Sozialdemokrat Zentralorga« der Deutsche» sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit««»»ahme de« Montag tSgiich früh/ Einzelpreis 70 Heller RebaktionundDerwaltMg: PragXII., Fochooa 62- Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Der Verlauf der Krankheit des Präsidenten Masaryk Vorschau auf die Prager Deutsche Sendung Beldiite beseht 17. Jahrgang Samstag, 4. September 1937 Nr. 208 Fortschreitende Besserung Lana, Der behandelnde Arzt de« Prüft denteniBefteiers Dr. Maizner gab am Freitag, , den 3. September, um 21 Uhr folgendes(7.) ärztliches Bulletin aüS: »Der Verlauf deS zweiten TageS der Krankheit deS Präsident-Befreiers hat erwiesen, daß dir Erkrankung im Zurückgehen begriffe»'ist. Der Kranke war den ganzen Tag hindurch »ei klarem Bewußtsein, nahm von seiner Umgebung Kenntnis, reagierte auf Fragen, antwortete und brachte in deutlichen Morten sein« Wünsche zum Ausdruck. Die Atmung und die Herz. . tätigkeit waren zufriedenstellend, die Rachmittagstemperatur bereits normal. L ä n y, 8. September, 21 Uhr. Ge». Dr. Mairner. Dieses letzte Bulletin kennzeichnet die Fort, schritte, die im Befinden deS erkrankten Präsidenten seit Donnerstag zu verzeichnen sind. DaS um 9 Uhr vormittags ausgegebene Bulletin lautet:' »Der Präsident-Befreier hat nach einer ruhigen Rächt und gutem Schlafe ein frisches Aussehen, klares Bewußtsein? er wünschte dein Pflegepersonal einen guten Morgen und gibt seinen Wünschen in kurzen Sätzen Ausdruck. Die Lungen sind rein, die Atmung kehrt ad normam zurück, Puls 102, Temperatur 36.7." Um 16 Uhr folgte dann ein zweites Bulletin, welches die Hoffnung auf die Genesung T. G. Masaryks weiter festigte: In dem Befinden deS kranken Präsidenteu- BefreierS ist auch weiterhin ein zwar langsamer, aber stetiger Fortschritt zu beobachten. DaS Be- - London. lTsch. P.-B.) Die Beratungen der Mittelmeermächte.in' Genf und die Art und Weise der besten Sicherung der Mitplmeerschiff- fahrt gegen künftige Angriff« von unbekannter Seite stehen gegenwärtig im Mittelpunkt der britischen Außenpolitik. DaS Foreign Office, daö diesen Beratungen die größte Bedeutung beimißt, ist auf Grund,' eingehender Informationen der Admiralität und der'britischen diplomatischen Auslandsvertreter nunmehr damit beschäftigt, eine» Plan auszuarbeiten, der dem gesamten Sicherungssystem der Schiffahrt im Mittelmeer dienen soll. Ueber die Natur der Vorschläge, die lei der Tagung vorgebracht werde» sollen/ wird strengstes Stillschweigen bewahrt, da man deren Beröffentlichung und vorzeitige Diskussion in der Weltpresse, ehe st« der Konferenz vorliegen, für unerwünscht hält. ES wird aber erklärt, daß sie 1. keineswegs auf den Abschluß eines Mittelmeerpaktes»per ähnlicher Vereinbarungen abzielen.', 2. auch sticht eins gemeiusanie Mittelmeer- patrouille einsühren wollen, 3. nicht aus den auf Unterseebootsangriffe gegen Handelsschiffe sich bezirkenden' Teil des Londvner FlittrnabkoiümenS, das alle Mächte unterzeichnet haben, Bezug nehmen und schließlich 4. die Erörterungen der NichtinterventionS- probleme dein dafür, zuständigen Nichtinterventionskomitee überlaste». Ob iiweS die Frage der Auerkennüng. der KriegSrecht« und' der Behand- lung der italienischen ,,Fr«iw illi g en" » u r S e e, die für- Franco kämpfen, nicht doch zur Sprache, kommen wird,, gilt, nicht für auSge- schlosten. I» WhiteHalluiird gesqgt, daß die Versendung der Einladungeneine, Angelegenheit deS Quai d'Orsay ist, haß aber England Wert auf hie Mitarbeit'Italiens lege, ferner darauf, dyß die Konferenz sobald als möglich stattsinde, Vier Zerstörer Ins^ntelmeer London. Einer Nachricht der„PreH Associatioa"zufylge hatdie! 11. Division der britische» Dorpedvbootztrstärer dir Weisung erhalte«, sich in die spanischen Gewässer zu he- geben«nd sich de«> übrige« britischeuTorpehW- boo^rrstSrer» anzuschließen, die rnÄung der spanischen Ostlüste stationiert sind. Die 11. Division besteht’ ans de« Torpedobootzerstörer» „Fmch",':,MÄstdsis,WFirtwDrüti>^«nd„Fortüne".. wußtsein ist andauernd Aar, die Orientierung störungslos, Temperatur 36.4, PulS 92. * Die Anteilnahme im Inland und im Ausland äußert sich weiterhin in ausdrucksvollster Weise. Auch am Freitag befaßten sich die meisten bedeutenden Plätter im Ausland mit der Erkrankung Masaryks und der Bedeutung seiner Persönlichkeit.■ Am Freitag Nachmittag traf in Läny die Tochter des Präsidenten Masaryk, Frau Olga Revilliod, ein. Sie legte die Reise aus der Schweiz nach Prag Im Flugzeug zurück. • Der Präsident der Republik mit seiner Gemahlin hielten sich über Nacht in Läny auf und kehrten am Freitag um'9 Uhr früh nach Prag zurück. Um halb'acht Uhr abends sind der Präsident und seine Gemahlin- wieder in Läny einge» I troffen,-wo sie-wiederum Uber Nacht blieben.. um dem gegenwärtig bestehenden Zustande der Gesetzlosigkeit im Mittelmeer«in Ende z» bereiten..Schließlich erhebt England auch keine Einwendungen dagegen, daß auf Wunsch anderer Mächte ein anderer Ort als Genf für die Zusammenkunft gewählt wird, höhnischer Kommentar aus Rom Rom. In amtlichen Kreisen wird«rAärt, daß Italien bisher noch keine Einladung zur Konferenz der'Mittelmeermächte erhalten hat. Weil amtlich.in Italien bisher nichts über diese Konferenz bekannt ist, kann Italien vorläufig seinen Standpunkt zu der bevorstehenden Konferenz nicht einnehmen. Eine- aber ist sicher, » wenn diese Konferenz im Rahmen deS Völker»I bundes stattsinde» sollte, könnte Italien an derselben nicht teilnehmen, weil eS auch an der Sitzung des Völkerbundes nicht teilnehmen wird, solange die abesstnische Frage keine Lösung erfahren hat. Wenn sich also Italien an der Konferenz nicht beteiligt, wird sie keine» Sinn haben und einen antiitalienischen Charakter tragen(!). London. Die wachsende Entschlossenheit, die di« britische Regierung nunmehr bei Handhabung ihrer Mittelmeer-Politik an den Tag legt(?), findet die volle Billigung der britischen Oefsent- lichkeit, welche bereits merklich ungeduldig geworden war. Wenn am Mittwoch der nächsten Woche ein Vollministerrat abgehalten wird und Ministerpräsident Chamberlain seinen Urlaub aus diesem Grund abbricht, wird damit durchaus der britischen öffentlichen Meinung Rechnung getragen. Donnerstag weilten nicht nur zahlreiche Minister, sondern auch die britischen Botschafter von Rom und Berlin im Foreign Office und hatten längere Unterredungen mit dem Außenminister Eden, der möglichst eingehende mündliche Informationen einholt, ehe es zu bindenden Entschließungen kommt. Botschafter Henderson ist offenbar ganz, überraschend von Berlin, nach London berufen worden, denn er hat in Abwesenheit des Kanzlers der Botschaft nnd aller älteren Mitglieder diese' unter der alleinigen Leitung des 34jährigen zweiten Sekretärs zürückgelaffen, um sich augenblicklich nach London zu begeben. Unter den Besuchern des Foreign Office befanden sich ferner der französische Geschäftsträger und der spanische, Botschafter in, London. -Ä^Dir^-^D at-ly Hererld" verlangt»-daß. den'bisher beschlossenen Selbsthilfemaßnahmen später eine.in Genf zu besÄließende Kollektiv- Aktiost im.Mittelmeer folgen soll. „M a n ch e st e r Guardian" schreibt in einem Artikel seines Marineinitarbeiters, be- titeÜ„Piratenunterseeboote", London glaube, daß. die Angriffe auf die Schiffe im Mittelmeer von zwei Unterseebooten imternommen werden, deren Besatzung aus„Auslandsfreiwil- ligen" besteht.'Man'ist der Ansicht, daß ein bestimmter Teil der Offiziere, dieser Unterseeboote,' die verschiedenen Kriegsflotten angehören, ihr« Mißachtung der Bestimmungen des Protokolls nicht' in Abrede stellt, das U-Vootangrisse auf Handelsschiffe mlSschaltet, und daß jede Gelegenheit wahrgenommen wird, das betreffende Abkommen lächerlich zu machen. Es ist wenig wahrscheinlich, daß die Offiziere diese Kampagne ohne- beifällige Zustimmung ver- a.n t w o r t l i ch e r Persönlichkeiten ihrer Regierungen durchgeführt haben. M Vie Aufgabe de» 20. Jahrhundert» In dem kürzlich angezeigten zweiten Band der Hitler-Biographie Konrad Heidens(„Ein Mann gegen Europa") finden sich neben den aktuellen Betrachtungen einige grundsätzliche und wie uns scheint sehr wesentliche Erivägungen, auf die man gerade sozialistische Leser nicht oft und nachdrücklich genug Hinweisen kann. Konrad Heiden sucht hinter dem lauten Lärm der Zeit ihr tieferes Gesetz. Er glaubt die tiefste, Ursache unserer heutigen Nöte in dem„Tempounter« schied des technischen und sozialen Fortschrittes" zu erkennen, den eS zwar zu allen Zeiten gegeben und der stets Krisen und Umwälzungen erzeugt habe,, der aber heute besonders verhängnisvoll wirkt, weil zu dem alten Problem noch das jüngere kommt, die vielen nationalen und kontinentalen Gesellschaften zu einer, den Erdball umspannende» Gesamtgesellschaft zusammenzubinde». Der Gedanke HeidenS ist gewiß nicht neu,.er ist dem Marxismus vom Anfang an immanent und er ist in jüngster Zeit wiederholt, so vor allem von den sogenannten „Bolkssozialisten" unterstrichen worden. Aber es ist verdienswll, ihn in die Untersuchung des Hit- lerismuS eingebaut zu haben, wie Heiden es tut. """l,Die Dichter und die sozialen Ankläger der Zeit verweisen immer wieder auf das schauerliche Beispiel des verbrannten Weizens bei gleichzeitigem Hunger in den Großstädten; und dieser beklagte und gegeißelte, tber eben doch hingenom- mene Fall sozialer Ohnmacht ist nur ein besonders grelles Symptom für den mörderischen Gegensatz zwischen der Höhe unserer naturwissenschaftlichen und der Kümmerlichkeit unserer so- z i a l e n T e ch n i k"(Heiden). Dies ist tatsächlich das große Uebel der Epoche und es zeigt sich nicht nur dort, wo der Privatkapitalismus als soziale Technik, als OrdnungSprinzip versagt, sondern gerade in jüngster Zeit auch an der Krise des russischen StaatSlozialismus, dessen diktatorische Gebieter in den letzten Jahren dem gleichen Aberglauben erlegen sind, an. dem die liberalen Doktrinäre des Westens litten und leiden, daß nämlich die glänzende und sprunghafte Entwicklung der Technik und der Produktionsmittel allein schon einen Fortschritt und eine soziale Lösung bedeute. Faktisch aber niuß die soziale Frage anders gelöst und anders angepackt werden, der technische Fortschritt bewirkt nicht automatisch auch den gesellschaftlichen, er macht viel mehr die gesellschaftliche Rückständigkeit erst besonders deutlich. „Während die von der Technik bearbeitete Natur eine vor wenigen Jahrzehnt.-» noch nicht vorstellbare Ergiebigkeit für den Menschen erreicht hat; ist die von der Politik bearbeitete Gesellschaft nicht viel produktiver als ein Urwald, fast so blüten- und fruchtlos wie das Meer; die Menschheit ist tm Genüsse des technischen Fortschritts' entscheidend gehindert durch däS Zurückbleiben des gesellschaftlichen Fortschritts. DaS menschliche Glück hängt nicht allein von materiellen Genüssen ab, aber es ist ein würdeloser Z u st a n d, daß eine Menschheit mit den technischen Hilssmitteln der heutigen an ihrem Glück durch das Verzichtenmüssen auf materielle E müsse gehindert wird." Der wesentliche Unterschied zwischen der herkömmlichen Auffassung von diesem Widerspruch und der Auffassung HeidenS ist der: die meisten „Planwirtschaftler" sahen nur daS Problem, die Entwicklung der Produktivkräfte, die Verteilung und Anwendung der Produktionsmittel nach einem bestimmten, von einem totalitären Kollektiv-Interesse her(vom Nationalstaat oder vom .Kontinentalstaat, aus) Gesichtspunkt planmäßig und zentral zu lenken. Heiden sieht die Aufgabe, unsere politische und soziale Methode- mit altem, waS sie an Wissen, Einsicht,- Sittlichkeit vorauS- setzt, auf'eine Stufe zu entwickel»,. die. zunächst erreicht werden muß, wenn, wir mit der Technik etwas BernünstigeS anfangen wollt».'Auf diesem Gebiet, sind, wir Barbaren'.und darum nützt eS uns wenig, wenn wir auch die Oeko'nomie staatlich beherrschen und lenken. Es kommt dabei In dem einen Fäll ein' überbüdolratisietter Staats- Athen.(HavaS.) Einigen Meldungen auS Knmse auf ber Jnsel Euböa zufolge begegnete dem bSVV Tonnen-Sowiet-Frachtdampfer„M a. r a k o j ew" in den griechischen Gewässern zwischen den Insel?» SkyroS und'Psera ei» Unterseeboot,' daS einen WapstungSschuß äbgab. Der Kapitän des' SowjetdampferS ließ di« Sowjetflagge aufziehen»snd.die Mannschaft ging in die Boote.'Daraus torpediert« daS Unterseeboot de?» Frachtdamvfer, nachdem r» die Flagge der sp äni sch t'nR ä t f» n a l i st e« g«h iß t hätte. Der»Matakojew" versank sofort,' Fritz Adler enthaftet Rotterdam. Reuter. Der Generalsekretär der 2.' Internationale: Dr. Fritz Adler,- wurde von den- holländische» Behörden fteigelassen. . Weder acht MoSkau. i„Leningradskaja Prawda" meldet, daß eine Gruppe: von- acht'„sowjetfeindlichen Saboteu- ren" unter'Führung.des ehemaligen Parteisekretärs Wasilijew zum Tode verurteilt und erschossen worden ast/ Die- Bcrurteilten wirkten ist» Gebiet wön' Krasnogtvard. Zwei andere, Mitglieder, die- iser Grslppe wurdcn-zu ö Jahren Kerker verurteilt. Dem Blatte zufolge himdelte es sich um«he- malige landwirtschaftliche!FünktWnäre> welche die Wirtschaften der Kolchozen systematisch vernichteten, äun in den Augen'der landwirtschaftlichen Bevölkerung daS kollektivistische System>zu dis- kerditieren und die, Rückkehr des Kapitalismus vorzubereiten« .Mieder^ersichmelTunsLansehot , Paris. Die französische, kommunistische Par- tei erneuert ihr Anbot zur Einigung mit der so- zialistischcn Partei. Bekanntlich hieß es in der ablehnenden Antwort der Sozialisten vom 27. August, auf die^kommunistischen Einigungsangc- bote, daß die kommunistischen Vorschläge betref- fend-die'Methode» der.Cinigung mit den Beschlüssen,- des Marseiller Kongresses, in' vollkommenen Wietspruche steht,,'. Propaganda!ahrt nach Jugoslawien München. Der HavaS-BerichterstÜtter erfährt: Ein Motorisiertes Korps der natlonülsozia« Wischen Partei, wird vom 18. September bis '6: Oktober eine.-Auto-Propagaydqrsise durch Ju- goflawien und Bulgarien unternchmen. An dieser Reise werden 30 Wagen und außer den Len- ke'rä und Mechaniker» auch hohe Beamte und! Per- sö:?Iichkeiten des Wirtschafts- und Jndystrielebens teilnehmen. Ein Mitglied der sich in der Schaluppe entfernenden Besatzung wurde von einem der SchiffStrümmer getroffen und getötet..DaS Unterseeboot entfernte sich sodan» in nordöstlicher Richtung. Die Besatzung deS i,Marakajew", der ein« Ladung. Asphalt an Bord hatte und nach den? französischen Hase?? Set« unterwegs war, verbracht« den Mittwoch im Boote und wurde«rst am Donnerstag von einem nach Smyrna fahrenden griechischen Dainpfer gesichtet, der die Schaluppe ins Schlepptau nahm und in den Hase?» von Kymse bugsierte. Zwei Großmächte ;- kapitulieren vor Seeräubern? Viel Worte, keine täten f Konferenz ohne Programm/„Freiwillige zur See"- Russischer Dampfer„Marakojew" versenkt «Bette 2 SamStag,’4. September 1037 Re. 208 sozlalismus heraus, wic'In Russland, im andern rin staatlich protegierter Feudalkapitalismus wie in Deutschland. Für die Sache der Freiheit der Menschlichleit, der Persönlichkeit, siir Geist und Kultur ist damit noch nichts gewonnen. Die Ueberwindung des Nationalismus, des provinziellen Denkens, die Ueberwindung gerade» zu atavistischer Formen des politischen Hand- werlS, der öffentlichen Verwaltung, der Ethik, ist die Voraussetzung dafür, dah wir Planwirtschaft treiben, die Technik beherrschen könnten. Einer Menschheit, deren politische Technik in der Schaffung von Gestapo und GPU gipfelt, wird die Beherrschung der anderen Technik nicht frommen. Eine Nation, die sich eine Führerschicht gefallen Iaht, wie die Elite der NSDAP sie darstellt, Repräsentanten, in deren Mund sich— wie ein Schweizer Blatt unlängst treffend schrieb— das Wort„Kultur" ausnimmt wie die Uhr im Maul des Affen, eine derart„befreite" Nation wird mit einer hochentwickelten Technik auch dann nur Unrat stiften, wenn sie Herr der Ockono- mie ist. Um aus der Barbarei auf eine höhere Stufe, um wieder zur Zivilisation zu finden, also zum Gleichmass und Gleichllang der Politik und der Technik, bedarf es heute einet geistigen und sittlichen Erneuerung. Auch die Barbaren der europäischen Frühgeschichte, also etwa des sechsten.bls zehnten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung,/sind, nicht einfach durch die Steigerung der Produktivkräfte zu Kulturmenschen geworden, sondern die hohe Kultur, die das Abendland zwischen dem zehnten und dem 14. Jahrhundert entfaltet, ist erst möglich geivorden durch den grossen sittlichen und geistigen Läuterungsprozeh, der mit der.Auf- nahme des Christentums und der antiken Kultur aufs engste verbunden, die geschichtliche, aufbauende Leistung der /christlichen Kirchen' und Orden in der europäischen Geschichte ist. Eine ähnliche Funktion hat in unsererZeit der Sozialismus zu erfüllen, aber er muh sich ihrer zunächst bewuht werden. Er muh die Ausgabe seines Jahrhunderts erkennen, und es sollte ihm um so leichter fallen, als der Sehestbllck der grohen Meister, der Marx, Engels, Lassalle diese Aufgabe vor fast hundert Jahren vorauSgeschäut hat. In Belchlte elng^dningen Valencia. DaS' NationälverteidigungSmini» steritnn meldet: An der Arragon-Front schlugen die Regierungstruppen Angriffe des Gegners auf Mediano zurück.. In B e l ch i t e nahmen wir die, Plaza de Toro und das Seminar ein..' Unsere Truppen drangen von allen Seiten in die Stadt ein. In den Strassen wüten-heftige Kämpfe. Im Abschnitte Puebla des Alberwn sind die Stellungen der Aufständischen bedroht. Wir besetzten die Höhen östlich von Bertiea und Balde- sinslor, sowie südlich der Strahe nach Medtano. In einem Lustkampf mit 60 aufständischen Fliegern wurden vier Maschinen der Aufständischen abgeschossen und fünf beschädigt. Die Berluste auf unserer Seite betragen drei Flugzeuge. , An der Süd front räumte der Feind Cor- tijo de Malagrande und besetzte die umliegenden Höhen. Bei Pozoblaneo führte ein feindlicher Angriff auf Sierra Tejonera zu einem leichten Zurückweichen der Unseren. Nach starker Artillerievorbereitung haben unsere Truppen den Feind im Westen der Eisenbahnlinie Generoja nach Al- borschon in seiner zweiten Linie angegriffen. Bor Madrid unternahmen die Regierungstruppen am Donnerstag einen kleineren Ausfall im Abschnitt bei Carabanchel, wo sie sich, einer in der Nähe der Strahe nach Toledo gelegenen kleineren Häusergruppe bemächtigten. Die Aufständischen hatten diese Häuser in kleine Festungen verwandelt und von dort den An- und Abmarsch der republikanischen Truppen kontrolliert und deren Bewegungen in der Richtung von Carabanchel und nach Carabanchel-Alto vereitelt, Am Nachmittag bemächtigten sich die Regierungstruppen dreier Häuser, in Carabanchel-Alto und hierauf des.ganzen Dorfes sowie des Dorfes Bajo,.,- Sabotageakte In Franco*Spanlen London. Der Berichterstatter des„News Chroniele" in Gibraltar teilt seinem Blatte mit, dah eine grohe Fabrik in Algeeiras gänzlich niederbrannte. Das Feuer war so heßig, dah die Flammen und der Rauch von Gibraltar aus gesehen werden konnte. Die Rebellenbehörden, über die Ursache des Brandes befragt, erklärten, dah es sich um einen Sabotageakt handeln dürfte. <5l|on blockiert Wisst» Siebest, Kritische Schiffe, die einige Tause'nd spanischer Frästen und Kinder aus Gijon fortzuschaffen beabsichtigten, können nicht aus dem Hafen von Gijon auslaufen, weil der Franco-Kreuzer„Almirante Cervera" und drei weitere Kriegsschiffe eine vollkommene Blockade durchgefiihkt haben. Sofia. Das gröhe bulgarische Blatt„Zora" wurde auf sünf.Tage eingestellt,, weil e» sich nicht an die Anordnungen hielt und innerpolitische Berichte veröffentlichte, welche die Zensur verboten hatte. Warschau. In der Textilindustrie del Bialystoker Jndustriereviers wurde nach einer Beratung., der Arbeiterdelegierten beschlossen, vom 6. d. M. an einen allgemeinen Streik zu proklamieren. Artillerie-Schlacht in Schanghai Vor einem chinesischen Generalangriff? Schanghai.(Reuter.) Bei einer am Nach» mittag stattgefundenen Schlacht sielen die chinesischen Geschosse in der Nähe der japanischen Admiralsschiffes„Jzume" ohne es zu treffen ins Meer. Das japanische Konsulat in Puntung wurde von eiyem Geschah- getroffen: zwei Mitglieder der KonsplatSivache, ein, japanischer Journalist Und ein japanischerBesuchei! wurdest getötet^ Die japanischen Transportschiffe,/ die ini Kampsbereich^ ankerten, haben'«in" wenig stromabwärts Anker geworfen, während fünf japanische Kriegsschiffe stromaufwärts bis zu dem Admiralsschiff„Jzume" und dem japanischen Torpedoboot-Zerstörer fuhren, der die chinesischen Po- sitionen bombardiert. Die chinesischen Geschosse schlagen systematisch im japanischen Teil der Konzession ein. Die fremden Beobachter stimmen darin überein, dah die unerwartete Schlacht die Pläne der japanischen Offensive gegen Wiusung vereitelt hat. Chinesen Im Angriff Das chinesische Oberkommando meldet: Den ganzen Tag über wurde gestern im Gebiet von Wusung-Lotien heftig gekämpft. Unter der Dek- kung schwerer Batterien erstürmten chinesische Truppen das zeitweilige Feld-Hauptquartier der Japaner in!Lotien,wodie Japaner neben schweren Verluste» an Mannschaften auch den Tod eines Brigadegenerals und mehrerer Offiziere zu beklagen haben. Mitteilungen aus dem Publikum. Kampf dem Verderb. Kampf drum auch gegen Nnachtsanckcit und falsche Sparsamkeit beim Einkauf von Waschmiiteln, deren Benützung einen raschen Berschleih der Wäsche herbeiführt. Die Wäsche muh schonend behandelt, schonend gewaschen werden- wenn sie längere Zeit wie neu bleiben soll. Eine ebenso einsache wie bewährte Methode ist die: Einweichen mit Schicht Frauenlob und Waschen mit Schicht Hirsch-Seife.— SL Die japanische Agentur Domei behauptet, Donnerstag seien 72 Sowjetflngzeuge an die Front bei Schanghai gebracht worden. Einer Nachricht der chinesischen Agentur „Central News" zufolge hat eine vorgeschobene chinesische Abteilung Hsiaotschan Und' Hsient- schujku zwischen Taku und- Tientsin besetzt..- Die vorderen Linien der Chinesen verfolgen die Nachhut, der japanischen Trusten. Die chinesische» Truppen rücken> entlang des- Grohen'Kanals gegen Tientsin vor. Chinesen haben än dieser Front Verstärkungen erhalten, man erwartet daher binnen Kurzem einen allgemeinen chinesischen Angriff. Vie Loslösung des Nordens Scheinregierang in Tschachnr Wie die Agentur Domei meldet, ist in K.algan eine provisorische selbständige Regierung für die Provinz Tschachar gebildet worden. Sie hat die Aufgabe, die Berwaltungsgeschäfte zu führen und Ordnung und Ruhe aufrechtzuerhalten. Parlament bewilligt zwei Milliarden Yen- Tokio. Die ausserordentliche Sitzung des japanischen Reichstages wurde am Freitag früh feierlich eröffnet. Der Reichstag wurde einberufen, um ein zusätzliches Budget von 2 Milliarden Aen für die militärischen Operationen in China zu bewilligen und eine Reihe von kriegswirtschaftlichen Sondergesetzen zur wirtschaftlichen und finanziellen Durchführung des Kampfes in China anzunehmen. Die Bewilligung der zusätzlichen Mittel und die Annahme der Gesetzesvorlagen sind gesichert, da alle politischen Parteien, die Wirtschaft und die Wehrmacht geschlossen hinter der Negierung stehen. Der neue britische Botschafter in Japan, Sir Robert Craigie, ist an Bord der„Emstress of Rnssia" in Aokohama eingetroffen. EINE GESCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUITÄTEN Copyright by Saturn Verlag 1985 Wie Sie das machen, ja, davon verstehe ich gar nichts, damit kann ich auch nichts zu tun haben. Auherdem, lieber Laruse, obliegt mir eine weit ernstere Arbeit: ich muh. doch herausbekommen, wer der Dargestellte ist. Wissen Sie, Madame, dah das den Wert des Bildes verdreifacht? Darum will ja Perrin es nicht verkaufen, darum rät er ab:„nichts Besonderes, eist ganz nettes BildchenI" rief Valeria», den Ton Perrins kopierend,„finden Sie, dah es wie ein Cranach aussieht?" Und ob ich es findeI Jeder Ignorant sieht dem Bilde den Cranach auf hundert Schritte an, und der alte Fuchs Perrin sollte es nicht wissen. Er könne den Ankauf nicht empfehlen— das glaube ich. Um zweihunderttausend Francs kann man das Bild nämlich erst verkaufen, wenn man weist, wen.es darstellt. Mer das werden wir besorgen, Monsienr Perrin, das Kunststück wird Mrs. B»mp treffen." Er ritz die Cranach- biographie wieder an sich,„'1607 war er 36 Jahre alt, in derselben Zeit entsteht die bekannte Verlobung der heiligen Katharina, die sich in Wörlitz befindet. Der Einslust Jaeopo di Bar- bariS ist in der weichen Modellierung der Köpfe, in dem dichten Seidenhaar der Jünglinge deutlich zu spüren'... In diese Zeit, die reizvollste seines Schaffens, verlege ich auch unser Porträt..Norden und Süden, Gotik und Renaissance begegnen einander im ornamentalen Gekräusel des Bartes." „Dear Aronas«" unterbrach Mrs. Bump verzweifelt.„Sie können eine Frau wie mich rasend machen, mit Ihren Büchern und mit Ihrer Gelehrsamkeit. Sie sind lächerlich." „Ich?" fragte Valerian und hob erstaunt den Kopf.„Ich? Wieso denn? Hier geht es doch um eine Frage der Wissenschaft. Wisien Sie, waS das heiht: ein unbekanntes Männerporträt von Cranach? Das ist doch eine' lunstwissenschaft- liche Sensation I" „Wenn ich es aber gar nicht habe," stöhnte MrS. Dump. „Ja, daS ist wahr," sagte nun auch Baleriän Und schien endlich zu begreifen. Er schob mit schmerzlicher Gebärde die Bücher langsam zur Seite. Laruse atmete auf. „ES drängt sogar," sagte jetzt- Valerian, „man sollte an den Besitzer herantreten, ehe Perrin noch ein Anbot gemacht und daS Bild gelaust hat." Er versank In Nachdenken. MrS. Bump und Laruse warteten.- „WaS soll ich also tun, Madame?" fuhr Valerian plötzlich auf.„Ich kann doch nicht zwei Dingen gleichzeitig nachgehen. Entweder kümmere ich mich darum, wer der Porträtierte ist, stnd das ist doch weit wichtiger, oder ich gehe Monsieur. Äcruse bei seiner Suche nach dem Besitzer des Bildes an die Hand; wa» soll ich tun?" „Oh, Sie schrecklicher Unglücksmensch," rief MrS. Bump,„Sie machen mich krank! Natürlich sollen Sie niir zuerst das Bild verschaffen. Sv gehen Sie doch schon mit diesem kleinen Manu mit dem Bart. Ihr seid beide zwei gräßliche Zwerge." ,„Also gehen wir," sagte Baleyian seufzend, „vielleicht erfahre ich etwa»?''. Sie gingen. Valerian Aronas nahm'ein. Taxi-und fuhr ins Hotel Drouot. Er sprgch dort eine halbe- Stunde' mit verschiedenen" Personen. Laruse hielt sich in weitem Abstand. „Nichts," sagte Valerian, als sie wieder im Taxi fasten.„Chauffeur, Rue des Saint» PireS, Ecke Quai d'Orsay." Er ging in drei Antiquitäten-Läden, während Laruse auf der Strahe blieb. Als Valerian aus dem dritten Geschäft herauskam, schien er ein wenig zuversichtlicher. „LassenSie mich, Laruse!" sagte er, schnitt damit alle Fragen ab Und gab dem Chauffeur die Rue de Rennes in der Nähe des Boulevard St. Germain als nächste Adresse an.,„Ich habe einiges erfahren. Mer das ganze," rief er unwillig, „ist doch gar nicht mein Geschäft, das kommt mir doch gar nicht zu." Aus dem Antiquitätenladen der Rue de Ren- neS kam Valerian strahlend zurück. Schon von weitem nickte er Laruse zu. ,. „Geht in Ordnung," sagte er und entlohnte das Taxi..„Gesehenchat man den Cranach natürlich nicht, das-ist klar. Wer wird eist solche» Bild einem Händler der Rue de Renne»«Meten? Wer man chat-davon, reden hören, dah es einem gewissen-Baron Orit... wie-ist der Name? Ich hab mir's ausgeschrieben— Wladimir Oritzky... ein polnischer Adeliger, per ein kleines Palais in der Rue St. Jean L'Apothiose' bewohnt:'' Jetzt beginnt Ihre Arbeit..." „Was soll ich tun?" fragte M. Laruse besorgt. „Laruse," erwiderte VÄerian,.,Has geht zu weit! Verstehe ich denn Ihr Metier? Ich hab doch keine Ahnung, wie man|fo etwas macht. Gehen Sie morgen, heute ist'«» schon zu spät, in aller GofteSfrühe, wenn-diese Aristokraten'noch schlafen, in da» Palais, bestechen-,Sie den-Diener, fragest Sie ihm Wb seist Herr ein Bild in die Ga« lerie Perrist geschickt hat, ich,-hab doch keine, Ahnung, wie mast so etwas- macht, mich dürfen- Sie doch nicht fragen!/ „Gut, güt:" sagte LäruseM,natürlich; das -ist-,mein Geschäft, dar-verstehe ich schon.. In meinem Geschäft kenne ich mich au». Es-wird freilich-da» schwerste Stück.Arbeit sein: aber das kann ich." Die Wirkungen der Anti-CSR-Kampagne Atu der Artikelserie der„Frager Presse“ W setzt in der„Prager Presie" seine Artikelreihe fort und bespricht weiter, was die Tschechoslowakei Deutschland vorwerfe. Unter anderem hält der Autor den Deuffchen auch das absichtliche Uebersehendtssudetenb rutschen Aktiv ism u» vor. Üeber die deutsche Prüpa- gandq-Kampagne heißt cs: „In der heutigen gespannten Situation und in der nachrevölutionären Gärung in Deutschland kann man viel durch die revolutionäre Erregung, Voreingenommenheit, manchmal durch da» Gefühl, die Leidenschaft und den Unwillest über alle» da», was im Kriege und nach dem Kriege geschehen ist, wie auch Über den Widerstand, den das heutige Regime im übrigen Europa gefunden hat, erklären. Wir würden dar begreifen und würden auch eine anständige, wahrhaftige und sachliche Kritik dessen begreifen, war Kritik verdient. Wer Aufregung. Leidenschaft und Unwillen, wie sie sich in der Presse, in diesen Kampagnen äußern, sind keine Politik, sind namentlich keine Realpolitik. Sie führen nur zu weiterem Mißverständnis und zu weiterem Mißverstehen, Eine solche typische Voreingenommenheit, ein solcher Unwille und vor allem eine vollkommene Unkenntnis der Psy- chologie der Tschechoslowaken-haben der deuffchen Berichterstattung die Pressekampagnen in den Jahren 1888 und 1887 inspiriert. Fast acht Monate lang hat die deutsche Propaganda ihre und die internaffonale Presse mit unrichtigen Nachrichten über Sowjet-Flugplätze. Sowjet-Fliegergenerale und Sowjetsoldaten in der Tschechoslowakei' überschwemmt. Sie hat da» mit Kommentaren Wer die Bolschewisierung der Tschechoslowakei, über die Kraft de» Kommunismus, über die bolfchewisterte tschechoslowakische Intelligenz, Literatur, Kunst, Bühne, über eine Bollsfront, Wer di«.kommunistische Aufmarschfront der Sowjetunion getzen Europa, Wer Militär- und andere Verträge mit Len Sowjet» begleitet, mit denen die Tschechoslowakei Europa und die'ganze europäische Zivilisatwn usw. usw. bedrohe.--'. Man könnte darüber ganze Bücher schreiben und detailliert zeigen, wie diese Nachrichten fabriziert wurden. Alle Schritte, offizielle und inoffizielle, auf diplomatischen und anderen Wegen, die daraus aufmerksam machten, daß da» aller Erfindungen und' Unwahrheiten seien, daß alle» da» keine Unterlagen Haie, alle amtlichen und journali- stischen Dementi» von ffchechoslowakischer Seite hatten keine größere Wirkung. Der Tschechoslowakei hat diese Kampagne und die Reaktion auf sie in der West wertvolle politische Belehrungen in allen Richtungen geliefert." Der Arükel betont schließlich wieder mit großem Nachdruck dieBerständiqungsbereit» schäft der CSR innerhalb eines System» der köl- lektiven Sicherheit. AbschluB-Parade In SQdböhmen PIsek. Auf den weiten Feldern bei der Gemeinde Tchokovice sand Freitag vormittags vor dem Verteidigungsminister eine Defilierung statt, mit der die Schluhübustgen der dritten Manöver- Gruppe in Südböhmen und gleichzeitig die ganze Serie der Sommermanöver abgeschlossen wurden. Um 9.20 Uhr eröffnete der Kommandant der Parade, General Linhart, den Vorbeimarsch der Truppen, der bi» 10.80 Uhr dauerte und an dem zwei Mapöver-Uebungskorv» teilnahmen. An der Spitze der einzelnen Divssionest marschierten zunächst die Grenzjäger-Bataillone, ihnen folgten die einzelnen Jnfastterie-Regimenter, die Kavallerie-Einheiten, die Artillerie-Regimenter und die der Division zugeteilte Tankgruppe. Während der Defilierung der Kavallerie-Brigade erschienen In der Luft zwei Fluzzeuggruppen. '«Ich zweifle nicht daran," erwiderte Valerian,„so schiber cs ist, Sie werden e» können." • Um zehn Uhr morgen» de» nächsten Tage» erschien Laruse bei Mr». Bump. Er hatte alle» herausbekommen. Er hatte die'knappen Andeutungen Valerian Aronas' ausgenommen und war die Wege gegangen, die langjährige Praxs» ihm al» die gebotenen vorschrieb/Mit einem Wort— denn er wolle Madame nicht mit. Detail»-seine» Metiers langweilen 7— ein gewisser Baron Wla- dimir Oritzky, 0 Rue St. Jean L'Apothkose sei der Besitzer de» Bilde». Diese» selbst— und da» sei vielleicht da» wichtigste Resultat seiner Nachforschungen— befinde sich seit gestern wieder list' Palais Oritzky. Mer es sei nicht ganz'sicher, dass der Baron, dein es mittlerweile anscheistend. gelungen sei, anderswo Geld aufzutreiben, da» Bild noch verkaufen werde. Das fei eine Mutmassung des Diener», doch immerhin— solche Leute,wüssten manchmal viel." ' Baleriastkamum elf Uhr und nahm diese Mitteilungen erfreut tzsttgegen. Er beglückwünschte Laruse zu seiner TUchtigkeit. „Eigentlich müsste- ich Ihnen gratulierest, Madame," fügte er zu Mr». Bump,„denn Sie haben die fabelhafte Idee gehabt, Bilder mit Hilfe eine» AuSforschungtzbureau» einzükaufen. Da» ist echt ametikastisch, echt busineh, auf diesen-Gidan- ken wäre kein Europäer gekommen." „Gratulieren Sie mir/ wenn ich den Cra« nstch haben werde," erwiderte Mr». Bump verdriesslich,„dieser Baron wfrd UN» vielleicht hinauswerfen." „Also pehestwiv!" sagte Valerian' entschlaft s«n,„gehen wir' in die Höhle' die» Löwen.".—'- 1 Oritzky»i Diener bat, im gleisten Salon. zu Warten. Mr». Bump. setzte stch zum Kamin und veranlasste dadurch valerian zu einer,kürzen-heissest Erinnerung an-Camllle, die gestern—Welch anderes Bild!'—• am gleichen Platz gesessenhatte. -.(Fortsetzung folgt) SamStag, 4. September 1937 Sette 3 Franz Link, dessen Tod wir In unserer gestrigen Ausgabe meldeten, wurde am 18. Juli 1869 in Vidach bei Jitschin als Sohn eines armen Hauswebers geboren. Schon frühzeitig wastdte sich der aufgeweckte, tapfere Proletarierjunge der sozialistischen Bewegung zu und mn 1. Mai 1891 finden wir den jungen Textilarbeiter in den Reihen der sozialistischen Demop- stranteni Er war damals in einer Textilfabrik in Dörfel beschäftigt und die Teilnahme an der Maikundgebung hatte seine Maßregelung zur Folge. Er fand anderwärts Arbeit, blieb aber ständig auf seinem gewerkschaftlichen Posten; er baute die Bewegung der Textilarbeiter aus und hatte in Ferdinand Hanusch sein Vorbild und seinen Berater. An dem Tcxtilarbeiterverbands- ,tag, der im Jahre 1991 in Wien tagte, nahm Link bereits als Delegierter für Böhmen teil. "Schon damals war Link auch journalistisch tätig: er avbeiiete unter dem Namen„SpartacuS" am „Freigeist" und am„Spottvogcl" mit. Scharfe Glosse);.und reife Gedichte schrieb seine gewandte Feder. Am 1. Jänner 1908 trat Link als Beamter In die Allgemeine Arbeiterkrankenkaste in Reichenberg ein, ohne seine gewerkschaftliche Ar- bcit zu unterbrechen. Aber die Textilarbeiterbe- Vorschau auf die Prager Deutsche Sendung Die Leitung der Prager Deutschen Sendung veröffentlicht jetzt eine Skizze ihres Arbeitsprogrammes bis zu Weihnachten, der wir Folgendes entnehmen; Geplant sind unter anderem sudetendeutsche Rep-ortagen aus den GlaS- macherstädien Steinschönau und B ö h m.< Kamnitz, Multerers lustige Hörbilder von Kirchweih und Jagd, MühlbergerS RiesengebirgSbaudenabend, Sabathilr Egerländer Hörbild„S Schäifoichta Fest" und eine Reportage vom Leitmeritzer Oltob er f e st, An sudetendeutschen dramatischen Dichtungen sind vorgesehen: HansDeissingcrS Drama „D i e G e s ch w i ft e t",' Josef MühlbergerS Tragödie„K ö n I g P e l o p S", Adalbert Stifters„W i t i k o".— Bemerkenswert auch der Plan einer Vortragsreihe:„Su- detcndcntschc Farscherfchicksale". Tas Musikprogramm wird bestimmt durch ein Ereignis ersten Ranges: die löo. Wiederkehr der Uraufführung des„Don Giovanni", um die herum sich eine ganze Reihe von musikalischen Hörbildern gruppiert, an die wiederum sich weitere Hörfolgen und Musikprogramme aus Prags musikalischer Vergangenheit anschließen. Das Haupt- repräsenteren. Eine ganze Reihe großer Sendungen will dieser Idee dienen: Im Musikprogramm noch Aufführungen von Werken Noväks, SukS, Försters, JiräkS, von bedeutenden Bokalwerken in mustergül- iigen deutschen Uebersetzungen und von repräsentativen Werken der jüngsten tschechischen Musik. DaS Hörspielprogramm bringt in der Funkreihe„Heiteres Welttheater" Edmond Konräds Komödie:„Die Gluckhenne", einen Rundfunkdialog„Alexander und Diogenes" von Stanislav Lom. Die Vortragsreihe ,.AuS dem tschechoslowakischen Kulturleben" wird nunmehr zu einer wöchentlichen Folge, zeitlich auf zwanzig Minuten erweitert. Die bisherige Spielreihe:„Welttheater" wird als„Heiteres Weltthcater" wcitergeführt. Die deutsche, Literatur wird mit Gerhart Hauptmanns„Biberpelz" vertreten sein. Die eigentliche Hörspielliteratur bringt„Lenz" von Krely und„DaS Sternenlied" von Alfred Karrasch Einmal im Monat wird eine große Sendung im Einvernehmen mit den Höcecgcmeinden angesctzt, volkSbildungSmäßig eingeleitet und vorbereitet. Für die nächste Zeit Ist eine mpsikalische, eine volkskundliche und eine Rcportagcsendung vorgesehen. Das Verständnis dieser Sendungen wird außerdem durch die Herausgabe ausführlicher Texte gefördert. Auch die Vortragsreihe: ,,B i l d n n g und T e ch- n i l" wird schon auf diese volksbildnerische Note abgestimmt sesn. Die„Prager deutsche F u n k W o ch e n sch au" wird weiterhin die wichtigsten Wochenereignisse in sinnvoller Auswahl einzufangen versuchen. Bestehen bleiben weiter die Sendereihen:.^klassische Zeugen" und„E u r o p ä i s ch e r G e i ft", die«in Bekenntnis zu den Idealen der Humanität und Demokratie darstellen. Krach in der SdP in Fischern Ortsgruppenleiter abgesetzt Karlsbad.(Eigenbericht) Wie wir ans verläßlicher Quelle erfahren, ist der erst vor kurzem in einer Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit getvählte Ortsgnippeiilclter der SdP in Fischern, von der Kreisleitung seiner Funt- tion enthoben worden. Die Gründe hicfiir sind noch nicht klar, doch wird in SVP-Kreisen davon gesprochen, daß seine große Beliebtheit unter den SdP-Arbeitern sehr zn seinem Sturz beigctragc» hat. tendeutschcn verächtlich geumcht, die rücksichtslose Jtalienisierung Deutsch-Südtirols und selbst Slowenisch-Küstenlands nnd-Istriens als M u- ft e r für die Behandlung der deutschen Minderheit bei uns hingestellt uist> die Abschaffung zweisprachiger Aufschriften nnd Poststempel in den teilweise oder auch fast ganz deutschsprechenden Gebieten gefordert. Die Emigrantcnlindcr sollen in. tschechische Schulen, aber.„mit vaterländischen und nicht mit International gesinnten Lehrern" (V) erzogen und die Emigranten.nicht etwa nur in sieben Bezirke» des Böhmisch-Mährischen Höhenzugs„angesiedelt",, sondern ürKonzen- t r a t i o n ö I a g e r n vereinigt werden, deren Kosten„freundlicherweise Genf" zahlen' solle. Den würdigen Abschluß dieses edlen Appells bildet die bewußt erlogene Behauptung, daß das „Deutsche HauS", Graben 26, am Staatsfeicr- tag nicht flagge sowie einige Schimpfereien auf die Juden und auf alle nationalschwäch- Wer schonend wäscht— wäscht mit HIDSCHSE1FE wegung wollte diesen tüchtigen Funktionär ganz haben: Ferdinand Hanusch bestand darauf, daß Link das im April 1908 in Weipert neu errichtete Sekretariat der Textilarbeiter übernehme. Hier erwarb er sich bald das Vertrauen aller Arbeiter. Er führte den Streik der Welperter Textilarbeiter im Jahre 1909, übersiedelte im Juni 1910 nach Jägerndorf und setzte dort seine erfolgreiche Tätigkeit als Sekretär der Textilarbeiter fort. Die Organisierung der schlesischen und nordmährischen Textilarbeiter ist vor allem das Werk dieses unermüdlichen, guten Menschen gewesen, der sich dann im Kriege, besonders als Heeger eingerückt war, für seine Mitmenschen ausopferte. Er organisierte die Verpflegung und ftaNd- allen/die ihn'brauchten/ mit Rat-und' Tat zur Seite,' Damgls war Link auch schon in der Gemeinde tätig. Auf ihm lastete außerdem die ganze VeranÜvortung für die Partei. Die Ueber- anstrengung, der Link- während des Krieges aus- gesetzt war, zehrte an seinem Körper und von der Krankheit, die er sich damals zuzog, konnte er sich nicht mehr erholen. Im Jahre 1920 wurde er in den Senat gewählt. Neben seiner gewerkschaftlichen und parlamentarischen Tätigkeit fand er damals noch Zeit, sich' um die Angelegenheiten der Gemeinde Jägerndorf zu kümmern,, deren Gemeindevertretung er angehörte. Nach einem Nervenzusammenbruch im Jahre 1925 trat Link in den Ruhestand, aber er nahm an dem politischen Geschehen bis in die letzten Tage lebhaften Anteil. Mit Franz'Link sinkt einer der Besten von der alten Garde ins-Grab. Die"sudetendeutsch« Arbeiterschaft, die sein politisches, gewerkschaftliches und schriftstellerisches Wirken kennt, wird ihm ein,.gutes, dankbares Andenken belvahren. . Link hinterläßt eine Witwe. Die Beerdigung wird Sonntag nachmittags in Jägerndorf stattfinden." . Der deutsche Arbeiter und der „Volksgenosse"Unternehmer In einem Leitartikel über den»Geist des 18. Feber" in der christlichsozialen„Deutschen Presse" schreibt ein Dr. K. unter anderem:'- .„Wir haben es geradezu al» einen An- f ch l a g g e g e n d e n a r b e i t» l o s e n F a ch't l ienvater und' seineK i n d e r betrachtet, wenn in», sudttendeutsche- Sprachgebiet ' die schon früher erivähstten fremden Unternehmer mit fremden Arbeitern kämest Im heurige» Früh- jahr gab es im gleichen suietendeutschen'Sprach- I gebiete stellenweise. heftige ArbeitSlänchse, die l e d i g l i ch z w i s ch t n: deu t s ch e n A r b e i t g e b c r n und d e u t s ch e n Ar« . b e i t« r n ausgetragen wurden. Hier ging es zu- meish darum, daß in der Zeit gebesserter Konjunl- . tur die Größe de» täglichen Brote» für den Arbei- . ter.und.seine Familie Halbweg» auSreiche. Glaubt vielleicht jemand, daß dieser Kampf um» Brot auf . deutscher Sette'(und, da standen. sich bekanntlich ... auch. StzP-Unternehmer und SdP-Arbeiter gegen- über) unser nationales Ansehen gefördert hat? Wie soll da» tschechische Mehrheitsvölk dem sude- ... tendeutschen Arbeiter nnh> Familienvater ein hinreichende» Stück Brot vergönnen,' wenn e» sieht, .."daß.der deutsche,Arbeiter diesesBrotdem,,Volks- gcnosscn"-Unternehmer in wiederholten Fällen erst jchbrj,ngestmu,8?/!.1^ ,,' i'.,i ■■■ Wir-.stnd' ttberzeugt, daßdie„Zeit"' diese Frage unbeantwortet lassen wird.' augenmerk ist weiter auf die Pflege der jungen s u bete n d e ü tschen Musik gerichtet. Auch ist ein Preisausschreiben für Rundfunkkompositionen geplant. ES werden Ehöre und.Orchester au» allen Teilen Böhmen» zu hören sein, zwei Operetten sudetendeutscher Komponisten werden in wirksamer Funkfassung aufgeführt (Dellinger»„Don Cesar" und A. OehlschlegelS „Prinz und Maurer"). Besonders hinzuweisen ist auf die Funkoper„Die schwarze Spinne" de» jungen Schweizer Komponisten Sutermeister. Eine Sensation wird die Uraufführung der er st en. Oper Dvokäk»:" „Alfred" bringen, die auf einen deutschen' Text komponiert wurde und die,der ,Sohn des Meisters, Inst. Dvokäk der deutschen Sendustg zur Uräuffüh-' rung«bcrlasten hat. Zugleich wird diese Aufführung die Pflege der deutsch-tschechischen Kulturbe- z i e h u n g e n, die eine der wichtigsten Richtlinien der Programmgestaltung bildet, in würdiger Weise Die Hetze gegen die Emigranten erreicht in der Abendsausgabe der„Närodni Listy" vom Mittwoch dieser Woche einen Höhepunkt. Da wird die Zahl der deutschen Emigranten in der Republik auf— eine Viertelmillion angegeben, von denen ein Zehntel, 26.000 Mann, im wehrfähigen Alter standen. Da der Artikel die Emigranten samt und sonders als planmäßig hierhergeschickte Kolo- n i st e n des Dritten Reiches, als Spitzel dec Hitlerregierung usw. bezeichnet, soll dem Leser glauben gemacht werden,.jene 25.000 würden im Kriegsfall unserer Armee in den Rücken fallen, um den deutschen Angriff zu erleichtern. Daß^ioch.nicht, 1Y00- politische Emigranten-hier leben, darf'das'Publikum der„N. L."'niemals erfahren. Dafür wird schlankweg behauptet, man baue fürdie Emigranten linder Schulen, die Emigranten äßen den Hiesigen das Brot weg und was derlei Infamien mehr sind. Nebenbei werden auch die republiktreuen Sude- lichenTschechen, worunter sich natürlich die Leser vorstellen sollen, wen der anonyme Hetzer meint. Die Prager Deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche:. Sonn t,a g, 5. September, 14.15 bis 14.25: Demokratie und Schulbildung(Dir. 2oh. Storch) — 14.80 bis 14.85(Strasnice):„Für Volk und Frieden". Mittwoch, 8. September, 18.40 bis 18.45: Arbeitsmarkt— 18.20 bis 18.40: Nation und Demokratie(Josef Hofbauer)— 18.40 bis 18.50: Soziale Informationen. .. F r e i t a g,.10. September, 18.85 bis 18.45: Aktuelle zehn Minuten.> S o n n t a g, 12. September, 14.15 bi» 14.25: Die Schulzahnpflege unserer Arteiterkinder(Dr. Hugo Mm r ch f e l d- Kladno); 1-1.30 bis 14,85: „Für Volk und Frieden". Masaryks Arzt über den Verlauf der Krankheit Der behandelnde Arzt de» Präsidenten, Dr. Maixner, gab dem Berichterstatter de» Tschechoslowakische» Pressebüro» folgende Darstellung der Krankheit de» Präsidenten: Wenn man das Entstehen der jetzigen Krankheit des Präsidenten Masaryk verstehen will, muß man zum Frühjahr 1984 zurückkehren. Damals begann seine Krankheit mit der Verstopfung eines kleinen Arterienzweiges sm oberen äußeren Quadranten der linken Äugennetzhaut, was den Verlust der Sehkraft im rechten unteren Quadranten zur Folge hatte, so daß der Präsident-Befreier beim Ablegen des Gelöbnisses anläßlich seiner letzten Wiederwahl" sich nicht mehr ganz sicher orientieren konnte.' Im Verlaufe-der folgenden Wochen spielte sich ganz unauffällig und allmählich derselbe Prozeß in den Endigungen einiger kleiner Artetien der Himrinde ab, von wo aus die Funktionen der Organ" des menschlichen Körpers dirigiert werden/.-' So' wurden die Nervenzentren für die Sprache, für; die rechtsseitigen oberen und-" unteren-Gliedmaßen" in- Mitleidenschaft gezogen'und bie- Funktion der zugehörigen Organe behindert. Diese Störungen haben sich im. Laufe der Zelt'— bis auf kleine Reste,-insbesondere in der-rechten Hand—- gegeben. Es trat eine Zeit der'Ruhe ein, obwohl die Gefahr eines gleichen'Krankheitsanfalles zu erwarten war. Die kritische Nacht Um Mitternacht von Mittwoch auf Donnerstag, den 2. Septembers stöhnte der Präsident im Schlafe leicht auf und verlor das Bewußtsein. Nach einigen Augenblicke»! wär es klar, daß sich im Gehirn ein ähnlicher Prozeß abgespielt hatte, wie" im Jähre 1084'Unruhe, die Art der Atmung, die Herztätigkeit, dieBewußtlosigkeit und der leicht hcrabgesunkcne rechte Mundwinkel bestätig- ten die».: Den. ganzen Donnerstag wechselten Wellen - besieren und schlechteren Befindens'ab. Das Bewußtsein war— audj tvenn eS sich manchmal für . einen- Augenblick aufhellte!.— doch'im ganzen ge- srübü--Erst. gegen'Abend trat eine' bereits - m.e r k l i che' B e s J et sing ein. Wie ich be« * reitS erwähnte— sagte Dr. M a i x n e r— war die Unruhe ein untrügliches Merkmal einer Ge- himerkrankung. Den ganzen Tag über, bald mehr, bald weniger, streckte der Kranke die Glieder, bewegte die'Kiefer und kreiste mit der Zunge, im Munde. Auch diese Unruhe mäßigte sich gegen Abend und hörte gegen 21 Uhr vollkommen auf. Während des ganzen Donnerstag konnte dem Kranken nur ein wenig Flüssigkeit, und zwar Mineralwasser, Orangeade und ein wenig Zitronensaft, und das nur löffelweise, in Tropfen gegeben werden. Der Umschwung zum Bessern Nach einer ruhigen Nacht und. gutem Schlaf erwachte Präsident Masaryk Freitag früh nach 7 Uhr sichtlich erfrisch t. Er wünschte seinen Pflegern guten Morgen und ersuchte mit einigen verständlichen Sätzchen um ein Getränk. Er trank zwei Glä'-r Orangeade mit großem Appetit und wünschte noch ein Glas frischen Wassers. ,-< Freitag früh hörte die Unruhe bereits vollständig auf. Die Atmung, die Donnerstag bald längere, bald kürzere Unterbrechungen erfahren hatte, war Freitag früh im ganzen u n.g e st ö r t und Spurest der Störungen waren' nur an der größeren oder kleineren Intensität des Ein- und Ausatmens zu merken. Der Puls, der unmittelbar nach dein Anfall 144 betrug,'senkte sich, später stuf 182. im Laufe des Donnerstag auf'112 und sank Frpitäg auf 102.- i Ich erwähne noch, fügte Dr. Maixner hinzu- daß der Puls zwar sehr schnell ist, aber daß er während der ganzen Zeit regelmäßig-und'int ganzen,voll war. Auch, die Temperatur- die Donnerstag bis aus 87.6 anstieg, ist Freitag früh.gesunken und nm» darf hoffen, daß so alles wieder in de»'normalen Stand zurückkehren wird."-Diese Hoffüung darf wan um so eher hegen, als seit dem Anfall biS zum Freitag-Morgen 96 Sinn- den verflossen sind und der Astfall sich nicht-wiederholt hat. Soweit schon jetzt festgestelst werden kann, scheint eS. nicht, als ob.die Erkrankung an dem Organismus deS Präsidenten Masgryk größere Schäden angerichtet hätte. Darüber wird man allerdings ein abschließendes Urteil erst nach Ablauf einiger Tage fälle» können,- Auf die Frage, wie das Zusammentreffen des Präsident-BesreierS mit dem Präsidenten der Republik Dr. Benes verlief, antwortete Dr. Maixner: Als der Präsident der Republik Dr. Benes mit Gemahlin Donnerstag zlvischcn 14 und 15 Uhr an das Lager des kranken Präsident- Befreiers traten, der von dem behandelnden Arzt auf diesen Umstand, aufmerksam gemacht worden war, klärte sich das Aytlitz'.dcs Kranken, er.bemühte sich die Augen zu öffnen und lvendete leicht den Kopf nach' der Richtung, aus welcher die Stimme des Präsidenten Dr. Benes ertönte. In Nasaryks Schlafzimmer Im zweiten Stockwerk Im mittleren Schloßturm ruht T.G. Masaryk in seinem Schlafzimmer. Die Fenster geben den Ausblick auf den' großen Platz des Schlohparkes, auf die Hauptallee und nach drei Weltgegenden, Osten, Süden und Westen frei. Ganz einfach ist die Einrichtung diese» Raumes: Ein Metallbett, ein großer Tisch und darüber das Porträt der verewigten Gattin des Präsidenten, ein kleinerer Tisch mit einigen Stühlen, ein Lehnstuhl, in welchem der Präsident in den letzten Jahren die Vorträge seines Sekretärs entgegennahm, drei offene Schränke mit der Handbibliothek und ein kleinerer, ebenfalls' offener Fächerschrank für das Handarchiv;.„Taubenschlag" nannte der Präsident solche Archivkästen. Blumen, die der Präsident' stets sehr liebte, schmücken auch jetzt sein Schlafzimmer. Vom Knauf des Turmes, in welchem stas Schlafzimmer des Präsidenten untergebracht' ist, Ipeht die Staatsflagge, welche an die Stelle der früheren Präsidentenflagge getreten ist. .Zwei Schwestern, Pflegerinnen des Roten KrellzeS, Miluse Kgpsovä und Rüjena Seifertovä lösen einander am Krankenlager des Präsidenten im Tag- und Nachtdienst ab..Als der Anfall kam, hatte gerqde Schwester Seifertovä Dienst. Der Arzt des Präsidenten Dr. Maixner weilt dauernd in Länyi Das Sekretariat des Präsidenten hat ununterbrochenn Tag- und Nachtdienst, den Dr. Schenk und Dr. Skarvan besorgen,-eingerichtete, Seite 4 SamStag,'4. September 1037 Nr. 208 Lum 2ÜÜ. Geburtstag Luigi Galvanls Am 0. September jährt sich zum 200. Male ter Geburtstag der berühmten italienischen Erfinders Luigi Galbani. Eine zufällige Beobachtung führte ihn zur Entdeckung des nach ihm benannten Galvanismus, der Lehre von der bei Berührung verschiedenartiger Stoffe entwickelten Elektrizität. Sie geht zurück auf die Tatsache, daß enthäutete Froschschenkel zusammenzucken, wenn Rückenmark und SchcnkelmuSkeln metallisch verbunden werden.— Unser Bild zeigt nach einer zeitgenässtschen Darstellung jenen berühmten Versuch des Erfinders. vekenntnls eines loyalen Demokraten Ein Herr Bhm, leitartikelt im»Grenzboten" polemisch gegen die letzten Reden des Präsidenten der Republik und läßt sich dabei folgendes Bekenntnis entschlüpfen: „Unsere nationalen Rechte sind auch unabhängig von der Demokratie... Insofern scheint er uns auch nicht zuzutreffen, datz sich unser natio, naleS Schicksal, ohne zugleich auch an da» Schicksal der Staates zu greifen, kritisch gestalten könnte, wenn die Tschechoslowakische Republik aufhören würde, eine Demokratie zu sein." Daß die Partei Henlein» ihren Anhängern nicht erzählt, wie er nationalen Minderheiten in Diktatur staaten ergeht— man denke nur beispielsweise an die Deutschen Südtirol» — ist immerhin verständlich. Aber datz der irrsinnige Glaube, da» Schicksal der Sudetendeutschen bliebe von einer tschechoslowakischen Diktatur unberührt, so offen verkündet wird, beweist neuerding» eindeutig, datz die SdP auf die Demokratie pfeift und eine Diktatur(wohl im Interesse der SdP-Fabrikanten) herzlich begrüßen würde. Spauckl«» wir bei uns so etwas? In verschiedenen Reichenberger Zeitung»» Verkaufsstellen ist seit Wochen eine Radiozeitung „Boiksfunk" zu sehen. Der rote Umschlag nno die Bezeichnung„Bolksfunk" könnten den Eindruck erwecken, daß e» sich um eine sozialdemokratische Radiozeitung handeln kann. ES ist aber eine Nazizeitung aus dem Dritten Reiche, die bei uns öffentlich zum Kaufe angeboten wird. In der Nummer vöm 8. September ist auf der Titelseite ein große» Bild de»„Führer»" mit der Haken« kreuzarmbinde. Der Untertitel des Blatte»„Rundfunk und Bewegung" mit dem nebenstehenden Parteiabzeichen der reichsdeutschen Nazi wird mit cincui schwarzen Streifen überklebt. Den Inhalt kann und will man natürlich nicht tarnen. Ist es notwendig, daß derartiges Zeug zu un» eingelassen wird und öffentlich züm Kaufe angeboten werden kann? Wäre c» denkbar, daß im Dritten Reiche umgekehrt AehnlicheS zum Kaufe angebo- tcn werten dürste? Dir Eröffnung de» neuen Naturfreundehauses am Lenzenberg(1100 Meter), Riesengebirge, findet am 2. und ö. Oktober statt. Einschreibungen an der Deutschen Technische» Hochschule in Prag. Die Einschreibungen für da» Studienjahr 1037/88 finden in der Zeit vom 24. September bi» 8. Oktober statt, und zwar in nachstehender Reihenfolge: Neu eintretende Hörer (Inländer) am 24. und 28. September, bereit» immatrikulierte Studierende(Inländer wie Ausländer) vom 27. September bi» 6. Oktober,' und zivar in alphabetischer Ordnung, die am schwarzen Brette der Hochschule lundgemacht wird. Neu eintretcnde Ausländer am 7. und 8. Oktober. Die Aufnahmeprüfungen aus der Darstellenden Geometrie und dem Freihandzeichnen für absolvierte Gymnasiasten werden fiir Inländer am 1. Oktober und für Ausländer am 7. Oktober l. I. vor der Einschreibung bei den betreffenden Lehrkanzeln im Hauptgebäude, Husgasse, abgehalten. Die Vorlesungen beginnen am 4. Oktober. Das Programm(1. und 2. Teil) wird nur gegen Voreinsendung von 17 liö 70 Heller (Ausland 10 Kö) gesandt. Ausschreibung. An der Deutschen Technischen Hochschule in Prag gelangt in der nächsten Zeit vor- behaltli der Genehmigung des Ministeriums für Schulwesen und Bolkskultur die Affistentenstelle bei der Lehrkanzel für Wärmemaschinen II. Kurs (Tampfturbinenbau) zur Besetzung. Die Ernennung erfolgt auf 2 Jahre und kann dann verlängert werden. Die Jahresremuneration richtet sich nach dem Gesetz vom 24. Juli 1020 Nr. 108 S. d. G. u. V., 8 01, und beträgt im 1. Jahre 18.000 Kö, im 2. Jahre 17.400 Kö ohne die gesetzlichen Abzüge. Bewerber um diese Stelle haben eine praktische Tätigkeit in einer Maschinenfabrik im Bau von Dampfturbinen oder Kolbendampfmaschinen nachzuweisen. Sie haben ihre Gesuche(6-Kö-Stempel) möglichst bald, längstens bi» 80. September l. I., in dec RektorätSkanzlei der Deutschen Technischen Hochschule in Prag I, Husova 6,. einzureichen und mit dem Tauf- oder Geburtsschein, Staatsbürger« schaftszeugnis, Zeugnis über die II. Staatsprüfung, Sittenzeugnis und einem amtsärztlichen Zeugnis zu belegen. Vom Rundfunk empfehlenswerte* au* San Prosrammeni Sonntag: Prag, Sender 1:7: Konzert au» Luhaöovic«, 0.80: Schallplatten, 12.20: Orchesterkonzert FOK, 14.16: Deutsche Arbeitersendung: Johann Storch: Demokratie und Schulbildung, 17: Musik, für Kinder, 17.88: Deutsche Sendung: Klastische Zeugen, 17.40: Rundfunkwochenübersicht, 17.80: UebortragUng au» Böhm.-Leipa: Erntedankfest, 18.60: Deutsche Presse, 22.88: Jazzorchester.—; Prag, Sender II: 14.80: Deutsche Arbeitersendung: Für Völk und Frieden, 14.86: Die Musikanten kommen.— Brüst» 9.86: Solos auf Violoncello.— Preßburg 10.15: Ge- sangSkonzert: Verdi,.Rossini etc. ,19.20: Rundfunk- orchefterkonzert.— Kascha» 21.10: Vopul. Rundfunkorchesterkonzert.— Mährisch-Ostrau 17.50: Deutsche Sendung: Weisör: Leben und Werk«jne» Naturwissenschaftler», zur Erinnerung an Kolenatti. Theologie, Biologie und andere nordische Wissenschaft Die DAZ erhielt in ihrem glelchgeschalteten Meckcr-Briefkastcn, wo jetzt das Gegenteil von Gemecker, schon nicht mehr im Superlativ, sondern im Byzantiv erfolgt, folgende hoffnungS- volle Talentprobe eines Pfarrers Kuck(so heißt er) aus SamSwegen, Bezirk Magdeburg. Darin bringt der würdige, schon an Wehrenfennig gemahnende Amtsbruder tatsächlich da» Kunststück fertig, nicht nur daS olle indisch-arabische Nir- wana mit dem Berliner Betrieb gleichzuschalten, sondern er entdeckt auch so nebenbei, daß der olle Jude Paulus(und nicht etwa erst Popper- Lynkeus) der wahre Erfinder deS Arbeitsdienstes ist. Hören wir ihn selbst: Vgl. Epheser 4, Vers 11—18:„Er hat etliche... lAmtSwalter?)... gesetzt... zu Hirten und Lehrern lSchulungsleiternil, daß die Heiligen zugerichtet werden lDachau—?). zum Werke des Dienstes,... bis datz wir alle hinankommen zu einerlei Glauben lKerrl?) und Erkenntnis de» Sohnes Gotte»(—?—) und ein vollkommener Mann werden..." Kuck nial an, auch Paulus war schon bei Goebbels iin Seminar; oder umgekehrt? Vorher heißt cS:„Unter den vier indischen Zielsetzungen sind die erste und die beiden letzten auch die unseren: Erkenntnis, Freude, und Freiheit des Gei st cs. Ihre Verwirklichung durch„Dienst, Disziplin und Opfer"(Gänsefüßchen im Original) ist ja geradezu der Weg unserer neuen staats- politischen Erziehung". Deutsch übersetzt: Erkenntnis ist, wenn map angebriillt wird; Freude ist, wenn man wenig- stenS das Maul hallen darf und nicht abteilig lügen muß; Freiheit des Geistes aber ist daS Opfer des Intellekts. Etwas Wahres ist ja allerdings an der Gleichschaltung von Buddha und Hitler: wer täglich mit solcher geistigen Kost gelabt wird, muß er nicht langsam Sehnsucht nach Nirwana kriegen, das heißt nach„nicht Widerstreben dem Uebcl"? Wenn aber der würdige AmtSbruder dann weiter meint:„Im- mer handelt eS sich um die Enthüllung dcsvollkommenenMenschen..:", so verliert man selbst eine buddhistische Geduld und antwortet mit Grillparzer: „Willst Du Dich öffentlich entkleiden, Wie PhryneS Beispiel weist, So prüfe zuvor Dich bescheiden,. , Ob Du schön genug auch seist".. „...Das Gesetz zählt die einzelnen Krankheiten und Belastungen auf, bei deren Vorliegen die Fortpflanzung unter allen Umständen untragbar ist, well die Vererbung der Krankheit oder Belastung aüf i die Nachkommen mit höchster Wahrscheinlichkeit vor« auSgesagt werd.» kann. Trotzdem hängt auch hier, wie z. B. der im Gesetz genannte schwere' erbliche Schwachsinn zeigt,, die Entscheidung von dem Matzstab ab, nach dem man ErwäglicReit und Unerträglichkeit einer Belastung«Micher Art beurteilt". ,,... Denn die Schwachsinn! gen stellten billigeund anspruchslose Arbeitskräfte, die gerade für mechanisch« Arbeiten lAutostraßen?) sehr' bequem seien, und sie seien als Arbeitnehmer wie alSStaatS. untertanen eben auf' Grund ihre» Schwachsinns«ine bequeme und friedliche Menschengruppe... Für den nationalsozialistischen Standpunkt ist selbstverständlich, daß wir von einer „Bcwahrung im Leben" nur dort sprechen können, .wo Wer das bloße H i n v e g e t i e r.e.n hinaus eine wirkliche Teilnahme Elf Personen wurden getötet, darunter drei Juden und acht, Araber. Verletzt würden vier Juden und (drei Araber. Ausweis für Gen Monat Juli Die erste Zahl bedeutet Parteifond», di«.eingeklammert« Wahlfonds: Bodenbach: Ki 5800.—(1470.—), Karl» bad; KC 4040.—(1100.—), S a n d 6.’ kra h: K1400—(100.—), Pils en- Bud- w r t 0r Ak 900.—(240—)> P,,»du» g: Ak 210.—,(54.—), Reiche n t.e rgi Ak 724.—(140.—) ,Strr n b e r g-Ak 1440— (300.—), T e p l i tz. S a a z: Ak 3040.— (700.—)» T r a ü.t t n.a u: AL 1000.— (250—), Trapp a ur Ak 2500.—(040--). August: Bad«nd ach: Ak 2400—(600—), B r ü n n: Ak 000.—(150.—),« a r l s» a d: Ak 4300.—(1090.—), L a n d S k r o n: Ak 400.—(100.), P i l f« n-» u d w e i S: Ak 1040.—(200.—), P r e.tj b« r jr Ak 240— (00—),(B i t r«»rr,: KL 2400— (000.—), r«>p l i tz. s a a ,: Ak 2750— (000.—), Trauten« u: Ai 1410— .(300.—), Trappe U-Ak 2200.—(550—). Die BcrträgSgelverkschaften in der Gablonzer Glasschmuckindustrie wenden sich in einem Aufruf an die Oefsenllichleit, in welchem sie die Gefährdung der erst vor kurzem begonnenen Neuordnung der Verhältnisse in dieser Industrie schildern. Der Ausruf lautet: Während der Zeit des wirtschaftlichen Niederganges entstand ein Konkurrenzkampf zwischen den Erzeugern und Exporteuren, der diesen einst blühenden uttb für unsere Ausfuhrbilanz so wichtigen Industriezweig fast der Vernichtung zu-, führte. Trotzdem viele Unternehmer die Gefahr der Vernichtung unserer heimischen Wirtschaft er», kannten, wurde von dieser Seit« nichts Wesentliches zu einer Besierung dieser desolaten Ber» hältniffe unternommen. ES waren die Arbeiter und deren GewerkschastSorganisationen, die sich dieser Aufgabe unterzogen und forderten, dgtz durch eine einheitliche Lohn- und VcrtragSrege- lung aller ErzeugungSztveige dieser Industrie die Stabilisierung, der Verhältnisse geschaffen werde. Diesen Bestrebungen wurden von den Genossenschaften verschiedene Hindernisse in den Weg gelegt, so daß die Arbeiterschaft zur Durchsetzung ihrer gerechten, der Gesamtheit dienenden Forderungen zum Streik greifen müßte. Erst dadurch gelang es, dieNeuregekungderLohn- u n d B e r t r a g s v e r h ä l t n i s s e zu erreichen und damit die Grundlage für eine gesund« Kalkulation zu schaffen, die zur Erreichung der Ordnung unerläßlich notwendig ist. Bei der am 10. Juni unter Anwesenheit de» Vertreter» des Ministeriums für soziale Fürsorge erfolgten Unterfertigung eine» Schluhpro- tokolleS wurde der Streik beigelegt und die Genossenschaften als Unternehmerorganisationen anerkannt, die sich verpflichteten, die vorher gemeinsam vereinbarten Lohntarife und Rahmenkollek» tivverträg« restlos einzuhalten. Trotz dieser eingegangenen Verpflichtung erklärte aber z. B. die Turnauer Glaswarengenosse n- schaft, nicht an die vertraglichen Bestimmungen.gebunden zu sein, trotzdem auch sie am 10, Juni al» BertragSkontratzentin das Schlußprotokoll unterfertigt hatte. Die übrigen Genossenschaften benützten nunmehr diiftnUmstand und erklärten,, daß auch sie da» BertragSverhältnis äufkündigen müßten, wenn nicht die Turnauer Genossenschaft detr Vertrag einhält, statt von ihr die' Einhaltung des Bertrage» zu verlangen. Außerdem unterbindet rin Großteil der Mitglieder der Genossenschaft die Durchführung der ver, einbarten Kontrolle über die Einhaltung der Lohn« und VertragSbestimmungeN' die ebenso auch im-Interesse der Unternehmer gelegen ist.. Uno zwar dadurch, daß die Unternehmer die von den Arbeiters»' selbst geleisteten Kontrollgelder nicht abfllhren und der Kontrolle selbst' Schwierigkeiten bereiten: Weiters verhindern die Genossen« schäften die Regelung jener. Lohntarife, die entsprechend den Pereinbarungen den jetzigen Verhältnissen angepasst werden müßtcn. sa sie verlangen sogar die Aenderung bzw. die Verschlechterung der' bereits bistehenden Lohntarif«. Die aufgezählten Tatsachen wären.imstande, da» geschaffene große Werk vdn' weittragendster Bedeutung in sozialer. und volkswirtschaftlicher Hinsicht zu gefährden. DäS würde ein neue» Chaos und einen Millionenschaden am Volksvermögen nach sich ziehen. Das muß unterallenUmständenverhin« d e r t werden, und deshalb haben die Vertragsgewerkschaften veranlaßt, daß die Behörden eingreifen, da es sich um ein allgemein öffentliches Interesse handelt. Außerdem werden die Gewerkschaften Maßnahmen zur Verhinderung dieser neuen Katastrophe treffen, denn die Unternehmerorganisationen sind verpflichtet, die freiwillig abgeschlossenen Vereinbarungen einzuhalten, ansonsten man annehmen müßte, daß der Unternehmerschaft an geordneten Verhältnissen in dec Gablonzer Schmuckglasindustrie uiü> damit an dcrhetmischen Wirtschaft nichts gelegen-ist. - Die gesamte Glasarbeiterschaft dieses Industriegebietes ist bereits zu öfsetttlichen Kundgebungen aufgerufen worden, die am gleichen Tag in 14'Industriezentren ftattfinden, um zu diese» Verhältnissen Stellung zu nehmen. . i Die Arbeiterschaft und ihre Organisationen sind nicht gewillt, dem geschilderten Treiben ruhig zuzusehen und wieder zu den früheren Bedingungen zu arbeiten, die für sie die bitterste Not, das größte Elend und Leid bedeuten. Wenn die Unternehmer nicht bald zu Vernunft und Einsicht gebracht werden, ist die A n w e n d u n g von schärferen Maßnahmen der Arbeiterschaft unabwendbar, die in ihrer Fotze neue Erschütterungen Hervorrufen, müßte, für welche allein die Unternehmer die Verantwortung zu tragen hätten. Die GewerkschastSorganisationen erwarten bon der breiten Oessentlichkeit volles Verständnis für die eventueft kommenden Geschehnisse, die auS den der Gewerkschaft aufgezwungenen Maßnahmen erwachsen können, und sie hoffen, daß di« Oessentlichkeit die Bestrebungen der Gewerkschaften in weitgehendstem Maße unterstützt, da dies die Interessen aller Bevölkerungsschichten dieses Gebietes betrifft. Guter Beginn der Prager Meece Freitag wurde die Prager Messe, vorerst im Messepälast, eröffnet. Die. diesjährige Herbstmesse.ist von der, ausstellenden Industrie weit s>v b gfältiger»orderet test worden, als zu früheren Veranstaltungen. Der A u s« l a n d s b e s u ch ist erheblich stärker alS im Herbst 1938. Insgesamt haben sich gestern vormittag Ausländer au» 3h Ländern gemeldet. An» stärksten war der Besuch am Eröfftiungstage auS Oesterreich, Holland,' Jugoslawien und Deutsch- Md, Stärker als im Vorjahre war auch England,' Belgien und Frankreich vertreten, während der Besuch aus Schweden und der Schweiz un- ßiWtdpkt geblieben ist« Sehr stark ist die Zahl der Esiskänfer aus' Estland und Lstäuen. Bemerkenswert für eine Herbstmesse ist'die g üte Ber- tr e tun g de r U e b e rs e.e es n k ä u f e r. DsrDachfragedienst hafte gestern aus 17 lieber« seestaaten Interessenten im,Vermerk., An der Spitze stand der-Zahl nach Äxgypten utid Palästina; geschäftlich bedeutsamer-verspricht:-jedoch die'Anwesenhisit-von Amerikanern, Südamerika« nerni Kanadiern und Australiern zu werde». Ole Ausfuhr nach Uebersee Die Ausfuhr nach den Ucbersccstaaten hat sich gegenüber dem Vorjahre in den ersten sieben Monaten stark erhöht,, loie aus der folgenden Ge- geniibcrstcllnng hervorgeht. Es betrug die Ans- fuhr der Tschcchoslolvakei nach Jänner bis Juli 1937 1938 in Millionen AL USA.... . 610 250' Kanada.». . 39 30 Argentinien-. . 89 46 Brasilien.». . 43 22 Brit.-Indien.. 97 40 Holländ.-Indien. . 24 0 Japan.... . 39 19 China.... . 98 32 Palästina... . 33 26 Iran.... . 141 45 Südafr. Union. W 75 42 Aegypten.,, , 58 29" Australien.>. . 31 24 Am stärksten ist also die Ausfuhr nach den Bereinigten Staaten und nach dem Iran(Per- fielt) gestiegen. Marktpreise für die Verrechnung des Getreides der landwirtschaftlichen Arbeiter in Böhmen im September 1937. Im Sinne der„Richtlinien" müssen bei Verrechnung de» Vertragsgc- treideS beim Reluiercn desselben als Grundlage die kundgemachten und an dec Prager Produktenbörse verzeichnete» durchschnittlichen Auslaufspreise genommen werden. Für den Monat September betragen diese Preise für 100 Kilogramm beim Weizen AL 158.50, beim Korn AL 134—, bei der Gerste AL 110.50. In dem Preise für Weizen ist der in der Kundmachung Nr. 5/1V der Getreidcgesellschaft angeführte Abschlag, welcher AL 4.— auSmacht, nicht enthalten. Um dic- scn Abschlag kann der AuskausSprciS für Weizen herabgesetzt tverden, wenn sich die Parteien nicht anderweitig einigen. Höhere Steuereinnahmen. Die günstige Entwicklung der Stenercinnahmcn hat sich auch im Monät Juli fortgesetzt. Die Nctioeinnahmcn in den ersten sieben Monaten sind im Vergleich zum Vorjahr anf folgendem Stand(in Millionen Kronen, erste Ziffer 1937, zweite 1938): Direkte Steuern(1885— 1028), Umsatz» und Lnxussteuer(208— 208), Zölle(427— 392), Verbrauchssteuern(1001— 927), Gebühren(889— 848), Monopole(35— 32), insgesamt(8924— 3434). Die Erdöleinfuhr der Tschechoslowakei. In der Erdöleinfuhr steht die Tschechoslowakei an zehnter Stelle; ihre Bezüge sind gegen das Vorjahr um 10.1 Prozent auf 0.2(i. B. 0.19) Millionen Tonnen gestiegen. Davon entfielen (in 1000 Tonnen) 90(i. V. 72) auf Rohöl, 87(98) auf Benzin, 23(14) auf Petroleum, 9(7)' aus Schmieröl und der Rest auf Gas- Und Heizöle. SpirituSabsatz gestiegen. In den ersten elf Kampagnemonatcn erreichte der Absatz von Spiritus 938.400(i. B. 857.600) Hektoliter oder 9.3 Prozent mehr als in der Vorsaison. Höhere Stromerzeugung. In den ersten sieben Monaten belief sich die Stromerzeugung anf 1989(i. V. 1615) Millionen Kilowattstunden, die Steigerung gegen das Vorjahr beträgt rund 20 Prozent. Schleifholzexport niedriger. Im Zeitabschnitt Jänner—Juli d. I. erreichte die gesamte Schleif- hölzaüsfuhr nur 147.400 Tonnen, während sie im selben Zeitabschnitt des Vorjahres 498.582 Tonnen erreichte. Nach Ivie vor geht der gesamte Schleifholzexpoct nach Deutschland. Die Angestellte» der Einheitspreisgeschäfte verlangen'Teuerungszulage. An der gauzsiaat- lichen auf Neuregelung der Angestclltengehälter äbzielenden Bewegung ist auch das Personal der Einheilspreisgcschäste beteiligt. In dessen Nonien hat jetzt der Einheitsverband der Privatangestell- tcn an den Verband der Warenhäuser die Forderung nach einer raschest zu gewährenden, den gegebenen Verhältnissen angcpaßten eininaligen Teuerungszulage gerichtet. ' Starke Zunahme gewerblicher Unternehmungen im Bereiche der Prager Kammer. Die Gründung neuer gewerblicher Unternehmungen im Bereiche der Prager'Handelskammer hat während des zweiten Pierteljahres 1937 einen außerordentlichen Aufschlvuug genommen) ES wurden 1418 neue Handwerksgewerbe und'1732 neue, Handelsgewerbe«»gemeldet. Nach Abzug der aufgelassenen alten Dewerbe ergibt sich im Bereiche der Prager Kammer eine absolute Zunahme um 1528 neue gewerbliche Unternehmungen. Man erhält für Ke 100 Reichsmark.«,. ,,, 703— Markmhnze»... s.. 7H5.— 100 österreichische Schilling. 528)50 100 rumänisch, Lei...,■ 16.85 100 polnische Zloty.... 514.50 100 ungarische Pengö.,,. 548:50 100 Schiveizer Franken»,» 655.50 100 französische Francs.',, 106.80 1 englische» Pfund.,.141.50 1 amerikanischer Dollar,, 28.50 100 italienische Lire., 134.40 100-pllSndische Gulden..» 1577— 100 jngoftatzksche Dinare.' 61.92 .100 BelgaS,Wi-.. ii, i 482.50 100 dänische Kronen, 633.— 100 schwedische Kronen., 731.— Seite 6 „Sozialdemokrat . Samstag, 4. September 1937. Nr. 208 Zaungäste Vor der Ausstellung s.mmeln sich Immer mehr Buden, je näher der Schlußtermin rückte Und die Verkäufer werden immer redegewandter. Da sitzt auf einer Kiste in totem Kostüm und giftgrünem Mantel eine toiernste Liliputanerin, die kleinste Sibylle der Welt: Nur näher, meine DamenI Wer eine Krone zahlt, erfährt die Ankunft aus den Handlinien, und wenn eS.auch'noch so finster ist. Und weil das Schicksal bereits fertig in den Sternen steht und In den Handlinien, ist auch die Prophezeiung bereits vorgedruckt, wird lediglich unter den weniger passenden herauSgesucht. Äußer der Zahlung von einer Krone besteht für die Damen, die um Rat fragen, nur noch eine empfindliche Entsagung: sie müssen öffentlich und- vor mehreren Leuten, wie in der Heilsarmee, über ihr Geburtsdatum fatkeren, das bleibt natürlich stets fatal. Wer nicht die Wahrheit sagt, hat es sich selbst zuznschreiben, wenn dann die Provhezeiung nicht einirifft. Dabei empfiehlt die Sibylle noch, den Ankauf' ihrer Bilder zum Andenken, indem sie ihm einen Kleinen, gut gemeinten Fusstritt versetzt. Die Kiste, worauf die Sibylle sitzt, hat keinerlei Beleuchtung. 3e finsterer es wird, desto packender wird da? Ganze. Bei einiger Phantasie sieht man schließlich dar weissagende.blutige Kind" a»S„Macbeth" auf der Kiste hocken, grault sich und geht weiter. Auch der Kunstpfeifer ist da und hat natürlich den meisten Zulauf, besonders weil er mit Grammophonbegleitung pfeift. DäS ist eine ganz neue Zäu» ierflöie, die er anvreist, samt Schule? 18 Xö, Re- klamepreis, nur noch drei Tage, Um den Artikel einzuführen. Die Flöte.— die man sanft anfassen muß, sonst kreischt sie wie eine Sirene oder Schwarm- vfeise, daß die Fensterscheiben Zahnweh kriegen—, die Flöte ist analog wie die Schreibmaschine nach der Zebnfingermethode konstruiert; und analog dem Blindschreiben gibt eS hier ein Blindblasen ohne Notenkenntnis. Natürlich nur so weit, als der Lse- dervorrat der Gebrauchsanweisung reicht, bei dem die Noten in Fingerzeichen übersetzt sind. Du wirst also bei viel Uebung einst die„Ramona" blasen können, doch nie und nimmer die Ungarische Rhapsodie oder die Holländerballade. Deiner Ausbildung zum Rattenfänger sind also gewisse Grenzen gesetzt, weshalb Deine Umwelt wieder aufatmen darf. Denn auf die Dauer wirst natürlich auch Tu selber über die„Ramona" etwas schwermütig; wodurch der frühere Zustand mit Deinen trauernden Hausgenossen von selbst wieder hergestellt Ist. Daß die Flöte, wie der Verkäufer sagt,„konzerifähig"(salonfähig?) ist, unterliegt keinem Zweifel, wenn Du nämlich einen Schallvlattenabparat besitzest, der Dich begleitet und Deine eigene Kunst gebührend retuschiert. Der Der« känker ist sehr gebildet, er spricht sogar Jazz richtig „Dschaß" aus; und Du mit Deiner barbarischen „Tschad"-Aussprache darfst Dich genieren und zur Sirake gleich zwei Zauberflöten auf einmal kaufen. Es folgt ein Stand, wo die Qualitäten einer Rasterklinge an Ihrer Fähigkeit erwiesen werden, mit ihr Holz zu backen. Nebenan— was geschieht da? Tauziehen, rhythmische Hebungen oder ein Duell übers Taschentuch? Falsch geraten: ein besonders gut genährter Hosenträger wird als Muskelsvanner benützt, sogar zu Zweien, so daß er schließlich über zwei Meter lang wird. Dann kommen die Damenstrumpfbänder dran, die eine,ähnliche Streckfolter zu bestehen haben und sich glänzend bewähren. Kostproben gibts keine, aber die Kraftproben stehen dafür und sind sehenswert. Schließlich wird noch unter Hüten gezaubert. Einige, die an diesem ausnahmsweise ivarmem Abend Hüte aufhaben, und um leihweise Abgabe ersucht werden, schlagen sich stumm seiiswäriS in die Büsche. Schließlich gibt eS noch ein Monte Earlo für Minderbemittelte: sechs Farbflecken auf der Kiste, auf ieden wird von se einem der Setzenden eine Krone gelegt. Dann dreht sich eine improvisierte Roulette, elnaeieilt in die immer wiederkommenden Farben deS RegenbogenS, jede Farbe fallweise mit einer andern Gewinnchance bezeichnet. Du verlierst fast immer, denn der Einsatz auf eine Farbe geht tatsächlich bis zu acht Kronen, so daß Du etwa, wenn Du gewonnen hast, noch den Einsatzrest nachzuzahlen hast, der natürlich Immer erheblich über die anfangs abverlangte Krone hinausgeht. Was Du demnach zurückbehälst, glücklicher Gewinner, ist kaum übertrieben besteuerungsfähig. Ein eifriger Spieler erfreut alle durch die Mitteilung, daß er eben ganze fünfzig Kronen, immer mit dem Einsatz von anscheinend nur einer Krone— verspielt hat. Aber gestern — wir waren noch nicht dabei— soll ein unbekannter Mann 80 Kronen gewonnen haben. Ueber all dies tastet, rückt und zappelt der Scheinwerfer, weckt plötzlich sämtliche Bäume, daß sie giftgrün aus dem Traum auffahren. Huscht weiter an der Wand lang, sucht den gestrigen Tag. Schließlich springt er dem Himmel Ins Gestcht. Vermutlich sucht er ebenfalls dar Glück, wie die um die Buden versammelten Zaungäste. Erplofion im Laborator««. Vorgestern abends kam eS im Laboratorium der Alkoholbrauerei in der Bilohradskä in-Prag-Weinberge während einer chemischen Versuches zu einer Explosion. In einem Apparat war durch Üeberdtuck daS SichiglaS ge- FUr Ihr Auto und Radio 8906 ELKfi-Akkumulatoren sprungen; der Luftdruck sprengte die Fenster des Laboratoriums, sowie die einer benachbarten Kanzlei, die zersplittert auf die Straße fielen und eine zufällig vorbeigehende Passantin leicht im Gesicht verletzten. Im ArbeitSraum selbst wurden dem 88- jährlgen Laboranten Wenzel Taicher ein wenig die Haare und die Kopfhaut versengt. Der Schade ist beträchtlich, aber durch Versicherung gedeckt. Am Gehsteig sammelte sich eine größere Menschenmenge an. , Unter der Straßenbahn. Gestern nachmittags wurde auf dem Wenzelsplatz in der Nähe des'Museums der 40jährige Laternenanzünder Anton Chat aus Pirnitz von einer Straßenbahn der 8er-LInie zu Boden geworfen und erlitt eine schwere Gehirn- Die erste Dampfmolkerei und Käserei In Gralzen, Böhmerwald empfiehlt Ihre erslkla««. Erzeugnis« Beaohten Sie die 8ohntsmarke! erschütterung und eine Kopfwunde, sowie mehrere Quetschungen, Die Rettungsgesellschaft brachte ihn in bewußtlosem Zustand aus die Klinik Jiräsek.\ Beim Heben einer Last das Rückgrat gebrochen. Gestern arbeitete während der Nachtschicht der 88- jährige Metalldrechiler Josef Lända auS Smichow in einer Fabrik in Hostivak. AIS er ein großes Sttsck Gußeisen— eS wog fast 188 Kilogramm— zu hebest versuchte, spürte er plötzlich einen Schmerz im Rücken und fiel bewußtlos zu Boden. Die Rettung», gesellschaft brachte ihn ins allgemeine Krankenhaus, wo auf der Klinik Schlaffer ein Bruch des Rückgrates feftgestellt wurde. Todesfprung aus dem 8. Stock. Gestern sprang um 4 Uhr früh der öüjährige ehemalige Angestellte der Elektrizitätswerke Franz Handel aus dem Fenster seiner im dritten Stock des Hauses Nr. 828 in der Kelchgaffe inLIebcn gelegenenWohnung in selbstmörderischer Absicht in den Lichthof. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn. tödlich, verletzt inS Kranken haus auf der Bulovka; er hat außer einer schweren Gehirnerschütterung einen Bruch des Rückgrates und fast sämtlicher Gliedmaßen'erlitten. Erschütternd wirkt der Fall dadurch, daß Houdek erst am Tage zuvor aus der Irrenanstalt entlassen worden war. Juuiet und MsE Wieder eine SdP.Wanderbühne? Kürzlich wurde in Reichender« unter dem Titel„Jung e Bühne" ein sudetendeutscher Wandertheater gegründet, dar seine erste Spielreise zu Ende September beginnen will. Alle Umstände deuten darauf hin, daß es sich hier um eine. Fortsetzung der unter der Äegide der SdP verkrachten.„Sudetenbühne" handelt. H. W. Stuckenschmied, seinerzeit Musikkritiker der„Bohcmia", soll, wie wir erfahren, an Stelle des eben verstorbenen Walter Seidl in die Redaktton der „Prager T a g b l a 11" eintreten. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theater». Sonntag, halb 8: Die Fledermaus, Abonnement aufgehoben.— Montag: Geschloffen.— Dienstag halb 8: Carmen, neuinszeniert, Ä 1.— Mittwoch halb 8: Der Außenseiter, Uraufführung, B 2.>— Donnerstag halb 8: FleSko, einmaliger Gastspiel Ernst Deutsch. C 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. SamStag 8 Uhr: Man kann nie wissen.— Sonntag 8%: Ein idealer Gatte.— Montag: Geschloffen.— Dienstag 8: Nina, volkstümliche Vorstellung.— Mittwoch 8 Uhr: Ein Kuß und sonst gar nichts, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8 Uhr: Bei Kerzenlicht, Erstaufführung. Der Dinr von geliebte Feind Vor dem Hintergrund des großen.irischen Aufstandes von 1921 begibt sich— in diesem englischamerikanischen Film— eine Liebesgeschichte: die Tochter der englischen Lords, der nach Irland kommt, um die Entscheidung über das Vorgehen gegen die Rebellen zu treffen, lernt den Führer der Vtrschwo- renen bewundern und lieben,? verrät? ihn an den Vater, freut' sich über dar Mißlingen der Verrats, gesteht dem Feind ihre Liebe, weckt in ihm die Hoffnung auf Frieden ,— und fleht ihn wieder, äl» er nach London kommt, um ein englisch-irisches Kompromiß zu unterzeichnen, das ihn in den Äugen früherer Mitkämpfer zum Verräter macht. Die Liebe zum Feind, ein' ewiges Thema der Literatur von Romeo und Julia bis Balzac»„Les ChouanS" und bis SIloneS„Brot und Wein", wird auch hier im Film nicht durch ein billige» happy end besiegelt;'sie endet tragisch für die Liebenden, die ihr Glück den Gewalten opfern müssen, die ihre Herzen überwunden haben, aber sie estdei hoffnungsvoll für den Gedanken der Versöhnung, der in ihrer Liehe znm Erlebnis wurde. Und damit ist dieser Film, auch wenn seine Dramattk zuweilen recht äußerlich und seine idyllischen Szenen oft herkömmlich erscheinest, zu einem guten Film geworden, der auf wirksame Art für Menschlichkeit und Frieden wirbt, ohne der Tragödie miSzuweichen, die von den Voraussetzungen seiner Handlung bedingt ist. Brian Aherne ist in der Rolle de» irischen RevoluttonSführer» zwar nicht völlig glaubhaft, man traut ihm die Liebe eher zu als den Kampf(wodurch er'sich von Gartz Cooper, seinem Vorbild, unterscheidet) und auch MerleQberonist mehr eine Schönheit als eine Frau, die Geschichte macht. Aher beide spielen mit Hingabe und Verständnis, und wenn sie nicht überzeugend wirken, so wirken sie doch durch den Willen zu überzeugen.—eiS—’ Ottttttt begießt Du die Blumen auch mit. von der„Frauenwelt", vrag XII., Fochova tt. 68 l Paket KL 6.60 mit Post, msendung. Auskünfte durch alle Reisebüros und die Kurverwaltung 8 RW Prag. SamStag, den 4. September, AuS« marsch auf die Raturfreundehvtte im Brdywäld. Treffpunkt am Smichower Bahnhof um 16 Uhr, Abfahrt.18.10 Uhr. Wanderkleidungl' Nachzügler fahren um 18.88 Uhr. PflichtbeteiligungI. Zusammenkunft der Roten Falken. Heute, SamStag, nachmittag» 4 Uhr, treffen alle Rote Falken im Parteiheim zusammen. Ortsgruppe Prag. Sonntag,.6. September, Treffpunkt Smichower Bahnhof um V»8 Uhr. Fahrt nach Cerno- »Ice, Wanderung KarlSstein—Sbrsko. Führt Lauer. Preis etwa 8 Kür— Er wird gebeten, die Naturfreundehütte.»uk dem Hiebeny an diesem Sonntag nicht zu besuchen, da sie an einen Verein vergeben ist: Filme In Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Lumpazivagabundus."(D.— Hörbiger, Rühmann.)— Adria:„Nancy Steele wird vermißt."(A.— P. Loire.)— Alsa,.Trafalgar."(A.)— Apollo:„Sieben Ohrfeigen."(D. — L. Hürvey, W. Fritsch.)—Avion:„Mädel, hütet Euch!"(Tsch. Hugo Haa».)—Beränck:„Charlie Chan auf der Olympiade."(A.— W. Öland.) — Fkniist,,.Die,gute Erde."(A.— Paul Muni/L. Rätst,er.)— Flora:„Marinella."(A.— Tino Rossi.)— Hollywood:„Mädel, hütet Euchl" (Tsch.)— Hvizda,„Flugzeug ohne Piloten."(A) — Juli»:„Gefährliches Spiel."(D.— Jenny Jugo.)— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagenr— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken,,— Kotva:„Der geliebte Feind."'(A.)—Lu- eerna:„Die gute Erde.".(A.—Paul Muni. L. Rainer.)— Metro:„Der geliebte Feiyd.iA,)— Passage,„Zu neuen Ufern.".(D.)— Praha:„Der gesiebte'Feind."(A.)— Radio:„Schloß Vogelöd." (D.)— Sinnt:„Charlie Chan auf der Olympiade." (A.— W. Oland.)— Svitozor:„Ein blinder Passagier."(A.— Sh. Temple.)—Alma:„Mitternachtswalzer."(A.— Farbenfilm.)— Baikal: „Sherlock Holmes."(D.— Han» Albers).— Belvedere:„Ein Hochzeitstraum." lD.)— Beseta, „Der Kaiser von Kalifornien."(D.— L. Trenkerl) —> Carlton:„Schwanda, der Dudelsackpfeifer." (Tsch.)— Illusion:„Gegen den Befehl." (F.)— Lido Ur„Charlie Chan auf der Olympiade."(A.)— Louvre:„Schwanda, der Dudelsackpfeifer."(Tsch.)— Maeeika:„Sherlock Holme»." (D.)— Olympic,„Sturm über dem chinesischen Meer."<«.)— PerSthn:„Nachtflug."-(A.)— , Mitteilungen.aus dem Publikum. Man hat etwa» für sein Geld. Waren mit einem bekamiten Märkennamen werden natürlich lieber gekauft al» Wären unbekannter Herkunft,wenn der bekannte Name bürgt an sich schon für höhi: Qualität. Auch da» Licht ist zur Ware geworden, denn wenn man eine Glühlampe läuft, tut man da» nicht,, um ein elektrische» Gerät zu haben; da» einen bestimmten Wattverbrauch hat, sondern da» eine bestimmte Licht- leistung gibt.'Je mehr Licht die Lampe für den verbrauchten Strom liefert, um so wirtschaftlicher ist die Lampe und um-so billiger stellt sich demzufolge die Beleuchtung... Die Angabe de» Wattverbranche» besagt nur etwas über, die entstehenden Betriebskosten, jedoch nichts über die AuSnutzbarkeit. Das.tut erst die Angabe der Lichtleistüng, die aber natürlich, stimmen' muß. ES ist der große Vorzug der OSram» D-Lamven, daß sie beide» angcben, die Lichtleistüng in Dekalumen(Alm) und den Verbrauch, in Watt, Diese beiden Angaben sind eine Garantie für Stzst QnalitätSwert der Lampe und ermöglichen dem Benutzer ein richtiges Urteil darüber. O»ram-D-Läm« Pen werden vorzugsweise innenmattiert verwendet. Mit der Jnnenmattierüng wird eine Herabsetzung' der'Blendwirkung erreicht und daS Entstehen von Lichtschlieren vermieden. Die glatte Außenfläche läßt, sich leicht, sästbtr haltest. Die Todeskammer der modernen Zelt Kaunas, August 1087, Im litauischen Parlament wurde vor einigen Monaten als Gesetz beschlossen, daß in Zukunft Hinrichtungen nur noch mittels Giftgas erfolgen müßten. Todesurteile sind in diesem kleinen Ländchen Ausnahmen; die Litauer sind ein friedliche», gutmütige» Volk, und Verbrechen, die mit der Todesstrafe gesühnt werden müßten, kommen nur selten vor. In den politischen Prozessen, wie z. B. im Prozeß gegen die 128 memelländischen Nationalsozialisten, in dem das Kriegsgericht den Kopf von zwölf Angeklagten gefordert hatte, pflegt der Staatspräsident von seinem Gnadenrecht Gebrauch zu machen, und die öffentliche Meinung findet daS auch als selbstverständlich, denn die Achtung vor dem Dienschenleben lebt in de» baltischen. Staaten als ljngeschriebene» Moralgesetz.— Aber da die Todesstrafe nun einmal besteht,' so wurde ihre Vollstreckung durch GaS Gesetz, und apf den. geschleiften Wällen der ehemaligen russischen Festung, wo heute Feldblume» blühen, Ivo Liebespaare in der Dämmerstunde Küsse tauschen,wo die Kinder der litauische» Hauptstadt esst, ideales Spielgelände besitzen, wurde jene» Tod.eshgus der Neuzeit errichtet, in dem vor kurzem per erste Deliquent mittels der modernsten Methode, aus der Welt.befördert wurde.... Sein Name, war Pogozinski,.er wär.ein Maurer aus einem kleinen litauischen Städtchen, der seinen ehemaligen Meister nachts überfallen und ihn und seine Frau und Kinder erbarmungslos niedergeschlagen'hatte, um sich die vorhandenen Wertsachen anzueignen. Da keine mildernden Umstände Vorlagen,, konnte der Präsident diesen fünffachen Mörder nicht begnadigen, und so wurde Pogozinski da» erste menschliche Objekt, an dem die moderne Wissenschaft die Ergebnisse ihres „Fortschrittes" überprüfen konnte. Zu dem gräßlichen Experiment hatten sich nicht nur der Oberstaatsanwalt, der Verteidiger, ein Priester, sondern auch Chemiker äl» Henker und Fachleute der Rüstungsindustrie eingesunden. Insofern war diese Hinrichtung, genau so„interessant", wie der spastische Bürgerkrieg oder der Krieg' ist-China, die bekanntlich in den Kbnstruk- ttonSbureauS der Rüstungsindustrie al» die Generalprobe der.neuen Waffentechnik. bezeichnet werden. In den Schlachthäusern Chicagos»werden täglich tausende von Schweinen auf technisch modernstem Wege geschlachtet. Der Fortschritt der Humanität soll' darin bestehen, daß dem Tier kaum zum Bewußtsein konunt, was mit ihm Vorgeht. Ist wenigen Sekunden tritt der Tod em. Auch dieser Pogozinski wurde gefesselt wie ein Tier von zwei) Gefängniswärtern zur Todesstätte'getrieben/—• aber im Gegestsatz zu den Tieren kannte er sein Schicksal.'DjeseS Wissen soll' näch der Argumentation der Anhänger der Todesstrafe die gerechte Strafe'seist; aber' eS ist grotesk, daß sie bei jeder neuäufkdstimenden Technik--der Hinrichtung vom humanMn Strafvollzug sprechen. Es gibt, ja auch Generale und.Rüstungsindustrielle, die den Gaskrieg als den großen Fortschritt der Menschheit zu bezeichnen pflegen, ohne dabei zu empfinden, wie pervertiert ihre Logik ist. Dieser Pogozinski hatte sich gegen die Gesellschaftsordnung schwer vergangen. Welcher Dämon mag ihn zu seiner Tat getrieben haben? Die Akten sagen darüber nichts auS: Stumm und verbissen stand, er vor Gericht, und, stumm und verbissen, kein Zeichen der Rcue.von sich gebend, liest er.sich zur Richtstätte führen.: Er weist, dchß.er dieses Haus, das eigegS für seinen Tod gebaut wurde und, in, dem noch, alle» frisch nach,Farben riecht, nicht mehr.lebend.verlassen wird»nd daß er der erste sein wird, der d.e n Tod erleiden must, den her, menschliche Geist zwar selbst erfunden hat, vor dem sich aber- die Menschen mehr'sürchten,—? als stör ihrem Gott, Das Todeshaus besteht aus drei Zinpstern. Im.ersten.— cs ist völlig kahl und hat noch nicht einmal Tisch ustj> Stühle— liest jetzt der Oberstaatsanwalt das Todesurteil vor. Der Verteidige^ fragt nach deu letztep Wünschen. aber kein Wort kömint von den Lippen diese» Mörders, den das Schicksal zum Anführer der.durch! GiftgaS-erstickt- werdenden auserivählt hat. Der Priester hält ihstu das Kreuz vor,— doch wortlos, als ob er seine 'gesetzlichen Pichter verachte,-geht, er, in,dea-ztoeiseK nicht.minder kahlen; Rgstm,.sn^bem,öerWS,di? Chemiker'ihres Amtes-tratien.*/',' Hier steht die Astpstreuur'zum' Ejnleiien des Giftgases in degdrittenNaum.BereitSmitder Äppargtgr'verbunden Md die Stahlflaschest, die das tütende Gift enthaltest. DerdWe/Ränstt: ist die Todeskammer, ein Äetongrab;.eist.hermetisch abgedichtete» Fensterchen ermöglicht es, daß man' auS dem'-Metten, Zistimer idest- TodeSkampf im dritten Zimnser genau beobachten,kann., Hinter'Pogozinski schließt sich'die Tür, schließt sich daS Leben. Die Chemiker an der Apparatur sehen die Gasmasken auf- öffnen das Ventil'zu den Gasflaschen, und imselüenAugen- 1 blick rast der Gastod, da die Apparatur einest' Druck ston vielen Atmosphären.spendet, in- die- Todeskammer, wo der Deliquent bereit» niit dem ersten,Atemzug von dem,Gift daS, Bewußtsein berloren-hEnisM'i IW? Trotzdem dauert' eS, wie' dtelitaüische'nBe- richterstatter melden, noch- zwanzig-'Minuten;' bis der Körster, der durch- das. Feststerchtzn-beoha'chket; wurde,.keine Zuckungen stühr ststn sich gab. Dann. Wurden: die' Ventilatoren in, Tätigkeit.gesetzt, die da» Giftgas aus der Kammer absaugten, daß») erss, betrat- der Arzt die Kamsner, der'den, Tpd^ konstatierte und dey vollendeten Sträfyöllzüg dem Staatsanwalt meldete.— Die einzelnen, Phasen! des Gastodes, wie'das Ersäufen im eigenen Blut durch die Auflösung, der Lungen vor sich gegangen ist,-wir» später''iil der'Astätomiö' festgestellt' werden, und ist, Zeichen der jiistterstatiostälen. Aufrüstung,.da» internationale.AGyWt' der. Fachwelt, erwecken,'.‘)'■)■vMA-H'-/’i') » Ein fünffacher Mörder wurde auf eige an-, geblich humane Art hingerichtet— aber gräßlich ift,)dss',W"gstiE. einer Menschheit).; der eine/ Hinrichtung als Studie für Len küstftigen Kriegsmassenmord dient I'' B e z u g s b e i i n g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich. Ak kg.—- vierteljährlich Ai 48—, tzalbjährig^Aö!®B.—» ganzjährig ss 1V2.—.—- Jnseräte^werdest läütst Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß,,- Rückstellung»on Manuskripten erfolgt-pur bei. Einsendung-der Retourmärken.--7-Die ZettungSfrankatur wurde von der Post-'und Tele^t ' graphendirektion mit Erlaß Nr.'13.800/VII/1b80 bewilligt.(Kontrollpoftamt Praha.28.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlag»« und ZeitungS-A.-G. Prag.