Aentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeitervartel in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Anonahme de» Montag tiiglich früh/ Einzelpreis 70-etter Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 58077- Herausgeber: Siegfried T au b.-. Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Aus dem Inhalt: Neue Verhandlungen mit Rom „Strafexpedition 1* italienischer Seekadetten in Tunis Angelsächsische Proteste in Tokio Sammlung der SPD-Emigration Autobus mit Trauergästen verunglückt 17. Jahrgang Mittwoch, 22.September 1937 Nr. 223 Neben dem Tag des großen Schmerzes und der maßlose« Erschütterung, da die Kunde von Thomas Garriguc Masaryks letztem Herzschlag und letztem Atemzug durch die spate Nacht und dea grauenden Morgen lief,»eben dem schwere» 14. September 1937, wird dieser andere,Tag, der Tag der Verklärung, des feierlichen Abschieds, des triumphale» letzte» Geleites, der von Sonne»glanz«nd Glockengeläute, tränenheißen Treuschwüre» und großer Hoffnung erfüllte 81. September, im Gedächtnis der Zeitgenossen' weittrleben und nach vielen Jahrzehnte» noch, wen« die Kinder von heute Greise geworden sind, als lebeadiges Bild vor dea Auge« der lauschende« Enkel erstehe». Al» hatte« himmlische Gewalten die erhabene Regie de» großen irdische« Schauspiel» begriffe«, hat,die Natur jrdemt der beiden Tage, zwischen de«en Prüfung, Besinnung, GewiffevSerforschupg«ud Erman- «ung ganzer Völker liege«, seine Szruerie gestellt. Ttister Herbststurm pritschte de» Regen über Böhmen» Berge«nd fegte weit ins Karpathenland hinein, al« T. G. Masarhk von uns ging. In schweigender Nacht hörte ei» unendlich großes Herz zu schlage« ans«nd Abermillioae« Herzen standen eines Augenblicks Länge still vor Schmer»«ad Ergriffenheit, mit einrmmal'daS Gleichnis erfassend, daß mit diesem Ange eine Sonne erstarb, ei« Licht erlosch, die an» nicht mehr leuchte» solle», so lange»och n»ser Dasein währt.'’ Ein aznrener Himmel wölbte sich über der königlichen Stadt am Moldaustrom, Sonne war auSgegoffea über das Land«nd stand in Mittagshöhe, als der Schüler«nd Erbe der Toten seine Rede geendet hatte«ud die schmucklose Lafette mit dem Sarge de» Vaters der, Nation an» dem Burgtor rollte, znr letzten Fahrt durch die Stadt, durch da». Spalier der Hundettta«- sende. Es.war ein wahrhaft goldenes Prag, leuchtend in der Majestät feinet; begnadeten Schönheit und geheimnisvolle», steingewordene« Tradition, das der letzten Fahrt des einzige«. MuneS als Kulisse anfgebaut war.' Und es war, al».wolle die Natur die. Harmonik wiederher- ? stellen,,die' durch de» Griff des Tode», ip, das S wundervolle und unvergleichliche. Uhrwerk dkr > Persönlichkeit Masaryks gestört worden war, al» z wolle, sie dem Prinzip zum Rechte verhelfe«, da» der DahiNgegäageue Nichtnur gelehrt^.sow per» gelebt hat, da» Prinzip eben der Harmonie, de» reinen Werkes, der steten Arbeit, des stille» Dienste» an der Welt n»d der Menschheit.' Schweres ist«ntz angeta», Unersetzliches ist «H geränbt worden.- Ein Leben, teuer nicht nur einer Nation, sondern allem, wa» i« dieser Welt«och'aü die alten Werte der Menschheit glaubt,M' erloschen, eij«. Mensch, der seinesgleichen in diesem Jahrhundert nicht hat, ist durch dK-Wgen Gebreche« alles Irdischen, durch Alter, Krankheit, Leiden zermürbt«nd zerstört tvordx«. Aber, wir dürfe«-trotz- diesem BerÜest «ud phschou wir al» Stgqt nnd«l» Nationen diese». Staates, ja a«ch;al»Mropäer,«ls.Drnlokrii- ten und als Minbige der HnmanitatSlehr« de» Toten, Größeres nicht mehr zn verliere«, Schwereres nicht mehr zu ertragen habe« al» diesen Tod, wir dürfen trotz'ällehem nicht in der Ber- gangcnhci« nnd der Trauer anfgehen, sonderu unsere Kraft darärisktzkn, daß' wir däS Erbe de» Größten, der unter, uns wandelte,, hüte«»ud Mehren..,'.' - Die starken,- gläubigen- und hoffnungsvollen Worte- die-der Präsident der Republik an -der Bahre.Masaryks'faUd,- die-würdige. Trauer der millivutuköpfigc» Nfenge i«. den Stxaßen der Hanjitstaot ynb d'er anderen, die es'.im. ganzen Lande miterlebten, der. respektvolle^ruß der gesitteten Welt, der.Masaryk» letzter-. Fahrt folgte,-sie sollen, der. Auftakt sein zu dem, was einzig- im Sinne dtSBkrstorbenen lietzti-zu Arbeit Und Kampf für'.den meuschlichen Fdrt- schritt, für den Frieden,. für die. Gerechtigkeit. .. Schlicht hat Masaryk, gelebt, schlicht Mer, ei» Soldat, gehüllt in das dreifarbige Ammer, auf der Lafette noch einmal durch die geliebte Stadt, noch einmal, dieser Freund/ Künder und Mehrer deö Lichts, unter strahlender Sonne über de« Strom der Libnffa, über den Strom Smetanas gefahren, ehe er-in den Schaß der böhmischen.Erde gesenkt wird, wo skiNe Gebeine in Frichea-schlafen. Möge«, eine Weihestätte und ein Mahnzeichen- gegenwärtiger«ud künftiger GeschleÄrr: Sei« Geist aber, das Unsterbliche an diesem.' Meisterwerk.-der geheimnisvollen Schöpsnng, wird unter«ns leben,' über«nS strahlen, möge uns,-segnen immerdar mit-jener leuchtenden Fülle,, mit-der.heute die Sonne von Böhmen müttrrlich'den-größte» Sohn deö Lände» gnm Abschied geküßt hat! -^nt dem«roten Borgbof nahm der Präsident'-Hilf Bepnbllk Dr. BeneiAbschied von: v Masaryk;(links die Angehörigen, des Präsidenten Masaryk). Von der Nacht zum Morgen chtn Würde/ die sich in-die Quartiere begaben. Grötzes Interesse erregte eine Wteilung R e p u• bchik a.n.i sche. We h r, die ip den. Abendstunden--, durch'dir Hauptstrahen marschierte.' Gespenstisch- w ehten im Scheine„ der Feuer- die Trauer- Miien auf den Plätzen und an den Häusern,-die «^MKkn^warkn-voll/besitzt^vön.Menschen..^ die keine; NächtigungSgelegenheit gefunden- hgtten. Glücklicherweise hatte: Sie. ausgegebene. Warnung W^WMem.Zugvst nach Haag geKlrktjld.Ie-.Städt yMe. soWdie Menschenmengen nicht-fasten kön- 'den Waräeiiden'die" Ermüdung aNi-Bielkwären.amÄachmittagftundenlängän- gkWt. gewesen,,Mn dem Altpräsidepten aus der Mrg. die'-letzte'Ehre zu erweisen, viele-.wären.zu Wtz-gekommen wnd-zu.arni/sich ini Gasthaus zu äü»'und begrüßten sreu'dig den aufgehenden Tag. W den-wärmenden Strahlen der Sonne war der '' In der Nacht vor-dem' Begräbnis Masäryts. bot die Hauptstadt Prag einen eigentümlichen An», blick.Man begegnete in den Straßen, die der Trauerzug HHpWsWN/iHmM vielen'Hunderten, die,!-'uP-sich?chstestWmN"Plä'tz;jü-fühern/*i>iei Nacht W Freien verbrächten.>- Sie lehUten;-- um: sich ein wenig auszuruhen,-an-dtn LichtMasten und: an den Masten der Stratzenbahn/''an" den Tele« phonhäutchen und Häuserwänden. Manche. hatten sich Mappftffel< mitgebracht, ganz» besonders-Porz- sichtige auch einfache Feldbetten,-viele hüllten sich stzMMlWW^MemenAM'Htyde<-MMN Mstbernll,WiMefkMM«^blistM!MnWäiMHl^ Marschttitl mäkschie'ttndet: Kslönnen unterbro!-.' kühle Herbstwind weniger fühlbar.— Schweigend standen die Trauergäste zu Hunderttausenden und lauschten den Reden und Gesängen aus dem Radio. Wenn die Sendungen unterbrochen wurden, hörte man fast nur das Knattern der Fah«. neu, die der Wind bewegte. Die Samariter hatten in verhältniSmähw wenigen Fällen einzugreisen, die Polizei auf der sieben Kilometer langen Strecke fast überhaupt nicht. Der Prager Ortsdienst des Rundfunks, der eigens zur Dirigierung der Polizei eingerichtet war, trat überhaupt nicht in Funktion. So haben die Massen durch ihre demokratische Disziplin ihren großen demolrati» scheu Erzieher geehrt. Vie Trauerfeier auf dem Hradschin ■' Der erst« Burghof am Hradschin, wo' die Trauerzeremonie ihren Anfang nahm, war in einen, groben.Trauersaal umgewandelt worden. Ei«.'Riesenbaldachin; von. schwarzem Tuch umspannt, wöcht sich über der Stelle, wo der Sarg bei Beginn des Begräbnisses ruhen wird'.'Links und rechts sind wie in einer Kirche zwei Seitenschiffe, ebenso schwarz überspannt wie der ganze Boden des Burghofes. In dem linken Seitenschiff versammeln sich seit ö Uhr die Abordnungen der fremden Staaten, die in Prag beglaubigten Gesandten und die Militärattaches, darunter Leon Blum, dann der Vertreter des Kijnifts von England, die Ministerpräsidenten Tata- r c s c u und Stojadinoviö und viele andere, auf der rechten Seite sieht man die Mitglieder der Regierung; die Präsidien-der beiden Häuser der Nationalversammlung, dahinter die Abgeordneten und Senatoren. Um 9.80 Uhr erklingen alle Glocken des Veitsdomes dumpf uns schwer, einen Augenblick hört man das helle Glockenspiel von der Lorettokirche her. Schlag 10 Uhr-tragen-sechs-Generäle den Sarg Wit den Ueberresten des Verstorbenen in den Burghof. Der Sarg ist bedeckt mit der Staatsfahne, vor dem Sarg wird der Kränz des Präsidenten, der 'Republik aufgestellt, die ganze Mitte des Burghofes ist mit Kränzen und Blumen bedeckt. Hinter dem Sarg-schreiten die Kinder und übrigen Angehörigen des verewigten Präsidenten, die, vom .Eingang gesehen, links vom Sarg stehen, während sich, recht» der. Präsident der Republik Dr. Eduard Benes aufstellt. In dem Augenblicke da .der'Sarg, auf den Katafalk gestellt wird;- erheot sich, die ganze Versammlung, die Soldaten iglustieren, die Zivilisten entblößen ihr Haupt nnd es ertönen Traüerfanfären,' von der Tschechischen Philharmonie gespielt. Ein starker Wind läßt die Fahnen und Fläggeü ausflatternund der über dem- Trauertor aufgezogene Baldachin erzittert -unter, den. Windstößen. Knapp nach 10 Uhr ergreift der Präsident der Republik das Wort und hält mit fester Stimme, die aus dem ganzen Platz deutlich zu vernehmen ist, seinem Lehrer, Vorgänger und Freund den Nachruf. Cs ist knapp .10 Uhr. 80 als Dr. Benes keine Trauerreoe schließt. Gegen Schluß der Rede des Präsidenten hatte der Wind an Stärke z'ugenomgien und rüttelt an.den-Dekorationen des Traiiertore». Nachdem der.Präsident geschlossen'hat, trägt die Gesangsvereinigung der Prager Lehrer erst den W'enZelschor,'dann den Hussitischen Choral„Die Ihr-GotwS Kämpfer seid" vor. Als der GesäNg verklungen ist,;Ieistet die. Bürgwache die Ehrenbezeugung, die sechs Generäle, die den Sarg gebracht haben,'heben, ihn vom.Katafalk vor dem Trauertor' und trägen ihn auf den zweiten Burghof, wo/der Sarg älif-die vorbereitete Geschütze -läfekte'gelegt wird. Die'Mitglieder der Fgmilie . des verewigten Prästdenten-gehen-als erste.hinter Seite 2 Mittwoch, 22. September 1837 Nr. 223' dem'Sarsi durch das MatihiäStor, dtnter ihnen der Präsident der Republik Dr. Benes. Wieder ertönen alle Glocken des St. Veitsdonie», aus der Ferne ist Geschützdonner zu hären, über der alten KüuigSbnl'n erscheinen ganze Schwärme von Flug- zeugen, es ist dreiviertel 11 Uhr und der Be- gräbniSzug seht sich zum Wen durch Pran in Be- ivegung. Die Fahnen und Standarten, der nach dem Präsidenten Masarpk benannten Regimenter lverden dinauSnetrane», dahinter marschiert die Bargwache, dann folnt die von sechs Rappen ge- zogene Geschützlafette, auf welcher der Sarg ruht. Hinter dem Tarn folgen die Familie des Dahinnenannene», der Präsident der Republik, die Bertretunneu der ausländischen Staaten, die Re» gierung, die Abgeordneten und Senatoren und 'andere öffentliche Funktionäre. Um 11.18 Uhr fetzt sich von Tefvice her der Fug der Legionäre in Be-< wegung. ES marschieren hintereinander 19.000 russische, 4500 italienische und 2500 französische Legionäre, deren Vorbeimarsch eineinhalb Stun» den dauert. . Ins Tal hinab Durch dar rückwärtige Burgtor über den Hirschgraben, von wo der Beschauer einen der schönsten Blicke auf den Dom und die alten FestungStürme und Wälle de» Hradschin hat, bewegt sich der Trauerzug durch die Alleen zwischen dem Belvedere und dem Sandtor zur Höhe der Chotek-Anlagm. Wenige Schritte von der Straßenkreuzung entfernt, an der er sich nun scharf rechtr und über die Thotkova filniee zutal wendet, befindet sich ein kleine! bescheidener Haur. an dent eine Gedenktafel und eine Büste verkünden, das> Frau Charlotte Masarp» k o v ä während deS Krieger hier gewohnt habe. Um einen in der Blüte der Jahre verstorbenen Sohn trauernd, in banger Sorge um den im Exil kämpfenden Gatten, harrte die tapfere Frau, auch körperlich leidend, hier aus. Gegenüber der kleinen Gaste mit dem bescheidenen Heim des Professor» liegt die K r a m ä t- Billa, Sitz des Gegenspielers von einst, der vor der Zeit hier seine Burg austat, aber die andere höhere nie erreichen konnte. Bor wenigen Monaten hat man Kramäk auS diesem Hause getragen, nun folgt der fveitau» Gröbere der beiden Männer dem Jüngeren auf dem letzten Weg. 1 Unterhalb der Schanzen ist dec Thor der Mäh- rischen Lehrer aufgestellt. Unter der Leitung von Prof. Soupal trägt er einen Abschiedrgesang vor. Unter den uralten Bäumen der Belvedereparks steig» der Fug nun die Schleife der Thotkova hinab, um am Klarschen Blindeninstitut vorbei der MäneSbrücke zuzustreben. Bon allen Türmen läuten die Glocken, über der Stadt kreisen 160 Flugzeuge und in dar ungeheuerliche Dröhnen der Motoren mischt sich von Zeit zu Zeit der Donner einer Salutschuster. Wie ans einem Engpaß tritt der Zug aus der Thotkova und entfaltet sich in den breiten Straßen, die van Tausenden Menschen umsäumt ist.' Auch hier sitzen viele seit Montag abends. Selbst, die Dächer sind besetzt, auf dem Schupfen der Waldslein-Kom- blexer haben,,-, auf. einer, improvisierten Plattform Dutzende Leute Psätz. gefunden. Aü» bm.Dachlucken, au« allen Fenstern blicken menschliche'Gesichter— leider nicht immer menschliche Augen. Im Klarschen Heim stehen die b I i n d e n K i n d e r an Pen Gitterfenstern und ihre toten blicklosen Augen sehen auch heute nur Nacht. Aber sie hären den Schritt der Soldaten, die Trommelwirbel, die Glocken, dar Schluchzen der Menschen und wisten; fetzt wird ihr Freund und Wohltäter vorübergetragen. . Sehnlich ergreifend ist dar Bild, dar sich am Brückenkopf bietet, wo eine Gruppe blinder Soldaten im Spalier steht. Der Gesangverein Kklsovstts singt den Thor „Oräi" lDer Pflüger), während die Lafette mit pent Sarg zum Parlament und weiter in die Pakijskä .einbiegt und über den Klärov und die Brücke, nicht enden wollend, dar Trmiergefolge der Legionäre und der Garnison in die Stadt fträmt. ' Vor dem Parlament und aut dem Altstädter Ring Bom Balkon der juridischen Fakultät aus sah 'man, über die von Menschen dicht gesäumte Cech- briicke hinüberblickend, wie Überfüllt auch die auf der änderen Moldauseite zur Lewa hinaufsührenden Straften und Gehsteige waren. Auf dem Balkon der l'iiridischeit Fakultät war da« gesamte Professorm- kollegium versammelt. Auf dem Rampe und im Säulengang hatten sich die Rechtrhärer ausgestellt. Auch dort wurde die durch einen in der Pariser. Straße ausgestellten Lautsprecher wiedergegebene AbichiedSrede des Siaatrpräsidenien Dr. Bene« mit entblößtem Haupte angehört. Auch vor dem Parlament wär, soweit man die angrenzendenGassm zu schauen vermochte, eine ungeheuere Menschenmenge angesammelt. Zehn Minuten vor 12 Uhr traf die Lasette mit dem Sarge vor dem Gebäude des Abgeordnetenhauses ein. Im tiefen,' ergriffenen Schweigen, dar nur durch das Ausschluchzen derer, die ihrem Schmerz nicht»u bezwingen vermochten, unterbrochen wurde, liest die ungeheuere Trauergemeinde den Kondukt an sich, vorüberziehen, der sich durch die Pariser Siraste nach, dem Altstädter Ring bewegte. Auf dem Altftädier Ring wehten von 22 hohen Masten Trauerfahnen. Auf Halbmast gehißte Stäatssahnen und schwarze Dekorationen mit den silbernen Initialen der Präsidenten bildeten den Träuerjchmnck der Rathauses. Bor dem Rathause etwartete Primator Dr. Zenkl mit den Mitgliedern der Zentralvertretung Prags, der OrtSauSschMe und Stadträte, sowie Bertreter der Gemeinde Göding bett Trauerzug. Auf dem Altstädter Ring waren auch rund 8000 Vertreter der SelbstverwaltungSkärper- schaften, ferner Vertreter der evangelischen böhmi- schen Bruderkirche, der evangelischen Kirche AB und der orthodoxen Kirche versammelt. Als die Spitze de« Trauerzuges sich dem Altstädter Rathaus näherte, erklang vom Rathausturm • eip Choral. Auf dem Platze vor dem Grab der unbekannten Soldaten, vor dem eine Ehrenwache aufgestellt war, hielt der Zug einep AugeMick an. Die Glocken der Theinlirche schwiegen. Vom Balkon des Rathauses ertönte, gesungen vom Prager Sänper- chor Smetana, der Thoral„Cechli". Das war ein besöiider» ergr'eisender Augenblick. Auf dem Platze, -er so reich ist an Erinnerungen an die böhmische deren Gebäude an. D« Verfolgten suchten sich tzmch Herabspsintzen vomBalkondeSHauses in Sicherheit ztt bringen, wohei einer von ihnen schwer verletzt auf dem Gehsteig.liege» blieb und ein:»weiter durch einen Lu»genschus> verwundet wurde. Die Polizei,verhaftete die zehn Kadetten, von denen drei in Hast behalten wurden.?Sie erklären,- daß sie die"antifaschistischen Redakteure Nur^»bestrafett" wollten«nd bestreitens geschoffen stü-haben. Die Regierung hat eine-rasche Nnser- fuchung bet Falles angeordnet. Bisher unbestätigten Nachrichten zufolge soll, an dem Ueberhrll auch e i n i t a l i e»i f ch-er-. O Hijiet teiltzenomnien haben. Die beiden Schulschiffe verließen im Laufe-des Tages de» Tüniser Hase». Paris. In der franzästschett L^ffentlichi'. leit haben die Nachrichten übte ein gechatsfameh Borgehen italienischer Märinekadetten und Soldaten in.TyniS. nicht«nwesentlichtz Erregung hervorgerufen. Etwa bl) Kadetten von Bord zweier in. Tunis vor Anker liegenden,'Schulschiffen.dpr .italienischen Kriegsmarine drangen in die'Redaktion deS Tüniser antifaschistischen'Wochenblattes ,,J taliano di-T üniS" ein«nd demolierte» die innere Einrichtung.:-Der Sekretär der Liga, Josef Miceli, stellte stch ihnen mit der Waffe in der Hand entgegen, wurde a d e r ,d u r ch einen Her,schuh getötet. Hierauf zerstreuten sich die Angreifer. ... Die Polizei nahni sosort die Berfolgnug der Täter auf imd traf zehn von ihnen in einem an- - Vie deuttehen Arbeitervereine i Auf de» linke« Seite des Wenzel-Platzes Ecke Praben standen die Vertreter der unisor. »nierten verbände der deutschen Arbeiterbewer gung. Es waren etwa bvst Mann, der Repudli» kanischen Wehr: gekommen, mit" ihren KomniaNi bauten P a»l, R o hatsch und' S ch änfel» d e r, neben ihnen standen 400 Vertreter unserer Arbeitertnrner unter Führung den U l l m a nie» Gr affe«nd Hie b sch. Sie alle standen.-t» Neuner- und Zwölfer-Reihen u»d erregten das besondere Interesse sowohl dss tschechischen Putsti kumS als, auch.der ausländischen vertretunM und wurden'insbesondere von LSon v(um beachtet.— Die deutsche sozialistische/Äügfy» .ftand gemelnsäm mit Her tschechischen sozialdemokratische» Jugend beim Nationaltheater. !den bauert das-Watten.' Da ertönen im Radio dis Fanfaren, die den Beginn der Trauerfeierlichkeiten ankündigen. Echweigelid und ehrfurchtsvoll steht die Menge? Dann trägt der Lautsprecher die Worte der Präsidenten über den riesigen Platz. Die Rundfunkberichte werden in-allen Sprachen der Republik durchgegeben.. Zum ersten Male seit vielen Jähren schallen auch.deutsche Worte weithin über dar Zentrum Prags. Oben surren die Motore der Flugzeuge, deren silberner Leib in der Sonne glänzt. Dumpf dröhnen die Salutschüsse vom Laurenziberg au» dem Lautsprecher, die Worte der Berichterstatter untermalend, welche die Hunderttausende teilnehmen lassen.an dem langen Wege, den der Trauerzvg durch Präg Nimmt.' Nach halb 1 Uhr geht ein Raunen über den Platz: unten zeigt sich die Spitze"där TrauerzugeS. Die Lautsprecher schweigen. Pom Platz beim Wenzelsdenkmal schwingt getragener Gesang empor: hier tragen die mährischen Lehrer einen Trauerchoral vor. Langsam nähert sich die Spitze des Zuger, langsam bewegt er sich vorbei. Die Fahnen senken sich, da die Lafette mit dem Sarge Masartzkr naht. Einen AugeMick hält der Zug beim Museum. In stnnuner Trauer neigt sich die Menge» viele Menschen-weinen. Bom Wilsonbahnhof her verhallen die Klänge der Trauermusik... Der Wenzelrplatz, Schauplatz de» triumphalen Einzug» de» ersten Präsidenten, ist mm auch Schauplatz sei« »er trauerbollen Au-zugr gewesen. Abschied Da* DeffllO beim Wilsenbahnhof die Hoover-Straß» Spasser bilden, üutVt schliesim'die' Abordnungen der DTJ und vieler anderer- Vereine an. Ganz unten auf dem Wenzelrplatz stehen die -deutschen Arb ei ter turn er und die RW. Bon der Mpsenmskämpe au» bietet der Wenzelrplatz einest überwältigender Anblick. Im Vordergründe bauschen sich die mächtigen StaatSstihnen im Winde, die stuf Halbmast gesetzt sind. Der obere Teil der Wenzelsplatzes ist von schwarzumkleideten Pilonen eingestißt,'i von tent»? langt' Trauerfahnen weihen. Die rechje^Häuserreihe ist von der Sonnt beschienen, die da» Schwarz der dichthängenden Trauerfahnen an den Häuserwänden noch stärker hervorhebt. Auf der MusemnSrappe brennen- seit. Montag offene Fackeln, zwischen der schwarzen Allee der Trauerfahnen' rechts und link», des ÄenzelSdenkmalS leuchten die Flammen der Kmotaphe.^i kühlen Morgenwinde heftig flackernd. In der Fochstratze staut sich eine dreißig Meter tiefe Menschenmauer, die bi» zu dem Beginn der Feierlichkeiten auf vierzig und fünfzig Mete,- Tiefe anwächst. Zehntairsende stehen in der Mezibranskä und Aberzehntausende hinter den svalierbildenden Vereinen zu beiden Seiten deS WenzelSvlatzeS. Sie verharren alle in musterhafter Disziplin.- Nur manchmal kommt da und dort Bewegung in die Menge, wenn, unter der Wirkung der übermäßigen Anstrengungen, femand von Unwohlsein befallen wird. Der vorbildlich organisierte Sa« mariterdienst-greift sofort ein. Biele, viele Stun« Dia Armee verabschiedet sich von Ihrem ersten Oberkommandanten Um 18.80 Uhr gibt General Stzrovh den Befehl zur letzten feierlichen Defilierung der Truppen vor Masaryk, dem ersten Oberkommandanten der tschechoslowakischen Wehrmacht. Al» erste erweisen vor dem Sarg-die Ehrenbezeigung der Generalinspektor Stzrovh mit seinem Stab, sodann folgen die Bataillone der tschechoslowakischen Armee. An der Spitze derFahnengruppe werden hier Fahnen der vier den Namen Thoma» Garrigue Masarpk führenden Regimenter getragen. Diese vier Regimmtrfahnm nehmen nach dem Vorbeimarsch gegenüber dem Sarg neben Syrows Aufstellung. Hinter den Fahnen schreitet still die Musikkapelle de» Jnf.-Reg. T. G. Masarpk Nr. ö. Sodann destlierten zum letzten Male vor ihrem Führer, die Legionäre. Gleichzeitig ertönt wieder.eij Kanonenschuß, dem vierundzwanzig weitere folgen. In der Zelt, da die Legionärrethm am Sarge vorbeiziehen, hört man au» der Luft da» Rattern der Flugzeugmotoren.und über dem Sarge fliegt eine Gruppe von 160Flugzeugen hinweg. Um U8 Uhr sind nach den russischen und französischen die italienischen Legionäre vorbeimarschierst E» folgt die Defilierung der milttärischen Formationen unter dem Kommando de» Kommandanten der 1. Dvision. General Langer. Zunächst marschierte« die beiden Bataillone de» Jnf.-Reg. T. G. Masarpk Nr. 5, ibnenfolgtm.zwei-Bataillone:de» Jnf.-Reg, Tprä und Fügner Mr. 2ö;-weiter'die beiden Bataillone de» JnftruktionSregiment», da» kombinierte Dragonerregiment und schließlich die' beiden Artillerieregimenter Jan Ziska z Troenoea Nr. 1 und Dr. Edvard Bene» Nr. 101. Da» Rattern der schweren Geschütze verklingt und vor dem Sarg reitet-Generalinspektor-Armeegeneral, Stzrovh vor, um dem Toten die letzte Ehrenbezeigung zu erweisen. In diesem Augenblick erklingt die S t a a t» h y m n e, gespielt von der Kapelle der Jnsi-Reg. Nr. 5. Latste Fahrt nach Uny Nach der Defilierung wird der Sarg von Legionären kn den Bahnhof getragen und dort auf den bereitftehendm Sonderzug gehoben. Auf den Dieyst» wagen, in dem Beamte de» Pressedepartement» und der, Staatsbahndirektion mitfahren, folgt, von zwer offenen Wagen mit einer Fülle von Kränzen eingeschlossen, der offene Wagen mit dem. Sarge T. G. Masarpk». Legionäre halten am Katafalk die letzte Toteuwacht. Präsident Dr. B e n e S, die Familie de» Tote», und.Leibarzt, Dr. Mairner besteigen dell Salonwagen, der den Sonderzug beschließt. Die Mitt glieder der Nationalversammlung und da» diplomatische Korps verabschieden sich auf dem Pietätvoll geschmückten Perron von T. G.' Masarpk. E» ist 15 Uhr 15.-als der Beamte da» Abfahrtssignal gibst Langsam rpllt der Lust aus de^ Halle; so manches- Auge blickt ihm tränenvoll nach, bi»-er im Wein-! berger Tunnel verschwindet. . Zehn Minuten später, fuhr-ein Sonderzug mit dep Regierung, den. Kammerpräsidien, und den eng» st« Freusiden-nach Läntz, zur Beerdigung. Der Son- derzug tykt dem Toten pahm.. seinen Weg übiw Smtchov und. die sogenannte' Prager Semmering- Bahn nach Sosttvice ünd..von dort auf der Haupts strecke über Klgdnonach Läny.'Bi» Hostivice standen-läng» der Strecke, Eisenbahner, Spalier. Groß» Menschenmassen, die am Begräbnis nicht hatten teil,' stöhnten.könnem' nahmen ist deir-Stattonen und läng» der Strecke Aufstellung und erwiesen. so noch ritt letztelmal dem unvergeßlichen T. G. Masarpk ihr» tiefe Perehrung-und Liebe., Den letzten ergreifenden Höhepunkt der Trauer«' feierlichkeiten bildet der-Abschied beim Wilson« bahnbof. Zu beiden Seiten des Eingang» zum Salon de» Bahnhöfe», dessen mittlere Front schwarz dra- viert und mit. Trauerfahnen verhängt ist. sind tiefschwarze. Estraden.-errichtet,, dazu bestimmt, die Trauergäste zum letztest Abschied von Masarpk aufzunehmen. Zur Rechten de» Eingang» befindet sich ein Baldachin, der mit dem großen Staatswappen geschmückt ist. Zu beiden Seiten liegen zwei Reihen Kränze. Bom frühen Morgen aiT ist die Straße beim Bahnhof lHooveroväi bi» etwa. zum Deutschen Theater für da» Publikum gesperrt. Nur wenige, dienstlich beschäftigte Menschen sind da; schweigend verfolgen sie, dem Lautsprecher lauschend, im Geiste die Zeremonie auf der Burg^ die Rede de» Staatspräsidenten, die Entwicklung und den Gang de» Kondukt». Um'18.18 Uhr treffen im Sonderzug bom Bahnhof Desvire aut dem Wilsonbahnhof die Mitglieder der Familie Masarpk ein, mit ihnen die Gattin de» Präsidenten'der Republik. Frau Hana Beneöovä. Mit-ihnen erwarten vor dem Bahnhofsgebäude den toten. Präsidenten vor der Aickunft de» TrauerkonhukteS der Stellvertreter de» Vorsitzenden der Regierung. Eisenbahnminister Be» ch h n i. Minister für Oeffentliche» Gesundheitswesen Dr.' L z e ch.' Unifizierungsminister Msgre. Dr. S r cs m e k, her ehemalige Ministerpräsident Se»' Mitch U'd r f a l''Ätdundsre.- lns j!---tjbiV' Ktmisiükndant'-be» Lelchenköndukte»,' der' Generttlinspektor der tschechoslowakischen Wehrmacht, Armeegenecal S p r o v h, macht in 150-Schritt Entfernung vom Eingang zum Bahnhofsalon halt und nimmt^mik keinem Stab auf dem linken Bür- -gerfteg.mit der Front zur Straße Stellung,. Um 18.15 Uhr erscheint an der Biegung der Hooverovädie Burgwache und hinter ihr die Ges ch ü tz l a fett e. Die Truppen erwessen. während der Sarg vorbeisährt, die Ehrenbezeigung, Zahnen und Standarten werden tief»esenkt. Um 18.21 Uhr bat Masarpk seinen letzten Weg durch die Hauptstadt der Tschechoslowakischen Republik beendet. Da» Geschütz«acht vor de« Eingang in dm Wilsonbahnhof-alt, da» SechSgefpann wird abgekoppelt«nd die Offiziere drehm die Lafette-so, daß sie in der Richtung zum Eingang steht. Gesandter Jan Masarpk«nd die beiden.Enkel T. A. Masarpk» tretm nnter den Baldachin. Der P r ä s i d e n t der Republik nimmt link» vom Geschütz Aufstellung, Unter ihm die Chef» der Katinett»kanzlei. Alle übrigen Trauer, aöste stellen sich hinter den Reihen der Kränze zu beiden Seiten dr» Baldachin» auf, linkSdieauSlän- dlsche« Delegierten«nd die Diplomat«, gruppiert «m die markante Gestalt Lion Bk««», recht» Ministerpristdent Dr. S» d l b, die Kammerpräsident« Malp» e t r«nd Dr. S o» k» p und sämtliche Mitglieder der-Regiemng. Die B u r g w g ch e, die an dem Sarg vorbeimarschiert, stimmt, al» die Lafette vor dem Eingang Haltgemacht hat, ans der gegenüberliegenden Seite Mit ter Front, zum Sarge. Ausstellung. Die Wache, die zu beiden Seiten de» Sarge» während de» Kon- Püttes marschiert war, reiht'sich neben der Burgwache ; Er betete auch da» Vaterunser mit den alten, ini katholischen Ritus ausgefallenen Schlußworten:„Denn Dein ist da» Himmelreich, Dein ist die Macht und der Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit." Der Prager Sängerchor„Smetana" fang unter Leitung Dr. Spilka» die Staatshhmne, während der Sarg hinabgelassen wurde. Der Schloßobergärtner reichte de» Trauergästen sodann die schönsten roten Rosen, die noch im Park von Länh blühen, und die nächsten Berwandien und Freunde de» Verewigten warfen die Blumen in da» Grab. Heimat-Erde - In da» Grab wurde auch Erde au» den Städten und Gemeinden geworfen, die im Leben de» Verstorbenen von Bedeutung waren: Erde au» der Ge- burtsstadf Göding, die eben der Stelle entnommen ist, wo das Geburtshaus des Präsidenten stand, Erde von A u s p i.tz, wo der Verschiedene seine Studien begann, Erde au» Bajnor, das dem Andenken Milan Rastaslav StefänikS geweiht ist, und Erde aüSdcm slowakischen Weiler Äh st r ii ka, wo der Verstorbene so gerne verweilte..Minister für Schulwesen und- Volksbildung Dr. Franke-legte sodann im Grabe.Erde,8o m Grab«J an A m o r Ko m en- s k h s nieder. Ez war 7 llhr abend», al».der Leichnam,des Präsident-Befreier» jn dein Grab beigesetzt wurde.‘ " Bon den Funktionären"der- DSAP nahmen an d-rJci-r in Länh die Genossen'Dr: Cze ch, Taub und' Dr.- H e l l e r'M:>.Ww* Masaryks Ewige* Licht "'Bel b?m ,l«Dn,BeMch her'' Miig^ifder der Familie des verewigten Präsidenten und des Präsidenten der'MWth.Dr. ,B.eM am. Marge ini^Träuersäm imoir' Nächt" w SiZonraq''auf 1 Dienstag zündeten die Legionäre von der Kerze beim- Katafalk eine neue Kerze aik, die sie in die Bsirtz trugen.. Diese brennende Kerze wurde später Kach.dem,Besreiung»mal»gebrachk.wo an ihr-die- Ewige Lampe entzündet werden wird, deren Licht zum Andenken an T. G. Masaryk brennen wird. Den Begräbniszug. der eine Länge von drei Kilometern hatte, führte der Generalinspektor der tschechoslowakischen Wehrmacht, Armeegeneral S y- rodls, der, die schwarze Binde über dem rechten Auge, die tschechoslowakischen Auszeichnungen auf der Brust mit einem schwarzen Flor überzogen, den Stahlhelm auf dem Kopfe und den gezogenen Säbel in der Hand voranritt. Ihm folgte der Stob. Die ganze tschcchosloivakische Armee begleitete ihren ersten Obcrkommandierendcn auf seinem letzten Wege durch Delegationen aller Truppenkörpcr, sämtlicher tschechoslowakischer Regimenter. Ihre Jahnen, Winwcl und Standarten, alle nur mit drei Schleifen und einer Trauerschleife, wurden in diesem Zug getragen. Fahnenwachen, tvelchc gleichzeitig alle Ehargcngrade repräsentierten, umgaben sie, Der Oberst eines jeden Regimentes schritt voran. Nur die Jahnen von vier Regimentern, welche die Ehre erhielten, bcn Namen T. G. Masaryks zu führen, wurden nicht in dieser Gruppe, sondern erst vor dem Sarge getragen. Die tschechoslowakische Revolutionsarmee wurde symbolisiert durch drei Rotten zu je dreißig Mann Legionäre. Die Rotten marschierten nebeneinander in-'Dreierreihen, die Sokolgemeinde vertraten drei Sokolrotten zu dreißig Mann in gleicher Ordnung wie die Legionäre. Ihnen folgte die erste Abteilung Infanterie, gebildet von einem Bataillon des Infanterie-Regimentes 6„T. G. Masaryk" mit dem Kommandanten, dem Obersten Ehälupa an der Spitze. Die Infanterie marschiert in Neunerreihen, adjustiert mit ÄuSgangSuniformen, Stahlhelmen, Leinwandtorni« stern, Patronentaschen und Gctvehc mit aufgepflanztem Bajonett über die Schulter gelegt. Sodann, bereits kurz vor dem Sarge, wurden die Fahnen der vier den Namen der Präsidenten T. G. Masaryk tragenden Regimenter getragen: des Infanterie-Regimentes 6, de» Dragoner-Regünen- teS 7, des Artillerie-Regimentes 9 und des Flieger« RegimenteS 1. Auf einer Geschützlafette, die von einem Sechsergespann gezogen wird, bedeckt mit der Staatsflagge, liegt der Sarg mit der irdischen Hülle des ersten Oberkommandierenden der Armee, de» Altpräsidenten T. G. Masaryk. Nur einfache Soldaten, drei zu jeder Seite, bilden seine Begleitung. Sie tragen die Gewehre mit zur Erde gesenkten Mündungen. Sie wurden so ausgewählt, daß sie alle in der Tschecho- flowakischzn Republik lebenden Nationen vertreten. Hiiiten,dem Sarge schritten der Sohn de» verstorbenen Präsidenten Jan Diasaryk und die Enkel de» Präsidenten, Herbert und Leonard Revilliod. Nu» folgte der höchste Repräsentant de» Staate», der nächste Mitarbeiter und Freund Masarhk», der Präsident der Republik Dr. Eduard Bene»; seine Ehrensuite bildeten der Chef de» diplomatischen Protokolls Gesandter L. Strimpl und link» der Chef der Militärkanzlei de» Präsidenten der Republik, General Jng. S. B l ü h a. ' Hinter dem höchsten Repräsentanten de» Tschechoslowakischen Staates schritt die Gruppe der Äer- treter der Oberhäupter der ausländischen Staaten in alphabetischer Reihenfolge der Namen der Staa- ten: der Minister Marek(Oesterreich), der bevollmächtigte Minister Biromte Obert de Thicusics(Belgien), der Minister Leih(Dänemark), der Chargö d'affaireS Sol im an el Heute(Aegypten), der Außenminister Giral (Spanien), der bevollmächtigte Minister Marku» (Estland), der bevollmächtigte Minister Honorable W. I. Carr(Bereinigte Staaten), der Ehargt d'affaireS Vöntilkä(Finnland), der Marinekom- mändant Krantz(Frapkreich), der Minister B. C. Newton(Großbritannien), der Minister Fuji (Japan), der Minister Nuschka(Lettland), der Minister TurauSkau(Litauen), der Generalkonsul Hkebik(Monaco), der Minister D i t l e f f (Norwegen), der Minister Earsten(Niederlande),- der Minister Papke(Polen), General Manu(Rumänien), der Minister de Lagerberg(Schweden), der Minister Bruggma» (Schweiz), der Minister KaraoSmanoglu (Türkei), Botschafter Suriö(Sowjetrußland), Ministerpräsident und Außenminister Dr. Stoja- dinoviö(Jugoslawien). Hierauf folgten in der gleichen Reihenfolge diesem Augenblicke erklang der Trauerchor„Dobrü noe". Den Sarg übernahmen hierauf die Bewohner von Läny. Langsam bewegte sich der Trauerzug zum Schloß. Bom Bahnhof bis zur Staatsstraße standen Eisenbahner in,Uniform Spalier. Entlang der Staatsstraße, nach Länh war dal Spalier Von Korporationen und Vereinen au» dem nanaen,Gebiete gebildet, hinter welchen Tausende und Abertausende von Menschen standen. Kein Auge blieb trocken. Die Leute knieten nieder, al» der Sarg vorbeizog. Die Fensttr längs de» Wege» waren von brennenden Kerzen erleuchtet. „Dann iah Ich... eine neue Erde“ Der Begräbni-zug überschritt um A19 Uhr die Friedhos»schwelle, Scheinwerfer, überfluteten.mit ihrem bläulichen Llchr die Ostecke des kleisien Friedhofes, wo das Grab füs Masaryk' vorbereitet wari Glühbirnen bildeten über dem Platz da» Zeichen de» Kreuze». Auf dem kleinen Friedhof könnten bläß die Familienmitglieder:-der Präsident der Republik Und seine Gemahlin, die Bertreter der Nationalversammlung, die Mitglieder der Regierung und einige offizielle Gäste Platz finden. Die Angestellten de» Schlosses und de» Großgrundbesitzes von Läny bildeten um das Grab ein Geviert.. Der Predige):-d'eh"tschechöflowakischenBrüder?- vereinigung-Jr.Urbän-ektrotdörUndveriarden. die Verteter der ausländischen Regierungen und j Fahrt über Land ging die Reise des Präsidenten freniden Delegationen, und ztvar: Albanien:! durch lebendige Mauern von Liebe, Trauer und Konsul Matousek; Belgien: Minister Fort- Verehrung. hömine; Brasilien: der bevollmächtigte Minister! Der Zug mit den Trauergästen traf kurz nach S.' Sampaio; Frankreich: Minister L. Blum, 17 Uhr in Lany ein, der Trauerzug mit den sterb- General E. Mittelhauser. der Rektor der Parifer lichen Ueberresten T. G. Masaryk- um 17 Uhr 28. Universität Charleity, der Kabinettschef des Mini- Als dec Präsident der Republik mit Gemahlin und sters Blum Blumel, die Herren Rosenfeld und Car-"~- lotti, der Adjutant des General» MittelhoAser:,... Großbritannien: Right Honorouble Earl if und unter den Klängen dc» Lieblingsliedes des Winterton, Minister des Königs von England; Li- Toten,„Ach synku, synku", da» der Gesangverein, t a u e n: General Adamkaviiius; P o l e n: der Bor-1„Hrouda" vortrug, von Eisenbahnbediensteten überstand der Zivilkanzlei de» Präsidenten Lepkowsn; i nonnnen. Unter tiefer Bewegung aller Anwesenden Rumänien: der Vorsitzende der Regierung Tata«! trat die FamUie des Toten hinter den Sarg. In Utwlhow Segen die Passivität des Völkerbundes Genf. In der Dienstagsitzung de» Völkern bustdeS befaßte' sich Litwinow mit der Lage im Fernen Osten.sowie in Spanien und wandte sich gegen die Ansicht, daß der Böllerbund diese beiden Angriffe nicht bekämpfen könne. In Besprechung de» Verhältnisses der USSR zur, spanischen Republik konstatierte Litwinow, daß Sowjetrußland zum Unterschied von den Förderern de» Lager» der Aufständischen Weder den natürlichen Reichtum noch strategisch» Vorteile In Spanien suche. Rußland sei lediglich daran interessiert, daß jede Nation ihr inneres Regime nach ihrem eigenen Willen ohne jedwede Intervention des Auslandes festsehen könne, sowie daran, daß nicht in Spanien ein neüer gegen ganz Europa gerichteter Stützpunkt/geschaffen werde. Redner erklärte, der Völkerbund könne Spanien und China helfen. Lediglich die Passivität des Völkerbundes gegenüber den großen- politischen Fragen sei der Grund seiner Schwäche. Angriffen müsse man sich kollektiv durch eine kollektive Bertel d t- gung des Friedens entgegenstellen. Chlna*AusschuA tagt Genf. Dienstag gegen Abend trat im VA« kerbundpalai» der im Jahre 1988 konstituiert» 28er-AuSschuß zusammen, um die aus dem chine« sisch-japanischcn Konflikt sich ergebenden Fragen zu studieren. Der amerikanische Gesandte in Bern, Harrison, wurde von seiner Regierung damit betraut, an den Arbeiten diese» Ausschusses teilzunehmen, wobei er aber kein Stimmrecht besitzen wird. Der Ausschuß wählte den Bertreter Lett-! landr, Außenminister M u n t e t S, zum Vorsitzenden. Belgien Ratskandidat Genf. Die Gruppe der neutralen Staate« hat einmütig beschlossen, Belgien aufzufordern. auf die durch den Abgang Spaniens freiwerdende Stell« zu kandidieren. Der belgisch» Delegierte Außenminister Spaak erklärte, er werde diesen Beschluß seiner Regierung Mitteilen, .. Wichtige Unterredung Kanya-Antonescu Genf. Der ungarische Außenminister Kann a hatte Montag vormittag» eine Unterredung mit dein" rumänischem Außenminister A n t öne s e n, dem Vorsitzenden de» Ständigen Rate» der Kleinen Entente.' Dieser Zusammenkunft wird eine außerordentliche B e den« tung beigelegt. Surlc bei Krofta Der sowjetrussische Botschafter in Pari», Surie, der als Vertreter der Sowjetunion an dem Begräbnis des Präsident-Befreiers teilgenommen -hat, wurde noch am Montag in-den späten Nach- mittagsstunden vom Außenminister Dr. Krofta empfangen. Schmidt auch nach Warschau, Warschau. Nach einer halbamtlichen Mittels lung wird der österreichische Staatssekretär, flir Auswärtige Angelegenheiten Schmidt im Herbst d. I. in Warschau zu Besuch erwartet. 200 PestMlle In Mandschukuo Aus Mandschukuo wird das Auftreten-' der schwarzen Pest gemeldet. Bisher sollen über LÜÜ Fälle bemerkt worden sein. Um ihre-Au-breitüng zu verhindern, sind zahlreiche Ouarantäne-Sta- tionen eingerichtet worden. Die Behörden hoffen» die gefährliche Seuche bald beseitigt zu haben. Trauersitzung der Landesvertretung Mhityens Montag hielt die böhmische Landesvertretung In feierlicher Form eine Gedenksitzung; für. den verstorbenen Präsidenten- ab, in welcher nach einem einleitenden Choral des'Gesangvereins „Hlahol" Landesvizepräsideut Bienert als Ber«- treter des erkrankten Landespräsidenten den Nachruf hielt. Tschechisch sprach dann LandeSaü^schüß«. beisitzer Dr. Kubista, deutsch Landesausschußbeisitzer Kaiser. Der Landesvertretlmg lag ein Antrag' vor, zur Ehrung des Andenkens des PiMq denten Masaryk.»in» Million^Kronen für wohltätige Zweck«, die später noch genauer bestimmt werden sollen, zuwiHmen. Auf Antrag von Ä>r" Strauß wurde'dieser Antrag ohne Debatte einstimmig angenommen.i Di« Mitglieder der LandeSvertreülng und die leitenden Beamten,de» Landesbehörde begaben sich sodann auf die Bürg^ wosie sich-vor dem Katafälk' mit dem SaM'. MasärylSVÄneigten."'' «r. 223 Mittwoch-, 22. Scptciubcr 1987 Sekte 8 iKurialstil läßt sich K.£>. persönlich entschuldigen, j und zwar durch die SdP, die sich wieder auf den ir°biliiiil Agchricht, dahHeMmain K.ondustnichpte^ilnahm. MWH-'4/ ÄMMssöam'ÄachmittäA etwa» später, Die amerikanischen Marineireise sind über diesen Entschluss des amerikanischen Botschafters erbittert. Sie verweisen darauf, das das amerikanische Prestiae«dadurch Abbruch Unsitten habe. Es ist kein Geheimnis, daß der amerikanische Admiral Narnell die Evakuierung nicht billigt. Um die Schreibung de» Wortes»tschechoslo. wakisch". Um die endgültige Schreibung de» Worte»„tschechoslowakisch" sowie die Verwendung deS Buchstaben„L" in der deutschen Sprache zu regeln, wurde bei der Staatlichen VerlagSanstalt ein dreigliedriger Ausschuß eingesetzt. Ihm gehören außer dem Autor de» Buche»„Regeln und Wörterverzeichnis der deutschen Rechtschreibung"' noch ein deutscher Hochschullehrer und ein deutscher Mittelschullehrer an. Freie Äerztestellen im Gesundheitsministerium. Im Gesundheitsministerium gelangen einig« Dienststellen im Personalstande der Sanitätsbeamten(Dienjtklasse 1b), und zwar in der 6. und 8. Besoldungsgruppe zur Besetzung. Bedingung für di« Anstellung ist ein wenigstens fünfjähriger, erfolgreicher ärztlicher Dienst bei den politische» sPolizei») Behörden oder eine wenigstens fünfjährige erfolgreiche Tätigkeit in einem anderen öffentlich-rechtlichen Dienst oder in Heil- lklinischen) und Humanitären Anstalten. Im Sinne der Feber-Abmachungen wird auch die entsprechende Anzahl deutscher Bewer- ber berücksichtigt. An dl« Angestellten und Pensionisten der Staatsbahnen. Das Eisenbahnministerium appelliert im Einvernehmen mit den Vertretern de» Zentralaüsschusse» der Vertrauensmänner und der in ihm vertretenen GewerkschaftSorganilationen nachdrücklich an die aktiven und pensionierten Angestellten und ihr« Familienangehörigen, von den beabsichtigten Fahrten nach Prag am Tage des Begräbnisse» de» Präsident-Betreier» abzu sehen und dadurch dje schwere A^zabe ihre» Unternehmen» zu erleichtern. 1 Tokio. Die Japaner sind der Ansicht, daß sich mit der Vernichtung Nankings die Dauer bier Feindseligkeiten verkürzen werde, da die chinesischen Truppen dadurch demoralisiert würden. Etwa 190 Flugzeuge neuesten Typs, von seiner entsprechenden Anzahl von Jagdflugzeugen geschützt, sollen Nanking mit Brandbomben überschütten. brachte diese» Pressebüro folgende Meldung: „Die Sudeten deut sch« Partei stellt den Blättern folgende Nachricht zur Verfügung: Der Press edjen st der Sudetendeutschen Partei teilt mit, daß Konrad Henlein erkrank t ist und in ärztlicher Behandlung steht und daher nicht an den Trauetseierlichkcitcn für den verstorbenen Präsidenten Mäsarhk persönlich teilnehmen kann. Bei den Trauerfeierlichkeiten am Dicnriag vertrit t Ihn Abg. KarlH errm a n n-Frank." Also: Der deutsche Rundfunk beeilte sich, Herrn Konrad Henlein zu nennen und zu melden, obzwar cS faktisch nichts zu nennen und zu melden gab. Womit erreicht wurde, daß diejenigen, die diesen Herrn K. H. und seine SdP gerne„loyal" sehen (oder erscheinen lassen) möchten, befriedigt sein konnten. Da aber dieser Herr nicht dabei war, sind wieder alle jenen befriedigt, die die„Loyalität" auch dem Schein nach nicht zu weit treiben möchten. Und zum Schluß greift man dann zu einer Art arithmetischen Mittels: Herr K. H. war zwar n ich t dabei— weil der Arme krank ist— aber dafür sein Stellvertreter; ganz im Ascher China kapituliert nicht I Schanghai. Die amtlichen Stellen der Stadt Nanking heben in Kommentierung des Be- 'schlnssc» Jovans zur Bombardierung Nanking» hervor, daß diese Bombardements die Moral der chinestfchcnRegierung keineswegs erschüttern können und duft im Gegenteil diese Angriff« nur den Willen zum Widerstand stärken. Dir amtlichen Kreise fügen hinzu, daß die chinesische Regierung und dab chinesische Volk auch dann nicht kapitulieren werden, wenn ganz Äan- king' zerstört sei», wird. ' Die Maschine bleibt ein wertloses Stück Eisen, wenn sie nicht von Menschengeist beherrscht, von lebendigen Händen bedient wird. Bon ihnen und. nur von ihnen hängt es ab, ob der Betrieb laufen kann oder stille stehen mutz. Der Mensch ist noch immer das wertvollste Gut im Produk- tionsprozeß geblieben und er wird es immerdar bleiben. Wenn die, Schicht zu Ende ist, wälzt sich ei» breiter, lärmender Strom von Menschen aus dem Fabrikstor. Müde und abgespannt wandern die Arbeiter heimzu. Die harte Tagesarbeit hat ihnen ihren Stempel aufgedrückt. Sorgenzerfurchte Mienen sieht, man und dazwischen jugendfrtfche, frohe. Gesichter: Alle aber trägen sie das gleiche Los, Junge und Alte, alle sind sie Sklaven eines .überholten Systems. -'E'Einige' Stunden Freizeit, ein. herzlicher Spatsommerabend und dann am anderen Morgen-beginnt das alte Lied von neuem. Wieder -müssen sie an die Maschinen^ und schlagen monoton, üjid gleichmäßig immer wieder den gleichen Hebel Horum und treten mit den Füßen den Takt, der ihnen vom Mechanismus ihrer eisernen Kol-, legen aufgezwungon wird. Acht länge Stunden im Tage, ustustterbdochen, öd und eintönig! ^HWenst aber alle Arbeiter iund Arbeiterinnen wüßten, daß ohne ihren Willen kein Rad sich drehen, kein Stück erzeugt, werden kapstj wenn .sie sich alle als ein geschlossener Körper Mt/ein» heitlichem Wollen, fühlen,-und in ihrer freien Ge« Werkschaftsorganisation vereinigen würden; dann ja dann! Franz Kern. Bombenangriff ausgeblieben Nanking.(Reuter.) Die Stunde, für welche der Beginn des japanischen Luftangriffes auf Nanking angelündigt war, ist ohne irgend ein Anzeichen dasiir vorübckgegangen, daß irgend eine AngrisfSaktion vorbereitet wird. Es ist nicht bekannt, ob der Angriff später unternommen werden wird. P a.x i S. HavaS meldet aus Rom, daß nach einer amtlichen Mitteilung der-italienischen Regierung die Teilnahme Italien» an der von der Konferenz von Nyon beschlossenen Seekontrolle im Mittelmeer eine prinzipiell beschlossene Sache ist. Die französischen» britischen und italienischen Flottenerperten werden bald in Pari» zusammentreten, um die Bedingungen und näheren Einzelheiten sestzusetzen. Anthony" Eden machte DienStag auf seiner Rückreise au» Genf nach London in Pari» Station, wo er mit Ministerpräsidenten/Ehante in p ö eine Unterredung über die französischbritische'Zusammenarbeit, und die Nichtbeteiligung Italien» an der Organisierung der Sicherheit auf dem Mittelmeer hatte. Bevor Eden seinen Weiterslug nach London antrat,'teilte er dem Korrespondenten de» Reuter-Büro» mit, daß er von dem Ergebnis der Unterredung sehr befriedigt sei, und fügte hinzu: Großbritannien hat rin neue» A» g r b o t kür Italien. Eden schien hinsichtlich —— pern rotierende sechskantige Eisenstäbe, Stähle und Messer kreischen, Spindeln surren und Riemen, klatschen. Dazwischen schallen die Rufe der Menschen. Das Ganze bildet die grandiose Melodie der Arbeit, de» rastlosen Schaffens. \ Vom zeitigen Morgen bis zur sinkenden Nacht geht es in, ewiger Hast. Zwei Arbeitergruppen lösen einander ab, c» wird in Schichten gearbeitet. Ustd ewig und ununterbrochen bravst die gleiche, dröhnende Symphonie durch den nebligen Saal. A» den Maschinell stehen Menschen. Fast scheint«», als wären sie keine selbständigen We« sell,'sondern Bestandteile der stählernen Ungetüme., Ihre Hände machen tagaus, taget»,, vom Morgen bi» zum Abend,:genau die gleichen Bewegungen wie die Maschinen'und ihre Füße schlagen auf den Bodenhebeln den Dckt. In rast- tqsem Fleitze mühen siesich. Da» Tempo der Arbeit'hängt vielfach nicht mehr vom Willen der Beschäftigten,' sondern, von der Leistungsfähigkeit der Maschinell ab. Acht lange. Stunden geht e» alle Tage in gleiche^ Hast.. Und, vielmals acht Stunden macht der Arbeiter, die Arbeiterin, ewig die gleiche B«'! wegüng, schlagen sie die Auslöser der Stanzen herum, treten sie auf den Bodenhebel der Pressen- und. schieben da» Material«in- ,tagelang drücken' sie die Hebel, der.»Frähköpfe'gegen die rotieren-: den Messer, ununterbrochen,,eintönig undöd. Stä sind Sklaven der Maschinen geworden— und doch sind, sie e» nicht,,■' Sudeteudeutschen Pressedienst beruft. Und diese Hof- und Pcrsonainachricht des Herrn Henleins, dessen„Zeit" am Todestage Masaryls nicht einmal primitive Höstichkctt für notwendig befand, wird eifrig vom amtlichen Pressebüro angenommen und kolportiert! Ganz im Sinne freilich einer präsidialen Kanzleimaß- nahmc, durch die die Partei-Obmänner aus die Burg geladen wurden, damit nur Herr Henlein auch däbei sein könne! Aber was nutzt selbst ein le» Henlein, wenn der deutsche Gott es will, daß Konrad jujt an diesem Tage zum Doktor gehen muß? Es ist schwer, leine Satire zu schreiben; aber wir unterlassen sie, weil>o i r vor den Manen Masaryts Respekt haben. ♦ Das Tschechoslowakische Pressebüro meldet desgleichen, daß die deutsche evangelische Kirche durch Pfarrer Wchrenfcnnig im Trauerzuge vertreten Ivar. Auch diese Meldung ist unrichtig. Pfarrer Wchrensennig marschierte nicht, Ivie die anderen Kirchenvertrcter, im Kondull, sondern hielt sich auf der tRuscumSrampe auf. In der Fabrik . Die Motoren singen mit Pfeifendem Ton ihr Robotterlied, Transmissionen drehen sich sausend und über hölzerne Scheiben klatschen breite Leder- , rleinen, die ehernen Kolosse in Gang sehend, die von Menschenhand bedient.werden müssen. ! Maschine steht.neben Maschine, viele in einer \ Front. Der Saal ist lang und von grauem Dunst ! erfüllt, durch den man entfernte EinrichtungSge- ' gcnstände nur schattenhaft sieht. . Der Betrieb ist von pulsierendem Leben er« .füllt.' Rotierende Spindeln surren auf den Drehbänken, mit schrillem Ton fährt der ,blankgeschltf« feste'Stahl in das harte.Eisen und ist längen Spiralen winden sich breite Eisenspäne zu Boden iNieder.-Frätzmaschinell kreischen. Die kreisrunden Messer fressen sich, tiefe Furchen ziehend, durch ha», stählharte Material. Motorisch betriebene, exzentrische Pressest wuchten mit gewaltigen Schlägen, daß davon der Boden erzittert. Regelmäßig', und. gleichartig donnern die Schläge her« .nieder, seltep nur setzen sie au». Bon schweren, hammerartigen Stotzköpsen, werden Eisenbleche in vorbereitete Matrizen geschlagen, wodurch itzney. Form Und Bestimmung gegeben Ivipd. An einigest' Stellen singen mächtige Kreissägen mit durchdringendem Geräusch.' In sausender" Bewegung drehen sich:graue-Schmirgelscheiben und" beim.-Schleifen der Stähle schwirren in blenden- dier Fülle Millionen kleistär I Funken zu Boden. Fälwnde Metalle klirren,M.-langen Rohren klap- I kam bereits genügend mürbe? Eden wieder eliynal sehr optimistisch des BerhandlungSergebniffes optimistisch und deutete an, daß die I n i t i a t i» e v o' andern Seite käme und daß Grotzbri»' taunien an seinem Standpunkt festhälte Und«In Ergebnis erwarte. Rom.(Havas.) Wie cs scheint, wird lväh- rend deS Zusammentreffens Mussolinis mit Hitler auf deutschem Boden kein Vertrag unterzeichnet werden! Die Reise des Duce verfolgt etwa den Zweck, über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und einer italienisch-deutschen Berstän- digungmit de« We st möchten zu verhandeln.' Ebenso, wie dies bei der Zusammenkunft in Venedig im Jahre 1034' der Fall war, werden auch diesmal bei der Zusammenkunft Mussolini- Hitler psychologische Elemente die Hauptrolle spielen. Italien will, zweifellos jeden Anschein einer Isolierung, wenn nicht den der Opposition gegen Großbritannien und Frankreich vermeiden. Vas Porträt der SdP Wir lesen in der Prcsselorrespöndenz des Deutschen Auslandsinstituts Stuttgart: Bei der Eröffmmg der V. Reichsiagimg der AiirlandSdeutschen in Stuttgart sprach der Gauleiter der Auslands-Organisation der NSDAP., Ernst W. Bohle, das Wort: „Unter den Nationalsozialisten im Ausland verstehen wir aber keineswegs nur die Parteigenoffen, sondern a l l e D e n t s ch e n, die dem Reich treu find. Denn es ist n t ch t möglich, einen Unterschied zlolfch«nD«ut- s ch e» im Ausland« undNational- f o z i a I i st e n zn machen, well beide heute einen Begriff darstellen." Di« Prcsselorrespondcnz fügt hinzu: Wa» hier Gauleiter Bohle von den Reich». dentschen Im AnSlande sagt, gilt auch f ü r d a» gesamte Auslandsdeutschtum, soweit der Nationalsozialismus al» Weltanschauung in Frage kommt, denn al» solche umfaßt er alle Gebiete de» völkischen und damit de» ureigensten persönlichen Leben» aller AuSlandS- deutschen. Mit dieser nationalsozialistischen Weltanschauung steht»ich fällt heute da» Gesamtdeutschtum. Die Aeußerungen Bohlcs zeichnen am besten das Porträt der SdP. Es wäre der Besuch Henleins in Stuttgart und seine Belehnung mit der Goldenen Ehrenplakettc gar nicht nötig gewesen, um die politische Rolle der SdP erkennen zu lassen. Er ist der Führer einer nationalsozialistischen Bewegung, Herr Bohle sagt es selbst. Dem DrittenReiche ist er treu, gegenüber seinem Hcimatlande lediglich loyal,.. Ole Mutterschulung der Deutschen Jugendfürsorge Die Deutsche Jugendfürsorge, deren Mnt- tcrschnlnngen im vergangenen Jahr grotzc» Erfolg halten, ivird im kommenden Jahr überall dort, tvo noch nicht alle Frauen ersaßt werden konnten, Kurse in der bisherigen Art abgchaltcn. Und zwar: 1. Mutter und Kind— die Grundlagen unserer VollSerhaltung.(Bevülkerungspo- litik, ErbgesundheitSpflege). 2. Ein Kind wird erwartet(Pflege der Frau während der Schwangerschaft, Vorbereitungen für das Kind). Pflege und Ernährung des Säuglings. 8. Was die sudetendeutsche Frau von der Deutsche» Jugendfürsorge wissen muß. Ausstellung(allgemein zugänglich). In Gebieten, die schon vollständig durchgearbeitct wurden, beginnen Aufbaulursc: 1. Gesunde Familien— gesundes Voll.(Kampf den VolkSseuchen und Erbkrankheiten. Gesundheitspflege in der Familie.) 2. Gesundheitspflege des Säuglings.(Baden, wickeln u. a. Der kranke Säugling.) 8. Gesunde Ernährung. (Ernährung des Säuglings. Ernährung und Haushalt). Kleine Abschlußfeier. Ausstellung. In größeren Orten werden auch wieder unter Mitwirkung..von. Herzten und. anderen.Fachkräften mehrtägige'(erweiterte) Mutterschülungen stattfinden. Ferner beginnen die Deuschen Jugendfürsorgen dieses Schuljahr versuchsweise auch mit Kindcrpslegekursen, in deren Mittelpunkt dann nicht der Säugling, sondern das Kleinkind(seine Pflege, seine Erziehung und Beschäftigung) stehen wird.— Auch dieses Jahr sanden bei der Deutschen Landeskommission sür Kinderschutz und Jugendfürsorge wieder für 75 MntterschulnngS- schwestern zwei Fortbildungslehrgänge statt, in denen sie auf ihre weitere Arbeit, vorbereitet und gründlich geschult wurden. Henlein und das Begräbnis Der deutsche Rundfunk und-das Pressebüro Wir halten folgende Tatsachen fest: 1. Am Vormittag während des Konduktes meldete der deutsche Ansager deS Prager R a d i o j o u r n a l s, daß.sich unter den Traucrgästen auch Konrad Henlein befinde. 2. Herr Konrad Henlein befand sich nicht unter den Trauergästen. 8. Am Nachmittag übermittelte das amtliche Press c b ii r o den Redaktionen die bestätigende London. Nachdem Japan angelündigt hatte, daß e» Nanking zu bombardieren beabsichtig«, ließ die britische Regierung ihrem Botschafter in Tokio die Weisung zugehen, bei der japanischen Negierung eine Demarche zn unternehmen. Di« britische Negierung betrachte jede Art von Bombardierung, die da» Leben der Zivilbevölkerung und der britischen Staatvange- hörlgen in der chinesischen Hauptstadt gefährden 'würde,' als„ii nvera n t w o r t l i ch". Die .britische Regierimg behält sich da» Recht vor, die . japanisch« Regierung für jeden Zwischenfall verantwortlich zu machen, dem britische Staatsangehörige znni Opfer fallen würden, sowie für jede» Schaden, welcher am britische» Eigentum entstehen könnte. Auch Amerika protestiert Washington. Rach einer Mitteilung de» Staatssekretär» Hüll haben auch die Ber- ' einigten Staaten in Tokio eine Demarche wegen der beabsichtigten Bombardierung Nankingunternommen. Dieser Protest gründe sich hauptsächlich darauf, daß die Bombardierung der Zivil- bevölkernng da» internationale Recht und die Gesetze der Menschlichkeit verletze. Außerdem könnte durch die Beschießung der amerikanische diplomatische Bcrtreter in Gefahr geraten. Die japanische Negierung hat auf diesen Protest Amerika» bisher nicht geantwortet. USA-Botschafter bringt sich In Sicherheit Der amerikanische Botschafter und das Bot- schaftspersonal in Nanking haben sich auf die japanische Drohung hin, daß Nanking bombardiert . werden würde, an Bord de» Kanonenbootes .„L. u z o n" eingeschisft. In der Botschaft blieb nur der zweite Sekretär mit 16 Amerikanern. Josef H o f b a u er: 'Scherben Preis/kart. XL 82.7-, geb. KC 88,—. Zu beziehen dusch' die Zentralstelle kür' da»‘ BildmigSw'.'tzn In Prag XU, Slcsta 13/V. Bombardierung Nankings „unverantwortlich** Scharfe britische Demarche In Tokio Mittwoch, 22. September 1937 Nr. 223 Autobus mit IrsuerzSsten veninMckt 3aAesnemAkeit«t ftcn Prags eine wahre Volksgemeinschaft zu versammeln, mehr noch, eine übernationale Gemeinschaft von tschechischen nnd deutschen, unaarischen und ukrainischen Landeskindern, die ihn: ein letzteSmäl Ehre und Liebe erwiesen. Seltsam belebt waren die alten wie die modernsten Gebäude von Prag.kluZ der AbschirdncbmenS eines aanzen Volkes. Abgesehen von den Hundertiausenden, die am Straßenrand Spalier bildeten, belagerten Unzählige die Hänge der Parkanlagen an der Leina,. die Seitengassen, die Fenster, die Balkonc und vielfach auch die Dächer. Im Spalier, überwogen die' armen und ärmsten Schichten der Bevölkerung..Alte Proleten, abgehärmte Frauen und Kinder boten schluchzend oder in ftumüier Andacht das Bild einer Volkstrauer, die an klastische Tragödien heranreichte. Viele, viele tausend Kinder verfolgten den Traüerzüg mit einer Ergris- feuhÄt, als ob der eigene Vater an ihnen vorbei zu Grabe getragen würde. ". Prag selbst machte im wehmütigen Glanz eines sonnigen Herbsttages einen überwältigenden Ein» druck, der durch ein wogendes Meer, schwarzer Fahnen und die zur letzten Ehrung de» großen Toten eingeschaltete Straßenbeleuchtung noch unterstrichen wurden An viele» Stellen brannten offene Opfer- slammcn, wie sie schon die alten Griechen zur Ehrung ihrer Toten lodern ließen. Dem Weg entlang-hatten sich mehrere Singgcmeinden postiert, die den Fug mit Trauerchorälen begleiteten. Von einer gedeckten Estrade aus spielte dar Orchester des tschechischen Nationaltheaters wehmutsvolle Weisen. Der Fusam» meuklang der Gefühle war so ergreifend, daß an dieser Stelle nicht nur die Marschierenden und die Massen im Spalier weinten, sondern auch die Polizisten am Straßenrand. Die Buntheit der Spaliers ist überhaupt nichr zu beschreiben. Man sah auf dem Altstädter Ring die Geistlichkeit aller Konsessionen. Am Masarhkkal waren tausende Mittelschüler postiert. An der Na« iionalftraße wechselten im Spalier die Delegationen der verschiedenen Parteien und Organisationen. Alle politischen Gegensätze waren für Stunden auSgclöscht. Tschechische Nationalsozialisten, auf ihren einheitlich hellroten Hemden dar Symbol von Sammer und Feder, hatten sich gegenüber tschechischen und deutschen Sozialdemokraten postiert, in deren Reihen die blauen Bluien der Äugend und der Frauen dominierten. Ein Stück weiter schloßen die„violetten Legionen" der tschechischen Gewerbevartei und die uniformierten Abteilungen der Nationalen Vereinigung an. Tann folgten wieder Hunderte von Krankenschwestern. Frauen und Männer der Heilsarmee, eine Abordnung der Rauchfangkehrer neben vielen anderen Fünften mit ihren Symbolen. Am Eingang zum Wenzeisvlatz hatte sich auf der linken Seite unsere RW und AtuS-Abteilungcn ausgestellt. Weiter säumten den WenzelSplab DTA-Turner, Bauernreiter, Orel-Turner, Tausende von SkautS und sonstigen Organisationen, die man einfach nicht erkennen konnte. Den oberen Teil des Wenzelsplabes und ein Stück der Hooverstraße noch gegen den Wil« sonbahnhof hatten die Sokoln besetzt. Dazwischen sah man immer.wieder die bunten slawischen Bokstrach- ten. Einzelne Gruppen wirkten mit einer Ursprünglichkeit. daß man wohl annehmen darf, er seien auch slowakische und karpathornstische Hirten au» ihren Berge» herabgestiegen, um in der Hauptstadt von dem ersten Präsidenten Abschied nehmen z» können. ' Aller, alles, war dar bunte soziale und Bölker- gemisch dieser Lander anrmacht. hatte sich bei dieser letzten Huldigung für Masaryk ein Stelldichein gegeben. Am Fug marschierten Minister und Generäle, Duöniky. DienStag nachmittags stieß auf der Ueberfahrt der Streck« Prag—Schlan zwischen den Stationen Dnäniky und LItovice um zirka 1b Uhr 4b ein Autobus mit einer Lokomotive zusammen» die den Autobus zertrümmerte. Den letzten Meldungen zufolge waren die Folgen des FnsammcnstoßeS katastrophal. ES wurden drei Personen getötet und zwölf verletzt, hievon sieben schwer. Di« Prag«« Rettungsstation sandte an di« Unglücksstelle drei Automobile, von den«n die Verletzten in daö Prager Allgemein« Krankenhaus geschafft wurden. DaS Unglück ereignete sich auf der Strecke, die von Prag über Duoniky, Schlan und Laun nach Moldau führt. Der Zug mit den sterblichen Ueberresten deck Präsident-Befreiers wurde auf der Strecke befördert, di« von Prag über Hostiviee und von dort auf der Strecke über Aenei, Pavlov, Unhoöt und Kladn» nach Ltny führt. ES ist somit daS Unglück auf einer anderen Strecke geschehen alS jener, ans welcher der Zug mit den sterblichen Ueberresten deS Präsident-Befreiers fuhr. Die ersten Meldungen, die wir erhalten haben, besagen, daß sich in dem Autobus Teilnehmer der Prager Trauerfeierlichkeiten befanden. dürfen nicht des Rahmens, nicht der Tradition, sie schaffen s e l b st T r a d i t i o n, sie geben neue Gesetze. DaS Würdigste und Schönste wäre es darum, wenn Masaryk dort ruhen bliebe, wo er selbst osfcnbar zu ruhen wünschte. Hier könnte eine neue Tradition entstehen, ein neuer Mittelpunk für die Völker der Republik, Wt Mahnmal, eine Stätte der Versöhnung, gemeinsamer Liebe und gemeinsamer Erbauung. JstLäny zu entlegen? Rein. Wer zu dem Grabe HO Größten der Nation wallfahrten will, darf. dcu. Umweg nicht scheuen. Die Grabstätte Masaryks bedarf nicht des Glanzes von außen, nicht-der Gewohnheit und Ueberlicferung vergangener Jahrhunderte,.sie ist ein Wert für sich, wohl geeignet, ein stiller Mittelpunkt des Staates und. ein Namen zu. werden, den sich Europa merken wird. In böhmischer Erde soll Masaryk ruhen, das wahrhaftige Herz dieses Landes. Und Nian möchte an Fontanes, schönes Gedicht über Bismarcks Grab denken. Nicht in steinerner Hruft wie Fürsten"und Könige, sagt der Dichter, sollte Bisinarck ruhen/ sondern irgendwo tief im Sachsenwald und kein Stein sollte die Stelle bezeichnen. Die Wanderer aber würden ehrfürchtig werden und einander zur Stille mahnen: „Da unten liegt Bismarck irgendwo." Auch Masaryk sollte ganz der Erde gehören, die ihn gezeugt und die er geliebt hat, die sein Volk nährt und seinen Staat trägt. Auch Masaryk sollte in-dieser Erde allgegenwärtig sein?. Und weil solche Erdver- allen Fenstern wandten sich dem Fun unbewegliche Gesichter von Männern. Frauen>und Kindern zu, die alle gebannt waren von der Größe de» historischen Augenblick». Stundenlang zog der stumm« Trauerzug durch stumme Gasten. Nur bi« und da unterbrach ein Schluchzen das Millionengebet des Schweigens. So' nahm ein Volk Abschied von seinem größten Sohn, so ehrte da». Land seinen erste» Präsidenten, so grüßte Europa seinen edelsten Bürger. So neigte.sich Prag, so neigte sich die ganze zivilisierte Welt noch einmal vor einem Vorkämpfer der Demokratie. Nach ihm werden noch manche gekrönte Herrscher und ungekrönte Tyrannen von der Welt scheiden müssen. Lange, lange nach dem gestrigen Tage wird aber kein Sarg, in.dem Wogenschsag so gewaltiger Liebe versinkest/wie der T. G. Masaryks; Der Autobus wurde, wie daS Tsch. P.-B. meldet, entzwcigeschnitten und der Hintere Teil dicht hinter dem Eisenbahnübergang links von der Streck« fortgeschleudert. Der vordere Teil deS von Prag nach Kladno fahrenden Autobusses wurde von der Lokomotive etwa 100 Meter weit mitgeschleift. Am Autobus fuhren etwa 17 Passagiere, von welchen an Ort und Stelle drei gickötet, acht schwer und drei leicht"verletzt wurden. Getötet wurden: Franz Eech, Schulleiter i. R. aus Prag, Wenzel Havluj, Schulleiter i. R. aas' Unhoöt, bis vor kurzem in Hnidoufy wohnhaft, Rudolf Prochäzka, Beamter ans Bellt Dobrt. Im rückwärtigen Teil des Wagens, der links vot der Strecke zu liegen kam, befand sich auch ein« Frau mit einem Kind im Arm. Beim Fall auf die Erde, blieb die- Frau, jedoch auf ihrem Sitzplatz sitzen und kani ohne U»fall davon. DaS Kind erlitt nur geringfügige Verletzungen an der Hand. Die Samariter des FeuerwehrkorpS in Ehyni! leisteten den Berletzten die erste Hilfe. Rach 18 Uhr wurden die drei Toten in die Leichenkammer nach Duöniky. und die Berletzten in daS Allgemeine Krankenhaus in Prag gebracht. Masaryks Grab Das Grab auf dem kleinen Dorf-Friedhof von Läny, das sich gestern über den Gebeinen des größten Tschechoslowaken geschlossen hat, ist ohne Tradition. Darum ist auch In. der tschechischen Presse sogleich die Frage^'au/geworfen worden, ob Masaryk dauernd in Läny ruhen öder'ob 1 er später nach Prag überführt werden soll. Und man hat darüber diskutiert, ob er in Prag in der Gruft der böhmischen Könige imDoni zu SanktVeit oder im Pantheon des Ratio naldenk- in a l s auf dem Zijkaberg seine bleibende Ruhe- statte finden soll. Mit dem unglücklich postierten Riesenbau in Zijkov wird man sich schwer be- freunden können. Daß Masaryk in der Königsgruft ruhen sollte, neben Karl IV., dem„Vater Böhmens", neben Maximilian und Rudolf II.,. hätte gewiß etwas für sich, eS würde die Tradition des Staates über ein Jahrtausend spannen und es hätte etwas Versöhnliches gegenüber der Vergangenheit, wenn der Gründer der Republik neben den gekrönten Staatshäuptern von einst ruhte. Aber inan vergesse nicht: Persön- lich leiten von der Größe und Einmaligkeit T. G. Masaryks be-i Der Sanitätsdienst Im Laufe des Dienstag tvurden den Sicher- hcitsbehörden nur 48 Erkranlungssälle von Teilnehmern der Vegräbnisseierlichkeiten aus den Prager Straßen gemeldet. Die Mehrzahl dieser Erkrankungen- war leichter Natur; nur in einigen Fällen muhte die Behandlung in Krankenhäusern in Anspruch genommen werden, aber auch dort tvurden die Kranken nach der Behandlung sofort in häusliche Pflege entlassen. Sonst wurde im Lause des Tages kein störender Zwischenfall gemeldet. Oer letzte Wej Masaryks , durch die Hauptstadt Von einem Teilnehmer am Kondukt wird un» I Abgesandte fremder Staatsoberhäupter und am Gehgeschrieben: steig hatten, sich zerlumpte Bettler eingereiht,.nicht Die letzte Fahrt Masaryk» durch die Straßen j nm zu betteln, sondern um mitzutrauern. Masaryk der Hauptstadt gestaltete sich zu einem Weltereignis■ ist es gelungen, an seinem AbschicdStag in den Stra« DerKindermund (Aus dem neuen japanischen Folklore) Die Familie Shonagon hatte oft Besuch von Verwandten und Bekannten und man pflegte, u>n den Teetisch versammelt, bis in die späte Stunde die großen und kleinen Geschehnisse in den Familienhäusern der kleinen Stadt zu erörtern. Dabei vergaß man hin und wieder die vierjährige Sei ins Bett zu schicken. Sei, die aufmerksam den Gesprächen der Erwachsenen folgte, überraschte eines Tages ihr« Mutter mit der Frage:„Die große Liebe— was ist das eigentlich?" Die Mutter umarmte Sei und gab rasch zur Antwort:„Ich liebe dich— da» ist die große Liebe." Sei unterbrach aber die Mutter mit den Worten:„Nein, ich meine jene große Liebe, wobei man sich verlobt," Kahikö, dec jüngere Bruder Seis, wuchs heran, und die Geschwister waren die besten Freunde, und Kameraden, als Sei— jetzt schon zehn Jahre alt— wiederum an die Mutter die Frage stellte, was die große Liebe eigentlich sei? Die Mutter Seis war auch jetzt um die Anttvort nicht verlegen.„Du liebst Kahiko und Kahiko liebt dich,— das ist die große Liebe", so läutete ihre Antwort. Sei wurde nachdenklich. „Nein, sagte sie, ich meine jene große Liebe, wobei Man heiratet." Sei wurde ein paar Jahre älter, und immer noch lauschte sie gerne den Unterhaltungen der Erwachsenen beim Teetisch; Man nahm schon Rücksicht aus das Heranwachsende Mädchen und besprach nicht so offen, die Skän-algeschichten der etabt-t Da richtete Sei schon keine Frage an die Mutter, sondern sagte:„Nun weiß ich, was große Liebe ist. Es ist jene, bei der man sich schnell scheiden läßt." In den nordöstlichen Distrikten Japans gibt es noch viele Siedlungen, wo die Bauern ein sehr primitives Leben führen. In. den Hütten fdhlen auch die üblichsten Gegenstände, ohne die der städtische Einwohner sich das tägliche Leben gar nicht vorstellen kann. Tzurayuki war Soldat in der Großstadt, und als er seine Dienstzeit hinter sich hatte und nach Hause kommen durste, kaufte er für seine Familie, die aus seiner Mutter, seiner grau und seinem Töchterchen bestand, einen größere» Spiegel. Zu Hause angelangt, stellte er den Spiegel an die Wand und ließ die Mutter, die Frau and das Töchterchen nacheinander kommen, um da» Geschenk zu bewundern. Tzurayukis Mutter spitzte die Lippen und sagte zornig:„Das HauS gehört mir. Solang«, ich die Herrin im Hause bin, will ich neben mir diese alte und häßliche Frau nicht dulden." Tzurayukis Frau bemerkte, als. st« sichim Spiegel gesehen hatte, bissig:.„Die Nachbarinnen hatten Recht/als sie mein altes und schmutzige» Kimono tadelten. Du hättest mir Lieber ein neue» Kimono gebracht statt diese» unnützigen Spielzeuge»."., Als endlich Tzurayukis Töchterchen ins Zimmer gerufen wurde, schrie sie freudig auf: „Jch habe«in süße» Schwesterchen bekommen: „Sie lief zum Spiegel, ym ihre vermeintliche I Schwester zu umarmem stieß ihn aber um."■ 1 Der Spiegel zerbrach. Die alte Mutter rahukis war froh, daß, sie keine Rivalin im Hause hatte, sein Töchterchen weinte aber bitterlich und beklagte es,'daß ihr Schwesterchen, tot war.-So bringt die Illusion einem die Freude und dem andren nur die Tränen.. Sada-Kishi hatte öfters in der europäischen Siedlung zu tun und brachte immer wieder etwas Geld nach Hause. Eines Tages war sein Verdienst uni mehrere Jens größer als sonst, und er- kauftss in einem Laden der. europäischen Siedlung Geschenke für seine kleine Tochter Poo: eine Puppe, fein und zierlich gekleidet, und einen passenden-Puppenwagen,-,- "-. Poo war außer sich vor Freud«, al» ihr der Vater die Geschenke überreichte. Sofort-nahm sie sich der Sachen an, während der Vater, sich hinter einer Zeitung-verbergend, heimlich sein Kind beobachtete. . Poo zog zuerst die Puppe aus und kleidete sie ,wieder an.,. Dann richtete-sie die Kissen des Puppenwagens zurecht, und placierte die-Puppe im; Puppenwagen, so wie jene Dame» zu fitzen pflegen, die Poo auf der Straße.vorbeifahren gesehen. hat. Dann aber ließ sip den Puppenwagen mit,der Puppe stehen.und lief auf die. Straße, um mit den Kindern zu-spselen.. . Zwei Tag« lang beobachtete Poo» Väter sein' Kind und wutwerte? nicht wenig, daß Poo. nicht da» ,mindeste Interesse dem Puppenwagen und. der Puppe in ihm widmet«.. AlS aber Poo am dritten Tage- hörte,, daß ihr Vater wiederum m die europäische-Siedlung, gehen mußte, sagte sie-zu ihm:.'. r'„Die Puppe,^ie du mir geschenkt hast, will Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich ® Bord«a u g. Montag und 22 Uhr 13 fuhr auS bisher nicht bekannten Ursachen 1b.Kilometer.. vor der Station Angvuleme ein Schnellzug. auf den Schlußwaggon eines vor ihm fahrenden Schnellzuges auf und warf diesen wie auch einen zweiten Waggon auS dem Geleise. Die Waggons stellten sich auf und verammrlten daS Geleise. Gegen b Uhr wurden bereits acht Tote und unter den etwa b0-Berletzten 1b Schwerverletzte ge». meldet. Di« Trümmer deS«inen Waggons konnten noch nicht durchsucht werden und«S besteht, die Befürchtung, daß unter ihnen weiter« Opfer der Katastrophe liegen. An der UnfaUstell« spiele» sich BerzweiflungSszenen ab. Die Namen der. einzelnen Opfer wurden bisher nicht genau festgestellt. Bielen der Schwcrverwundeten droht, der Tod. Di« Ursache deS Zusammenstoßes war die ungenügende-Beleuchtung deS Zuges, auf den der. Schnellzug auffuhr. Die hohe Zahl der Opfer deS Unglückes ist dadurch verursacht, daß die Wag». gons alter Konstruktion und a u S H o l z waren.’ bundenhcit und stille Allgegenwart durch das Grab in Läny sinnfälliger und schöner zum AuS- druck kommt-als durch eine Grabstelle deS Größten neben anderen Grostön, des ungekrönten neben gekrönten Häuptern, wünschten wir, die Ruhe-scincr Gebeine würde ferner nicht mehr gestört und er bliebe da, wo man ihn gestern gebettet hat. Und nach Jahrhunderten möchte dann' wohl, wenn fern in Amerika oder Asien einer fragt, wo Masaryk ruht, man ihm antworten: mitten in böhmischer Erde, daS ganzeLand i st seine G r a b st ä t t e und der Staat d a s. M o n u in e n t seines Schöpfers. cf. Noch immer Such«»ach Lewanewskij.(Tnß) Nach Informationen von der Rudolfsinsel haben die vier Flugzeuge, wtlche nach dem verschollenen Flieger Lewanewskij suchen, die Vorbereitungen zum Weiterflug abgeschlossen. Sie haben Lebensmittelvorräte für sechs Monate an Bord. An der eigentlichen Suche werden(ich drei Flugzeuge beteiligen, während das vierte als Reserve auf. der Rudolfs-Insel verbleibt. Der russische Flieger Mn-uruk,- welcher bei günstiger Witterung bis zu 8-1% Grad nördlicher Breite vorgedrün- gen war, mußte wegen dichten Nebels wieder umkchren. „Antagonismus". Bereits zum dritten Male wurden in einigen New Norkcc Kinos Tränengasbomben geworfen» Die/ Polizei schreibt dies« Angriffe.dem Antagonismus zweier Gruppen der„Ailmoperateure bei,,''aj- Ist half eine gebildete Pölizeil Ein Eiseykmhnzng au» Gla». Eine-Glasfabrik in Lancafhire ist auf einen originellen Einfall ge-' kommen, für ihre Erzeugnisse zu werben. Das Nil« iernchmen erwarb zwei gewöhnliche Eisenbahnwagen, entfernte die gesamte Inneneinrichtung und'stattete die. beiden Waggons mit allen erdenklichen Artikeln der Glasindustrie äuS. Diese„gläsernen' Eisenbahnwagen" werden von Liverpool au» eine Tournee durch sämtliche großen Städte Englands unternehmen. Da» Dach ausgenommen, wird auch die Außenseite der Waggons aus Glas sein,' und zwar werden dafür 120.000 Stück«'einer Spczialtypps von blauem Gla» verwendet werden. Im Innern werden Wände und Boden, ja sogar Bilder au» Gla» sein. Ferner werden sie ein Badezimmer ganz au» Glas enthalten. Neuartige"GlaSwürfel und unzerbrechliche Glasplatten, die jedem Zerstörungsverfuch widerstehen,' gehören ebenfalls zu der Ausstattung der beiden Eisen- bahntvagen. Die AuSstellungSfahrt soll dem Publikuin Gelegenheit geben,, sich von den vermehrten Ber« wendungSmöglichkeilen-für Gla» bei" Hausbau und HauSeinrichwng einen Begriff"zu- machen. doch, spazieren fahren. Vergiß'.nun heute nicht, auch einen Rikshä für den Puppenwagen zu kaufen,"' Manei wohnte, mit seiner Familie in der europäischen Siedlung, und sein kleiner Sohn Tzuli befreundete sich mit den Kindern des reichen deutschen Kaufmannes Müller. Die Familie Müller sah es gern und lud den kleinen Japaner I oft zu sich. Tzuli" beobachtete gerne und bemerkte scharf die europäischen Sitten in der Familie Müller,! besonders stark schwärmte er für die Gebräuche, die mit den großen christlichen Feiertagen der»'. Kunden sind. Manei, ein gläubiger Buddhaist, wär. aber." damit-unzufrieden und-suchte-die kindliche Schwärmerei Tzulis zu zerpflücken: „Es ist alles Spielerei", belehrte« Tzulir St. Nikolaus kam gar nicht zü. der Familie Müller mit den- Weihnachtsgeschenken,. sondern" Herr" Müller hät sich als St. Nikolaus verkleidet'. Auch die Eier wurden'in das Hau» von Müller» nicht von einem wahren Hafen gebracht,' sondern Herr Müller spielte für seine Kinder üiid- dich-de» Hasen,->- > Tzuli wurde bald- darauf wiederum-'zu- Müllers eingeladsn. Die Familie' de»; deütschön Kaufmanns hätte'für' den kleine» Jäpäner«ine Ueberraschung: sie käuste inztvischeN'eineN Radioapparat und stellte den Lgutsprecher^iN' dein Mo« ment ein, als Tzuli in dasSpeisezinimerge« "führt.würde!"- " Nun'war aber Tzult klüger geworden.„ES'- .ist Herr Müller selbst;,'der da'zwstlns spricht,' bemerkte-er:.„Wie- könnte, aber"Hecr Müllec-sich.^ in ditzsem kleinen Kästen- verbergen?" «r. 223 Mittwoch, 22. SePIemSer 1937 Seite 7 MWMMM Vas Schicksal des Währungsabkommens Franc-Sturz und Krisenluft In Wall Street Die letzte Woche hat eine starke Bewegung ast den Weltbücsen mit sich gebracht, die sich In zwei wesentlichen Vorgängen widerspiegelt: zunächst in dem innncv weiter fortschreitenden Abgleiten des französischen Franc, der die Grenze,. die seinerzeit durch Bonnet nach oben hin In Aussicht genommen worden' war, überschritten hat,' und zlveitenS der Kurssturz säst aller Wertpapiere an der New Morler Börse, der auch den Londoner Markt In Mitleidenschaft gezogen hat. Zwischen den beiden Vorgängen gibt ei eine starke Analogie, aber cS gibt auch sehr entscheidende Unterschiede. Die Analogie besteht darin, daß sowohl ist den. Vereinigten Staaten wie in Frgmreich eine neue Unsicherheit herrscht, dort in der Gesamiwirtschäft, hier In bezug auf die Währung,'Die Vereinigten Staaten fragen sich angstvoll, oh di« neue Prosperität nicht durch den eingetretenen Rückschlag wieder gefährdet werden könstte, und Man hegt Besorgnisse für die Zukunft.'"Frankreich fragt sich mit mindestens der gleichen Besorgnis, wohin der neue Ansturm aus die französische Währung führen wird und da« Publikum ist desto unsicherer, als alle Fachleute und die Finanz« und Börsenkreise versichern, dgh es eigentlich gar keine zwingenden Gründe für den Franc-Sturz gibt, sondern daß es sich um Spekulationsmanöver unverantwortlicher Kreise handele. Aber da gleichzeitig versichert' wird, dost auch die ausländischen Großbanken nicht auf Franc-Baisse spekulieren, so weiß man sich kein« Asttwort auf di« Frage, lvoher denn die Riesenangebote an Franc» auf die AuSlandSbärsen kommen, die daS Abgleiten des'Kurses verursacht haben. Beiderseits, sowohl für die USA wie für Frankreich, aber gilt, daß die gespannte politische Lag« einer der Hauptgründe für die quälende Unsicherheit darstellt. Aber die Reaktionen sind in Frankreich und in den Bereinigten Staaten sehr verschieden. Die Gefahr einer Hemmung de» neuen Wirtschaftsanstieg», kompliziert durch eine Baisse an der Börse, hat die Vereinigten Staaten in wenigen Tagen dazu geführt, ihre Währung»« und Kreditpolitik einer gründlichen Revision zu unterziehen. In Frankreich dagegen hat die Gefahr für die Währung zunächst nur die allgemeine lieber» zeuguNg hervorgebracht, daß es hoffnungslos fei, eine günstige Rückwirkung der allgemeinen Wirtschaftslage auf die Währung zu erwarten. Die NSA'silid der Meinung, daß die Währung unter allen Umständen in den Dienst der Wirtschaft gestellt wird; Frankreich erwartet die Konsolidierung der Währung durch eine Hebung seiner Produktion, In den USA sieht man die Rettung darin, die Währung al» Quelle brr Produktionskraft des Landes zu erschließen; in Frankreich wird, eine tiefschürfende Untersuchung über die Möglichkeiten der Erschließung der Produktion ohne eine Neubelastung der Währung von der Negierung unternommen^ Jin Grunde genommen liegt aber der Widerspruch zwischen den Reaktionen diesseits und jenseits des Ozean» sticht in den Prinzipien, sondern in den Methoden. Und daS bat seinen sehr einfachen Grund darin, daß' die Bereinigten Staaten noch lange nicht erschöpfte Geldreserven besitzen, während^'im Gegenteil die Frankreich» eben ganz erschöpft sind, Darum muh Frastkreich, da es von dieser Seite keine Hilfe in Anspruch nehmen kann,' nach einem anderen Ausweg suchen. Dazu kommt, daß der Goldmarkt, der für Amerika«ine entscheidende Rolle spielt, wiederum unruhig,ist. LmIrühfahr dieses Jahre» hat Amerika.alles versucht, um'den Goldpreis von 88 auf 3V Dollar, pro Unze zu senken; heut« geht die Tendenz dahin, ihn womöglich auf 38.$ herauszubringen. Es stellt sich heraus, daß da» Goldproblem durch di« 299 Millionen Pfund, die London dem StabilisiationSfondS zur Verfügung gestellt hatte,, ganz und garnicht gelöst worden ist. - Dieses Problem zieht auch London in Mitleidenschaft. Wenn man annimmt, daß täglich, London offiziell für 189.999 Pfund, Gold aufkaufen muß, und inoffiziell außerdem noch auf' dem freien Markte für weitere 299,969 Pfund,, so erkennt man leicht, daß die Frage de»..Gold«' preise« sehr bald auch für England krftisch werden wirb, Diese Stunde wird nur umso schnel- sler-kommen, wenn der Dollar um weitere zehn. Prozent, abgewrrtet wird. Denn dann,wird London gezwungen sein, entweder niit einem Pfund zu arbeiten, da» um zehn Prozent höher al» die. Dollnrparität^iegt, oder aber alle Währung»-' schwierigketten in Kauf nehmest, müssen,, die äst» her Erhöhung des Goldpreise» entstehest.,' Vor einem Jahr, al» die Währungsabkommen vor der Franc-Abwertung zwischen Paris, > London und New Morl geschlossen wurden, glaubt: May), daß'sie sowohl das Goldproblem wie auch die Hauptprobleme der Nooseveltschen Experimente lösen, könnten. Man muß festftellen, daß -Ms.Abkommen im Laufe eine» einzigen Jahre» ,'ay^drei Stellest sich als unzureichend erwiesest hgben i.sie haben weder die Stabilität de» Gold« Marktes, noch.die' Prosperität der amerikanischen .Wirtschaft, noch die Sicherheit des Franc gewählt« -leistenkünnen. Die inflationistischen, Tendenzen -des Londoner Marktes' waren bisher stoch ist der .Läge/ eine vollkontmeste Aufgabe dieser Abkommen zu verhindern. Aber die gleichen inflationi-. stischen Kräfte, die seit acht Tagen sich auch in New Mork bemerkbar machen, bedrohen sie in einer absolut entscheidenden Weise. ' Die Clementarschiiden in der Landwirtschaft im heurigen Jahr« waren Gegenstand einer Beratung, der Kommission für die Verwaltung heS besonderen Fonds. beim LandeSkulturrat für Böhmen. Nach dem Bericht des Referenten wurden Schäden aus 68 politischen Bezirken gemeldet, und zwar hauptsächlich Schäden infolge von Hagelschlag, Wolkenbruch und Schädlingen. E» wurde beschlossen, in den betreffenden Gebieten eine Anbauaktion durch Ausgabe von billigem Saatgut, welches nach Möglichkeit den kleinen und wirtschaftlich schwachen:. Landwirten, zu günstigen Kreditbedingungen zugewiesen werden soll. Den durch Hagel am meisten betroffenen Bezirken und 192 Abgebrannten wurden insgesamt 889.999 AL' bewilligt. Schließlich wurden .16,898 Gesuche aus 56 politischen Bezirken erledigt, die Vergütung für Grundsteuer aus dem Jahre 1934 betrafen. Es wurden rund AL 1,189.999 bewilligt.(Aus dem LandeLkultur- rat.i Sammlung der SPD-Emigration Elrt besrüDenswerter Beschluß Nach der Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung'setzte in den Reihen der sozialdemokratischen Emigration eine Welle der Selbst- kr'itik ein, die bis hart an die Grenze der S e l b st z e r f l e i s ch u n g ging. Zum Unterschiede von den Kommunisten, die sich auch nachher so gebärdeten, als hätten sie alle». vorauSgewuht und von den emigrierten Katholiken, die noch immer nicht die Kraft zu einer selbstkritischen Nachprüfung der unglückseligen Aera Brüning fanden, gab e» viele Sozialdemokraten, die sich mit hem Sieg des Nationalsozialismus überhaupt nur parteitaltischauSeinandersch- ten. Dieser Prozeß führte zur Bildung verschiedener Absplitterungen aus dem Lager der. alten Sozialdemokratie.. Im Läufe der Jahre stellte sich aber heraus, daß die beispiellos gefahrenreiche sozialistische Illegalität im Reiche dadurch' nicht' wefentlich unterstützt, sondern vielfach sogar erschwert wird. Zu detien, welche rechtzeitig die Notwendigkeit einer neuen Sammlung der sozial- demokratischen Kräfte erkannten, gehört eine Gruppe revolutionärer Sozialisten(RSDl, die sich vor allem im vogiländisch-sächsischen Industriegebiete illegale Positionen ausgebaut hatte. Wie wir erfahren, haben die beschlußbcrechtigtcn Instanzen der. RSD in ihrer letzten gemeinsamen Sitzung den folgenden Beschluß gefaßt: „Die verantwortlichen Vertreter und Körper- . schäfte« der RSD sind»ach ernsthafter Prüfung der Situation zu der Neberzeugung gekommen, daß die einzelnen sozialdemokratische»' Gruppen keine Da- seinSdcrechtignng mehr besitzen und daß die organisatorische, Sammlung dieser Gruppen im Gefamtrahmen der sozialdemokratische» Arbeiterbewegung da» Gebot der S t u» d e ig. Um dieser politisch«« Notwendigkeit zu entsprechen««d dl« Berrinheitlichung der deutsche» sozialdemokratische» Arbeiterbewegung von sich an» , zu fördern, beschließen die zustindigen und berii- fmun Körperschaften»er RSD die Ruflösting ihtck Gruppe und deren politische und organisatorische Eingliederung in dieGefämt- Part'«!... Da wir der festen Ueberzeugung sind, daß wir al» Sozialdemokrat«»'Misere große politisch« Aufgabe nur alsst a r k e,«inigeundge- schlossen« Bewegung erfüll«» können, sind wir bereit«nd entschlossen, unö innerhalb der sozialdemokratischen Partei und nach den Grundsätze» der Partei zu betätigen, und für di« weiter« Sammlung der sozialistische» Kräfte zu wirken." AuS der uns vorliegenden Begründung dieses Schrittes ist folgende Stelle interessant: „An dieser Stelle sind ein paar Bemerkungen notwendig.über die Rolle der Stalin-Kommunisten in der jüngsten Entwicklung der sozialistischen deutschen Emigration.. Die ZK-Reste haben im Einklang mit der hyperopportunistischen Politik, in a.ssheren. Ländern eine extreme Schwenkung durchgeflihrti Nachdem«» ihnen nicht gelungen ist, unsere. Gruppe und' einzelne belannte Genossen für ihre Propaganda zu gewinnen, versuchen st«, durch«in Bündnis mit dem Parteivor- stand der Sozialdemokratie wieder auf die Beine zu stehen kommen. In Briefen, die angeblich von sozialdemokraischen illegalen Arbeitern verfaßt sein sollen, In Artikeln der komnwnistlschen Presse und in offiziellen Kundgebungen de» ZK wird dem Parteivorstand gut zugeredet und für da» Bündnis zwischen den früheren Parteizentralen geworben. Seit dieser Zeit haben die KoiEunisten auch entdeckt, daß der Parteworstand, vzw. die Sopade, derrealsteFaktorimso- z i a l d e m o k r a t i s ch e n Organisation» b e r e.s ch ist. Alle anderen sozialdemokratischen Gruppen werden jetzt von den. Kommunisten nkgiert. Diese kommunistische Taktik. Ist der Stellung de» ParteivorstandeS innerhalb der sozialdemokratischen Emigration und innerhalb der sozialistischen Internationale zugute gekommen. Daneben aber haben führende Leute des ZK .bis In die letzte» Wochen hinein weiter versucht, sozialdemokratische Genossen, deren Oppositionsstellung gegen den Parteivorstand ihnen bekannt ' ist, al» Vorspann für die von ihnen aufgezogenen Aktionen zu,benütze» und sie im gegebenen Augenblick auf dem Altar ihrer Parteizwecke der„höheren Einheit" zu opfern. So haben also auch die Kommunisten zu der Verlängerung der Periode der Fehlschläge der Einigungrvcrsuche wesentlich beigetragen." Wie man aus dieser Darstellung ersieht, ivar den Führern der. KPD das namenlose Unglück der deutschen Arbeiterklasse und da» Elend dec Emigration nur ein willkommener Anlaß, weiterhin im Trüben zu fischen.' Infolge ihrer kritischen Haltung zur kommunistischen Einheitsfronttaktik haben die RSD-Letite schon vor einiger Zeit ihre Verbindungen zu Max S e y d e w i tz gelöst. Der frühere Vorsitzende der RSR, Büchel, hat, nachdem der Vereinigungsbeschluß gegen seinen Willen gefaßt tvurde, resigniert und beabsichtigt, die Tschechoslotvakei zu verlassen.. Die schwedische lügend ehrt T.<5. Masaryk Als am DicnStag, den 14. September, in Stockholm der Tod T. G. Masaryks bekannt wurde, veranstaltete' der zur gleichen Zeit tagende Jubi- läuiNS-Kongretz des Verbände» der sozialdemokratischen Jugend Schwedens, in dessen Reihen 166.006 schwedische Jugendliche stehen, spontan eine T'r a u e r k u n d g e b u n g für den großen Europäer Masaryk. Der schwedische ReichsratSabge« ordnete Adolf Wallentheim hielt eine tiefempfundene Gedenkrede, in der. er unter anderem sagt«:..„Die Tschechoslowakei. hat ihren Präsident- Befreier verloren, der große Demokrat Masaryk wird in den Herzen aller demokratisch fühlenden Menschen weiterleben." Am Schlüsse seiner Rede drückte Wallentheim dem Vertreter der Tschechoslowakei Genossen Rudolf Geißler, Teplitz-Schönau, das tiefste Mitgefühl der schwedischen sozialtstsschen Jugend zu dem großen Verlust, den alle Sozialisten Md Demokraten erlitten haben, au». Die Gedenkrede wurde von den 706 Delegierten de» Kongresse» in tiefer Bewegung stehend angehört. Diese Gedenkkundgebung der schwedischen Jugend wurde durch die Genossen Wallentheim, Stockholm, und Geißler, Teplitz-Schönau, dem Technokratie— vor 30 Jahren Als vor fünf Jahren, mitten in der schwer-' sten Weltkrise, di«.' neue Heilslehr« der Technokratie, au» Amerika-'importiert, die europäischen! Gemüter in Austestung versetzte,«alt die stanz« Idee bet ihren Gegnern als„amerikanischer Spleen",' am Schreibtisch ausgedacht von ebenso weltfremden wie sensationslüsternen Publizisten.! Man Wie sich mich schwerlich ein anderes Ge- bürtsland diese».Evangelium» technischer Utopi- sten vorstellen können'als da» Land, der„unbegrenzten Möglichkeiten": Inzwischen. aber ist der ssäüte Lärm, um die technokratische Idee» der«: .stugunt, dfe Fachleute chaben,sie. geprüft und'vbnf unsachlichen Schiästest gereinigt^ und Viele Gedanken der amerikanischen. Technokraten sind ins zwischen bereit» Wirklichkeit, geworden, sei es'in vep europäischen Industrie,'sei«»in der russischen Stachanow-Bewegung. Tatsächlich aber ist die GeburtSstätie des Technokratie Wien, ibr Vater ist Güstav Lustig; Direktor einer Zusterfabrik, und in dtesest Tage»' sind«S genau 89 Aähre her,, daß dieser Gedanke das Licht der' Welt erblickte.. Er tat es in Fornf einer, dünnen Bröschür«mitdemTitcl„llnion der Techniker"'.' Zeider starb ihr! Verfasser Güstav' Lustig kurz danach, ohne die Möglichkeit zu haben, das lebhafte Echo auf seine Veröffentlichung prak- tisch auszunützen. Die Union der Techniker, zu. deren Gründung Lustig ausrief, sollte Techniker aller Grade und Fächer zusammenfassen, um so mit Macht und Nachdrück die Stellung he».Techniker« in der Gesellschaft und in der Welt,zu'stärken und ihm' Ist.viel größerem Maße als bisher ermöglichen, zum Wohl der breitesten Oeffentlichkeit zu• wirken. Diese Union sollte apolitisch geleitet und zu einem, technischen Weltbund auSgestaltet werden, der"nach upd nach die Leitung der Weltgeschicke, soweit sie entfernt mit technischen Dingen zu tun hasten, in die Hand nehmen sollte.' . Der Gedanke wurde von Violen Organisa- tionen begeistert ausgenommen,, insbesondere von; „Verein ostcrreichsscher Chemiker".' dessen bedeu- tende» Mitglied Gustav Lustig: gewesen-war; die Leiter dieses Vereins, Prof. Dr. Wegscheider und Jstg. Hazura, hatten die Ziele des Verstorbenen za ihren eigenen gemacht. Bald aber würde die s Wosts-Jdee in den'berühmten Kämpf hineinge-, zogen, der im BorkriegSösterreich ünf dest Jnge- nieurtitel ausbrach. Der Streit um den Jnge- nieurtitel,. der.Wiederholt, auch... das Parlament - beschäftigte, ließ allmählich die ganze Unions- Idee in Vergessenheit geraten. ' Spencer Tracy»nd Freddie Bartholomew in„Tapfere Kapitäne" tschechoslowakischen Gesandten Minister K u ü«t'a in Stockholm übermittelt, der sie sichtlich ergriffen eni» gegcnnahm. In diesem Zusammenhang sei noch die Tatsache ertoähnt, daß vor lä»rrcr Zeit der Verband der holländischen sozialistischen Jugend«in Buch her« ausgab. da» ec T. G. Masaryk tvidmete. Diese beide» Umstände zeigen, welcher tiefen Verehrung sich unser verstorbener Präsident- Besreier bei der denkenden sozialistischen Jugend aller Länder erfreute. Duff Cooper inspiziert das Mittelmeer Wie verlautet, ivird der erste Lord der Admiralität DuffCooper und mit ihm einige hohe Persönlichkeiten der Admiralität in den nächsten Tagen an Bord der Admiralität»- Jacht„Enchantreß" eine Mittelmeerreise unter- nehinen. Er wird hiebei Gibraltar, Malta, Alexandria, Haifa und einige andere Orte besuchen. Aga Khan Der Präsident der diesmaligen Session de» Völkevbundsratcs ist der Vertreter von Indien Aga Khan. Sein voller Titel lautet: Seine erhabene Hoheit lHi» Eralted Highneßi Sir Mohmnmed Sbah Aga Sultan Khan III. Er ist 1877, als einziger Sohn von Aga Khan II. geboren und ist der Enkel des Grüiwers der'Dynastie Aga Kban I.(1800 bis 1881)'.' Di« Dynastie'führt ihren Ursprung unmit» telbar auf Ali, den„Löwen de» Herrn", zurück, dessen Frau Fatima die Tochter de» Propheten Mohammed war. 1888 folgte Aga Khan feinem Vater und wurde 1666 Chef aller Schiiten von Indien, damit einer d«r Führer der größten religiösen mohammedanischen Partei.. Kurz darauf begann die politische Tätigkeit Aga Khan» niit einer Reise nach-Europa, die er seitdem jährlich, manchmal mehrmals, wiederholte. In der europäischen Politik trat er zum. ersten Mal während dec Balkankriege in der Auseinandersetzung zwischen den slawischen Staaten und der mohammedanischen Türkei, in Erscheinung. Zu Beginn des Weltkriege», befand er sich gerade in Olt« afrika. Bon dort aus erließ er einen Aufruf an di« mohammedanische Bevölkerung Indien», an der Seite der Alliierten mitzukämpfen. Seine Stellung tvar besonders schwierig, da ja die Türkei auf selten der Mittelmächte den„Heiligen Krieg" erklärte, und es ist nicht zum wenigsten seinem Ansehen und Einfluß zu danken, daß die arabische und mohammedanisch« Welt Im Laufe de» Weltkriege» nahezu geschlossen auf die Seite der Alliierten trat. In den Nach- kriegSiahren wurde seine Figur in ganz Europa populär, freilich nicht so sehr als Politiker, sondern vielmehr als einer der bekanntesten Besuche« aller Rennvlätze und Besitzer eine» der hervorragendsten Rennställe. Daß er außerdem einer der reichsten Männer der Erde ist, ist auch bekannt.. Nach dem Krieg war es wieder ein Wiener, der sie von neuem zur Diskussion brachte und ihr einen wirkungsvollen Namen gab:^Technokratie", Herrschaft der Techniker. In Europa erzielte er keine' Resonanz,.um fo mehr aber in Amerika. Howard Scott nahm die Bezeichnung „Technokratie" auf, machte das' amerikanische „tcchnocrazy" daraus und arbeitet« sein theoretisches, wirtschaftspolitisches Programm, aus. Präsident Roosevelt veranlaßte, daß sein„NRA"- Werk eine Reihe technokratischer Gedanken aufnahm. Trotz des prinzipiellen Mißerfolg» der „NRA", trotz der Widerstände, die in. unserer hochpolitischen Zeit-gegen die apolitische Herrschaft der Techniker ztvangSläufig sich ergebe» müssen, ist sicherlich noch nicht das letzte Wort über diesen.ungeheuren Plan gesprochen, der die Wirtschaft de» Prosits und der unpersönlichen Ware durch die Organisation der BrdarfSdeckupg, der Güterverteilung an Alle ersetzen will. Es ist gut, sich gerade heule wieder an Gustav'Lustig» Idee zu erinnern, da lpicdcrnm- Millionen von Kasfeesäckcn ins Meer geworfen, Millionen von Bushel Weizen verbrannt werden, um nur. ja zu verhindern, daß die Welt billigere Produkte, erhält. Da» ist, neben utopistischen Verstiegenheften, die Grundidee der Technokraten. Vielleicht wird sie doch, noch eistmal eine' praktische-Auferstehung feieripl' L—r. Seite 8 Sozialdemokrat“ Mittwoch, 22. September 1987. Nr. 223 Die Totengloffie der Weltgeschichte 6. August 1914: England hat Deutschland den Krieg erklärt und sich damit aktiv auf die Seite der Alliierten gestellt. Die Welt hält den Atem an und— im Börsensaal der größten Versicherungsgesellschaft der Welt, der Lloyds Assu- ranee Company, kurz Lloyds of London genannt, wird die über dem Sih des Sprechers hängende Glocke geläutet.‘ 11. November 1918: Waffenstillstand an allen Fronten. Die Welt atmet auf und feiert in jubelnder Begeisterung das Ende blutigen Mordens und— int Bürsensaal bei Lloyds of London wird. die über dem Sitz des Sprechers hängende Glocke geläutet. Zwei markante Daten aus der Geschichte unseres Erlebens. Begleitet vom Ertönen der grünspanüberzogenen Glocke im Büro der weltbekannten Versicherungsgesellschaft in London. Tradition? Altbritischem Konservatismus heilige Gewohnheit aus Großväiettagen, ähnlich den mittelalterlichen Perücken und Zöpfen britischer Richter und Lordmayors? Nicht ganz so.. Das Anschlägen der Glocke in Lloyds Büro hat einen— übrigens auch darin traditionell britischen— sehr materiellen Hintergrund. ES handelt sich auch hier, wie meist in der zivilisierten und kultivierten Welt, um Geld, um finanzielle Interessen und Rechnungen. Fangen wir mit der Historie an: Was für ein sonderbares Ding ist diese Glocke bei LloydS of London eigentlich? Bekanntlich(wer es noch nicht wußte, kann es durch den amerikanischen Film„Trafalgar" erfahren, der im englischen Original kurz und schlicht„LloydS of London" heißt und den Werdegang dieser Firma zeigt) war die heutige größte Versicherungsgesellschaft ursprünglich— um anno 1689 herum— ein kleines Kaffeehaus in der Towerstreet in London, das dem gewesenen Kapitän Edward Lloyd gehörte. Hier trafen sich Kapitäne, Verfrachter, Schiffseigentümer uNd andere Männer des seefahrenden Handels, um Nachrichten auszutauschen und Geschäfte abzuschließen. Mit dem zunehmenden Welthandel und dem Kolonialbesitz Englands wuchs die Firma Lloyd schnell zu einer nicht nur handelstechnisch wichtigen, sondern auch zu einer politischen Größe. Vor zweihundert Jahren'war ein Seekrieg zwischen europäischen Großstaäten in Wirklichkeit nichts anderes als unverhüllte Seeräuberei. Jeder Staat hatte seine Kaperschiffe, und diese Einrichtung hat Englands heutige Seebeherrschung recht eigentlich erwirkt'und befestigt. Englische Kaperschiffe, ausgestattet mit einem„Kaperbrief" der Königlich Britischen Regierung, trieben sich auf allen Weltmeeren herum, und sie waren es, die dank der Tüchtigkeit ihrer seegewohnten Besatzung Holländer, Spanier, Franzosen und alle anderen europäischen seefahrenden Staaten schließlich aus dem Felde schlugen. In solchen Kämpfen war 1786 das französische Schiff ,;2utinc" von einem englischen Kaper in. blutigem Kampfe Schiff neben. Schiff, Mannschaft gegen Mannschaft im Nahkampf erobert worden. 1798 beinächtigte, sich ein französischer Kaper wiederum des Schiffes, und 1797 gelang es einer englischen Fregatte, die„Lutine" wieder unter die englische Flagge zu bringen. Hunderle von Menschen starben um den Besitz dieses alten hölzernen Dreimasters einen grausamen Tod. 1799 segelte die„Lutine" mit einer Goldladung im Werte von 25.990 Pfund Sterling nach Holland,. geriet bei Terschelling-Bank auf Grund und versank mit Mann und Maus in den Fluten der Nordsee. Das Schiff war mitsamt seiner Ladung bei Lloyds versichert gewesen, und es ist ein schöner Bewe'" für die Geschäftstüchtigkeit der Inhaber, daß sie wenig mehr als'199 Jahre nach ihrer.Gründung.der englischen Regierung den Wert von Schiff und. Ladung anstandslos auszahlen konnten. Im nächsten Jahrhundert begann man mit dem. Fortschreiten der Tauchtechnik sich für die Hebung des Goldschatz-; der„Lutine" zu interessieren. Im Jahre 1866 gelang es holländischen Tauchern(die Holländer sind noch heute tonangebend in der Technik der Bergung versunkener Schiffe), den vollen Wert der aus Goldbarren bestehenden Ladung der„Lutine" zu heben. DaS war für die Versicherungsgesellschaft LloydS gefundenes Geld und es ist nicht verwunderlich, daß die dankbaren Herren. von den Tauchern auch weniger kostbare Dinge als Reliquien äuS dem llnglücksschiff herausholen ließen. Aus hölzernen Wrackteilen wurde in kunswoller Arbeit Amsterdamer Tischler ein Stuhl hergestellt, der noch heuie als Sitz des Chairmans der Firma Lloyds benützt wird, und von dem die allezeit zü Spott- redeu aufgelegten Londoner behaupten, er sei „der unbequemste Stuhl der Bereinigten Königreiche". Und noch etwas brachten die Taucher aus der Tiefe des Meeres mit: die Schiffsglocke der „Lutine". Diese Glocke des alten französischen Schiffes „Lutine" ist es, die heuie noch über dem Sih des Sprechers im Börsensaal des Lloyds Building in Leadenhall Street: London-City, hängt, und wenn sie angeschlagen" wird, so bedeutet das jedesmal ein besonders wichtiges Ereignis—in der Welt- Juuiatund Mssen, Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, /Mittwoch, halb acht- Uhr abends:, Der Äosenkavalter. B 2.— Donnerstag halb 8: Oberon, Festvorstellung, i anläßlich der 4. internationalen Kongresses für die Geschichte der Realwissenschaften-. CS.— Freitag halb 8: Dar Dorf ohne Männer, D,'Uraufführung.— Samstag halb 8: Pariser' Leben, ll 2, neuinszeniert.— Sonntag 7: Car-, men, C 1, Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, abends 8 Uhr:„Nora".— Donnerstag 8: Rausch.— Freitag 8: Bei Kerzenlicht. — Samstag halb 8: Die Reise, Erstaufführung.— Sonntag 8: Bei. Kerzenlicht. Blick Über den Wangpu auf den Stadtteil Putung von Schanghai In den heißumstrittenen Vierteln von Schanghai brechen immer wieder, durch Granaten« und Bombeneinschläge Feuersbrünste aus. Mächtige Rauchsäulen entsteigen den brennenden Stadtvierteln. Diese Ausnahme zeigt das Stadtviertel Putting am Wangpu.. Im Vordergrund sieht man das amerikanische Flaggschiff..»Augusta", das während der Kämpfe von einer Granate getroffen wurde.... Roßkastanien kommen zu Ehren In der Zeitschrift„BierjahreSplan", die im Dritten Reich offiziellen Charakter hat, wird im Zuge der vielen Spar- und Sammelmatznahmen, welche dem Rohstoffmangel abhelsen sollen, eine neue Aktion angekündigt. Schulen und Hitlerjugend sollen aufgeboten werden, um die bisnuu als wertlos betrachteten Früchte des Roßkasta- nienbaumes zu vielen Millionen zu sammeln und der Verwertung zuzuführen. Man rechnet mit einem Ertrag von mindestens 26 Millionen Kilo- gramm im Jahr. Wohl ist die Frucht ungenießbar. Die Kinder, welche so gerne mit den schönen Früchten spielten, mußten mit Bedauern erfahren, daß sie nicht des Bratens oder Kochens wert sind; sie bleiben sehr zum Unterschied von den geliebten.Maroni", bitter und erzeugen ein Unleidliches Kratzen im. Halse. Die. botanischen Handbücher, sagen uns, daß die Früchte größere Mengen eines„Saponins" enthalten, welches sie ungenießbar macht. Die, Saponine" sind komplizierte Kohlenstoffverbindungtn, wenig erforscht und nur hin und..wieder.praktisch verwendet wegen ihrer Eigenschaft, Wasser, dem sie zuge- seht werden,, schäumend zu machen. Und.zwar viel stärker als Seife: schon bei zehntausendfacher Verdünnung zeigen sie die seifenähnliche Wirkung(Daher auch der Name, vom lateinischen sapo, Seife). Und diese Eigenscha ft dürfte auch die Hauptursache der Sammelaktion sein. Dciiu die Saponine können nicht bloß als Reinigungsmittel statt Seife verwendet werden, sondern gleich so vielen anderen Stoffen haben auch sie.eine Beziehung zur großen Mode und Krankheit unserer Zeit erlangt— zum Kriegshandwerk. Bei der Bekämpfung von Bränden wenden moderne Feuerwehren bereits im Frieden das Schaumlöschverfahren an; statt Mit großen Mengen bloßen Wassers, die bedeutenden Schaden anrichten, werden die Flammen mit einem Schaum bedeckt, der ihnen die Luftzufuhr, abschneidet/ Für FrfedenSzwecke würde man hiefür nur. kleine Mengen von Saponin benötigen, man erhält sie aus Seifenkraut,. Seifenrinde'-usw.. Aber' im Kriegei Wenn ganze Städte abzübrenneN drohen, wie das unglückliche« Guerniea, da heißt, es sich mit großen Massen von-, schaumerzeugender Substanz einzudecken." Man. rechnet, in Deutschland 1.6 Millionen Kilogramm, im. Jahr aus Roßkastanien zu gewinnen. Außer dem Saponin liefern diese Früchte 'noch Oel und hauptsächlich Stärke. Die 4 Prozent Oel"sind zwar nicht genießbar, aber sie können in der Seifenfabrikation genießbares Fett ersetzen. Die Stärke wird-in unreiner Form,, als Kastanienschrott,, gewonnen.; auch sie"' ist nicht genießbar, aber auch sie ist. geeignet, Nahrungsmittel zu ersehen, und zwar für die Spiritusbren- neret' In. Deutschland wie bei uns ist ein Zusatz von Spiritus zum Autobenzin vorgeschrieben, andererseits ist das Brennen von Weingeist, aus ' Getreide verboten Wörden. Die Landbaröne pflegen auf dem Brennen aus Kartoffeln.zu bestehen; Ihr Widerstand gegen' die neue Erzeugungsart scheint beseitigt zu sein, da im Gegenteil gemeldet wttd, daß die Brennereien die" Kosten für die Sammelaktion übernehmen. Kein"- Zweifel, daß die neue kriegswirtschaftliche Maßnahme zu jenen, gehört, die sich nützlich auswirken könnten,' wenn-sie nicht eben dem verderblichen Endzweck dienen müßien. Nahrungsmittel" nicht auf Seife' oder Weingeist'zu-verarbeiten, sondern, durchs Ungenießbares zu ersetzen und dem' Ernährungszweck zuzuführen,.heißt die ErnährungSlage verbessern..Aber.wie-es.jetzt, im Reiche gemacht wird, das heißt großen Aufwand an Erfindungsgeist, menschlicher Arbeitskraft und Naturschätzen auf Güter wenden, welche, wenn daS Ziel aller solcher Maßnahmen, det Krieg, zur Wirklichkeit wird,, auf den Schlachtfeldern und im verwüsteten Hinterland in einem, bodenlosen AhgrüNd verschwinden;.. E. B. du» der Partei Wichtige Sitzung. Heute, Mittwoch, den 22. September, abends 8 Uhr, im Parteiheim, Sitzung der Bildungsausschusses gemeinsam mit den Ver« trettrn aller sozialistischen Organisationen. Beratungsgegenstand: Unser Bildungsprogramm.—■ Vorher Sitzung der BezirkSsrauenkomiteeS, ebenfalls im Patteiheim. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Meuterei auf der Bounty." (Deutsche Premiere.)— Adria:„Die weiße Schwa» drow" It.— Apollo:.Karl Hynek Mächa." Tsch.—> Avion:„Der Feind der Unterwelt." Karloff. A.— Leränek:„Gefährliches Spiel." D.— Flora:„Das Flugzeug ohne Piloten." A.— Hollywood:„Frauenliebe, Frauenleid." D.— Hvizda:„Der letzte Sklavenhändler." W: Beery. A.— Julis:„Die ganz großen,Torheiten." Wessely, Forster. D.— Kinema D. V. B.: Journale, Reportage;— Koruna: Akt.- Th,:.Journale, Reportage.—-Kotvq:„D i e g u t e Erde." P. Muni, L. Rainer. A.— Metro:„Die ganz großen.Torheiten;" Wessely, Förster. D.— Praha:„Der Feind her- Unterwelt." A.—' Radio: „DieUnbekannte." D.— Staut:„Trafalgar." E. — Svitozor:„Der letzte Sklavenhändler." W. Beery..A.— Alma:^Cavaleä de.", E.— Baikal: i,8u neuen Ufern." Zarah Leander. D.— Belvedere:„Die Unbekannte." D:— Beseda:„Trafalgar." E.— Carlton:„Spione über dem Ozean." A.— Illusion:„Menschen auf der Eisscholle." Tsch. — Lido H:„Geheimagent Nr. 18." G. Cooper. A. — Louvre:„Geheimagent Nr. 18." A.— Maeetka: „Trafalgar." E.Olympier„Sturm über dem Chinesischen Meer.'' A.— Periiyn:„Die Spielhölle an der Goldküste." A.— Rory:„Zu neuen Ufern." Verlanget überall Volkszllndar geschachte? I bewahre I I m B e rs i ch e r u ng S- gewerbei,,. Als England 1914 aktiv in den Krieg.eintrat," mußten die Versicherungsprämien a" tempo auf." die Kriegs-Ristto-Raie hinaüfgesetzt,werden: e S lau t e t'e die G l o ck e, um den genauen Zeitpunkt des Inkrafttretens' der netten- Prämienquoten anzuzeigen. Als mit" dem Waffenstillstand-1918 der. Krieg so gut wie beendet war,- da würden-die Prämiensätze herabgesetzt:" es Ich ul etc- die Glo cke, um auf. die Sekunde' gepau;keinen Zweifel darüber zu lassen.-wanndieser-"Zeitpunkt handelsrechtlich eingetreten-wär._• Wenn, was auch heute jn der.Zeit entwickel-, ter Radiotechnik oft igenug.-vo'ttommt.^in Segel-, schiff v'e r schw'l-l'ew bleibt; das cheißt; daß es seinen' BestimMungShafen' nichtnerreicht.hat.und' keine Nachrichten von ihm vörliegen.-sogeht die; Meldung darüber durch. Lloyds.-.in-die Welt-der" Seeve.rsicherüügSunternehmen;"Da ein-modernes Schiff mit seiner."Ladung^meistens" einen Wert darstellt, der für eine, ejnzelne versichernde Gesell» schäft die Katastrophe, bedeuten.würde, so ist diese „Vermißt"-Meldung für.sie.- der Anlaß,"' sich.'bei anderen Gesellschaften.. rückzuversichern,. was, wenn sie es Nicht.schon, vyphe.r getänchatlmatürlfch nur-mit höchgesteigerter Prämie möglich jss, im» merhin aber den zu.fürchtenden'Schaden wesentlich heräbmindert,,.'.• Bleibt bas betreffende Schiff weitereMongie hindurch verschöllen, so. wird ,es," schließlich,'"ebess, falls.durch Lloyd,i.mit" Mann und Maus als v"e t-. koren erklärt. Bon d.ie-sem Augenblick an fr n d die V e rsi ch e r ü n g e n für S ch i f f und Ladung z u z a h- l e nl. Und zum unbestreitbaren Zeichen- dieses Fälligkeitstermins wird die Glocke der„Lutine" im Börsensaal von Lloyds of London einmal angeschlagen; ehe der Sprecher seine Mitteilung-vom Stapel läßt. So ist,di.e,rührselige,Glockengeschichte in Wirklichkeit? Angeschlagen wird, sie als Aeht- zeicheu.für-eia Geldzahlgcschäft,-und nicht,- wste romantisierende Schriststqllör Und Filmschreiber -behaupten, als, ernste Lotenklage-für..die..nsst;dem Schiff- verschollene- und verlorene' Besatzung....-. .--Im-Riesensaal im Erdgeschoß"des.ganz.auS Beton-und Glas erbauten sieüenstöckigen-Gebäu- dis-verstummen mit dem Klang! dev Glocke.die geschäftigen- und geschr. igen'Besucher:"Schiffs«' eigentümer, Makler, Agenten, mit /einem, Mäle. Eisiges Schweigen lagertiüber',der; sonst-ständig lärmerfüllten'Halle;-Nüchtern ündltzockencherkün- det die Stimmendes.Sprechers;:dersselber:nuvieln -mittelmäßig bezahlter'Angestellttzr der Mtllionen- sirnO ist:."' „There. belng nonewswhateyer of the fuU-rigged salllng vessel called„Nomla“ from ,. Bremeh," owners Measrs. Glldemelster 4 Co., ' shipping Office'. at Bremen-Town, Germany, 12- months after ehe left the port-of New ..Castle, New. South Wales, wlth a cargo of coal In bulk and bound for the pbrt of Mexll- ; lpnes on the Western-Coaat of South-America In Chile,— the said shlp belng mtssed slnce 6 months from the date of to-day,— it le - herewlth declared, that the Bald Bhip, cargo and'crew arelosta Ito g e t h e r. (Nachdem von dem Bremer Vollschiff ,,No» . mig".,.Eigentümer die Herren Gildemeister L Co.» SchifsSreeder in Bremen", Deiitschland,'keinerlei Nachrichten eingegangen sind seit zwölf Monaten . nach seiner Abreise von New Castle, NeusüdwaleS, von wo sie mit einer Ladung Kohfe bestimmt war -nach MexilloneS an der Westküste.von Südamerika in Chile,-— welcher Schiff voc sechS Monatenvom heutigen, Datum als verschollen, erklärt wurde,—- wird' hierdurch festgestellt,- daß dieser, Schiss samt " Ladung und Mannschaft a ls verloren g i l t.) „Why the cktzuoe, hang it all!“ flucht der; Rückversicherungsmann, der im Vertrauen auf di»' bekannte'Sketüchtiijleik des Kapitäns Himme von dcr„Nomia" vor sechs M-'naten bei der Berfchol- lenerklärung in.diesem selben' Saal eineidreisach. "höhere Prämie abgeschlossen hatund heute:dett vollen Betrag' aüszahlen-muß; Wenn bei LloydS die"';,Lütliie"«Glocke läutet; so".h?ißt" es zahlest,-" lÜrd wahrend der Rückversicherer weitere,herzhaft« englische"KernMche-vor'sich hinyiürmeltäreibi,sich- der gleichfalls anwesende Berkeier der Bremer FirMadieHände. Jhm-tlingt'd!e„Lut.ine!'-Glocke - gar liebsich im-Ohii Ein hjibscheS SiÜck! Geld-,wird" Man seiner" Firma äuszahlest lEfür-Schiff; '.Ladung,--?^*‘ An Kapitän HImme'iindseine Pesa.tzungiv"on;'t 22 Man"N!id(!nkt/keiner!voii den beidey.' Wiesö;; auch?'Busiiteß iS bustneß,(Geschäft ist- Geschäft.,))' Undhie'ärm'cn'Teiifel.sindiaischonbor'MonaM' von den- Hais,Ischen gefressen'worden'n;' B e z u g Sb e d ina u n gen: Bei Zustellung-in» Saits oder bei Bezug durchsdie-Poft Monatlich'Ke'16—--viertelfährlich'Kt"48,'-r,' bälbijiSrt'g''Ke>gS?'-;-gayzWsgiK<.;W2<-..-^MleraielNMeDW Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß..--Rückstellung;.vn MaNustripien.erfolgt inur pes Einsendung iddr- RetoiWniMen.-;-Dp.Zeitimgchrankä'tir^wurde. voiäde.r Pöst» ünd' Tele-' graphendirektion mst Erlaß Nr. 18.896/VII/1989-bewilligt-.(Kontrollpostamt Praha SS,«räPV"-;"":