I 8entr»lorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i« der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit««»nähme de« M»«4«g tii-lich früh Ein-elprei» 70 Heller Redattion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Die Gummizelle In der„Roten Fahne" Vertragsabschluß In der Reichenberger Textilindustrie Mangel der diesjährigen Brotversorgung 17. Jahrgang Donnerstag, 26. August 1937 Nr. 200 Ueber Edens Kopf hinweg? ’■’ L o it d» n. Der Beschluß, daß der englische Botschafter Henderson in Berlin an dem Nürnberg« Parteikongrcß teilnehmen soll, wurde von Chamberlain in lieber- einstimmnng mit den Wünschen des Botschafters getroffen. Chamberlain soll seinen Entschluß unter den»’ Eindruck der Tatsache gefaßt haben, daß auch alle bei der Sowjetunion tätigen Diplomaten daselbst bei ähnlichen Veranstaltungen anwesend sind. Den«„Star" zufolge hat Chamberlain eine alt« Praxis der britische» Politik wieder ausgenommen, derzufolge der Ministerpräsident direkte Informationen an di« britischen Botschafter im AuSlande schickt.. Mussolini zu den Relchswehrmanövem? Berlin. In Berliner Politischen Kreisen nimmt" man au, das der Italienische Ministerpräsident Mussolini in absehbarer Zeit Reichskanzler H i t l e r einen Besuch abstattrn wird. Sn Berlin verlautet, gerüchtweise, daß Mussolini Ende kommenden MonatS nach Deutschland kommen wird," um. an den großen Hrrbstmanövern der Reichswehr teilzunehmen. Die Verbindungen zwischen Huesca und Saragossa abgeschnitten Basenria. Der Chefkommandant der Ost- ecrm«ennekdrt-inn-S4:dS:r-"-- '' Int Morgengrauen des heutigen. Tages ergriffen unsere Truppen die Offensive'Zwischen Tätdiente und Belchito, nachdem di. Vorbereitungen zu" dem"Vorstoß schon um Mitternacht begonnen hatten.Es gelang hem" bewunderungswürdigen Elan unsertr Truppen, die. Stellungen der Rehillen nach drei Richtungen hin zu durchbrechen, sö daß die Rebellentruppen von ihren Basen, isoliert wurden. Die Stellungen von Q u i n t o, die der Feind noch.verteidigt,"wurden-von. unseren Truppen eingckrcist. Der Feind leistete erheblichen. Widerstand! der aber von unseren Truppen bald gebrochen wurde," Alle vorher bestimmten Ziele der. Offensive" wurden erreicht. Die erste Folge unserer Operationen ist, daß dje Verbindungen zwischen HueSca ustd Zaragoza durch unsere Truppen abgeschnitten worden sind. Die Rebellen wurden zäun Rückzug gezwungen, den sie unter schweren Verlusten und»ach Verlust von 106 Gefangenen und vier Geschützen antrete» müßtest. Brotprelserhtthung in Frankreich Paris. Infolge der Festsitzung deS Preises für Weizen heimischer Provenienz auf 180 Francs wird auch der Brotpreis erhöht werden, Und" zwar Im September um 15 Centimes pro Kilogramm. Später wird der Brotpreis um 20. Centimes, steigen.. beginnende Einsicht.*. Berlin. Reichssportführer von Tschammer Ustd Osten beschäftigte.sich, bei einer Kundgebung der ,Hitlerjugend mit dem Marschieren Jugend, sicher, wobei er erklärte, das ewige M s r. s ch i e re n- m ü s f e a u f.h ä:r e n-',! ■ legt eine Krlftgaanlelhe auf;’. ‘ N a n k i» g. Die chinesische Zentralregierung hat unter' der Bezeichnung ,,R att o n a l e Rot tu ng sänlei ht^' eine Kriegsanleihe in I Höhe von 1250 Millionen Reichsmark aufgelegt, , JapanlscheHausdurchsuchung Im Sowjetkonsulat /- , Schanghai. Die japanischen Behärhen hahen- im Gebäude des."WvjDiHsüIÄeD. eine Hans- fuchung vorgcnonimen, Weil- Ngch.ihrer Behauptung vomslonsstlatsgebanbe aus mehrfach. Licht», signale äst die chinesischen sMMungest- gpgehest, wurdest." Dio japanischc», Behörden.ersüchten uni" dteMnivesesthelt d'er.PolizÄ aus der, iintersta- tionalen Konzession,- ,'sÜWtznA.die HäuSsuchung aber v M"1ihr«m.Eisttveffen dürch!' Santander gefallen Innenpolitischer luftakt Baskische Regierung Im Exil . London. Santander ist, gefalle», Nachdem dir nationalistisch« Navarra-Brigad« unter dem Kommando deS Generals Solchaga Dienstag nachmittags.ist Torrelavega einmarschiert war und damit die westlich« BerbindnngS» straße nach Santander abgeschnitten hatte, rückte sie sodann weittr vor*unb besetzte auch die etwa zwei Kilometer weiter außerhalb von Torrela- vega verlaufenden Straßen. Damit sind d i r g e»" samtenrePublikanischenTruP- penin der Provinz Santa»der von der ein z i g en Rück z u g S l i»i e, die ihnen verblieben war, abgeschnitten. .* London. lTsch. P.-B.) DaS- englische Flaggschiff„Keith" ist Dienstag nacht von Saint Jean de Lu» nach Cab» Major ausgelaufen, um die noch in Santander befindlichen Mitglie» "d e rd er b a s ki schon Regierung u n d" d e n Präsidenten Ag«irre sowie noch in Santander befindliche britische Staatsangehörige a n B o r d"z u n e h m e n. Der britische Konsul in Santander sowie ein Mitglied der britischen Botschaft werden gleichfalls an Bord gehen. ♦." Bastonne.(Haväs.) Der Präsident der baskischen Regierung, Aguirre, und mehrere baskische Würdenträger sind aus Santander kommend in Bastonne eingetroffen. Im Hafen von Bastonne sind Mittwoch auS Santander fünf Schiffe mit einigen hundert Flüchtlingen ringetrosfen. Es ankern dort zehn spanische RrgierungSfchiffe, die während der letzten. 24 Stünden eingelanfen sind. Japaner besetzen Wusung Einkreisung Schanghais beginnt? Tokio. Die japanischen Meldungen aus dent.chinesischen Kampfgebiete lassen" weitere Aart- Schritte der japanischen, Truppen erkennen. Die nördlich dfp Internationalen Niederlassung von Schanghai-nelnnstrtrn-japanischen.«erstärdlmll,:- konnten ihre OprranonSbaslS um zwei Kilometer, erweitern, so daß.das Marine-LandungSkorps im Jangtsepu-Aebiete entlastet wurde. Nach einem schweren Kampf» in,welchem ein japanischer Brigadegeneral und der Kommandant der japanischen ESkader getötet wurden» gelang es den Japanern, am Mittwoch in Wus u n g etwa 1tz.000.Mann.»« sanden, die den Ort besetzen sonnten. Der Ort selbst ist fast zerstört. Auch die"Kaianlagen"und das Kranlenhaus sind schwer. beschädigt. Dir Japaner geben bekannt, daß die bei Wnsung gelandeten" Truppen"sich an der E i n k-r e i s u n g v» nSch a n g h a i beteiligen werde», um dann Operationen," gegen entferntere. Ziele vorzunehiNe». An anderen"Küstenstellen.sollen noch stärkere Truppest^Sontin- gente ast Land gebracht worden fein?:" »Domei"".meldet, daß das"japanische Lan- dungSkorpS mit Unterstützung von Luftwaffe Und Artillerie Mittwoch mittags auch im Westest von Schanghai zur Offensive übergegangen sei: An der Nordfront ziehe« sich die chinesischen Truppen nach dem Fall des Rankau-Passes in der Richtung auf die Provinz Schansi zurllck, woditrch die. japanischen. Streitkräfte" im'" Gebiet. vöst.Pei- plng und Tientsin Nsickenfreiheit erlange», s- Wie. aus T i" e n t s i n mitgetrilt wird, Halen die japanischen Kräfte an allen nordchine- sischen Frontteile» eine allgemeine. Offensive be- gonnen. Die Japaner bemächtigten sich Fa n t- a n g, 40 Kilometer westlich, von Jansign,. Später wird gemeldet, daß."sie auch die wichtige Stadl Tstnhaj, 30 Kilometer westlich von. Tientsin, erobert haben. Die Feindseligkeiten wurden während des stärksten RegenS begönnest, den Tientsin jemals zu verzeichnen hatte. Die, Straßen sind schwer passierbar. Bei L o.1 i e n, 30 Kilometer nordwestlich von Schanghai, entspann sich in der Nacht, ei» heftiger Kampf. Dieser Ort wird von den kürzlich gelandtbien. japansschey Truppen beherrscht. Der chinesische Generglstab beschloß, sämtliche verfügbaren Abteilungen in" dieser große» Schlacht ein- zufehem " In der" Umgebung von Peiping nnd Tientsin habe» die"Japaner— wie Reuter berichtet— etwa 130.000 Mann zstr Verfügung. Neue japanische Verstärkung«!» treffe« ständig"ein.. Dir Chinesen haben in diesem Gebiete 100.000 Mann"zur Verfügung.' Japanischer rerstürer versenlct " Aus.einer, ausländischen Quelle, wird bekannt, daß in den Kämpfen bei Wnsung am Dienstag ein. japanischer Zerstörer durch chinesi-" sche Flieger versenkt und ein japanisches Kanonenboot schwer beschädigt wurde. Handelsschisfahrt bttraut werde« sollen.. ,L»nd»n."(Reuter,) Die Beratungen des britischen. Premierministers C H a m b« r l a i n Mit Außenminister Eden,und dessen Stellver- treter Halisar hatten einen in» f s i zie lleg Charakter."Sie fällten nur eine vallständig«.Informierung des Ministerpräsidenten über die internationale» Lage darstelle», damit Chamberlain zum. Wochenende in Balmsrstl" dem König Bericht erstatte«.kanst,.,. 31■ ...", Chamberlain hat London bersitS Verlässen und wird, esst.. ist der»weilen September-Hälfte wieder"nqch. Dowttjttg.Street zurückkehrest." 'DänAM-M" küWHElchrWich',.daßvlstesf tere" britische Flotten-, Truppen- und Flugzeug- verstärküugcfl nach": dem- Fersten""Osten.gesendet werd"«,,, was angesichts der."zahlreichen. Aufgaben der britischen Wehrmacht,.stündest" verschiedensten Punkten, der Welt als' wenig erfreulich bezeichnet lmrh,", D"ie"..britische""Fwtte..ist.gegenlvä>;tigi,gn'dex lbeMchest" Mste.MÜHl mik hem Pattststillendienst- als ssüK mit: derteiweise/Mr. Wstierigefl:tzvaz stuieruna:do"n"..Wchtlinge"n",'Mchqstigt,":si« mußte "lveiterrM Tri"n.iha"d"Ändlan.einer'astoerest Stelle"der Südsce gegen' Cingcborenenaufständc Beistand leistest. lind, hat im Hlsammeiihäng mit" der Anhaltüngi bzw".: VersCnkung dritischcr.Han- Anläßlich der Amvesenheit des Präsidenten der Republik in Olmütz und bei den mährischen Manöver» sind dort auch einige Minister mit dem Ministerpräsidenten Dr. HodZa an der Spitze sowie einige Parlamentarier, darunter der Obmann der republikanischen Partei Beran, ein« getroffen und haben Besprechungen abgehalten, welche ztveifellos dem parlamentarischen Herbstprogramm ebenso wie einer Reihe aktueller Fragen.der Innen- und Außenpolitik galten. Mit diesen Beratungen sind die politischen Ferien abgeschlossen, der Auftakt zu den politischen Herbstarbeiten ist gegeben. Diese politische Arbeit, an welche die Regierung und die Parteiführer schreiten, wird nicht leicht sein. Die politische Entwicklung vor den Ferien hat niit einem Mißllang geendet— dein Rücktritt des Kabinetts und die Bildung der neualten Regierung— der ein Stzmptom war für die Gegensätze zwischen der äußersten Rechten der Koalition und den übrigen Regierungsparteien. Diese Gegensätze sind seither nicht geringer gelvor. den und die Vorfälle der letzten Wochen zeigen die Kampflust, ja die" Bösartigkeit des rechten Flügels der tschechischen Agrarier und ihres faschisie- renden Zentralorgans. Der Vorstoß des„Venkov" in bezug auf das.Verhältnis der Tschechoslowakei zu Deutschland, der eben jetzt in den Artikeln der „Prager Presse"" eine brillante Entgegstung und sgchlich-engchiedene Zurückweisung gefunden" hat und das stanvalösc Verhalten derselben Presse anläßlich des Konflikts mit Portugal zeigen, daß.die einflußreichen und intriguierenden Hintermänner des„Venkov" nicht gesonnen find, die Flinte in« Korn zu,werfen und trotz aller Niederlagen und Blamagen, die sie sich seit dem Dezember 1035 geholt haben, eine Tätigkeit foctsehen, welche d-e Zusammenarbeit. der. Koalitionsparteien zwar nicht verhindert, aber erschwert. -Gegenüber diesen, unveraniivortlichen Treiben von ein paar ehrgeizigen, machthungrigen Politikern uiid Journalisten müssen die übrigen KoalitionSpartcien eine entschiedene, klare, entschlossene Haltung einnehmen. Daß eine solche energische Politik"Erfolg hat, war in den letzten Tagen an dem ungewöhnlich scharfen Angriff der katholischen„Lidovt Listy" auf die rechtSextrcnn- stischcn Quertreibereien des agrarischen„Ven- lov" zu ersehen. D i e s ch w e r e A r t i l l e r. i e der katholischen Volkspartei hat das Feuer, der-Agrarier zum S ch w e i g eng e b r a ch t, die Verteidigung des „Venkov" war ein Gestammel. Den Agrariern muh gesagt werden, daß an der Linie der auswärtigen Polirik nichts geändert werden lvird. Der Außenminister und der der Agrarpartei (allerdings nicht ihrem rechten Flügel) angehörende Ministerpräsident sind sich in den Frage» der tschechoslowakischen Außenpolitik einig und man muß" eS einmal"aussprechen, daß die Kampagne gegen Krofta" damit auch" ein Angriff auf den Ministerpräsidenten ist. Die. grundlegenden Linien unserer, auswärtigen Politik sind vom Präsidenten der Republik, dem niemand, in Europa ahexkenne» wird, haß er auf diesem Gebiete-Bescheid"weiß, gezogen worden, cs ist dies die Politik der Regierung und der Koalition, die Politik der ParlamentSmchrheit und es wird sich jeder den Kopf an einer Mauer einrennsn, der gegen diese Politik revoltiert, Die Außenpolitik der verantwortlichen Faktoren ist von. den LcbenS- interessen der tschechoslowakischen Demokratie diktiert, dieser Staat müßte sich selbst aufgeben, ivenn er eine" Politik machen würde, welche den Vie Sorgen des Empires Chamberlain konferiert- mit. Eden und Halifax d^lsschiffe im Ostteil des Mittelländischen.Meeres weitreichende. Beschäftigung" gefunden," Mehr als 80:000"Mann werdest durch die Pazifizierungs aktionen- inderNordwestprovinz.Indiens.absor biert-und nun'erfordern, auch noch die. japanisch- chincsischen Wirren Vorkehrungen außerordent- tichev Art In Ostasien._ '..." Entgegen den anfänglich erteilten Jiiformä- tionen hat sich White Hall i» den späte» Abend- «nsthest doch",ustHerausgabe"eines offiziellen,, ,,,..........■_....----- «»mmstnsgptt: über dir Beratungen entschlossen, halbfaschistischen Kräften d-s JstlandS und den .' g-i 1 ganzfafchlstischen des. Auslandes dienen würde. ttschr».:Jntrresstn>«st verfechten ustd gegen, jede SremchschK» m Beeinträchtigung detselben,^.inSS-s-stder,:' in Schanghai,,Protest«ist,«legest. Die dieSbrzüg-' lichen.Erklärungen w iirden gntgeheißen Und Rach- drückidarststf gelegt,"" daß" Großbrit-nnidü"-mit l a«, vorgeht.»der später, werdeni jene: welche "Mit.Pf««g apf.N'i/t t.« l ist'd.t p- astreiner, den?ExistenzintettsseNidieser"Deinokratie P-a l".i"t't k wstrde'beschlpssr»,"."daß.eine"hrnische«ntsprechenhen Politik-rüttelw wollen," dse Ecfah- Zerstörerflottille(daS sind ni«»" Schiffe)',: sfowie rung" machen,"daß, wer sticht hören will, füh-" zw.e,i DrradstoughtS mit dem Schuhe der britischen len muß. Seile 2 Donnerstag, 26. August 1937 Nr. 200 Bil- der Jan Cernh. Der Ministerpräsident" wird auch den südböhmfichen militärischen Schlußübungen beiwohnen. Dar Vorsitzmd« der Regierung Dr. tzodja ist Mittwoch vormittag- von Olmütz abgereist. Bor seiner Abreise empfing er im erKischöflichen Pa» vetrledrsussekuSvakIen del 6er Firma Schicht Die Mittwoch in den Schichtwerken in Schreckenstein durchgeführten Wahlen in den Arbeiter-BetriöbSauSschuß brachte den Henlein- Leuten einen Stimmen» und Mandatszuwachs. Die vereinigte Kandidatenliste der Gablonzer deutschen Arbeitnehmcrgewerkschaft und der Tet- schcner deutschen Arbettnehmergewerkschast haben gegenüber der Wahl im Jahre 1988 einen Zu» wachs von 188 Stimmen und zwei Mandaten zu verzeichnen. Sie erhielten insgesamt 1222 Stimmen und acht Mandate. Die.freien Gewerkschaften, der Fabrikarbeiterverband und der Me- iallarbeiterverband, erlitten einen Verlust von 48 Stimmen und verlieren dadurch ein Mandat. Immerhin konnten sie mit 688 Stimmen und vier Mandaten ihre alte Position im Betrieb im wesentlichen behaupten. Die List« der Christlich- sozialen erhielt. 67 Stimmen und kein Mandat. Der Stimmenzuwachs der Henlein-Gewerk- schasten ist offenbar auf die systematischen N eu- ausnahmen zurückzuführen, bei denen Henlein-Leute bevorzugt wurden. Di« Zahl dieser Neuaufnahmen betrug in den letzten beiden Jahren etwa 800. Wir kommen auf diese Wahl noch morgen zurück. Welche Fäulnis und Verderbnis... Man mutz sich nyr wundern, datz gesittete Bürger, n:ä m l i ch.>S"t a I;i.n t st eot» n o ch i«solche n K affe eh äu se rn v erke hr« n, wo sie doch täglich in bim Bannkreis des trohkistischr» Pestherdes-geraten können, Wie es scheint, tun sie es aber doch, denn wie anders hätten sie Gelegenheit, den gefährlichen Trotzkisten dort„t ä g- lich" zu sehen. Die Herren Wettzkopf, Herzfeld«, Kisch, Reimann usw. ustv. sollten doch«in wenig vorsichtiger sein. Glaubt man der„Roten Fahne", so sind di« gleichen Prager Tasks, in denen jene Stammgäste sind, zugleich die Lasterhöhlen des Trotzkismus. Wie leicht kann man da verwechselt werden, wie leicht kann Wyschinski da falsche Schlüsse ziehen. ES wäre wirNIch, im Interesse der Reinheit der KPC und wenn den Herren ihr Leben lieb ist, da» allerbeste, sie würden an sämtlichen Prager Gaststätten ein Pestkreuz anbringen„Achtung, lebensgefährlich! Trotzkismus" und ihrerseits dah eim bleiben. Vielleicht würde sich dann durch Ruhe und Pflege, Teetrinken und Fußbäder auch der Zustand der Kranken in der Gummizelle der,„RF" wieder zum Bessern wenden. Man kann die Phantasien der„Roten Fahne", da wir in einer zu ernsten Zeit leben, um das Blatt täglich mit drei Spalten Humor zu füllen, leider nur auSzugS- und andeutungsweise wiedergeben. Wir nehmen an, datz unseren Lesern auch daS genügen wird. Bor einigen Tagen haben die bedauernswerten Kraulen als Beweis für den faschistischen Charakter des TrohkiSmuS angeführt, daß Trotzkis Schriften in Italien nicht verboten seien. Wir können diese Behauptung derzeit nicht überprüfen, glauben auch, daß eö in einem Lande wie Italien des Verbotes der Schriften von Trotzki wohl kaum bedarf. Es wird ohnehin kein Händler sie seilzubietcii, lein Italiener sie legal zu kaufen wagen. Immerhin— lassen wir der„Roten Fahne" ihr„Argument"! Was mutz inan aber aus der gleichen Gummizelle am folgenden Tag hören! Folgenden TobsuchtSausbruch(dreispaltig): Faschisten fordern Schlamm-Buch an Das Buch der sozialdemokratischen dungszentrale— Propagandawaffe österreichischen Klerofaschisten— Tschechisch-sozialistische Blätter gegen Trotzkistenhetze Wien. Der bekannte monarchistisch-faschistische„Christliche Ständ e Staat" kritisiert die österreichischen Behörden, well diese die Bedeutung der trotzklstischen Literatur fUr die faschistische Propaganda in Oesterreich unterschätzen. Das Blatt setzt sich besonders fUr die Bücher von Andre Oide und Will! Schlamm(„Diktatur des Lilge“) ein, die„allen Kreisen empfohlen werden, denen es um die wirkliche Bekämpfung des Bolschewismus geht“, da doch deren„Erkenntnisse wie wenige sonst geeignet sein dürften, den Kampf um die Seele der österreichischen Arbeiterschaft durch negative Argumente zu unterstützen". Es sei daher unverständlich, warum das Schlammbuch in Oesterreich verboten sei. Das Blatt fordert die Freigabe des Schlammbuches für die faschistische Propaganda. Also: Trotzki ist In Italien erlaubt, ergo ist er ein Faschist! Schlamm ist In Oesterreich nicht erlaubt, ergo Ist er ein Faschist! Man braucht gar keine besondere Demagogie als Motiv des Irrsinns vorauszusetzen. Es gehört zu dem Krankheitsbild, daß man derlei Widersinnigkeiten einfach nicht mehv merkt und daß man im Eifer, dem„Trotzkisten"- Schlamm ein» aufzubrennen, gar nicht kapiert, wie komisch sich die zugegeben« S o l i d a r t t ä t der ö st e r» reichischen Zensur mit der rus- fischen ausnimmt. Denn so liegen die Ding« doch in Wahrheit: Willi Schlamms„Diktatur der Lüge" ist verboten in Deutschland, in Rußland, in Oesterreich. Oder irren wir uns? Ist e» in Rußland vielleicht erlaubt? Wenn der„Christliche Ständestaat"— übrigens wohl jenes katholische Blatt, da» von der Goebbelsplatte am meisten gehaßt und am ordi» närsten angegriffen wird— die österreichische Zensur darauf aufmerksam macht, daß es richtiger wäre, den Bolschewismus durch geistige Argumente zu bekämpfen als durch Polizeimetho- Japan kündigt Blockade an Tokio.(Domei.) Admiral Hafegaw» hat die Blockade der chinesischen Küste in einer Länge von 1600 Kilometer von Schanghai bis zu einem Punkt in der Nachbarschaft vo« Hongkong erklärt. Die Blockade bezieht sich nur auf chinesische Schiss«. Di« Verhängung der Blockade wird, auch wen« sie vorläufig nur chinesische Schisse betrifft, sicher auch die Handelsinteresien Englands und an» derer Mächte sehr empfindlich in Mitleidenschaft ziehen.. Ble Gummisaii« In dar"Untan Fahne 11 den, so spricht da» weder gegen den«Christlichen Ständestaat" noch gegen Schlamm und Titze. Daß die„Rote Fahne" sich zugleich mit dem österreichischen Zensor getroffen fühlt, ist doch wirklich ihre eigene Sachei Der folgende Tag— e» wird keiner ausge lassen, die braven Hennen legen jeden Morgen ihr ,faule« Ei— bringt den Schlager: Prager Trotzkistenzelle — Perle Nr. 2 Hier ist ein neuer Beweis, daB Trotzkisten in den sozialdemokratischen Redaktionen arbeiten Diesmal ist der Fieberschrei graphisch untermalt-. Es sind Klischees hergestellt worden. Der Tatbe stand ist folgender: Am 12. Juli war in der kommunistischen Pariser„H u m a n i t i" ein Artikel zur Begrü ßung des päpstlichen Kardinallegaten Pacelli er schienen, der von Freundschaft für die Kirche und tzen Vatikan nur so tricste.Die„R o t e F a h n e", in Unkenntnis der richtigen„Volksfront-Linie" allgemeiner Versöhnlichkeit, heillos mit Trotzkismus infiziert, hat am folgen» den Tag, am 18. Juli, einen Artikel veröffent licht, in dem der Papst als„Börsenjobber" be schimpft, ein„Freund der Ausbeutung und Knechtschaft" genannt, kurzum frisch-fröhlich trotz» listisch und radikal losgebelfert wurde. Auf die sen Widerspruch hat Dr. Julius E p st e i n, ein Schriftsteller, der unseres Wissens tatsächlich der trohkistischen Richtung nahesteht(oder ihr zuge hört— wer kann sich in diesen Nuancen schön auskennen?) in einem Artikel hingewiesen, der in der Troppauer sozialdemokratischen„Volk s- presse", aber auch in einem holländischen syn dikalistischen Blatt erschienen ist. Uebrigens war der Artikel z u e r st in der„BolkSpresse" gedruckt, eine Woche später in dem holländischen Blatt. DaS ist das ganze Verbrechen. Der„Roten Fahne" war der Nachweis ihrer„Abweichung" natürlich peinlich. Die Frage, ob eine sozialdemokratische Zeitung«inen Beitrag von einem außerhalb der Partei stehenden Publizisten annehmen soll, wann sie es darf oder soll und wann nicht, ist natürlich eine interne Angelegenheit unserer Partei. Es könnte ja auch vorkommen, daß wir Artikel von Stalinisten drucken, sofern es noch normal sinnige Stalinisten gäbe. Als besonderes Argument gegen Epstein führt die„Rote Fahne" an: Herr Epstein ist fast täglich im Pra ger Kaffeehaus„Continental" zu sehen, wo er im Kreise hüminter trotzkisti-...... scher Agenten sein„Mtzterttzl" sammelt, vos^krtiSd^hLandeSpräsideiiten vonMähven-Schlesitn dann in der' sozialdemokratischen Prtff«- erscheint." Wie furchtbar! Im Taft Continental! Im Kreise trotzkistischcr Agenten Material sammelnd! 8 EINE GBSCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUITÄTEN Copyright by Saturn Verleg 1935 Sie war kaum Imstande, zusammenhängend zu antivorten. Ah, ein fingierter Diebstahl? So etwas gab es, er war kein Neuling I Er fragte sie erbarmungslos und immer schärfer aus. Sie verivickelte sich in Widersprüche. Wann und wo hatte sie den Schmuck zum letztenmal gesehen? Bor einer Stunde lag er noch da! Da? Nein dort! Also da? Ja! Vor einer Stunde? Vielleicht waren es zwei gewesen... God- dam, sie wisse es nicht. Also vor zwei Stunden? Ja... Nein... Jai Vielleicht war es gestern gewesen? Gestern;..? Oh go to hell, was wußte sie, was gestern.,. „Lassen Sie mich mit der Dame allein!" hatte er dem Direktor gesagt und dann war er ganz scharf ins Zeug gegangen; peinlichste Befragung, wie sie ihn sein Meister, der Direktor de» berühmten alten Detektivinstitutes in Paim- pol in der Bretagne gelehrt hatte. Und plötzlich hafte die Amerikanerin, die schon zusamMenzu- brechen drohte, schauerlich fluchte und ihn mit wenig schmeichelhaften Worten bedachte, aufgeschrien, hysterisch aufgeschrien, war ins Nebenzimmer gestürzt, noch ein Schrei, schon habe er, Laruse, an einen Selbstmord geglaubt, sei ihr nachgeeilt, aber da stand sie und hielt den Schmuck in der Hand. Sie hatte ihn unter das Kopfkissen gelegt. „Niemals" schrie sie,„wäre ich dräufge- kommen, wenn Sie mich nicht so eindringlich befragt hätten, niemals! Sie sind ein Meister Ihres Fache»... Sie sind ein Sherlock Holmes!" Nun, er, Laruse, war noch immer, mißtrauisch geblieben und hatte fünf Minuten später dem Direktor des Hotels unter vier Augen seinen Verdacht mitgeteilt. Aber der lachte nur und erklärte, er wünsche sich immer solche Hochstapler und Gauner, wie die Dame, bie' übrigens verrückt sei und unmenschlich reich.■.. Ja, das habe sich gestern zugetragen, da» sei die Geschichte. Laruse goß«inen Aperitif hinunter und lächelte still vor sich hin. „Und...?" fragte Valeria» Arona», der ihm voll Neugier zugehört hatte und anscheinend noch etwa» erwartete. „Und jetzt kommt der zweit« Teil", sagte Laruse.„Heute vormittag» finde ich einen Exprthbrief in meinem Postkasten: ich möge sofort in» Hotel Ritz kommen. Ich erschrecke. Ungeachtet meine» Beruf» erschrecke ich eigentlich leicht. Ich, nehme meinen besten Anzug, ich eile hin. Die Dame empfängt mich und läßt mich Platz nehmen. Little man, sagt sie zu mir(die Amerikanerinnen sind so verrückt) little man, sagt sie. Ich habe«in Geschäft für Sie,- Sie scheinen mir tüchtig. Sie haben das großarttg gemacht, gestern. Ich kam mir vor, al» ob ich meinen eigenen Schmuck gestohlen hätte..Sie sind. ein. fixer Kerl. Verstehen Sie etwas von..Antiquitäten? Ich verneine, der Wahrheit gemäß. Bon alten Bildern? Nein» Madame,- sagte ich. Das macht nichts, erwidert« sie, Sie verstehen ja auch nichts von Schmuck und haben mir gestern doch zu meinen Perlen verhalfen. Sie sind schon der Richtige. Wenn ich Ihnen sag«: little man(ich erzähle Ihnen wörtlich, Monsieur Aronas) ich habe dieses Strumpfband(und sie zeigte auf ein Strumpfband, das auf dem Tisch lag)- für hundert Francs gekauft,«s ist zu teuer, suchen Sie mir den Mann heraus, von dem der Händler«s herhat. Werden Sie das können? Ich lächelt«. Mein Lächeln schien ihr zu ge« fallen. Thals all, sagte sie. Kommen Sie, my boy. Und sie führte mich in ihr Schlafzimmer. ES war mir nicht angenehm. Die Amerikanerinnen sind außerdem die schlechtesten Hausfrauen der Welt. Aber eine solche Schlamperei hab« ich mein Lebtag nicht gesehen. Es sah au» wie in einem Raum, dessen Bewohner vor einem Erdbeben geflüchtet sind. Ueberall standen 1 Bilder herum, metergroh« uralte Bilder, vielleicht'fünf-' zehn Stück. Look Here, sagte sie,(sie hätte so eine bestimmte, abgehackt« Art), man hat mich schändlich betrogen. Paris ist eine Betrügerstadt, eine Gaunerstadt, Ihr seid> hier alle Diebe.(Ich erwiderte nichts. Was hätte es für einen- Sinn gehabt?) Ich habe in den besten Geschäften ein- gekqust, ich habe phantastische Preise gezahlt..... tzreißigtaufend Dollar» ausgegeben, davon fünfzehntausend zu viel. Das sagfe mir gestern Mr. Wanner(sie nannte diesen oder«inen ähnlichen. Namen),. er versteht etwa», Sie dürfen, sagte mir Mr. Wanner, nicht bei Häuslern lausen, Sie müssen dort kaufen, wo,die Händler kaufen! Und Sie, sagte sie zu mir,'Sie werden mir her« ausbekommen, wo die Händler kaufen! Thai» all!" Laruse beugte sich seinem Gegenüber zu. „Verstehen Sie, Monsieur Aronas"» sagt« er, „yerstehen Sie' «Mr.»;Tin- bißchen" antwortete diese« mit leicht Abgeordneter Tayerle sechzig. Jahre Heute tritt in die Reihe der Sechziger einer der. führenden Gewerkschafter der Tschechoslowakischen Republik, tzer Zentralsekretär des Odboro- v6 sdruieni öeskoslovenski, Abgeordneter Rudolf Tayerle. Nicht weniger al» 26 Jahre ist Tayerle bereits in.dieser Funktion tätig, so daß mit seiner Person ein bedeutsames Stück Geschichte der tschechoslowakischen Gewerkschaftsbewegung verbunden ist. . Tayerle ist ein Prager, der hier am 24. August 1877 geboren wurde. Sein Vater war Arbeiter bei der Firma Danik, hat sich aber bemüht, dem aufgeweckten Kind eine sorgfältige Erziehung zuteil werden zu lassen. Tayerle besuchte die Realschule in Prag, wurde aber mit 16 Jahren wegen seiner politischen Tätigkeit und antiösterreichischen Gesinnung au» der Schule auSge- schlossen. So ergriff er denselben Beruf wie sein Vater, er wurde Metallarbeiter. Als solcher arbeitete er eine Zeitlang in Prag, ging dann auf die Walz und hielt sich lange Zeit in Deutschland und Frankreich auf. Zurückgekehrt, war er in der Gewerkschaft seines Berufe» tätig und wurde 1961 dank seinen geistigen Gaben und seiner journalistischen Fähigkeiten Redaüeur de» Fachblattes „Kovodölnik". In dieser Funktion hat er so Be- tzeutendeS geleistet, daß«r im Jahre 1911 nach dem unvergeßlichen Josef Steiner die Stelle des Zentralsekretärs de» Odborovb sdruieni antrat. Er hat al» solcher auf feiten der Auwnomisten, den schärfiten Kamps gegen die zentralen österreichischen Gewerkschafisverbände geführt und eine selbständige tschechische Gewerkschaftsbewegung ausgebaut. Nach dem Weltkriege ist die Bedeutung der tschechischen Gewerkschaften naturgemäß gestiegen und damit hat Tayerle ein weit größere» Wirkungsfeld erhalten. Er wurde Mitglied der Nationalversammlung, eine Funktion, die er seither ununterbrochen innehat und er vertritt die tschechischen Gewerkschaften in verschiedenen staatlichen Beratungskörperschaften und auch im Auslande— er ist Mitglied des Vorstandes de» Internationalen Gewerkschaftsbundes. Alle, die mit Tayerle in Berührung gekommen sind, anerkennen, daß er ein Mensch guten Herzens ist und einen staunenswerten Fleiß, eine Arbeitsam- keit und Zähigkeit entwickelt, wie sie nur wenigen gegeben sind. In seine Acgide fallen auch die Ver« cinbarungen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund, so daß dem Jubilar auch von deutscher Seite herzlichste Glückwünsche dafür entgegengebracht werden können» was er für die Arbeiterschaft geleistet hat. Richt zu viel neue Schulbücher! Wie der „Deutsch« Nachrichtendienst""meldete hat der Schulminiswr- die Bestimmung erneuert, derzu- folgc neue Schulbücher erst wieder in fünf Jahren auSgcgeben werden, um den Eltern die. großen Kosten durch jedes Jahr neu erscheinende Schulbücher zu ersparen. Diese Frage war vor einigen Monaten Gegenstand einer Interpellation de» Mitgliedes de» böhmischen Landesschulrate» Dr. Strauß, in welcher der Genannte an Hand zahlreicher Beispiele nachgewiesen hat, wie Eltern und Gemeinden durch die Herausgabe neuer Schulbücher geschädigt werden. Der Schaden einzelner Gemeinden ist jede» Jahr in die Tausende gegangen. E» ist daher erfreulich, wenn in der Herausgabe neuer Schulbücher Maß gehalten wird und diese nur dann erfolgt, wenn die unbedingte Notwendigkeit dazu vorhanden ist. geneigtem Kopf,„erzählen Sie weiter, Monsieur Laruse." „ES ist nichS mehr zu erzählen. Ich loll herausbekommen, wo die Antiquitätenhändler die Ware hernehmen. Ich soll sozusagen zum ersten Produzenten verstoßen und den Zwischenhändler auSschalten. Eine fabelhafte Frau, so etwas kann nur eine Amerikanerin, Ich will direkt kaufen, sagt« sie, ich will dorthin gehen, wo diese Kerl« kaufen: zu den Privatbesitzern, zu den verarmten Adeligen, auch aus Rußland, Spanien und Oesterreich. Und daS ist nun mein Auftrag. Verstehen Sie, Monsieur AronaS?" endete Laruse und lehnte sich zurück. „Ich verstehe" erwiderte Valeria». Arona» und sah Laruse lang« forschend an. Wohl eine Gelehrteneigentümlichkeit. Der Blick hatte etwa« Weltverlorenes, eS lag eine eigenartige Nachdenklichkeit darin. Der Versuch, eine Vorstellung diese» beseelten Anschauen» zu geben, treibt unsere Phantasie in di« Zeit zurück» in der die Goldfelder von Alaska entdeckt wurden,-und produziert das Bild eines.der wagemutigen, breitschultrige», mit Revolver. und Dolch bewaffneten Goldgräber, eines Glückspilze», der eben eine besonders ergiebige Goldader gefunden hat und sogleich zum Nachbar eilt, den er zur. Fundstätte schleppt und dort folgendermaßen apostrophiert:- Hallo, my boy! Habe da eben.eine mächtige Goldader gefunden.... Möchtest Du sie nicht ausbeuten? Fang an! Da ist tyaS zu holen, kannst reich Werden dabei.. ich werde. Dir zusehen. Las! Fang an! Gelingt.«S dem Leser; sich den Blick vorzustellen, mit dem der also Angeredete den Entdek« ker der Goldader betrachtet, so ist es ün» gelungen, eine Vorstellung de» Blicke» zu geben,'den Balerian Arona» in langem, schweigendem Sinnen auf Laruse ruhen ließ.' -„Tja", sagte er schließlich,„da» kann man natürlich machen." ^Fortsetzung folgt). Nr. 200 Donnerslag^SO^August 1037 Sette 3 Loyalität in Reinkultur Was die Sudetendeutsche Partei In der Tschechoslowakei bekämpft, findet sie iri Deutschland über Jede Kritik erhaben Die Henlein'sche„Zeit" wußte dieser Tage au» Berlin kommentarlos zu berichten, daß der deutsche Reichsminister des Innern „die erste Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Sicherung der Reichsgrenze und über Vergeltungsmaßnahmen«lasten hat. Diese Verordnung sieht vor, daß in einer Reihe von Grenzbezirken der Erwerb von Grund und Boden jeher Größe der Genehmigung der zuständigen Behörde unterliegt. Die Genehmigung ist auch erforderlich, wenn ein Grundstück im Wege der Zwangsversteigerung veräußert werden soll. Die Verordnung will den Erweck von Grund und Boden in gewissen Grenziezirken einer behördlichen Kontrolle unterwerfen und versagt den Erweck von Grund und Boden, wenn dies« aus Gründen der Grenzsicherheit nicht zu verantworten ist." Aus der noch redseligeren„Bohemia" erfuhr man, daß nach der neuen Verordnung auch der Erbe eine- Grundstückes im Grenzgebiet« der Genehmigung bedarf, wenn er das Grundstück behalten will! Bei Versagung der Genehmigung trifft den Ecken des Grundstückes eine Ber- äußerungSPflicht. Wie man siecht, handelt«S sich also hier um Bestimmungen, die über die einschlägigen Vorschriften deS tschechoslowakischen StaatSverteidigungSgesetzeS weit hinausgehen und daher nicht, wie die Leit" in ihrem Titel behauptet,«in„deutsches Gegenstück rum tschechoslowali- schen StaatSverteidigungSgeseh" bilden. Auch die Bemerkung des Deutschen Nachrichtenbüro», es handle sich hier„um«ine teilweise Angleichung an die durch das Vorgehen einzelner Nachbarstaaten geschaffene Rechtslage", trifft nicht die Tschechoslowakei, da Beschränkungen deS Grundstückverkehrs im Grenzgebiete bereit» lange vorher von einer Reihe anderer Staaten in Kraft gesetzt worden sind. Aber wie Wick uns denn? Die Sudetendeutsche Partei nimmt eine solche Verordnikng ruhig hsn? Sie findet kein Wort der Kritik, ja sie entschuldigt sie noch al» eine Repressalie, die sie gar nicht ist. Denken wir doch nur wenig über ein Jahr zurück! Damals hat die tschechoslavali- sche Regierung dem Parlament den Entwurf eine» StaatSverteidigungSgesetzeS vorgelegt, das gleichfalls— wenn auch weit mildere— Bestimmungen.über den Grundstückverkehr im Grenzgebiete enthält. Damals war des demokratischen Lamentos kein Ende, das in den Spalten der Henlein- presse immer Wicker ertönte und den Tenor der zahlreichen Reden bildete, die die Parlamentarier der SdP der Vorlage widmeten.„Ackeit und Eigentum der Sudetendeutschen unter umfassender Militärksntrollei", schrie«S unö aus der „Zeit" in Riesenlettern entgegen, da»„höhere Recht der Verfassung" wurde von der„Rundschau" reklamiert. Auch die Besftmmungen über di« Beschränkungen im Grenzgebiete fanden die schärfste Kritik der SdP. Also donnerte Herr Dr. Peter» im WehrauSschuß(siehe„Zeit" vom S. April 1030): „Das Staatsgebiet wird in rechtlich« Beziehung durch die Schaffung der Grenzzone aufgeteilt in ein Gebiet vollen und«in Gebietminderen Recht». Wenn auch «ingesehen wird, daß in erster Linie natürlich da» Grenzgebiet im Ernstfall bedroht ist, so ist e» gewiß ein« außerordentlich heikle Frage, wie e» im vollen Frieden behandelt wird. Der Entwurf geht hier viel zu weit und hebt da» gleiche Recht in viel zu weitgehendem Maße auf, so daß e» berechtigt jst, von einem Gckiet minderen Rechte» zu sprechens" Und die„Rundschau", die bei dieser Gelegenheit feststellte, daß da»„Bott di« Quelle der Macht" ist und die in diesem Zusammenhang versichert«, Kritik werde zur Pflicht, war bezüglich des Grenzgckiete» der gleichen Meinung(10. April 1036)! „Ganz unbegründet aber ist die Schaffung der Grenzzone al» einer Zone minderen Rechte», in-der praktisch di« verfassungsrechtlich gewähr« ' leistete Unverletzlichkeit de» P r-i v a t ei gen« t.ümt fallen würde."'. Nun bedenke man: in Deutschland werden viel weitergehende Bestimmungen einfach verordnet. Da» tschechoslowakische Gesetz bindet nur den Verkauf von Grund und Boden an A u S länder sowie an gewisse Personengemeinschaften an. eine behördliche Bewilligung, die reichSdeutsche Verordnung erstreckt sich auch auf Grundstückkäufe von Inländer n, fa sogar, auf. den Grundstückerweck durch" E r b» gangl Niemand hat die Möglichkeit, auf deut« scheiß Boden daS Vorgehen der deutschen Regierung zu kriftsteren. Aber da nach der Meinung der SdP in-einem solchem Falle„Kritik zur Pflicht"-wird, müßte Mdoch h i e r, in ded Tschechoslowakei, wo den P e t r. r s und N^ü»' tp i rth keine Konzentrationslager drohen! wo Kritik, ja sogar. ,s ch a r f e Kritik, wie Figura zeigt, erlaubt ist, ihr« Stimme"«rheben und dar«. auf Hinweisen, daß es doch nicht angehc,„das Staatsgebiet In rechtlicher Beziehung durch Schaffung der Grenzzone aufzuteilen in ein Gebiet vollen und ein Gebiet minderen Rechtes"! Die rührende Sorge um das gleiche Recht der Staatsbürger kann sich doch nicht nur aufdaS Gebiet unseres Staates beschränken! Also warum verstummen„Rundschau" und„Zeit" plötzlich, warum protestieren sie nicht dagegen, daß durch die Schäftung der Grenzzone dort„die verfassungsrechtlich gewährleistete Unverletzlichkeit des Privateigentums fallen würde", dessen Schuh der SdP ja so sehr am eindeutig sozialen Herzen liegt. Ja, wenn die Tschechosl o w a k e i auf demokratischem Wege,"nach eingehender Verhandlung im Parlament— das den Entwurf übrigens nicht unwesentlich abgeändert hat— Maßnahmen trifft, die durch di«„dynamische" Politik der faschistischen Staaten und, was die Bestimmungen über das Grenzgckiet betrifft, durch das Treiben der zahllosen Spitzel, die die Gestapo in unser Land ent sendet hat, leider notwendig gcivordcn sind, dann beruft sich die SdP auf die Demokratie uud die Verfassung und kämpft unter Ausnützung der parlamentarischen Tribüne mit einer Leidenschaft, die einer besseren Sache würdig wäre, gegen die Interessen jenes Staates, dem sie so loyal ergeben zu sein behauptet. Wenn aber in Deutschland auf Grund eines Gesetzes, da» nicht einmal von dem lächerlichen Scheinparlament, sondern von der Regierung beschlossen wurde— Herr Professor Sander, würden Sie nicht darüber einen dickleibigen Wälzer schreiben oder, noch besser, diese Tatsache auf einem in Deutschland stattfindenden Juristentag mit dem ätzenden Hohn, der dem Sachverhalt zukommt, besprechen?—, wenn also im Dritten Reich drakonische Bestimmungen verordnet werden» ohne daß eine Kritik dieser Verordnung im Lande möglich wäre, Bestimmungen, gegen die die nur zu berechtigten Abwehrmaßnahmen der demokratischen Republik ein Kinderspiel sind, dann meint die SdP nicht, daß hier„Kritik zur Pflicht" wird, sondern sie ist der Ansicht, waS Herr Frick verordne, sei über jede Kritik erhaben! Womit wieder einmal die viel berufene„Loyalität" der SdP der Tschechoslowakischen Republik gegenüber eindeutig unter Beweis gestellt erscheint. Oie Blauen In Mähren erfolgreich Olmütz. lieber die militärischen Schlußübun» gen in Mähren-Schlesien wurde folgender Bericht ausgcgeben: ,Am Mittag des 21. August gelang eS den Blauen, östlich des Jeviäko-Bacheö durchzubre- chcn. Indem sie ihr bisheriges Ilcbecgewicht aus- niitzten, drangen die Manen in östlicher Richtung durch daS stark bewaldete und hügelige Gelände und erreichten gegen Abend die allgemeine Linie Hartinkov—Kladky—Ehobyni—Wacht!. Bis zum Morgen des 26. Angust haben inzwischen die Roten weitere Kräfte hcrangczogcn. Die Blauen setzten jedoch schon in der Dämmerung ihren Angriff an der ganzen Front fort, der sich insbesondere an ihrem Nordfliigcl erfolgreich entwickelt. Die Schlußübungen, welche die Leistungsfähigkeit der Truppen, ihre Einheitlichkeit in schwierigem Terrain und die Leistungsfähigkeit aller Dienste, die Versorgung mit Proviant und Munition, den Abtransport der Verwundeten zeigen sollten, Wecken am 26. August vormittags beendet werden. Nachmittags desselben Tages wird eine Defilierung der Mauövertruppcn stattfinden. demokratischen Parteiorganisationen wird behauptet, es hätten sich schon GewerkschaftsortS- gruppen, bzlv. Parteiorganisationen zur Teilnahme bereit erklärt. Selbstverständlich wird keine einzige dieser Organisationen genannt. Auch versichern die Stalinisten mit einem frommen AUgen- ausschlag, daß sie nicht darauf bestanden hätten, allein als Einberuscr zu zeichnen und was dergleichen scheinheiligen Versicherungen mehr sind. Die Mitglieder der sozialdemokratischen Organi- sationcn werden aufgefordert, ihren Führern, die „parteiegoisttschc Einzelpersonen" seien, die Gefolgschaft zu versagen und es wird behauptet, daß die Mitgliedermassen der Sozialdemokratie anders dächten als ihre Führer. So versuchen die Kommunisten wiederum die sozialdemokratischen Arbeiter, denen sie freundlich und salbungsvoll zureden, gegen ihre Führer aufzuwiegeln— ein Beginnen, das diesmal ebenso ivenig Erfolg haben Wick wie früher. Die Sozialdemokraten halten sich in ihrer Gesa m"t h e i t für zu gut, als daß sie Lust verspürten, bei dem hoffnungslosen Versuch Staffage zu machen, den verkrachten kommunistischen Parteiladen wieder aktionsfähig zu machen. Das Werben der Stalinisten um die sozialdemokratischen Arbeiter und Jugendlichen wundert uns übrigens nicht wenig. Denn diese Arbeiter sind doch nach der Vokabulatur der„Roten Fahne" nichts anderes als— Trostkisten. Sie gehören einer Partei an, deren Zentralorgan von den stalinistischen Soldschreibern täglich als „trotzkistisch" bezeichnet wird. Aber die Stalinisten werden in Gefahr kommen, von ihren-Moskauer Vorgesetzten wegen dieses Liebesweckens um die „Trotzkisten" gemaßregelt zu werden: die Sozialdemokraten werden dem Aussiger Rummel fernbleiben, und zwar sowohl die alten, wie auch die jungen! Neudeker Kinder spielen in der Weltausstellung Paris.(Tsch. P.-B.) Die Musikkapelle der 07 Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren aus Neudek in Böhmen konzertierte Montag in der internationalen Ausstellung in Paris im Pavillon„Mutterschaft und Kindheit". Die kleinen deutschen Musiker aus der Tschechoslowakei hatten bei den zahlreich versammelten Zuhörern, unter denen sich viel Jugend befand, großen Erfolg. Eine Henleiupleite in Asch. Auch die Ascher scheinen von der Hcnleinbewegung langsam genug zu bekommen. Nach einem Bericht der„Z c i t", deren Zahlenkünste man ja kennt, beteiligten sich an dem SdP-Bezirköfest in Haslau am vergangenen Sonntag 4600 Personen. In Wirklichkeit waren es nicht ganz 3000. Dabei waren auch au» den Bezirken Eger, Wildstcin und S-bönbach Besucher gekointnen! Henlein ist also auch schon dort nicht mehr sehr beliebt, wo die Wiege der„Bewegung" stand. Bei dec Kundgckung sprach übrigen» auch der ÄreiSleitcr W o l l» e r, der behauptete, er habe den Hetzern, Querulanten, Emigranten, Korruptio- nisten und Denunzianten den schärfsten Kampf ungesagt.— Da wird der gute Mann ja einige Zeit hindurch stark beschäftigt sein: es sitzen genug Emigranten in Berlin, denen er sein Augenmerk tvidmen kann, genug Querulanten, Hetzer, Denunzianten und Korruptionisten in der SdP. Wirsindgernebereit, Material zu liefern. Zwei Tote bei einem Berkehrsunglück. Beim Gasthaus Felsenkeller in Krausebauden sSpind- lermühle) ereignete sich am Samstag ein schwerer Motorradunglück, das den Tod zweier Menschen heckeiführte. Die Motorfahrer Seidel und May aus Hohenelbe stießen mit einem Personenauto aus Spindlermühle, tvelches gerade ein Lastauto überholen wollte, mit solcher Wucht zusammen, daß sie Wer das Auto hinweg einige Meter geschleudert wurden und mit zertrümmerten Köpfen und zerbrochenen Gliedern auf der Stelle tot liegen blieben. Seidel war Bäckergehilfe und 20 Jahre, May FabrikStischlor und« 20 Jahre alt. An der Unfallstelle fand sich die Gendarmerie und eine Gerichtskommission aus Hohenelbe«in. Der Chauffeur heS Personenwagens Hollmann erlitt einen Nervenschock, und mußte in das Spital geschafft werden. Der einzige Insasse des WageuS, ein Beamter de» Hoheiielber Bezirksgerichtes, blieb unverletzt. Das Motorrad ging vollständig in Trümmer und das Auto wucke stark beschädig^ Sozialdemokraten ohne Wahlrecht Wirtschaftsnot und Gewissenszwang Was wir hier schildern, spielt sich imGebiete der Bezirkshauptmannschaft P r a ch a t i tz ab. Im Interesse der Notleidenden, um die es sich handelt» nennen wir den Ort nicht. Die Bezirkshauptmannschaft Prachatitz kann, wenn sie ein Interesse an der Beseitigung dieser traurigen Zustände hat, von uns Namen und Material erhalten. In einer Gemeinde haben sich der Bund der Landwirte und die Henleinpartei bereits dahin geeinigt, zu den bevorstehenden Gemeindewahlen nur eine Kandidatenliste einzureichen. Bleibt eS bei dieser einen Liste, dann ist die Vornahme einer Wahl nicht notwendig, diese eine Liste ist gewähll. In dieser Gemeinde wurden selbst im Mai 1035 noch sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Di« vermeintlichen oder tatsächlichen,sozialdemokratischen Wähler dürfen sich nun seitdem überhaupt nicht mähr in der Gemeinde rühren. Diese armen Leute haben von den Bauern Felder zum Anbau von Kartoffeln gepachtet. Der Pachtzins wird durch Ackeit beim Bauern abgetragen. Für einen Hektoliter Kartoffel, den der Pächter für sich im Felde des Bauern legt und wovon er in der dortigen Gegend drei bis vier Hektoliter erntet, muß er dem Bauern sechs Tage Arbeit in der Landwirtschaft verrichten. Run habe» die Bauer» diese» Pächtern erklärt» daß sie kein Stückchen Pachtfeld mehr van ihnen erhalte«, falls sie Vertragsabschluß In der Relchenberger Textilindustrie Bedeutsamer Erfolg der Gewerkschaft Wie der„Textilackeiter" meldet, gelang es nach wochenlangen, äußerst schwierigen, vom Gau- sekretariat Reichenberg der„Union der Textilackeiter" geführten Verhandlungen, für die Gruppe der Streich- und Abfallspinnereien, die in 21 Unternehmungen etwa 000 Ackeiter beschäftigen, zu einer vertraglichen Regelung der Lohn« und AckeitSverhältniffe zu gelangen. In dieser Branche fehlte seit 1038 der Kollektivvertrag Werhaupt, die Ackeiter haben dadurch Lohnver- luste bis zu 55 Prozent erlitten. Der neue Vertrag verpflichtet die Unternehmer dieser Gruppe, die Löhne sofort nach Vertragsabschluß so zu erhöhen, daß sie bis 1. Oktober d. I. nicht tiefer als zehn Prozent unter denen im Jahre 1920 vereinbart gewesenen Löhnen liegen. Bon diesem Termin ab bis 31. Dezember dann nur mehr 5 Prozent und am 1. Jänner 1983 sind alle Firmen verpflichtet, den vollen früheren Vertragslohn zu bezahlen. Ferner sind die Firmen verhalten,«Ine einmalige Aushilfe in der Höhe von 100 KL an die Arbeiterschaft zur Auszahlung zu bringen. Der; Abschluß dieser Vereinbarung ist bedeutend, bringt er.doch ungefähr 10 bi» 50 Prozent Lyhnerhö« "Hungen Mr 700 Ackeiter. Di«'Vereinbarung wird zur Rechtsverbindlichkeit eingereichst Die Union der Textilarbeiter hat da für eine; Gruppe von Ackeiter» eisien bedeutsamen Erfolg" errungen."-„- Henlein drangt sich auf Die SdP-Propaganda bei dem Karlsbader' Frontkbmpfertag In Karlsbad fantz SamStag und Sonntag dgSelfte MederseheNSfest" der Bereinigung»Heimatsöhne im Weltkrieg" statt, verbunden mit der. Enthüllung eines Kriegsgefallenendenkmales. Das Fest verlief im allgemeinen in dem übliche» Rahmen, ES dürften etwa 5000 bis 6000 Teilneh- sich erlauben,«ine eigene Kandidatenliste zu den Gemeindewahlen einzureichen und der Gemeinde di« Koste» und die Arbeiten einer Wahl bereiten. WaS sollen diese armen Teufel machen? Sie müssen glattweg von ihrem verfassungsmäßig garantierten Wahlrechte Abstand nehmen, weil ihnen sonst die Henlein-Bauern und die paar Bauern vom BdL nicht einmal mehr die Kartoffeln zum essen lassen. Bei der Wahl 1935 lautete die Henlein- Parole mancherorts:„Wählst du rot, ist'S dein Tod!" Dort im Böhmerwald praktiziert man es. Wählst du sozialdemokratisch, dann sollst du nicht einmal mehr Kartoffeln zu essen haben. Am Sonntag aber schreit man:„Nur am deutschen Wesen kann die Welt genesen!" Bo», der Not in jenem Aebieteckaiin.man.sich dann eine-Vorstellung machen, wenn man Fälle wie folgenden erlebt: Ein Familienvater, dessen Sohn beim Militär ist, hat keine andere Veckicnst- möglichkeit als die,. sich zu einem Bauern als Knecht zu verdingen. Der Vater ist also Bauernknecht, die Mutter anderswo Gelegenheitsarbeit terin, da sie vom Einkommen de» Manne» nicht mit lcken kann. Nur am Sonntag vormittags kommt dieser Mann nach Hause und ist dann einige Stunden bei seiner Frau. Da» ist da» Leben eines deutschen Landproleten unter deutschen Bauern. mer gezählt wocken sein. Bon der SdP waren, wie sich durch verschiedene Beobachtungen feststel- len ließ, offenbar große Bockereitungen getroffen wocken, um der Veranstaltung einen politischen Anstrich zu- geben und daraus Kapital zu schlagen. Schon auf der Delegiertentagung am Freitag- Abend im Kurhaus, wo cS sehr stürmisch zuging, war von den Egerländer Henleinmannen ein Vorstoß unternommen worden, jedoch durch die Wachsamkeit der nicht dem TofalitätSgeist verfallenen wirklichen Frontsoldaten verhindert worden. Man wollte angcklich einen eigenen sudetendeutschen Frontkämpfeckund gründen. Samstag abend» fanden in verschiedenen Lokalen Kameradschaftsabende statt. In der größten dieser Veranstaltungen tauchte zu vorgerückter Stunde„plötzlich" Konrad Henlein"auf, wobei die gute Organisation dieses„spontanen" Auftretens und des Siegheil- Geschreies von an verschiedenen Stellen postierten deutsche» Turnern, die vom Krieg wohl nur aus Familien- und Soldatenkalendcrn etwas wissen, besonders in' Erscheinung traten. Sonntag marschierte Henlein mit seinen Turnern mit im Zuge und wieder waren im Spalier Gruppen von Hen- leinleuten verteilt, die nach eigenen Aeußenmgen die Aufgabe hatten, für Stimmung zu sorgen. Wenn auch ein' offizielles Auftreten Henleins verhindert' würde, so kann man wohl sagen, daß diese ganze Aktion der SdP der unpolitischen Bereinigung-der Frontkämpfer nur geschadet hat. 01« KPt hat Sehnsucht nach Trotzkisten I Die Kommunisten veranstalten.am 4. und 5..September in Aussig einen„Krcisaufmarsch aller Freunde der Volksfront". Für diesen Kreisaufmarsch wecken st« vor-allem unter den Sozi ald em ö kr at e n.sNeben den Zirkularen an die, sozialdemokratischen Organisationen geben sie g e s ch r i e b e n e. B r i.e f« an jede einzelne Organisation aus. In. diesew Briefen wird u. a. behauptet, aus hen-Reihen der-sozialistischen Jugend und, der AtuS-Jügend seien-bereits Zustim« mungskundgebungen erfolgt. In den Briesen an dk.Gewerkschaftsortgruppen und an die jozial- Seite 4 Donnerst«», 26. Anglist 1037 Nr. 200 N-esnemMelten DaS.BMzeIfl^sehHMHMchMühr.- Oftraur.14,20: KomPositioMN.von.Ariel, 18.10: Deuffche Sendung:" Ilrchanowskv: lieber demokratische : Gesetzgebung.—- Obetetfenlieder-" die betreffende Nummer des Verordnungsblattes nebst Beilage allen Mittel- und. Hochschulen"in" Böh-. men übermittelt werden.(Landerbehörde in Prag)." Auch da» Wetter hat seine„Achsen"! Die-Achst eine» umfangreichen Hochdruckkammes,' der vom Weißen, Meer über Skandinavien, Holland bi»-"auf die Azoren hinreicht,' weist bisher keine Aenderung ihrer Lage auf. Da Mitteleuropa an der Südostseite dieser Achse liegt," strömt unseren Gegenden andauernd' etwa»' kühlere und mäßig feuchte"Lüft von Norddsten zu. Infolgedessen bilden sich an der" den« Winde entgegengesetzten Seite der Gebirge häufig Gewitterwolken mit leichten Schauern au». An einigen-Orten" wurden bereit» nachmittag» auch" Gewitter verzeichnet. Die"Temperaturen schwanken annähernd" um" den Normalwert. Der jchigechWitte- rungschärakter dürfte auch in den nächsten Tagen än- halten.— Wahrscheinliches Weiter D o n.n e r'S- tag: Nöch-cheränderlich"stellenw'eise Schauer,, und- zwar besonder»" in der" Rähei von Gebirgskämmen, Nordwind.— Wetteraussichten fjir: Freitag: Allmähliche Abnahme der Bewölkung' und" Erwärmung." Die'- Neigung zu' örtlichen Schauern dll.rfte"> jedoch andauern. der dortigen Delphin-Fischereigenoffenschaft bemächtigt und sind in der Nacht ins Schwarze Meer hinausgefahren. Polizeimotovboote haben die Verfolgung ausgenommen, die jedoch ergebnislos blieb. Wan nimmt an, daß. die Flüchtlinge bereits in Rußland angekommen sind. Zur Rettung Lewanewskis.(Taß.) Mittwoch um 8.25 Uhr stieg in Moskau eine Luftexpedition unter der Leitung des Flieger» Schewelew, die aus drei viermotorigen Flugzeugen besteht,- auf, um Nachforschungen nach dem Flugzeuge Lewanewskis aufzunehmen. Die Flugzeuge werden von den Fliegern Wodopjanow, Molokow und Alexejew gesteuert. Als nächster Zwischenlan- dungsplatz der Luftexpedition ist Archangelsk vorgesehen. Auf der Flugstrecke herrscht ausgezeichnetes Wetter. Maffenflucht aus den österreichischen Sommerfrischen. Das schlechte Wetter"der letzten Tage verursachte eine Maffenflucht der Gäste aus den österreichischen Sommerfrischen in de» Alpen. Die gegen die Landeshauptstädte und Wien fahrenden Züge waren Dienstag und Mitttvoch von Paffagieren überfüllt, welche ihren Urlaub unterbrochen haben und in ihre Heimat zurückkehren. Die stärkste Frequenz weist die Süd- und Westhahn aus. Der ReguS prozessiert um ein Aktienpaket. „Daily Telegraph" meldet, daß der Prozeß zwischen Hatte Selaffie uNd der italienischen Regierung wegen der Aktien der Bahn Dschibuti—Addis Abeba in der nächsten Zeit vor einem Pariser Gerichtshof verhandelt werden wird. Das rund auf 80.000 Pfund bewertete Aktienpaket ist im Aktien-Register unter dem Namen„abeffinische Regierung" eingetragen. Abenteuer im Flugzeug. Ein junger amerikanischer Flieger, Robert Hunt, bat vor einigen Tagen ein Abenteuer erlebt, da» jedem Film Ehre gemacht hätte. Er begab sich zu einem UebungSflug auf den Flugplatz von Rosenhurg(Texas) und hatte schon den Propeller angeworfen. Plötzlich sah er sich einem Mann mit Revolver gegenüber, der sich al» entsprungener Sträfling ausgab und ihn zwang, ihn ins Flugzeug aufzunehmen und loszufliegen. Er befahl Hunt, Richtung zur mexikanischen Grenze zu nehmen. Hunt gehorchte unter der Drohung der Waffe, überlegte jedoch fieberhaft, wie er sich befreien könnte. Ex kam auf eine glückliche Lösung: er erklärte, daß er nicht genügend Benzin mithabe, um so weit"zu fliegen. Darauf war der Sträfling damit einverstanden, daß er ihn irgendwo auf freiem Felde absetzte. Hunt tat die» auch, doch flog er bi» in die unmittelbare.Nähe des Gefängnisse». Er rechnete ganz richtig damit, daß ein dort landender Apparat Aufmerksamkeit erregen würde, und tatsächlich kamen, noch während er da» LandungSmanöver durchführte, Wächter heran, die nach kurzer Gegenwehr den flüchtenden Sträfling, der sich al» der Gangster Gsorge Bamfort erwies, überwältigten. Ein Rußbaumschrank mit Gespensterzubehör. In der„Morning Post" erschien vor einigen Tagen folgende merkwürdige Anzeige;»Ein Nutzbaumschrank mit einem Gespenst zu verkaufen. Wegen der besonderen Eigenschaften der gut erhaltenen Möbelstück» billigste Preise/' Diese„besonderen Eigenschaften" bestanden darin, daß in dem Schrank osfen- . bar ein höchst munteres Gespenst.hauste. Wie der Reporter,.der von der Redaktion der Zeitung an die Inserentin, Mr». Barkley in-Tarteton bei Orford, i entsandt" wurde/'von ihr erfuhr, gibt der Schrank .seit drei Monate» keine Ruhe. Die Türen gehen snöchtlicherweise dauernd auf und zu,, ebenso die. / SchMaden," und sämtliche Sachen werden-immer. UolknungsmMsel und Mietzinserhöhuagen Drohende Verschlechterung der Wohnunssverhältnlsse. Donnerstag, 28. August 1037 Seite 5 Mängel der diesjährigen Brotvertorgung Welche MaBnahmen sind notwendig? Gin Pyromane. In der schwedischen Stadt Kalmöchr brachen. Mt den: 5. Jllli"d^J.- gegen 40 BMnde aus, die von einem unbekannteirTäter "gelegt waren. Nun wurde der Brandstifter in der Person eiste» 16jährigen Schtveknerei" wird nun.£eiste.andere." Sturmführer, prügle Er'!« Ehren. Bon nun an werden dazu GlaÄhändschuhe.angezogen." "'„Jawoll."...". „Abtretenil" bedenklich ist es, daß in der Slowakei, welche in früheren Jahren immer die Znschußquelle sür die historischen Länder beim Uebergang aus der alten in die neue Ernte gewesen ist, einige Großmühlen infolge Roggenmangels den Betrieb einstellen mußten. Die Folge des Roggenmangels ist naturgemäß, daß die Mühlen für das Roggenmehl auch höhere Preise verlangen, wa» zu einer Gefahr für den Brotpreis werden kann. Es muß allerdings gesagt werden, daß das Monopol diesen Zuständen gegenüber nicht untätig gewesen ist. Bisher bestand nämlich die Bestimmung, daß die Kommissionäre höhere Roggenpreise bezahlen können, wenn der Roggen besonders gut gereinigt und sortiert ist und sich für Saatzwecke oder zur Verarbeitung zu Kornkaffee besonders eignet. Da diese Bestimmung dazu mißbraucht wurde, um allgemein höhere Kornpreise zu erzielen, wurde die obige Bestimmung am 14. August aufgehoben und die Kommissionäre der Getreidegesellschaft dürfen von jetzt ab nur die festgesetzten Preise und keine wie immer gearteten Zuschläge bezahlen. Angesichts des drohenden Kornmangels ist das aber zu wenig und es müssen folgend« Forderungen erhoben werden: 1. Einfuhr deS fehlenden Quantums " Roggen aus dem Ausland, 2. Aufhebung oder Ermässigung deS RoggenzolleS, 3. gesetzliche Ablieferungspflicht für Roggen, 4. Verbot der Verfütterung von Roggen, Lieferung von billigen Futtermitteln an Kleinbauern. Nur die Durchführung dieser Maßnahmen kann eine Sicherstellung der Browersorgung zu den festgesetzten Preisen ermöglichen. erteilt wurden, durch welche eine Gesamtbelegschaft von 66.060 Arbeitern erfaßt wurde. Die Belastung eines Arbeiters durch Ueberstundenarbeit betrug in diesem Jahre 89 Stunden. Das letzte, von der Statistik erfaßte Jahr 1936 zeigt einen Anstieg auf 382 Bewilligungen für eine Belegschaft von 142.185 Arbeitern mit einer durchschnittlichen Belastung von 42 Ueberstunden für einen Arbeiter. Als bestimmende Momente für das Ausmaß der Ueberstundenarbeit kommt nebst dem Beschäf- tigungsgrad der cinzelneu Industrie« deren technische Entwicklung ist"Betracht(Rationalisierung) und dann, was in den ärgsten Krisenjahren besondere Bedeutung hatte, das Bestreben der Unternehmerkreise, durch intensivere Ausnützung der Arbeitskraft der im Betrieb verbliebenen Arbeiter, Wiedereinstellungen bzw. Neuaufnahmen nach Möglichkeit zu vermeiden. Die bewilligenden Behörden hatten dies« Tendenz^der Arbeitgeber, die zur Verschärfung der Arbeitslosigkeit beizutragen geeignet Ivar, Immer wieder bei den Ansuchen um Bewilligung von Ueberstundenarbeit in Betracht zu ziehen. Die mit der einsehenden Wirtschaftsbelebung Hand in Hand gehende Steigerung der Ueberstun« denarbeit erstreckt sich vor allem auf jene Industrien, die von der Steigerung der Produktion zunächst erfaßt wurden. In erster Reihe die Textilindustrie, für welche 1986 insgesamt 386.822 Ueberstunden bewilligt wurden und die Metallindustrie mit 807.177 Ueberstunden. In weitem Abstand folgen dann die BekleidungS- und Schuhindustrie(40.588) und die Holzindustrie (21.702). Bemerkenswert ist ferner die außerordentliche Zunahme der Ueberstundenarbeit in den Bergbau» u«d Hüttenbetrieben. Im Jahre 1988, also auf dem Tiefpunkt der Krise, waren nur neun Bewilligungen erteilt worden, ans Grund deren 891 Personen inögesmnt 2201 Ueberstunden leisteten. Demgegenüber wurden 1936 in zwölf Berg- und HUttenbetrieben von 821 Arbeitern 16.288 Ueberstunden geleistet. Preffe-JnformationSabend im Prager Messe- palai». Dienstag abends hatte Primator Dr. Zenkl zum ersten Male in seiner Eigenschaft als Ehrenvorsitzender" der Prager Mustermesse die Vertreter der Prager, der Provinz- und der Auslandspreis zu einem JnformationSabend im Meffepalais eingeladen. Außer den Journalisten hatten sich auch führend« Persönlichkeiten de» wirtschaftlichen Leben» 'eingefunden und u. a. der ehemalige Primator Dr. Man erhält fUr kc 100 Reichsmark.». . 713.— Markmünzen... . 730.— 100 österreichisch« Schilling .»26.50 100 rumänische Lei... . 16.35 100 pMische Zloty.. . 513.50 100 ungarische Peng-.. . 548.50 100 Schweizer Franken. . 655.50 100 französische Franc». . 107.30 1 englisches Pfund A. . 141.87 1 amerikanischer Dollar . 28.50 100 italienische Lire.. . 132.40 100 holländische Gulden. . 1577.— 100 jugoslawische Dinare. . 61.92 100 Belga»... . 482.50 100 dänische Kronen.. . 635.— 100 schwedische Kronen.. -. . 738— B a x a. Primator Dr. Zenkl verwies in seiner Ansprache darauf, daß er in der Aera de» übermäßigen Optimismus einen kritischen Standpunkt zur Prager Mustermesse eingenommen habe, daß er aber seinen Standpunkt geändert habe, al» er sich davon- überzeugen konnte, daß die Prager Mustermesse gut wirtschafte, daß nach einer Zeit der Mißerfolge ein Aufstieg zu verzeichnen sei und daß die Prager Mustermesse den besten Willen habe, den breitesten wirtschaftlichen Interessen vor allem durch inten- siveUnterstützungdeS Exportes und durch periodische Belebung des Jnlandsmarktes zu dienen. Hierauf skizzierte der Vorsitzende des VerwaltungSrate» der Prager Mustermesse, Kommerzialrat Barta, da» Programm, der heurigen Herbstmesse, die in der Exportgruppe im Mcssepalais am 8. September, in den übrigen Abteilungen am 6. September eröffnet werden wird. Die Herbstmesse wird im Zeichen der allgemeinen wirtschaft-, lichen Belebung stehen und durch die Buntheit der Auswahl sowie die Reichhaltigkeit der neuen Muster überraschen, die Leichen eine» neuen Aufschwunges der Produltion, der Export- und Wirtschaftsexpansion sind. (tusland KPD- Liigcnzentral« ' Der Parteivorstaud der Sopade veröffentlicht im„Neuen Vorwärts" folgende Erklärung: „Die Kommunistische Partei verbreitet durch ihre Presse die Behauptung, im Vorstand der Sozialdemokratischen Partei bestehe eine sogenannte reaktionäre Gruppe, die die Einigung im Kampfe gegen Hitler verhindere. Der Parteivorstand erblickt, wie er hiermit durch einstimmig gefaßten Beschluß feststellt, in dieser lügnerischen Behauptung einen Versuch, nach der alten Methode der Einheitsfrontmanöver einzelne Teile der Sozialdemokratischen Partei gegen andere auSzuspielen und, statt wirklich die Einheit zu fördern, Zersetzung in das sozialdemokratische. Lager zu tragen. Er ist einig in dem Entschluß, solche Manöver mit aller Schärfe zu bekämpfen." Spanien auf dem britischen Gew«rkschaftSkongress Bei dem in der übernächsten Woche in Norwich stattsindenden Kongreß der Trade UnionS, der britischen Gewerkschaften, wird der Kampf in Spanien im Mittelpunkt der Debatte stehen. In dem vom Generalrat der Trade UnionS herausgegebenen Bericht wird eindeutig sür die Unterstützung der rechtmäßigen spanischen Regierung Stellung genommen und die Fortsetzung der Hilfsaktionen in Aussicht gestellt, die von den britischen Gewerkschaften bisher unternommen wurden und„ gefordert,.daß der. Baleueia-Regie-- rung-endlich alle- notwendigen Verteidigungsmittel zur Verftigung gestellt werden. Auf sozialpolitischem Gebiete wird der britische Gewerk» schafiskongreb besonders die Forderung nach Einführung der Vierzig-Stundenwoche in England erheben. Als bedeutendste Erfolge der britischen" Gewerkschaften im vergangenen Jahre erwähnt der Bericht des GeneralrajcS die Einsetzung eines Komitees aus Mitgliedern der British Medical Association und de» GcwcrkschaftsrateS, da» die Förderung der Gesundheitsfürsorge für die Arbeiter zur Aufgabe hat und insbesondere die Aerzte zum Studium der^Berufskrankheiten an- lciten soll, und die Erhöhung der weiblichen Mitgliedschaft der britischen Gewerkschaften um 50.000 Mitglieder im vergangenen Jahre. Verhaftungen in Bulgarien. Bon der politischen Polizei wurden in den letzten Tagen mehrere führende Personen der ausgelösten mazedonischen revolutionären Organisationen, unter ihnen der frühere Vertreter der mazedonischen Terroristen in Berlin, M o n e v, verhaftet. Die Verhafteten werden wahrscheinlich in ein Internierungslager gebracht werden. Bisher ist der Grund für diese Verhaftungen nicht bekannt geworden. Da die Verhafteten Gegner der Außenpolitik der Regierung waren, nimmt man an, daß die Verhaftungen, damit zusammenhängen.— Im Laufe dcS letztem Jahres fanden in Bulgarien 156 politische Prozesse statt, bei denen gegen 668 Personen die Anklage, erhoben worden war. Außer den viele» zur lebenslänglichen Zuchthausstrafe Verurteilten wurden 2697 Jahre Gefängnisstrafen verhängt, wozu noch 8 Todesurteile kommen. Eine große Anzahl von Prozessen steht noch bevor, lth) Niesengewinne der rumänischen Petroleuminduftrie. Der letzt« Bericht der rumänischen„Gesellschaft für Konjunkturforschung" beschäftigt sich eingehend mit der Lage der Erdölindustrie. Nach vorsichtigen Berechnungen beziffern sich die Einnahmen der Pe« troleumgesellschaften im Jahre 1986 auf 9,8 Milliarden Lei. Die Ausgaben der Gesellschaft werden auf höchsten» 4 Milliarden Lei veranschlagt, so Hatz den Gesellschaften ein Reingewinn von jö,8 Milliarden übrig blieb. Von selten der Petroleumuntcxneh- mungen wird angegeben, datz der Reingewinn mir 2.6 Prozent und nicht, wie da» Bulletin der oben genannten Gesellschaft angibt, 67 Prozent des Verkaufserlöses beträgt. Wie aus obigen Zahlen ersichtlich, verdienen die Oelunternehmer Riesensummen, Während di« Arbeiterschaft in 14 u n d 16 st ü'n- diger täglicher ArbeitSzei: kaum dar Existenzminimum, verdient. Dabei ist er gerade die Oenndustrie Rumäniens, die, der Arbeiterschaft eine Arbeitsordnung aufgezwungen, hat, durch welche- die gesamte Arbeiterschutzgesetzgebung außer Kraft gesetzt, wird, lth). und Swafpaßtife Ueberstundenarbeit in Konjunktur und Krise Seite S .Sozialdemokrat ^-7.7.?"'7L"2. Augrst 1037..«r'/röst knckisalies Orabmsl Eingangstor zum Grabmal eineB indo-chinesischen Herrschers, das einen Begriff von der Frachtentfaltung der dortigen Bautet^ gibt die Verfilmung Von Karel Tapeks„Die wciße Krankheit" sind. soweit fortgeschritten, daß bereits mit dem Engagement der Hauptdarsteller' begonnen werden konnte. ES spiele» unter der Regie Von Hugo Haas die Schauspieler Smolik.Sti» p ä n e k, De hl. Hugo Haas selbst spielt wie auf der Biihne auch im Film die Rolle des Arztes.'Mit den Aufnahme» wird Mitte September in.ben AB» Ateliers am Barrandow begonnen. Der mit einem Millionenaufwand kalkulierte Film.wird Von der Moldavia hergestellt. Ortsgruppe Prag:/ Sonntag.. 29. August: Treffpunkt um 7 Uhr Bra- niker Bahnhof, Fahrt»ach Jilovö, Wanderung über die Posazavskä steska Nach Davle, führt Lauer. DiebSjagd auf der Ratlonalftraße. Gestern mittags fuhr die Gastwirtin Marie Cirek aus Aujezd bei Kladno vor den Skodawerken in' der Jungmann- straße vor und ließ ihren Magen vor der Türe stehen. Während ihrer Abwesenheit erschien der 28jährige, bereits polizeibekannte wohnungslose. Schlosser Franz Kürka und begann in aller Oesfentlichkeit den Wagen durch dar offen gebliebene Fenster auSzuräumen. Auf. die Frage eines zufällig Vorübergehenden, was er hier mache, lieh er Radioapparat, Täschchen und Koffer, die er bereits herauSgeholt hatte, auf der Straße stehen und lief davon. Auf der National«' ftraße gelang es, feiner habhait zu werden. Verwahrloste Jugend,. Die Polizei griff.dieser Tage eine'füiifköpfige Bande von 18» bis 17jährigei0 Jugendlichen auf, die sich durch unverhältnismäßig große Ausgaben in Prager Bars. und dergleichen verdächtig gemacht hatten. ES wurde feftgestellt, daß einer von ihnen einem seiner Verwandten in Hölle-« schowitz 10.000 K£ gestohlen hatte, wofür sie, sich' einige. lustige Tage mit Mädchen usw. gönnten. Drei wurden sreigelgffen, zwei dem Jugendgericht überstellt.— Interessanter ist der Fall eines anderen 17jährigen Jugendlichen, der gestern als Täter eines' am 17. d. M.' beim BerstcherungSbeamten Alois Kratochvil in Spokilov verübten Diebstahls verhaftet wurde, bei dem Film- und Radioapparate' lRadio« phone), Luftpistolen u. dgl. im Gesamtwerte von 10.000 Kd abhanden gekommen waren. Am Tatort wurde gleichzeitig die Personenbeschreibung eine» gewissen Karl Kazletka gefunden. Der junge Mann, der nun verhaftet wurde, ist leidenschaftlicher Bastler; tatsächlich hat er die gestohlenen Apparate nicht verlaust, sondern zu Hause zerlegt und sich sonst damit beschäftigt. Besragt, wie die Personenbeschreibung des Karl Kazletka an den Tatort gekommen sei, gab er an, er hätte am gleichen Tage von der Flucht eines Mannes dieses Rame.nS aus Theresienstadt' gelesen; er habe daher dessen Beschreibung hinterlassen, damit man ihn für den Täter halten sollet Die Anzeige ans Jugendgericht wurde erstattet. TodeSfturz im Mausoleum. Gestern vormittag» arbeitete der 86jährige Arbeiter Josef Faber a auf dem Dach des Mausoleums auf dem Zilkaberge und trat während der Mittagspause nach Angabe seiner Kameraden aus den Lichthof, obwohl er dort nichts zu tun haiie. Plötzlich brach das Glasdach unter ihm ein und Fabera stürzte etwa 20 Meter in die Tiefe. Hiebei erlitt er mehrere Knochenbrüche und innere Verletzungen, denen er während der lleberführung ins allgemeine Krankenhaus erlag. Pom Lift zerquetscht. Gestern vormittags arbeitete der 40jährige Arbeiter Jan Havlan auf einem Neubau in Koschirfch und wollte, da er gerade gerufen wurde, unter einem fahrenden Auszug durchlaufen, obwohl seine Kollegen ihn warnten.. Er wurde vom Aufzug erfaßt und zu Boden gedrückt, wobei ihm zwei Halswirbel gebrochen und die Schädeldecke verletzt wurden. In schwerverlebtem Rustand und bewußtlos wurde er auf'btt'Minik Jirästkije« bracht. Die Rohrpost in Groh-Prag gewährt außer der schnellen Besörderung von Briefsendungen den Adressaten in den Hauptwohnvierteln der Stadt toeitere Vorteile. Die Rohrpost kann auch zur Beförderung von Briefen und ähnlichen Sendungen für Empfänger außerhalb Prags befördert werden, wenn dem Absender an einer raschen Expedierung gelegen ist. Auf solche Briefe oder Postkarten ist außer der Marke im Werte des gewöhnlichen Portos noch eine 40-Heller-Marke aufzukleben und die Adresse erhält hinter dem EmpfangSort eine weitere Angabe bezüglich deS zuständigen Bahn Postamtes(Prag VI, Dentfovo nädr.. Präg VIl, Masarhkovo nädr. oder Prag XV, Wilsonovo nädr.)',' welche Postämter die weitere Beförderung an de» Bestimmungsort besorgen.(8> B.„pker poötovni ükad Praha VII".)' Solche Briefsendungen sind entweder in die roten R o h r p v st k ä st e n einznwerfen l welche jede Stunde entleert werden) oder können bei einem Postamt abgegeben werden, welcher auch bereitwillig Informationen erteilt... Kunst tuid Wtoaen Verbot einet antifaschistischen Dramas in Holland. Das Theatersstick des Amerikaners Eimer Ä i c e„Judgmenh Daß" Gerichtstag) ist in Holland verboten worden, weil es angeblich eine kritische Darstellung der Reichstagsbrandes enthält. Der Autor hat dieser Verbot, wie die englische Presse mitteilt, für„unbegreiflich" erklärt, denn das Stück richte sich nicht gegen eine bestimmte Diktatur, sondern gegen die Diktatur im allgemeinen. Dar Drama wird in Amsterdam nur in einer BereinSauffÜhrung zur Aufführung, gelangen; In London ist es vom„Dailh Heräld" in Fortsetzungen veröffentlicht worden. . DaS Schicksal des Tänzers Rijtnskt. In den Kreisen des Balletts, dar ja in Paris nicht nur seine Tradition hat. sondern auch eine' ganz besondere Rolle spielt, herrscht die größte Ausregüng. Denn nach Nachrichten a»S der Schweiz, die von privater Seite bestätigt werden, soll der Tänzer Nijinski alsbald wieder ins Leben und vielleicht sogar auf die Bühne zurückkehren. Nijinski war Star und Solotänzer der berühmten Diaghilev-Balletts und Hai, kurz nach dem. Kriege, in Paris Triumphe gefeiert. Dann, vor lebt genau 17 Jahren, verschwand er plötzlich, und erst sehr viel später erfuhr man. daß er in der Anstalt Kreuzlingen interniert ist. Er wurde als unheilbar geisteskrank angesehen. Jetzt soll sich jedoch sein Zustand plötzlich außerordenilich gebessert haben. Seine Frau und Tochter, die seit einigen Monaten diese Besserung bei ihren Besuchen-feststel- len konnten, haben eine neue Untersuchung veranlaßt. und Professor Binswanger, der einen Wiener Kollegen heranzog. soll sich sehr optimistisch geäußert haben. In den allerletzten Tagen bat der Kranke keine Tochter, die ebenfalls Tänzerin ist, ihm etwas vorzutanzen. Kaum haste das Mädchen ihren Tanz beendet, als Nijinski aufsprana'und selbst zu tanzen begann. Er unterhielt sich auch, wenn auch nur sehr wenig, da er vor seiner eigenen Stimme Angst zu haben scheint, sehr vernünftig und voller Fachkennt- nir über dje Tänze. Ser Dtm Dr. Bene»' Mähren-Reise im Film. Im Rahmen der Wochenübersicht bringt die neue„Aktuella"- Tonwoche in einer lallen Reihe von Bildern. die Reise des Staatspräsidenten durch Mähren sowie anschließend den Besuch Dr. Benei' bei den Manöver». Karel ltapekS„Hordubal" im Atelier. Der große Rommi des bekannten tschechischen Schriftstellers „Hordubal" erhält unter Mae Friis Regie nunmehr .seine filmische Berswn. In der letzten Woche'sind die Außenaufnahmen in der Tatra und Südstotvakei erfolgreich beendet worden, so daß noch Ende dieser Woche mit den Atelieraufnahmen im AB am Barrandow begonnen' wird. Die Hauptrollen sind mit Paolo B.ielik(Janoölk), Mirko Eliäö, Susanne Marville besetzt.— Die Vorarbeiten für Jude» in Deutschland Ist das deutsche Volk antisemitisch? Wird der grausaum unerbittliche Vernichtungskrieg, den die Behörden des Dritten Reiches gegen 400.000 unschuldige und tuohrlose Menschen führen, von der Mehrheit des Volkes gebilligt? Dio letzte Ausgabe der sozialdemokratischen„Deutschland- Berichte" beschäftigt sich mit dieser Frage, nm sie entschieden zu verneinen. ES sind nicht die Massen, die das Vorgehen gegen die Inden fordern. ES ist eine kleine Minderheit, aber diese Minderheit regiert, sie hat alle Macht in Händen, sie erstickt mit ihrem Terror jede Stimme des Widerspruchs. Man mutz schon sehr scharf Hinsehen, um zu bemerken, daß es da und dort gegen die amtliche betriebene Judenschinderei doch noch etwas wie einen passiven Widerstand gibt. Dann kann man aber auch feststellen, datz sich die Zentren dieses Widerstandes eben an jenen Stellen befinden, die sick> bisher mit einem getviffen Erfolg gegen die Gleichschaltung gewehrt haben: beim Auswärtigen Amt und bei der Armee. Zlvar ist man auch dort nicht philosemitisch, aber aus Gründen der Außenpolitik und der Kriegführung lehnt man einen exzessiven Antisemitismus ab. Dar statistische Ergebnis des antisemitischen Kurses bis Ende 1086 ist ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung Deutschlands von 817.000 auf 800.000. Es find rund 110.000 Juden anSgewairdert, die übrige Abnahme ergibt sich aus einem Uebertviege» der Todesfälle über die Geburten. Auf der anderen Seite hat das Reich 188 Millionen Einnahmen aus der sogenannten Fluchtsteuer zu verzeichnen, die fast ausschließlich von Juden stammen. Diese Steuer ist nicht etwa eiste Abgabe von dem nach dem Ausland gebrachte» Vermögen, sondern sie muh von jedem bezahlt werden, der seinen Wohnsitz ms Ausland verlegt— mich wenn er, wegen Schwierigkeiten des Transfers, sein Vermöge» im Jnlande belassen muh. Von den wirtschaftlichen Schäden, die den Juden zugefügt wurden, bilden aber diese 183 Millionen nur einen kleinen Bruchteil. Unausgesetzt gehen jüdische Grotzsirmen unter Zwang aus jüdischen Händen in arische über. Die sozialdemokratischen „Deutschland-Berichte" zählen wieder eine ganze Reihe solcher Firmen auf. die in neuer Zeit dieses Schicksal traf, darunter weltbekannte wie die Zigar- renfabrik Loeser u. Wolff und die Schuhfabrik Herz, * Biel härter noch als die großen jüdischen Geschäftsleute werde» die jüdischen Intellektuellen, Aerzte und Rechtsanwälte, die kleinen Kaufleute auf dem Lande und die Angestellten getroffen. Ihr Leben ist, von seltenen Ausnahmen abgesehen, nichts anderes mehr als eine Kette von materiellen Schädigungen und moralischen Demütigungen. Noch können jüdische Rechtsanwälte, Kriegsteilnehmer, ihrem Beruf nachgehen, aber ein Kammergerichtsurteil z. B. verbietet die Verwaltung einer arischen Erbschaft durch einen jüdischen Testamentsvollstrecker auch dann, wenn, der Erblasser diesen TestamentSvollstrek- ker ausdrücklich benannt hat. Wer kann noch eine» jüdischen Arzt aufsuchen? Ein Beamter nicht, wenn er nicht entlassen werden will. Ein Arbeiter nicht, wenn er nicht riskieren will, einen Teil der Unterstützung zu verlieren. Wer bleibt übrig? Die Juden verarmen. Ungezählte bedürfen sozialer Hilfe, wenn sie nicht zum Selbswiord getrieben werden sollen. Was tun die Behörden? Sie verfügen, daß es für wohltätige Stiftungen der Juden keine Steuerfreiheit gibt. Sie entziehen armen Juden, die— gläubige Idealisten— ihr Recht Vox Gericht suchen, den Armenanwalt. Bekannt ist das Schicksal der Bne-Brith-Loge, die der Auflösung verfiel, doch teilen die sozialdemokratischen „Deutschland-Berichte" bisher noch unbekannte, erschütternde Einzelheiten mit. Greise und Greisinnen, Insassen des Altersheim der Loge, wurden buchstäb- , lich auf die Straße gesetzt. Sie alle hatten sich früher durch Zahlung beträchtlicher Summen einen bescheidenen Lebensabend zu sichern geglaubt— nun sind sie enteignet und mif die Straße geworfen! * ' Die Schande der deutschen Judenjustiz bildet ein besonderes Kapitel. Ein Amtsgericht in Renlscheid erklärte Käufe, die die Ehefrau einer Nazis bei einem jüdischen Kaufmann vorgenommen hat, für null und nichtig. Ein Gericht in Hamburg scheidet eine Ehe und erklärt die Frau für den schuldigen Teil, weil sie— in einem jüdischen Geschäft einen Mantel gekauft hat. 128 Verurteilungen wegen sogenannter Rassenschande sind nach der jetzt vorliegenden Swjistik im dritten Vierteljahr 1080 erfolgt. Seitdfln haben sich die Verurteilungen noch vermehrt. ES häufen sich die Fälle, in denen Juden, die sich mit Prostituierten einließen, deshalb wegen Rassenschande ins Gefängnis wandern müssen. Aber weit tragischer sind die Verurteilungen, durch die Juden oder Arier ihre Liebe und ihre Treue im Zuchthaus bützen müsse». Die Republik hatte neben der Ehe auch dar „ebeartige Verhältnis" unter ihren Schutz gestellt. Es gab infolgedessen zahlreiche Fälle von Lebensgemeinschaften zwischen Juden und Nichtjuden; die der amtlichen Bestätigung entbehrten. Seit dem Erlaß der Nürnberger Gesetze gelten solche Gemeinschaften als zuchthauswürdig. Da kehrt ein Mann nach langer Zeit, sehnsüchtig erwartet, aus dem Konzentrationslager in die Arme seines WeibeS zurück, mit dem er seit sieben Jahren frei verbunden ist. Aber er ist Arier, sie Jüdin. Man holt ihn wieder und sperrt ihn für zwei Jahre ins Zuchthaus. Und wenn er nach zwei Jahren entlassen wird? Der Fall ist nicht etwa erfunden. Er Hai sich in Hamburg abgespielt. Der Verurteilte heißt Kettenhausen. Wer unverhllllien nazistischen Gang st e r- geist erleben will, mag sich in. die Stube der Berliner Ratsherren begeben. Das sind, wie zur Ehre der Berliner Bevölkerung festgestellt werden soll, nicht etwa gewählte Gemeinderäte, sondern Günstlinge der regierenden Partei und nach dem„Jührerprin- zip" ernannt.. Die sozialdemokratischen„Deutschland-Berichte" sind in der Lage, daS stenographische Protokoll einer Berliner Ratsherrensitzung vom 8. Juni d. I. photographisch wiedergeben zu können. ES ist eine Offenbarung. Da beschwert sich der Ratsherr Körner, daß sich im Freibad Wannsee— trotz ihrer sonstigen Abneigung gegen das Baden, wie er witzig bemerkt— wieder viele Juden herumtrieben. Diese Juden wag, len eS nicht nur, Blicke auf arische Mädchen z» wer-' fen, sondern auch sich mit Arbeitern über Politik zu unterhalten. Darum schlägt der Ratsherr Körner vor, den Juden durch eine Warnungstafel den Eintritt in dar Freibad zu verbieten. Darauf erhebt sich der oberste Medizinalbeamte der ReichShauptstadt, Dr. Conti, und führt aus: Die Badeleiter hätten ihm erklärt, daß sie keine Mißstände bemerken, könnten, aber daS komme, wohl daher, weil sie nicht unterscheiden könnten, wer Jude ist und wer nicht. Auch er sei der Meinung, daß, die Ausschaltung der Juden allmählich verschärft werden müsse. Er wolle alle Bäder von Berlin^biS auf einer, das„am wenigsten schöne", für die Jmen sperren.. Im Freibad habe er die Dienststellen an», gewiesen, auf die Juden schärfer. aufzupaffen-.uni, sie z. B., weil der Badeanzug nicht genüge, hinauS- zuwersen, aber dabei nicht viel von Juden zu rede». „Aber ein striktes Verbot? Ob es bei Wannsee ratsam ist? Wannsee wird viel von Ausländern besucht..Wannsee ist also der kritische Punkt." Und nun. kommt der oberste Gebieter der Biir- milllonenstadt, der Oberbürgermeister und Stadtpräsident Lippert und sagt:„Wir haben 1088. in Wannsee ein Schild angebracht:„Juden ist der Zutritt verboten!" Auf Wünsch der Augwät-, tigen Amte» haben wir eS wieder Wegnehmen müssen, weil die Vorbereitungen zur r Olympiade im Gänge waren. Ich habe daraufhin den Badeleiter auf den Weg einer, geschickt formulierten Selbsthilfe verwiesen. Man soll nicht alle», behördlich regeln, son» Vern daran denken, daß es Gott sei Dank SA- und SS-Männer gibt.' Dar Hai sich im Strandbad sehr gut bewahrt... Sie haben dann die Sache auch nicht so gemacht, daß sie an Ort und Stelle einen furchtbaren Krach gemacht und einen großen Menschenauflauf inszeniert haben, sondern sie haben den Bademeister darauf aufmerksam gemacht. Der Bademeister hat den Betreffenden anfgefordert, das Bad sofort zu.verlassen. Wo es nötig schien, haben die wackeren SA-Leute draußen im Walde außerhalb des Badebetriebes ein bißchen gewartet, bis der Mann herauskam, und ihm dann daS Nötige eröffnet." Nach dieser Schlußwendung verzeichnet das stenographische Protokoll Heiterkeit. Es war eine.verständnisvolle Heiterkeit. Denn war er bedeutet, wenn SA-Männer, im Walde' Juden auflauern, um ihnen„das Nötige zu eröff- ,nen", versteht jedermann. Dar ist ein- Verfahren, dar der derzeitige Oberbürgermeister in Berlin angeordnet hat und dar, wie er selber swlz berichtet, mit Erfolg praktiziert wird. i?. Nach alledem sollte Man glauben, es bestehe ein einheitlich gerichteter Kurs, der darauf, hinzielt, den Juden in Deutschland dar Leben, völlig unmöglich zu machen und sie allesamt aus dem Lande zu treiben. Das ist aber merkwürdiger» cheise. nicht der Fall.. Man will.nicht, darauf, verzichten, die Juden zu mißhandeln, man will aber ,nicht darauf verzichten, sie zu brauchen, wo man sie brauchen kann. Jüdische Techniker z. B. werden von der Wwanderusig abgehalten,'weil man 'sie. in der. Kriegsindustrie nicht- entbehren. sann. Vor allem aber sind eS die jüdischen Aerzte, die man, trotz aller Schikanen, denen man sie unter« «wirst, nicht gern-ziehen Iaht. Denn wenn, der Krieg kommt, wird die Armee Aeszte brauchen— und dann werden auch die jüdischen Aerzte unentbehrlich sein!;. Den Geschändeten, den Mißhandelten will man dje kranken und verwündeten.Söhne deS Volkes zur Pflege und Heilung.anverträuen! Es gibt, also in, Deutschland doch noch—Glauben chi Menschlichkeit.. TOUkUungetickr»UraM« Urania-Kino Ach t u n g!.Geänderte A n f a n g S- z e i t im Urania-Kino! Die ersten WochenlaaSvor- stellunge» beginne» vom 27. August an so wie die SamStag- und Sonntag-Borstellungeil, statt um halb 6 erst, um 6 Uhr abends. Hirne In Prager LIcMspleIHnsein Urania-Kino.„I ch führ' zwei Harb e Rappen", der lustig-gemütvolle Wiener Großfilm um das Fiakerlied mit Paul Hörbiger, F.rguz Schafheitlin. Gusti Huber usto.— Adria: ,',Bulldog Drummond." A.— Alfa;„Sherlock Holmes." D- — Apollo:„Liebe geht seltsame Wege." D.-— — Avion:„Jarias Professor." Tsch.— Bereuet: „Millionen Dank." A.— Feniz:„Die Welt gehört uns." Tsch.— Flora:„Ein Mädchen.mit schlechtem Ruf." A.— Hollywood:„JaröaS Professor." Tsch.— Hvizda:„Charlie Chan auf der Olijm» Engi.— Svitozor:„Der Scheidungsgrund;",»- Tsch. — Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten,^. Journale, Grotesken!)— Kätvä:„Die Versuchung:" Ä.— Passage:„Geheimagent Nr. 18." A.— Praha:„Die Rückkehr' des Grauen Wolfs." A.— Radio«.'„Frauen um Ludwig Xlv." D.— Staut:„Wie es Euch gefällt." Engi.'— Svitozor:„Der ScheildungSgrund." Tsch. — Alma:„Ein Mädchen mit schlechtem Ruf." A.— Bajkal:„Frauen um-Ludwig XIV." D:,— Belvedere:.Liebe mit 1000 PS." A.— Besed»!'„Pater Adalbert." Tsch,.—■ Carlton:„Wenn Frauen schweigen." D.— Illusion:.„Der Musterdiener." A. —'Lido:.kl«:„100,000 Dollar." A.—,'Loutzre: „100.000'Dollar.? A.— Maeeska:„Mitternachtswalzer." A.—-- Perityn:„Die weiße. Großmacht;'" A.— Rory:„Prater;"' D.— N Bejvddu:„Die sechs Frauen Heinrichs.VIII." Engi)'. Jetzt müssen Sie unbedingt IhreBlumen«h Ilonti-Zaiberhig begleBen, wenn>le schön blühen tollen 1 Paket Kö Ö*6Q: durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf.62, und. bei aller» Xolnorteuvey crhßMoh Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau» oder bei Bezug'durch die Post'ntoiMlich flä 18.—, vierteljährlich Kt 48.—, halbjährig flö 06.—. gänzjiihtig K' 102—.■— Inserate.tverdeß-läüt< Tarif billigst berechnet. 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