Ur. 157. Abonnements-Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3,30 monatl. 1,10 MI,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- Nummer mil illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in dv Post- ZeiiungS- Preisliste sür 1884 unter Dr. 7020. Unter Kreuzband sür Deutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheinl laglich auger Wonlag». Vevliner Volksblettk. 16. Jahrg. Die Jnsertlons- Gebühr beträgt sür die sechsgespaltene Kolon«!- zetle oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerlschaftliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Knieigcn" jedes Wort 3 Psg. snur daS erste Wort seit). Inserate sür die nächst« Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in dsrExpcdition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag« g-össnet. Fernsprecher:»ml I, Dr. 1208. Zelegramm- Adresse: «SorialbemoKral Berlin" Centrawrgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Vedaklivn: SW. 19, Benth-Stratze 2. Expedition: SW. 19, Benth-Strasze 3. Eine neue Landarbeiter-Enqnete. ii. Der ungeheuer erweiterte Abstand zwischen dem starken A r b e i t s b e d a r f in der Saison und der schwachen Arbeitsnach frage in der toten Zeit hat in den Nübendistrikten die Wände r arbeit mehr und mehr geradezu zur Grundlage der ganzen Arbcitsvcrfassnng gemacht, während die Zahl der ständigen Arbeiter, besonders auch infolge maschineller Fortschritte, zurückgeht. Die ein geborenen Arbeiter, deren Zahl zur Bestell- und Erntezeit nicht entfernt ausreicht, sind im Winter oft in Massen überzählig. Häufig schleppt jedoch der Werbc-Agcnt soniel fremde Arbeiter und Arbeite- rinnen heran, dafz selbst in der guten Zeit die alten heimischen Arbeiter beschäftigungslos bleiben.„So wird aus dem Kreis Kalbe mitgeteilt, dag Frauen und Kinder, au deren Verdienst stark gerechnet werde, nur schwer Arbeit finde» konnten, weil so viele Poleinnädchcn engagiert waren, die natürlich den Vorrang haben. Achnliches lvird' aiich ans anderen Kreisen berichtet... Von manchen Gütern werden, wie die Berichte erkennen lassen, Sachseiigänger bezogen nicht ans Mangel an lokalen Arbeitskräften, sondern lediglich ihrer größeren Billigkeit ivegen. die ihrerseits wieder der materielle Ausdruck ist für die Differenz, die hinsichtlich der geistigen Entlvickclnng so wie der Lebenshaltung zwischen dem Arbeiter des Ostens und dem des Westens besteht. Auch Güter, die keinen Nübcnbau oder solchen nur in ganz geringem Umfang betreiben, bedienen sich der Sachsengänger aus dem eben angeführten Grunde." In verhängnisvoller Wirkung und Wechselwirkung steigern sich so gegenseitig die beiden bekannten Erscheinungen: das Weg st r e b e n der alten Arbeiterfamilien vom Lande und auS der Landwirtschaft fort, das dadurch abermals verstärkte tcranziehcn fremder Elemente, zunächst für die paar aisonmonate. später zuweilen auch für längere Zeit, und dadurch das abermalige verstärkte Hinwegdrängen der einheimischen Arbeiter in die Städte und nach anderen Be rufen. Wo Hausindustrien, Nebenarbeiten in den Forste», den Bergwerken über die stille Zeit hinüberhelfcn, ist die Abwanderung noch schwächer. Wo dieses Linderungsmittel fehlt, zeigt sich auch hier— in den Gebieten des stärksten landwirtschaftlichen Arbeits bedarfcs in ganz Deutschland!— mitunter eine wahre Landflucht Natürlich üben auch die höheren städtischen Löhne ihre Anzichmigs kraft auS.„Die Arbeiter— heißt es aus dem Kreise Delitzsch— haben das Bestreben, ihre Kinder aus der Gegend fartznbringcn. Iveil hier zu wenig Verdienst ist. Nur gezwungen schicke» sie ihre Kinder auf das Rittergut, weil sie sonst womöglich entlassen werden und nicht wissen als ansässige Leute, wohin."'Manchmal soll auch die Abneigung gegen die oft rohen, zugewanderten Arbeiter eine so große sein, daß die Eltern ihre Kinder deshalb schon zur Guts arbeit nicht hergeben wollen,„weshalb den großen Gütern die Beschaffung des notwendigen Gesindes meist schwerer wird als den bäuerlichen Wirtschaften, die noch keine Wanderarbeiter beschäftigen". Der Rückgang der Eigenproduktion von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln und der Natural-Lohnbezüge erklärt es auch, tvarum trotz der oft beträchtlichen Steigerung der Geld löhne die physische Lebenshaltung der Arbeiter doch in vielen Beziehungen eine wesentlich kttinmerlicherc geworden. Das Geld geht für früher nilht gekannte Bedürfnisse, auch des Staates und der Ge- meinde, darauf, und an den jetzt teuer einzukaufende» Lebensmitteln wird alsdann in früher ungckannter Weise geknappst und gespart. Wenig und selten Fleisch, ivenig Milch, Eier, Butter und Käse— das ist heute meist das Bild der Ernährung in den Arbeitcrhäuscrn. Selbst das Brot tritt gegen die Kartoffel weit zurück. DaS Fett und der Rübensaft ersetzt Butter und Käse, der Kaffee die Milch und die Mehlsuppe, und auch der„Kaffee" ist meist Eichoric, Runkel- rübe oder geröstetes Getreide.„Der Flcischkonsnni beschränkt sich im wesentlichen auf das, was eingcschlachtet worden ist. gewöhnlich ein Schwein, seltener zwei. Frisches Fleisch wird nach den Berichten nur an Sonn- und Festtagen, in vielen Bcrichtsbezirkcn überhaupt nur an Festtagen und zur Kirmes, und auch dann nur in sehr geringen Quantitäten gekauft." Da das Einkomnien des Mannes nur ansnahmSlvcise zum Unterhalt der Familie ausreicht und„die bittere Notwendigkeit" dazu treibt, so ist die Frau zur Lohnarbeit gezwungen, in� besonders starkem Maße die Kncchtsfrau(vielfach als Scharwcrkcrin), während die einen großen Teil des Jahres durch die eigene Wirt- schaff in Anspruch genommenen Frauen der Häusler und Kleinstellcn- besitzer nur in der Ernte als Tagelöhnerinnen oder Accord« arbeiterinncn außerhalb der eigenen Wirtschaft Verwendung suchen. Auch die Kinder„fast aller Landarbeiter" werden auf Tage- lohn geschickt, vorzüglich zum Rübcnziehcn, in der Heu-, Getreide- und Kartoffelenite. Aeltere Knaben werden gegen Gewährung der Kost und einen geringen Barlohn auch als Hütejungen verwendet. Die Kinderarbeit mag hier nicht überall die körperlichen Schäden nach sich ziehen wie in den Werkstuben und Städten. Aber die Klagen der Lehrer sind um so lautere; und die Veniachlässigung der Hauswirtschaft infolge der Frauenarbeit, ohne jeden Ersatz durch andere Aushilfe, wird natürlich auch hier wie andcrivärts beob- achtet. Patriarchalische Beziehungen, im guten Sinne deS Wortes, haben auf den großen Gütern, bei denen der gcldwirtsckiaflliche Charakter am schärfsten ausgeprägt ist, ganz aufgehört,„es sei denn. daß man daS einer einseitigen Vertraulichkeit entspringende, auch älteren Leuten gegenüber angewandte„Du" und die nach vielen Berichten noch immer vorkommenden Beziehungen namentlich von GutSbesitzcrsöhncn und Inspektoren zu den Mädchen und Frauen dazu rechnen wollte."„Der Ton in der Behandlung der Arbeiter läßt häufig noch sehr zu wünschen übrig." Ganz anders wie in den Nübendistrikten liegen die landwirt- schaftlichen Produktionsverhältnisse in den Marschen der Elbe und Weser und der nordischen Küste, sowie in der Geest Schleswig- Holsteins, Lüneburgs und Hannoverö. Trotzdem ergiebt sich aus der Arbeit Dr. G r u n e n b e r g s, daß auch hier alle idyllisch- patriarchalischen Beziehungen zwischen den feudalen Großgrundbesitzern und der„Grafenecke" Holsteins und den geldftolzcn Bauern ans den anderen Bezirken einerseits und den Arbeitern andcreneits längst er- loschen sind— wenn sie überhaupt je bestanden haben. Die Vcr- Hältnisse liegen hier weniger glcichariig, ivcshalb auch eine kurze einheitliche Zusammenfassung aller Ergebnisse der fleißigen Grünen- bergschen Schrift schwierig ist. Aber einige Thatsachcn dürfen wir wohl als allgemeiner gültig hervorheben. Die Eigenproduktion der Arbeiter ist in diescni Bo obachtungsgebict meist noch beträchtlicher, wie in den vorhin gc- schilderten mitteldeutschen Distrikten. Die Frauen arbeit tritt mehr zurück s allerdings die Kinde r- arbeit, beionderS durch die starke Viehhaltung ans den Weiden/ viel- leicht noch mehr in den Vordergrund. Charakteristisch ist dabei auch, daß daS Kind bereits vielfach von den Eltern getrennt und beim Bauer einquartiert wird. Die Wanderarbeit tritt zwar gegen Mitteldeutschland zurück, ihre stetige Zunahme wird jedoch kon staticrt. Das Essen beim Marschbancrn ist häufig überaus kräftig— wofür indes, infolge der für die Kost gemachten Lohnabzüge, die Angehörigen zu Hause sparen und sich geradezu Entbehrungen auf- erlegen müssen. Aber schon beim Großbauern der Geest wird die Beköstigung eine einfachere.®et_ den Groß grundbesitzern wird die Kost sparsam abgemessen,„sowohl Butter als Brot ivird den Arbeitern zugewogen. auch werden nicht gerade die besten Rohprodukte zur Beköstigung der Arbeiter verwendet."— Die eigene Beköstigung des Arbeiters ist vollends dürftig. Mehlspeisen, Kartoffeln und Roggenbrot bilde» selbst in den Marschen vornehmlich daS Nährmittel:„die Er nährnngswcise der Arbeiter ist eine sehr dürftige, oft geradezu«n- zureichende, während die Hofbesitzer sehr gut leben." „Was die Wohnungen der Landarbeiter anbetrifft, so hat die Enquete darüber ein bclrübcndcs Bild entrollt. Dieselben ent- sprechen, wie im einzelnen dargelegt ist, nicht den Poslulatcn der Humanität und Sittlichkeit.— Tie Ursache liegt in der dnrchgehends beschränkten Wohnung und den mit Familien überlasteten Wohn- gebäuden____ Die Zahlen beweisen, daß die Belastung der Wohnungs- gcbändc in den GntS bezirken und in den Gegenden, Ivo der Kapitalismus der Landwirrschaft den früheren Charakter genommen hat, in hohem Maße und vielmals stärker statlfindct, als selbst in den Städte n." Auf die zahlenmäßigen und anderen Einzelheiten der beiden Arbeiten— über Bcsitzverteilnng. Bevölkerungsbewegung, Löhne, Arbcitsvcrfassnng, Wohnungsdichtigkcit, über sonstige wirtschaftliche Verhältnisse, über die vorherrschenden geistigen und sittlichen Zustände — können wir uns hier nicht weiter einlassen. Vorläufig machen wir nur auf diese neue Fundgrube von Thatsacheninaicrial auf- merksam, die vielleicht alten Fragen der socialpolitischen Entwickelnng keine neuen Seiten abgewinnen läßt, die jedoch zur Bestätigung und Nachprüfung bestrittener alter Wahrheiten überaus ivertvoll ist. Mögen' die angekündigten weiteren Veröffentlichungen nicht allzu lange auf sich warten lassen. Schon die bisherige Verzögerung ist nicht vorteilhaft für den Eindruck, den die Enquete auf die öffentliche Meinung in Deutschland haben kann und haben sollte. —ms. Z�olitifche Mrbevficht» Vorlin. den 7. Zuli. Die Demonstration in Wien. Indem die Wiener Polizei gewaltthätig gegen die Demon- stration der Arbeiter vorging, hat sie sich zum Bundesgenossen der Lucgerschen Gauneiivirtschaft gemacht. Die Demonstration sollte die Empörung der Wiener Arbeiterschaft znin Ausdruck bringen gegen die Wahlrechts-„Reform" des autisemitischcu Qberbiirgeniicistcrs, durch welche die Arbeiter dauernd von jedem Einfluß auf die Verwaltung der Hauptstadt, die ihrer Arbeit Reichtum und Entwickeluug verdankt, ausgeschlossen werden sollen. Schon ist die schändliche Wahlvorlage von dem antisemitisch verpöbelten Landtage Nieder-Oestreichs beschlossen und es fehlt nur noch die kaiserliche Sanktion der Vorlage, über deren Ungerechtigkeit selbst das sehr gemäßigte Wiener „Fremdenblatt" jüngst schrieb: „Es hat sich wieder einmal gezeigt, welcher Irrtum es ist, ein Wahlgesetz schaffen zu wollen, dessen leitender Gedanke ein ausschließlich parteimäßiger i st. Ein solches Gesetz widerspricht dem W e s e n des ParlainentariS- m u S selbst. Lebensfähige Wahlreformcn können logischer weise nur durch das Zusammenwirken von Parteien zu stände kommen, niemals aber dadurch, daß eine von ihnen allen übrigen ihren Willen auferlegt und das VertretungS- princip fiir ihre Sonderzwecke zurichten will. Eine Majorität ist immer auf falschem Wege, wenn sie das Gebiet, über das sie zeitweilig ihren Einfluß ausübt, als erobertes L a n d zu behandeln sucht, und sie liefert tamit einen Beweis nicht nur von Mangel an RcchtSsinu, sondern auch von Mangel an Sclbstvec- trauen und politischer Einsicht. Unser nicderöstreichischcr Landtag ist in diesen Fehler verfallen, als er die Wnhlrcforin für den Wiener Geuicinderat beschloß,'und er darf sich nicht darüber wundern, daß die gegenwärtige Minderheit, die er ans diese Weise zum beständigen Unterliegen verurteilen wollte, I i ch d a g e g c n w e h r t. ES gicbt ja andere Mittel, mit denen eine Partei die Dauer ihrer Herrschaft verlängern kann: gute Wirtschaft und gute Politik. Statt ihrer daS Mittel eines schlechten Wahlsystems anwenden wollen, ist immer verdächtig und immer bedenklich." Gegen diese schmachvolle Missethat erheben die ihres Rechtes bewußten Arbeiter Wiens leidenschaftlichen Protest. Und als der„schöne Karl" es unternahm, die Arbeiter, die für ihr Menschenrecht gegen brutale Nergewaltigung stritten, bübisch zu beschimpfen, gingen sie auf die Straße, um ihren ernsten Entschluß zu bekunden, nimmermohr den Gowaltstreich der Lncger und Strobach zu ertragen. Die Polizei kani den Herren von Wien zu Hilfe und suchte das friedlich und würdig auftretende Massenaufgebot des Proletariats zu zer- preilgen. Wir haben schon gestern mitgeteilt, wie brutal die Polizei vorging, wir ergänzen unsere Schilderung durch eine Nachricht des„B. T.": „Es war ein furchtbares Aufgebot von Polizei da; berittene Wachleute patrouillierten in den Neitalleen und standen in großen Gruppen in den Seitengassen, den Fuß im Steigbügel. Es regnete von Anfang an, goß aber schon mii 1/27 Uhr in Ströincii. Unentwegt marschierten die Taufende ans der Ringstraße zwischen dem Bnrgring und dein Stadtpark ans und nieder: die meisten gefielen sich aber am velebtesten Teil zlvischen der Oper und dein Schwarzciibcrgplatz am besten, und hier stockte bald jeder Berkehr. Anderes Piibliknin tvar wegen des Regengusses nicht da, oder es hielt sich in den Kaffechäuscrn ans. Beim Erscheinen eines sehr unbeliebten P o l i z e i k o in m i s s a r s wurden R u s e des Unmutes laut, und dies gab � der Polizei den angeblich erwarteten V o r w a n d z u in Einschreiten. Ganz u n v c rm i t tel t ritten ganze Reihen von Polizisten in die harmlose Menge hinein, sie an die Maliern andrückend. und wer zn Bode» fiel, wurde von der Fnffnianuschaft mit Fänstcn geschlagen. Dazu ivaren alle Straßen ins Innere dir Stadt abgesperrt, so daß niemand entfliehen konnte. Alle Aligenzcugcn sind darin einig, daß mit einer surchtbarcn Rück- siclitslvsigkcit zu Werke gegangen wurde, und daß die Tcinon- stration ohne die Provokation seitens der Polizei w ü r d i g und harmlos v c r l a u s e n w ä r c. Ncber die Verhaftung unserer Freunde Dr. Adler, Ncnmann und Brctschneider wird demselben Blatt tele- graphiert: Dr. Adler war mit den Arbeiterführern noch um 7 Uhr auf der Ringstraße und wurde mit Hochrufen empfangen. Entferntere Demonstrierende hielten die Riisc für eine Dciiivnftration gegen Lucger und brachen in die Rufe:„Pfui Lneger!" ans, was der Polizei Wernnlasiling znin Einschreiten gab. Dr, Adler sah mit Entsetzen, wie die Polizei die Pferde ins d i ch t c st c Knäuel trieb, nahte sich einem Koimnissar und bat ihn, zu bedenken, daß Familienväter in der Menge seien, und das größre Unglück geschehen könne. Der Koimnissar befahl ihm, sich nicht in eine ÄmtShandlung zn mischen, Adler antwortete gereizt und wurde gleich daraus mit den anderen Arbeiterführern für verhaftet erklärt und abgeführt. DaS Endo der peinlichen und e in p ö r e n d e n S c e n e n zwischen der Polizei und den Arbeitern wurde erst erreicht. als es den Arbeitern gelang, in die Mariahilferstmße und die Bnrggasse zu flüchten. Das war aber erst nach acht Uhr. Eine Stunde hotte daS schreckliche Wogen der Arlieiter- niasscn gedauert, die von den cinhersprengenden Wachleuten bald in diese, bald in jene Richliing getrieben wurden. und denen der Ausweg ins Innere der Stadt durch Ketten von Wachleuten u e r s p e r r t war. Der Wache war heute verboten, die Säbel zu ziehen, deshalb gebrauchten sie F ä n st e und Stiefel. Ein antiseniitischcr Gcnieinderat. Handschuhmacher Bcrtel, kam ins Gedränge und wurde als Socialist von der Polizei furchtbar geprügelt. Der socialdcinokratische Abgeordnete Dr, Verkauf war abends auf der Polizei, um Schritte zur Freilnssmig Dr. Adlers, Brclschncidcrs und RciiniannS zn machen. Dort wurde ihm in brutaler Weise bedeutet, d a v o n könne keine Rede sein. Die Polizei gedenke, ein Exenip cl zu st a t ui e r c n, und hoffe, in dieser Weise die D e in o n st r a t i o n e n ein zu- dämme n, Die drei Verhafteten sind am Freitag dem Land- gericht eingeliefert worden. Außer ihnen wurden 21 von den anderen am Donnerstagabend verhafteten Personen an das Landgericht eingeliefert, 11 wurden polizeilich be- straft, 1t) Ivnrden vom Bezirksgericht wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein Privattclegramm aus Wien meldet nnS, daß die Ilntcrfnchimg gegen Adler und seine Mitverhasteten noch am Freitag abgeschlossen werden dürfte und daß ihre Frei- l a s s u n g am S o n n a b e n d V o r m i t t t.a g zu erwarten sei. Die Anklage gegen sie kann nur wegen„Auflaufs" erhoben werden, worauf Arreststrafe bis zu einem Monat steht.—_ Die„Voi'wiirtS"-Dicbc. Man hätte erwarten sollen, die �P ost" würde von unserer Richtigstellung Notiz nehmen, daß wir mit Ihren Laufjungen— wir bitten, nicht Stumniisch Lausejungen lesen zu wollen— nichts zu thiin gehabt haben. DaS unterläßt die „Post". Auch die Cigarrengcschichte klärt daS Blatt nicht auf. Dafür tröstet sie uns, wir brauchten nicht jeder Hoffnung auf Bestrasung zu entsagen. Die Briefe wären doch litterarisch wertvolles Gut. Und im übrigen: „Wenn es den Nachforschungen, die durchaus noch nicht ein- gestellt sind, doch noch gelingen sollte, den Dieb zu ermitteln, so ivird auch gegen den„Vorwärts" die Anklage wegen Hehlerei zweifellos noch erhoben werden. Solange dieses DainokleZschwert noch über seinem Haupte schwebt, thäte er besser, nicht zu trininphicrcn." Aber leider ist diese Hoffiinng nur eitel Wahn. Denn die Hehlcrei-Fiktion ist juristisch noch unmöglicher als die drS Eingriffs in geistiges Eigentum. In e i n e r Bezichiing geben wir der Staatsanwaltschaft, unserem Verteidiger und der„Post" recht. Zu den feinsten Mittelp gehört es nicht, Privatbricfe eines andern zu veröffentlichen. Ein Privat- mann würde sich besinncii, ein Mittel anzuwenden, das ein im öffentlichen Kampf stehender Mann unbedenklich im öffentlichen Interesse anwenden wird und anwenden muß. Ja, wir sind sogar überzeugt, eS ist bei den ,Post"lcntcn noch ein so starker Rest von StandeSbewiißtscin und Gefühl ihrer pnblizistischcu. Würde vorhanden, daß gerade s i c unS innerlich dankbar für unsere Veröffcntlichnng gewesen sind, so sehr sie nnS äußerlich angreifen. Denn wir haben ja ihr eigenstes und höchstes Interesse, die llnab- hängigkcit des Journalisten, vertreten, als wir aktciiinäßig den jammervollen TerroriSnins anfdcckleii, unter dem sie seitens ihres allerhöchsten Geldgebers zn leiden haben. Und gerade darum haben wir uns auch keinen Augenblick Skrupel über die Herkunft der Briefe gemacht,— Deutsches Weich. Wilhelm N. in Frankreich. Der deutsche Kaiser, der sich eben auf einer Nordlandfahrt befindet, hat in Bergen das französische Schulschiff„Iphigenie" besucht und so aus französischem Boden ge- »veilt. Er hat dann die Offiziere und Kadetten der„Iphigenie" zu einem Feste auf die„Hohenzollern" eingeladen. Der Kaiser richtete ferner an den Präsidenten Loubet ein Telegramm, in welchem er seiner Freude über den Besuch auf der„Iphigenie" und die militärische und sympathische Haltung der französischen Seeleute sowie über den liebenswürdigen Empfang Ausdruck giebt. Präsident Loubet danlte für die von dem Kaiser den französischen Seeleuten erwiesene Ehre sowie für die Worte, mit denen der Kaiser sich über den Eindruck des Besuchs aussprach. Das kleine Hoffournal von Byzanz findet in diesen Höflichkeiten einen Wendepunkt der Weltgeschichte. Wir sind bescheidener. Wir würden schon einen sehr bedeutenden Erfolg darin erblicken, wenn durch diese Visiten die Hindernisse beseitigt werden, die bislang einem Besuch der kommenden Pariser Weltausstellung entgegen- stehen.— Die Telegramme haben folgenden Wortlaut: Ich habe die Freude gehabt, auf dem Schulschiff„FphigSnie" junge französische Seeleute zu sehen, deren militärische und sympathische, ihres edlen Baterlandes würdige Haltung mif mich einen lebhaften Eindruck gemacht hat. Mein Herz als Seemann und Kamerad freut sich des liebenswürdigen Empfanges, welcher ms vom Kommandmrte», den Offizieren und der Besatzung zu teil wurde, und ich beglückwünsche mich, Herr Präsident, zu dieser glücklichen Gelegenheit, welche mir gestattet hat, der„Iphigenie" und Ihren liebenswürdigen Lands- l e u t e n zu begegnen. Wilhelm. Die Antwort des Präsidenten Loubet lautet: Ich bin sehr gerührt von dem Telegramm, welches Euere Kaiserliche Majestät im Verfolg Ihres Besuches an Bord des Schulschiffes„Iphigenie" an mich gerichtet haben und es drängt mich, Euerer Majestät für die Ehre, welche Sie unseren Seeleuten erwiesen haben und für die Worte zu danken, in welchen Sie die Güte hatten, mir den Eindruck zu schildern, welchen dieser Besuch bei Ihnen hinterlassen hat. Loubet. An Liebenswürdigkeit läßt daS Telegramm des Kaisers nichts zu wünschen übrig. Vielleicht wird nun auch der Geist de» Professors v. Stengel, der im Haag herrscht, ein wenig friedfertiger.— Die Fälschung. Da immer noch keine Aufklärung über die ,,K o r r e t t u r" im Reichstags-Stcnogramm erfolgt ist, so läßt es sich verstehen, daß die seltsamsten Gerüchte umlaufen. Ein Hamburger Blatt will wissen, die Staatsanwaltschaft habe bereits eine Untersuchung gegen Unbekannt wegen Urknndcnfälschnng eingeleitet. Der fälschende Znsatz stamme, so wird weiter erzähl:, weder von den Stenographen noch von den Beamten, dagegen habe die Handschrift eine entfernte Aehnlichkeit mit der des jüngst ertrunkenen Redacteurs Homann. Ueber die Thätigkcit dieses Mit- gliedes des Litterarischen Bureaus berichten die„Leipz. N. N.": „Allerdings erhält der Monarch kurze telegraphische Berichte auS dem Reichstage. Sie werden während der Sitzung versaßt und stückweise abgesandt. Beauftragt mit dieser Thätigkcit ivar seit langem der treffliche Karl Homanu, der leider zur tiefen Trauer der zahlreichen Freunde und Verehrer, die dieser ehren- haste und gewissenhafte Mann besaß, vor zehn Tagen bei einer Bootsfahrt auf dem Sakrower See bei Potsdam ertrunken ist. Seine Telegramme Ware» lediglich kurze, sachliche Referate, voll- kommen tendenziös und unparteiisch; da ich aus der Tribüne zu- fällig Homanns Nachbar war. habe ich diese Berichte, ebenso wie für andere Freunde, oft genug gelesen. Die Episode Rösicke umfaßte zwei Zeilen. Die amtlichen oder anderen Stenogram n:e kamen bei dieser Thätig- keit überhaupt nicht in Frage, und Homann wäre der letzte gewesen, der seine Hand zu einer In triguc geboten hätte." Will man dem Spiel der Gerüchte ein Ende bereiten, so gebe man endlich eine authentische Aufklärung.-- Die Bcamtcn-Nedactcurc des königlichen sächsischen„Dresdner Journals" nehmen folgende Auslassungen unter ihre Verant- wortlichkeit: Bei uns In Deutschland hat man die Brüsseler Vorgänge sehr zu beachten. Mögen auch derartige Ausschreitungen zur Zeit bei unS nicht zu befürchten sein, so heißt cS hier doch: Wehre den Anfängen l llnd Anfänge sind auch bei uns bereits vorhanden. Wer die Haltung, das terroristische Niederschreien der Gegner bei den Socialdemokraten in der Debatte über das Arbeits- Willigengesetz beobachtet hat, der mutz sich sagen, daß der deutsche Reichstag, sofern er derartige Gepflogenheiten einreiße» läßt, all- mälig sich Zuständen nähern könnte, wie sie im belgischen Parka- mente herrschen. In Deutschland behaupten große Parteien, der Arbeiterbewegung müsse völlige Freiheit gelassen, der Socialdemokratie Gleichberechtigung zuerkannt»verde», damit ein„Ventil" geschaffen »verde, durch das ein Ucbermaß von Hitze sich verflüchtigen könne. In Belgien ist dieses„Ventil" längst vorhanden, statt daß aber dlirch dieses der Explosivstoff Hinansgetrieben worden»väre, ist von außen Zündstoff hmeingeflossen— die Probe auf das Exempel uilserer Socialpolitiker hat versagt u. s. w. Was Belgien nun eigentlich lehren soll, ist in dem konfusen Artikel— wir beschuldigen die Rcdacteure natürlich nur in ihrer außeramtlichen Thäffgkeit konfuser Denklveisel— nicht recht ersichtlich. Die eii»zig mögliche Lehre, die auS den Vorgängen in Brüssel zu ziehen ist, müßte doch eigentlich dem„Journal" gefallen: Die Socialdemokratie hat zlvar nicht die Gesellschaftsordnung gc- waltsam umgestürzt, aber sie hat sich als ein Bolllverk gegen den Umsturz bclvährt. Sie hat de» Anfängen der Revolution von oben gelvehrt!— Auch andere Organe der Scharfinachcrei, so die„Post", suche» unsere gerechte Gcnugthuung über die Erfolge unserer belgischen Genossen in ihrer einfältig-bnitalen Weise auSzilbeuten. Gciviß, »vir sind der Meinung, das müßte ein elendes Volk sein, das sich nicht mit allen möglichen Mitteln gegen einen Raub an seinen hei- ligsten Rechten wehrt. Und unsere Scharfmacher eittblöhen im» vorsichtig ihre innersten Gefühle und Absichten, wenn sie diesen Kampf gegen die Revolution, in dem liberales Bürgertum und Proletariat überdies Seite an Seite stand, als bedrohlich für Deutsch- land auffaffen. Wenn unsere Scharfmacher nicht an eine Revolution von oben denken würden, so fehlte jeder Vergleichspunkt zlvischen den belgischen Vorgängen und der deutschen Entivickelung.— DaS Märchen vom liberaleuj Kronprinzen. In einer eng- lischcn Ausgabe der Erinuerungcn„Aus dem Leben König Karls von Rumänien" findet sich ein bisher unbekannter Brief des»päteren Kaiser Friedrich vom 19. Oktober 1878 an den König Karl, ans dem nicht nur hervorgeht, daß der damalige Prinz Wilhclin, jetziger deutsche» Kaiser, in jener Zeit die Hauptstadt des Erb- f e i n d e S inr strengsten Jncognito besucht und sich dort„herrlich amiisiert" hat— eine Thatsache, die stets abgeleugnet wurde—, sondern der auch die Ansicht des als„liberal" a»lsgeschrienen da- maligen ReichSreaenten über die Socialdemokratie wieder- giebt. Der Briefschreiber sagt: „Aber cS ist nicht leicht, die Rechte auszuüben und alle Lasten eines Monarchen nach bestem Können und Gelviffen zu tragen. ohne allein die Verantwortung zu übernehmen. Morgei« schließt der Reichstag feine Beratungen; hoffen»vir, daß das Sociali st engesetz den Beginn einer Radikalkur bedeutet, durch»velche das Ucbel überwunden werden kann. Es »vird uns jedoch viel Mühe kosten, bis wir diese Mißgeburt loS sind, die mit so unglaublicher Schnelligkeit gelvachsen ist, seit die Lehren dieser unheilvollen Gesellschaft ein so breites Ptlblikrim finden, und seit die Mordversuche, die jetzt noch zunehmen»verde»:, die Richtung zeigen, in die sich eme miß- verstandene Anwendung verliert." Man mag der erregten Stimmung jener Zeit einiges zu gute halten und doch wird die Geschichte vom Liberalismrls des Krön- Prinzen auch dem blindesten Philister in Duirst zergehen. Freilich, die„Radikalkur" ist der„Mißgeburt" trefflich bekommen.— Die Fähnlcin-Tischrcdc, welche der Kaiser in Lübeck gehalten, und die in der Wiedergabe des Telegraphe>»bureaus unverständlich blieb,»vird jetzt im authentischen Wortlaut mitgeteilt: „Ich danke Euer Magnificenz für die Worte, welche Sie soeben an mich gerichtet haberr. Mit Freuden begrüße ich im Namen des kaiserlichen Jacht-KlubS als dessen Cominodore und im Namen aller Mitsegelnoen den ncuerstandenen Lübecker Jacht-Klub. In der Entstehung desselben hoffe ich ein Zeichen zu erblicken für den Zug der Nation, die Zukunft immer mehr auf dem Wasser zu suchen. Es ist selbstverständlich, daß darin die Hansastädte vorangehen und also auch natürlich vor allem die alte Hauptstadt der Hansa Lübeck, diese allehrlvürdige Stadt, wo jeder Zoll Boden, jeder Fuß Wasser Bände von Ge- schichte davon erzählt, was das Bürgertum in seiner Kraft zu schaffen im stände»var. Dabei erinnere ich an einen alten Wahlspruch Lübecks:„DaS Fähirlein ist licht an die Stange gebunden, aber es kostet viel, es»vieder mit Ehren abzunehmen." Es ist die? ein Wort, dessen auch wohl jeder Segler ein- gedenk sein wird, wenn er morgens an den Start geht. DaS Auf- blühen des Segelsports wird,»vie ich hoffe, auch' dazu beitragen, das Interesse für alles, was unsere»virtschaftlichen Beziehungen nach außen betrifft, zu entwickeln, die Lust zu Unternehmungen im Auslande zu stärken und die Anshildlnig tüchtiger Jacht- matrosen zu fördern. Aber ich möchte den alten Spruch auch ans einem weiteren größeren Gesichtspunkte betrachtet wissen! Ein ander Fähnlein, unseres Reiches Panier, habe ich im Auge. Kaiser Wilhelm dem Großen verdanken wir eS, er festigte es an dem Mast, an dem es— wie einst Nelsons Flagge festgenagelt bleibe. Und so»volle»»vir alles dazu thun, daß es »nit Ehren dort oben wehe, so lange es Gott im Himmel gefällt; und wenn er es also bestimmt, daß es einmal»vieder niedergeholt »verde, dann möge er es fügen, daß es nur mit Ehren geschehe. Ich trinke in Erinneniug an die ruhmreiche Geschichte des alten Vorortes der Hansa, auf das Wohl der Stadt Lübeck und ihres Jachtklubs." Der Vergleich des NcichSpauicrZ mit jene»» lübischen Fähitleii», der eine Zeit absieht, Ivo dies Panier heruntergeholt lverdcn könnte, ist eigenartig gerade im Munde des Herrschers, der sonst die Un- antaslbarkeit seines Banners zu künden liebt. Er ist so eigenartig, daß»vir zlvcifcln müssen, den Sinn der kaiserlichen Worte richtig enträtselt z» haben, und daß ein Kommentar zu dieser Tischrede wohl»vünschcnslvert erscheint. Auch sollten die Beamten, welche kaiserliche Reden der Welt mitteilen, diese Aufgabe mit mehr Sorgfalt vollführen und nicht Bilder»vie jencL von„jedem Fuß Waffer. der Bände von Geschichte davon erzählt", dem kaiserlichen Redner hineinredigierci».— Entthronte Herren? Die nicht selten offiziös bediente „Schlesische Zeitung" behauptet, mit der„regierenden Partei", dem Ccntrnn», gehe es z»» Ende. Die„unzuverlässige und zlvcideutige Haltung im Reichstage, die ni»z>vcifelhalte Begünstigung der Social- demokrntic" hätten„an maßgebenden Stellen die Augen darüber geöffnet, daß es absolut unmöglich sei, auf eine solche Partei sich zu stützen". Das g>cick?c Blatt sagt Miqncl AmtSmüdigkcit nach. Kein Zweifel: Wer es jedem recht zu machen sucht, verliert schließlich bei allen das Vertrauen. Das gilt vom Ccutrum»vie von Herrn v. Miguel.— Streik nnd Militärfisknö. Ii: H a l l e a. S. sind an» Montag,»vie bereits mitgeteilt, die Maurer und die Bau- Hilfsarbeiter in den Ausstand getreten. Von den Bau- a r b e i t e r n, die einen Stundenlohn von 4» Pf. fordern, sind etiva 300 beteiligt; auch die an dem Bau der Artilleric-Kascr»ie Bc« schäftigteu haben sich dem Streik angeschlossen. Seit dem Tage der Arbeilsuicdcrlcguiig sind an dem Kascnien-Ncubau Soldaten be- schäftigt. Tics hat die streikenden Bauarbeiter veranlaßt, sich au den KricgSminister zu wenden. Nachdem eine von etiva 700 Per- soncn bcstichle Versammlung der Maurer und Bauarbeiter dazu Stellung genommen, ist nachstehendes Schreiben an den Kriegs- minister abgegangen: H a l l e a. S.. den 5. Juli 1809. An Seine Exccllenz den Königl. Kriegs mini st er Berlin. An Eure Excellenz haben die Niitcrzeichnetcn folgende Beschlvcrde vorzubringen. Bei den Neubauten des Artillcrie-KasernemcntS in Halle a. S.»verde» seit dem 4. Juli 1899 ein Feldivebel, eii» Unteroffizier und neunzehn Gancine des hiesigen Infanterie« Regiments Nr. 30 mit Abladen von Mauersteülen beschäftigt. Dadurch werden die Bauarbeiter von Halle a. S. in ihrem Verdienst geschädigt, da ihnen durch die Militärpersonen in ihrem Berns Koukurreitz gemacht»vird. Die Unterzeichneten bitten daher im Namen ihrer Arbeitsgenossen Etire Excellenz, zu veranlassen, daß die bezeichnete Thätigkcit der Militärpcrsonen eingestellt»vird. Auf die Antivort des Kriegsministcrs darf man gespannt sein. Werden die Militärpersonen nicht zurückgezogen, so bedeutete das eine einseitige Unterstützung des Unteniehmertiims, das sich sträubt, den Arbeitern die geringe Aufbesserung der Löhne zu bewilligen. Bei den wirtschaftlichen Kn»npfen sollten die Behörden sich stets einer strikten Neutralität befleißigen.— Da» letzte Blatt StvckerS, daS„Volk". daS Anfang dieses Jahres wegen Ucberflnß an Abonnentenmangel� von Berlii» nach Siegen verlegt wurde, scheint auch dort langsam in die Gefilde der Seligen hmüberznschllimmern. Der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung"»vird aus Siegen geschrieben: Das hiesige Stöckcrsche Organ scheint mit Schlvicrigkcitcn kämpfen zu müssen. In großstädtischem Gelvande führte es sich kurz vor Neujahr hier ein, und Pastoren, Lehrer und Beamte be- sorgten moitatlich die Verbreitung einer nach Tausenden zählenden Gratisauflage. Umso n st nahmen die Beivohncr des Lauves das Blatt' natürlich gcnie, und in seineit Abonnenients- Einladtmgen zum 1. April glaubte es denn aiich mit einer Rieicnauflage rechnen zu können. Aber der Erfolg blieb aus: als es ans Abonnieren gehen sollte, zogen die früheren Gratis- cmpfänger sich schleunigst zurück und hatten plötzlich„sonst genug zu lesen". In der Abonncmcntseinladung zum 3. Quartal schlug das Organ dann auch»veichcre Töne an, oie in dringendes Ersuchen au alte Freunde und Gönner ansklangen. ihr Blatt doch in Bekannten- und FrenndcSkreiscn zu empfehlen. Das scheint aber nicht sonderlich gezogen zu haben, denn wie das„Siegencr Volksblatt" dieser Tage feststellte, wird der Chcfredactour des Blattes v. Oertzen von der Redaktion zurücktreten und nur mehr als gclegent- licher Mitarbeiter figurieren. Seit dem 1. Juni sind auch die tele- graphischen Drahttnigen, die bekanntlich besondere Kosten verursachen, gänzlich»vcggcfallen. Der„Berliner Bewegung" hat also auch die„Luftveränderung" nicht»vieder zu Kräften verholfen.— Gefangcncnziiar. Seit dem 1. Juli werden auf den Eisen- bahusttecken Benthe» O.-S— Breslau— Lissa— Posen— Thon»— Kreuz- Posen— Lissa— Sagau— Liegnitz, Schweidnitz— Beuthen O.-S. und um- gekehrt besonder« eingerichtete, regelmäßig laufende G efangenen- »vagen eingestellt, die in dem angeführten Kreise»räch einem fest- gesetzten Fahrplane»vöchentlich zweimal kursieren. Jeder Gefangenen- »vage» wird von eine»»: dazu besonders bestellten Gefängnisbeamten begleitet;»veiterer Begleiter bedarf es, abgesehen von besonderen Ausnahmefällen, während der Eiscnbahnfahrt nicht. Die OrtS-Polizei- behördcn sind angeiviescn worden, möglichst bei allen TraitSportei», die auf den bezeichneten Eiscnbahnftrccken stattfinden, diese Einrichtung zu benutzen. Die Einrichtung ist zunächst versuchslveise auf die Dauer von sechs Monaten getroffen worden. Wenn sie sich bewährt, so liegt die Absicht vor, damit auch auf weiteren Eiseltbahn- strecken der Monarchie vorzngchc»:. Eine Verfügung darüber, ob die neue Einrichtung auch für Transporte zur Ausweisung von Ausländern, sowie für Trausporte in eine Korrigendcn-Aiistalt zur Vcrbüßtmg einer Nachhaft zu bcmitzcn ist, dürfte ebeufalls er- folgen.— Erfolge des patriarchalischen Regiments. Vor der Straf- kämm er in Saarbrücken hatten sich 11 Angeklagte zu veraittworten, die seit dem Jahre 1893 sich teils Unterschlagungen'an Metall, meist Zinn, auf dem Stumm schen Hütten»verk zu Neunkirchen schuldig gemacht hatte»», teils die Hehler spielten. Der dem Werk dadurch' ver»irsachte Schaden»vird auf 18 000 M. bc- ziffert. Die Hauptbelasteten sind der Schmred Nik. Dilliving_ zu Neunkirchen, der 2 Jahre Zuchthaus, der Althändler Wilh. Weiler zu St. Ingbert, der 1 Jahr 4 Monate Zuchthans, der Zinngießer Karl Albert de Giuli zu St. Wendel, der 1 Jahr Zuchthans, und der Hüttei»arbeiter Joh. Blau zu Neunkirchen, der 2 Jahre Gc- sängnis erhielt. Drei Angeklagte wurden zu 7, ö und 2 Monaten Gefängnis verurteilt, gegen einen mußte das Verfahren wegen Verjährrmg eingestellt'»verde», drei Angeklagte erlangten Frei- sprcchung. Es ist Pech für Herrn v. Stumm, daß ein Teil seiner so»vohl erzogenen Leute, die stets arbeitswillig sind, niemanden terrorisiere»», auf Befehl heiraten und lcdig bleiben, kein aufrührerisches Blatt lesen, nebenbei stehlen und hehle»».— Geld zuverdiene»! Der frühere Regierungspräsident Herr v. S ch w a r tz in Köln erläßt im Anzeigenteil der in Sigmaringcn erscheinenden„Hohenzollcruschcn Volks-Zeittuig" folgende Bekannt- machtmg: Mark Bolohnung. Seit dem Jahre 1894 bis Ende März 1899 bin ich durch zahlreiche anonyme Briefe, die in S i g m a r i n g e n ihren Ursprung haben dürften, beleidigt,� beschimpft und bedroht lvordei». Für die Entdeckring der Thäterschaft setze ich eine Belohnung von 13 000 Mk. aus und sichere die ungesäumte Auszahlung demjenigen zu, durch dessen Angaben der oder die Urheber jener Briefe so überführt werden können, daß sie zu der gerichtlichen Strafe gezogen»verde» können. Sollten letztere sich selbst angeben und ihre Angaben gerichtlich als wahr cnviesen »verde», so erhalten auch jie oder diejei»igeii die Belohnung, die sie als enipfai»gsberechtigt mir bestimmen. Im Falle »vegcn Zlierkennung der ausgesetzten Belohnung eine Einigung zlvischen mir ni»d ihnen nicht erzielt»verde»: sollte, so ui»ter>vcrfc ich mich der gerichtlichen Entscheidung. Eine Erhöhung der Belohnung ifl ausgeschlossen. Sollte diese Bekauntniachuiig bis zu»» 1. Januar 1900 ohne Erfolg bleiben, so gilt sie als zurückgezogen. Ich habe die 15 000 M. in deutschen Slaatspapierci» den: Herrn RechtSanivalt und Notar Senn in Hechingen zum Zlvecke der Hinterlegung bei der Spar- und Leihkaffe in Sigmaringen übergebe»:. Was muß man dem Manne alles geschrieben haben, wenn»hin die Entdeckung der Absender 15 000 M. Ivert ist! Die Brief» schreibcr dürften übrigei»S sicherlich in den durch Besitz m»d Bildung ausgezeichneten Kreisen zu suchen sein.— Poscu, 7. Juli. Aufsehen erregt hier die Ausweisung des Oestrcichcrs, Glashüttendirektors Havranck in Usch, aus Preußen. Slnfhebuug deS Vereins rechts durch ungültige Polizei- Verordnungen. In Wetzlar ist voin Landrat Goedecke solge»ide Polizeiverordnung erlassen: „Auf Grmid des zi 0 des Gesetzes über die Polizei-Verivaltung von: 11. März 1350 lGesetzsanunl. S. 205) soivie des§ 142 des Gesetzes über die allgemeine LaudeSverwaltung von: 30. Juli 1883 lGesctzsaniml. S. 195) wird mit Zustimmung deS Kreis- ansichuffcs für den Umfang des Kreises Wetzlar folgende Polizci-Verordimng erlasse»:: § 1. B e r e i n e und Privatgesellschaften, die in einem Wirtshause eine Tanzlustbarlcit verailstalte»:, haben davon mindestens 24 Stunden vor dem B e- ginn der Lustbarkeit unter Angabe des Ortes und der Zeit der Tanzlustbarkeit dirrch ihren Vorstand bei der Ortspolizci- bchörde Anzeige zu machen. § 2. Ter Anzeige ist beizufügen: 1. ei»: bei der Gegemvart erhaltenes Mitglieder- Verzeichnis, sofern eii: solches sich nicht bereits in Händen der Polizeibehörde befindet, und 2. ein Verzeichnis derjenigen Perjoiien, welche bc- sonders eingeführt»verde»: sollen. Die vorstehenden Verzeichnisse müssen den vollständigen Namen, den Berns nnd die Wohnung der Mitglieder und der Einziiführendei: enthalten, das Verzeichnis zi: 2 auch die ausdrückliche Bcucmmng der eiuführcndeu Mitglieder. § 3. Von der Eiureichuug der Verzeichnisse kann die Polizeibehörde auf Autrag in geeignete» Fällen c»: t v i»l d e n. § 4. Zuividerhandlnngen gegen diese Verordnung werden au den Vorstandsmitgliedern, de»: Wirt und de»: an der Lust- barkcit teilnehmenden, in den Verzeichnissen iß 2) jedoch nicht ausgeführte»: Personell niit Geldstrafe bis zu 30 M., im Uuver- mvgcusfalle mit eutiprechciider Hast geahndet. '§ 5. Vorstehende Polizei-Verordnung tritt am 1. August 1899 in Kraft. Wetzlar, den 19. Juni 1899. Der Königliche Laudrat Goedecke." Diese Polizeiverordnung ist ungültig, weil sie eine Regelung über eine Frage versucht, deren Regclmig der Polizei nicht z»>stehr, weil sie femer die Artikel 29 und 30 der preußische»» Verfassung verletzt und»veil sie endlich eine unzulässige Korrektur de» Vereins- gesetzcS darstellt. Artikel 29 der Verfassung vom 31. Jaimar 1850 bestilmnt:„Alle Preußen sind berechtigt, sich ohne vorgängige obrigkeitliche Erlaubnis friedlich und ohne Waffen in geschlossene»: Räumen zu versammeln." Artikel 30 derselben Berfassung besagt: „Das Gesetz regelt insbesondere zur Aufrcchtcrhaltuug der öffcut- lichcn Sicherheit" das im Artikel 29 gelvährlcistete Recht. In ständiger Praxis hat das Lbcr-Verwaltnngsgericht und das Kammer- gcrich: daran festgehalten, daß demnach allc P olizeivcro rdnu>:gei: ungültig sind,»velckie eine Regelung des VereinSivesens nnter- nchinen. Dem gegenüber tauchte allerdings in Anlehnung an eine absolutistische, vcrfassuugsividrige Dciillvcise des Professor Rosiu in der„Nordd. Allg. Ztg." sei zwei Jahren die Behauptung auf, die Polizei könne eigentlich alles durch Polizeiverordmmg regeln, sie sei die Seele des Staates, die in jede Lebeuslhätigkeit selbstherrlich eingreifen dürfe. Diese vcrfassungSwidrigcn Seitcusprünge scheinen nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen zu sein. Die Wctzlarcr Polizeiverordnung ist wohl ein Produkt der dargelegten absolutistischen Utopien. Die Wctzlarcr Verordnung regelt selbst« herrlich das VercinSrecht. dehnt die Anmcldcvcrpflichtmig politischer Vereine auf linpolitische Vereine ans und hebt in:§ 3 die verfaffungS- mäßig garantierte Gleichheit aller Preußen vor dem Gesetz auf. Die Wirre und Einwohner deS Wctzkarer Kreises werden gut thun, unbekümmert un: die Wctzlarcr Polizciverfügmig Privat- gesellschaften und Vereine lediglich unter Beobachtung der vereinsgesetzlichen Beslinunungen abzuhalten und, falls ihnen dabei Hindernisse in den Weg gelegt werden sollten, den Weg des Verivaltungsstreitverfahrens und der Schadenscrsatzklage zu beschreiten. Der Erlaß der ungültigen Polizeivcrordnung trotz entgegenstehender Entscheidungen der obersten preußischen Gerichts- Höfe zeigt»uicdcr einmal, welcher Wind in Preußen weht.— AuS Baden.(Eia. Ber.) Die Partei! onferenz, die am Somitag in D u r l a ch sich mit den taktischen Fragen zum LandtagS-Wahllampf befaßte und von Genossen aus Mannheim, Karlsruhe, Pforzheim und Dnrlach uitter dem Vorsitze des Landes- orgauisations-Vorstandes gebildet»var, beschloß im Anschluß au ein Referat des ReichStags-Abgcordneten Drecsbach, in erster Reihe dem Nationalliberalismus, der unserem Volke immer noch ein unverfälschtes Wahlrecht vorenthält, eine Niederlage bereiten zu helfen. Unter der Parole:„Für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, gegen daS Reaktionsminifterium Eisenlohr und seine nationalliberalen Heloten I" bemühen sich die badischen Socialdemokraten, überall da, wo sie keinen Sieg erringen können, Freunde der Wahlreform zur Erreichung der verfassun'gs- mähigen Zweidrittel- Mehrheit in da? Rondell am Friedrichsplatz bugsieren zu helfen. So werden wir in Konstanz und Rastatt die Demokraten unterstützen, das Centrum dort, wo es gegen die nationalliberalen Eisenlohrianer um den Sieg ringt; wir werden von der Aufstellung eigener Wahlmänner überall absehen, wo es zwecklos ist, und direkt für die gegnerischen Kandidaten eintreten. Für die aufzustellenden Kandidaten sind schon Vormerkungen ge- troffen, die Aufgabe, geeignete und gegen alle Einflüsse feste Wahl- »ränner zu finden, was wegen der ökonomischen Abhängigkeit einige Schwierigkeiten bereitet, muß noch gelöst werden. Wir sehen zu- versichtlich dem Wahlkampf entgegen. Ausland. Belgien. Brüssel, 6. Juli. Zahlreiche Mitglieder der Linken des Senats und der Kammer hielten heute Nachmittag eine Versammlung ab, in welcher die Lage besprochen und beschlössen wurde, an der' Ver- bindung gegen die Regierung in der Angelegenheit der Wahlreform- Vorlage einmütig festzuhalten. Man rechnet mit der Möglichkeit einer Kammerauflösung, weil in der Wahlreform-Kommissiön für keinerlei Vorschlag eine Mehrheit zu stände komnien wird. Es wird eine neue päpstliche Maßregelung des Pfarrers D a e n s erwartet wegen der Teilnahme der katholischen Demokraten an den letzten Straßenunruhcn. Die katholisch- dcmo- kratische Parteileitung erklärt jedoch, sich um die Intervention des Papstes nicht im geringsten kümmern zu wollen. Frankreich. . Der DreyfnSprozcst soll, wie es heißt, am 6. August be- ginnen und auf alle Fälle am 15, August beendet sein. Es ist in- dessen nicht ausgeschlossen, daß die Verhandlungen bereits noch in der letzten Woche dieses Monats beginnen. Professor L o u i s Havet, der bekanntlich Frau DreyfuS nach Rennes begleitete, stellt in einem Brief an den„Steele" richtig, was bisher über DreyfuS mitgeteilt worden ist. Havet schreibt:„Es ist nicht wahr, daß DreyfuS die Verhandlung des Kriegsgerichts als reine Formalität nimmt. Es ist nicht wahr, daß es geglückt sei, ihn ivahnsinnig, blödsinnig oder auch nur schwach zu machen. Sein moralischer Zustand ist unverändert, er regelt selbst sein Leben, er wählt die Gegenstände der Unterhaltung, er will nicht, daß man ihn init Zärtlichkeit behandle, erhört, fragt, vergleicht und kombiniert, er will missen, wofür Henry sich zu seiner Fälschung verleiten ließ. Er arbeitete gester» den ganzen Tag mit seinen Advokaten und ist heute nicht im geringsten ermüdet. Er ist in die Enquete vertieft und in den Prozeß Zola. Seien sie sicher, daß er diese unverdaulichen Maffen aufnehmen und daß die seelische Zähigkeit eines Soldaten, eines Elsäffers, eines Israeliten den Schauder aller Entdeckungen überwinden wird, die er machen soll. Er selbst wird als Anklager vor dem Kriegsgericht erscheinen können. Er wird ohne Stottern sprechen und statt seiner werden seine Feinde das Schauspiel des ohnmächtigen Todeskämpfcrs geben. Die Folter- quälen, welche Lebon ihm'zugedacht, unterbrachen nur sein Mar- tyrium, stachelten seine Lebenskraft an und erneuerten seine Energie. Italien. Rom. 6. Juli.� Die Nnklagebchörde eröffnete das Verfahren gegen die Deputierten, welche beschuldigt sind, in der Kämmer- sttzung am 30. Juni die Urnen umgeworfen zu haben: heute begann das Zeugenverhör.— Rom, 4. Juli. sEig. Ber.) Der letzte Sonntag hat unserer Partei neue Siege bei den Kommunal- und Provinzial- Wahlen gebracht. In Padua, Udine, Como, Treviso und vielen anderen kleineren Gemeinden gewannen wir einen Teil der Mandate, ... Der Prozeß gegen die angeblichen Mitschuldigen Acciaritos ist auf die Gerichtssession im Oktober verschoben worden. Spanien. Silvela über die Unruhen. In dem Ministerrate vom Donnerstag erklärte der Ministerpräsident Silvela. die in den letzten Tagen vorgekommenen Ruhcstönmgen seien ohne B e- d e u t u n g. Silvela verlas sodann ein Telegramm aus Barcelona, nach welchem heute dort Ruhe herrscht. Weiter wird in dem Telegramm mitgeteilt, daß sich bei den gestrigen Ruhestörungen ein Teil der Arbeiter auf die Seite der Gendarmen stellten und gegen die Ruhestörer Partei nahmen.— In unparteiischen Kreisen herrscht doch eine ganz andere Auf- fassung über die Lage in Spanien. Die„Internat. Korr." schreibt aus Madrid vom 6. Juli: Die Widerstandsbewegung gegen die Finanzgesetze hat einen Charakter angenommen, den selbst die konservativen Organe als einer sehr bedrohlichen bezeichnen. S a g a st a lehnte es ab, der Regierung öffentlich die Unterstützung der Liberalen zur Aui- rechterhaltung der öffentlichen Ordnung zuzusagen. Der Vorsitzende der Socialistenpartei. Jglesias, erklärte, seine Partei habe bisher nur die Agitation betreffend Revision der Montjuich- Prozesse betrieben, werde sich jedoch jetzt der Bewegung gegen die neuen Steuern und die Militärgesetze anschließen. Zum Sonntag sind in 20 Städten socialistische Massenversammlungen ein- berufen. Die Grubenarbeiter des Bezirkes Bilbao kündigen den allgemeinen Ausstand an, fall» die Grubenbesitzer von der Mehrbesteuerung ausgeschlossen bleiben, während den Arbeitern selbst da» Salz um das Dreifache ver- steuert werde» soll.— England. Liberale Wahlsiege. lJn Oldham tLancashire), das zwei Abgeordnete zu wählen hat, war gestern Ersatzwahl; und es gelang den Liberalen, die beiden Mandate den Konservativen abzunehmen, Darob große- Freude im Lager der Liberalen und Träume von Neugeburt, wie sie dem Greiscnaltcr eigen. Zu bedenken ist, daß Oldham ein alter Sitz des Liberalismus ist, der nur bei der letzten allgemeinen Wahl, wo die liberale Partei unter dem zerschmetternden Eindruck des Todes von G l a d st o n e stand, den Liberalen entrissen werden konnte. Und zweitens ist es in England ein alter Er- fahrungssatz, daß bei Ersatzivahlen die Opposition siegt. Afrika. Pretoria, 6. Juli. Dem Vernehmen na ch hat der V o I k s r a a d heute in geheimer Sitzung den von der Kapregierung und dem Oranje- Freistaat unterstützten Vorschlägen zugestimmt, denen zufolge das Wahlrecht nach siebenjährigem Aufenthalt erteilt werden soll, wobei die Naturalisierung fakultativ und für solche, welche vor 1898 nach Transvaal gekommen sind, rückwirkend sein soll. Hofmehr und Hertholt werden auf der Rückreise nach Bloemfontein morgen Johannesburg besuchen. Die Spannung, welche die Bevölkerung in Atem gehalten hat, wurde durch das Ergebnis der geheimen Sitzung wesentlich gemildert.—_ Eine lustige Spitzelgeschichte spielte im Jahre 1888 in der kaiserlich deutschen Republik Hamburg, als die großartigen Frcihafen-Anlagen feierlich eingeweiht werden sollten. Die umfassendsten Vorbereitungen waren getroffen, u. a. wurde am Rande der Arißenalster das reizende Etablissement„Alstcr- lust" extra für die Festlichkeiten errichtet. Dort wurde dem Kaiser, welcher der Einladung des Senats gefolgt war und drei Tage in Hain- burgs Mauern zu verweilen beabsichtigte, ein glänzender Empfang mit Gastmahl, Serenade und Feuerwerk bereitet, der den Herrscher so entzückte, daß er noch nach Jahren sich desselben erinnernd, gelcgent- lich einer späteren Einladung nach Hamburg den Wunsch äußerte, den Kaffee wieder auf der„Alsteriilsel" einzunehmen. Nun verfügte zwar der Hohe Senat in seinem Staatsgebiet über keine Insel— das vom Kaiser gcmcinnte Etablissement liegt auf dem Festland— aber der regierende Bürgermeister,' ein- gedenk des Wortes: Ew. Majestät Wunsch ist mir Befehl, wußte sich zu helfen, und so entstand über Nacht, mitten im Alstcr- bassin, eine prächtige Insel, die später— nachdem ihr Lebenszweck erfüllt— wieder fortgeräumt wurde. Doch das nebenher und zurück zur Einweihung des Hafens. Bekanntlich lag das Socialisten- gesetz im Jahre 1883 bereits in Todeszuckungen und vielleicht war die Betrübnis hierüber die Ursache, welche die Helden unserer Geschichte in heiligen Eifer versetzte. In Hamburg wimmelte es damals, wie überall unter der Herrschaft des Aus- weisungsparngraphen— von Polizeispitzeln höheren und niederen Grades, Diese„Gentlcmen" Ivolltcu zeigen, daß sie ihr Geld nicht umsonst erhalten, und so„entdeckte" nian denn die schaurige That- fache, daß während der Anwesenheit des Kaisers ein Attentat ans- gesührt werden solle. Der Polizeilominissar Engel in Altona bcauf- tragte den bekannten Spitzel Wichmann mit der Feststellung und Ueberlvachung der Attentäter und verlangte, daß Wichmann schleunigst deren Namen und Wohnung melde. Nachdem dies geschehen, berichtete Herr Engel nach Berlin und erbat weitere Instruktionen. Hier schenkte man der Engelschen „Denkschrift" natürlich die gebührende Aufmerksamkeit und ordnete ein Fähnlein Geheimpolizisten nach Hamburg ab, welche dort während der Festtage den Sicherheitsdienst organisieren sollten. ' Inzwischen hatte Herr Wichmann seine Meldung eingereicht,— Die„Attentäter", die von Wichmann als Anarchisten bezeichnet wurden, erhielten in den Berliner Geheimpolizisten ansmerksame und pflichttreue Beobachter. Der Eifer eines auf der Jagd nach anarchistischen Attentätern befindlichen Polizeiiuqnnes kennt keine Grenzen. Tag und Nacht sich dieser Aufgabe widmend, hatte der Berliner sich in dem Hanse eines der benannten Bombenwerfer ein- gemietet, sich mit demselben angefreundet und verabredet, die Hamburger Festtage gemeinsam zu verleben, doch wie groß war das Erstaunen des Jüngers der heiligen Hermandad, als er sah, daß sein„ Attentäter" sich beim Verlassen der gemeinsamen Wohnnng im Festkleide präsentierte, und gcschniückt mit Orden und Ehrenzeichen seinen Platz inmitten des Kricgervereins einnahm, der beim Herannahen des Kaisers Spalier bildete, Das war am Vormittag. Ebenso verlief der Nachmiitag, und als der„Attentäter" am Abend, ganz heiser vom Hoch- und Hurra- rufen, mit dem Berliner Freund kneipend, sich als ein in der Wolle gefärbter Kricgervercinler und Patriot entpuppte— da ergriff den Polizcimann ein menschlich Rühren, und er erzählte dem trinlsesten Genossen, daß er als„Anarchist" und„Attentäter" der Polizei gemeldet wäre. Das könne nur von dem Wichmann ausgehen, antwortete unser biederer Hamburger. Den Kerl hätte er und sein Freund einmal fürchterlich verhauen und dafür würde dieser sich nun lvohl gerächt haben. Unter fröhlichem Lachen erzählte er, wie das Opfer der Hamburger Fäuste zugerichtet worden sei. und daß der Spitzel Wichmann einige Wochen ini Krankenhaus zubringen mußte, um die Spuren jenes Zusammentreffens zu verwische». Der um das„Attentat" gcprcvre Polizeireisende meldete pflichtschuldigst am andern Morgen auf dem Polizciüureau in Altona, was er er- fahren, nnd Herr Engel citierte den Agenten Wichmann vor seinen Richterstuhl. Der brave Wichmann gestand, daß er die beiden Leute als patriotische Mitglieder der staatserhaltenden Ordnungsparteien kenne und daß dieselben nie Socialdemokraten oder Anarchisten gc- Wesen seien. Da ihm jedoch der Auftrag gegeben sei, Namen und Wohnung einiger Anarchisten zu melden, so habe er die beiden Leute als Vergeltung für die einst empfangene Prügel angezeigt. Mit dieser Verhandlung endcien die Erlebnisse der damals nach Hamburg geschickten Berliner Polizeibeamtcn. Gegen Wichmann soll Anklage wegen wissenrlich falscher Denunciation er- hoben worden sein— ob mit Erfolg vermögen wir nicht zu sagen. Die einzigen, welche aus diesen,„Attentat" Schaden zogen, ivaren die Hamburger Senatoren, welche um die Ehre kamen, den Kaiser über Nacht in Hamburg zu ivissen, Denn aus dem geplanten dreitägige» Aufenthalt wurde nichts, als ein Genosse anfmerksam mächte, daß nach der Auf« lösung einer Versammlung sämtliche Anwesende das Lokal räumen müssen, was dann auch ordnungsgemäß befolgt wurde. Ein„guter Freund" hatte der Polizei einen antographierien Zettel zukommen lassen, worauf zu einer Besprechung eingeladen wurde und mit„Der Vertrauensmann" unterzeichnet war. Mehrere Leser vollendeten nun aber doch, nachdem sie sich nach einiger Zeit wieder eingesunden, die angefangene Lektüre und unterhielten sich in gewohnter Weise über die Neuigkeiten des Tages, als zum drittemnak die heilige Hermandad erschien, nochmals sich' über die eventuelle Versammlung informierte, aber darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Leute nur zu gegen- fettiger Unterhaltung allabendlich zusammenkommen und jeder doch wohl in seiner Wohnung so viel Besuch empfangen kann, ivie ihm lieb ist.— In letzter Zeit sind alle Delegierte dcS Gewcrkschafts- kartells und die Vorstände der Gowerkschoftcn auf das Bureau der politischen Polizei vorgeladen worden. � Diese Aktion soll, wie man hört, den Zweck haben, daß sich die Beamten der betreffenden Abteilung über die Verhältnisse der hiesigen Arbeiterbewegung besser informieren.? l Es sollte doch lieber die Lokalabtreib'erei etwas eingeschränkt werden, dann wäre die Information in öffentlichen Versammlungen bedeutend leichter und die Leute werden nicht alle Augenblicke aus den Betrieben ge- holt, um der Polizei zu allen möglichen Auskünsten zur Verfügung zu stehen. — Wegen nicht erlaubten Kollektiercns ist der Parteigenosse Pappe in Erfurt bestraft worden, weil er Gelder entgegen- genommen für den Jnhaftiertenfonds. P. macht bekannt, daß er in Zukunft keine Aufrufe mehr erlassen werde, und bittet die Geber, die Verwendung der Gelder ihm zu überlassen. — Wegen Teilnahme bezw. Anführung ciucS polizeilich nicht genehmigten Umzuges sind die Genössen Stegmann und Fahre nkamm in Erfurt vom dortigen Schöffengericht zu 6 bezw. 15 M. Strafe verurteilt worden. F a h r e n k a m m erhielt die 15 M. zudiktiert, weil er als Leiter des Umzuges angesehen wurde, da er einen Eylindcrhut getragen und voranmarschiert sei. Gegen Genossen Reißhaus, der ebenfalls mit angeklagt war, mußte die Verhandlung vertagt werden wegen seiner Immunität als Reichstags-Abgeordncter. — Genosse Rudolph, Redacteur der Erfurter„Tribüne", hat am 5. d. M. das Gefängnis verlassen, Ivo er seit dem 20. April wegen seiner Prcßsiinden Buße gethau hatte. — Vom sächsischen„Juwel". Die Dresdener Polizei- direltiou verbietet dem dortigen polnisch-socialistischen Verein■ seit dessen Bestehen konsequent, in de» Versammlungen die Unterhand- lungen in p o l n i s ch c r S p r a ch e zu führen. Das Vereins- und Ver'sannnlungsgesctz enthält nun aber nicht eine einzige Bestimmung. die mich nur so ausgelegt werden könnte, als ob die Polizei- direktion im Rechte wäre. Es wurde gegen diese daher Beschwerde geführt, die jetzt auch von der höchsten Instanz, vom Ministerium des Innern, als unberechtigt zurückgewiesen ist. Es wird vom Ministerium ausgeführt, daß das Vereins- und Berfammlungsgesetz selbst zwar keine diesbezügliche Handhabe biete, eS müsse aber den Behörden das Recht zustehen, in jedem ein- zelnen Fall zu entscheiden, inwieweit etwa ein„Mißbrauch" des betreffenden Gesetzes getrieben werde. Das Ministerium habe den materiellen Thatbestand des einzelnen Falles gar nicht zu prüfen. Wenn z. B. die Polizei der Meinung ist, daß durch Anwendung der polnischen Sprache die Ueberlvachung der Versammlung er- schwert oder unmöglich gemacht wird, und deshalb ein Miß- brauch des Versammlungsrechtes möglich ist, so muß das d e r B e- urt eilung der Polizeibehörde überlassen sein. Diese ist nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet. Versammlungen, die unter Mißbrauch des Gesetzes stattfinden, zu verhindern bezw. zu verbieten. Bezeichnenderweise beruft sich das Ministerium dabei auf Ausführungen in der ersten Kammer, die dort bei Schaffung des Gesetzes— im Jahre 1850!— nach der Richtung hin gemacht worden smd. Das schon allein kennzeichnet diesen Entscheid, der die „Latitüde" der Polizei abermals erweitert. — Kein Schandgesetz. In München sind eine ganze Reihe Parteigenossen mit Vorladungen vor das Amtsgericht München I bedachi worden. Sie alle erscheinen„hinreichend verdächtigt", grob g eu nfugt zu haben, weil sie das Zuchthausgesetz ein Schandgesetz nanutcii._ GemoMMMftlMzes. Berlin und Umgegend. Achtung, Drechsler! Am Dienstag, den 11. Thatsächlich aufhaltsam fort, schreitet die Zersetzung der liberalen Partei un« und so wie die Dinge stehen, ist auch keine AuS- ficht auf eine Reorganisation und Wiederaufleben der Partei vor- Händen, die bekanntlich das konservative Programm zu dem ihrigen gemacht und damit sich selbst die Daseinsberechtigung ab- gesprochen hat.— Serbien. Vom Attentat auf Milan, den Exkönig der Serben, haben wir bereits in der letzten Nummer berichtet. Da er mit einer ganz geringfügigen Bleffur davon gekommen ist, so benutzte er' die günstige Gelegenheit, an das ihn umstehende Publikum eine Rede zu halten, in welcher er die radikale Partei für das Attentat ver- antwortlich machte. Der Attentäter ist ein Bosnier Namens Gjura Knezevic. Wie die Untersuchung feststellte, soll derselbe Komplizen gehabt haben. Vierzehn der radikalen Partei ange- hörige Personen wurden verhaftet, darunter' der frühere Ministerpräsident Tauschanovic. Der ehemalige Minister- Präsident Paschic wurde unter Polizeiaufsicht gestellt. DaS Attentat scheint der Regierung sehr gelegen zu kommen.— Asien. Der französische Gesandte P i ch o n in C h i n a hat vom Tsung-li-Damen die Mitteilung erhalten, daß das französische Konsulat m Mougtse(Jüiinan), das bei den jüngsten Unruhen zcr- stört wurde, auf Kosten der chinesischen Regicnmg wieder aufgebaut werde. Pichon stellt daher keine weiteren Ersatzforderungen. Die Ansprüche für die Verluste Privater sollen, wie es heißt,'durch die Lokalbehörde geregelt werden. Gegen die ZuchthauS-Vorlage. Die Bewegung gegen das Ausnahmegesetz dauert im ganzen Reich noch immer fort. Uns ist eS nicht möglich, alle Versammlungen auch fernerhin zu registrieren. Nur einige wollen wir herausgreifen, um den Nachweis zu liefern, daß auch in den Gegenden die Mafien in Bewegung kommen, wo sonst das politische Leben nicht ein besonders lebhaftes zu sein pflegt. So wird uns ans D i r s ch a u berichtet, daß vor einigen Tage» dort eine Protestversammlung tagte, die von 800 Personen besucht war. Hier wie auch in Da uz ig sprach der Genosse R o h r l a ck aus Berlin. In Danzig kam, wie uns berichtet wird, eine solche Riesenversammlung zusammen, wie sie dort seit Jahren nicht da« gewesen ist. Eine' energische Protestresolution fand einstimmig Au« nähme. Auch unsere im Ausland lebenden Genossen schließen sich der Bewegung au. Wie früher in Zürich und W inte rt hur. so hat jetzt auch in St. Gallen eine imposante Protestversaminluug gegen die deutsche Zuchthausvorlage stattgefunden. Pvlizrilichrs, Gerichtliches usw. — Genosse Feldman», Redacteur des„Proletarier", trat am Montag, den 3. d. M., eine dreimonatliche Gefängnisstrafe wegen Prcßvergehens im Neichenbacher Gcrichtsgefängnis an. Wenn vor Ablauf derselben ein zweites, ebenfalls auf 3 Monate lautendes Landgcrichts-Urteil, welches noch in der Revisionsinstanz schwebt, rechtskräftig werden sollte, so hätte Feldmann insgesamt eine sechs- monatliche Strafe zu verbüßen. Möge er dieselbe ohne Schaden für seine Gesundheit überstehen. — Polizeikampf �gegcn die Arbeiterschaft in Posen. AuS Posen wird uns unterin 6. Juli geschrieben: Gestern abend versammelten sich, wie allabendlich, Genossen und Gewerkschaftsmitglieder im Lesezimmer deS GewerischaftskartellS, welches einen Teil der Privatwohiiung eines Genoffen ausmacht, den derselbe in bereit- williger Weise' zur Berfügung gestellt. Diese Einrichtung besteht nun schon seit April d. I. Aber wie ersianuten die Anwesenden, als plötzlich ein Polizeiiommissar eintrat, nach dem Genossen GogowSli frug, mit der Bemerkung, hier finde wohl eine Versammlung statt. Als dies verneint wurde, entfernte sich der Herr Komnnssar, um nach einer Viertelstunde mit einem Schutzmann wieder zu kommen und kurzerhand die„Versammlung" aufzulösen. Der Schutz- mann machte Anstalten, sämtliche„Teilnehmer" zu notieren, ... Juli, abends 8Vs Uhw findet im„Englischen Garten", Älexanderstr. 27 a, die Wahl des G e s e l l e n- A n s s ch u s s e s der ZwangSinnung statt. Zur Teilnahme an der Wahl sind alle bei DrechSlcrmcistern beschäftigten Gesellen, die das 21. Lebensjahr überschritten haben, berechtigt. Krankenkaffenbuch und Jnvalidenkarte legitimiert. Es ist dringend notwendig, daß sich die Arbeiter recht rege an dieser Wahl be- teiligen. Achtung, Schuhmacher! Wie unS aus Erfurt mitgeteilt wird, sucht die Geschäftsleitung der D e uts ch e n Sch uh f a b r i k in Berlin Zwicker zu werben. Wir machen unsere Kollegen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß sich die Kollegen der Deutschen Schuhfabrik im Streik befinden und ersuchen den Zuzug nach dort fernzuhalten. Am Sonntag findet im Osten Berlins in Sachen des Tackfchen Boykotts eine Flngblattverbreitung statt. Wir ersuchen die Kollegen, sich zahlreich daran zu beteiligen. Treffpunkt ist morgens 7 Uhr bei Lock, Grüner Weg, Ecke der Koppcnstraße. Die Ortsverwaltung. Deutsches Reich. Die Bcrgarbciter-Nuruhen in Herne. B o ch u in, 6. Juli. Der Herner Aufruhr hat doch vielen bürgerlichen Zeitungen, welche bisher vor der drohenden Gefahr wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sandj versteckten, die Zunge gelöst, und die Zechen- Verwaltungen kommen dabei nicht immer am besten weg. Nur wenige Stimmen erheben sich noch, um aus angeborenem Haß gegen die Arbeiterbewegung den„alten Verband" und seine Agitatoren für die unter den Polen ausgekrochene Erregung verantwortlich zu machen. Nun, wenn der Verband unter der rein polnischen Bergarbeiter- Bevölkerung einen nennenswerten Anhang gehabt hätte, so wäre der„Gornil" weiter gedruckt und verbreitet worden; daß man denselben eingehen ließ, ist der beste Beweis, daß auf die Bearbeitung der Polen im Sinne der gewerkschaftlichen Bewegung kein zu großes Gewicht gelegt wurde, weil sich die Leute nicht zugänglich er- wiesen. Daß man die Polen schon nach dem Streik von 1889, besonders auf Gruben des Hemer Reviers verhätschelte und eher zlvei Polen als einen deutschen Arbeiter anlegte, geben jetzt viele bürgerliche Zeitungen, auch CentrumSblätter, zu, die bisher über solches Gcbahren geschwiegen, denn derZuwachS an Katholiken hat der römisch- katholischen Geistlichkeit ja immer gefallen. Schon 1393 zeigten sich die Früchte dieser„Zcchcnpolitik". Nach einer damals vom Berghauptmayn Täglichsbeck aufgenommenen Statistik ivaren im ObcrbcrgamtS- Bezirk Dortmund bei einer Gesamtbelegschaft von 158 333 Köpfen nur 37,42 Proz. Söhne von Bergleuten vertreten. Unter der elsenkirchener Belegschaft waren schon 51,02 Proz. Etil- gewanderte, unter der Recklinghausener 45,55 Proz. und unter der H e r n e r 39,80 Proz.; während die Zahl der von berg- männischen Vätern abstammenden nur 27—28 Proz. betrug. Das polnische Element war vorwiegend; 11,33 Proz. der Gcsamtbeleg- schaft sprachen polnisch. Insgesamt waren 36 Sprachen unter den Bergleuten vertreten. Natürlich haben sich seit 1893 die Zahlen noch zu Ungunsten der Einheimischen verschoben. Wie die„Westd. VolkSzeitung" aber i??ch konstatiert, klagen unsere einheimischen Bergleute nicht nur von einer Zeche, nein, von fast allen Zechen, daß man den aus der Fremde herbeigeholten Arbeitern nicht allein die besten Arbeiten zu- weist, sondern auch für dieselbe Arbeit besser bezahlt. Besonders wenn ein Vater mit seinem Sohne und einem fremden Arbeiter auf derselben Zeche arbeitet, muß der Sohn billiger arbeiten als der mit ihm dieselbe Arbeit verrichtende fremde Arbeiter; kehrt der Sohn ab, wird der Vater mit abgeschickt, und wenn er noch so lange dort gewesen ist.„Das Streben der Zechenverwaltungen in dieser Hin- ficht ist ja leicht erklärlich, man will sich einerseits billige Arbeiter sichern und andererseits durch Bevorzugung der fremden Arbeiter wieder Ändere fremde Arbeiter heranziehen, um dem Arbeitermangel abhelfen zu können— aber die verwerflichen Mittel können auch leicht verderblich werden." Mit dieser Mahnung schließt das oben citierte gut bürgerliche Blatt, dem wir noch etwas aus unserer Erfahrung hinzufügen wollen. Gestern früh holte mich auf dem Wege nach Bockum eine Frau ein, die, wie sie mir erzählte, sich als Zeitungsausträgerin einen kleinen Verdienst verschafft hatte. Es war eine Bergmannswittwe, deren Mann nach 20 jähriger Bergarbeit an der Schwindsucht gestorben und ihr einen Pensionsanspruch von monatlich 30 Mark hinterlassen hatte, wovon sie mit fünf Kindern nicht leben kann. Ihr Aeltester, der zu Ostern die Schule verlassen, suchte sich auf dem Schacht Arbeit und bekam als Transporteur über Tage— zwanzig Pfennig Lohn täglich: der arme Kerl brach im Betriebe das Bein und ist seit 12 Wochen arbeitsunfähig. Also für diesen geringen Lohn hat der Bergmanussohn, dessen Vater seine Gesundheit auf dem Schachte geopfert, auch schon Hals und Beine riskieren müssen. Kein Wunder, daß man im Ruhrrevier nach militärischer Besatzung schreit, man fürchtet das Ausgehen der Saat, welche die Betriebsleitungen mit kaltem Blute ausstreuen. »» Die Polen A d a m s k i und O st r o w s k i, die unter dem Ver- dacht, die„Haupt-Urheber" des Streiks und der Krawalle zu sein, verhaftet worden ivaren, sind, wie uns soeben mitgeteilt, aus der Haft entlassen worden, da gegen sie, die nur die Vertreter bczw. Verbreiter der„Gazeta Robotnicza" sind, absolut nichts vorliegt. Außer diesen beiden sind ö weitere Verhaftete auf freiem Fuß gesetzt worden. lieber de» ZimniercranSstaud in Jena wird uns ge- schrieben: Der Streik, welcher am 7. v. M. begonnen hat. wird immer noch mit ungcschwächten Kräften fortgeführt. Die Zimmer- meister wollen die Berechtigung der gestellten Forderung auf Ein- sührung eines Minimal-Stundenlohnes von 3S Pf. immer noch nicht anerkennen, auch zeigen sie sich zu keinerlei Unterhandlungen ge- neigt; sie haben sogar die ihnen seitens des Gewerkschaftskartells angebotene Vermittelung zur Beilegung der Differenzen in einer Versammlung des Arbeitgeberbundes im Baugewerbe, in dem die Maurermeister übrigens die Majorität besitzen, einstimmig und rundweg abgelehnt. Der in der Lokalpresse gemachte und eingehend erläuterte Versuch, das Gewerbegericht als Einigungsamt zur Jnter- vention zu veranlassen, darf so ziemlich als'gescheitert betrachtet werden, da der Vorsitzende des Gcwerbegerichts eine Anrufung der Parteien abwarten will. Die ganze Angelegenheit scheint dadurch soweit gediehen zu sein, daß voraussichtlich in den nächsten Tagen der Entscheid über die Fortdauer der Bewegung fallen wird. Der Manrerstrcik und die Polizei in Dresden. Gegen die streikenden Maurer scheint die Polizei, nachdem der Streik'in den letzten Tagen wieder in ein lebhaftes Stadium getreten ist, in be- kannt schneidiger Weise vorgehen zu wollen. Sistierungen sind in den letzten Tagen mehrfach ohne ersichtlichen Grund vorgekommen. Vor allem hat man es hier aber auf die Streikposten abgesehen. Einige ruhig ihres WegeS gehende Streikende wurden von' einein Gendarmen in der gröblichsten Weise mit Worten wie: Lumpen- gesindel, Vagabunden zc. beschimpft und beleidigt. Ein Streikleiter, der Maurer Horter. ist verhaftet worden, weil er mit einem Streikbrecher, der eine unvernünftig hohe Geld- forderung zur Abreise stellte, in einen lebhaften Wortwechsel geriet. Weil der Mensch das Geld nicht bekam, denunzierte er Horter', der schon wegen der vorjährigen Lohnbewegung wegen geringfügiger Dinge in zwei Fällen zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Unter den Streikenden ist ein Flugblatt verteilt worden, in welchem in sehr scharfen Ausdrücken gegen die Streikbrecher polemisiert wird. Das Streikkomitee iveiß von denr Flugblatt nichts und weist die Verantwortung dafür zurück. Es scheint sich um eine Spitzelarbeit zu handeln. Die Streikenden verhalten sich musterhaft und lassen sich nicht provozieren. Am Mittwoch haben wiederum 84 Maurer auf 3 großen Bauten die Arbeit niedergelegt. Die Arbeitswilligen erweisen sich fast durchweg als völlig unbrauch- bare Leute, die mit der in Dresden gebräuchlichen Arbeitsmethode nicht vertraut sind. So erklärte ein Baumeister in Löbtau, daß die Dresdener eingerichteten streikenden Maurer eher 60 Pfennige die Stunde verdienen, als die nicht eingerichteten 40 Pfennige. Die Herren Unternehmer sind aber durch die Innung und Kon- ventionalftrafe zu ihrem eigenen Schaden gebunden. So ist die Situation äußerst günstig für die Streikenden'. Lohnforderung als Erpressung zu kennzeichnen und zu be- strafen, blieb bekanntlich den Dresdener Gerichten vorbehalten. Der Maurer D u d a war es, der deswegen von allen Instanzen zu der ungeheuerlichen Strafe von sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt tvurde. Durch eine Gcwcrbegcrichts- Verhandlung hat aber dieser Fall eine Erklärung gefunden, die geeignet sein dürfte, ihm eine neue Wendung zu geben. D u d a klagte gegen den Bau- Unternehmer Müller auf 74 Pf. Lohnrest vom vorigen Jahre. Der Anspruch gründet sich darauf, daß Duda die erste Woche 45 Pf. Stundenlohn, in der zweiten Woche aber nur 43 Pf. Stundenlohn ohne jede weitere Benachrichtigung erhielt. Müller hat in seiner Arbeitsordnung einen Paragraphen, der festsetzt, daß ohne weiteres Lohnerhöhung und Lohnherabsetzung eintreten kann. Die Lohnherabsetzung sollte durch schlechte Arbeit Dudas geboten sei», und zivar sollen die Zicgelschichten 3—4 Centimeter gehangen haben. Als Zeuge war der Polier Zimmermann erschienen. Er erklärte, daß ihn Müller auf das Mauerwerk aufmerksam gemacht habe, jedoch war der Fehler nicht zu groß, das Mauerwerk sei auch nicht weggerissen worden, sondern stehe heute noch, auch kämen bisweilen beim Bauen ganz andere technische Fehler vor. Im übrigen habe Müller ihm erklärt, sämt- liche Leute hätten gut gearbeitet. Der erschienene Vertreter des beklagten Bauunternehmers zahlte den eingeklagten Betrag frei- willig. Bekanntlich waren die Gerichte seiner Zeit zur Verurteilung deS Duda wegen Erpressung gekommen, weil er angeblich als Wortführer strerkender Maurer auf dem Bau zu dem Bauunter- nehmer Müller gesagt hatte, wenn er nicht die Forderung der Maurer auf 45 Pfg. Lohn die Stunde bewillige, so iverde die Platzspcrre über seinen Bau verhängt werden. Das legte der Gerichtshof als Drohung aus. Um nun die Strafthat der E r p r e s s u n g zu konstruieren, fehlte indes noch der Versuch. mit dieser Drohung einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu erreichen. Den rechtswidrigen Vcrmögensvorteil fand der Gerichtshof in einer „Lohnerpressung gegenüber den vereinbarten Lohnbedingungen." Ganz abgesehen von der unseres Erachtens ganz unzulässigen Auslegung einer Lohnerhöhung als rechtswidrigen Vermögens- vorteil, hat es sich nun damals gar nicht um die Erhöhung eines vereinbarten Lohnes, sondern um den Widerstand gegen die Herabsetzung des vereinbarten Lohnes gehandelt. Nunmehr hat Duda die Nestfordcrung. die ihn» auS dem Arbeitsverhältnis bei Müller zustand, nachträglich noch eingeklagt und erhalten. Daniit ist aber dem Urteil des Landgerichts gegen Duda völlig der Boden entzogen. Es ist nunmehr unmöglich, den Widerstand Verantwortlicher Redacteur; August Jacobey in Berlin. Dudas und der anderen Maurer gegen die Lohnkürzung noch als den Versuch, sich einen rechtswidrigen Vermögens- vorteil zu beschaffen, auszulegen. Damit fällt dann auch der„Erpressungsversuch". Es wird nun notwendig sein, die Wiederaufnahme des Verfahrens zu betreiben, um wenigstens nachträglich noch dem Rechte zum Siege zu verhelfen und die schimpfliche Strafe des Ehrverlusts von Dudä zu nehmen. Der Augöbnrgcr Manrerstrcik dauert fort. Die Streikenden stimmten in einer Versammlung, die von 174 Personen besucht war, mit 173 Stimmen für Weitersührung des Streiks. Um die Streik- lasse zu entlasten, erklärten sich sofort 73 Ausständige, darunter 20 Italiener, zur Abreise bereit. Von den streikenden Maurern sollen nur so viele Mann am Platze bleiben, als zur Er- ledigung der notwendigen Arbeiten und zur Stellung von Streik- Posten erforderlich sind. Das Ende des Streiks ist auf u n- absehbare Zeit hinausgerückt. Das Publikum sympathisiert mit den Ausständigen, verurteilt scharf die Haltung der Unternehmer und ist entrüstet über die schimpflichen erlogenen Mittel, mit denen die Bauprotzen die minimalen Forderungen der Gehilfenschaft be- kämpfen._ Ans der F�rsuenbeinegung. Die Zahl der studicrenden Frauen bezw. der Besuch weib- licher Hörer an den deutschest Universitäten hat in diesem Semester eine ganz beträchtliche Steigerung erfahren. An der B e r l i n e r Universität ist die Zahl der Hörerinnen noch bis auf 181 gestiegen. — Die Universität Halle zählt gegen 15 studierende Frauen des verflossenen Semesters jetzt deren 19, von denen 10 der medizinischen, 9 der philosophischen Fakultät angehören und 13 deutsche, 1 Engländerin und 5 Amerikanerinnen sind. — Breslau hat 23 Hospitantiuncn aufzuweisen gegen 23 im Wintersemester. Von diesen studieren 26 Philosophie und 2 Medizin; 25 sind aus Preußen, 3 auS Rußland.— In Bonn hat sich der Besuch von 26 im verflossenen Semester auf 43 im laufenden gesteigert, Ivovon 42 der philosophischen und 3 der niedizinischen Fakultät zugeteilt sind. Der Nationalität nach sind von den 45 Hörerinnen 41 Deutsche, 1 Engländerin, 2 Russinnen und 1 Französin.— Die Universität Heidelberg kann sich 13 weiblicher Studierender rühmen gegen 12 im Wintersemester, von denen 11 philosophischen und 2 naturwissenschaftlich-malhc- niatischcn Studien obliegen.— An den Universitäten Tübingen und Erlangen hören je 5 und 4 Damen swürttcmbcrgische und bayrische Lehrerinnen) einzelne philosophische Vorlesungen.— Einen Rückgang in dem Besuche weiblicher Studiereuder hat dagegen die Universität Wien zu verzeichnen. Während die Zahl derselben im Winterfemestcr 01 betrug, beläuft sich dieselbe gegenwärtig nur auf 71. Das englische Unterhaus hat am Donnerstag mit 243 gegen 174 Stimmen das Amendement des Oberhauses zur Londoner Lokalverwaltungsbill angenommen, nach welchem Frauen als A l d e r m e n und Räte nicht wählbar sind. Sscieiles. AuS dem Gcgcnwartsftaat. Aus Würzburg wird ge- meldet:„Die hochschwangere Mörtelträgcri» Barb. Bernhard stürzte von einem Neubau in der Florastraße ab und erlitt schwere innere Verletzungen. Sie verstarb sofort nach ihrer Ucbcrführung ins Spital."_ Geviitzks�Serkung. Ein ganzes Warenlager gestohlener Sachen, die dem Wertheimschen Geschäft entstammten, wurde gestern im Saale der fünften Strafkammer des Landgerichts I aufgestapelt, um gegen die Frau Nagel aus Spandau, jetzt in Charlottenburg wohnhaft, deren Ehemann, den Bureandiener einer Spandauer Munitionsfabrik, Nagel, und deren Tochter Frau Zech als Ucberführiingsstücke zu gelten. Frau Nagel war seiner Zeit wegen wiederholten Laden- diebstahls zu 6 Monaten, die beiden anderen Angeklagten wegen Hehlerei zu je einem Monat Gefängnis verurteilt Ivorden, alle drei hatten Berufung eingelegt. Am 19. Dezember wurde Frau Nagel in dem Wertheimschen Bazar in der Oranienstraße dabei abgefaßt, als sie eine Ledertasche verschwinden ließ. Bei der sofort vorgenommenen Leibesvisitation fand- man bei ihr noch ein Puppenkleid, drei Schlipse und ciiicii Rest Leinwand. Sie wurde insolgedefsen zur Polizei sistiert und der Vor- fall telephonisch der Spandauer Polizei mit dein Ersuchen gemeldet, in der Nngelschen Wohnung Haussuchung abzuhalten. Letztere mußte zu der Annahme führen, daß Frau Nagel ganz systematisch Raub- zügc in die Wertheimschen Geschäfte ausgeführt haben muß, denn es wurden daselbst sehr zahlreiche, den Wertheimschen Geschäften entstammende, offenbar gestohlene Gegenstände, wie Stiefel, Taschen, Wäsche, Kleidungsstücke, Pclzsachen?c. vorgefunden. Das vom Kriminalkommissar in Gegemvart Wertheimschcr Angestellter auf- genommene Verzeichnis unifaßte nicht weniger als 78 Nummern. Der die Haussuchung abhaltende Beamte hielt es für notivendig, in Gegenwart des Ehemannes Nagel auch den zur Wohnung gehörigen Keller zu revidieren und sah dort hinter einem Kohlcuvorrat eine Tonne stehen, die nach der Versicherung des Ragcl Kartoffel» enthalten sollte. Als er über die Kohlen hinweg kletterte und den Tonnendcckel abhob, stellte er fest, daß der Inhalt gleichfalls aus Gegenständen bestand, die ans dem Wertheimschen Geschäft her- stammten, als Weihnachtsgeschenke für Familienangebörige verpackt und von dem Angeklagten mit den Adressen der einzelnen Personen versehen worden waren. Schließlich wurde auch bei der Tochter der Frau Nagel Haussuchung abgehalten und dort gleichfalls eine große Anzahl von Wertheimschen Gegenständen vorgefunden, die die Tochter gestäudlich von der Mutter geschenkt er- halten hatte. In der gestrigen Verhandlung spielte sich die Frau Nagel mit solchem Nachdruck als die ehrliche Frau auf, daß ihr der Gerichtshof eine Ungebührstrafe von 24 Stunden Haft auferlegte. Im übrigen glaubte ihr auch die zweite Instanz nicht, daß eine Frau ihres Standes so viele ver- schiedcne Sachen, die einen Wert von über 400 M. darstellten, ohne direkten Verwendungszweck„kaufen" und unbenutzt aufstapeln würde. Auch die Strafkannncr hielt es nicht für zweifelhaft, daß es sich um fortgesetzte Ladcndicbstähle handelte und beließ es bei ihr und bei der Tochter bei der erkannten Strafe. Gegen den Ehemann Nagel wurde nur eine Strafe von 14 Tagen Gefängnis festgesetzt, da der Gerichtshof mit dem Rechtsanwalt Dr. Gabriel der Ansicht war, daß nur Begünstigung vorliege. Brandstiftung. Vor dem Schwurgericht in Greifswald wurde am Mittwoch gegen den 21jährigen Schlächtergcscllen August D u m p i tz aus Berlin wegen vorsätzlicher Brandstiftung verhandelt. D. hatte in der Nacht zum 14. April d. I. zu Gremersdorf auS Rache eine Stallung angezündet, in der vier Mensche» schliefen. Dieje sowie über 100 Stück Vieh und große Erntevorräte wurden ein Raub der Flammen. Dumpitz wurde zu lebensläng- liche m Zuchthaus und dauerndem Ehrverlust verurteilt. Kritik zweier Urteile eines Gerichtes. Vom Landgerichte Hailea. S. ist am 25. April d. I. der Redacteur des„Volks- Plattes", unser Parteigenosse Wilhelm Swienty in Halle, zu 300 M. Geldstrafe verurteilt worden. Dem beleidigten Schöffen- gerichte in Eisleben ist die Publikationsbejugnis zugesprochen worden. Der Angeklagte hatte unter Anlehnung an einen objektiven Bericht des„Eisleber Tageblattes" in seinem Blatte»ntgeteilr, daß das Schöffengericht zu Ei'sleben am 31. Dezember v. I. den Müller und Landwirt H. wegen gefährlicher Körperverletzung(er hatte mehrere Personen, die Äehren auf seinem Felde lasen, gemißhandclt und mit einem Stocke geschlagen) zu 100 M. Geldstrafe verurteilt hat, oblvohl der Staats'anwali vier Monare Gefängnis beantragt hatte, ferner, daß dasselbe Gericht am selben Tage den Geschirr- führer S.(der seine Frau ohne jeden Aulaß in ähnlicher Weise über Kopf und Hände geschlagen hatte) zu fünf Monarcn Gefängnis verurteilt habe. Beide Urteile waren im„Bolksblatt" dadurch in Ztir den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und V Gegensatz gebracht, daß die Berufsthätigkcit der beiden Angeklagten gegeneinander gehalten wurde und daß S. noch besonders als „armer Teufel" bezeichnet wurde. Auch ivaren die oben erwähnten Worte„ohne jeden Anlaß" fortgelassen. Das Landgericht hat in dieser Darstellung der Sache die Absicht deS Angeklagten erblickt, das Schöffengericht der Parteilichkeit zu Gunsten des besitzenden und zu Ungunsten des nichtbcsitzendcn Angeklagten sowie der bewußten Rechtsbeugung zu bezichtigen.— Die Revision des Angeklagten, welche darzulegen suchte, daß es sich nur um eine zulässige Kritik gehandelt habe, wurde gestern als unbegründet vom Reichsgericht verlvorfen._ VvvssmnnlungVtt. Für die Errichtung einer ZlvangSinunng für die Tischlerei- betriebe hat sich eine von der hiesigen Tischlerinnung einberufene und von etwa 200 Personen besuchte Versammlung am Donnerstag ausgesprochen. Als Referenten ivaren der Reichstags- Abgeordnete Eu l er(Centrum) und der konservativ- antisemitische Reichstags- Abgeordnete Pauli erschienen, die fast 3 Stunden redeten, um die Versammelten für die Zwangsinnung zu begeistern. Beiden Rednern ist das neue JnnungSgesetz allerdings nicht iveit- gehend genug, sie schwärmten siir obligatorische Innungen mft Befähigungsnachweis als einziges Allheilmittel, das dem Handwerk den„goldenen Boden" wieder bringen soll, aber es müsse doch zur Schaffung einer starken Organisation durch Errichtung der Zlvangsinnung ausgenützt werden. Herr E u l c r meinte, das nach 5 bis 6 Jahren eine Acndcruug des Gesetzes vor- genommen und obligatorische Innungen gesetzlich zur Einführung gelangen,. wobei voraussichtlich auch der Befähigungsnachweis ivicder zur Geltung kommt. Von diesem Redner erfuhren die Ver- sammelten noch, daß am 4. und 5. d. M. in Weimar eine sehr zahl- reich besuchte„zivnnglose Besprechung" stattgefunden hat, an der sich neun Regierungsbcamte, darunter„s ehr hohe" beteiligt haben (für den Bauarbeiterschutz- Kongreß hatte die preußische Regierung bekanntlich keinen einzigen Beamten disponibel) und die sich ein- stimmig für die Schaffung von Zwangsinnungcn aussprach. Wäh- reud Herr E u l e r sich in seinen übrigen, verhältnismäßig sachlichen Ausführungen mit einigen nicht mißzuvcrstehcndcn Scitenhicben auf die Umstürzler der Ordnung, die Socialdcmokratic begnügte, polterte der Herr Pauli ganz so tuie bei der verflossenen Reichstagswahl die widersinnigsten Dinge gegen unsere Partei hervor. Natürlich erzählte er auch von den bezahlten Agi- toren, die sich von den Arbeitergroschcn mästen und die den Haudwcrkcrstaud bekämpfen. Dieser Herr behauptete u. a., daß immer unter 10 Gesellen kaum 2 tüchtige Arbeiter zu finden wären, daß die übrigen 8 Gesellen Stümper sind und gerade die letzteren sich der feindliche» Partei des Mittelstandes, der Socialdemokratie, anschließen, Unfrieden in den Werkstellcn stiften und, oblvohl sie nichts leisten konnten, noch gute Löhne haben wollten. Ebenso schlecht lvie die Socialdemokratie kamen bei diesem Redner auch die für die Provinz Brandenburg maßgebenden Behörden weg, von denen er behauptete, daß sie das Gesetz nicht richtig auffassen und, im Gegensatz zu den Behörden in anderen Provinzen, den Innungen alle möglichen Schwierigkeiten machen. Es müsse deshalb die Aufgabe der Innungen sein, diesen Behörden energisch entgegenzutreten. Außer dem Obermeister Marschall traten noch einige andere Redner für die Errichtung einer Zwangsinnung ein, während sich Herr P ä g e l, bei dessen Aus« fuhrungen ein großer Tumult entstand, gegen eine solche wandte. Die Befürworter der Zwangsinnuug plädierten fast ausschließlich für diese Art Organisation mit der Begründung: um die Socialdemokratie zu bekämpfen, den Forderungen der Arbeiter wirksam entgegenzutreten und damit der Meister wieder„eigener Herr im Hause" wird und unein- geschränkt schalten und walten kann. Wie Herr Marschall mitteilte, haben sich von den Inhabern der 2800 in Betracht kommenden Betriebe bereits infolge einer vor einigen Tagen stattgefundenen privaten Umfrage 1467 für die Errichtung einer Zlvangsinnung erklärt. Die gesetzliche Abstimmung nimmt am nächsten Montag ihren Anfang. Ueber die in Aussicht stehende Lohnbewegung der Bautischler, die ebenfalls aus der Tagesordnung stand, wurde der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr verhandelt.'_ Uetzke Mschvichken und Depeschen. Wie», 7. Juli.(Privatdepesche.) In heutiger Sitzung des Gcmeinderats wurden wegen der gestrigen Vorgänge drei Interpellationen eingebracht. L u e g e r wurde darin aufgefordert, die Beschimpfungen der Arbeiter zurückzunehmen und die Polizei wurde ob ihrer Rücksichtslosigkeit schärfstcns getadelt. Lueger antwortete verlegen: er hätte nicht alle Ar- bester gemeint, auch er sei beschimpft worden; er hätte nur die gemeint' die Katzenmusiken bringen und auf diese Elemente patzten seine Worte' Die Interpellation wegen der Polizei werde er dem Polizeipräsidium wegen Ergreifung weiterer Maßregeln(offenbar um Klage zu er- heben) übermitteln. Heute hielten die Demokraten eine Versammlung ab, die nach wenigen Minuten aufgelöst wurde, weil ein Teilnehmer„Hoch Belgien" gerufen hatte. Nächsten Donnerstag haben die Liberalen Versammlung in das Kolosseum einberufen. Leipzig, 7. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet. Infolge anhaltenden Regens ist heute zwischen Werschcn und Tcubcn auf eine kurze Strecke der Dam m gerutscht. Die Züge vep- kehren nur zwischen Corbetha und Wersche». Die Störung wird bis morgen nachmittag behoben fein. London, 7. Juli.(W. T. B.) Unterhaus. Campbell Bauner» mann richtet an den Ersten Lord des Schatzes Balfonr eine Anfrage hinsichtlich deS anscheinend offiziellen Communiques in der„Times" über die Entsendung von Truppen nach Slld-Afrika. Balfour erwidert, er habe keine Ahnung davon, daß die Meldung der„Times" ein Communiqus sei. Er habe zu erkären, daß noch kein Ereignis eingetreten sei, das, nach der Ansicht der Re- gierung. es erforderlich mache, die in Süd- Aftika stationierten Truppen in irgend einer Hinsicht zu vermehren. Die Regierung gehe jedoch von dem Gedanken aus, daß es bei der gegenwärtigen Lage der Dinge uotwendig sei. Schritte zu thuen, um die Streitmacht in Süd- Afrika, lvns Stärke und Bclveglichkeit betreffe, auf den geeigneten Stand zu bringen.(Beifall.) London, 7. Juli.(W. T. B.) HandclsauSivcis. Die Ein« fuhr im Monat Juni zeigt eine A b n a h m e von 683 362 Pfund Sterling, die Ausfuhr eine Zunahme von 2 566 371 Pfund Sterling; darunter 521 931 Pfund Sterling für nicht als britische eingetragene neue Schiffe, welche in den vorjährigen Handelsans- weisen nicht aufgeführt waren. Glaögoiv, 7. Juli.(W. T. B.) Die Vertreter der schottischen Hüttcnbcsitzcr beschlossen in einer heute abgehaltenen Konferenz, die Forderung der Arbeiter auf lOprozeutige Lohnerhöhung zu bewilligen. Belgrad, 7. Juli.(B. H.) Infolge der gravierenden Aus- sagen des verhafteten Attentäters K n e c e v i c wurden nachts der ehemalige Minister T a u s ch a n o v i c, der Advokat Z i n k o v i c, der Ministerialinspcktor Stephan Protic, der Obcrstlcutiiafit N i c o l i c, sowie Nicola P a s i c, 14 andere Notable und Radikale und mehrere a n t i d y n a st i s ch e G e i st l i ch e, ferner das gesamte D r u ck e r e i p e r s o n a l des„Odjck" ver- haftet. New Dork, 7. Juli.(B. H.) Die Garnison Galvestous ist das Brasouthal hinaufmarschiert, um einigen hundert, durch die U e b e r s ch w e m m u u g a b g e s ch u i t t e n e n Bewohnern Lebens- nnttel zu bringen; man glaubt, daß viele derselben vor Eniiattung umgekommen sind, weil sie seit drei Tagen ohne Lebensmittel waren. rlag von Max Babing in Berlin. Hierzu L Beilagen. Nr. 157. 16. Iahrglmg. 1. IriliÜC ks Lmiiils" Knlimr UcksdIM. Sonnallend, 8. Inli 1899. Uokstles. An die Arbeiter des 4. Berliner NcichStavnrts"-Spcditio»).— Eintritts- geld wird nicht erhoben. Gleichzeitig machen wir die Mitglieder des Wahlvereins darauf aufmerksam, datz in der am 18. Juli stattfindenden Versammlung die Broschüre„Die Zuchthnnsvorlage im Reichstage" gratis an alle Mitglieder ausgegeben wird.'AuS geschlossen bleiben Diejenigen, die über zwei Monate mit den Beb tragen im Rückstände sind. Der Vorstand. Ans unsere socialen Zustände hat der Prozctz gegen die eheverlapene Frau Entrich ein grelles Schlaglicht gcivorsen. Eine von Rot und Entbehrung gepeinigte Frän,' die schlictzlich auch die letzte geringe Untersfiitznngsqnclle versiegen sieht, ivird zu der Vcrzwciflinigsthat getrieben, sich und ihren' vier Kindern den Tod zu gebe»; sie verzweifelt daran, datz es ihr noch weiter gelingen wird, den Kampf mit allen Widerwärtigkeiten und Bosheiten, die'ihr im Leben entgegentraten, aufuehmen zu Ivnuen und ivnhrlich, wenn man das Mitzgcschick der Acrinsten sich vergegenwärtigt, dann kann man es pcgrcifcn, ivenn sie diesem Leben den Tod vorzieht. Das Schwurgericht hat die des versuchten Mordes Angeklagte unter dein Eindruck des ganzen Jammers, der sich vor den Gcichworcncn abspielte, freigesprochen, und damit gcivitz dem Empfinden weiter Volkskreise entsprochen. Aber mit der Anklage gegen die von Jammer und Not Gepeinigte entsteht die Au- klage gegen die heutige Gesellschaft, die der Verzweifelten nicht die Möglichkeit bot, ein dürftiges Fortkommen aus eigenen Kräften zu finden. Iliid da, wo" sie llntcrstütznng sucht, tritt ihr Hohn und Schroffheit entgegen. Niemand hat Mitgefühl mit ihrer Lage, sondern nur harte Zurücksetzung empfängt sie.' Wir wollen der Annenverwaltung nicht die Missctha't eines Beamten zum Vorwurf machen; wir erwarten, datz der Mann, der einer armen not- dürftigen Frau den 3iat gicbt, sich einen reichen Bräutigam zu lachen, seines Amtes entsetzt ivird; aber es ist auch dringend notlvcndig, datz peinlichere Austvahl in der Heranziehung der Per- tonen zu solchen Acmtern getroffen wird. Die Klagen über schroffe Behandlung, die den Armen au dieser Stätte zu teil werden sind nicht vereinzelt. Und noch eins: ist es nicht geradezu beschämend für eine Gemeinde wie Berlin, ivenn sie für die Unterstützung einer iir so hilfloser Lage sich befindenden Frau ganze 12 Vi. pro Monat auf- wendet? Das ist eine Unterstützung, die nicht den Namen verdient. Wo so grotze Summen bei festlichen Gelcgcichcitcn aufgeivendet werden, die oft einen höchst zweifelhaften Wert haben, sollte nicht im Etat der Arnienverwaltung gespart werden. Eine verständige Sozialpolitik schlägt solche Wege nicht ein, aber damit sieht es in nnserer städtischen Verwaltung trübe ans. Tic Arbeiter dcö städtischen Kohlcnplatzcs haben der Deputation zur Beschaffung von Brennmaterialien vor wenigen Tagen eine Petition unterbreitet, in der sie um eine Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse bitten. Betrachtet man die bczüglichcli Zustände, welche in diesem städtischen Unternchnrcn auf- zuiveisen sind, so wird man zu der Ansicht gelangen müssen, datz die Arbeiter ivirklich Ursache zur Unzufriedenheit haben. Trotzdem der grötzte Teil der städtischen Kohlcnarbeitcr bereits viele Jahre in städtischen Diensten steht, ist daS Arbeitsverhältnis derselben nur ein sehr loses. Eine Kündigungsfrist existiert nicht und können die Arbeiter jederzeit entlassen werden. Der grotzte Teil der Arbeiten wird in Aceord ausgeführt und ist der Arbeitsverdienst ein sehr Ungewisser. Vielfach haben die Arbeiter stunden- und tagelang nichts z» thnn, in anderem Falle müssen sie dagegen oft viele Stunden hinter- einander durcharbeiten, ohne auch nur eine Pause machen zu können. Die Zeit, welche die Arbeiter brauchen, um z. B. von der einen nach der anderen Schule zu gelangen, wo sie Kohlen abladen sollen, wird ihnen nicht bezahlt. Ebenso wenig erhalten sie die Zeit entschädigt, welche sie eventuell auf den Kohlenwagen warten müssen. Die Accordsätze sind gleichfalls zu niedrig. zumal den Arbeitern durch die Art ihrer Beschäftigung autzergewöhnliche Ausgaben erwachsen. Regelmätzige Mittagspausen gicbt es nicht, und da sie nie wissen, Ivo sie ani anderen Tage bc- schäftigt sein werden, so können sie sich kein Mittagessen bringen lassen. Die Beendigung der täglichen Arbeitszeit ist sehr verschieden, oft haben die Arbeiter erst um 9 oder 10 llhr abends Feierabend. Stundenlanges Zubringen auf den Straßen zwingt die Arbeiter, namentlich bei kalter und feuchter Witterung wanne'und erfrischende Getränke zu sich zu nehmen. Einen nicht unerhebliche» Teil des Arbeitsverdienstes erhalten also auf diese Art und Weise die Gastwirte. Oft kommt es vor, datz die Pferde den Kohlenwagen wegen zu schwerer Beladung nicht durch den Thorweg hindurch bringen können uiid die Kohlen dann von der Straße abgetragen werden müssen. Trotzdem die Arbeiter in diesem Falle beim Abtragen einen bedeutend weiteren Weg zurücklegen müssen, wird ihnen dafür in der Regel keine Eist- schädigung gewährt. Die Verwaltung erklärt dann, daß ihr dieses nichts angehe, da die Pferde und der Kutscher von der Firnia Nicolai gestellt werden.— Dann haben die Arbeiter in ihrer Petition noch einen anderen Wunsch ausgesprochen. Die milden Winter der letzten Jahre hatten zur Folge die Ansammlung größerer Coaksbeständc auf den städtischen Gasanstalten. Daher wurden eine Reihe von städtischen Instituten angewiesen, zukünftig den Coaks der Gasanstalten statt der Kohle zur Fcncrnng zu benutzen. Nun hat man aber den Transport des Coaks der Firnia Nicolai übertragen, wodurch die städtischen Kohlen- arbeiter in ihrer Existenz nicht unerheblich bedroht werden. Sie haben dadurch bedeutend weniger als in früheren Jahren zu thun. da die Firma Nicolai einen Teil ihrer früheren Arbeiten ausführt. Gehen die Dinge so weiter, so wird sich ein Teil der städtischen Kohlenarbciter nach anderer Arbeit umsehen müssen. Solche ist aber für Arbeiter, die jahrelang in städtischen Diensten standen, nur schwer zu erhalten, da der Privatunter- nehnicr immer annimmt, datz sie irgend etwas verbrochen haben müssen, sonst würde die Stadt sie nicht nach lang- jähriger Beschäftigung entlassen. Die städtischen Kohlcnarbeitcr bitten daher in ihrer Petition, datz der Coakstransport ihnen übertragen werden möchte. Die Stadt würde dabei auch sinanzicll besser fahren, indem der Gewinn des Unternehmers ihr zu gute kommen würde. Ferien! Den vollen Zauber dieses Wortes vermag nur zu fühlen, wer noch jung ist. Wenn die Schulen wieder auf ein paar Wochen ihre Pforten schließen, dann klingt es in Berlin, wenn auch nicht aus 250 000 Kehlen, so doch in ebenso vielen Herzen:„Hurra! Wir haben Ferien!" Sie haben die Ferien ja alle herbeigesehnt, unsere Jungen und Mädel: nicht alle gleich inbrünstig, aber doch recht von Herzen,— ob sie nun am Zensnrtage stolz mit' einer rühmlichen„Eins" heimeilen dürfen oder ob sie ge- knickt mit ihrer schimpflichen„Drei" nach Hanse schleichen müssen. Wer redlich gearbeitet hat. der hat sein gutes Recht auf Ferien und auch ein lebhaftes Verlangen danach; die andern aber braucht man ohnedies nicht erst zu nötigen, wenn» in die Ferien gehen soll. Am ansgelasiensten ist der laute Jubel, am herzlichsten die stille Freude, wenn die Sounnerfcrien da sind. Sie sind die längsten und schönsten,— sie sind aber auch die notwendigsten. Es gicbt freilich Leute, die nicht recht einzusehen pennögen, wieso die Schuljugend über- Haupt Ferien nötig haben soll. Selbst unter den Lehrern fehlt cS nicht an solchen wunderlichen Käuzen, wenn sie auch nur Ausnahmen sind. Wir kannten einen Lchicr, der jedesmal beim Schulschlntz seine Schüler mit den brummigen Worten zu cntlasscu pflegte:„Na, mm werdet Ihr Euch lvohl wieder gründlich vcr- faulenzen!? Ihr brauchtet wirklich leine Ferien! Für Euch sind sie auch gar nicht, für uns sind sie!" Der gute Mann war auf dem Holzwege. Ferien sind für Lehrer und Schüler, und zwar für die Schüler sicherlich nicht weniger als für die Lehrer. Es ist bekannt, ivic Schulbesuch bei längerer Dauer nicht bloß an die körperliche, sondern auch die geistige Kraft hohe Ansprüche stellt. Da bedarf cS von Zeit zu Zeit einer größeren Ruhepause, eines völligen„Ans- spannenS", ivenn nicht schwerere Schädigungen eintreten sollen. Daß Ferien eine günstige Wirkung auf den Gesnndheits- zustand und die lörpcrliche Entwickclinig der Schuljugend ausüben, das ist ganz augenfällig. In den Sommer- f e r i e n ist die Wirlimg am starlsten, ivcil sie ani meisten den Anfeiithalt im Freien gestatten. Nur einen Punkt wollen wir hier herausgreifen. Erholung ist für die Jugend nicht denkbar ohne Spiel, zn einem richtigen Spiel gehören aber Spielplätze. Leider bleibt aber in Berlin bei dem Mangel an Spielplätzen, bei der Ab- Neigung der meisten Gemcindcschnl-Rektorcn gegen die Hergäbe der Schnlhöfe ein großer Teil der Kinder für ihre Erholung und ihr Spiel auch in den Ferien immer ivieder auf die Straße angewiesen. Wie vielen ist freilich selbst dieses geringe Vergnügen versagt, wie viele Schulkinder müssen gerade in den Ferien noch mehr als sonst für den Broterwerb arbeiten! In Berlin haben immer noch die höheren Schulen fünf, die G e m e i n d e s ch u l e n nur, vier Wochen S o m in e r f e r i e n. Haben die Volksschüler die Erholung nicht mindestens ebenso nötig wie die Schüler höherer Anstalten? Man hat gesagt, in fünf Wochen„verwildern" die Kinder mir noch mehr als in vier. Auch Eltern, die„schon nach der ersten Fcrienwochc nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht", schließen sich diesem Urteil oft an. Aber sollen denn die pädagogischen Bedenken— wenn sie hier überhaupt begründet sind— nicht wenigstens in den paar Ferienivochen den gesundheitlichen Rüchsichten untergeordnet sein? Gönnt doch den Kindern das bißchen Ungebiindenhcit und Freiheit! Für die Kinder der Unbemittelten ist die Jugend ja ohnedies kurz genug. Wenn sie mit dem 14. Jahre die Schule verlassen, dann ist es mit den„Ferien" in der Regel für immer vorbei. Für den Arbeiter, der jahraus jahrein im Dienste des Kapitals frohnden mutz, hat dieses Wort seinen Zanbcrklang verloren. Nötig hätte allerdings auch er seine Ferien, tausendmal nötiger als so mancher Wohlhabende. der sich ini Sommer nur von der Anstrenginig erholt.„Wer redlich gearbeitet hat, der hat sein gutes Recht ans Ferien", das sollte für die Erwachsenen ebenso wie für die Jugend gelten. Aber die Rück- ficht ans den Erwerb gestattet dem Arbeiter kein„Ausspannen"; er mutz froh sein,.daß er sein bißchen Sonntagsruhe hat. Die Mauer am Schlenscnkanal, gegenüber dem National- Dcnknial lKniscr Wilhclin-Dcnkmal) ist baufällig und soll durch eine neue Mauer ersetzt werden. Tic Ministerial-Bankommission hat dem Magistrat einen Vorschlag für die neue llferbegrcnznng gemacht, die von der jetzigen sich dadurch unterscheidet, daß an Stelle der vor handcncn gekrünmsten Linie eine gerade Linie zur Ansführnng ge- langt. Das MagiftratSkollcginin hat vorbehaltlich der Znstimmnng der Stadtverordneten- Versammlung dem Projekt für die Lage der neuen Ufcrlinic seine Gcnchmignng gegeben. WaS der Drnckfchlcrtcufcl alles verantworten mich zeigt eine Berichtigung der„Staatsbürger Ztg.", die dem falschen Gesellen folgendes aufbürdet:„Ein Wunder ist'S ja nicht, wenn bei dem Mißbrauch, de» die Juden mit der Presse treiben, sogar der Teufel im Setzcrkastcn schlecht ans sie zu sprechen ist, da ivir aber keine Freunde niiflcrcchtfcrtigtcr VcschuIdignngcn der Juden sind, so können wir es nicht ruhig hingeben lassen, wenn der Druckfehlerteufel die Inden mit Haaren heranzieht bei Dingen, mit denen sie nichts zu thnn haben. Hat da dieser Schalk in dem ersten Artikel unserer gestrigen Abendausgabe den Satz eingeschmuggelt: „Die Juden hasten ein Zusamnientreffen sdcs Kaisers) mit dem Fürsten Herbert zn fürchten und zu verhindern." Schon die verfehlte Konstruktion dieses Satzes Ivird unsere Leser haben ahnen lassen, datz hierbei etwas nicht in Ordnung fei, und diese Ahnung ist gerechtfertigt. Schalk Driickfchlcrtcnfcl hat ans einem wohlgefügtcn Satz zwei gemacht, nur um die Juden hineinzubringen; das soll er aber nicht; denn die Inden haben mit dieser Sache nichts zn thnn. Der Satz lautete nämlich in der Ur- schrift:„... Dieses Telegramm(das am Freitag in einem hiesigen Jndcnblatte erschienen war) hält man für gefälscht; man sucht seinen Urheber in gewissen dem Hofe nahestehenden Kreisen, die Grund hatten, ein Zusammentreffen mit dem Fürsten Herbert zu fürchten und zu verhindern." Die Inden waren also höchstens als Hand- langer bei der vermutlichen Jntrigue beteiligt, sonst nicht." Wir hatten schon lange die Ahnung, datz nicht alles in Ordnung ist beim Monitor des Dreschgrafcn. Anscheinend treibt aber der Schalk nicht im Setzkasten, sondern im Hirnkasten sei» Spiel. Das Restaurant im Rcichötagsgebände ist durch am Donnerstag erfolgten Anschlag Herrn Louis Schanrtö, dem Besitzer des„Monopol-Hotel" Berlin, übertragen worden. Tie Einfülirnng dcS Nachtdienstes zwecks Herstellung eines unnntcrbrochcuen Fernsprechverkehrs beschäftigt die glcichs-Telegraphcnverwaltniig seit längerer Zeit. Es wird mit- qcicilt, datz Versuche bei einzelnen Stadt-Fernsprechämtern statt- finden, und soll die Verwaltung beabsichtigen, mit der Einführung des Nachtdienstes im Fernsprechverkehr Berlins demnächst vor- zugehen. Ein gebildeter HauSwirt. Dem„Sch. St." wird von bc- reundcter Seite folgende„eigenartige" Methode eines im Osten Berlins residierenden HauSpaschaS gemeldet:„Der Betreffende stellte sich am Morgen des 1. Juli mit einer großen Glocke n la Klingel- bolle ans den Hof und rief, nachdem er tüchtig„gebimmelt" hatte, mit Stentorstimme:„Miete bezahlen! Miete bezahlen!" Die ge- horsnmcn Mieter schleppten denn auch, um den„HauStyranncu" nicht zu reizen, schleunigst ihren Zins herbei." Soweit die Notiz, die von ?e»i Blatte ohne' jeden Komnientar wiedergegeben wird. Selbst- verständlich ist dieses Hans eine Mictsknscrue, sind cS Arbeiter- ivohnnngen, wo ein auf feinen Gcldsack protzender Hauswirt so ctivas untemehinen kann. Wir können dabei nur unsere Berwniidening aussprechen, datz sich Arbeiter so etwas bieten lassen. Wieder wird ein Zusammcnstoff der Straffcnbahn niit einem Fuhrwerk gemeldet. Freitagvormiltag um Sl/e Uhr wollte ein Flnschenbicrwagcn der Firma Gebauer von der Elsasser- in die Novalisstratze einbiegen. Beim Kreuze» der Schienen wurde er von einem Wagen der Straßenbahn angesahren und umgeworfen, sodatz sich die Flnichcnladung über die Straße zerstreute. Beide Wagen haben Beschädigungen erlitten. Ein UngMcköfall mit recht schweren Folgen crcigncte sich am DonnerStagnachmittag in der Prenzlauer Allee 32. Hier hatte ein Schmiedelehrling den' Auftrag auszuführen, einen reparierten Wagen seinem Besitzer zn überführen. Im Begriff, mit dem Gespann in den Hausflur einzufahren. wurde er so unglücklich von der Deichsel des Wagens gegen die Wand gedrückt, datz er sofort nach dem Kranken- haus FriednchShain überführt werden mutzte. Stunden der Angst haben am letzten Dienstag, wie uns nach« träglich berichtet wird, zwei Schüler, Sextaner des Französischen Gymnasiums, durchzumachen gehabt. Die Untersexta der genannten Schule hatte am Dicnstagvormittag von 11 bis 12 Uhr Singstunde in dem Gcsangssaal. Als der Unterricht vorüber war, verließen die Knaben unter Führung des Lehrers den Saal, und die Thür wurde von dem Pedell verschlossen. Zwei der Kleinen waren jedoch zurück- geblieben und bemerkten nun zu ihrem größten Schrecken, datz sie eingeschlossen waren. Sie machten sich nun durch lautes Rufen und Klopfen bemerkbar, doch wurden sie nicht gehört, da der Saal von den übrigen Klassen ganz abseits lag. Erst gegen �4 Uhr ver- nahmen Schüler, die in dem Zeichenfaal unterrichtet wurden, ei» dumpfes Geräusch und machten ihren Lehrer darauf aufmerksam. Man glaubte, datz Diebe sich in den Gesangssaal eingeschlichen hätten. Der Pedell wurde benachrichtigt und schließlich begaben sich mehrere Männer nach dem Gcsangssaal hinauf. Hier fand man die beiden Knaben, vom vielen Schreien ganz erschöpft, vor. Sie wurden sofort ihren gcängstigten Eltern zugeführt, die bereits das Verschwinden ihrer Kinder der Polizei gemeldet hatten. I» den Fahrstuhlschacht gcstiirzt ist am Donnerstagnach- mittag gegen 6 Uhr der 38jährigc Maler Max Mantei aus der Blnm'enthalstr. 15 zn FricdrichSbcrg. Ihm lag ob, auf dem Neubau eines Kaufhauses in der Neuen Fncdrichstr. 38—40 die Eisenstäbe am Fahrstuhl zu streichen, der sich im Qncrgcbäube des dritten Hofes befindet. Cr befand sich zwischen dein ersten und zweiten Stock, als die übrigen Handwerker einen Aufschrei hörten. Beim Nachsehen ergab sich, datz M. den Schacht hinabgestürzt war und sich schwere Verletzungen zugezogen hatte. Ein Krankenwagen brachte ihn fort. Wie sich der Unfall zugetragen hat, ist noch nicht auf- geklärt. Der Fahrstuhl ivar in die Höhe gegangen, während M. in die Tiefe gefallen ist. Durch Alkohol getötet hat sich im Laufe des gestrigen Donnerstags der Töpfer Gustav Dewitz, der morgens imi 6 Uhr im sogenannten Ochscnkopf. Reinickendorferstr. 46e,� den im Zimmer 41 wohnenden Arbeiter Hesse besuchte. Während Hesse ans Arbeit ging, blieb Dewitz in der Wohnung und trank. Als H. abends um 9 Uhr heimkehrte, strömte ihm ein durchdringender Alkoholgcrnch entgegen, und er fand alsbald seinen Freund, der der Wirkung des Getränkes erlegen war, tot auf. Die Leiche eines fciugcklcidctcn Mädchens von etwa 24 Jahren, deren Persönlichkeit nicht z» ermitteln war, wurde am DonnerStagnachmittag am Kronprinzennfcr von einem Schiffer an das Land gebracht. Sie trug ein schwarzes Kleid, weiße Spitzen- röcke, kleine goldene Ohrringe und eine Brosche, die einen Frauen- köpf in Porzellanmalerei darstellt. Scheinbar handelt cS sich um einen Selbstmord, da bei der Toten eine Geldtasche mit Inhalt gefunden wurde. Die Wäsche hat die Zeichen K G-. und C. G. Erfolgreiche Wiederbelebungsversuche wurden am Freitag« morgen aus der Hmipt-Rettiiiigswache in der Charitce bei dem 46 Jahre alten Maschinenheizer August Weber angestellt. Derselbe war auf dem Gütcrdanipfer„Friedrich" beschäftigt, welcher während des Löfchens am Alcxander-Ufer lag. Während sich das übrige Personal gegen 8 Uhr zum Frühstück am Land niedersetzte, suchte W. den Mnschmenraum auf und erhängte sich. Der Kapitän, der nnS Erfahrung iveitz, datz sich bei W. in jedem Sommer Zeichen von Schwermut einstellen, vermißte ihn bald und schnitt den bereits bc- wutztlosen Mann ab. Man brachte ihn nach der Charitce, wo er schlictzlich ins Leben zurückkehrte. Tic ungemein große Fcncrgcsährlichkcit dcö BcuzinS zeigt ein Unglücksfall, der sich gestern mittag im Hause Wrangelstr. 86 zutrug. Die dort ivohnhafie Witwe Zcidler halte in der Küche eine ScltcrSflasche voller Benzin beiseite stellen wollen. Durch uuvor- sichtiges Hantieren fiel jedoch die Flasche zu Boden, zerbrach und der Inhalt floß ans. DaS Benzin wurde wohl nur oberflächlich wieder aufgenommen und damit hielt man die Sache für erledigt. Kurze Zci'l danach suchte die ebenfalls in der Küche anwesende Tochter der Witwe das Feuer im Herde anzufachen. In demselben Augenblicke erfolgte eine heftige Explosion, ivelchc das Fenster der Küche zcr- trüminerte— die Thür stand glücklicherweise offen— und die Kleider der Hausfrau sowie die der Tochter in Brand steckte. Die Geistes- gegcnwart der crstercn, welche die Flamme sofort durch Zusammen- drücken der brennenden Kleider erstickte, vermied größeres Unglück, indessen haben Mutter und Tochter dennoch erhebliche Brandwunden davongetragen. Offenbar haben die aufsteigenden Dämpfe von dem noch am Küchcnboden gewesenen Benzin die Explosion herbei- geführt. I» der Urania, Tanbcnstrntze, findet morgen, Sonntag, die letzte Vorstellung des dekorativen AnSstaltnugsstückes.„Das Land der Fjorde" vor den Ferien des Instituts ftalt. Vom Montag, den 10. Juli, bis Sonnabend, den 5. August, bleibt das Institut ge- schlössen. Die Urania-Stcrnwarte in der Jnvalidcnstraßc ist während dieser Zeit täglich, nachmittags von 5 Uhr bis 10 Uhr, für das Publikum geöffnet. Aus de» Nachbarorten. Rixdorf. Morgen, Sonntag, von 11 bis 3 Uhr finden im Apollo-Thcater, Her in a n n st ratze 48—50, die Delegierten- wählen zur i)t i x d o r f c r Ortökranken lasse statt. Pflicht jeder großjährigen Arbeiterin und Arbeiters dieser Kasse ist es, sich an der Wahl zn beteiligen und die vom Kartell aiifgcstelltcn Kan- didntcn zu wühlen. MilglicdZbuch legitimiert. Eine entsetzliche Familientragödie hat sich gestern morgen oder schon in der Nacht in dein Hanse Orangenstr. 2a' zu Charlotten bürg abgespielt. Dort bewohnt seit April d. I. die Familie des bei Siemens u. HalSkc angestellten Monteurs v. SnlkowSki, die aus der Frau und den drei Kindern Arthur, 8 Jahre alt, Leo, 5 Jahre, und Helene, 3 Jahre alt, besteht. im zweiten Stock des QucrgcbändcS eine ans einer Berliner Stube, einem zweiten, nach dem zweiten Hofe zu belegenen Zimmer und einer Küche bestehende Wohnung. Der Ehemann ist vor zwei Monaten für die Firnia nach Rußland aus Montage gegangen. Frau v. SnlkowSki, die als Polin nur wenig deutsch spricht und im Hause nur mit einer gleichfalls polnisch sprechenden Frau Ragazly verkehrte, beklagte sich bei dieser, daß ihr Mann seit einiger Zeit nichts mehr von sich hören lasse. und machte auf die Hansbewohncc zuweilen den Eindruck einer geistesabwesenden Person. Am Donnerstag bat Frau v. S. ihre Freundin, sie möge sie morgen früh wecken, damit der älteste Sohn Arthur rechtzeitig in die Schule komme. Frau Lt. kam dieser. Bitte um 7 Uhr früh stach, erhielt aber keine Antwort. Als sie später ans ihre Erkundigung, ob jemand den Knaben habe fortgehen gesehen, überall verncincnde Antworten er- hielt, holte sie die Polizei und einen Scblosscr. Man fand im Berliner Zimmer die Mutter mit einer Schnittwunde ani Hals und einem Stich in der Brust in ihrem Blut tot ans dem Fußboden liegen, in ihren Armen fest an sich gedrückt das dreijährige, gleichfalls furcht- bar zugerichtete tote Töchterchen. In dem Hinteren Zimmer lagen die Leichen der beiden Söhne, die mit einem Rasiermesser in entsetzlicher Weise um daS Leben gebracht waren, gleichfalls auf dem Fußboden. Mau nimmt an, die Frau habe die schreckliche That im Wahnsinn vcr- übt. Denn wie behauptet wird, war das Familienleben ein glückliches. Eine Trübung trat bei der Frau nur dadurch ein, datz der' Mann in seinem Beruf oft abwesend sein mutzte. Aus diesem Grunde hatte die Frau„keine Freude und Lust mehr am Leben". I» dem krank- hasten Zustand der Frau kam es öfter vor, datz sie' ohne sickitbare Veranlassung in krampfhaftes, gellendes Lachen ans- brach, bann wieder traurig gestimmt war. Am Donnerstag hatte sie mit der Frau Ragazky»och scheinbar ruhig über ihre draußen spielenden Kinder gesprochen und nichts ahnen lassen von dem furchtbaren Vorhabe», das wenige Stunden später zur Ausführung komnicn sollte. Die Kinder haben sich gegen 10 Uhr abends in die Wohnung begeben, wo die Mutter sich mit ihnen, ohne Lichr zu machen, noch etwa eine Stunde lang beschäftigte, dann ist die Frau zu der unseligen That geschritten. Sie har das Rasiermesser und den Streichriemen ihres Mannes hervorgcsucht und das Messer geschärft. Dann hat sie dem ältesten Sohn, der sich am Knchenfenster mit seinen Schulbüchern zu schaffen machte, dort die Kehle bis auf den Wirbel durchschnitten. Um ihn am Schreien zu verhindern, hatte sie ihm ein neues Taschentuch vor den Mund gedrückt. Nach-den Blutspurcn zu urteilen, hat der Knabe mit der Schnittwunde die Ausgangsthur erreichen wollen, ist aber von der Mutter zurückgeholt und dann in das letzte kleine sSchlaf-)Zimmcr geeilt, wo er am Fenster kraftlos zusammenbrach. Dadurch wurde der zweite Knabe, der sich mit seiner Schivcstcr in dem mit dem andern nicht verbundenen Berliner Zimmer bei einer Puppe vergnügte, dorthin gelockt, um gleich am Eingang von der Mutter in der gleichen Weise abgethan zu werden. Die Mutter ließ beide Knaben liegen und holte die Tochter, die noch im Berliner Zimmer spielte, gleichfalls in das Hntterzimmer. Während sie das Kind auf dem Arm hielt, schnitt sie ihm mit der rechten Hand den HnlS durch und brachte sich dann selbst mit dem Rasiermesser zwei tot- liche Schnittwunden am Halse bei, sodaß die Klinge des Messers aus der Schale brach. Beides cutfiel ihrer Hand in dem kleinen Zimmer. Nun trug sie ihre Tochter m das Berliner Zimmer, wo ihr das Kind entfiel und sie rücklings zusammenbrach. Zwischen den Leichen von Mutter und Kind lag die Puppe. Die beiden Zimmer, wie auch die Küche, schwammen buchstäblich in Blut. Die Leichen lagen in großen Blutlachen. Die Leichen der Knaben, in braunen Sammetanziigen, lagen auf der Seite, der altere mit dem Kopf nach der Mitte des Zimmers, der jüngere mit dem Kopf nach dem Fenster, zusammengekrümmt, aber wenig entstellt. Die Mutter lag mit verzerrten Zügen und zusammen« gezogenen Händen auf dem Rücken, so daß man die beiden weit klagenden Wunden deutlich sah; die kleine Tochter links neben der Mutter, auf ihrer rechten Seite. Bevor ein Schlosser die Woh- nuug geöffnet hatte, aHute man bereits das Geschehene. Ein Maler hatte von einem Gerüst aus durch das gardineulofe Küchenfenftcr die von der ersten Mordthat herrührende Blutlache bemerkt und Lärm geschlagen. Kurz»ach Entdeckung der That erschien Kriminal- inspcktor Krause mit dem Kriminalkommissar Hallmann und mehreren Beamten an Ort und Stelle, um den Thatbestand festzustellen. In der Wohnung wurden mehrere Briefe in polnischer Sprache von S. an seine Frau, deren Inhalt der Zu- ucigung des Vaters zu der Familie und die Sorge um dieselbe Aus- druck gab, gefunden und mitgenonimeu. Frau v. SulkowSki war noch reichlich mit Geld versehen; nmn fand im ganzen 1o7 Mark und einige Pfennige, die an verschiedenen Stelle» frei dalagen. Die Wohnung ist gut ausgestattet und zeugt von gewissenhafter HauS Haltung.— Um 2 Uhr nachmittags erschien der Amtsrichter Zcckerer mit einem Referendar am Thatort, um eine Skizze aufzunehmen und den Befund festzulegen. Dann wurden die Leichen nach dem Schauhause gebracht und die Wohnung geschlossen. Ter KreiSanSschust dcS. Kreises Teltow erläßt folgende Bekanntmachung, die wir im Interesse der Arbeiter hier wiedergeben:„Da der Töpfermeister Wilhelm Haack in Schöneberg, Siegfried st raße 1, mit der Abführung von KrattkenverfichcrungS-Beiträgen im Rückstände geblieben und nachdem seine Zahlungsunfähigkeit im ZwangSbcitreibungS-Verfahrcn festgestellt worden ist, habe ich gemäß§ 52 a des Krankenvcrsichcrungs- Gesctzcs bis auf weiteres angeordnet, daß Haack fortan nur den auf ihn selbst als Arbeitgeber entfallenden Teil der Beiträge, welche für die von ihm beschäftigten versicherungspflichtigen Personen zur gemeinsamen Orts-Krankcnkasse in Schöncbcrg zu entrichten sind, abzuliefern hat. Die von Haack beschäftigten versicherungspflichtigen Personen sind nunmehr verpflichtet, die Eintrittsgelder und den auf sie entfallenden Teil der Beiträge zu den festgesetzten ZahlungS- tenninen selbst an die OrtS-Krankcnkasse abzuliefern. FriedrichShagcn. Den hiesigen Parteigenossen zur Kenntnis, daß am Sonntag, den S. Juli, im Restaurant„WilhelmSbad" ein Sommcrfest stattfindet, bestehend in Konzert, Theatervorstellung, Gesangsvorträge dcS„Sänger-ChorS". Zur Aufführung kommt: „Ehrliche Arbeit", Volksstück in 3 Akten. Anfang 3 Uhr. Eintritts- preis 23 Pf. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet DaS Fest-Komitee. AdlcrShof. Die heutige Gemeindevcrtreter-Sitzung beschäftigte sich mit der Einsetzung einer Kommission, die die Lieferung von Brennmaterial kontrollieren soll. Von verschiedener Seite wurde die Zweckmäßigkeit bezweifelt; da aber der Schöffe Herr Leopold und der Gcmeindevcrtrctcr Bach erklärten, init dem Vorsteher zu- fammen die Kommission bilden zu wollen, so trat der Gemcindcrat dem bei. Sodann wurde in die Gcmcindeschnl-Dcputation der Schöffe und stellvertretende Vorsitzende Herr Leopold, von den Gemeinde- Vertretern G r e i n k e und Bach gewählt. Bei Beschlußfassung über den Antrag des KirchcnvorstandeS der katholischen Gemeinde zu Köpenick betreffs Einziehung von Kirchensteuern, wurde der Antrag bei Gemeindevorstehers, 0 Proz. Hebegebühr in Ansatz zu bringen, angenommen. Nachdem der Kassenabschluß für Juni bekannt ge- geben war, gelangten die Anträge der Anlieger der Helbigstraße zur Beschlußfassung. Der Gemeindevorsteher gab bekannt, daß er sich mit den einzelnen Adjacenten soweit geeinigt habe, daß in kurzer Zeit die Pflasterung vor sich gehen könne. Der Fahrdamm solle 5 Meter breit werden und der Bürgersteig je 2>/s Meter. Demgemäß wurde beschlossen. Ei» schweres EittlichkeitSverbrrchen hat gestern eine Frau in Spandau noch rechtzeitig verhütet. Dieselbe bemerkte, wie ein Mann sich zwei kleinen Mädchen näherte und sich in auffälliger Weise mit ihnen zu schaffen machte. Der Betreffende, ein stellungS- loser Brauer, fragte die Mädchen zunächst nach dem Wege zu einer Brauerei. Als ihm dieser gezeigt war, verlangte er von den Kindern, sie sollten ihn dorthin begleiten und stellte dabei unsittliche Zu- ntnttnigen an die Kinder. Die Frau begab sich darauf zu ihm und stellte ihn energisch zur Rede, worauf der Unhold auf die Frau ein- schlug. Diese wandte sich sofort an die Polizei, der es gelang, de» frechen Patron festzunehmen, als er gerade in einer Brauerei um eine Unterstützung vorsprach. Nunfi und ZvistensiZznfk. Morwitz-Otzcr. Am Donnerstag begann wieder eines der Gastspiele Heinrich BötelS, und zwar im„Troubadour" von Verdi. BötelS Bedeutung liegt in einer sonst heute seltenen Nichtigkeit, insbesondere Natürlichkeit der Tonbildung; so leicht ansprechende und so weit„vorn" sitzende Töne und zumal eine so weiche Höhe besitzt derzeit nicht bald ein Tenorist. Darum muß man seine Stimme noch nicht einmal sehr wohlklingend finden, und von moderner dramatischer Kunst ist keine Rede. Die zivcimalige Wiederholung einer Arie war eine etwas gar voreilige Quittierung de« Beifalls. Die an den letzten Abenden als Schauspielerin so hervorstechende FriedaHawliczek zeigte diesmalnicht nur ihre Spiel-, sondern auch besonders ihre Sangeskunst in einer bemerken-- werten Steigerung, als Zigeunerin Acucena. Auch hier ein gegen die Umgebung und gegen den Durchschnitt unseres Bühnengesanges überhaupt erfreulich abstechende Richtigkeit der Töne, insbesondere der hohen. Marie v. Tergow(„Leonore") mag eine klang vollere Stimme haben, verdirbt dies aber wieder durch eine„kop; lose" Höhe. Im übrigen ging alles verhältnismäßig gnl; dem Reiz der lebensreichen altitalienischen und doch dramatisch angeglühten Melodien braucht man sich ob der Mache des Textes und der will kürlichen Zusamm?nordimng der Musik keineswegs entziehen.— Wenn die Direktion„die allein richtigen Textbücher", die nur in ihrem Haus zu haben seien, anpreist: findet sie dann keine bessere Ausgabe des Textes, und muß sie sich von Straßcnverlänfern mit derselben Ausgabe unterbieten lassen?— az. Vermtfchkes« Wegen schwerer Sittlichkettsvcrbrcchcn, begangen an zehn seiner Schülerinnen, ist der verheiratete, ans Berlin gebürtige Lehrer Hasse auS Deutsch-Krone geflüchtet und wird jetzt steckbrieflich verfolgt. AuS Frankfnrt a. M. wird berichtet: Die bekannte Falken- stelner Kuranstalt wurde heute durch Grohfcucr teilweise eingeäschert. Die Kranken wurden sämtlich gerettet. Pestcrkranknngcn. Ans Alexandria wird berichtet: Bisher sind hier im ganzen 53 Fälle von Pcsterkrankung vorgekommen, von denen 21 tödtlich verliefen und 24 geheilt wurden. Seit letztem Sonntag sind vier Personen neu erkrankt, ein Pestkranker ist in dieser Zeit gestorben und sieben sind geheilt. Dem diesjährigen Hochwasser sind im Spreewald auch viele Gehege von Wildenten zum Opfer gefallen. Infolge dessen haben die Vögel zum zweitenmal genistet, aber diesmal auf hoch gelegenen Punkten, selbst auf hohen Bäumen. So hat auf dem Nußbaum eines Gartens bei Lübbenau ein Entenpaar sich in cineni verlassenen Elstcrnest häuslich eingerichtet. Dieser Tage ist die Brut ans den Eiern geschlüpft, und die Alten haben die Kleinen eines nach dem anderen znr Erde gebracht. Ein Unglück im Löwciikäfig. Der Tierbändiger Drowiskh ließ seit kurzem in dem Pariser Vorort Neuilly seine wilden Zöglinge ihre Tricks ausführen. Als der Mann sich vor einigen Tagen mit seinem Löwen Menclik vor einer großen Zuschauermcnge beschäftigte. sprang die Bestie plötzlich auf ihren Herrn, grub ihm die Zähne lief in den rechten Arm und bearbeitete mit den Krallen scnic Brust. Trotz des furchtbaren Schmerzes verlor Drowiskh nicht seine Geistes- gegenwart. Mit staunenswerter Kaltblütigkeit suchte er das wütende Tier mit dem Blicke zu bannen. Gegen die Stäbe dcS Gitters gelehnt, fixierte er mit den Augen de» bewegungslos verharrenden Löwen so lange, bis die Wärter ihm zur Hilfe eilten. Diesen gelang es auch, das Tier in einen benachbarten Käfig zu treiben und den inzwischen ohnmächtig z» Boden gesunkenen Bändiger in Sicherheit zn bringen. Der Zustand des Verwundeten ist sehr ernst, doch hofft man, ihn am Leben zw erhalten. Eine SchreckenSnacht im Walde. Sonntagnachmittag war. wie erst jetzt mitgeteilt wird, den Bartclschen Eheleuten in Bernau beim Heidelbeerenpflücken im Walde das dreijährige Töchterchen ab- handen gekommen. Alles Suchen blieb bis zum späten Abend ver- geblich, und so mußte die Kleine während der ganzen Nacht, in der ein heftiges Gewitter mit strömendem Regen niederging, draußen bleiben.'Am Montag früh begaben sich viele Einwohner in den Wald, um nach dem Kinde weiter zu suchen, und es gelang denn auch endlich, das kleine Wesen gegen mittag schlafend unter einem Strauche anfzufindcit. Die Kleine hat anscheinend nicht den geringsten Schaden gelitten.- Briefkasten der Redaktion. Die i»ristischc Sprcchst»»dc wird DieustagS, TouncrStagö uud Freitags nl>c»ds von 6 bis 8 lllir abgehalten. F. Sl. 57. Naturalisation und Aufnahme in den preußischen StaatSverband. Die Staatsangehörigkeit geht durch den Aufenthalt in einem anderen deutschen Staate nicht ver- lore». Die Staatsangehörigkeit wird erworben durch Abstammung, durch Berhcirattllig, durch Naturalisation oder durch Ausnahme. Die ehe- lichen und legitimierten Kinder erlangen, gleichgültig, wo sie geboren werden, die Staatsangehörigkeit deS Baters, uuelicliche, nicht lcgitimiette Kinder die Staatsangehörigkeit der Mutler. War Ihr Vater AnKaltincr, so sind auch Sie es, wiewohl Sie in Preußen geboren sind. Ein Mädchen erlangt durch Verheiratung mit einem Deutschen dessen Staatsangehörigkeit. Ausländer (Nichtdcutsche) können sich naturalisieren lassen, haben aber kein Recht aus Naturalisation; die Naturalisation ist mit Kosten und Weiterungen verknüpft. Der Ausländer, welcher naturalisiert sein will, muß vorher nach- weisen, daß er 1. nach den Gesetzen seiner Heimat diSpositionsiähig ist oder daß sein Vater oder Vormund der Nattiralisotion zustimmt, 2. daß er einen unbescholtenen Lebenswandel geführt hat, 3. daß er an dem Orte, wo er sich niederlassen will, eine eigene Wohnung oder ein Unterkommen findet, 4. daß er dort sich und seine Angehörigen zu ernähren im stände ist. Die Gemeinde des Nicderlassmigsottes hat sich über die Erfordernisse zu 2 bis 4 gutachtlich zu äußern. Es können äußer diesen vier Mindestforderungen von der Be- Hörde noch andere erfordert werden. Auch wenn alle gestellten Anforde- rungen erfüllt sind, kann das Naturalisationsgesuch abgelehnt werden, weil kein Ausländer ein Recht auf Naturalisation hat. Ander? steht eS mit der Aufnahme eines Deutschen in einen anderen deutschen Staatsverband. Jeder Deutsche hat das Recht, Aufnahme in einem anderen deutschen Baterlande ohne Verlust seines früheren HcimatSrechtes zu verlangen. Will zum Beispiel ein Anhaltiner Preuße werden, so genügt der Nachweis, daß er sich in Preußen niedergelassen hat, und etwa folgendes Besuch an die Regierung oder, falls er in Berlin sich niedergelassen hat, an das Polizeipräsidium:„Ich bin anhaltinischer Staatsbürger. Beweis: meine Geburtsurkunde. Ich Haie mich in Berlin seit dem... niedergelassen. Beweis: mein Anmeldeschein. Ich beantrage Ausnahme in den preußischen«-taatsverband." Die Aufnahme darf nur dann versagt werden, wenn der Auttagstellcr sich uud den Scinigeii den notwendigen Lebensunterhalt zu verschaffen außer stände ist, oder wenn er öffeniliche Anncnunterstützung erhält, oder wenn er Bestrafungen erlitten hat, die der Polizei das Recht geben, ihn auszuweisen, insbesondere wenn er innerhalb des letzten Jahres wegen wiederholter Landstreicherei oder Bettelet bestraft ist. Es ist nichtpreußischen Deutschen zu empfehlen, solche Aufnabmcgrsuche bald einzureichen, damit sie wenigstens im nächsten Jahre ihr Wahlrecht erhalten. Durch die Aufnahme in den preußischen StaatSverband verliert ein Deutscher seine frühere kleindeutsche Nationalität nicht. Ein uud dieselbe Person kann also: preußischer, württembergischer, bayerischer, uiecklenburgischer, Hamburger und reußtsch jüngerer Linie Staatsangehöriger zu gleicher Zeit sein. Marklprcise von Berlin am 6. Jnli 1899 nach Ermilteliingcn des kgl. Polizeiprästdinms. D.-Ctr. �)Weizen »)Roggcii> Futtcr-Gerste„ Hafer gut „ mittel„ „ gering Richtstrvh« Heu„ -fjErbsen„ -rsSpeisebohnen T)Li»scii, Kattoffeln, neue Rindfleisch, Keule Istx do. Bauch„ 16.30 15,40 13,50 15,60 15, 14,40 4- 6,50 40,- 60,- 70,— 1,60 1,20 Schweinefleisch Lalbflcisch Hammelfleisch Butter Eier Karpsm Aale Zander Hecbte Barsche Schlei« Bleie Krebse IKa 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4,- 2,- 2,80 2,60 2,40 1,00 2,50 1,40 12,— I,- 1- 1- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- 15,- 14,10 13,- 15,10 14,60 14,- 3,60 4,30 25,- 25,- 30,- 6,- 1,20 1.- ») Enuittclt pro Tonne von der Eeiitralstclle der Prenß. Landwirt- schaslskammer- Nolicruiigsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Dopvrl-Eeiltner. f) Klcinhaildclspreise. Produkten markt vom 7. Juli. Die absolute Beschästsstille deS FondSmarltes machte sich mittlerweile auch im Getreide- und Produkten- verkehr bemcrlbar. Weizen lag am heutigen Frühularkt fast ganz umsatz- los. Roggen wurde wenig lebhafter gehandelt. Die Preise für beide Artikel waren anfänglich behauptet, späterhin auf gebesserte SaatenstandS- berichte auS Nordrußland leicht»achgcbend. Die dauernd trübe Witterung mahnt allerdings den Abgebe: zur Reserve, uud Nordamerika meldet feste Sciilußprcise, doch wurden diese stiuiulierenden Momente durch die flaue Hal- tuiig der Märkte Oestrcich- Uugarus paralysiert. Hafer lag still und wenig unverändert, ebenso N ü b ö l.— Am S p i r i t u s m a r k t war von ctncm effekliven Geschäft nicht die Rede. Im Prelle war Termin- und Loco- Ware nominell unverändert. 70er loco 4l,50; Umsatz 10 000 Liter. Berlin» Getreide- und M e h lzu f u h ren zu Wasser vom 6.-7. Juli mittags betrugen 251 Tonnen Weizen, 323 Tonnen Roggen, 603 Tonnen Mais, 1500 Doppel-Ceutncr Weizenmehl. Weltcr.Prognose für Freitag, de» 8. Juli I8SS. Etwas wärmer, teils heiter, teils wolkig mit leichte» Rcgensällen und schwachen, westliche» Winden. Berliner W e t t e r b n r c a u. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (BcrwaltinigSstelle Berlin.) Sonntag, den 9. Juli, vormittags 10 Nlir, in den Arinlnliallen, Kommandantenstrafte 20: Versammlung der Älempncr. Tages-Ordnung: 1. Unsere gegenwärtige Lage und unsere nächsten Aufgaben znr Erreichung eines MinimallohneS von SO Pf. pro Stunde. Referent: Ott« Xlither. 2. Diskussion. 3. Berbandsaiigclcgcnheiten und Verschiedenes. Tonnabend, den 8. Juli er., abends 8'/z Nhr, im Lokale des Herrn vislr«, Ackerstraffe 1SZ: Vtttrauensmallner-Uonserenz für den Norden. Montag, den 10. Jnli cr., abends 7 Uhr: Große Uersammwng in Bottckvi's Seepark, Neinickendorf, Markstraffe 1-8. TageS-Ordnung: 1. Die Lohn- nnd Arbeitsverhältnisse in der Metallindnstric und welchen Nntze» hat für«nS die Organisation? Referent: Kollege Hcrndt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammln»« sind speciell eingeladen die Kollegen nachstehender Firmen: Fleck Söhne: Schöning> Hein; Lehmann«. Papagei entflogen. Dem Wiederhringer obige Belohnung. 1137b Drogerie Dürerstr. 8. Donnerstagabend 10>/zUhr entschlief nach langen schweren Leiden mein inniggcliebter Mann, unser treu sorgender und unvergeßlicher Vater, Schwieger- und Großvater, der frühere Maurer und Maurerpolier Varl Fdnard Ulbricht im 70. Lebensjahre, waS wir mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbettübt anzeigen. Carolins VIbrIebt, geb. Schacht, nebst Kindern. Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. d. M., nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Winsstr. 6, aus nach dem Friedhof der Marien- und Nicolai-Gemcinde, Prenzlauer Allee 7 statt. 11235 Steinarveiter Berlins! Der Bestich der Sternwarte ist nicht, wie irrttimlich im BersammlungSbericht des„Sleinarbeitcr" steht, am 8. Juli, sondeni Sonuabenb. den IS. Juli, abends 8 Uhr, geplant. 172/16 Ter Bertraucnsman». Verlangen Sie�gtls! «/§){ vemes neuesten Pbami cnmoc Uber AMMONIfl-FAHRRÄDLR sZMz> „Stpv MOTOR-RÄDER JondZubehör-Theile f Jerselle bn.ijl Itterettaue«eutairiül »�anerbiliJs�'�L- -ormmom Jahrrawaörikl �A-H-UELTZEH, HAMBURG J se 21278* rv Haus Kay sei* Görliber Bahnhof. Platz 0. � Billigste Bezugsguclle für Press- n. Steinkohlen.| AWMnng MmrtS Berlin S«., Beuth-Straffe S. Soeben erschienen und durch uns zu beziehen: Die dtlitscheil prfitliiigc in der Schweiz «nb die erste deutsche Arbeiter- bewegniig. 1833 bis 1836. Von Dr. Heinrich Schmidt. Prciö 1,60 M. Porto 10 Pf. Sowohl die bürgerliche Presse wie innere Parteiorgane urteilen über diese Schrift, die zur KeiiiiwiS der Ansänge der deutschen Arbeiterbewegung wert- volles historisches Material und eine klare Darstellung liefert, äußerst günstig. Ströiii�Jicjtaiirrtnt MiK.s-- zwischen vllüggrlschlost und Teufel- see. Wunderbar schön von der Natur begabt. Tnnssanl mit Parquet- Futzboden. S ttcgclbahnc». Gr. Halle. 3000 Personen fassend. 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Fuhrmann Henfchel. Auf. 8 Uhr. iNlcranderPlah. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Zauberin am Stein. Anfang» Uhr. Mctropol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr. iUellc-Zllliaiire. Specialitnten-Vor- siellung. Ansang 8 Uhr. ilpollo. Frau Lima. Spcckalltiiten- Vorpe»n»g. Anfang 8 Uhr. Ncichshallcn. Stcttiner Sanaer Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptitnin. Speciali- täten-Vorstcllung. Urania. Xaiibenstrasje 48—40. Natnrknndliche AnSstellnng. Tilg ltch geöffnet von 10 Uhr vor« mittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". Operntelephon. Jnpalidenstrasic 57/«�. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. SWerÄMter (WaNncr-Theater). „Ai« r 4 t 2- t> p v r», Sonnabend, a b e n d s 7l/» U h r: Gastspiel Bötet": Der Poatillon von Lonjamean. Kom. Oper in 3 Alten von Ad. Adam. Sonntag, a b e n d s 7V, U h r: A Basso Porto. Kom. Oper in 1 Akt von Ernst PaSqus. Bte Nürnberger Pappe. Oper von Adolf Adam. Montag, abends 7 V, Uhr: Gastspiel„Heinrich Bötet": Hartha, oder: Der Markt zu Eiohinond. Lsitiid-Clirl Weiß-Thtattr. Gr. Frankfnrterstraste IliL. Cz-Illu» volkilllmlloher Vvr-tellungon. Kleine Preise. Parkett 1,10. Die Zllliberin m Steiil. Bolks-Drama in 4 Akten v. Fr. Riffel. SSp- Ansang 8 Uhr. BorzugsbillctS haben Gliltiglcit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute im Garten: SoiiiniernachtS. Fest. Nennert- Stange als Stabs- lrompcter mit seiner Riekc. Lebende Photographien.'Mrsätre eu rninia- ture sc. 27 Nummern. Nur Kräfte 1. Ranges.- Anfang 5V2 Uhr. Saisonkarten haben Gültigkeit. CrntOKl-Thrnfrv Direktion: lose 8erenor>. Anfang 3 Uhr. Gesamt-Gastfpiel des Hamburger Ernst Drucker-Theaters Zum erstenmale: Littnponpnck. Gr. Hamburger Volksstuck mit Gesang in sechs Bildern von W. Bial und S. Rosenthal. Musik von H. Groth. Sonntag: l.» in p e n p n c It. Hamburger Volksstiick. Metropol- Theater. Behronstr. 53/54. Direktion: Richard Schnitz. Phänomenales Juli-Programm. SNcue OcbntM! Plans. Das graziöse engl. Gesangs- und Tanzensemble Charles Baron. Der urkomische Dresseur im Löwenkäfig, Stegtvnrt Benthe« als Yvettc Oullbert, unvergleichliche Kopie. S#- Um 9 Uhr der gröaste Saison-Erfolg Berlin lacht! Berliner Eevue. Bas grosse Presse-Ballett. Des grossen Erfolges we�en prolongiert. Die« Bonnairs. Sommergarten.Eauchen gestattet. Anfang; Sonn- und wochentags 8 Uhr. Ostbahn-Park Hermann Imbs 71 Riidcrsdorfer Straße 71, am Kü striner Plap. Täglich: Heuzert. Thcater- n»d SPccialitäten.Lorstcllnng. Nur erstklassige Nummern. Anfang: Sonntags 4 Uhr. Entree 20Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden DienStag: Norddeutsche Sünger. _ Hermann Imbs. Direktor. SominerthtlittrMllritilbllli Badstraste ZZ/ltti. Regie: Reusche. Direktion: Max Mekelburg. Heute sowie täglich: Heuzert-, Theater- and Spceialitätcu- Vorstellung. Berlin wie's näht und trennt. Rose» ans dem Süden. Nach der Vorstellung: Hall. Urania Taubcnstrasse 48/19. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Tnvnlldcnstr. 57/03: W. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. Passage-Panopticum 0 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Bon 6t/z Uhr ab: Spccialitäte». Neu 1 'Tie Riese«' briidee. flerold unä leons in ihrer BnrleSk- Szene: Die Riesenbraut. CASTAHS PANOPTICUM Die sensationellen SV lebendeiWG Photographien! mit Figuren In Lebensgrfisse. Die russische Uifinni)" Damenkapella ssnlllJUUll in moskowitlschen Kostümen. fll'piflicc" mit 3 Beinen gebor. „UICIIUOO leb. Kosakenpferd. Apollo-Iheatsp. Abends 9 Uhr: FratiLiim� mit dem Irnftballett „Grigolatts". Ferner: «Otto Rentier» und 6 neue Debüts. Anf. des Garten-Konzerts 7 Uhr. , der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf taglich im Theater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Neichshallen. Garten resp. Saal �täglich: Stettiner Säuger (Melikel, Bletro. Britton, Steidl, Krone, K i r ch i» a y e r, Schneider und Schräder). .Zum Schluß: Burschenhrrrlichilett. Ein Studcntenbild von Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Bntree 50 Pf.(für die Wochentage Im Vorverkauf 40 Pf.) Numerierte Estrade 1 M., unnumerlert 75 Pf. Relchshallen-Restaurant täglich: Grosteö Instrumental-Konzert bei freiem E n t r e e. k. LallZekmieäerL „�astameiivälSeliell" Kiinzertglirteil u. Praliitsiile Badste.lS. Lesundbmnnen. Bsdstr. 15. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Ttrcich-Konzcrt. Sonntags: Großer Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschmledsr. Victoria-Brauerei Lnstowstraste 111/112. Im Naturgartcii oder Saal: Täglicli Humoristische Soiree der Nonldeulsciie» Sänger (Fuhrmann, Horst Walds), f) Anf. Sonntags präc. 7, wochen- tag» 8 Uhr. Entree SO Pf. Vorverk. 40 Pf. Fainilienbillets 3-IM. Sonntag und TonnerStag nach der Vorstellung: Tanzkriinzchcn. Bervand der Mövelpolierer. Montag, de» 10. Juli, abends Punkt 8 Uhr» im Grand Hotel Alcranderpla»?. Eingang Köntgstraste Portal I: GonovKl-NerlÄiniulnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht dcS Vorstandes. 2. Wahl. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Näheres heut abend in den Zahlstellen. 146/16 DP»- Die Auszahlung des KranlenzuschuffeS erfolgt am Montag von 6— 7 Uhr bei Scheere, Blumenstr. 38. Ber Vorst an«. Achtung!"HW Nchkung! Verband der an Holzbtarbeitnngs-Masisiintil beschWgten Arbeiter Derlins u. Umgegend. Montag, dcn K). Inj,, abends 8l/a tthr, Im Tjoknl„EngUschcp Garten", Alexandcrstr. 87c: Mitglieder- Verfammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Unfallstatistik. 2. Neuregelung des Werkstatt-Ver- trauenSmänner-SysleiiiS. 3. Gewerkschaftliches. 83/6 Bor Vorstand. Hixdlcirfs Sorialöfiiifl!ir«t. Nemn.jormäits." Dienstag, den 11. Juli d. z., abends n llhr: General-Üersammlnng im Apollo-Theater(Ph. Thomas), Hermaunstr. 48— 50. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung deS Kassierers. 2. Tortrag deS Genoffen Hirsch über Arbeiterschutz und Arbeitertrntz in Deutschland. 3. Diskussion. 4. Vereins- angelegeuheiten und gragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. Diejenigen Mitglieder, welche noch mit ihren Beiträge» im Nückstande, werde» ersucht, dieselben in den nachfolgenden Zahlstellen bis zur General- versaiuntwng zu regeln; daselbst sind auch Billets zur Treptower Sternwarte zu haben: Müller, Kassierer, Kirchhofstr. 29; Klein, Restaurateur, Kaiser Friedrichstr. 236; Köple, Nestaiirateur, Karlsgarleiistr. 1; Retzerau, Eigarreiihändler, Hermannstr. 60; Münzer, Restaurateur, Bergstr. 7; Herrman», Eigarreubäiidler, Kirchhofstr. 1: Sy. Restaurateur, Jägerstr. 69; Beetz, Restaurateur, Knesebeckstr. 136; Prehler, Restaurateur, Ziethenstr. 69; Hahn, Restaurateur, Wihinannslr. 10; Ringe, Eigarreiihändler, Kopfftr. 39; Schulz, Eigarreuhändler, Steinmetzstr. 72; Schulz, Restaurateur, Bergstr. 81. 232/7 Her Vorstand. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galanteriewaren-Indnstrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Montag, t>en 17. Jnli l8llv, in der Nene» Welt, Hasenheide 108-114: Grosses Sommerfest zur Feier des guten Montags. kr. kttttn-Ksilzert, Kümverk, Süttiiilitiiteü 1. Ranges. Peaertverh. Theater-Vorstellung für Kinder. UST" Fackelzug.*�0 Von 5 llhr an im Bai champetre: gJJT" Grosser Ball. Eintritt in den Saal für Herren 30 Ps, für Damen 10 Pf. MST' Jedes Kind erhält am Eingang zwei Bons für Stocklaterne und Schaukel bezw. Karouffel. - Die Kafseckiiche ist von 3 Nhr an geöffnet.—— Billet 20 Pf., an der Kasse 33 Pf. Anfang des Konzerts 4 Nhr. VilletS sind in sämtlichen Zahlstellen, Sei allen Werlstubrn- Vertrauens- Personen, in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie in uiiscrem Bureau, Annenstraße 60, zu haben. 24/16 Die Ortsvcrwnltnng. Hoffmanns Volksgarten, Westend am Spandauerberg:, Kastanlenalle 1. Sonntag, den 9. Juli:[2012h* Grosses Garten-Freikonzert nnd Lieder-Abend der herülirateu Leipziger Sänger. Entree frei. Anfang 4 Uhr. Entroe frei. KalToekOchc schon v. 2 Uhr an. Eselfnlirt Tour 5 Pf. Seiiöuiiauser Allee So. 103. Neu teiiou. Garten(6000 Personen fassend) mit ncugcbauter Bühne für Vereine. Grober Tanzsaal 2011L» Jägerhans iifSii tMnm w n uiiaatsjm �.uimiuui. Gr-öHKtc Volksbelustlgnngcn In ganz Berlin ' Jede» Dienstag: Grosses Kinderfest. _ Kaffeeküchc von 2 Uhr an geöffnet. lletteniliehe Lnehärnoher-Versawinlnng Mittwoch, be» U. Siili, abeubs 8 llhr, in den Arminhaken, Kommaildantenßr. Zt>. Tages-Ordnung: SSS/3 1. Warum wird die Stellunguahuie zum Ablauf des Tarifs nicht der Allgemeinheit unterbreitet? Referent: Kollege Kitzler. 2. Diskussion. Ter Einbernfer. C. Joels Victoria-Garten SO., Kiipnicker Lanbstraste Nr. 4. Grosser ktzanl, Honzert- Garten. gOMcbiitzte Veranden. 18961.* für Vereine u. Festlichkeiten. 6000 Perloiien foffeud. 11 Kegelbahnen. Kaffeekiiche und allerlei Volksbelilstigungen. TtA?" Haltestelle der Glektrijchen Gisenbahiie»(Siemens& Halste); von der Graste» Berliner Strasteubahil nnd der Stadt- und Ringbahn-Station Treptow 2 Min'.neit entfernt."WJ_ Max Klieras Sommer-Theater Hascnhcide 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. M Täglich: Croheg Ärten-Konzert. M Theater- nnd Pers. Unterkunft. Kegelbahn. Kaffeelüche. kZonnsnbergsKestanrant IPölllW, fdP�lPdSLS. Groster Saal.— Grosser Garte» Jeden Sonntag: Ball.[1669L* Empfehle mein Lokal zu Festlichleiten Ccharlottenburg. AVoltlzsus I.Rl>stnwlll.Co. Wilniersdorfcrstr. VA Ecke der Kantstraße. Trotz der anerkannt billigen Preise bei uns in Herren-, Knaben- und Arbetter-Garderoben verkaufen wir wegen vorgerückter Saüon sämtliche Artikel in Sommer- Garderoben, als Paletots, kompl. Anzüge, Stoffhosen, Knaben- Anzüge usw. zu bedeutend herllbgtsthttil Prtisett. Große Abteiumg in Radfahrer- Anzügen.- Radfahrer-Hose» schon zu 3 M. Mast- Abtetlung unter Leituug bewährter Kräfte. Sämtliche Maßsachen mit kleiner Preiserhöhung. 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Wegen Nötigung, Beleidigung sc. der Maurer Buch- d o l z ö Monate Gefängnis. Desgl. ein Zimmerer 6 Wochen Gefänguis, 2 andere je 100 M, Geldstrafe. „ Erfurt. Genosse Rudolph wegen Beleidigung cincS Brauercidirektors 20 M, Geldstrafe. 3. TrcSdctt. 2 Tage Gefänguis der Schmied KaluS wegen Vcrstostcs gegen§ 153 der Gewerbeordnung., „ Königsberg. Wegen Beleidigung eines Gendarmen Genosse R a k u t t 1 Monat Gefängnis. „ Magdeburg. Der Steindrnckcr Borchardt wegen Verstoßes gegen das Vcreinsgcsctz 5 M. Geldstrafe. „ Schweidnitz. Genosse F e l d m a n n, Langcnbielan, 3 Mo- nare Gefängnis wegen Beleidigung obcrschlcsischcr Bergwerks- verivaltungcn. C. Halle. 50 M. Geldstrafe Genosse Swienty wegen Oc- leidigntrg cincS LandratS. „ Erfurt. Die gleiche Strafe Genosse May wegen Beleidigung eines Poligciinfpcktors. u Leipzig. In der Ncvisionsinstanz Genosse Q u a r ck. Frank- surt. ivcgcn Beleidigung der Militärbehörde 300 M. Geld- strafe.— In gleicher Instanz Genosse Berka u. Halbcrstadt, wegen Beleidigung eines Oberstaatsanwalts 1 Monat Ge- fangniS. „ Fürth. 1 Woche Gefängnis der Tischler Klein wegen Bcr- stoßes gegen§ 153 der Gewerbeordnung. „ Hannover. Die gleiche Strafe der Stellmacher Adler Ivcgcn des Vergehens der Nötigung. 0. Halle. Wegen Verübung groben llnfugS Genosse Swienty 14 Tage Gefängnis. „ Itzehoe. Wegen des gleichen Delikts die Genossen Hins che, Otto und Meyer je 2 Wochen Haft. Lcytcrer außerdem noch 4 Wochen Gefängnis, 10. Erfurt. Die Genossen May und Pappe je 15 M. Geld- strafe ivegen unerlaubten Sammelns. „ Ludwigöhafcn. 10 M. Geldstrafe Genosse Wenzel wegen Beleidigung der Redaktion der„Pfälzischen Presse," 12. Zwickau. 20 M, Geldstrafe Genosse H ä n e I wegen unerlaubten SammelnS, 13. Zlltenbnrg. Wegen Beleidigung eines LandratS Genosse S t ii ck l e n 1 Woche Gefängnis. 14. Halle. Genosse Swieiity wegen Beleidigung cincS Kohlenhändlers 10 M. Geldstrafe. 15. Zwickau. Wegen deS gleichen Delikts Genosse T r o g n i tz n Monate Gefängnis. „ Harburg. Der Maurer Prehler wegen Beleidigung der Polizeibehörde 15 M. Geldstrafe. „ Frankfurt a. M. 4 Genossen a 5 M, und 5 ä 15 M, Geldstrafe wegen Verstoßes gegen das Vereinsgcsctz. u Spandau. 15 bezw, 10 M. Geldstrafe die Genossen K ü b a r t und B e h r e n d wegen Beleidigung eines Streik- brechcrs. , Höchst. Je 15 M, Geldstrafe 4 Genossen wegen Uebertrctung des Vereinsgesctzes, „ Hamburg. Genosse Bürger 14 Tage Gefängnis wegen Beleidigung der Polizeibehörde. 10. Berlin. Wegen Beleidigung deS Obcrpräsidcnten von Posen Genosse L i S n i w§ k i 3 Monate Gefängnis. „ Drcöden. 7 Tage Haft Genosse Eichhorn wegen Verübung groben Unfugs. 20. Stettin. Der Steinarbeiter Gärtner 1 Woche Gefängnis wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung, 21. Leipzig. In der Ncvisionsinstanz Genosse Lessen- Chemnitz 3 Wochen Gefängnis wegen Beleidigung der Polizei- behörde. » Stettin. 4 Wochen Haft Genosse K l i n g n e r- Podejuch wegen Verübung groben Unfugs, , Magdeburg. Wegen unerlaubten Sammelns Gen. Gärtner 25 M, Geldstrafe. , Dresden. 250 M. Geldstrafe Genosse Beyer wegen Be- leidigung eines Miihlcnbcsitzers, „ Grnthin. Genosse N i e p e k o h I« Burg 14 Tage Haft wegen Verübung groben Unfugs. , Frankfurt a./M. Wegen Beleidigung der Polizei Genosse G r ä g e r 10 M, Geldstrafe. » Dresden. Ein Genosse 3 Tage Gefängnis wegen Tragens republiknnischcr Abzeichen. , Leipzig. Die Metallarbeiter Kunze und T r u n z zlvci Wochen bezw. 3 Tage Gefängnis wegen Beleidigung von Streikbrechern. » Dresden. Wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch die Metallarbeiter Ä r l d t und N e n in a n n je 2 Wochen, P o s e r 1 Woche und Stephan 10 Tage Gefängnis, 22. Dortmund. Genosse Block 4 Monate Gefängnis wegen Beleidigung eines Bcrgwerkdircktors. „ Esse». In der Berufungsinstanz Genosse D ü w e l 50 M, Geldstrafe wegen Beleidigung der Polizeibehörde. „ LandrShut. 100 M. Geldstrafe Genosse Kühn-Langen- bielau Ivegen Beleidigung eines Fabrikanten. 23. Miinchcu. Der Schuhmacher B ü h l e r wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung 14 Tage Gefängnis, 27. Breslau. Wegen Beleidigung von Militärpcrsoneii Genosse S ch ii tz 100 M. Geldstrafe, » Leipzig. In der Ncvisionsinstanz Genosse I a c o b e y- Berlin 300 M. Geldstrafe wegen Nichterbelcidignng. — Genosse R a k n t t- Königsberg 0 Wochen Gefängnis wegen Beleidigung der Planer Ostpreußens. 28, Crcfeld.'100 M, Geldstrafe Genosse Wolter« wegen Beleidigung eines FabrikdircktorS. 10, Frankfurt a. M. Die Vorstandsmitglieder der Zahlstellen der Maurer und der Maler ivegen Verstoßes gegen das VercinSgesctz je 15 M, Geldstrafe. » Peuig. Wegen des gleichen Vergehens Genosse H e r tz s ch- Lunzenau 20 M, Geldstrafe. , Hannover. Die Stuccatcnre bezw. Bildhauer B a ch m a n n und Thiele 14 bezw. 10 Tage Gefängnis, K a m e ck e 40 M, Geldstrafe. » Uetersen. Kolporteur Vogt wegen HauSfricdcnSbnlch 30 M, Geldstrafe, Insgesamt wurden erkannt auf 3 Jahre, 3 Monate und 2 Wochen Gefängnis und 1S85 M. Geldstrafe. B e c l i n, den 0. Juli 1809. Der Parteivorstand. Noch einmal das Hohenlohesche Idyll. Blättert man in der Begründung und der Denkschrift zur nunmehr scheintoten Zuchthausvorlage, so liest nian an zahllosen Stellen, daß eigentlich das ganze Elend der deutschen Arbeiter von den„Rnf- wieglcrn",„Hetzern",„Streikreisenden" usw. herrühre. Ihrer ist ja auch in dem Gesetze mit besonderer Liebe gedacht worden. Wenn nun der Unterzeichner des Gcsetzentivilrfs mit seinem Inhalt eiiiverslandc» ist— inid man sollte doch meinen, daß er es iväre— so wird er auch Zugleich einem.Schlüsse s contrario die Berechtigung nicht vcr- jagen wollen, der dahin geht: dort müssen also die Verhältnisse der Proletarier vorbildlich günstig sein, wo sich jene schreckliche Kategorie von Leuten noch nicht vorfindet. Nun. eine solche Gegend ist das— Hohenlohesche. Dort weiß man noch nichts von den modernen, Klassenkämpfen, die„gute alte Zeil" ist dort sozusagen noch vorhanden, da die Uhren dort wohl nicht gleichen Schritt mit denen draußen in der Welt gehalten haben. Schaut man aber näher zu, so entdeckt man auch in dieser wcltabgclcgencn Gegend ein llcbermaß von Elend und Verkommen- heit, noch dazu in besonders charakteristischer Form, so daß es sich dem WanderSinann auf den ersten Blick offenbart. Einige Eindrücke einer Wanderung durch da? Hohenlohesche hat Viator in unserer Nummer vom 11. Juni wiedergegeben und sich dadurch offenbar den lebhaften Zorn der Respektspersonen von Schillingsfürst zugezogen, Sie begnügen sich nicht mit einer zorn- mütigen Erwiderung, die die„Ängsb, Abendztg.", das bayrische offiziöse Organ in ihrer Nr. 170 abdruckt, sondern setzen uns sogar eine„Berichtigung" unter der üblichen Berufung auf den Prcßgcsctz- Paragraphen mit der feuchten Nummer ans die Brust. Wir hätten nun gar keinen Grund diese Berichtigung, die gar keine Berichtigung ist, abzudrucken, aber wir würden unsere Leser eines Vergnügens berauben, wenn wir dieses zweimal gestempelte und von dreizehn (die SchillingSfürster scheinen nicht abergläubisch zu sein) Namen unterzeichnete Zeugnis guter Gesinnung unterschlügen. Hier ist cS: An die Redaktion des„Vorwärts" Berlin, Bcuthstr. 2, Mit Bezug auf Ihr Feuilleton„Wollt ihr's so?" Ein Gang durch daS Hobcnlohcsche in Nr. 134 des„Vorwärts" vom 11. Juni ersuchen wir Sie auf Grund des§ 11 des Neichs-Prcßgcsctzcs vom 7. Mai 1874 nachstehende Berichtigung von den in dem genannten Artikel behaupteten Thatsachcn abzudrucken. llutcr 1000 Einwohnern arbeiten hier zur Zeit nur sechs als Korbflechter. Die von den Korbflechtern gegebene Schilderung trifft für die Mehrzahl derselben nicht zu. Der hiesige Ort besteht, abgesehen von den Hänsern einiger Bauern und der sinitlichcn Beamten, dann den beiden Pfarrhäusern, durchaus nicht bloß aus jämmerlichen Hütten; es befinden sich hier eine größere Anzahl von Gciverbctrcibcndcn mit ansehnlichen Häusern, und die Mehrzahl der Giitler und Taglöhncr lebt in ganz anständigen Wohnungen. Ter jenischcn Sprache bedient sich die übergroße Mehrzahl der SchillingSfürster Bevölkerung nicht. Diese Sprache ist nicht hier geprägt, sondern ein allbekannt Gemciilgut„fahrender Leute" durch ganz Deutschland. Die Armut blickt hier nicht aus eine gleich lange Geschichte zurück, tvic das Haus Hohenlohe. Dieses ist hier seit 1100, während der Zuzug vieler Besitzlosen sicher vor 200 Jahren erfolgt ist. Ter Schein. nlS ob Seine Durchlaucht der Herr Fürst ungerührt dein Hinsterben eines elenden Prolc- tariaiS hier zusehe, welcher Schein durch die Gruppierung der be- hanptcten fast durchweg nnrichtige» oder doch ini höchsten Grade übertriebene» Thatsachcn in dem genannten Artikel cmslcht, ist durchaus falsch. Schillingsfürst, den 2l. Juni 18S0. Tie Gcmcindcucrwaltnng: (Folgen die Namen). Noch bester versteht der in der„A. A." sich produzierende Vcr- leidiger das„Berichtigen". Er schrcivt gleich frisch und fr— omni: „Die Eimvohnerschaft(von SchillingSsürst) vestcht nach ihm lViator) d n r ch Schuld des Kardinals Hohenlohe, der die Korbflechterei für die sinlende(?) Bevölkerung eingeführt habe, der Hauptsache nach aus Korbflechtern, die um Hungcrlöhne arbeiten müssen." Dazu schreibt imS Viator: Wenn die Schillingsfürsler Herren sich ebenso sorgfältig um das Verständnis meiner Zeilen. tvic um die Reputation des Fürsten Chlodwig bemüht hätten, so hätten sie sich die Erwiderung�«» sparen tonnen. Die oben abgedruckte„Berichtigung" bestätigt nur. waS ich geschrieben habe, daß nämlich Schilliiigszürst„nicht lilost aus jämmerlichen Hütten besteht":„Kleinere Hütten am Eingänge des Fleckens, dann einige größere Häuser, wohl den Bauern oder den fürst- lichen Beamten gehörig, zwei Kirchen, zwei Pfarreien, beide mit schönen Gärten, die einzige» Gewese fast, die von wirklichem Wohlstand zeugen; weiterhin(nach dem Schafhofe zu) nur noch ärm- liche Hütten, noch jämmerlicher als die am Eingänge", so hatte ich die Oertlichkeit geschildert. Na, also! Vorsichlig sagt die.'Berichtigung", daß „zur Zeit" nur 0 Familien sich der Korbflechterei widmen; ich habe gar keine Zahl genannt, bin aber dankbar für diese statistische Angabe, die ich gefälligst durch folgende Zeilen ans dein Artikel der„A. A." zu ergänzen bitte:„Unter den zahlreichen Maurern, welche im Sommer 3 M., in Nürnberg 4,50 M. und darüber verdienen, gicbt es einige, welche mehr sparen sollten oder für eine große Familie in dem verdicnstarmen Winter wirklich schwer das nötige erwerben können. Unter ihnen gicbt cS solche, die im Winter beltck». Für sie ist von einem Verein eine Kordflcchtschule gegründet worden, um ihnen Wintcrvcrdiciist zu verschaffen". Zur Zeit 0 Korbflechter— im Winter sind es„einige" mehr—— ich denke, das genügt wieder I Während sich die„Berichtigung" vorsichtig um die Jgclfragc herumdrückt, weiß der Artikclschreivcr in der„A. A." zu vermelden, daß nur zwei von den Korbflechtern Igel fangen und verzehren, Das ist einfach nicht wahr. Es bleibt sogar dann nnlvahr, ivcmi die aus den Genuß des Sauigclflcischcs angeiviesciicii Proletarier die„A. A." niit einer Berichtigung verschoncic. Ich wiederhole, daß ein einziger Korbflechter im vergangenen Jahre vierhundert Igel gefangen hat, die er zum größten Teil an andere abgab; Jgclflcisch hat in SchillingSsürst sogar eine» gewissen Marktpreis. Ich habe den SchillingSfürstent anscheinend einen großen Schmerz aiigcthan, weil ich a ii g c b l i ch die„Meilschcnfreinidl'ichkcil" des alten Fürsten angezweifelt habe. Ist mir gar nicht eingefallen! Ich habe mich gegen seine meiner Ansicht nach mangelhafte Thäliglcit ans socialpoliiischem Gebiete gewendet, niit der die bekannte sürstliche „Leutseligkeit" zc. sehr wohl zu vereinigen ist. Wer die Ausgabe» des Staatsmannes mit der Spendnng von Almosen, dein Ueberlasseit von ein paar Acker Ried bereits erfüllt glaubt, der mag in Chlodwig von Hohenlohe das Ideal eines Reichskanzlers bestanncn; ich freilich vermag diese Bewunderung nicht zu teilen, nicht einmal, wenn ich den Katalog Hohcnlohcschcr Wohltbätigkcit durchmustere, der nach der„A, A." folgende Punkte timfaßt: Ein Franenvcrcin erhält jährlich 200 Rknrl; Wöchnerinnen bekommen Wäiche; sehr alte Leute werden in einem Rettinigshause verpflegt; der Fürst zahlt dazu 380 Mark jährlich; zwei Jahre lang hat er außerdem 8 Klafter Holz gespendet; bei Familienfesten thut sich die fürstliche Wohlthäligkcit kund; beim Tode der Fürstin haben zirka 40 alte Frauen je 10 M. (-- 400 M.) erhalten; 12 Arme beziehen eine jährliche Rente; dem Turnverein gab der Fürst 1000 M,, für ein Armenhaus 2000 M.. für Kinder von Gewerbetreibenden 2000 M,; in den Wäldern darf Leseholz gesammelt werden; seit 1848 zahlt der Fürst Gemeinde- Umlagen. Das ist alle? sekir schön von dem RcichSkanzker. Doch all diese Wohlthätigkcitswerke ändern nichts an den nicht erschütterten Thatsachcn: 1. in dem Orte Schilliiigsfürst, der„uicht blosz ans jämmerlichen Hütten" besteht, lebt ein großer Teil der Bevölkerung in unwürdigen Wohnungsvcrhältniijcn; 2. während ein Teil der Familienväter unter zeitweiliger Snspendicruiig der Familienverhältinsse im Sommer auswärts arbeiten muß, plagt sich ein anderer in der absolut sterile» Hausindustrie der Korb- flcchtcrci zu Nutz und Frommen einiger Verleger; 3. auch die anSwärtS Arbeitenden(Maurer) können zum Teil nicht genug ver- dienen, um während des Winters ihre Familie zu ernähren; 4. unsere Angaben über die beklagenswert niedrigen Löhne der Gntsarbcitcr und Flcchter sind nicht bestritten worden; 5. wir haben ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Fürst Hohenlohe in Schillingsfürst nicht Arbeitgeber ist; 0. die Ergänzung deS Lebciisnnterhalts wird von den SchillingSfürster Arbeitern im Winter vielfach im Bettel gesucht; 7. alS Fleischnahrung dient den Proletariern dort vielfach der Sauigel(zum Teil auch Rifselpossert— Hundefleisch); 3. ein Teil des Proletariats trägt selbst in seiner Sprache, dem sogenannten Jcnisch, die deutlichen Merkmale der zur Vagabondage ausartenden Verkommenheit; 9, diese Zustände herri'chcn am Stammsitz des Hohenloheschcn Hauses; 10, irgend ein Einfluß der modernen Arbeiterbewegung hat sich in diesem Erdenwinkel bisher nicht geltend gemacht. Drcihmidcrtundfünfnndsechzig Fenster, so viel wie daS Jahr Tage, hat das Schloß des Fürsten Chlodwig. AnS jedem Fenster können die Insassen die Blicke ans daS Elend eines verkommenden Proletariats schweifen lassen, dem oft sogar der Besitz der ärmlichen Hütte nichts ist alS eine Fessel, die ihn an die Scholle kettet. Welch ein Gegensatz zwischen dem Herrensitz dort oben und den Wohnstätten auf dem Schaf- hos! Aber diese Gegensätze sind wohl ein notlvciidigcr Bestand der gottgewollten Ordnung, und nur Hetzer und Rädelsführer mögen Anstoß daran nehmen: Ins Zuchthaus mit ihnen, dann herrscht Wohlgesallen ans Erdenk Viator.- VersÄmmlungen. Vcrlliicr GewerkschaftSkoiiimission. In der Delegierten- Versammlung, die am Donnerstag in den„Arininhallen" stattfand, wurde die Debatte über den neuen Abstiinmnngsmodus fortgesetzt. Dazu sind noch folgende Anträge eingegangen: Von den Lithographen und Stcindrnckcrn: Die Gewerkschafts- kommission möge über alle Anträge zur Tagesordnung übergehen und daS Bureau beauftrage», ihr im Herbst d. I. einen Etat jür das nächste Jahr vorzulegen, in ivclchcm die Einnahmen nach folgen« den Gcsichtsplinktcn einzusetzen sind: 1. Alle Gewerkschaften werde» pro Kopf ihrer Mitglieder zu den Beiträgen eingeschätzt, jedoch mit der Maßgabe, daß diejenigen Gewerkschaften, niclche ein eigenes Bureau und besoldete Beamte haben, nur dieses Satzes zu tragen haben. 2. Von allen durch daS Gclvcrkschastsbnrcan gehenden Geldern werden 5 Proz. für ttnkostcn in Abzug gebracht. Bezüglich der Bcitragslcistung pro 1899 bleibt es bei den seiner Zeit vor- gcnommcncn Festsetzungen. Von den Sattlern: lieber solche Fragen, die entweder sofort Kosten verursache»,(z. B. Anstellmig von Beamte») oder voraus- sichtlich zu Ausgaben führen(Genehncigmig von Streiks), muß auf Antrag von mindestens 10 Delegierten in der Weise abgestimmt werden, daß ans je 500 orzzanisierte Arbeiter, die ein Delegierter vertritt, eine Stimme gerechnet wird. Voranssetznng dieses AbftimintnigSinodnS ist, daß auch die entstehenden laufenden Kosten von den Gewerkschaften je nach ihrer Größe aufgebracht werden. Bei der Abstimmung über solche Fragen, bei denen ein finanzielles Interesse nicht � vorliegt, hat_ jeder Delegierte nur eine Stimme. In ziocifelhafteii Fällen entscheidet die Versammlung der Delegierten mit cinfachcin Sliminrecht und einfacher Majorität, ob ein finanzielles Jnlcreffe vorliegt oder nicht. Die Nkarmor-»nd Granitarbeitcr beantragen: Bcilragsleistmig und Abstiiiininng prozentual der Mitglieder. Wie in der vorigen Versammlung, so war auch diesmal die Diskussion über den vorliegenden Punkt eine äußerst lebhafte. Namentlich waren es Vertreter kleiner Gewerkschaften, die einer Neu« rcgclniig der Abstimmimg entgegentraten. Sie sürchten, daß die von großen Gewerkschaften gestellten Anträge vorlviegcnd den Zweck haben sollen, die kleinen Gewerkschaften an die Wand zu drücken, respektive i» die großen Verbände hinciiiziizwiugen, Man ließ auch durchblicken, daß die kleinen Gewerkschaften falls ihren Wünschen nicht Rechnung getragen werde, in anderer Weise als durch die Gciuerkschaflökonuiiiisioii für eine Vertretung ihrer Jntcresjeii sorgen würden. De» Ansichten der Vertreter kleiner Gcivcrkschaflcn seblosscn sich im ivescntlichcn auch die Vertreter einiger größerer lokaler Gewerkschaften an. Mit Entschiedenheit traten die Vertreter der großen ccntralorganisierten Gewerkschaften für Ney- rcgclnng des Absiimittniigsmvdus entsprechend der Mi lgkicdcrzahlnnd der zu leistenden Beiträge ein. Von dieser Seite wurde hervorgehoben, daß. wenn der bisherige Modus beibehalten werde, man sich nicht ivniidcrn dürfe, wenn die großen Gewerkschaften solche Anträge, bei denen sie nbcrstimmt werden, nicht befolgen, wenn es sich dabei um finanzielle Opfer handelt. Ein von D L b l i n gestellter Antrag: Tie Regelung deS Bcitragsmodns einer Kommission zu überweisen, wurde in iiameiitlicher Abstimmung abgelehnt, ebenso die vorstehenden Antrüge der Sattler und der Lithographelt, sowie die in Zfie. 145 des �Vorwärts"(Vcrsammli'.ngSbcricht) mitgeteilten Anträge 1 und 2. Angenommen, und zwar mit 33 gegen 21 Stimmen, wurde der Antrag 3. welcher von den lolalorganisiericn Maurern, Zimmerern, Handclshilfsarbeitcril, Stockarbcitcru, Kürschnern, Flicscnlcgcru und Möbclplllicreni gestellt ist. Derselbe hat folgenden Wortlaut: Die in der Resolution vom 7, Mai 1897 fcftgclcgtc Zusammen- setzung bleibt bestehen und zivar so, daß bei Abstinnnungcn von jeder Gruppe bis zu 1500 Mitgliedern eine Stinnnc, bis zu 3000 Mit- gliedern zwei Stimmen und über 3000 Mitglieder drei Stimmen ab- gegeben iverden können. In dieser Versammlung fehlten die Delegierten der Bäcker (centr.), Branerei-HilfSarbeitcr, Barbiere, Fabrik- und Hilfsarbeiter (ceutr. und lok.), Graveure und Ciselenre,.Händler, Prodnktcn- hündler, fiaffcicbotcn, Schriftgießcr, Musiker, Mützenmacher, Möbel- policrcr. Charlottcuburg. Im Saale der GambrinnS- Brauerei tagte am 5. Juli eine gut besuchte öffentliche M a l e r v e r s a m m- l u n g, in welcher Kollege F l e in m i n g über die gegenwärtige Lage im Baugewerbe und die Aussperrung der dänischen Bauarbeiter in eingehender Weise referierte. Am Schkilß seiner Ausführungen empfahl Redner, die dänischen Bauarbeiter, spccicll die Maler in jeder Hinsicht moralisch und pekuniär zu unter- stützen, dann wird daS Wollen des Unternehmervcrbandcs, die Organisationen der Arbeiter durch den Hunger z» vernichten, zu Schanden werden, Tie Diskussion, in der I o st, Matzkc, H c i- mann, L a b u d e n. n. das Wort nahmen. bewegte sich im Rahmen des Referats und wnrdc sodann eine Resolution an- acnommen, welche besagt, daß zur Untersnitznng der dänischen Kollegen 25 Pf.- und 50 Pf.- Marken vom Vertrnnensmann verausgabt wdrdc» sollen. Eine lebhafte Debatte zeitigte noch die Besprechung über die am 2. Juli in der„Flora" stattgehabte Jmiuiigs- Versammlung, in welcher ein Gehilfenansschnß gewählt Ivnrde. Von verschiedenen Rednern wurde mitgeteilt, baß zu dieser Versammlung nicht alle Gehilfen, welche zur Zeit bei JiinmigSmeiftenr beschäftigt waren, eingeladen worden sind, und lasse sich deswegen ein Protest gegen diese Wahl rcchtfenigcn. Eine nächste einzuberufende Ver- InmMlung wird sich nochmals mit diesem Thema beschäftigen. In die Kontrollkommission für Bauten wurden Flemming und Lange delegiert. Bekannt gegeben wurde noch, daß am 12. Juli bei Leder, Bismarckstr. 74, die Mitgliederversammlung des Verbandes stattfindet. Elektrotechnischer Gewcrkverei» Berlins und der Umgegend. Heute, abends 8>/, Uhr, bei Jnimendors, Sophienstr. 5: Sitzung. Freircligiösc Gemeinde. Sonntag, den S.Juli, vorm. SV, Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alcxanderstrahe 27o, Versammlung: Freireligiöse Vorlesung,— Um lOV, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag deS Frl. Ida Alt mann:„Die gute alte Zeit,"— Gäste willkommen, Verein der Bnchdrncker tind Schriftgiester für Rixdorf> Britz. Sonntag, den S, Juli, nachm, X Uhr: VeretliSversammlung in den Bictofta- Sälen, Hermannsiraste(kleiner Saal). Ter Verein zur Vorbereitung einer Konsnmgenossenschast für den Süden und Südwesten Berlins beruft am 11. Juli bei Bickel in der Hasenhetde«ine gröbere Versammlung ein, tu der die Zielt des V-reinö dargelegt werden sollen, Anthracitwerke Gustav Schulze G. m. b. H. Berlin SO., Kottbnser Ufer 34, Telephon; iv,»su.| Charlottenbnr� vis-a-vis JLützow, Teicpbon mo offerieren ihre pntentamtlich eingetragenen anerkannt besten Anthracite der Welt iSnnriise„Big' Voiii". n»11 11-Cac»(n nrn on„BZg� Vein" in sorgfältigster Aufbereitung und Sortierung für alle Arten Eegulier-Föll-Oefen zu folgenden billigen Aaanalime-Somnierpi'elsen; la Snnrise Antbracit„Big Tein"........... Mk. la Owanii-€ae-Ourweii Authracit„Big Vein" Salon. Mk. 1,90 nur für Cade-Oefen passend: do. do. Cade.• Mk. 1,60 bei Bezug f% von 30 Ctr. Bi« Vein , nnd mehr, lieferbar bis 1. September er. für die bis 31. Juli er. eingehenden Bestellungen.— Preise einschliesslich Anfuhr und Abtragen, Boden oder Keller in Berlin oder Charlottenburg netto Cassa. Nach Orten in der Umgebung Extrafuhrlohn je nach Entfernung. 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