Aus dem Inhalt 17 Jahrgang Freitag, 20. August 1937 Nr. 195 Der„I'lmes"-Xorrespondent . doch susgovloson Die Mutter als Giftmischerin Verhaftung eines SdP-Bezirksleiters Arbeitsantritt der Prager Bauarbeiter Sozialtzemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei i« der Tschechoslowakischen Republik «rscheint mit ye« tLgttq sr«h Oi«,-lpr-i« 70»eH-r nundDerwdttung. PrayXll.,FochovaSS- Telephon 8S077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Pottssal Ist bös auf uns! Abberufung des Gesandten aus Prag— Angeblich verweigerte Waffenlieferung als Vorwand— Was und wer steckt hinter der Lissaboner Geste? Obwohl der politische Himmel in diesen Lagen nicht heiter genannt werde» kann, Ist man berfucht, die unfreudliche Geste der Lissaboner- Regierung gegen die Tschechoslowakei einen Blitz aub heiterem Himmel zu nennen. BiS Donnerstag mittags haben wohl nnr ganz wenige Lent« bei unS und im übrigen Europa gewußt oder geahnt, daß ausgerechnet zwischen, der Tschechoslowakei und Portugal ein diplomatischer Konflikt auSbrechen würde, Und daß er gleich dle schroffe Form der Abberufung des Gesandten annehmen würde. Mittwoch hat sich der portugiesische Gesandte mit seinem Personal nach Wien begeben, Donnerstag wurde das überraschende Faktum publik gemacht. Auch a«S der Erklärung der portugiesische» Regierung ergibt sich kein triftiger Grund sür die Ausregung• der regierende» Herren von Lissabon. Denn selbst wenn die Tschechoslowakei ein« Waffenlieferung mit der Begründung verweigert hätte, Portugals Freundschaft zu Herrn Franko lasse di«. Gefahr einer Wafsenschiebung nicht ausgeschlossen erschelnen, so hätte die tschechoslowakisch« Regierung nur ihre internationale B e r- tragSPslicht alS Mitglied deS Londoner RichteiumischungSauSschuffeS In vorbildlich objektiver Weise erfüllt, sie hätte aber auch im wohlbegründeten eigenen Interesse so handeln müssen, weil eine Waffenlieferung an Franco, die nicht ausgeschlossen war, wen» man Waffen an Portugal lieferte, daS ja die Kontroll« eigenmächtig aufgehoben hatte, von de» Bundesgenossen der Tschechoslowakei im Westen und Osten Übel vermerkt werden könnte. Unser« amtlichen Stellen erklären aber, daß sich daS Waffengeschäft gar n i ch t an einem diplomatischen Beto»der Vorbehalt, sondern an einer rein geschäftlichen Streitfrage, zerschlagen habe. I» diesem Fallest es noch schwerer verständlich, warum Portugal seine Differenz mit einer tschechoslowakischen Firma, da- Richtzustandekommen eines Handelsgeschäfts, zum Anlaß eines diplomatischen Bruches nimmt, der um so mehr überrascht, alS wir doch in einer Zeit leben, in der di« Abberufung des Gesandten nicht die erste, sondern .gemeinhin di« letzte unfreundliche Handlung vor dem offenen Ausbruch eines Konflikte- darstellt, eine Handlung, die meist erst vollzögen wird, wen» die ersten Schlachten schon geschlagen sind. ES ist ayzunehmen, daß der KöNflikt kurz und ohne Schwierigkeiten bereinigt wird, eS sei den«, daß hinter dem Beschluß heg Kabinetts vch^Lissgbo».an» e r« R e tj.v« u«d p i r l- l ei ch t au ch« Nt; r« Mä ch t« alS Herr Oliveira Salazar Und' seine Mmister- nllrgrn steckruk■ ES ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß man i« dem Affront Portugals gegen Prag«inen 'Teil der großangrlegten und auf Umwege« dein Ziel zustrebenden Politik d e S Nazismus zu sehen hat, daß Berlin Wert darauf legt,«inen„Beweis" für die Unverträglichkeit der„bolschewisierten Tschechoslowakei" zu haben und eine Gelegenheit, sich tagtäglich zugunsten Portugal- in unseren merkwürdigen„Streits e i n z» m i s ch e n. In diesem Falle könnte der vom Zaun gebrochen« Konflikt allerdings einen ernsteren europäischen Charakter annehme». Man müßte in ihm dann einen Vorstoß Berlins und vielleicht Ronjs gegen die Westmächte^ und ihre Sicherheitspolitik erblicken. * 0 (Tsch.P.-B.) Die portugiesische Regienmg verhandelte in der letzten Zeit mit einer tschechoslowakischen Rüstungsfirma über eine Waffenlieferung und wandte sich in dieser Angelegenheit auch an daS Ministerium für AuS- wkrtige Angelegenheiten, um die Zustimnmn, »er tschechoslowakischen Regierung zu dies«, Lie- ferun« ,« erhalten. Nachdem sich ergeben hat, daß di« Firma mit Rücksicht auf früher eingrgan- genc Verbindlichkeiten gegenüber der tschechoslowakischen Wehrmacht nicht imstande ist, dm ver- langten Typ in den verlangten Fristen zu liefern, wurde der portugiesischen Regierung die Lieferung■ eines anderen, in der tschechoslowakischen Armee verwendeten Typ» angeboten und dirS, obwohl die portugiesische Regierung in» »wischm mit Verordnung vom£ August tschechoslowakische Firmen vom LiieferungS-Wettbewerb ausgeschlossen hatte. Die portugiesische Regie- rung beschloß auch nach dem neuen tschechoslowa- kischen Angebot, auf dem geforderten Typ zu beharre«, erblickte in dem Angebot eine» anderen Typ» die Ablehnung der Bestellnng und berief am 18;- August ihren Gesandten aus Prag ab. Sir konftatiören, daß zwischen der Tschechen,- wakei und Portugal k« ine p» l i t i schon oder diplmnakischön K a« f l i k t e beft» n<■ den haben und bestehen, und r» ist de-halb in der Geschichte internationaler Beziehungen. ein vereinzelter Fall, daß da» Mißlingen von Geschäftsverhandlungen zu einem formellen einseitigen Abbruch diplomatischer Beziehungen führt. Die portugiesische Version . Lissabon.(Reuter.) Die portugiesische Regierung hat über dm Abbruch der diploma- tischen Beziehungen mit der Tschechoslowakischen Republik einen amtlichen Bericht herausgegeben, in dem eS heißt, der Zwischenfall sei entstanden, alS die' tschechoslowakische Waffenfabrik es ablehnte, eine größere Bestellung von Maschinengewehren der Portugiesischen Regierung zu liefern lnkt der Begründung/dast der tschechoslowakisch« Standpunkt in der NichtintervmtionSfrage der einzige Grund dieser. Ablehnung sei. Die leiden Regierungen haben einige Roten auSgetanscht, in den««, wie der portugiesische. Bericht erklärt, die Tschechoslowakische Republik einen unrichtige» Standpunkt- einnahm und unter dem Drucket n e»Macht haUdelte. Deshalb habe die. portugiesische Regierung beschlossen, dir diplomatischen Beziehungen abzubrechen und habe ihren Gesandtm sowie da» Personal, der portugiesischen Gesandtschaft in Prag beauftragt, dir tschechoslowakische Hauptstadt zu verlassen. Der portugiesische Gesandte C a r n e i r, o ersuchte dm italienische« Gr s an d t e n in PraZ,.dm Schutz d erJnck e r es se n der portugiesischen Staatsbürger in der Tschrchoslo- toakei zu" übernehmen.!- ■ Da» Tschechoslowakische Preßbüro hat an kompetenten. Stellen hiezu folgmdeS fest,«stellt: . s Das Wesen de» Konflikte» wurde in der tschechoslowakischen amtlichen Mitteilung wahrheitsgemäß dapgrle^. Der Hinweis, daß auf dm tschechoslowakisch«» Standpunkt«in« d r i t t e M a ch.t.Ein f.lu ß hatte, mutz energisch ab g« l e h n t«erden, da eS»ei dm ganzen»er- Handlungen k e i n e Ü. E i n f l u ß u o.n. dr i t- ter Seite gab, der gegenüber Portugal zur Geltung gebracht worden wäre...., Skoda nicht beteiligt Die Generaldirektion der Skodawerke stellt lirn Blättern folgende Mitteilung bür Berfügung: In dm Mättermeldun,en über den Abbruch der' diplomatischen Beziehungen, PorhugalS, mit dör'LsDchofloümkei hkißt tS^daß biestr Abbruch die Fola« vövon sei, daß die Skodawerke waffen- lieferungm.- fürdiei Lissaboner Regierung nicht erledigten, Die Skodawerke erklären demgegenüber,• haß st« mit der portugiesischrn.Regierung E.M irlS-1»»« r W a s-fV'cr.v-f«WNN-. g. e w v-e rh a n d e l tön.und' daß also diese Jn- formation,>' insoweit tf sich»m die Skodawerke Handelt,..unrichtig ist und jeder Grundlage mt- brhrt.. Nerkt England, was los Ist? London. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen Portugals mit der. Tschechoslowakei wegen nicht ausgeführter WaffenlieferungSauf- träge wird von den,englischen Abendblättern., in sensationeller Weise veröffentllcht. In White Hall wird zu diesem diplsmatkschcn Konflikt, erklärt, das; es sich um eine ausschließlich tschechoslowakisch-portugiesische Angelegenheit Handelti die di« beiden Staaten, allein angeht. Es.'ist vielleicht nicht uninteressant, hinzuzufügen,. daß die Tatsache der Verwendung des üblichen, hauptsächlich von Deutschland gebrauchten antitschechoslowakischen Pro p a- g a n d a m a t e r.i a l S bei dieser Gelegenheit, in England nicht unbemerkt geblieben ist.. In Paris noch keine Kommentare Pari». Die Aufmerksamkeit der Pariser MtttägSblätter und insbesondere der Abmddresse ist auf den Abbruch der. Beziehungen Portugals, zur Tschechoslowakei gerichtet. Die Blätter.geben die von beide« Seiten' veröffentlichten' Berichte und Kommuniques wieder und bringen in auf-' fallender Form den Prager Bericht in dem die deutschen Behauptungen k a t'e g o r i sch d e« montiert werden, daß di« betreffenden'Ber- handlungen über die Waffe.lieferungen deshalb gescheitert' sind', weil Prag befürchtete, daß im' Fall« der. Durchführung dieser. Lieferungen dar Abkommen über die spanisch« Nichteinmischung verletzt werden würde. Mit Ausnahme der■„Liberte" und des„Ce Soir" bringen die Blätter' k.e ine eigenen Kommentare. . a Kilometer vor. Santander Santander. Der' HavaS-Kokrespon- dent meldet: Die Spitzenabteilungen der Franco- Arm«« gingen«nttang der Straße von Valencia nach.Santander vor. Donnerstag früh, erreichten die ersteü Abteilungen dg» Dorf M o.l l e d o, das .vter Kilömetkr von Tolevareca,. S1 Kilometer 'von Sausander rntsernt. liegt. Di« Francotrüp- pen sind in den letzten vier Lage« um 40 Kilometer vörgrrückt. Die Aufständischen, gehen In zwei Kolonnen längs der Straßen bön Valladolid, und Burgos «. Berlin wurmt die alten Lügen wieder auf - Berit n. Die deutsche Presse bringt durchweg» tendenziös gegen die Tschechoslowakei gefärbte Artikel über die Abreise des portugiesischen Gesandten Carneir», auS Prag. Die Blätter stehen offensichtlich, auf Seite Portugal» und verweisen mehr öder, minder ve-stcckt darauf, daß Prag 1„u n ter- dem Einfluß einer dritten M a ch t" gehandelt habe, obwohl die entrgische Zurückweisung dieser Unterstellung auch in Berlin eingetrosfen ist. Som natürlich für Portugal R»m..- Der Konflikt ztvischen Portugal und »er Tschechosloiväket nimmt in den römischen Blättern. einen breiten Raum ein.„Giornake d'Jkaliä" widmet, der Abreise des portugiesischen Gesandten in Präg einen ganzen Artikel und Pimmt, offensichtlich für Portugal Partei. Moskau: Absolut unsinnig Pari S. Der Moskauer HavaS-Korrcspon. dent registriert' eine' an» Moskauer politischen Kreisen stammend«. Information,' derzufolge di« Behauptung absolut unsinnig'sei, daß die Tschechüsloivakei'den Waffenverkauf an Portugal .auf Anregung der Sowjetunion abgelrhnt habe. Im übrigen hohe der Abbruch der diplomatische» Beziehung«« zwischen der Tschrchoslowakti und Portugal in Moskau völlig« Uebcrraschung Hervorgernfen. gegen Norden vor. Es wird angenommen, daß die Aufständischen Santander westlich der Valla- dolider Straße /und' der HöhH von Eseuda von lMurien abschneiden: Wüllen'.'Die Kolonne.von BurgoS>:tst.bestrebt, sich mit'der Kolonne von Bilbsto zu vereinigen. i. Die französischen LinlSblätter. melden,, daß. Zahl von 1V0.000 Soldaten auch' i'f a*'■ ilien'tfche Einhe ite n ringe schlösse»', find und daß diese» Korps, mit dem'modernsten, in Deutschland und Italien hergestellten Flugzeug- und Ariilleriematerial ausgestattct ist. Das Wesen der Konjunktur in der Tschechoslowakei Der Anteil der deutschen Gebiete am Aufstieg der Wirtschaft FUr die Schaffung einer Exportbank Die Entwicklung der heimischen Wirtschaft in den letzten Wochen bestätigt, daß der Aufstieg der Konjunltur anhält, wenn er auch nicht alle Branchen und alle Gebiete gleichmäßig ersaßt hat. Der Aufschwung unserer Wirtschaft gegenüber dem Vorjahre ist vor allem auf drei Tatsachen zurückzuführen: Zunächst auf die starke Beschäftigung der R ü st n n g s i n d n st r i c. Da» geht klar hervor aus den Relordzifsern der Eisen- und Stahlerzeugung. Die Produktion von Roheisen hat im Juni 1036 rund 80.000, im Juni 1037 aber 186.000 Tonnen betragen. Noch stärker ist das Ansteigen der Rohstahlerzcugung, die sich im Verlause eines Jahres beinahe verdoppelt hat: sic betrug im Juni deS Vorjahres 110.000, im Juni des heurigen Jahres aber 202.000 Tonnen. Die großen RüstungSbetriebe beschäftigen gcgenlvärtig mehr Arbeiter als im letzten Jahre der Hochkonjunktur, so gibt die Poldihütte an, daß ihre Arbciterzahl um 1200 größer ist als 1920. Die kriegerischen Ereignisse in Ostasien Ivcrdcn den Rüstungsindustrien neuen Austrieb gebe»— man denke allein an die. Lieferungen nach China — so daß M einer Rekordbeschjiftiguna Dieser. Industrien über den'Winker hinaus zu rechnen ist. Einen zweiten Anstoß hat di« Wirtschaft Heuer, durch die B a u.b e.w e.g u n g erfahren. Die rege Bautätigkeit geht daraus hervor, daß in den ersten fünf Monaten des vorigen Jahrein 38 StädtcwdcS Landes 848, Heuer aber 1082 Bewilligungen zu Neubauten erteilt wurden. Nach den Stationen Groß-Prags wurden vom 1. Jänner bis 30. Aprtl 1936 an 80.000 Tonnen Baumaterial eingeführt, in derselben Zeil 1937 aber 129.000 Tonnen. Im Baugewerbe macht sich bereits ein Mangel an qualifizierten Arbeiter» bemerkbar. Einen dritten Antrieb hat die tschcchoslowa- kische Wirtschaft vom Außenhandel her erfahren. Unsere Ausfuhr hat im ersten Halbjahr 1986 3.8 Milliarden, ein Jahr später aber 8.5 Milliarden betragen, der Zuwachs beträgt zwei Milliarden oder 57 Prozent. Besonders starl ist die Ausfuhr in die Länder gestiegen, in denen es keine Devisenbewirtschaftung gibt,-nämlich um 71% Prozent, während der Zuwachs in die Clearingstaaten 44 Prozent, nach Deutschland gar nur 25 Prozent.beträgt.(So fördert Hitler die sudetendeutsche Exportindustriel) In einzelnen Monaten ist unsere Fertigwarcnausfuhr beinahe doppelt-so groß wie im Vorjahr. Freilich trifft die Steigerung nicht alle.Exportindustrien in gleicher Weise. Verhältnismäßig gut geht es der Textilindustrie. Die Ausfuhr von Baumwollwaren hat in den ersten fisnf Monaten des Vorjahres. 280 Millionen AL betragen, Heuer 376 Millionen. In derselben Zeit ist die Ausfuhr von Waren aus'. Flachs, Hanf und Jute von 90 auf 138 Millionen, jene von Wollwarcn von 182 aus 247 Millionen gestiegen. Auch die. Glasausfuhr bietet im ersten Halbjahr des heurigen Jahres mit 866 Millionen gegen 248 Millionen, im Vorjahr« ein günstigeres Bild. Dagegen vollzieht sich die Wiedereroberung des Weltmarktes für unser Porzellan langsamer:-wir haben' von Jänner bis Mai 1986 für 84 Millionen,, in der gleichen Zeit 19'87 für 41 Millionen, also nur wenig mehr ausgeführt. .. Diese Betrachtung führt uns, schon zu der für uns bcdeutsgmen Frage der Entwickluijg der Verhältnisse im s u d e t e n d e u t s ch e a G e b i e t, zu der Frage,, ob sich die Wiedcrgesun» dung-unserer, Wirtschaft dort so rasch vollzieht wie anderwärts. Die Anzahl der Arbeitslosen.in der Republik ist beträchtlich zurückgegängen, auch im sudeten- deutschen Industriegebiet. Das ist zweifellos. Es wurden am 81. Juli 1986- 508.081 Arbeitslose gezählt,- am ,81.-Juli 1987 aber'nur.248.199, der Riickgaiig beträgt 259.882 öder 51. Prozent. So meldet uns die amtliche Statistik. Auf Grund cher Angaben des-„Deutschen Hauptverbandcs der Industrie". haben wir nun zusammengezählt, daß in' den Bezirken der'historischen Länder, in Seite 2 Freitag, 20. August 1937 Nr. 19B „Deutschland und die Tschechoslowakei“ /We Schlüsselstellung Oesterreichs Aus der Artikelserie der„Prager Presse" denen wenigstens 20 Prozent Deutsche leben, am 81. Juli 1036 264.620 Arbeitslose, ein Jahr später 147.814 waren/ der Rückgang beträgt 116.616, d. s. nicht ganz 45 Prozent. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im industriellen Grenzgebiet vollzieht sich also ebenso, aber etwas langsamer als im Innern des Landes. Die staatliche Wirtschaftspolitik muh daher weiter darauf gerichtet sei», die Ausfuhr zu stei- geriu Ein Blick auf die Entwicklung des Devisenvorrats der Nationalbank lehrt, dass dies auS Gründen der gesamtstaatlichen Politik notwendig ist. In Kreisen unserer Gewerkschaften wird seit kurzem der Ruf nach einer Exportbank erhoben und dies mit Recht. Es kommt in der Ausfuhr nicht allein auf die Preise an, sondern auch darauf, welchen Kredit dir exportierende Firma zu bieten vermag. Wir-haben auf, dem Weltmarkt mit kapitalstarken Staaten zu konkur- rieren, welche ihren Firmen Kredite beschaffen. Auch bei UNS wuriie schon auf diesem Gebiete einige- durch staatliche Kreditgarantien geschaffen, aber das ist noch zu wenig. Die Krediterteilung darf nicht vom Wohlwollen einer Bank gv- hängen, sondern das Allgemeininteresse mühte entscheiden. Das kann nur durch Schaffung einer Exportbank geschehen, in deren Berwaltung der Staat einen bedeutsamen Einfluh haben mühte. Das wäre ein Problem' mit dem sich unsere Wirtschaftsministerien befassen sollten. Die„PragerPresse" setzt heut« ihre Per« öffenilichung der Studie von W fort. In dem Abschnitt»Was Deutschland der Tschechoslowakei vorwirft"(II. Kapitel) setzt sich der Verfasser mit dem Vorwurf auseinander, die Tschechosiowakei bilde— mit anderen Staaten— einen»Damm" gegen Deutschland. Er IW in der Bildung eines Gürtels souveräner Staaten von der Ostsee bis zum Balkan allerdings dar Ende des pangerma« nistifchenDrangeS nach demOsten, aber auch dar Ende der panslawistischen Dranges nach dem Westen, ein historischer Faktum, da» von nun an bei der Ordnung Europa» eben seine Rolle spielen werde. Eine aggressive Tendenz gegen Deutschland liege in dieser Funktion der jungen Staaten nicht. Der weiteren betont der Verfasser/ dah die Tschechoslowakei niemals Deutschland» Rechte und Aussprüche im Donauraum habe schmälern wollen. Sie hab« im Gegenteil stet» betont, dah er keine Lösung gegen oder ohne Deutschland und Italien, geben dürfe. Decher auch die Zurückhaltung der Tschechoslowakei in der Frage der Wiedervereinigung der Donau st a a t e n in einer F ö d« r a t i o n, der bewuhte Verzicht auf jede Initiative in dieser Richtung.(Hier scheint bei dem Verfasser ein« fühlbare Differenz zu den Anschauungen der Ministerpräsidenten vorzuliegen; entgegen dem Gedanken der Hod.fa-Plane», der natürlich ohne di« Initiative Prag» gar nicht denkbar ist, wird diese Jnitlatwe sehr entschieden abgelehnt und der traditionellen Auffassung der EzerniiwalaiS entsprechend betont, dah die Tschechosiowakei den gegenwärtigen Zustand und die Kleine Entente als genügende Sicherung ansehen»bis zu ienem Zeitpunkt, da die Verständigung der europäischen Lauptgrohmächie zu einer stabileren europäischen Politik gelangt".) Dann fährt der Verfasser der Studie fort: Bon diesem Standpunkt aus ist die zentraleuropäische Politik der Tschechoslowakei immer geführt worden. Sie glaubte und glaubt, dah sich Oesterreich als selbständiger Staat erhält, sie ist für diese Selbständigkeit und hat sie offen verteidigt, sie hat er vor niemandem verheimlicht, sie hat es in Berlin immer aufrichtig betont, keineswegs als Feindschaft gegen Deutschland, sondern als ihr vitales politisches Interesse. Wir betonen unser vitales Interesse, nicht nur ein einfaches Interesse, weil es möglich ist, zu fordern, dah dem vitalen Interesse eines Staates ein anderer Staat gewisse Opfer bringt, allerdings— auch wir erkennen das an— unter bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen, d. h., dah dies keine vitalen Interessen Deutschlands berührt und dah das selbständige Oesterreich nicht zu irgendwelcher unmittelbaren antideutschen Politik benützt wird. Oesterreich wäre, nach unserer Meinung, frei, selbständig, in seiner internationalen Stellung ebenso den westlichen Grossmächten, wie allen seinen Nachbarn annehmbar und könnte nicht als Werkzeug einer gegen Deutschland oder sonst wen gerichteten Politik benützt werden. Die natürliche Nähe Oesterreichs und Deutschlands würde übrigens immer ein Hindernis dafür fein. Dagegen würde Oesterreich eine natürliche Brücke zwischen der deutschen Kultur und den übrigen zentraleuropäischen Staaten und ein mitwirkender Faktor de» europäischen Gleichgewichtes sein; es würde kulturell und politisch, wenn auch in geringerem Matze, seine frühere grohe historische Rolle erfüllen. Wir meinen, dah ganz Europa diese Lösung annehmen würde, unter ter" Voraussetzung, dah sie Oesterreich selbst annehmbar wäre, d. h. denen, die heute besonders stark im Geist der Politik Dollfuss' und Schuschnigg? die österreichische Selbständigkeit und die österreichische Eigenart gegen- iibcr Deutschland betonen. Und Deutschland würde diese Lösung nicht schaden— eher würde sie ihm in der Zukunft zum Vorteil gereichen. Die Tschechoslowakei, die nicht gegen eine Reorganisation des Donaugebietes ist, wie sie sich im Einverständnis mit den beteiligten unb. interessierten Staaten in irgendeiner Form durchführen liesse, würde eine solche Lösung der Frage de» europäischen und zentraleuropäischen Gleichgewichtes auch für sich als annehmbar erachten. Wir wissen nicht, ob wir die Absichten der heutigen österreichischen Regierung richtig verstehen, es scheint uns aber, dass sie beabsichtigt hat, durch die bekannte Vereinbarung mit Deutschland vom 11. Juli 1986 etwas Aehnliches zu schaffen. Ob sie meint, das erreicht zu haben, ist eine ander« Frage. Wir fchliehen somit unsere Erörterungen Mer die österreichische und zentraleuropäische Frage in ihrem Verhältnis zu Deutschland damit ab, dah wir konstatieren, dass die Tschechosiowakei ein vitales Interesse an der Selbständigkeit Oesterreichs hat und dah es diese demgemäh verteidigt, dah dies keine Feindschaft gegen Deutschland ist, um so weniger, als sich u mdi«se S«lbständig k e i t vor allem Oesterreich selbst be- miiht, weiter, dah sich Frankreich, Italien, England, Jugoslawien, ibng a r n„ u n d R u m ä,n i e n dafür einsetzen (wenn auch jedes von ihnen mit verschiedenem Nachdruck) und dass das Bestreben-er Tschechoflo» wakei überhaupt nicht ins Gewicht siele, wenn nicht eben alle diese Staaten sich für die Selbständigkeit Oesterreichs«insehten und schliehlich, dass diese von Deutschland selbst viele Male grundsätzlich anerkannt worden ist, zuletzt durch die Vereinbarung vom 11. Juli 1086. Mit einem Wort: die ö st e r r e i ch i s ch e F r a g e ist ein europäisches und keineswegs ein deutsch-tschechoslowakisches Problem. Abschluß der Manöver Während der Kümpfe um den Waag- Uebergang Es wird weiter torpediert! Italien kontrolliert die Schiffahrt Im.Mittelmeer I staub n l. Das Blatt„T a n" erhielt von der Insel Tened einen. Bericht seines Berichterstatters, daß am Mittwoch ein unbekanntes Unterseeboot— wahrscheinlich dasselbe, das den Dampfer„Ciudad de lkädiz" versenkt«— den Dampfer„Ar murr»" torpedierte, der mit einer Ladung Getreide von So- wjetrnftland nach Spanien unterwegs war. DaS Schiff wurde zwar von dem Torpedo getroffen, doch gelang eS noch bis zur Insel Tened, wo e» strandete. Verluste an Menschenleben werden nicht gemeldet. DaS türkische Schiff„Kemal" und RettnngSmotorboote wurden dem Dampfer „Armurro" zu Hilfe gesandt. London. Der„Daily Telegraph" berichtet, daß die genagten Untersuchungen bezüglich der im Mittelmeer von Kriegsschiffen angehaltenen internationalen Schiffe sowie die AnSsagen insbesondere der betroffenen Schiffsführer deutlich ergeben, daß Italien den Teil des MittelmeereS zwischen Sizilien und Tunis gesperrt halte, beziehungsweise dort eine sehr strenge Kontrolle auSübe. Um einer irrigen Auslegung zu begegnen, veröffentlicht die britische Militärbehörde zu ihrem Der„Timer-Korrespondent doch aussewlesen Frist bis Sonntag Mitternacht Berlin. Dem Hauptkorrespendenten der „TimeS", Norman E b b n 11, wurde am Donnerstag mitgeteilt, daß er daS Reichsgebiet bis zu 22. August, 24 Uhr, zu verlassen habe. l, Der Reuter-Korrespondent fügt hinzu, baß diese Frist kürzer ist, als erwartet wurde, und daß der Ausschuß der Bereinigung der AnSlandS- preffe noch am selben Tage eine Sitzung haben soll, in der er über den Fall Ebbutts beraten wird. Der Reuter-Korrespondent führt auch an, daß in der Ebbutt zugestellten Mitteilung der reichsdeutschen amtlichen Stellen die Erwähmmg der Möglichkeit einer Berufung enthalten ist, mit der Bemerkung, daß eine solche Bernfnng„v o n vornherein ii b e r f l ii s s i g" sei, weil eS sich im gegebenen Falle nm Gründe handle, welche für eine„unerträgliche Schädigung öffentlicher Interessen" zeugen. nicht, bzw. organisierte Läger für die Teil nehmer an Wehr-Uebungskursen unterhalten. DaS Ergebnis dieser Untersuchungen wird die Basis für das weitere Vorgehen der Behörden abgebcn. Die Londoner„News Chro- nicle" veröffentlicht eine Unterredung ihre» Korrespondenten mit einem hohen Funktionär des nordamerikanischen RundfunlwesenS, der u. a. angab, dah die reichsdeutsche Rundfunkpropaganda sowohl in Nord« al» auch in Süd- Amerika sehr erfolgreich sei. Deutschland» Kurzwellensender bearbeiten die ganze Welt, die in sechs Wellenbezivke eingeteilt wurde. Wenn Deutschland an der Stelle der Tschechosio- wakei wäre, würde eS genau so handeln. Die Tschechoslowakei hat sich im» merfürdieSelbständigkeitOester- reichSim Sinne der Politik Msgr. Seipels eingesetzt: sie hat niemals antideutsche Kombinationen mit ihm in» Leben rufen wollen, sie hat ihm nie einen anderen Charakter aufdrängen wollen, als den es hat, d. I.«inen deutsche», sie hat mit ihm die besten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen unter Anerkennung der vollen SelbstLiwigkeit und Freiheit unterhalten wollen, sie hat vornehmlich niemals etwas Hervorrufen wollen, was die Psychologie sowohl der österreichischen als auch der tschechoslowakischen Staatsbürger nicht vertrüge. Ein solches am Dienstag abend erlassenen Komntuniqut folgende Erläuterung: Britische Kriegsschiffe eröffnen ahne Warnung sofort das Feuer gegen jedes Schiff, welche» auf osfenem Moor ein britisches Handelsschiff anfällt. Mussolini kündigt Angriff auk Madrid.an? Palermo. Bei Calatafini hielt Mussolini nach den großen Manöver« auf Sizilien eine Besprechung ab. Rach einer technischen Diskussion erklärt« der Ministerpräsident, daß daS Straßennetz von Sizilien einer Ergänzung bedürfe, und daß Sizilien nach Durchführung dieser Arbeiten gegen jeden Angriff— sei es von einem Lande am Mittelmeer oder außerhalb des MittelmeereS— gefeit sei. Weiter sprach Mussolini die Ueberzeugung auS, daß der Krieg in Spanien seinem Charakter nach nicht von langer Dauer sein könne. Madrid sei deshalb noch nicht in die Hände der Fran»-Truppen gefallen, weil noch kein wirklich ernstlicher Augri f f auf diese Stadt unternommen worden sei. USA gegen die Merl-Urntrlebe London. Die zuständigen Behörden der Vereinigten Staaten untersuchen gegenwärtig di« von zahlreichen Zeitungen und Dienststellen gestellt« Frage, ob di« in Nordamerika wohnhaften und in nasionalsozialissischen Organisationen zusammengesahten Reichsdeutschen tatsächlich Aber in der nicht fehlgehenden Ueberlegung, dah jetzt auch die Aera eines neuen Anzuges beginnen würde, hatte er die Hose in eine Ecke geworfen. Dann ging seine Beschützerin leise hinaus, schloh die Türe ganz vorsichtig und Bert hatte den zweiten Sieg errungen. Er lächelte und schlief jetzt wirklich ernsthaft noch einmal ein. Die berühmte Frau dachte:„Ich werde ihn sicher verwöhnen. Aber wenn er übermütig wird, sind ja noch meine Freunde da-" Die Freunde waren immer die letzte Instanz, wenn einer ihrer Schützlinge eS sich zu breit machte und den Zustand ihrer nie ermüdenden Güte als selbswerständlich hinnahm. Dann, traten die starken, treuen Freunde in Aktion und nach kurzer Zeit war der Betreffende von ihrem Wohnsitz verschwunden, muhte sich wo anders reumütig ivieder in Fasson bringen. Trotzdem zögerte sie leinen Moment, ihren einmal vorgenommenen Plan, Bert zu stützen und ihm zu helfen, auSzu- fiihren. Esther hatte sich ausgesprochen. Dec Vater fragte zögernd:„Kind, unser Kleiner wird bei uns beerdigt?" Sie nickte eifrig.„In ein schwarzes Särglein. Vater, und in unsere Erde. Er war mein und euer Kindl" Die Eltern sahen sich verständnisvoll an. Dieser letzte Ausspruch Esthers zeigte die unüberbrückbare Kluft zuBert. DieToch- ter atmete auf, dass der Kleine noch nicht getauft war. So konnte sie Wer ihn verfügen. Und gerade die Zusammengehörigkeit, die Kulturnähe ihrer Raffe war durch die Verfolgungen noch stärker ge worden. Sie wollte kein halbarisches Kind begraben, sondern ein jüdisches. Und er sollte auch in die schmucklose schwarze Hülle der jüdischen Begräbnissitte. Dann schlief auch sie fest ein, noch die Tränen auf den Wangen, aber da» Gesicht entspannt. Die Mutier sagte leise zum Vater: „WaS soll nun werden?" Er zog ein Telegramm aus der Tasche, welches er dem Boten abgenommen hatte, in welchem die grohe Schriftstellerin mit ihrem vollen Namen ordentlich und pünktlich ihre und Berts abendliche Ankunft im Hotel meldet« und fiir den anderen Tag um eine Unterredung bat. Da sie da» Telegramm unterzeichnete/ merkten die Eltern, daß die Initiative nicht von Bert ausging und der Vater sagte:„Man kann gar nicht» erzwingen. Man muss den Dingen ihren Lauf lassen, wir können nur das Aeuhere ordnen und besprechen. Jetzt bleibt da» Kind bei uns." Und bevor sie leise das Zimmer verlassen wollten, sah er nochmals behutsam und licken- die schöne leidvolle junge Schläferin an und.flüsterte gedankenvoll:„So ein Kino, so eine zärtlich geliebte Tochter, sie war zu jung, man muss sie reifen lassen." G Der Portier konstatierte, dah e» gleich sechs Uhr sei und man sich etwas restaurieren müsste. Er legte die Schnurrbartbinde ab, band einen blütenweissen Kragen um, der wirflich der Stolz einer Hausfrau punkto Wascherzeugnis fein konnte. Dgun nahm, er zur Kenntnis, dass das Ehepaar Dorechana abfuhr, ohne dass es ihn sonderlich erschüttert hätte. Diese» Kapitel war für ihn abgetan, genau.so hörte er ungerührt durch Fräulein Biner, die inzwischen erschien und den. Lift benützen wollte, dass die. Wohnung Dorechana in.Bälde aufgelöst würde, Fräulein Biner zahlte nichts für den List, die zwanzig Groschen sollten schon auf da» Konto Dorechana gebucht werden, worauf der Portier aber nicht einging und sie wütend die Treppen benützte. Er lächette ihr befriedigt nach und der TageSlauf begann. Frau Hardt war noch vollkommen in ihrem Traum befangen, und stiess sich halb somnambul an der Wirklichkeit. Schliesslich war sie so weit, dass sie den Exprehbrief lesen konnte und den Sinn des darin liegenden Geldscheines begriff. Jetzt erwacht« sie erst völlig und in der gesteigerten Sttmmung eines vorherigen bewegten Traumes vergass sie, wie stets, den Schlaf ihrer Kinder zu respektieren, stürzte zu ihrem Sohn in» Kabinett und teilte. dem jäh Aufgeschreckten freudestrahlend den Inhalt des Briefes und seiner Beilage yiit. Sie vergass dabti völlig, dass in dem Schein auch die zurückerstattete Summe der zehn Franken enthalten war, und sie doch auch eine beträchtliche Mühe mit der Aufgabe de» Zimmer» und dem Packen der Koffer erwartete. Der Sohn wollt« es ihr sagen. Aber ihre kindhafte Freude und der jähe Uebergang zu neuem Mut erstickten seine Kritik und er dachte: „Ob alle Mütter so sind? Immer wieder bereit, so neu anzufangen, zu vergessen mid herzugeben, auf nichts hin Pläne zu machen?" Und laut sagte «r:«Fabelhaft!"„Weisst du", meinte' sie,«jetzt kann man doch wieder aufatmen, und e» reicht, dass wir fortreisen I" «Ja, aber wohin denn, um Himmel» willen!" rief er. „Ach, irgendwo zu de.n Kindern, man kann vielleicht doch noch nützlich sein, und wenn man nur Tee kocht!". Einsichtsvoll sagte er:«Dich kann, man nicht ändern." Sie fügte hinzu:„Mütter soll män Mer- haupt nicht zu ändern versuchen." Er wollte noch etwa» sagen, aber si« hatte vergessen den Wecker abzustellen und der Mecker, er rasselte zu laut. E n d e.■. Pieökany. Am letzten Tag der militärischen Schlussübungen in der Westslowakei wurde folgende amtliche. Meldung ausgegeben: In der Nacht auf den 19. August herrschte an der Front Ruhe, hinter der Front aber ging e» lebhaft zu. Die Kommandanten der beiden gegnerischen Parteien formierten in dem Bestreben, den Erfolg am Schlusstage an sich zu reissen, ihre Kräfte. Die Blauen, die am Mittwoch mit ihren Haupüräften gegen Sered vorgingen, haben, da sie hier nicht den entscheidenden Erfolg errangen und den Uebergang Mer die Waag nicht zu erzwingen vermochten, ihre Kräfte. umgruppkert und morgen» einen Angriff in der Richtung gegen Hlohovee eröffnet in dem Bestreben, zur Waag durchzustossen. Um 9 Uhr gelang es den blauen Kräften, die Roten am Ostufer der Waag nach Hlohovee zurückzudrängen. Die rote Armee hat di« Blau« am Süd« flügel westlich voN Sered angegriffen, um deren Vormarsch zur Waag aufzuhauen. Vor 9' Uhr früh wurden die Manöverübungen während heftiger Kämpfe abgeblasen.’. Hierauf versammelten sich die Einheiten der beiden Parteien an den festgesetzten Stellen,, von wo nach kurzer Ruhepause die Truppen um lö Uhr den Marsch zur.Defilierung vor dem Nä« ttonalverteidigungsminister in Trnavä antraten. Britischer Protest In Tokio Gegen, die Beschlagnahme einer englischen Brauerei London. Arossbritannien' hat in Tokio ent" schiedenen.Protest gegen die Beschlagnahme, der grössten Brauerei de» Fernen Osten») die der britischen Firma Jardine Mathisen In Schanghai gehört,^eingelegt.- Grossbritannien verlangt’ in dem Protest Ersatz für erlittene Beschädigungen Entschädigung für den Ausfall an Mieten unb Ersatz für tz« Gewinnentgang. Nr. 105 grtltog, 80. August 1937 Seite 8 Gegen E. St. Der Kampf um Sehaiphai tobt weiter einige wurden alten verbrieften Rechten zu streben. 1787 kam es zu einem regelrechten Aufstand auf der Herrschaft Kauth, dessen Führer ein Stefan Zierhut aus Thudiwa war— von ihm stammt der jetzige landbündlerlsche Abgeordnete Wolfgang Zierhut ab. Militär schritt ein und wollte die Bauern zur Robot zwingen, aber die tapferen Choden flohen lieber in-en Wald, als daß sie sich der Gewalt beugten. Allerding» auf die Dauer konnten sie den Widerstand nicht aufrecht erhalten. Einer der Tapfersten war der Bauer Adam Gnößl aus Ratschin, der bis zum Kaiser nach Wien ging, den man aber trotzdem von Haus und Hof Vertrieb und über dessen weiteres Schicksal die Quellen nichts erzählen. Andere Rebellen waren Jakckb Heinrich und Jakob Böhm aus Maxberg sowie Andreas Zievhnt aus Thudiwa, die verfolgt und eingesperrt wurden, denen man ihren Besitz wegnahm und sie so lange quälte, bis man ihren Willen brach. Aber immer wieder standen andere auf, die sich mit der Obrigkeit auf Tod und Leben prozessierten— bis die Bauernbefreiung 1848 allem Leid und aller Qual der Jahrhunderte«in Ende machte. Außer der Geschichte der heldenmütigen Kämpfe der Thodenbauern gibt uns Blau«in« Darstellung der Besiedlung des Gebietes, schildert uns die Entstehung und Entwicklung der einzelnen Dörfer, der Eisenwerke und Glashütten, erzählt uns von Sprach« und Sitten der Bewohner. tAngeschlosscn ist eine Geschichte der Familie Zierhut von J.U. C. Wolfgang Zierhut.) So hat uns Blau die Geschichte eines kleinen Streifens sudetendeutschen Gebietes mit viel Licke und Sachkenntnis erzählt und es wäre nur zu wünschen, daß in alle» Teilen unserer sudetendeutschen Heimat solche historische und volkskundliche Forschung betrieben würde. Berhaftung eine- SdP-BczirköleiterS. Der SdP-BczirkSleiter in Freiwaldau, I a r o s ch i k, wurde Dienstag vormittags verhaftet und dem Kreisgericht in Mährisch-Ostrau eingeliefert. Die Berhaftung war mit einer Haussuchung verbunden. Auch im Sekretariat der SdP wurde eine gründliche Haussuchung durchgefiihrt, Schriftstücke und Grammophonplatten beschlagnahmt. Nachklänge zu der Kinder-Affäre. zwei Personen aus Plan wurde«in Strafverfahren nach Paragraph 14 des Schuhgefetzes einge- leitet, und zwar im Zusammenhang mit einem Kindertransport, der an der Grenze bei Asch aufgehalten und zurückgeschickt worden war. Wie der „Benkov" hiezu zu berichten weiß, soll festgestellt worden sein, daß absichtlich unsauber und zeris- sen bekleidet waren, um in Deutschland den Eindruck des Elends hervorzurufen. Gegen die Führer eines anderen Kindertransportes aus der Planer Gegend, der ebenfalls an der Grenze aufgehalten worden war, wurde mit administrativen Strasmaßnahmen vorgegangen. An anderer Stelle verweist das Blatt zur Rechtfertigung des Ausreiseverbotes für die Kinder nach Deutschland auf die Erfahrungen, die damit in Polen ge- macht worden seien. Dieser Tage kehrten nämlich 1885 deutsche Kinder aus Polen von einem län- gere'n'Ferienaufenthalte. in. Deutschland, zurück. Polnischen Blätterberichten sei nun zu entnehmen, daß die Polizei beim Grenzübertritt viele Dinge beschlagnahmen mußte, welche die Kinder nach Polen einschmuggeln wollten. Als der Zug von Beuthen nach Polnisch-Oberschlesien weiterfuhr,, hätten alle Rinder den Arm erhoben und Heil Hitler gerufen. Sch anghai.(Reuter). Dir Japaner machen verzweifelt« versuche, mit Hilfe von PanzerantomobtlendaS Eindringen der chinestschen Truppen in ihr« Linien zu verhindern. Die Chinesen bedrohe» nämlich durch Ären Vormarsch dir japanischen Abteilungen und es besteht dir Gefahr, daß die japanisch« Linie in zwei Teile zerrissen«erden wird. DaS Hauptquartier der japanische» Landungstruppen gab bekannt, daß japanische Marineflugzeuge die Elsenbrücke der Ouisanroad mit Bomben belegt und die chinesischen Truppen in Eschenju unter schwerstes Bombardement genommen haben.. Als Vergeltungsmaßnahmen für di« Versenkung von sechs japanischen Schiffen bemächtigten sich die Japaner des Ostquais in Schanghais welcher der chinesischen DampsschiffahrtSgesell- schaft der Kaufleute gehört. Diese Dampfschiff- fahrtSgesellschaft ist eine der ältesten chinesischen Gesellschaften. Nach einem Bericht der japanischen, Gesellschaft, der die sechs versenkten Schiffe gehörten, hat sie durch die Versenkung der Schiffe einen Schaden von annähernd 199 Millionen Fen erlitten. Nankau frontal nicht zu nehmen Tirntki«. Dir japanischen Angriffe gegen de» Rankau-Paß an der Großen Maner, dl« den weg nach Kalgan sperrt, sind zum Stehen gekommen. Die Bezwing«»» des äußerst schwierigen Gelände» und die Oeffnung de» Passe» wird, wie ma» annimmt, durch einen japanischen UmgehungSvorswß au» Mandschukuo in der Rich- tustg aüf Kalgan erwartet. Riesige englische Kapitalien bedroht In London schätzt man die Höhe deS britischen, in China investierten Kapital» auf rund. 289 Millionen Pfund Sterling, davon etiva 299 Millionen Pfund privates JnvestltionSkapital und 89 Millionen Pfund.Staatskapital. Hickon find. fertig. Und gar die technischen Errungenschaften. Aus Harz werde Metall hergestellt— Deutschland zeige eben immer wieder, was es könne. Zwei Falkenauer Motorradfahrer feien bei der Eröffnung des Hause» der»Deutschen Kunst" in München gewesen. Mit dem SdP-AuSweiS hätten sie trotz allen Absperrungen anstandslos einen vierfachen SA- und SS-Kordon passiere» dürfen und gegenüber dem Eingang die schönsten Tri- bünenplähe zugcivicsen erhalten. Alles sei einheitlich in Seide dekoriert gewesen. Die deutschen Eisenbahner erschienen immer gewichst zum Dienst. Er verkaufe allein an einen Händler in einem Egerer Blockgelbäude der bayrischen Eisenbahner um 799 KL vierteljährlich Schuhcreme. Bei un» zahle die Regierung schwere Millionen nach Karpathorußland. Obwohl die Bevölkerung immer bete, steche ein jeder um 29 KL einen Fremden nieder. Bei uns würden den Luden die Steuer» nachgesehen, dafür könnten sie hier in Marienbad 899 KL für den Platz Eintritt bezahlen(zum orthodoxen Judenkongrcß) in Deutschland nehm« man sie schwer her usw. usw. fit Schanghai selbst etwa 189 Millionen Pfund festgelegt. Japanische Beschuldigungen gegen das Sowjetkonsulat Domei meldet au» Schanghai, daß der dortige japanische Generalkonsul bei dem sowjetrussischen Generalkonsul schärfsten» gegen die Tatsache protestiert habe, daß vom Dach des sowjetrussischen Konsulatsgebäudes L i ch t s i g» n a l e zur Unterstützung chinesischer Aktionen, Insbesondere der chinesischen Artillerie gegeben wurden. Starke ausländische Truppen* kontingente In Schanghai Die Internationalen Abteilungen zum Schutz der internationalen Konzession in Schanghai nahmen täglich an Zahl zu. Sie bestehen aus 899 französischen Landsoldaten und 999 Matrosen, aus 2199 britischen Soldaten und 2499 Matrosen, au- 1999 amerikanischen Soldaten und 299 Matrosen, aü» 69 Italienischen Matrosen und 299 anderen ausländischen Staatsangehörigen, die je nach ihrer Nationalität verschiedene Rotten bilden. Usher ,elne Million Flüchtlinge In der, Fremdenstadt Die Zahl der die internationale oKnzession überschwemmenden obdachlosen Flüchtlinge aus der Chinesenstadt beträgt mehr als eine Million ünd stellt ein sehr ernste» Problem für die Verwaltung der Konzession dar. Die Flüchtlinge erschweren nicht nur die Versorgung Istit Lebensmitteln und Bedarfsartikeln, sondern bedrohen auch in ernster Weise. die Sicherheitsverhältnisse und können deshalb auf die Dauer in der Konzession nicht, behalten werde«. Die Lebensmittelversorgung gestaltet sich Immer schwieriger. Hungerkrawalle? . Nach„Domei" stürmten in der Schanghaier Internationalen Niederlassung hungernde Chinesen die dortigen' Lebensmittelgeschäfte. Bei Ries das«en voll Ist, des geht der Mund über! Ein Leser schreibt unü: Wer' einmal so richttg die Stimmung von SdP-MitgNedern kennen lernen will, muß sie in ihren Gasthäusern aufsuchen. Sitzen da am 17. August im Hotel„Zur Eisenbahn" in Marienbad ein Reisender aus Karlsbad, ein Marienbader, der drei Wochen au» politischen Gründen in Untersuchungshaft in Eger gesessen hat, und der Wirt beisammen. Stolz erzählt der.Schuhkremevertreter unter ständigem Schimpfen auf die Juden, wie schön e» im Dritten Reiche sei. Sein Besuch bei der Olympiade in Berlin, dar Entgegenkommen auf Grund der SdP-Legittmation, sei die schönste Erinnerung seines Lebens. Auch das Breslauer Sängerfest sei unvergleichlich schön gewesen, so wa» brächte cken nur Deutschland Die deutschen Choden Josef Blau, der HIswriker und Ethnograph, hat den zahlreichen Büchern au» seiner Feder, die bereit»«ine kleine Bibliothek bilden, ein neues hinzugefügt, eine Geschichte der deutschen Siedlungen sm Thodenwald an der böhmischbayrischen Grenze,«in schön ausgestattete», reich bebilderter Werk, von mehr als 899 Selten, das ein Gegenstück zu feinem vor wenigen Jahren erschienenen Buche Mer die künischen Freibauern bildet. Josef Blau hat durch sein neuer Geschichtswerk abermals den Beweis geliefert, daß er der größte lckendc sudetendeutsche Heimatforscher ist und man kann mit Freude feststellen,,daß er wie selten einer au» der Gilde Interesse ünd hoher Verständnis auch für die soziale Geschichte hat, daß er da» Licht seiner Forschung auf Gckiete richtet, die sonst im Dunkel lagen und noch wenig ausgehellt sind.') Wie schon in seiner Geschichte der künischen Freibauern verweilt Blau auch in seinem soeben erschienenen Werk mit besonderer Lick« bei der Schilderung des Kampfe» der Bauern um ihr Recht. Di« deutschen Bauern de» Chodenwalde» hielten zähe an ihren Freiheiten fest und rangen Jahrhunderte mit ihren adelige» Unterdrückern. Eine Menge mit Namen genannten tapferer Böh« merwaldbauern aus mehreren Jahrhunderten führt un» der Verfasser vor, die wir«inreihen können in die Gedenkhalle sudetendeutscher Freiheitskämpfer. Mit tiefem Empfinden schildert uns der schlichte Sohn seiner Böhmerwald-Heimat die Leiden, Qualen und Entbehrungen seiner Vorfahren, um gleich daneben«ine anschauliche, sachlich-prägnante Darstellung der Besteuerung in früheren Zeiten oder anderer sozialer Zustände zu gcken— kurz, Blau hat da wirklich«in Meister- und Mustcrwerk heimatlicher Forschung g«< schaffen, für da» ihm das Sudetendeutschtum dankbar sein kann. Zu Beginn der christlichen Zeitrechnung war der BckirgSwall zwischen Böhmen und Bayern auf beiden Seiten mit dichtem Wald umgeben, der vom Pilsner Becken bis gegen Straubing und von Budwei» bis Linz reichte. Mit zunehmender Volkszahl drangen die Siedler von Böhmen ckenfo wie von Bayern her immer ttefer in den Grenzwald ein, bis st« einander begegneten. Eine solche Stelle war die ,Lücke zwischen den Bergen Hsser und Tscherchow, wo das LandeStor,. der wichtige Uckergang von Taus—Neumark— Furth im Walde entstand. Da» war ein empfind- licher Grenzpunkt, der sorgfältig bewacht und geschützt werden muhte und diesen Schutz übernahmen die dort siedelnden Bauern, die Grenzgänger, welche man Choden lchoditt— gehen) nannte und die als Entgelt für den Grenzschutz gewisse Privilegien erhielten, vor allem keine Robot leisten und wenig Zinsungen entrichten mußten. Die Choden verteidigten in der Tat öfters die Grenze mit kühner Entschlossenheit; so brach 1949 der Angriff eines starken deutschen Leerer an den Waldverhauen der Thoden blutig zusammen. I» diesen Gckieten setzt« nun um 1899 die Einwanderung deutscher Kolonisten ein, welche weiteres Land.uckar machten und dichter bevölkerten. Diese Bauern waren zunächst niemandem untertan al» den Königen, die ober öfter» in Geldnot waren und immer wieder die Bauern irgendwelchen Adeligen verpfändeten und verkauften.- Im Dreißigjährigen Kriege kamen die Choden unter die Botmäßigkeit der Herren von Lamingen, welche di« Ausbeutung ünd Unterdrückung ihrer Untertanen besonder» eifrig betriebe«. Die Choden, welche sich der Lutherschen Lehre angeschlossen hatten, wurden mit Gewalt wieder katholisch gemacht und alle früheren Privilegien wurden ihnen genommen. Lange führten sie Prozesse, um ihre Freiheiten wieder zu gewinnen. Wls aber Grundherren und Behörden alle» hinauszogen, alle Vorstellungen und Deputationen ergcknislos blieben, kam es 1898 zur offenen Empörung. Die Revolte wurde jedoch Miedergeschlagen und der Bauernführer, der Tscheche Jan Gladkh, genannt Kozina, zur Abschreckung für alle Empörer, am 28. November 1895.in Pilsen gehenkt. Drei deutsche Bauern, Adam Ehl aus. Klentsch, Mathes Forst au» Mrdaken und Hans Gellner aus Aujezdl wurden vom Henker verschont, mußten aber jahrelang stn Kerker ihren Kampf um Freiheit und Recht büßen. Kaum war die Revolte ter Bauern im Blute erstickt, begann der Kampf der Thodenbauern um ihr Recht neuerlich, von 1795 bis 1727 führten sie mit bäuerlicher Zähigkeit und Hartnäckigkeit einen Steuerprozeß, bi» nach 22 Jahren ein Vergleich»wischen ter Obrigkeit und den zehn deutschen Dörfern auf der Herrschaft Kauth und Ehodenschloß zustande kam. Trotz diese» Vergleiche» gab e» in de» folgenden Jahrzehnten immer -wieder heftigen Streit, da man den Bauern immer neue Lasten auszubürden trachtete, während diese wieder nicht müde wurde«,»ach ihren * Josef Blau: Geschichte der deutschen Siedelungen-im Chodenwakd. Druck und Verlag der Ersten .Westböhmischen Druckindustrie A.-M., Pilsen, Ko- vükskä ul. 4. Die Mutter als Giftmischerin Furchtbare Famllientragödie in Tepüta-Schönau Die Teplitzer Staatspolizei berichtet, daß in, Krankenhaus der achtjährige Josef K nmpe au» der Badegasse a» BergiftimgSerscheinmigc» starb. Auch sein Bruder, der fünf Jahre alt ist, wurde niit den gleichen Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert. Als die Kriminalabteilung die Elter» vorlud, stellt« sich heraus, daß inzwischen auch der Vater dieser beiden Junge» ebenfalls die Pflege des Krankenhauses in Anspruch nehme» ittnßte, weil er gleichfalls a» Vergif- tungScrscheinuttgen litt. Die Polizei verhaftete die 28jährige Mutter der beiden Kinder und leitete ein« umfassende Untersuchung ein, die bisher ergab, daß Frau Josefine Kamp« ihren Angehörige» Gift in die Suppe gegeben hat. Der Polizeifunk suchte auch den Liebhaber der Frau, namens Rudolf Polivka, welcher dann in Saaz verhaftet wurde. Polivka lvurde bereits nach Tcplitz überstellt; er stellt jedwede Mitschuld hinsichtlich der Beschaffenheit des Giftes in Abrede. Auch Fran Gampe wechselt zur Zeit noch ihre Aussagen un>> behauptet, daß sie die Tat allein und aus eigenem Antrieb verübt habe. Der ältere, achtjährige Sohn ist bereits im Krankenhaus unter BergistungSerscheinnnge» gestorben, der jüngere, fünfjährige, der mit den gleichen Anzeichen ciu- geliefert wurde, befindet sich bereits außer Lebensgefahr. Hinsichtlich des Gatten der Gampe erklären die Aerzte, daß es sich bei ihm nicht uineineBergiftung, sondern un> krampfartige Anfälle handelt. Ein roter Faden der Lüge zieht sich allwöchentlich durch die„Rundschau" des Herrn Henlein. So weiß sie zu berichten, daß in den letzten Tagen in Albacete in Spanien die Anar- ch i st e n die Macht an sich gerissen und einen bolschewistischen Oberst zum Militärgouverneur auSgcrufcn hätten. Nun hat aber die„Zeit" berichtet, die Kämpfe in Albacete hätten zwischen Bolschewiken und Anarchisten getobt, und das wäre, hätte es wirklich Kämpf« gegeben, das Wahrscheinlichere. Aber die Nachricht Uber die Kämpfe in AWacete war eine der täglichen Lügen, die in der Henleinpresse über das republikanische Spanien austauchen. Und die.„Rundschau" hat lower Willen die Lügenmethoden der Henleinpresse ivicder einmal enthüllt. Berkehrsnngliick in Aussig. Gestern ereignete sich auf dem Spitalplatz in Aussig ein großes Unglück. Der Lenker eines Motorrades fuhr mit aller Wucht an ein vorübcrfahrendes Lastauto,.so daß dem auf dem Sozius sitzenden Lehrling K ö ck e r t dgS linke Bein gebrochen und der Unterschenkel ganz zerquetscht wurde. Wie uns Von der KrankcnhauSvertvaltung mitgcteilt lvurde, hofft man, dem Jungen das Bein erhalten zu können. Die Ursache dieses schweren Unglückes konnte noch nicht festgestellt werden. diesen Unruhen seien mehrere Japaner getötet und verwundet worden. Cholera In Hongkong Aus Hongkong sind in der letzten Woche 188 Choleraerkranknngen gemeldet worden. Bon diesen sollen 82 sehr schwere Fälle sein. In der vorhergegangenen Woche waren 19 Todesfälle an Cholera daseW zu verzeichnen, lieber 59 Liter Jmpstoff wurden von Bandoering(Java) mittels Flugzeug und Dampfer nach Hongkong gebracht. Diese Menge genügt für 259.999 Injektionen. Zustimmung Frankreichs und Amerikas zu dem britischen Neutralisierungsplan Paris. Der französischen Regierung wurde am Mitstvoch die Anregung der britischen Regierung betreffend die Ausschaltung der chinesischjapanischen militärischen Operationen aus dem Gebiet von Schanghai mitgeieilt. Die französische Regierung antwortete auf den britischen Vorschlag sofort z u st i m m e n d. Weisungen in oieser Richtung wurden sofort den französischen Botschaftern in Tokio und Nanking gesandt. Sobald die betreffenden Hauptstädte über das Prinzip de» Kollektivschrittes eine Einigung erziell haben werden, dann wird bei den Botschaftern der beiden Regierungen' eine Demarche unternommen werden. Washington. Aus guter Quelle wird mitgeteilt, daß sich die Vereinigten Staaten bezüglich des Vorschlages an China und Japan, ihre Truppen aus Schanghai zurückzuziehen und einen Waffenstillstand zu erklären,«Frankreich und Großbritannien a n s ch l i e ß e n., 1 Keine Aussicht auf Erfolg Paris. Die Nachrichten aus Nanking und Tokio deuten darauf hin, daß die englische Anregung einer gemeinsamen Intervention der Interessierten Großmächte bei den beiden kämpfenden Parteien nicht das gewünschte Ergebnis haben wird, da allem Anschein nach Ehina und Japan sich ablehnend verhalten, insbesondere gegenüber dem Vorschlag der gleichzeitigen Zurückziehung der Truppen aus dein Kampfgebiet, Freitag, SO. August 1937 Rr.ldS, Seite 4 i^us 6er Gehelm-Mappe des Propaganda-Lügners Unter Ausschluß der Ooffentlichkeit erscheint in Berlin„Unser Wille und Weg/ Monatrülätter der ReichLpropagandaleitung der NSDAP", her- auSgegebe» von Dr. Goebbels und Dagobert Dürr,„die partcianitliche Propaganda-Zeitschrift für die politischen Leiter der NSDAP", Berlin W 8. Man wind dieses Blatt, in den Berliner Buchhändler-Schaufenstern vergeblich suchen; es ist Kaviar für die„Gefolgschaft". Wir bringen im folgenden daraus einen Auszug des Aufsatzes „Das geschriebene Wort als Propagandamittel" von Alfred Petrau, erschienen im 6. Jahrgang, Heft S, Seite 07—104. Alfred Petrau ist einer der begabtesten Schüler des Seminars Dr. Karl Christian von Loosch, und Ivie dieser natürlich Preuße. Loesch, der ideologische Führer dcS sude- tcudcutschen JrredentiSmuS, neben dem Juristen Prof. Dersch und dem Amerika-Soziologen Prof. Schönemann sicherlich der kenntnisreichste und witzigste Lehrer des Systems, läßt in dar Aller- heiligste seines Seminars außer dem bekannten Slowakei-Bearbeiter Reitzenstein säst keinen Sude- tendoutschen zu. Er hält die Sudetendeutschen für brauchbares Kolonial-Material, sentimental und disziplinlos, mit Borsicht zu behandeln und unfähig, den Geist des aufgeklärten MacchiavelliSmuS zu ertragen, er ist durchdrungen von dem altpreußischen ErziehungSgrundsatz, man dürfe dem" Schüler, insbesondere dem miiider zuverlässigen kolonialen,„nicht die Unbefangenheit nehmen", indem man ihm zuviel sagt. Im engeren Kreise freilich wetzt eine skeptischere Luft. Aus ihr werden die nachfolgenden Aufrichtigkeiten verständlich, die in jedem anderen Zu- sanunentzange als Meckerei in Deutschland kaum druckfähig wären. „Propaganda hat als Wurzel das lateinische „propagare"— fortpflanzen, erweitern. ES geht also im weitesten Sinne dieses Wortes darum, den Wirkungsevum einer Sache, eines Menschen oder einer Idee zu erweitern, und das ist um so leichter möglich, je mehr damit der- m e i n t l i ch c oder wirkliche materielle oder geistige Bereicherung verbunden ist... im ersten Fall nennt man das Reklame— das liegt außerhalb des Themas—■ im zweiten R e- klamc auf Gegenseitigkeit, Kul» t u r r o k l a ni c... In das Thema und in den Lebcnsbercich unserer Tage gehört aber die offene und versteckte Gegenpropaganda von Par- leien und Gruppen,... von Völkern, be- ziehmigsweise Staaten, die, wenn auch mit immer weniger Erfolg, ihre Furch, ihren EgoiS- mus hinter kulturpolitischen und politischen Phrasen zu verbergen suchen. Hier ist Propa- ganda nichts als brutale Machtpolitik in vcr- feiucrtcr Form. In der Geschichte haben dafür alle Sonder^ themen herhaltcn müssen: im Peloponnesischen Krieg(431—404) kämpste das oligarchische Sparta unter dein Politischen Schlagwort „Für Recht und Freiheit des ge- knechteten Griechenland, für einen dauerhaften Frieden!" gegen das demokrati- s ch c Athen— es ging um wirtschaftliche Inter- essen. Wie modern klingt das!... Propaganda .,. schasst sich gewissermaßen... äußere Sym-■ bolc— Uniform und Fahne—, die nicht nur das Ziel verkörpern, sondern zugleich Aufspeichercr und immer wache Erwcckcr kämpferischer Energien sind. Sie sind beides: sichtbares Richtsymbol LberlebterJdeen und Verkörperung eines neuen Weltbildes... Dar- aus ergibt sich für die Betrachtung gewisser Epochen, daß Umfang und Formen ihrer Propaganda ein Maßstab für den Ernst und das Vcrantwortungsbcwußtsein der Menschen gegenüber den Ausgaben ihrer Zeit sind,— und da läßt sich in der ganzen historischen Vergangenheit kaum ein unserer Gegenwart ebenbürtiges Beispiel finden... Im Anfang der uns bekannten Geschichte stehen die großen Redner: PerikleS(500—492), den seine Zeitgenossen um seiner donnernden Sprach gcwalt willen den Olympier nannten; der„Rednerfürst" Demosthenes,... der um alte Römortugcnd polternde Caio .,. Buddha redete lieblich, Jesus„gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten"; weiter geht die Reihe...bis zu Adolf Hitler....in China ließ dcrNeuererTschin... alle ihm unbequemen Bücher verbrennen; Heute geschieht dergleichen mit weniger Wärme- entwicklung: die Arbeit der Einstampsmaschine richtet sich doch nicht mehr gegen das an sich ja so harmlose und geduldige Papier... Darum Hai die NSDAP i„ der Kampfzeit folgerichtig den politischen Bries entwickelt: Sein Grundiert wär vom Propagandaleiter verfaßt; Parteimitglieder schrieben ihn mit der Hand ab, wandelten ihn für den einzelnen ihrer Bekanntschaft ganz per- sönlich ab, so daß der Eindruck entstand, der Bries sei von Anfang bis zum Ende rein persönlich an ihn gerichtet. Aehnlich sind so auch an Blinde in Blindenschrift ge- schrieben« B ri e fe als Mittel der politischen Propaganda äuge- wandt worden... Dio in Zeitung und Buch von Tirpitz vertretene Flottenpropaganda machte .uns in der Welt, vor allen: in, England, verhaßt ... Tirpig und alle die anderen... brachten ihr Volk in den Ruf der Raub- und K r i e g s l u st... auS Mangel an.... Psychologischem Fingcrspitz e.n,ge;f ü hl, für G r en,, zcn und Form einer Propaganda... Da hat keine Weichheit und Sanftmut Raum... hämmernde, härtendq Äaute,... alles drängt nach absuluter Klarheit und Eindeutig- k e i t: H i t l e r S R e d e n b i e t e n dafür eineFüllevon Beispielen.... Lächerlichkeit tötet"! Die WohlfahrtSbriestnarken, di« nur in beschrankter Anzcktzl und zugunsten der armen Kinder äuSgegeben wurden, werden einmal einen großen Philateliftischen Wert haben. Heben Eie sie -j- gleich, ob sie neu oder gebraucht sind— für die künftigen Sammler auf! Frankieren Sie Ihre Post ine Ausland mit diesen Marlen! Mit einer jeden solchen'Marke bereiten Sie den ausländischen Sammlern Freude und überdies geben Sie den hungernden tfchsl. Kindern ein ausgiebiges Esten. LautfprecherfSuIen auch in der Tschechoslowakei? Die Mährisch-schlesische Gesellschaft befürwortet in einem Anträge an die Behörden und an die Regierung die Anbringung von Lautsprechern auf öffentlichen Plätzen, was besonders in den Landgemeinden geschehen soll, wodurch es möglich wäre, der Berbreitung von falschen Alarmnachrichten entgegenzutreten. Ucber diese Lautsprecher sollten immer zu einer bestimmten Tagesstunde, besonders am Wend, die wichtigsten Mitteilungen verlautbart werden. Eine ähnliche Maßnahme wird bekanntlich auch in Deutschland durchgeführt, wo überall Lautsprechsäulen aufgestellt werden sollen. lDND) Wotznungßkanzlei für Prager Meflebesucher. Besuchern der Prager Herbstmeffe steht während der Messedauer vom 3. bis 12. September auf dem Wilsonbahnhofc(Wartesaal 1. Klaffe) eine Woh- nungskanzlei zur Verfügung, die Besuchern aus der Provinz und dem Auslande Zimmer in Hotels oder Privatlogis vermitteln. Die Kanzlei ist vom ersten Frühzug bis zum letzten Nachtzug geöffnet. Für Zimmerbestellungen vor der Messe lautet die Anschrift: Wohnungskanzlei der Prager Messe, Prag VII., Messepalast. Für fahrlässige Tötung—- beding!» Geldstrafe. Der Straffenat des Kreisgerichtes in UZtzvrod befaßte sich mit dem Fall des ehemaligen Bezirksrichters von Berehovo Josef I o ch m a n, dcr am 20. Feber d. I. in der Wohnung des I Schneidermeisters Alexander Nemeth jn-Berehovo- bei Som er wohnte, mit eiitem- Revolver- hantierte und durch Zufall die 20 Jahre alte Frau Nimeth anschoß. Die Frau ist bei der Uebersührung ins Krankenhaus gestorben. Jochman wurde zu einer G e l dst r a f e v o'n 2 0 0 0' K ö, im Falle dcr Uneinbringlichkeit zu 30 Tagen Gefängnis bedingt auf drei Jahre, verurteilt. Dü: Staatsanwalt und. der Verteidiger haben die Berufung angemeldet.' Schlacht zwischen Zigeunern und Bauern. Eine rumänische Zigeunerbande überfiel das Dorf Negreni bei Oradea. Die Zigeuner, die in 25 Wagen nach Mitternacht nach Negreni kamen, drangen in die Häuser des Dorfes«in. Durch die Schüsse und das Geschrei wurde das ganze Dorf alarmiert. In dein zwischen den Zigeunern und■ den Bauern auSgcbrochenen Kamps wurde» vier Bauern getötet und eine größere Anzahl schwer verletzt, lkh) Leprakranke alS Markthündler und Schweine- liefcranten. Wie die Bukarester Presse berichtet, nahm die Polizei in der Ortschaft Jsaeea mehrere Leprakranke fest, die auf dem Markt Melonen, Eier, Geflügel und Gemüse verkauften. Ein G a l a tz e r Wurstsabrikant hatte den Leprakranken 30 Schlveine abgckaust und dieselben zu Wurst verarbeitet. Die Leprakranken sind aus Sem Lepralager T i ch i I i st i entwichen. Die Bevölkerung der genannten Orte wurde durch das Bekanntwcrden dieser Begebenheit in riesige Angst versetzt, lth) Der wilde Kohlenabbau in Obrrschlesten hat wieder drei Todesopfer gefordert. In der Nacht zum Mittwoch wurden s echSArüeitslose in einem Nodschacht in M y S I o w i tz von einem Brand überrascht und von der Außenwelt abgeschnitten. Es gelang nur, drei Verunglückte mit schweren Rauchvergiftungen zu bergen. Die anderen drei Arbeitslosen sind verbrannt. Militärflugzeuge verunglückt.(TNO) Donnerstag,, den 10. August, mußte um 9 Uhr im Gemeindegebiet von Chabry nördlich von Prag ein militärisches Beobachtungsflugzeug notlanden. An Bord des Flugzeuges befanden sich der Zugsführer-Aspirant Julius Rostik und dtzr Gefreite Ludwig Chaloupka. Bei der Landung streifte das Flugzeug mit einem Flügel eine Telephonstange und geriet in Brand. Von dcr Besatzung erlitt der Pilot-Gefrefte Chaloupka leichtere Verbrennungen und- wurde in, das Korps- Krankenhaus übergeführt. Der Beobachter wurde nicht verletzt. Das Flugzeug war eine'Maschine alteren Typs wie sie heute im Militärflugwesen nur zu Hilfsdiensten, für Uebungen und für kürzere Flüge in,der Nähe des. Flugplatzes verpcn- det werden.— Am 18. August um 11.15 Uhr kam es im, Räume von T.r n a v a zu einem Unfall eines Aufklärungsflugzeuges der Blauen der i. Manövergruppe. Während eines Luftkamp- fes über der Gemeinde Siladice nördlich von Sered, stürzte aus einer Höhe von zirka 350- Meter ein zweisitziges Flugzeug ab, dessen Insassen, der Beobachter-Zugsführer-Aspirant Vladimir Välck und der Pilot-Gefreite Heinrich K o v ä k, dabei um» Leben kamen. Anlaß des Unfalles wär GeschwindigkeitSvcrlust während des LuftkampfeS. Zugsführer-Aspirant Vladimir Vülel stammt aus FrenStät p. Hosthnem und war 21 Jahre alt, dcr Pilot Gefreiter Koväk war 22 Jahre alt Und aus Bystkice p. Hostyncm gebürtig. Kameraden suchen Lewanewskij. Zusammen mit dem Piloten Gollowin ist auch der bekannte russische Flieger S l e p n e w gestartet, um an der Suche nach dem vermißten Flugzeug Lewanewskijs teilzunehmen. Wie der Sowjetböt- schafter in Washington meldet, trifft der bekannte Polarslieger HubertWilkinS auf dem Flugplatz North Beach auf Lang Island Vorbereitungen zum Start, um sich auf die Suche nach dem vermißten Lewaneivfkij zu begeben. Sein Flugzeug wird von dem kanadischen Piloten Herbe rtKenYon gesteuert. Giftgas auS der Jauchengrube tötet zwei Menschen. Auf dem Großgrundbesitz des jesuitischen Klosters in Freienburg bei Linz atmete der 15jährige landwirtschaftliche Arbeiter I. Steinin- ger, als er mit einer Reparatur an der Jauchepumpe beschäftigt war, giftige Gase ein und.fiel in den Behälter. Der Schaffer Hitzenbichler eilte ihm zu Hilfe, fiel aber Wenfalls in-die Jauche- grubc. Auch zwei weitere landwirtschaftliche Arbeiter, die den beiden zu Hilfe kommen wollten, atmeten die giftigen Gase ein und fielen in Ohnmacht. Die Feuerwehr, welche herbeigerufen wurde, konnte Steininger nur mehr als Leiche aus der Jauchengrube bergen, Hitzenbichler brachten sie zwar zum Bewußtsein, doch starb auch er auf dem Wege ins Krankenhaus. Die beiden letztgenannten landwirtschaftlichen Arbeiter mußten mit BergiftungSevscheinungen ins Krankenhaus gebracht werden. FatrikStrand bei Eigmund-Lutin. Donnerstag um 7.32 Uhr früh, zehn Minuten nach Arbeitsbeginn, entstand aus bisher unbekannter Ursache in der Expörtäbteilung der Firma Sigmund-Pumpen in Lutin bei Olmütz ein Brand, der die Fabrikationsabteilung ärztlicher Instrumente, die für den Export bestimmt waren, ergriff. Das Feuer bedrohte auch die Dreherei und bAnders die Pumpenerzeugung Nautilus und das Transporthaus. Durch das gasche Einschreiten der Fabriksfeuerwehr und besonders des Frauen-Feuerwohrkorps, dessen Mitglieder gerade der in Mitleidenschaft gehörigen Abteilung angehören, konnte das Feuer auf eine Abteilung -beschränkt, bleiben. An den. Rettungsarbeiten beteiligten sich die Feuerwehren aus der ganzen Umgebung sowie auch aus Olmütz, so daß die Warenvorräte, Gummi und anderes feuergefährliches Material gerettet werden konnten.. Der Schaden wird auf eine halbe-bis eine dreiviertel Million KC geschätzt und ist durch Versicherung gedeckt. 50 Minuten nach dem Brande, stand das Werk, mit Ausnahme der Exportabteilung, wieder im Betrieb. Die Opfer des AlpiniSmnS. Vier Touristen verirrten sich während eines Schneesturmes auf dem Riffl im Grotzglocknergebiet und mußten in einer Eisspalte übernachten. Ein Tourist starb im Lause der Nacht, die übrigen konnten sich retten. — Die Leichen der in der Vorwoche bei der Durchstelgung der Ostwand des Matterhorns aus dem Zmutts-Gletscher abgestürzten tschechoslowakischen Hochtouristen Dr. Jng. Fr. O v e s n h und MUC. F. M a ter n a wurden nunmehr von d5r Rettungsmannschaft aufgesunten und geborgen. Die beiden Touristen waren 10 0 0 Meter tief abgestürzt und ihre Leichen waren vollständig verstümmelt. Die Leichen wurden nach Zermatt gebracht.— Zwei tschechoslowakische Studenten die versuchten, de» Berg Cervin zu besteigen, stürzten aus einer Höhe von mehr als 2000 Meter ab. Eine ausgesandte Rettungsexpedition fand nur ihre v e r st ii m m e l t e n Leichname auf. Di« Soinmerfchul« in Täte, Lomnica. Mit allgemeinem Interesse wurde der Vortrag Dr.- Lad. Feierabends, de» Vorsitzenden der tschechoslowakischen Getreidegesellschaft und Oierdirektor der Kooperative, über unsere Landwirtschaftspolitik ausgenommen. Der Redner erklärte in seinem Vortrag, die erste Aufgabe der Agrarpolitik der Tschechoslo» wakei war, den Boden zu sichern, was durch die Bodenreform geschehen sei. Nach dem Umsturz war eS die weitere Aufgabe der. landwirtschaftlichen Politik, die Bevölkerung der Republik zu ernähren.. In dcr Erzeugung von Mahlgetreide waren wir in Roggen nicht autark; dagegen aber aüsfühvfähig in Rübe,,-Zucker. Gerste als Kornfrucht, und Malz, Hopfen und Hafer. Es war notwendig,.die Produktion dieser-Bodenprodukte, resp. Erzeugnisse um etwa. 250.000 Hektar zu beschränken und die Saatfläche auf Weizen umzustellen, in dem wir nicht nur autark wurden; sondern aürfuhrfäihtg.'Die liberali- jtisihe Agrarpolitik, konnte Unsere Landwirtschaft von den Rückwirkungen in dep Jahren der-Krise nicht bewahren und so gelangt«, man zu der Ueberzeu» gung, daß das freieSp-iel- der Wirtschaftlichen Kräfte in der Agrarpolitik derStaatenund in derProduktionvon einem einheitlichen F üih r.u n g r w i l l e n. a b g e l'L'st-werden müsse, geradeso wie dies hie Industrie bei der' Orga- nisiernng der'-einzelnen, Produktionszweige praktiziert. Im Hinblick auf die Zersplitjerung /itufe. Weltrekord im 100-Meter-Rttckenschwimmen Die amerikanische Kunstspringerin C a ,t h e- r in e R a w I s, die Olympia-Zweite im Kunstspringen, stellte-beim Internationalen Schwimmfest in Tokio eine neue Weltbestleistung auf, indem sie die Strecke in l: 10,0 bewältigte landwirtschaftlichen Unternehmertätigkeit kann dieser Weg. in der Landwirtschaft, jedoch nicht durch- freiwillig«-Organisierung'begangen werden und-e« handelt sich hier um das Eingreifen der öffentlichen Macht, mit anderen Worten, cs tritt die-P l- än- w i r t s ch a s t- in Szene, deren-typischestes' Beispiel in der Tschechoslowakei dar Gctreidcmonopol ist. Allein über den Ozean. Nach einsamer Fahrt von 57 Tagen über Lissabon und den Azoren traf der 80jährige Kapitän Schlimbach, der länge'im Dienst der Hapag stand, auf seinem zähn' Meier langen Boot„Stoertebccker" im- Hafen von New Volk ein. Kapitän Schlimbach ist auf'beiden Seiten, der Ozeans durch sein« häufige Teilnahme an den- Nachtregatten über den Atlantischen-Ozean--eine volkstümliche Gestalt geworden. Auch seine-neueste Fahrt; die er allein auf dem kleinen Boot unternahm, wird von der New Norlcr Press« als'S««« mannStät gefeiert. Photographieverlot für- alle Zivilflugplätze.. Für alle Zibilflugplätze wurde ein allgemeiner-Photo« grophieverbot erlassen, desgleichen' ist eSberboten, -auf den Flugplätzen zu filmen, zu zeichnen oder Lageplane zu skizzieren.- Ausnahmen von- diesem Verbot sind nur auf Grund besonderer Bewilligungen-zulässig, wobei die Ablehnung der-einschlägigen Gesuch« ohne- Angabe der’ Gründe möglich- ist. Leichte Besserung de» Wetter«. Heute'dürft« sich der.- allgemeine Witterungschärakier noch nicht ändern, Im Zusammenhang mit! einer änderen Störung über Südnorwegen strömt nämlich dem Festland« ziemlich feuchte ozeanische Lust zu, so-daß eilte vollkommene AuSheiterUng und-stärkere'Erwärmung vorläufig nicht eintretenwird. Wahrscheinliches Wetter Freitag: Wechselnd, in' den-Tagesstunden ziemlich bewölkt,, vereinzelte Schauer,- und; zwar besonders im, Osten; des Staates, find nicht ausgeschlossen, nur mäßig warm, Westwind. WeiterauS- sichten, für Samstag:-Im ganzen, heiter-und: trocken, nur noch im Osten der Staates Regenschauer, möglich,. mäßig warm, WesUvind:. Ziehung der Klassenlotterle , lOhne Gewähr.) Prag. Bei der: Donnerstag- Ziehung der III.- Klaff« der 87. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: l««.M>0 K15; Deutsche. Senduisg: Für die Frau. 10.30: Unterhai-. tungSmusik auf Schallplatte«. 12.10: Schallplatte«: Fuöik, Kreisler etc. 14:00: Deütsche Sendung: Zum-fröhlichen Wochenende. 17.55: Deutsche SeN« dungr Dr.- Hoop:-Sportvorschau. 18-0.0:-Humör-der Heimat„.Die Speckseite". Lustspiel: in-schlestschw- Mundart-.-18.45:- Deutsche Presse. 18.55:fDeutsch« Aktualitäten. 22.20- Schallplattenkonzert.— Prag,. Souder Ili 13,10:-. Deutsche-Sendung: Edwist-Jä«, netfchek: Musikalische., ZetWschichte mit Schallplatte«. 15.80: Deutsche Presse.— BrünU:-12:35;-' - Militärmusik. 17-40:; Deutsche. Sendung: Komponi«, sten der Heimat.— Pressbmg:; io;85: SchMilat-> t-n.-10.05: Leichte Musik.—Kaschau: 12-05: Li-> der auf Schallplatte«.—- Mähk.-Ostrau: 18.00: Blechmusik.- .-.-."-■.,-■ Heute keine Prager Deutsche Sendung. Die- hcufiss«.-Deutsche Sendung- des Präger-Rädio- Journals entfällt zur-Gänze wegen einer Uebor-- tragung ans'Salzburg. Aus diesefnlÄrundelM-' lenxäüch',-die-akMlen^zehnMKüten--äüs/' X 9ft. 195 Freitag, 20. August 1037 Seite 5 Arbeitsantritt der Prager Bauarbeiter >' Donnerstag um 2 Uhr nachmittags! sand tut Närodnt düm in Smichov neuerlich" eine Ver- sammlung der>Bauarbeiter statt,-bie", über das weitste Vorgehen entscheiden sollte. Die Versammlung nahm die Referate, der GewerkschaftS- vcrtreter cinverständlich zur Kenntnis. Damit ist deriKöhnkonftift-im Prager Baugewerbe endgiil» tig beigelegt. Bei mehreren Heineren Bauünter- nehmüngcn nahmen die Arbeiter bereits Don» necstag nachmittags die Arbeit wieder auf. Das- Gros der Bauarbeiterschaft tritt Freitag wieder"an.-Die Bauarbeiterschaft hat während de- fast dreiwöchigen Streiks musterhafte Solidarität gezeigt Alle offenen und getarnten Angriffe auf die Einheitlichkeit der kämpfenden Arbeiter blieben*vergeblich.. Ooutroklsntl und 61» Reisen In'die Tschechoslowakei Wir lesen im„Hospodäksth Kritik"! Im sonderbaren Kontrast zu"der Leichtigkeit, i mit der unsete"Leute während der Ferien schwer ersparte oder ausgeborgte Millionen ins Ausland tragen, steht di« Schroffheit, mit der jetzt Deutschland den eigenen, Leuten die Grenzen sperrt, um ihnen Reisen ins Ausland unmöglich zu niachen, Da diese Tendenzen in Deutschland schon durch einige Jahre vorherrschen, haben wir die Reisen Deutscher in die Tschechoslowakei, hauptsächlich in unsere Weltbäder, durch verschiedene Kreditreformen gefördert, die Deutschland mit Waren bezochlte. Heiter erreichte dieser Betrag die Höhe von 00 Mill. Kö. Die deutsche Regierung, die in ihrem Bestreben, die Ausfuhr deutscher Gelder in die Tschechoslowakei möglichst zu beschränken, allmählich auch die im kleinen Grenzverkehr geltenden Betrage immer mehr herabgesetzt hat, versteht es, auch Möglichkeiten zu finden, um unsere Finanzierung des Aufenthaltes Reichsdeutscher bei uns umöglich-zu machen: sie liefert einfach keine Waren, die unser Darlehen an die deutschen Touristen kompensieren sollen und macht dadurch die Aktion unmöglich. Ohne Zweifel spielen hier auch andere Gründe als Evsparungsmaßnahmen eine Rolle. Der deutschen Regierung patzt es nicht, dah die deutschen Bürger, soweit sie können, zu uns strömen,.weil sie bei uns nicht nur gut essen und trinken, sondern auch Ruhe genießen, die sie zu Man erhfilt für KE 100 Reichsmark,,» 728.—* ; l. Markmiinzcn.».. 780.— 100 österreichische Schilling 'st 8SSM 100 rumänische Lei... • • 16.35 100 polnische Zloty... 518.50 100. ungarische Prngö.. 564.50 100 Schweizer Franke». 656.50 100-französische Francs. 107.30 1 englisches Pfund.. 142.12 1 amerikanischer Dollar 28.55 100 italienische Lire.. 132.40 100 holländische Gulden. 1579.— 100"jugoslawische Dinare. 62.80 100 BelgaS 482.50 100 dänische Kronen.. 636.— 100 schwedische Kronen. e 734.— Hause nicht haben. Ein weiterer, ebenfalls politischer Grund ist der, daß, wenn zu wenig kommen, sich die westböhmischen Bäder in einer schwierigen Situation befinden, was wiederum unter die Deutschen in der Tschechoslowakei eine gewisse Unruhe trägt. Dazu ist nun eine weitere unangenehme Angelegenheit gekommen: die von unseren Aemtern mit gutem Grund verbotene Ferienreis« von 6000 deutschen Kindern aus der Tschechoslowakei nach Deutschland. Das Ergebnis aller dieser Umstände ist nun, dah Deutschland die Geldzuweisung für Reisen in die Tschechoslowakei mit Ausnahme von dringenden Fällen mit der Begründung abgelehnt hat, daß für Touristenreisen ins Ausland kein Geld vorhanden sei. Das sind allerdings für uns sehr unangenehme Erfahrungen, die nicht von dem guten Willen Deutschlands zeugen, obwohl wir uns nach Kräften bemühen, mit ihm möglichst gut auszukommen. Gleichzeitig hat un» aber Deutschland durch diese konsequente Voreingenommenheit doch einen Dienst geleistet: es erzieht die Deutschen in der Tschechoslowakei zu der Erkenntnis, daß sie von Deutschland nichts erwarten können und datz sie sich den gegebenen Verhältnissen anpaffen müssen. Unsere Wirtschaft lernt aber neben den ausgetretenen Wegen über Deutschland auch andere Wege.in die Welt suchen, mag es sich nun um Verkauf oder Einlauf handeln. tlustkmcl kln gefälschtes Interview Um Osslefjkys Schicksal Tatsächlich kommt keine Nachricht aus dem deutschen Propagandaministerium mehr, die nicht scharf anzweifelbar ist. Als letzte Ueberraschung teilt das deutsche Nachrichtenbüro mit Genehmigung der Geheimen Staatspolizei mit, daß Ossietzky von ausländischen Journalisten besucht worden sei und datz diese" feststellten, er sei völlig gesund, und Ossietzky hätte den Nobelpreis voll ausbezahlt bekommen. Allerdings hätte ihn der Advokat Dr. W a n» o w, durch dessen Vermittlung seinerzeit das Nobelgeld aus Oslo nach Berlin überführt wurde, um 60.000 Reichsmark zu betrügen versucht. Durch Eingreifen der Gestapo hätte aber Ossietzky alles wiedererhalten und der Advokat sei jetzt gleichfalls verhaftet. Ossietzky lernte medizinische Photographie und das sei„seine neue Lebensaufgabe". Das Propagandaministerium teilt ferner mit, datz Ossietzky in regelmätzigem Kontakt mit seiner inDjursholmin Schweden lebenden Tochter stehe. ,Datz alle diese Interviews und Aeußerungen 'DffietzkhS*ftörerfundemo8er zu'mjndest'Mwer M!>' stellt find, geht aus folgenden Tatsachen hervor.: 1. Ossietzkys Tochter Rosaltndehat niemals in Djursholm gelebt. Ossietzky selbst kennt den Villenvorort Stockholms be» stimmt nicht einmal dem Namen nach. 2. Ossietzkys Tochter erhielt seiteine.m halben Jahr überhaupt keine Zeile mehr von ihrem Vater. 8. Der Rektor der Schule, die Rosalinde Ossietzky besucht, hat in zwei Briesen Ossietzky resp. die Geheiine Staatspolizei, zur Zahlung des Schulgeldes aufgefordert, und niemals eine Antwort erhalten. Sportanlage für 6— lv(ihrige««*• von K£ Anzüge für Studenten bis 15 Jahrs. von KZ Hubertusmäntek, Knaben v. v«n«.10*oe Kt Raglans aus engl. gemusterten Stoffen für 6—10|ibrige von KI Kinderanzüge für 2— 6 jährige .. von KC 49'- 72'- 95'- 65'- i 101'- m 29* FÜR SCHÖLER- DIE GUTE PREISWERTE KLEIDUNG kauf mü, Mutti fih die, Ji&x&Z.. 4. Wenn Ossietzky gesund und in Freiheit ist, warum befindet er sich dann im Nordend- sanatorium, Berlin-Pankow? Warum wird er immer noch von der Gestapo bewacht und schlictzlich warum gestattet man ihm nicht die Reise nach Norwegen? Ossietzky selbst versprach doch, eine Friedensrede in Oslo zu halten. Gefälschte Interviews: das ist die einzige Lösung dieses Rätsels. Im übrigen ist dieses Interview mit Ossietzky nicht das erste, das gefälscht worden ist. Vor gar nicht so langer Zeit brachte ein dänischer Journalist die Nachricht, Ossietzky fei Nationalsozialist geworden, während Ossietzky Göring selbst ins Gesicht sagte:„Ich bin Pazifist, ich bleibe Pazifist und werde immer ein Pazifist sein." Ossietzky ist in Wirklichkeit noch immer der G e- f a n g e n e Görings, nur um dies zu verschleiern hat man jetzt diese verwirrenden Nachrichten pu- hliziert. Kurt Sing e r. Vereitelter Rutsch auk den Philippinen Manila. Ein Komplott zur Beseitigung des mn Montag nach fast achtmonatigem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten und in Europa wieder nach den Philippinen zurückgekehrten Staatspräsidenten. Manuel Quezon wurde in letzter "Stunde^ vereitelt:'Bwrundzwanzig' Stunden'"bevor der Dampfer mit Quezon an Bord eintraf, konnten die Schuldigen verhaftet und hinter Schloß und Riegel gesetzt werden. Die Verhafteten sind Angehörige der revolutionären Saldal- Partei. Der Zeitung„Manila Bulletin" zufolge sollten am Tage der Ankunft Quezon? die Wnf- fenarsenale gestürmt, die Bolizeistaiioncn in Brand gesetzt, die Wasserleitungen in die Lust gesprengt und die elektrischen Kabel durchschnitten werden. Im Falle eines Scheiterns dieses Planes war beabsichtigt, während der Begrü- ßungsparade einen Pistolenanschlag auf Quezon zu verüben und Bonchen zu werfen. Zu wenig Hunde, zuviel Schweinerei (AP.) Der Deutsche Gemeindctag hat festgestellt, daß sich seit Fahr und Tag der Bestand an— Hunden verringert. Die Abnahme beträgt allein in Berlin pro Jahr 18.000, und im Reich wird sie auf zirka 200.000 geschätzt. Die einzig mögliche Folgerung ist dabei nur, daß der Lebensstandard im Reich ständig sinkt. So etwas dürfen natürlich die Nationalsozialisten nicht zugcben. Um andere Motivierungen sind sie jedoch nie verlegen. Die„wahre Ursache" hat die DAZ herauS- gefunden. Sie schreibt, Hunde seien meist Kinder- Ersatz, da das ZärtlichkeiiSbedürsnis nach einem Surrogat suche. Da die Kinderzahl zunehmo, sei der Ersah entbehrlicher getoorden.— Auch das Holz muß jetzt in Zwangsbewirtschaftung genommen werden. Jedes Sägewerk, jeder Holzhändler erhält Bedarfsdeckungsscheine. Darüber hinaus erhält er kein Holz, weder in- noch ausländisches. Die Verordnung wird unübersehbare Folgen haben.— Die Nationalsozialisten berichten triumphierend, daß es kaum noch arbeitslose Assessoren und Rechtsanwälte gebe. Eine Großtat? Man muß nur näher zusehent Jede noch so kleine Firma braucht heute ihren„Hausanwalt" für Devisen- und Rohstoff-Fragen, und kein Betrieb kommt fast ohne Syndikat aus. Größere Firmen.müssen-sich juristische BUrös elnrichten.. Das ist die Arbeitsbeschaffung im Zeichen der—- Autarkie! Sie dient dem Leerlauf, und sie ist so unproduktiv wie die ganze Scheinblüte der deutschen Wirtschaft. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Auf nichts trifft das so sehr zu wie auf die deutsche Wirtschaft. Wien. Der Präsident der Paneuropa-Union Toudenhove-Kalergi wurde jetzt davon verständigt, daß die deutsche Geheimpolizei das Vermögen der Paneuropa-Union in Deutschland beschlagnahmt habe. Wiedersehen In Paris DIner-Dknez, der große sozialistische Publizist, ist vor kurzer, Zeit in Haris gestorben. Die nachfolgende persönliche Erinnerung an ihn ist. zugleich,elne. Schilderung seines Wesens. Wir kamen nach Paris. Ein Name fiel uns ein.und eine Zeit, in der er uns vertraut war wie der Name unseres besten Freundes. Wann war das noch?" Bor gehn, zwölf Jähren? Wir rechnen an den Ereignissen nach. Damals gab es noch ein Deutschland. Es gab eine-Stadt, Um deren Ränder die Bergwerke standen, die Fövdertürme in die""Luft"ragten, gespenstisch die Feuer in die trühen-Nächfe flackerten. Es gab unsere Freund«, die-in diesen Bergwerken arbeiteten, verunglückten", litten, kämpften, es gab di« Hoffnung. Heute ist alles anders.- Nicht nur die schlesischen Weber tveben heute in Deutschlands Leichentuch den dreifachen Fluch—,—7■— die FördertÜrme aber ragen noch-tMixr in"die-Lüft, gespenstisch slak- kern die Feuer) und wen sie nicht erschlagen haben von unseren Freunden, der" steigt auch weiterhin ins.-Bergwerk hinab, arbeitet und verunglückt im SHM" Bitterkeit im Herzen, ohnmächtigen Haß. Wir"fragtennach dem Nachen, der uns eingefallen.war."Solange hatten wir nichts.mehr von'..ihm,.gehört., Josef Dincr-Dänes. Foschi, wie.ihnM, Zärtlichkeit einer ewig jungen Frau und dje Freundschaft aller nannten, die ihm zugetan wären. Und wer Ivar das nicht? Wer, der auch nur einmal das Vergnügen hatte, chit die« sem Mann zu reden, Wn zuhören zu dürfen? Damals kam, er"aus? Ungarn und aus Italien. Minister,. Sozialist, Emigrant, vor allem ober Mensch."Mensch und Fahne.. Fanfare, die vor dem kommenden Unheil warnte.".. Wie alt war er, damals? Siebzig? Ach, auch er war ein jun« ger Mann, ein heißes Herz, leidenschaftliches Gewissen dieser:- Welt. Wir/ lächeüest. Damals. Italien,Schaudernd hörten wir zu. Entsetzt. Erschüttert.'"Aufgewühlt., Doch wehrten wir,ab. Niemals ist, dar in ünserer Heimat inöglich. Guter Loscht nie-—niemals.... Er aber ruhte nicht. Er wußte es besser. Und er hat recht behalten. Bitterrecht. Niemals, nie»ni«nals ist das in unserer-Heimat möglich sagen heute— ebenso erschüttert, entsetzt, aufgewühlt von den Greueln, die deutsche Flüchtlinge berichten— die anderen, die in Paris, in London, in der Tschechoslowakei und in der Schweiz. Nie— niemals... Und die Greuel geschehen, und die Opfer fallen, Tag mn Tag, und werden vergessen und lüben ein unheimliches, ein gespenstisches Lüben in uns fort. Und immer wieder pflanzen wir die Hoffnung auf: am Grabe der Menschheit noch eine leuchtende Fahne, und immer wieder ertönen die Fanfaren, verbluten die VMer, leben und sterben die Kämpfer, werden die Posten vakant, rük- ken die Jungen nach, leidenschaftliche Gewissen der Welt..,.■■■;. Foschi.., Guter, alter Mann... Siebzig war er damals und heute muß er achtzig sein. Im„Populaire" bestätigt man eS uns. Bracke, sagt man, hat einen wunderbaren Artikel über ihn geschrieben, im Juni oder Juli war eS wohl. Ja, und er lebt noch. Ja, und seine Familie ist immer noch bei ihm. Seine Frau..... Wie war sie rührend damals, damals schon im weißen Haar, wie voller Anmut, in ihrem Schmerz noch um zwei in Italien gefangene Söhne voller Haltung und Würde, nur auf bas Wohl ihres Loscht" bedacht, ihres großen Jungen und großen Mannes. Wie war sie Vorbild für alle Frauen,, wieviel Geist und Heiterkeit besaß sie doch, wieviel Milde und fröhliche Zärtlichkeit. Schon damals-war er nicht gesund. Der Magen war«s wohl. Er brauchte ganz bestimmte Speisen, und die liebe, zarte, kleine Frau ging von Geschäft zu Geschäft, um sie zu besorgen. Sie ruhte nicht, bis"sie. sie hatte, indes er oben in der roten Stube— ach, wie erinnern wir. Uns mm mit einmal der alten Wohnung, die wir längst verlassen haben, ihrer Farbe, ihrer Einrichtung, ihrer Wände boller Bücher— indes er oben Inder roten Stube herumastig und über Wagner diskutierte, Richard Wagner, ja, und Arien-sang,: und-redete und redete.... Wie fühlten wir Ms damals doch beschenkt, bestätigt, wie waren wir doch glücklich über die Begegnung... Und heute? Heute suchen wir die Rue du Rome. Das freundliche Mädchen vom„Populaire" hat telephoniert. Ja, der achtzigjährige alte Mann erinnert, sich an uns, er will Ms sehen, sofort sollen wir kommen,- sofort..., Das Herz ist uns bewegt, Tränen schnüren unS. die Kehle. Rue du Rome. Eine häßliche Gegend im bezaubernden Paris, schwarz, kahl, ohne Bäume, die Eisenbahn fährt knapp vorbei. Hier wohnt der alte Mann? Wie werden wir ihn wiederfinden? Gebrochen von den Ereignissen, vom Sturz der Welt in den Abgrund? Wir denken an den alten Goethe, an Ruhe, letzte Harmonie und in sich selbstversunkenes Schweigen. Die Ehrfurcht vor dem Alter, das wir nicht kennen, von dem wir nicht wissen, ob es uns bevorstehcn wird, macht unsere Schritte schwer. Hier muß er wohnen.... sagen wir, und das Herz schnürt sich uns"zusammen vor der Freudlosigkeit der Umgebung, dem alten, un- schönen Hotel. Dann klingeln wir und dann macht man uns auf...' Da steht sie nun, die liebe, alte ewig junge Frau, unendliche Zartheit und unendliche Anmut, tiefes Leid und tiefe Heiterkeit.. Da steht sie nun, und. ist nervös und liebenswürdig und weint wie wir und nimmt die winzigen Blumen, die wir mitgechracht haben, wie einen köstlichen Strauß. Und sagt, wie leid es ihr täte, daß wir den Josch.i doch nicht sehen könnten, eben sei der Arzt fortgegangen, er. habe Schmerzen, einen: Münmen Tag.„ v . Und schon ruft es aus dem Nebenzimmer gebieterisch nach uns. U>ü> wir können nicht.anders, er ist aus seinem, Sessel aufgesprungen und stnmkt in seinen Sessel zurück, er öffnet die Arme, wir müssen zu ihm, er umarmt und küßt uns— zehn Jahre Schweigen dazwischen und nun ist eS soi daß es keines Wortes bedarf: wir ssnd bei ünserm besten Freunde, wir sihei: vor ihm, erschüttert und glücklich und hören ihm zu... Achtzig Jahre ist er alt geworden? Ach, er. ist ein junger Mann. Ein heißes Herz, ein leidenschaftlich arbeitender Geist, eine blitzende Vernunft, ein hervorragender Verstand stehen ihm noch immer und noch ausgeprägter bei in seinem Kampf. Ec.rodet und schreiht. Friedrich Engels fällt uns ein, der bis zum letzten Augenblicke schrieb.„Foschi", bittet die liebe, lächelnd besorgte Frau,„streng dich nicht so an...." O, aber es strongt ihn nicht an, es bricht aus ihm heraus an tausend Ideen, Plänen, Einfällen. Wie kurz Ist das Leben und was noch alles muß geleistet werden, geschrieben, geschaffen. Er hat die Memoiren begonnen, die Krankheit hinderte ihn am Weiterschrciben, jetzt aber geht es Ivieder los, er hat einen Marx geschrieben, wie,, den kennen tvir nicht? Er läßt ihn heraussuchen, wir sollen ihn haben, ach, er freut sich so, ganz närrisch, sagt er, sei er vor Glück. Und natürlich sollen wir nicht Ivieder fort. Wir müssen bleiben. Alles will er für uns tun... Und wir können doch nicht. Und es zerreißt uns das Herz, als wir gehen. Lieber Freund, fühlen wir, lieber junger alter Freund. Niemals werden wir Dich vergessen. Du wirst in unserm Tag, in unseren Gedanken, unseren Kämpfen sein heute und morgen, solaiege cs uns zu atmen vergönnt ist. Und immer werden, wir wissen: daß nichts vergebens ist, kein Tropfen Blut umsonst vergossen wurde, solang« Männer wie Du in unserer Mitt« weilen, solange.Männer wie Du die Fahne Weitergaben, Vorbild und Beispiel sind allen denen, die des Kampfes mjite wurden, die Feder sinken ließen, das Herz verzweifeln und die Fanfare von den Lippen setzten. So" verließen wir Paris. Mr sollten bleiben und wir nahmen Dich mit, Dich und Deine liebe junge Frau mit dem schneeweißen-Haar. Dies sei"ein Gruß für ich."Ein schüchterner Dank, der das Brausen der Weltstadt übertönen Möge, inn zu Dir zu dringen in die beispiellose Leidenschaft und Lebendigkeit Deiner achtzig Jahre: Joschi... lieber Kamerad, guter Freund. m. Seite ß „Sozialdemokrat' Freitag, 20. August 1037. Nr. 10!i Stöger jkUuno Vorstadt Die Siadigrenze steht wie ein rasch au» un- verträglichstem Material zusammengeraffter Damm, mit einspringenden Winkeln, Gerade dort scheint das stumpf« Nachmittagslicht hinein, läßt drei, vier einzelne HauSwände aufleuchten. Die Fenster sind verhängt; die Dächer glänzen; die Markisen machen Augenaufschlag. Die Häuser starren ins leere, blastgrüne Land. Auf einen bedächtig schleichenden Bor- ortgug, dessen Lokomotive mit ztveiteiligem Kaiseibart übers Viadukt stampft. Auf andere rangierende Lokomotiven. Sie suchen anscheinend den gestrigen Tag. Rauch fällt von der Brücke, wandelt auf dem Wasser wie ein Mittagsgespenst. Und wird immer dürftiger. Die Fenster gaffen durch ihn hindurch. Die Sonne wischt ihn endgültig weg. Dai Wasser blitzt auf wie ein Schnppenpanzer, die nassen Holzstangen wie Säbel. Im staubigen Licht wächst der Stadtrand kulissenhaft zusammen. Mitten in den zusammengewürfelten Häusern stehen bodenlose Kirchtürme, gerade über einer Feiiermauer niit Seifen- oder Cinzano-Reklame, wie Tafelaufsätze in der Rumpelkammer. Wie der Anblick der Friedhof» oder eine» Bucklige» ermuntert die finstere überpackte Bannmeile aller: Sport, Totschlag und billige Liebe. Leute, die noch keinen Platz fanden oder keinen mehr finden, rasen nackt und braun durch das staubige Grün, da» trübe fettige Wasser. Sie pfeifen auf die unverstehbare chaotische Ordnung der Stadt, deren Verschachtelung schon ihre Grenze zeigt. In dem kleinen Kanal zwischen UeberschiffungS- kahn und Ufer fangen gleichzeitig vier Jungen Gründlinge, je zwei mit Tüchern das seichte Wasser wie mit einem Netz aushebend. ES läuft ab, unter allseitigem Geschrei werden die zappelnden Gründlinge in ein EinsiedeglaS gebracht, worin ein Mädchen die Beute von vier Jungen sammelt. Einer lästt daS Tuch fahren, jagt eine Kröte, die sich, in den Spalten des zerfaulten Doppelbodens im Kahn versteckt. Der Junge stochert schreiend in den Spalte» herum, ein zweiter, alle; die Gründlinge siick> vergessen.. Der Flüster konimt. DaS Betreten der angekctteteii Fähre ist streng verboten. Er flucht und droht. Und schon laufen sie. Die Sonne bekommt Ränder um die Augen. Die braunen Menschen werden mit einem Schlag schwarz, mit silbernen Schultern und Scheiteln. Fast blau steht der spärliche Laubwald.• Alfred Endler. Siet Arbeitsanfälle. Der 40jährige Arbeiter W enz.elKnisjek erschien gestern mit«inem zerquetschten Daumen im allgemeinen Krankenhaus, der-ihm kürz vorher in der Werkstatt in Pankratz in die Drechselbank gekommen war. Er wurde verwinden. /—■. Die.-isjährigt Arbeiterin Anna D i v i 4 aus Hostiwitz würde gestern nachmittags in einer Kartönfahrik in Holleschowib von einer Maschine an der rechten Hand erfastt, wobei ihr drei Finger zerdrückt wurden. Sie wurde in» allgemeine Krankenhaus gebracht.— Dem SS jährigen Zimmer- man Ferdi na ndLislovec aus Prag VII neriet gestern an der Hobelbank die linke Sand zwi- schen die Messer, wobei er so schwer verlebt wurde, daß ihm drei Finger amputiert werden mustten.— Dem 25jährigen Maschinenarbeiter Jaroslav Dvoiäk au» Aotib flog gestern bei der Arbeit ein Eisenspan in» linke Auge und verlebt« ihn ziemlich schwer. Er blickb auf der Prager Augenklinik in Behandlung. Ueiersahr«!. Vorgestern abends wurde die 72jährige Witwe Marie Panoch au» Kotit beim Stadtpark von dem Radfahrer Josef Süla nieder- genoßen; auf der Klinik Jiräsck wurde festgestellt, dast sie einen Bruch des linken Armes erlitten hat. — Gestern um 11 Uhr vormittags erfasste in der Brcdauerggsse das Auto des 85jährigen Theodor Fedorenko a»S Präg XII. den LSjährigen städtischen Angestellten Franz Urban, der gerade an der Stra- stenkreuzung arbeitete und schleifte ihn einige Schritte weit überS Pflaster. Urban, der nicht aufstehen konnte, wurde vom gleichen Wagen mit einem Bruch de» rechten Beine» auf die Klinik Jiräsef gebracht.—■ Gestern nachmittag» stieß in einem namenlosen Kästchen bei der Taborstraste in SUdfc der Kraftwagen de» Josef RaJauskh aus Whsotscha» gegen das Motorrad des Svjährigen arbeitslosen slowakischen Schmiede» Rudolf Kosär, da»«r zu Boden warf und zertrümmerte. Kolär selbst erlitt einen Bruch des rechten Schienbein» und wurde auf die Klinik Schlosser gebracht. Geheimnisvoller Gast im Prager Franziskanerkloster. Vergangenen Monat meldete sich im Prager Franziskanerkloster auf dem Jungmannvlab ein gewisser Hofheinz und bat um Wohnung, die ihm auch gewährt wurde. Hofheinz. der das Dollar« eines katholischen Geistlichen trug, erzählte, er sei ehemaliger protestantischer Geistlicher, habe in Marburg studiert, sein Bruder sei der ehemalige demokratische Badener RcichSratSabgeordnete Hofheinz; er selbst sei zum Katholizismus übergetreten, wolle in Prag theologische Studien machen und werde im Frühjahr vom Leitmeriber Bischof Weber zum katholischen Priester geweiht werde». Auf Grund von Empfehlungsschreiben Wiener Persönlichkeiten schuf sich Hofheinz in Prag eine Reihe von Beziehungen. Unter anderem übergab ihm ein in Prag lebender früherer- bayerischer Abgeordneter einen Brief an einen Franziskaner-Pater, der diskrete Informationen über Vorgänge im reichSdenischen Katholizismus enthielt. Dieser Brief erreichte seinen Adressaten nicht. Durch Anfragen in Deutschland wurde ferner ermittelt, daß Hofheinz nicht in Marburg studiert hat und dast der frühere Reichsratsabgeordnete Hofheinz keinen-Bruder hätte. Der vorgebliche Hofheinz hat letzten SamStaa da» Franziskaner-Kloster verlassen; sei» merklvürdiger Fall ist derzeit Gegenstaad der"Untersuchung. lDNDl Erfindermesse. Am 28. August l. 3. wird die 2. Ausstellung der Erfindungen in der Tschechoslowakischen Republik eröffnet, die der Erfinderverband in dem Gebäude der Tschechischen Technik auf dem Karlsplab in Prag veranstaltet. Nach den bisher zugestellten Anmeldungen wird die Ausstellung reich beschickt und e» werden Erfindungen von Weltbedeutung ausgestellt werden. AusflngSzüge der tschechoslowakischen Staats- bahnen. Am 22. August zu den Motorradrennen nach Votice 48.— KJ, vom 25. August bi» 15. September Fahrt zur Kur nach Luhaöovice 1520.— KJ, nach Trenö. Tcplice 1520.— KL, nach PieStanl; 1220.— KJ, vom 28. August bi» 1. September Rebhuhnjagd.in Novö Ziimky und Niträ 1800.— KJ, vom'28. August bi»- 5. September nach Karpatho» rustland 475.— KJ, Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhofe, Telephon 88885. ein Tatbestand— zweierlei„Recht“ ■ s—rb—) Der Paragraph 506 unsere» Strafgesetzes bestimmt, daß die„Verführung und Entehrung einer Person unter-der nicht erfüllten Zu- sage der Ehe" mit strengem Arrest von einem bi» drei Monaten Heftraft werden soll, Nach diesem Paragraph hatte eine im mährisch-slowakischen Grenzgebiet ansässige junge Landarbeiterin Strafanzeige gegen einen jungen Mann erstattet, der ihr die Ehe versprochen hatte, um sie dann, al» sie m die Hoffnung kam. sitzen zu lassen. Das nach dem Wohnort der Verführten zuständige mährische Gericht erachtete den Tatbestand zwar als erfüllt, stellte aber gleichzeitig fest, daß die V e r f ü h r u n g j e n- seit» der nahen Grenze» auf slowakischem Boden stattgefunden habe. Während in den westlichen Ländern der Republik das seinerzeitige österreichische Strafgesetz gilt. Ist in der Slowakei bis zum heutigen Tage noch das ungleich modernere, ehenials ungarische Strafgesetz in Kraft. Das mährische Gericht mußte sich nun als unzuständig erklären, da der „V e g eh ung S o rt" austerhalb seines Amtsbereiches lipgt. Die Sache ging also in die Kompetenz des benachbarten slowakischen Gerichte» über und dieses konnte sich mit dem Fall überhaupt nicht be- fassen, da dar ehemals ungarische Gesetz den Tatbestand des Paragraph 506 nicht kennt und die in Böhmen und Mähren als Ilcbertretung erachtete Tat in der Slowakei und in Karpathorustland überhaupt nicht strafbar erscheint. ES handelt sich hier allerdings blost um die strafrechtliche Beurteilung der „Verführung", die mit den zivilrechtlichen Ansprüchen der KindeSmutter auf Alimentierung de» Kinde» nichts zu tun hat. Die Verschiedenheit zwischen dem ehemals österreichischen und dem ungarischen Strafrechte hat auch in einigen grasten Prozessen bereits eine Rolle gespielt und zu Vergleichen zwischen dem so geschaffenen RechtSzustand hüben und drüben Anlast gegeben, die natürlich zu Ungunsten unseres langst überalterten ehemals österreichischen Strafgesetzes aus dem Jahre 1808 ausfallen mustten. So unterschied dar liberalere ungarische Gesetz, nach dem auf dem Gebiete der Slowakei vorgegangen würde, die Tötung-Handlungen nicht blost nach- der gegebenen oder nicht gegebenen T ö t u n g S a b s i ch t in „Mord" und„Totschlag", sonder» liest auch bei der beabsichtigten Tötung, für die daS österreichisch« Gesetz unter de« Bezeichnung des„Morde S" nur die Todesstrafe kannte, auch Freiheitsstrafen zu, noch ehe unser„Gesetz über die Todesstrafe" einheitliche Bestimmungen schuf. ES wäre sehr zu wünschen, dast das neue einheitliche Strafgesetz für das gesamte Gebiet der Republik so bald als möglich in Kraft tritt, da es, wie vorstehender Fall zeigt, noch Tatbestände gibt, die nach der Meinung dcS seinerzeitigen österreichischen„Gesetzgebers" ein Delikt darstellen, während sie nach der Auffassung des ungarischen Gesetzes nicht strafbar sind. Insbesondere wäre in diesem Zusammenhang an die Formulierung de» Notzuchtsparagraphen in den beiden Strafgesetzen zu erinnern. JCwist und Mssen Reue Kräfte de» Prager Deutschen Theater». Neben der neuverpflichteten hochdkaniatischen Sängerin Martha C u» o, die in der Eröffnungsvorstellung des.Prager Deutschen Theaters(„Walküre") unter der Leitung des neuen Opernchefs R a n k l die Brünhilde singen wird, erscheint in dieser Vorstellung eine neue Sieglinde: Die lettische Sängerin Vane, die soeben für daS Fnch der Jugendlich- Dramatischen engagiert worden ist. Fräulein Van« hat in Mailand studiert und viel in Italien gesungen, vor drei Jahren auch in Südamerika im Nahmen der letzten Tournee Ego» Pollak». Der neue jugendliche Bariton George B r i t t 0 N. ei» Engländer, debütiert als Moraler in„Earmen" am 7. September. Die ersten Premieren de» Weinberger Stadttheater» sind F. L. SvohodaS„Mutters Sorgen" am 25. August, und im Kammertheater Jiki Werner»„Die dreizehnte Jacht" am 28. August. Der Mm Da» Land der größten Kinodichte. Schweden ist das Land, das die größte Kinodichre besitzt, d. h. ein Kinotheatcr kommt hier schon auf 3850 Einwohner, während die entsprechenden Zahlen für Frankreich 10.460, für Deutschland 12.570 und für. die Schweiz 11.500 sind. Die Entwicklung, die das Lichtspielwesen in Schtvcden genommen hat, mag wohl zum größten Teil«in Verdienst d«r Svensk Filmindustrie und ihrer vortrefflichen Organisation sein. Andererseits übt aber auch der lang« nordische Winter einen günstigen Einfluß auf den Kino- besuch auS. Signe Hasso von dec König!. Oper, in Stockholm,'.filmt jm Host-Atelier. Atus-Union V. Kreis— Fußball Samstag, den 21. August, abends 6 Uhr, findet int Volkshaus Aussig die Sitzung der Kreis- Fußball«itung statt. Da die Krei»- tcilüng zur Tagesordnung steht, wollen alle Funktionäre bestimmt daran teilnehmem.... D i e K r« i S f u ß b a l l eit u ng.- VMn&tt ocfcdcfcten Ortsgruppe Prag: Treffpunkt Samstag, 21. August» um 5 Uhr Endstation der Fünfer Elektrischen in HluboJpbÜ, Fahrt mit dem Autobus nach'Zbtaz- lav, Nachtwanderung-zur Hütte.Sonntag Wanderung nach Wenorh, Führer Korn.- Urania-Kino, Kllmentsh 4. -. Fernsprecher 61628, „Ich liihr zwei harte Rappen“ Hliuvtrolle: Paul Hitrblaer..., 1«« mV»«» 31« unbedingt Ihre Blumen mit Blmg-Zaukerliiii begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kö 5‘60 durch die Verwaltung. „Frauenwelt“, Prag XH„ Fochova tr. 62, und bei allen• erst stiften Frauen in Asiens Entscheidungskampf Burtai—. ein Zauberwort MTP. Als der Mongolen-Khan Temudschin, der sich später„Dschingis-Khan" nannte und Herrscher zweier Kontinente wurde, 17 Jahre alt war, heiratete er Burtai, die ihm vier Jahre zuvor versprochene, nnn fünfzehnjährige Tochter de» reichen Führers einer Nachbarhorde. Der- junge Stammesführer gefiel dem alten Khani„Du wirst über all« Tataren herrschen", sagte er zil ihm.. „Nicht nur über die Tataren, sondern über alle Völker, Burtai wird die Kaiserin der Erde sein",, erwiderte der junge Dschingis-Khan. Er hielt sein Wort. Das prächtige Grabmal zu Samarkand, in dein die Kaiserin Burtai ruht, ist" eines der stolzesten Zeugnisse von der Macht des Monfwlen-Weltreiches von Karakorum. Tausend Jahr« sind seitdem vergangen; dann — vor nunmehr sechzehn Jahren— schien es fib als wolle eine neue Burtai an die Stelle der alten Herrscherin treten. Sie führte denselben Namen wie ihre stolze Ahnfrau; sie besaß den gleichen hemmungslosen Ehrgeiz; sie entstammte, wie jene, einem buddhistischen Frauenkloster zu Kalgan, aber Volkes, und sie durfte sich in der Tat anderthalb Fahre lang im-Herrscherinnenglanz dreier Reiche sonnen, die dann jäh zerfielen. Sie lebt heute in einem buhistischen Frauenkloster zu Kalgan, aber sie ist nicht vergesse». Die Mongolen betrachten sie, die«inst die Gattin eines Gottes war, als den Mund Buddhas, und der Herrscher des Mongolenreiches von morgen, Fürst Tch-Wang, unternimmt nichts, ohne sie zuvor um Rat gefragt' zu Haven. Die Witwe deS Djidjin Rolon. Ende 1018 drang ein russischer Abenteurer, der baltische Baron von Ungern-Sternberg, mit einigen hundert versprengten Kosaken in die Mongolei ein, eroberte die Hauptstadt llrga, vertrieb Rotgardisten und. Chinesen und setzte den von den letzteren vertriebenen Chutuktu(Groß-Lama der Mongolen), Bogdo.Gegen, wieder auf den gelb» seidenen Thron. Nachdem er dann noch seinen feierlichen Uebertritt zum Buddhismus vollzogen hatte und, mit dem gelben Herrschermantel, der Mongolischen Fürsten bekleidet, an der"Seite des Priesterkönigs in den Palast von Urga«inhog, ernannte ihn der dankbare Chutuktu'in einer grandiosen Zeremonie, an der sämtliche StammeS- fürsten teilnahmen, zum„Djidjin Nalon", zur Verkörperung des mongolischen SchlachtengotieS, und die juNge Tochter eines der.mächtigsten.Khan«, Burtai, empfand eS als beispiellose Gunst der Götter, seine Gemahlin- zu werden-- Im August 1021 ging das neue Mongolenreich,. das zeitweilig sogar Teile der Mandschurei und Dsungarei, umfaßt hatte-' in einem Milstäraufstand zugrunde. Es gibt zwei gleicherweise romantisch« Legenden, die von diesen Ereignissen erzählen, spie erste berichtet/, daß di« russischen Soldaten, mit der eisernen Disziplin des allmählich ganz zum Asiaten gewordenen„Kriegsgottes" unzufrieden, sich gegen, ihn empörten und ihn, da sie ihn nicht zu töten tvagten, an die Sowjet- Truppen auslieserteN, die ihn dann in einer zu Novo-Sibirfk.durchgeführten KriegSgcrichtsver- handlung zum Tode verurteilten und einige Tage i, äter erschossen. Starb Ungern-Sternberg an Gift?. Die zweite Legende klingt noch viel.wunderbarer, aber die Freunde des toten Eroberers schivören auf ihre Wahrheit. Sj« bestätigt die Schilderung der ersten Legende, aber sie fügt hinzu, treue Mongolen hätten den gefangenen „Kriegsgött" kurz vor der beabfichtjgten Auslieferung an die Rot« Armee befreit, ein. ihm ergebener Kosak, der ihm täuschend ähnlich sah, sei an seiner. Stelle auSgeliesert und erschossen worden, und Ungern-Sternberg selbst habe sich in die Steppe gerettet, um von dort aus den Kampf weiterzuführen. Einige Wochen später sei er jedoch von seiner Gemahlin Burtai aus Eifersucht auf eine junge Russin und. aus Furcht davor, daß er sie verlassen werde, heimlich vergiftet worden, So unwahrscheinlich diese Geschichte klingt, so scheint sie trotzdem den Tatsachen zu entsprechen. Freunde dcS Toten besitzen. Briefe,, die aus. der Zest zwischen seiner angeblichen. Erschießung, in Novo-Sibirsk und seiner von der zweiten Legende behaupteten Vergiftung datieren, und dieser letzteren zumindest starke Wahrscheinlichkeit' verleihen. Wird BnrtaisTraum erfüllt?-' Seitdem lebt die Witwe des. DjidjiiiNakon und ehemalige Herrscherin, der Mongolen in der einsamen Einsiedelei. von Kalgan. Di« abergläubischen Mongolen verehren sie toi« ein höheres Wesen und schwören''auf ihre prophetische.' Begabung. Die Khane der rsicppc, die Machthaber des jungen Mandschn-PeicheS Und-die. EmisMp des japanischen Generals Doihara werben-»m ihre.' Gunst.und erfreuen: sie' mit. kostbaren sthjGe.»- schenken,'!.i-.iu'-./- st! Die Mongolen sind eist primitives Volk,- Der Begriff IstttiomrlismuS. ist ihnen fremd,-nndtd!« Erinnerung an die Weltmacht von'Karakorum'' ist längst zur wesenlosen'Legende erstarrt.' Die' Rot mantik des Djidjin Nalon jedoch l«bt in ihrem Geil dächtnis, und die Berufung' zur Herrschaft Wbe deck Ftzrnen Osten, von der- ex. zrmhnen spräM M/ ihnen, fast zu einer religiösen Borstellung^ewov« den. Burtai; die,/gelbe Sybille vock'ÄaWn^ dtp Fürstin ans dem' Geschlecht..der.Timurideft,-.'ist- die Trägerin, dieser.mystischen.Ltgende;'.'Wrst Teh-Wqng, für Hessen Sieg.fie'cheute' tysM und; prophezeit, ist der neue„Djidjin Nalon", die letzt«; Wiedergeburt des mostgolischenHrichSgöÜK. Mf.' ihn^kynzeNtriepen fich.'de.r-seit qnderMhb>Jahr«.- zehnten schlummernde. Ehrgtziz.der-,sGött'esiyiHeÄ Bürtäi,.'die HofstmUß der- MonMeck ü>ch dse JnwöessimMi!„aüöfMend'eit'':Ö^anö^ des' M-. Kriegsministerium, zu.'Tokio liegendes, gamqto- Plans.''"..'j.'-j Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau», oder bei Bezug durchMe Poft monatlich KJ 16.—, hIerteljährIich'irj/48.i-> halbjährig Re SS.- ganzjähügXJ192.-^.— JnsKattz-wechen läut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß,'.—Rückstellung'von Manuskripteck erfolgt nur bei Einsendung der Retöurmarken.— Die ZeituyMtankatur-'wurde vond«r Post- undXäu’" graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800lVll/19S0'bewilligt.— Druck-rei:..Orbis" Druck». Verlag»« und ZeitungS-A.-G. Prag.----!-■}