angeben, was sie thnn wollen, wenn sie wieder frei sind— da will einer die Photographie erlernen, ein anderer Jockey werden, wieder einer acht nach dem Klondyke. ein viprtcr nach den Philippinen usw.—, eine Hieimschmiedseite, eine Schcrzseitc, eine Seite mit Illustrationen usw. Die Zeitschrift bietet also alles, was ein anständiger Sträfling nur verlangen kann. Einem„Außenseiter" gewährt das.Frison Forum" ganz interessante Einblicke in das Leben der Gefangenen, und die meist aus ihrem Leben im Gefängnisse gerissene» Witze be- weisen, daß es keineswegs an heiteren BorkommuIsteN fehlt. UcbngenS ist die Zeitung nicht bloß äußerlich geschmackvoll, sondern auch der Inhalt gut redigiert, der Rcdacteur und seine Mitschuldigen— Pardon, Mitarbeiter zeigen sich als gmiz tüchtige Journalisten. Einsendungen befördert der Warden jedes Gefängnisses an den Redacteur. An- fragen an den Briefkastenonkel, wie man am besten aus dem Ge- fänguis entfliehen könne, werden grundsätzlich nicht beantwortet. Besonders ermahnt der Redacteur noch die Einsender:„Legt Euren Einsendungen eine gute Moral unter— wenn Ihr kömi't." Die „Feature" dcS Blattes werden kurze Kriminalgeschichten,„getreu dem Leben nacherzählt", sein. Die Zeitschrift hat vor anderen Zeitungen sicherlich einen großen Vorzug: Ihre Leser könnin ihr nicht so leicht davonlanfc».— Marktpreise von Berlin om S. Juli 1899 nach Erimlielnngeil des lgl. Polizeipräsidiiwis. »)Welzen Z).-Elr. »jRoggcn Futter-Wersle„ Hafer gut . Nuttel „ gering„ Richlstroh Seu„ p) Erbsen„ ftSpeisehohNen„ ,)Liiiscn„ Kartoffeln, neue Rindfleisch, Keule llig do. Bauch„ ) Ermittelt pro 1kg stück 1 kg Tchwcnicflcisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier 60 Karpfen Aale Zander Hechte Barsche, Schleie„ Bleie Krebse per Schock 1,60 1,00 1,60 2,40 3, CO 2— 2, SO 2,60 2,40 1,60 2,50 1,20 14.- i;= i,- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- 16,30 15,- 15,20 14,- 13,40 12,80 15,00 15,10 15.- 14,50 14,40 14,- 3,82 3,32 6,20 4,- 40,- 25,- 50,- 25,- 70,- 30,- 6,- 4,60 1,60 1,20 > Tonne von der Centralflelle der Prenh. Landwirt- schaltSlarnmer— Noticningsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Centn er. f) Kleinhandelspreise. Berliner Gemüse- und Früchte-Bericht vom 24. Juni bis t. Juli. Gemüse ic. Grospreise; Spinat 10—12 M., Zwiebeln, cgnptische 4,50—5 M., Knoblauch, Ungarische 30 M. Porree 75—85 Pf., Dierrettig 6—12 M., Kohlrabi 50—80 Pf., Wirsingkohl 4—6 M., Lcuidsalat 60 Pf., Rettige 75 Pf. bis 1,50 M. per Schock. Nettige, bayerische 5-8 M. per 100 Sttick. Mohrrüben, junge 2 M., Radieschen 75 Pf. bis 1 M., Petcrülienwurzel 4—5 M. per Schock-Bnude. Karotten 3—4 M. per 100 Bunde. Gurlen, Mistbeetware 3-4 M. pro Mandel.- Früchte: Detailpreise; Kirschen 25-40 Pf., Kirschen, saure 50—60 Pf., Eartcn-Erb- beeren 40- 60 Pf., Wald-Erdbeeren 1 M., Stachelbeeren 20-25 Pf., Johannisbeeren 30-40 Pf., Blaubeeren 20-25 M., Tomatm 20-35 Pf.. Birnen 40 Pf., blaue Pflaumen 1 M., gelbe Pflaumen 40-60 Pf., A.plel 40-50 Pf., Aprikosen 40-60 Pf. per Vt Kilogramm. Pfirsiche 10-15 Pf. per Stück. Pfirsiche in Kistchen pro 10-12 Stück 1,75-2 M., Apselsincn "10—15 Pf. pro Stück, Citronen 5—10 Pf. per Stück. Produkten markt vom 4. Juli. Aus Frankreich kamen Nachrichten, wonach gröbere Niederschläge das Einernten im Süden störten und im Norden und in den centralen Departements das Ausreisen des Weizens beeinträchtigte. Mattere Berichte ans Oestrcich- Ungarn waren die Ber- anlassung, daß die Wcizenpreifc auf gestrigen Stand zurückgingen, Roggeu zog dagegen um 1 M. an. Haser angeboten und schwächer. Maiö uuver- ändert. Rüböl behauptet. Der Spiritus markt verkehrte ruhig. Das Angebot in Locoware betrug 30 000 Liter 70 er, welcher mit 41,50 M. gehandelt wurde. Berlauss- lust beeinflußte den Terininmartt und lauten schließlich die Notierungen um 10 Pf. niedriger. Kartoffelfabrikate. verlin, 4. Juli. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack und Mehl 19,70 M.. Supra trockene Kartoffel- stärke 20,50 M., do. Sekunda 15.00- 17,50 M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kg. 10,70 M., do. Supra 20,50 M., do. Selunda 15,00-17,50 M. Briefkasten der Redaktion. Tie jm ifiilchr SprcWstiiudi' wird TienstagS, DoimcrStngS und Frcitugö abends von 6 bis Villip«ibgehalle». Cbst. Zur Aufnahme ungeeignet. Ii. K. 1«. Wir haben w Berlin eine Reihe von GcwerSesälm, In denen Unterricht für Schlosser und Maschinenbauer gegeben wird, darunter einen mit Tagesuutcrricht; derselbe befindet sich Paüasstr. 15(die anderen siebe Adreßbuch). Man sindet hier Gelegenheit, sich als Werlsührer, Techniker oder Monteur auszubilden. Weitere Technikums befinden sich in Ilmenau und Hildbnrghauscn. Bezüglich deS Schulgeldes dürste eS am besten fein, Prospekte zn verlangen. Wageuor, Weriiencheuerftruske. UnS unbekannt. H. M. Läßt sich im Moment nicht feststellen.) KS. Z. 1 und 2; Hier unbekannt. Krüger OOS. Sic sind zum Schadenersatz nicht verpflichtet.— Sich. und R., Tilsit. Uns sind die amerikaiiischcil Militär-PenstonSgesetze im einzelnen nicht bekannt. Wenden Sic sich mtt Ihrer Anfrage unter Dar- legung des Sachverhalts an den amerikanlschen Gesandten.— B. L. Ja. — Riigiist G. Beide werden beeidet.— I. M., 7n. Fast sämtliche ctvil- rechtlichcn Gesetze werden durch daS Bürgerliche Gesetzbuch geändert. Eine eingehende Darlegung hierüber erscheint im Oktober.—(T. G. Die Jnvaliditätskarten erhalten Sic aus Ihr Verlangen, daß die Polizei dieselbe dem Arbeitgeber abnehme und Ihnen übergebe. Lehnt die Polizei ab, dieser ihrer Brrpfllchtinig nachzukommen, so können Sic Beschwerde einlegen. Auf Zahlung des GchaltS und Herausgabe des Krantcnkassettbuchs müssen Sic beim Gericht klagen.— H. Bertram. Im allgemeinen ja. Gegenbeweis ist aber zulässig. — 5 £ � Stationen So ? e Kwlncmdel Hamburg Berlin Wiesbaden Muuchcn Wie» &- 52~ Sf 754's 751 OSO 735«®® 758 SW 763 W 762 W Stationen Haparanda Petersburg Eork Aberdeen Paris LS L E 9 764 769 e s SSO 765 NNW 765 iW « Wetter 2 wolkig Ibcdcckt 4wolNa 3bcdcckl ■» aS s'-o &u. S d» »e ti- IL 14 14 14 Wetter-Prognose für Vlittw och. de» 8. Jnli 1899. Teils heiter, teils wolkig mit etwas Regen, mäßigen südwestlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. Maurer. Freitag, de» 7. Jnli 189», abends 8 Uhr: 6 Wöllkder-VtlMmlMW der MlAle Derlin Ii des Central-Verbandes dentscher Maurer in folgenden Lokalen: Für Hoablt:. bet Flacher, Bcusselstraste 9. Für den UTorden: in den Bornaala■ Sälen, Ackerstraste 0/7. Tagesordnung tn ckllen Versammlungen: I. Welche Vorteile werden uns durch getroffene Vereinbarungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen zwischen Unternehmerverbcinden und Arbeiterorganisationen geboten? 2. Gewerkschaftliches Für den Sacken: bei Ultscnatech, Blücherstr.07 ünd Gncisenniisiraste 01. Mr de» Westen: im KOnlgshof, ivülowstr. 37. Für den Oaten: im Lokale zu«« Frelaclittts, Fruchtstraste 30. Für den iSütlostcn: bei Brticker, Waldcmarstr. 75. Zahlreichcii�estlch erwartet j Mail» Kay ner! ' Görlister Bahnhof, Platz 0. Billigste Bezugsquelle für ! Preaa- n. Steinkohlen. 1 Dp. mßö. Schapen Äüwuift W iW f-J (jlüiit u. duitnmuM Flauen- KrnnkheUeU. Schüneberger Ufdr 25. Spr. 9-1. 4-7, Homöopath. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7-3 1 FrMrlchitru»« 114, 1. 137/2 Per Vorstanck. I. A.: Karl Panaev. aEST-ttMgM fta Fahrräder von 83 M. an Baer Sohn Chansseestr. 24a. Soeialdemokratifcher Verein für Wilmersdorf nud Umgegend. Mittwoch, den S. Jnli, abends 8 Nhr, im BolkSgarten: Tagesordnung: Viertcljahrs-Aörechnmig. Verschiedene?,— Mitglieder werden ausgenommen. Gäste willkommen. Der Borstaud. Typographi a. Heute Mittwoch Uebnngsftnnde. Hol«- ii. Brettert rägser Berlin« nnck l'nijjejjeml. Am KonnerSlag, den 6. Jnli, nachmittags 4 Nhr, im Lokal deS Herrn Möhring, Admiralftrafie 18« i Große öffentliche Versammlung Tages- Ordnung: I. Gtand«nserer Lohndewegung. 2. Verschiedenes. ES ist Pflicht, daß jeder Kollege erscheint. 84/10 Ple liChnkommlsalon. Produktiv-«ud Einkaufs-Genossen schuft für Veidfahrvv. Sonnabend, den 8. Juli, im Blz-alun,. Landsberger Slllee 40—42 (Ecke Petersburgcrstraße,', 3 Min. von der Ringbahnstation Lonosbcrger Allee: Firstes Stift ung-sfest.-WZ Konzert, SpeclalltSten, Kunstfahren, Tanz.(Herren 30 Ps.) Sämtliche Rad lerund solche, die es werden wollen, sind jrcundlichst eingeladen(Radfahr- anzug). Bei üngünstiger Wttterung findet das Fest im Saale statt. Kaffee- lüche von 3 Uhr an. Anfang deS Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Entree 25 Pf.— Sonntag, den 10. Jnli: Tour nach Fotsilnm. Start: 7 Uhr am Brandenburger Thor. ll4Sd Püsaier! Central- Kranken- u. Dlerbeknffr der Maler u. vertv. Bernfsg. Filiale Berlin I(Nord). Am Freitag, de» 7. Juli 180S. abends 9 Uhr, im Kassenlokal: V er samailnn g. Tagesordnung: 1. Viertesiährlicher Kassenbericht. 2. Wahl des Vertrauens-Arztes. 3. Kassenangelcgcnhctten. sllbOS Die Bcrivaltung. f!is�yyö§crrc,lu,ßj|llj)fjl vlrüstte Slnswahl in in-»ud aus» lündischcn Stoffe» für Paletots. Zlnziise, Beinkleider ac. iverden unter Garantie deS guten SiveZ zu übcrnüS billigen Preiiru schnellstens angefertigt im Tuchg«schäft bei Ogfile.WllöMgl'Ltl'.ili). BMie tirn Jiiknlt dcr Inserate iiber»i»»,it die iliedaktio» dem Piiblikiuir gegenüber keinerlei Veranttlilirtnng. Tlzrntov. Mittwoch, den S. Juli. Neues Lpern- Tbcatcr(Kroll). Die Fledermaus. Ansang fyj Uhr. Residenz. Der Schlafwagc»- Cou- trolexr. Vorher: Zum Einsiedler. Ansang Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Hierauf: Abschiedssouper. Ansang 7>/i Uhr. vScstcn. Cannen. Anfang i Uhr. Tchillcr. Der Wildschütz. Anfaiiz 7'/- Uhr. lkentral. Hamburger Leiden.— Hierauf: Vaddcrs Ebenbild. Anfang 7 Uhr. Bclle-Zllliance. Eine kranke Familie. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhrlmsiiidiischcS. Theodora von Alexandrien. An- fang 8 Uhr. Alernndcrplatz. Nana. Anfang 8 Uhr. ästend. Liane, die zweite Frau. Anfang 8 Uhr. Mctropol. Verlin lacht! Ansang 8 Uhr. Apgklo. FrauLuna. Specialitiitem Bvrslcllnng. Anfang 8 Uhr. NrichshnNcn. Stettiucr Sänger Anfang 8 Uhr./ Passage- Panaplikum. Speciali- täten-Vorslellung. Urania. Danbenstrafie �8— Ziatnrknndliche Ansslellung. Tag- lich gebsinet von 10 Uhr vvr- mitiags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr;„Das Land der Fjorde". Lpcniielephv». Jnl>alidens(.rnijc 57/«�. Täglich abrndö von ö— 10 Uhr: Stern warte. Slhiller-Thelittt (WnNncr-Dheatcr). orzvlt�-vp«! v". M ittw o ch�ab end s 7�/, Uhr: Der HH'USsolrtit«. Kam. Oper in 3 Akten v. Alb. Lortzing Donnerstag, a b b s. 7V« Uhr: Gastspiel„Heinrich Btttel"; Der Tronhadonr. Gr. Oper in. 4 Akten von G. Verdi. Freitag, abends 7VzUhr: A Basso Porto. Hierauf: Die yarnberger Pnppe Crntvnl Thonker Direktion: loss p«?»norv. Anfang 8 Uhr. Gesault-Gastspiel des»amdurgor irist Irucker-Ideaterz Dmbmger leide«. , Lokaler Schwank in 5 Bildern von Julius Stinde. Hierauf: Nadders Ebenbild. Plattdütfchh Comedi w 1 Optog von W. Fricke. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung. Sonnabend zum ersten Male: Bninitenpaeil. Hamburger Wolksstllck. Metropol-Theater. Behrenstr. 53 54. Direktion: Richard Hchnlt«. Phtnomenala» Juli-Programm. STene Debüts I TggQ 8 Champions. Das graziöse engl. Gesangs- und Tanzensemble Charles Baron. Der nrhoralache Dresseur im LSwenkäflg, Siegwart Gcnthes als Yvettc Gullhcrt, unvergleichliche Kopie. DM- Um 9 Uhr der grttsste Saison- iirfolg Berlin lacht! Berliner Ecvue. Da» grosse Prcssc-Ilallett. Des grossen Erfolges wegen prolongiert. Die G Bonhairs. Sommergarten. Eauchen gestattet Anfang: Sonn- und wochentags 8 Uhr. MMM Weiß-Theater. Gr. Fraiiksiirterstrasje lliü. CxlduI votksUimllchsr Vorstellungen. Kleine Preise. Parkett 1,10. Letzte Aufführung! Iilllle, die mette Irau. Schauspiel in 5 Ätten v. H. Merls. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Donnerstag: Die Znubcri» am Stein. DoIkL-Draota in 4 Akten von Nissel. Heut im Gatten: Kinäer-Premtenfest. Hiinfel und ffirctcl.- Bonbonregcn. Neues Juli-Programm. 27 Nummern. Nur Kräfte 1. Ranges. Gr. Schlager. Renncrt-Stange mit seiner Glanz- nummer als Stabstrompeter mit seiner Ricke. Lebende Photographien. Thsätre en miniature}C. Anfang 5 Uhr. Gaisonkarten haben Gültigkeit. Mittwoch: HiaderPest. Ue'snis 'ranbenstrasse 48/49. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalidcnstr. 57/63: läljl. Stern warte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. R. Baiischmieders „Kastanienwälflchen" KoMtgackn 11. PraAsälc Badstr. 16. Gesundbrunnen. Eadstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. � Jeden Donnerstag: Clite-Streich-Konzert. Sonntags: Großer BaÖ im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lich Allem B, Ballschmieder, Passage-Panoiilicum 9 Uhr früh vis 10 Uhr abends. Von k'/z Uhr ab: Spectalitiiten. Neu! Tie Riesen- beiider. Herold und beens in ihrer Burlesk- Szene: Ute Biesenbraut. c�is'r�is IPANOPTICUM Die»ensationcilcn 0r lebenden'V" �Photographien£j ' mit Figuren In LebensgrBsse. Die russische Minnfln" Damenliapelle».«SliyilUll In moskov.'itlschen Kostümen. i nnpifiioniimltSBelnengebor. 1 -„UICliUuD leb. Kosakenpferd.| Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: FraiiLuna mit dem Linftballctt „�ri�olatls". E erner: » Otto Rentter» und G neue Debüts. Apf..dos Garten-Konzerts 7 Uhr. - der Vorstellung 8 Uhr. Blllst-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KOnetlordank", Unter den Linden 69. Neichshalte». Garten rosp. Saal täglich: Stettiner Sänger (Mchscl. Pietro. Britto», Steidl, Krone, K i r ch m a y c v, Schneider und Schräder). Zum Schlust: Burschenherrlichkett. Ein Studentenbild von lRcysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf.(für die Wochentage Im Vorverkauf 40 Pf.) Numerierte Estrade l M., unnumerlert 75 Pf. Relchshallen-Restaurant täglich: Grosfes Jnstrumental-Koiizert bei freiem E n t r c e. Vietoria-Lrauerei Liitfolustroite iii/iiL. im NntargUvtcii oder Saal: Tätlich Hnnioristische Doireo der »orddeutsedeo Länger (FOhrrnann, Horst, Walde). 9 Auf. Sonntags' präc. 7, loochcu: tags 8 Uhr. Etitree 50 Pf. Borverk. 40 Pf. Familienbiliets 3= 1 M. Sonntug und DonnerStog nach der Borstellung VanZihs'liniieben. Vuchhttndlung VortttÄrks Berlin SIV., Beuthstraße 2. G D Soeben erschien: Die ZiMhailg-Vorlm vor dem Reichstage. Stenographifch« Bericht der Reichstagsverhandlungen. 192 S. gr. 8°. Preis 2» Pfg. Porto 10 Pfg. Trotz der Nt-derlage der Regierung ist die Gefahr der ZuchthauZvorkage nicht besetttgt: mit allen Mitteln fuchen die Scharfmacher die öfkeiullche Meinung über den Eharafter der Vorlage hinweg, uiäuschen, obgleich auZ dem Wortlaut, den Motiven, der famofen Tenlschrtft und gan, besonder« au« den Reden der Minister für uns unzwetdeutig hervorgeht, daß die Folgen diese« Gesetze« die Aufhebung der Koatittenoferihett, da« Perbpt und die hliiterdriiistnng sede» Streik», jede» Lohnliompfe» wäre. Ta« mubten fogar die Vertreter der bürgerlichen Parieten zugeben. TeZhalb wird die verbrettung dieser Verhandlungen sür unsere Agilalion reiche Früchle tragen. UkST- Gewerkschaften, Vereine. Vertrauensleute erhalten für AgitatioitSzwecke die Broschüre zum Selbstlostenpreis. W. buk sliestei'. Bruniienslraße 16. Täglich: Theater- u. Specialitäten- Vorstellung. Das goldene Kalb. Charakterbild in 1 Akt. Dien:-Tjsg Xen! Mein Hnsar. Liederspicl in 1 Akt von Steiner. Musik von RunaSky. Im Saale: stPan-hrttn-ehen. Gesellschaftshans Swiiiciilüuderstr. 43. Täglich i»i Garten: Thellttt-Uorstellmtg. Saal für 800 Personen auch Sonntag frei. 1827Ü* Sommr-Theater „Aller DeMner" SlrtiNcriestr. 33. Inhaber: A. l.adewig. Schattigster Garten Berlins. Täglich: Theater und Svecialitäten-Vorsleltuiig. Osibttltn-Park Hermann Inibs 71 Riidcrsdorser Straße 71, am K ü st r i n e r Platz. Täglich! Ii«n«ert, Vbeater- und Spceialitätcn-Vorstcllnng. Nur erstklassige Nummern. Anfang: Sonntags 4Uhr. Entree 20Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Ansang: Wochrut. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Ps. Jeden Dienstag: Kbrddentsehe Sänger. Hermann Inibs, Direktor. SMMtrtheilttrMllnellbllii Badstrasfe 35/30. Regie: Wiliz- Reuscbe. Direktion: Idar»ekeiburg. Heute sowie täglich: Kon�eitt-, Theater- iinfl Specialitäten-Tlorstcllnng. Berlin wie s näht n»d trennt, Posie mit Gesang und Tanz in 2 Akten von L. Ell). Nach der Vorstellung: Ball. In Vorbereitung: Nosc» ans dem Süden. keklttz' totm it. SM ZOO— 600 Personen fassend, s. Sommor- nachis-Bälle, Jnvalidenstr. 34.[4746 Schweizer- Garten 3lm Königsthor Anze/ffcn f in den Annahmestellen für Berlin f bis 2 Uh r, für die Vororte bis 1 Uhr, in der /fauptexpedition BeuiAsir.f bis 4 Uhr angenommen. Vermischte inzeigen.[[ Arbeitsmarkt. Waise, Mädchen, von anständigen Eltern, 12—14 Jahre, wird von kinderlosen Leuten als eigen an- genommen. NäheteS Chauffeestr. 102. Schirmgeschäst.. 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