Sozial- emokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Manta, täglich frSH/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XL, Fochooa 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Dienstag, 5. Oktober 1937 Aus dem Inhalt? Die Ermordung des Ignaz Reiß(Eberhardt) aufgeklärt Kabinett Stojadinovifi rekonstruiert Der Prager Börseneinsturz vor Gericht Nr. 234 Festungsblock im Unlversitfltsviertel gestürmt Madrid. Im Abschnitt tri Billaverde am rechten Ufer des Manzanares, wo seit längerer Zeit keine KrirgSoperationen vor sich gingen, unternahmen die republikanischen Abteilungen einen mächtigen Angriff, wobei sie sich 60 Häuser, dir von Aufständischen besetzt waren, bemächtigten. Infolge diese- Erfolges der Regie- rungstrupprn sind die letzten Stellungen der Rebellen im UnivrrsilLtsviertel auf daS schwerste bedroht. Die eroberten Häuser waren' in richtig befestigte Zitadellen umgewandelt worden. An allen Ecken standen Maschinengewehre, die Keller und Mansarden waren mit eisernen Platten gepanzert, die zum größten Teil deutsche Inschriften trugen. Bei der Einnahme der Häuser wurden Maschinengewehre, Maschinengewehrpistolen,' Gewehre und sogar einige Mörser erbeutet. Ein weites Netz von unterirdischen Gräben verband diese Häuser mit dem Dorf Villaverde. 18 Kilometer vor Saragossa Im Abschnitt Sarinena an der Aragonfront hat die republikanische Armee 18 Kilometer vor Saragossa feindliche Positionen besetzt. Auch im Abschnitt I a e a, rücken die republikanischen Truppen längs der Straße vor, welche die Ortschaft Sabinanigo mit der Stadt Jaca verbindet. Die republikanischen Linien verlaufen 16 Km. vor Jaca. In Hocharagonien kämpfen sich die Regierungstruppen zu der Jaca mit Eartjrana verbindenden Straße durch. Die Einschließung JacaS wird an beiden Flügeln durchgeführt. * Nach den aus dem Norden einlangenden Nachrichten hat das schlechte Wetter sämtliche Militäroperationen an der Nordfront zwn Stillstand gebracht. Die Wege und Straßen im Gebirge sind absolut unpassierbar, bzw. unbefahrbar geworden. > Lehrerstreik In Warschau Gegen die Einsetzung eines Regierungskommissärs im Lehrerverband Warschau. Die Lehrer von 147 Warschauer Volksschulen haben Montag einen 24stündigen Solidaritätsstreik für die Angestellten der Union der polnischen Lehrer proklamiert, die bereits fünf Tage streikten und die Amtsräume der Union besetzt hielten, um gegen die Einsetzung eines RegierungSkommiffärs zu protestieren, der die Tätigkeit des Verbandes kontrollieren sollte. Ihr Streik wurde Montag nachmittags dadurch beendet, daß die Polizei die Amtsräume der Union räumte. Erntedankfest mit kriegerischem Einschlag Berlin. Sonntag fand auf dem Bückeberg das fünfte nationalsozialistische Erntedankfest statt. Offiziell wird die Teilnahme auf„gegen 800.000 Personen" geschätzt. In Anwesenheit Hitlers und seines Stabes fanden als Einleitung große militärische Hebungen statt, bei denen die„roten Angreifer" eine völlige Niederlage erlitten. ReichSwirtschastsminister D a r r t hielt sodann eine Ansprache, in welcher er auf die Schwierigkeiten verwies, mit denen die deutsche Landwirtschaft zu kämpfen habe. Der Versailler Frieden hwbe den Deutschen fünf Millionen Hektar fruchtbaren Ackerbodens genommen. Hitler hielt zunächst eine Brandrede gegen Liberalismus und Marxismus und wiederholte dann die Forderung nach Kolonien. Seine Rede beendete Hitler mit der Versicherung, daß das deutsche Volk fest entschlossen sei,„seinen schönen Garten gegen jeden Einfall des jüdischen Bolschewismus zu verteidigen." Der GroBmuftl lenkt ein? Jerusalem. Der Großmufti, der sich in dir Omar-Moschee eingeschlossen hat» hat eine Kundgebung erlassen, in der er die Arader auffordert» den Streik zu beenden und zur Arbeit zurück?, ukehrcn. Schwerer Luftangriff auf Valencia Das Ringen um Schanghai Völkerbundes in keiner Weise gebunde erachte. ES werde trotz der Resolution in seinen Angrissrn fort fahren. Die internationale Politik der Arbeiterpartei ist in einem umfangreichen Dokument dargestellt worden, das bereits vom Gewerkschaftskongreß in Norwich im September gebilligt wurde. Es ist die weitaus beste und logisch klarste Darlegung der Politik kollektiver Valencia. Sonntag morgen-, gegen 10 Uhr gelang es 25 Rebrllenfliegern auf deutschen Heinkel-Apparaten, Typ 151, sich im Schutze des Nebel- der Stadt zu nähern. Die bombardierten das Viertel Grao in der Nähe des HafenS und warfen etwa 50 Bombe», darunter einige Brandbomben, ab. Rach einiger Zeit gelang eS den aufgestiegenen republikanischen Jagdflugzeugen, die Rebellen in die Flucht zu schicen. Dieses Bombardement war eine- der schwerst« seit Kriegsbrginn. Die Hafenviertel bieten einen erschreckenden Anblick. 63 HLuser sind ganz zerstört,. viele stehen in Flammen. Gegen 100 Häuser sind beschädigt. Die Trichter der Bomben haben einen Durchmesser von 7 bis 8 Meter. Die Bilanz des Bombardements: Bisher wurden 26 Tote geborgen, weitere 20 liegen noch unter den Trümmern.. In den Krankenhäusern wurden 167 Verletzte untergebracht. Bon amtlicher Seite wird behauptet, daß eine der aufständischen Flugzeuggruppen m i t R egt e r u n g sf ar b en m a s k i e r t war. London. Das Reuter-Büro erfahrt, daß der britische Torpedobootzerstörer„B a s a l i s k", der den Pa- trouillendienft im westlichen Mittelmeer versteht, Montag früh von einem unbekannten Unterseeboot angegriffen wurde. Das gegen de« Torpedobootzerstörer abgeschoffene Torpedo der- fehlte fein Ziel. Der Basilisk" erwiderte das Feuer gegen das unbekannte Unterseeboot, doch ist nicht bekannt, ob es Erfolg hatte. Die Nachricht von diesem Ueber- fall h-' in London Erregung und große Ueberraschung hervorgerufen. Man hatte nämlich geglaubt, daß die„Piraten", welcher Rationalität immer, nach Abschluß deS London.(Eigenbericht.) Den Japanern ist es laut hier vorliegenden Meldungen gelungen, die chinesische Front an der Straße nach L o t i e n zu durchbrechen. Die Japaner sind seit Freitag hier zweieinhalb Meilen vorgerückt. Die Chinesen gehen langsam in eine ausgebaute rückwärtige Stellung zurück. Der Angriff in Schanghai selbst wird sehr langsam vorwärtsgrtragen, da die Chinesen Haus für HauS verteidigen und sich auch durch die dauernde» Luftangriff« nicht demorali- sieren lassen. Ein zweiter japanischer Angriff richtet sich gegen die chinesische Stellung fünf Meilen nördlich der internationale« Zone. DaS Außenministerium in Tokio hat Montag erklären lassen, daß Japan dem Völkerbund nicht angehöre und sich durch die Resolutionen des London.(Eigenbericht.) Die italienische Antwortnote in der Frag« der Abberufung der Freiwilligen wird für DonnerStag erwartet. ES liegen Meldungen vor, die von neuen und beschleunigte« Truppenverschirbungen nach Spanien wissen wollen. Der General T r r u z, z i, der Kommandant der italienischen Truppen in Spanien, hat sich angeblich nach Roll, begeben, um dringend weitere, beträchtliche Verstärkungen anzusprechen. Im Hinblick auf diese Meldungen erwartet man hier bestenfalls eine ausweichende und dilatorische Antwort Italiens. Auch der Ton der deutschen ZeitungSkommmtare zu der englisch-französischen Rote, die durchgängig alS ein „ErpressnngSvarsuch an Italien" bezeichnet wird, läßt darauf schließen, daß di« italienisch«. Antwort wahrscheinlich scharf ablehnend, mindesten- in der Sache völlig ungenügend sein wird. Rach Meldungen Pariser Abendblätter wird die Antwort Italien- im Prinzip nicht ablehnend sein, jedoch die Ansicht auSspvechen, daß dir Konferenz der drei Staaten kein« genügend breite Grundlage für eine so wichtige Sach«, wie die Abberufung der Freiwil ligen au- Spanien, sei. Die italienische Antwort dürfte deshalb Vorschlägen, daß sich der Londoner Richtintervention-au-schuß mit der Angelegenheit befasse. Vie Einladung üderhüfllch L o« d o n. Wit auS zuständiger Quelle mitgrteilt wird, spricht die englisch-französische Rote an Italien die Ansicht auS, daß die Zusammenarbeit auf Grund des Abkommens von Nyon einen günstigen Ausgangspunkt für eine umfangreiche Zusammenarbeit bilden sollte, die das gesamte spanische Problem betrifft. Als Hauptbe- dingung des Weiterbestandes der Richtintervention wird die Abberufung der fremden Staatsangehörigen'aus Spanien bezeichnet. Weiters wird der gute Einfluß erwähnt, dm ein Abkommen der drei Mächte auf dir allgemeine europäische Lage hätte, und die Ansicht ausgesprochen» daß ein solches Abkommen die Lösung anderer i Probleme, wie z. B. die eventuelle Z« e r k e n- nung der Kriegsrechte, erleichtern könnte. Es wird die Rotwmdigkrit unterstrichen, rasche praktische Maßnahmen zu treffm. Ablehnend oder nur ausweichend? Rü.selraten um die italienische Antwort Der Schauplatz der japanischen Kriegs- besteht kein Zweifel, daß ein neuer Vorstoß der operationen ist im gegenwärtigen Augenblick Anhänger der Einheitsfront ebenso entschieden T s ch a p e i, wo sich heftige Kämpfe abwickeln, zurückgewiesen werden wird wie alle bisherigen. Die Japaner machen verzweifelte Anstrengungm, Die Haltung der britischen Gewerkschaften in die- zum Rordbahnhof vorzudringm, stoßen aber auf ser Frage ist heute womöglich noch ablehnende: erbitterten Widerstand der Chi- als bisher. nesrn- welche numnehr über eine große Menge' neuen Artilleriematerials verfügen. Im Abschnitte Lotim-Liuhan befestige» die Japaner ihre nenm Positionen^ inzwischm beschießm japanische Flugzeuge intensiv die chinesifchm Linien und die BerpflegSabteilungen.(Reuter). Ein neues Piratenstück „Unbekanntes** Unterseeboot greift britischen Zerstörer an Parteitag der britischen Arbeiterpartei Von unserem Londoner Korrespondenten Mit den Parteitagen der beiden großen Parteien, der Konservativen und der Arbeiterpartei, wird die politische Saison in London eröffnet. Hauptgegenstand des Interesses auf dem konservativen Kongreß, der in Scarborough zusammentreten wird, ist eine Programmrede des Ministerpräsidenten Neville Chamberlain. Darüber hinaus dürfte es. einige Diskussionen über Ressortsragen einzelner Minister geben, so vor allem des Ackmbauministers Morrison» und möglicherweise wird Winston Churchill, der zum Unterschied vom vergangenen Jahr diesmal am Parteitag teilnehmen wird, in die Debatte über die auswärtige Politik eingreifen, die Lord P l y m o*st t h, Unterstaatssekretär im Außenministerium und Vorsitzender des Nicht-Jnter- ventionsausschuffes, eröffnen wird. Weitaus lebendiger wird unzweifelhaft der Kongreß der Arbeiterpartei werden, der am 4. Oktober in Bornemouth eröffnet wurde. Die La- bourparty ist in einem geistigen und organisatorischen Umgestaltungsprozeß begriffen, der auf dem Kongreß in vermutlich recht leidenschaftlichen Debatten widergespiegelt werden wird., Die Arbeiterpartei, hervorgegängen aus den Gewerkschaftsverbänden, zeigt in ihrer Organisation heute noch ihren Ursprung. Sie besteht aus direkt angeschloffenen GewerkschaftSverbäNden und anderen Organisationen, zu denen sich erst in den letzten Jahren größere Gruppen individuell angeschlossener Mitglieder gesellen. Von den mehr als zwei Millionen Mitgliedern der Arbeiterpartei sind nur rund 480.000 individuell angeschlossen. Die Folge dieses zahlenmäßigen Verhältnisses ist das Uebergewicht der Gewerkschaftsvertreter auf den Kongressen der Arbeiterpartei. Wenn oie fünf größten Gewerkschaften, die Transportarbeiter, Bergarbeiter, Maschinenbauer, Eisenbahner zusammengehen, beherrschen sie den Parteitag. Andererseits ist die Arbeiterpartei bei ihren Bemühungen, in die Reihen des Kleinbürgertums und des Mittelstandes einzudringen, auf die G e- winnung individueller Mitglieder angewiesen. Um diesen ein ausreichendes Mitspracherecht zu geben, wird von der Pur« teiexekutive vorgeschlagen, daß die Zahl der Vertreter der Lokalorganisationen in der Parteiexekutive von fünf auf sieben(von insgesamt 25)! erhöht werde und daß nur die Parteitagsdelegierten der Lokalorganisationen berechtigt sein sollen, diese Vertreter zu wählen. Bei den Gewerkschaften hat diese Minderung.ihres Einflusses auf dir Partei wenig Gegenliebe gefunden, der Parteitag mag in der Abstimmung über diesen Vorschlag der Exekutiv«. Uebeyraschungen bringen. Die Frage der Einheitsfront wird im Zusammenhang mit einem persönlichen Streitfall ausi- dem Parteitag auftauchen. William Mellor, der Herausgeber des Wochenblattes „Tribüne", das für die Einheitsfront wirbt, ist in einem Wahlkreis als Kandidat für die nächsten Parlamentswahlen aufgestellt worden. Die Parteiexekutive hat es jedoch abgelehnt, die statutengemäß notwendige Zustimmung zu dieser Kandidatur zu erteilen. Die Gruppe um Sir Stafford Cripps, den hochbegabten Anwalt, die den Gedanken der EinheitS- und der Vollsfront verficht, wird den„Fall Mellor" aufgreifen, um das ganze .Problem vor den Parteitag zu bringen, obwohl nach den Statuten eine Frage, über die ein Parteitag entschieden hat, drei Jahre lang nicht wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden kann. Die Parteiexekutive steht auf dem Standpunkt, ! daß Mellor gegen den Kongreßbeschluß verstoßen hat, der die Gründung von Organisationen für die Verfechtung des Einheitsfrontgedankens unter- j sagt und nur individuelle Agitation gestattet. ES Rhnoner Abkommens ihre Tätigkeit eingestellt hätten. * I Der Zwischenfall wurde von der spanischen Signalstation auf Kap San Antonia(bei Denia in der Provinz Alicante) beobachtet: Vormittags wurden in einer Entfernung von etwa 25 Meilen östlich des Kap zwei britische Zerstörer gesichtet. Plötzlich erhöhten sie die Geschwindigkeit un5 nach einer Weile waren drei st arke Explosionen zu hören. Hierauf warfen die Torpedobootzerstörer T i e f e n m i- n e n ins Wasser. Nachmittags erschienen weitere Zerstörer und ein britisches Wasserflugzeug, die sich der Verfolgung des unbekannten Unterseebootes anschloffen. Um 15 Uhr 35 erhoben sich plötzlich an der Stelle, wo sich die zweite Gruppe befand, Rauchwolken, die ettva zwölf Minuten anhielten. Dann drehte die Zerstörergruppe in südlicher Richtung ab. Veite 2 Dienstag, 5. Oktober 1937 Nr. 234 Dichtheit, die die britische Arbeiterbewegung bisher in die Oeffcntlichkeit gebracht hat. Großbritannien mit seinen Großstädten, seiner Abhängigkeit von der Nahrungsmittetzufuhr aus der Uebersee und seinem weltumspannenden Reich ist verwundbarer als irgendein anderes Land, heißt es in dieser Erklärung. Daraus ergibt sich die kategorische Ablehnung jeder Äsolie- rungspolitik, die absolute Notwendigkeit einer Form kollektiver Sicherheit. Ohne irgendeine Einschränkung werden Deutschland, Italien und Japan als die Hauptfeinde des Weltfriedens gekennzeichnet. Aber wie recht und billig, stellt die La- bourparty die Verantwortung der britischen Regierung für die gegenwärtige Situation in oen Vordergrund. 1931— die Schuld für das Versagen der Völkerbundsaktion, als Japan die Mandschurei eroberte. 1933 und 1934— daS Schweigen über die deutsche Aufrüstung, weil, wie Baldwin einmal versehentlich zugab, die Regierung sonst bei den Wahlen in Not geraten wäre. 1934— die Passivität angesichts der Zerstörung der Demokratie in Oesterreich, die verhindert hätte werden können, wenn England und Frankreich gemeinsam ihren Einfluß in Wien geltend gemacht hätten. 1935— die Schwäche gegenüber Italien, der Verrat der Völkerbundsaktion durch den Laval-Hoare-Plan. 1936— Passivität gegenüber der italienischen und deutschen Intervention in Spanien. Daran schließt sich die Darstellung der gegenwärtigen Lage und der unmittelbaren Aufgaben. Kennzeichnend dabei ist die vorbehaltlose Ablehnung, die der Gedanke einer eingeschränkten Haftung Englands auf dem Kontinent erfährt. Mittel- und Osteuropa spielen in den Erwägungen der Arbeiterpartei eine völlig gleich betech- tigte Rolle neben W esteuropa, die Tschechoslowakei im besonderen wird in ihrer zentralen Position erkannt. Die Erklärung läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß ein Angriff auf die Tschechoslowakei das Signal zu einem Weltkrieg wäre. Die Notwendigkeit, durch eine Politik der offenen Tür in den Kolonien diese Märkte für alle Länder zugänglich zu machen, wird unter anderem auch mit einem Hinweis auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Tschechoslowakei begründet. Besonders wesentlich ist aber die Warnung„vor jeder Abänderung oder.Interpretation' des Völkerbundpaktes, die praktisch Deutschland sreieHand gäbe, in Ost- oder Mitteleuropa Krieg zu führen". Diese Totalität der kollektiven Sicherheit findet ihre logische Folgerung in der Ablehnung der Spanien-Politik der britischen Regierung. „Es ist jedermann, mit Ausnahme offenbar der britischen Regierung", heißt es,«völlig klar, daß ein Sieg der spanischen Aufständischen, der die Fortdauer des deutschen und italienischen Einflusses und' bewaffneter Kräfte in Spanien, in Spanisch-Marokko und den spanischen Inseln zur Folge hätte, eine außerordentlich ernste Gefahr sowohl für Frankreich, wie für unser Land darstellen würde." Aus all diesen Erwägungen zieht das Dokument die Schlußfolgerung, daß auch eine Arbeiterregierung, solange keine Aenderung in der internationalen Situation eingetreten ist, genötigt wäre, die gegenwärtige Aufrüstung fortzusehen. Heißt das, daß die Partei den Rüstungs« krediten der gegenwärtigen Regierung im Parlament zuzustimmen hat? Das Dokument selbst hüllt sich darüber in Schweigen. Die Gewerkschaften und mag«— 1 ein Teil der Führung der Arbeiterpartei mit Hugh D a l t o n an dßr Spitze bejaht diese Frage. Ohne die auswärtige Politik der Regierung zu billigen, müffe die Partei die Notwendigkeit der Aufrüstung anerkennen. Auf der anderen Seite erklärt A t t l e e, der Führer der Partei, und Herbert Morrison, der brillante Chef der Londoner Organisation, daß die Rüstungsfrage nicht von der internationalen Politik getrennt werden könne. Dieser Regierung und ihrer auswärtigen Politik könne durch die Zustimmung zu den Rüstungskrediten kein Vertrauensvotum aus- London.(Eigenbericht.) Der Eröffnungstag des Kongresses der Arbeiterpartei in Bournemouth stand im Zeichen einer einleitenden Rede des Vorsitzenden Hugh D a l t o n, der über die internationale Lage und die Aufgabe Englands in der heutigen Situation sprach. England müsse den Gefahren gegenüber, die an allen Enden der Welt auftauchen, gewappnet und gerüstet sein. Insbesondere sei es auch wichtig, daß eine kommende Arbeiterregierung allen Einschüchterungsversuchen gegenüber widerstehen köbne. Dalwn forderte Vorkehrungen der Regierung gegen eine neue Krise derWirtschaft, denn wenn man ihr unvorbereitet entgegengehe, werde^England ein einziges großes Elendsgebiet werden. Der Parteitag der Latour- Party nahm am Montag einstimmig eine Resolution an, in der zum Boykott japani- scher Waren als Protest- und Kampfmatzgesprochen werden. Man sieht, der Gegensatz betrifft mehr die Frage, wie ein gemeinsamer Gedanke zum Ausdruck gebracht werden soll, nicht aber die internationale Politik selbst. Denn beide Teile und— mit Ausnahme eines kleinen Flügels religiöser Pazifisten um Lansbury— die gesamte britische Arbeiterbewegung sind einig in der Anerkennung der Notwendigkeit einer vorbehaltlosen Politik kollektiver Sicherheit und eines starken England, das den kriegslüsternen Diktatoren Halt gebieten kann. nähme gegen die Angriffe Japans auf China, insbesondere gegen das Bombardement offener Städte und die Tötung von Zivilpersonen, aufgefordert wird. In einem Schreiben an den Mi- nistcrpräsidcntcn fordert der Fraktionsführer der Arbeiterpartei, Major A t t l e e, die sofortige Einberufung deS Unterhauses zur Erörterung der Borfälle in Ostasien. Es heißt, daß dem Verlangen zwar stattgegrben werden wird, aber in der Form, daß der erste Sitzungstag— der 21. Oktober— einer Debatte über die gesamte internationale Situation gewidmet sein wird. * Dienstag findet in der Alberthall in London eine große Protestkundgebung gegen die japanischen Kampfmethoden und die dauernde Verletzung des Völkerrechtes durch Japan statt. Es soll u. a. der E r z b i s ch o f von Canterbury und für die Arbeiterpartei Herbert Morrison sprechen. Kabinettsrekonstruktion in Jugoslawien Belgrad. Montag abends wurde eine Rekonstruktion der Regierung Dr. Stojadinoviä vorgenommen. Aus der Regierung find die Minister Dr. R o g i ü, Dr. Kalu d H e rk i ü, Dr. Subo» tiö, Tr. K o Z u l j und Jng. Iankoviö ausgeschieden und an ihrer Stelle Dr. Simonovik zum Justizminister, Dr. Kupmdziö zum Minister für Forste und Bergwerke, Abgeordneter Lekoslav Miletic zum Minister für körperliche Erziehung, Abgeordneter Cvrkik zum Postminister und Professor MakaraseviL zum Unterrichtsminister ernannt worden. Ferner wurde Abgeordneter Novakoviä zum Minister ohne Portefeuille ernannt. Ver Franc erholt sich London.(Eigenbericht.) Der Kurs deS französischen Franc ist Montag nicht unbeträchtlich gestiegen. In" London sieht man darin eine« ersten Erfolg der Beschlüsse des Ministerrates vom Samstag und ein Zeichen der Konsolidierung Frankreichs in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. General Gamelln in Bukarest Bukarest. Der französische Generalstabs-! chef General Gamelisi ist in Bukarest eingetroffen, wo er auf dem Bahnhofe vom Staatssekretär im Kriegsministerium General Teodo- rescu und anderen rumänischen Persönlichkeiten begrüßt wurde. Ole Gemeindewahlen Nach den uns gewordenen Mitteilungen besteht die Absicht, einen Teil der Gemeindewahlen am 7. November durchzuführen. Allerdings ist weder das Ausmaß, d. h. die Zahl der; Gemeinden, in denen Wahlen stattfinden werden, noch der Termin endgüÜig festgesetzt. 40 Jahre„Prävo Lidu". Am 3. Oktober waren es 40 Jahre, seitdem die erste Nummer des„Prävo Lidu" als Tagblatt erschienen ist. Das Blatt ist aus diesem Anlaß Sonntag in einer Festausgabe erschienen, die.sehr schön ausgestattet und inhaltlich reichhaltig ist. Den Leitartikel hat der Vorsitzende der Partei, Antonin Hampl, geschrieben, in einer Reihe von anderen Aufsätzen werden Erinnerungen an die Gründungszeit des „Prävo Lidu" veröffentlicht und die Entwicklung der 40 Jahre dargestellt. Da das Jubiläum des Blattes mit dem 70. Geburtstag eines seiner verdienstvollsten Redakteure, des Theater- und Kulturkritikers sowie Schriftstellers F. B. Krejöi — dessen wir in einem eigenen Feuillewn am Sonntag gedacht haben—- zusammenfällt, finden sich in dem Blatt auch einige Artikel, welche die bedeutsamen Leistungen dieses hervorragenden Mannes hervorheben. Der Präsident der Republik empfing am Montag den nationalsozialistischen Abgeordneten Professor Dr. I. B. K o z ä k. Der Borsitzende der Regierung Dr. HMa empfing Montag den Direktor des Internationalen Arbeitsamtes H. B. Butler, der in Prag zur Tagung des Vorstandes des Internationalen Arbeitsämter weilt. i Finanzminister Dr. Kalfus vereidigt. Am Montag, den 4. Oktober, um 12.45 Uhr legte Finanzminifter Dr. Josef KalfuS den verfassungsmäßigen Eid in die Hände deS Präsidenten der Republik ab. Vie Ermordung der Ignaz Reiß(Eberhardt) Die kommunistische Presse hat sich kürzlich lebhaft über die angebliche„Verleumdung" aufgeregt, die GPU habe den von Stalin abgefallenen ehemaligen GPU-Beamten Ignaz Reitz, der unter dem Namen Hermann Eberhardt in der Schweiz lebte, umbringen lassen. Obwohl es auffällig und ein sicheres Sympwm für das schlechte Gewissen der GPU gewesen war, daß die kommunistischen Blätter sich lange Zeit über den Fall ausschwiegen, während sie doch gewaltigen Lärm geschlagen hätten, wenn es sich nicht um die GPU als Urheberin des Mordes gehandelt hätte, erklärten sie nun plötzlich, es handle sich um ein Verbrechen der Gestapo, zu dem Zwecke, die GPU in Mißkredit zu bringen. Alles andere, was über die Person des Ermordeten bekannt geworden war, wagten die stalinistischen Blätter allerdings nicht zu dementieren. Inder trotzkistischen Zeitung„Lalutte ouvriäre"(Paris) findet sich nun eine ausführliche Schilderung der Vorgeschichte der Tat und der erkennbaren Zusammenhänge. Die Darstellung ist so gut fundiert, die Angaben sind so präzise, daß kein Grund vorliegt, sie in wesentlichen Punkten in Zweifel zu ziehen. Der„Lutte ouvriöre" zufolge wurde Reiß, der sich nach den ersten Prozessen gegen Stalin erklärt hatte, von der deutschen Emigrantin S ch i l d b a ch, die sich ihm gegenüber seit langem als oppositionelle Kommunistin ausgegeben hat, zu einem politischen Rendezvous bestellt und in die Falle gelockt. Die Schildbach floh dann mit dem zweiten Täter nach Frankreich, wo die Spuren des edlen Paares sich verlieren. Nur die weniger beteiligte Steiner wurde in der Schweiz verhaftet. Die Zusammenhänge konnten durch die Witwe des Ermordeten leicht aufgehellt werden, weil Frau Reiß die SchiMach nach einer im Berner Hotetzimmer der Mörderin vorgefundenen Photographie identifizieren konnte."Das Scheusal hatte nämlich, ehe es sich auf die Mord- tour begab, einige Tage in der Gesellschaft der Frau Reiß und deren Kindes, eines Knaben, verbracht und sich als Freundin der Menschen aufgespielt, gegen deren Ernährer es einen tückischen Movdanschlag plante. Reiß hatte seinerzeit den L e n i n-O r d e n erhalten. Er war ein hoher Funktionär der Sowjetmacht gewesen, bis er sich von Stalin loSsqsie. Nunmehr sollen in Frankreich zwei der Mittäterschaft an dem Morde verdächtige Personen verhaftet worden sein. Obwohl auch des T s ch s l. Preßbüro jetzt die Fatten Aber den Mord mitteilt, wird die stalinistische Presse wahrscheinlich weiter zu leugnen versuchen und jede Meldung über den wahren Sachverhalt als troh- kistisch-faschistische Fälschung hinstellen. Es ist übrigens nicht ganz zu erklären, warum die Kommunisten in d i e s e m Falle leugnen, während sie doch die russischen Hinrichtungen, die sich lediglich durch die technische Prozedur, nicht aber moralisch oder juristisch von der„Liquidierung" des Reiß unterscheiden, mit Stolz oingestehen. Labour-Kongreß fordert Boykott Japans EINE GESCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUrfÄTEN Copyright by Saturn Verlag 1935 Niemand kümmerte sich um ihn. Auf der Straße war eS schon ganz dunkel und nächtlich und ziemlich kalt. Hinter manchen Fenstern brannte ein Licht in irgendwelchen Stuben, und auf den Straßen war kein Mensch. Eine große Angst befiel ihn. Er eilte hastig durch alle Gäßchen, kletterte altertümliche steile Stiegen hinan, kam auf kleine, nur vom Mond beleuchtete Plätze, rannte weiter längs der niedrigen Häuser, deren krumme Giebel uralt und sonderbar aussahen, und hörte plötzlich in der Nebenstraße hallende Schritte. Was sollte er sagen? wie sich entschuldigen? Aber da stand schon der schweigsame Amerikaner mit der Pfeife im Mund und nefcen ihm ging sein Sekretär: ein schmaler, gefährlich aussehender junger Mensch, ganz blond, und hatte ein Maschinengewehr auf seinen Bauch geschnallt, einen Gurt mit Patronen wie die Tscherkeffe^i quer über den ganzen Oberkörper gelegt, und beide schritten von Haus zu Haus. Der Amerikaner nickte und wenn er nickte, machte der blonde Mensch mit einer Kreide ein merkwürdiges Zeichen, ein schreckliches Zeichen, ein fürchterliches Zeichen an die Haustür, und dann gingen sie zum nächsten. Jetzt sahen sie ihn und, der Amerikaner nahm die Pfeife aus dem Mund: Warum haben Sie mich hierhergckbracht? fragte er streng und der junge blonde Sekretär lächelte bös und hämisch. Sie haben Mich betrogen. Hier gibt eS gar nichts zu kaufen. Ich werde die Anzeige gegen Sie erstatten. Und Sie kommen auf den elektrischen Stuhl. Mer, Mister Bumpius, das ganze Dorf mit allen Einwohnern ist zu verkaufen. Ich habe bis jetzt für Sie unterhandelt. Wieder lächelte der Sekretär hämisch und rückte seinen Gurt zurecht. Er hatte hohe glänzende Röhrenstiefel und eine breite Schärpe am Rücken, auf der stand U. S. A. Was mochte das heißen? Was konnte das bedeuten? U, das hieße vielleicht: unsere. Mer S A: Was heißt das? Die beiden tuschelten miteinander. Und wie bekomme ich alles hinüber? fragte plötzlich der Amerikaner und sah ihn doppelt streng an. Sehr einfach, Mister Bumpius, sehr einfach. Man kann alles transportieren. Mer die Transporte kosten ein Vermögen. Die Verpackung aller Häuser..., wer wird das besorgen? Die Häuser muß man nicht verpacken, dir Häuser können als Sammelgut unverpackt in Waggons gehen. Und die Personen? Alles wird beschädigt und zerbrochen ankommen. Gar nicht. Die Personen packen wir zuerst in Seidenpapier, dann in Kisten, die Kinder und alten Leute außerdem noch in Wollin. Zwei Personen oder drei Kinder gehen in eine Kiste. Das witzb Scherereien bei der Verzollung machen. Es ist außerdem unsittlich. Wir werden immer nur Personen gleichen Geschlechts in eine Kiste packen. Je zwei Männer oder je zwei Frauen. Bei Kindern unter sechs Jahren kann man ein Auge zudrücken. Die Spesen, die Spesen, sagte der Amerikaner, werden mich ruinieren. Sicher nicht, sicher nicht. Mister Bumpius! Die Personen schicken wir Eilgut, aber die Häuser Frachtgut, Da ersparen wir auch. Und die Versicherung? Nur gegen Bruch und Beschädigung. Diebstahl ist nicht zu befürchten. Und was kostet alles? Zweihunderttausend Francs. DaS ganze Dorf, wie es lebt und stirbt, mit allen Einwohnern, auch die Haustiere, alles mit dabei. Das ist ungeheuer billig, ein Gelegenheitskauf. Das finden Sie nie wieder. Und meine Provision. Ich will zehn Prozent verdienen. Fünf Perzent ist genug, sagte der Amerikaner, keinen Sou mehr als fünf Prozent. Gut. Fünf Prozent. Aber ich muß das Geld sofort haben. Sonst kann ich öds Geschäft nicht abschließen. Sie können das Geld sofort haben. Erledigen Sie das Geschäftliche mit meinem Sekretär, sagte der Amerikaner, strich seinen langen weißen Bart, wurde ganz klein und uralt und trat in ein Hausto^ Und dann stand er, Valerian, allein mit dem Sekretär. Der sah ihn messerscharf an und sagte nichts. Bitte, wegen der Bezahlung, richtete Bale- rian nun das Wort an ihn. Wir werden uns nicht übers Ohr hauen lassen..., sagte der junge Mann leise, aber mit einem gefährlichen Unterton und schlug vom nächsten Haus ein Stück Mauer ab. Da! sägte er höhnisch, in was für einem Zustand die Sachen sind! Daraufhin beugte ein alter Mann erschrocken seinen Kopf aus dem Fenster der ebenerdigen Stube, der blonde Sekretär ergriff ihn beim grauen schmutzigen Bart, der Alte schrie lautlos und mit weitgeöffnetem Mund, der Junge riß ihm ganze Büschel Haare aus, die sich mühelos vom Gesicht des Alten lösten und wies sie vor. Dal sagte er, so schaut Ihre Ware aus! DaS ist alles schon expertisiert. Ich habe nur daS Geschäftliche mit Ihnen zu ordnen. Da Uhr Vater Militär war, Kleinrusse, werden Sie militärisch ausbezahlt, sagte der Blonde, stellte das abgeschnallte Maschinengewehr auf sein aufgestütztes Knie, schob den Patronengurt in die Kammer und begann zu schießen; tatatata, es knatterte schauerlich. Er, Valerian, begann zu rennen. Er sprang in das nächste Haustor. Aber da bemerkte er, daß aus dem Maschinengewehr Tausende von Francsscheinen flogen. Sie wirbelten in der Lust herum. Sie flattekten hoch und sie flatterten nieder, sie wurden von Windstößen da und dorthin getragen. Er eilte aus dem HauS- tor ihnen nach, erlangte aber keinen einzigen. Das geht mich nichts an. Sie hgben mir auf die Hand zu bezahlen! rief er, aber das Maschinengewehr knatterte weiter.. Und mit Schrecken sah er,(wie durch ein verkehrtes Fernglas) daß dort, in weiter Ferne, auf einem riesigen Frachtenbahnhof schon das ganze Dorf eingepackt und versandt wurde. Mr. Bumpius stand mit der Pfeife dabei und sah zu, wie die kleinen uralten Giebelhäuser als Sammelgut in die Waggons geschoben wurden. Manchmal schauten aus den Fenstern noch Leute. Andere sprangen eben aus den Waggons, ellten auf große Kisten zu, neben denen riesige Haufen Stroh und Wollin, Seidenpapier und anderes Packmaterial lagen. Dorthin eilten die Menschen mit ihren runden Samthüten, ihren großen Bärten und wickelten sich selbst rasch und hastig in Stroh und Seidenpapier, hoben die Bärte und steckten sie in kleine Papiertäschchen, stiegen rasch in die Kisten und schlugen die Deckel über sich zu. Verzweifelt rannte Valerian nach den«Francsscheinen, die der Wind immer weiter forttrug. Gellend llang das Lachen des jungen Blonden. Entsetzlich ratterte das Maschinengewehr tatatata— und mit einem Schrei erwachte Valerian, sprang auf, fühtte den kalten Schweiß auf seiner Stirn und hörte, kaum fähig, Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden, wie jemand dauernd und hartnäckig draußen an die Eingangs« tür trommelte. Der Wind schlug den halboffenen Fensterflügel auf und zu, es war im Zimmer stockfinster und eiskalt geworden. Er eilte zur Tür und öffnete. Kadidja stand draußen und überhäufte ihn mit Borwürfen. Seit drei Minuten, sagte sie, klopfe sie und sei schon halb erfroren. (Forffetzung folgt.) «r. 23« DienStag, S. Oktober 1937 Gelte 3 Sudeteadeul&iket leüsnit^cl Das neue Naturfreundehaus am Lenzenberg eröffnet Samstag und Sonntag hat die sozialdemokratische Arbeiterschaft wieder einmal unter Beweis gestellt, daß sie nicht nur allen Wünschen und Behauptungen zum Trotz immer noch sehr stark, sondern auch noch sehr aktiv und im Aufbau und Aufstieg begriffen ist. Denn daß man weit draußen im Riesengebirge eine sozialdemokratische Veranstaltung im tiefen Herbst wagen darf, fetzt eine gute und aktive Bewegung voraus und daß man ein neues Heim der Naturfreunde in dieser Zeit, die nach der Terminologie der Hakenkreuzler die Sterbezeit der Sozialdemokraten sein soll, an einem Punkte des Riesengebirges— der wohl zu den schönsten und übersichtlichsten gerechnet werden muß— eröffnen kann, ist wohl der untrüglichste Beweis unserer Kraft und unseres Arbeitswillens. Schon am Samstag abends waren an die vier« bis fünfhundert Menschen auf dem Platze vor dem neuen Heim am Lenzenberg versammelt, um in dem mit Fackeln abgesteckten weiten Grundstück ihre Abendfeier abzuhalten. Er herrschte «ine feierliche Stimmung unter den Menschen, die den Westesten Weg nicht gescheut hatten, um den Abend mitzuerleben. Mit dem„Morgenrot" eröffneten di« Trautenauer Sänger unter Leitung des Genossen Opitz die Feier, dann sprach Genosse G l ä s e l von der Reichsleitung der Naturfreunde einige Worte der Begrüßung, worauf Genosse Horn, Karlsbad, eine dem Inhalt und Ausbau gleich hochwerttge Rede, die von dem Kultur- und Ausbauwillen der sozialdemokrattschen Arbeiterschaft zeugte, hielt. Es wurde ihm langanhaltender Beifall zuteil. Nach dieser Rede traten die Arbeitersänger zu den Chören„Morgenrot und„Wanderlust" an und schlossen die einzigartige Vorfeier mit dem„Abschied vom Walde". Ein herrlicher Sonntagmorgen riß die Schläfer aus den Betten und als sie Ausblick hielten, kamen die Hänge und Fußsteige von Men Seiten herauf die Menschen aus nah und fern, um die Zahl der berests anwesenden Gäste zu verstärken. Um zehn Uhr waren an die 1000 Arbeiter urw Arbesterinnen versammelt und genoffen vorerst den prächtigen Sonntagmorgen im Riesengebirge. Auch diese Wartestunden waren, für alle ein großes, schönes Erlebnis. Um 10 Uhr 18 Minuten eröffneten die Fanfarenbläser der SJ die Feier. Die Arbeitersänger folgten ihnen mit der Staat-Hymne, die in deutscher Sprache vorgetragen wurde, wobei gleich- zeittg die Staatsflagge hochstieg, und gingen dann zur ersten Strophe der„Internationale" über, um das rote Banner zu hissen. Lautlos, baren Hauptes steht die Maff«, als dieser Akt vollzogen wurde. Dann spricht der Obmann des Reichsvereine- des Arbeiter-Touristenvereines der Naturfreunde, Genoffe Theodor Dietl» Aussig, der die Feier mst einer kurzen Begrüßung und einer Minute Trauer für verstorbene Naturfreunde und sozialistische Kämpfer eröffnete. Unter den Funktionären, die erschienen waren, erwähnen wir nur die Genoffen: Senator Grünzner, Paul und C e«h vom Verband der Eisenbahner, E. O. Rambauske, dem KreiSver- trauenSmann der DSAP, Marks als Vertreter der Genoffenschasten und der Union, mit Dole n s k Y, Senator Heinrich Müller mst Abgeordneten K r e j L i als Vertreter des Reichsparteivorstandes, Heinrich E r b e n als Vertreter der ZGK Reichenberg und der Kreisgewerkschaftskommission Trautenau, May vom Metall- mcheiterverband in Komotau und W a n i e k von der Graphischen Union Reichenberg, dem Vertreter der tschechischen Naturfreunde, Gen. L ö w i, Prag, u. a., die an der Feier teilnahmen und begrüßt wurden. Genoffe Dietl verlas die Begrüßungsschreiben des Genoffen Minister Dr. Czech, Genoffen Bürgermeister PölzlS, des Genossen M a c o u n. Genosse Erben kam als Redner der Freien Gewerkschaften zuWort. Er sprach in kurzen Worten über das Interesse-er Gewerkschaften an dem HauS der Naturfteunde, versprach die Unterstützung des neuen Heimes und der Arbeit der Naturfreunde, dankte den Erbauern und wünschte dem Unternehmen vollen Erfolg. AlS der Beifall zu Ende ging, übermitteste der Vertreter der tschechischen Naturfreunde, Genoffe Lö w i, die Grüße der tschechischen Genossen und brachte die Anerkennung, die nach seinen Worten mit etwas Neid| Dieselben Zersetzungserscheinungen, die zu tat Abspaltung ehemaliger SdP-Anhänger besonders im mährischen Gebiete führten, wo sich die Opposstionellen unter Herrn Zientek selbständig machten, bescherten Herrn Henlein auch jenen Kreis von Parteimitgliedern, der über„Führer" und Parlamentarier der eigenen Partei z. B. folgende Meinung hat, die wir einem Sprachrohr der Unzufriedenen, dem„A u f b r u ch" vom 1. Oktober d. I. entnehmen. Unter der Ueberschrift: ,-WaS es doch für Führer gibt!" schreibt das Blatt: Eine peinliche BeschäfttgungSlosigkeit muß in den Reihen der SdP-Senatoren herrschen! DerRei« chenberger Kollege der Luditzer Senators, nämlich der Herr Senator Weller—„unser Papa Weller" — hat sich in die Reihen der„K ä m p f e r-K o l- Porteure einreihen lassen. Er verteilt dieses edle Blatt gratts in seinem Reichenberger Amtsraum an seine Freunde und sein über alle Kritik erhabener polittscher Jnsttnkt läßt ihn sich ruhig über das diesbezügliche Verbot der Kreisleitung hinwegsetzen.« Damit identifiziert er sich auch mst den Anpöbelungen des BdD., was aber seine naive Gemütsart nicht sonderlich zu belasten scheint, da sein wallender WotanSbart außer bei Vergnügungen aller Art auch bei allen Veranstaltungen deS Bundes zu bewundern ist. Seine, auch bei den höchsten Parteistellen im richtigen Sinne erkannte Polstische Klughest und sein ebensolches Tattgefühl haben ihn zum gewesenen Orts- und Bezirksleiter von Reichenberg gemacht und wenn keiner, dann ist es ganz bestimmt der Herr Senawr Weller, der zu den harmlosen Glückskindern des 19. Mai 1985 gehört, die da nicht wußten, wie ihnen geschah, als ihnen plötzlich die sudetendeutsche Parlamentarierwürde auf ihr von Sachkenntnis unbelastetes Haupt gelegt wurde. vermischt waren, über das Werk zum Ausdruck. Auch ihm wurde starker Beifall zuteil, mst dem gleichzeitig auch der Redner der Partei und der Kulturorganisationen, Genoffe Abg. K r e j k i, empfangen wurde. Kresäi wies auf die Bedeutung des Werkes der Naturfreunde, vor allem für die Gesamtbewegung, hin, denn das Haus ist Kultur- und Kampfstätte wider den Faschismus zugleich, er dankte den Erbauern und appellierte an die Arbeiter, das neu« Riesengebirgsheim der Naturfreunde nicht nur zu erhalten- sondern auch aus- zubauen. Nach dem starken Beifall folgte die Schlüffel- übergabe von Genoffen Dietl an den unmittelbaren verantwortlichen Leiter des Heimes, Genossen Wünsch, und dieser gab ihn weiter an den Hüttenwart Genossen Hügel. Dann strömten die Menschen, soweit sie Einlaß finden konnten, ins Haus. Der Nachmittag war der Unterhalttmg im und auf den schönen Plätzen vor dem Hause gewidmet. Erst spät am Abend verließen die letzten Gäste HauS und Berge und alle mit dem festen Vorsatz, bald wiederzukommen, denn selten hat sich die Herbstpracht deS Riesengebirges in gleicher Schönheft geoffenbart wie an diesem Festtag der Arbeit. Sein bis zmn Oktober 1988 ruhig dahinplät» scherndeS Lebensidyll, da? nur einmal von einer gerichtsärztlich angeordneten Geisteszustand Suntersuchung unterbrochen wurde, die übrigens pofstiv auSfiel, bekam durch die Polittk plötzlich eine jähe Wendung. Warum immer nur langweilige Kathedertä- tigkeit, Fagottblasen und in Tierschutz machen, damit rückt man nicht in die Ewigkeit ein. Also versuchen wirS mal mst der Polittk! Die kann unter Umständen erträgnisreicher sein. Und das Vakuum im Herbst 83 versprach alle möglichen Aussichten. So zog er denn ein in die große Polittk und wurde unter der Devise:„... wettersch brauch« mer kej Programm"—„unser Pap^Weller!" Nun sind darüber bald vier Jahre ins Land gezogen und was übrig blieb, ist die— Kolportage des„Kämpfers!" DaS Urteil über di« Fähigkeiten diverser SdP-Mandatare wird.also hier auS eigener Häuslichkeit mit einer Schärfe in der AuSdrückSweife wiedergegeben, welche die hemmungslosen Gefühle der um ihre Hoffnungen Betrogenen kennzeichnet. Die Getäuschten muffen ja„ihren Senator" gründlich kennengelernt haben, wenn sie schon derart kräftige Worte herausschmettern! Alis der DAG-Häuslichkelt Wie dieDeutsche Arbeiter-Gewerkschaft in Gablonz handelt, wird seit einigen Wochen sehr ausführlich im Organ der Deutschsozialen in Reichenberg, der„Deutschen Volksmacht", geschildert. DaS Material dazu stellt der frühere Angestellte der DAG, Max Pokorny bei, der Gelegenheit hatte, diese Fachorganisation von innen kennen zu lernen. Er will nach seiner Versicherung mit diesen Veröffentlichungen keineswegs den Gegnern der völkischen Bewegung dienen, Mer er wird zugeben, daß er mit seinen Darstellungen immerhin beiträgt, daß die Oeffentlichkeit etwas mehr über diese«völkische Gewerkschaft" erfährt, als der DAT lieb ist. Auch Pokorny führt den Kampf nur für„Reinheit und Sauberkeit"» lehnt sich also an die Grundsätze der SdP an, die gerade mst dieser DAG eine gewisse Seelenverwandtschaft hat, auf die sich die heimischen Faschisten in Ermangelung einer eigenen Gewerkschaft nur zu gern stützen, deren Erfolge sie immer als die ihrigen bezeichnen, was besonders bei Betriebsrätewahlen feststellbar ist. Es ist auch bemerkenswert, daß sich Herr Pokorny mit seinen Schmerzen mehrmals an das Führungsmitglied der SdP Rudolf Kasper wandte, daß aber dieser nach den Darlegungen Pokorny? ebenfalls versagte, daß er ihm nicht einmal Antwort auf seine Schreiben sandte, daß er aber Aussprachen arrangierte, die einen öffentlichen Skandal um die DAG vermeiden sollten. Jedenfalls trat er damals schon in Erscheinung, Ms sich Pokorny und der Vorsitzende der DAT., Josef Bude, vor einiger Zeit ausglichen, eine Gerichtsverhandlung, die allerhand Klarheit ergeben hätte, vermieden(mit welchen Ausgleich jetzt Pokorny wahrscheinlich neuerlich hineingelegt wurde). Pokorny wendet sich gegen die„Ichsucht und das persönliche Strebertum" in der völkischen Ge- ! Werkschaftsbewegung und sagt seinen Widersachern, daß sie sich vor„d e m Richter st uhl des gewerks chaftlichen Gewissens" fürchten, also mit Worten, die den etwa- abgedroschenen Sonntagsphrasen von„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" ziemlich widersprechen. Da„Fortsetzugen folgen", kann man über die völkische DAG noch allerhand zum Nutzen der Oeffentlichkeit erfahren. podersamer Mörder— ein einheimischer Bauer! Podrrsam. Der Urheber des Randmordes an dem jüdischen Kaufmann Zänker in Deutsch-Rust ist nicht, wie ursprünglich angenommen wurde» ein alS Jugoslawe sich ausgebend«» Vagabund, sondern der B a u e r K a r l Winkler aus M e ck l bei Duppau, der bereits verhaftet wurde und ein Geständnis abgelegt hat. Dio Tat vollbrachte er wegen finanzieller Schwirrig- ketton. Erzvorkommen bei Hostau Wie dem„Pilsner Tagblatt" berichtet wird, soll die Firma K. Kreysa, die in der Gegend von Hostau Erz s chürst, auf fünfzigprozentiges Eisenerz gestoßen sein. Es dürfte demnach die laufende Förderung ausgenommen werden. Tod in der Grub«. Am Samstag abends ereignete sich am Barbara-Schacht in Katzendorf (Bezirks Dux) ein Unglück, dem der Bergarbeiter Wakejcka aus Janegg zum Opfer fiel. Der Verunglückte gehörte der Union der Bergarbeiter als Mitglied an. Er wurde durch herabfallende Kohle getötet. Schwer verunglückt ist bei einer Motorfahrt in Klicany bei Prag der Tierarzt De. Karl Weidmann aus Turn.*Er stieß mit einem Radfahrer zusammen und wurde ebenso wie der Radfahrer in bewußtlosem Zustande in das Krankenhaus auf der Bulovka in Prag eingeliefert. Sein Zustand ist sehr ernst. Dr. Weidmann ist seit vielen Jahren schon Mitglied der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die Staatsprüfungen für das Lehramt d«r Musst und des Gesanges an Lehrerbildungsanstalten und für das Lehramt des Gesanges anMittelschulen finden Mitte Dezember l. I. statt. Anmeldungen sind bis zum 25. Oktober an obengenannte Kommission Prag II., Dladislavovä 23, zu senden. Dar Krach In der SdP Peinliches Erwachen der neffoppfen Kameraden Zur Präser deutschen Sendung im September Die Erwartung, daß nach Ablauf der Sommerzeit die Prager deutsche Sendung in normale Bahnen kommen werde, ging auch im vergangenen Monat noch nicht in Erfüllung. Im Zusammenhang mit den Trauerfeierlichkeiten für T. G. Masa- ryk(bei deren Besprechung und Uebertragung sich da- Radiojournal allerdings auch der deutschen Sprache wie aller anderen in der Republik vertretenen Sprachen bediente) hörte dir selbständige Prager deutsche Sendung für mehr all ein« Woche zu existieren auf. und als sie nachher noch einige Tage lang eigene Trauerfeieru brachte, geschah es beinahe ohne Wissen der Oeffentlichkeit. da weder Stunde noch Inhalt dieser Sendungen rechtzeittg bekanntgegeben wurden. Während di« große Masaryk-Feier der dem» scheu aktivistischen Parteien im Neuen Deuffchen Theater in Prag vom Rundfunk nicht übertragen wurde, konnte die Prager deuffche Sendung die wesentlich kleinere in der Prager„Urania" übernehmen, bei der Professor Dr. Oskar Kraus ein« gedankenreiche Rede hielt, di««in Bekenntnis zur Philosophie T. G. MasarykS war. Der Vortrag Dr. Emil FranzelS„Humanitäre Demokratte", mit dem zwei Tage sväter die Arbeit Ursendung die sittlich-sozialen Md« en und Has polittsche Vermächtnis Masarvks wüwigte, war em« wertvoll« Ergänzung jener philosophischen Kundgebung. ES wäre zu wünschen, daß eine solche Konstellatton von Borträgen, die unter verschiedenen Perspektiven dagleiche große Thema erörtern, öfter und nicht nm durch Zufall zustand«kommt. Denn aus diese Weise könnte die Monotonie und Zusannnenbanglosigketr, die gerade dar VortragSvrogramm der Prager dem- scheu Sendung auszeichnet, erfolgreich bekämpft werden. Auch im vergangenen Monat war er im allgemeinen mit diesen Borträgen schlecht bestellt. Mit der Aufzählung von Namen und Zahlen ist weder das Interesse der Hörer wachzuhalten noch ihr Verständnis zu erwecken. Die meisten Rundfunkredner vergessen immer wieder den Unterschied zwischen einem Aufsatz, dem der Leskk„Material" entnehmen .kann, und einer mündlichen Darstellung, die dem Hörer Eindrücke und Einblicke, Bekenntnisse und Begründungen bieten soll. Auch der Vortrag de» Kanonikus Schischek über katholische Mission(dr« an sich ein gar nicht uninteressantes Thema ist) war in seiner schulmäßigen und dogmattschen Form durchaus funkfremd. Anscheinend ist sich die Sendeleitung der Mängel im Vortragswesen selbst bewußt, aber statt Umschau nach guten Funkrednern zu halten und auf die Verbesserung der Äortragsform hinzuwirken, zieht man es offenbar,vor, die Redezeit auf ein -Minimum zu beschränken und eine merkwürdige Zwitterform zwischen Vortrag und Hörspiel zu fördern, der man die Verlegenheit deutlich anmerkt. Wenn da zum Beispiel ein« kulturhistorische Plauderei über das Schachspiel als„Hörbild" unter dem Titel„DaS königliche Spiel"(verfaßt von Adolf Weber) aufgezogen wird und am Ende nichts weiter als ein allzu oberflächlicher Dorttag mit allzu überflüssigen Dialog-Einlagen ist, oder wenn ein„Besuch der Prager Herbstmesse" als fingiertes Gespräch im Sttle einer KonversattonSanleitung verläuft, dann kann man solchen Experimenten keinen Geschmack abgewinnen. Echte Reportagen und echte Hörspiele sind da entschieden vorzuziehen. Im vergangenen Monat gab es aber nur eine echte Reportage: die Ueber- ttagung des Erntedankfestes deS Bundes der Land- Witte in Böhmssch-Leipa, die technisch gelungen war und eine lebendige Vorstellung von Att und Verlaut der Veranstaltung gab, wenn auch in den Reden der Minister Spina und Zadina und vor allem deS Abgeordneten Hacker gerade die polittsch interessantesten Stellen, die Auseinandersetzungen mit de, Henlein-Partei, fehlten. AlS Hörspiel zu erwähnen ist die— im letzten Augenblick an Stelle einer Operette aus Brünn übernommene— Sendung von Hofmannsthals„Großem Welttheater". Es war eine zwar allzu pathetische, aber sprachlich saubere und wirffam abgetönte Aufführung, und sie überzeugte den Hörer davon, daß eine Dichtung wie das „Große Welttheater" trotz ihres antiquierenden Stils und ihrer konservativen Tendenz der Hörspielform näher kommt als di« meisten modernen Versuche auf diesem Gebiete. Solch« Hörspiele erscheinen, weil sie sich messt an feste Schauplätze binden, al- unzulänglicher Theater-Ersatz, der di« Illusion der Bühne mit akustischen Zeichen mühsam andeuten muß, während jenes ,Welttheater" keinen sichtbaren Schauplatz benötigt und auch nicht von sichtbaren Vorgängen abhängt, sondern sich nur in Motten und Ideen bewegt. Und das ist die Form, die ein echtes Hörspiel hÄen müßte. So bettachttr, fühtt auch die Funkoper„Die schwarze Spinne" von dem Schweizer Komponisten Heinrich Sutermeister ihre Bezeichnung nur annähernd mit Recht. Es ist«ine Art Opern-Oratorium(mh einer abergläubisch-bäurischen Handlung nach einer Erzählung Jeremias Gotthelfs), musikalisch nicht unbeträchtlich, originell und effektvoll in der Verwendung von Chor, Harmonium und Orgel. Unter Leitung von Dr. Heinrich Swoboda(mit Lilli Jaffch, Lisa Frank-Swoboda, Fritz Göllnitz und Orkar Gluth als Solisten und mit dem Prager Funkchor) gab es eine einwandftei« Aufführurig. Bon den rnusikalsschen Sendungen des September sei die Fortsetzung der„musikalischen Wanderung durch Prag"(richtiger hieße eS: musikhistorische. Wanderung) erwähnt, die wieder auf viel zu Rechr! und zu Unrecht Vergessenes aufmerffam machte und! insofern«in Fortschritt war, als sie in HauS Fürth I einen besseren Sprecher und in Lott« Medak und> Rudolf Bandler auch geeignttere Sänger hatte als! die erste Sendung dieser Serie. In einer(leider! unangekündigten) Sendung hörte man von Fine Reich-Döttch die ernsten Gesänge von BrahmS(die Fritz Rieger am Klavier begleitete). Und den Opernkapellmeister des Prager Deutschen Theaters Karl Ranikl lernte man— von seiner schwachen Seite, wie es scheint— als Liederkomponisten kennen. Die nach Texten von Gottfried Keller und Theodor Storm komponierten Gesänge, die Nelli Grasern nicht hlän- zend vottrug und die der Komponist selbst begleitete, wirken weder durch Eigenart noch durch Einfühlung- So gewiß di« Prager deuffche Sendung auch die Aufgabe hat, sich der heimischen Kunst im enge« ron Sinne anzunehmen— sie müßte sich besonders im Hinblick auf ihre Zukunft einer größeren Bestimmung bewußt sein. Während Gerhard Sch ret- b e r s schlesisches Rundfunkspiel„Der Gemeindedampfer" noch eine harmlos nette(von teilweise neuen Kräften flott gespielte) Unterhaltung war, war Hans Multerers aus bloßen Anekdoten zusammengesetzte Böhmerwald-Unterhaltung eigentlich > nur eine Stammtisch-Angelegenheit. Auch die„Kul- I turberichte" mit ihren persönlichen Glückwünschen und Vercinsnotizen sind es zum großen Teil,»nd die„Klassischen Zeugen" mit ihren schüchternen Zitaten stift kein imponierender Gegengewicht. Eher schon di« zu Ehren Masarvks zusammengesttllte Hörfolge„VetttaS vineit", die aber eben nur durch ein großes Ereignis veranlaßt war. In den„Aktuellen zehn Minuten" der'Arbeitersendung werden oft mehr wesentliche und alle bewegende Fragen berührt als in einem ganzen Wochendrogramm der Prager deutschen Sendun,. Bon den Botträgen der Ärbeitersendung bleiben noch der des Diplomkaufmannes Schwab über dar Budget der Gemeinden, der im Hinblick auf die kommenden Gemeindewahlen aufichlußreich war. und der von Dr. Emil Strauß über„Schule und Volk" zu erwähnen, d«r einen leider nur selten erörterien» c>bwohl überaus wichtigen Fragenkomplex zur Diskussion stellte. Daß tn der Arbeitersendung diesmal auch Kinder(iunge Skandinavienfabrer aus dem Reichenberg-Gablonzer Gebiet)■ zu Worte kamen und über Reise-Eindrücke munter berichteten, wa» eine gut« Abwechslung in der Reihe der Borträge. ■«iS■> Seite 4 Dienst« ff, 3. Oktober 1937 Nr. 234 Der Einstun des Prager Börsenneubaues vor Gericht „Fehlerhaftes Material**— zwei Tote, zwanzig Verletzte Prag(rb) Vor dem Strafsenat des GR Dr. P e r n t wurde Montag morgens die Verhandlung gegen den 37jLbrigen Jng. Alois M a z u r a und den 53jährigen Baupolier Anton Makak eröffnet, die beide des Bergehens gegen die Sicherheit des Lebens angeklagt waren. Die Verhandlung betraf das schwer« Bauunglück, das sich am 7. Dezember infolge des Zusammenbruches der Deckenkonstruktion beim Neubau des Prager Börsen- gebäudeS neben dem Deutschen Theater in der Hoo» vergaffe ereignete. Die zusammenstürzenden Betonmauern begruben zahlreiche Arbeiter unter sich, von denen zwei den Tod fanden, sechzehn schwer und vier leicht verletzt wurden. Wie wir aus der Anklage erfahren, wurde mit der Durchführung dieses Baues nach öffentlicher Ausschreibung die Baufirma Nekdasil(deren Aus- gleichStagfahrt nächsten Samstag stattfindet), gemeinsam mit der Prajsskä stavebni a betonäiskä spol. (Prager Bau- und Betoichauges.) betraut. Das Projekt war mit 4.5 Millionen K£ veranschlagt. Die letztgenannte Firma beauftragte mit der Leitung der Betonarbeiten den angeklagten Jng. Mazura, der den Ruf«ineS erfahrenen und verläßlichen Fachmannes genießt, ebenso wie der mitangeklagte Zimmerpolier Makak. Die Katastrophe, die sich in der siebenten Abendstunde ereignete, wurde von Anfang an darauf zurückgeführt, daß das Holzgerüst und bi« frisch errichteten, verschalten Betonsäulen, die die Betonkonftvuktion der Decke der großen Bövsenhalle tragen sollten,.infolge Materialfehler zusammenbrach. Mit der Materiallieferung waren betraut: die Königinhofer Zementfabrik, die Holzfirma Pik und das Berkaufsbüro der Eisenfabriken. Rach der Anklage wußte der angeklagte Jng. M a z u r a allein davon, daß vertragsmäßig die Eisenbetonarbeiten bis spätestens Ende Oktober fertiggestellt sein sollten. Aber schon di« von der Firma Nekbasil dnrchgefübrten Erdarbeiten erfuhren eine beträchtliche Perzögerung, so daß erst am 4. Dezember nach Beendigung der Arbeiten an der Eisenbeionkonstruk- tion der Tragpfeiler an die Fertigstellung der Hallendecke geschritten wurde. Diese Arbeiten fanden durch die Katastrophe, die Gegenstand dieser Verhandlung bildet, in der silenten Abendstunde des 7. Dezembers eine tragische Unterbrechung., Die Träger brachen zusammen und verschütteten die Belegschaft. Da diese Halle einen Raum von 28X88 Metern fassen sollte, gestaltete sich der Einsturz zu einem schweren Unglück, das zahlreiche Opfer forderte. Um die Schuldfrage entwickelte sich ein außerordentlich umfangreiches und kompliziertes Boweisverfahren, das zur Folge hatte, daß sich die Verhandlung bis in die Abendstunden hinzog. Die Kommission, die nach dem Unglück den Lokalaugenschein vorgenommen hatte, ließ vier Möglichkeiten als Unfqllsursache zu, und zwar«in Rachgeben der Grundlage, auf der die Träger der Deckenkonstruktion ruhten, eine fehlerhafte Konstruktion des Gerüstes, ferner fehlerhafte Ausführung dieser Arbeiten und«Mich Fehler des Materials. Die bei der Haupwerhandluug als Zeugen vernommenen Bauarbeiter stimmten im allgemeinen dahin überein, daß das Traggerüst/nicht genügend Festigkeit besessen habe.' Diese Aussagen werden gestützt durch di« Ausfage der Sachverständigen, die dahin lautete, daß fast 40 Prozent des für daS Traggerüst verwendeten Holzes schlechterer Qualität gewesen sei. Rach Aussage eines. Zeugen wurde nicht gutes Kantholz verwendet, wie es die Sicherheit erfordert hätte, sondern minderwertiges, zum Teil schon angegriffenes Holz. Der angeklagte Jng. Mazura verteidigte stch damit, daß er die ihm obliegende Aufsichtspflicht stets genau erfüllt habe und auch der Polier Makak bestritt entschieden jedes Verschulden, wobei er sich zu der Behauptung ver- stieg, daß es sich um einen Sabotageakt handeln müsse, wofür allerdings nicht der mindeste Beweis vorliegt. Die Verhandlung wurde schließlich zwecks Ladung neuer Zeugen und Sachverständiger vertagt. AAesfteui-keikn Richter Jauch Der Welt ist es noch nicht zur Gänze gelungen, den Richter Lynch zu überwinden, da taucht schon eine neue Spezies in dem Fach der justiziären Menschenschinderei auf, eine Gattung Mensch, wie nicht anders zu erwarten, nur ein Geschenk des Dritten Reiches an die übrige gesittete Welt sein konnte. Das„NTB" zitiert in seiner letzten Nummer einen Abschnitt aus einem Passus der „Siegener Zeitung" vom 24. August Nr. 196, in dem es heißt: „Um verschiedenen Zeugen das Lügen oder Schweigen abzugewöhnen, wurden sie in Beugehaft genommen, worauf sich diese dann zu einer wahrhestsgemäßen Aussage be- ouemten". Es ist uninteressant, um was für einen Straffall es sich handelt; interessant dagegen ist das neue Verfahren, das da angewandt wird, um die Wahrheit zu ermitteln, und zwar nicht beim Angeklagten, sondern beim Zeugen. Der Mann, der sich mit diesem Verfahren einen Ruf in der deutschen Rechtsprechung des Dritten Reiches macht, ist der Hamburger Staatsanwalt Jauch, dem ein witziges Schicksal schon im Namen das mit. auf den Weg gab, was er in der Atmosphäre der Rechtsprechung zu leisten verspricht. Das Der- fahren besteht laut Information des„Neuen Tagebuch" darin,„daß der Delinquent täglich in der Stellung einer tiefen„Rumpfbeuge nach vorn", an Armen und Beinen festgeschnallt wird und in dieser Stellung einige Stunden lang sei- nem Nachdenken überlassen wird". Jetzt weiß man also erstens, was man sich unter Beugehast vorzustellen hat und zweitens, wie in Deutschland, der„Wahrheit gemäße" A-u ssagen zu st an de kommen, ohne daß man am Zeugen Spuren von körperlicher Mißhandlung wahrnehmen kann. Eine Erfindung der Justizmaschine Hitlers ist das wieder einmal, auf die sie mit Recht stolz sein darf und der Name des Richters Jauch wird in den Annalen der Rechtsprechung des Dritten Reiches als des Erfinders der Beugehast noch dann stehen, wenn sich in Europa die Pestschwaden der nazistischen GeisteSverfas. sung bereits verflüchtigt haben, um einer reine- ren und anständigeren Gesinnung Platz zu machen. Der Weg, den diese Welt zu diesem Ziel noch zu gehen hat, ist noch sehr, sehr west, aber er wird über Lynch und Jauch hinweg doch gegangen werden. Wieder ein Mord an einem Gendarmen! Der Gendarmerie- Oberwachtmeister Jarosl. L ä t a l aus Kkenowitz begegnete am Sonntag zeitlich in der Früh auf der Straße bei Linhart- skh Vajan im Austerlitzer Bezirk einem verdächtigen Mann, der auf einem Rade fuhr. Lätal forderte den Mann auf. sich zu legitimieren und dieser griff auch'in die Tasche, aber statt einer Legitimation zog er einen Revolver heraus und gab drei Schüsse auf den Gendarmen ab, der, in den Hals und in die Brust getroffen, blutüberströmt zusammenbrach. Der Unbekannte fuhr nach der Tat davon. Den schwerverletzten Gendarmen fand ein Automobilist, der zufällig auf der Straße daherkam. Er lud ihn auf und brachte ihn in die Landeskrankenanstalt, wo der Schwerverletzte sofort operiert wurde, seinen Wunden aber nach einigen Stunden erlag. Rach dem Täter setzten sofort umfangreiche Nachforschungen ein. Die Spur führt nach Brünn. Drei Arbeit«»verschüttet. In den Tkinecer Eisenwerken ereignete sich Sonntag früh ein Unglücksfall. Beim Abbau einer Mauer des alten Walzwerkes unterhöhlten die Arbeiter eine größere Schicht, di« plötzlich einstürzte und mehrere Arbeiter unter sich begrub. Einer von ihnen wurde auf der Stelle getötet, zwei andere erlitten schwere innere Verletzungen. Sie wirden in das Krankenhaus von Tkinec überführt, wo einer sofort operiert wurde. Sermannslos. Der Dampfer„Vicente Antonio" sank Sonntag morgens zwischen Satia- guillo und Antonio Lizardo(Mexiko). Von den 30 Besatzungsmitgliedern und Passagieren erreichten acht das Land. Ueber das Schicksal der übrigen ist noch nichts bekannt. Selbstmord durch Mostgase. Die 20jährige Ehefrau des Weinbauers Franz Halm in der Gemeinde Rehberg bei Krems ging Sonntag mit ihren beiden Kindern im Alter von einem und zwei Jahren in den Weinkeller, der mit Gasen des gärenden Weins anqefüllt war und sperrte sich ein. Nach einigen Stunden wurde die Frau mit dem jüngeren Kinde tot aufgefunden; das ältere Kind,ringt im Krankenhaus mst dem Tode. Dir Ursache der Verzweiflungstat ist in finanziellen Schwierigkeiten zu suchen. Der Weiße als„Kulturträger"... In der Nähe von Aalton(Florida) wurde ein Neger auf dem Wege zum Gericht von vier Männern mit Schrot erschossen. Der Neger sollte sich wegen Benzindiebstahls und Mißhandlung eines weißen Jungen gerichtlich verantworten. Blutige Sträfliugsrcvoltr. In der Nacht auf Sonntag gelang es zwei Häftlingen des Gefäng- niffes in E a st h a m(Texas), sich mit Hilfe von Nachschlüsseln, die sie sich selbst hergestellt hatten, aus ihren Zellen zu befreien. Sie warfen sich auf die Wächter, bemächtigen sich der Schlüs-' sel und der Waffen derselben und öffneten, die Zellen der anderen Häftlinge, wobei sie namentlich 27 Häftlinge befreiten, die in Sonderzellen für besonders gefährliche Verbrecher untergebracht waren.-— Als die Sträflinge den Versuch machten, aus dem Zuchthaus zu fliehen, wurden sie von der Wache, die sich im Wachturm befand, unter Feuer genommen. Viele der Häftlinge wurden hiebei getötet und der größte Teil von ihnen verletzt. Durch dieses Eingreifen der Wachmannschaft gelang es, die Ordnung in der Strafanstalt wieder herzustellen. Vorschollen und wiedergefunden. Der seit vergangenem Mittwoch auf einem Wüstenflug verschollene französische Flieger Duchesne ist am Sonntag wohlbehalten aufgefunden worden und nach Maison Blanche zurückgekehrt. Der Flieger hatte sich, wie jetzt bekannt wird, verflogen und bei einer Notlandung in der Wüste wurde die Maschine leicht beschädigt. Am Samstag wurde der Flieger von einer Karawane entdeckt, der er sich anschloß. Ei» französisches Militärflugzeug hatte am Sonntag früh die Karawane bemerkt. Auf Blinkzeichen landete das Flugzeug und nahm den Wiedergeftme denen an Bord. Ein« schwedische Filmexpedition der schwedischen Filmgesellschaft„Filmindustrie" wird diese« Monat in das holländisch-indische Jnselgebiet abreisen, nachdem bereits im Frühjahr eine derartig« Filmexpedition in diesem Gebiete 5000 Meter Film aus Gegenden drehte, die vorher keines Menschen Fuß betreten hatte. Diese Expedition erbeutete u. a. 18 Rieseneidechsen„Varanus", von denen zwei lebend nach Stockholm gesandt werden. Auch Auf» nahmen dieser Rieseneidechsen wurden gedreht. Oll er«och Freudensprünge macht? Der ehe« malige Vorsitzende des Appellationsgerichtes in Bergamo, Carbazza, der im 83. Lebensjahre steht, und bereits länger als 20 Jahre im Ruhestande ist, gewann in der Meraner Lotterie den Haupte trefferim Betrage von 2/788.000 Lire. Bor Liebe von Sinnen. Samstag traf cntS Prag in Pilsen der. 22jährige Kellner Karl Kejha mit seiner 16jährigen Geliebten Emilie Mesnerovä, wohnhaf in Prag-Brevnov, ein. Beide wollten in Pilsen ihrem Leben ein Ende setzen und nach der Vereinbarung sollte Kejha seine Geliebte im Schlaf töten" und hierauf Selbstmord verüben. In der Nacht auf Montag stiegen beide in einem Pilsener Hotel ab, wo fie merkwürdigerweise trotz ihrem Vorhaben auch einschliefen. Als sie Montag früh erwachten, wollte Kejha seine Geliebte töten. Er hatte aber gar keine Waffe vorbereitet und schlug ihr daher zweimal«in GlaS gegen den Kopf, dann w ü r g t e er sia auf ihre Bitte. Durch den Lärm wurden die Hotelgäste aufmerksam und riefen die Polizei. Die Mesnerovä wurde in bewußtlosem Zustand ins Krankenhaus gebracht, wo festgestellt wurde, daß die Unglückliche schwere Verletzungen erlitten hatte. Kejha wurde auf die Polizeidirektion in Pilsen gebracht, wo er angab, aus unglücklicher Liebe gehandelt zu haberff Regen-Einbruch. Im Zusammenhang mit kleinen-Druckstörungen über Westdeutschland hat sich Montag vormittags nach Böhmen eine Zone von Dauerregen ausgobreitet. Das Schlechtwettergebiet wird weiter gegen Osten fortschreiten, wo es Montag noch überall schön und warm war. Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westteil der Republik vorwiegend umzogen und zunächst neblig, zeitweise Regen, verringerte Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht, später auffrischender Llordwestwind. Im übrigen Gebiet wechselnd bewölkt, Morgennobel, tagsüber noch ziemlich warm. Wetteraussichten für morgen: In den böhmischen Ländern vom Westen her wieder langsame Besserung, im Karpathengebiet umzogen, strichweise Regen. Mäßig warm, nordwestlicher Wind. Vom Rundfunk IsplthlMiwtrMi aus den Programme» Mittwoch Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Presse. 10.15: Rundfunk für deutsche Schulen, niedere Stufen. 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt. 14.00: Deutsche Sendung: Heimische Komponisten. 15.30: Rundfunk-. orchesterkonzert: Karl M. Weber, Schumann etc, 18.05 Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Bücher. 18.20: Deutsche Arbeitersendung: Paul Fürstenau: Erziehung zur Tapferkeit. 18.40: Sozialinformatio-. »en. 18.45: Deutsche Presse. 18.30: Aus dem Natio- ualtheater: Dvorak: Teufel und Henker. Oper.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Kinderstunde. 14.55: Deutsche Presse. 18.00: MujjikS Salonquartett.— Brünn: 17.40: Deutsch« Sendung: Berger: Ueber Hermann Hesse,— Lieder.— Kascha«: 12.35: Rundsunkorchesterkonzert.— Mähr.» Ostrau: 18.00: Brahms: Vier ernste Gesänge. Deriudetendeutiche Arbeitslosen-Roman Josef Hofbauer„Dorf in Scherben"*) Es ist ein Schicksal, wie es in den letzten Jahren viele Dörfer, vor allem viele sudetendeutsche Dörfer erlebt haben. Darum ist es gut und richtig, daß der Dichter das Dorf nicht beim Rainen nennt. Es geht nicht um den Einzelfall; was hier geschildert und abgebildet wird, ist leider ein Kollektivschicksal vieler Gemeinden und Zehntausender Menschen in ihnen.' Wo einst um eine große Fabrik reges Leben pulsierte, ist es still geworden, wo einst rüstige Arbeitsmenschen hoffnungsvoll an ihrer Zukunft bauten, trauern heute Bettler'der Vergangenheit nach. Der In- d u st r i e f r i e d h o f, durch verfallenes Gemäuer, erkaltete Schlote, verwahrloste Hütten weithin erkennbar gezeichnet, schneidet aus blühendem Land einen Fleck öder Wüstenei. Josef Hofbauer war berufen, dieses Schicksal zu gestalten, das Allgemeingültige, alle Angehende und alle Verpflichtende aus der Summe der vielen Schicksale herauszulesen und herauszuheben und es so abzuschildern, daß es aus der Trostlosigkeit statistischer Zahlen zur Anklage und zum bleibenden literarischen Dokument wird. Josef Hofbauer hat uns vor Jahren eines der schönsten Kriegsbücher geschenkt, ein ernstes, erschütterndes Buch vom Kämpfen und Sterben der Soldaten im Karst und in den Alpen, der Men- > scheu, die ein übermächtiges Schicksal in die Hölle des Krieges schleudert. Und Hofbauer versuchte *) Erschienen 1837 im Eugen Prager Verl a g, Bratislava. Zu beziehen durch die Zen tralstelle für das Bildungswesen, Prag Xll., Slez- ska 13. deutlich zu machen, worauf es ankommt: zu verstehen, daß dieses Schicksal zwar übermächtig, aber nicht allmächtig ist, daß die Menschen selbst es wenden könnten, wenn' sie.reinen Herzens und klaren Kopfes und mutig zur Tat wären. Auch das Schicksal des Glasmacherdorfes wird von scheinbar übermächtigen Gewalten gelenkt und über hilflose Menschen verhängt. Auch hier aber zieht sich durch das Geschehen, bei etwas mit den Menschen geschieht, des Autors stille starke Botschaft: Geschichte braucht nicht immer das zu sein, was geschieht, es könnte auch das sein, was ihr wollt und wirkt. Freilich, da wie dort, im Kampf gegen den Krieg wie im Kampf gegen die Krise, können die kleinen Gemeinschaften für sich allein nichts ändern und das Unglück nicht abwenden. Sie sind eingesponnen m das größere Gewebe der Massen, der ungeheuren Kollektiva unserer Zeit: Staaten, Länder, Völker, Kontinente sind die Subjekte des Geschehens, die Dörfer und die kleinen Gruppen von Menschen sind Objekt. Zum Subjekt werden, durch Zusammenschluß, Einheit, Gemeinsamkeit, Herren der großen geschichtsbildenden Mächte werden, das ist, das wäre ein Ziel. Der Weg dahin ist schwer und steinig. Das zeigt Hofbauer an so wan- cher Gestalt seines Romans. Der lerneifrige, bildungshungrige junge Arbeitslose, der in die Einsamkeit des Waldes, wie ein sterbendes Tier in eine Höhle flieht, dort das gescheiterte Leben zu enden, der arbeitsame Mann, der in das Haus, das er mtt Mühen und Sorgen gebaut, in der Verzweiflung die Flamme schleudern möchte, die Alten, die soviel von' der Welt gesehen haben und von fernen schlimmen Tagen erzählen können, um doch ratlos vor den schlimmeren neuen zu stehen, die Menschen, die bis zum Schluß um die Fabrik käinpfen, uni das Recht auf Arbeit, schwere, zerstörende und sie doch wieder nährende Arbeit, sie sind, ein jeder in seiner Art, durchdrungen von der großen Frage, die der Atem des Dichters dem Roman einhaucht: w i e könnten wir e s werden? Hofbauer hat eine Glasfabrik in den Mittelpunkt seines Romans gestellt.„Kein Glashüttenmärchen" nennt er, mit Anlehnung an Hauptmann Puppenspiel aus dem Glasofen„Und Pippa tanzt" an einer Stelle den Roman. Das Schicksal der Glasmachevzjst ja besonders tragisch. Sie sind eine alte Zunft, haben Tradition, kommen unmittelbar von den kunstfertigen Leuten her, die vor Jahrhunderten Glas schmolzen und bliesen. Sie sind Arbeiter, die einst weit herumkamen, nach England, nach Asien, nach Amerika. Unter ihnen sind Viele, die von weither stammen, fremdländisches Volk, das seine Sprache, seine Sitte und das fremde Gesicht lange bewahrt hat, generationenlang. So ergibt sich ein buntes Bild, ein Teppich, der aus Farben und Stoffen mannigfachen Materials gewirkt ist.'Auch darum ist das Schicksal der Glasmacher so besonders tragisch, weil sie wie wenig andere Arbeiter mit langem Leiden und frühen Tod für ihre Arbeit zu bezahlen hatten, weil sie jahrzehntelang ihre Lunge zu ihrer Muskeln Kraft daransetzen mußten und sehnsüchtig gehofft hatten, die moderne Technik möge ihnen ein leichteres Leben schaffen. Uno dann hat die Technik, eine nicht gesteuerte, blind I den Gesetzen des Prosits folgende Wirtschaft, verheerend in das Leben der Glasmacher eingegriffen. Die Maschinen haben Tausenden zwar die Lungen gerettet, aber den ganzen Menschen doch ans Verderben geliefert. Hofbauers Roman unterscheidet sich von den meisten Arbeiter- und Jndustrieromanen dadurch, daß ein n e u e s W i l i e u, d a s I n d u st r i e- darf gestaltet wird. Immer waren es Städte, meist Großstädte und industrielle Zentren, in die uns die Romanciers führten. Das sudetendeutsche Jndustriedorf hat viele Eigenheiten. Es ist naturnahe geblieben, dem Wald, der Scholle, dem bäuerlichen Leben verbunden, seine Menschen neigen daher zu stärkerer Eigenart, sie sind noch halbe Bauern und Kleinbürger, auch wenn sie schon proletarisiert sind. Das gibt ihnen gegen manche Schicksalsschläge des Proletendaseins Halt, es macht ihnen aber auch den Weg in die anonyme große Masse schwerer. Auch diese Eigenheiten und Eigenarten des sudetendeutschen Dorfes treten in Hofbauers Schilderung plastisch hervor. In diesen Dörfern ist die sogenannte Intelligenz dünn gesät. Werkangestellte meist, ein paar Beamten, die sich dicht an den Herrn halten, di«' ihr kümmerliches Herrendasein nur im Schatten der anonymen Kapitalsmacht ftisten können. Hofbauer greift einen heraus, der die Dinge anders sieht und erlebt, den Gemeindesekretär Rieger, den der Dichter die Geschichte des Dorfes erzählen läßt, der tagebuchartig den Weg vom großen Glasmacherdorf zum Jndustriefriedhof schildert, im größeren Schicksal zugleich ein kleines eigenes, eine zarte, in Hofbauers, vor Seelenstürmen und psychischen Wunden immer ein wenig erschreckender, verlegen und schüchtern werdenden, lyrischen Art gestaltete Liebesgeschichte erlebend.* In zwiefachem Sinne ist Hofbauers„Dorf in Scherben" ein Dokument: es ist ein Stück nationaler, ein Stück Zeitgeschichte, gesehen durch das Temperament eines Dichters, durchblutet von dem großen Mitleid, verklärt von der Wehmut, erlöst in dem Glauben eines Poeten; und es ist ein Dokument des ernsten künstlerischen W o-l l e n s, der Gestaltungskraft eines Autors, welcher Stimme seiner Zeit, seines Volkes Künder einer Idee sein will. E. F. Nr. 234 DienStag, 5. Oktober 1937 Seite 5 IMhwirMiaft und 5oLlaipoAtiK Eine eindrucksvolle Rngesiellten-Kundgenung Eine eindmicksvolle Funktionär-Kundgebung des Allgemeinen Angestelltenverbandes Reichenberg, an welcher sich 220 Vertrauensleute der Verbands- Kreisorganisationen Komotau-Brüx, Auffig-Teplitz, Tetschen-Bodenbach und Warnsdorf beteiligten, sand am Sonntag im Bodenbacher Gewerkschaftshause statt. Nach einer ergreifenden Trauerkundgebung des VerbandsobmanneS Franz Kirchhof für den verstorbenen Präsidenten T. G. Masaryk. erläuterte der VerbandSobmann iJt längeren und wirkungsvollen Ausführungen den Zweck und die Bedeutung der heutigen Tagung. Verbandssekretär Ernst Grünzner behandelte hierauf in einem überaus instruktiven Bortrage— betitelt„Di«Konjunktur u n d d i e Ange st e l l t e n"— die derzeitige wirtschaftspolitisch« Situation. Als der Referent— gestützt auf das reiche statistische Material seiner Darlegungen— die den maßgebenden Kreisen schon wiederhoÜ vorgetragene Forderung auf beschleunigte Behebung der Krisenschäden durch entsprechende Gehalts- und Lohnerhöhungen nachdrücklichst betonte und durch Beispiel« die unsoziale Einstellung speziell der deutschen Unternehmerschaft näher erläuterte, wurde er von Mrmischen Zustimmungskundgebungen einige Male unterbrochen. Grünzner erörterte zum Schluß alle jene Maßnahmen, die sowohl im internationalen als auch im innerstaatlichen Ausmaße zur Stabilisierung und weiteren Erhöhung der Wirtschaftsbelebung getroffen werden müssen. Es sind dies vornehmlich: 1. Eine zweckentsprechende Verteilung der Rohstoffe und eine Ueberprüsung des Ersatzstoff- Problems. 2. Die Angleichung und Stabilisierung der Währungen der entscheidenden Industrieländer. 8. Die Regelung der internationalen Schulden und eng damit zusammenhängend die Frage der Krediwergebung. 4. Die Unterstützung der Lohnpolitik der Gewerkschaften durch die staatliche Auwrität. 5. Die Bekämpfung der immer noch großen strukturellen Arbeitslosigkeit durch Förderung der Erzeugung und des Exportes. Dazu gehört auch die Förderung des Fachschulwesens. 6. Die Verkürzung der Arbeitszeit. 7. Die Bereitstellung großer öffentlicher Investitionen unter besonderer Berücksichtigung der sogenannten Krisennester und jener Gebiete, die schon heute wieder als die künftigen Krisenzentren erkennbar sind. 8. Eine Handelspolitik, die weitgehend aus die Interessen und Bedürfniffe der Industrie Rücksicht nimmt und die rationelle Förderung des Fremdenverkehrs, 9. Die Einstellung der privaten Wirtschaft— nötigenfalls bei weitgehender Unterstützung durch den Staat—auf die-Erzeugung künstlicher Rohstoffe, soweit sich deren Herstellung rentiert. 10. Die HerbeiführKng des nationalen Friedens durch wirtschaftliche Gleichstellung der nationalen Minderheiten. Sekretär R. I. Schmied sprach dann über„Die Arbeiten. Pflichten und Ziele der freigewerkschaftlichen Organisation". In der anschließenden sehr anregenden und interessanten Wechselrede nahmen die Kreis- und Gruppenfunktionäre Mautsch-Nixdorf, SedlaLek-Bo- denbach, Fischer-Teplitz, Scheithauer-Brür und Weber-Bodenbach Stellung. Durch«ine Schlußansprache des Verbandsobmannes Franz Kirchhof, die u. a. sehr wichtige Erläuterungen sozialpolitischer Tagesprobleme enthielt und in einem Appell zu weiterer Organisationsarbeit ausklang, fand die schön verlaufene Tagung ihren Abschluß. decTäunhrfhete! Ohne Lichteinbuße schützen sie vor Blendung und schonen die Augen. Für die Beleuchtung der Küche wird mit Vorliebe die innenmattierte 125 De« kalumen-OSRAM-^ benutzt. 3hnewnaUiets£e O&zunffl&mpen. die Dekalamenlampe mit dem Garantiestempel für hohe Wirtschaftlichkeit. i Mitteilungen aus dem Publikum. DaS Kolumbusei der Hausfrau— war immer die Regenwetter-Zeit. Da wurden Papiere, Fetzens" Hadern und andere schöne Dinge auf dem Fußboden in der Wohnung ausgebreitet, damit der eben geklopfte Teppich, die eben gewichsten Parketten nicht von den nassen Schuhen ruiniert werden. Hausschuhe und Galoschen von Bala waren damals noch nicht so anerkannt und populär. Heute besteht einfach jede Hausfrau darauf, daß, Mann und Kinder, wenn es GeMndnis bei einem zweifellos belasteten Menschen solchen Schlages erscheint also an sich nicht unwahrscheinlich. Sein Familienleben ist gänzlich zerrüttet, sein ganzer Besitz dahin und außerdem hat er noch an 10.000 KL Schulden! Nun hat aber der Angeklagte die seinerzeitigen Geständnisse, die er nach Aussage der verhörenden Gendarmen vollkommen freiwillig abgelegt hat, wobei er noch seiner Erleichterung darüber Ausdruck gab, daß er„diese Last endlich los sei", bei der Hauptverhandlung vollkommen widerrufen. Mehr als das— er behauptete, er habe dieses Geständnis auf Rat der Gendarmen abgelegt, die ihm angeblich rieten, sich zu allem zu bekennen und sich auf seine Krankheit zu berufen. Auf diese Weise sei er erst auf den Gedanken gekommen, sich auf seine Pyromanie" zu berufen. Diese neue Darstellung wird von den Gendarmen aufs energischeste bestritten. Was die letzten zwei Brände vom 28. Feber betrifft, deren Vorbereitung er seinerzeit in allen Einzelheiten aufs anschaulichste geschildert hatte, so erklärt Drobklek heute, er sei in jener Nacht im Wald eingeschlafen, weil„ihm nicht gut war". Als er erwachte, habe er sich orientieren wollen und ein Streichholz angezündet, das er dann wegwarf. Das Streichholz sei zufällig auf das Strohdach der seinem Dienstgeber gehörigen Scheune gefallen und habe diese in Brand gesetzt. Von dem anderen Brand jener Nacht will er überhaupt nichts mehr wissen. Dar Beweisverfahren, zu dem eine lange Reihe von Zeugen aufgeboten ist, soll nun in diesen Sachverhalt Licht bringen. lation, daß auch für die Zukunft für agrarische Fehlorganisationen der Verbraucher die Rechnung bezahlt, mutz und wird endlich eine Fehlspekulation sein. Werden die agrarischen Organisationen eine regelmäßige und ausgiebige Beschickung der Märkte mit inländischen Fleischschweinen verhindern, wird von ihnen Spekulation getrieben, dann werden dieVerbraucher sofort und mit Nachdruck die Forderung nach Oeffnung der Grenzen für ausländische Fleischschweine st ellen. Dabei werden ähnliche Manipulationen, wie sie im Vorjahr bei der versprochenen und nicht durchgeführten Einfuhr von Rindvieh betrieben w u r d e n, s i ch^ ichtmehrwie- v e rhvI.‘< n können. Die Brandlegungen des Hegers Drobilek Siebenfacher feuerslichtlger Brandstifter?— Das sonderbare Geständnis eines sonderbaren Angeklagten Prag.(-rb») In zweitägiger Verhandlung be schäftigen sich die Prager Geschworenen mit der An klage gegen den 45jährigen Waldheger Heinrich Drobilek aus Kozi Hory bei Dobiis, dem sieben fache Brandstiftung zur Last gelegt ist. Dem Schwur gerichtshof des G.-R. Dr. Trost wurde ein kleines und unscheinbares Männchen vorgeführt, gegen das sich eine so schwere Anklage richtet. Die Anklage beginnt damit, daß in den Jahren, seit Drobklek als Heger im Dienste des Gutsbesitzers Wenzel Palivec beschäftigt war, in der Gegend jenes Dorfes jedes Jahr ein Brand aus brach, wodurch insgesamt ein Schaden von mehr als einer Biertelmillion verursacht wurde. Drobilek war bereits mehrfach in den Verdacht geraten, der Brandstifter zu sein, da er stets in überraschend kur zer Zeit auf dem Brandplatz erschien und sich mit auffallendem Eifer und sichtlichem Vergnügen an den Löscharbeiien beteiligte. Dieser Brände find ins- gesamt sieben und unter den Indizien der Anklage spielt es immerhin eine Rolle, daß gerade in einem Jahre, als sich ausnahmsweise keine grö ßere Feuersbrunst in jener Gegend ereignete, der Angeklagte krankheitshalber abwesend war. Schließ lich wurde er in der Nacht vom 28. Feber d. I. ver haftet, als zwei Scheuern des Dorfes Kozi Hory in I Flammen aufgingen. Beim Verhör legte er nicht nur den Gendarmen und später auch vor dem Untersu chungsrichter das Geständnis ab, diese beiden Brände gelegt zu haben, sondern bekannte sich freiwillig auch noch als Brand leger bei den früheren, seit dem Jähre 1981 vorgefallenen Feuersbrünsten. Als Mo tiv führte er an, er sei„brandsüchtig"(pyromanisch) veranlagt, d. h. er empfinde ein« abnormale Freude beim Anblick von Feuer, namentlich wenn eS sich um große Schadenfeuer handle. Dieser Heger Drobilek ist weit und breit als schwerster Alkoholiker bekannt, der täglich bis vierzig Gläser Bier konsumierte. wobei zu bemerken ist, daß diese Trinkleistung keines wegs als Ausnahme, sondern als Normalquantum bezeichnet wird. Nach Aussage der Zeugen kursierten über ihn die kuriosesten Anekdoten. Das seinerzeitige Agrarischer Marktboykott? (Sv. S.) Die agraischen Organisationen und ihre Zeitungen berichten über eine enorme Vergrößerung der inländischen Schweineproduktion. Sie prophezeien einen starken Rückgang der Sößveinepreise, was, wie sie schreiben,«ine Katastrophe für die Produzenten wär«. Sie schreiben gegen die Einfuhr von Schweinen und verlangen das V i e h m o n o p o l, um di« Biehmärkte zu „regulieren", wie der nun schon berüchtigte„1er- minus technicus" lautet. Die Regulierung der Biehmärkte im Sinne der Agrarier bedeutet eine wesentliche Verteuerung der Vieh- und Fleischpreise. Die Verbraucher lehnen diese nun schon unerträglich gewordenen Regulierungen aller Art entschieden ob. Vorerst mögen alle jene, die die verschiedenst»« Erzeugnisse und Märkte-regulieren" wollen, die Kaufkraft der Bevölkerung heben. Der Import kann nicht mehr gedrosselt werden! Fleischschweine, von denen in ftüheren Jahren viele hunderttausende eingeführt wurden, kommen seit der agrarischen Zollgesetzgebung überhaupt nicht mehr ins Land. Importiert werden nur mehr Fettschweine, die im Jnlande zu erträglichen Preisen nicht produziert werden könnten. Dafür sorgen schon die von dem Getreidemonopol festgesetzten hohen Abgaben für Futtermittel. Nur die Großgrundbesitzer mit einer eigenen Futtermittelbasis sind in der Lage, Vieh mit großem Gewinn zu produzieren, während die kleinen Häusler die Futtermittel zukaufen müssen, wesentlich ungünstiger produzieren. Die vom Viehsyndikat bewilligten Importe für Fettschweine sind nicht ausreichend, um Preis st eigerungen verhindern zu können. Daher verlangen die Verbraucher mit Recht größere JmporÜontingente. Die letzten Prager Biehmärkte waren mit Jnlandschweinen sehr schwach beschickt. JnSbe- sonder« in der abgelaufenen Woche gab es s-o gut wie keine inländischen Schwein« auf dem Prager Viehmarktun d in den letztenTagen sind die Preise wieder wesentlich gestiegen. Sagen die Agrarier die Wahrheit, gibt«S eine enorme lleberproduktion in Schweinen, dann fragen wir, wo denn die Schweine bleiben und warum sie nicht auf den Markt kommen! Wo steckt da wieder die Spekulation, von der die Agrarier sogern schreiben und sprechen? Sie denken dabei immer an andere, aber niemals an sich und die eigenen Organisationen. Haben vielleicht die agrarischen Organisationen— so wie dies im Vorjahre bei einer ähnlichen Gelegenheit geschehen ist— Weisungen gegeben, daß die Beschickung der Märkte einzuschränken ist, um auch auf die Gefahr hin hohe Preise zu erzielen, daß später, wenn große Schweineauftriebe auf den Markt kommen m ü s s e n, die Preise scharf zurückgehen? Soll dann vielleicht der stark rückgängige Schweinepreis das Pressionsmittel sein, mst dessen Hilfe das von allen Seiten abgelehnte Vieh- Monopol erzwungen werden soll? Ist d a 8 die Spekulation der Herren Großagrarier und deren Organisationen? Die agrarischen Organisationen haben im internen Wirkungskreis die Möglichkeit, di« Preislage möglichst stabil zu halten, vor Jahren haben sie ein Gesetz errungen, das die Schweine- ZurGesundtertD e^®* zi. hne gehören auch 9«" KALO □□ NT zücht einschränkt. Haben sich die agrarischen Organisationen um die Einhaltung dieses Gesetzes gekümmert? Haben sie verhindert, daß die Großgrundbesitzer ihren Schweinebestand vervielfachen? Nein. Die agrarischen Organisationen haben nichts unternommen. Nachdem nun die Produktion gestiegen ist, soll der Staat eingreifen und die Lasten agrarischer Mißwirtschaft dem Verbraucher aufwälzen. Eine Preisstabilisierung liegt im Inter-1 esse der Produzenten und Verbraucher, wobei allerdings vorher noch eine Einigung zwischen Verbrauchern und Produzenten über eine erträgliche Preisbasis gefunden werden müßte. Die agrarischen Viehorganisationen können im eigenen Wirkungskreis eine vernünftige Prvduktions- politik machen und können dafür-sorgen, daß die Märkte vernünftig beschickt werden. Die SpekU- zu regnen beginnt, sofort Galoschen anziehen. So schützen sie Gesundheit, Schuhwerk und die Wohnungseinrichtung. Sie kosten nur KC 9.— für Damen und KL 12.— für Herren. Grippe nicht mehr moder«! Jetzt in der Regenwetterzeit sollte sie doch mit ihren neuen Ueber- raschungen kommen. Wie erwartet, ist sie jedoch aus« geblieben und hat sich in andere Erdteile verflüchtigt« Bestimmt in jene, wo die Menschen nicht den Wert, Sinn und Zweck der Baka-Galoschen erkannt haben. In jeder Baka-VerkaufSstelle erhalten Sie Herren« galoschen für KL 12.—, Damengaloschen für KL 9.—. Füße in Blechkonservm tragen, wäre erstens sehr unbequem, würde zweitens einen großen Lärm beim Gehen verursachen und drittens nichts zum Aeußeren des Menschen beitragen. Der eigentlich« Zweck, die Füße trocken zu bewahren, würde zwar Meicht werden*. doch^erreicht man.die?^billiger, bequemer, angenehmer und formschöner' mit Bata- Galoschen. In Badeschuhen auf die Straße gehen— fällt gerade so auf, wie wenn man ohne Galoschen auf die Straße geht, wenn eS regnet. Jede- Schuhwerk hat seine Funktion. Galoschen sind keine LuxuS- Anschaffung. Dann würden sie doch nicht für Damen KL 9.—, für Herren KL 12.— in jeder Baka-Ver« kaufsstelle kosten. Die„fühlbare" Abstimmung. Vielen Radiohörern gelingt eS selbst nach Wochen nicht, das richtige Einstellen ihres Gerätes zu erlernen, wenn eS sich um ein Gerät mit mehreren Knöpfen handelt. Da ein unrichtig eingestellter Apparat die Wiedergabe verzerrt und unselektiv ist, war eS schon lange daS Bestreben der Konstrukteure, die Bedienung eines Radioempfängers derart zu automatisieren, daß ein ungenaues Einstellen fast überhaupt unmöglich ist. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist ein einziger Knopf, der sogenannte„Unkversalknopf", der bei den PhilipS-Empfängern der„Symphonischen Serie 88" verwendet wird. Dieser Knopf setzt verschiedene Eiv- stellelemente zugleich in Bewegung, und. zwar so, daß dar Verhältnis zwischen Selektivität und Wiedergabe sowohl der fiefen als auch der hohen Töne am günstigsten ist. Die Einstellung aller Abstimm-Apparate ist daher immer so vorteilhaft und richtig, wie sie bei einem Empfänger mit mehreren Knöpfen nur ein sehr erfahrener Amateur zuwege brächte. Damit auch di« letzte Möglichkeit eines Fehlers beseitigt wird, d. i. die unrichtige Einstellung der Trägerwelle des Empfängers, besitzt der Empfänger Phüips„Allegro" die sogenannte„fühlbare Abstimmung". Der Univer« salknopf bleibt beim Einstellen selbsttätig bei jeder Sendestation stehen. Will der Hörer rasch von einer Station auf eine andere einstellen, wobei er für dazwischen liegende Sender kein Interesse hat, so kann er durch Herausziehen des Knopfe- die„fühlbare Abstimmung" ausschalten und sie in der Nähe deS gesuchten Sender- durch Eindrücken des Knopfe- wieder in Tätigkeit setzen. Eine Besonderheit der „fühlbaren Abstimmung" ist die Ausschaltung (Sperre) des Lautsprechers, solang« der Sender nicht haarscharf eingestellt ist. Das Krachen und Sausen, das bei anderen Empfängern beim Einstellen zwischen den Stationen auftritt, entfällt vollständig. Jede Statwn meldet sich sofort klar und rein ohne Nebengeräusche. Di« Abstimmung ist jetzt wirklich „still". Die magnetische Bremse der„fühlbaren Abstimmung" arbeitet so präzis, daß eS völlig ausgeschlossen ist, einen Sender ungenau einzustellen. Diese „fühlbare Abstimmung" gestaltet die Bedienung deS Empfängers Philips„Allegro" so einfach, daß von einer Bedienung im bisherigen Sinne des Worte- überhaupt nicht mehr gesprochen werden kann. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins-au- oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährlich KL 48.—, halbjährig KL 96.— ganzjährig K 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß- Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitung-frankatur wurde von der Post- und Tele- grapheridirektioa mit Erlaß Nr. 18.L00/VII/19S0 bewilligt.(Kontrollpostamk Praha 25.— Druckerei: ,F)rbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag. Veite 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 8. Oktober 1937. Nr. 231 Kindergaloschen schützen Ihre Kinder vor Verkühlung. Damengaloschen mit niedrigen Absätzen. Kleine Überschuhe mit Ristschutz. Im herbstlichen Wetter leisten sie gute Dienste. wann» .GENERALSTIEFEL"- das Ideal aller richtigen Jungen. In Generalstiefeln kann man ungestraft alle Pfützen durchwaten, da man sie gleich beim nächsten Brunnen reinwaschen kann,„damit Mutter nichts merkt“. 23-26 15. 27-30 KL 19.*, 31-34 KL 25.-. 35-38 KL 29.- Die verstärkte Sohle der Herrengaloschen isoliert die Füsse vor Feuchtigkeit. Der Rücktritt Prof. Frankls von der Leitung Fran, Schubert nichts gemein haben und nichts ge. mein haben können. Xunst und Mssen I I Die Böhmisch« Sparkasse— für die Reu geborenen 1937. Die Böhmische Sparkasse in Prag (gegenüber dem Nationaltheater) widmet den im Jahre 1937 im Gebiete Groß-PragS und des politischen Bezirkes Prag-Land sowie in den Gerichtsbezirken der Filialen der Böhmischen Sparkasse geborenen Kindern, deren Mütter zur Zeit der Niederkunft daselbst ihren ordentlichen Wohnsitz hatten, je eine Einlage von 23 Kd. Anmeldefrist bst- 31. Mätz 1938.(Näheres die in den Geschäftsstellen der Anstalt ausgehängten Kundmachungen.) «.. Der große Beifall, der den Kraftworten der Begrüßungsredner folgte, kann darüber nicht täuschen, daß solche Kundgebungen mit dem wahren Zu den Auseinandersetzungen um die„Urania** Eröffnung der neuen Spielzeit In TeplitZ'Schönau Durch einen restlosen Abverkauf der Eröffnungsvorstellung am SamStag, den 2. Oktober, haben die Theaterbesucher der Stadt Teplitz-Schönau ihr Vertrauen zu der Direktion Cnrth Hurrle bekundet. Der von ehrlicher Arbeit bestimmt«, grad- aus gerichtete und den Bedingungen der Zeit angemessene Weg, auf dem Direktor ßutrle und Theater-Abonnement 1937/38. Die Plätze für bisherige Abonnenten können nur noch heute reserviert werden. Ab Freitao. den 8. Oktober. Ausgabe der Karten für bishe-ioe Abonnenten, die eine Aende- rung angemeldet haben, Hummel-Aentenar-Feier in Bratislava. Gelegentlich der hundertsten Wiederkehr des Todestage» des hervorragenden Komponisten Job. Nep. Hummel, deranstnltet seine Vaterstadt Preßburg Mitte Oktober«ine Hummel-Zentenarfeier. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute,.Dienstag, halb 8 Uhr: Das Dorf ohne Männer, A 1.—- Mittwoch halb 8: Die Czar- dasfürstin, B 2.— Donnerstag halb 8: Weh dem, der lügt, neuinszeniert, C 2.— Freitag halb 8: Pariser Leben, D.— Samstag halb 8: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo, TI.— Sonntag halb 3: DaSDorfohn«Männer, Arbeitervorstellung, halb 8: Die Fledermaus, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Klemen Bühne. Dienstag 8: Die Reife.— Mittwoch 8: Die Reise.— Donnerstag 8: Bei Kerzenlicht.— Freitag 8: Pygmalion, volkstümlichcj>Borstellung.— Samstag halb 8: Nachtasyl, neuinszeniert.— Sonntag 3: Nina, 8 Uhr: Die Reise. der„Urania" ist noch immer Gegenstand lebhaf ter Diskussionen, die manchmal auch den Weg in die Presse finden. So stellt eine Prager Montags zeitung eine Betrachtung über den Wechsel in der „Urania"-Führung an, in der der Meinung Ausdruck gegeben wird, die neue Führung werde die Aufgabe haben, einen Ausgleich in dem Ver hältnis SdP-„Urania" herbeiführen. Es ist müßig,dich über solche Kombinationen zu unterhalten, doch^verkennt man wohl das Wc- sen der«dP, wenn man anmmmt, ste wurde sich Mitarbeiter den künstlerischen Aufbau der in irgendeinem Kulturmstttut mit einer Einfluß- demokratische Deutschtum Prags wird die Lösung des„Urania"-Problems wohl ohne Anerkennung heischende Seitenblicke auf die SdP lösen müssend In diesem Zusammenhang sei aber darauf hingewiesen, daß den Kulturinterefsen des demokratischen Deutschtums in keiner Weise gedient wird, wenn in tschechischen Blättern irreführende Berichte über die Hintergründe der„Urania"- Kris« erscheinen. So ist die Meldung der„Lidovs Noviny" nicht richtig, in den Auseinandersetzun-| gen innerhalb der„Urania", die den Rücktritt Prof. Frankls.mit herbeigeführt hatten, seien rassische Gesichtspunkte entscheidend gewesen. Das „Ceskö Slovo" wiederum hat bemerkt, daß Prof. Frankl vor der politischen und nationalen Hetze der SdP zurückgewichen sei und es fordert unter Hinweis auf die der Demokratie nützliche Tätigkeit Frankls in der Deutschen Sendung, daß er in seiner Eigenschaft als deutscher Sendeleiter geschützt und ihm die Fortsetzung seiner Tätigkeit ermöglicht werde. Demgegenüber fei festgestellt, daß der Rücktritt Prof. Frankls von der Leitung der„Urania" mit dessen erschütterter Gesundheit hinreichend und glaubhaft motiviert ist und daß eine politische Deutung dieses Rücktrittes oder gar eine rassische vollkommen an der Wirklichkeit vorbeigeht. „,... ,—u. Bühne besorgt haben, fand während der beiden nähme begnügen. Was sich nicht gleichschalten Jahre 35 bis 36 und 36 bis 37 die wachsende Gt- läßt,.was sich nicht ganz ihren Interessen unter-, folgschaft der am Theater teilnehmenden Kreise der ordnet, wird von ihr als feindlich bekämpft. Das! Bevölkerung. Beweis dafür die herzliche Begrüßung, [ die ibm am Beginn des dritten Jahres seiner Direk- tionsführung zuteil wurde, al? er in der ihm eigenen kurzen Art vor dem Vorhänge aussvrach, daß wir wieder am Anfänge einer Aufgabe stehen und daß sie gelingen werde. Nenn ihr ein gemeinsamer Wille dient. In der„Lustigen Witwe" liegen ja gewiß nicht gerade iene Besonderheiten, die man von einem festlichen Auftakt erwartet. Als Reprise aus der ver- ' aangenen Svielzeit fehlt ihr auch der Reiz des Reuen und Ueberrasch-nden. Aber der Gast-Regifseur Kurt H e ß k y wußte ihr beides zu geben. Die Pracht der kostümlichen und bildlichen Ausstattung alleine löste das Entzücken der Besucher aus; die szenische Fassung bescherte eine Füll« verjüngender Zauber— so daß die alternde Dame aus Lehars Schöpfungen in recht verführerischer Jugendlichkeit der n-nen Svielzeit das erste Geleite gab. Die„Ehemaligen", Dely Drerler. Kurt Münzer und Hans R'tter, wurden stürmisch willkommen geheißen. D-n..Renen", Rudolf Schücker(Komiker), Lucy Körting.(Soubrette) und Leonard Ara- mesco(Tenor) wurde ein sehr freundlicher Empfang bereitet. Mit ihren besonderen künstlerischen Oualitäten werden wir' unS noch vertraut machen. Sehr erfreulich und erfolgreich war der frisch belebt« Chor: ganz brillant tanzt das Ballett.— Es war ein schöner, vielversprechender Beginn. • Ernst Thöner. Franz Schubert und die Sudetendeutschen lieber die„Sudetendeutschen Musikfesttage" in Teplitz-Schönau, mit denen die SdP eben recht viel Aufhebens machte, lesen wir in unserer Teplitzer „Freiheit" unter anderem: „Die Kundgebung, die als Auftakt für die Mu- fikfesttage in Teplitz-Schönau gedacht war, wies n i ch t d en erwartetenBesuch auf. Der große Saal des Stadttheaters war nur zu zwei Dritteln gestillt. Um es vorweg zu sagen: Wer Schubert, sein Leben, sein Wirken und seine Anschauungen auch nur ein wenig kennt, wird sich darüber gewundert haben, was jetzt die Kulturorganisationen des sudetendeutschen Bürgertums aus ihm machen. Schubert/ der Urwiener, der nur wienerisch dachte und fühlte, dieser Lyriker im Reiche der Töne würde die harte Sprache, das„Blut- und Boden"-gerede der Sudetendeutschen auf dieser Kundgebung mit größtem Erstaunen und mit ganz bestimmter Ablehnung einer Verwandtschaft zu solchen Gedankengängen vernommen haben. Was hörte man nicht alles auf dieser einen Veranstaltung»um Gedenken Schuberts! Schon in der Einleitungsrede des,.. Herrn Professors Beding von der deutschen Universität in Prag wurde darauf hingewiesen, daß Schubert der nordmährische schlesische Bauer geblieben sei und sein Leben sei ein typisches Beispiel dafür, wie es einem Menschen ergehe, der außerhalb des„Bodens und Blutes" der Heimat, fern von seinen Ahnen und seinem HeimatSort zu leben und zu willen verurteilt sei. Und darum gelte es— weil Schubert ein Sudetendeutscher sei,— den Nährboden seiner Heimat wieder zu bearbeiten, ihm, dem großen Sohn der Sudetendeutschen in seiner Urheimat in Rordmähren eine bleibende Gedenkstätte zu schaffen. Im gleichen Sinne sprachen auch die übrigen Redner, der Rektor der deutschen Universität in Prag, der Vertreter der technischen Hochschulen in Brünn und Prag, der deutschen Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst, der deutschen Akademie für Musik und Kunst und der deutschen BildungSgesell- schast. Ein Redner stellte unter anderem die Frage: Wie kommt es, daß das Sudetendeutschtum viele Talente in die Nachbarländer entsendet, ohne daß es imstande ist, sie zu entwickeln? Um darauf in markiger deutscher Redeweise zu antworten, daß dies in der Geschichte der Sudetendeutschen begründet sei und.zutiefst in der Soziologie- und eigenartigen Kampfstellung der Sudetendeutschen." Es sei nicht erlaubt Gefühle zu pflegen, der Kampf beanspruche alle Kräfte.„Unser Reichtum sei ein Reichtum ohne Augen und Gesicht I" Im Ringen um die Geltendmachung des freien, des Adelsmenschen. dürften wir nie erlahmen und die Jugend sei berufen. Charakter und Tat, die Zeichen des Aufbruches unserer-.Zeit, zur Wirklichkeit werden zu lasse»..... Spwt• Spiet- Körperpflege Arbeiter-Fußballer aus dem Teplifcer Bezirk in Prag Wacker Pihanken gegen Siebener SK 4:3(1:3) und gegen 8 la via Ziikov 1:0(0:0) Rach langer Zeit waren wieder einmal Atus- Fußballer, und zwar Wacker Pihanken, in Prag, um Rückspiele mit Fußballklubs des Stak-Verbandes zu absolvieren. Ihre Aufnahme von feiten der tschechischen Gastgeber war eine freundschaftliche und herzliche. Beide Spiele wurden in einem freundschaftlichen Tone durchgeführt, wenngleich beide Erfolge Pihankens hart umkämpft waren. Die besondere Qualität der Atusfußballer kam im Spiele am Samstag gegen den Prager Stak-Gaumei- st er Liebe ne r SK deutlich zum Durchbruch. Nach einer verlorenen Halbzeih noch das Match zu ge, Winnen, zeigt, daß gutes Können vorhanden ist. Die sonntägige Begegnung mit Slavia Zifjkov fiel trotz befferer Spieltechnik etwas knapp aus. In der ersten Halbzeit wurden von feiten Pihankens einige schöne Chancen in der Hast vergeben; aber nach der Pause, obwohl von da ab beide Mannschaften mit je zehn Mann spielten, kamen die AtuSleute mehr in Front, so daß das knappe Ergebnis nicht so sehr den Spielverlauf wiedergibt. . Die Wacker-Mannschaft besitzt einige gute Talente und wenn im Angriff das teilweise egoistische Spiel einzelner der Gesamtleistung weicht, wird diese Elf noch manch« schone Erfolge erringen. Was aber zu empfehlen wäre, um in manchen Situationen nicht umständlich zu erscheinen, wäre«in präziseres Ballstoppen und die Beibehaltung des FlachspielenS. Dem samstägigen Spiel konntm wir leider nicht beiwohnen, aber Sonntag war der gastgebende Verein Slavia in manchen Phasen des Spiels reichlich hart. Das schwache Können dieser Mannschaft hat dar knappe Resultat nicht verdient, an dem auch das Schußpech der Wacker-Stürmer großen Anteil hatte. In beiden Spielen haben jedoch die Atus-Fuß- haller. für.ihr gutes und solides Können und Auftretest reichlichen Beifall von den Zuschauern erhalten-^und di« Fußballsparte der Atus-Union würdig vchttreten. Tschechoslowakei gegen Jugoslawien 5:4(3:1) Das am Sonntag in Prag stattgefundene Ver« bandsspiel Tschechoslowakei gegen Jugoslawien im Kleinen Entente-Cup brachte den Tschechoslowaken nach der Niederlage in Budapest zwar einen Erfolg, aber keinen ehrlich zu würdigenden Sieg. Wohl sah es nach einer hohen Niederlage der Jugoslawen auS, als die Heimischen zu Beginn der zweiten Halbzeit mit 4:1 in Führung waren. Eben bis dahin war die Freude der Zuschauer unermeßlich, aber als die Gäste ernstlich anzogen, hatten sie diesen Vorsprung in wenigen Minuten aufgeholt. Der Kampf um den Sieg sah die Heimischen mit Glück erfolgreich. Das tschechoslowakische Team bot keinen zufriedenstellenden Anblick. Bis auf die Stürmer(diese besonders vor der Pause) waren alle Formationen von einer ungleichmäßigen Leistung. Die Halbes und die Verteidigung zeigten mit Deutlichkeit, daß sie wohl gute Fußballer sein können, jedoch an Beweglichkeit eingebüßt haben und so nur eine Halbzeit dem Tempo einigermaßen standhalten konnten. Wenn man noch berücksichtigt, daß ein Tor der Gäste aus Verschulden der Behäbigkeit des Nazi-Schiedsrichters Birlem die Anerkennung versagt blieb, so hat der heimische bürgerliche Verband keinen Grund, besonders erfreut zu sein. Die Jugoslawen hatten ein einheitlicheres Team, das besonders durch Schnelligkeit und Kopfspiel hervorstach und ein Unentschieden«her dem Können und dem Spielverüruf entsprochen hätte. Weitere internationale Spiele.' Ein Städtematch zwischen Agram und Prag ging in Agram vor sich, das die Prager mit 2:6(2:0) verloren. Bei den Pragern wurde der Angriff nicht seiner Aufgabe gerecht und nur die Hintermannschaft verhütete eine höhere Niederlage.— In Stockholm siegte Dänemark über Schweden mit 2:1(1:0) im Nordischen Pokal.— Der DFB-Nordostgau traf sich in Schles.-Ostrau mit dem Gauteam Schlesien des tschechischen Verbandes und wurde 4:0(1:0) geschlaaen. DFV-Division DFC verliert— TFK führt Die.sonntägige Runde in der DFW-Division ergab wieder ein paar Ueberraschungen: Eine davon war die Niederlage des Prager DFC gegen den Reichenberger FK, die wohl nicht auf eigenem, aber immerhin muh nicht fremdem Platz zustandekam. Die verjüngte DFC-Elf zu beschreiben hieße viele Worte verschwenden. Ihre Unzulänglichkeit scheint wohl den Höhepunkt erreicht zu haben. Die Niederlage von 2:0(1:0) durch die Reichenberger war verdient. Es gab außerdem einen Unfall des DFC« Spielers Lux, der bei einem Zusammenstoß einen Nasenbeinbruch erlitt und dem Spital übergeben werden mußte.— Der Teplitzer FK besiegte daheim die Sportbrüder Schreckenstein mit 7:0(1:0).— Auf KoMotauer Boden gewann DSV Saaz gegen DFK 4:1(0:1).— Der Trautenauer DSV blieb auf eigenem Platz mit 3:2(2:1) über den Karlsbader FK mft viel Glück erfolgreich.— Das Gablonzer Derby zwischen DSK und BSK endete 4:0 (3:0) zrlgunsten der Ersteren.— In Warnsdorf gewann der WFK über die SpVg Bodenbach mit 6:1(3:0). In der mährisch-schlesischen Gruppe ging nur ein Spiel vor sich, und zwar gewann der SK M.« Schönberg daheim über DSV Brunn mit 4:2(3:0). Tschechische Divistonsspiele. Mittelböhmen: Meteor VIII gegen Hvezda Kosii 5:4.— Mähren-Schlesien: Bata Zlin gegen Olmütz 3:0, Mor. Slavia Brünn gegen Königsfeld 2:2(1:0). Sonstige Fußballergeinisse. Pilsen: Hana gegen Pilsen 2:3..— B.- Budweis: Cechie Karlin gegen CSK 3:2, Stadion gegen DFC 6:1.—> Beraun: Bohemians gegen Cesky Lev 5:1.— Nachod: SK Königinhof gegen SK 5:0(I).— Brüx: CSK Kopitz gegen Schwalbe 6:2.— Reich e n b e r g: DSB B.-Leipa gegen DFK 5:1.— G r a slitz: DFCgegen VfB Teplitz 4:2.— Wal.« Meseritsch: Walachei gegen Ostrau 5:3.— Preßburg: Brünn gegen Preßburg 3:4.— Budapest: Hungaria gegen Törökves 5:1, Ferenc- varos gegen Ujpest 3:1.— Wien: Austria gegen Simmering 2:0 Rapid gegen Admira 5:3, Vienna gegen Sportklub 3:3(2:2), Fav. AC gegen FC Wien 4:3, Wacker gegen FAC 1:1(1:1). Die Schwerathletik-Meisterschaften der Tscheche, slowakei gelängten in Prag zur Durchführung. Bei den Stemmern gewann im Federgewicht Vavkeöka (§AK Weinberg«) mit 265 Kg.(80, 75, 100); Leichtgewicht: Dalda(SKEP Prag) 307.5 Kg(87. 97.5. 122.5); Mittelgewicht: Shkora(KA Ziskov 1897) 290 Kg.(80, 90, ,120); Halbschwergewicht: Hanthch(AFK Polizei Prag) 840 Kg.(90, 110, 140; Schwergewicht: Pseniöka(SKEP Prag) 895 Kg.(122.5, 122.5, 145). Dereinsnacstricstten Allgemeiner Angeftellten-Berband Reichenberg, Ortsgruppe Prag. Amtsstunden Mittwoch 6 bis 8 Uhr, Smecky 22. Wochenprogramm vom 4. bis 11. Oftober. Dienstag:? Uhr Beginn des tschechischen Kurses in der Handelsakademie. — Mittwoch: 8 Uhr Vortrag Dr. Wiener im großen Saal: Die agrarische Wirtschaftsoffensive. — Freitag:? Uhr Beginn des Tschechisch- Kurses, für Fortgeschrittene.— Freitag: Äon» 'zeit Süßkind. Ermäßigte Karten bei Galandauer. — Sonntag: Halb 10 Uhr für Lehrlinge, Prak- tikanten. Handelsschüler. Heimstunde: Was bringt die Jugend-Gewerkschaft?— Um halb 10 Uhr, Treffort Klarov: Führung durch Alt-Prag. Nachmittag Theater!— Bestellet bei Kollegin Hubl die ermäßigten Karten für Schwimmbad.Klarov und Dampfbad„Koruna".— Einschreibung in einen tschechischen Konversationskurs sofort beim Genossen S t r n a d. O Bolksstnggemeinde Prag. Die erste Probe, zu der alle Sänger und Sängerinnen eingeladen sind, findet am Dienstag, den 5. Oftober im Hause der Typograficka beseda, Praha ll.» Smcökh 25, 5. Stock, statt. Um 7 »Uhr Frauenchor urch Ausschußsitzung, um 8 Uhr gemischter Chor,