en Arbeiterparteiin der TschechoflowaNscheq Republik lZoethe Telephon 88077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl K ern, Prag 1?. Jahrgang Mittwoch, 15. September 1S37 Nr. 217 Der große Tote Präsidenten Masaryk o» Mit den Trefflichsten zusammen Wirkt 1 ich, bis ich mir erlangt, Das mein Nam‘ in Liebesflammen Von den schönsten Herzen prangt. Dispositionen über dgS Trauerfeierlichketten für denken:■■ v.'. Das Begräbnis des ,, findet Dienstag, den 21. September, dpi» der Prager Burg auS statt. Der BegräbniSzug wird dnrch dir Präget Hauptstraßen gehen. Die sterbliche Hülle deS Verstorieim» wird provisorisch auf dem Friedhof in Lana neben der Gemahlin T. G. MaftrrykS, Charlotte, beigesetzt.werden. Urb« die definitiv« Beisetzung der sterbliche« Ueberreste deS ersten Präsident«» der Tschechoslowakischen Republik wird später entschied»» werden. Bon Samstag, den 18. September, a« am Sonntygrtnd Maytag werd« die sterblich« Ueberreste dr» Präsidenten ays einens in» Säulm- saale Pleknlk» ans der Prager Burg errichteten Katafalk aufgebahrt«erd«». Die Regier««» der Republik' wird.das Andenken d«S Präsidenten in einer Trauersttznng ehren,-.welche wahrscheinlich fsir Mittwoch nach IS Ulst: mittags ernberusen werden wird. Der Verlauf diesierSitzimg, in welcher der Ministerpräsident Dr.Dilan Hodja die Trauerkundgebung halten wird, wird vom Tschechoslowakischen Rmrdfunk gesendet werden. Am Dienstn« spricht beim Begräbnis Mas«? rhks am Sarge,der Präsident der Repu- »l i k D r. Edva r d Benes. Die beiden Sammern ser'Rattonaldessammlnng.-Werden zu ihren Träuersitzungen wahrscheinlich am Montä«, den 20. September,«inbernfen werden. Sn der Sitzung des Abgeordnetenhauses wird der Borsitzende.-Abgeordneter Jan M a l y p e t r die Tranerknndgetun» abhalten, in der Sitzung deS Senats ipM Ssstatspräsident Dr. Front. S o u- küp' sprechen. Di« definitive Entscheidung über I diese Maßnahmen wird bei dm hmtigen Be- ratmigen des RegierMgSvorsitzenden mit den Re- gierungSfaktoren fallen; über die Beschlüße wird eine amtlich« Meldung ausgegcben werden. Vielleicht schon Montag? _.■ Spät nachts veröffentlicht daS Preßbüro eine, Meldung, daß über allfällige Acnderungcn diesdr Dispositionen nach der Richtung hin erwo- gm wird; daß das Begräbnis des Prästdrnt- BefreierS in Prag und in Läny um einen T a»früher, also, am Montag, stätt- findon würde.. Infolgedessen würde eS auch früher zur.'Ueberführung der sterblich« Ueberreste deS 'Ptäsident-BefreierS aus' Lana auf die Prager Burg kommen. Die definitive Entscheidung wird iN'der Miuisterratssthung, getroffen werden, di« gtt diesem Zwecke von dm Mittagsstunden auf Nachmittag, eventuell' Abend deS Mittwoch verschöben wurde» ,.. Denn ich bin ein Mensch gewesen, Und das heißt ein Kämpfer sein... Prag. Da» Tschechoslowakische Prehbüro erfährt von kompetenten Stellen folgende vorläufige Begräbnis. upd di« den Besreier-Präsif . si/Igasrvk auf dom 1'otonbott Leit Lamstag nackt« lag dlasar^k in Ueker Bewußtlosigkeit; es kam kein Wort; mehr Uber seine'Lippen.Der:langjährige Leibarzt des.Präsidenten, Dr. Maixn.er, druckte ihm die Augen zu. Staatsbegräbnis am Dienstag Der heutige Ministerrat wird die Dispositionen treffen Sqialdeckokmt Sentralorga« der Deutschen sozialdemokratisch «rscheiat mit Au«««hme d«, M»»tag tUglich sr»h z Ei«,-lpr-i» 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 82- Lernen wir von ihm! Alle demokratisch gesinnten Bürger unsere» Lande», alle guten Europäer verfolgten mit Schmerz und Bangen den heroischen TodcSkampf des großen Menschen, Kämpfers und Staatsmannes Masaryk, dessen gütiges Auge nun ausgchürt hat zu leuchten, desien warmes Wort aufgchört hat zu klingen, desien Vermächtnis aber zum Eigentum von Millionen wurde. Bon Millionen, die in ihm nicht nur den Erwecke, seiner Nation sehen, nicht nur den Befreier seines Vaterlandes, sondern einen Lehrer Europas, der als Politiker zugleich eine moralische Instanz war. Dem Treiben des Tages verwurzelt, stand er zugleich hoch über ihm, dem Leben verhaftet wie nur je ein Mensch mit kräftigen Sinnen und aufgeschlosienem Herzen, meisterte er zugleich das Dasein als tätiger Weiser. Was überhaupt e i n Mann dazu beitragen kann, ein Volk vorwärts zu bringen und innerlich zu bereichern, hat Masaryk getan; er tat eS in so starkem Matze, daß er weniger bekannt ist als der Masaryk deS tschechischen Volkes, denn die tschechische Nation als das Volk MasarykS. ' In den Stunden, da Millionen Menschen um das Leben dieses Großen bangten, kam auch uns Deutschen erst so recht zum Bewußtsein, was er uns bedeutete und wie sehr er unser ist.Wir deutschen. Arbeiter hatten zun» Menschen Masaryk immer ein gutes Verhältnis, auch dann, als der Ablauf der Geschichte uns vorübergehend in poli» fische Gegnerschaft zu ihm gebracht hatte. Denn die sozialen Ideale, für die er wirkte, sind auch die unseren. Er hat schon im alte« Oesterreich sder-Sache-dev-kämpfende« Arbeiter-Verständnis und Hilfe entgegengebracht, ohne auch nur eine Spur nationaler Voreingenommenheit zu äußern, und die Arbeiter aller Nationen unseres Lande» hatten auch in dem Präsidenten Masaryk«inen gerechten Anwalt ihrer Bedürfilisie. Als aber in Deutschland hinweggesegt und geächtet wurde, was den Kulturdcutschen heilig war, als man in Deutschland Humanität, Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit mit Füßen zu treten begann, da sahen wir auch den milden Glanz klarer, der von Masapyk, dem Humanisten, dem Wahrheitskünder, dem Wahrer der Gerechtigkeit und der Freiheit ausging— und Masaryk wurde unS demokratischen Deutschen Führer und Vorbild im Kampfe gegen den Ungeist, der unser Volk in Bann schlug.„Jesus, nicht Taesarl" war seine Parole.„Masaryk, nicht der Diktator!/' ist die unsere. Von der Gewalt der Menschlichkeit, die von Masaryk ausging, sind auch jene Deutschen beeindruckt, in denen der nationalistische Wahn lebendig ist.'„Der Mann, der heute in dem alten AdelS- schlotz am Rande der tiefer» mittelböhmischen Wälder den letzten Atemzug tat, verstand eine Kun'*, die immer Achtung abzwingen wird: er verstand zu kämpfen, ohne zu Hassent" So schrieb daS Blatt jener Partei, der sonsi Berlin und Nürnberg Richtschnur sind. Am Abend vor der Todesstunde MasarykS schwang von Nürnberg aus eine Orgie deS blindwütigsten Hasses durch den Aether. Menschen, die, um Masaryk bangend, dem Rundfunk lauschten, hörten mit Erschütterung diese Stimme. Sie klang ihnen noch greller und erniedrigender, da das humanitäre Werk MasarykS vor ihrem Auge stand, deS Mannes, der die Lüge und den Hätz aus tiefster Seele" verabscheute und der doch immer ein Kämpfer war. Tausende Deutscher senkten an diesem bangen Abend ihr Haupt in. Scham. Dort dröhnte, angeblich, im.Namen des Deutschtums, die Stimme der blindwütigen, brutalen Gewalt, alle Errungenschaften der Kultur, alle Ideale der Menschlichkeit verneinend, und hier legte sich das ewige Schweigen auf den Mund eines Mannes, der die Kunst'verstand, zu kämpfen ohne, zu Haffen I Wie sehr fühlten wir,, daß dieser erkaltendt Mund unserer Herzen Stimme geformt hatte, wie sehr wurde un» bewußt, daß uns der Mensch, Masaryk und sein humanitäres Werk näher"stehen, uns demokratischen Deutschen unendlich näher stehen als die Verneinung des wahren Deutschtums, das immer auch schlichtes Menschentum war, iin Namen eine», angeblichen Deutschtums, da», den Stempel nationalistischen HasieS und nationalistischer Verzerrung trägt. Verbeugungen,. die in der'tragischen Stunde de» Abschieds vor Masaryk gemacht werden, zählten wenig, Ivenn in der täglichen Praxis seine Art und seine Ideale verneint würden.' Für uns, die *^'?;#lit der Frageder Leichenfeierlichkeiten hat sich«in engeres Ministerkollegium, bestehend au» den» Ministerpräsidenten Dr. Hodja, den» Eksen- bähnminister Brchynö, dem Schitsminister Franke «nd'MnifiziernugSminister Dr. Ärämek befaßt. ES ist beabsichtigt, die körperlichen Ueberreste de» Altpräsidenten zwei Tage im Länaer Schloß aus- »llMlrn; dann soll die Leiche nach Prag üter-t führt und auf der Burg aufgebart' werden.' Hier wird die Bevölkerung Gelegenheit haben, von» Altpräsidenten Abschied zu nehmen. Der Kondukt Sl sich von der Burg/ durch die Rerudagaffe» de« »sarykkai, die Närovni trida auf den Wenzels- l'pMsMgpbm'sind von da auf den Wilsonbahn- hvf, worauf di« körperlichen Ueberreste nach Lana WKHm werden. ES ist beabsichtigt; nach Hiner längeren Zeitperiode den Sarg inS Ratwnal- maufoleuni ,« überführen, für.desien vorherei- tung die gesetzlichen Vorarbeiten eingeleitet wetten. Trauerkundgebung der deutschen Sozialdemokratie DienStag, den 14. September, 8 Uhr abend» versammelten sich in Prag die Mitglieder de« Parteivorstandes der Deutschen sozialdemokratt- scheu Arbeiterpartei und dte Vertreter sämtlich«, deutscher sozialistischen Organisirtionen zu einer Trawerkundgebzung für den verstorbenen Präsidenten T. G. Masaryk. AlS Gäste nähme« an dieser Kundgebimg für, den Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ott» Wels und Wilhelm Sander teil. . Die Trauerrede, di« von den Versammelten stehend angrhört wurde, hielt der Vorsitzende der Partti,:Minister Dr; Ludwig Czech.'Tief bewegt schilderte der Redner, wie er am vormittag mit'de« Kindern de» Verstorbenen beisirmmeu war und da» Beileid der gesinnten deutschen Arbeiterbewegung zum Aubdruck gebracht hatte. Dr. llzrch stellte Masaryk al» den Manndar, der die Fundamente der Republik geuzt'«nd äu» ihr ein feste» Bollwerk dtr Demokratie gemacht hat. Er schilderte ihnal» dir Verkörperung edelsten Menschentum»; desien Herz, all« gehörte und'der sich; so oft großr Schicksalsfragen der Arbeiterschaft zur Verhandlung stantwn, bedenken,-und bedstigungSlo» auf Seite dtr Arbeiter geschlagen hat. Er war einKäntpfer für die Wahrheit; ein weitblickeyder, unvfrgeßlicher Genius, von dem wir schwer« Herzen» Abschied nehm«, wir danken ihm für alle», wa» er uns gegeben hat und wir dank« ihm^dafür, daß er wt» ein« Nachfolger gab, der in seinem Geiste fortwirkt. In dem Ehrenbuch de» Sozialibm«» wird er den kommon- d« Geschlechtern al» große» Vorbild«ad Symbol Wahr« Menschentums verzeichnet sei». Rach der Rede de» Parteivorsitzenden, au» der wir morgen noch einige» bring« werd«, und die. in titfer Ergriffenheit angehört wurde, wurde die Sitzung geschlossen. Das Beileid der Partei :' Dienstag vormittag» besuchte der Votsihen.de der.Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, GcsnndhsitSminister Dr. Ludwig Czech mit sei- uer Frau das Schloß-Lana. Er drückte den Angehörigen de» verstorhenen Altpräsidenten daS tiefste Beileid.der Deutschen sozialdemokratischen Bewegung, unseres Hande» aus..; ‘i belleldskundgebungen \' der freien Gewerkschaften ? Die:.ZentralgewerkschästSkommissio« de» 1 Deutschen.GeweckschaftSbundeS schickte folgende Beileidstelegramme äb:.•'■ „An dm Präsidenten der Republik, Dr. Eduard Benes. HochvdrehrstrHerr Präsident! ' Tiefbewegt trauern Wik' Wit Ahnet»' um. düstren «efreier-Präfidenten T. G. Masaryk.«» drängt «N», Ihn«» in diesen schmeridurchiebtmStundm unsere innigste AuftiftwW,« bekunden". „Herrn Gesandten Jan Masaryk,^ Schloß Lana;/ In tiefe« Trauer mft dm. Angehörig« unsere» unvergeßlichen««sr'let-drästdmtm. d-» väterlichen Areundesder Arbeiterschaft, unser innigste».Beileid".,. ^H«rm Miüisterpräsidmt« Dr. M»m» H»Ww ' PWtg;'- tz^chütteft vost''dE Hdi.Äkid!w 'Nfrefer-WWM-M Wos«Y».--ttlft«t '^'ww-iJhnM- und-dpl^grsomw« Miiemng«nserf herzlich«. Teilattw»^j;'>■<< 7*,*. MMWsWnME de» DeiitscheU Gewerk- schastsüuude», ,R-ich«!nb-rg,«sttpn Roscher, Franz.Maco un-.'''' 1 Seite 2 Mittwoch, 15. September 1037 Nr. 21? EINE GESCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUITÄTEN Copyright by S&turn Verlag 1936 „Denn hier kommt cs vor allem auf Ein» fühlung an", faßte er. und es war anscheinend nicht nur eine strenge Weisung an Valerian, der aufmerksam lauschte, sondern auch eine Belehrung für den alten Herrn, der nicht minder ausmerk- sam lauschte.„Soll ja kein Museumsstück sein. Mehr'n Stück Heimat, volkshafter Schöpferkraft aus Deutschlands Hoch-Zeit; von deutschen Dtän- ncrn dem deutschesten Mann gegeben— mir nicht recht worstellbar, wie Herr AronaS..».'?"' Er brach ab. .„Afghanistan"; erwiderte Valerian bescheiden, aber ernst,„ist ein Land von uralter arischer Artung. Es wird von iranisch-kaukasischen Vollem bewohnt,■ deren geschlossen indogermanische Kul« kur in seinen Tälern und Bergen sich bis heute in schlichten, aber echten Formen erhalten hat." Der junge Mann erwiderte nun nichts mehr. Diehnml war es»der alte Professor, der Zeinen merkwürdigen-Blick auf Valerian warf. '»»„Hm'', sagte er sich.räuspernd,'„hm, es kömmt ja eigentlich auf daS Objekt an, das Sie 'uns zeigen werden; Herr... ja, jetzt wissen Sie nun doch Bescheid, nicht?" „jawohl", entgegnete Valerian, dessen Ton- fall sich der hier üblichen Sprechweise im Rahmen der naturgegebenen Möglichkeiten anzupassen suchte,„Es soll, wenn ich recht verstehe, ein für alte deutsche Kunst und Kultur repräsentatives Werk sein.",,.-'s. „Sehr richtig", sagte der alte Herr,„ein für alte deutsche Kunst und Kultur iepräsenkative» Werk. Das' Werk eines großen deutschen Meisters." „Und—wenn ich nun doch frstgen darf— mit Ivelcher obersten Preisgrenze?" versuchte Valerian nochmals diesen Punkt zu klären. „Woll'n uns gar nicht festlegen", schnappte der junge Mann kurz ab.„Hcrzeigenl Anschauen lassenl Preis nachherl" „BitteI" erwiderte Valerian» gemessen und bemühte sich, die femininen Vokale herrisch»zu unterdrücken,„werde mich morgen meldenI"- Er erhob sich.„Sie werden das richtige Objekt erhalten I" Er verbeugte sich vor dem Greis, der eine Regung, ihm die Hand zu reichen, Unterdrückt«, und dann»vor dem jungen. Mann, der mit einem beiläufigen Kopfnicken erwiderte. „Afghanistan", hörte ihn Valerian sagen, währender die Tür hinter sich.schloß.„Afghanistan ist'n moslimisches Land, dachte ich? Der Mann ist doch gar kein arischer TypuS, sieht grad- tvegs wie'n Jude(sprich: Juude) aus.". Der Mann schloß die Tür,.an der er jetzt ein kleines Täfelchen. mit der Aufschrift:„Kultur- Wartestelle" entdeckte. Dann ging der Mann langsam und nachdenklich durch die Straßen von Paris. Der Mann überlegte. So schwach die" Gegner dieser Transaktion sich pöäsentieiüen, er hatte' ein gewisses Empfinden dafür, daß diese. Sturheit große Schwierigkeiten in. sich barg. Ihn erschreckte nicht der Ärgster Uebermut und nicht die Schmäh, die der junge Untvert schweigendem Verdienst erwies, sondern die Unpersönlichkeit des Apparates, der ihm gegenüberstand. Wer würde über den Ankauf des Objektes zu entscheiden haben? Der alte? Du junge? Von MieSling selbst? Aber außer diestn sachlichen Erwägungen beschwerten auch noch andere Gedanken BaleriänS Gemüt. Eine Idee, ein Einfäll durchkreuzte immer wieder alle nüchternen Berechnungen;. eine Idee, ein Einfall von so gigantischer Größe, daß. er es kaum äuSzudenken wagte. Dennoch unter« Nahm er einiges zur Verwirklichung dieses Einfalls. Zunächst besorgte er— und das war der leichteste Teil der Ausgabe— einige für alte deutsche Kunst und»Kultur repräsentative Wepke. Dann meldete er sich bei» der'Kultur-Warte stelle und bat die Herren UM ihren Besuch.» Er habe reinige Objekte gefunden, die er mit Rücksicht, auf ihre Kostbarkeit den Gefahren''weiterer Transporte nicht aussetzen und daher in seiner Wohnung zeigen»wolle. Es müsse allerdings» sehr bald sein; Man werde'ihm Bescheid geben, lautete der Bescheid, den er erhielt. So hatte er sich'S vorgestellt: schwerfällig genug. Die nächsten Tage verbrachte er in Erwartung dieses Bescheides in emsiger, fast fieberhafter Gelehrkentätigkeit. ■<„Der Schmehofen muß wegI" befahl er Kadidja,„laß ihn auf dest Boden schaffen I Stell .dort das Bücherregal hin! Die durchlöcherten Bilder und' diese» zerbrochenen Sessel.müssen weg! Und du müßt auch weg l" „Wohin soll ich» denn gehen?" fragte da» Mädchen störrisch.„Ich setze mich nicht den ganzen» Nachmittag.und Wend in ein Kaffeehaus, ich. nehme ynr eine Kart« zu Äbshiu Aojama, der am Theatre deSMHampö EliskeS tanzt." ,»„Nimm dir eine Karte zu Joshiu Aojama— aber weg mußt dul Hier ist.ein Belehrtenzimmer ugd fein LiebeSstübchen. Hier kannst du nicht.sein, wenn die Herren kommen. Bitte, stör'» mich jetzt nicht! Die Bücher gehörest auf da» Regalk"» Zu den schon» vorhandenen Werken gesellten sich noch einige, die. von den Dölmengräbern Norwegens, der Veeteilung der angelsächsischen Siedlungen ist den Mischen iKantönen und. anderen Fragep, der germanischen und keltischen Vorge» »schichte handeltest."‘''».'/.»'.» . a',„So", sagte.Valerian pnd wischte sich den Schwiiß von der Stirn, denn es waren schwer« Foliaüten,„die konfmen aufs Regäll Astd hlerhöp zwei Stässelejen.!.' Erkundige. dich sogleich" bei .Berthelot in der Rüe" de' L'HösfiitA./um die wir unser Volk so lieben, wie Masarhk das seine -geliebt hat, soll.es kein.Symbol sein, daß sein« Stimme erlosch, wahrend sich die andere um so lauter erhob: wir wissen, daß Masaryks Wesen und Werk lebendig bleiben werden und daß wir gls Deutsche von.ihm zu lernen haben. Daß alle Deutschen von ihm zu lernen haben, wenn sie cS mit ihrem Volke ernst meinen. Daß Masaryks Menschlichkeit auch das Leben, unseres Volkes, erfülle, daß sein Wort von. Mund zu Mund gegeben-werd« und sich itstt dem. Humanitären Wort der großen Geister unsere» Volkes zur. erweckenden Polschaft de» Glauben»! an die Kultur und die Menschheit vereine—- daS wollen wir als Deutsche an seinem'Sarge geloben, dafür laßt uns wirkenI*» denken und während seiner Krankenzeit«ingettoffen. BegrüßungSkundgebungen, Wünscht guter Gesundheit und langen Leben», Wünsch«.der baldigen»Genesung, EhrenbürgerschastSdiplome, Alben, von Städten und Ländern und verschiedene kleine Geschenk«; Sie sind nach den Tagen ihre» Einlaufes und nach'ihremInhalt geordnet. Oer Totenschein Der staatliche Distriktsarzt in Läny,' Doktor Josef Svoboda, hat Dienstag den Totenschein ausgestellt, welcher feststellt, daß der Präsident-Befreier T. G. Masaryk, geboren in Hodo« nin, am 14. September 1987 in Läny im Hause Nr. 2 gestorben ist. Als Todesursache wird im Totenschein. Lungenentzündung angegeben. » Die Todesmeldung Im Rundfunk >• Dienstag Punkt 6 Uhr frvh meldettssich di« Rundfunkstation. Prag mit ihrem Klangzeichen, dem eHabenen«tsten Akkord aus Smetana» ;;Byöehtad". Nach kurzer Pause hörte man die tragischen Töne eines Schlaginstrument», wie es kn der antiken Tragödie die Zuschauer auf das Erscheinen» de» Helden aufmerksam machte. AIS der dritte dieser Tön« verklungen war,» erhob sich eine'feste, aber trauervolle Stimme, die ver» kündete: „Der erste'Prästdeirt der Tschechoslowakischen Republik, Präsident-Befreier Thomas Garrigur Masaryk, ist heute DienStag, den 14. September, um 3 Uhr 20 Minuten auf Schloss Lana gestorben, nachdem er rin Alter von 87 Jährest, sech» Monaten und sieben Tagen erreicht hat."' Der tschechische Bericht vom Tode de» Präsidenten wurde sodann in russischer, und nach gleichen kurzen Pausen in d e u t s ch e r und ungarischer Sprache verlesen. Als die ungarischen Worte verklungen wären, ertönte der Trauermarsch aus Fibichs„Brautvon Messina". Hierauf wurden die Hörer de» Rundfunks von dem amtlichen Berichte der'Aerzte in tschechischer und deutscher Sprache in Kenntni» gesetzt. Als die wetteren Informationen in slowakischer Sprache verlesen wären, di« durch'ein besonderes Klangzeichen veS Prager Senders eingeleitet worden waren, wurde Traucrmusik gesandt. Das Radw-Journal hat das ursprünglich festgesetzte Programm vollkommen abgeändert. Alle heiteren Darbietungen wurden gestrichen. Bom Mittwoch morgens an funkte da» Radio- Journal Nachrichten über den Tod Masaryk» in fast allen europäischen Sprachen. Zwischen den Nachrichten wurden«pnsts. Musik und Pexse gesendet. Das Radio-Journal gab a^ch eine fin« gehende Würdigung der Verstorbenen durch und zitiert« die Pressestimmen über den Tod de» Altpräsidenten. Am Mittwoch wird die regelmäßige Nachrichtenrelation wie folgt eingeteilt: 7 Uhr, 9.50 Uhr, 12.25 Uhr, 16 Uhr, 19 Uhr und 22 Uhr. In den Relationen wird auch in deutscher Sprache gefunkt werden. Zwischen den Nachrichten, wird wieder ernst« Musik gesendet werden, neben Zitaten au» den Werken Masaryks und Dichtungen. In den Mittagsstunden wird die Trauer- ku n d g e b u n g des Min ist.errates mit der Gedenkrede de»- Vorsitzenden der Regierung gefunkt werden. Im Abendprogramm ist die Zweite Symphonie. Mahler» und.ein Trauerlied von Foerster nach dem'Text von Antonin Sova. I Vie Masaryk starb Am 13. September um 21 Uhr war Im Befinde» de» Präsident-Befreiers eine neuerliche Verschlimmerung eingetreten, die insbesondere in der erheblich beschleunigten Atmung und in einer auffallend schwächer werdenden Herztätigkeit zum Ausdruck kam. Am 14. September, um 1 Uhr früh begann die Herztätigkeit unaufhaltsam zu sinken, der Atem wurde langsam und schwächer. Der jkranke war die ganze Zeit hindurch vollständig ruhig und stöhnte nicht ein einziges Mal. Die Atmung, welche vom Anfang an deutliche Symptome zerebralen Charakters aiifwieS, fetzte um 3 Uhr 27 Minuten auS und die Herztiitiglfeit hörte Um 3 Uhr 29 Minuten auf. Seit dem neuen Anfall der Krankheit in der Rocht von Samstag auf Sonntag hatte Mafaryk nicht niehr gesprochen, sein Bewußtsein war ständig getrübt, er öffnete nicht di« Augen. Das Antlitz des Sterbenden war ruhig, ohne Spuren deS Leidens. Und so blieb es auch im Tode. grn Sterbebett Am Läger des Sterbenden waren seit den Abendstunden die Mitglieder seiner Familien, der S o h n Jan, die T ö ch t e r Alice und Olga, die Enkelinnen Anna und Herberta und die Ni ch t e Ludmila mit ihrem Gatten, dem Gesandten Jaroslav Lipa, der Präsident der Republik Dr. Eduard Benes mit Gemahlin, der Vorsitzende der Regierung Dr. Milan H o d j a, der Leibarzt des Präsideni-Befreier» Dr. Maix- n e r, die Professoren Dr. Hynek und Dr. Jirä- sek, der Sekreiär des Präsidenten Masaryk Doktor Schenk und alle drei Pflegeschwestern versammelt. Um 23 Uhr fand sich beim Krankenlager des Präsident-Befreier» noch Kanzler Doktor Säm al und vor Mitternacht auch der Chef der politischen Abteilung der Kanzlei des Präsidenten der Republik Dr. S ch i e s z l ein. Während der letzten Augenblicke ständen dicht an seinem Lager die Mitglieder der Familie, der Präsident, der Republik Dr. Bene» »und dessen Gemahlinund. der. Vorsitzende der Regierung Dr. Milan Hodja. Zn Häupten des Lagers standen Dr. Maixner und Prof. Hynek, Kanzler Dr. Sänml, der langjährige Personalsekretär des Präsidenten Dr. Schenk. und die Pflegerinnen standen im Hintergrund«. '. Abschied. Nachdem der Präsident-Befreier gestorben war, verabschiedeten sich von ihm die Mitglieder der Familie, indem sie ihm die Hände und die Stirn küßten. Der Präsident der Republik Dr. Eduard Benes küßte den Präsidenten Masaryk auf die Stirn». Der Vorsitzende der Regierung Dr. Milan Hodja verabschiedete sich mit einer tiefen Verneigung. Auf Wunsch Dr. Alice Masarykovt drückte der behandelnde Arzt Dr. Maixner dem Präsident-Befreier die Augen zu.- Der Präsident der Republik Dr. Be- neä und Gemahlin sprachen den Familienmitglied -dein ihre tiefe Anteilnahme aus. Beide verblte« ben in Lana bis 9 Uhr 25 Minuten'und kehrten; dann nach Prag zurück. Der Vorsitzende der Regierung Dr. Milan» Hodja drückte der Familie Masaryk» ebenfalls die herzliche Anteilnahme aus. Vor 4 Uhr» früh fuhr er dann aus Lana nach Prag und auch dir Kanzler des Präsidenten der Republik Doktor Sämal verließ gleichzeitig Lana. Die«Staatsflagge auf dem Mittelträkt des Schlosses von Lana, die dort seit der Resignic- rung Masaryks geweht hatte, wurde zum Zeichen der Trauer auf Halbmast herabgelassen und zu beiden Seiten der Seitentürme wurden schwarze Flaggen gehißt. Vom Tod des Präsident-Befreiers wurden unverzüglich die Vorsitzenden beider Kammern der Nationalversammlung Jan Malhpetr und Dr. Front. Soukup und sämtliche Mitglieder der Negierung telephonisch in Kenntnis gesetzt. Bom Antlitz des verewigten Präsident-Befreiers nahm der Bildhauer Makovskh die Totenmaske ab. Der Körper des Präsidenten Wird einbalsamiert/ Des Sterbezimmer Der Präsident-Befreier liegt in seinem Schlafzimmer auf einem dunklen MetalBett, Er ist mit weißen Linnen zugedeckt, auf welchem zwei Rosen liegen— eine weihe müd eine rote. Das nach Osten gehende Fenster'hinter dem Ruhebett, ist geöffnet. Auf dem Schreibtisch des Schlafzimmers des Präsidenten liegen Bücher und Schriftstücke, mit denen sich der Präsident noch am letzten Tage, bevor er sichLnirderej legt«,, befaßt.,hat. Zwei Bilder ün Schlafzimmer ziehen den Blick auf sich: Da» Porträt der der», storbenen Gemahlin Charlotte und«ine große Photographie des verewigten Präsidenten mit dem verstorbenen Staatsmann Ankonin S v e h l a während eines Spaziergangs im Schloßpark von Lana, Im Borzimmer hängt auf einem Rechen det Anzug, den Präsident Masaryk zuletzt getragen hat. o Sendungen, die ihn nicht mehr erreichten Im Amtszimmer de» Sekretär» des verewigten Präsidenten liegt ein Stoß Sendungen. Sie'sind in den letzten Tagen vor der Erkrankung des Präfi- In Läny Lana. Bor dein Tore, de» Schloßparke»-in Lana.steht.feit'den» frühen Morgenstunden eine zahlreiche Menschenmenge,, die, je weitet dl« Zeit gegen Mittag-fortschreitet, immer mehr anwächst, In den ersten- Bormittag»stunden begannen auf dem Schloß die Kondolenzbesuche der offiziellen Persönlichkeiten. Namen» der'Familie empfingen Gesandter Jan Masaryk und die Tochter des Entschlafenen Olga und» Alice die Gäste. Der Stuhl im Arbeitizimmer de» Präsidenten, auf dem der Berewigte zu sitzen pflegte, ist mit einem großen Straub bunter Blüten geschmückt. »Unter den ersten»Besuchern befanden sich der . Präsident de» Abgeordnetenhauses Malypetr und der Präsident de» Senate» Dr. Soukup. Auf der Rückfahrt au» Lana besuchten sie auf der Prager Burg den Präsidenten der Republik Dr. Bene» und sprachen ihm als dem Repräsentanten der staatlichen Souveränität im Namen der Nationalversammlung den tiefen Schmerz und die Trauer über da» Ableben de» Präsident-Befreier» au»." Auch die Mitglieder der Regierung, sanden sich im Laufe de» Bormittag» in.Lana ein. Nach 10 Uhr vormittags traf eine Delegation der tsche« choslowakischen Wehrmacht ein. Sie bestand au» dem Ministet!'Machntk, der von seinem Personal« adjuianten Major Ort und den Generälen Vojenllek und Husärek begleitet war. Im Namen des Prager Kardinalerzbischofs Dr. Kaöpar erschienen Kanzler Dr. Bokek-Dohalskh und der Zeremoninär des Kapitels Jan Boukal. Eine Delegation der Hauptstadt Prag setzte sich äu» dein Primator Dr. Zenkl mit allen, drei Stellvertre? tern zusammen. /.» Die Reihe der Kondolenzbesuch« auf Schloß Lana dauerte auch nachmittag» bi» in die Abendstunden. fort. Für di« Mitglieder de» Prager diplomatischen Korps.verdolmetschte den.Hinter, blieben«« da» Beileid der österreichische Gesandte Dr. Marek und der belgische Gesandte de Thieusie». Die Aufbahrung. Im ersten Stock de» Schlosser wird die TrauerauSschmückung de» Musiksaales beendet, die den Saal in eine Trauestkkpelle verwandeln wird, in welcher die sterblichen Ueberreste de» Präsidenten aufgebahrt sein werden. Die Tapezierer sind .mit ihrer Arbeit bereits fertig, die Gärtner stellen die letzten Palmen auf und'schaffen noch den letzten Blumenschmuck herbei. Im zweiten Stock de» Schlosse» arbeitet Professor St kl nist'seinen Helfern an, der^ Einbalsamierung der Leiche de» toten Präsidenten. Seine, Ach«it„^s^ noch eipjge,.Stpndsn in. An? Uli" bjöäm nyfrW'»IS> " Der akademische Bildhauer Märov s.kh hat nach fast dreistündiger Arbeit die Totenmaske vom Antlitz de» Präsidenten Masaryk und einen Gipsabguß seiner linken. Hand abgenommen. Er reiste sodann von Lana ab. »Um 11 Uhr vormittags wurden photographische und Filmaufnahmen de» Präsidenten auf dem Sterbebette angefertigt.» Da» Antlitz de» verewigten hat föinen ruhigen Ausdruck nicht» verändert,«als ob er schliefe" sagten alle,-die ihn sahen.» Auf dem Lager de» verewigten Befinden sich zwei Rosen« und Nelkensträuße. In dem Sterberaum. Würden grvß« Sträuße, größtenteils roter und/weißer Rosen, niedergelegt, die der Präsident'so geliebt hat. Leihgebühren für ein oder zwei Quarzlampen., Aber nicht mit blauem, sondern mit gewöhnlichem Licht I'! „Wozu denn?" erwiderte» da» Mädchen, .Nvillst du dich bestrahlen?" „Nicht mich", versetzte valerian,„sondern die Bilder will ich bestrahlen."'»»-. „Tu da» nicht", sagte da» Mädchen,„tu da» nlchti.DieseS. starke Licht ist für den Berkaus ganz ungeeignet! ES zerreißt die Wirkung. Das sind deine eigene» Worte; Bilder',' hast du gesagt; sehen in diesem Licht g'espensterhaft aus." „Sie sollen gespcnsterhaft ausschcnl" erklärte Balerifln mit Nachdruck,„frag nicht und tu, wie.ich dir saget"-., „Was hast du dir»denn da für«inen.militärischen Ton. angewöhnt?" begehrte da» Mädchen auf,„da» Paßt mir überhaupt nicht..." Am selben Tag wurde Valerian der Besuch deS Herrn Professor Musentu» und de» Herrn Mf Sydow von der Kunst-Warte-Stelle für den nächsten Aberw-angetündtgt, Bereit»,zw«t Stunden vor dex vereinbarten Zest saß Balerianan keinem Schreibtisch und arvestete an einem Äüf- satz über die Urnensriedhöse in Niedersachsen, Da» Gemach war mäßig erhellt. Eine einsame Lampe warf rin gedämpftes Licht über den Tisch, der mit Büchern, Heften, Zetteln ststd einigen, der. selt- samen Schmuckstücke bedeckt.war, mit denen Valerian sich in den letzten Wochen' befaßt hatte. Außerhalb de» Lichtkreises waren gwn'Stäsfe« leien aufgestellt, deren, häßlich« Holzkonstcüktipsteil von malerisch drapierten"alten Brokaten Verhüllt waren. Auf jeder vonMsten stand«in für alte deutsch«. Kunst upd. Kultur repräsestWve» Wtxk^ An der Wand erhobsich schattenhaft'em- hohes Bücherregal,' pöllgepsropstMt Büchern. An einer änderen Wand stand ein feldbettarttge» sSvfä, wphl» die schlichte Schlafstäste dc» ,G«Iehrten."Eiü Reflektor MitHandgriff lag.guf, hem Schreibttsch. ... M' 21^7 Mittwoch, 18. September 1937 Stile 3 W Ole deutsche Arbeiterschaft in tiefstem Schmerz um den grollen Toten vereinigt“ Belleidskundgebungen der deutschen Sozialdemokratie Für den Parteivarstand und die parlamentarischen Klubs der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei haben Minister Dr. Czech und Abg. Taub an den Präsidenten Dr. Benes und den Gesandten Jan Masaryk Beileidstelegramme gerichtet. Die an den Präsidenten Dr. Benes gerichtete Kondolenz hat folgenden Wortlaut: Hochverehrter Herr Präsident! Jn den Stunden der unfaßbaren Trauer, welche die Republik beherrscht, ist es uns, ein Herzensbedürfnis, Ihnen, als dem Mit-' arbelter, Freunde und Nachfolger T. G. Ma- saryks, zu versichern, daß die deutsche Arbeiterschaft mit allen Bürgern des Staates Im tiefsten Schmerz nm den großen Toten vereinigt ist..Wir sind überwältigt von den Gefühlen, die'auf uns einstürmen, ganz außerstande, ein Leben und Wirken zu würdigen, das seinesgleichen in der Geschichte nicht hat. Wir wissen aber, daß dieser Kampf für Wahrheit und Recht, dieses Werk der- Erziehung der Nation, die Gründung des Staates und seine Erfüllung mit dem Geiste der Humanität, die Grundlegung der Demokratie nicht als bloße politische Form, sondern als Lebensinhalt des Volkes, diese unvergleichliche Einheit von Lehre und Leben, von Gedanke und Tat, fortwirken wird für alle Zeiten. Wir fühlen uns in dieser Stunde tiefer als je verpflichtet, was an uns liegt, dazu belzutragen, daß die Früchte der unvergänglichen Leistungen T. G. Masaryks dem Staate für alle Zukunft erhalten bleiben. So sehr wir empfinden, daß der Schmerz über den unersetzlichen Verlust durch nichts geändert werden-kann, erhebt uns das Bewußtsein, daß Masaryk. in einem selten erreichten Patriarchenalter dahingegangen ist, nachdem es ihm vergönnt war, sein Werk zu vollenden, für die fernste Zukunft zu sichern und in treue Hände zu übergeben. Unter Ihrer Lei tung, hochverehrter.Herr Präsident, wird die Republik dem größten Toten unserer Zeit die Ehrung bereiten, die allein seiner würdig ist: In seinem Geiste weiterzuwirken und seine Grundsätze immer lebendig zu erhalten. Nehmen Sie, hochverehrter Herr Präsident, den Ausdruck unserer innigsten Anteilnahme, unserer größten Verehrung und Anhänglichkeit entgegen. • An den Gesandten Jan Masaryk wurde daS nachstehende Telegramm gerichtet:- Sehr geehrter Herr Minister: Wallen Sie es nicht als bloße Erfüllung einer schmerzlichen Pflicht, sondern als Ausdruck eines im tiefsten Herzen empfundenen Gefühls werten, wenn wir in dieser Stunde unsäglichen Schmerzes Ihnen und Ihren Angehörigen unser innigstes Beileid und unsere herzliche Anteilnahme entbieten. Wir finden in unserer Ergriffenheit und angesichts der Größe des Toten, in dem Sie und die Ihren einen*Vater, wir alle aber ein unerreichbares Vorbild verloren haben, die Worte nicht, die dem Augenblick angemessen wären. Wir wissen auch, wie wenig Worte des Trostes In solchen Stunden vermögen. Wir glauben aber doch aussprechen zu dürfen, daß Sie und Ihre Angehörigen im herbsten Schmerz Tröstung und Erhebung finden müssen in dem Bewußtsein, daß T. G. Masaryk, in einem Alter, das Wenigen gegönnt ist, dahingeschieden ist, als Vollender eines Werkes von weltgeschichtlicher Größe, das Im Bewußtsein seines Volkes und der ganzen Menschheit niemals erlöschen wird, und daß eich die Trauer, die Verehrung und die Liebe aller Bürger der Republik und unzähliger Menschen weit über die Grenzen des Staates hinaus mit Ihrem Schmerz vereinen.' Nehmen Sie, hochverehrter Herr Minister, den Ausdruck unserer ganz besonderen Hochachtung entgegen. Beileid des diplomatischen Korp» Der österreichische Gesandte Dr. Marek hat in seiner Eigenschaft al» intermistischer Dopen des diplomatischen Korps an den Gesandten Jan, Ma sa'tz h'k folgendeA'Kondolenztelegramstt'-gerichtet: „Die" Mitglieder des in Prag" beglaubigten diplomatischen Korps bitten Eure Exzellenz, ihr aufrichtigstes Beileid zu dem unersetzlichen Verluste entgegenzunehmen, den Ihre Familie und die Tschechoslowakische Republik durch den Tod JhreS.verehrungSwürdigen Vaters, Seiner Erzellenz des Herrn T. G. Masaryk, Doyen der europäischen Staatsmänner und Begründer der Tschechoslowakischen Republik, erlitten hat. Seien Sie, Herr Minister, der.herzlichsten Anteilnahme des Prager diplomatischen Korps versichert. Nachruf In der Völkerbundversammlung Genf. In der Vormittagssitzung der Bölker- bundversamyilung hielt-der Vorsitzende Aga K h a n eine Ansprache zum' Gedenken an den verstorbenen Präsidenten Masaryk. Tief bewegt gab er die Nachricht von dem Ableben T. G. „Verdat ihm niemals untreu I" Armeebefehl des Presidenten Dr.BeneS Der Präsident der Republik Hat einen I Kommandanten ehrenhaft mid treu durch Euer MWhhi. fit hem* 1» n Mtaet inirh• amtieS Prfiat imh in ffwrw imh m.rh'et ganzes Leben und in Euerer Arbeit und werdet ihm niemals weder im Friede» n o ch im Kampfe mitreu! Armeebefehl erlassen, in dem ui a. gesagt wird: Der Philosoph und Künder der Demokratie, und ,der tzutnanität und gleichzeitig der Per- t di d i g e rd e s Rechtes a U ch durch d i e. m i l’i t ä r i s ch e M a ch t, geht nach Masaryks bekannt, der, wie Redner sagte, eine so bedeutende Rolle im internationalen Leben und im Leben seines Volkes spielte. Der Redner hob Masaryks Treue zu den Idealen des V ö l k er b un des hervor, zu deren hervorragendsten Anhängern der Verstorbene gehörte, und sprach sodann der tschechoslowakischen Regierung daS Beileid über den schmerzlichen Verlust aus. Die Versammlung ehrte daS Andenken des Entschlafenen durch Erheben von den Sitzen, worauf Außenminister Dr. Krofta mit folgenden Worten dankte: „Mit der größten Rührung' habe ich die Worte vernommen, die unser Vorsitzender liebenswürdigerweise vortrug, um daS Andenken des Präsident-Befreiers der Tschechoslowakischen Republik zu gedenken, der eben verschieden ist. Ich dank« für die Spontanität seiner Worte, die, wie ich sicher bin, von der ganzen tschechoslowakischen. Nation vernommen werden, die in dem berühmten Verstorbenen ihren Befreier ehrt, ihren großen Erwecker und geistigen Führer und die, geleitet von seinen edlen Ideen, in ihrem Glauben an den Völkerbund und sein. Werk unerschütterlich bleiben wird. Prag trauert ES war fast wieder Tag, als in derganzen Stadt noch einmal die Straßenbeleuchtung aufflammte. Für die vielen, di« in dieser ersten* Morgenstunde schon den Weg zur Arbeit antraten, war die» die erst« Kunde von dem Verlust, den sie in* dieser Nacht erlitten hatten. Rasch belebt sich da» Straßenbikd, kurz nach* vier Uuhr eilen* die ersten Kolporteure mit den Extraausgaben der Blätter durch die Straßen. Schweigsam und ernst nehmen die Menschen die Nachricht auf. Sie kommt nicht* unerwartet; aber nun, da das Gefürchtete Wirklichkeit geworden ist, lastet er nicht weniger schwer auf ihnen, als wenn es sie unvorbereitet getroffen hätte. Es* gibt in diesen Stunden in Prag nur*ein Wort und einen*Gedanken: Masaryk. Es liegt ein schwarzer Schleier Über der Stadt, der alles unwirklich erscheinen läßt. Längst schon haben Zehntausende die Straßen überflutet, der Tag der Großstadt hat voll. eingesetzt, doch heute ist es still geblieben. Die Häuserfronten bedecken sich mit Trauerfahnen,* die öffentlichen Gebäude und die Sitze der ausländischen Vertretungen flaggen auf Halbmast, selbst die Straßenbahn, die noch vor wenigen Tagen mit bunten Wimpeln fuhr, kreuzt jetzt die schwarzen und" vervollständigt das düstere Bild.: Je weiter der Tag vorrückt, um so stärker werden die Menschenansammlungen; in den Auslagen der Geschäfte erscheinen Bilder und. Büsten des verstorbenen Gründers des Staates, bei den Zeiiungsständen haben di« schwarzen* Trauerrahmen alles* andere in den Hintergrund gedrängt. Jetzt, da alle die Botschaft erfaßt haben, richten sich die Gedanken auf di« nächsten Tage. Vor der Burg, vor dem Museum, an allen historischen Stätten Prags stauen sich die Menschen. Prag trauert und Prag wartet. So oft hat es Masaryk bei seinen Wahrten durch die Hauptstadt zugejubelt, nun blickt es dem Tag entgegen, an dem es sich zum letzten Mal vor ihm verbeugen wird. Nassen auf Halbmast P r» g. Im Hinblick auf das Ableben deS Präsidenten.Befreiers T. G. Masaryk wurde amtlich angeordnet, daß im gesamten Staatsgebiete auf allen" staatlichen Gebäuden unverzüglich die Staatsflaggen auf Halbmast gesetzt, oder Traner- fa.hnen gehißt werden und daß sie dis 8 Uhr abends am Tage des Begräbnisses deS Präsidenten Masaryk gehißt bleiten. KondolrnzbÖgen sind in der Kanzlei deS Präsidenten der Republik, im MInIsterratSpräsidium, im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten in.Prag. sawie bei den Landesbehörden in Prag, Brünn, Bratislava und Ujsharad und lei allen Be- zirksbehörden aufgelegt,. Auf Schloß' Üäny liegen keine Kandalenzbögen auf. Burgfrieden Sämtliche palitischen Bersammlungen, Konferenzen und Kundgebungen, die für die Tuge anberaumt wurden, welche, in die Zeit der Dtaatstrauer fallen, finden nicht statt. Trauersltzun8en der beiden Kammern ■' Die Dispositionen für die Trauersitzungen beider Häuser der R a t i o-n a l v e r s a m m- l u n g werden in einer gemeinsamen Sitzung der beiden Präsidien getroffen werden, die für Mittwoch halb" 12 Uhr einberufen wurdei Im parlamentarischen Sparausschuß würdigte' dessen* Vorsitzender Abg.* B eran""in* einer eigenen Trauersitzung die Arbeit und dar Lebenswerk des größten Tschechoslowaken T.. G. Masaryk und betonte, daß das Andenken der Verstorbenen am besten durch Arbeit in seinem Geiste für Staat und Bevölkerung geleistet wird.* In diesen Intentionen werde auch der«NxlrauSschuß in seinen Arbeiten* fortfahren. Trauenftzung des Partelvontandet der tschechischen Sozialdemokratie ■ Dienstag nachmittags hielt" das Präsidium dir tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Prag ein« Trauersitzung* ab,* bei welcher der Parteivorsitzende, Abgeordneter A. Hamp l, die Trauerrede hielt. Er verwies u. a. * darauf, daß Masaryk ein"großer Freund und ein* * ergebener Mitarbeiter des gesamten arbeitenden Volkes war. Bereits vor einem halben Jährhun- de'rt prägte er die* Worte, daß*' die tschechische Frag« eine" soziale Frage ist.* Er beschäftigte* sich theoretisch mit" der sozialen* Frage und* griff auch ptaktisch-in'alle unsere sozialen Kämpfe ein.!-:'**"" Die' Feier schloß mit einer.geMeinsamin "!Lräu^hkuiiMebung,."'".i-'*7'**.- ! Dank an die Aerzte** "/ Der Vorsitzende der Regierung Dr, H od i a hat Dienstag früh* bei feiger Abreise auS/,Lmta MäsarM Leibarzt'Dri Mst i x.N ckr eMaggesi, 'dem ser, M-all. pie/.Fürsprge/dggkte",, die.-er*.dtzig* Verstyxbesten! durch' eiye'.Reihe,', von!. Jahren gyd insbesondere seit" dessen, Srssankung" iyi, Jghr« 1834 widmete." Dr. Hodjn hat auch* den Professoren. Dr. H y,n*e"k>Dr.* Iiräsel und Doktov Weber den Dank M die Behandlung uusge- S' rächens die'MchM HiAstdenten Mden,itetzte n k, bem"er',fiir die gewissenhgfteg und treuen Sekre** tärdienste, die er dem Präsidenten Masaryk leistete, Dank und Anerkennung aussprach.' Abschluß seiger"großen Lebensbahn und nach einem'Leben van reich« Mille, das in der Welt wenig seitzesgleichm hat,, van«ns. E r w a r. s'i n' g r a tzerS vldat des LebrnS. In den: neugeschasfeuen tschechoslowakischen Staat wurde*« der,van olle:: anerkannte geistige und politische Führer, der farg- fältig auf die. valte Sicherheit" unseres Staates durch die Organisierung des Friedens im Weg« des"h^ernatiana'len".Einvernehmens, bedacht war, aber, gl.« i-chz eit ig mit fe st er Ha n d ,d ie G r und l a g.e.st. d e.rg.u t.r'n ü n d b ab s'0.n en'"s.'s'ch. e^ch oslaw a k is ch en Armee s,ch u.f, der heute.die*schwere Aufgabe" der Verteidigung der' Tschechoslowakischen Repu- M zufällt. .*.* Er war ein Illuster ter> eisernen Willenskraft und persönlicheu Tapferkeit, Selbstdisziplin, kritischer Zurückhaltmig und der Mäßigung"inj allen Angelegenheiten und übte unerbittlich a(I& Pflichten auS, die ihm das Leben auferlegt«. In d e r t s ch e ch a s l a w a k i s ch e n A r m e e tvird.^äsA.ndenk o n biefeS«raße« B etstzie ls ru-mvotl wei t e r*» le t en... - Der große Soldat T. G. Masaryk ist gestorben. Bewahret das Andenken an Eueren. ersten Armeetrauer bis 26. Oktober Durch einen Armeebefehl deS Präsidenten der Republik wird" für* die Zeit vom 14. September bis 26.', Oktober die Armeetrauer"angeordnet. Offiziere und* Rottmeister-tragen" in dieser Zeit Trautzvschlelsen' am" linken Arm. Die" Fahnen und Standarten der Arist««' führen*' eiste schtvarze Trauerschleife, die Militärkapellen dürfen in dieser* Zeit nur die Staatshymne und andere ernste sowie Trauerkompositionen führen. Bis 20 Uhr deSKegräbnistages sind ,äuf allen* militärischen Gebäuden die Staatsflaggen ayf Halbmast, bzw. "Trquerfahnen zu hissen. An dein Leichenbegängnis werden neben den höchsten Repräsentanten der Armee alle höheren Kommandantin vom Divisionskommandanten an, diexHnstmandanten der Truppegkörper mit Fah- iW^hnd Standarten jsöwi« Fahnenwachen teil» nehmen. Das Ehrengeleite. Masaryks güf seinem lihtenMege wird di« gesamte Prager Garnison, «rhanzt durch die Garnison vost Berastn,,* das Jnstruktionsbataillon Milopiee und die" Kaval« leri«regimenter 1 und 8 bilden. Die Angehörigen dieser.Formationen, die am 15. September ab« Mtey Mitten, werden erst nach dem Begräbnis Wlassen-cherden." hsssksk um! üle Deutschen In den„Lidovä Noviny" schreibt Abg. Wenzel I a k s ch: Ein Bannerträger der Menschheit hat uns verlassen. Was er für sein Volk bedeutet hat, wer- den meine tschechischen Freunde besser zu würdi- gen verstehen.* Vielleicht* werden-erst-kommende Geschlechter sein Werk erst in seiner ganzen leuchtenden Größe begreifen. Wir wissen aber, daß sich in dieser ergreifenden Stunde des Abschieds von einem der größten Zeitgenossen auch alle menschlich fühlenden Deutschen dieses Landes. in die weltumspannende Trauergemeinde einreihen. Das humanistische Deutschtum hat an Masaryk einen großen Freund verloren. Er tvird uns auch weiterhin ein großes Vorbild bleiben. Masaryk hat das Höchste erreicht, was ein Mensch und Politiker erreichen kann. I» den Blättern der Geschichte suchen wir vergeblich das Beispiel eines Mannes,, der in gleichem Maße die Liebe seiner Freunde und die Achtung seiner Gegner genoß. Masaryk hat Beispielloses für sein Volk geleistet, doch diese Erfolge sind nicht un: den Preis des Hasses und der Kränkung anderer Völker erkauft Ivorden. Niemals, auch nicht auf dem Höhepunkte der Nachkriegsdifferenzen zwischen Tschechen und Sudetendeutschen, ist von deutscher Seite die sittliche Größe dieses Mannes angezweifelt worden. Die Lauterkeit seines Wesens, die absolute Ehrlichkeit seines Wollens hat immer wieder auch die gewaltige Mehrheit seiner deutschen Landsleute fasziniert. Er war der Kristallisntionspunkt aller Bemühungen um die Annäherung der Volksstämme unseres Landes, Symbol des nationalen Friedens und d«r gemeinsamen mitteleuropäischen Mission der Tschechen und der Sudetendeutschen. Es kommt der Tag, an dem das Lebenswerk Masaryks auch im weiteren mitteleuropäischen Umkreis seine Früchte trage« wird. Das große deutsche Nachbarvolk wird sich mit seinen Ideen positiv auSeinandersehen müssen, genau so wie das fortschrittliche Ungar« und Polentum. Denn die geistige und politische Haltung Masaryks ist im edelsten Sinne beispielgebend für alle, die um ein neues friedliches Europa freier Völker ringen. Masaryk hat durch Wort und Tat bewiesen, daß heiße Liebe zum eigenen Volke glücklich mit dem freudigen Bekenntnis Menschheit und zu ihren höchsten Idealen zu verbinden ist. Sein Lebenswerk war ein grandioser Versuch,-den Ausstieg des eigenen Volkes in Einklang zu bringen mit der. Höherentwicklung der Menschheit. Damit hat er die Lehre und die Methode des humanistischen Realismus begründet. In dieser Methode ist kämpferische Größe und weise Selbst» beschränkung umschlossen. Masaryk stieß, wie alle Bahnbrecher dos Fortschritts, an die Schranken seiner Epoche. Doch die Nachwelt wird ihm das Ehrenzeugnis ausstellen müssen, daß er" für seine Ziele Mut und Weisheit und Entsagung ohnegleichen zum Einsatz gab. Tief sind di« Spüren, die das Wirken Masaryks in ein halbes Jahrhundert mitteleuropäischer Geschichte eingegraben hat. Kraswoller als Generale und Potentaten griff er in den Lauf des Weltgeschehens ein. Denn Masaryk war ein Führer im schönsten Sinne des Wortes. Als Staatsmann griff er nach dem höchsten Lorbeer. Als Gelehrter regierte er in den weitesten Regionen geistiger Universalität. Als Mensch blieb er dabei von einer rührenden Reinheit und Bescheidenheit. Noch in seinen Altersjahren leuchtet« sein Genius wie ein milder Siern Über dem KampfgewÜhl.der Zett. Welch, ein Leben I Welch ein Vorbild I Dies sagen, wir dem ersten Präsidenten"in tiefer Dankbarkeit zum Abschied, daß er es war, der in vielen schweren Stunden unter den deutschen Republikast«rn den Glauben an das Werk der nationalen Verständigung aufrecht. erhielt. Der nachwirkende Einfluß seiner gewaltigen* Persönlichkeit soll uns auch in Gegenwart und Zukunft die stärkste Bürgschaft des Gelingens seist. Oft fragten wir uns beim Durchblättern der „Weltrevolution" oder von Eapeks„Gespräche mit Masaryk", um wieviel glücklicher die jüngste Geschichte unseres Kontinents verlaufen wäre, wenn das deutsche Volk in historischen Augenblik- ken sich des Glückes einer solchen Führung, erfreut hätte. Daß ein Man von solchen Graden in einen dramatischen Konflikt, mit der. deutschen Nachbarschaft verwickelt wurde, ohne,eS selbst zu wollen, ist ein Stück von der europäischen Tragödie, die wir durchleben. Das humanistische Bekenntnis Masaryks und das groß« Vermächtnis dieses demokratischen Idealisten mit dem vollendeten RealitätSsistn haben uns den Ausweg aus den unseligen Verstrickungen der Gegenwart vqr- gezeichnet. Keine bessere Ehrung dieses einzigartigen Mannes ist möglich, als seinem Gmste unerschrocken zu folgen und für die Verwirklichung seiner hohen Ideale, zu streiten.iMöge uns allen, die wir uyS.tief vor seiner Bahre neigen,, dies« hohe" Ausgabe gelistgen zum Besten der Republik, zum Heile ihrer Völler! Alle Filmvorführungen eingestellt . Der Verband der Filmindustrie und d«S -Handels In Prag gibt feisten Mitgliedern" bekannt, daß*b iS auf weiteres sänMche öffentliches^Filmvorführungen in den Lichtspieltheatern. auf dem ganzen Gebiete der Tschechoslowakischen Republik eingestellt werden. Gezeichnet: Generalsekretär Dr. Ort. Seite 4 Mittwoch, 15. September 1037 Nr. 217■ Tiefer Eindruck im Ausland Nachrufe in der tschechischen Presse Zckkunft im Leben brr Bewohner der Republik her« vortreten, »Pr仫 Lid«":»Der Grüßte unseres Zeitalters" Die Tschechoslowakische Republik ohne Masaryk! ES gibt nicht einen Bewohner unserer Republik, mag er welche Sprache auch immer reden, d«r nicht erregt die geschichtliche Schwere dieser Gedanken- empfinden würde... Er sind dor allem die arbeitenden Schichten, welche von der Nachricht der Toder am schmerzlichsten berührt sind. Auch der letzte Arbeiter hei unr wußten daß in dieser Republik nicht- gegen ihn geschehen wird, solange an der höchsten Stelle Masaryk sitzt. Welch unermeßlichen Einfluß dar auf dar Denken der Arbeiterschaft ohne Unterschied der Nationalität in diesem Staate hatte, auf den Geist der Sozialismus in seinen-Grenzen! imK aus die Taktik-der staat-schöpferischen sozialistischen Parteien in der Republik Ist allgemein bekannt... ES ist der Größte unsere- Zeitalter» abgetreten. wird in Jugoslawien tief gefühlt, da der große Staatsmann Patriot und Befreier seine» Landes einmütige Achtung genoß." Auch die bulgarische Presse verfolgt mit ungetvöhnlicher Teilnahme da» schmerzliche Ereignis. Am Tage des Begräbnisse» wird im- katholischen Dom in Sophia ein TrauergotteS- dienst stattfinden. In P o l e n fand die Nachricht vom Ableben Masaryks ein schmerzvoller Echo. Die polnischen Morgenzeitungen veröffentlichen daS Bild de» Verstorbenen an erster Stelle und schildern auil- fang wiederherstellen werden. Die'friedliche Schiffahrt jm Mittelmeer bedrohen, heißt, den Welthandel bedrohen. Lin'dieser Zone die Sicherheit der Schiffahrt wiederherstellen, heißt. eines der Lebenszentren der Zivilisation,zu schützen»" ... Dann ergriff Litwinow das Wort. Er sprach namens des- Sowjetverbandes. seine Genugtuung darüber aus, daß Rußland diesen Ber- trag, unterzeichnet hat. Die Einsvqnde, von denen wir in.den ersten Tagen gesprochen haben», sagte er, find hinfällig geworden, al» sich England und Frankreich entschlossen.hatten,' die, Seekontrolle im Mittelmeer s e I b st sicherzustellen. Er betonte, daß der Sowjetverband, frestvillig auf.'dse Beteiligung an der Kontrolle verzichtet habe. '..Eden beglückwünschte Delbos zur erfolgreichen Leitung der Konserenz und fügte, hinzu:- „Ich hoffe, daß unser Abkommen die ganze Welt gMeißen wird und daß,ihm alle, Lander bettre- ten werden, alle Staaten, die an, seiner Durchführung interessiert sind/ ob,sie nun, hier vertreten sind oder nicht.- Ihre Mitwirkung.wäre die beste, Krönung unseres Werkes." , Die Sitzung wurde um 13 Uhr 5 Minuten geschlossen'und'die Delegierten kehrten sogleich nach ,Genf zurück. Hallens Antwort Rom. Die Antwort der italienische« Re- giernng wurbe noch Dienstag abends deut'britischen und franzSstschen diplomatische« Vertreter überreicht. Italien erNärt in dieser Antwort, daß e» nicht beabsichtig, an dem RyonerPlan teilzunehmen, es wäre denn, dass JtaNen die Teilnahme am Patrvuillen- d i en st auf Grund voll k o m m e n e r Gleichberechtigung-«gesagt wird« führlich Leben und Werk T. G, Masaryk». Auf dem internationalen. Antialkoholkongreß,. der ge- genlvarng in Warschau stätkflndet, hielten Doktor^ Heleod(Schweiz), der ehemalige polnische Ge- sündheitSntinister'Dr» ikh'odzko.unddfr Gesandte. Dr. Glavik Trauerreden. Der sözialistische„Den- nik Ludovy" veröffentlicht auf der Titelseite in Form einer Glosse folgende Sätze:„Der große Demokrat T. G. Masaryk ist gestorben.,Mit seinem ganzen Leben erbrachte er den Beweis, daß der große Staatsmann seine nützliche Arbeit für da» Land mit der Achtung der Rechte der Gesell» schäft und de» Bolle» in Einklang bringen kann". DaS Regierungsblatt.„Kurier Ezerwony" bemerkt, daß der Tod Masaryk» die ganze Tscheche« slowakei in Trauer versetzte und daß die Tschechoslowakische Repubsik in dem Berstorbenen ihren größten Staatsmann verloren habe. Aus der Fülle der Würdigungen, die dem - Leben und Wirken de» großen Toten, in der tschechischen Rresse gewidmet sind, heben wir nachstehend einige hervor: Lidovt Noviuy!....„mit ewige« Lebe« bedacht Es gibt Leben, die nach Unsterblichkeit rufen. Masaryk» war einer von ihnen. Wir haben un» an seine Unsterblichkeit gewöhnt. Er war dier nicht nur verwegen, weil er so hoch über uns allen schwebte, weil er sich für un- in Räumen verlor, wo wir gewohnt sind, un» Wesen vorzustellen, die mit ewigem Leben bedacht sind, es war Vie» einfach derselbe hartnäckige Glaube, wie wir ihn in die Unsterblichkeit unteurer, teuerster Menschen haben, in die Unsterblichkeit unserer Gattin, unserer Kinder, deren Tod nie- mal» in unsere Vorstellung eingeht. Karel ilapekr„Ein Herrscher in der Fülle der Liebe" ES starb ein Alter in der Fülle der Leben», ein Mann in der Fülle der Ehre und ein Herrscher in der Fülle der Liebe. Ein solcher Tod ist nicht» al» Erfüllung. „Eeski Slovo":„Gut, wahrhaft und gerecht" Der Name Masarhkr war unser großer Rühm. Dieser Name ertönte wie die Kriegrtrompete s roher Schlachten, in denen er gekämpft hat, immer Ehrenhaft und ftir eine gute, wahrhafte und gerechte Sqche, Iveil er so gut, wahrhaft und gerecht war. Seine Worte erklangen vielen zu streng, aber die Strenge —--- er« kam au» dem Herzen, welcher sein Volk gebildet stark sehen wollte, fähig, sich die Freiheit zu kämpfen und dieser Freiheit würdig- sein. „Närovni Lifty":„Unsterblicher Ruhm" Dar Leben Masaryk» war der lebendige Ausgleich zwischen den Zicken der Staäteni die auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit und ihre» Lebens nach Höherem streben und zwischen der Erfüllung der großen Aufgabe, welche die Geschichte der tschechoslowakischen Nation in ihrem geographischen Siedlungsgebiet bestinmüe. Dafür gebührt ihm für'alle Zeiten unsterblicher Ruhm und Dank. Abg. Rudolf Beran im„Benkov":„Ständige Quelle für da» Suchen der Wege zur Staat-führung" Welchen Einfluß feine Persönlichkeit in der Geschichte der Tschechoslowakei hinterlajsen, wie lange sie eine ständige Quelle für da» Suchen der Wege zur Staatsführung, für da» Zusammenleben aller Nationen, der Läiwer und für die europäische Demokratie sein wird, dar alle» wird die Geschichte beurteilen. Je größer der Abstand von der Gegenwart sein wird, desto klarer wird die Gestylt Masaryks, sein Einfluß auf die Gegenwart und sein Echo in der „Lidovt Lisch":„Er hat sich seine» Nachfolger erzogen" Als ein wirklich seltener Mensch von schöpfe- rischem Geist,.der zweifellos den Mut hatte, sich seiner eigenen Irrtümer zu entledigen, und sie belehrt durch Erfahrung und Mer zu korrigieren, hat er sich auch seinen Nachfolger erzogen, der im Geiste seine» staatsmännischen Vermächtnisse» wirkt. Präsident Bene» ist aur seiner Schule hervorgegangen und die Schule T. B. Masaryk» hat eine Tradition begründet, welche den Ruhm der tschechoslowakischen Politik bildet und da» Muster der aurwärttgen Demokratien ist. „Veöernik Prtvo- Lid«":„Die Sozialdemokratie de« Vermächtnis treu" Dar arbeitende DoT der Republik und insbe- sondert die lvzialdemokrattsche Arbeiterschaft bleibt für immer dem Vermächtnis des großen Lehrer» und rechten Führer» de» Volke» treu, der vom Volk geliebt wurde, wie kein anderer, weil er aus dem Boll hervorgegangen und dem Volk treu geblieben ist.., Ein Mann ist abgetreten. E» bleibt da» Symbol. ES bleibt dar Werk. And au» dem mächtigen Geist bletbt so piese». lebendig,, daß davon ganze Geschlechter- leben werden.. Nyon. I« einer vertraulichen Sitzung der Mittelmeerkonferenz, die Dienstag mittags der öffentlichen Sitzung vorangang, teilte Minister Delbos den Delegierten mit, daß im Sinne des Beschlusses der vorangegangenen Konferenz die diplomatischen Vertreter Frankreichs und Großbritanniens in Rom eine Demarche beim italienischen Außenminister Man» unternahmen, um die italienische Regierung zur Teilnahme an der Kontrolle einzulade«. Minister lliano erklärte, er würde dem Ministerpräsidenten darüber berichten. , Sn der anschließenden öffentlichen Koufe- renzsitzung unterzeichnete Delbos, der Borsitzende der Konferenz, al- erster das Ryoner Abkomme». Hierauf unterschrieb Eden und die Vertreter Bulgarien», Aegypten», Griechenland», Rumäniens, der- Türkei, de» SowjetverbandrS und Jugoslawiens. In einer Schlnßansprache sagte DelboS:' «Dank dem guten Willen und der Bereitwilligkeit zur Zusammenarbeit und zur Entschlossenheit, die alle Delegationen im gemeinsamen Interesse bekundet haben, ist es in wenigen Tagen gelungen, diese» Abkommen mit einer Schnelligkeit zu ver-' wirklichen, deren meralische Wirkung eine der ersten Garantien des Erfolge» ist. Da» Abkommen setzt praktische und wirksame Maßnahmen fest, die ohne Verzug zur Durchführung kommen werden. vereinbarung-gemäß behalten wir unS vor, dieverstärkungdie- s e r Maßnahmen, wenn e» notwendig sein wird, zu studieren, aber ich bin überzeugt, daß die getroffenen Maßnahmen dem Piratenunwesen ein Ende setzen und die Freiheit und Sicher, heit der Schiffahrt im Mittelmeer Im vollen Um-1 „Närovni Orvobozeni":„Der gute Genius unsere» Volke»» Und so kam dar Ende... do» Ende dicke» grandiosen Lebenr, der Tod de» guten Geniur Unsere» Volke»... da» Herz zieht sich vor Schmerz zusammen. Väterchen Masaryk ist nicht mähr unter un»— wie schwer, überschwer ist dieser Augenblick. Wir alle in unserer nattonalen und staatlichen Familie sind. Waisen. Abkommen von Nyon unterzeichnet Einladung an Italien zur Nitarbeit Danziger Zwischenfall Warschau. Die Danziger Polizei hat drei polnische Briefträger bei der Ausübung ihres Dienstes verhaftet und die polnischen Zeitungen, die sie den Adressaten zustellten, beschlagnahmt. Der polnische Generalkommissär protestierte gegen diesen Schritt der Danziger Behörden und verwies darauf, daß diese Maßnahmen im Widerspruch zu den Danzig-polnischen Abkommen au» den Jahren 1021 und 1922 stehen. Er machte darauf «yrfinerksaim daß die polnischen Beamten in Dan- ,-ßig'nur den polnischen Behörden unterstehen und daß die Korrespondenz, die aus Polen durch die polnische Post abaeieriigt wird, von. den Organen der freien Stabs nicht zensuriert oder konfisziert »erden kamt« I „Dar Stolz Europas" Da» Wieben des Präsidenten Masaryk hat in der ganzen Welt tiefe Bewegung hervorgerufen. In Genf, wo soeben die Bölkerbundver« sammlnng tagt, steht alle» unter dem Eindruck der Todesnachricht. Der tschechoslowakischen Delegation wird von allen Seiten und von den Vertretern aller Nationen das tiefste Beileid zum Ausdruck gebracht. Alle Außenminister u. a. Delbos(Frankreich), Motta(Schweiz), Anto- ne»cu(Rumänien), Beck(Polen), Schmidt (Oesterreich), Holst!(Finnland), Nunter»(Lit- tauen), Litwinow(Rußland), Spaak(Belgien) sprachen ihrem Kollegen Krofia ihre Teilnahme au». Dr. Krofia Hai Dienstag Abend Genf verlassen und sich nach Prag begeben. In P a r i» wurde die Trauernachricht früh durch den Rundfunk verbreitet. In den Funkrelationen wird der großen Bedeutting Masaryks ausführlich gedacht. Auf dem tschechoslowakischen Pavillon der Weltausstellung weht die Staatsflagge auf Halbmast, die Büste des Präsidenten Masaryk, die in der Zentralhalle steht, ist in schwarzen Flor gehüllt, die Besucher entblößen vor der Büste ehrfurchtsvoll ihr Haupt. Das Mittagsblatt„Paris midi" nennt Masaryk den Väter seines Vaterlandes und den Stolz Europas. Eine Entscheidung darüber, welche Persönlichkeiten Frankreich bei dem Begräbnis vertreten werden, ist noch nicht getroffen worden, man ist aber der Ansicht, daß eine besonders zahlreiche Delegation nach Prag entsandt werden wird, darunter auch Vertreter der französischen Armee. Der Präsident der Republik Albert Lebrun hat an den Präsidenten Dr. Bene» eine Depesche gerichtet,, in der er Masaryk einen der berühmtesten Repräsentanten der' demokratischen Bestrebungen nennt und sagt, daß der grausame Berlust, der die Tschechoslowakei betrifft, alle berührt,„welche unser gemeinsames Ideal teilen". Der französische. Innenminister Dormoy hat allen Präfekten Frankreich» angeordnet, zur Ehrung des Andenkens des Präsidenten Masaryk in ganz Frankreich die Staatsflaggen auf allen staatlichen und öffentlichen Gebäuden bi» zum Tage des Begräbnisses Masaryks auf Halbmast setzen zu lassen. In Pari» wurde diese Anordnung noch in: Laufe de» Dienstag-Wend durchgeführt. In L o n d o n wurde die Nachricht von dem Ableben in den frühen Morgenstunden durch daS Reuter-Büro bekannt und rief in breiten Kressen tiefe Teilnahme hervor. Ueber die Bedeutung Masaryks sprach um 9 Uhr abend» im englischen Rundfunk Masaryks Freund Wickham Steed. Im D e u t s ch e n Reich hat die Nachricht vom Ableben Masaryks wie das sschechoslowa- kische Preßbüro meldet„die größte Anteilnahme" hervorgerufen„und überall kann man feststellen, daß sich die deutsche Oessentlichkeit- bewußt ist, welch bedeutender Mann dahingegangen ist"« Die Wiener Mittagsblätter bringen ausführliche Berichte über das Ableben Masaryks, Biographien und Bilder des Verstorbenen. ES werden Vorbereitungen für Maffenexkursionen zu den Trauerfeiern nach Prag getroffen. Die Nachricht hat alle Wiener BevölterungSkreise tief bewegt und hat sich wie eine Lawine-unter den zur Arbeit eilenden Menschen berbreitet. Ueberqll war das Ableben des großen Mannes Gegenstand lebhafter Debatten und aufrichtigster Teilnahme. Auch in R o m rief die Todesnachricht tiefen Eindruck, hervor, da Masaryk in ganz Italien allgemeine Verehrung genoß. Die tschechoslowakischen Gesandtschaften beim Quirinal und beim Heiligen Stuhl erhielten zahlreiche Kondolenzbesuche und»telegramme. Die Blätter veröffentlichen die Biographie Masaryks, bringen sein Bilb und betonen seine Verdienste um die Tsche- chosloivakische Republik. Die rumänische Oeffentlichkeit wurde durch Extraausgaben der Bukarester Morgenblätter von dem Ableben des Präsidenten informiert und m den weitesten Kreisen des Landes, in dem der große Tote Volkstümlichkeit und Verehrung genoß, ist der Eindruck sehr stark. Ebenso hat in B e l g r a d dar Ableben de» größten ManneS der Tschechoslowakei-die tiefste Anteilnahme hervorgerufen.„In ernsten und schmerzlichen Augenblicken" so meldet da» Tschechoslowakische Preßbüro,„dokumentieren sich am besten die Gefühle, die beide Volker Vereinen, deren Schicksal so eng verbünden ist... Der Verlust, der die Tschechoslowakei betroffen hat, Palästina-Debatte In Genf Genf.-Der Völkerbundrat trat Dienstag nachmittag» unter dem Vorsitz de» spanischen, Delegierten Regeln zu einer Sitzung zusammen. Der britische Außenminister Eden befaßte sich mit der Palästinafrage und forderte, daß. der, Böllerbundrat die englische Regierung zur Aufnahme von Verhandlungen ermächtige, welche zur Teilung Palästinas führen sollen. In der sich entspannenden Debatte konstatierte der Vorsitzende der Mandatskommission Ort», die Kommisswn sei zu der Ansicht gelangt, daß das Palästinamandat undurchführbar sei und daß die Kommission der Teilung Palästinas i m P r i n• zip zustimme. Sollte sich aber die neue Lösung als nicht möglich erweisen, müßte das auf Grund des gegenwärtigen Mandates geltende Regime beibehalten werden. Es soll bereits der nächsten Sitzung ein Bericht vorgelegt werden. Japaner-Vormarsch stockt Schanghai. Die Zurücknahme der chinesischen Truppen auf die stark ansgebauten Verteidigungsstellungen leim Rordbahnhof, Lijuang und Lotte«, vollzieht sich, wie japanischerseits zu. gegeben wird, unter dem Schutz der Artillerie, in voller Ordnung und ohne daß es den japanischen Truppe» bisher gelungen wäre, die chinesische» verbände alzuschneiden. Angriffe größerer japanischer Tankformationen an verschiedenen Stellen der Front wurden von den chinesische» Truppen abgeschlagen. Der Bor marsch der Japaner^ an dem nördlichen Frontabschnitt Liuhang und Lotten scheint zumStehenge- bracht worden'zu sein. Die chinesischen Truppen-haben in der Nähe der Station* Tjentiungan im ersten Wschnitt der Eisenbahnstrecke Schanghai—Wusung, d.{. gleich westlich der japanischen Kaserne und der Marine- streitkräste, die ihren Standort nordwestlich von Honkeu haben, einen großen Brand gckegt. Man ist der Ansicht, daß dieser Brand den Zweck hat, den Raum zum Ausbau'der neuen Rückzugsstellungen frei zu bekommen. Guerillakrieg hinter der Front. Auch die japanische Offensive auf leiden Seiten der Bahn Tientsin—Puka« kommt infolge von ungeheueren Regengüssen, wie sie seit 28 Jahren nicht erlebt wurden, nur langsam vom Fleck. Durch den Dauerregen sind die wenigen Straße» stellenweise völlig ausgeweicht, und ,dir Anforderungen, die gn Mensch, Tier und Fahrzeug" gestellt werden, sind naturgemäß un- geheuer. Dazu sind«och die Kanüle überschwemmt. Ein ernste- Problem für die japanischen Truppen bilden die Banden, die im Hinterland einen Gu e rillakri e g führen, dessen Unterbindung eine»« starken Etappmschntz notwendig macht. Kan top. Fünf japanische Kriegsschiffe haletöDienStag früh die'Festtmgen bei Boeatigrie zwischen Kanton und Hongkong bombardiert. Die Fefttmgen erwiderten daS Feuer und chinesische Flugzeuge stiege» auf, um eine» Angriff auf die japanische»« Kriegsschiffe zu unternehmen. Die Flugzeuge vomlardierten die Kriegsschiffe und beschädigte» sie schwer. Man ist. der Ansicht, daß' die chinesisch«« Festungen nur teilweise beschädigt wurden. 40 Zerstörer Im Mittelmeer London. Nach einer Meldung der Admiralität bereiten sich der leichte Kreuzer„E a i r o" und die vierte Torpedoloot-Zerftörer-Flottlle, die anS nein« Schiffen besteht, zum Auslaufen in daS Mittelmeer vor,, um an der Kontrolle zur Be- kämpfung>de» PiratentumS teilzunehmen. ES wurde noch nicht festgesetzt,, wann diese Kriegsschiffe die Anker'lichteu werden. Solakd'sich diese Flotllle im Mittelmeere befinden wird, werde«« dort insgesamt 48 Torpedobootzerstörer versammelt fein. Die KQhnhelt der Interventionisten Rom. Man kündigt offiziell an, daß der 29. Oktober ein nationaler Trauertäg für die italie- nischen Legionäre sein wird, die in.den Kämpfen der' spanischen.Rebellenarmee gefallen find.-An allen italienischen Gegenden,' wo Gefallene der Legionär« zu Hause stnd. werden Denkmäler enthüllt werden oder wird der Grundstein zu ihnen gelegt werden, auf denen die Namen der Gefalle»' nen eingemeißelt seit« werden:.>.., Kontrollbeamter verschwunden London. Der Kapitän des deutschen Dampfers„Gtrgenti" hat dem NichteinmischüngSamt ist,. London geweidet, daß am 11. September ayf der. Höhe von Uschant ein Pyknischer Beobach tu n«S-) beämter mit Namen KjstinU verschwunden fei. Als mast, dest Beamten vermißt. habc, sei daS Schiff umgekehrt und habe erfolglos bis zum Einbruch der Dunkelheit die See abgesucht. 100.000 Francs Belohnuna Paris. Die französische Regierung hat«ine Belohnung von 10Vl890 Fräne» für, Vie. Pstfost oder die-Personen' auSgeschrieben.diezür Ber-' Haftung der Urheber des samstägigen«ttentätes auf« die Käufer des BerbandeS der französischen' Arbeitgeber beitrage»« Nr. 217' Mittwoch, 15. September 1937 Seite 5 Sudetendeutsche Trauer Gleichsam kraftlos strahlte die Sonne, nach langen Regentagen, Dienstag morgens über destr sudetendeutschen Gebiet. Trauerstimmung hatte auch dort die Millionen, die guten Willens sind, ersaht, denn wie ein Lausfeuer ging auch durch unsere Städte die niederdrückende Botschaft, daß der beste und größte Mann des Landes in tiefer Nacht seine edle Seele ausgehaucht hatte. Bon Mund zu Münd ging die Trauernachricht, und bald von Hand zu Hand wanderten die Sonder- AySgaben der deutschen Provinzblätter und die hauptstädtischen Zeitungen, die Masarhks Tod vermeldeten und die die ersten Würdigungen dieses überreichen, vielbewunderten und so unendlich tatkräftigen und beispielhaften Lebens brach, ten. Ehe noch die schwarzen Fahnen von den öffentlichen und von den Privatgebäuden wehten und noch bevor behördliche Weisungen erfolgt waren, wurden alle Unterhaltungen, Theater- Vorstellungen und Tanzfeste abgesagt. Gedrückte Stimmung herrschte in den Lokalen, in den Werkstätten und Fabriken. Auf den Straßen und Plätzen standen die Menschen in Gruppen beisammen und gaben ihrer Trauer in Wort und Haltung Ausdruck. In vielen sudetendeutschen Städten traten die Gemeindevertretungen sofort zu Trauerkundgebungen zusammen und vom Egerland hinüber bis ins schlesische Gebiet gibt es keine sudetendeutsche Stadt, die nicht sofort an die Vorbereitung einer großen und würdigen Trauerfeier schritte. Einzeuie Städte, so Letschen, werden am Bestattungstage dem wehen Empfinden des sudetendeutschen Volkes über den unersetzlichen Verlust durch Trauerfeiern unter freiem Himmel Ausdruck geben.' Zu ähnlichem Gedenken rüsten Teplitz, Reichenberg, Komotau, Leitmeritz, Karlsbad— es hieße alle unsere su- detendeutschen Städte und Bezirke aufzählen, wollte man namentlich genau verfahren. In Karlsbad— achtmal weilte Masaryk seit 1924 in den Mauern dieser Stadt— hielt unser Freund und Stadtarzt Dr. Simon auf dem Aerztekpngreß, der zur Zeit in der Badestadt tagt, gestern eine Trauerrede, überall gedenkt mäst in Msrichtigstem Schmerze- des'großen Humanisten Masaryk. Und so wie die tschechischen, so sind auch die deutschen Städte Mährens, des, Geburtslandes T. G. Masarhks, in tiefe. Trauer gehüllt, auch dort wird zu großen Totenfeiern gerüstet, vielfach von Tschechen und Deut- scheu gemeinsam. Sä wie in Prag, so auch in der Provinz verweilen die Menschen andächtig vor den Schaufenstern, in denen von Bildern und Büsten das gütige, weise Antlitz deS Dahingegangenen zu den Lebenden spricht, Und während die Sterbeglocken läuteten, gaben Hausende dort, wo Masaryk-Denkmäler stehen, ihren Gefiihlen stummen Ausdruck, indem sie die Häupter an den Denkmalstätten entblößten. Am bewegtesten innerhalb der sudetendeutschen Bevölkerung ist der Arbeit e r. So wie der tschechische Proletarier, empfindet auch der deutsche: daß dem Lande der Batet verstarb; der vorbildlichste Denwkrat, der Freund des schaf- senden Volkes, aus dessen Tiefen er aufstieg, der Verteidiger aller Menschlichkeitsideen, der So- zialist Masaryk. Die große Liebe, die in den Herzen der südetendeutschen Proletarier für Ma- saryk seit eh und je wurzelt, brennt jetzt hundertfach in ihnen und Zehntausende, Hunderttau- sende auch in unserer sudetendeutschen Heimat ! sind nun von dem Wunsche beseelt, mit dabei isein.zu dürfen, toenn bem großen Toten, in der i fernen Hauptstadt die letzte Ehre erwiesen werden wird. Die letzte Ehre? Auch für den werktätigen Männ in unseren■ deutschböhmischen und dentschmährischen Städten wird das tiefgefühlte! - Gedenken ftir Masaryk in diesen Tagen zwischen' seinem Heimgang und seinem Staatsbegräbnis nicht Äe. letzte Ehre sein; dieser Ehren wird es vielmehr kein Ende"geben, solange Zeitgenossen dieses Mannes leben und'solange die Geschichte daS Gedächtnis an diesen Ausgezeichnetsten unserer'Epoche-festhalten wird. Und noch stach , Jahrhunderten: wird auch im' Sudetengebiet sein Wort,'lebendig" bleiben und werden die Steine von ihm redest.' Der Präsident der Republik Dr. Eduard Beyes empfing gestern in Lana den Prager Primator Dr. Z en kl, den Rektor derKärls-Univer. sität Prof. Dr. Weigner und den Reltor der tschechischen,Technischen Hochschule tn Prag Prof. Dr.Hhbl,. Aus den Nachrufen in den deutschen Blättern „Ein einziges Beispiel für die Menschheit" Wie noch nie ein Weiser und Staatsmann zuvor hat er sein Programm erfüllt und dabei d-m Segen seiner Persönlichkeit und seine» Denkens auf sein ganzer Volk niederstrahlen lassen. Und dabei bat er in seinem Leben ohne Furcht und ohne Tadel uns allen das vorgelebt, was er gelehrt hatte, ein einziges Beispiel für die Menschheit. „Prager Presse"' „Ihm Treue zu halten, der wichtigste Dienst" Nicht die steinernen Monumente de» ersten Präsidenten der Republik, sondern dar uns gegenwärtige, den kommenden Geschlechtern zu überliefernde Bild eines beispielhaften Mannes hält Masaryk auch nach dem Tod lebendig. Ihm Treue zu halten, wird der wichtigste Dienst sein, den man dem Staat, den man 'der Kultur leisten kann. '„Prager Tagblatt" „Curopäertum" Ihm entspricht dar, war man einst überall mit Stolz als Curopäertum bezeichnet hat, Freiheit, gewiß nicht im Sinne hemmungsloser Willkür jedes einzelnen, aber der Herausbildung geistiger wie volittscher Strukturen au» dem Wettbewerb freier Geister, au» der Diskussion im höchsten Sinne. Wenn und soweit er dieser Grundidee treu zu bleiben versteht, wird der tschechoslowakische Staat sich de» Manne» würdig erweisen, der, die meisten seiner Zeitgenossen hier wie anderwärt» so gewaltig überragend, siebzehn Jahre lang an seiner Spitze gestanden hat. „Bohemia" heiliges Erbe" Masaryk ist tot. Mer sein Geiü wird in diesem Lande so lange leben, al» Vernunft und Menschlichkeit in ihm herrschen werden. Es ist die Lehre von der Demokratte, die un» Masaryk hinterlassen Hai. Jeder von un», der Tschechoslowake und Weltbürger zugleich ist. hat ein kostbare» Vermächtnis von ihm empfangen und wird e», wenn in ihm ein Hauch de» großen Geiste» lebt, als heilige» Eibe hüten: furchtlos um Wahrheit und Menschlichkeit k"nnpfen. '*„Prager Mittag" „Der leuchtende Stern" Der Meist und der Wille, sie bleiben bestehen für immerdar. Sie sind der leuchtende Stern, dem alle hier in dem von ihm gegründeten und ausgebauten Hause folgen und folgen werden, und alle in der Welt, die sich verantwortlich Wien ihrem Volk gegenüber und der Kultur. „Prager Mendblatt" „Politik war für ihn mehr als billigeDemagogie" ....Diese Haltung hat sich Masaryk bewahrt durch sein ganze» Leben; sie verbürgte seine mannigfachen Erfolge und seinen größten, al» er, der Gelehrte und Ethiker, Revolutionär wurde. Während sein Volk die Faust in der Tasche ballte, sah er eine Entscheidung nahen, für die er Entschlossenheit, Festigkeit und Arbeit zunächst allein einsetzen mußte. Politik war für ihn mehr als billige Demagogie oder mit dem Sttome schwimmen. „Die Zett" i „Unbeugsame Liebe zur Wahrheit" Was wir, al» Sudeiendeutsche, an Masaryk besonder» hoch schätzen und weshalb wir jederzeit zu ihm mit Achtung aufblickten und wa» auch uns seinen Tod schmerzlich empftnden läßt, da» war seine unbeugsame Liebe zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit und sein Bekenntnis zur praktischen und wahren Demokratie." „NordböhmischeS Tagblatt" Streik der Glasarbeiter Im Tarnaaer Gebiet Unternehmer gegen Helmarbeitertarif Da die Turnauer Genossenschaft nach ihrer abgehaltenen Generalversammlung weiterhin die Anerkenntmg des Heimaebeiter-Kollektivvertra^es: und somit die für dieses Gebiet in Betracht kommenden Lohntarife ablehnte, wurde Montag, den 18. September, in einer in Toboty abgehaltenen 'Glasarbeiterversammlung bet Streik beschlossen. Bon diesem Streik ist außer der Glasarbeiter schaft des Turnauer Gebietes auch ein Teil der deutschen GlaSarbeiterschast aus dem Gebiet.von Radl und Reicheistm.beftwffen. Vorderhand handelt es sich um'700 biS 800 Glasarbeiter, die in den Streik traten. Ob der Streik noch andere Gebiete und damit mehr Glasarbeiier umfassen dürste, wird die weitere Entwicklung ergeben. Vie Kriegsverletzten sind sich zu gut VUr die SdPI Anläßlich der Weihe des Kriegerdenkmals in Karlsbad entfaltete dort die SdP einen besonderen Rummel, um die Kriegsteilnehmer zu Angehörigen der Henleiufchen„Bolksgemein- fchaft" zu stempeln und mit den Frontsoldaten politischen Unfug zu treiben. Besonders am Nachmittag drehte sich die ganze Welt um Konrad Henlein und seinen„Frontkameraden" Sandner, sehr zum Unbehagen der Beranstalter, die ihre Organisationen in mühsamer Arbeit aufgcbaut haben, ohne daß sie dabei die. Unterstützung der Politiker gefunden hätten, die sich nun plötzlich in den Vordergrund gedrängt haben und es gern sähen, wenn die KriegSteilnehmerverbände zu einer Frontkämpferorganisation unter der Patronanz der SdP zufammengeschloffen würden. Bor einigen Tagen ist nun der Verein „H e i m a t s ö h n e im Weltkrieg" in einer offiziellen Erklärung von diesen Bestrebungen sehr deutlich ab gerückt. Mit noch größerer Entschiedenheit hat der Obmann der Karlsbader Ortsgruppe de» Bundes der Kriegs»«rlehten, Forster, es aus Anlaß der Zwanzigjahrfeier des Bundes a b g e* leh ii t, die K rt e g S v e rl e h t e n- O rgant fatiön zu einem Anhängsel der SdP zu anachen, indem er erklärte: „ES hat nicht an versuch«» gefthlt, die E i n h e i t d e S B« n d eSznspal- ten»der den B u nd»u e g o i st t s chen Zwecken»u mißbrauchen. Bisher scheiterte« diese Versuche an der Aesthlossenheit der Kriegsopfer..Trotzdem wurden aber in letzter Zeit wieder Versuche unternommen, de« Bund für persönliche Zwecke zu mißbrauchen. Wer sich erst nach 20 Jahren der Kriegsopfer erinnert, kann 'nicht d e n W i l l e nh a b e n, den Krieg S» p f e r» z« h e l f e n. Der kann nur rein persönliche mtd egoistische Zieh verfolgen. Wir Kriegsopfer find uns aber z« gut für Erpcrimente."\ Dar läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen Mpig und mag als Gradmesser dem'Stimmung^ gellen, deren,.sich'die. SdP in weitesten sudeten- deutschen Kreisen„erfreut". Oral Jahre schweren Kerkers wegen Militiirverrat Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Strafkreisgericht in Prag verurteilte den 82jährigen Riemer und Tapezierer Erwin Wagner aus Petersdorf bei Trau- tenau wegen des Beibrechens nach Paragraph 8, Zahl 8, des Gesetzes zum Schuhe der Republik zu drei Jahre» schwere» Kerkers, zum Berlust der Ehrenrechte, zu einer Geldstrafe von 1000 KC und im Falle der Uneinbringlichkeit zu weiteren zehn Tagen schweren. Kerkers. Die Tat verübte der Angeklagte dadurch,' daß er Militärgeheimniffe im Laufe eines Gespräches in einem Gasthaus einer unberufenen Person verriet. Der Angeklagte hat die Strafe angenommen und sie sofort angetreten.' SdP-Kradi auch in Wien Im Wiener„Sudetendeutschen Heimätbund" ist es, läut einer Meldung des„Prager Mittag", zü ernstenDifferenzen gekommen. Mitte August waren Südetendeutfche aus Oftböh- men in Wien und wurden von ihren Wiener StammeSgenossen festlich empfangen. Man veranstaltete ihnen zu Ehren' einen Festabend, bei dem auch der Währinger Pfarrer Anton Schube r t, ein Deutschböhme, das Wort ergriff. Er kritisierte in feiner Rede die Tätigkeit Henleins ustd legte den Suvetendeutschen dringend nahe, sich mit ihreü tschechischen Mitbürgern zu vertragen D i e Politik Henleins fei Unaufrich» t i g, deinagogis ch und vom Ausland e beeinflußt.',, ^Schuberts Rede wurde, wiederholt von Zlvi- schenrufen unterbrochen und die Funktionär« gaben ihrem Ilnmut offen Ausdruck. Daher verließ der Pfarrer Schubert sofort nach seinerRede die Per« sanunlung. In der Folge erhielt er eine Reihe von D,ro h- und Sch m ä H b r i e f e«. Er ist dahbr.aus dem„Sudetendeutschen Heimätbund" a u s g e t r et em und hat über die Gründ«! diese» Austrittes, mehreren Funktionären Mitteilung gemacht. Aärüber ist es nun im Heimätbund zum WäMgefommen; weil einige für und andere gegen Schubert Stellung nehmem> Der Terror In Deutsch-Oberschlesien Die„kknioN für Recht und Freiheit" hat au den Generalsekretär des Völkerbundes eine Denkschrift gesandt, in der sie, belegt durch zahlreiches Beweismaterial, Klage Uber den Terror führt, der in Deuksch-Oberschlesien nach Ablauf der Genfer Konventton gegen die anders sprechende und anders denkende Minderheit eingesetzt hat. Im Verlaufe weniger Wochen wurden zahllose Verhaftungen unter den polnisch sprechenden Oberschlesiern borgenommen, ihre Heime wurden geschlossen, ihre Organisationen wurden aufgelöst. Der Kirchenkanipf gegen die katholische und evangelische Kirche hat schärfere Formen als je zuvor angenommen. Die Perfolgungen gegen antifaschistische Kreise haben sich verstärkt. Boe allem aber hat die jüdische Minderheit schwer zu leiden. Förmliche Pogrome wurden veranstaltet, von den verhetzten Kindern wurden Geschäfte gestürmt. Boykotterlasse wurden veröffentlicht, jüdische Gaststätten wurden geschlossen. In kleinen Städten wurden den Juden nicht einmal mehr Lebensrnittel verabfolgt und man hat sogar Synagoge» beschädigt, zerstört und aufs gröblichste in nicht wiederzugebendec Weise verunreinigt. All diese Vorkommnisse haben der„Anion für Recht und Freiheit" Anlaß gegeben, von den zuständigen Stellen des Völkerbundes schleunige Maßnahmen zur Abstellung dieser Mißstände zu fordern. Wieder Rebellenbomber Uber französischem Gebiet verhöre. Montag abends um 18.15 Uhc haben zwei Rebellenwasserftugzeuge mit drei Motoren, die aus dem Osten kamen, die französischen Gewässer überflogen, sind von dort auf spanisches Gebiet eingedrungen und haben auf Culeze etwa zehn Bomben abgcworfen. Gleichzeitig schoß ein unbekanntes Kriegsschiff auf den Hafen. In diesem Augenblick erschienen republikanische Jagdflieger, worauf die Rcbcllenbomber in Richtung auf das Meer flüchteten. Die heutige deutsche Arteitersendun» im Prager Rundfunk entfällt wegen der Trauer« llindgebungen. Heute wieder Unterricht. Der Minister für Schulwesen hatte angcordnct, daß am Dienstag an allen Schulen in geeigneter Art des Werkes und der Bedeutung des verstorbenen Präsidenten T. G. Masaryk gedacht werde und der Unterricht■ sodann entfällt. Heute beginnt wieder der regelmäßige Unterricht. LandeSschulinspekwr Goldmanir gestorben. Sonntag, den 12. September, starb im Alter von 53 Jahren der deutsche Landesschulinspektor von Böhmen, Friedrich Goldmann. Der Perstorbene war lange Jahre Professor am Gymnasium in Arnau gewesen, kam dann als Bezirksschulinspek- tor nach Prag und war seit mehreren Jahren mit den Funktionen eines Landesschulinspeltors betraut. Die Nachricht vom Tode des noch rüstige» Mannes tvird alle, die mit dem Schulwesen und dadurch auch mit Inspektor Goldmann zu tun hatten, überraschen. Zun« Flugzeugabsturz bei Freiwaldan wird uns gemeldet: Das Flugzeug wiirde vollkommen zertrümmert. Der Pilot lag vollkommen zermalmt unter den Trümmern des Flugzeuges. Die Leiche des Piloten konnte bisher nicht geborgen werden, da das Flugzeug erst demontiert werden mutz. Die drei weiteren Insassen, und zwar Ernst Florensky soivie der Bordmonteur Kurt Rügen und der Funklchrer Karl Schramek, wurden mit leichteren Verletzungen Ins Krankenhaus nach Freiwaldau überführt.Rügen erlitt eine Kopfverletzung, die aber weniger ernster Natur ist. Nach dem Absturz des Flugzeuges kroch der Funker Schramek als erster durchs Fenster aus deniFiug- zoug, worauf ihm die anderen zwei Mitfahrer folgten. Auf ihre Hilferufe wurden in der Nähe der Unfallstätte befindliche Pilzesucher aufmerksam und eilten zur Unfallstätte. Nachdem von den Herbeieilenden die Gendarmerie verständigt worden war, wurde den Verunglückten baldige Hilfe geleistet.— Es handelte sich um ein erst ganz kurze Zeit im Gebrauch stehendes Flugzeug, .das mit den modernsten Einrichtungen versehen war und die Marke Do-rup trug.! Hochwasser im Troppaucr Gebiet. Infolge der Regenfällc, die im Troppaucr Gebiet bereits einige Tage, andauern, sind die Flüsse Qppa und Moraviha gestiegen. UeberschwemmungSgefahr besteht vorderhand picht.— DaS Flüßchen Hvozdnice, das die Gemeinde Otitz bei Troppau durchfließt, hat dieBezirksftraße.j die zurOrtschaft Rybniiky führt, überschwemmt. Drei Häuser muhten geräumt Werden. Die Gendarmerie und die Feuerwehr versehen den Sicherheitsdienst. — DaS Hochwasser im Gebiet von Ostrau ist zu- rückgegangen. Die Schäden sind sehr groß, konnten jedoch bisher noch nicht abgeschätzt werdm. Josef H o f bauer: Dorf in Scherben PttÄ lad. Kc 32,—. 8E a. KC aa.—. Zu beziehen durch die Zentralstelle für das BildungSweßvn in Prag XU, Sleska 13/V. Seite 0 Nr. 217 Mittwoch, 15. September 1837 Zwei Welten Ein Ausschnitt aus der Pariser Weltausstellung\. Am linken Ufer der Seine stehen in der Weltausstellung knapp nebeneinander der tschechoslowakische und der schwedische Pavillons Die beiden Länder sind demokratisch, friedlich und sozial fortschrittlich. Während diese Einstellung dem schwedischen Pavillon den Stempel, aufdrückt, ist von ihr in dem tschechoslowakischen auch nicht eine Spur vorhanden. Gegen unseren AuSstellungskommissar wurden bekanntlich schwere Borwürfe. erhoben. Unserer Ansicht nach zu Unrecht, wenn man an eine solche Ausstellung keine"andere Förderung stellt,j als die, die Produktion des ausstellenden Lande« wenigstens in. großen Zügen borzuführen. Diesem Erfordernis kommt, unsere Ausstellung, w«nn auch nicht, vollständig, nach. ES sind, Gläser ausgestellt, von deinen manches Exemplar dos Mv- »ätseinkömmen eines Arbeiters übersteigt, Spitzen, deren VerlaufhwertgrLßer ist als das Jäh- reSelnkvmmen eines Arbeiters, Maschinen von großem Wert und wunderbgrer Vollendung, deren Gebrauch die Arbeiter überhaupt überflüssig macht; BakaS Reklame ist wie immer großzügig,! das Getreidemonopol.treibt Zukunftsmusik, und ein Bild des Hradschin dürfte, dem Fremdenverkehr kgüm dienen. Absolut, verfehlt, ist. die. Ausstellung' der Bäder, In einem« Winkel,'befinden sichBilder,, die,nicht.nür jü; Deutschland ünterdi« Kategorie der. entarteten Kunst eingereiht würden. Glücklicherweise steht Über jedem Bild, der. Namen, des Kurortes,, den es darstellen soll!; Armes Pödihj:ad, armes- Karlsbad. und.ärmstes FranzenSbad, vor dessen Quelle sieben Gestalten herumwimmeln, Wohl ein Sinnbild der schlechten Saison I Wir wissen nicht, ob als Folge der Ausstellung Gläser, Spitzen und Maschine», bei uns bestellt oder fxemde nach Prag kommen werden;, wir wissen aber bestimmt, daß die Kurorte-Aus- stellung nur abschreckend wirken kann. Aber die Gerechtigkeit erfordert festzustellen, daß in diesem Teile die Vereinbarungen vom 18. Feber 1887 voll eingehalten wurden: die tschechischen und slowakischen Kurorte. sind ebenso.stiefmütterlich petzächt wie die. deutschen! L. Und nun zum benachbarten Schweden! Bor dem-Eingang eine. Inschrift, die lautet:-»Was wir.wyllen: Freiheit, Demokratie,. Solidarität". Im Inneren eine weitere Inschrift^»Die Grund- lagen der schwedischen Gesellschaft sind: Aeußerer Friede, innerer Friede durch- soziale- Evolution für die ininderbemittelten Schichten, Internationaler. Austausch, Demokratie, Politische Freiheit, Gedankenfreiheit sind Freiheit des Wortes." Weiter: Wir haben feit 1808 Jahren eine Konstitativ«. Alle Schweden’■—» Männer itnd Frauen-—■ haben gleiche politische Rechte. In unserem.Parlament sitzen, 18,8 Sozialisten und. 188>AngehörIge bürgerlicher Parteien..Die Weltkrise haben wir durch Subventionen, öffentliche Arbeiten, Straßenbau-uyd insbesondere.' durch Bau von Wohnungen für.die. ärmeren Schichten der,Bevölkerung«kämpft. Diagramme,- welche ganze Wände, bedecken, illustxieren.die Krisenbe- kämpfung. 158.888. Personen nehme» an Kurs«ti^ teil,,in' denen die soziale Frage behandeltttzitd. Die Arbeit- in den Gemeinden, der Sport,-die, Leistungen in der Landwirtschaft werden'darge- stellt.. Ausgestellt sind Gegenstände des täglichen Bedarfes: Teller,.Gläser, Möbel, wie sie der Arbeiter, der Bauer, der Kleinbürger, benützt. Mit einem Worten Es ist eine Ausstellung der Demokratie! Eine Ausstellung, welche zeigt, wie die Demokratie, allerdings die soziale Demo- kratie imstande-ist, den Menschen Freiheit, und Brot zu geben, die wirkungsvollste- Propaganda für. die- Demokratie. Man fragt sich,'warum das alles in unse- rem Pavillon fehlt,. Sind wir kein demokratischer, Staat, haben dei uns nicht- alle Männer und Frauen gleiche politische Rechte, ist bei uns nichts zur- Bekämpfung der Krise geschehen? Sind bei unS die Ministerien für-soziale Fürsorge, für Ge» isundbeitSwesen, für öffentliche Arbeiten,, die Gemeinden, die.Jugendfürsorge,' unzählige. private Korporationen ganz untätig geblieben?. Äst bet' unS.nichts zur Hebung der geistigen, Kultur geschehe», sind nicht-—.um nur eines zu erwähnen. 7— Taufende von Gemeindebibliotheken geschaffen und von Millionen Menschen benützt worden? Haben unsere BezirksbildungSauSschüffe nichtgeleistet? sUnd von alledem weiß-unsere Ausstellung nichts- zn berichten. Der Unterschied zwischen^ den beiden Pavillons läßt, sich kurz dahin charakterisieren: Unsere AuSstellung-ist. eine Ausstellung der- GlaS-und Maschinenfabrikanten, eine AuS-' stellung der Skodawerke, Batas usw.',, die schwe-, dische Äife Ausstellung des schaffenden! Bolles ^nd'der werktäisgen' sozialen. Demokratie!l Der tschechoslowakische Besucherdir beiden Pavillons kann das alles, nur mit. einem sehr bitteren»Gefühl feststellen'. Wir hätten gewünscht, daß unser.Kommissär-hie-ündida-seinem Nachbar gekiebitzt-hätte I 4 V- De. Karl H eilet,, DI« terroristischen Bombenarischlüge In Paris Unser Bild zeigt das zerstörte Hans des Allgemeinen Arbeitgeber-Verbandes in der Rue de PreSboürg. wurde, wobei Präsident Lebrun den Wunsch kundgetan hat, nach Ablauf seiner Präsidentenperiode einmal nach Tahiti zu komme». Am meisten aber beeindruckte den Präsidenten die Geste, mit der man auf Tahiti sein Einverständnis auS- drstckt. Man sagt dort nämlich nicht„ja", sondem man zieht mehrmals hintereinander die Augenbrauen hoch. Der Rräsident war sehr- erstaunt, als die Prinzessin diese Geste als Antwort auf seinen Wunsch, ihr eine Gegenvisite zu machen, auffällig wiederholte. Als sich ihre Bedeutung aufklärte, meinte Lebrun'lachend, er würde sie jetzt stets beim Ministerrat anwenden. Der Wasserfall auf offener Bühne. In London läuft zur Zeit mit großem Erfolge ein Stück „Lachen im Gerichtssaal". Aber den wirklichen Lacherfolg, und zwar nicht im Gerichtssaal, sondern heim gesamten Publikum, erzielten nicht der Autor und die Schauspieler, sondern ein einfa- cher Befeuchter. Er hatte nämlich gerade das !LiHt ein^uschalten, äl- der Vorhang'äufgiftg', -und'er tat es auch. Aber gleichzeitig warf er den' Hebel für eine ganz andere Vorrichtung um: nämlich für die Wasserrohre, die bei Feuersgefahr im Nu die ganze Bühne unter Wasser set- zen. Noch bevor die Schauspieler auch nur die ersten Worte des neuen Aktes sprechen konnten, .gingen auf sie Kaskaden von Wasser hernieder? Einen Augenblick lang herrschte Verwirrung,, bis die ersten Lachstürme aus den: Zuschauerraum erklangen, worauf der Regisseur, die Wassergefahr verachtend, auf die Bühne stürzt«, und un- iec lebhaftestem Beifall Mitteiltd,'daß die Vorstellung weitergehe. DK gestohlene Telegraphenlinie. Die Telegraphenlinie, die von Plewen /nach dem Dorfe Rustovo führt und die ein« Länge von rund 5 Kilometer hat, war dieser Tage plötzlich unterbrochen. Durch eine Inspektion wurde die überraschende Tatsache enthüllt, daß die im übrigen wenig benutzte Linie in der Nacht mitsamt Masten und Leitungsdrähten gestohlen war. Sofort Iwurd« eine Untersuchung"eingeleitet; sie ergab. daß mehrere Bauern auf den Gedanken, gekommen waren, aus den Telegraphenmasten Holzkohle zu gewinnen; sie hatten in einer Nächt Hunderte von Masten abgehackt, sie mittels, einer moderne» Kreissäge zerschnitten und die Einzelstücke zu einem riesigen Kohlenmeiler ausgesta- pelt. Die gleichfalls erbeuteten Drähte hätten sie an eine Metallfirma verkauft. Ein« Expedition sowjetrussischer Spezialschiffe ist im Schwarzen Meer ,an der Grenz« der bulgarischen und rumänischen Gewässer in der Nähe des Kaps Ekrene mit der Hebung des russischen Dampfers„P e t e r d e r Grohe", der mit einem Goldschatz während des russischen Bürgerkrieges dort gesunken ist, beschäftigt. An. der Bergung arbeiten 78 Ingenieure und Arbeiter, welche die. ganze Zeit über auf ihren Schiffen verbringen und sie auch nicht während.des letzten Sturmes auf dem Schwärzest Meer« verließen. In der Nähe der sowjetrussischen Schiffe übt«in rumänischer Minenleger ständigen Aussichtsdienst aus.__" Leuchttürme ohne Wärter. Bon den rund 888 Leüchtürmen an den Küsten Frankreichs besitzen über 888 bereits keine Wärter mehr'; di« Leuchtturmromantik stirbt langsam aus und weicht der modernen Technik. Die noch amtierenden Leuchtturmwärter, in der Regel ausgedient« Seeleute der Kriegsmarine, werden nicht abgesetzt werden, auch wenn die Anlagen fortlaufend' modernisiert werden, aber sie werden auch keine Nachfolger mehr erhalten. Denn die Beleuchtungstechnik der Leuchttürme ist heute so weit- daß die Scheinwerfer automatisch auf kilometerweite Entfernungen vom Festlande aus reguliert werden können. Die elektrischen Kabel bieten eine vollkommene Sicherheit für das Funktionieren der Leuchtfeuer. Dann und wann muß lediglich ein Kontrollbeamter die Lampen reinigen und prüfen, aber zu diesem Zwecke' genügt«in Aufenthalt von wenigen Stunden. Bukarest wird ckärmfrei. Auch die rumänische Hauptstadt, di« nach Athen als die geräuschvollste Metropole Europas galt, hat nunmehr, dem Lärm den Krieg erklärt. Das Lärmverböt ist seht weit gefaßt: Lede Störung der Ruhe der Fußgänger und der. Hausbewohner ist untersagt und mit Strafe bedroht. So ist auch das Hupverbot nachts absolut, bei Tage darf nur in Ausnahmefällen gehupt werden. Radiomusik bei offenem Fenster ist verboten; Fabriken haben für besondere Geräuschdämpfungs-Anlagen zu sorgen, und sogar die berüchtigten Bukarester Zeitungsjungen dürfen ihr« Blätter nur. noch.flüsternd ausschreien.', Ziehung der Prager Meffelotteri« amtlich verschoben. Dienstag abends sollte die Ziehung der X, Sachlotterie dee'Pr8tzet"Meffe“süiltsisi^jm,^Ä»fölge' des Ablebens des Altpräsidenten T. G. Masaryk wurde jedoch die Ziehung amtlich auf die nächste Woche verschoben. DaS genaue Datum wird noch bekanntgegeben werden. An der Vorderseite einer Störung über Holland ‘ strömt dem Festlande vo>; Westen her»Ärmere Lust zu. Infolgedessen sind die Temperaturen in der ganzen Republik gestiegen und überschritten Dienstag nachmittag- in den Niederungen 16 Grad und auf den Bergen fünf Grad, Die mit der Störung, zusammenhängende Regenzone löst sich zwar bei ihrem Fortschreiien gegen Osten etwas auf, trotzdem aber sind die Regenfälle heute im Westen der Republik nicht ausgeschlossen..— WetterauSsich ten für, h e u te: In den westlichen und mittleren Teilen deS! Staates vorwiegend bis wechselnd bewölkt, Regen-1 schauer, mäßig kühl, Südwest« bis Westwind, In . der Ostslowakei und in Karpathorußland halbheiter, wärmer, Südwind.— Wetteraussichte n für Donnerst a,g: Veränderlich, vereinzelte Schauer, . etwas wärmer, Südwest« bis Westwind. Masaryk Uber den Militarismus . Der neuzeitliche Militarismus, besondere der'- preußische, ist ein wissenschaftliches und philosophisches System der Objektivierung, eine gewaltsame Plucht krankhafter Subjektivität. undSelbstmordlust. Ich sage: der moderne Militarismus; denn die Kampflust■des Wilden, des Barbaren und noch des. mittelalterlichen Ritters und Söldners ist psychologisch' und sittlich• ganz etwas anderes als das: wissenschaftlich durchdachte, militaristische System des modernen dbsolw- tistischen Staates: der Wilde und Barbar kämpft aus ursprünglicher Wildheit, Herrschsucht, Not, Hunger— im Weltkrieg lagen Schüler: Rousseaus und Kants, Goethes und Herders, Byrons: und Mussets im Schützengraben!■ Wenn: Sombart den deutschen Militarismus> im Geiste Hegels lobpreist, und sich mit- den in den Gräben kämpfenden Fausts, und Zarathustras brüstet, so begreift er nicht, wie blutig er die deutsche und europäische Zivilisation verurteilt! Das Kriegführen dieser modernen, Zivilisierten Menschen ist eben die gewaltsame Flucht vor den Aengsten,• die im übermenschlichen „Ich" erstehen; deshalb stand gerade die Intelligenz, was Kampflust betrifft, den Landleuten und Arbeitern nicht nach, im Gegenteil, die Intelligenz ging im. Kriege voran. (Dessen wurde ich mir zum erstenmal bewußt, als ich die serbisohe Intelligenz in den Balkankriegen gesehen habe; in der serbischen Armee ragt Ser Intelligent, der Offizier, auffallender hervor, ähnlich in der russischen./'.Zm modernen Kriege, stehen Gegner sich nicht Auge im Auge gegenüber, der Kampf ist nicht mehr wie ehemals,.' man vernichtet sich auf Entfernung, abstrakt, ohne daß ein Gegner den andern sieht, man tötet sich aus einer Idee heraus und in der Idee— der deutsche Idealismus, übertragen in die Kruppsprache! Deshalb wird auch der Verteidigungskrieg,.der moralisch allein zulässig ist, unsympathisch, und die Erziehung des demokratischen Soldaten und Heeres ist eine so schwere Aufgabe der Demokratie: der Soldat sei bewußt nur der Verteidigung ergeben, nicht der gewaltsamen Eroberung und Unterwerfung, und dennoch tapfer.und entschlossen,, sein Leben zu opfern.‘>„Die.Weltrevolution“ Traurige Zeit. Am Todestage Masarhks war in Wiener Blättern zu lesen, daß die„österreichische Interessengemeinschaft blinderMu« fiter und Klavierstimmer" für ihre Mitgliedschaft den Arierparagraphen einsührte. Erfreulicherweise hat die Tüch-Organisation, der Verband der Blindenvereine Oesterreichs,' diese Schande nicht mitgemacht, so daß der erstgenannte Verein gezwungen war, aus dem Verband auSzu- treten. Aber der M a g i st r a t der Stadt Wien hat das neue Bereinsstatut mit dem Arierparagraphen gebilligt! Diese Fakten bedürfen kaum eines langen Kommentars; fühlenden und anständigen Menschen braucht man nicht erst auseinanderzusetzen, was dieser blinde Haß menschlich bedeutet.. Bei Schiller heißt es:„Sterben ist nichts, als leben und nicht sehen, das ist ein Unglück." Nunmehr werden jene armen blinden jüdischen Musiker in Oesterreich, deren tiefes Unglück die Ausstrahlungen des Dritten Reiches jetzt also noch um den Arierparagraphen verschärfen, sich sagen müssen: Blind sein ist nichts; aber blind und ein Jude sein, das ist das wahre Unglück! Aber auch diese Schmach wird nicht ewig dauern! Am Ende wird siegen nicht der blinde Haß, der nicht einmal vor Blinden halt macht, sondern, der Geist der Güte und Liebe, wie Masaryk ihn lehrte. Und wenn, es einen Trost, gibt für die, di« jetzt das Grauen entmenschter Rassefanatiker über sich müssen ergehen lassen, so ist es der, daß zur gleichen Zeit Millionen gerade in dieser Zeit beweisen, wie tief,sie das Leben und Sterben jenes Mannes beeindruckt, der wohl sein Haupt verhüllt hätte, wenn er noch hätte lesen müssen, wie jener Berein und jener Magistrat anno 1887 kalten Blutes die Würde der Menschheit in abscheulicher Weise verletzten! , Eisenbahnunfall bei Olmütz. Am 14. September, um 1.46 Uhr, entgleisten auf der Streck« Olmütz Hauptbahnhof—Belke Bysttica im Kilometer 5.5-infolge Untevwaschung der Geleise 16 Waggons des Lastzuges Nr. 1.552. Der Berkehl auf dieser Strecke erfährt hiedurch für mehrer« Tage eine Unterbrechung und wird durch Auto- biisse der Staatsbahnen aufrechterhalten werden. Bei dem Unfall wurde ein Mann des Begleitpersonals schwer verletzt. .Oberster Richter—Mitglied einer Mordorganisation. Die amerikanischen Senatoren Co- peland und Walsh haben beantragt, daß der Richter Black seiner Funktionen beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dem er seit 12 August angehört, entkleidet werde, und zwar mi der Begründung, daß Black Mitglied des.Ku- Klux-Klan sei; Demgegenüber erklärte der Borsitzende,des Ku-Klux-Klan, daß Black dieser Organisation nicht angehöre.. Gerettete russische Flieger. Der Sowjet» Pilot Sa d ko w und die Besatzung seines Hydro- plans, der Montag abstürzte, wurden von dem Sowjet-Eisbrecher„Krassin" gerettet. Sie'befinden sich alle wohlauf. Die Arbeiwrsendnng Hilversum sendet heute zwischen 21.48 bis 22.18 Uhr Prager Zeit eine holländische Ansprache des tschechoslowakischen Ge, sandten Dr. K r n o über Masaryk. Neudeutsch« Grenzprozedur. Eine Dänin berichtet dem Kopenhagener»Socialdemokraten" dieses Erlebnis von einem Ferienausenthalt Ferienaufenthalt im Dritten Reich:„Bon.OberSdorf, nahe an der Schweizer Grenz«(vermutlich Oberstdorf im Allgau. Anm. d. Uebers.), wo ich meinen Urlaub verbrachte, beteiligte ich mich an einer Ge» fellschaftsreise im Autobus nach St. Moritz. Die wutsche Grenzkontrolle zwang alle weiblichen Rei- enden— und nur diese— auszusteigen und unterwarf sie einer höchst genauen und peinlichen körperlichen Durchsuchung auf Devisen, die etwa unerlaubt äusgeführt werden sollten. Wir mußten uns in einem Raum vollständig ausziehen und es waren nicht einmal Stühle vorhanden, daß man sich hätte Hinsehen können. Die Prozedur dauerte volle zwei Stunden, gefunden wurde gar nichts, aber entschuldigt hat man sich bei den Frauen auch nicht."(bn)- Di«„Königin" von Tahiti bei Präsident Lebrun. Präsident Lebrun empfing die„Königin" Terii Nue o Tahiti Pomare, was soviel heißt wie„die allerhöchste Prinzessin von Tahiti aus der Dynastie Pomare". Sie’ besitzt allerdings nur noch den Titel, aber kein« Rechte auf die Insel, die Frankreich gehört. Freilich erhält sie nach wie vor eine Staatsrente von Frankreich, die ebenfalls nur eine„symbolische" Ber- gittung für die Großzügigkeit des Königs Pomare V. darstellt, der die Insel an Frankreich abtrat; denn sie betragt nicht mehr als 875 Francs pro Jahr. Aber die'Würde bringt eS mit sich, daß die Prinzessin im Elysee empfangen Nr. 217. Mittwoch, 18. September 1937 «Sette 7 Qu/bImä Zur Lase der Türkei Im Mittelmeer Aero-Pretz. Die wiedererstürkte Türke! ist nicht nur' Objekt, sondern auch Subjekt in der Mittelmeerpolitik der Großmächte. Sie benutzt geschickt die Gegensätze zwischen den Großmächten im Mittelmeer, um für sich Vorteile herauszuschlagen. Auf der einen Seite hatte Italien seinerzeit die demilitarisierten Meerengen durch ein groß angelegter BefestigungSsystem und damit Hand in Hand gehende Politische Verträge mit der Türkei, Griechenland und der Sowjet-Union für sich auf alle Fälle reserviert. Die'Flotten- und Flugzeugstützpunkte im Dodekanes waren von Italien al» Garant dafür gedacht, daß die Dardanellen, eine der. wichtigsten Zufahrtsstraßen de» italienischen Seeverkehrs, auf jedenFall offen bleiben. Seit dem italienisch-englischen Konflikt in der Abeffinien- dem italienisch-englischen onflikt in der Abessinienfrage haben sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Die Meerengenkonvention von' Montreux gibt der Türkei da» Recht und die Herrschaft in den Meerengen vollkommener in die Hand als dies in den Verträgen vom Jahre 1841 der Fall war. Wenn die Türkei kriegsführend ist, entscheidet sie allein, welche fremden Kriegsschiffe die Meerengen passieren dürfen. Das Schwarze Meer und alle von dorther kommenden Schiffsladungen von Getreide, Kohle, Naphtha und anderen Rohstoffen werden gesperrt für Handelsschiffe von Nationen, mit denen die Türkei Krieg führt. Ein englisches Flottengeschwader besuchte Anfang September Istanbul, ein Zeichen der guten Beziehungen zwischen der Türkelund England. Ferner beteiligt sich England im großen Stil am wirtschaftlichen Aufbau in der Türkei. Mit englischer Hilfe werden die Stahl», werke von Karabjik errichtet. England hat an der Türkei eine gute Rückendeckung im östlichen Mittelmeer. Aenderunsen Im Sowjetdienst Der Rat der Volkskommissäre der USSR hat den ersten Stellvertreter des Voftskommissärs für Finanzen, Gritschmanow, zum Vorsitzenden deS BerwaltungSrateS der Staatsbank der U«SSR ernannt. An feiner Stelle wurde als Stellvertreter des Bolkskommiffärs für Finanzen Zwjerew ernannt. Die Auflösung des rumänischen Eisenbahnerverbandes Bukarest, im September. Die Auflösung deS Verbandes, hex Eisenbahimrbeiter durch eine Verfügung de» Ministerratspräsidiums ist eine Mäß- regel, welche an sich schon aber auch über den Einzelfall hinaus von Bedeutung ist. Der Auflösungsverfügung find die folgenden Tatsachest vorangegangen: Seit längerer Zeit bereits haben die rumänischen Eisenbahnarbeitev eine Reihe von Lohnansprüchen angemeldet. Diese Lohnanstzrüche beziehen sich nicht so sehr auf Erhöhung, sondern darauf, daß auf der einen Seite ungerechtfertigte Abzüge in Form von Strafen, die ganz willkürlich verhängt werden, oder unter sonstigen Titeln, für die das Gesetz keine Handhabe bietet, entweder unterbleiben, oder wenigsten» in einer vernünftigen Weise reglementiert werden, um jedenfalls Willkürakte zu vermeiden. Solche Willkürakte konnten z. B. darin bestehen, daß Geldstrafen wegen guspätkommens oder Ausbleiben» von der Arbeit oder wegen sonstiger ver- säumnisse vom Betriebsleiter verhängt werden, und zwar ganz nach seinem Gutdünken und meist ohne Anhören de» betroffenen Arbeiter». Ferner verlangten die Arbeiter> ein Miüdtstmatz von Altersversicherung in dem begreiflichen Wunsche, nicht etwa als Arbeitsinvalide einfach der Straße überantwortet zu sein. Diese und ähnliche Forderungen der Regierung zur Kenntnis zu bringen, wurde in einer Delegiertenversammlung des EisenbahnarbeitertzerbandeS, der'ein reiner Fachverband der Werkstätten- und Streckenarbeiter ist und sich von Politik fern hält, bereits vpr einigen Monaten beschlossen. Die Regierung, insbesondere da» Verkehrsministerium, welchem die sonst autonome Eisenbahnverwaltüng I zu-Aussichtszwecken untersteht, hat diese Forderung der Arbeiter zum größten Teile al» be« r e ch t i g t anerkannt. Zu Beginn de» Sommer» ivnrden die Beschlüsse der Delegiertenversammlung in der Form einer Kundmachung der Regierung und der Oeffentltchkeit zur Kenntnis gebracht. Unterzeichnet war diese Kundmachung von denHäüptfunktionären de» Verbandes, an besten Spitze al» Präsident ein nätlonalzaranistischer, also bürgerlicher Politiker, Rechtsanwalt Gorocean u, steht, welcher die Nationalzara- nisten auch im Senat vertritt und vor' Jahren Vizepräsident de» Senate»' wär. Ihn! zur Seite stehen bei der Leitung de» Eisenbahnerverbandes Funktionäre, die ebenfalls nur zum Teile' au» der Eisenbahnarbeiterschaft stammen. Diese Einzelheiten sind nicht uNtvichtig?.um auch den Borwurf entkräften zu können, der gegen diesen Verband erhoben Wird, den. Vorwurf nämlich,' ee sei kommunistisch. Ai i ■ Etwa einen Monat nach Veröffentlichung jener Kundmachung tag. ein Wechsel, in der Leitung der Eisenbahnverwaltung ein. An die Stelle de», langjähttgen Vorsitzenden des Aussichtlrate» der Eisenbahnen, eine» Zivilisten, tratein Ge» tue r al. Eine,tier,ersten Maßnahmen, welche der neue-EltlsstchtSrfltsvorsihendeeräriff,wardie'Erstattung der Strafanzeige gegen die Unterzeichner jener Kundmachung wegen Aufreizung und aufrührerischer Tätigkeit. Da Bukarest Belagerung»-, zustandsgebiet ist, hatten sich die Militärgerichte mit dieser Anzeige zu besasten. Die Unterzeichner des Aufrufs, Goroceanu an der Spitze, wurden in Haft genommen. Allerdings wurde diese Verhaftung gelegentlich des üblichen Haftprüfung»- termine» nicht bestätigt und die Verhafteten unverzüglich auf freien Fuß gesetzt. Die zweite Maßnahme des neuen Vorsitzenden der Eisenbahnverwaltung war nunmehr der Antrag an das Innenministerium, die Legalität des Bestehens und der Tätigkeit des Eisenbahnarbeiterverbandes zu prüfen. Zum Zwecke der Prüfung der Legalität von juristischen Personen jeder Art(Vereine, Gesellschaften usw.) besteht beim Innenministerium eine Speziallommissioü, welche im vorliegenden Falle nach Anhörung des Vorsitzenden der Eisenbahnverwaltung-und der' Vertreter der Eisenbahnarbeiter in nichtöffentlichem verfahren beschloß, hem Ministexrat.die Auflösung de? Verbände» vorzuschlagen. Die' eingangs erwähnte Verfügung des Ministerratspräsidiums ist demnach die tatsächliche Durchführung dieses Beschlusses. Die Verbände der öffentlichen Angestellten haben an diesem.Fall ein besonderes Interesse gezeigt, weil er einen bedeutsamen Vorstoß gegen da'S verfassungsmäßig gesicherte KöalitiönSrecht darstellt. Os» Neueste, Gummischuhe fUr Kühe Den großen Verlusten, die alljährlich der Landwirtschaft durch Fußkrankheiten bei den Kühen entstehen, soll jetzt in der Form vorgebeugt werden, daß man den Tieren ein» Art Gummischuhe überstlllpt, die derartige Erkrankungen verhüten sollen. Eine Gummifirma hat dementsprechend eine» saumlosen Gummischuh hergestellt, der nach langen und gründlichen Versuchen jetzt in England zur Einführung gelangte, und der sich vorteilhaft bewähren soll. — Unser Bild zeigt diesen Gummischuh, der den Tieren keinerlei Schwierigkeiten beim Gehen bereitet, sich auch nicht von selbst löst und ohne große Mühe den Tieren über die Füße gestülpt werden kann. zentsatz auch nicht sehr hoch erscheint, so würde seine Bedeutung doch sehr fühlbar werden, wenn der Außenhandel abgeschnitten würde. Der traditionelle Ausfuhrüberschuß verschwand im Jahre 1936 fast ganz und. der Außenhandel brachte in jedem bisherigen Monat des Jahres 1937, mit Ausnahme deS Mai, einen Einfuhrüberschuß. Während de» ersten Halbjahres erreichte der Export einen Gesamtwert von 1834 Millionen Dollar, während der Import 1683 Millionen Dollar betrug, so daß ein Einfuhrüberschuß von 149 Millionen Dollar entstand. Der Ausfuhrüberschuß für da» ganze Jahr 1936 betrug demgegenüber 'nut 34,285,291 Dollar, und war der kleinste Ausfuhrüberschuß' seit 43 Jahren. Trotz de» Verschwinden» de» Ausfuhrüberschusses erhielten die USA im letzten Jahre Goldzufuhren in der Höhe von 1980 Millionen Dollar. Diese Goldzufuhr war das Ergebnis von Kapital bewegungen. Ein beträchtlicher Teil der Goldzusuhr kam von der Kapitalflucht aus verschiedenen von politischen und wirtschaftlichen Störungen betroffenen Ländern. Außerdem brachte die erhöhte Geschäftstätigkeit und da» Steigen der Wertpapiere in den USA einen Kä» pitalzusluß zu Anlage- oder Spekulatsonrzwecken. 1936 war das dritte Lahr, in dem der Goldimport eine Billion Dollar Überstieg. Das verschwinden der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit im AuSlande würde aber zweifellos den Abzug einer großen Summe fremden Kapital» bringen und vielleicht auch die Anlage amerikanischen Kapitals in ausländischen Unternehmungen anregen: Beides wäre die Ursache für eine große Goldbewegung in anderer Richtung, und die Vereinigten Staaten können sich deshalb nur als zeitweiliger Hüter des zugestrümten Goldes betrachten. Demissionen Im Getreidemonopol 7 Die Prager Produktenbörse stand am Mittwoch unter deck« Eindruck der Ausführungen, die der Abgeordnete der tschechischen VolkSpartei W. Änotek Sonntag, in den„Lid. Listy" veröffentlicht hatte. Abg. Knötek erhob den Borwurf, daß die Getreidegesellschaft ihre weitreichenden Exportgeschäfte ohne Kontrolle der Oeffentlichkeit und vorwiegend durch die Person Dr. Feierabends abschließe. Im Anschluß an diese Polemik fand'eine streng vertrauliche Präsidialsitzung der Getreidegesellschaft statt und an der Börse ging dar Gerücht um, daß personelle Veränverungen in' der Leitung der Monopolgesellschaft' bevorstünden. (DND). Der LehonSmittelindex für den Durchschnitt des ganzen Staate» ist in der mittleren Woche de» Au g u st gegenüber Juli z u r ü ck g e g a n ae n, und zwar von 717 auf 762, d. i. um 2.1 Prozent. Der größte Preisrückgang zeigt sich bei Kartoffeln, Gemüse und Aepfeln(um 26, bi» 86 Prozent). Die Verteuerung bei« Schweine- und Kalbfleisch sowie Butter ist weit geringer. Außerdem verteuerten sich Im Durchschnitt Noch Eier um ungefähr 4 Prozent. In dAr einzelnen Ländern beträgt der Lebensmittelindex im August im vergleich mit Juli d. I.(Zahlen in der Klammer): In Böhmen 715(728), in Mähren-Schlesien 682(698), in der Slowakei 798(721) und in Karpathorußland 757(781). Die großen Städte, in denen die Preise den ganzen Monat hindurch verfolgt.werden, verzeichnen: Prag 881(887), Brünn 889(652), Prttzburg 663(676), Pilsen 688:(647), Reichenberg 699 ,(796).' IMhwuWiflft undStteMpofiM Günstige Außenhandelsbilanz im August Ausfuhr 1144 Millionen, davon Fertigwaren 839 Millionen, um die Hälfte mehr als Im Vorjahr— Aktlvum seit Jänner 430 Millionen Nach dem seichten Rückschlag im Juli« Außenhandel hat der August eine neue Steige«, rung gebracht, die Einerseits da» Vorjahr beträchtlich überschreitet, andererseits zur Folge hat, dgß- Reiner Warenverkehr 1987 Einfuhr....,,» 981,281.666 Ausfuhr.. 1.144,707.666 , Akiivum,,,,. 218,476.666, jener mehr scheinbare Verlust wieder ausgeglichen wurde. Für die Ein- und Ausfuhr im August ergeben sich folgende Gesamtzifsern: 1986 583,414:666+ 847,817.660 - 696,504:060+ 448,203.000 116,090,000. Gegenüber dem Juli ist die Ausfuhr um 271 Millionen gestiegen während im vergangenen Jahr in der gleichen Zeit die Steigerung nur 117 Millionen betragen hatte. Die Fertigwarena«»- fuhr hat im heurigen August die Höhe von 839 Millionen erreicht und übertrifft den Fertigwarenexport des August 1936 um 364 Millionen. Gegeniiber dem Juli ist. die FertigwarenauSfichr um 293 Millionen größer(im Vorjahr betrug die Steigerung 191 Millionen). An der GesamtauS« fuhr sind die Fertigwaren mit 57 Prozent beteiligt. Gestiegen ist auch die Einfuhr von Rohstoffen, und zwar gegenüber dem Vorjahr um rund 266 Millionen(von 321 auf 526), gegenüber dem Vormonat um 26 Millionen(von 506 auf 526). Für die ersten acht Monate ergeben sich folgende Gesamtziffern:. Reiner Warenverkehr 1987 Einfuhr 7.069,542.000 Ausfuhr ,<■■. 7.499,498.000 Aktivuin•■■■', 429,956.000 Das Mktivum der Warenhandelsbilanz hat sich im August weiter gebessert und erreicht nun schon 430 Millionen gegenüber 148 im Vorjahr. Die Ausfuhr liegt ständig um ungefähr 57 Prozent Mer dem vorjährigen Niveau, die Fertigwarenausfuhr, allein für sich betrachtet, um ungefähr die Hälfte. Der Export von Fertigprodukten,, bat. in den ersten acht Monaten.diese» Jahre« die. Höhe von 5 Milliarden 3,^5 Millionen, erreicht und wird den vorjährigen im Laufe dieses' Monat» um 2 Milliarden Mertroffen haben. Der Unterschied zwischen dem heurigen und dem vorjährigen August beträgt 1 Milliarde 826 Millionen. Ueber den Anteil der wichtigsten Warengattungen an der Ausfuhr geben die nachstehenden Uebersichten Mer. die Monate Jänner bi» August 1987, bztv. 1986 Auskunft:- Spezialausfuhr in Tmtnen: 1987 1988 Kohlen..., . 8,188.478 2,172.040 Hol,.. s a 780.508 996.161 Zucker. a t 175.228 88.604 Eisenerze. a 106.401 54.442 Getreide. ■ 248.958 10.898 Elsenwaren a 189.817 80.655 Zellulose. • 82.923 67.197 Mehl.'. a -• 47.599 18.156 Stabeisen.,. Eiserne Bleche und 78.714 57.609 Platten. • 4 e a 49.701 80.991 1086 4.616,881.000+ 2. 452,712.060 4.764,655.000+ 2. 784,848.000 147,824.000 1987 1986 •• a a a a 57.880 48.657 Eisendraht/,,, 84.842 17.001 Tafelglas.»,•■ 44.562 88.975 Ht>hlglüA• a a a a 22.101 25.009 . Papier 81.665 20.452 SpezialauSsuhr dem Werte nach:. 1987 1986 Eisen u. Eisenwaren. 1,076.768 577.770 Baumwolle, Garne und . Waren daraus... 616.016 488.018 Wolle, Wollengarne und '■ 1■ Waren.,... 480.211 329.085 Glas und Glahwaren. 495.792 857.005 Leder und Lederwaren i. 411.271 294.849 Getreide, Malz, Hülfest- früchte, Mehl, Reis. 528.190 132.486 Kohlen 880.444 255.484 KonfektionSwaren... 818.196 221.228 ««••••• 318.504 271.819 Papierzeug, Papier und Papierwaren... 257.843 148.370 Maschinen und Apparaie 218.162 158.011 Seide und Seidenwaren 292.775 210.286 Flach», Hanf, Jute, Garne und Waren daran». 226.080 147.189 Zucker 152.581 59.817 Tgnwaren 154.186 107.088 Tierische Produkte. 181.028 100.548 Die Vereinigten Staaten nnd die Weltwirtschaft Passive Handelsbilanz und QoldUbartluB Aus dem monatlichen Wirtschaftsbericht der New Norker„Garanty Trust Eompany" der New-Yorker„Garanty Trust Eompany" essanten Bemerkungen: Die Entwicklung de» amerikanischen Außenhandel» hat-in den letzten Monaten eijten nie dagewesenen Einfuhrüberschuß gezeigt, zu einer Zeit, da'ungeachtet'.verschiedener ungünstiger Situationen die' Wirtschaftserholung in den meisten List n d e t'n der Welt angehalten Hat und.' die Kaufkraft-erweitert würde. Nicht, nür, die normalen Srhvlüngskräste beeinflußten die Jndustrittätigkettder Welt ich den letzten Jahren', sondern'mehr noch die großen RüstungSPrograM« me^n vielen Ländern gaben der allgemeinen Geschäftstätigkeit, einen zusätzlichen Schwung uMschüfen. Nachfrage nach großen Mengen von Importgütern'. ' Der Fortschritt, in. der DeltwirischaftSerho- lung hat während der letzteü'Monate angedauert' und' eich besonder» hohe» Niveau dir Geschäftstätigkeit jvürd'ejebttnGroßbritgnnien, Deutsch«' land, Kanada, Italien-. Polen, Tschechoslowakei' und den meisten'sLdä'merikanischen Staaten erreicht. Die in diesen Ländern/ erzielten Gewinne Mrden nur'teilweise auf^Mn durch die ver» suste'sch. anderen Ländern-wie' den Bereinigten, Staaten, Frankreich und Dänemark. !... Die/Notwendigkeit Höherer Importe führte zu eichesn.-/-höheren'.Standard des Welthandels. Trotz der Hindernisse, die' einer natürlichen Wa-' renbewegung im Wege stehen,, wie hohe Zollschranken und Außenhandel-beschränkungen, wich das Welthandelsvolumen während de» ersten Vierteljahres 1987 schätzungsweise nur ungefähr sieben Prozent von der gleichen Zeit de» Jahre» 1929 ab. Andererseits sind die gegenwärtigen Goldpreise bettächtlich niedriger al» 1929, und der Gesamtwert de» Außenhandel» in den letzten Mochaten schneidet bei einem Vergleich nicht s o günstig ab. Die Erscheinung, daß im'Amerikanischen Außenhandel der Einfuhrüberschuß in den letzten Monaten im Wachsen war/' angesichts einer er- weiterten Geschäftstätigkeit/.in anderen Ländern nütz eine». Ansteigens de» gesamten'Welthandels, hat in ASij viele Betrachtungen über die Faktoren hervorgerufen, die dieser Situation zugrundeliegen und übep die möglichen Wttkungen eine» anhaltenden Einfuhrüberschüsse» auf die aHMkanische inländische Wirtschaft. M'Lüwtilen wird' die Meinung geäußert, daß wegen, der Größe und de» Reichtum» der Vereinigten Staaten der Außenhandel nur geringe Bedeutung hat. Aber nicht» wäre falscher, al» da» hü glauben. Erstens gibt e» viele wichtige Waren, die im Jnlayde ohne Einfuhr, nicht zu haben/ oder.sehr kostspielig wärem wegen der kli- mättschen Bedingungen oder de» Fehlen» der Rohstoffe. Zweiten» aber hängt die industrielle Struktur der. Bereinigten'Staaten in'-hohem. Maße von den HuSlandSmärkten ab. Jni Jahre 192st würden fast 19 Prozent aller expottfähig'en, Güter,ins Ausland verkauft, Wenn dieser Pro-! Mittwoch, 15. September 1937. Nr. 217 Sozialdemokrat" Runde Kunst und Mssen kUeratur WWW Der Mm B i z ü.’d 8 b cd i n b u n.R e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Ki 16.—.vierteljährlich- K£ 48.—; halbsährig Xi 96.— ganzjährig K? 492.— Iran-tzarlow und Robert Taylor in dem Film„Ihr Hausfreund". Dai Nationaltheater rum Ableben T. G. Masaryks Auf der mit Trauerdekorattonen versehenen und verdunkelten Biihne des JtationaltheaterS mit einer beleuchteten Büste Masaryks versammelten sich acstcrn nm 11 Uhr die Mitglieder des Nationalthea» ter» mit den Vertretern aller Angestelltenkategorien unter Führun» des Direktors und der beiden künstlerischen LhefS des Nationaltheaters. Direktor Dr. Stanislav M o j l i s- L o m und die beiden künstlerischen Chefs, Professor Väclav T a I i ch für die Oder, Professor Ot. Fischer für das Schauspiel, gedachten der Bcdeutuna Masaryks für die tschechische Kunst und gelobten, das Nationaltheater werde auch iy Zukunft im Geiste T. G. Masaryks»«führt werden, DaS Nationaltheater wird gemeinsam mit der, Tschechischen Philharuwnie heute, Mittwoch, des grossen nationalen Werkes T. G. Masaryks durch Aufführung des symphonischen Gedichtes von Smetana „M e inBaterland".gedenken. Die Leitung hat Professor B. T a l i ch inne. Der Spielplan des Neuen Deutschen Theater» wurde also abgeändert: Mittwoch 7sh Uhr: Carmen lB 1).— Donnerstag, 7sh Uhr:„Nathan der Weise(El).— Freitag geschlossen.—' Samstag 7 sh Uhr: Jedermann lA 1).— Sonntag 7 sh Uhr: Oberon(B 2). Der Splelplan der Kleinen Bühne laufet nunmehr also: Mittwoch 8 Uhr: Rausch.— Donnerstag geschloffen.— Freitag 7 sh Uhr: Nora.— Samstag 8 Uhr: Eine Fr au o h n.e Bedeutung.— Sonntag 8 Uhr: Rausch. Trtiüerfeler der deutschen deriiokratltchen Bevölkerung Prägt im Neuen Deutschen Theater Die B« z i r-k S st e ll e d e r a k t i v i st k- sch em Parteien Prags hat am 14. Sep- tcmber«ine Trauersitzung abgehalten und den Beschluß gefaßt,«ine großeTrauer» f.e ier der gesamten deutschen demokratischen Bevölkerung Prags im Neuen Deutschen Theater zu Veranstalten. Datum und Programm der Kundgebung werden noch bekannt gegeben. Die Anmeldung von Vereinen, welche sich än dem Begräbnis des verstorbenen Präsidenten Mtsgryk beteiligen wollen, nimmt"die Kanzlei des Präsidiums der Hauptstadt Prag im Altstädtcr Rathaus, 2. Stock,,Haustelephon 557, bis Freitag, den 17. September, 2 Uhr nachmittags, entgegen. Mit der Anmeldung muß die ungefähre Anzahl der Teilnehmer angegeben werden. In dem Umzug werden nur uniformierte Turn- und Wehrvereine zugelasien. Den übrigen angeinelde- ten uniformierten• und nichtuniformierten Vereinen wird eine Stelle im Spalier reserviert. ; Die endlosen Provisorien beim Prager Arbeitsgericht dauern leider an. Wir' haben bereits vor eiitigtln Monaten auf diese bedauerliche Tatsache aufmerksam gemacht, der umso größere Bedeutung zu- köntint, als gerade bei den Arbeitsgerichten die möglichste Stabilität des. zugcteilten Richterpersonales dringend«rforderW.ist, wenn ,eine schnell« und einwandfreie Erledigung arbeitsgerichtlicher Agenda erfolgen soll. Gerade der Arbeitsrichter muß in sein Amt eingearbeitet sein wie kein anderer seiner Kollegen bei den übrigen Gerichten, gerade hier sollten die nötigen Personalveränderungen allmählich und vereinzelt erfolgen, damit immer ein hinreichender Stock eingearbeiteter richterlicher Kräfte zur Verfügung steht. Dies- ist leider beim Prager Arbeitsgericht nicht der Fall, wo seit längerer Zeit mit allznvielen Provisorien gearbeitet wird. So ging nach halbjähriger Tätigkeit der vom Rakoniber Bezirksgericht provisorisch zugeteilte Bezirksrichter Dr. L« h o v e c wieder an. seinen ursprünglichen Wirkungskreis zurück, an feine Stell« trat als Leiter der VI. Abteilung der aus Hokice zugeteilte GR. Dr. Rose k. Da» Amt de» GerichtSvorstandeS versteht provisorisch GR. Dr. Z e i d l e r, da der frühere Vorstand deS Arbeitsgerichte» OGR. Dr. Zehrer nicht Mehr von seinem Urlaub zurückkehren wird. BezirkSrichter Dr. K u r k a wurde der Prager Staatsanwaltschaft zugeteilt, wie vor ihm schon Dr. K o t v».Also zwei neuerliche Vakanzen, die hoffentlich nicht wieder im Wege eines Provisoriums behoben werde». Denn es ist hohe Zeit, daß der derzeitige Zustand der Provisorien und Supplierungen behoben wird und wieder ein fester Stock eingearbei- tcter, mii der arbcitSrechtlichen Agenda und ihren Besonderheiten eingehend verirauter Richter geschaffen wird. Eine solche Konsolidicning sit, wie gesagt, es»« Notwendigkeit, wenn das Arbeitsgericht seiner sozialen Bestimmung reibungS- und restlos nachkommen soll. Englische'Truppen aufdemWeg nach China DaS englische. Truppen-Transportschisf„Dünera" verließ gestern den.Häfen von Southamp-•' ton, um neue Verstärkungen nach der englischen Kolonie Hongkong zu bringen. Die„Dunera" ,....wacht bei dieser Reise ihre Annilfernfahrt.'... Pukball-Serle Im 8. Kreis Im Gangs Mehr als tm Vorjahre haben sich' in der, ersten Fußballklasse'in, Westböhmen die Kräfte ausgeglichen, nachdem auch die Mannschaften verschiedene. Verstärkungen eingeholt zu haben scheinen. Nach dem zwek- ten Serien-Sonntag stehen noch FFK Falkenau.und AtuS Unterreichenau ungeschlagen an der Spitze. Falkenau holte sich beide Punkte, aus Drahowih, während Unterreichenau auf eigenem Platze über Maierhöfen erfolgreich blieb. Auch GraSlitz und Karlsbad haben noch keinen Punkteverlust zu verzeichnen. Die GraSliher gewannen ihr erste» Spiel in Schankau knapp, ebenso Karlsbad gegen Chodau. Der Neuling Altrohian vermochte' bei seinem Debüt.auf dem Fischerner Platz Immerhin einen Punkt für sich zu blühen. AtuS Aich machte seine Niederlage vom vorletzten Sonntag durch den Gewinn beider Punkte gegen Neudek wieder gut. Die Ergebniffe: Atu» Drahowitz. gegen FFK! Falkenau 2:4(0:2). AtuS Unterreichenau gegen ASB Mäiirhöfen 4:2(2:1). AtuS Fischern gegen ASB Alirohlau 8:8(1:1), Napih Karlsbad gegen Rote Elf Chodau 8:2(2:9), AtuS Aich gegen«SB Neudek 2:1(1:1), ASB Schankau gegen MSB GraSlitz 1:2. Da gibt cs Ehebrüche und Scheidungen,«in uneheliche» Kind und eine Korruptionsaffäre, aber, e» werden keine Tragödien daraus, Weil alle» mir«in Stück Leben bleibt,/ein Zwischenfall, eine Episode,, ein. Uvbergang zu einem neuen Kapitel, mit immer den gleichen; sich selbst nicht mehr tragisch nehmende» Figuren. Es ist erfrischend, solch ein in aller Einfachheit geistreiches, in aller Amoralität unaufdringlich guti- ges Spiel tn einem heimischen Film sehen zu,können. Undchier beginnt auch der Anteil de» Regiffeüt» Hugo Haas, der den Verdiensten, die er sich al» Darsteller um den heimischen Film erworben bat: nun las eine» kundigen, geschmackvollen, ja manchmal.schon elegan- ten Regisseur» hinzugefügt hat. Es wäre Ueb^rtrei«. bung, von einem Meisterwerk zu reden.' Mer e» ist am:Platze, von einer gelungenen Arbeit zu.sprechen: da» Lustspiel Konräds ist versilmt worden, ohne daß sein. Geist verletzt wurde/, E». gibt, gewiß ein paar, überflüssige Zutaten, aber keine störenden. Und es gibt in diesem Film' Bewegung, Szenenwechsel, witzige Pointen,.hübsche Bilder mnd heiteren Fluß des Geschehens. Und die von der Vorlage und von den Darstellern drohende Gefahr unfilmischer Theater- Auftritte ist, wenn Nicht gänzlich gebaNnt, so doch durch geschickt« Schnitt« und leichtes Tempo gemildert. Die Darsteller,— nun, sie taten, was sie konnten. Bei der Trägerin der großen Großmutterrolle, Rüjjena Naskovä, war da» freilich zu wenig: sie wirkt längst nicht so lebendig und beherrschend, wie es ihr zukäme. Aber unter den Jüngeren sind muntere Figuren: Svktla Svozilovä als pflegewütiger Männcrschrcck, Jikina Sejbalovä als naive(zu naive) Verführerin und Trude Großlicht in einer beinahe wedekindschen Jungmädchenroll«.'—cis— B e z u.g»,b e d i n g u n.g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Kä 16—. vierteljährlich- Kd 48—; halbjährig Ai 96.— ganzjährigsi-,192—.^—-Jnserate-werdinilaut. Tarif billigst berechnet.'Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung oop Manuskripten ersolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankasur wurde von her Post» und Tele«. graphendirektion mit Erlaß Nr. 18.89S/VH/1S89 bewilligt. kKontrollvostavit Praha, 25,— Druckerei: ,^>rbiS", Druch-, Verlags- und Zeitungr-A.-G. Prag. Für di« s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n Emigranten findet heute, Mittwoch, den 15. September 1937, abends 7H Uhr, int Odborovy dum» Perstyn 11,«ine GedSchlnlsfeler für den verstorbenen Präsidenten T. A. Masaryk statt,- bei der Redakteur JosefHo f b a ü e r die Gedächtnisrede halten wird..' französischen Revolution und dank ihr schon Gemeingut der Menschheit war: die Menschlichkeit. Deshalb ist der Roman gerade jetzt wieder aktuell.'-f b— Oskar Baum:»Da» Volk de» harten Schlaf»": Roman. R. L ö w i t- V e p.l a g, Wien und.Jerusalem.— Heute ist das Volk der Chasaren kaum noch«in wenig dem Namen nach bekannt. Vor, rund tausend Jahren hatte e» ein großes Reich sm Gebiete zwischen' Kaspischem See, Kaukasus und Schwarzem Meer im Süden. und.mittlerer Wolga und Dniepr im Norden und Westen,— ein sehr bedeutender Reich, da» zeitweilig seine Macht, fast bis an die Karpathen aurdehnte.. Diese» türkisch« Volk der Chasaren trat im Jahr«.788 zum Juden» tum über» und gerade die Zeit, da e» jüdisch geworden war, ist auch die seiner größten-, politischen Bedeutung gewesen. Um da» Jahr 1580 verschwand, nach'mehreren Niederlagen und Zerstörung de» Staate», da» Chasarinvolk au» der Geschichte.— Ö»kar Baum, der bekannte Prager Dichter, schildert in seinem Roman die in der Geschichte diese»,Volle» bedeutendste Zeit, die der Bekehrung, zum Judentum. Er läßt sie hauptsächlich da» Werk eine», jungen tapferen, kriegerischen Juden sein,'der da»,Reich durch seine Feldherrentüchttgkeit rettet. Bulgn, dieser junge Krieger, ist'einer der Juden) die al» versprengte Minderheit unter,den heidnischen Chasarsn wohnen. Die sehr anschauliche Schilderüng des Bei« sammenwohnen» von Juden und anderen— Heiden in der Mehrheit— zeigt, wje die Sied«lugg»-. Herrschaft»-' und' Wirtschaftsverhältnisse(außer der überlieferten Religion) den Charakter formen, wie «berauch.Menschen besonderer Art, wie eben Bulän, diese Verhältnisse umgestalten. Und.innerhalb de» Judentum» zeigen sich alle die Typen, die Wohl mich heute noch die'wesentlichen sind: die Konservativen, di« aüf die Befolgung de» Worte» Bedachten,'die Eiferer'mid Unduldsamen, und andere, denen e» mehr Nm. den Geist'geht al» um den Buchstaben, um die innere und durch die Tat sich bewMrende Wahrheit al» um Wortflauberei und.Wortbefolgung. Baum vermag sehr lebendig zu erzählen, durch, sorgfältige Detailmalereij die doch durchweg» al» große» umfassende» Gesamtbild wirkt,«ine un» ferne Zett und ein ün» ferne» Boll un» ganz nahe zu rücken,'f-- er läßt in diesem Roman eher mehr geschehen al» -in- seinen früheren und in rascherem Tempo— aber e» geht ihm, neben dem Wunsch, eine besondere eigenartige Epoche der Geschichte de» Judentum»' j den heutigen näher, zu bringen, wohl vor allem um Verkündung ethischer Grundsätze, um'die'.Darstellung eine» Siege», der Wahrheit und de» Rechte»,? und-damit wird dieser Roman zu einem für a l k-e. denen sittlich« Erkenntnisse und Gebote'noch etwa» bedeuten, ungemein' wertvollen.— er äst bedeutend, al» Dichtung und. al» menschliche»'Dokument.-I: H. De» kürzlich allzufrüh verstörbenen Schriftsteller» Karl T s ch u p p i k im Allert de Lange«- Verlag: Amsterdam, erschienener'erste Roman»Ein Sohn au» gutem Hause" zeigt ein- Stückchen de» alten Oesterreich, Ein Stückchen nur. wenn auch- der 1 Schauplatz.weit genug gespannt ist:' Wien, Prag, Wiencrwald, mährische Garnisonen., Ein Stückchen nur der österreichischen Gesellschaft, die ja nicht nur au» der höheren staatlichen Beamtenschaft, und. Kadetten, und Ossizieren bestand.'. Aber,' ist, der Romyn- auch kein KÄoffälgemäld'e de» alten Oesterreich oder- auch nur de» alten(sind in seinem'Beften'>.wie-itiz seinem-Schlechtesten unsterblichen) Wien.! so ist:ttf doch ein gute» TeilbUh,- da» dem Nichtöfterreicher' und Nichtwiener'wenigsten»! ein Ahnen dessen, was, Oesterreich, war,, zu., geben vermag.., Mar von. d'Adorno ist Sohn! eine» höheren Bcamten',.der,zu-^, erst.in Wien und Prag die Dijttelschule.', dgnn,snT Mähren die'Kadettenanstalt besuchtjder gerade:aln! Vorabend:de» Weltkriege», al»' der-erste- Ballankrieg'-. anzcigt, daß eine neue' EpochebegönkeN'ihat.'zußr- Mann herangewachsen ist. Also lernt: man'! schott> etwa» von-jener- besonderen.österreichischen- Atmö-■. sphäre kennen, von, lener besonderen österreichischen. Art de»-Leben»: de», FllhlenS,'desTunS.und.:Nicht-,1 tun», die'nicht! zu beschreiben ist, die nur. durch künft«' lerische^GestastuNg' ein wenig erkfnnbar..gemacht werden kann, Picht auf da» Geschehenkommrerän'f' — deNn' däß«in Jüngling in' eiti-iüstge» Mädchest. j- dann in eine' reife-' Frau- sich- verlieht/-dästz'M siibk-'! durch die:Schule'durchschlägt/ das>ist oft gemtgchav»/ gestellt worden. Daß- aus den-Blätf'ern des.Bucher,'.. während Mag«Ssliest, so etwa» wie«in Hauch-M» österrcichS aufsteigt, haß vor dem Auge d'e»' LeferS. ein' Bild des österreichischen Menschen.sich formt darauf kommt es an und da»'iit Waltev Tschuppik, steiWMH' vle Sluekkenne . Endlich ist hier wieder einmal ein tschechischer Film entstanden, der wirklich heiter ist, geschmackvoll, lebendig'und erfreulich,— ein Film, ohne Plumpheit und Rührseligkeit, der Menschen.menschlich sieht und au» ihrem Treiben keine tragischen Tränen preßt und keine, faden-Romane spinnt, der Volkstümliche» und Familiäres in einem freien Geiste darbietet, der Ge- fühfe. hat,, ohne sentimental zu sein, und scherzt, ohne albern zu werden:• 1., Das Verdienst gebührt zunächst der literarischen Vorlage de» Films, dem Lustspiel- Edmond Konrads, dar deutsch unter dem Namen„Das Nest" bekannt'wurde! Hier war etwas, das zu verfilmen sich lcchnte: keine neckische Operette und auch kein «ourths,mahlerischer Foütsetzuna°roman, sondern ein heiie.r, erschautes,, gutmütig witziges, nett erfundenes Spiel,von den Wirrnissen einer Familie, in'der'die Tächtgr.. ihre Männer nicht, hstlten. und die Männer' sich von der-Schwiegermutter nicht trennen können, di« mütterlich-verstehend—■ und doch eigentlich nicht verstehend— ihre! Fittiche Wer das sonderbare Gewimmel der jüngeren Generation hält, die esne noch jüngere und: nochüberraschendere hervorgebracht hat. Neu««.Weltrekord im Schwimmen.. In Chicago unterbot der Amerikaner Ralf F l a nag a n den seit zehn Jahren von Arne Borg gehaltenen Weltrekord über 1500 Meter Freistil um 49 Sek.-»auf 18:18,2 Min. " Die Weltmeisterschaften im Gewichthelen wurden Sonntag in Pari».beendet. Im Leichtgewicht siegt« Terlazzo(Amerika) mit 857.5 Kg.(195,110, 142; letztere Leistung bedeutet«Inen neuen Weltrekord). Auf den siebenten Platz kam der-Tschecho- flowake Balda mit 897.5 Kg. von 18 Teilnehmern. Im Mittelgewicht siel der Sieg an. den Amerikaner Terpa mit 852.5 Kg.(192.5, 119. 149); vierter wurde.Hantych(Tschechoslowakei) mit 885 Kg! Zehn Teilnehmer. Im Halbschwergewicht gewann der Wiener Haala mit einer Gesamtleistung von 875 Kg.- -(195,129,159)! Sech» Teilnehmer. Da» Schwergewicht wurde von dem Nazi Manger mit 429 Kg (185, 125, 169) vor den Tschechoslowaken Pöeniöka mit 495 Kg.(125, 125, 155) gewonnen. Sieben Teilnehmer. Historische Romane, Vict or H u g 0 r Romane„Notre Dame" und„Die Elenden" sind den Deutschen bekannter geworden al» sein großer Revolutionrroman„1798", itzber auch die erstgenannten, einst vielgelesenen, sind heut« in der deutschen Leserwelt kaum noch lebendig. Dem großen Franzosen wieder eine deutsche Leser» gemeinde zu schaffen, dies« Absicht allein schon mußte der. Herausgabe des Romans„1798" In neuer Ueberfehung(von An ton Zimmermandl) durch den Wiener Verlag Ludwig Nath Dank und Anerkennung sichern. Sie. gebühren-ihm aber auch deshalb, weil der Roman aktuell istl So aktuell, wie die wirklich großen Werk« der Weltliteratur immer wieder werden. Führt Hugos Roman auch nicht,, wie Anatol Frances Roman„Die Götter dürsten". bis an» Ende der Schreckensherrschaft, zeigt er auch nicht wie Frances Wert', wie zuletzt der Terror die AuSüber de» Terrors verschlingt, so zeigt ec doch deN Bürgerkrieg, den von außen her. von adeligen Emigranten und von England geschürten und unterstützten Bürgerkrieg in der Bretagne, den die. republikanische Regierung schon nicht nur. durch militärische Akttonen, sonderst'auch durch den Schrecken zu bezwingen sucht. Vielleicht- ist da» an Vicwr Hugos Dichtung da» bedeutsamste, daß. sie ! darstellt, wie in diesem Krieg zwar die vermeintlich römische Tugend der völligen. Unterwerfung unter die StaatSidee groß werden, hie Menschen.zu heroischen Handlungen führen konnte, wie aber die Menschlichkeit litt, wie sie kaum Raum fand.-Von hiir aus führen Parallelen in unsere Zeit!. in der wieder verloren zu gehen droht: wu» seit der großen FFK Falkenau... . 2 2 0 9 12:8 '4 Atu» Unterreichenau. .- 2 2 9 0 8:4 4 Atur Fischern... . 2 1 1 9 6:4 8 MSB Neudek... . 2 1 9 1 5:8 2 ASB GraSlitz... . 1 1 9 9 2:1 2 Rapid Karlsbad.. 1 1 9 9 8:2 2 Atu» Aich...'.... . 2 -1 0 1 8:4 L ASB Alirohlau., . 1 9 1 - 0 8:8 1 ASB Maierhöfen.. . 1 0 0 1 2:4 0 Rote Elf.Chodau.. . 2 9 0 2 4:7 0 Atti» Drahowitz.. . 2 9 9 2 8:7 0 ASB Schaickau.'. . 2 0 0 2 2:11 9