Sonntag, 3. Oktober 1937 17. Jahrgang Erscheint mit««»«ahm- de» Montag täglich früh z Einzelpreis 70-etter «edaktion und Berwaltung: Prag XL, Fochova 62- Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub- Perantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Sozial- emokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei tu der Tschechoslowakischen Republik Nu» dem Inhalt: Nochmals dl« Wirtschaft des Getreidemonopols Oesterrelchisdier Jesuitenpater wirbt um Verständnis für die Sozialdemokratie Raubmord bei Podersam Nr. 233 Die Note in Rom überreicht Mussolini rechtzeitig ausgerissen Ordentliches Budget ausgeglichen Vortage eines außerordentlichen Voranschlags— Schaffung einer Finanzordnung— Die Amortisationskasse Die Verhandlungen, welche zwischen dem Ministerpräsidenten und dem nn« ernannten Finanzminister Dr. Kalf« S geführt worden find, haten eine Einigung darüber gebracht, daß gleichzeitig mit dem ordentliche» Budget ein außerordentliches Budget vorgelegt werden wird, in welchem die für jene Militärmaßnahme» notwendigen Ausgaben enthalten sein werden, die bereits vor den Ferien in der Sitzung des obersten BerteidigungsrateS unter dem Borfitz deS Präsidenten der Republik beschlossen und vom Ministerrat ebenfalls vor de« Ferien bereits genehmigt wurden. Dabei wurde der Grundsatz beibehalte«, daß das ordentlich- Budget ausgeglichen sein wird. I« dem außerordentlichen Budget werde« gewisse produktive Investitionen enthalte« sein. Bei der Konferenz deS Ministerpräsidenten mit dem Finanzminister wurde auch der Vorschlag Dr. KalfuS' auf Schaffung einer Finanz» o r d n u n g genehmigt, die den Zweck verfolgt, «in« gesamte und systematische Neuregelung der Budgetpolitik und der Kontrolle herbeizuführen. Diese zwei wichtigen Angelegenheiten wurde« bisher entweder nach Bestimmungen älteren Datums behandelt oder eS waren darüber Bestimmungen im Finan-gesetz enthalten. Diese Neuregelung wird de« bisher bestehenden Mangel beseitigen und eine fest« Ordnung in die DtaatSfinanzen bringe«. »ei der AmortisationSkasse handelt eS sich vorläufig um eine Rahmenentscheidung. Der erste Zweck der Kasse ist die Garantie vollkommener Rechtssicherheit für die Besitzer von StaatSpapieren. Die Art der Alimentierung dieser Kassa wird abhängen von der genauen Umgrenzung ihrer Aufgaben und zwar je nachdem ob die Kasse der Amortisierung und Verzinsung »der nur der Amortisierung diene« wird. « Aus dieser Darstellung der Tatsachen geht hervor, daß man Mittel und Wege finden muß, um die Bedeckung des außerordentlichen Voranschlages zu finden. Wir glauben nicht, daß eS zweckmäßig wäre, zu irgend welchen Konsumsteuern zu greifen rmd die Massen der Bevölkerung dadurch zu belasten. Das Lohnniveau der arbeitenden Massen ist niedrig, es steht noch tief unter jenem deS Konjunkturjahres 1S2S, jede Belastung der Bevölkerung würde also den Realwert der Löhne senken und die Arbeiterschaft zwingen, in neu« Lohnbewegungen einzutreten. Vielleicht wäre es an der Zeit wieder einmal an die Opferwilligkeit der Bevölkerung zu appellieren, nämlich jener Bevölkerungsteile, die in der Lage sind, materielle Opfer für den Staat bringen zu könne«. Die außenpolitische Situation, in der wir uns befinden ist eine ganz außerordentliche und man kann sich nicht denken, daß das Rüstungstempo» wie es jetzt Europa in Atem hält, ewig andauern wird. Alle jene, die über mehr verfügen, als was unbedingt lebensnotwendig ist, könnten dem Staat einen Beitrag leisten, damit er über die Schwierigkeiten leichter hinwegkommt. Es gibt bei unS reiche Aktiengesellschaften, Banken, Versicherungsanstalten, Großgrundbesitzer und vermögende Einzelpersonen, di« die Möglichkeit hätten, ihren Patriotismus zu erweisen. Das wäre ein wahrhafter Patriotismus der Tat. * Kalfus ernannt Prag. Der Präsident d«r Republik hat mit eigenhändigen Dekreten vom 2. Oktober den Minister für Unterricht«nd Bolkskultur Doktor Emil Franke von der Leitung deS Finanzministeriums enthoben und den Sektionschef Dr. Loses K a l f« s zum Minister ernannt und mit der Leitung deS Finanzministeriums betraut. London.(Eigenbericht.) Die französisch, britische Rote in der Freiwilligenfrage ist SamS- tag in Rom überreicht worden. Graf Crano er- klärte, daß die Antwort Italiens wahrscheinlich erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden kann, da Mussolini sich zur Zeit auf Ur- laub in seinem Landsitz Rorea dei Laminate befinde. Mussolini ist erst SamStag vormittags mit seinem Flugzeuge nach F o r l i geflogen, um sich auf seinen Sommersitz zu begeben. Paris. Die französische Regierung hat in einem Ministerrat» der im Sommersitz deS Präsidenten der Republik in Rambouillet stattsand, nach dreistündigen Beratungen bedeutungsvolle Beschlüsse gefaßt, die in sechs Resolutionen niedergelegt sind und vor allem die W ä h- rungsfrage betreffen. Der Finanzminister erstattete ein ausführliches Expoft über die finanzielle Situation, namentlich über den Stand der Währung. Sodann nahm der Ministerrat«instimmig eine Resolution an, in der es heißt: Der Ministerrat konstatiert, daß kein sachlicher Grund den Druck der Spekulation auf die französische Währung rechtfertigt, der in der letzten Zeit z« bemerken ist. Der Staats- haushalt ist ausgeglichen, die Situation der Staatskasse hat eine Entlastung erfahren, die finanzielle Situation Frankreichs ist gesund. Die finanzielle und wirtschaftlich« Situation kann daher die Schwierigkeiten auf dem Devisenmärkte nicht begründen, auf dem eher PsYcho- logische und politische Ursachen zur Auswirkung gelangen. Der Ministerrat bestätigt seine Einmütigkeit in folgenden Resolutionen: Die Regierung stellt sich entschlossen gegen jede D evisenkontrollma ßnahme und will der WährnngSfreiheit und der durch daS Dreierabkommen vom September 1836 auSge- drückten Politik Ire« bleiben. Die Regierung hält an der Friedenspolitik fest, die Außenminister DelboS nunmehr 18 Monate erfolgreich durchführt. Im Einvernehmen mit Großbritannien wünscht Frank- London.(Eigenbericht.) Der Völkerbundrat ist Samstag zusammengetreten, um die Spanien-Resolution zu beschließe«. Die italienischen ASkari(Albanien, Ungarn, Oesterreich) haben Abändrrnngsanträge gestellt, welche der Resolution die Spitzen gegen Italien nehmen sollen. So soll auS der Resolution die Erwähnung der fremden in Spanien kämpfenden Armeen beseitigt«nd durch di« Bemerkung ersetzt werde«, daß„fremde Truppen auf beiden Seiten" in Spanien kämpfen. Ferner soll die Ankündigung verschwinden» daß man den Grundsatz der Nichteinmischung auf- geben werde, wenn die Freiwilligen nicht zu- rückberufen werden. Irland, Portugal und einige südamerikanische Staaten enthielten sich der Stimme. Litwinow erklärte, daß Rußland sich Vorbehalte, den Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem die Forderungen alS von Italien abgrlehnt gelten können. Der englische Vertreter E l l i o t und Paul- B o« e o« r(Frankreich) wandten sich gegen die AbänderungSanträge. Der Vertreter Spaniens erklärte unter Vorbehalten seine Zustimmung zu dem Entwurf. Die Rote soll in sehr freundschaftlichem und höflichen Ton gehalten sein und Italien ersuche«, an dem Versuch einer schnellen Lösung aller mft der ausländischen Intervention im Spanien zusammenhängenden Kragen mitzuwirken. Die Rote enthalte 300 Worte. Die italienische offiziöse Presse erllärt» daß die Freiwilligen frage vom Londoner Richtinter- ventionSausschuß diskutiert werden müsse. Sollte daS die Meinung Italiens sein» so wäre mit einer beträchtlichen Verschärfung der Span- n u n g im Mittelmeer zu rechnen. reich, daß alle übrigen Staaten di« Nicht- intervention in Spanien respektier*«. Die Regierung wird weiterhin di« Interessen Frankreichs energisch verteidigen. Der Ministerpräsident wird ermächtigt, in besonderen Fällen Aenderungen ander 40-Stnndenwoche vorzunrhmen. ES handelt sich dabei, wie»«-geführt wird, um Industrien, in denen Mangel an gelernten Arbeitern besteht. Die 40-Stundenwoche soll hier später wiederherge stellt werden. Borlänfig soll eine Verlängerung der Arbeitszeit nur bei gleichzeitiger Lohnerhöhung in den betroffenen Branchen erfolgen. Die Unternehmer«nd die Arbeiter werden aufgrfordert, keine illegalen Aktionen(Verletzung der Kollektivverträge, Lesetzimg bestreikter Fabriken) z« unternehmen uud sich der Schiedsgerichtsbarkeit zu unterwerfen., Gegen die ausländischen politischen Agitatoren— gemeint find die Agenten Franco- und die »Urheber der Bombenanschläge— sollen energische Maßnahmen ergriffen werden. Die angekündigten Aktionen der Regierung sollen nicht Gegenstand der Auseinandersetzung bei de« kommenden Kantonalwahlen sein; die Regierung wünscht diese Wahlen zu e n 1 p olitis i e r e-n und glaubt, da- durch die Beschlüsse vom SamStag erreicht zu Haven. Der Fran« erreichte SamStag seinen n i« d r i g st e n K u r- seit elf Jahren. An der Prager Börse wurde er zum MittelkurS von 84.80, also beträchtlich unter Pari, notiert. Än der ausführlichen Debatte im Bölker» vundplennm sprachen am Abend lediglich die Vertreter kleinerer Staaten, darunter Ungarns, Oesterreichs, Albaniens und Portugal-. Bei der mit Spannung erwarteten Abstimmung stimmten 32 Staaten, darunter England und Frankreich sowie die Tschechoslowakei, für die Annahme der Resolution, während fich 14 Staaten(darunter von europäischen Staaten Oesterreich, Ungarn, Bulgarien, Schweiz und Irland) der Stimme enthielten«nd die zwei kleinsten Trabanten der faschistische« Friedensstörer, Portugal und Albanien, dagegen stimmten. Da die Avstim» mungsordnung für die Annahme einer solchen Resolution Stimmeneinhelligkeit vorsieht, gill die Resolution alS abgelehnt. An dem tatsächlichen Willen der beide« Westmächte, der italienischen Intervention in Spanien baldigst ein Ende zu bereiten, dürfte dieser AnSgang der Abstimmung kaum etwas ändern, da ja die überwältigende Mehrheit der Bötterbundstaaten fich für diese Resolution ausgesprochen hat«nd daS Wort Portugals und Al- baniens vor dem internationale» Forum nichtbedeutet. Sudetendeutsche Wirtschaftssorgen Die Entwicklung der industriellen Wellpro» duktion strebt allmählich einer neuen Hochkonjunktur zu. Schon jetzt ist der Umfang der industriellen Erzeugung der Welt wesentlich größer al- 1929. Nach der Statistik des Böllerbundes lag der Index der industriellen Erzeugung der Welt im Mai 1937 um sechs Punkte, jener der industriellen Produktion Europas» ohne die Sowjetunion, um neun Punkte über 1929. Obwohl die Erzeugung der Industrie der Well also schon wesentlich größer ist al- im letzten Borkrieg-jahr, gibt es bemerkenswerte Unterschiede von Land zu Land. Einige Staaten haben den Umfang der industriellen Erzeugung des Jahres 1929 weit übchfchritten» andere haben ihn noch nicht erreicht. Das beweist, daß es verfehlt wäre, von einer allgemeinen, die ganze Wellwirtschaft umspannenden Hochkonjunktur zu sprechen. Zu den Ländern, deren industrielle Erzeugung nahezu wieder den Stand von 1929 erreicht hat, gehört die LSR. Aber der wirtschaftliche Aufschwung in unserem Lande ist viel später eingetreten als in den Staaten, die gegenwärtig an der Spitze des Aufschwunges stehen. Die verhältnismäßig späte Einglie« derung unserer Wirtschaft in den konjunkturelle« Aufstieg ist auS unserer Abhängigkeit vom Export, also von der Kaufkraft deS Ausland«-, art- den andauernden handelspolitischen Schwierigkeiten der Ausfuhr, namentlich in unsere alten Märkte, aber auch aus der mangelhaften Förderung unseres Exporte- erllärlich. Die Umstellung der tschechoslowakischen Ausfuhr auf entfernter» Märkte, vor allem auf die kaufkräftigen Länder Nord« und Westeuropa- sowie auf überseeisch« Gebiete, geht lang und unter unendlichen Schwierigkeiten vor sich. Wa- auf den fteien Märkten gewonnen wurde, ersetzt noch lange nicht den großen Verlust, den unsere Exportindustrien in Mitteleuropa zum größten Teil dauernd erlitten haben. Auch innerhalb der tschechoslowakischen Wirtschaft ist die Entwicklung der Aonsunktur keineswegs einheitlich. Der glänzend beschäftigte« Schwerindustrie stehen die schlechter beschäftigten Verbrauchsgüterindustrien gegenüber. Während die Erzeugung der Eisen- u. Stahlindustrie Re- lordziffern erreicht hat, liegt die Produktion der GlaS-, Porzellan-, Stein- und Erden-, der Holz-, Belleidungs« und Nahrungsmittelindustrie noch beträchtlich unter dem Stand von 1929. Ein« Ausnahme unter den Konsumgüterindustrien bildet« lediglich die Textil«,. Papier- und Lederindustrie, deren Produktionsindex Mitte 1937 bereits über 1929 lag.'Der Aufschwung in unserem Lande ist daher nicht allgemein. Depression in einem beträchtlichen'Teil unserer Wirtschaft und Hochkonjunktur in anderen Zweigen— daist das Bild, dar unsere Wirtschaftslage gegenwärtig bietet. Die Wirtschaft der Tschechoslowakei hat di« Krise noch nicht überwunden. Es gibt untrügliche Anzeichen dafür» daß sie die Folgen der Krise auch niemals überwinden wird, wenn di« Wirtschaftspolitik des Staates nicht entschlossen« und großzügige Maßnahmen zur Bekämpfüng der dauernden Krisenschäden durchführt. Wir nehme« zum Beweis dessen als Beispiel die Texttlindu- strie. In der Zeit von 1929 bi- Mtte 1937 wurden allein in der in den deutschen und gemischtsprachigen Gebieten befindlichen Textilindustrie 166 Betriebe eingestellt, die über. 26.000 Arbeiter beschäftigten. In diesen Gebieten gibt eS unbestritten industrielle Friedhöfe. Di« meisten stillgelegten Betriebe haben die Erzeugung dauernd eingestellt. Nur bei einem Bruchteil besteht noch die Möglichkeit» die Produktton mit Hilfe von Krediten wieder aufzunrhmen— wenn dl« Kredite zu beschaffen sind. Die Textilindustrie ist ein typische- Beispiel für die ungünsttge wirtschaftliche Lage unsere» Grenzgebiete. Trotzdem der Index der Produktion der Texttlindustrie im Juni um nahezu 11 Punkte den Stand von 1929 überschritten hatte und viel« Betriebe mit Hochdruck arbeiteten» gab e- Mitte 1937 allein in den Grenzgebieten noch 79 Tex« ttlfabriken, deren Belegschaftsstand ttef unter 1929 lag. Der Aufschwung der Textilindustrie hat also weder alle laufenden Betrieb« noch all« Texttlgebiete gleichmäßig erfaßt. Die Aussichten für einen weiteren Aufstieg unserer Wirtschaft sind nicht sehr günstig. Di« Textilindustrie weist fest Mitte 1937 empfindliche Krisenstimmung in Paris überwunden Keine Devisenkontrolle— Kantonalwahlen entpolitisiert Spanien-Resolution ausgerechnet von Albanien und Portugal torpediert ' TeitL 2 Sonntag, 3. Oktober 1937 Nr. 233 -Rückschläge aus. Zweige melden Kurz« arbeit, zum Teil auch schon Entlassungen. In den 'Kamgarnspinnereien waren im Jänner 1937 ;10.100 Arbeiter beschäftigt, in der Zeit von Mitte Äugust bis Mitte September d. I. 9600.'Davon .arbeiteten 30 bis- 40 Stunden wöchentlich im Jän- ner 14.8 Prozent, in der Zeit von Mitte August bis Mitte September 46.9 Prozent. 20 bis 80 Stunden in der Woche waren im Jänner überhaupt keineÄrbeiter-beschäftigt, Mitte August bis Mitte September.44.2 Prozentl Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit ist also stark zurückbegangen. Die rückläufige Beschäftigung in einzelnen Zweigen der Textilindustrie fällt in eine Zeit, in der in der. Regel aus saisonmäßigen gründen eine' Belebung einzusetzen pflegt. Und bas erscheint besonders bedenklich. Vieles-deutet darauf hin, daß die Weltkonjunktur gleichfalls vor neuen Rückschlägen steht. Die Märkte einzelner Rohstoffe weisen während der letzten Wochen eine beunruhigende Preisbewegung auf. Die Preise verschiedener Rohstoffe sind beträchtlich gesunken. Unsicherheit in der Preisbewegung der Rohstoffe und damit Beunruhigung in ihrer industriellen Verarbeitung machen sich Wiedel KiiierfbÄc.'Die Rohstoffderbraucher schränken ihre Bezüge im Hinblick auf die Preissenkungen auf den unumgänglich notwendigen Bedarf ein. Der Krieg im Fernen Osten hat die rückläufigen Tendenzen der Preisentwicklung einzelner Rohstoffe noch verschärft und überdies wieder eine gewisse Unsicherheit-des Welthandels hervorgerufen. Die sich füo unseren Export daraus ergebenden Perspektiven sind nicht günstig. Wenn die Weltkonjunktur 1939 ihren Höhepunkt erreichen sollte, wofür vieles spricht, dann würde dies für unsere Wirtschaft einen neuen, empfindlichen Rückschlag in einem Zeitpunkt bedeuten, in dem wir von einer allgemeinen Hochkonjunktur noch weit entfernt sind. Die Lage unserer Exportindustrien und die andauernde Krise in einzelnen Zweigen und Industriegebieten erfordert außerordentliche Beachtung. Wir könnten in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit' und im konjunkturellen Aufschwungs schon ein gutes Stück weiter sein, wenn die Wirtschaftspolitik großzügiger und rascher gearbeitet hätte. Es hat lange Zeit gedauert, bevor die Refundierung dec Handelssteuern für einige Industriezweige verwirklicht wurde. Seit vielen Monaten.wird übe: die gleiche Maßnahme für die Textilindustrie verhandelt, ohne daß bisher ein praktisches Ergebnis erzielt wurde. So verstreichen kostbare Monate, in denen unserer Wirtschaft beträchtliche Chancen auf dem Weltmarkt entgehen. In, der Frage der Organisation des Exportkredites ist noch nichts geschehen. Die Re- vrganisation des Exportinstituts, seine bessere! finanzielle Ausstattung, erfolgte sehr spät. Auch die Baubewegung ist in den Grenzge-1 bieten im Durchfchnitt unöefrtedigettd.'Von"ein'er■ guten Baukonjunktur in den Grenzgebieten zu sprechen, wäre eine Uebertreibung. Der Wohn- hausbau stockt noch immer, weil zahlreiche Sparkassen noch nicht in der Lage sind, Hypothekarkredite in hinreichendem Umfange zu gewähren. Wir sind-Mr Ueberzeugung, daß wirtschaftspolitisch zu wesiig zur Hebung der Ausfuhr geschehen ist. Wir können uns mit der Einstellung her Produktion in einigen hundert Betrieben nicht abfinden. Unter den jetzt noch stillstehenden Betrieben gibt es noch eine Anzahl, die technisch alle Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der Produktion bieten, wenn die Beschaffung von Produktionskrediten gelöst wird. Die Erlangung von Krediten bei den Privatbanken ist schwierig. oft unmöglich. Zumeist bleibt als einziger Ausweg ein Kredit bei einem öffentlichen Kreditinstitut- mit der Zusicherung der Staatsgarantie..Aber die Gewährung der Staatsgarantie ist häufig schon bei laufenden Betrieben nicht leicht. Bei stillgelegten Betrieben vergehen in der Regel viele Mopate, bevor das Verfahren zu einem positiven Ergebnis führt. Eine liberalere und raschere Durchführung der Staatsgarantie für Produktionskredite an laufende und stillstehende Betriebe würde tausenden Arbeitslosen wieder Beschäftigung geben, der Nationalbank Devisen aus Exporten zuführen, der Staatskassa Millionen Ar- beitslcksenunterstützung ersparen und die wirtschaftliche und soziale Lage einzelner Gebiete -erleichtern. Für ganze Gemeinden und ehemalige Industriegebiete ist derzeit, so lange nichts Durchgreifendes zu einer weiteren Hebung des Exportes und zur Wiederinbetriebsetzung stillstehender Unternehmungen geschieht, die Durchführung öffentlicher Arbeiten die einzige Möglichkeit, die Arbeitslosigkeit vorübergehend zu mildern. Tausende Arbeitslose haben erwartet, daß durch die Errichtung des JnvestitionSbeirates beim Mini« sterratSpräsidium die Durchführung öffentlicher Arbeiten nicht nur rascher, sondern in den Notstandsgebieten auch großzügiger vor? sich gehen wird. Nach fast einjährigem Bestand des Jnve- stitionsbeirates fällt«in Vergleich zwischen den Erwartungen und den Packtischen Ergebnissen Nicht befriedigend auS. Einzelne behördliche Stellen bearbeiten die ihnen vorgelegten Investitionsprojekte so, als ob ihre Durchführung ohne nach- Auf dem Wes in die Verbannung Die arabischen Geschäftsleute streiken Jerusalem. Der britische Kreuzer„Sussex" lief Samstag früh mit vier der verhafteten arabischen Führer von Haifa aus, kehrte jedoch nach kurzer Zeit wieder zurück. Man glaubt, daß die arabischen Führer auf ein anderes Kriegsschiff gebracht worden sind, das sich sofort nach den Seychellvn-Jnsebn im Jüdische« Ozean begebe« wird. Der Präsident der arabischen Partei, Hussein, dessen Verhaftung am Freitag gemeldet wurde, ist entkommen. Verhaftet wurde lediglich der Führer der arabischen Jugend gleichen Namens. In Jerusalem find alle arabischen Geschäfte geschloffen und wahrscheinlich werden auch in den übrigen Städten die arabischen Geschäftsleute schließen. In Palästina stehen nunmehr 7500 Soldaten in ständiger Bereitschaft, um jederzeit die Ordnung und Sicherheit deS Landes zu sicher«. INuleseu kehrt nach Bukarest zurück Bukarest. Wie der„Adeverul" meldet, wird der frühere Außenminister TituleScu in den ersten Tagen des Monats Oktober nach Bukarest kommen und hier sein Lehramt als Universitätsprofessor wieder aufnehmen. Er will sich der Lehre des Völkerrechtes widmen. Nach den vorliegenden Meldungen soll TituleScu auch beabsichtigen, aktiv in die rumänische Innenpolitik einzutreten. teilige Folgen durch längere Zeit verzögert werden könnte. Wir stellen dies alles fest, um auf die Not-i Wendigkeit eines rascheren Tempos unserer Wirtschaftspolitik hinzuweisen. Aber wir konstatieren diese Tatsachen auch im Hinblick auf die Beratungen des Voranschlages für 1938. Ministerpräsident Dr. Hodza hat vor kurzer Zeit betont, daß die Schwierigkeiten der Bedeckung der Ausgaben nicht gering sein werden. Diese Schwierigkeiten sind leicht begreiflich. Die Steuereinnahmen, die ein Spiegelbild der Lage und der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft bieten, steigen nicht entsprechend den wachsenden Ausgaben. Rasche und wirksame Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung sind di« unerläßlichen Voraussetzungen für die Gesundung der Staatsfinanzen. Dies anläßlich der Beratung des Staatsvoranschlages festzustellen, haben wir nicht nur .vom sozialen, sondern auch vom volkswirtschast- lichen und staatsfinanziellen Gesichtspunkt für notwendig erachtet. Di« Zeit ist auch für unser Land vorüber, in der man die Ueberwindung von Krisen von der Automatik der Wirtschaft erwarten konnte. Gleich allen anderen Ländern befindet sich auch die ESR im UebergangSstadium zu einem staatlich gelenkten Wirtschaftssystem. Die Hebung der Ausfuhr, die WiederbeschäftigiM der noch vorhandenen Arbeitslosen sst auch bei uns zu einem großen Teil die Aufgabe der Handelsund Wirtschaftspolitik des Staates. Sie muß aber rascher und wirksamer eingreifen, weil es angesichts der Möglichkeit weltwirtschaftlicher Rückschläge keine Zeft mehr zu verlieren gilt. Verzweifelte Angriffe der Japaner Schanghai.(Reuter.) An der Schanghaier Front ist seit 48 Stunden ein verzweifelter Kampf im Gange, da die Japaner die Kommunikation Lotten—Liuhan in ihre Hände bekommen wollen. Einer Erllärung des chinesischen Sprechers zufolge hatten die Japaner von dieser Kom- munikatton ass einigen Stellen bereits Besitz ergriffen, wurden aber immer wieder verdrängt. In Schantung eingedrungen Tokio. Die an der Bahnlinie Tientsin— Pukeu operierenden japanischen Truppen haben die Grenzen von Hopei und Schantung überschritten und Sanjuan besetzt. Unterstützt von Ar« tillerie und Fliegern haben die Japaner einen Angriff auf Tetschou in der Provinz Schantung unternommen. Es ist dies das erstemal, daß stlpa- nische Streitkräfte in die Provinz Schantung eingedrungen sind. Sanitäre Hilfe für China Di« Budgetkommission des BöllerbundeS prüfte die Finanzmittel für die Gewährung einer! Hilfe auf sanitärem Gebiet an China. Falls die Versammlung ihre Zustimmung erteilt, wird der Völkerbund für diesen Zweck zwei Mllionen Schweizer Franken bereitstellen. Latour-Wahlsieg in Australien London.(Eigenbericht.) In dem australischen Bundesstaat Victoria fanden Wahlen statt, bei denen die Arbeiterpartei fünf Sitze gewann. Die Arbeiterpartei unterstützt, dort die bisherige Regierung. Die Wirtschaft des Getreidemonopois Weitere Angriffe des„Prävo Lidu“ Das„Prävo Lidu" setzt in seiner Samstag- nummer die Angriffe auf das Getreidemonopol fort. Das Blatt sagt, daß alle. Bemühungen, innerhalb des Monopols selbst Ordnung zu schaffen, gescheitert sind und nichts übrig bleibe als die Flucht in die Oeffentlichkeft. Das Monopol habe aus dem Ausland Korn gekauft, wobei es sich der Vermittlung von Wiener Agenten bedient habe, dadurch sei der Kauf verteuert worden. Als es zu den Abschlüssen kam, hat das Monopol die Schlußbriefe nicht selbst unterschrieben, sondern damit die agrarische„Kooperativs" betraut, die diesen Auftrag an ihre Schwesterorganisation „Agrarasol"' weitergegeben habe. Diese Gesellschaft hat zwar eigene gedruckte Schlutzbrief« formulare, in welchen angeführt ist, daß sie füt baS Monopol verkaufe, sie lehnt aber jede Verantwortung für die Qualität der Ware ab. Die tschechoslowakische Getreidegesellschaft selbst hat dem„Prävo Lidu" eine Antwort auf den Aufsatz dieses Blatts geschickt,.in welchem das„Prävo Lidu" scharfe Kritik an der Lagerung des Getreides geführt hat, dessen Folge die Verseuchung deS Getreides mit dem Kornwurm sst. Die Getreidegesellschast bestreitet daS, allerdings führt sie dabei keine Überzeugerchen Tatsachen ins Treffen. Wieder Lehrerpraktikanten an Volksschulen Die Regierung hat den Schulminister Dr. Franke über seinen Antrag ermächtigt, die Gültigkeit des Ministerialerlasses vom 19. Juli 1985 Nr. 92.252/1 über die Lehrerprakttkanten an Volksschulen für das Schuljahr 1937/38 zu verlängern. Die Erneuerung der Institution der Lehrer-Prakttkanten wird einen Aufwand von 8 Mllionen Kö erfordern. Der Präsident der Republik empfing am Samstag, den tschechoslowakischen Gesandten in Warschau Dr. Juraj S l ä v i k. Nachmittag fuhr der Präsident nach Läny, wo er das Grab T. G. Masaryks besuchte. Kanzler Sämal 70 Jahre. Am 4. Oktober wird der Kanzler des Präsidenten der Republik Dr. Pkemyfl Sämal 70 Jahre alt. In Prag als Sohn eines städtischen Beamten geboren, absolvierte er in seiner Vaterstadt Gymnasium und Universität, wurde Dottor der Rechte und eröffnete auch in Prag eine Advokatenkanzlei. Politisch gehörte er der Realistenpartei Masaryks an und wurde nach Ausbruch des Weltkrieges ein eifriges Mitglied der„Maffia", in der er ein« führende Rolle spielte. Nach dem Umsturz wurde er Vorsitzender der Verwaltungskommission der Stadt Prag und 1919 Kanzler des Präsidenten. Spanischer Gewerkschaftsbund unter neuer Führung London.(Eigenberich t.) Der spanische Gewerkschaftsbund hat eine neue Leitung erhalten. Zum Vorsitzenden wurde Gonzales P e n a gewählt, der ein Anhänger PrietoS ist. Die Richtung Prietos hat also nunmehr auch die Mehrheit in der Gewersschaftsführung. Largo Caballero wurde übrigens in die Leitung wiedergewählt. EINE GESCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUITÄTEN Copyright by Saturn Verlag 1936 Valerian nickte. Professor Mysenius begann umständlich die Ziffer in den Scheck einzusetzen. Es war eine Ziffer mit fünf Nullen. Professor MyseniuS schrieb sehr langsam. Als die letzte Null geschrieben war, wischte sich Valerian den Schweiß von der Sttrn. Er streckte langsam die Hand aus. Professor Mysenius schwenkte, um die Tinte trocknen zu lassen, den Scheck zwischen seinen Fingern. Valerians Hand näherte sich der des Professors. Die beiden Hände waren einander schon recht nahe. Valerians Hand folgte, magisch angezogen, den Bewegungen der Greisenhand, sie begann sogar gleich dieser leicht zu zittern. Endlich erhaschten seine Finger einen Zipfel des Schecks, Professor Mysenius soch erstaunt auf, Valerian lächelte freundlich und gedankenlos: „Er ist schon trocken", sagte er mit versagender Stimme und entwand dem mjld Ueber- raschten das Papier. Als nun Professor Mysenius umständlich den Schmuck in seine Aktentasche zu packen begann, beteiligte sich Valerian kaum an diesem Unternehmen. Widerwillig und erschöpft brachte er Seidenpapier und Holzwolle. Gleichzeitig beobachtete er, wie der Professor auf einer Liste die Stücke, die in der Tasche verschwanden, abstrich und er fragte sich voll Staunen, wozu der Mann das Zeug eigentlich mitnahm, warum er es nicht da liesi oder in den Garten hinauswarf. Endlich tvar alles beendet. Plötzlich riß Valerian in jäher Angst den Scheck aus der Tasche und begann ihn zu studieren; ein Scheck auf Villon& Bardet, eine unbekannte Privatbank... „So, jetzt ist alles in Ordnung", sagte Professor Mysenius,„ich bekomme da^ja wohl gleich eine Autodroschke?" »La, ein paar Schritte vor dem Haus", murmelte Valerian,„was ich noch fragen wollte: der Scheck wird ja doch morgen prompt honoriert?" „Ich nehme wohl an", sagte Professor Mv- senius,„ich verstehe von solchen Dingen gar nichts. TS sst aber anzunehmen. Also guten Tag, Herr Aronas, guten Tag". Valerian begleitete ihn bis zur Tür. Di« eigenen Füße dünkten ihn hundertkiloschwer. Mit schleppenden Schritten ging er ins Zimmer zurück. Die Luft war stickig. Er öffnete ein Fenster. Er setzte sich in den Fauteuil und blieb dort bewegungslos sitzen. ES war Sonntag. Mittag. Eiw Uhr. Die leerste aller Stunden einer Großstadt. Durch das offene Fenster blickte man auf den winterlichen Garten. Es war ganz still. Valeria» saß bewegungslos. Ich bin also jetzt ein reicher Mann... sagte er plötzlich laut vor sich hin. Dann wurde er noch imider. Es war noch immer sehr heiß im Zimmer, ein kalter Luftstoß fuhr herein und wirbelte einige Papiere hoch, die auf dem Schreibttsch gelegen hatten. Valerian rührte sich nicht. Er sah ihnen zu, wie sie durchs Zimmer tanzten und langsam zu Boden flatterten. Er sah«S mit müden Augen. Es tauchten auch noch einmal die Aeste der Gartenbäume auf und dann wunderte er sich, woher er diese kahlzarte nußbraune Landschaft so gut kannte. Diese wetten, langgestreckten Felder, diese jungen Birken— und Buchenwälder, weit dahinter die verstreuten Dörfchen; ja, er kannte sie. ES war lange her. Er hätte übrigens einen warmen Mantel mitnehmen sollen, der Wind pfiff manchmal scharf und dünn, man konnte sich erkälten, obwohl die Lust ganz lind und weich war. Ahiij, sagte der Kutscher und das Pferdchen trabte etwas 1 rascher. Daß die Straßen noch immer so verdreckt waren, und die Lust von irgend etwas, man konnte nicht sagen wovon, aber von irgend etwas einen Geschmack hatte, einen ganz eigenen Geschmack, ja, das war alles vertraut und erfteulich. Man hatte so ein beschwingtes Gefühl, das klein« grüne Wägelchen mit den offenen Sitzen, wacklig und knarrend,, rollte rasch dahin, bald würden sie ankommen und dann— die Gesichter. Was sie für Gesichter machen würden. Schneller, Kutscher! sagte er und trieb das Pferd selber an; kltsch so trieb man hier dje Pferdchen an, er wußte es noch, alles wußte er noch. UebrigenS saß er hier ein wenig eng. Er warf einen Blick neben sich. Ach» so; warum breitete sich dieser schweigsame Mensch nüben dem Kusscher so aus? Nun, was konnte man machen? Ein ungemütlicher Mensch, so ein Schweiger, ewig die Pfeife im Mund und kein Wort während der ganzen Fahrt, es konnte einem die ganze Freude verderben. Nein, absulut nicht, gar nicht. Man rückt einfach zur Seite» sagt Pardon, und soll er sich breit machen. Ahij, rief jetzt der Kusscher und zeigte mit dem Peitschenstiel nach vorn— da kamen sie schon. Schneller! Er setzte sich im Wagen zurecht und versuchte, eine würdige Miene zu machen. Aber sie wintten und schrien, ein Singsang: aiaiaiaiai ... oioioioioioi schön war das, er konnte nicht ruhig und würdig oben auf dem Kutschbock bleiben, er lachte über das ganze Gesicht, aber sie ließen ihn nicht absteigen, sie drängten sich um daS Wägelchen, sie lachten und schrien. Er. ist zurückgekommen... Als ein großer, reicher Mann ist er zurückgekommen... Aiaiaiai... habt Ihr gesehen den Otterpelz! Pss...! Gabt mir doch auch die Handl Was seid Ihr stoh geworden? Soll er nicht geworden sein stolz mit so viel Geld? Laßt ihn heruntersteigen; steigt aus! Und jetzt kam der Bürgermeister, noch immer derselbe wie vor zwanzig Jahren, aber alt war er geworden, und begrüßte ihn. Alle standen sie herum und wssperten, wie der Bürgermeister sel« ber ihn begrüßen kam. Als ein großer Mann kommt Ahr wieder, sagte der Greis und sein« Stimme zitterte' vor Rührung, kommt Ahr wieder in Eure Vaterstadt. Fromme Eltern habt Ihr gehabt und darum ruht Gottes Segen über Euch und habt Ihr viel Geld gewonnen draußen in der Well. Seid will« kommen! Und darauf schritten sie voran, er und der Bürgermeister und hinten die Leute. Sie gingen durch die schmalen, steilen, alten Gäßchen dec Stadt, in der es schon zu dämmern begann. Er erkannte die alten Häuser alle wieder und den kleinen Platz, vor dessen niedrigen Toren alte Frauen und Männer saßen und die Hälse reckten, ihn, den großen Sohn der fleinen Stadt zu sehen. Sie wiegten die Köpfe und sagten aiaiai... Dann trat man in das Bürgermeisteramt, ging durch die schmalen, ftnsteren und schmutzigen Gänge(hier war doch die Schul' gewesen) in den großen Festsaal, der nur bei besonderen Anlässen geöffnet wurde. Und da war ein großes Bankett gerichtet. Es duftete nach Speisen, deren süßen und durchdringenden Geruch man schon lange nicht verspürt hatte, und alle setzten sich nieder. Wieder hielt der Bürgermeister eine kleine Rede. Dann sprach der Oberlehrer und erzähüe, wie schon der Knabe in der Schule habe Großes ahnen lassen und dann stand er selber aus und sagte ein paar Worte. Er danke ihnen, und sie würden sehen, daß er seine kleine Vaterstadt nicht vergessen habe draußen in der weiten Welt, in der großen, daß er etwas tun werde... aber während er sprach, hatte er die ganze Zett ein unbehagliches Gefühl. Es fehlte ihm etwas, es beunruhigte ihn etwas und dann fiel ihm ein, daß er doch den schweigsamen Amerikaner, den großen Mann mit der Pfeife mithabe. Wo ist denn der? wo treibt er sich herum? das konnte einen furchtbaren Krach geben. Er brach seine Rede schnell ab und ging aus dem Bankettsaal. (Fortsetzung folgt) Nr. 233 Sonntag, 3. Oktober 1937 Seite 3 Sudtttultutsthtto I Wir wollen weder den Wert solcher Einsichten überschätzen, noch können wir außeraD lassen, daß dieses Verständnis vielleicht nur als Mittel zu einem Aweck dienen soll, der sich mit dem politischen Willen der österreichischen sozialdemokratischen Arbeiter nur zum Teile deckt. Ader als Symptom für dir Stimmung und für den Stimmungsumschwung in weiten Kreisen der antisozialdemokratischen Bevölkerung ,-Neu»Oester» reichs" erscheint uns die Stellungnahme sowohl des Wiener Kirchenblattes als auch der„Freien Arbeiterstimme" doch immerhin beachtlich. * Genosse Palme kam zunächst als Sekretär des BekleidungSarbeiterverbandeS nach Karlsbad, von wo ihn die Bezirksorganisation GraSlitz als Sekretär berief. Hier hat er in hervorragender Weise an dem Ausbau unserer Organisationen gearbeitet. Später kam er gls Parteisekretär nach Elbogen und dann als Kreissekretär nach Trautenau. Dort warf ihn eine tückische Krankheit nieder, von der er sich nie wieder soweit erraffen konnte, um wieder an die gewohnte Arbeit gehen zu können. Kurz nach Vollendung des 37. Lebensjahres hat ihn nun der Tod von seinem Leiden erlöst. Behandlung im ArbeitSver» h ä l t n i S. Wie es kam, datz sie diese eminent christlichen Forderungen gegenüber der menschlichen Gesellschaft, die tatsächlich auf sie wie auf Menschen zweiter und dritter Güte herabsah, im Namen einer unchristlichen Partei vertraten, darüber sind viele Bücher geschrieben worden. Jedenfalls können wir sagen, daß viele Sozialisten beinahe zwangsläufig in die sozialistische Partei gedrängt wurden, weil wir Christen trotz päpstlicher Enzykliken keine entsprechende Partei hatten oder aber in ihrer Bildung behindert wurden. Wir müssen also hier erst recht die uralte Unterscheidung der Kirche anwenden: Schärfste Absage an den Irrtum, Milde gegen die Irrenden. Man kann ruhig sagen: Mit der großen Masse der ehemalige« Sozialisten Oesterreichs läßt sich sehr leicht zusam- menarveitrn." Vie sudetendeutschen Theater begannen— nachdem das Deutsche Theater in Prag, wie alljährlich, bereits zu Beginn des September seine Pforten wieder eröffnet hat— mit Anfang Oktober ihre Spielzeit. Erfreulich, dass ganz allgemein schon an der Art deS Auftakts die immerhin fortschreitende materielle Konsolidierung unserer Provinzbühnen sich auch im Spielplan einigermatzen günstig auszuwirken beginnt. Ein Blick auf die erste Spielplanwoche zeigt, dah die Theaterleitungen auch um einige Hervorkehrungen ernster und wertvoller Kunst bemüht sind? Aussig beginnt mit Goethes „F au st", Eger mit„E g m o n t", Te p l i tz bereitet Ibsens„Stützen der Gesellschaft" ununter anderem Joh. Strauhens„Spitzentuch der Königin" vor. Brüx eröffnet mit Hauptmanns Kurz vor Redccktionsschluh erreicht un< die erschütternde Kunde, datz unser Freund und Genosse Adolf Palme uns im Alter von erst 37 Jahren durch den Tod entrissen wurde. Im Karlsbader Krankenhaus, wo er sich vgr-elf Tagen einer Operation unterziehen mutzte, ist Adolf Palme Samstag abends gestorben. Eine langwierige Krankheit hatte seinen Körper so geschwächt, datz er der Zerstörung nicht mehr standzuhalten vermochte und alle ärztliche Kunst ver« sagen mußte. Mit ihm ging ein junger Mensch von unS, in den unsere Bewegung große Hoffnungen gesetzt hatte. Die Partei und die vielen Tausende, die ihn im Laufe seiner Tätigkeit für die Bewegung als glänzenden Organisator, Agitator und Redner kennen und schätzen gelernt haben, werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Aus Angst um den Duce. Wie schon so ost, sollte auch am verstossenen Sonntag«in von einem nordböhmischen Reisebüro organisierter Sonderzug von Bodenbach nach Dresden übgefertigt werden. Die Teilnehmer waren auch in großer Zahl zeitgerecht in Bodenbach eingetroffen, aber die weitaus grüße« Zahl mußte wieder umkeh- ren und der Sonderzug wurde nicht abgefertigt. Tus hatte nun zur Fotze, daß die bekannte Flüsterpropaganda einsetzte und einer erzählte dem andern, daß die tschechoslowakischen Behörden die Fahrt verboten hätten. Di« Sache stimmt aber nicht. Vielmehr haben die reichsdeutschen Behörden di« Ausreise nicht zugetzffen. Sie hatten nämlich Angst, datz sich unter die Ausflügler, die auf einen Sammelpaß fuhren oder vielmehr fahren sollten, irgendjemand einschmuggeln könnte, der eS auf die geheiligte Person des Duce abgesehen haben könnte und so wurde die Ausreise nur jenen gestattet, die einen gültigen Patz besaßen. Weitervestand der Brüxer Schlachthöfe gesichert. Nachdem die Beteiingken Bergreviere den Schlachthöfen in Brüx einen Kredit in der Höhe von zwei Millionen Kronen gekündigt hatten, wurde nun ein neuer Kreditgeber in der Brüxer Städtischen Sparkasse gefunden. Hiedurch ist der Weiterbestand der Schlachthöfe, der ernstlich in Frage gestellt war, gesichert.(DND) ein. Zenkner konnte vor seinem Tod noch eine Beschreibung des Täters geben. Der Tat dringend verdächtig ist ein ungefähr 27 Jahre aller Landstreicher, der sich Freitag abends in Deutsch-Rust aufgehallen und sich als Jugoslawe ausgegeben hatte.". Er spricht schlecht deutsch. Das Messer, mit dem er den Mord beging, ließ er zusammen mit einer Hacke am Tatort zurück. Der Kaufmann, der im 44. Lebensjahre stand, hatte Freitag früh 3000 XL aus Podersam abgehoü. Es ist möglich, daß der Täter davon Kenntnis erhielt und das Geld stehlen wollte, wobei er Zenkner, der erwachte und ihn angreifen wollte, erstach. Die GendarmeriefahndungSabtei- lung in Brüx führt die Erhebungen durch. HHIer)ungen als GSste Rumäniens Auf Grund einer Einladung des Sekretärs des nationalen Erziehungsamtes Rumäniens, des Majors Sidorovici, bereist gegenwärtig eine Abordnung der reichsdeutschen Hitlerjugend Rumänien. Die Organisation der Arbeiterjugend Rumäniens wurde von der Regierung verboten, dafür aber darf die Hitlerjugend— auf Einladung der staatlichen Jugendorganisation— jetzt einen Propagandazug durch Rumänien unternehmen.(th) In dem kleinen Dörfchen Deutsch-Rust bei Podersam wurde in der Nacht auf Samstag der Kaufmann Rudolf Zenkner von einem Unbekannten in seinem Schlafzimmer ermordet. Die Frau des Zenkner erwachte gegen 1 Uhr nachts durch ein Geräusch und hörte ihren Mann röcheln. Als sie nachsehen wollte, stieß sie in der Dunkelheit mit einem fremden Manne zusammen, den sie zu packen versuchte. Der Fremde entfloh jedoch durch das Fenster. AIS die Frau Licht gemacht hatte, fani sie ihren Mann blutüberströmt im Borhaus liege». Er Hatte die Halsschlagader durchschnitten und außerdem zwei Messerstiche in der Brust. Eine Stunde später trat der Tod infolge Verblutung Lin sonderbarer Fall ist der des Exbürgermeisters P e t s ch von Mäh- risch-Neustadt. Wir haben bereits darüber berichtet, daß Petsch seiner Funttion als Mitzlied der Stadtvertretung und als Bürgermeister enthoben wurde. Interessant ist nun, datz Petsch im Zuge des Verfahrens erklärte, nicht mehr MitgliedderSdP zu sein und wieder der Deutschen Gewerbepartei, auf deren Liste er bei den letzten Gemeindewahlen gewähll wurde, an- zugehüren. Petsch behauptet, daß er im Frühjahr wegen eines Streites mit der Ortsparteileitung der SdP aus dieser Partei ausgetreten wäre. Er habe zwar seinen Austtitt nicht schriftlich bekannt gegeben, habe sich aber geweigert, die Mitgliedsbeiträge an die SdP weiterhin zu entrichten. Hingegen habe er aber seinen Beitritt zur Deutschen Gewerbepartei vollzogen, weshalb er also wiederum jener Partei angehöre, auf deren Liste er gewähll wurde. Die Deutsche Gewerbepartei ist aber verständlicherweise auf diese Argumente des Herrn Petsch nicht eingegangen. Denn obwohl er feststellt, datz er seit dem Frühjahr keine Beittäge mehr an die SdP bezahll habe, ist nicht zu bestreiten, daß er noch nach dem Frühjahr wiederholt als Red ner d er SdP tätig tv ar und auch in den Versammlungen in Mährisch-Aeu« stadt wiederhoü das Wort ergriff. Was hätte Petsch— wenn er sich nicht mehr als Mitglied der SdP fühlte— beispielsweise bei dem sogenannten Bezirksparteitage der SdP in Mährisch- Reustadt zu suchen gehabt? Die Wiener„Freie Arbeite r- stimme", Wochenblatt für Arbeiter und Angestellte, findet in ihrem Lettartikel vom 1. Oktober „Wir und die Sozialdemokraten....' von der katholischen Seite aus bemerkenswerte Worte des Verständnisses für die sozialdemokratischen Arbeiter Oesterreichs und bemüht sich lwenn auch nicht durchaus in brauchbarer Weise)-Llüfte" abzubauen. Insbesondere zitiert das genannte Blatt einen Aufsatz, den der Jesuitenpater Reifenberger in einer der letzten Nummern des von ihm redigierten Wiener Kirchenblattes veröffentlichte und dessen Inhalt auch nach Ansicht der „Freien Arbeiterpresse" schon deswegen beachtenswert ist, weil „man eine Begebenheft hinnimmt und zugesteht, datz«s auch Sozialdemokraten gibt, also Staatsbürger, die in manchen oder vielen Dingen daher auch andere Auffassungen haben. Pater Reifenberger konstatiett dies aber nicht nur, sondern er versucht, in die Gedankenwelt der Sozialdemokraten einzudringen und bemüht sich, ohne in das Gebiet der Tagespoliftk abzugleiten, den Kern de- Fragenkomplexes herauszulösen. Ob er dabei mü jedem Wort recht hat, ist gar nicht entscheidend. Datz er«S tut, das ist das Brotzel Er unterscheidet sich dabei wohltuend von manchen neugebackenen Berufspolitikern, deren politisches Alpha-Omega einfach so heiht:„Sozialdemokratie im Februar 1834 aufgelöst, die Sache ist zu Ende". Aus dem Aufsatz Reifenbergers selber sei hier folgende Stelle wiedergeggbe»' „W aS diese Sozialdemokraten wollten, war eigentlich nichts anderes, als was Leo XIII., was die Evangelien überhaupt und die Päpste im besonderen an sozialen Auffassungen verttaten, also Achtung der Menschenwürde auch pes einfachen Arbeiter-Z;. seine gleichberechtigte, wenn auch nicht gleichgeartcte Anteilnahme am öffentlichen Leben, au Kultur, Wissenschaft, Zivftsation; gerechte AuS Gram über den Sohn i» den Tod. In Graslitz wurde ein löjähriger Junge festgenommen, als er ein gestohlenes Fahrrad verkaufen wollte. Beim Verhör stellte sich heraus, datz er bereits acht andere Fahrräder gestohlen und verkauft hatte. Der leichtsinnige Bursche, der sich angeblich„Geld für Kinobesuche" beschaffen wollte, ist der jüngste Sohn hochachtbarer Eltern in Neudorf b«i Graslitz. AuS Gram über den mißratenen Sohn hat dieser Tage sein Vater Selbstmord verübt, indem er sich im Wald irhängte.. Di« Prager Deutsche Arbeiterseudung bringt in dieser Woche neben dem gestern hier mitgeteilten Programm noch den(am 15. August durch ein technische- Versehen ausgefallenen) Borttag Dr. Otto Löwes„Friedrich Schiller als politischer Dichter", und zwar am D i enS- tag, den 5. Oktober, von 14.45 bis 14.55 llhr. „Fuhrmann Henschel", das neue Stadttheater in Bodenbach brachte am zweiten Spieltag Grillparzers„Des Meeres und der Liebe Wellen". Brünn holt Kleists„Kätchen tym Heilbronn" hervor. Mäh r.-O ft r a u fängt mit Shakespeare an(„Der Widerspenstigen Zähmung") und Troppau wird mit Villm Werners„Menschen auf der Eisscholle" immerhin in gutes Fahrwasser kommen. Hoffentlich haben auch Reichenberg bald Beachtliches zu vermelden. Ein österreichischer Jesuitenpater wirbt um Verständnis für die Sozialdemokratie Raubmord bei Podersam Landstreicher ersticht einen Kaufmann Hohes Investitlonsbudset der Städte Brüx und Komotau Die Komotauer Stadtvertretung hat den Voranschlag für 1938 genehmigt. Die ordentlichen Ausgaben betragen 20.7, die ordentlichen Einnahmen 10.98 Millionen XL, so daß sich ein Abgang von 9.7 Millionen ergibt, der durch einen 125prozenttgen Zuschlag zur Hauszinssteuer und durch einen 350prozentigen Zuschlag zu den übrigen Steuern teilweise gedeckt werden soll. Der Rest wird beim Ausgleichsfonds angesprochen. Der außerordentliche Voranschlag weist einen hauptsächlich für Jnvestittonszwecke bestimmten Bedarf von 14.1 Million XL auf, dem nur eine Bedeckung von 180.000 XL gegenüber steht. Die Deckung soll durch Aufnahme einer Anleihe er« folgen.— Der Voranschlag der Stadt Brüx, der dieser Tage von der Verwaltüngskommission genehmigt wurde, sieht ebenfalls ein außerordentliches Jnvestitionsbüdget von 10.85 Millionen XL vor, zu dessen Bedeckung nur außerordentliche Einnahmen von 720.000 XL vorhanden sind. Der Rest von 9.93 Millionen XL soll ebenfalls im Anleihewege gedeckt werden. Der ordentliche Voranschlag ist bei Ausgaben von 17.9 und Ein« nahnrm von 10.98 Millionen XL mit 6.93 Millionen XL passiv. Die Bedeckung erfolgt ebenfalls durch«inen 125prozentigen Zuschlag zur HauS- zinssteuer mit einer Gesamteinnahme von rund einer Million XL und durch einen 350progentigen Zuschlag zu den übrigen Steuern, der ein« Gesamteinnahme von 2.16 Millionen XL erwarten läßt. Für die Bedeckung des restlichen Budgetabganges von fast vier Millionen XL soll der Ausgleichsfonds in Anspruch genommen werden. (DND) „^Freiwillige? Freiwillige haben wir bestimmt keine in Spanien, Mr. Eiden, sie gehen alle nur gezwungen hin!“ Fliegerbomben auf Barcelona Barcelona wurde Freitag nachmittags wie- derum durch Flugzeuge der Aufftändischen bombardiert. Nach einem amtlichen Kommnniqö hat diese- neue Bombardement, welches von drei ESkadrillen der Franco-Luffftreitkräfte durchge- führt wurde, ungefähr 45 Tote und über 80 Verwundete gefordert. ES wurden auch einig« Häuser vernichtet oder beschädigt. Weiterer Vormarsch an der Arasonfront Valencia. Das Ministerium für Nattonale Verteidigung teilt mit: Me RegierungSttuppen haben bei ihrem Vormarsch im Alto-Aragon die Höhen 972, 920 und die Ortschaften Papun, Eremitage Smita Aguedo, Coronas de Alue besetzt. Ancher Nordftont haben sich heftige Kämpfe abgespielt. Unter dem furchtbaren Artilleriefeuer der Rebellen gelang es ihnen, den Berg I g u e d u zu besehen. Heue Unruhen hinter Francos Front• Die aus Sevilla in Gibraltar ankommenden Reisenden erklären, daß das Oberkommando der aufständischen Armee die Schließung der spanischportugiesischen Grenze in der Provinz Huelva an« geordnet habe. Der tatsächliche Grund für diese Maßnahme ist nicht bekannt, doch sollen, wie verlautet, in den Provinzen Badajos und Huelva, die sich in den Händen der Aufständischen befinden, in der letzten Zeit Unruhen ausgebrochen sein. Vertrauensvotum der Cortes kür Nesrin Nachrufe für I. G. Masaryk Valencia. Die EorteS, die Freitag hier zur Entgegenahme deS Budget» zusammentraten, haben nach einer Regierungserklärung deS Ministerpräsidenten Negrin einmütig der Regierung daS Vertrauen ausgesprochen. Am Samstag hielt der sozialistische Abgeordnete Jimenez de A su a dem verewigten Präsidenten T. G. Masaryk einen Nachruf, worauf die Kammer eine BerleidSkund« gebung nach der Tschechoslowakei absandte. In der Sitzung sprach auch der spanische Außenminister Giral über die Verdienste T. G. Masaryks. Franco stiftet einen Orden BurgoS. DaS nattonalisttsche Spanien feierte am Freitag den ersten Jahrestag der Ausrufung General FrancoS zum Staatsoberhaupt und Oberkommandanten der nattonaliftischen Stteitkräfte. Franco hat auS diesem welterschütternden Anlaß den„Orden der roten Pfeile", der die höchste Auszeichnung„für Verdienste um daS Voll" darstellen soll, gestiftet und dem König von Italien die Würde eines GroßritterS dieses Ordens verliehen. Auch Mussolini und Hitler erhielten dieselbe Auszeichnung. Francos Geldgeber taucht wieder auf Freitag abends traf der bekannte spanische. Millionär Juan March, Francos größte finanzielle Stütze, an Bord des Schiffes„Conte di Savoha" aus Genua in Gibraltar ein und begab sich Samstag im Auto nach Salamanca. Sein Chauffeur erklärte Journalisten gegenüber, datz Mckrch in Rom mit dem Ministerpräsidenten Mussolini eiste Unterredung hatte. Ungarisches Oberhaus erhSIt Vetorecht Budapest. Der Ministerrat Hat die Vorlage des Justizministers über die Reform de» Oberhauses angenommen. Der erweiterte Rechtskreis deS Oberhauses wird dem des früheren Magnatenhauses angeglichen. Es erhält durch die Reform wieder das Vetorecht auf der ganzen Linie bis auf die Vorlage über den Staatshaushalt. Der RechtSkreis deS Präsidenten des Oberhauses wird durch die Reform ausgedehnt. Seite Sonntag, 3. Oktober 1937 Nr. 233 Der Worte sind genug gewechselt „Für die Abwehr europäischer Kultur gegtn den Faschismus und für die Möglichkeit der europäischen Demokratien, ungefährdet von praktischen Auswirkungen der Rede Mussolinis ihr nationales und kulturelles Eigenleben gesichert weiter führen zu können, ist die Tatsache höchst bedenklich, daß sich faschistische Machtäußerung ganz systematisch der Massenorganisation bedient. Massen folgen aber stets nur einem Prinzip, dessen äußerliche Erfolge sie sehen. Seit Jahren nun sehen die Massen Europas fast stets das Versagen des moralischen Standpunkts, sie sehen stets, wie der Humanitätsgedanke mit Füßen getreten wird, wie die Menschenrechte niedergeknüppelt werden, wie die Freiheit der Völker von der Brutalität der Kanonen straflos erschossen wird. Man muß heute die Gefahr klar erkennen, daß diese Massen, die ohnehin die Neigung haben, ihre politische Stellung nur aus Affekten zu beziehen, sich allmählich von der moralischen Idee abwenden und dem Tr, i um p h der Kanonen nachlaufen, der zudem, psychologisch ungemein wirksam, den niedersten Instinkten eben dieser Massen Befriedigung gibt. Mit jeder Blamage von Genf wandern Tausende in das Lager- derer, die Gegner des humanitären Grundgedankens von Genf sind und Tausende und aber Tausende verlassen, weil sie nicht mehr an Genf glauben, auch das Prinzip der Humanität und verleugnen die Grundsätze, auf denen die Kultur Europas und Nordamerikas aufgebaut ist, die erhabenen Grundsätze der Menschenrechte. Es bedarf wahrlich keiner europäischen Kassandra, um zu prophezeien, daß die Tage auf bürgerlicher Freiheit aufgebauter europäischer Kultur zu Ende gehen, wenn nicht i n d en demokratisc hKC-9tetcn im deutschen Gebiet. Die Prager Polizeidirektion als Zentrale der Bekämpfung der Falschgeldherstellung macht darauf aufmerksam, daß in den letzten Tagen namentlich in Nordböhmen, in Aussig, Teplitz, Bodenbach und Brüx gut gelungene falsche 50-XL-Noten aufgetaucht find. Montag: Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse, 14.05: Deutsche Sendung: Kubelka: Ausbau der berufSge- noffenschaftlichen Organisation im Gewerbe und Händel, 13.10: Deutsche Sendung: Gedenkstunde zum Tage des Heiligen Franz von Assisi. Hörfolge, 18.25: Musikalische Tiergeschichte, 18.35: Direktor Rohn: Der Kinderschutz-Monat Okwber, 18.45: Deutsche Presse, 20.55: Volksrundfunkorchefterkon- zert: Reger, Dvorak etc.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Etwas vom Denken. Hörfolge, 14.55: Deutsche Presse.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Moder: Tischdecken; Remenov- sky: Ucber die Arbeit der Pflegerinnen; Maria Erben: Was soll das Arbeitermädchen von der Häuslichkeit wissen? 20.15: Schumann-Komposition. — Pressburg 16.35: Geigenkonzert, 20: Rundfunkorchesterkonzert.— Kascha« 15.30: Konzert.— Mährisch-Oftra« 18.10: Deutsche Arbeitersendung: Johisch: Unsere demokratische Republik hat ein freies Schulwesen. Dien-tag: Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Rundfunk für deutsche Schulen, höhere Stufen, 14: Deutsche Sendung: Aus dem tschccho» slowakischen Kulturleben, Fuchs: Zum 70. Geburtstag von Bezrüc, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Weil: WirtschaftSrelief, 18.20: Neue deutsche Musik. 18.45: Deutsche Presse, 19.15 Smetana: Szenen aus der Oper„Zwei Witwen", 21.05: Ueber- tragung aus Warschau: Sinfoniekonzert.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Dr. Wosyka: Drei Städte— r drei Welten: Wien. Prag, Paris, 14.45 Dr. Löwe: Friedrich Schiller als politischer Dichter, 14.55: Deutsche Presse, 21: Fibich: Geigenquartett.— Brünn 17.30: Geigensolo, 17.40: Deutsche Arbeiter-Sendung: Sozialiuformattonen; Katschinka: Deutsche Schul fragen, 20.05: Rundfunkorchesterkonzert.— Preßburg 15.30: Populäres Rundfunkorchesterkonzert: Grieg, Urbach etc.» 17.30: Althebräische Melodien.— Mährisch» Ostrau 12.35: Rundft.nkorchefterkonzert, 17.80: Südslowatische Lieder, 18.10: Deutsche Sendung: Landwirtschaft. F. V. KreJfl Der hervorragendste Kulturverbreiter der tschechischen Sozialdemokratie Schriftsteller F. V. Krejit begeht am 4. Oktober seinen 70. Geburtstag. Sein Leben ist erfüllt von Bestrebungen, das geistige Niveau der Arbeiter zu heben und seine Harmonie zwischen der Kultur und dem Sozialismus zu schaffen. Er war der erste, der die tschechischen Arbeiter auf die große Bedeutung der Literatur und Kunst im Leben des Sozialismus aufmerksam macht« und ihnen systematisch das Verständnis für alle Kulturgüter einflöhte. Jahrzehntelang redigierte er den literarischen, künstlerischen und belletristischen Teil, sowie das Feuilleton des„Präbo Lidu" und seine gediegenen Referate und Artikel waren immer populär geschrieben, so daß der Arbeiterleser durch sie stets informiert war, was es in der Literatur und Kunst Beachtenswerte- gibt, welche Bücher erlesen und welche Theaterstücke und Konzerte er besuchen soll. Dabei waren seine Referate mit einer Noblesse geschrieben, welche auch von polittschen Gegnern anerkannt wurde. Er ging stets vom sozialistischen und domokrattschen Standpunkte aus und war bestrebt, die Arbeiterschaft auf dasjenige aufmerksam zu machen, was wirfliche und dauernde Kulturwerte dem Volke brachte. Geboren am 4. Ottober 1867 in Böhmisch-Trübau, war er ursprünglich Lehrer und trat bald, nachdem das„Prävo Lidu" täglich zu erscheinen begann, in die Redrcktton ein. DaS Gesamtwerk F. B. Krejöis ist sehr umfangreich. Er schrieb Essays, Monographien über Schriftsteller und Künstler, Betrachtungen und Studien Äer kulturelle, philosophische und politi sche Fragen, Roman«, Erzählungen und Theaterstücke. 1894 gab er eine Schrift»Unsere heutige sittliche Frage" heraus, 1900„Das künstlerische Werk in der Literatur und seine erzieherische Diacht", 1903„Ter ewige Morgen in der Kunst", 1906 erschien im Parteiverlag„Der Traum einer neuen Kultur". In diesem essayistischen Werk weist er nach, daß die Kultur ihre Höchstziele erst bei Verwirklichung der sozialistischen Ideals erreichen wird. Gleichzeitig zeigt er, daß auch die Zukunft des Sozialismus mit der Kultur eng verknüpft ist, weshalb es nötig sei, daß der Sozialismus sein Ideal kulturell verwerte, d. i, aus seinem wirtschaftlichen und sittlichen Ideal auch den' Traum einer neuep Schönheit, den Traum eines neuen, mächtigeren, glücklicheren und freieren individuellen Lebens hervorbringe. Der Sozialismus wird«ine neue Ethik und eine neue Kultur, an der alle teilhaftig sein werden, schaffen, er wird den Traum einer neuen Kultur zur Wahrhett machen. In einem 1907 gleichfalls im Parteiverlage erschienenen Werke„Das Werden eines Dichters" entwirft F. V. Krejki eine Einführung in die tschechische Literatur, deren Entwicklung bis zum ersten wirflichen Dichter Karel Hynek Mächa und sodann bis zu Neruda und Brchlickh er schildert. Er bemerü zum Schluß, daß di« neue Gesellschaft ganz andere Dichtertypen schaffen wird, als diejenigen, welche aus der bisherigen Literaturgeschichte bekannt sind. In der sozialistischen Gesellschaft wird auch di« Stellung d«r Dichters eine ganz andere sein. Di« Poesie wird dann nicht Lebensersatz. sondern der Ausdruck deS vollen und freien Lebens sein. Für diese Dichter der glück- i sicheren Zukunft, für ihr baldiges Werden, arbei tet ein jeder, der jetzt mitten im sozialen Kampfe steht. F. B. Krejci reagiert intensiv auf alle politischen und sozialen Ereignisse bei uns und im Ausland. Sowohl der Weltkrieg als auch die Zeit deS Umsturzes, die großen sozialen Umwälzungen und Kämpf«, die Gefahren deS Faschismus, der Reaktion und die Unterdrückung des freien Geistes in den Diktaturen geben immerfort Anlaß für seine Abhandlungen. In seinem 1919 erschienenen Buche„Unsere Befreiung" schrieb er, wie gleichzeitig mit den Freiheitsbestrebungen die soziale Emanzipation vorbereitet wurde. Ueber seine Reis^ zu den Legionären nach Sibirien als Delegierter der Regierung berichtete er in den Werken„Bei der sibirischen Armee",„Frühling in Japan" und„Großes Abenteuer". In seinen Zeitbetrachtungen„In die bessere Welt"(1926) befaßte er sich mit der Erniedrigung des Geistes, mtt dem Verhältnisse des Sozialismus zu den neuen Kulturformen, der Stellung der Frau zum Sozialismus u. a. m. Besonders attuell ist sein 1931 erschienenes essayistisches Werk„Tschechentum und Europäer- tum". Unter Europäertum.versteht er das klar« Zusammengehörigkeitsgefühl zum kulturellen und moralischen Ganzen, das Europa darstellt. Ns ersten großen tschechischen Europäer nennt er Jaroflav Brchlickh, welcher seinerzeit für die Annäherung und kulturelle Bereinigung der europäischen Nation gewirkt hatte. Ein zweiter vollkommener Europäer war Julius Jeher, welcher einen Hang zum Kosmopolitismus besaß. Als den dritten in dieser Reihe nennt er T. G. Masa- ryk, den größten Europäer unserer Zeit. Entgegen dem ausschließlichen AesthetizismuS der beiden Dichter Brchlickh und Zeyer betonte Mass- ryk die philosophische und sittliche Seite der frem- den Kulturen. Während Brchlickh und Zeyer die Fenster der romanischen Kultur dem tschechischen Volke öffneten, waren es die angelsächsische und russische Kultur, auf deren Werte Masaryk aufmerksam machte. Das tschechische Volk, sagt F. B. Krejki, ist dem Europäertum durch seine teuersten Erinnerungen an- den Freiheitskampf verpflichtet: durch die Tätigkeit von Masaryk und Benes im Ausland. Alles hängt davon ab, daß die Kriegsgefahr definitiv beseitigt werde und daß der kusiurellen Bereinigung Europas auch'eine politische folge, denn die Bestrebungen der Generationen nach kulturellem Europäertum wären ohne politisches Europäertum vergeblich. F. B. Krejci, welcher ein guter Musikkenner ist, schrieb eine Monographie über Smetana. Gr gab weiter Monographien über Hus, Mächa, Neruda, Brchlickh, Zeyer u. a. heraus. Sein erster Roman„Der goldene Stern"(1909) klingt sozialistisch aus und sein« sozialistische Weltanschauung erfüllt auch feine weiteren Romane und Novellen. Es sei hier der 1929 erschienene Roman„Geist und Blut" besonders hervorgehoben, welcher sich mit dem Zusammenleben der Tschechen und Deutschen befaßt und für die natto« mal« Verständigung eintritt. Bon seinen Theater* stücken hatte den grichten Erfolg sein Freiheitsdrama aus der Zeit der Religionsverfolgung „Mitternacht". F. B. Krejki schreibt weiter mit immerwährender Geistesfrische seine kullurpolittschen Essays und bellettistischen Werke. Möge Genosse F. B. Krejki noch viele Jahre in seiner verdienswollen Tätigkeit fortfahren, zum Wohle der Arbeiterkultur und der Verständigung und Bereinigung der europäischen Völker. Rudolf I l l o v h. Nr. 233 So..ntag, 3. Oktober 1937 Seite 5 und Der Glas* und Keramarbeiter-Verband im Aufstieg In einem Zwischenbericht Mer die ersten Monate dieses Jahres kann der„Glas- und Keramarbeiter" feststellen, daß die allergrößte« Schwierigkeiten überwunden werden konnten. Die beiden Industrien zählen aber immer noch tausende Arbeitslose, welchen etz. nicht gelang, sich eine Beschäftigung zu erringen und deren Zukunft einerseits von dem Wirken des Verbandes, andererseits aber von der internationalen Wirtschaftsentwicklung abhängt. Die Leistungen des Verbandes sind trotz der Besserung außerordentliche geblieben. In den ersten acht Monaten des heurigen Jahres wurden für Arbeitslosenunterstützungen 2,092.83V Xö ausgegeben, für die Unterstützung von Streikenden und Gemaßregelten 88.930, für Rechtsschutzkosten bei Lohnstreitigkeiten 21.154 XL, für Beihilfe in Sterbefällen 65.850 XL, für andere Unterstützungen 9048 XL. Zusammen ergibt dies einen Betrag von 2,277.112 XL. Mit dem Staatszuschuß in der Höhe von mehr als fünfeinhalb Millionen wurden der Mitgliedschaft XL 7,845.687 ausbezahlt. Die Besserung der Verhältnisse erhellt jedoch daraus, daß seit dem Jahre 1933 ein beträchtlicher Rückgang der ausgesteuerten Wlttglieber j festzustellen'ist. Im Jahre 1933 waren eS 11.238 (79 Prozent aller), im Jahre 1986 nurmehr 8042(62.8 Prozent) und Heuer werden es vor« auSfichtlich 5730(44.1 Prozent) sein. Der Verband gewann in den letzten Monaten 3359 neue Mitglieder(1474 Männer und 1885 Frauen), davon 2468 auS der Keram« und 891 aus der Glasindustrie. Durch diesen Erfolg hat die Gewerkschaft nicht nur die Verluste der Krisenjahre wettgemacht, sondern weit überholt. Daß der Verband der Lohnpolitik die größte Aufmerksamkeit widmet, geht schon aus der Heber« sicht der Lohnbewegungen hervor. Vom Jänner bis Juli wurden 19 Lohnbewegungen mft insgesamt 50.822 Beteiligten durchgeführt; auf die Glasindustrie entfallen davon mehr als 40.000. Da» Ergebnis dieser Lohnbewegungen ist eine Steigerung der halbjährige« Lohnsmnme um rund 18 Millionen in der Glasindustrie und rund 2 Million« in der Keramindustrie. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen Berufen sollten die entsprechenden Lehren aus diesen Ergebnissen der gewerkschaftlichen Arbeft ziehen. Bei den Lohnbewegungen hat es sich gezeigt, daß dies? in jenen Branchen und Betrieben, wo eine gute und einheitliche Organisation besteht, ziemlich leicht und glatt durchgeführt werden konnten. Di« Nutznießer der Bewegungen, die bisher in den Reihen der Indifferenten und Unorganisierten stehen, müßten erkennen, daß es ihre Pflicht ist, die Kraft der Gewerkschaft durch ihren Anschluß zu stärken. Di» Haftung für Unfälle in Ziegeleien Das Gesetz verbietet im Interesse der Sicherheit der Ziegeleiarbeiter, Lehm- und Steinwände von.unten nach oben abzubauen. Nichtsdestoweniger ist diese Art des Abbaues sehr häufig. Sie ermöglicht den— fast ausnahmslos in Akkord beschäftigten— Arbeitern einen höheren Verdienst. Zahlreiche Unfälle sind die Folge der verbotenen Abbauart. Alljährlich gehen durch sie viele Menschen zugrunde. Für He Unfälle sind nach der Spruchpraxis der Gerichte die Werkmeister, die an der jeweiligen Unglücksstätte die Aufficht zu sichren hatten, verantwortlich. Die Verantwortung wird dadurch nicht vermindert, daß etwa die Anordnung des gesetzwidrigen Abbaues nicht vom Werkmeister, sondern vom Werkbesitzer ausging. Ein solcher Fall ereignete sich vor kurzem in einer mährischen Stadt. Dort wurden«.einer Dampfziegelei der Stadt drei Arbeiter durch abrutschende Lehmmassen getötet. Auf Betrechen des Stadttates hatte die Ziegelei erfahrene, aber ortsftemde Arbeiter durch unerfahrene, aber heimische ersetzen müssen. Der Werkmeister lehnte es ab, die Aufficht über diese Arbeiter zu führen und verzichtete auch auf einen entsprechenden Teil seines Gehaües. Kurz vor dem Unglück hatte er die Arbeiter vor der Fortsetzung der gesetzwidrigen Lehmförderung gewarnt. Die Aufficht Mer das ganze Werk führte ein S t a d t r a t, der täglich in den Betrieb kam. Das Gericht verurteilt« den Werkmeister zu vier Monaten, den Stadttat zu drei Monaten Gefängnis. Außerdem verlangt jetzt die Sozialzen- ttalversicherung den Ersah des Gegenwertes der den Hinterbliebenen gewährten Leistungen in der Höhe von 17.000 XL. Der Einheitsverband der Prchatangestellten hat beim Fürsorgeministerium neuerlich die Neuregelung der für Ziegeleien bestehenden Sicherheitsvorschriften verlangt. Swupal und Meinl. Wie das„Prävo Lidu" berichtet, hat sich auf der letzten Generalversammlung der Meinl-A.-G. gezeigt, daß ein entscheidender Faktor in dieser Gesellschaft der mährische Landesausschußbeisitzer Viktor Stoupal ist. Stöu- pal, ein Exponent der Agrarier, dringt auch immer mehr in die Zuckerwaren- und Schokoladen- industtien. Neber 6000 Arbefter in den nordmährischen Zuckerfabriken. Die Anmeldungen der Arbeiter für die diesjährige Kampagne in den nordmährischen Zuckerfabriken wurden abgeschlossen. In den Betrieben werden für die Daük einiger Wochen Heuer Mer 6000 Arbeiter beschäftigt werden.^ Die Kampagne beginnt in der ersten Oktober-Hälfte. Die Kleine Gewerbenowelle befindet sich, zwar schon im interministeriellen Verfahren, aber die einzelnen Industrie« und Gewerbeverbände rei Man erhält für XL 100 Reichsmark.... . 648.— Markmünzen... . 725— 100 österreichische Schipins . 526.50 100 rumänische Lei.. . 16.60 100 polnische Zlotp... . 517.50 100 ungarische Pengö.. . 550.50 100 Schweizer Franken. . 654.50 100 französische Francs . 94.70 1 englisches Pfund.. .. 140.25 1 amerikanischer Dollar. . 28.40 100 italienische Lire.. . 124.40 100 holländische Gulden. . 1574.— 100 jugoflawische Dinare. . 60.80 100 BelgaS . 478,— 100 dänische Kronen t» . 628.— 100 schwedische Kronen• M . 728.— chen ständig so viele ergänzende Anträge ein und dieseiben sind so auseinandergehend, daß die Novelle nur als Bruchstück dem Parlament wird vorgelegt werden können. Die Teile, Mer die keine Einigung erzielt werden kann, sollen sodann gesondert behandelt werden(DND) Marktpreise für die Verrechnung des Getreides der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft in Böhmen. Für den Monat Oktober betragen diese Preise für 100 Kilogramm beim Weizen XL 159.—, beim Korn XL 134.60, bei der Gerste XL 120.50. In dem Preise für Weizen ist der in der Kundmachung Nr. 5/IV der Getreidegesellschaft angeführte Abschlag, welcher XL 4.— auS« macht, nicht enthalten. Um diesen Abschlag kann der AufiaufSpreis für Weizen herabgesetzt werden, wenn sich die Parteien nicht anderweittg einigen. internationaler Kong reff der Lebensmittelarbeiter t Am 18/ und 19. September fand iw Paris der siebente Kongreß der Lebensmittelarbeiter- Jnternationale(JUL) statt. Dem Täffgkeitsbe- richt entnehmen wir, daß die JUL am 31. De« zember 1936 mit 33 Verbänden in 20 Ländern 300.274 Mitglieder zählte, was gegenMer dem Vorjahr(168.847) eine Zunahme um 131.427 Mitglieder oder 77.2 Prozent bedeuttt. Wenn man berücksichttgt, daß die ehemals großen Ver- bände Deutschlands und Oesterreichs, mü denen die SM Ende 1930. 386.722 Mitglieder- umfaßte, ausgeschalttt sind, kann die jetzige Lage als außergewöhnlich günstig bezeichnet werden. Den Hauptanteil an diesem Erfolg'hät natürllch Frankreich. Auch in den anderen Ländern sind jedoch Mitgliedergewinne zu verzeichnen, so insbesondere in Großbritannien, Belgien, Norwegen, Polen, Ungarn, Dänemark, Tschechoslowakei, Holland. internationale Soifialversldierungskonferenz Der Ausschuß der internationalen Konferenz für Sozialversicherung ist unter dem Borsitze des tschechoslowakischen Senators NömeLek in Paris zusammengetreten. Die Kongreßarbeiten werden bis zum 4. d. M. dauern. fluafafut Repatriierung der spanischen Flüchtlinge aus Frankreich Paris. Die französische Regierung hat eine Verordnung erlassen, derzufolge die spani- schen Flüchtlinge beider Parteien, di« vielfach schon seit Anfaug vorigen Sommers in Frankreich weilen, nach Spanien, und zwar je nach Wahl entweder in das von der Balenria-Regierung oder in das von den Aufständischen beherrschte Gebiet repattiiert werden sollen. Diese Entscheidung wurde einerseits im Zusammenhang mit den kürzlichen Attentatsversuchen und den verschiedene« Umtrieben, an denen Spanier beteiligt waren, anderSseitö deshalb getroffen, weil die Unterbringung einiger 10.000 Spanier für daL französische Staatsbudget eine große finanzielle Belastung bedeutet. Die Gesamtzahl der zu repatriierenden spa- nischen Flüchtlinge bettägt nach Schätzungen der Behörden 55.000 ViS 60.000. Freitag abendS wurden von den südfran- zöflsche« Grenzstationen aus gegen 1500 spanische Flüchtlinge nach Spanien zurückbefördert. Bloß 50 derselben stellten das Ansuchen, nach H e n- d a y e, also nach Franko-Spanien, gebracht z« 1 werden. Sie müssen unseren 2 Röhrenempfänger Die feinsten Tonklänge M werden naturgetreu r von den Empfängern MIKROFONA j wiedergegeben M TCLgFOnyl Radio w r! ’S 1 hi s sehen und hören Dann erkennen Sie seine praktisch gelösten Konstruktions-Prinzipien, einfache Bedienung, hohe Empfindlichkeit und Selektivität, naturgetreue Wiedergabe der Musik und Sprache miHROFODA Verlangen Sie unsere ausführlichen Prospekte Gegenbesuch Hitlers ansekündist Wetteifern um die größte Prunkentfaltung Berlin. Das deutsche Nachrichtenbüro meldet, daß nach einer Mitteilung der nationalsozialistischen Parteikonferenz Hitler der Einladung Mussolinis, den Besuch des italienischen Regierungschefs in Rom zu erwidern, Folge leisten wttd. In Rom kursieren Gerüchte, daß Hitler schon am 28. Oktober nach Italien kommen wird. Diesen Gerüchten ist Mer nicht viel Glauben beizumessen, da man der Ansicht ist, daß die Vorbereitungen zur Begrüßung Hitlers in Italien, die die Aufnahme Mussolinis in Deutschland an Glanz noch übertreffen soll, sehr viel Zett in Anspruch nehmen werden. Die Antwort einer Demokratie.• Vor wenigen Tagen wurde in Kopenhagen eine deuffche Bücherausstellung geschloffen, die von der Deutsch-Nordischen Gesellschaft in Lübeck, einer natürlich gleichgeschalteten Unternehmung, veranstallet war. Erst gegen Ende dieser Veranstaltung entdecktt die noch etwas arglose dänische Demottatie, daß auch einige Bücher Mer Südjütland ausgestellt waren, das 1919 durch freie Vollsabstimmung an Dänemark zurückkam, nachdem es'ihm 1864 gewaltsam abgenommen worden war. In diesen Büchern waren Hetzereien gegen Dänemark enthalten. Nun ist in der dänischen Hauptstadt eine zweite deuffche Bücherausstellung, ganz nahe der Stätte ihrer Vorgängerin, eröffnet worden—> da sieht man nun alle Werke, die seit 1933 im Dritttn Reich verboten sind und die das Material der amtlichen Bücherverbrennung bildeten. Auch nichtdeutsche Autoren sind da zahlreich verttettn, darunter die große schwedische Dichterin Sigrid U n d s e t, Trägerin des Nobelpreises für Littratur, der dänische Polarforscher Peter Freuchen u. a. m. Die Ausstellung hat nach bekanntem Muster auch eine „Abteilung entartete Literatur". Da sieht man eine reiche Auswahl offizieller Nazi-Hetzschriften gegen alle Andersdenkenden oder -gearteten, besonders auch eine Fülle anffsemitischer Gemeinheiten, darunter die unbeschreib-, lichen Bilderbücher für Kinder und Erwachsene aus der„Stürmer"-Werfftatt des Julius Streicher. Nur eins ist beiden Ausstellungen gemeinsam: Die anffdänischen Publikaffonen, derm deutlichste Stellen aufgeschlagen find. Darüber ist«in Artikel des„Socialdemokraten" befestigt, der auf dies« Bücher zuerst aufmerksam gemacht hat. Die Ausstellung, die von der däni-. schen Organisation„Freisinniger Kulturkampf" veranstallet ist, erfreut sich starken Zuspruchs,(bn) Warschau. Der Präfell der Danziger Polizei hat für die Dauer von sechs Monaten das Erscheinen deS oppositionellen Blattes„Danziger Volkszeitung" wegen„SMotage der Anordnungen deS Senates" verboten. Nach vierwöchiger' Einstellung hatte daS Blatt am vergangenen Montag sein Er- schsiüen wieder ausgenommen. Seite 6 „Sozialdemokrat Sonntag, 3. Oktober 1837. Nr. 233 Uhr 8 Film in Prager Lichtspielhäusern Vkmn&nadinchten G L innen vin^viuucn hu», i uivw» um i..,_•»• Dienstag, den 8. Oktober im Sause.Leutnant Alexander Riepkin der Tvpografickä beseda, Praha II-,--Dm. weiße«chwadron.(Jt< Kunst und Wissen mm WittuliutyMte»Urania« im der Verschiedene Ware.-Eier, böhmische, frische 70 bis 73 Heller, slowakische 65 bis 70 Heller. Honig, rein, Kilo 14 bis 16 KL, Brot Kilo 2.20 bis 2.50 KL. Bormund. Der Bormund des unehelichen Kindes eines Rentners kann nicht den Anspruch auf-te Zuerkennung und Auszahlung des ErziehungSzu- schuffes geltend machen. Der ErziehungSzuschutz ift keine eigene Leistung, auf die das Kind Anspruch hat(wie z. B. die Waisenrente), sondern ein Zuschuh zur Rente, der dem Rentner gebührt, fo- ferne er für das Kind sorgt.— Wenn der Rentner seiner Unterhaltspflicht gegenüber Ihrem Mündel nicht nachkommt, können Sie aber auf die Renre Exekutiim führen. Gemäh§130 SVG kann nämlich die Rente bis. zur Hälfte gepfändet werden, wenn es sich um die Eintreibung einer Unterhaltsforderung handelt. Wir empfehlen Ihnen, sich an das Bormundschaftsgericht um Rat zu wenden. und die düstere Unterwelt-Stimmung, die mit müdem Galgenhumor und dumpfer Elendphilosophie erfüllt ist. hat wenig Dramatisches. Der Regisseur Miroslav Cikän hat keinen Weg gefunden, aus einer blohen Zustandsschilderung einen fesselnden Film zu machen. Er hat fich damit begnügt, ein Panorama von Typen zu zeigen, und er hat süch zum Schaden des Films fast ganz auf einen einzigen Schauplatz beschränkt. Flantisek Smoltk stellt die Hauptfigur recht annehmbar dar, ohne aber tieferen Eindruck zu erwecken. In den übrigen Rollen fallen Hana B i- tovä, Helena Buschovä und Ladislav PeZek auf.—eis— „Bataillon." Man hat dem einzigen tschechischen Film, der beim Biennale in Venedig zwar keinen Preis, aber eine lobende Anerkennung erhielt, mit einigen Erwartungen entgegengesehen. Tatsache ist, daß er zwar über dem traurigen Durchschnitt der heimischen Produktion steht, aber keinen besonderen Wert darstellt. Tie„Gluckhenne" und der.Leutnant Alexander Rjepkin" waren sehenswerter als dieses sonderbare Elendrbild aus BorkriegS-Prag. das eine schon altmodisch naturalistische Milieu- Schilderung einer verrufenen Kneipe mit dem romanhaften Schicksal einer Advokaten und Abgeordneten verbindet, der verzweifelt in jener Kneipe Zuflucht sucht, weil seine Frau sich von einem österreichischen Oberleutnant verführen liest. Die Vorgänge(die nur ganz selten wirklich filmische Bilder ergeben) sind weder sozial noch psychologisch hinreichend motiviert. SmeLky 25, 5. Stock, statt. Um 7 Uhr Frauenchor und Ausschustsitzung, um 8 Uhr gemischter Chor. Kinderfreunde Prag. Montag, den 4. Oktober, wichtige Ausschustsitzung abends 8 Uhr im Parteiheim. SmeLka 22(Handwerkerheim). Lichtiildervortrag über KätheKollwitz. Das Frauenbezirkskomitee. Die Dubarry Gitta Alpar, deretwegen gestern Deutschen Theater die Aufführung Millöckerschen Operette„Die Dubarry" in Szene gesetzt wurde, ist wie viele"ihrer berühmten Gesangskolleginnen und Gesangskollegen den Weg von der ernsten zur leichteren Kunstrichtung gegangen. Sie fing vielverheistend als Opernsängerin an, ging dann zum Film, um nun bei der Operette ihr Glück zu suchen. Ihr bedeutendes schauspielerisches und gesangliches Talent offenbarte ste überzeugend schon als Opernsängerin. Als sie vor Donnerstag:„Weh dem, der lügt!"(C 2.) Neu inszeniert und neu ausoestattetl Hmiptrollen: T e r- rel(Edritta), Schmerzen re ich(Leon), Szurowy(Atralus), Walk(Bischof), Tra- bauer(Galomir). Volker(Kattwald). Regie: Gellner, Ausstattung: Hallegger. Rindszunge geselcht 16 bis 18 KL, Kuttelflecke Kilo 6 bis 7 KL. Fette. Teebutter 20 bis 22 KL, Landüutter 17 bis 19 KL, Rindsfett roh 5 bis 7 KL, ausgelassen 7 bis 8 KL, Nierenfett 8 KL, Schweineschmalz, böhmisches, roh 11 bis 12 KL, ausgelassen 13 bis 15 KL. Bakonyerschmalz 12 bis 13 KL, Speck 13 bis 15 KL, Margarine 10 bis 12 KL. Fische. Karpfen 1 Kilo 14 KL, Hecht 16 bis 18, Schleie 8 bis 12, Lachs 40 bis 50. Aal 30 bis 88. Forellenbarsch 14 bis 18, Stockfisch 6 bis 10. Seelachs 5 bis 6 KL. Geflügel und Wild. Heimische Gans, geschlachtet, Kilo 12 bis 14 KL, Schmalhans 14 bis 16, abgehackt la 18 bis 20 KL, Gansleber zum rösten Stück 4 bis 8 KL, Pasteteleber Kilo 35 bis 40 KL. Gansgekröse Stück 9 bis 12 KL, ohne Magen 3 bis 5 KL, Hausent« Stück 25 bis 40 KL, Henne Stück 15—35 KL, Huhn Kilo 20 KL, Poularden, heurige. | anstaltern der Ausstellung wiederum den Vorschlag I unterbreitet, die Ausstellung nach Wien zu übertragen.— In diesen letzten Tagen wird die Ausstellung täglich zu herabgesetzten Preisen (3 KL) von 9 Uhr vormittags bis 23 Uhr ununterbrochen geöffnet sein. Mitteilungen aus dem Publikum. Die feinsten Tonklänge werden von.den Empfängern Mikrofon« naturgetreu wiedergegeben, nachdem deren Reproduktionstechnik auf das genaueste durchgearbeitet ist. Alle praktischen Erfahrungen, die während der grohen Serienerzeugungen in verfloffe- nen Jahren gewonnen wurden, fanden hei dem 2-Rohrgerät Mikrofona-Ladh günstige Anwendung. Dieses Gerät wird Ihnen immer nur Freude und angenehme Unterhaltung bieten. Die gewissenhafte Erzeugung verbürgt Betriebssicherheit und die planmäßige Konstruktion ermöglicht leichte und einfache Bedienung. Das gewählte Aeußere und die längliche Form bieten einen ästhetischen Anblick. Urania-Kiuo:„Der ScheidungSgrund."(D. Anni Ondra, Paul Hörbiger.)— Adria:„Bataillon".(Tsch.)— Alfa:.Drei Eier im Glas". (Tsch.— Vlasta Burian.)— Apollo:„Peter im Schnee".(D.— Traudl Stark.)— Avion:„Versprich mir nichts".(D.— L. Ullrich).— Beränek: „Die Karriere der Mutter Lizal".(Tfch.)— Fenix:„Die Gluckhenne".(Tsch.—^Regie H. HaaS.)— Flora:„Ihr Hausfreund".(A.— R. Taylor, I. Harlow.)— Hollywood:.Leutnant Alexander Rjepkin".(Tsch.)— Hvtzda:„Bataillon".(Tsch.)— Juils:.Versprich mir nichts".- (D.— L. Ullrich.)— Kinema d. B. B.: Masaryk- Ring. Grotesken.— Koruna: Journale, Reportagen, Grotesken.— Kotva:„Feuer über England".(A>. — Lacerna:„DieGluckhenn e".(Tsch.) — Metro:„Die Frau unterm Kreuz".(Tsch.),— Passage:„Detektiv Nick".(A.)— Praha:„Feuer über England".(A.)— Radio:„Mädel, hütet, euchl"(Tsch.— Hugo Haas.)— Skaut:„Mädel, hütet euchl"(Tsch.— Hugo Haas.)— Svitozor: “ i".(Tsch.)— Alma: (Jtal.)— Baikal:„Die Karriere der Mutter Lizal".(Tsch.)— Belvedere: .Lhr Hausfreund".(A.)— Beseda:„Ein blinder Passagier".(A.— Sh. Temple.)— Carlton: „Mädel, hütet euch!"(Tsch.— Hugo Haas.) Illusion:„Die Karriere der Mutter Lizal". lT'ch.) — Lido II:.Die Karriere der Mutter Lizal".(Tsch.) — Louvre:„Die Karriere der Mutter Lizal". (Tsch.)— Maeeska:„Sieben Ohrfeigen".(D.— Harvey Fritsch.)— Olympie:„Sieben Ohrfeigen". (D.)— PerSthn:„Mädel, hütet euch!-"(Tsch.— Hugo Haas.)— Roxv:„Sieben Ohrfeigen",(D.) — Tatra-Weinberge:„D e r Mufterdiene r". Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters. Sonntag%3: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo, halb 8: Pariser Leben, B 1.— Montag halb 8: Die Dubarry, Gastspiel Gitta Alpar, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8 Uhr: Das Dorf ohne Männer, A 1.— Mittwoch halb 8: Die Czar- dasfürstin, B 2.— Donnerstag halb 8: Weh dem, her lügt, neuinszeniert, C 2.— Freitag halb 8: Pariser Leben, D.— Samstag halb 8: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo, CI.— Sonntag halb 3: Das Dorf ohne Männer, Arbeitervorstellung, halb"8: Die Fledermaus, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Heute, Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein Kuß und sonst gar nichts--8 Uhr: Die Reise.— Montäg 8 Uhr: Nina, bolksjümliche Vorstellung.—: Dienstag tz: Die Reife.— Mittwoch 8: Die Reise.—Donnerstag 8: Bei Kerzenlicht.— Freitag 8: Pygmalion, volkstümliche Vorstellung.— SamStag halb 8: Nachtasyl, nemnszeniert.— Sonntag 8: Nina, 8 Uhr: Die Reise- Mufik-Untrrricht. Adressen qualifizierter Lehrkräfte durch den Deutschen Musik-Pädag. Verband, Prag X„ Paleckeho 117, oder telephonisch Nr. 39—163 von 2 bis 4 Uhr. 4275 Arbeiter- Vorstellung „Das Dorf ohne Männer ein Lustspiel, welches dieser Tage mit großem Erfolg uraufgeführt wurde, am Sonntag, den 10. Oktober, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich bei Opfiker Deutsch, Koruna. AtuS Prag. Ausschußsitzung am Mittwoch. den 6. Oktober, 8 Uhr abends, im BildungS- verein, SmeLky 27. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Wochenprogramm: Dienstag, den 5. Oktober: DSAP-Heim, SmeLky. 7 Uhr, Gruppe Pggg II: „Trotzkismus"; DSAP- Heim, SmeLky, 8 Uhr, Gruppe I:„Ideologie u. Taktik der KP von heute"; FBSA-Heim, Spälenä, 8 Uhr, Gruppe VII:„Spanien".— Mittwoch, den 6. Oktober: DSAP-Heim, SmeLky, 8 Uhr, Gruppe Prag XII:„BezruL". BolkSfinggemeinde Prag. Die erste Probe, zu der alle Sänger und Sängerinnen eingeladen sind, findet am Menschenleben sind billig... Prag.(—rb—) In nahezu zehnstündiger Verhandlung befaßte sich das Prager Schwurgericht SamStag mit einer auf dar Verbrechen des Totschlags lautenden Anklage. Auf der Anklagebank saß der 46jährige Fleischhauer Stanistav Sic. In der Nacht vom 12. Mai bemerkte^der Taxichauffeur Karl Rezek, der von einer Fahrt zurückkehrte, daß auf ejnem ResumL der Straßenbahn in der Velvarskä ul. zwei Männer in heftigem Streit begriffen waren. Einer der Streitenden gab dem Chauffeur das Zeichen zum Anhalten und Karl Rezek fuhr auch sofort zu dem Trottoir des Halteplatzes. Einer der beiden Streitenden sprang in das Auto und fordete den Chauffeur aus. sofort weiterzusahren. Ebe aber der Wagen noch in Bewegung gesetzt werden konnte, lief I der andere um dar Auto herum, riß die Türe auf etlichen Jahren zum ersten Male am Prager Deut« Mo■,—- scheu Theater als Opernsängerin in Mozarts Oper$OZlOlV6( JlCnC>llnvJ' „Figaros Hochzeit" auftrat, schrieben wir, daß ihr er»,,» in m Cherubin in der Anmut und Schalkhaftigkeit der 0* ICaKaSseaV Darstellung sowie in der Kultiviertheit des Ge sanges der idealste Cherubin der deuffchen Opern bühne sei. lieber ihre Erfolge als Filmkünstlerin ist wiederholt berichtet worden. Ihr größter Filmerfolg war aber eben gerade der als Dubarry in dem eigens für sie gedrehten gleichnamige« Tonfilm. Gesangskünstlerin in gewissem Sinne ist Frau Alpar auch in der Operette geblieben; namentlich nt der vorbildlichen Kultur ihrer Pianokopftöne, in der schönen Führung der Stimme und in der glänzen« den Atemtechnik. Aber an stimmlicher Frische hat die Künstlerin viel verloren, und auch der manirierte weinerliche Portamento-Toneinsatz, den sie fich an» gewöhnt hat, beeinttächtigt ihre gesangliche Leistung. Daß sie die Kultur des Vorttages durch Raffine ment der Pointierung ersetzt und immer nur— ohne Rücksicht auf die musikalische Linie— dem Effekte dient, mag aus ihrer Tonfilmpraxis stam men, ebenso wie ihre zwar glänzende, aber doch mitunter zu stark aufgettagene schauspielerische Leistung. Blendend wirkte die Künstlerin in ihrer äußeren Erscheinung, mit der sie, ihrer Körperschön» hett voll bewußt, immer prunkt, auch wenn es nicht der Situation enffpricht. Das zahlreich erschienene Publikum stand durchaus im Banne der Blendungs künste der Filmdiva und bereitete ihr einen rau schenden Erfolg. Kapellmeister Ftttz Rieger hatte die Aufführung musikalisch betraut und• reichlich Mühe, den Willkürlichkeiten und musikalischen Eigen willigkeiten der Künstlerin zu folgen. E. I. Hochleistunis-Drehbänke, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bohrwerke,< Shaping- u. Hobelmaschinen Spannfutter tu modernster Ausführung erzeugt: Werkzeusmaschlnenfabrlk Arno Mauert Warnsdorf, tSR. Unvergeßliche Filme:„Sturm über Asim". Montag 6 und%9 Uhr. Prof. Fr. Mucker«an«!„Goethe und daS technische Zeitalter". Mittwoch 8 Uhr. Univ.-Prof. Dr. Walk«:„Wie kann«um Krankheiten verhüten?". Freitag 8 Uhr. Uranla-Klne Premiere„Der ScheidungSgrund" mit Paul Hörbiger, Anny Ondra. Willy Volker, Else Lord. Ja der Wochenschau: Masarhkrennen, Flugtag. Brand der Rotunde, Auf der Bühne: Rintintin, der telepathische Wunderhund. Kein Zuschlag. 6. Ä9 Uhr. Sonntag 2, 4, 6,%9 Uhr. Mittwoch, Kindernachmittag:„Der Arme Lord". Gastspiel der Flick und Flockbühne in„Die Puppenfee". 80 Mitwirkende. Montag, den 4. Oktober, um abends im Parteiheim, SmeLky 22/III, Frauen»Abend Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Ha's oder d. i Bezug durch di- Post monatlich KL 16.—. vierteljährlich KL 48.—. halbjährig KL 96.— ganzjährig K 192.—..—. Inserate werden knir Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltung Piei^nachlaß. Rückstellung ,on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeittmgsfranka'ur wurde von der Post- und Lele» graphendirektion mit Erlaß Nr. r3.ä20/VII/1930^bewllligt.(Koutrrllpostamt Praha 25.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags« und ZeitungS-A.«G. Prag. hatte. Als der Getötete das Auto bestieg, habe er ihm. dem Angeklagten, vier Fußtritte ins Gesicht verseht und er, der Angeklagte habe sich bl-ndlings mit seinem Fleischermesser zur Wehr, gesetzt. Diese Aussage ist allerdings, wie die Anklage mit Recht betont, nicht ernst zu nehmen, wie ja auch vurch da? folgende gewalttätige Verhalten des Angeklagten durch verläßliche Zeugen einwandfrei erwiesen ist Die Einzelheiten des außerordentlich langwierigen Beweisverfahrens bedürfen keiner besonderen Erwähnung. Die Geschworenen bejahten die Schuld- ! frage auf das Verbrechen des Totschlages mit zehn Stimmen und ebenso auch die andere ihnen vorgelegte Schuldfrage auf das Verbrechen der Erpressung durch gefährliche Drohung, durch die sich der Angeklagte seiner Verhaftung entziehen wollte.*• Der Schwurgerichtshof(Bors. OMst Dr..H o- m an) verurteilte hierauf den Angeklagten zu vierzehn Monaten schweren Kerkers. Die gegenwärtige Schwurgerichtsperiode ist nicht eben reich an sogenannten„grohen" Fällen, immerhin find, wenn auch nicht die Tatbestände der verhandelten Fälle, so doch die ergangenen Urteile bemerkenswert. Bor einigen Tagen hat der Schwurgerichtshof des GM Dr. Mare Lek, wie berichtet, einen Angeklagten wegen des— nicht geglückte n— Versuches, einer Frau ein Handtäschchen zu entreißen, zu zehn Jahren verurteilt, also zum höchsten Strafsatz, der nach unserem Strafgesetz in Anwendung kommen kann. Der Prozeß, von dem hier die Red« ist, ist nach dem Gesetz unter die gleiche Strafe gestellt, nämlich unter die Strafe von fünf bis zehn Jahren schweren Kerkers. Zum Unterschied von jenem Prozeß hat das Schwurgericht in diesem Fall von dem außerordentlichen Milderungsrecht ausgiebigen Gebrauch gemacht. Kellerdiebe verhaftet. Dieser Tage verhaftete die Polizei, den 34jährigen wohnungslosen Arbeiter Karl B o n d r ä z k a, der gestand, in der letzten Zeit mehrere Diebstähle aus verschlossenen Kellern begangen zu haben. Bisher gelang es, ihm ächt solche, meist in Karolinental, Bubentsch, Wrschowitz- und Weinberge verübte Diebstähle nachzuweisen, bei denen er Kleider, Wäsche, Ehwaren und Wein erbeutet hat. Von ersteren beiden wurde ein Teil beschlagnahmt und den Geschädigten zurückgestellt. Der Schaden beträgt immerhin gegen 8000 KL. Vo- dräska wurde in die Haft des KreHgerichtes in Pankratz gebracht. Explosion in der Aktentasche. Gestern gingen um I Uhr mittags drei 14jährige Schüler auS der Zistover Mittelschule in der LupäLgasse nach Hause. Einer von ihnen trug verschiedene Chemikalien in der Aktentasche und als er durch die ChelLickhstraße kam. kam eS— offenbar durch eine rasche Bewegung der Aktentasche hervorgerufen— in deren Innerem zu einer kleinen Explosion. Dem Jungen selbst, der die Tasche sofort wegwarf, geschah nichts, feine beiden Mitschüler aber wurden an den Beinen verletzt und mußten von der Rettungsgesellschaft ins tschechi- j sch- Kinderspiial übergeführt werden, wo bei beiden i Rißwunden am Schenkel festgestellt wurden. Wie die Untersuchung ergab, hatte eine Mischung von Kiesel- säur-chlorat und Phosphor, die sich in der Aktentasche befand, die Erplofion hervorgerufen. Der betreffende Schüler gab an. die Mischung in einem Schächtelchen auf einer Zizkdver Sttatze gefunden zu haben. Anläßlich deS 7V. Geburtstage« P-tr BezrnL' veranstaltet die Arbeiterbuchhandlung in Prag II, Hvbernskä 7,,bis zum 15. Oktober eine Ausstellung von Bezrui' Handschriften, Büchern usw. Die Einschreibungen in das Herbst-Trimester .der Freien Schule für politische Wissenschaften in Prag werden im ordentlichen Termine bis zum 6. Oktober d. I. in der Kanzlei der Schule in Prag l, Ovocnh trh 3, vorgenommen. Die regelmäßigen Vorlesungen beginnen am 11. Oktober. Einzelheiten im Sludienprogramm. Weittre Verlängerung der slowakisch«: AnS- ftellnng. Im Hinblick auf das große Interesse dessen sich die Ausstellung„Alte Kunst in der Slowakei" erfreut und mit Rücksicht auf die täglich 5000 Personen betragende Besucherzahl wird die Ausstellung verlängert und noch bis zum 10. Oktober geöffnet sein. Der Vorsitzende der österreichischen Kulturgesellschaft, der in Prag einqetrofsen ist, hat den Ber- Prager Lebensmittelmärkte Gemüse: Kartoffeln, gewöhnliche Sorten, 1 Kilo 50 bis 70 Heller, Blauaugen 80 Heller. Kipfler la 1.20 KL, Tomaten 1.60 bis 2.40 KL, Erbsenschoten 3 bis 5 KL, Karfiol Stück—.50 bis 2.50 KL. Kohl rübe Bund 1.30 bis 1.80 KL, Karotten Bund—.70 bis 1.20 KL, Petersilie Bund 1 bis 1.80 KL Porree Bund—.80 bis 1 KL, rote Rüben Bund—.80 bis 1.20 KL, Häuptelsalat Stück 30 bis 60 Heller, Spi nat Kilo 1 bis 1.50 KL, Weißkraut Stück 1 bis 1.80 KL, Rotkraut Stück 1.50 bis 2 KL, Paprika grün Stück 20 bis 40 Heller, Kukuruzähren Stück 50 bis 80 Heller, Kürbis Kilo 1.20 bis 2.50 KL. Obstmartt. Birnen 2 bis 6 KL, Pfirsiche 12 bis . 16 KL, letzte Heidelbeeren 4 bis 5 KL. Brombeeren 3 bis 5 KL, Erdbeeren 16 bis 20 Ki. heimische Aepsel 2 bis 4 KL, ausländische 4 bis 8 KL, heimische Wein trauben 2.50 bis 5 KL, ausländische 5 bis 10 KL, heimische Zwetschken 8.80 bis 5 AL, bosnische 4.80 bis 6 KL. heurige Nüsse 5 bis 12 KL, Preiselbeeren 5 bis ß KL, Bananen Kilo 6 bis 8 KL, Orangen, heurige, Stück 1 bis 2 KL, Feigen, heurige, Kilo 8 bis 14 KL, Kranz 1 bis 2 KL. Schwämme. Herbstschwämme 4 bis 6 KL. Eier schwämme 3 bis 5 KL, Pilze 8 bis 14 KL. Cham- pignone 16 bis 22 KL. Fleisch. Rindfleisch, vorderes mit Zuwaage 10 bis 14 KL, hinteres 12 bis 17, vorderes ohne Zu waage 12 bis 16, hinteres 14 bis 19 KL. Lungenbra ten mit Zuwaage 18 bis 20, ohne Zuwaage 20 bis 28 KL. Kalbfleisch/ vorderes mit Zuwaage 7 bis 10. hinteres 11 bis 14, vorderes ohne Zuwaage 9 bis 12. hinteres 14 bis 22 KL. Schtveinefleisch, vorderes mit Zuwaage 9 bis 12, hinteres 12 bis 18, vorderes ohne Zuwaage 11 bis 14, hinteres 14 bis 20 KL. Schöp-1 senfleisch, vorderes mit Zuwaage 8 bis 11, hinteres, . 10 bis 14, vorderes ohne Zuwaage 10 bis 13, hin teres 12 bis 16 KL. Rindszunge roh 11 bis 14 KL,.„ Rindsleber 8 bis 12 KL, Rindshirn 16 bis 18 KL.■ und versetzte seinem Gegner zwei Stiche, die den Kalbs- und Schweinehirn 18 bis 24 KL, Selch fleisch, i Angefallenen in die linke Hüfte und den linken Obervorderes roh 14 bis 18, hinteres 16 bis 18. vorderes, schenke! trafen. Der Verletzte, ein gewisser Josef gekocht 20 bis 24, hinteres, gekocht^24 bis 28 AL,' Heliman, verblutete in kurzer Zeit, denn einer der : Stiche hatte die Schenkelarterie durchtrennt. Der Täter versuchte zu entfliehen, wurde aber von dem Chauffeur Heliman und einem anderen Tarichauffeur, der in seinem Wagen zufällig dor- beifuhr, Verfolg und gestellt, Die Festnahme des Totschlägers gelang nicht ohne gewalttätigen Widerstand. Er schwang gegen seine Verfolger das blutige Fleischermesser, mit dem er kurz vorher seinem Gegner den GarauS gemacht hatte und drohte ihnen den Tod an, wenn sie ihn nicht enttommen lassen würden. Erst ein tüchtiger Stockhieb über die Hand entwaffnete ihn. Der Angeklagte leugnete natürlich und stellte die Bluttat als einen Akt der Notwehr hin. Er batte an jenem Tage eine Schlachtung in dem seinem ! Schwager gehörigen Gasthaus„Jeneralka" in der | Scharka vorgenommen und kehtte von dem dort fol- | genden Schlachtfest zurück, wo er nach seiner Angabe --—• nur vier.Gläser Vier und^einey schwarzen Kaffee mit Stück 20 bis 55 KL, Tauben Paar W bis 16 KL. j Rum konsumiert haben soll. Aus dem Heimweg ge- Rebhuhn Stück 5 bis 8 KL, Fasanen Stück 14 bis 22 i riet er— imuftr nach seiner Aussage— Mit seinem KL, Wildente Stück 12 bis 18 KL, Hasen Kilo 6 KL, Opfer in Streit. Angeblich batte ihn der Getötete abgezogen, Vorderteil, Stück 4 bis 6, Hinterteil 12 i ohne Grund beschimpft und ihn sogar zur Erde ge- bis 24 KL, Rehfleisch, Brust, Kilo 10, Schulter 14, warfen, wobei sich die Aktentasche geöffnet habe, in Schlegel 18 bis 20 KL, Hirschfleisch, vorderes. 6 bis der der Angeklagte sein Handwerkzeug trug, das er 10, hmtercS 16 KL ein Kilo.! bei der Schlachtung des vorhergehendenTageS benützt