Ur 155. Abonnement«- Kedtngungea: «bonnemenl«-Prtl» pränumerando: vierleljährl. 3L0 Md. mono«. l.lv Mr.. wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg. SonntagS- Siummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Tie Neu« Weie' 10 Pfg. Poft- Abonnement: ZLO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung», Preisliste für Igvs unter»r. 7820. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Erschein! täglich außer«onlag». Devlinev VolksMatt. Centralorgan der soc-ialdemokratlschen Uartei Deutschlands. IS. Jahrg. Die Instrtions. Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftllche Verein»- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zlnseigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer mästen bt» 4 Uhr nachmittags in derSxpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt« s Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1608> Telegramm-Adresse: „Sorialdeniokrat Berlin» Redaklion: SW. 19, Beuth-Skraste 2. Donnerstag, den 6. Juli 1899. Expedition: SW. 19, Veukh-Skeasze 3. Der Tag der Herren. Wenn die zu lebenslänglichem Herrenhous verurteilten, geborenen Gesetzgeber Preußens, die Prinzen, Herzöge. Fürsten, Grafen und Freiherren nebst ihrem Gefolge einfacher Bous in ihrem Nerven apparat durch ihre weder Tag noch Nacht ruhende Thätigkeit fürs Vatcv laud dermaßen gestört sind, daß ihnen keine Sommerfrische, kein Badeort mehr die nötige Ruhe und Erholung zu gewähren vermag so Pflegen die Hausärzte den erlauchten Herren ein letztes Mittel zu verordnen: Sie schicken die Patienten in eine Sitzung des Herrenhauses. Hier finden sie Ruhe und Frieden. Nirgends bietet sich die hygienische Gelegenheit zu einem kräftigenden Nachmittags schlaf in solcher Vollkommenheit dar, wie bei dem eintönigen Rede geplätscher dieser feudalen Fötusparlamentarier. Kein Tribüneugast entweiht die Stille der Herrenhaus-Verhandlungen; naht gelegentlich ein vcrirrter Fremdling, so geraten die Diener dieser Adclsbewahr- anstalt, die auffälligerweise weder Allongepcrrücken noch Schnallen- schuhe tragen, in stünnische Aufregung. Die paar Journalisten, von denen immer sechs zusammen einen Namen der unten Versammelten ermitteln, träumen trübselig und sehnsüchtig von der Vertagung an „unbestimmte" Zeit, die in dieser Vertretung der Blaublütigen'üblich ist Selbst die amtlichen Stenographen üben ihre Thätigkeit in einem ge- duldigen Halbschlummcr. Auch die papiergierigste Redaktion nimmt sich nicht die Mühe, die Drucksachen des preußischen Oberhauses abzuholen: sie verstauben ungesehen in den Regalen. Kein Hauch des drängenden Lebens der Gegenwart weht in das vorgeschichtliche Ghetto des geborenen und ernannten Parlamentarismus. Die Oeffentlichkeit flüchtet sich vor der öden Langenweile der hochedlen Kammer, die bereits fast ein halbes Jahrhundert existiert. Und doch hängt von dieser staatsrechtlichen Monstrosität die Entscheidung über die gesamte Politik des größten Bundesstaates des Reiches ab! Nichts ist so zählebig wie das Tote. Indessen bisweilen haben die vornehmen Herren das Bedürfnis, eine größere Aufmerksamkeit zu erregen. Sie ziehen dann auf die Jagd und wildern natürlich in fremden Gehegen. Zumeist ist es die Reichstagspolitik, gegen die der Adel Preußens frondiert, und an solchen Tagen erinnert man sich auch draußen des verschollenen Instituts. Dann wird es plötzlich lebhafter in der Ocde, die Zeitungen berichten ausführlicher über die Verhandlungen und eS kommt selbst vor, daß extravagante Personen Einlaß karten für die Publikum-Tribüne forden:. Einen solchen Tag arrangierten die Herren von der angeborenen Staatsweisheit am gestrigen Mittwoch. Es war eine große Aktion geplant. Die von dem Reichstag mißhandelte Regierung sollte, wenigstens in ihrem preußischen Teil, eine Herzcnströstung und Geistesstärkung von den Edelsten der Nation empfangen. Graf Mirbach, der die erste Eisenbahnklasse menschenunwürdig findet, war der Jmpressario der großen Aktion wider den Reichstag. Sein schneidiger Antrag, in dem er den Steuermännern des Zuchthaus kurses das Vertrauen des höchsten Hauses ausspricht und sie anfeuert, auf dem herrlichen Wege auszuharren, stand an diesem Mittwoch zur Beratung. Es sollte eine große Aktion werden, es ward aber keine. Wohl gab es einige Gäste ans der öffentlichen Tribüne, die DiKk»matenloge verfügte über etwelche menschliche Gestalten, die Joumalistenbänke waren sogar überfüllt— aber man kam nicht auf die Kosten. Die Herren waren offenbar nicht bei Stimmung. Hatten sie schlecht gefrühstückt oder hielten sie die politische Lage für zu bedenklich, als daß ihnen ein energischer Vorstoß gegen Reichstag, Wahlrecht, Arbeiterbewegung, Socialdemokratie, Kanal vorläge und ähnliche verhaßte Dinge rätlich erschien? Mit außerordentlicher Behutsamkeit vermied man, den Reichstag zu kritisieren, und in der Verteidigung der Zuchthausvorlage fand man kein schärferes Wort, als etwa Graf Posadowsky im Reichstag gewagt hatte. Die preußische Regierung ließ sich einzig durch ihre» Brefeld vertreten, der freilich in diesem Hause sich trotz seiner Biirgerlichkeit heimischer fühlen muß als im Hause Wallots. Ihm assistierte der Geheimrats-Arendt der Regierung, Herr Philipps- dorn, ein Mann, von den: das unheimliche Gerücht geht, er ver- möge in fünf Minuten drei vollständige Umsturzvorlagen auszu- arbeiten— eine Geschicklichkeit, die dem Beamten trotz seiner wenig blaublütigen Erscheinung zu den höchsten Ehren und einer noch glänzenderen Zukunft befähigen mag. Die Verhandlungen begannen mit kleineren Vorlagen; darunter befand sich das Karfreitagsgesetz, ein cvangelisch-katholisches Kom- promiß. das trotz des Widerspruchs eines strammen Evangelischen, der mit schönem Eifer seine alteingeborene Liebe zum Karfreitag betonte, Annahme fand. Man konnte währenddessen die erlauchte Versammlung im Saale mustern, die wenn nicht parlamentarisch, so doch anthropometrisch entschieden interessant ist. Der Ahnenkult feiert in diesen Gesichtern seine seltsamen Mysterien. Man ist gar nicht im stände, die ganze Fülle der Gedanken heraus- zulescn, die hinter diesen in uralter Zucht an die Bedingungen eines preußischen Herrendaseins allmählich angepaßten Stirnen nicht vor- Händen sind. Gewiß sind sie nicht alle Schönheiten, dafür aber ver- briefte Grafen vom Geiste. Eine hübsche Neigung, die Augen zeit- weise zu schließen, vertieft noch den sinnigen Charakter dieser aus der Vorzeit stammenden Persönlichkeiten. Inmitten der civilcn Garderobe fällt die Gcneralsuniform des alten Grasen v. Lehndorff mit dem feinen, wenn auch nicht bedeutenden Kopf auf— sein Vorname Ahasverus gicbt ihm einen sonst unbegründeten Stich ins Dämonische. Im übrigen dominieren die weißen Westen, schimmern- den Glatzen und ernratteten Augen. Die Stimme des Fürsten Wied, des Präsidenten, klingt hell und frisch in den Pausen zlvischcn den Rednern. Ueber den Antmg Mirbach gab es zunächst— nach der eigentümlichen Geschästssitte des Hauses— ein Referat. Herr Levetzow, der im Reichstag für die Konservativen die Zuchthausvorlage ver teidigen mußte, hielt als Referent eine ebenso gleichmütige, schlaffe Rede zu Gunsten deS Stummschen Werkes, wie im Reichstag. Er fügte die üblichen Argumente lässig aneinander(keine Beeinträchtigung der Koalitionsfreiheit, nur gegen die Mißbränche zc.s, nicht ohne zu ge- stehen, daß selbst er einige Bestimmungen für bedenklich halte, z. B. die über das Streikpostenstchcn. Ja, den Zuchthausparagraphen selbst gab er sogar preis, und meinte in einer plötzlichen Anwandlung ironischer Kritik, er wolle nicht darüber reden, wie dieser Paragraph in das Gesetz hineingekommen sei. Schließlich fühlte er noch das Bedürfnis, den Zweck des Antrages zu erkläre». Der Mißbrauch der Koalitionsfreiheit schädige aufs schwerste Vaterland und Monarchie, Staat und Gesellschaftsordnung. Darum habe das Herrenhaus das Recht, die Regierung auf ihrem Wege zur Zuchthaus vorläge zu bestärken. Danach sprach Graf Mirbach in jener wurschtigen Eleganz, die ihn auszeichnete, als er noch im Reichstag rednerisch thätig war. Er war heute phlegmatischer denn je. Er begann damit, zu versichern, daß die Art, wie der Reichstag die Zuchthnusvorlage bc handelt habe, in weiten Kreisen Befremden und Bedauern gefunden habe. Das Ivar aber alles. Er ließ den Reichstag fürderhin ungeschoren. Graf Mirbach war der Meinung, daß die Vorlage den Zweck habe, Streiks zu verhindern. Streiks sind ein Unglück für den Arbeiter. Sie werden von den Socialdemokraten angezettelt, um den Arbeiter ins Elend zu stürzen und dadurch die für die Partei nötige Unzufriedenheit hervorzurufen. Warum die Socialdcuiolratie bei solchen teuflischen Absichten so in- konsequent ist, Streikende zu unterstützen und so erfolgreiche Ausstände zu ermöglichen— wodurch dann statt des erwünschten Elends eine Besserung der Lebenslage und größere Zufriedenheit eintritt— dieses Rätsel wußte Graf Mirbach nicht zu lösen; er sah eS nicht einmal. Als der Herr über die allgemeine Lage sprach und sich über die allgemeine Lage und die Regicrungspolitik schärfer ausließ erhob sich der Präsident und legte die Hand an die Glocke. Aber Graf Mirbach endigte rasch, und Fürst Wied konnte sich wieder setzen. Es folgte ei» Vertreter des Bürgermcistcradcls, Herr Becker auS Köln, der sich im Namen der Nationallibcraleu mit der Tendenz der ZnchthauSvorlage einverstanden erklärte, aber in drolliger Einschätzung der Herrenhaus-Bedentung gegen den Antrag Mirbach stinnute, weil ein Eintreten deS Herrenhauses für die Vorlage ihre Aussichten im Reichstag nur verschlechtern würde. Dieser liberale Bürgermeister stimmte also gegen den Antrag im Interesse des Entwurfs. Becker könnte ganz gut in einer ostclbischcn Wiege als Majoratscrbe geboren sein. Jetzt kam die preußische Regierung zum Wort. Minister Brefeld schleuderte einen einzigen Satz ins Haus, der aber traf: Die Regierung hält an ihrem Entwurf fest. Sprachs und setzte sich nieder. Mit erheblicher Spannung erwartete man die folgende Rede des Professor S ch:n o l l e r, eine Jungfernrede; denn er ist erst vor kurzen: ins Herrenhaus berufen lvordcn. Man hätte voraussetzen sollen, daß dieser Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, der Gründer der katheder-socialistischen Schule, die Gelegenheit wahrgenommen hätte, als Mann der Wissenschaft den Geborenen einmal gründlich den Text zu lesen. Nichts dergleichen. Herr Schmoller begnügte sich mit dem Ehrgeiz, in seiner lahmen Rede eine schlechte Herrenhaus- Kopie des Ncichstags-Lieber darzustellen. Er ist zwar gegen den Antrag Mirbach, auch gegen die Zuchthausvorlage, er will aber doch mit sich über neue Strafbestimmungen reden lassen, ivenn zuvor die Arbeiterrechte ausgebaut seien. Seine Rede war kurz und doch überreich an schwächlichen, ja verfehlten Argumenten. Er bat förm- lich um Entschuldigung, daß er sich erlaubte, Gegner der Zuchthaus- Vorlage zu sein, und als er geendigt, ging er auf den Grafen Mirbach zu und schüttelte ihm gerührt die Hand. Der Katheder- ocialist fügt sich passend in das Ensemble der Geborenen ein. Als die Professorale Rede, vor der sich die Junker ein wenig gefürchtet hatten— deshalb wohl die Vorsicht der ersten Redner— dergestalt in ihrer harmlosen lächelnden Unschuld vorübergeglitten war, wuchs der Mut der Hochcdlen. Graf Mirbach repetierte zunächst auszugs- weise seine erste Rede. Dann aber ging der frühere Führer der Konservativen. Manteuff cl, mit dem ganzen Aufwand seiner kunstvoll nasalierten Beredsamkeit für die Zuchthansvorlage ins Zeug. Er ieht in dem Entwurf ein Mittel zur Ausrottung der Agitatoren. Die Vorlage ist ihm noch viel zu schwach und da verlangte man gar noch Abschwächungen, wie sie Schmoller empfohlen hat! Mit großem Stolz beweist er dem gelehrten Vorredner, daß er in dem Adreßbuch des Adels bester Bescheid wisse als jener. Damit schloß die Debatte, ohne daß sie recht angefangen hätte. Das Herrenhaus war erschöpft und die Dincr-Zeit war heran- gekommen. Die Abstimmung war namentlich. Der Hoch- und Kleinadel stimmte ür den Antrag Mirbach, die Bürgermeister und Professoren da- gegen. Einzelne Abstimmungen waren bemerkenswert. So stinnute der Reichsbauk-Dircktor Koch mit nein— er scheint es nich: für nötig zu befinden, allen Einfällen der zeitigen Regierung blindlings Folge zu leisten. Auch unter den Hochcdlen dissentierten einige: der Graf v. Hutten-Czapski. der mit Krupp und Rothschild den Ruhm des größten Jahreseinkommens teilt, und Alexis Wilhelm Ernst Landgraf von Hessen-Philippsthal-Barchfeld. Dieser Landgraf, der aussieht, als ob er für gewöhnlich in den: Spiritusglas eines Raritätenkabinetts aufbewahrt wird, ist die wunderlichste.der wunderlichen Herrcnhauserscheinungen. Als er merkte, welches Aufsehen seine revolutionäre Abstimmung bei seinen Standesgenosscn hervorrief, strahlte er vor Vergnügen. Das Herrenhaus hat m i t 72 g e g e n 22 S ti m m e n den Antrag Mirbach und so indirekt die Zucht- h a u s v o r l a g e angenommen. Der preußische Junker hat wieder einmal das Vaterland ge- rettet, wie einst in den Zeiten Jenas. Schade nur, daß das Privat- unternehmen der Junker keine Rechtsgiltigkeit im Reich hat I Die von allen Seiten verlassene Reichsregierung aber darf ihren Schmerz an dem mitfühlenden Busen des Herrenhauses ausweinen. Das ist doch e i n Erfolg der sonst überflüssigen Wion der Edelsten Preußens._ Die Herner Krawalle und ihre wahren Ursachen. Die., D o u t s ch e B e r g- u n d H ü t t e n a r b e i t e r- Zeitung" bringt eine ganz detaillierte Darstellung der wahren Ursachen der Excesse um Herne. Durch dieselben wird mit untvidcrleglichcr Gründlichkeit festgestellt, daß bort einer Schuld der klassenbclvußtcn Arbeiterschaft an den Vor- kommnisscn durchaus keine Rede sein kann. Wir geben die Darlegungen daher, soweit sie sich ans diesen Punkt be- ziehen, in vollem Umfang wieder. Das Blatt schreibt: „Wer ist schuld an dem vergossenen Blut? Wir wollen zu- nächst die Rolle, welche unser Verband bei den Herner Krawallen spielte, authentisch festlegen für alle Fälle. Am Sonntag, den 25. Juni, fand in Mülheim a. d. Ruhr die Konferenz aller Ruhrgewerkichaften statt. An derselben nahmen eine Anzahl Leiter unseres Verbandes teil. Um 11'/2 Uhr morgens erhielt Schröder nach Miihlhcin: hin telegraphisch Bescheid von dem Ausbruch des Ausstandcs im Hemer Revier. Diese Depesche ging von Schürholt aus. der, gleichfalls tclegraphisch, erst am Abend deS 24. Juni Nachricht über die Nicdcrlcgung der Arbeit auf jenen Zechen erhielt. Also am 24. Juni abends erhielt unsere Wer bandsleitung die e r st e M e l d u n g von den: Ausstand, dessen A n f ä u g e bis zum Donners- tag, den 22. Juni, zurückliegen! Damit ist der Nachweis erbracht, daß unser Verband mit dm: Ursprung des Ansstaudcs nichts zu thun hat. Ja nicht einmal organisierte Bergleute waren die Strcikbcginner, denn unsere Mit« glieder hätten sich sofort an das Verbandsbnrean gewandt, welches sie mit der Trambahn in kurzer Zeit erreichen können. Jedesmal udch. wenn auf der est:«: oder anderen Grube in Nieder» schlesien. Sachsen. Mitteldeutschland und Rnhrbcckcn Differenzen sich einstellten, sind wir schleunigst davon unterrichtet worden, wenn auch nur ein kleiner Teil der Belegschaft organisiert war. Schröder begab sich sofort von Mühlhcim nach Herne, alle auf genannter Konferenz vertretenen Verbandöleiter waren für schnelle Beilegung der Differenzen; in diesen: Sinne sollte und wollte Schröder wirken. Alu Schröder nach Herne kam, hatte der Vertrauensmann unsktts Verbandes in Herne, Franz Adams, die kurz nach 4 Uht begvnnenc Mitgliederversammlung, welche regelmäßig jeden letzten Sonntag im Monat findet, ordnungsgemäß geschlossen. Unsere Mitgliederversammlung hatte einen stattgefunden«: Ausflug und das Lcwysche System besprochen. Von Erregung keine Spur, auch nicht bei den am Schluß der Mitglicderver« sammlung konnnenden polnischen Kameraden(Nichtmitgliederj, welche zu der um äste Uhr bei B omm angemeldeten off ent« I i ch e n Versammlung eintrafen. Schnell füllte sich der kleine Saal; der P o l i z e i b e a m t e forderte die Freihaltung eines Ganges. Schröder sorgte sofort für dieselbe und die Menge drängte sich soweit von: Gang zurück, daß der Kellner mit einem vollbesetzten Tablett Bierglüser anstandslos durchging!!!„Ist eS so gut?" frug Schröder den Beamten. Dieser zuckte die Achsel, gab keine Antwort. Nun ergriff der polnische Redner Szczotkowski das Wort, um eindringlich seine Landslente zu ermahnen, unter allen Umständen sich ruhig zu verhalten— und d a löste det Beamte wegen Ucberfüllung des Lokals diV Versammlung ans!!!" DaS Blatt fährt fort: „Wir haben diese Vorgänge so ausführlich geschildert, weil die Auflösung dieser Versammlung alS Ausgangspunkt dcb folgenden Krawalle zu betrachten ist und wir auf Verlangen hundert für einen genauen Kenner der Verhältnisse stellen wollen als Zeug«: dafür,' daß durch die Versammlungsauflösung die Arbeiter wütend wurden, weil ihnen nunmehr das Mittel det Verständigung aus der Hand genommen war! Schröder sowohl wie Szczotkowski n>ar eigens zur Versammlung ge- gangen, um zur Wiederaufnahme der Arbeit zu raten! Sie wollten den Leuten vorstellen, daß es unmögsich sei, durch einen Ausstand das Knappschaftsstatnt zu ändern. Hundert für einen Zeugen stellen wir dafür, daß es Schröder bei seinem A»sehen gelungen wäre, die Kameraden z u r Vernunft zu b ringen und so die schrecklichen Seen«:, welche au: 25.-28. Juni sich ereigneten, zu verhindern. Die Ver- s a in m I n n g s a u f l ö s u n g war der größte Fehler, der ge- macht werden konnte. Was nun erfolgte an Ausschreitungen der Arbeiter kann niemand mehr verurteilen wie wir. ilnö können die Exccsst nur Schaden zufügen, Nutzen davon haben nur die professionellen Scharfmacher. Diese Binsenwahrheit allein ist genügend, um uns von jedem Verdacht einer Aufreizung frei zu machen. Ob die Gendarmen und Polizisten sich so verhalten, wie sie es als verantwortliche Beamte thun sollten, wird der kommende Aufruhrprozeß ergeben. Wir wollen nur mitteilen, daß die Gcndannen über das Trottoir ritten und mit der Klinge sloS- hieben auf alles, was in: Wege stand: noch am Donnerstag sahen wir das geronnene Arbciterblut an den Mauern kleben," Unsere schon mehrfach geäußerte Auffassung, daß durch ein taktvolleres, zlveckmäßigeres Vorgehen der Behörden die Excesse sehr wohl hätten verhindert werden können, wird durch den obigen Bericht bestätigt. Wer angesichts dieser nicht wegzuleugnenden Thotsachen noch immer dabei bleibt, daß der organisierten Arbeiter- schaft— der politischen oder gewerkschaftlichen oder beiden— die Schuld an den blutigen Ereignissen zuzuschreiben sei, dei sagt dies wider besseres Wissen, der muß sich den Vorwurf ge- fallen lassen, daß er die traurigen Ereignisse in der nieder- t r ä ch ti g st e n Weise politisch zu fruktifizicren versucht. NoZMfchv Mevevflcfzk» Verlin, den 5. Juli. Eiue königliche Epistel gegen das Duell. . In den landläufigen Geschichtsbüchern lesen wir neben den Berichten von der„Volkstümlichkeit" des„alten Fritz", von seinem Feldhcrrngenie und militärischen Organisationstalent hie und da den Ausdruck des Bedauerns, daß er die Offiziersstellen in seinem Heere namentlich nach den siegreichen schlesischcn Kriegen„ausschließlich Adeligen gab". Dabei fallen gewöhnlich ein paar Krokodilsthränen wegen des „Vorurteils" des berühmtesten Preußenkönigs gegen den Bürgerstand. So schief diese Darstellung nun auch ist, so könnte man sie doch passieren lassen, wenn die Herren bürgerlichen„Geschichtsschreiber" nur halbwegs voll- ständig und wahrhaftig sein wollten und hinzufügten, daß der alte Fritz von seinen adligen Offizieren aber auch etwas ver- langte. Und zivar verlangte er das nicht bloß in Ansehung innerer Tüchtigkeit, sondern auch in Ansehung einer ver- nünftigeil Lebensanschauung. Angesichts der Erörterungen über das wahnsinnige Duell Doring-Clövekorn bei Bonn, die ja noch immer nicht abgeschlossen sind, und an- gcsichts der gehäuften Beweise aus den letzten Jahren für das Ausmünden des heutigen preußischen„Offiziersbcwußt- scins" in einen vollkommenen Duellunfug mag es nämlich nicht ganz unzeitgemäß sein, daran zu erinnern, daß der alte Fritz seinen adligen Offizieren sehr zeitig und energisch das Unsinnige der Duellmörderei vor's Gewissen führte. Andere nach ihm haben es wieder anders gehalten und so sind die Zustände zu demjenigen gediehen, ivas der Mensch mit ganz gewöhnlichen bürgerlichen Ehrbegriffen heute staunend beobachtet. Aber an Wert haben die Aeußerungen des etfolg- reichsten gekrönten Feldherrn dadurch nicht das miildeste ver- loren. Besonders deutlich ivird Friedrich II. in einem Stück seiner dichterischen(französisch verfaßten) Werke, die u. W. noch wenig bekannt sind. In der 9.„Epistel"(Gedichte in Briefform, meist an bestimmte Persönlichkeiten aus bestimmten Anlässen) an den General Stille(Werke, Bd. 19, S. 127) liest er den Duell- fexeii� in einer Weise den Text, die einem heute noch freut. Die poetische Form des ganzen nötigt nänilich den dichtenden König, das Thema etwas zu vertiefen und nicht bloß mit den befehlenden oder verbietenden Worten einer 5labinettsordre abzuthun. Schon die Ueberschrist ist vielverheißend:„Wie man Mut beweisen und es mit seiner wirklichen Ehre halten soll". Die Epistel wendet sich sofort in den Eingangszeilen gegen die„ehrgeizigen" Narren,„die sich über ein Nichts aufregen und es glauben sofort mit Blut abwaschen zu müssen". Dieses thörichte Aufbegehren gegen eine„eingebildete Be- lcidigung" sei viel niehr sinnlose Wut, als Courage,„niit der Wahrung der Ehre habe es jedenfalls nicht das geringste zu thun". Wenn dieser falsche Ehrenstandpunkt Streitigkeiten, Mißhandlungen und Totschläge herbeiführe, so werde er einfach„v e r b r e ch e r i s ch". Dann geht es besonders auf die jungen Herren Krieger: „Dieser verderbliche Hang richtet oft die unerfahrene Jugend zu Grunde; Schnell bereit, sich maßloser Anfivallung hinzugeben, Ist sie auf ein einziges Wort hin fertig zum M o r d e n; Sie führt die Ehre im Munde und ist anmaßend genug Mit diesem hohen Wort ihre Lust am Haue» zu bemänteln... Wenn kaltblütig, ohne Grund zu Haß und Zorn, Aus bloßem B o r u r t e i l, das gransam bewahrt wird, Zwischen Frelinden auf abgestecktem Platz gekämpft wird, Wie zwischen Feinden, nur um die Ehre zu retten— Ist das nicht t r o st l o s und verrückt, Ein barbarischer Gebrauch, der Ehrenmännern auferlegt wird? Sind es Unsinnig e, sind es Wilde, Die eine scheußliche Ehre so zu rächen suchen. Und die Heimaterde muß als Person auftreten und den Herren Offizieren und Aehnlichen sagen: „Eure Duelle machen Euch zu einfachen Mördern, Sucht Euch Ruhm im wirklichen Siege. Macht denn der Mut die Menschen blutdürstig? Welches Recht habt Ihr auf das Leben Eurer Brüder? Laßt den scheußlichen Wahn fahren, als müßten solche Blutthaten sein!" Die KricgSthatcn bekaititter preußischer Heerführer, in be- geistertcr Sprache gepriesen, müssen dann im weiteren Verlauf des Gedichts als Gegenstück dienen, so daß man ja nicht in Zweifel gerät, daß ein preußischer Soldatenkönig die schneidende Epistel gegen den Duellmord geschrieben hat. Wenn heute ein focialdcmokratischer Journalist so heftige Ausfälle auf hohe und niedere Herren Duellanten, namentlich aus dem Heere, schleudern wollte, so könnte er sich eines schönen Lohnes bis zum Reichsgericht hinauf versichert halten. Wir sagen deshalb gar nichts zu dieser kleinen Erinnerung an eine Geistesthat eines Hohenzollern-Ahnen, sondern stellen nur nochmals ausdrücklich fest, daß die Epistel über wirk- lichcn Mut und wirkliche Ehre Dezember bis Januar 1749/59 im Berliner Schlosse verfaßt wurde. Also vor genau 159 Jahren! Nur eine einzige Zuthat, die in die Gegenwart führt, sei erlaubt. Wir sind auf die Antiduellepistel des alten Fritz auf- merksam geworden durch eine schöne Zeichnung, die Adolf Menzel dazu gcschaffeil hat und die uns wieder einmal durch die Hand ging, als vor einiger Zeit aller Welt kund und zu wissen gethan ivurde, daß der jetzige Kaiser, und preußische König den Berliner Altmeister wegen seiner Verdienste um das Hohenzollernhau� geadelt habe. Ob es wohl auch ein Verdienst Meister Menzels im Sinne der Adelsverleihung ist, daß der geniale Stift des besten der Berliner Zeichner die lange verwischte Erinnerung an das rücksichtslose Auftreten eines preußischen Soldatenkönigs gegen die Duellwut wieder auffrischen half?... Bewaffneter Frieden in Belgien. Die Regierung ist vor den grollenden Wogen der Volksmassen zurückgewichen. Ihr Versuch, die Macht zu vermehrter Unterdrückung der Volksrcchte zu mißbrauchen, scheiterte an der ernsten, mit dein Aeußersten drohenden Haltung der Arbciterscharen, deren schlechtes Wahlrecht weiter gekürzt, die auf weitere Jahrzehnte durch un- gerecktes Wahlsystem der klerikalen Herrschaft ausgeliefert werden sollte.' Ungeheuer war die Spannung der Geister am Dienstag vor der Entscheidung. Am Morgen dieses Tages— so schreibt uns ein Parteifreund und Teilnehmer der Ereignisse aus Brüssel— meinten wir alle, es werde am Abend harte Kämpfe geben.„ES gab keinen Socialdemokraten, der nicht beim Verlassen seiner Wohnung sich mit dem Gedanken trug, er werde sie niemals wiedersehen. Die Opposition war zu allem bereit!" Aber die Regierung und die Klerikalen hatten erkannt, daß es vergeblich sei, gegen das Volk, gegen das Recht ihre frevlen Pläne aufrecht zu erhalten. Sie mußten sich zurückziehen, wollten sie nicht einen Aufstand ini Lande entfesseln, in dem sie vollends ihren Untergang gefunden hätten. Die Uebergabe der Wahlrechtsreform an eine Komniission auS Mitgliedern der Kammer bedeutet das Aufgeben der Regierungs- vorläge und die Kammerlinke konnte in das jubelnde Brüssel und das ganze Land noch am Dienstagabend ein Siegesmanifest entsenden: „Bürger! Dank Eurer unbezwingbaren Energie hat die öffent- liche Meinung einen glänzenden Sieg davon getragen. Der schändliche Wahlreform- Entwurf Vandenpecrebooms ist zurück- gezogen. Der Versuch eines Staatsstreichs scheiterte elendig- lich an der Erhebung des Landes. Der Volkswille hat sich diesmal klar kundgegeben. Das Volk fordert, daß die Nation vor jeder Umänderung des Wahlgesetzes zu Rate gezogen werde. Es will das Referendum, die Auflosimg der Kammer oder die Vertagung jeder Wahlreform bis nach den nächsten Wahlen. Wir, die Mitglieder der Linken, die einig und unzertrennlich sind, verpflichten uns, die unbczwing- baren Vertreter dieses nationalen Willens zu sein. Das Volk hat uns unsere Pflicht vorgczeichnct und in den Beratungen der neuen Kommisston werden wir dieser Pflicht treu bleiben." Als der Sieg der Linken in Brüssel bekannt wurde, brach ein ungeheurer Jubel aus. Auf einem großen Meeting der Opposition erklärten die Vertreter der Linkcn-Parteien, Socialisten, Christlicki- Socialen und Liberalen, sie würden auch ferner Waffenbrüderschaft halten �md die Agitation für das allgemeine gleiche Wablrecht fort- führen. Da ereignete sich auch eine für die Volksstimmung charakteristische Sceue. Mehrere Bürgergnrdisten traten in den Saal ein, den Gcwchrkobcn nach oben gehalten; einer der Gardisten rief:„Wir hatten 10 Patronen erhalten: das war zu viel, denn es sind nur 7 Minister da!" Zum Schluß des Meetings dankte Vandervelde in einer wnndervollen Ansprache dem Volke für seine Energie und Kampfesbegeistcrimg. In der Kommission, welche die Wahlgcsetzfrage beraten soll, sitzen 10 Klerikale und 6 Mitglieder der Linken; von den Liberalen Lorand und Journez. von den Socialisten Vandervelde. Furncmont und L. Defuiffeaux. Da die Klerikalen jetzt untereinander uneinig sind, so ist nicht abzusehen, ob überhaupt irgend ein Wahlgcsetzvorschlag zur Annahm« gelangen kann. CS wird daher ciitiveder bei dem jetzigen Gesetz bleiben, auf Grund dessen niisere Genossen mit der bürgerlichen Opposition zusammen große Fortschritte bei der nächsten Wahl envarten dürfe:., oder es kommt zur Kammer» auflvsuug, bei der ebenfalls nur die Opposition gewinnen kann. Die belgische Socialdcnwkratie hat nicht nur für ihr Vaterland, sondern für die Arbeiterklasse aller Länder ein herrliches Beispiel gegeben, wie die Streiche der Reaktion abzuwehren sind und wie der Fortschritt des Volks gefördert wird. Unsere belgischen Freunde haben sich als kluge Taktiker erwiesen, welcher erkennen, was erreichbar ist, und sich nicht in Situationen begeben, siir die ihre Kräfte noch nicht reif sind. Sie haben die kluge Taktik mit Herr- lichem Heldenmut verbunden, der im Dienste der Freiheit und Kultur ohne Besinnen daS Leben wagt. An dieser Kampfesweise wird unsere Bruderpartei in Belgien auch ferner festhalten. Und sollte die Regierung und der listenreiche Klerikalismus sich mit der tückischen Absicht tragen, durch Ver- schleppung der WahlrcchtSfrage schließlich doch noch ein ReaktionS- gcietz durchzuführen, so würden; sie an der ebenso wohl- überlegten wie todesmutigen Haltung der belgischen Socialdemokratie kläglich scheitern!— Deutsches Fleich. Die Fälschung. Aus Abgeordnetenkreisen wird dein„V. E." mitgeteilt, daß der ReichStags-Präsident Graf Ballestrem eS entschieden abgelehnt habe, Anfragen von Mitgliedern des Reichstages über die Urheberschaft der Korrektur im stenographischen Bericht zu beantworten, da er alles, ivaS zu sagen ist, bereits in seiner amtlichen Berichtigung festgestellt habe. Wir wollen zu Gunsten des Grafen Ballestrem annehmen, daß die Untersuchung der Angelegenheit noch nicht abgeschlossen ist und daß nach deren Beendigung Aufklärung nicht ausbleiben wird.— Die dcinorratischc„Krcnz-Zcitung". Die„Kreuz-Zeitung" rät unS. über die?tiederlage der Regierimg im Reichstage nicht zu früh zu triumphieren: „Die Niederlage der Regierung kann sich sehr leicht in ihr Gegenteil verkehren, wenn liis zur Entscheidung über daS Gesetz energisch und planvoll der Boden vorbereitet wird." Die„Krcuz-Ztg." soll sich beruhigen. Wir keimen den Eifer der Reaktion, eine günstige Wendmig für das Zuchthausgesctz herbei- zuführen, und wir werden unsere Wachsamkeit nicht vermindern, bis das Gesetz endgültig eingeschaufelt sein wird. Bei dieser Gelegenheit macht das Junkerblatt eine gerade von ihm nicht erwartete Bemerkung. Es sagt: „Wir verstehen den Eifer sehr gut, mit welchem die Social- demokratie ihren„Sieg" befestigen und ihre Freunde auf der Linken und im Centrum»scharf»mcheu" möchte; allein wenn die Bevölkerung schließlich zur Entscheidung darüber, ob man der Socialdemotratie gegenüber vollständig thateulos verharren solle oder nicht, aufgerufen werben würde, so wäre eine Ver- ünderung der jetzigen soeialistenfreundlichen Physiognomie des Reichstages sicher. Wie die Stimmung im Lande ist, kann man schon daraus ersehen, mit welcher Gemigthuung und Erleichterung die scharfe und principielle Stellniignahme der Regierung gegen die Socialdemokratie in allen Kreisen aufgenommen worden ist. Mag also dem»Vorwärts" in Frankreich, in Belgien und wo sonst noch der„große Kladderadatsch" bevorstehen: das Deutsche Reich ist für derartige Spekulationen noch lauge nicht„reif". Wir sind ausnahmsweise ganz einverstanden mit der„Krenz-Zta.", welche plötzlich in einem rollenwidrigen Anfall demokratischer Nci- gimgen das deutsche Wählervolt über die Zuchthnusvorlage befragt wissen will. Die„Stimmung im Lande" würde niemandem weniger gnt bekommen als den Kreuz-Zeitungs-Jmikern. Wenn aber die„Kreuz-Ztg." schließlich die deutschen Verhältnisse als gefestigt rühmt gegenüber denen anderer Staaten, so ist Zweifel- los die Partei des Blattes eifrig am Werke, die Zerrüttung derselben möglichst zu beschleunigen.— ZuchthauSgesctz gegen Acrzte-„TerrorismnS"? Aus Landsberg a. W. wird uns geschrieben: Wenn die Ausarbeitcr der ZuckthauSvorlage folgende» Vorfall leimen lernen, so werden sie sicherlich für Ausdehnung ihres Gesetzes auf den Aerztestand eintreten. Wie in anderen Städten giebt es auch in unserer einen Verein der Aerzte. Von der Eisenbahndirektton Bromberg war nun nach altbewährtem Sparmuster beschlossen worden, auch dem Bahnarzt den Brotkorb hoher zu hängen und als der Kontrakt erneuert werde» sollte, zerschlug sich eine Einigung, weil die Babiwerwaltung nicht mehrso Vielzahlen wollte als früher. Im Aerzteverein, der in einem hiesigen Hotel tagt, kam dies natürlich zur Sprache und die Herren Aerzte boykottierten nach allen Regeln der Kunst die Bahndirektion Brom der g. Derselben gelang es nicht, auch nur einen einzigen„Streikbrecher" unter den hiesigen Acrzten zu finden. der die Stelle des Bahn-Kassenarztes an- zunehmen bereit gewesen wäre. Als sich schließlich ein Arzt aus dem benachbarten Victz dazu fa»d, wurde im Aerzte- verein beschlossen, den Kollegen als abtrünnig zu bewachten und ihn gewissermaßen in Verruf zu erklären; es ging sogar soweit, daß man beschloß, auch diejenigen Aerzte aus dem Verein zu exkludieren, welche eS wagen würden, mit dem Kollegen Gensichen — so heißt der Vietzer Arzt— zusammen zu konsultieren. Weiter ist noch folgendes interessant: Von den Details in der Bewerbung um die Bahukassenstelle hat der Kreisphysikus Dr. Friedrich Meldung beim L a n d r a t Wahnschaffe gemacht und dadurch hat das Bezirkskommando Anzeige erhalten, welches nun gegen den„arbeitswilligen" Dr. Gensichen, der Assistenzarzt und Reserveoffizier ist, Untersuchimg esiigelenet hat. Da er noch bis zum jSS. Lebensjahre dispositionsfähig ist, soll er womöglich mit schlichtem Abschied entlassen werden. Also„Terrorismus" schlimmster Art! Es ist heilige Pflicht der Posadowsky-Brefeldscheu Regierung, alsbald ein Gesetz zum Schutz des ärztlichen Arbeitsverhälmisses einzubringen.— Gegen den fliegenden Gerichtsstand der Presse sprach sich der allgemeine deutsehe Journalisten- und Schristslellermg in Zürich aus, nachdem Dr. Bernheim-München die juristische Haltlosigkeit und Unerträglichkeit dieser Rechtsauffasstmg dargelegt hatte.— Pescitignug der„Lentenot" auf Staatskosten. Zweck des Aiisiedelungsgesetzes vom Jabrc 18C6, das die Bildung von Renten- gütern zum Gegenstand hat. ist neben den naiionale» Gesichtspimtlen bekanntlich die Schaffung von selbständigen bäuerlichen Besitzern. Diesen Zweck erkennt auch das vom„Bund der Landwirte" herausgegebene»Agrarische Handbuch" als_ den Kernpunkt der Reutengut'sbildung an. Der Graf Kämtz scheint aber nach seinen Aeußerungen im preußischen Abgcordnclenhause anläßlich der ersten Beratung des Gesetzeuttvurses, betreffend die Gewährung von Zivischenkredit bei Rentengutsbildniigen anderer Ansicht zu sein. Er meinte, es würde» viel zu wenig kleine Güter unter 3,5 Hetiar geschaffen. Damit könne der L e u t e n o r nicht entgegeugetreteu werden, wen» Güter mittleren Umfniiges gebildet werden, es müsse für die Ansiede- lung von Arbeitern gesorgt werden. TaS heißt, der Herr Graf Kauitz verlangt, daß die Rentenautsbildung ijnr Beseitigung der Leutenot zu geschehen habe, oder mit anderen Worten, er verlangt die Beseiligimg der Lentcnot auf Staatskosten aus dem Hundert Millionon-Fonds. So wird die Rentengursbildung. die die Agrarier direkt nickrs kostet, sondern die auf Kosten der Gesamt- heit der Steuerzahler erfolgt, jetzt als willkommenes Mittel begrüßt, sich ciuenaii die Scholle gebundenen Arbeiterstaud zu schaffen.— Elbcrseld-Barmen vereinigt. Die»Elberfclder Zettuug" be- spricht in einem aue-sichrtiche» Artikel die geplante, von d e r R e- g i e r u n g gebilligte Vereinigung der Städte Elberfeld und Barmen zu e i u e m Gemeinwesen. Die Idee wird in den maßgebenden Kreisen beider Städte mit Freude» begrüßt.— Eine Staatöstiitze im Sinne der„Denkschrift". Der Arbeitswillige M o r g e» st e r» aus Leipzig hatte zur Zeit des Leipziger M a u r e r st r e i k s den Streik gebrochen, und will deshalb am Abend des 17. Dezember v. I. im Eisenbahneoupö 4. Klasse des um 5Vä Uhr von Leipzig abgehenden Zuges von 9 Maurern und Arbeitern ans der Umgebung von Schkeuditz mißhandelt worden sein. Die L Personen waren durch Morgen- st e r u denunziert worden und stände» deshalb vor der Strafkammer wegen Körperverletzung, F r e i b e i ts b e r a n b u» g ec. am Dienstag unter Anklage vor der Straslainmer zu Halle a. S. Bei der BeiveiSanfnahme stellte sich aber heraus, daß Morgenstern die wiLersprechendsten Angaben machte: er hatte einen Maurer sogar als Thätcr bezeichnet, der in einem anderem Coupv gewesen war. Der Staatsanwalt beantragte trotzdem Strafen von K bis 2 Monate Gefängnis herab: der Gerichtshof erachtete aber das Morgeustcrusche Zeugnis nicht fü r zuverlässig und sprach sämtliche A u g e l l a g t e frei. Chronik der MajestätSbeleidigniigö-Prozesse. Wegen M a j e st ä t S b e l e i d i g u n g hatte sich der Lljährige Bahnardeiier Edmund Jngelmanii aus Groß-Algermissen vor drm Landgericht in H i I d e s h e i m zu verautivorteu. Der Angeklagle hatte im Monat März d. Js. bei Gelegenheit der Musterung als Militärpflichtiger das H a n n o v e r a n e r l i e d mit einer Ab- äuderiiilg gesungen, die eine Beleidigung des preußischen Königs enthalteil sollte.' Vor Jahresfrist hatte er daS gleiche schon einmal gethan. Sämtliche Zeugen sagten über den Angeklaaten, der fast den Eindruck eines Idioten machte, aus. daß er ä n ß e r st b e- schränkt sei und nicht einmal gpobc, mechanische Arbeiten ohne stetige besondere Anweisung ausführen könne: er sei deswegen auch außer st au de, sich seineu vollen Lebensunterhalt zuverdienen, außerdem sei er an dem Tage betrunken gewesen. Der Staatsanwalt beantragte trotzdem für jede Majeftäts- beleidigung zwei Monate Gefängnis und eine Gesamtstrafe von zwei' Monaten und einer Woche Gefängnis. DaS Gericht erkannte dem Antrage der Staatsanivaltschaft gemäß. Zu den badischcn Landtagswahlen wird uns geschrieben: Bei den siir Mitte Oktober ds. IS. bevor- stehenden Laiidtagsivahlen sind von den 68 Sitzen der Zweite» Kammer der bndischen Landsttindc, die alle zwei Jaboe zur Hälfte er« neuert wird. 82 neu z» besetzen. Am stärkste» sind hieettd die Nationalliberalen beteiligt, insofern von den 26 Vertretern, die ihre Fratiion während der letzten Kammersessiou zählte, nicht weniger als 16 sich einer Neuwahl zu unterziehen haben. In der Fraktion des Centrums erlöschen 6 von den 23 Mandalen. während sich von den v Abgeord- neten der Freisiun-Demokratie 3 einer Neuwahl zu unterziehen haben. Von den 5 Socialdemokraten scheiden die Ab>gg. Dreesbach und Geiß(beide Vertreter von Mannheim, das insgesamt 3 Abgeordnete zu wählen hast aus dem Landtag aus. Endlich ist auch einer der beiden antisemitischen Abgeordneten, sowie der einzige Konservative der zweiten Kammer mit dem kürzlich erfolgten Sessions- schluß parlamentarisch obdachlos geivordcn. Was nun die Aussichten der einzelnen Parteien in dem demnächst zu eröffnenden Wahlkampf betrifft, so ist die Position der Ratio- nalliberalen unstreitig die am meisten gefährdete. Schon der Umstand, daß sie nicht weniger als drei Fünftel ihres bisherigen parlamentarischen Besitzstandes in genau der Hälfte aller Neuwahl- bezirke zu verteidigen haben, weist ihnen von boniherei» eine im Wesentlichen defensive Stellung an und verhindert sie an kräftigen Vorslößen ans bisher von gegnerischen Parteien innegehabte Positionen. Dazu kommt, daß unter den von den Nationalliboralen zu verteidigenden Mandaten nahezu die Hälfte sich bereits früher in anderen, in klerikalen, freisinnigen oder konservativen Händen be- fimden hatte, mithin diesclbenfür die letzten Inhaberais durchaus nnffcher betrachtet werden müssen. Wesentlich günstiger dürften sich die Wahl- aussichlen sür das C e n t r u m gestalten, dessen zur Neuwahl stehende Sitze fast durchweg zum festesten Bestand der Partei ge- hören. Diese wird desbalb in der Lage sein, in einer An- zahl weiterer, für sie besonders günstiger Kreise die agüalorischen Kräfte zu einem energischen Angriff auf die schwächsten Positionen der Natioualliberalen zu konzentrieren, während ihre Minoritäten in den übrigen Bezirke», der kürzlich offiziell ausgegebenen Wahlparole folgend, zur Unterstützung der anderen Oppositionsparteien gegen die Natioualliberalen in Aktion treten dürften. Von den Parteien der demokratischen Linken rechnen Freisinnige und Volks- parteiler ans die Erhaltung ihrer Mandate, allem Anschein nach jedoch ohne Hoffnung aus iveseutliche Verstärkung, während die Socialdemokratie mit den besten Aussichten in den Kampf zieht. Die beiden von ihr zu verteidigenden Mannheimer Mandate gehören, wenn man überhaupt von solchen sprechen kann, zu den»bombensicheren" Positionen der Partei, auf die eine» ernst- lichen Angriff zu ivagen de» dabei allein in Betracht kommende» Gegnern,' den Nationalliberalen, nach den geradezu vernichieuden Niederlagen der Jahre 18gö und 1837 der Mut umsomehr fehlen dürfte, als die Industrie- und Handelsmetropole an der Neckar- mündung seit der letzten Wahlschlacht sich einige Vororte einverleibt ?at, deren zahlreiche Arbeiterbedvlkcnmg den Massenaufmarsch der socialistischen Wähler noch erheblich verstärken wird. Ist also anf� der einen Seite jede Gefahr eines Verlustes für unsere Äammerfraktion absolut ausgeschlossen, so rechne» wir auf der andern mit der Möglichkeit neuer Erfolge. Die Bezirke D u r I a ch- Stadt und Pforzheim- Stadt konnten schon bei den letzten Wahlen der Jahre 18l)5 bezw. 1897 von den National- liberalen nur mit der größten Anstrengung gegen den socialistischen Ansturm gehalten werden und dürften diesmal, wenn nicht alle Zeichen trügen, zur Kapitulation gezwungen Iverden. Ebenso bietet der Kreis K a r I s r u h e- L a n d, wo die sich immer mehr aus- breitende Industrie der Residenz und ihrer Umgebung die bisher Vorwiegend bäuerliche Bcvolkernng in zunehmendem Maße mit gewcrblich-prolctarischen Elementen durchsetzt, wie auch der Bezirk Mannheim- Land- W e i n h c i nr unserer Partei durchaus günstige Angriffspunkte. Die mutmaßliche Signatur der Wahlresultate des kommenden Oktober dürste demnach sein: eine abermalige Schwächung des R a t i o ii a I l i b c r a I i s m n s, der Regierungspartei sans phrase, und eine demcntsprcchende Verstärkung des Cent rums und der S o c i a l d e m o kr a t i e. Ob diese voraussichtlichen Verschiebungen im parlamentarischen Besitzstand der Parteien hin- reichend sein werden, um der Opposition die in Vcrfassungsfragcn erforderliche Zweidrittelmehrheit zusichern und dadurch der Bewegung zu Gunsten des direkten Landtags-WahlrechteS, aller- dings ohne die famosen nationalliberalen„Knutelcn", in der zweiten Kammer zu einem praktischen Erfolge zu verhelfen, das bleibt freilich abzuwarten.— Vom Friede» ans Samoa. Die von den drei Mächten England, Amerika und Deutschlaud gebildete S a in o a k o m m i s s i o n hat ihre Arbeiten so ziemlich bc- endet und wird nächstens an die Rückreise denken. Daß sie das Koni g t um abgeschafft hat, haben wir bereits berichtet, lieber den Fortschritt in der Beruhigung derJnseln wird dem„Rcutcrschen Bnr." aus Apia vom 28. v. M. gemeldet: Es sind jetzt 3S00 Gewehre, die unter die Malictoa- Leute verteilten nicht niitgcrcchiiet, eingeliefert worden. Die Mataafa- Häuptlinge und die Malietoa-Häuptlinge hatten an Bord des amerikanischen Kreuzers„Badger" in Gegenwart des deutschen, des englischen und des amerikanischen Kommissars eine Zusammenkunft, in deren Verlaufe sie sich die Hände reichten und Fried e n schloffen. Zwischen Mataafa und Malictoa ist eben- falls eine Zusanimeukunft vereinbart, welcher die drei Kommissare beiwohnen werden. Der Friede ist gesichert, beide Teile sind friedlich in ihre Dörfer zurückgekehrt und warten jetzt die Aktion der drei Mächte ab. Die Kommissare bereisen die Inseln, erklären den Eingeborenen ihre Beschlüsse und versöhnen dieselben. Dr. Solf übt das Amt des Präsidenten der Municipilität aus und steht in gutem Eiuveriiehinen mit den Eingeborenen. Weiter wird über die Pläne der Kommision berichtet, daß sie für Ernennung eines Administrators eintrete, welcher nicht Unterthan einer der drei Mächte sein solle. Demselben soll ein aus Vertretern der drei Mächte gebildeter Rat zur Seite stehe». Die jkoinniiffare begünstigten ferner den Plan, den Ober- Häuptlingen eine ausgedehnte Vollmacht in den ihnen untcrstcllteii Distrikten zu geben und einen aus Eingeborenen bestehenden Rh, zu bilden, in welchem die einzelnen Bezirke vertreten seien und welcher in Apia tagen solle. Dieser Rat solle das Recht haben, Be- schlnßanträge anzunehmen und Vorschläge in Aiigelcgciiheitcn. weiche lediglich die Interessen her Eingeborenen berühren, zu machen. Zustand. Oestrcich- Ungar». Neue Arbcitcr-Dcmonstrationcn in Wien. Für die bcr- ächtlichen Acnßernngen, die Bürgermeister Lue g er und Vice- bürgermeifter Strobach über die Wiener Arbeiter gethan haben, wollen sich diese eine eigenartige Genugthuuilg verschaffen, Lnegcr hatte die Arbeiter bekanntlich wiederholt als nichtsnutzige Buben, und Strobach hatte sie als elendes Diebes- g e s i n d c l bezeichnet. Die.Arbciter-Zeitung" fordert nun die Arbeiter Wiens für Donnerstagabend zwischen siebe» und acht Uhr zu einem Aufzuge und einer Parade auf der Ringstraße zwischen dem Kärnthncrring und dem Parkring auf, wo sonst gewöhnlich ein Korso der eleganten Welt stattfindet. Dort sollen die Arbeiter im ArbcitSkleid. wie sie aus der Fabrik oder Werkstatt kommen, spazieren gehen und dadurch gegen Lucgcr und Strobach demonstricren. Sowohl Männer wie Frauen sollen an der Kundgebung teilnehmen. Am nächsten Montag sollen zwanzig Arbeiterversammlungen in allen Bezirken stattfinde», um Lueger und Strobach die gebührende Antwort zu geben.— Schweiz. Zürich, 2. Juli.(Eig. Ver.) In einer neuerlichen Erklärung in Sachen der jüngsten zwangsweisen Abschiebung , t a l i e ii i s ch e r A n a r ch i st e n oiierkeniit Genosse Greulich die Nichtigkeit bcr amtlichen Darstellung des Falles und führt die davon abweichende Schilderung der Vorgänge durch seine GcwährS- Männer darauf zurück, daß es sich dabei um andere Personen gehandelt haben müsse, also eine Verwechselung vorliege. Die arbciter- und socialisteiifeindliche Presse betreibt nun unter geschäftiger Assistenz einiger offiziöser Preßkosakcn in Bern eine gemeine und abscheuliche Hetze gegen Genosse Greulich um ihn von dem Posten des Arbeiter- sckrctärs wegzubringen. Diese mciischeiifreundliche Absicht werden aber die Verncr Schweinburgs nicht erreichen.— Zürich, 2. Juli,(ffiig. Bcr.) Die Unterschriftensammlung für die Doppelinitiative hat leider nicht das Resultat geliefert, das man erhoffte. 100 000 Unterschriften wurden fast als Minimum bezeichnet, woS an Unterschriften aufgebracht werden wird und mm sind die nötigen 50 000 Uiitcrsckiristcn für die Initiative, betreffend die Volköwahl de» Buiidcs'ratrö mir um 1095 überschritten. DaS ist ein sehr bescheidenes Ergebnis und wohl darauf zurückzuführen, daß die„mutigen" Demokraten gebrochen wie Taschenmesser zusammenklappten, als der Jupiter Forrer, der allmächtige Führer der radikale» Partei, donnerte, es sei Hochverrat, die Jnitiativbewegung zu unterstützen. Diese Be- merkiiiTQen gelten auch gegenüber bcr Unterschriftenzahl für die Proporz- Initiative, obwohl diese noch um 10 49S höher ist als jene. Sehr wahrscheinlich haben die Kon- scrvativcn mehr Unterschriften gegeben als die Demokraten, aber im allgemeinen haben die schweizerischen Social- d em o krai en wiederum wie 1894 bei der Kraiikcnpflege-Jnitiative die Crsahriilig gemacht, daß sie sich auf bürgerliche Verbündete gar nicht, sondern nur auf die eigene Kraft pcrlaffcn können. Diese Auffassung wird auch dadurch als richtig bestätigt, daß unsere Genossen im Jahre 1893 für die rein socinldemokrqtische Juitiative betreffend das Recht auf Arbeit 52 387 Unterschriften anftirachten. Genosse W u l l s ch l e a e r, der ruhige und geschickte Leiter der Jllittativbcwcgimg, veröffentlicht in der Parteipresse auf Grund der ihm von Unterschristeiisaminlern zugegangenen Zuschriften „Stimmungsbilder", ft, denen er n. a. auS einem Briefe folgende Aeußerung Wiedergiebt:»Viele Anhänger der Initiative weigerten sich aus Kleinmut, zu unterzeichnen... Bei uns ist ein wahrer Sumpf von politischer Stagnation. Sodann wird in anderen Zuschriften der Terrorisinus der Gemeindematadorcn als Ursache der geringen Uiiterschriftcnzahl angeführt, da viele au« Furcht vor denselben ihre Unterschrift nicht zu geben wagten I Dagegen üwrdcn sie bei der folgenden Volksabstimmung dafür stimmen. Wnllschleger selbst sagt sehr richtig, mindesten« 120 000 Unterschristen wären ausgebracht worden, wenn nur die Grütlianer und Social- demokraien ihre Pflicht erfüllt hätte».„In der gegenwärtigen Periode hochgradiger Verwirrung und Ratlosigkeit in den maßgebenden poli- tische» Kreisen der Eidgenossenschaft wäre eine solche Kundgebung von größtem Werte gewesen. Dank der Trägheit, Feigheit, vielleicht auch der Superklugheit mancher Socialdcmokratcn ist wiederum— wie oft schon~ eine köstliche Gelegenheit zu einer großen politischen That verpaßt worden. Was bei der Unterschriften- sammlnng versäumt worden ist, sollte nun auf die Volks- abstimmung hin durch die intensive Agitation auf der ganzen Linie, foivcit es noch irgend möglich ist. gut gemacht werden. Wir werden einen ungewöhnlich heißen Kampf zu bestehe» haben!"— Der Regiernngsprüsideiit Bliimcr des Kantons GlarnS, der auch Mitglied des Nationalrais ist, peroffentlicht in den„Glarncr Nach- richten" die Mitteilung, daß man in Bern von dem Znstandekommen der nötigen Unterschriften unliebsam berührt sei und die Absicht habe, die Volksabstimmung über die Doppelinitiative unter allen Um- ständen aus taktischen Gründen soweit als möglich hinanSzuschicbcn. Vielleicbt findet die Opposition Mittel, um diese Verschleppungstaktik zu durchkreuzen.— Frankreich. Die französische Kammer ist, wie wir gestern bereits meldeten, bis zum Herbst vertagt und die neue Regiernng hat jetzt freie Hand, ungestört durch parlamentarische Zwischenfälle, die Liquidation der „Affaire" durchzuführen. Die gestrige Abstimmung hat gezeigt, daß die für das Ministerium stimmende Mehrheit gewachsen ist. Für die Dauer der Vertagung setzen die mit der Kabinettsbildung un- znfriedencii Radikalsocialisten einen Dauer aus schütz ei». Erklärnng Vaillants gegen daS Ministenum Waldcck-Nouffcau- Gallifct. Genosse Vaillant, der sich, gleich der Gnesdistcn- und Allemanisten-Gruppe, mit scincii alt- blanqnistischen Kollegen gegen das neue Ministerium ausgesprochen hat, gab am Schluß seiner Rede in der Sitzung, in welcher das neue Ministerinin sich vor- gestellt hatte, folgende Erklärung ab: »Indem ich die dargelegten Gründe zusammenfasse, gebe ich hiermit im Namen meiner Freunde von der socialistisch-rcvolmioiiäreii Gruppe: Allard, Breton, Chauvicre, Coutant, Dcjcantc, Groussier, Lassalle, Lctang, Poulain, Ncnau, Sembat, Vaillant, Walter folgende Erklärung ab: Wir hätten einem Ministcriilm keine Hindernisse bereitet, welches, so feindlich c« uns sein mochte, den Willen und die Kraft gehabt hat, den verbrecherischen Zettclungcn des Militarismus ein Ende zu inachen. Aber— und die Erklänmgcn des Ministeriums ändern nichts an den Thatsachen— wir finden uns einem Ministerium gegenüber, das in der Person Gallifets die Inkarnation de« Mtli- t a r i s m u s enthält. Socialistcn und Männer der Kommune, können wir immöglich für ein Ministerinm stimmen, das durch die Person Gallifets das M i n i st e r i n m der Nicdcrmctzelung der Arbeiter von Paris und der Kommune von 1871 ist." Die GucSdistei! und Alleinaiiisten haben dieser Erklärung sich angeschloffeu und haben sich mit den ehemalige» Vlaiiquisten verbunden. Spanien. In Spanien herrscht immer noch lebhafte Anfregimg. Am Dienstagabend zertrümmerte in Barcelona eine Anzahl halbwüchsiger Burschen die Fensterscheiben der Kinbe Santa Matrona und der Jesuiteiischule. Es kam zu Zusammciistößen mit der Polizei. Die Gendarmerie trieb die Menge auseinander. Drei Polizisten wurden verwundet. Wegen der herrschenden Panik blieben die Theater gc- schlössen. Im Laufe des späteren Abend« wurde die Ruhe wieder hergestellt. I» den Regierungskreisen herrscht über die Unruhen, die sich trotz der abwickelnden Erklärungen der Negiermig nicht legen wollen, um so größere Bestürzung, als man bei allen diesen Agitationen die Hand dcö Karlismus im Spiele giaubt. Gleicki nncli den ersten Tumulten in Madrid und Zaragoza Uetz sich Herr Silvcia ver- nehmen, nötigenfalls werde er über ganz Spanien de» Belagerungszustand verhängen; jetzt wird diese Drohung wiederholt, wie sich aus nachstehender Meldung crgiebt: Madrid. 5. Juli. Der Minister des Innern hat erklärt, wenn die Uiiordimngcn nicht bald aushörcn, werde die Regierung genötigt sein, die verfassungsmäßigen Bürgschaften aufzuheben: in diesem Falle müßten die Cortcs geschlossen iverden. Diese Nachricht tvirtt höchst verstimmend ans die öffentliche Meinung.— Uebcr einen Geheimbunb in Südspanien wird eine sehr ge- heimniSvolls Geschichte aus Madrid berichtet:„Durch die Ver« waltungSbehördcn in Cadix ist festgestellt, daß sich der italienische Anarchist Malaie st a zwei Monate lang in Andalusien auf- gehalten und unter der dortigen Arbeiterbcvölkernng der kleinen Städte und des flachen Landes einen Gehet mbund»Mono Negra"(„5Mc schwarze Hand") begründet hat. Die Hauptsitze des Bundes, der bereits gegen 40 000 Mitglieder zählen soll, sind Jeräs, Sanlucar und Trebujena: es gelang jedoch noch nicht, die Leiter bei Geheimbundes ausfindig zu machen." Wie eö scheint: üppig blühende Spitzelphantasie l— Griechenland. Nrmenische Eiiilvandernng nach Kreta. Aus Athen wird gemeldet: Der Vorschlag Rußlands, 50 000 flüchtige Armenier nach Kreta zu bringen, hat soivohl bei den kretischen Griechen, als auch in Gricckcnlaud große Erregmia hervorgerufen, da man i» einer derartigen Eiliwaubenntg eine schwere Beeinträchtigung des hclleuiscben Eharakrerö der Insel erblickt. Auch würde» die mittel- losen Armenier die wirtschaftliche Lage der Insel noch ver- schlechter».— Afrika. Pretoria, 4. Juli. Allerorten in Transvaal sind VolkSvcr- sammluuge» abgehalten worden, in denen Vorschläge bezüglich des Stiininrcchlü erörtert wurden. Ucberall wurde der Wunsch aus- gesprochen, die Unabhängigkeit Transvaals geachtet zu sehen: dem Oraujefreistaat wurde gedankt für seine Slimpathie und die Hilfe, die er angeboten habe. Man betrachtet eine friedliche Lösung für sehr wahrichemlich.—_______ Gewevksrhaftlilszvs. Verlin und Umgegend. An die Mnsikinstrnmenten-Arbeiter Berlins! Seit September vorigen Jahres, dem Beginn der Thätigkcit der Oeffen tlichen Schulde n tilgungS-Kom Mission, sind 2200 Mark aufgebracht und zlirückgezahlt worden. Obgleich wir wissen, daß Ihr im Laufe dieser Zeit sowohl anläßlich der Lob- tau er sowie anderer Sammlungen Euer Scherflein gegeben habt, bofftcn wir doch, eine weit größere Summe bis jetzt zurückzahlen zu können, denn sobald jeder Kollege eine Karte voll Marken ge- klebt, wären ivirunsere Schuld loLgcwcscn, Ganz besonders gchtdcshalb an die Werkstätten, wo bis jetzt noch kein Kollege Karten und Marken abhebt, der Hinweis, endlich mit dieser Saumseligkeit zu brechen; jeder Kollege muß seine Karte vollgeklebt haben, das ist Ehrenpflicht jede« eiiizeliieii. In nächster Zeit'wird wieder eine Abstempelung der Karten vorgenommen»Verden; sorgt dafür, daß alsdann berichtet werden kann, daß jeder seine Pflicht ersüllt hat, Karte» und Marken sind jeden Sonnabendabend in den Lokalen von G r u n d m a n n, Naunvustr. 78, und Z u b e i l, Lindenstr. 10S, zu haben, Die Kommisston. Deutsches Reich. Die Brandenburger Töpfer(Ofensetzer) befinden sich bereit« seit drei Wochen im Ausstand. Die Situation für die Streikenden ist eine günstige. Den Unternehmern gelang es bisher nur, zwei Arbeitswillige heranzuziehen, und zwar ans Berlin, welche die Arbeit aufnahmen, trotzdem ihnen von der Lage der Dinge Mitteilung gemacht worden tvar; die Betreffenden haben ferner die Absicht geäußert, au« ihrem Berliner Bekanutenkrei« »och mehr Kollegen nach Brandenburg zu rufen. Daß sie die« auch ausführen werden, scheint sicher, weshalb die Streikenden in Brandenburg ihre Berliner Kollegen ersuchen, unter allen Umständen den Zuzug fernzuhalten. In Osterwick a. H. ist ein Streik der Lederfärber zum Ausbruch gekommen. Die Arbeiter der Firma Gebr. Schulze hatten die Abschaffung der Aecordarbeit gefordert, weil sie durch die schlechten Einrichtungen(langes Warten bei Vergebung der Arbeiten-c.) nicht in der Lage ivare», einen ausreichenden Lohn zu verdienen. Die Fordcruna(13 M. Wochenlohn) wurde schroff ab- gewiesen, worauf die Arbeiter ihre Thätigkcit einstellten. Die Firma versuchte ihre Felle bei anderen Fabrikanten herstellen zu lassen. Die Arbeiter dieser Fabriken erklärten sich jedoch mit denen von Gebr. Schulze solidarisch und traten ebenfalls in den Ausstand. Ein anderer Fabrikant, der schon vor einigerIeit den Wochenlohn von 18 M. bewilligt hatte, zog dies mm auch wieder zurück, worauf auch dessen Arbeiter in den Streik traten. Der Kampf wird, so hoffen die Streikenden. voraussichtlich ein kurzer nnd siegreicher sein; sie appellieren an die Solidarität der dentschen Arbeiter. Briefe und Geldsendungen sind zu richten an das dortige Gewerkschaftskartcll, an die Adresse Adolf Seeger, Sonnenklee 18. Sämtliche Arbcilerblätter werden um Abdruck gebeten. Die Schmicdegesellcn Magdeburgs sind in eine Lohn- bclvcgimg eingetreten, nachdem ihnen die gestellten Forderungen seitens der Meister abgelehnt worden sind. Wie der„Magdeburger Acitimg" berichtet wird, wollen die Meister namentlich de» Arbeitsnachweis der Gewerkschaften nicht anerkennen. Der Streik der Maurer in Halle a. S. ist allgemein. In die Streiklistcn haben sich bis Dieiistagmorgen ca. 600 Mann einzeichnen lassen, von diesen sind etwa 200 bcreiis abgereist. Auch die Bau- und Erdarbeiter sind auf der ganzen Linie in den Ausstand getreten. Gemeldet haben sich bis jetzt 200 Mann. Die Haltnug der Streikenden ist vorzüglich. Den Stundenlohn von 40 Pf. haben etwa 15 Firmen bereits bewilligt.— Wie das Hallesche..Volksblatt" mitteilt hat ein Unternehmer ans dem Land- ratsamt das Verlangen gestellt, daß die Straßen in Trotha mit Gendarmen besetzt werden mochten: der Herr soll aber zunächst einen Korb bekommen haben. Die Meister verbreiten daö Gerücht, daß zur Vollendmig der Kasernenbaiiten Militär requiriert werden soll. Zum Zimmererstretk in Frankfurt a. M. Die Eiisigungs- Verhandlungen, die zwischen dem Ausschuß vom Verbände bau- gewerblicher Unternehmer in F r a n k s u r t und der Lohnkommission der dortigen Zimmerer stattgefimden, haben zu keinem Resultate geführt.'Die Unternehmer ivollten eiiicn Minimallohn von 45 Pf. bewilligen, während die Gesellen einen solchen von 50 Pf. fordern. Der Streik geht also weiter: 22 Uiitcrnehmer mit 150 Gesellen haben bereits bewilligt.— Einen einseitigen Staiidpiiiikt zum Streik nimmt die Städtische Verwaltung ein. Der Inhaber dos Bau- geschäftcS von Hanke ist wegen des Zimmererstreik» nicht in der Lage, die für kurze Zeit errichteten Holzbauten für die Skegntta am Deuts chherre>i»Quat abbrccken zu lassen. Auf eine Eingabe bei der zu- ständigen städtischen Behörde(Gewerbe- und Verkehrsamt), die Bauten bis zur Beendigung des Ausstände« stehen lassen zu dürfen, wurde in zustimmendem Sinne b e s ch i e d c n. Zum Leipziger»orn, erstreik. Aus Bautzen wird gc- meldet, daß dort die Former der Eisengießerei vorm. Götzen. Schulze entlassen wurden, weil sie sich weigerten, für Leipzig Arbeit anzufertigen. Versuche zur gütlichen Einigung sind mißlungen. Es wird deshalb ersucht, den Zuzug von Formern nach Bautzen fernzuhalten. Ter AnSstand in den Lochmmnischen Musikwerken in Leipzig ist beendet. Die Direktion der Fabrik hat den Arbeiter- ausschnß schriftlich anerkannt. Er tritt bei entstehenden Differenzen als Vermittler in Thätigkeit, außerdem liegt ihm die Verwaltung der Kantine und der Strafkasse ob. Der Werkmeister Rettner ist desinitiu ciitlassen worden. Die Ausständigen beschlossen mit 500 gegen 25 Stimmen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Schutz de» Arbeitswillige». Der Dresdener Manrerstreik hat bereits das erste Opfer gefordert. Der Maurer B c tz i g wurde vom Gericht wegen v c r s u cht e r N ö ti g un g zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Gleich zu Beginn des Streiks hat B. u. a. auch zwei Maurer am Schulhaiiöiicribnu bewegen wollen, sich am Streik zu beteiligen und in die Streikliste einzutragen. Da soll er nun insofern etwas ungeschickt gewesen sein, als er gesagt haben soll:»Weini Ihr weiter arbeitet, schlage ich Euch die Knochen ent- zwei." Diese dumme Bemerkimg hatte natürlich, wenn sie gefallen ist, nicht den geringsten ernsten Hintergrund, sondern ist nur der AuS- fluß natürlicher Grobheit, Deshalb zwei Monate Gefänaiiis! Ein Unternehmer, der eiiicn Arbeiter schlug, bekam vorige Woche deswegen 10 Mark G elb strafe. Ausland. Französische Streiks im Mai. Das Arbeitsamt verzeichnet 57 Streiks mit 16 698 Teilnehmern. danint« 0200 im Streik der Metallarbeiter von Creuzot. Im Mai de« Vorjahres zählte man »»r 22 Streiks mit 1591 Tetliiehiiicrn. Die durchschnittliche der Mai- Streiks in den letzten fiiuf Jahren beträgt 44.— Von de» 57 Konflikten haben sich IS mehr als ans einen Betrieb erstreckt. II r s a ck e n der Streiks: 85 Lohn« AngriffSstreikS und mir 2 Lohn- Abwehrstreik«. Von andere» Hauptforderungen ist die ungewöhnlich hohe Zahl von 10 Kämpfe» um Verkürzung der Arbeitszeit be- merkenswert, ferner 13 Konflikte wegen Personnlfragen, unter denen ebenfalls Angriffsforderuiigen überwiegen. R u S g a n g von 47 im Mai und 5 vorher bcgoimeiieil Streiks: 11 Erfolge, 20 Ausgleiche nnd 21 Mißerfolge._ Sociales. Volköhochschttlkurse. Unter dem Vorsitze des Oberbüraer- Meister« Beck trat in Mannheim eine Konferenz von Vertretern der Mannheiincr Arbeiterorganisationen zusammen, um über die Einführung von Bolkshochsch ulk ursen zu berate». Es nahmen an ihr n. a, teil die Socialdemokrate» Drecsbach, T r a u t w e i ii und K a tz e n st e i n. Man kam zu dem Beschlüsse, Kotzenstein die Vorarbeiten zur Organisation der Kurse zu über- tragen, deren Ausführung cincin gewählten Komitee übertragen werden soll. Gegen ein geringes Eintrittsgeld sollen von Doceiitcn der Heidelberger Universität populäre Vorträge aus allen Geviete» der Wiffenschaft gehalten werde». Ucber kaufnutimische Schiedsgerichte verhandelte der V e r> band kaufmännischer Vereine v o n R h e i» l a n d und Westfalen ans seinem in G e I s e n k i r ch e n abgehaltenen Ver- bandstagc. Derselbe gelangte zu dem Schlüsse, daß die in AnSstcht genommenen Schiedsgerichte zur Schlichtung kaufmännischer Streit- fragen ihren Zweck nur zu erfüllen vermöchten, wenn sie nach Art der Geioerbegerichte selbständig und unabhängig von den Amtsgerichten in Wirksamkeit träten. Der Verbondstag beschloß, diesen Stand- pmikl in einer Wiederholung der im vorigen Jahre an daS NeichS- Justizamt gerichteten Eingabe nochmal« zum Ausdruck zu bringe». Ferner sprach sich der VerbandSrag stir den Fortbildungs- schvlzwang für kaufmännische Lehrlinge und für die Leguna de« Unterrichts in lausmännischen Fortbildungsschule» in dte Tagesstunden au«. Verunalücknngcn deutscher Seeschiffe im Jahre l80v. Nach den Angaben dcS kaiserlichen Statistischen Amte» sind im Jahre 1896 insgesamt 84<75 Segel- und 9 Dampfschiffe) registrierte Schiffe verunglückt, gegen 104. 125, 122 und 155 in den Vorjahren. Von der Schiffsbesatzimg sind dabei 178 Personen ums Leben ge- kommen, 98 auf Segel-, 80 auf Dnmpfscknffcn. während von den Passagieren 214 ihrLeben einbüßten.— Die Arten der verimgliickimgcn waren die folgenden: Gestrandet sind 80 Segel- und 7 Dampf- fchifse: gekentert 2 Segelschiffe; aciunken 8 Segelschiffe, 1 Dampf- schiff: kollidiert haben 2 Segelschiffe; infolge schwerer Beschädrgiiiigcn von der Besatzung verlassen 5 Segelschiffe. Der größte Berlnst an Menschenleben entfällt im Jahre 1896 auf die g e st r a n d e l e n S chls fe: von 640 an Boro derielben gewesenen Personen st20 Mann Besatzung und 220 Passagieren) verloren 29S(81 von der Mannschaft, 214 von den Passagieren. oder 46,1 Proz, beztu 75,3 Proz. aller Nmgelommeucn) ihr Leben. Der au�ergelvöhulich hoho Verlust besonders an Passagieren ist auf den Untergang des Dampfers„Salier" zurückzuführen, welcher am 8. Dezember 1896 an der Westküste von Spanien strandete und zertrümmert wurde wobei sämtliche an Bord befindliche Personen(66 Manu Besatzung md 214 Passagiere) ihren Tod fanden. Socinle RrrTzkspflcge. Unzuständigkeit des Gcwcrbcgerichtö bei Tchadenersali klagen. Ein Metallarbeiter klagte gegen seinen ehemaligen Arbeit geber beim G e w e r b e g e r i ch t mit dem Antrage, ihm das Geld wieder zuzusprechen, das er dem Beklagten anf Grund eines rechts gültigen_ Vertrages zum Ersätze eines Schadens gezahlt hatte Der Kläger machte geltend, er habe die Summe zu Un recht gezahlt, weil er der i r r t ü in I i ch e n Meinung ge Wesen sei, er wäre schuld an dem Mißraten der betreffen den Arbeit. Der Gerichtshof erklärte jedoch, auf die Klage nicht eingehen zu können, weil für sie das Gewcrbcgericht u i ch z u st n n d i g fest Es handele sich weder um rückständigen Loh» noch um ciiie Entschädigung aus dem Arbeitsverhältnis. Der Kläger zog darauf die Klage wegen Unzuständigkeit des Gewerbegerichl Zurück, um sie beim Amtsgericht anzubringen. 73 M. für ein MißverstäiidniS. Von dem Hotelier Schickert ticm Besitzer des Habsburger Hofes, verlangte der Portier U. eine Lohneutschädiguug von 150 M. U. war sechs Jahre bei Schickert in Stellung. Er begründete seinen Anspruch in der beim Gewerbe g erl cht anhängig gemachten Klage damit, daß er drei Wochei vor Ablauf seiner Kündigungsfrist entlassen worden sei. Der Beklagt erklärte dagegen die Entlassung des Klägers für berechtigt. Es ist ihm nämlich von einem Hausdiener erzählt worden, II. habe mich fcnin- Kündigung gesagt, so lange er noch bei Schickert sei, werde er ihm jeden Tag 100 M. Schaden machen. Der Kläger protestierte gegen diese Behauptung des Hausdieners und es gelang ihm auch. vor der Kammer VI durch Zeugen den Beweis zu erbrinaeu, das; er thatjachlich geäußert habe: Wenn ich n i ch t mehr h i e r bin wird der Chef jeden Tag 100 M. Sckiadcn habe it. Hiermit hat II. nur seine Bedeutung für das Geschäft hervorheben wollen. Bei der eigeiitiimlichcn Sachlage zeigten sich die Parteien einem Wer zleiche geneigt. Kläger erhielt 75 M. Vevfnmmlttttgcn. Wahlvcrein für den sechsten Berliner N>oichStagS-WahltreiS hörte am Tienstaa im Wedding- Kastno einen Vortrag des Genossen Wagner über„Aserztliche L h r e nger, t e". Der Referent wendete sich besonders gegen .-'5 beabsichtigte Soiiderstelliiiig der Aerzte. Die häufigen schäud- lichen Vorkontninisse, die iii Armeleiit- Spitälern vor sich gegangen seien, haben keine Veraiilassuug, durch ein Gesetz, das sich vor allem gegen die Aatur-Heilkuiidigen wende, den Aerzten eine sichere Lebens- Haltung zu gewahren. In der äutzerst lebhaften Diskussion erklärte ein angehender Arzt, die Ehrengerichte seien den Aerzten aiif- gezivuuge» worden. Neun Zehnlcl aller Aerzte, die sich zum Gesetz fjcautzert, hatten sich e g e n dasselbe ausgesprochen. W a a n e r 5-X/ � ail[ �msch der Aerzte überhaupt die Kurierfreiheit hatte beseitigt werden sollen. Das ivnrde aber nicht gewahrt, son- s-t?"r- � Ehrengerichte als Entschädigung gegeben. Allerdings hatten sich die Aerzte gegen diese ausgesprochen, weil sie selbst von Viesen bestraft werden könnten. Im übrigen könne nur eine durch- gicisr'iue llinandcrung der socialen Verhältnisse die Kraiikheiten ein- damnien. Aber die Aerzte lieben sich imnier erst vom Volle dränge» so auch m der leidigen Schularztsrage, die eine alte demokratische sforderung darstelle. In der Diskussion ivnrde von verschiedcncn üiednern betont, daß eine entschiedene Besserung in der Gesundheitspflege nur von der socialen Entivicklniig zu erwarten sei, daß also der politische mid gewerkschaftliche Kampf mit allen Mitteln geführt werden müsse. Berliner Arbeitcrvcrtretcr Verein erörterte in seiner am Dienstag abgehaltene» Versammlung die Frage der Centralisation der deutschen Arbcitervertreter-Vcreine. In der Diskussion wurde cm Znsammenlvirken möglichst aller Arbeitervertreter Dentschlands m bestmimtcn Fällen, so bei Abscndnng von Petitionen u. dergl, m burchaus wünschenswert erklärt. Da aber für diese Vereine das �erbindungsvcrbot trotz des bekannten Versprechens des Neichskanzkers tmiiicr noch zu Recht besteht, so soll das Znsainmenlvirken der Arbeitervcrtreter Dentschlands durch Vertrauensleute in die Wege geleitet und diese VertranenSpersonen in öffentlichen Ver- saininlimgen gewählt werden. Hierauf berichtete S i ma n o w s k y über den Besuch der städti- scheu Heimstätte für Genesende'in Hcincrsdorf. Von Insasse» dieser Anstalt seien in letzter Zeit mehrfach Beschwerden,»ameiitlich "ber das Essen, laut geworden. Erst kürzlich hätten sich 38 Patienten wegen des Essens zunächst bei der leitenden Ober- schivestcr. dann schriftlich beim Kuratorium der Anstalt beschwert, Eine Antwort auf das am 21. Juni abgegaiigene Schreiben sei»och nicht erfolgt. Der Verein habe am Sonntag die Heimstätte in Hemersdorf besucht. Die Schlaf- und Aufenthaltsräume der In- fasten hätten einen durchaus guten Eindruck gemacht, mit Ausnahme "Niger Zimmer im Dachgeschoß. Die Milch, welche die Insassen der Heinistätte bekoiniimi, iverde von der Giitsverwaltiing gc- liefert. Gegenwärtig herrsche nuii niiter den Kühen des Gutes die Maul- und Klauenseuche, die Oberschwester versichere aber, daß die gelieferte Milch gut sei, sie verlasse sich in dieser Hinsicht auf die Gutsverwaltuiig. ivelche die Milch durch einen Tierarzt initersuchen lasse. Die Beschiverden, welche dem Redner wegen des Essens bekaimt geworden sind, habe er der Oberschwester vor- getragen, dieselbe habe aber alles als Lügen bezeichnet. Ein weiterer, auch von der Oberschwester anerkaiiuter Uebelstand s" der, daß die Angehörigen, welche Sonulags die Jiisassen der Anstalt besuchen, iiachde»! sie von der Station Lichterfelde einen mehr als eiiistüiidigen, beschwerlichen Weg zurückgelegt haben, weder Kaffee, noch sonst eine Erfrischung bekommen konnten, denn in der Anstalt werde ihnen das Kaffeekochcn verweigert, und den Gutsarbeitern fei die Verabreichung von Erfrischungen verboten. Auch über schroffe Behandluiig durch die Oberschwester werde geklagt. Redner und auch die anderen Teilnehmer des Besuchs hätte» den Eindruck empfangen, daß die Oberschwester eine sehr leicht erregbare Person sei, die ein schroffes Wesen zur Schau trage, und sicher' nicht die geeignete Person zur Leitung eines Heims für Genesende sei. An der Disklissioii beteiligten sich auch drei Personcn, die bis vor ganz kurzer Zeit Insassen der Heimstätle waren. Ans den Ans- führungen derselben ist folgendes hervorzuheben: Das Frühstücks- bnst sei nur mangelhaft belegt gewesen, der Belag habe wenig gewechselt und meistens aus Mettwurst bestanden. Seit in Heinersdorf die Maul- und Klauenseuche herrscht, habe die Milch manchmal nach Karbol geschmeckt. In einem Zimmer seien Wanzen geivesen, die man durch Anwendung von Petroleum zu vertreibe» gesucht habe, wodurch natürlich ein für die Patienten nicht zuträglicher Geruch verbreitet worden sei. Ein Patient habe vom Arzt den Antrag auf Verlängerung seines Aufeut- Halts in der Heimstätte erhalten, die Oberschwester habe aber der Verlängerung widersprochen, unter der Angabe, das Kuratorium sei dagegen, iveil zahlreiche Vormelduiigen von neuen Patieiiten vorliegen. Die Oberschwester soll— wie ein Redner sagte— stets gegen die Aufenthaltsverlängerimg solcher Patieiiten sein, denen sie aus irgend einem Grunde nicht wohl will. Das zweite Frühstück werde so knapp bemessen, daß»lanche Insassen nicht satt werden. Einige derselhen seien deshalb einmal nach Mariendorf gegangen, um sich daselbst EßwarKl zu kaufen. Brot, welches des Abends übrig bleibt, werde des ander» Morgens, Ivo es stark getrocknet sei, lvieder verabreicht. Der im Park befindliche See verbreite zeitweise einen üblen Geruch. Früher hätten die Arbeiter des Gutes den die Patienten besuchenden Angehörigen Kaffee verabfolgt. Das sei ihnen aber, ebenso wie der Verkehr mit den Anstaltsinsassen verboten worden, anscheinend, weil die Gutsverwaktung befürchte, daß die Arbeiter durch solchen Verkehr socialdemokratisch infiziert werden.— Die DislnssionSredner waren allgemein der Ansicht, daß eine Abänderung der gerügten Mißstände dringend not- wendig sei und daß im anderen Falle die Krankenkassen keine Patienten mehr nach Heiner-dors schicken sollten. Die Central- Koinmission der Krankenkassen wurde beauftragt, die Angelegenheit den Kassenvorständen zu unterbreiten und daim beim Knratoriuin der Heimstätte vorstellig z» werden.— Hierauf wurden M u d e, Z i in p c l und Röhn als Kaffenrevisoren gewählt. Tie Fsiescnlcgcr waren am Dienstag wieder vcrsaminekt, um den Bericht über den Verlans der Lohnbewegung entgegen zu nehmen. Wie Hu th namens der Lohiikoinmission mitteilte, haben die Unter- nehmer sich bisher»och nicht bereit erklärt, die von den Fliesen- leger» in einer friiheren Versaminkung anfgestellten und am 1. Juli vorgeleglen Forderungen zu bewillige». Es müsse erst in einer be- sonderen Versamnilniig der Unternehmer reiflich erwogen werden, ob die neunstiindige Arbeitszeit, sowie der gleiche Lohnsatz für tüchtige und minder geübte Arbeiter zc. erfüllbar seien, weshalb noch leine bestimmte Antwort erfolgen könne. In der hierauf folgenden Besprechling wurde das vermeintlich allzu laue Vorgehen der Lohn- koiiimission von zwei Rednern beinängelt, von andern aber erwartet, daß die Koinmission auch von den Fliesenlegern selber mehr unterstützt Iverde. Dieses müsse insbesondere dadurch geschehen, daß man die günstige Äoiijniiktnr nicht erst verstreiche» lasse nnd daß auf allen Arbeitsstätten sofort Vau- oder Platze deputierte gewählt werden, n»i mit den Uiiteriiehinern zu unter- handeln nnd der Lohnkoiinnissioii die ersordcrlick'en Mitteilungen z» machen. An den anfgestellten Forderungen müsse mihedingt fest- gehalten werden, um dieselben»»verzüglich den Urteniehmern aufs Rene zur Vewilligmig bis zu einem bcstiimnten Tage zu unterbreite» und bei eventueller Ablehming die Arbeiten sofort einziistclle». Nmiicutlich niiisse darauf gedrungen werden, daß die größerei Firme» zniiächst belvilligcn, weil die übrigen ihre Zustiinmuiig davon abhängig zu machen. Die Versamnilimg beschloß denigeinäß. In einer am Montag, 10. Juli, einzuberiifeiiden B e r s ä m m- l n n g sollen dann die Ergebnisse bekannt gemacht und weitere Beschlüsse gefaßt werden. Ein Antrag: den bisherigen täglichen Beitrag von 50 Pf. als Wochen beitrog, bei mir dreitägiger Arbeitszeit 25 Pf. zu zahlen, gelangte ebenfalls zur A»nah in e. Den Unter vehmcrn wird nachstehende Resolution unterbreitet: Im Anftragc der am 26. Juni d. I. stattgcfundcnc» Versamnilimg der FliesenlcgcrBerlins nnd Uiiigegeiid mit erbreitet Ihnen die niiterzeichnete Lohilkomniission zur gefälligen Kcnntnisnaknie nachstehende Forderungen:„In Er ivägling, daß die in der Fliesenbranche bestehenden Verhältnisse einer Zeit ihren Ilrsprmig verdanken, die, weil durch die bisher geübte Praxis längst überholt, nicht mehr aufrecht erhalten tvcrden können; desgleichen die Verkürzung der Arbeitszeit eine allgemeine, auch von den Unternehmern längst anerkannte Forderiing ist und die fernere Jiniehaltuiig mich des nur formellen Zehnstimdentages, in Rücksicht ans die bereits im gesamte» Berliner Bmigcwcrbe eingeführte neunstiindige Arbeitszeit, ganz linhaltbare Zustände zeitigte, verlangen die Fliesenleger Berlins und Umgegend. 1. Die Arbeitszeit beträgt neun Stunden, von morgens 7 bis 6 Uhr abends. Sounabeuds ohne Vesper bis 5 Uhr, an Sonnabenden der Festtage Weihnachten, Ostern. Pfingsten, nachmittags bis 3 Uhr, bei voller Bcznbluiig des Tagelohnes. 2. Der Stundenlohn beträgt für gewöhnliche Tagcsarbeit 70 Pf. pro Stunde. 3. Ucberstuiiden, Nacht- iludSoniitagsarbeit sind unter allen Umständen zu vermeide»: und weun solche uiitcr ganz außergcivöhiilichen Umständen notsvendig, sind für ileberstiiiideii von 6 bis 9 Uhr abends 80 Pf. pro Stunde, für Nachtarbeit(9 Uhr abends bis 7 UKr morgens) 1 M. pro Stunde zu zahlen. Der Lohn muß thunlichst auf der Baustelle, nachmittags Uhr, und Ivo nicht lhunlich, im Komptoir um 5�/s Uhr des Sonn- abends ausgezahlt iverde». 4. Lohnabzüge bezw. Lohn- einbehaltiingeii sind entschieden zu vermeiden und der Lohn für geleistete Arbeitszeit stets voll auszuzahlen. 5. Für Arbeiten außer- halb der Ringbahiilinie, bezw. in den Vororten Verlins, ist die mehr erforderliche Zeit, inindcstens aber eine Stimde extra zu ver- güten: desgleichen sind sämtliche, auch innerhalb Berlin verausgabten Fahrgelder zurück zu erstatten. Schnur, Schwamm, Pinsel z'c. sind vom Unternehmer zu liefern. 6. Bei auswärtigen Arbeiten sind »üiidestenS 2,50 M. als Extravergütung, soivie Fahrgeld 3. Klasse zu zahlen!" An Stelle Menz wurde Keller als Revisor ernannt. Ferner ersuchte der Vorsitzende, die Beschlüsse des BraunschweigerKongresies hoch zu halten und für kräftige Ausgestaltung der Organisation thätig zu sein, worauf die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf das Gedeihen der Bewegung geschlössen Ivnrde. Im Verband der Barbiere, Zweigverein Berlin. sprach mn 29. Juui der Kollege Deichsel über„Arbeitsmethoden im Frisenrgeivcrbe". Redner schilderte in interessanter Weise die Entwicklung des Friseurgewerbes. Er bedauerte, daß die Arbeits- Methoden überhaupt keincn Schutz gegen Uebertragung von Haut- krankheiten bieten. Um eine bessere Bedienung herveizuführen, hält Redner ebensolche gesetzliche Bstimmnngen für notwendig, wie dies Budapest der Fall sei. Danach dürfen der Pinsel, Puder- quaste überhaupt nicht in Gebrauch genonililen werden, ebenso ist das Schlafen im Laden verboten. Ueberhaupt ist sämtliches Hand- ivcrkzeug in Sodalösungen zu reinigen und zu desinfizieren. Wäsche darf nur in reinem, ungebrauchtem Zustande benutzt werden. In der Dislussion wurden besonders die in Läden befindlichen chlafstellen, ivelche fast allgemein üblich sind, einer scharfen Kritik unterzogen und Klage darüber geführt, daß dieselben, trotz ver- schiedeiitlicher unternommener Schritte, weiter bestehen dürfen. Nach Erledigung verschiedener Verbandsangelegenheilen wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Die Zrmentierer'uud VerufSgenoffen lZahllielle Berlin IV) hielten am 27. Juni eine mißerordentliche Mitgliederversammlung b. in der ein Antrag zur Gründung eines Streilfonds für die Maurer beraten wurde. R a h n erklärte sich besonders für die Uiiterstützuiig der Kopenhagener Maurer. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, daß, nachdem der Streik der Berliner Maurer bei- gelegt sei. zunächst an die Unterstützung der eigenen Berufsangehörigen denken, welche durch diesen Streik arbeitslos geworden seien. In der- iveiteren Diskussion, die sich sehr lebhaft gestaltete, wies a e s e darauf hin, daß die Organisation»och viel zu chwach wäre, um zu solchen Extraunterstützungen beitragen zu können, er hob ferner hervor, daß die rückständigen Zahler möglichst bald ihrer Pflichten eingedeuk sein möchte»; der Jndifferentismns gegenüber der Organisation müsse verschwinden. L i e s i ck e gab in Form eines Antrages der Ansicht Ausdruck, wegen Lohnerhöhung vorzuschreiten. Tie Nachlässigkeit zweier Kasseiirevisoren wurde 'tark gerügt, an ihre Stelle wurden S ch i r m e r und G ö b e l ge- ivählt. H a e s e teilt»och mit, daß die Mitgliederversammlungen eden Mittwoch nach dem 15. im Monat stattfinden, die nächste so- mit am 19. Juli bei Buske, Grenadier st raße 33. Der un- entgeltliche Arbeitsnachweis befindet sich beim Kollegen Schumann, f e r st r a ß e 14e, und beim Restaurateur Löhrich, Pank- raße 32(1. tFernsprechaiischluß Amt II Nr. 1515.) Im Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins»nd Umgegend bielt am 2. Juli Georg W a g e n c r einen Vortrag über:„Uiiternehmerverbäude und Arbeiterorganisation", in dessen Verlauf er unter anderem auch die Aussperrung der Berlin« Maurer besprach. Er unterzog das Rmidschreiben des Arbeitgeber- Bundes einer herben Kritik, iiidein er darauf hinwies, mit welchen unwahren Angabe» das Unternehmertum es dort versuchte, die Oeffenttichkeit zu täuschen, und er- mahnte die Anwesenden, ihre Organisation kräftiger als je zuvor auSzubaiien, um der jetzt sich gründenden Unternehmer- Orgauisation jederzeit gerüstet entgegentreten zu können; nur hier- durch kann die dem Uiiteriiehmertum abgezwiingene Anerkennung der Organisation auf die Dauer aufrechterhalten werden. In der sehr regen Diskussion versuchte» mehrere Redner, dem Referenten zu widerlegen, wurden von ihm jedoch in ruhiger Weise eines besseren belehrt. «5harlottenburg. Eine Versammlung des Textilarbeiter- Verbandes beschäftigte sich am Mittwoch mit der Arbeits- einstelluiig bei der Finna Gebauer. Hübsch geißelte in scharfen Worten das unüberlegte Vorgehen der bei dieser Firma be- sckiäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Gleichzeitig teilte Redner mit, daß der Fabrikant Gebauer bei den Verhandlungen selbst zugeben mußte, daß die von ihm gezahlten Löhne unzureichend seien; schulv hieran sei aber die schlesische Konturreitz. Ivo noch weit niedrigere Löhne gezahlt würden. Falls die Organisation der Ardeiter im stände iväre. in Schlesien eine Lohn- belvegnng zu iiiscenieren, sei er, Gebauer, bereit 1000 M. hierzu beizusteuern. Nach den eigenen Angaben des Fabrilaiiten verdienen die männlichen erwachsene» Arbeiter 25—27, die Arbeiterinnen 12—16 und die jugendlicheii Arbeiter 10—14 Pf. pro Stunde. Den Iveiteren Alisführnngen des Redners ist zu cnt- nehmen, daß von ca. 300—350 bci der Firma Gebauer beschäftigten Textilarbeitern 186 die Arbeit niedergelegt haben, die Firma' bc- schäflige aber noch 150 Metallarbeiter, so daß im ganzen dort 450 bis 500 Personen beschäftigt würden. In der hierauf folgenden Debatte einpfählen sämtliche Redner den Ausständigen, die Arbeit wieder aufzunehmeii. Gleichzeitig wurde die Wahl einer Kommission zur Anrnfnng des Gewerbegerichts als Einignngsaint empfohlen und hierzu Bartsch, Hauer, Bleeck nnd Frl. MarthaBossier crnannt. Alsdaim gelangte folgende Resolution zur Annahme:„Die heute tagende öffentliche Versanniilung der Textilarbeiter der Firma Gebauer beschließt, das hiesige Gewerbegericht als Einigungsami anzurufeii und sich dessen Schiedsspruch zu fügen." Zum Schluß ivurdeii Bartsch und Hauer als Delegierte zum Gewerlschafts- kartell gewählt. Erkner. Endlich ist es hier gelungen, für unsere Versaininlnngcn zwei Säle zu erhalten nnd in einer Anzahl Restaurants hängt jetzt trei und offen— zum Granen gewisser hiesiger Personen— unser Parteiblatt ans. Nach langer Zeit fand am Sonntag zum erstem male eine öffentliche Volksversanmilinig in B r o d t s Lokal statt, die einen iiiiposaiiten Verlans nahm. Reichstags-Abgeordneter Z u b e i l sprach über:„Die Znchthausvorlage". Seine packende Rede wurde oft von stürmischem Beifall unterprochen, der sich am Schlnsse zu einem wahren Beijallsorkan erhöhte. Nach einer kurzen Dis- klission, an del sich zwei hiesige Genossen beteiligten, ivnrde eine Protest- Resolution e i» st i m m i g angenommen. Alsdann ivurde Genosse H e n tz e zum Vertraileiisiiiami gewählt imd zwei andere Genossen zur Lokalkommission. Nach einer Anfforderungj sich etivas mehr an dem hiesigen Arbeiter- Bildungsverein zu bc- teiligen, schloß der Vorsitzende, Genosse W e r n e r, die großartig verlaufene Versammlung mit einem brausend anfgenommenen Hoch anf die Socialdcmokratie. Aus der Mitte der Versammlung wurde dem Hauptredner des Tages ein Hoch ausgebracht, das stürmischen Widerhall fand. Für uns war dieser Tag ein Sicgestag; min heißt es: mutig vorivärts l Der Arbeiter- Bildungsverein für Mariendorf und Nm- gegend hielt am Sonntag in M a r i e n f e l d e bei T e u t s ch b e i n eine gut besuchte Versamnilung ab, in Ivelcher Rechtsanwalt Fränkl das Referat übernommen hatte. Er sprach über die scheintote Zucht« hansvorlage; der Referent forderte am Schlüsse seines Bortrages die Versammliiiig auf, nicht zu ruhen, sondern den Kampf gegen daS Zuchthausgesetz bis zum äußersten zu führen. Die Versanimlung schloß mit eiiicin Hoch auf die iiiteriiatioiiale Socialdemokratie. Eeiitrolverein der Biireau-Ztiigestellte» Deuischlonds.(Mitglied- schuft Berlin) Heute, abends VzS Uhr. bei Schiller. Rosenthalerstrahe 57: Aliitglicder-Versmnmlung. Bortrag des Herrn Dr. W e i> l über:„Welche telliuig nimilit die Gesundheitspflege gegenüber der englischen Tischzeit ein?" Bedeutmig und Einrichtung des Geiverlichaftshauses. Eeiitralverbaiid der Konditore».(Mitgliedschast Berlin.) Heute abend präcise 8l/z Uhr: Mitgliederversaiinnlung. Gäste wistkoinmen. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Gen. Sillier über„Die Taktik der Gewerk- schasten". Diskussion. 2. Das ausgearbeitete Regulativ der Stellen- oer»iitieliiiigs-Ko»> Mission.— Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jede» Mitgliedes, zu erscheiueu. Berantwvrtlicher Ncdacleur: August Nncvbeu in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Btax Bading in Berlin. Hierzu 2 Brill Uetzke Utechvichken und Depeschen. Haag, 5. Juli. lW. T. B.) Die zweite Kommission ver- sammelte sich heute zu einer Plenarsitzung und stimmte anf Antrag des Vertreters Rumäniens, Gesandten Beldiman, dem Antrage des holländischen Vertreters. Professors Dr. Asser, bei, welcher den Wunsch zum Ausdruck bringt, daß der fchiveizerische Bundes- rat die Initiative zu einer Revision der Genfer Konvention ergreife» niöge. Der Bericht Rolins, betreffend die Revision der Brüsseler Erklärung über die Kriegsgebräuche Ivurde aiigenommeil und wird der Konferenz unterbreitet Iverdem Graf Nigra regte an. Artikel 25 möge auf das Bombardement durch Seestreitkräfte Anweudung finden. Rolin sprach über die Umstände, unter welchen die auf ein Bombardement durch See- streitkräfte aiiweiidbaren Regeln von denen ablveichen müssen, welche ein Bombardemeiit durch Landstreitlräfte betreffen. Nach der Be- prechiuig drückte die Kommission den Wunsch aus, daß die Frage den Regierungen zu einer weiteren Prüfung überlviesen und auf das Programm einer späteren Konferenz gesetzt werde. Bei der Beratung von Artikel 46 der Brüsseler Alts, welcher das Privateigentum behandelt, wurde die Frage der Unver« letzlichkeit des Privateigeiitimis zur See von den Vertrete»« der Ver- einigten Staaten von Amerika aufgeworfen. Der nlssische Vertreter Martens gab in großen Zügen einen Auszug aus dem vorn amerikanischen Vertreter White bezüglich dieser Frage an de» Vorsitzenden der Konferenz gerichteten Schreiben und setzte aus- einander, wie schwierig und uinstäiidlich es sein werde, zu einer Lösung zu gelangen, welche auf einstimmige Almahnie rechnen könne. Er schlug deshalb vor, die Frage einer späteren Konferenz zu unterbreiten, wobei er nicht linterließ, die hochherzige Initiative der Regierung der Vereimgteii Staaten lobend hervorzuheben. Der englische Vertreter Pauncefoote sprach die An» ickit aus, daß die Frage nicht in den Rahmen der Konferenz gehöre. White vertrat die entgegengesetzte Meinung. Er wünsche nicht, daß diese Angelegenheit wegen der Vorfrage ausgeschieden werde, er halte sie vielmehr für sehr wichtig nnd beantrage, sie dem Plemml >' Konferenz vorzulegen. Der holländische Vertreter Rahusen chloß sich den Ansführungen Whites an, der russische Vertreter Scheiue bemerkte, die russische Regierung habe die von den Ver- einigten Staaten aufgeworfene Frage nickl als eine solZKe aiigeschen, ivelche in den Rahmen der Konferenz hineingehöre. White erklärte 'ich mit einer von Martens vorgeschlagenen Resolution eiiiverstanden. durch welche es für wünschenswert erklärt wird, daß die von den Vereiiiigten Staate» aufgeworfene Frage auf das Progranim einer neuen Koiiferenz gesetzt iverde. Diese stiesolutiou wird einer Pleiiarsitzuiig der Konferenz zur Annahme vorgelegt werden. Eine Annahme derselben schließt aber durchaus nicht in sich, daß die gegenwärtige Konferenz in der Frage zuständig sein soll, und zwar nm so weniger, als eine große Anzahl der Delegierten nicht in der Lage sind, sich zu derselben zu äußern. Die Vertreter von Frank- reich, England und Rußland machte» ihre Vorbehalte. Hieraus nahm die Kommission einen Antrag EhschenS an, welcher dahin geht, die Frage der Festsetzung der Rechte und Pflichten der Neu» tralen aus das Programm einer iieueu Konferenz zu setzen. Rom, 5. Juli.(B. H.) Das königliche Dekret Ivird am 20. d. M. in Kraft treten. Falls dasselbe ohne die Zustimmung des Parlaments promulgiert werden sollte, planen Nudini, Zanardelli und Giolitti ein gemeinsames Vorgehen. Florenz, 6. Juli.(W. T. B.) Das Schwiirgen'cht spra-b den Deputierten Pescetti frei, welcher der Teilnahine an den Ruhe» 'törmigen im Mai 1893 beschuldigt war. Rio de Janeiro, 5. Juli.(88.' T. ffl.) In dem Proceffe wegen der am 5. November 1897 erfolgten Ermordung des Kriegs- Ministers Bitencourt, welche die Gerichte wiederholt beschäftigt lhat. wurden heute der Kapitän Deoclesiano Martpr und U m b ch i u o P a ch e c o zu je 30 Jahren Gefängnis verurteilt. und Unterhaltuiigsblatt. «t. 155. 16.»«. des Jonnütts" Kttliner MIKslllM. Z-Ntt-W. 6. 1«li 18S9. AZevvenZiÄUS. Sitzung vom ö. Juli. Nach Erledigung lleinerer Vorlagen tritt dqs Haus in die einmalige Schluhberatunj über den Antrag Grafen von Mirbach: „Das Herrenhaus spricht seine Befriedigung darüber aus, datz die königliche Staatsragierung im Bundesrate für die Vorlage eines Gesetzes„Zum Schutze des gewerblichen SlrbettöverhältnisseS" an den Reichstag eingatreten ist. Das Herrenhaus erwartet, datz die königliche Staatsregiernng an dem im vorgenannten Gesetzentwürfe eingenommenen Standpunkte unentwegt festhalten wird." (Am Ministertisch orscheint Minister Brefeld.) Dr. von Levetzow: Meine Herren, was den vorliegenden Antrag veranlnht hat, ist so bekannt, datz ich hiemuf kaum einzugehen habe. Lange bevor der in dem Antrage näher bezeichnete, in der Thronrede bei Eröffnung des Reichstages verheißene Gesetzentwurf dem Reichstage zuging, ivurde er im ganzen Sande besprochen, und noch ehe man seinen Inhalt und seine Bedeutung näher kannte, wurde er durch die Presse, durch einen Teil der Presse, namentlich der socialdemokratischen, im Publikum auf das äutzechte angefeindet. Man verbreitete, er bcab- sichtige, schwere Strafen über den Arbeiter zu verhängen, er drohe Zuchthausstrafe an, was ihm auch die Bezeichnung„Zuchthans- gcsctz" einbrachte, er beabsichtige die Koalitionsfreiheit zu beschränken, ja zu vernichten, und drohe, wie gesagt, in anormaler Weise Zuchthausstrafe an, wo davon gar nicht die Rede sein konnte. Was der Gesetzentwurf eigentlich will, geht deutlich aus seinen beiden ersten Paragraphen hervor; sie lauten: «Redner verliest den bekannten Wortlaut und fährt dann fort): Sie werden aus diesen Paragraphen entnommen haben, datz darin kein Wort steht von der Betzchränkung des stoalitionsrcchtS, auch nicht von einer Beschränkwng des Rechtes, unter Umständet» einen -streik zu veranstalten(sehr wahr!). Es steht nur darin, datz nicht durch moralische oder rechtlich verwerfliche Mittel jemand soll gezwungen werden dürfen, an einer Koalition sich zu beteiligen oder an einem Streik teilztzmehmen. Das gilt ganz gleichmätzig für Arbeiter und Arbeitgeber. Es sollen die Arbeitgeber, wenn sie durch Verrufserklärungen und ähnliche Mittel einen Arbeitgeber veranlassen wollen, sich an ihren Koalittioncn zu beteiligen, ebenso bestraft werden, wie die Arbeiter, wenn sie solches gegenüber ihren Kollegen thun. Es ist nur die Rede davon, einen Zwang, der moralisch und rechtlich verwerflich ist. zu verbieten� In diesem Sinne könnte man sagen, datz das Gesetz die Absicht hat, die persönliche Freiheit zu schützen(lebhafte Zustimmung), aber nicht, sie zu beeinträch t i g e n.(Wiederholte lebhafte Zustimmung). Von Zuchthaus- st r a f e»st n u r in dem 8 S die Rede. Ich nehme au. datz die Be- stimmnng hineingekommen ist aus Gründen, die ich hier nicht erörtern will. Ich meine aber, datz die Zuchthausstrafe tu dem Gesetze sehr wohl entbehrlich wäre. Nun hat der Stcichstag den Entwurf der ersten Lesung unterzogen, ivelche geschästs- ordnungsmätzig sich auf eine Generaldislussion beschränkte. Ich enthalte mich selbstverständlich jeder Kritik und will nur anführen, datz die in ähnlichen Fällen übliche und meiner Meinung nach in diesem Falle besonders angemessene Kommissionsberatung im Reichs tage mit Mehrheit abgelehnt wurde gegen die Stimmen der Kon- servativen und eines Teils der Nationalliberalcn. Die Vorlage war aufs heftigste angegriffen worden. Zunächst von den Socialdemo- kraten, dann vom Fortschritt und vom Centrmn. Auch der Redner der Nationalliberalen hat sich sehr bcstiinmt gegen die Vorlage er- klärt. Es wird nun die Vorstige im Herbst zur zweiten Lesttng kommen. Ob die Verweisung an eine Kommission, was zulässig. aber nicht üblich ist, dann noch beschloffen werden wird, oder ob die Vorlage a limine abgewiesen, oder durch Amendements wesentlich geändert werden wird, steht dahin; das kann niemand im voraus wtffen. Meine? Erachtens ist die Ablehnuitg der Vorlage das Wahr scheinlichere.(Hört! hörtl) Der hier vorliegende An- trag hat nun den Zweck, die königliche Staatsregierung in dem »m Bnndesrate vertretenen Vorhaben zu bestärken,'auf dem bc- schrittcnen Wege ferner zu verharren. Es wird aber von der Voraussetzung ausgegangen, besomdcrs zu betonen, datz absolut von einer Beschränkung der Koalitionsfreiheit nicht die Rede ist. Die Paragraphen, welche ich Ihnen nicht vorgelesen habe, sind lediglich ausführender Natur, sie betreffen das Princip des Gesetzes in keiner Weise. Es könnte höchstens dar Paragraph in Frage kommen, welcher von dem sogenannten„ S t r e i k p o st e n st e h'e n" spricht. Ich will aber zugeben, d a tz d i e s e r z u h a r t i st. Zu betonen ist ferner, datz der Gesetzentwurf durchaus nicht wescullich gegen die Arbeiter geht, sondern in allen Teilen genau ebenso gegen die Arbeit- gcber, was die Koalitionsfreiheit betrifft und die Freiheit, zu streiken. Diese ist in vielen Fällenge in itzbraucht worden, das haben wir alle erlebt. Ich brauche sie Ihnen nicht vorzuzählen, Sie auch nicht daran zu erinnern, welch kolossale Schädigung— materielle und moralische— durch solche autzcrhalb der rechtlichen Grenzen durchgeführte Streiks herbeigeführt wird. Aber noch größer sind die Schädigungen, welche durch Mißbrauch dcrKoalitionsfrcihcitdcm Vaterlandc und der monarchischen Staats- und der Gesellschaftsordnung zugefügt werde». Datz sich das Herrenhaus, wenn auch die Vorlage nicht direkt innerhalb der Grenzen seiner Kompe- t e n z liegt, bemüht, die Staatsrcgierung auf einem Wege zu er- halten, der geeignet ist, solchen schweren Schädigungen vorzubcuae», — das meine ich. ist R e ch t u n d P f l i ch t d e s H e r r e n h a u s'e s. (Lebhafter Beifall.) Aus diesem Grunde empfehle ich Ihnen die Annahme des Antrages.(Wiederholter lebhafter Beifall.) Präsident Fürst zu Wied teilt mit, datz ein von 40 Mitgliedern unterstützter Antrag auf namentliche Abstimmung eingegangen ist. Graf Mirbach: Die Art der Behandlung, die der Gesetzentwurf zum Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses im Reichstage erfahren hat, hat in weiten Kreisen Befremden und lebhaftes Bedauern erregt, weit über die Kreise meiner politischen Freunde hinaus..(Sehr richtig!) Von den großen Parteien des Reichstages haben allein die beiden konservativen sich voll G»if den Boden der Regierungsvorlage gestellt und ihre lvcitgchcndste Mitwirkung zugesagr, natürlich unter Vorbehalt einzelner Aendernngen. In Konsequenz des Verhallens der konservative» Par- teicn sind meine politischen Freunde hier im Hause gewillt. Ihnen durch de» Antrag Gelegenheit zu gebe», der Regierung Ihre Befriedigung auszusprechen über die von ihr eingenommene Stellung und sie auf- zusordcn», daß sie an dieser Stellung unbedingt festhält. Die Notwendigkeit zur Einbringung der Vorlage ergab sich aus den Er- fahrungen bei Streiks; die Arbeiter müssen gegen den organisierten Terrorismus geschützt werden. Bei uns verdankt man die Streiks ganz�tvesentlich der Socialdcmokratie. Die Socialdemokratic ruft die Streiks ins Lebe»», sie organisiert sie, sie unterstützt sie durch Fernhaltung von Arbeiterzuzug, durch Boykotts, durch brutale Gewalt und durch Geldmittel. Geschieht das im Interesse der Arbeiterschaft? Ich glaube, ganz im Gegenteil. (Sehr richtig!) Wenn der Satz richtig ish datz nur ein prosperierendes Gewerbe auf die Dauer seine Arbeiter gut bezahlen kann, so komme ich zu folgender Schlußfolgerung: Nichts ist so gefährlich für das Bestehen eines Gewerbes, wie langanhaltende, umfangreiche Streiks. Daraus ergiebt sich, datz nichts mehr geeignet ist, die Arbeiter zu schädigen als die Streiks. Es handelt sich hier nicht um das Wohl der Arbeiter, sondern um das Wehe der Arbeiter, das die Social- demokratie erstrebt. Selbst wenn in einzelnen Fällen durch Streiks Lohnerhöhungen erzwungen werden, so werden doch in letzter Linie stets die Arbeiter auf das entschiedenste in Mitleidenschaft gezogen. Die Streiks zwingen die Arbeitgeber zu einer sehr vorsichtigen Zurück- Haltung in ihrem Gewerbe und zur Fürsorge für den Fall der Wiederkehr eines Streiks. Es entsteht ein Kriegsznstand zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern; noch immer aber gilt das Wort: Friede ernährt, Unfriede verzehrt. Ist die Socialdemokratic bestrebt, durch Streiks der Arbeiter- schaft wirksam zu helfen?— Nein, im Gegenteil.(Sehr wahr!) Die Führer der Socialdemokratic sind einsichtig genug, selbst zu wissen, datz die Streiks in letzter Linie die Arbeiter schädigen; es liegt ihnen aber an etwas ganz anderem. Die Socialdcmokratie braucht große Massen, um die be st ehe»de Staats- und Ge- > e l I s ch a f t s o r d u u n g umzustürze», und über große Massen herrscht man auf die Dauer mir durch e i n Mittel, durch eine weitgehende Unzufriedenheit. Und die Frage der Unzufriedenheit, die Bazillen, sind Jammer, Not und Elend, die naturgemäß hereinbrechen müssen in einem Kampf zwischen Arbeitnehmer uud Arbeitgeber.(Sehr wahr.) Trotz alledem aber hat der Reichstag den Gesetz- entwurf nicht angenommen. Die Koalitionsfreiheit der Arbeiter bleibt unberührt.' Unter Strafe gestellt wird nur brutale Gewalt, Bedrohung, Verruf und Ehrverletznng, und diese Strafen treffen gleichmätzig den Arbeitnehmer wie den Arbeitgeber. Man kann sich doch auch Fälle denken, wo die Arbeitgeber von ihrer Gewalt einen Mißbrauch treiben, der unter Strafe steht. Es handelt sich nicht um ein Ausnahmegesetz, wie das Socialistengesctz, sondern um ein Gesetz gegen jeden Mißbrauch des Koalitionsrcchts, und wenn die Socialdcmokratie davon am meisten betroffen Wird, so liegt das daran, datz sie den weitgehendsten Mißbrauch treibt. Nach der Vorlage bleiben ausdrücklich die berechtigten Hand- hingen zur Herbeiführung einer Arbcitcrkoalition strasfrci. Nur Zwangsmittel werden unter Strafe gestellt, denn in einem geordneten Staat hat der Zwang lediglich in der Hand der Polizei, der Gerichte lind der Armee zu liegen. Das, was die Vorlage will, ist der Schutz der persönlichen Freiheit, wie ihn jeder Staatsbürger, gleichviel ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, in demselben Umfange verlangen kann. Die verbündeten Regierungen verdienen meines Erachtcns Anerkennung für ihr Vorgehen, das vollkommen korrekt und durchaus matzvoll war. Die Lösung der Frage liegt im Interesse der Sicherheit des Staates, und in diesem Sinne halten wir es für nötig, der Regierung zu danken und sie zu bitten, datz sie auf ihre»» Wege beharrt. Es ist das eine Frage von eminenter Wichtigkeit, welchen Weg die Rc- gicrung zur Sicherung des Staatswesens einzuschlagen hat. Ich bin überzeugt, datz jeder,' dem mehr an der Lshis publica(öffentlichem Wohl) als an Wohlcrfolgen liegt, der Regierung in ihrem Streben zur Seite stehen wird.(Beifall.) Oberbürgermeister Becker: Ich habe namens meiner Fraktion eine kurze Erklärung ab- zugeben: Die große Mehrzahl derselben ist ciuvcrstmiden mit den Tendenzen des Gesetzentwurfs, auf welchen sich der Antrag Graf Mirbach bezieht. Wir wünschen die Arbeitswilligen gesetzlich zu schützen, so weil dazu ein Bedürfnis nachgewiesen ist, ohne uns damit für die Einzelheiten des Entwurfs aussprechen zu wollen, über den wir ja als Mitglieder des Herren- Hauses nicht zu beschließen haben und dessen Grund- lagen wir nickit kennen. Aber die Gesamtheit meiner Fraktion ist der Auffassnug, datz für den Antrag Mirbach zur Zeit ein Grund nicht vorliegt; sie hält ihn nicht für zeitgemäß. Der Antragsteller hat selbst betont, daß die Regierung ihre Stimme im Bundesrat für den Entwurf abgegeben hat. uud es fehlt an einem Grunde zu der Annahme, datz sie ihre Stellung geändert hätte, oder ändern wollte. Auf der andern Seite aber sind wir der Uebcrzcugung. datz die Wirkunge» des Antrags Mirbach a»tf den Reichstag voraussichtlich Vis umgekehrten sein werde», als es die Freunde des Antrags tvünschen. Aus diesem Grunde werden wir gegen den Antrag stimmen. Minister Brefeld: Es kann die Regierung nur mit Befriedigung erfüllen, wenn, wie es bereits in weiten Kreisen der Bevölkerung gcfchehcn ist, nun auch in diesem hohen Hause das Eintreten der Regierung für den gesetzlichen Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses Anerkennung findet. Ich betrachte es als vollkomme» selbstverständlich, daff die Regierung an ihrer bisher vertretenen Auffassung auch bei der weiteren Beratung der Borlagc festhalte» wird. sBeifall rechts.) Professor Tchmollcr: Ich gehöre dem höhen Hause erst wenige Tage an und bitte um Entschuldigung, wenn ich Sie schon heute mit einigen Worten behellige. Ich stehe seit 30 Jahren im Vordergrunde der allgemeinen sozialpolitischen Diskussion in Deutschland, und ich würde eS als einen Verrat an meiner eigenen Vergangenheit betrachten, wenn ich nicht hier meine dissentierende Stimme gegenüber dem Antrage erhöbe. Ich stehe auf dem Standpunkt der Majorität des Reichstags, obwohl ich von jeher auf der rechten Seite meiner politischen Freunde stand, obwohl ich von jeher die grohen Schattenseiten des heutigen Koalitionsrechts unbedingt anerkannt habe. Ich habe auch in öffentlichen Bersammluugcn des Vereins für Social- Politik immer wieder an das wahre Wort von Rodbcrtus erinnert: In hundert Jahren wird man denjenigen Staat für verrückt halten, der es überhaupt duldet, datz eine Summe der ArbeitSthätigen zeit- weise beliebig die Arbeit einstellen kann. Das kann kein dauernder Zustand sein. Warum sind denn aber nun doch alle Kulturvölker zu der Koalitionsfreiheit gekommen? Warum ist diese Koalitionsfreihcit hier in Preußen cntstaiidcn wesentlich mit auf Betreiben konservativer Männer? Die hervorragendsten Vertreter der konservativen Partei— ich erinnere nur an Blankenburg und Wagcner— sind in den sechziger Jahren mit der äußersten Energie für die Koalitionsfreiheit ein- getreten auS dem einfachen Grunde, weil gegenüber den bestehenden Verhältnissen man in der Koalitionsfreiheil doch das einzige Mittel sah, um in einem Staate mit freier Konkurrenz auch d.en freien Konkurrenzkampf bezüglich der Lohnverhältnisse so zuzulassen, wie es ftir alle anderen Kreise besteht; vielleicht aller- dings auch deshalb, weil man damals die Schalten- seitcn noch nicht so übersah, wie heutzutage. Also mein Ziel geht ebenso wie das des Grafen Mirbach dahin, aus diesen Zuständen mit der Zeit hcrauszukonimen. Aber der Weg, der eingeschlagen wird, führt nicht zu diesem idealen Ziele, wenn man Erschwerungen herbeiführt, die zunächst von den Arbeitern als Uugrrcchtigkctt cmpfnudru werden. Ich gebe vollständig zu, datz sämtliche Paragraphen der Vorlage diskutierbar sind,»md ich Würde unter Umständen, wenn sie mit gewissen anderen Reformen verbunden wären, wahrscheinlich für sie eintreten, besonders dann, wenn die Thatsachen, auf die sie sich stützt, durch ein zuverlässige absolut öffent- liche Enquete festgestellt wären und das unbedingte Vertrauen aller Parteien verdienten. Dies ist aber für mich nicht vor- Händen; dazu reicht die Denkschrift der Bundesregierungen nicht aus. Für mich wäre eine solche Vorlage unbedingt diskutabel, wenn sie verbunden wäre mit einer Reform des Arbeitervereinsrechts und des Koalitionsrechts. Der jetzige Zustand auf diesem Gebiet ist unerträglich. Ich vcr- misse es, datz man nicht solche Reformen mit den Strafbestimmungen verbunden hat. Hätte man das gethan, so wäre es dem Zusammen- wirken der konservativen Parteien, den Nationalliberalcn und des CentrnniS nicht schwer geworden, einen Mittelweg zu finden. Es wäre dazu notwendig gewesen, den Vertretern der Arbcitcrinteressen einige Konzessionen zu machen. Man hat aber nur Straf- bestimmuiigcn gegeben, die gewiß der besten Absicht entsprungen sind, die aber notwendig durch diese Isolierung unter einen falschen Schein gekommen sind, mit dem man bei den Massen rechnen mutz. Von den' 12—14 Millionen Arbeitern, die wir haben, sind nur 1— 2 Millionen Socialdemokraten, aber auch die übrigen haben sämtlich diese Vorlage als ein privileZium� odiosum(gehässiges Privileg) empfunden, teilweise weil sie dieselbe gewiß nicht ver- stehen,'teilweise weil falsch agitiert wurde, aber vor allem deswegen. weil unsere ganze moderne Enttvicklnng der Volkswirtschaft auf Vcreinsbildnngen aller Art hindrängt. Ueberall ballen sich die Kräfte zusammen, überall entstehen Kartelle, Centralvcrbände, Innungen, Landwirtschaftskammern; wenn aber die Kräfte sich überall so zusammeuschließen, dann darf man das den Arbeiter»» allein nicht erschweren. Darin, daß diese Er- schwerung hier in Erscheinung tritt, liegt der dunkle Punkt der Vorlage, der Mißstimmung erregt, Mißstimmung, die gewiß viele Uebertrcibungen mit sich bringt, die aber doch so stark ist, daß sie die große Majorität des Volkes und des Reichs- tagcs für sich hat. Das ist ein Element, mit dem»nan rechnen mutz. Im monarchischen Staat ist es die erste Pflicht der Regierung, überall das Beivntztsein zu erhalten, datz sie gleiche Sonne und gleiches Licht auf alle Staatsangehörigen verteilt Gewiß ist dieses das Bestreben aller preußischen Regierungen gewesen, aber in diesem Fall hat sie wenigstens den Schein nicht vermieden, als ob sie mehr in» Interesse der Unternehmer als in» Interesse der Gesamtheit unserer Arbeiter thätig sei, und diesen Schein beklage ich. Fürst Bismarck hat einmal als Minister bei einem Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, als ein Landrat und die Gcudarmcu des betreffenden Kreises ausschließlich für die Arbeitgeber eintraten. sofort dem Minister des Innern geschrieben, dieser betreffende Landrat müsse beseitigt werden; das gehe nicht, daß königliche Behörden einseitig für die Arbeitgeber Partei nähmen. Das ist der Standpunkt, den die Regierung einnehmen mutz. � DaS ist es. was Herr Gcheimrat Wagner in allen früheren social- politischen Debatten immer wieder betont und in den Vordergrund gestellt hat. Das ist auch niein Wunsch. Die früheren preußischen Regenten, vor allem Friedrich der Große — ich' kenne'die Akten Friedrichs des Großen bis auf die letzte Seite— haben nichts mehr gewünscht, als den Glauben zu erhalten, datz die Staatsrcgierung ebenso sür die unteren wie für die oberen Klassen sorge. Friedrich der Große hat alle m ö g- lichen Ungerechtigkeiten begangen, um diesen Glauben zu erhalten. In der bekannten Affaire zwischen Herrn von Gcrsdorff und dem Müller Arnold hatte von Gersdorff recht und Arnold nn« recht. Friedrich der Große ist für die Bauern eingetreten, um die Stimmung in den Massen zu erhalten, datz die Regierung die imtcren Klassen in ihren Interessen ebenso hoch halte wie d»? oberen. Das ist auch ein wichtiger Gesichtspunkt in den Stimmungeil des öffentlichen Lebens; und von diesem Gesichtspunkte ans, glaube ich, würde eine Wiederholung derartiger Reformvorschläge aus all« gemeine Annahme rechnen können, wenn nicht blos Strafanträge ge« stellt, sondern d i e s e oder jene andere Reform«»» damit verbunden würden, wenn auch nur die Bcnrtcilnng der Dinge, um die es sich handelt, von feiten der Regierung eine solche wäre, daß man sähe, daß sie a n ch bei den anderen die Schatten- feiten erkannt.— In der Debatte im Reichstage ist viel von de» Kartellen die Rede getvesen. Minister Brefeld hat ihnen ein großes Lob gesungen, das ich wohl unterschreiben kann. Ich habe in ähnlicher Weise mich wiederholt öffentlich ausgesprochen. Aber die Schattenseite bei den Kartellen ist doch � auch vorhanden, Die Kartelle sind heutzutage vielfach absolute Monopole, die an bestimmten Punkten die Gewerbefrciheit.Holl- ständig aufgehoben haben und gegenüber einzelnen Outsiders die nämlichen M i tz b r ä u ch e üben, wie die Arbeiter gegen- über den Streikenden. Wenn man wenigstens nur einmal gesagt Hütte:„Das verurteilen wir ebenso und wir werden dagegen ebensa eine Gesetzgebung erlassen", so würde ich schon über die Vorlage ganz andere Einpfindnngcn haben. Aber so hat man die Enipfin» dnng! es»vird mit nnglcichcm Maffe gcilirsscn; und so lange dieser Schein besteht, kann ich nur sagen: ich würde als Mitglied des Reichstages mit der Mehrheit gestimmt, ich würde mich auf den Standpunkt des Abg. Lieber gestellt haben: diese Strafparagraphen sind für mich nur diskutierbar im Znsammenhange mit einer Reform des Arbeitervercinsrechts und des gcsammtcn bestehenden Äoalitions- rechts.(Beifall.) Graf Mirbach bleibt dabei, datz das Gesetz gerecht sei und der Rcgicning dafür Dank geschuldet werde. Freiherr von Mantcnffel: Die politischen Freunde des Herrn Becker wollen nicht für den Antrag Mirbach stimmen, weil sie meinen, die Wirkung auf den Reichstag werde die umgekehrte von der sein, die der Antragsteller bezweckt. Ja. meine Herren, viel schlechter kann es doch im Reichs- tage nicht werden.(Heiterkeit.) Daß die Nationalliberalcn nach der andern Seite umfallen, ist ja möglich. Gegenüber Herrn Scknnoller hat Graf Mirbach schon ausgeführt, daß die Koalitionsfreiheit»n der Gcsetzcsvorlagc nirgends angetastet wird, ebenso wenig wird die Streikfrciheit angetastet. Und wenn bei den Arbeitern Unznsriedenheit über die Vorlage hervorgetreten ist, so meine ich, mutz gerade durch die Vorlage die Unzufriedenheit beseitigt werden, und das kann nurgeschehen) wenn' die Arbeiter, die den Wunsch haben, sich der Social- demokratie nicht zu beugen, Wieder in der Lage sind, hinreichend auf ihre Mitarbeiter einzuwirken. Das werden sie aber erst können, wenn eine derartige Vorlage Gesetzeskraft erlangt hat(Sehr richtig!>. wenn der TcrroriSinnS der svcialdemokratischcii Agitatoren durch gesetzgeberische Maßnahmen gebrochen wird. Das Wort, das Graf PosadowSky ausgesprochen hat, wo er die Reden der socialdcmokra« tischen Abgeordneten im Reichstage mit dem Ausdruck kennzeichnete: Ter Staat sind wir. ist ein sehr zutreffendes Wort. Nicht die Ar- bcitcr, nicht die Arbeitgeber, nicht die verbündeten Negicrnngcn, nicht alle? das zusammcn'gcfaßt. ist der Staat, sondern die social- demokratischen Agitatoren sind der Staat nach ihrer Meinung. (Sehr richtig!) Und diesem Zustande muß ein Ende gemacht werden (Zustimmung) dadurch, daß die verbündeten Regiernngen eingedenk sind der Verpflichtung, die sie übernommen haben, auch die Arbeiter zu schützen vor den sogen. Arbcitcrfrcundcn, die aber thatsächlich ihre schlimmsten Feinde sind. Nun hat HerrSchmoller vorgeschlagen, einen Mittelweg zwischen Konservativen, Ccntrnm»nid Nationalliberalcn zu finden, ans Grund dessen sich eine Mehrheit für eine derartige Vorlage herstellen lasse» würde. Ja, den Konservativen ist diose Vorlage schon knapp das, waS sie wünschen. Im ganzen und großen, glaube ich, würden sie mit der Aufnahme der Znchthansbestimiunnge»» in den Bestimmungen der Vorlage weitergehende Wünsche haben, und da soll»nan, abgesehen davon, datz die Mittelstratze einzuschlagen immer schwierig ist, noch andere Bestimmniigen treffen, doch'jcd«ifalls nur auf Kosten der Konservativen, um sie mit dem Ccntrnm und den Nationalliberalcn zu vereinigen. Ich glaube, das ist ein schwieriges Unterfangen, und wenn. Herr Schmoller Mitglied des Bundesrates Wäre und eine derartige Ausarbeitung machen sollte, die allen diesen drei Parteien in diesem Augenblick gefiele— ich glaube, cS würde ihm doch ziemlich schwer fallen. Herr Schmoll«' hat weiter ausgeführt: 14 Millionen Arbeiter haben wir, davon sind noch nicht zwei Millionen Socialdemokraten und diese zwei Millionen sind die wahren Störenfriede. Aber die anderen 12 Millionen sind auch unzufrieden, bei denen herrscht auch eine Mißstimmung wegen der Vorlage, ein Odium ist emporgewachsen ans der Vorlage bei den anderen Parteien. Das kommt nur dadurch, datz eben nicht gegen die socialdemokratischen Agitatoren wirksam einzuschreiten ist, daß man nicht die Arbeiter, die wirklich arbeitswillig sind, die den staatserhaltenden Parteien angehören wollen, vor de» brutalen Kraftäutzerungen der weniger orgatlisierteu Arbeiter schützen kann. Einige wenige Agitatoren organisieren vielleicht ein Zwölftel der ge- fmnton Arbeiterschaft, und dieses Zwölftel, geführt von den ge- wissrnloscn Agitatoren, ist stark genug, die übrig bleibenden Millionen zu verhindern, das zu thnn, was sie thnn wollen zum Wohle ihrer ftamilie, zum Wohle des Staates, zum Wohle all der- jenigen Verhältnisse, die ihnen und uns allen am Herzen liegen, Aus diesem Grunde ist es nolweudig, das; ivir der preußischen Staatsregiernng unsere Zustimmung aussprechen, daß sie aus dem Wege beharrr, den sie bisher eingeschlagen ch at. Wenn ich mir einmal die Gesetzgebung der letzten 15 Jahre ansehe, ob sie sieh wirklich im wesentlichen zu Gunsten der Arbeitgeber gestaltet bat, so glaube ich, kann man das mit gutem Gewissen bestreiten, und— wenn Friedrich der Große noch jetzt regierte— arbeiterfreundlicher könnte er nicht regieren, als die Fürsten aus dem Hohenzollernhause in den letzten Jahren und weit über 15 Jahren hinaus regiert haben,(Veisall,) Herrn Schmoller ist ein großer Irrtum untergelaufen; der betreffende Mann hieß nicht Gersters, sondern Schmettow. Ich kann ihm eine Kabinettsordre Friedrich des Großen nach dieser Liichtnng hin zur Verfügung stellen, Wie sich Herr Schmoller hierin geirrt hat. hoffe ich, wird er sich auch in seinem Prognoslikon irren. lHeiterkeit.) Ich bitte Sie dem- nach für den Antrag des Grafen Mirbach zu stimmen. tBeisall.) Stach kurzer Erwiderung des Oberbürgermeisters Becker schließt die Erörterung. Es folgt die namentliche Abstimmnng, Zlliit »t» gegen ÄA Stimmet» wird der Antrag Mirbach angenomuirn Vagegen stimmen die Oberbürgermeister Becker,'Bender, B ü ch t e m a n n, Bunnemann, F n ß, Dr. G i e s e, I ä g e r, K o h l i, Lörsch, Staude, Veit mann, Z w e i a e r t, femci- Graf Behr-Behrenhoff, Graf Hütte n-Czapski und Landgraf Alexis v o n H e s s e n, Graf von S ch l» e b e n dann die Professoren Dr. F ö r st e r, Dr.Neinke, Dr. Schmoller, Steichsbaiitpräsideiit Dr. il o ch und die Geh. Regierungsräte Nissen und Slab y.. � Hierauf erledigt das HauS einige Petitionen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. . Nächste Sitzung:' Donnerstag 11 Uhr(Gesetzentwurf betr. die arztlichen Ehrengerichte, Medizinalreform). Schluß 5 Uhr. Berlin fast immer an der Jnschriftfrage. Am NeichstagS-Gebäude fehlt dieselbe noch heut. Ein Portal für den Friedhof der März gefallenen kann wegen der Inschrift noch nicht einmal in Angriff ge nomine» werden. Der Dom ist besser daran: er hat seine Inschrift. Hoffentlich wird dieselbe nicht noch nachträglich sortgeineißelt! Beschränk«»«; der Sonntags- Briefbestellung. Die Post geht mit der Beschränkung des Sonntagsdienstes wieder einen Schritt weiter. Das Neichspostamt hat verfügt, daß vom Sonntag den ö. d. M. ab die zweite Sonntags-Briefbestellung, welche vor' uehmlich Briefs enduiigen ans dem Süden und Südwesten Deutsch lands, die mit dem Eisenbahnzuge um 6,46 früh auf dem Anhalter Bahnhof eingehen, und aus dem Weste», welche mit dem Eisenbahn zuge Köln-Hannover um 712 früh in Berlin anlangen, enthält, in Berlin und seinen Vororten in Wegfall kommt. Diese Sendungen werden daher erst am Montag mit der ersten Bestellung abgetragen. Der ersten SonntagSb'estellung sollen Zukunft jedoch möglichst viele Brieffendung'en zugeführt werden und es sind deshalb die Postämter ermächtigt, dort. Ivo dies n>it Vorteil geschehen kann, diese Bestellung' um cirea 15 Minuten später beginnen zu lassen. Ilm auch diejenigen Korrespondenten, denen daran gelegen ist, die mit den obengenannten Eisenbahnzügen eingehenden Briefe noch Sonntags zu erhallen, nicht zu sehr zu schädigen, soll diesen anheimgestellt bleiben, betreffs dieser Sendungen eine vorschriftsmäßige Abholuiigsertlärung, zu welcher von den Postaustalte» Formulare unentgeltlich verabfolgt werden. bei der betreffenden Postanstalt niederzulegen. Die Sendungen können dann am Ausgabeschalter, welcher Solintags im Sommer von 7 bis 9 Uhr, im Winter von g bis 9 Uhr früh und außerdem von 12 bis 1 Uhr mittags geöffnet ist, in Empfang genommen werden. Vokales. Zur Lokalliste. Am 16. Jnli erscheint die nächste Lokalliste. Die Lokalkommissions-Mitglieder Berlins und der Vororte werden hierdurch aufgefordert. Aendenmgen resp. Neuaufnahmen bis s p ä t e st e n s den 12. Juli an Unterzeichneten einzusenden. Karl Scholz, Wrangelstr. 110. Achtung! Mitglieder der Freien Volksbühne! Die General- Versammlung des ersten Quartals vom laufenden Geschäftsjabr findet am Donnerstag, den 13. Juli. 8V- Uhr. in den Arminhallen(unterer statt. Die Tagesordnung ist aus dem heutigen Inserat er- sichtlich! Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Die„Schlächtcrwicscn" nannte man noch vor wenigen Jahr- zehnten jenes Gebiet, aus dem sich heute das neue Straßeuviertel vor der Hasenheide erhebt. Die Ländereien, die jetzt mit modernen Mietspalästen bedeckt sind, haben in ihrer Vergangenheit mancherlei interessante Daten aufzuweisen. Als Berlin und Kölln kurz nach ihrer Gründung 1220.mit Aeckern. Wiesen, Weiden und Wäldern aus- gestattet wurden, erhielt Kölln vom Markgrafen auch die„Ilrlake", ein sumpfiges, mit Erlen bestandenes Terrain, das sich vom „Slixdorfer Damin" bis zur Schoneberger Grenze hinzog »nd den Köllnischen Bürgern das nötige Breunholz liefer» lollte. 1416 wurde das Gebiet umhegt, und alte Prozeßakte» lenes Jahres ergeben, daß ein Mann. Naniens„Kulbatz" gehenkt wurde„weil er die Landwehr aufgehauen und Holz der Bürger ge- stöhlen hatte." 1430 machten die Tempelhofer Bauern, die damals -noch dem Johanniter Orden unterstanden gleichfalls Ansprüche auf ■die Mitbenutzung des Holzes, es kam sogar zu einem regelrechten ,„Krleg", in dessen weiterem Verlans sogar der Ordenskomtur mit jdreihuiidert Rittern und den Bauern von vier Dörfern(Tempel- Hof, Richardsdorf. Mariendorf, Marienfelde) vor die Thore Köllns rückte um die Stadt zu belagern. Die braven Berliner eilten sthren Mitbürgern jedoch zu Hilfe, eine wilde Schlacht entspann sich. lder Ordenskomtur, ein„von Lagow", fiel im Kampf und den ver- einten Anstrengungen beider Städte gelaug es. die Angreifer zurück- �zutreiben und sich des Schlosses von Tempelhos zu bemächtigen. Um die unruhigen Nachbarn endgültig los zu werden, kaufte Berlin -dem Orden endlich seine Besitzungen ab. Am 25. September 1435 trafen die Abgeordnteii der Städte mit denen des Ordens auf dem heutigen Johannistisch zusaminen und tauschten hier Kauflontrakt lind Kaufsumme. Für 2439 Schock 40 Groschen(40 260 M.) erhielt Berlin Tempelhof mit dem Nittersitz, Nixdorf mir der Heide, Bruch und Wiesen, Mariendorf mit der Windmühle und Marienfelde »nt dem ,. Hegesee" bei Teltow. Die Grenzlinie der„Bürger-i Holzung" ging hinter dem Johannistisch über einige Sandhügel, auf deren einen sich das Halsgericht, die„Feimstätte" der Stadt Köln erhob. 1513 wurde hier der Junker von Otterstädt enthauptet, einer jener adligen Strauchdiebe, die es nicht vertragen konnten, daß ihnen das Wegelagern verboten werden sollte. Im 17. Jahrhundert erhielt (die Berliner Schlächterinnung das ganze Gebiet als Hütung für ihr Schlachtvieh, erst 1852 wurde die Vergünstigung aufgehoben. Das fGewerk erhielt eine Entschädigung, der Name„Schlächlerwiesen" blieb dem Landstrich bis in die sechsziger Jahre, dann löste ihn der„Urban' ab, eine Verdrehung der alten„Urlake". In die Ferienkolonien werden diesmal 3406 Kinder geschickt, 6 mehr als im Vorjahre 1898. Wie viele zur Aufnahme an- gemeldet w a r e n, ist bisher nicht bekannt geworden. Im vorigen Jahre sind etwa 9000 Kinder von den Vertrauens- nrzten untersucht worden, in diesem Jahre werden es kaum weniger gewesen sein. Wenn im Vorjahre von rund 9000 unter- suchten Kindern nur 3400 berücksichtigt wurden, so drängt sich die Frage auf, wie viele wohl nach dem Urteil der untersuchenden Aerzke Berücksichtigung verdient haben mögen. In dem vom Komitee veröffentlichten Bericht pro 1898 findet man hier- über keine direkte Angabe. Der Bericht sagt nur:„Leider haben wir allen Wünschen der Lokalkomitees wegen Berücksichtigung aller bedürftigen Kinder ihres Bezirks nicht entsprechen können, weil uns eben die dazu erforderlichen Vsittel fehlten; es hätten uns dazu wohl noch weitere 100 000 M. zur Verfügung stehen müssen. Wir haben geholfen, soweit wir konnten." Da die 3400 berücksichtigten Kinder des Vorjahres gegen 109 000 M. Kosten verursacht haben, so läßt das Verlangen nach„weiteren 100 000 M." darauf schließen, Laß von den 9000 untersuchten Kindern un- gefähr noch weitere 3400 von den Aerzten als der Berücksichtigung würdig bezeichnet worden waren. In Sache» der„Socialistischen Monatshefte", die, wie bekannt, gegen den Protest des allein zuständigen Direktoriums auf Betreiben des Universitätsrichters und Staatsretters D a u d e aus der Akademischen Lesehalle entfernt wurden und deren Wieder- auslegung von einer Anzahl der verschiedensten Richtungen an« gehörigen Mitgliedern und Abonnenten verlangt worden war, hat -das Direktorium der Lesehalle in seiner letzten Sitzung— am Abend des vorigen Dienstags— beschlossen, zunächst noch einmal beim Rektor vorstellig zu werden, sodann aber erst weitere Maßnahmen zu ergreifen. Der Beschluß wurde mit 5 gegen 3 Stimmen gefaßt; von der„wissenschaftlichen" wie von der„nationalen" Partei fehlte je ein Vertreter; die Mehrheit kam dadurch zu stände, daß ein Ver- treter des„V. D. St." mit den Vertretern des„Soeialw.Studentenver.", der„Fr. Wissensch. Ver." und der wissenschaftlichen Vereine stimmte. Eine Berliner Merkwürdigkeit kann man jetzt, wo am neuen Dom auch das Gerüst der Fronr nach dem Lustgarten fast gefallen ist, bewundern. Diese Front zeigt nämlich— zwei Inschriften? Sonst scheitert die völlige Fertigstellung öffentlicher Bauwerke inj Durch den Schutzniaunssäbel getötet. Der amtliche Polizei bericht teilt folgendes mit: Am Dienstagabend sollte der 36 Jahre alte Schmied Wilhelm Gottschalk, nachdem er wegen groben Unfugs festgenommen war, mit dem Arrestantenwagen nach dem Polizei- Präsidium gebracht werden. Er wehrte sich gegen seine Fortschaffuug mit aller Mackit, versetzte u. a. einem Schutzmann ein Fußtritt gegen den Unterleib und einem zweiten einen Fußtritt gegen den Kopf, so daß den Beamten nichts übrig blieb, als den Säbel zu ziehen, wobei Gottschalk einen Hieb mit der flachen Klinge über die Beine erhielt. Er versuchte, obwohl er inzwischen in den Wagen hineingeschoben ivorden war, dem Beamten den Säbel zu entreißen, und bei dem Ringen um denselben muß er sich wohl m einer zunächst nicht wahrnehmbaren Weise verletzt haben, denn als er während der Fahrt zu bluten anfing und deswegen nach der Klinik in der Ziegelstraße ge- schafft wurde, starb er dort nach kurzer Zeit. Augenzeugen des Vorfalles schildern denselben etwas anders wie der amiliche Bericht. Danach ist richtig, daß der Verhaftete, als er in den grünen Wagen gebracht werden sollte, sich heftig ivehrte Es gelang den Schutzleuten aber, ihn trotzdem in den Wagen zu bringen; als der Arrestant aber auch hier noch seinen Widerstand fortsetzte und mit den Beinen die Schutzleute stieß, hieben die Beamten mit blanken Säbeln in den Wagen hinein.— Nach dem amtlichen Bericht soll die Verwundung des Arrestanten zunächst nicht ivahrnehmbar gewesen sein. Dem widerspricht aber die Thatsache, daß an der Stelle, wo sich der geschilderte Vorgang abgespielt hat, noch am Mittwochnachmittög die deutlichen Spuren einer Blutlache, deren ovale Form einen Längs- dnrckmesser von etwa 30 Eentinietem nnd einen Querdurchmesser von etiva 50 Centimetern zeigte, sichtbar waren Im Anschluß an diese Blutlache bezeichnete eine etwa 5—7 Centi- meter breite Blutspur den Weg, welchen der grüne Wagen ein- geschlagen hatte. Augenzengen wollen diese Blutspur von der Sto valis- bis zur Hannoverschen Straße verfolgt, haben.— Hlvr- nach erscheint es uiiivahrscheinlich, daß nian die entsetzlichen Verwundungen des Arrestanten nicht sogleich bemerkt haben sollte. Mag der Betreffende auch nichts ohne seine Schuld zu den Verwundungen gekommen sein, so hätte man ihn, nachdem aus den beschriebenen Anzeichen die Schwere der Verletzungen zu erkennen ivar, unverzüglich in ärztliche Behandlung geben sollen, anstatt ihn mit dem grünen Wagen tveiter zu tranS- Portieren. Es erscheint unverständlich, weßhalb man mit Säbeln gegen einen Arrestanten vorging, der bereirs ziemlich ivehrlos war, da man ihn ja schon in die Isolierzelle im Wagen hineingebracht hatte und er also den Beamten nicht mehr gefährlich werden konnte. Durch den Zusammenbruch des Balkenlagcrs einer Bagger- Maschine sind die Arbeiter Ferdinand Strobe, 57 Jahre alt, und Gustav Rau, 44 Jahre alt, schwer zu Schaden gekommen. Auf einem Grundstück in der Karlstratze gegenüber dem Zirkus soll ein Neubau aufgeführt werden. Der durch die nahe Pauke bedingte schlüpfrige Grund soll zu diesem Zweck ausgebaggert iverden. Während der Arbeit am Mittwochnachmittag riß plötzlich die Kette der Maschine, und das Lager stürzte zusammen. Die beiden Arbeiter, die aus ihm standen, ivurden mir hinabgerissen. St. wurde durch Balken, die ihm auf den Brustkasten fielen, zu Boden gedrückt nnd erlitt starke Quetschungen. R., der ihm zu Hilfe kam und einen Teil der stürzenden Last zurückhielt, hat Verletzungen an den Armen er- litten. Beide wurden nach einem Krankenhause gebracht. Ein dritter Arbeiter, der nur leichte Schäden davongetragen hatte, konnte sich nach Hause begeben. Ter Konflikt mit dem Kirchhofs-Jnspektor auf dem Johannes- Kirchhof, über den wir gestern berichteten, passierte bei dem Be- gräbnis des Zimmerers Ort, der nicht, wie irrtümlich mitgeteilt war, Mitglied der Freien Vereinigung der Berufsmusiker war. Er- gänzend sei zu unsenn Bericht hinzugefügt, daß nach der Bestattung lrotz des Verbots des Kirchhofs-Jnspektors die Trauermusik einsetzte. Man will abwarten, was nun die Verwaltung zu thnn gedenkt. In der Untersuchnngösache gegen Gehlscn teilt uns der Kauf- mann Herr Emil Ah lerne her, Charloitenburg. AmLützow 10, berich- tigend mit. daß auch er, ebenso wie der Rechtsanwalt Dr. Hartz- selb, nicht als Angeschuldigter, sondern nur als Zeuge vernommen wurde. Ii» Künstlerhause des Vereins Berliner Künstler, Bellevue- straße 3, ist feit gestern die zweite Hälfte des für das Reichstags- gebäude bestimmt gewesenen Wandgemäldes von Franz Stuck aus- gestellt. Neben diesem befinden sich viele Werke hiesiger und auswärtiger bekannter Meister daselbst. Fenerbericht. Feuer in Reinickendorf. Mittwoch- nachmittag IVa Uhr wurde die Feuerwehr nach Reinickendorf gerufen. In der R e s i d e n z st r a ß e 16 belegenen Druckerei des„General- Anzeigers" stand der Dachstuhl des Vorderhauses in hellen Flammen und da bei den dort lagernden Papiervorrätenl eine Gefahr für die umliegenden Gebäude vorhanden war, requirierte der Amtsvorsteher die Berliner Feuerwehr. Die brennenden Papiermassen venirsachien eine enorme Verqualmung und erschwerten die Löschungsarbeiten ungemein, doch gelang es nach l'/e stündiger Arbeit, das Feuer zum Stehen zu bringen. Der Dachstuhl wurde eingeäschert. Der ver- ursachte Schaden ist recht erheblich. Ueber die Entstehung des Feuers konnte nichts ermittelt werden.— Eine Benzinexplosion verursachte Mittwochmittag einen Alarm nach Dresdener- straße 66. Hier war in dem Keller des Droguengeschäfts von Brandes durch Unvorsichtigkeit eines Gehilfen ein Ballon Benzin in Brand geraten, wodurch eine heftige Explosion erfolgte. Der Bursche konnte zwar noch aus dem Keller flüchten, doch erhielt er im Gesicht und an den Händen schwere Brandwunden. Die Feuerwehr hatte etwa eine Stunde zu lhun, um den entstandenen Brand abzulöschen.— Dienstagnachmtttag wurde die Wehr nach der Köpnickerftraße, Ecke Michaelkirch st ratze gerufen. Hier war ein Zusammenstoß zwischen einem beladenen Heuwagen und einem elektrischen Straßenbahnwagen erfolgt, wobei der Kutscher des HeuwagenS so schwer verletzt wurde, daß er bald darauf starb. Die Feuerwehr mußte eingreifen, um den aus den Schienen geratenen Aeeumulatorwagen wieder flott zu machen.— Gegen Abend erfolgten noch drei Alarmierungen. Linien- straße 126 brannten Papierborrate in einer Papierfabrik, Grüner Weg 116 hatten Holzabfälle Feuer gefangen, während Reinickendorfer st r. 2o Preßkohlen und Wäsche in einem Bodenverschlage eingeäschert wurden. Mittwoch früh 3 llhr war E a p ri v i st r a ß e 4 ein Zimmerbrand zu beseitigen, der Gardinen, Kleidungsstücke und Möbel beschädigte. Aus de» Nachharorr»u. Aus Rixdorf. Von einem Wagen der südlichen Vorortbahn wurde am Dienstagnachmittag der 7 jährige Sohn des in der Erk- straße 12 wohnhaften Nachtwächters H i l d e b r a n d nberfahrenkund getötet. Der Knabe war im Begriff, den Fahrdamm zu überschreiten, als er von dem dahinsausenden Wagen ergriffen und total zermalmt wurde. Die Glieder und inneren Teile lagen zerstreut umher auf dem Straßendamm, was einen gräßlicheil Anblick bot. Augenzeugen geben dem Wagenführer Schuld, der nicht vorivärts geguckt höben soll. Im allgemeinen dürfte aber wohl die übermäßige Schnelligkeit Schuld tragen, mit welcher die Vorortbahn die Verkehrs- reichen Straßen durchfährt. Von einem D» n g w a g e n überfahren wurde am Mittivochnachmittag in der Bergstraße der Schnlkiiabe Paul K r e ß n e r. Der Knabe fuhr mit einem Handwagen, vor welchem ein Hund gespannt war, die Bergstraße entlang, als er plötzlich von einem Dnngwagen, dessen Kutscher schlief, überfahren wurde. Dem unglücklichen Knaben, Sohn einer arme» Wittive, wurde ein Arm total zermalmt; außerdem trug das Kind noch andere schwere Verletzungen davon, so daß seine Aufnahme in einem Krankenhaus er- forderlich wurde. Ein vom Amtsgericht in K o 1 1 b u s wegen Unterschlagung steckbrieflich verfolgter Ämtssekretär S e e g e r wurde gestern hier ver- haftet. WilmcrSdorf-Halcnsce. Die Parteigenossinnen nnd Genossen werden auf die heute abend 8 Uhr im„Volksgarten" stattfindende Volksversammlung auffnerksam gemacht, in der Frau Lilv Braun über den Zucht Hauskurs referiert. Auch steht die Wahl einer weiblichen Vertrauensperson für Wilmersdorf auf der Tagesordnung. Die Parteigenossen werden ersucht, die Frauen zum Besuch dieser Versammlung zu veranlassen. Der Vertrauensmann. Auf dem Schießstande erschoß sich am Dienstagmorgen der Oberjäger M a n t e von der 2. Kompagnie des Garde- Schützen- Bataillons zu Groß-Lichterselde. Als Veranlassung zum Selbstmord wird Furcht vor Strafe angegeben. Daß durch FahrPrciS-Eriuaßignug der Verkehr in hohem Maße gesteigert wird und infolgedesien die Verkehrsgeiellichaften nicht nur keinen Schaden erleiden, sondern sogar Vorteil haben, dafür erbringt der Geschäftsbericht pro 1898 der Charlottenburger Straßenbahii-Gesellschafl wieder einen vollgültigen Beweis. Diese Gesellschaft hatte mit Einführung des elektrischen Betriebes die Fahr- preise um ca. 40 Proz. herabgesetzt. Jnfolgedeffen stieg der Persouen- verkehr von 3 408 728 im vorangegangenen Jahre auf 5 232 671 im Berichtsjahre, und die erzielten Einnahmen betrugen im Berichts- jähre 613 221 M., während dieselben im Vorjahre nur auf 454 508 M. beliefen. Und dennoch läßt der einheitliche Zchn-Pfemiig-Tarif noch immer auf sich warten. Gin Wilddieb anS Weißensee ist in der Neuendorfer Forst bei Löwenberg in der Mark aiigeschoffen und unter eigenartigen Umständen dingfest gemacht worden, lieber den Vorfall wird einem hiesigen Blatte gemeldet: Der Fürster Petermann zu Forsthans Kerkvw befand sich auf dem Anstand und hörte plötzlich einige Schüsse in seiner nnmittelbaren Nähe fallen. Schleunigst verließ er seinen Standott nnd hatte im nächsten Moment auch schon den betreffenden Jäger gefaßt, der sein Gewehr forttvarf und sich aufs hefttgste widersetzie. Hierbei entlud sich das ungesichette Gewehr des P. und der Schutz traf den Fremden in die rechte Schulter. Es gelang dem Angeschossenen in der Verwirrung, glücklich u entfliehen. Nach einiger Zeit ettönten vom Forsthanse her Rot- ornsignale. Als der Förster mit noch einigen Waldarbeitern herbei- eeilt kam. fand er zu seinem Erstaunen seinen Flüchtling vor. Er alte der Frau des Försters erzählt, daß er von ihrem Manne an- geschossen worden sei, daß er aber schweigen wolle, wenn sie ihm eine größere Snnime Geldes als Entschädigung gäbe. Die resolute Fran'lrante jedoch dem Menschen nicht, ergriff sosott das Horn und rief durch dessen Töne Hilfe herbei. In dem Festgenommenen entpuppte sich ein berüchtigter Wilddieb A. anS Weißensee bei Berlin. Fricdrichöfcldc. Durch das beherzte Eingreifen eines Arbeiters wurden am Dienstagnachmittag auf der Franksiitter Chaussee die wild rasenden Pferde des Handelsmannes Hille zum Stehen gebracht. Das Unternehmen hätte für den muttgen Mann gefährlich ablaufen können, denn er wurde, als er den Tieren in die Zügel fiel, heftig zur Seite geschleudett, glücklicherweffe ohne ernstlichen Schaden zu nehmen. Der Amtsvorsteher hat sich veranlaßt gesehen, in einer Bekannt- machnng vor dem Niedertreten des KoriieS zu warnen und Iverden uimackisichttg gegen die Eltern, deren Kinder im Eifer Kornblunien abzupflücken, diese Miffethat begehen, Geldstrafen erlassen. Da solche Forderungen für die Betreffenden meist recht nnangenehmer Art ind, so kann den Eltern nur der Rat gegeben werden, ihren Spröß- lingen ernste Verwarnungen zukommen zu lassen, denn thatsächlich gestaltet sich diese Neigung der Kinder zu einem Unfug, der für den Besitzer schweren Nachteil bttngt. Nahezu 180 000 Einwohner zählt jetzt Eharkottenburg. Allerdings war im Monat Juni der Abzug größer als der Zuzug. Doch ist durch die große Zahl der Gebutten immer noch ein Wachs- tum der Einwohnerzahl zu verzeichnen. Im Monat Juni waren insgesamt 387 Geburten, 212 Sterbefälle und 70 Eheschließungen angemeldet. Die Einwohnerzahl betrug am 1. Juli genau 179 233 Köpfe. FricdrkchShagen. In der Nähe der M ü g g e l b e r g e ist am Sonntag von Spaziergängern eine bereits stark in Vettvesimg über« gegangene männliche Leiche gefunden worden. Die Person« iichkeit konnte bisher noch nicht festgestellt werden.— Am Montag ist zwischen der Rahnsdorfer Mühle und Neu-Rah ns- d o r f dicht neben der Chanssee ein Mann in den vierziger Jahren erhängt aufgefunden ivorden. Auch hier konnten die Personalien nicht ermittelt werden. D«r Tote irug einen dunkelgrauen Jackettanzug und Strohhut. In seiner Nähe lagen eine KaffeetHiine und eine Sense. Frieden«». Die Einwohner von Friedenau und des Fttede- nauer Ottsteils von Schöneberg find arg enttäuscht darüber, daß die Große Berliner Stratzenbohn-Gesellschast es abgelehnt hat, einen bestimmten Termin für das Jnslebentteten des Durchgangsverkehrs auf der Prachtstraße zuzugestehen. Da die Gesellschaft die Verwirklichung dieser unabweisbaren Forderung von erneuten Ver- bandlungen der beteiligten Gemeinden abhängig macht, so wird es in Fttedenau eines energischen Eingreifens dedürfen, um dos, was der Stadt Schöneberg leider[.nicht gelungen ist, durch die Fttedenauer Gemeinde durchzusetzen. N»n nach Amerika z« machen, war der zwölfjährige Rudolf Adel aus Britz verschwunden, nachdem er seiner Mutter Ersparnisse an sich zu bringen gelvußt hatte. Die romantischen Ideen deS jungen Burschen sind indessen noch kurz vor der Ausführung ge- scheitett, denn in Hamburg wurde er bereits von seinem Schicksale ereilt. Der jugendliche Europamüde wollte sich gerade an Bord deS Schiffes begeben, welches ihn über den Ocean in das Land der Freiheit führen sollte, als er von der Hamburger Polizei fest- genommen wurde. Anstatt nach Amettka ging's nun unter Polizei- licher Eskorte wieder nach Btttz zurück, wo er bei seiner verzeihende» Mutter wieder Aufnahme gefunden hat. Sociale Ver�kspflege. Zuspätkommen löst das ArbeitSderhältuiS. Ein Prozeß, der annähernd fünf Monate lang beim Gewcrbegericht geschwebt hat, ist jetzt endlich von der Kämmer VI erledigt worden. Der Kochlehrling W. verlangte von dem Oekononien Pctzenbürger. dem Vorsteher des Osfizicrkäsinos des Alcxandcr-Ncgiments, wegen vorzeitiger Entlassung aus dem Lehrverhältnis eine Entschädigung von l M. Der Beklagte machte dagegen geltend, der Kläger wäre sehr oft zu spät zur Arbeit gekommen, seine Entlassung sei deshalb berechtigt. Demgegenüber betonte der Vertreter des Klägers, Fclgentrcff, daß W. gewöhnlich erst des Abends um 10. 11 und 12 Uhr und oft sogar erst um 1 Uhr nackts aus dem Dienst entlassen worden sei. Unter diesen Umständen hätte man von dem jungen Manne eine besondere Punkt- lichkeit nicht erwarten können. Eine Jerigin bestätigte diese Angaben, sagte zugleich aber aus, daß der Kläger manchmal auch schön des Nachmittags hätte gehen dürfen. Weiter wurde von anderer Seite bekundet, daß W. trotz wiederholter Ermahnungen doch wieder zu spät zur Arbeit gekommen sei. Der Beklagte erhob dann den Einwand. der Kläger sei auch dann zu spät gcköimne», wenn er ihn am Tage vorher schon des Nachniittngs entlassen habe. Der Gerichtshof ver- tagte darauf eine Entscheidung, um neuen Beweis zu erhebe». Es sollte der Hausdiener Bnrkuzek vernommen werden. Dieser war erst nicht zu finden, weshalb die weitere Verhandlung abermals vertagt wurde. In einem andern Termin erschien wieder der Beklagte nicht. Felgentrcff protestierte gegen die vielen Vertagungen und beschwerte sich beim Landgericht über den Vorsitzenden Dr. Krause. Er machte geltend, daß er ein Veriaumnisurteil verlangt habe, und daß der Vorsitzende diesem Verlangen hätte stattgeben müssen. Die Erledigung der Beschwerde nahm etwa 4 Wochen in Anspruch, so lange mußte der Prozeß natürlich ruhen. Die Beschwerde wurde als unbegründet zurück- gcwicleii, da aus dem Gerichtsprotokoll nicht zu ersehen war, daß der Vertreter des Klägers ein Versäumuisurtcil beantragt hat. Inder letzten Sitzung der Kammer\ I wurde nun dcrZeugc Barttizek vernonimen. Er sagte aus, es sei auch mal vorgekommen, daß der Kläger des Morgens zu spät gekommen sei, wenn er Tags zuvor schon mittags Feierabend hatte. Manchmal habe der Kläger nach Feierabend noch m der Kantiiie das ihm zustehende Bier getrunken. Der anivesende Trudcr des Klägers stellte schließlich noch fest, daß der junge Mann nicht etwa aus Humanität zuweilen bereits nachmittags entlassen worden sei. Der häufig übermäßig erregte Beklagte habe dann viel- mehr jedesmal seinen Bruder hinausgeworfen, ohne einen stichhaltigen (Äruiid dafür zu haben.— Der Kläger wurde abgewiesen. v' m r,mi'''' begründend aus; Nach dem Lehrvertrage wäre c er Beklagte berechtigt gewesen, den Kläger sofort zu entlassen, wenn er die Arbeit beharrlich verweigerte. Das häufige Zuspätkommen trotz wiederholter Ermahnungen sei aber als beharrliche Arbeitsverweigerung anzusehen. Nach der Aussage des Zeugen Bartuzek köiu.e nicht aiigcuommcn werden, daß der Kläger durch eine ausgedehnte Arbeitszeit verhindert worden sei, pünktlich zur Arbeit zu kommen. 0 . wirtschaftliche Ttcllnng der Bananschlägcr wurde in der Verhandlung eines Rechtsstreites erörtert, den der Anschläger B. gegen oen Schlossermcister Müller beim Ge Werbegericht angestrengt hatte. Der Beklagte wandte gegen die von V. an- gestrengte Lohncntschädigiingsklagc ein, daß Anschläger nie auf eine Kündigungsfrist Anspruch bättcir. Sic wären freie Arbeiter und übernahmen selbständig größere Arbeiten, über die sie Rech- nungen einreichen müßten, und die ihnen nacb vcreinbartcii Preiion bezahlt würden.— Der Lagerverwalter des Beklagten sagte als Zeuge aus, die Leute übernähmen eine bestimmte Arbeit in "ccort», und wenn diese Arbeit geleistet sei, wäre das Vertrags- Verhältnis gelöst. Ob eine derartige Vereinbarung getroffen worden war, konnte der Zeuge jedoch nicht bekunden.— Auf Befragen des Vorsitzenden wurde festgestellt, dag der Kläger sowohl eine Jnva- lideiikarte wie auch ein Kassenbuch besitzt und daß der Beklagte für rhu Beitrage entrichtet hat. B. betont, daß er nicht nur wegen eines Baues angenommen sei. Er habe auf zwei Bauten für Müller gearbeitet und aus jedem Bau wären mehrere Anschläger beschäftigt gewesen. Der Beklagte muß letzteres zugeben. Der Gerichtshof r*.e darauf, an B. die Lohileiltschädiguiig Ivcgcil UN- berechtigter sofortiger Entlassung zu zahlen. Der Vorsitzende führte begruiidcnd aus: Es liege hier ein ganz normales Arbcilsverhältnis »"fö"'ei n i ch t selbständig f ihm sei nicht einmal ein bestimmter Bau als solcher übertragen worden, wie es sonst vorkomme. Die Kündigungsfrist der gewerblichen Arbeiter komme auch dem Klager zu. Es liege kein Anhalt dafür vor, daß er irgendwie ,1ut,..'la. e,1,c. bestimmte Arbeit angenommen sei. Das Accord- verhällntS allein schließe die Kündigungsfrist noch nicht aus. Gccichlks-Rettung«. In dem Prozeß Landauer hat daS Reichsgericht die eingelegte Revislon des Verurteilten verworfen. Bekanntlich hatte Landauer m der Agitation für die Wiederaufnahme deS Prozesses Ziethen gegen den Kriminalkommissar Gottschalk die Behauptung anfgestellt. daß dieser erhebliche Beweisstücke im Prozeß Ziethen gefälsckit habe. Die Berliner Strafkammer veriirteilte Landauer zu sechs Monaten Gefängnis. Sem Mitangeklagter, Redacteur dcö„Socialist* Ruppert, hatte keine Revision angelegt. Wegen frecher Belästigung eines anständigen jungen Mädchens ,m Tiergarten stand gestern der Maurer A u g u st A p e l vor dem hiesigen Schöffengericht. Der Angeklagte, ein arbeitsscheues «ubjekt, der es bereits zu einem Register von 17 Vorstrafen ge- bracht hat, bummelte am 4. Dezember abends im Tiergarten umher. Als am Großen Stern ein junges Mädchen an ihm vorüberging, hatte er die Dreistigkeit, dasselbe anzusprechen und ihr unanständige Zumutungen zu machen. DaS Mädchen verbat sich diese Belästigung. der Strolch wurde nun aber ganz ausfallend und überschuttere sie mit den gröbsten Echimpfworten. Zum Glück war ein Schutzmann in der Nähe, der auf Ersuchen der Beleidigten den stechen Menschen festnahm. Dieser leugnete zuerst hartnackig, und da er bald darauf zur Vcrbüßung einer Strafe nach Stendal übergeführt wurde, so mußte das Mädchen sogar noch dorthin reisen, um dem Angeklagten gegenübergestellt zu werden. Erst im gestrigen Termin vor dem Schöffengericht bequemte er sich zu einem Eingeständnis. Der Staatsanwalt beantragte zwei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß die weiblichen Passanten im Tiergarten vor Roheiten von Menschen von dem Kaliber des Angeklagten nachdrücklichst zu schützen seien und ver- urteilte deshalb den Angeklagten zu vier Monaten Ge- f ä n g n i s. Ist der Arbeiter-Radfahrer-Verci» ein politischer Vcretti? lDiese Frage unterlag am Mittwoch der Beurteilung der Straf- kammer des Landgenchts II in der Berufungsinstanz. Der Vor- sitzende des Berliner Arbeiter-Radfahrer-Bereins, Bildhauer Kern in Charlottenburg, hatte der Aufforderung der Polizei, Statuten- ändcrungen uud Mitgliederverzeichniß einzureichen, nicht Folge ge- leistet, weil er bestreitet, daß der Verein bezwecke, auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken. Das Schöffengericht zu Charlotten- bürg, welches entgegengesetzter Ansicht war, hat Kern zu einer Geldstrafe von 20 M. verureilt. Auf Kenis Berufung hatte sich das Landgericht II am Mittwoch zum zweitenmal mit dieser An- gelegenheil zu beschäftigen. Der Angeklagte Kern gab zu, daß sein Verein früher allerdings beabsichtigt habe, auf öffentliche Angelegen- heiten einzuwirken. Die entsprechende Bestimmung des Statuts sei aber ein Hindenns des beabsichtigten Beitritts zum Arbeiter-Rad- fahrcr-Bund Deutschlands„Solidarität" gewesen, sie habe sich auch sonst als unzweckmäßig erwiesen und sei schon im Juli 18SS gestrichen und statt dessen die Bestimmung aufgenommen worden:„Zweck des Verein» ist die Pflege des Radsahrsports in Arbeiterkreisen." Diese Acnderung sei der Polizei angezeigt worden und seitdem habe der Angeklagte, da der Verein nunmehr ein gänzlich unpolitischer ge- worden sei, sich nicht mehr für verpflichtet gehalten, später erfolgte Aenderungen in den Stakuten oder dem Mitgliederbestand der Polizei anzuzeigen. Die Anklagedehörde hält die angeführte Statutenänderung nur für ein Mittel zur Umgehung des VcrcinSgesetzcS, sie behauptet, daß der Arbeiter-Radfahrerverein nach wie vor auf öffentliche An- gclegenhcitcn einzuwirken suche uud führt zum Beweise ihrer Be- Häuptling folgendes an: Jni Verein sei ein Liederbuch in Gebrauch, welches Lieder politischer Tendenz enthalte. Die Zeitimg„Der Arbeiter- Radfahrer", die gleichfalls politische Artikel eitthalte, sei Vereinsorgan. Ferner wird zum Beweise der politischen Tendenz des Vereins die Thatsache ins Feld geführt, daß der i» öffentlicher Versammlung gewählte Vertrauensmann der radfahrcndcn Arbeiter Berlins in einer öffentlichen Ver- sanimlung mitgeteilt habe, daß radfahrende Arbeiter sich an Agitations- tourcn aufs Land beteiligt uud der socialdemokratiichen Partei bei Wahlen Hilfe geleistet haben. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heine, beantragte Freisprechung und setzte in längerem Plaidoycr aus- einander, daß die Annahme der Staatsanwaltschaft unbegründet und die Umwaudlulig des Vereins in einen unpolitischen durchaus ernst ge- meint gewesen sei. Der Angeklagte hob noch besonders herbor, daß die fragliche Statutenänderung seinerzeit eine Anzahl von Mit- gliedern, die von einer nnpolitischen Tendenz des Vereins nichts wissen wollten, zum Austritt veranlaßt habe. Das Gericht hielt diesen Punkt für so erheblich, daß es beschloß, die Verhandlung noch- mals zu vertagen und über denselben Beweis zu erheben. Zu diesem Zweck soll der Angeklagte die auf diese Angelegenheit bczüg- liche Korrespondenz, sowie die Protokollbücher einreichen. Eine Anklage wegen Landfrtedcnöbruchs steht am 13. d. M. vor dem Berliner Schwurgericht zur Verhandlung. Es handelt sich um grobe Ausschreitungen, die am 1. Mai begangen worden sind, als eine größere Anzahl feiernder Arbeiter mit einer in der Warschauerstratze arbeitenden Kolonne Steinsetzer zusammenstießen. Zwischen beiden Parteien entstand ein Wortwechsel, der zu einer argen Schlägerei ausartete. Sechs Personen sind ermittelt worden, die sich an dem Exceß in hervorragendem Maße beteiligt habe» sollen und nun sich auf die schwere Äuklagc des Londsriedensbruchs zu verantworten haben. Es sind dies die Maurer August G o I z e, Josef Made, Fritz Herrmann. Karl Heinrich, der Schloffer Franz K o n i e c n y und der Kutscher Rudolf D i t t b e r n e r. Sie befinden sich sämtlich seit Aufang Mai in Untersuchungshaft. Die Verteidigung führen die Ncchtsamvälte Dr. Bonk und Dr. Schwiudt. VecmiMkcs«. Flnfjpiraten. Wie aus TKorn berichtet wird, treibt hier seit mehrere« Wochen eine a»S ungefähr neun Mann bestehende Räuber- bände zlvische» Plock und Wlvclawek ungeniert auf der Weichsel Flußpiraterie. Der Anführer heißt Glowacki und ist ein aus dein Gefängnis in Warschau cutiprungcner Verbrecher. Er ist mit Schußwaffen und großen Mefferu bewaffnet uud hat stets einen Begleiter beim Ucberfall eiueS Kahnes bei sich, lvährcnd die anderen Mitglieder der Bande am Ufer in Büschen ver- steckt liegen. Tic Schiffer können sich gegen die Ucbcrfälle der Bande nickt wehren, weil sie bei Konfiskation und hoher Geldstrafe leine Schußwaffen über die Grenze mitführen dürfen. In den letzten 14 Tagen sind sieben Schiffer ausgeraubt wor den: die Baude nimmt nur barcS Geld und LcbenSnrittel. CS sind einem Schiffer 70 Rubel. einigen anderen 15, 20 und 30 Rubel abgenommen worden. Bei der geringsten Weigerung hält Glowacki dem Ueberfallenen Revolver und Messer vor und droht mit sofortiger Tötung. Bei de» Dörfern Duninotv und Mozcrow sind erst vor drei Tagen wieder zwei Schiffer ansgcranbt worden. Klagen bei den russischen Behörden nützen nichts. Der Anführer der Piraten bcfährt auf den nlssijchc» Pnssagierdampfcrn zwischen Plock und Wloclaivck die Weichsel, um sich seine Opfer auszusuchen, ivas er mit großer Sachleuutins aus- führt, da er jedenfalls Schiffsmaun gewesen ist. Ein litjähriger„blinder" Passagier im Brcmökastcu. Ans dem Hauptbahnhof zu Altona entdeckte am Dienstag ein Bahn- heamter in einem Bremskastcn des zur Abfahrt nach Köln(Rhein) bcrcilftehcudcn Zuges einen etwa Igjährigen Burschen, der in dem Behälter eng zusammen gekauert hockte. Er ivurde natürlich sofort herausgeholt uud der Polizei übergebe». Der Scklingcl erzählte dann, er sei von Köln, Ivo sein Vater Wagenschieber bei der Eisenbahn sei, im Bremskastcn nach Altona gefahren, um dortsclbst seine Schwester, die im Cirkus Gchumaim engagiert sei, zu besuchen. Da es ihm an Fahrgeld gemangelt habe, sei er auf die Idee gekommen, die Fahrt im Bremskastcn zu unternehmen, zumal er wisse, daß dieser Raum jetzt nur noch selten betreten wird, weil die Bremsvorkehrung von der Maschine auS gchandhabt wird und deshalb leine Bahnbeamten mehr in dem betreffenden Kasten fahren. Weil ihm nun auch das Geld zur Rückkehr gefehlt habe, so erzählte der Bursche weiter, habe er in gleicher Weise nach Köln zurückfahren wollen. Vorläufig behielt die Polizei den jugendlichen, unternehmungslustigen Reisenden in Gewahrsam. BootSnnglllck. Aus Cranz lOstsee) wird berichtet: Am Montag- nachmittag unternahmen drei Badegäste, darunter eine Dame r» Begleitung zweier Schiffer eine Spazierfahrt nach Neutühren. In- folge plötzlichen Gewittcrsturms kenterte das Boot. Vier Insassen konnten sich längere Zeit an dem Boot festhalten und wurden ge- rettet. Der Fischer Rehse ist ertrunken. Eingegangene Druckschriften. Bon der„Neuen Zeit« ist soeben das 41. Heft des 17. Jahr- aangeS erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Kaiser und Parlament.— Professor Vogt und die Jmpffrage. Von Dr. Siegfried Nosenseld.(Schluß.)— Der Ursprung der Idee des Gerechten und Un- gereckten. Von Paul Lafargue.(Fortsetzung.)— Der auswärtige Handel der Vereinigten Staaten im Jahre 1898. Von M. Beer.— Ersparnisse bei Anwendung von Druckluft in der Technik. Von P. M. Grempe.— Feuilleton: An der Schwelle des neuen Jahrhunderts. Eine naturwissenschaftliche Umschau von Dr. Friedrich Knauer. Von der„Gleichheit«, Zettschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 14 deS 9. Jahrgangs zu- geaangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Ge- richtet, nicht vernichtet.— Di« wllrttembergtsche Gewerbe- Jnspettion im Jahre 1898. Bon Wilhelm Kell. II.— Aus der Bewegung.— Feuilleton: Jack. Geschichte eines wahren Romans. Von Alphonse Daudet. Deutsch von Wilhelm Thal.— Notizentetl von Ltly Braun und Klara Zetkin._ Briefkasten der Redaktion. Die suristische Sprechstunde wird TienötagS, TonncrStagS und Freiings abends von 6 bis 8— Ijf abgehalten. X. I. 100. Tausend. R.«. 34. Wenden Sie sich an daS Gemeinde-Amt. »Ö. Sch. 100. Drei Jahre Zuchthaus und 1ö M. Geldstrafe. W. F. Soviel uns bekannt ist, giebt das Unternehmen zu Mißtrauen keinen Anlaß. Wiesbaden, Faust. Folgende Adresse genügt: Deutscher socialdemo- krattscher Leseklub in Parts, Cass Le Procope, Rue de lÄncieune- Tome die 13. R. S. Die Stadtbahn wurde am 7. Februar 1882 dem Verkehr übergeben.— Dr. H. Bitte gebm Sie Ihren vollen Namen und Adresse an. Bolz. Zur Aufnahme ungeeignet.— P. B. 101. Die Fassung deS§ 9B& ist etwas unklar, sie besagt aber, daß volljährige Gesellen(21 Jahr), die bei Jnnungsmcistern beschäftigt sind, wählbar sind. Zum Amt eines Schöffen können Personen, die das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, nicht berufen werden. G.. Spandau. Nicht zur Aufnahme geeignet. Distrnst. Wir glauben, daß Sie es aus die Bedingungen hin wagen können, aber nicht, daß sie etwas dabei erübrigen werden. Außerdem raten wir sich nicht auf eine Reihe von Jahren lonttaktlich zu binden, sondern sich, das Recht vorzubehalten, jederzeit abreisen zu können. E. G. H. 100 uud andere. Brieflich e Antwort erteilen wir nicht. Die Erbschaftssteuer beträgt in Preußen mindestens bO Pf. und steigt von bO zu 50 Pf. Der Anfall wird verschieden besteuert, je nachdem an wen das Erbe gelaugt. Bon der Erbschastöpeuu besrett studi h jeder i Anfall, der den Betrag von 150 M. nicht übersteigt, 2. seder Anfall, der an Verwandte in anssteigender Linie(Eltern, Großeltern usw.), an Kinder und Kindeskinder, hierhin an Ehegatten oder an Personen gelangt, die dem Hausstände des Erblassers angehötten, zu demselben in einem Dienst- Verhältnis standen und nicht mehr wie 900 M. geerbt haben. Ebeuw zahlen FiskuS, öffentliche Anstalten, Aruienverbände, öffentliche Armen-, Kranken-, Straf- und Beffcrungs-Anstalten, Waisenhäuser, Hospitäler und milde mit Korporationsrecht begabte Stiftungen, öffentliche Schulen, Universitäten, Museen, Neligionsgesellschasten keine«Steuer. Cfo beträgt sonst die Erbschaftssteuer: 1 Proz., wenn die Erbschaft an Personen fällt, die dem Hnusstande des Erblassers angehörlen und zu demselben m einem Dienstverhältnis standen, sofern der Anfall in Pensionen, Nenten oder anderen ans die Lebenszeit der Bedachten beschränkten Nutzungen besteht, die ihnen mit Nllcksicht auf dem Verslorbencn geleistete Diensie zngciveiidet sind, 2 Proz., wenn der Erbsall an adoptierte oder Einlindschaftövertrags- Kinder oder an voll- oder halbbürtige Geschwister oder deren Kinder gelangt, 4 Proz.: wenn vorher nicht benannte Verwandte bis zum sechsten Verwandtschaftsgrade, Stiefkinder und deren Abkömmlinge,«tief- eltern, Schwiegerelte>n,»Schwiegerki»der, außereheliche, aber vom Erzeuger aiierkannte Kinder erben(die Erbschaft in dem Nachlaß der Mutter ist peuer- frei). Desgleichen sind mit 4 Proz. versteuert alle Anfälle nud Zuwendungen, welche ausschließlich zu wohlthätigen, gemeiunützigen oder UnterttchtSzwecken bestimmt sind, insofern solche nicht einzelne Familie» oder bestimmte Per- soncn betreffen und die wir klicke Verwendung zu dem bestimmten Zwecke gesickert ist. In allen anderen Fällen beträgt die Erbschaftssteuer 8 Proz. - G. 7«. 1. Nein. 2. In 5 Jahren nach der Fälligkeit der einzelnen Raten. 3. Ja, es sei denn, er war unter 20 Jahren und von ihr verfuhrt. - L. L. 17. 1. Ja: die miliiänsche Hebung ändert die Strnerpsllcht nicht. 2. Ja.- Christian. Falls in Fl, rem schriftlichen Mietsverttage steht, daß Sie bauliche Aenderungen sich gefallen lassen müssen, haben Sie kciuen An- spruch. Sonst könne» Sie aus Schadcnserslüz klagen.— S. W. 8<. ju-ct Ausdruck ist eine Beleidigung und kann im Wege der Klage verfolgt werden. - Verwalter 5. Ist im Vertrag schriftliche Kündigung vereinbart, o ist die betreffende Kündigung wirkungslos. Fehlt solche Vereinbarung, � so ist sie giiliig.- 9(. gl. Waffertl, oritrasze. Kommen Sie in die Sprechstunde. - K. W. 100. Der gesetzliche Pflichtteil ist in den verschtedenen Rechts- gebieten verschieden. Im landrechllichm Gebiete beträgt er bei einem oder zwei Erben li3, bei drei oder vier Erbe» V-, bei mehr Erben>/z dessen, was den Erben zufiele, wenn lein Testament da wäre(Jatestatportion). Im Gebiete des brandenburgisch-niärklschm Erbrechts beträgt der Pflichtteil, wenn vier oder weniger erbfähige Kinder da sind, Vi, wenn mehr als vier Kinder da sind, V» der Jntcstatportion.— G. 05. 17. 1. ES erben m Ihrem Fall. salls der Verstorbene nicht Eltern hinterlassen hat, tue voll- blüttgtii Geschwister und die Kinder der verstorbenen Geschwister. Jede der vier Schwestern erhält also'/» dcö Nachlasses. An die Stelle der verstorbenen Schwestern treten deren Kinder, tiicht der Witwer. 2. Er muß eine hinreichende Anzahl von Marlen haben. - W. K. Ja.- F. K. H2. 1. Wenn Sie den Betrug beweisen können, sind Sie nicht nebmiden. Gelingt der Beweis nicht, so sind Sie durch Ihren Antrag an den Aersichernngsvertrag gebunden. Wir haben haung davor gewärmt, ans die mündlichen Versicherungen zungenfertiger Agenten etwas zu geben. Es läßt sich der Rat nur immer wiederholen, nicht zu unter- schreiben, wenn nicht aucki die Versprechungen der Leute unterschrieben über- geben sind. 2. Ja, vom 23. November 1900 ob.— 2520._ Nein.— Ütrils-ner. Schriftliche Antwort erteilen wir nicht. Ist der Mann tn Berlin verstorben und war da fein letzter Wohnsitz, so hat die Frau das Reckt zu erklären, ick erbe nicht, und erhält dann ihr Eingebrachte» zurück, der Nachlaß fällt an die anderen Erben. Will sie Erbe sein, so erbt sie die Hälfte deö Gesamtverulögenö(der Nachlaß nud ihr eigenes Bennogen bildet dic-e Masse), die andere Hälft- fällt den anderen Erben zu. — F. D. 1881. Solch- Frage wird Ihnen üüerbaupt nicht vorgelegt. Eine sal'che Bcaniwvrknug wäre gleichgültig.— Wcnkel. Lmver steyl Ihrer Tochicr lein Anipruch auf Schadensersatz zu. Die Berufsgenosien- icknir tritt nickt ein, weil derUiiiall nicht beim Betriebe sich ereignete. Die Elektricilätsgcsellsckmst hastet nickt, weil entgegen der polizeilichen Vorschrift die Betreffende während der Fahrt aufgesprungen ist-- K. Dhg. 1 Solche Entscheidung liegt uns nicht vor. Indes ist der Erfolg der Berusung em sehr zweifelhafter, weil noch Ihrer Schildernna auf öfsentlicher Straße ver- breitet zu sein scheint. 2. Nein. 3. Rat, Geheimer Rat, Wirklicher Ge- heimer Rat uiw. sind Titel.- Wisseiisichaft«. Sie sind noch verpflichtet. — Wiener Abonnent. Kein Ausländer hat ein Recht ans Naturalnatlon. — F. H.�8. Die Wohnniig»mS auch in solchem Fall mit Ablauf des Vertrages geräumt werden.— A. H. 30. 1. und 2. Ja.— Streit 23. Falls fein Tcstnuient vorhanden ist. hat der überlebende Ehegatte m der Mark Brandenburg die Wahl, zu erklären, ob er erben oder ob er der Erb- ickast entsagen will. Will er erben, so wird das beim Tode vorhanden ge- welene Vermögen selueö verstorbene» Gatten und sein eigenes zu einer �tane zulaiiiiiiengrworse». Von diesem Gesanitvcnnögcn erhält er die Hälsie, die andere Hälfte fällt de» anderen Erben zu. Will er nicht erben, so behalt er sein Vermögen und giebt das cigeiittnuliche Vcnnvgcu seines Gatten dessen Eibeu heraus.-'M. W. Charlotteuburg. 1. und 2. Nem. 3. �a. Marktpreise von Berlin am 4. Juli 1809 nach Ermittelimgen des tgl. Polizeipräsidiums D.-Etr. »)Wcizc» «jRvggeii„ Futler-Äerste« Hafer gm „ mittel .. gering. Nichistrvh» Heu. )Crbscn„ -Speisebohiicn. jLinsen Kartoffeln, neue Riitdfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ >) Ermittelt pro 10,30 15 30 13,40 15,60 15,— 14,40 4,16 6,70 40,— N- 70,— 6,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Haimnelsleisch Eier Karpsen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse llcx 60 Stück Ikg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4,- 2,- 2,80 2,60 2,40 1,60 2,50 1,40 Ii, 1,- 1,- 1,- 1,80 2,20 1,20 1,40 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- 15,■ 14,- 12,80 15,10 14,50 14,- 3,50 4,20 25,- 25,— 30,— b.- 1,20 1.- ,................. von der Centralstelle der Preuß. Landwirt- schaftslamuier- Notienmgsstclle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-CenMer. fi) KleinhandelSpretse. Produkten markt vom 5. Juli. Nach Meldung einer englischen Fachzeittmg soll sich etwa die Hälfte der vorjährigen russischen Roggenernte noch in Produzentenhänden bestnpcn, was in hohem Grade verstauend aus die Getreidetendenz am hiesigen Platze wirkte. Auch daS prachtvolle Wetter und umfangreiche Verläuse nordrussischer Firmen übten einen preiLdrückcnden Einfluß aus und vcranlaßtcn Siealisationen. Besonders Roggen war siärler angeboten, fand jedoch fchlanle Abnehmer zu 0,50 M. billigeren Preisen. Weizen wurde wenig gehandelt und blieb nominell unverändert. Haser lag still, tendenzlos, Rüböl, welches gestern nachträglich noch sehr sest war, blieb heute ziemlich umsatzlos._______ Spiritus. SvirituS war durch Realisierungen gedrückt. 12 000 Liter loco 70er wurden mit 41,40(0,10) gehandelt. Tennine waren ebenfalls leicht abgeschwächt... Berlins Getreide- und Mehlzufuhren zu Wasser vom 4.-5. Juli mittags betrugen 210 Tonnen Weizen, 120 Tonnen Roggen, 385 Tonnen Hafer, 18 Tonnen Gerste, 240 Tonnen MaiS, 1200 Doppel- Centner Weizenniehl.. � Städttscher Schlachtviehmarlt. Berlin, 5. Juli. Zum Ber- kauf stauden: 360 Rinder, 2156 Kälber. 1518 Schafe, 9218 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfuad oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark (bezw. für 1 Pfimb in Pfennig): Bullen: gering genährte 47—50.— Färsen und Kühe: mäßig genährte Färsen und Kühe 49—51; gering genährte Färsen und Kübe 44-47.- Kälber: a) fewste Mastkälber(Vollmilchmast) und beste Masthammel 54-58; c) mäßig genährte Hammel und Schafe(März- schafe 48-52.- Schweine: Man zahlte für 100 Pfd. lebend(oder 50 Kilogr.) mit 20 Proz. Tara Abzug: a) vollfleischige, kernige Schweine feinerer Rassen und deren Kreuzungen, höchstens IV« Jahr alt, 47; d) fleischige 45—46; c) gering entwickelte 48-44; ä) Sauen 40-42 M.- Vom Rinderaustrieb blieben ungefähr 70 Stück unverkauft.- Der Kälberhandel gestaltete sich langsam.— Bei den Schasen fanden etwa 900 Stück Absatz.— Der Schweine- markt verlies ruhig, wird aber kaum geräumt. WitternngSübersicht vom 5. Juli 1899, morgenS 8 Uhr. Stationen jö§ 5 2 8? Welter Stationen Swinemde. 7b7!N Äwolkig 16 Haparanda 759 N Hamburg 760NW 3lwolkig 19 Petersburg 759 ONO Berlin 757NW 3-bcd-ckt 15 Cork- 770 Wiesbaden 764 NW äbedeckt 15 Aberdeen 767 O München 765W 7bcdcckt 12 Parts 708 ANW Wien 761|SB Pbcdcckt Wetter-Prognose für Donnerstag- den K. Jnlt Etwas wärmer, ziemlich heiter, bei schwachen, westlichen oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetter» BS b e Z- 8 S Wetter »S (S � i 11 Üb* M 2 heiter Izvollcnl bedeckt 2hlb.bed. wolkenl 1899. Winden, u r« a u. 22 18 17 14 15 keine Mimrer. I Freitag, de» 7. Juli 1899, abends 8 Uhr: 6 Mttgliedtr-VkrWmlmigm der AIMeile Derlin n des Central- Verbandes dentscher Manrer Für de» StiUvn: bei Sit�eastovlr, Bliicherstr.K? und Gneiscilaustrasje ZI. Für den im Bülowstr. Z7 in folgenden Lokalen: Für den Ost«»: im Lokale zum Freischütz, Fruchtftraste ZU. Für den 8tiU<»»tsii: bei»riickvr, Waldemarstr. 73. Für Rlosbit: bei Ffaclivr, Bclisselstraste 9 Für de» Korden r in dc» Uoi-usütin- Sälen, Zlckerstraüe 6,7. Tagesordnung in allen Bersammlungen: 1. Welche Vorteile werden uns durch getroffene Vereinbarungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen zwischen Unternehmerverbänden und Arbeiterorganisationen geboten? 2. Gewerkschaftliches. 137/2 _ Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. I, 2t.: Karl Panscr. Achtung. Mkaurer! Freitag, dtil 7. Ziili, llbcitds 8V2 llhr, im Mwk i>ts§crrii Nümann, Brunileilstr. 188: Oeff entliche Versammlung dev Metuvev Vevlins tt* Mlngegend (Vertranensmänner-Ceutralisation). , �.-,�,,?Sesordnung: l. Welche Aufgabe» erwachse» den Berliner Maurer» für die Zukunft? 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bcitragsaminlers für den Westen. 4. Gewerkschaftliches. 133/17 Die I.ioliiikonimis»ioii. I. 2t.: Piltz Kater. Gelegenheitskäufe für die Reise! �Detail-Verkauf der Dentsch-Ämerikanischen Schuhfabrik m. b. H.) Gi1. Fpankfuptepstp.103 am Straufsberger Platz. 0rallieo8lras8e 162 am Oraniru-Platz. Rosenthalerslr. 4Ä am Hnckcfche» Markt. kriel!!'ieh8lra88ei3i. vl«.».vl» era»ie»burgerstrai-e. �[21Ö0H* £IUcherstrasse 13 vis-ä-vl» der Kirche. Müllerstrasse 3 vls-ä-vl» der Gasanstalt. Wilsnackerstrasse 10 nahe Tnrinstraste. Spittelmarkt 12 zw. Kur- u. Niederwallfirafse. �pecialität: Herrensiiefel, gewalkt von Mk. 3,90 an. Weißeusee Sonntag, den g. Juli 1899: Volks-Fest arrangirt von den Vatttlgeiwsseil des Reichstilgs-Mahlkreiseg ZUedttbltriiim unter Mitwirkung mehrerer Arbeiter-Gesangvereine(M. d. 2l.-S.-B.) Vol�al- uud Insirnmeiital-Konzert ausgeführt von Mitgliedern der Freien Bereinigung der Civil-Bcrufsmuüker.— Auftreten der Leipziger Sänger. Schaujchlvimmeu, ausgeführt vom Schwimmklub Weißensee.— Turnerische Aufführungen vom Arbeiter-Turnveiein Weißeusee.— Bolköspiele. Kinderbelustigimgen aller 2lrt. Jedes Kind erhalt eine Freikarte zum Karuffell. HKEXIBH Grosses Brillant-Feuerwerk ausgeführt vom Kunst-Feuerwerker Herrn selber«. Die Kaffeeküche ist den geehrten Damen bis 6 Uhr abends geöffnet.— In beiden Sälen von 4 Uhr ad P.4. K IL. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfaug früh 8 Uhr. Sce-Theater: Entree frei 2Z!llets im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 2ö Pf. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Stellen zu haben 223/1 Da« Komitee. Ulsdorf. Apollo-Theater. Itixdorf. Inh.: Ph. Thomas, Hermannstrasse 48-49.' Sonntag, den O. Jnll 1800: grosses Sänger-Fest9 arrangiert von säfflllicheu Ärheiter-Gesangvereinen Rixdorfs unter Mitwirkung des?lu«ikverein« Plnlgkeit, sowie des Arbeiter-RadfaIirer-4 ereins zum Besten des Parteifonds. rrr=_____{ Im Garten: Specialitäten-Vorstellung)—- (Vergissmeinnicht, Kinder-Quartott, einzig in seiner Art).— Die Kaffecküche ist um 2 Uhr geöffnet. Von 5 Uhr ab TA VZ. Anfang 4 Plir. Blllet»O Pf.___ Rachruf. Zurückgekehrt von dem Grabe unseres Chefs des Herrn Karl Tellschow. Leer bleibt die Stätte, wo er ge- weilt, denn er kehrt nie zu uns zurück. Sein lauterer Charakter und seine edle Gesinnung sichern ihm ein ehrenvolles Angedenken. Ilti4b Berlin, den 3. Juli 18Sg. Da« Personal der Firma Gebr. Tellschow. Kösliner wr' Köslinerstrasie 8. Empfehle meinen«aal Ver- einen uud Gewerkschaften zu Festlichkeiten und Versamui- lungen. Bestellungen werden entgegengenommen täglich von 5-10 Uhr abends. sLllSL» C. IloiTniann (Bes. des Englisch. Gartens). kSmpfehle allen Freunden 11. Bekannten VJmeiu Weiss-, Bayrlsehbier- illlb gr. Spcisegeschiift. Neich- haltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch ä la carte von 30 Pf. an. 2 Bcreinszimmer mit Klavier für 20—50 Personen.* II. Stramin, i1icst.,0iitteri'tr.l2Z. Fahrriider, hochelegant, stabil, Garantie 2 Jahre, 125 Mark, in der Fabrik Oranien- straffe ZZ, II. f21Z5L» 2127L'. Görliücr Bahnhof, Plaff 6. Billigste Bezugsquelle für Press- n. Steinkohlen. I Hiermit nehme ich die Beleidigung gegen die Frau Pietz, Wollinerstr. 7, zurück, und erkläre dieselbe für eine ehrbare Frau. Frau Schulz, 1106b AWmmdchWNS spottbillig Waldemarstr. 68, L links. Oiiren u. Goldwaren neueste Muster, bllllgete Preise. Goldene Damen-Uhren v. 1«, 20. 25 H etc. Silberne, Nickel, Stahl-Uhren », 12, 15 M.(16608* Regulator 0, 14, 20 M. etc. O. Wagner Skalitzerstr. 120, nahe Kottb. Thor. Eeparaturen gut u. schnell. RechtSschOurm Anker führt alles durch. InvaUckenstr 136. II I. Ziehung d. I.Klosse 201.Kgl.Preilh. Lotterie. gühung von, s. Juli 1809, vormittaqs. «Im die Vewlnue über 6U Sinrl find dc» dctreffenden , Nuiumer»>11 PureiUhese leigesügl. (Ohne Bewahr.) 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Ziehiiiil, ö.l.ftlftffe'iOl.Rgl. Preuh. Lotterie. Hiednng vom 9. Juli IMS.»achmitlagz. Rur die Gewinne über 6« Muri sind den«eneffenden Rümmer» in Pnrenibeie beigefügt (Chile Gewähr.) 435 77 682 94 798 834 971 1022 58 61 84 204 97 331 48 467 flOO) 513 693 708 852 916 1300) 20->6 198 254 73 92 357 65 419 618 744 67 813 3214 344 477 720 4000 90 119 304 487 501 781 842 58 909 5105 307(100) 15(150) 529 85 87 753 95 98 828 942 6075 304 400 538 89 965 TOI 8 100 19 330 44 62 467 629 762 872 8056 126 75 87 92 260 484(100) 567 763»009 11 74 80 313 37 406 610 847 60 10161 274 566 603 728 11008[100] 976 364 459 (100) 69 673 84 75s 847 76 939 1 2039 722(100) 849 13219 379 567 636(100) 789 937 58 14094 371 505 9 752 94 813 15007 14 169 332 604 46 720 73 878 16258 580 I7i«5 148 407 87 508 614 702 39 1 1078 127 251 75 735 957 19002 125 61 323 80 435 541 624 722 32 825 92 20972 460 533 56 91(500) 93 634 57 701 6 818 79 987 21164 817 88 435 530 681 755 801(100) 6 57 69 (100) 22025 52 383 639 7 54 884 938 23059 134 50 87 509 19 913 57 24017 154 55 380 85 465 533 70 783 955 69 92 25062 100 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Verantwortlicher Redacteur: August Jacobe» in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. 155. i6. 3mm. 2. Keilllge des„lormirts" Kerlm Mlksdllltt. N-ll"-»'--. 6. 1-'i 18SS. Die Mafsenaussperrung in Dänemark. Kopenhagen. 4. Juli 1899. Die Einignngskammer hielt heute ihre zweite Sitzung ab, welche durch das Verhalten der Unternehmer ebenso lang ausgedehnt wurde, wie die vorige. Die Unternehmer wollen eben die Aus- sperrung in die Länge ziehen, bis sie glauben, datz der Hunger die Arbeiter dazu zwingen wird, sich zu unterwerfen. Sodann haben sie wiederum eine Reihe von Forderungen aufgestellt, welche sie anerkannt verlangen, ehe sie die Aussperrung aufheben wollen. Ursprünglich hatten sie acht Punkte aufgestellt, heute stellen sie nun 11 lelf) n e u e Punkte auf, sodaß sie nun im ganzen 19 Streit- punkte gelöst haben wollen, ehe sie die Aussperrung aufheben. In dem einen der neuen Punkte verlangen die Arbeitgeber ein Mitbestimmungsrecht darüber, was in den Statuten der Für de» JiiünU der Inserate »(■cniiuinu die Nedaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei Acraniniorliing Tlzratev. Donnerstag, den ö. Juli. Neues Opern- Tlicatcr(Kroll). Die gledeniilkus. Anfang 7r/z Ubr. Residenz. Der Schlaswage»- Eon- troleur. Vorder: Zum Einsiedler. Alifang Uhr. ZÄesie». Die Zauberflöte. Anfang 7 Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Hierauf: Abschicdssouper. Ansang ll/t Uhr. Schiller. Der Troubadour. Ansang ?-/, Uhr. Centrnl. Hamburger Leiden.— Hierauf: Badders Ebenbild. Ansang 7 Uhr. Friedrich> Willieliiislndiisch-s. Fuhrmann Henschel. Auf. 8 Uhr. Sllexanderplatz. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Zauberin am Stein. Ansang 8 Uhr. Metropol. Berlw lacht! Anfang 8 Uhr. Sipollo. Frau Luna. Specialitiiten Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Belle-?! llimiee Specialitäten-Bor- stellung. Anfang 8 Uhr. Rrichshallcn. Stettiucr Sänger Ansang 8 Uhr. Paflnge> Pnnoptikn»,. Speciali- täien-Vorstelluiig. Ilranin. Tanbcnftrastc 48— 4i». Nalnrknndliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt SV Pf Abends 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". Openilclephon. Jnvalidenstrasje 57/ö;{. Täglich abends von b— 10 Uhr: Stern- warte. Schiller-Theliter (Wallner• Theater». „M orwita-Ope r". Donnerstag, ab d s. T-/t Uhr: Gastspiel„Heinrich Htttel": Her Troubadour. Gr. Oper in i Akten von G. Verdi. Freitag, abends 7l/z U h r: A BasHO Porto. Hieraus: Die Xttrnbergcr Pappe. So nnabend, ab e n ds?>/, u h r: Gastspiel„Heinrich Htttei": vor rostliloll von l-onjumoau. CrntvnlT brnter Direktion: 1v»o Ferenczy. Anfang 8 Uhr. Gesamt-Gastspiel des llamdurgoe Ems! Drucker-Theaters Hamburger leihen» in 5 Lokaler Schwank Bildern von Julius Stinde. Hieraus: Hadders Ebenbild. Plattdütsche Comedi in 1 Optog von W. Frirke. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonnabend zum ersten Male: I.uni penpack. Hamburger Volksstiick. Metropol- Theater. Behrenstr. S3/54. Direktion: Richard Schnitz. Phänomenales Juli-Programm. NN" Keuc Debüts!"TBfSS 8 Champions. Das graziöse engl. Gesangs- und Tanzensemblo Charles Baron. Der nrkomlscho Dresseur im Löwenkäfig, Sles�n art Oenthes als Tvette t.ullbcrt, unvergleichliche Kopie. sar Um 9 Uhr der srUsste Saison-Krfolg Berlin lacht! Berliner Eevue. Das grosse Presse-BnIIctt. Des grossen Erfolges wegen prolongiert. Die 6 Itoiihnlrs. Sommergarten. Bauchen gestattet Anfang; Sonn- und wochentags _ 8 Uhr.___ LstM- Citri Mkisj-TlMtt. Gr. Franksurtprstraste i't'4. Cyklus volkstumlicher Vorstellungen. Kleine P-eife. Parkett 1,10. Die ziuibmit m Stein. Bolks-Drama in 4 Akten v. Fr. Nissel. In Seene gesetzt v. Robert Wach. Mx- Anfang 8 Uhr.'T&Q Vorzugöbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heut iui Garten: Vollständig neues Jnli-Programm. Tanbenstrasse 418/4S. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalldcnstr. 57/62: Tägl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. Passage-Panoplicum 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Von 6i/2 Uhr ab: Specialitiiten. Neu! Die Riesen- briider. llerolä uns Leons in ihrer BurleSk- Szene: Die Riesenbraut. ■■■ CASTÄNS PANOPTICÜM Die sensationellen jW lebenden"»! Photographien!| mit Figuren in Lebensgrösse. Die russische Ifjffnnn'« Damenkapelle„HlllJIlUU In moskowltischen Kostümen. fl iip ifiipp" mit 3 Beinen gebor. , ,111 Cllllud leb. Kosakenpferd. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: Frsuiljima 99 mit dem L,nftballett Ctrigolatis". Ferner: «Otto Rentier« und 6 neue Debüts. Auf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung H Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und heim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Neichshallen. Garten resp. Saal täglich: Stettmer Sänger (Nlcpscl. Pietro, Brilton, Slcidl, Krone, Kirch mayer, Schneider und Schräder). Zum Schluß: Burschenherrlichbeit. Ein Studentenbild von Mehsel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Bntree 50 Pf.(für die Wochentage im Vorverkauf 40 Pf.) Numerierte Estrade l Id., unnumerlert 75 Pf. Reichshallen-Restaurant täglich: Grestes Jnstrumeiital-Konzert bei freiem E n t r e e. Victom-Bi'mikrki Lnstowstraste 111/112. Im\utui-garten oder Saal: Täglich Humoristische Soiree der Norddeutsclien Sänger (FUhrmann,. Horst, Walde), ß] Ans. Sonntags f präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Voroerk. 4« Pf. FamilienbilletS a= i M. Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung � Tanskriinzchen. Gewerkschaften stehen darf. In gewissen Fällen dürfen die Gewerkschaften ihre Statuten nicht verändern, ohne die Erlaubnis der Arbeitgeber einzuholen. Weiter verlangen sie, daß das Stimmrecht in denGewerkschaften nur denjenigen Mitgliedern zukommt, welche das Wahlrecht zum dänischen Reichstag haben. Alle im Auslande geborenen Arbeiter dürfen also keinerlei Einfluß auf ihren eigenen Verein haben. Und da das Wahlrecht zum bisherigen Reichstag erst mit dem 30. Jahre eintritt, und außerdem bei dem Genüsse von Armen- Hilfe verloren geht, wird der überwiegende Teil der inländischen Arbeiter ebenfalls unmündig gemacht. Die Arbeitgeber verlangen weiter, daß die Gewerkschaften eineViertel Million Kronen deponieren sollen als Sicherheit dafür, daß die eingegangenen„Verpflichtungen" erfüllt werden. Schließ- lich verlangen sie das Recht zu haben, zu jeder Zeit und ohne vorausgehende Verhandlungen eine Generalaussperrung erklären zu können, und dieses„Recht" sollen die Gewerk- schaften anerkennen. Es ist einleuchtend, daß nur aufgeblähter Kapitalisten-HochiNut den Arbeitern einen solchen Hohn zu bieten wagt, und es beweist klar und deutlich, daß es die Absicht der Arbeitgeber ist, die Arbeiter vollständig zu Sklaven zu machen, sowie deren Organisattonen zu ruinieren. Und das Mittel, welches sie hierzu gebrauchen wollen, ist die Hungerpeitsche. Deshalbwollen sie die Aussperrung nicht eher aufheben, als bis die Arbeiter ausgehungert sind. In der heutigen Sitzung wurde selbstredend kein Resultat erzielt. Morgen findet wiederum eine Sitzung statt, aber wahrscheinlich werden die Vertreter der Arbeiter sich nicht mehr lange zu diesem von den Kapitalisten aufgeführten Komödienspiel hergeben. Mit brüderlichem Gruß P. K n u d s e n. Achtung, Südosten! Treptow. Uohlwclns Kegler-Schlössctaen. Treptow. An der Köpnicker Landstrahe. Sonnabend, den 8. Juli I.8SS: Vrosses Sommerfest Ilalienisclier Nacht arrangiert vom GesangVLrem„Alpenrose"(M. des A.-S.-B.) Die Kaffeekiiche ist von Z Uhr an geöffnet. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Programm 15 Pf. Im Saale: Gr. Hall. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Um 9 Uhr: Groste Kinder-Fackelpolonaisc unter Vorantritt der Musikkapelle. 1155h Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Max Kliems Sommer-Theater Hascnlicide 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: kroßes kartell-Konzert. � Theater- und Specialitäten-Vorstellung. Auftreten des gesamten Schauspiel- n. Specialitätcn-Personals. Nnr erstklassige Kräfte. (Zeorg Flschor(Liedersänger), Karl Gursch(Tanz- Parodist), Erna Bamola (Kostüm-Sonbrette), Vendaro-Trlo(Phänomenal), Freres Rosini(Equilibristen), Mr. Leotardl(Antipode). Kcnes gediegenes Fanilllen-Programni. Entree: Wochentags 20 Pf. I Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf. I Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. I» den Festfälen: Groster Ball. Die Kaffecfüche ist geöffnet. Hax Kllem. Wedding-Park Hüllerstrasse 173. Am Weddlng-PIatz. Jede» Sonntag und Donnerstag: iwK'U8!SC8 Frei-liLonzert, ausgeführt von der uniformierten Sauskavelle unter Leitung des Musitdirigenten Herr» Kooh. 19242* Im Saale: Grosser Ball. 7 verdeckte Sommer-Kegelbahnen, von denen noch einige zu vergeben sind.— Volksbelustigungen aller Art.— Kaffceküche täglich nachmittags von 5—6 Uhr geöffnet.— Vom Z0. Mai ab jeden Dienstag: Auftreten der Original-Norddentschen Sänger. IV. Trapp._ n Schmeizer-Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am Friedrichshain. Täglich: Theater- und Spttlalltaten-VorsteUung. Auftreten des neuen Künstler-Ensembles. Jeden Abend von 10—11 Uhr: CDdetlisPteu im Serde. BnrlcSle mit Gesang in 2 Bildern. VolksbelusticjlMZen aller Art. Im Saale:{BclBBa In Borbereitung: Der Matador von Klautschon. Im Aug» st sind noch zwei Sonnabende an Bereine zu vergeben. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" Konzertgarten n. Prachtsäle Badsir. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Groster Ball int neuerbauten Saal. Empfehle uicinc Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschmleder. Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Horns Itesl. Volköstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Sdinlz, Musik von A. Kcrstcn. Kosliimsonbrelte Fräul. Lucio Sarcw. Gebr Milardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Geiang und Tanz. Ahcue u. Campton, Neckturner. Br. Plcardy, Hand- und Mopp Equtlibrist. 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Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: lKorddentselie Sänger. ■Hcrumini Imbs, Direktor. SomerthtllterMieM Badftraste 55/50. Regie: Wiliv Rousche. Direktion: Max Mekelburg. Heute sowie täglich: Konzert-, Theater- nnd Speeialitäten- Vorstellung. Berlin wie's uäbt und treuut. Poffe mit Gesang und Tanz in 2 Akten von L. Elp. Nach der Vorstellung:»all. In Vorbereitung: giose» aus dem Süden. Billig! Knabenanziige. Billig! Mädchenkkeider in großer Auswahl. 0. Hoffmann, Veteranenstr. 14.* Neu! Achtung! Achtung! Neu! Allen Freunden und Bekannten zur Kenntnisnahme, dasi ich von jetzt ab goldklares Berliner Weißbier vom Fatz ausschänke. Um freundlichen Zuspruch bittet 2159L* vslw Seimllze, kroße AMsurter Straße 3, Ecke Fruchtstrasie, Arbeiter-Bernisartikel n. Wäsche ausschließlich eigenes Fabrikat.— Specialität: Arbeiter. Berufs- kleidung: Blau Köper-Jacken M. 1,65, steigend je nach Grösse um 10 Pf., blau Köper-Hosen, in allen Längen, M. 1,65. Arbeiterhemde», Blusen, Maler- kittel n. 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