Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XL, Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Zahrganfl Mittwoch, 6. Oktober 1937 Nur dem Inhalt: Kulturverband vor der Entscheidung Wieder ein„Loyaler“ Freundschaftspakt Paris-Belgrad verlängert Rußland gefährdet die Flüchtlingshilfe Nr. 235 um Sitzungen wurde ein Einvernehmen erzielt. etwa 11 bis 12 Prozent des Nationaleinkommens. Wir sind entschloflen, fuhr Präsident Roosevelt fort, dem Kriege fernzublriben, doch müssen wir uns gegen die vernichtenden Wirkungen eineS eventuellen Krieges sowie gegen die Gefahr versichern, in den Krieg hineingezogen zu werden. Wir treffen Maßnahmen, welche diese Gefahr auf ein Minimum verringern, können aber trotzdem in einer Welt der Unordnung, in welcher es kein Vertrauen und keine Sicherheit gibt, keinen absoluten Schutz gegen den Krieg finden. Soll die Zivilisation fortbestehrn, so ist eS notwendig, dass dir Grundsätze des Friedens neuerlich in Geltung treten. Amerika haßt den Krieg, erklärte der Präsident zum Schluß, es hofft auf den Frieden und sucht deshalb wirksam den Frieden. Roosevelt ruft zur Sammlung gegen die faschistischen Störenfriede mand durch bloße Isolierung oder Neutralität entgehen kann. Der Glaube an das gegebene Wort sei notwendig und das Bertranen in den Wert von Per trägen muß zurückkehren. Das Lebensinteresse der Bereinigten Staaten erfordert,' daß der heilige CH a r akter internationaler Abmachungen und der Einhaltung der internationalen Moral wiederhergestellt werden. Hierauf betonte Präsident Roosevelt, daß in verschiedenen Teilen der Welt rin hoher Prozentsatz des Nationaleinkommens für R ü» stungszwecke verwendet wird. Der Betrag, welchen die Bereinigten Staaten für diesen Zweck verausgaben, ist bedeutend geringer und beträgt ♦ Um 20 Uhr begann die Bölkerbundversamm» lung mit der Prüfung des Berichtes des 23er» AnsfchusseS. El i o t t und Paul B o n c o u r forderten im Namen Großbritanniens, bzw. Frankreichs, daß die.Abstimmung über. die. vorgelegte Resolution sofort* vorgenommen werde. Der englPhe Vertreter E l l i o t erklärte: Niemals war es notwendiger, di^dem Völkerbunde zur Verfügung stehenden schädlichen Mittel anzuwenden. Die Grundlage, auf welcher diese Mittel in Aktion gesetzt werden sollen, muß möglichst umfassend sein. ■ Siam und Polen teilten mit, daß sie sich aus g r und sä tzlich t« Gründen der Stimme enthalten würden, Norwegen und Südafrika deshalb, da sie noch keine Zeit hatten, sich mit ihren Regierungen ins Einvernehmen zu setzen. Litwinow sprach sein Bedauern darüber aus, daß dem chinesischen Volke lediglich m o r a l i.s ch e u ti d nicht auch mate« r i e l l e U n t e r st ü tz u n g gewährt werde. Der chinesische Delegierte Wellington Koo hielt eine kurze und gemäßigte Red«. Die'Vorschläge des Beratungsattsschusses, führte er aus, können uns bei weitem nicht zufriedenstellen, doch sind wir bereit, sie unter der Bedingung anzunehmen, daß die gen in einem Zeitpunkt, den sie für geeignet erachten wird, neuerlich wird erheben können. Neber Antrag des norwegischen Delegierten wurde dann doch die Abstimmung, deren Resultat kaum zweifelhaft sein kann, auf Mittwoch vertagt. „Die Grundlagen der Zivilisation bedroht** .. 248.546 .. 342.640 .. 345.545 ..; 391.839 .. 256.213 ist die Arbeitslosenzahl Chicago.(Reuter.) Auf seiner Reise durch die Bereinigten Staaten hielt Präsident Ro oseveltin Chicago eine Rede über die internationale Lage> wobei er u. a. ausführte, daß die Außerachtlassung des internationalen Rechtes gegenwärtig eine Phase erreicht, in wrl- chcr die G> r« n d l a g e n der Zivilisation selb st bedroht sind. Roosevelt sagte wörtlich: Die heutige Herrschaft des Terrors und der internationalen Gesetzlosigkeit hat vor mehreren Jahren begonnen. Sie begann mit der unberechtigten Einmischung einiger Staaten in die Angelegenheiten anderer Völker, sie begann mit Ueberfällen auf fremdes Gebiet und mit der Verletzung der Berträge. Diese Situation hat sich heute in dem Maße verschlimmert, daß sie die Grundlagen der Zivilisation selbst ernstlich gefährdet. Ohne Kriegserklärung und ohne jedwede Rechtfertigung werden Zivilpersonen, ja sogar Frauen und Kinder heute durch Bomben gemordet. In dieser Zeit des formalen Friedens werden Dampfer über fallen und v o n N«t e r s e e b o o t e n torpediert, uud all das ohne Gründ und ohne Warnung. ES gibt Völker, welche Bürgerkriege anfangen und sich an ihne« in Ländern beteiligen, die ihnen niemals etwas Bö» seS getan Haven. Es gibt Völker, die für sich Freiheit verlangen, anderen Völkern jedoch diese Freiheit absprechen. Es gibt schuldlose Völker und diese Völker werden ein grausames Opfer des gierigen Machtstrebens anderer Völker und ihres Streben- nach Hegemonie, welche der Gerechtigkeit und dem Geiste der Menschlichkeit widerspricht. Wenn alle diese Sachen in anderen Teilen der Welt geschehen, dann können wir uns auch nicht vorstellen, daß Amerika ihnen entgehen könnte, daß die westliche Erdhälfte ruhig und friedlich nach den Gesetzen der Zivilisation wird leben können. Wir wollen eine Welt, in welcher «S möglich,sein wird, frei zu atmen und ohne Furcht und Angst zu leben. Dir Völker, welche den Frieden lieben, müssen ihre Anstrengungen zur Stärkung der Gesetze und Prinzipien zusammenfaffen.die einzig dir Grundlage bilden, auf der der Friede gerantiert wer- den kann. Diese Rationen müssen ihre Anstrengungen gegen die Verletzung der Berträge zusammenfassen. Diejenigen» welche die Gesetze der Menschlichkeit nicht achten, rufen heute internationale Anar» chic und Unsicherheit hervor, der nie- Die SdP auf der Schaukel Die Auseinandersetzungen innerhalb der SdP gehen lustig weiter. Während die„Auf- bruch"-Gruppe den Kameradschaftsbund beschimpft, speit der„Kämpfer" gegen den„Aufbruch" Gift und Galle ünd der große Führer Konrad Henlein, dessen Aufgabe es wäre, in seiner Partei Ordnung zu machen, sieht dem hitzigen Balgen noch immer untätig und unentschlossen zu. Tatsächlich befindet er sich in einer unangenehmen Situation. Bis jetzt hat ihm Berlin alle seine politischen Entscheidungen vorgeschrieben, er war nur das ausführende Organ. In dem Streit der. beiden Richtungen hat aber Berlin nicht Stellung genommen, und es scheint gegenwärtig auch keine Lust dazu zu haben. Henlein ist nämlich augenblicklich bei seinen Chefs unten durch. Beachtlich ist, daß er es unterlassen hat, den Nürnberger Parteitag mit seiner Anwesenheit zu beehren. Ob sein Fernbleiben in Berlin so verstimmt hat, daß man ihn— vorläufig— sich selbst überläßt, bleibe dahingestellt. Jedenfalls wurde die Delegation, die er nach Nürnberg geschickt hatte, nicht empfangen. Sie hatte versuchen sollen, den Parteistreit innerhalb der SdP durch ein Machtwort Berlins bereinigen zu lassen. Alles Tun und Treiben Henleins scheint jetzt darauf gerichtet zu sein, das Wohlwollen Berlins tvieder zu erringen. Daraustsind auch die Reden und die öffentlichen Aufzüge der SdP-Leute abg5- . stimmt. Die Aufzüge sollen den Nachweis führen, daß das„Volk" noch immer hinter ihm, dem Konrad Henlein, stehe, daß also Bersin gut daran tue, seine Politik auch fernerhin mit dem Namen Konrads zu verbinden. Andererseits abe'' sollen die politischen Erklärungen Henlein- den Berliner» diese Entscheidung leichter machen. So war denn die Tagung der SdP-Parla- mentarier in Franzensbad, die den Rahmen für eine nationalsozialiistische Kundgebung Konrad Henl?ms abgab, von einer sorgfältig vorbereiteten „Triumph-Fahrt" des Stammesführers durch Westböhmen gefolgt, über welche die SdP-Blätter in der größten Aufmachung und unter Verwendung phantastischer Teilnehmerziffern an die Berliner Adresse berichten. Bemerkenswerter aber ' aTS hrtS' AffrnfHiiw SHwrtfpr. hncLjJmti: hfetag neuesten Reise des Stammesführers' verbunden war, ist die Rede, die er auf der Parlamentariertagung der SdP gehalten ha§. Konrad Henlein hat dort u. a. folgendes gesagt: „Eine dritte Aufgabe, dsg wir im Interesse unseres Volkes und der gesamten zivilisierten Welt leisten, ist die Abwehr des Bolschewismus. Wir stehen als Partei auf dem Boden der Tschechoslowakei-allein, vorbehaltlos und mit großer Empfindlichkeit gegen jeden Versuch einer osfenenoder indirektenBol« schewisjerung desöffentlichen Lebens zu kämpfen. Die SdP stellt in dieser Hinsicht die drittgrößte Einheit antibolschewistischer Massenorganisierung der Welt dar. deren Schlagkraft zu erhalten eine politische Aufgabe größter Verantwortung ist. Die Schlagkraft dieser Partei hängt aber davon ab, daß ihre ,Einheitlichkeit und Geschlossem« h eit unter allen Umständen erhalten bleibt und immer arbeits» und einsatzfähiger gestaltet wird. In dieser Hinsicht fühle ich mich meinem Volke gegenüber zutiefst verantwortlich." Das Deutsch, das Herr Henlein spricht und : schreibt, ist nicht sehr schön, aber diese Sätze lassen . doch erkennen, daß er etwa folgendes meint: Verehrter Adolf, du hast gemeinsam mit Benito die Achse Rom-Berlin geschmiedet. Benito hat, weil du das gerne hörst, die Schaffung dieser Achse mit der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Bolschewismus begründet. Ich, Konrad Henlein, loyaler Staatsbürger der Tschechoslowakei, gliedere mich mit meiner Partei in diese Achse ein. Du hast also, großer Adolf, im Kampfe gegen das, was du Bolschewismus nennst, nicht nur deine Partei und— nach den Erklärungen Benitos— die italienischen Faschisten zur Verfügung, sondern auch die SdP. Aber du mußt uns helfen, unsere durch innere Kämpfe bedrohte Geschlossenheit zu bewahren. Henlein spekuliert darauf, daß die Berliner Bolschewikenfresser auf diese Liebeserklärung an die„Achse" günstig reagieren und ihm Gnckde widerfahren lassen werden, auch dann, wenn er gegen die immer ruppiger werdenden, von den Berliner Emigranten Jung, Krebs und Biererbl geförderten„alten Kämpfer" im Interesse der Parteieinheit vorzugehen gezwungen sein sollte. Uns interessiert aber vor allem die i n n er« politische Bedeutung der Henlein-Rede. Die im September noch Rück gang der Arbeitslosigkeit Die Zahl der nicht untergrbrachten gemel deten Arbeitsbewerber betrug am 30. September 230.7z2. Sie ist im Laufe des vergangenen Monats um 2596, d. i. 1.1 Prozent, kleiner ge worden. Am 31. Juli betrug sie 240.722. Im Vergleich zu den Vorjahren ist Bie Ar beitslosigkeit wesentlich niedriger. Der Rückgang beträgt gegenüber 1936. 1935. 1934. 1933. 1932. Seit dem Borjahr..... K 51.4 Prozent zurückgrgangen, seit dem Tiefpunkt der Krise im Jahre 1933 um 62.6 Prozent. Die einzelnen Länder weisen folgende Ber- änderungen auf: In Böhmen ist die Arbeitslosen-, vorgesehene Prozedur eingehalten und Japan! chinesische Delegation ihre ursprünglichen Forderung In dem Bericht, der dem 23er-L«Ssch«ß von dessen(Subkomittee unterbreitet wurde, heißt eS zum Schluß: Es ist jedenfalls um strittig, daß eine mächtige japanische Armee auf chinesisches Ge biet eingedrungen ist und ausgedehnte Gebiete einschließlich Pekings militärisch kontrolliert. Es steht unstreitig fest, das die japanische Regie rung zur See Vorkehrungen getroffen hat, um j die chinesische Schiffahrt an den Küsten Chinas[ als das öffentliche Theater, das^mit dieser zu unterbinden. Der Ausschuß mutz konstatieren, daß dir militärischen Operationen, welche Japan zu Lande, zur See und in der Luft gegen China unternimmt, ihrem Umfange nach durchaus nicht dem Zwischenfall ange messen sind, der den Konflikt hervorgeru- frn hat. Diese Handlungen können sicherlich die freundschaftliche Zusammenarbeit beider Länder weder erleichtern noch fördern. Diese Handlun gen stehen auch imWidersPruch zuden Pflichte«Japans, die in dem Reun- mächte-Bertrag vom 6. September 1922 abge grenzt sind, und zu dem Pariser Pakte vom 27. August 1928. Schärfere Fassung der Fernost-Resolution „Wirksame Hilfe für China** der Prüfung der Mächte empfohlen Genf. Nach äußerst schwierigen^Verhand lungen hat der 23er-A«sschuß am DienStag den Wortlaut der Resolution über die Lage im Fer nen Osten festgelegt und angenommen. Lediglich Polen enthielt sich aus grundsätzlichen Erwä gungen der Abstimmung, Kanada und die Schweiz deshalb, weil ihre Vertreter keine Zeit gefunden hätten» ihre Regierungen um In struktionen zu ersuchen. Der Antrag, der noch Dienstag abends dem Bölkerbundplenum vor- gelgt wurde, besagt: V „Die Völkerbundversammlung stimmt dem ihr von dem Beratungsausschutz über den Konflikt zwischen China und Japan vorgelegten Bericht zu und bittet ihren Vorsitzenden, im Infam- menhang mit einer einzuberu- fendenTagung der Signa- tarmüchte der Washing ton er Konvention vom 6. Feber 1922 die erforderlichen Schritte zu unternehmen. Die Dölkerbundversammlung ver sichert China ihrer moralischen Anter st ützung«nd empfiehlt den Völkerbundmitgliedern, sich jeglicher Aktion zu enthalten, welche die Wider standskraft dieses Landes verringern «nd damit seine Schwierigkeiten in dem gegenwärtigen Konflikt erhöhen könnte. Außerdem empfiehlt die Dölker bundversammlung ihren Mitgliedern, indivivnell zu prüfe«, auf welche Weise sie ihre wirksame Hilfe der gerechten Sache Chinas lei hen könnten. Die Völkerbundversammlung be schließt, die gegenwärtige Seffio« ledig lich zu vertagen und den Vorsitzen- de« zu ermächtigen, eine neue Sitzung einzuberufen, sobald der Beratungs ausschutz dies für gut hält. Der chinesische Vertreter hatte am Bor mittag eine schärfere Fassung der Resolution verlangt und insbesondere verlangt, daß die im Pakt zahl um 1208(0.8 Prozent) kleiner alS im ausdrücklich alS Angreifer festgestellt werde. Auch August, in der Slowakei um 1648(4.8 Prozent)| gegen den britischen Borschlag auf Einberufung und in Karpathorutzland um 47(1.3 Prozent). der neun Signatarmächte des Washingtoner Ber- Jn MährenSchlrsien ist sie um 307(0.6 Prozent) träges erhob China Einwände. Erst in weiteren größer geworden. Seite 2 Mittwoch, 6. Oktober 1937 Nr. 235 Dauernde„Nichtintervention" London.(Eigenbericht.) Die britischen Kriegsschiffe im Mittelmeer haben die Berfol- gung des Piraten-U-Boote» aufgegeben. Es ist nicht festzustellen, ob die Wasserbomben getroffen haben. Man betont in französischen Blättern, daß der Angriff in der Nähe von 2biza stattgefunden hat, das von den Italienern besetzt ist. Bon Mallorca aus sollen kürzlich eine größere Zahl italienischer Flugzeuge vom Typ S a- v o i a nach Franco-Spanien geflogen sein. Auch die Luftangriffe auf Barcelona sollen von diesen italienischen Flugzeugen verübt worden sein. In Cadiz sind laut Berichten aus Gibraltar kürzlich 500 bis 600 Mann uniformierten deutschen Militärs gelandet worden. Auslegung, die Berlin dem Wort„Bolschewismus" gibt, läßt auch dis Tschechoslowakei als „bolschewisierten" Staat erscheinen. Bolschewismus ist nach der Berliner Lesart bekanntlich all; das, was nicht nationalsozialistisch oder faschistisch ist. Bolschewismus ist also: der Parlamentarismus, die Demokratie, die Freiheit der Presse, die Humanität, die Kultur, d'.e Freiheit- der Kunst, die ordentliche Rechtspflege, die Friedenspolitik, der Bestand von Gewerkschaften und sozialistischen Parteien. Die Tschechoslowakei gilt nach dieser Deutung, ebenso wie Frankreich, in Berlin als Vorposten deSBolfche- w t S m u s und die SdP deklariert sich durch die. Rede Konrad Henleins al» die drittstärkste europäische„Massenorganisierung" im Kampfe gegen die politischen und demokratischen Einrichtungen der Tschechoslowakei. Diese KyzegserklärunganPrag, die das außenpolitische Bündnis der SdP mit den faschistischen Kriegstreibern der„Achse" feierlich verkündet, kontrastiert nicht unerheblich mit den noch immer nicht zum Stillstand gekommenen Versuchen der SdP, in Prag regierungsfähig zu werden, mit Versuchen also, die bei einem gewissen Teil de» tschechischen Bürgertum» Förderung finden. ES ist nicht unsere Sache allein, dieses Treiben zu bekämpfen, das nach den Franzensbadtr Erklärungen Henleins offenemLandes- verrat nahekommt. Uns liegt im Augenblick mehr daran, nachzuweisen, in welcher Verlegenheit sich die SdP befindet, deren autoritäre Führung angeblich geradliniger und daher der Führung demokratischer Parteien überlegen ist. Konrad Henlein, der unfehlbare Stammesführer, fitzt auf einer politischen Schaukel, die zwischen dem Bekenntnis zum„antibolschewistischen" Kampfe gegen Prag und dem Bemühen, in die Prager Regierung zu kommen, hin und her pendelt. Japaner kommen bei Schanghai nicht weiter London.(Eigenbericht.) Zum drittenmal ist es den Chinesen gelungen, die japanische Offensive bei Schanghai znm Stehen zu bringen. Reue Verstärkungen, die rasch herangeführt wurden, bremsten die japanischen Angriffe. Bei Tschapei kam eS zu blutigem Handgemenge, wobei Handgranaten und Maschinengewehre in Aktion ttaten. AuS dem Norden wird gemeldet, daß die Japaner in die Provinz Schantung eingedrungen sind. Zwar dementiere« die Chinese« die Besetzung von Tetschau durch die Javaner- aber auch die chinesischen Quellen geben zu, daß die Lage im Norden riskant ist. Sechs japanische Dampfer haben laut chinesischen Berichten in der Nähe von H o n g k o n g, bzw. der portugiesischen Kolonie Makao, auf drei Keinen Inseln Mannschaften ausgebootet, die offenbar bestimmt sind, dort eine Flugstation z« Angriffen auf südchinesische Städte einzurichten. * Der Sprecher des chinesische« Generalstabes erklärte den Pressevertretern^ An dem Front- ! abschnitt westlich von 8 o t i e« und L i u h a n wurden«ach heftige« Kämpfen mehrere japanische Angriffe abgewiesen. Im Abschnitte bei Liu- Ha« herrscht verhältnismäßig Ruhe. Japanische Marineinfanterie, die die chinesischen Positionen bei der Universität Tschitschi angriff, wurde mit großenBerl.usten zurückgeschlagen. Die Japaner ließen 200 Mann und einen Tank ans dem Schlachtfelde zurück, zwei weitere japanische Tank» wurden beschädigt. Die japanischen Flugzeuge und Geschütze haben daS Tschapei- viertel unter heftiges Feuer genommen, es gelang ihnen jedoch nicht, die chinesischen Postttone« z« l vernichten. Labour gegen„Einheitsfront" Verbindung mit den Kommunisten kompromittierend London.(Eigenbericht.) Der Prrteistrg der Arbeiterpartei in Bournemouth»ahm Dienstag zu der Zusammenarbeit mit den Kommunisten Stellung und verwarf mit großer Mehrheit (1,730.000:173.000 Stimmen) die Resolutton Sir Stafford C r i p s'. Der Parteitag lehnt dir Zusammenarbeit mit den Kommunisten und der Unabhängigen Arboiterpwrtei fast einmüttg ab. Herbert Morrison polemisierte in der Debatte gegen Crips. Morrison erklärte, daß jede Verbindung mit dm Kommunisten die Partei aufs schwprste«schütter« müßte. Es wäre ver hängnisvoll, dem kommunistische« Einfluß auf die Partei einen Weg z« öffne«. Der Parteitag behandelte dann dm Plan einer Altersversicherung ans dem Atttonsplan der Labour Party. Dem Plan zufolge soll jede Person, die da» 65. Lebensjahr überschveittt und bi» dahin gearbeitet hat, wöchmttich ein Pfund Sterling Rente erhalten. Der Antrag wurde angenommen. Im Ramm der DAI begrüßte de Brouck-re den Kongreß. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Internationale bald einen Sieg der Labour Party mitfeiern könne. StojadinovK nach Paris Zur Verlängerung des Freundschaftspaktes Paris. Tvr jugoslawische Ministerpräsident Dr. Stojadinovic wird Mitte Oktober zu einem offiziellen zweitägigen Besuch nach Pari» kommen, um mit dem französischen Außenminister Delbos da- Freundschaftsabkommen der beiden Staaten vom Jahre 1927 zu verlängern. Stojadinoviä wird außerdem mit dem Ministerpräsidenten Chautemps und mit französischen Ministern sowie mit anderen politischen Persönlichkeiten politische Unterredungen über die internationale Läge und insbesondere über die französisch-jugoslawische Zusammenarbeit pflegen. Madrid bombardiert Madrid. Rach Barcelona und Valencia ist am Montag Madrid das Opfer eines Bombardements geworden. Um 12 Uhr 15 begannen die ersten Granaten in den nördlichen Stadtvierteln Madrids niederzufallen, dann im Zentrum und Weste«. Die Arbeitervorstadt Cadro Caminos und di« Umgebung des ehemaligen Königspalastes wurden von dem Bombardement besonders bettoffen. Das Bombardement dauerte dis 13 Uhr. Infolge eines Dauerregen» warm die Straßen Madrids fast vollkommm leer, infolge- desien haben nur die Granaten, die direkt Häuser ttafm, Opfer unter Fraum und Kinder« gefordert. -.> In offiziellen Kreisen unterstreicht man die rasche Aufeinanderfolge der Bombardierung der drei Hauptstädte durch di« Rebellen. Offenbar wollen die Rebellm die Zivilbevölkerung in Panik versetzen. Italiens Verluste In Spanien Rom.(Havas.) Wenn auch keine offiziellen Ziffern veröffentlicht wurden, wird doch allgemein zugegeben, daß die Zahl der verletzten Italiener, die aus Spanien zurückbefördert werden muhten, 7000 beträgt und daß die Zahl der Kranken, die ebenfalls evakuiert werden mußten, annähernd die gleiche Zahl beträgt. Bekanntlich sind auf spanischem Boden entsprechend dm offiziellen Daten bis zum 20. September d. I. 1226 italienische Frontkämpfer gefallm. In den Reihen der italienischen Kämpfer in Spanim muß also mit eitlem Abgang von mindestens 15.000 Mann gerechnet werden. Faschistenrat vertagt Rom. Die für den 6. Oktober vorgesehene Sitzung de» großen Faschistenrates ist auf einen 'fpäteren Termin verschoben worden.-Die Im Auslände verbreiteten Gerüchte, wonach, diese Vertagung auf eine ErkrankungMusso- linis zurückzuführen sei, werden von zuständigen Kreisen auf- entschiedenste dementtert. Gesandter Flerllnger In Moskau eingetroffen Moskau. Der neue tschechoslowakische Gesandte in der Sowjetunion Zdenik F i e r l i n- g e r ist Dien-tag in Moskau eintzetroffen, um sein Amt anzutreten. Auf dem Bahnhof begrüßten ihn der Sektionschef des Protokolls beim Sowjetaußenkommiffariat, Wolk, sowie die Mitglieder der tschechoslowakischen Legation in Moskau. 30 EINE GESCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUITÄTEN Copyright by Saturn Verlag 1935 Er erwiderte nichts. Betäubt und halb verloren blieb er im Zimmer sitzen und wartete bis Kadidja wieder eingeheizt und ein wenig Ordnung gemacht hatte. Der Traum bedrückte ihn. Er sprach den ganzen Wend kein Wort und nahm vor dem Schlafengehen ein Pulver. Er fürchtete, noch einmal etwas Aohnliches zu ttäu- men. Aber bis in den letzten Augenblick des Bewußtseins verfolgte ihn die Angst und Sorge, wie morgen die Dinge ausgehen würden und was er zum Beispiel tun solle, wenn man ihm mit der Bezahlung Schwierigkeiten machen würde oder...? Ach, ist ja alles Unsinn, sagte er zu sich selbst und schlief endlich ein. Um acht Uhr vormittags saß Vglerian auf einer Bank gegenüber dem Bankhaus Billon & Bardel. Um neun Uhr rannte er in den ersten Stock, läutete und wurde eingelaffen. Der Kaffier, schlecht rasier^ schläfrig, widerwillig, nahm den Scheck entgegen, fuhr auf, als er die Summe llrö, sagte: einen Moment, bitte! ließ das Schaltergitter herunter und verschwand. Nach einer Viertelstunde kam er wieder und bat Valerian in das Chxfzimmtzr. Dort sah ein kleiner, dicker Mann, glatt, rund und fettgesichtig wie ein Pfaffe. Er war ebenso höflich wie anmaßend, ebenso beflissen wie zurückhaltend und reizte Valerians Wut von der ersten Minute an. „Monsieur", sagte er,„Sie haben bermnse- rem Schalter einen Scheck, diesen Scheck präsentiert." „Ja. Warum zahlen Sie ihn nicht aus?" erwiderte Valerian giftig, g Der Finanzpfaffe hob erstaunt den Kopf und sah durch dicke Brillengläser befremdet auf den Frager. Er schien nicht minder reizbar als Dalerian. „Wer hat denn gesagt, daß wir ihn nicht ausbezahlen?" entgegnete er. „Dann bitte ich um das Geld. Ich habe nicht viel Zeit." „Der Scheck wird Ihnen ausbezahlt, Monsieur", sagte(krescendo aber noch piano) das Pfäffchen,„sobald da- Aviso des Ausstellers bei uns eingetroffen sein wird." „Was heißt da-?" fuhr Valerian auf,„was sind das für Usancen?" „Die normalen, Monsieur", erwiderte (pizzicaw) der Kapuziner. „Ist der Scheck nicht gut?" knirschte Valerian Und näherte sein Gesicht dem des Würdenträger- der geldlichen Weihen. „Wie meinen Sie da-, mein Herr?" fragte dieser zurück. „Wie ich das meine?" schtie Valerian,„nur so: ob ich mein Geld bekomme oder nicht? Ob der Aussteller de- Schecks ein Konto bei Ihnen hat oder nicht? Ob das Konto so hoch ist, daß der Scheck ausbezahlt werden kann, oder ob ich die Anzeige erstatten soll?" Mit jedem dieser Worte, die Valerian in höchster Erregung hervorsprudelte, wurde da» Glattgesicht de- Diakon» hinter dem Schreibtisch röter und sein Ausdruck zugleich lebensvoller. Valerian war hier auf die Sorte Neurotiker gestoßen, welche die Möglichkeit eines Stteits, eines Krachs, eines Skandal-, einer tätlichen Auseinandersetzung als wahrt Wohltat» als Erlösung aus unerträglicher Spannung begrüßt.. Valerian wußte nicht» daß er alles andere ehe. zu fürchten hatte als einen Hinau-wurf. Dieser Typus— er ist viel häufiger als man denkt— ist de- Streites mit-em Menschenbruder so bedürftig, daß er den Menschenbruder erst dann liebt und nur den Menschenbruder liebt, der ihm Gelegenheit gibt, seine stmnmen, monologisierenden, erstickten uyd dumpf, grollenden Aggressionen endlich laut werden zu lassen. „Was fällt Ihnen denn ein?" flüsterte der neurotische Kaplan, ,mrqs fällt Ihnen denn ein, hier zu schreien, Monsieur? Jedes Ihrer Worte verrät, daß Sie keine Ahnung vom Bankwesen haben. Sonst müßten Sie wissen, daß ein Scheck von derart hohem Bettag nur gegen vorherige- Wiso des Ausstellers ausbezahlt wird.'Ich habe Sie in mein Bureau bitten lassen, um Sie persönlich kennen zu lernen und vielleicht auf irgendeine Weise den Fall abzukürzen. Vielleicht hätten sich gemeinsame Bekannte ergeben. Und Sie schreien mit mir. Sie benehmen sich, hier wie, ich will nicht sagen wie..-• Der Flüsterton, in dem die Rede begonnen hatte, war schon zü ansehnlicher Lautstärke angesttegen.„Aber, hier, Monsieur, wird nicht Krach gemacht, hier, Monsieur, wird nicht gewettert, hier wird überhaupt nicht gebrüllt...", brüllte er und schlug mit der Faust auf den Tisch. Valerian kam zur Besinnung. „Verzeihen Sie, Monsieur", murmelte er. „Nein! Ich bedaure!" schrie der Neurotiker, „Ihr Benehmen ist unerhört!" „Entschuldigen Sie", murmelte Valerian, der erkannte, daß er die soforttge Auszahlung-es Schecks, wenn überhaupt, nur noch durch völlige Unterwerfung erreichen konnte,„Sie haben vollkommen recht". M „Jawohl!" donnerte jener,„vollständig recht. Sie haben sich zu entschuldigen, Monsieur." „Wer das tue ich doch schömseit zwei Minuten", sagte Valerian sanft,„ich habe mich doch bereit» zweünal entschuldigt, Monsieur. Ich ent-1 Die Bedeckung des Budsetdeflzits Gestern haben die Beratungen der politi« scheu und Wirtschaftsminister über die Bedeckung der bisherigen Fehlbetrages im Projett des Voranschlages für 1988 begonnen. Aus diesem Anlaß bringt das„Prävo Lidu" eine Bettachtung, in der e- u. a. heißt: Es geht hier um annähernd eine Milliarde XL, welche durch gewisse finanztechnische, steuerliche und Kreditaktionen beschafft werden soll. Es versteht sich, daß an der Art, wie die neuen Lasten verteilt werden» der arbeitende Mensch ein Interesse hat, einerseits deswegen, weil er von einem festen Lohn lebt, der durch neue Lasten vermindert werden kann, andererseits als Konsument, von Gütern, welche durch höhere Besteuerung betroffen werden können... Der arbeitende Mensch hat das größte Interesse an der Sparsamkeit im Haushalt, an seiner innern gerechten Ausgeglichenheit, an seiner Solidität, daran, daß es nicht zu einer Inflation kommtt worüber wir alle einig sind, daß aber auch nicht das Risiko der Deflation droht. Da» sind grundsätzliche Interessen, dann gibt es Interessen, welche unmittelbar mit dem Voranschlag für das Jahr 1938 verknüpft sind. Es handeü sich darum, daß die Konsumenteninteressen sowohl im Bereich der direkten, indirekten und Verbrauchssteuern als auch bei einigen Gütern gewahrt werden, um deren Preis ein Streit war. Wie»schon der Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, beabsichtigt die Regierung die Zucker- und Spiritusindustpie durch neue Steuern zu tteffen. Woran dem arbeitenden Volk in dieser Hinsicht liegt, ist, daß diese Besteuerung die Möglichkeit der Herabsetzung der Preise der Erzeugnisse dieser Industriezweige und ebenso ihre gerechtere neue Organisation nicht vernichtet. Wir haben uns so ost mit der Regelung dir Spiritus- wirtschast befaßt, daß es genügt, wenn wir sagen, durch das Monopol würde der Staat weit mehr gewinnen als durch irgendwelche Behandlungen mit den Spiritusindustriellen. Bei den Verhandlungen mit der Zuckerindustrie ist es notwendig, daß jegliche neue Staatseinnahmen aus der Zuckerindustrie nicht ein Hindern!» dessen werden, daß das Parlament die neue Regelung der Zuckerwirtschast und die Herabsetzung des Zuckerpreises verhandeln könne. Vier Fünftel des Steuerertrages gelangen in die Staatskasse aus indirekten(Verbrauchs») Steuern. Und ein weiterer Teil des Erträgnisses der diretten Steuern kommt gleichfalls aus den Taschen des arbeitenden Volles, denen die Steuern bei der Lohnauszahlung abgezogen werden. Die Verbraucher und arbeitenden Massen haben gelinde gesagt voll ihre Pflicht erfüllt. Sie haben das Recht darauf, volllonuneue^Gerechtigkeit bei der Austeilung der Steuerlafwn zu fordern. Der Präsident der Republik empfing am Dienstag den Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Harold Butler, ferner den Gesandten Dr. V. Posptsil und schließlich den Herausgeber der Zettschrist„The Spectator" H. W. H a r r i s aus London. Der parlamentarische SparauSschuß verhandelte am Dienstag das Budget deS Schulministeriums. Vor Eröfftmng der Verhandlungen erbat sich Minister Dr. Franke das Wort und erstattete aus eigenem Antrieb dem Ausschuß einen eingehenden Bericht betteffend das Vorgehen bei seiner kürzlichen Beförderung zum RegierungSrat. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen. schuldige mich auch noch ein dritte- Mal, wenn Eie es wünschen." Der Raufbold mit dem Gesicht eines wohlgenährten Beichtvaters starrte ihn enttäuscht an. Dann schlug er in Ermangelung körperlicher Aggressionsmöglichkeiten noch zweimal mit der flachen Hand auf den Tisch und lehnte sich schnaufend zurück. „Unerhört", sagte er mit einer letzten Hoffnung,, den Streit neu zu beleben und vielleicht doch noch zur gänzlichen Befriedigung zu gelangen. Er war erschöpft und gierig, wie nach einer sattsfactio praecox. Aber Valerian verweigerte diesem ungesunden Verlangen die Erfillkung. „Nochmal-, entschuldigen Sie, Monsieur," sagte er»„ich war erregt und beunruhigt." „Dazu hatten Sie keinen Grund, Monsieur," grollte jener. „Nein, gar keinen, ich sehe es jetzt ein. Um aber zur Sache zu sprechen: ich bin in der Lage, mich zu legittmieren. Ein Anruf bei BaroN MieS- ling im Grand Hotel wird Ihnen überdies bestätigen, daß alle» in Ordnung geht, daß Sie mir sofort auszahlen können." Der fromme Mann hinter dem Schreibtisch erwiderte auf diesen beflissenen Erguß zunächst nichts. Er ttamte mit noch immer gerötetem Kopf in seinen Papieren. Dann stand er wortlos auf 'und ging mit starken Schritten aus dem Zimmer« Er war überall rund, gepolstert, fest und glatt wie eine Kugel. Nach kaum fünf Minuten bettat er in Gesellschaft eines Herrn mit Jmperatxren- gesicht und Pelzmantel wieder das Bureau. Welcher ist Billon? ftagte sich Valerian und welcher ist Bardel? Der Mann mit dem Pelzmantel und dem Gesicht eines römischen Cäsaren schien aber weder Billon noch Bardet zu sein, sondern ein Deutscher. Er sprach Valerian sogleich in dieser Sprache, und zwar in"einem Tonfall an, der von hem Deutsch, das Micsling, Mysenius und der junge Ulf gesprochen hatten, so verschieden war, wie der Kurfürstendamm von der Wilhelmstraße.^ Nr. 235 Mittwoch, 6. Oktober 1937 Seite 3' SudßUitdtuiscli&i Das Schuldkonto der SdP Kulturverband vor der Entscheidung Rücktritte Im Ausschuß— Abfallbewegung In der Provinz Krise In der Verbandsleitung Gestern wurde bekannt, daß Professor Dr. Justin Greger, der Rektor der Prager deutschen Technik, und Jng. R. Häckel ihre Mandate in der Hauptleitung des Deutschen Kulturverbandes niederlrgten. Damit wird die Krise offenbar, die an dem Verband schon seit langem zehrte. Die Verantwortung, die der Obmann, Prof. Geßneträgt, ist außerordentlich groß; handelt es sich doch um nichts Geringeres als«m die Frage, ob das Schicksal des Verbandes völlig vom Schicksal einer einzigen Partei, nämlich her SdP, abhängig gemacht werden soll. Was es für das sudetendeutsche Schulwesen bedeuten würde, wenn etwa eine schwere Erschütterung der Henlein-Partei dann einmal zwangsläufig auch zur Katastrophe des Deutschen Kulturverbandes werden müßte, braucht kaum näher erörtert zu werden. §>ie Nachricht, daß Prof. Greger aus dem Ausschüsse des Kulturverbandes ausgetreten ist, ist untrüglicher Beweis dafür, daß es im Schvße der Verbandsleitung nicht nur persönliche Auseinandersetzungen gegeben— auch keine Beamtenrevolution— daß es vielmehr grundsätzliche Fragen der Führung des unpolitischen Kulturverbandes sind. Seit Jahr und Tag— die Hauptversammlung in Zuckmantel war der erste sichtbare Beweis— hat die SdP dauernd Versuche unternommen, auch den Kulturverband unter ihre Botmäßigkeit zu bringen und hat damit die Zersetzung, die in ihren eigenen Reihen wütet, auch in den Kulturverband getragen. Das ist die klare Formel, auf die die^gegenwärtigen Verhältnisse im Kulturverband zu bringen sind. Als Exponenten der politisch exponierten Richtung gelten der derzeitige Berbandsobmann Prof. Dr. G e ß n e r und der neu«nannte Sekretär des Verbandes Franz Heger sowie der Kanzleidirektor des Verbandes Franz Oberndorfer, die dem Kameradschaftsbunde nahestehen. Als Exponenten der unpolitischen Richtung, die den Kulturverband in den guten, alten volksverbindenden Traditionen weitergeführt sehen wollten, gelten Rekwr Prof. Greger, Jng. Häckel, Direkwr Schob; zu ihnen zählte auch Sekretär N e r a d, der aber bereits am 1. Oktober den Kulturverband verlassen hat. Die Auseinandersetzungen in der Verbandsleitung haben auf die Provinz übergegriffen. Prof. Geßnor ist nicht mehr Herr seiner Organisation. Der Rücktritt Prof. Gregers tchrd zweifellos den Rücktritt weiterer Per« sönlichkeiten in der Provinz zur Folg« haben. Einzelne Gaue haben bereits Stellung bezogen, durchaus zugunsten der unpolitischen Linie im Verbände, so daß man heute schon von einer schwerenErschütterungder Stellung des Verbandes spricht. Für den 24. Okwber ist eine erweitert? Hauptleitungssitzung einberufen, zu der auch die Obmänner der Gaue zugezogen werden. In dieser Sitzung wird die Entscheidung fallen, der Kulturverband unter der derzeitigen Führung ein Anhängsel der SdP werden wird oder jener Kulturverband bleibt, dem die Bevölkerung durch fast 20 Jahre restloses Vertrauen entgegenbrachte. Wir erfahren weiters daß die seinerzeitige Disziplinarkom Mission im Falle Heger beschlossen hat, Heger einen Verweis zu erteilen und intern festlegte, daß Sekretär Heger aus Prag zu versetzen sei. Gegen diesen Beschluß des Disziplinarausschusses nahm der Berbandsobmann Stellung und weigerte sich, Heger in die Provinz zu versetzen. Diese Weigerung hat nun zum offenen B r u ch in der Verbandsleitung geführt. Die Sudetendeutschen haben neuerlich Anlaß, die einigende Kraft der SdP zst bestaunen. lich nur sehr wenige glaiöben. Daß eS aber in diesem Lager christliche Demokraten geben sollte, die das von„Fz." entworfen« Bild des Dritten Reiches annehmbar finden, halten wir für ausgeschlossen. Me„Deutsche Presse" wäre unseres Erachtens verhalten, Auskunft darüber zu geben, in welchen Belangen die deutschen Katholiken hierzulande sich etwa„eingeengt" und„vom Widerstreit politischer Kleinlichkeiten gehemmt" fühlen. Sehnen sie sich von dieser Enge weg zur Weite der Konzentrationslager, in denen auch Hunderte und Aberhunderte Katholiken schmachteten und noch schmachten? Möchten sie den„Kleinlichkeiten" bei uns entfliehen, um in Deutschland ihr Bekenntnis bedroht, mißhandelt, auf den Index gesetzt zu sehen? Wir wollen hoffen, daß das katholische Blatt die Aufnahme dieses Fz.-Artikels selber wenig-, stens nachträglich als Entgleisung empfindet. Und um der Klarheit willen wäre es sehr wünschenswert, daß die Redaktion dann dieser Einsicht auch unmißverständlichen offenen Ausdruck gäbe! Betriebsausschußwahlen bei der Firma Böhm In Neu-Tltschein Am 1. Oktober fanden in der Hutfabrik Brüder Böhm die Betriebsausschußwahlen statt. Sie hatten folgendes Ergebnis(in der Klammer das Ergebnis der letzten Wahlen vom Jahre 1938): Abgegebene gültige Stimmen 1305 (1140). Wahlzahl 109(96). Es erhielten Stimmen und Mandate: Bekleidungsarbeiterberband in der Tschechoslowakei, mei- chenberg, 275— 2 Mandate(229—2), Tschechoslowakischer Hutarbeiterverband, Prag 336— 3 Mandate(371—4), Deutsch-christliche Gewerkschaft 801— 3(228--2), Tschechisch-Christliche (Sramek) 139— 1(134—2), während Ne Cukik-Gruppe heuer nicht kandidierte und bei den letzten Wahlen 29 Stimmen und kein Mandat hatte; TAG Gablonz(Henleinlist«) 123— 1 (87—1), Tschechische Nationalsozialisten 131— 1(62—0),.« Der deutsche freigewerkschaftliche Verband hat also einen erheblichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen und besitzt insgesamt vierzig Prozent aller abgegebenen Stimmen. Interessante Ergebnisse einer SdP-Werbeaktion In einem am 23. September 1937 von der Bezirksgeschäftsstelle der SdP in Ä s ch an ihre Ortsgruppen am Ende einer Werbeaktion herausgegebenen Rundschreiben, wird darüber Klage geführt, daß die Ortsgruppen Friedersreuth, Gottmannsgrün, Hirschfeld, Mähring, Neuenbrand, Steingrün, Steinpöhl, Schildern und Thonbrunn Lberhauptnoch keinneues Mitglied brachten.. Wie es in den übrigen Orten des Bezirkes aussieht, kann an Hand folgender Aufstellung ersehen werden: 2735 358 Ortsgruppe Werbeziel Geworben Asch... M M 1600 130 Grün... M 50 51 Haslau.. 50. 43 Himmelreich. 5 2 KrugSreuth. N 45 20 Lindau.. V 10 3 Nassengrub. 60 11 Neuberg*.. 60 41 Niederreuth. 70 18 Oberreuth 15 5 Ronunersreuth 10 5 Roßbach.. 450' 20 Schönbach 130 7 Wernersreuth 180 2 Nur in den Orten Grün, Haslau und Neuberg hat die Werbeaktion der SdP«inen gewissen Erfolg gebracht. Total versagt hat aber die Stadt des„Führer-". Ein Werber klagte in einer Familie auch sein Leid:„Ueberall, wo man hinkommt"— sagte er —„hat man eine andere Ausrede". Es zeigen sich bereits sichtbare Zeichen eines Stillstand«-, wenn nicht Rückganges der SdP. Das Werbeziel lautete auf 2735 neue Mitglieder, aber bloß 358 konnten geworben werde^, also ganze 13 Prozent des gestellten Zieles. Die Organisationsstrategen haben sich auch da wieder um eine Null verrechnet, wie dies auch bei ihren Kundgebungen und Aufmärschen der Fall ist. finden Sie, daß die.Deutsche Presse* sich richtig verhalt? These Frage, zu beantworten von den Lesern des christlichsozialen Hauptorgans und von der gesamten sudetendeutschen demokratischen Oeffent- lichkeit, fei zunächst der L e i t u n g dieses Blattes dorgelegt, di« des öfteren zumindest nicht zu wissen scheint, was sich in etlichen seiner Spalten abspielt. Dieser Tage brachte eS einen langgestreckten Hymnus auf die„I u n z e B ü h n e", deren SdP-Färbung für keinen Einsichtigen strittig ist. Schon das scheint uns bedenklich, zumal diese Pro- paganda-mit einem wehmütigenHachruf ü h n e" einge leitet war, die die Vorgängerin der„JUstgen Bühne" gewesen ist und von der man sicherlich auch in der „Deutschen Presse" wußte, daß sie der SdP zu „danken" war sind zu Diensten stand. Was soll man aber vollends dazu sagen, daß da? christlichsoziale Matt Herrn Walter Heidrich, dem gescheiterten Führer der verkrachten„Sudetenbühne", folgendes Gedenken nach Deutschland hinüberschickt: „Das Sudetendeutschtum hat den Mann, der das Bild vom sudetendeutschen Volkstheater in sich ttug, wie so manchen anderen unersetzlichen Kulturträger seines Stammes an daS reichere, weniger eingeengte und auch vom Widerstreit polttischer Kleinlichkeiten nicht mehr so gehemmte Dentsche Reich abgeie« müssen." Daß Herr Heidrich ein„unersetzlicher Kulturträger" ist, werden vermutlich dem Fz. in der „Deutschen Presse"— von dem stammt der Arti-* kel— auch im deutschkatholischen Lggec hoffent- Elne Warnung für Pllzesucher Alle Pflzesucher werden in ihrem eigenen Interesse gewantw' sichln di«' Nkhr-chet^Ästichs»- grenze zu begeben. Jeder, der sich in die Nähe der Grenze wagt oder diese gar unbewußt überschreitet, läuft Gefahr, in Haft genommen zu werden und Monate in reichsdeutschen Gefängnissen zu verbringen. Davor schützt ihn nicht einmal die Parteilegitimation der SdP. Zu den beiden Verhaftungen in Herrnskret« schen ist dieser Tage eine neue hinzugekommen. Der in Bodenbach wohnhafte Arbeiter Pfann- schmied war am Samstag in die Waldungen bei Maxdorf Pilze suchen und dabei ein paar Schritte über die Grenze geraten. Er wurde von reichsdeutschen Grenzorganen angehalten und ver^ haftet; feine Angehörigen wissen nicht, wo er sich befindet. Pfannschmied ist Vater von fünf minderjährigen Kindern. Kreiskonferenzen der DSAP. Am 30. und 31. Oktober findet die Kreiskonferenz der DsSAP- Kreisorganisation Aussig- Bodenbach- Warnsdorf in Rumburg statt, das poliRußland gefährdet die Flüchtlingshilfe Heftige Debatte in der 6. Völkerbunds-Kommission Das Nansenwerk für die Flüchtlingshilfe, von dessen Lebensfähigkeit und Tätigkeit heute das Schicksal von hunderttausenden Menschen in fast allen Ländern des Erdballs abhängt, kann nur dadurch existieren, daß der Völlerbund ihm größere Kredite öffnet. Neuerdings nimmt das finanziell schwer erschöpfte Flüchtlingswerk einen Kredit von 104.000 Schw. Franken in Anspruch. Die 6. Kommission des Völkerbundes hatte über die Bewilligung dieses Kredites zu beschließen. Der Vorsitzende Motta(Schweiz) empfahl, die Annahme. Da erklärte plötzlich der Vertreter der Sowjetunion, Herr Stein, daß Rußland seine Zustimmung verweigern müsse, weil es nicht länger die Unterstützung der russischen Emigranten (vor allem in Frankreich und nunmehr auch in China) zulassen könne. Da für den Beschluß Einstimmigkeit nötig ist, appellierten alle Vertreter an den Russen, die SU möge das Flüchtlingswerk nicht gefährden. Der Bertteter Frankreichs, Genosse G r» m- b a ch, stellte fest, eia iddeutsameS Werk deS Völkerbundes fei in Gefahr. ES sei die Pflicht deS Völkerbunde-, stch mit allen Flüchtlingen z« beschäftigen, ohne Unterschied der Raffe»der der Ueberzrugung. „AIS ich Herrn Litwinow in einer prachwollen, hundertprozentig vom Geist deS BölkerbundpakteS durchtränkten Rede der Versammlung habe sagen ! hören, daff der Völkerbund da sei,«m allen Regimes zu erlaube«, in Frieden zu leben, dachte ich: wir«erden nnseren Schutz auf alle Flüchtlinge auS- ! dehnen können. Und nun erklärt ein Staat: ich will | nicht mehr am nehmen, die ehemals meine Staatsangehörigen waren. Das ist ei« Problem, das noch niemals aufgeworfen worden ist. Ma» muß dieser brutalen Situation Rechnung tragen. Für uns wäre eS»«menschlich, die ruffischen Flüchtlinge preiSzngrben. Mei» Land weiß, waS Flüchtlinge find, und allein für die spanischen Flüchtlinge gibt es heute eine Million täglich aus. Mein Land kann nicht sagen: ich werde Unterscheidungen unter den Flüchtlingen machen. Da indeS der Völkerbund die Regel der Einstimmigkeit hat, so wird unser Antrag nicht angenommen werden und infolgedessen wird daS Hilfswerk deS Völkerbundes angetastet. Jeder wird feine Verantwortlichkeit auf fich nehmen müssen. ES handelt fich jetzt nicht darum, die Schuld der einen»der anderen Delegation festzustellen. Ich denke ausschließlich an daS, waS die Flüchtlinge verlieren würden. Deshalb schlage ich vor, damit nicht daS ganze Hilfswerk deS Völkerbundes zerstört werde, daß die Frage noch einmal»um Studium an da» Komitee für die Flüchtling-Hilfe verwiesen wird. So würden wir einige Monate gewinnen." Der russische Vertreter stimmt trotzdem als einziger g e g e n die weitere Unterstützung der politischen Flüchtlinge. Es besteht nunmehr die Gefahr, daß die Sowjetunion auch im Plenum die Vorlage zu Fall bringt und damit viele Tausende antifaschistischer Flüchtlinge dem Hungertode ausliesert, da die privaten Komitees die Last der Unterstützungen nicht mehr i Schutz derjenigen Flüchtlinge teil-| tragen können.*• «Dar Kampf" Sozialislischa Revua Heft 10, Oktober 1937, hat folgenden Inhalt: JosefHofbautr: Thomas Garrigne Masarhk EmilFranzel: Um den sozialistischen Einsatz. E. Funke: Versäumte Gelegenheiten. I. Falkenberg: Der Rohstoffbedarf des Zukunftskrieges. CarlRobert Schwarz: Konjunffurdäm- merung? Und WaS dann?' Bert Lenth: Dreihundert Jahre öffentliches Operntheater. Politische Bemerkungen: AuS de» Schweiz— Das innerpolitische Kräftespiel"in Oesterreich— Zur Schlacht von Brnnete. AuS dem geistigen Leben: Diktatur und Gewissen— Verwirklichte Ideale?— Eino deutsche Ausgabe der Werke MasarykS— Muk- kermann lobt Stalin— Maurice Maeterlinck als Dichter der Fra». Bücherschau. Preis deS Heftes 5 Kd, Jahrcsbczugsprcis 50 K2 Redaktion und Verwaltung: Prag II., Lützowova 37 tische Referat wird Vizepräsident Taub erstatten. An denselben Tagen tagt die Kreiskonferenz Pilsen-Bud weis in Kosolup; dort wird Abg. I a k s ch über die politische Lage, Ernst Paul über die RW und Senator Heinrich Müller über AtuS und vormilitärische Erziehung sprechen. Wieder ein„Loyaler". Bor kurzem wurde in Herrnskretschen der bekannte SdP-„Ordner" Josef Haßler aus Leitmeritz von der Gendarmerie verhaftet und dem-Kreisgerichte in Leitmeritz eingeliefert. Haßler war per Rad aus Deutschland gekommen und bei der Grenzkontrolle tvurden bei ihm in den Rohren des Rades, in den Stiefeln und anderswo versteckt hier verbotene Zeitungen, u. a. auch der pornographische„Stürmer", und anderes belastendes Material, natürlich auch die SdP-Legitimation, die ja für Reisen nach Nazideutschland unerläßlich ist, gefunden. Die Deuffche Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit hält am 14. Oktober im„Deutschen Haus" in Prag ihre Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen folgende Berichte: JUDr. Jng. A. Riedel: Hygienischer Bildungsdienst, Univ.-Prof. Dr. E. Singer: Schulzahnpflege, Univ.-Prof. Dr. K. Häupl: Beratungsstellen für Herzkranke, Ministerial» .rat Doz. MUDr. Tb. Gruschka: Zeitschrift„Ge- 'sundheit", MUDr. A. Gartermann: Tätigkeitsbericht der Landesstelle Mähren-Schlesien, Prim. Doktor Engelmann, OGR. Schuster: Die Tätigkeit der volksgesundheitsfördernden Organisationen, Neuorganisation der Deutschen Tuberkulosefürsorge, MUDr. A. Gattermann: Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Krebses, JUDr. Jng. A. Riedel: Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Dr.L. Dub: Zenttalstelle der Deutschen Enthaltsamkeitsbereinigung, Sekt.-Rat Dr. L. Kras- ney: Das Verhältnis zu den übrigen großen Organisationen, JUDr. Jng. A. Riedel: Rechnungsabschluß 1937, Jahresbeitrag für das Jahr 1987, Haushaltsplan für daS Jähr 1937, Arbeitsplan für das Jahr 1937; Wahlen, Freie Anträge. Korridor-Transit bereinigt Warschau. Wie die Polnische Telegraphen« Agentur meldet, wurden die im September in Warschau aufgenommenen polnisch-deutschen Verhandlungen über die Regelung des Eisenbahntransites mit Ostpreußen und den übrigen Gebieten Deutschlands erfolgreich beendet. Es kam zu dem Abschluß eines Abkommens, in welchem der unbeschränkte Transitverkehr auf den bisherigen Transitlinien zwischen Ostpreußen und Deutschland sichergestellt wird. Ghetto im Hörsaal London.(Eigenbericht.) An der Universität Warschau sollten Dienstag die jüdischen Studenten zum erstenmal in den Ghetto-Bänken Platz nehmen, die angeblich zu ihrem„Schutz" gegen politische Schlägereien aufgestellt worden sind. Die jüdsch.n Studenten lehnte.: es. b di.,en Bänken Platz zu nehmen. (Anderen Meldungen zufolge handelt es sich um gesonderte Bänke für die Angehörigen sämtlicher Minderheits- und Oppositionsgruppcn, z. B. auch der katholischen Studenten, die auf Betreiben der polnischen Nationaldemokraten aufgestellt wurden.) Die jüdischen Hochschüler hielten Versammlungen ab, in welchen sie Protest gegen die Anordnung ergäben, daß sie in besonderen Bänken zu sitzen haben, erhoben. Die jüdische Presse sieht in dieser Anordnung eine Verletzung der Verfassung. Der jüdische Parlamentarier-Klub hat beschlossen, bei der Regierung gegen diese Verfügung der Hochschulrektoren Protest zu erheben. Milch bei Pierre Cot Paris.(Havas.) Der deutsche Fliegergeneral Milch besuchte Montag vormittags den französischen Minister für Militärflugwesen, Pierre Cot, mit dem er eine lange Unterredung hatte. Mittags war General Milch zum Dejeuner Gast des Ministers in einem Restaurant im Zentrum von ParjK. Seite 4 Mittwoch, 6. Oktober 1937 Nr. 23S vor dem zweiten Prozeß gegen Marie Velgo (—rb—) Am 12. Feber d. I. begann Vor dem Brünner Schwurgericht der Prozeß gegen Marie Bclgo und Wenzel Eernh ivegen der Ermordung des Obergerichtsrates Jöhann Velgo. Der Verlauf dieses Prozesses, der nach viertägiger Verhandlung mit der Verurteilung des unmittelbaren Mörders Eernh zu dreißig Jahren schweren Kerkers endete, während Marie Velgo, die Eernh zu dem Mord gedungen hat, freigesprochen wurde, Ist noch in Erinnerung. Der Freispruch der Marie Velgo, gegen welche die Anklage schwerste Bekvstungsgründe ins Treffen geführt hatte, erregte damals größtes Aufsehen, und führte zu allerlei Betrachtungen und Polemiken über die Institution der Geschworenengericht« überhaupt. Nun war allerdings ein großer Teil d« Verhandlung und zwar gerade jener, der sich mit den Motiven der Diarie Velgo beschäftigte, geheim und also der Berichterstattung entzogen. Daß diese Motive in dem Familienleben und den ehelichen Beziehungen der Gatten zu suchen sind, war pon Anfang des Prozesses klar. Es fehlt nicht an Meinungen, die dahin gehen, daß das Material, das in diesem Punkte vorlag und das die Angeklagte zu entlasten geeignet gewesen sei, im Zuge des Beweisverfahrens nicht hinreichend zugelaffen wurde und manche Dinge in Dunkel gehüllt blieben, birf* zur Beurteilung der Situation der Marie Velgo sehr wesentlich waren. Es ist daran zu erinnern, daß.bei öffentlicher Verhandlung der Staatsanwalt der Verteidigung zurief, er werde jeden verfolgen, der dem guten Ruf des Toten nahetrete. Diese besondere Pietät gegen einen ehemaligen Berufskollegen wurde damals allgemein bemerkt, um so mehr, als die Prozeßleitung einer solchen Auffassung entgegenzukommen schien. Jedenfalls hat das,Oberste Gericht das freisprechende Urteil aufgehoben und ordnete neuerliche Verhandlung an, wozu daS Schwurgericht Neu-Titschein delegiert wurde. Auf die nähere Begründung der Aufhebung dieses Freispruches werden wir im Prozeßbericht zurückkommen. Was den Mitangeklagten und zu dreißig Jahren verurteilten Wenzel Eernh betrifft, so ist deffen Sache endgültig erledigt, da seine Nichtigkeitsbeschwerde verworfen wurde und das Urteil somit rechtskräftig geworden ist. Eernh' wird in diesem Prozeß nicht mehr als Angeklagter, sondern als Hauptzeuge auftreten. Obwohl die Anklageschrift im allgemeinen die gleiche sein wird, wie die, welche den ersten Prozeß in Bewegung setzte und bloß di« gegen Eernh gerichteten Ausführungen Weggelaffen sind, wird doch die neuerliche Verhandlung dadurch, daß Eernh als Zeuge auftreten und vermutlich auch neues wichtiger Material herbeigxzogen werden wird, ein ganz anderes Aussehen haben, als der. Brünn• Prozeß. Im übrigen ist das Interesse für die Mittwoch beginnende Verhandlung womöglich noch größer als für jene im Feber. Der Prozeß ist auf vier Lage berechnet,.so daß das Urteil am Samstag erfolgen würde. Der kleine Schwurgekichtssaal wird fast zur Hälfte von Presseberichterstattern besetzt sein, so daß nur verhältnismäßig wenig Eintrittskarten für Pas Publikum zur Ausgabe gelangen konnten, llebrigens wurde das Kreisgerichtspräsidium schon im August, als die Delegierung nach Reu-Titschein bekannt geworden war, von allen Seiten mit Ansuchen um Zuteilung von Karten bestürmt— oft von sehr weit her. Aus dem Schatzkästlein der Kommunisten „Masaryk, der so erfolgreichbe- trogen hatte...“ „Es ist verständlich, warum Masaryk, der die Arbeiterklasse mit demokratischen Illusionen so erfolgreich betrogen hatte, auch heute noch eine führende Rolle in der Politik der tschechischen Bourgeoisie spielen kann.. Die damalige opportunistische Leitung der KPTsch. unter der Führung von Jilek hielt es> für möglich, Mas&ryk zu unterstützen. Diese Taktik wurde damals(1927!) im Zern- tralorgan der Partei„Rude Pravo“ damit begründet, daß bei der Auswahl zwischen zwei möglichen„Formen der bürgerlichen Klassün- diktatur“ die Herrschaft Masaryks die günstigere Möglichkeit sei... Die kommunistischen Abgeordneten begründeten ihre Kandidatur(Gottwalds) in einer prinzipiellen Deklaration:„Nicht Masaryk, sondern Lenin“.. Leider müssen wir jedoch feststellen, daß die Haltung eines Teiles der kommunistischen Parteipresse im Zusammenhang mit dem 85. Geburtstag Masaryks diesen Kampfgeist vermissen ließ. Ja, noch mehr: das Zentralorgan der Partei„Rudi'Prävo‘‘ sank zu einem solchen Opportunismus herab, daß es Masaryk zu seinem 85. Geburtstage als einen großen Politiker feierte... Die gegenwärtige Lage des Klassenkampfes liefert genügend Material, um die Legende über den„Sieger“ Masaryk wie eine Seifenblase platzen zu lassen.“ Paul Reimann' in der„Kommunisti- stisehen Internationale'*, Heft 9, Seite 719 bis 723, Jahrgang 1936) ...zwei Jahre später gewürdigt „Im Geiste dieses Kampfes würdigt die Arbeiterklasse der Tschechoslowakei das Vermächtnis Masaryks, getragen von dem Willen, sich alles das, was in den Traditionen Masaryks von dauernder geschichtlicher Bedeutung ist, zu eigen zu machen.'4 (Paul Reimann in der Basler„Rundschau". Nr. 40, Seite 1432, Jahrgang 1937) Die Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes aus Genf in Läny. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Harold Butler und die stellvertretenden Vorsitzenden Mertens und O e st e d besuchten am Montag das Gratb des Befreier-Präsidenten in Läny. Briefmarken zur Prager Tagung deS Internationale» Arbeitsamtes werden vom 6. bis 9. Oktober für die breite Oeffentlichkeit ausschließlich beim Schalter in der Halle des Postamtes in Prag II., Jndiisskä 14, ausgegeben. Die Marken haben im Lokal- und internationalen Verkehr bis 31. Oktober 1937 Gültigkeit. Auto rast durch die Bahnschranken— ein Toter. Am 4. Oktober um 19.09chUhr durchbrach das Lastauto 37.065 die Schranken bei der Eiscnbahnüberfahrt zwischen Jungbunzlau und Dobrovice, blieb auf der lleberfahrt stehen und wurde vom Personenzug Nr. 308 erfaßt. Das Automobil wurde stark beschädigt, der Mitfahrer Bohumil Bacilek wurde auf der Stelle getötet und der Chauffeur Väclav Bysohlid schwer verletzt. Aus dem zweiten Stock auf die Straße gestürzt. Dienstag abends um halb 7 Uhr stürzte die vierundzwanzigjährige Kellnerin Anna Wolf auK Komotau, die zuletzt in Görkau beschäftigt w. r, aus einem Fenster des zweiten Stockwerkes im Gebäude der Komotauer Anglo- Bank auf die Bahnhofstraße. Das Mädchen blieb' mit schweren Beinbrüchen und Kopfverletzungen liegen und wurde sofort ins Krankenhaus ge-' bracht. Es dürfte ein Selbstmordversuch vorliegen. An dem Aufkommen des Mädchens wird gezweifelt. Den Reffen erschossen. Montag ereignete sich in A u s ch i n e, Bezirk Aussig, ein Unglück, das ein Menschenleben zum Opfer forderte. Leo V a- l e n t a, der kürzlich vom aktiven Militärdienst zurückgekehrt war» erhielt als Geschenk einen Revolver, den er in der Wohnung seines Vaters Josef Valenta, eines Försters i. R., in Anwesenheit des zehnjährigen Sohnes seines Bruders putzte. Plötzlich ging ein Schuß los, der den Schüler in den Rücken traf, wobei das Geschoß die linke Brustseite durchbohrte. Der aus Karbitz herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod des Knaben feststellen. Nene Pläne Piccards. Die Pariser Abend- blätter berichteten, daß der bekannte belgische Professor P i c c a r d mit Plänen für einen neuen Ballon beschäftigt ist, mit welchem er einen Aufstieg in die Stratosphäre bis zu einer Höhe von 30.000 Meter unternehmen würde. In dieser Höhe beträgt die Temperatur 55 Grad unter Null, der Himmel ist dunkel und die Sonne hat eine stahlblaue Farbe. Der Bau des geplanten Ballons würde sich auf etwa drei Millionen Francs stellen.» Vergebliche Schwarzfahrt.„Paris Midi" meldet aus Grenoble: Am 28. September verbargen sich drei Italiener, die von Acireale nach Frankreich gelangen chollten, in einem nach Medan! bestimmten Waggon, in welchem sich Kisten nut Zitronen befanden. Ter Waggon war jedoch plombiert und wurde gestern abends nach langer Var Raubmord bei Reizenhain Freispruch der Angeklagten Brüx.(Eigenbericht.) In dem sieben Tage 1 dauernden Schwurgerichtsprozeß wegen des Raub- I mordes, der am 20. Juni 1936 an dem Händler | Jos. B a r t h in Reizenhain verübt wurde, wurde j Dienstag nachts um 11 Uhr das Urteil ge- > sprachen. Die Verteidigung der Angeklagten, des Chauffeurs Ernst F ö d i s ch und des Kaufmanns Otto Garth, beide aus Krim«, hatte Dr. Koh- uer inne. Den Geschworenen wurden vier Hauptfragen viwgklegt. Die beiden ersten Fragen, ob Ernst l Fooisch^den Ranbüberfall auf Josef Barth ver übt hat, bzw. ob Otto Garth bei diesem Raubmord behilflich war, wurden von den Geschworen» einstimmig verneint. Die dritte und vierte Frage, ob Ernst Födisch den Ermordeten ernstlich bedroht hat und ob ihm dabei Otto Garth behilflich war, wurde mit acht Rein und vier Ja beantwortet. Das Schwurgericht sprach daraufhin beide Angeklagte fvei. Trotz dem Einspruch des Staats- ancklaltes wurden dir Angeklagten sofort auf freien Fuß gesetzt. Fahrt auf Len, Bahnhof von Modane geschafft. Die Italiener wurden von den französischen Zollbeamten nach den sechstägigen Entbehrungen in dem' verschlossenen Waggon stark erschöpft, sowie hungrig und durstig aufgefunden. Es wurden ihnei^Erfrischungen gereicht und als sie sich soweit erhdlt hatten, daß sie transportfähig waren, wurden sietzän die italienische Grenze geschafft und den italienischen Behörden übergeben. Mord an der*Geliebten. In der Gemeinde Lassiugdorf. bei St. Lorenzen-(Steiermark) fand man Dienstag morgens die 34 Jähre alte Tochter des dortigen Gastwirtes G r a tz e r, Maria, in ihrem Schlafgemach mit zertrümmertes Schädeldecke tot auf. Die Gendarmen konnten noch am Morgen feststellen, daß die furchhpare Bluttat, welche mit ein^r Hacke begangen worden war, der Geliebte der Gratzer, der 22jährige Adolf Brauner verübt hatte. Das Motiv zur Tat ist bisher nicht bekannt. Das schnellste Motorschiff der Welt. Das neue belgische Mötorschiff„Prinz Albert", welches den Dienst zwischen Ostende und Douvres versehen wird, ist vollständig belgischer KoMruk- tion. Das Schiff erreichte bei Probefahrten eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 25% Knoten in der Stunde und gilt deshalb als das schnellste Motorschiff der Welt. Die Stärke des Golfstromes. Der Vorstand des staatlichen meteorologisch-hydrologischen Instituts in Schweden hat während sei»er wissenschaftlichen Sommerreise durch Messungen festgestellt, daß der Golfstrom pro Sekunde 25 Millionen Kubikmeter Wasser führt. Amerikaner dqcht in Spanien Todesstrafe. Der amerikanische, Flieger Dahl, der auf feiten der RegierungStrüppen kämpfte, wurde von Soldaten General Francos gefangen genommen. Er wird Dienstag früh vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Der Prozeß erlveckt ganz besonderes Interesse, weil dem Flieger die Todesstrafe droht. Pulverladung explodiert. An Bord des griechischen Zerstörers„Jerax" explodierte am Dienstag eine Pulverladung. Die Explosion forderte drei Todesopfer und fünf Schwerverletzte Steinfiguren, die die vier Elemente darstellen und trüber einmal, auf Pfeilern ruhend, in der Höhe deS ersten Stockwerkes stehend, Vie Fassade des alten Rathauses bis.zu deffen 1881 erfolgten Demolierung schmückten. Als der Glockenturm im Jahre 1887 aufgestockt wurde, wurden die vier Figuren oben an seinen vier Ecken aufgestellt. Bei den derzeitigen Rr- staurierungsgrbeitcn stellte es sich nun heraus, daß es sich bei den vier Figuren, die so lange ein un- beächtetcs Dasein gcfj'ihrt hatten, um Werke des Bildhauers Johckkmes B r o ck o f f 1652 1731) handelt, einer der stärksten bildnerischen Krittle im böhmischen Barock, der mit seinem Sohnq Ferdinand Maximilian neben dem Tiroler Mathias Braun zp den tragenden Persönlichkeiten der Prager BildungS- schule gehörte. Es wurden Maßnahmen getroffen, daß die vier wertvollen Barockstatuen an einem ihrer künstlerischen Bedeutung entsprechenden Orte Aufstellung finden. Pilzvergiftung. In dem bei Rom gelegenen Städtchen Moniecomvantri sind in den letzten 48 Stunden acht Personen an Pilzvergiftung gestorben. Radfahrer zu Tode gefahren..DiciMag nachmittags fuhr der Handelsreisende Jakob Eisen m>S Prag-Prsovice mit einem Personenauto durch Schlesisch-OfHau. Bei einer Arbeiterkolonie fuhr ihm auf einer Seitenstraße ein unbekannter Radfahrer angeblich direkt unter den Wagen. Der Radfahrer ßität des Getöteten wird gefahndet. Eisen, der den Wagen selbst lenkte, wurde durch Splitter des zerbrochenen Fensters leicht verletzt. Blutrache mitten in New Aork. Auf dem Boulevard Springfield in Long Island, einer der verkehrsreichsten Straßen New Darks, wurde am Sonntag während der Mittagsstunde ein furchtbarer Mppelmord verübt. In einem am Gehsteig parkenden Privatkraftwagen fand may die Leichen eines jungen Mannes und eines Mädchens, deren Köpfe von Kugeln durchbohrt warxn. Der Mörder hinterließ an beiden Leichen ein besonderes Zeichen, und zwar weisen die beiden Ermordeten an der Stirne und an den Schläfen je einen kleinen roten Kreis auf. Die den Mord untersuchenden Behörden hegen den Verdacht, daß es sich um B l u t r a ch e handelt. Bei den Ermordeten handelt es sich, wie später ermittelt wurde, um den 19jährigen Studenten Louis Weiß und seine 18jährige Verlobte, die Studentin Francoise Hajek. Wertvoller Fund. Bei den Restaurierungsarbeiten, die gegenwärtig an der alten Stadtkirche uns dem frei neben ihr stehenden Glockenturm in Brüx vorgenommen werden, ergab sich eine kunstgeschichtlich wertvolle Entdeckung. Hoch oben an den vier Ecken des 1768 erbauten Glockeiuurmes stehen vier Flugzeugabsturz in Oesterreich Wien. Unweit des Flugfeldes Aspern stürzte am Dienstag in den Vormittagsstunden ein österreichisches Militärflugzeug, das kurz vorher in Aspern aufgestiegen war, ab. Pilotzugsführer G r i I o m der die Maschine steuerte, sowie drei Soldaten der österreichischen Luftwaffe fanden in den Trümmern der Maschine den Tod.— Die Amtliche Nachrichtenstelle gibt zu dem Flugzeugunglück bei Aspern bekannt, daß es sich hiebei um eine Maschine des österreichischen Flieger-Regimentes Nr. 1, handelt. Der Absturz erfolgte im Raume zwischen den Gemeinden Süßenbrunn und Kagran. Das abgestürzte Flugzeug„O Etka" war ein Bombenflugzeug deutscher Konstruktion Typ Mefserschmidt-Tai- fun, das die österreichische Militärverwaltung zu Uebungszwecken verwendete. Von den vier Personen, die bei dem Unglück den Tod fanden, waren zwei Offiziere und zwei Soldaten. e Zwei Flugzeuge bei KÖnlggrätz abgestürzt Prag. Dienstag morgens übten zwei Rili- tärflugschüler, der Soldat Jos. B l a b o l i l und der Soldat Jaroslav M a r h o l t, auf Jagdflugzeugen in Königgrätz das Schießen auf ein Luftziel. Beim Wechsel der Angreifer kam es zi^stinem Zusammeniwß, der den Sturz der beiden Flugzeuge zur Folge hatte. Die» Piloten benützten die Fallschirme nicht und kamen in den Trümmern der Flugzeuge ums Leben. Der Soldat Blabolil war 21 Jahre alt und stammte aus Prag, der Soldat Marholt war 19 Jahre alt und war nach Sruby, Bezirk Hohenmauth, zuständig. »schafft, wo sie seziert werden wird. Nach der Identität wird gefahndet. Eisen, der Wagen selbst lenkte, wurde durch Splitter des zerbrochenen Fensters leicht verletzt. ES wird kühler. AuS einem mächtigen Druckhoch über Skandinavien dringt nunmehr in einem zusammenhängenden Sttom kühlere Luft gegen unsere Gebiete vor und die Bewölkung nimmt, wieder teilweise ab. Die Regenzone, welche Montag Böhmen und die Donauniederung ersaßt-hatte, zieht sich wieder- gegen die Alpenländer zurück. Hohe Temperaturen— 20 bis 25 Grad C.— werden Dienstag nurmehr aus Süditalien und von der Bal« kanhalbinsel gemeldet.— Wahrscheinliches Wetter Mittw o.ch: Wechselnd bewölkt, vorwiegend, trocken, nachts kühl, tagsüber mäßig warm» Nordostwind.-»-Wetteraussichten für Donnerstag: Bei nordöstlichem bis östlichem Wind kühl. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den. Programmen! Donnerstag Prag, Sender Ir 10.05: Deutsche Presse. 14,00: Deutsche Sendung: Rolf Wanka gibt Erich Juhn ein Interview. 14.15: Dreyhausen liest eigene Gedichte. 15.30: Orchesterkonzett FOK: Smetana. Fibich etc. 17.50: Deutsche Sendung: Jugendstunden.^Labv» rinrh der Welt", Hörfolge.. 18.10: Landwirtschaft. 18.45: Deutsche»Presse. 18.55: Aus dem deutschen Kulturleben.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Kleines Solistenkonzert. 14.55: Deutschs Preffe. 18.00: Französische Musik.— Brünn: 11.05: Salonorchester. 13.30:. Deutscher Arbeitsmarkt. 17.10: Musik für Kinder. 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Stornier: Was ist der Völkerbund? Zdob« nihky: Beobachtungen in- der Natur im Oktober. 22.35: Uebertragung aus Lyon- Der Kuß, Over von Smetana.— Preßbnrg: 22.30.: Geigenkonzert.— Kascha»: 19.15: Rundfunkorchesterkonzert: Mozart. Tschaikowski etc.— Mähr.-Ostrau: 20.50: Rundfunkorchesterkonzert.« ftr. 235 Mittwoch, 6. Oktober 1937 Selle 5 und TosLalpMiL —■tu»^aAI.U".T" 1 ,J'-gj.■WMI1MJ Neue handelspolitische Verhandlungen mit Frankreich Noch im Laufe dieses. Monates, spätestens jedoch Anfang November werden die handelspolitischen Verhandlungen mit Frankreich beginnen. Bon tschechoslowakischer Seite werden diesmal entscheidende Forderungen wegen Aufhebung der diversen Schwierigkeiten gestellt werden, die sich der Einfuhr verschiedener tschechoslowakischer Erzeugnisse in Frankreich in den Weg stellen(Konfektion, Seiden- und Kunstseidenwaren, Jute- erzeugniffe usw.). Während Deutschland, Oesterreich und selbst Ungarn ein Aktivum im Außenhandelsverkehr mit Frankreich ausweisen, erreichte das Passivum der Tschechoslowakei in den ersten sieben Monaten dieses Jahres nach der französischen Statistik 31 Millionen, nach unserer Statistik jedoch ein Passivum von 75 Millionen Francs. (DND). Schwarda-Betrleb versteigert Am Montag, den 4. Oktober, kamen die Objekte der Schwarda-Textilfabrik in Rosental zur Versteigerung. Der Betrieb mit allen maschinellen Einrichtungen wurde von einer Prager Tex- ttlhandelsgesellschaft für den Betrag von XL 2,550.000.— erworben. Gegenwärtig sind dort etwa 160 Arbeiter beschäftigt, die in d«i Schichten arbeiten. Es ist nach den Mitteilungen Eingeweihter ohne weiereS möglich, die Belegschaft um 50 Prozent zu erhöhen, ja' man könnte bei Durchführung entsprechender' Ergänzungsarbeiten und Vornahme von Investitionen den Stand der Arbeiter und Arbeiterinnen bis auf 600 bis 700 erhöhen. Ob sich die Uebernahme des Betriebes durch die Prager Gesellschaft in diesem Sinne auswirken wird, kann allerdings noch nicht festgestellt werden. Tatsache ist, daß der gegenwärtige Pächter Pesl Wohl erst mit Beginn des neuen Kalenderjahres gekündigt werden dürfte und eine Reorganisation, falls dieselbe beabsichtigt ist, dann im Jahre 1938 ihre Auswirkungen zeitigen würde. Vom Standpunkt der Wirtschaft des Teplitzer Bezirkes und im Hinblick auf den Stand der Arbeitslosen dort wäre es nur zu begrüßen, wenn diese Besitzveränderung auch eine Steigerung der Belegschaft und damit eine Belebung der Wirtschaft im Gebiete von Graupen, Rosental und Mariaschein mit sich brächte. Genossenschaftsorganisation für gewerblichen Export Die Zentralverbärfde gewerblicher Erwerbsund Wirtschaftsgenossenschasten verhandeln mit den Gewerbeförderungsinstituten über die Errichtung einer Exportorganisation auf genossenschaftlicher Grundlage, die der Hebung des Absatzes von Erzeügnisien tschechoslowakischer Gewerbetreibender, mittlerer Industrieller und der Heimindustrie dienen soll. Zu diesem Behlrfe soll «ine Genossenschaft für gewerblichen Export m. b. H. mit Genossenschaftsanteilen von mindestens 500 XL sowie einem zu bestimmenden Eintrittsgeld errichtet werden. Die Tätigkeit der Exportorganssation würde zunächst in der kollektiven Beschickung in- und ausländischer Mustermessen bestehen und später in der Errichtung permanenter Musterlager für gewerblichen Export. Vorderhand haben sich gegen das ganze Projekt die Handels- und Gewerbekammern ausgesprochen, indem sie darauf Hinweisen, daß die Aufgaben der geplanten Exportgenossenschaft ausschließlich in den Bereich der Handelskammern fallen. Ole Sitzung des Verwaltungsrates des IAA Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes, der in den lammenden Tagen seine Sitzung in Prag abhält, besteht aus 82 Mitgliedern,. von welchen 16 auf die Vertreter der Regierungen und je acht auf die Arbeitnehmer- und die Arbeitgebervertreter entfallen. Von den 16 Sitzen der Regierungen find acht ständige (England, Frankreich, Italien, Vereinigte Staaten von Nordamerika, Kanada, Sowjetrußland, Indien und Japan). Die andern acht werden all« drei Jahre neu besetzt und werden im jetzigen Zeitraum 1937 bis 1940 von Jugoslawien(als Vertreter der Kleinen Entente), Polen, Norwegen, Mexiko, Chile, Brasilien, Spanien und China gestellt. An der Dräger Sitzung nehmen u.. a. teil folgende Arbettervertreter: Johaux (Frankreich).Mertens(Belgien).Hallswort(Großbritannien) und Zulawski (Polen). Man erhält für XL 100 Reichsmark . 648.— Markmünzen.... . 710.— 100 österreichische Schilling. . 526.50 100 rumänische Lei... . 16.60 100 polnische Zloty.... . 517.50 100 ungarische Pengö... . 548.50 100 Schweizer Franken.. 654.50 100 französische Francs.. 93.45 1 englisches Pfund... . 140.25 1 amerikanischer Dollar.. 28.40 100 italienische Lire... . 124.40 100 holländische Gulden.. . 1574.— 100 jngoflawische Dinare.. . 60.80 Die Mehrzahl der Mitglieder des Verwal- tiMsrates ist bereits in Prag eingetroffen. Diejenigen, die Mitglieder der technischen und Verwaltungskommissionen sind, haben am Dienstag an deren Verhandlungen teilgenommen. Am Mittwoch vormittags tagen die einzelnen Gruppen der Regierüngs-, der Arbeitnehmer- und der Arbeitgebervertreter; die Plenartagung des Verwaltungsrates wird am Mittwoch nachmittags um 15 slhr mit einer Kundgebung des bisherigen Vorsitzenden, des Ministers für soziale Fürsorge Ingenieur Jaromir N e ö a s, eröffnet werden. Die Plenarversammlung wird aus der Gruppe der Regierungsvertreter den Vorsitzenden für die kommende Periode 1937/33 und aus der Gruppe der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber die Borsitzendenstellvertreter wählen. Internationale Zentralstelle der Sozialversicherungsträger Der Ausschuß dieser Zentralstelle verhandelte in den letzten Tagen in Paris in einer stark besuchten Vollsitzung mehrere Fragen der Sozialversicherung. Die Eröffnungssitzung tagte am Freitag, den 1. Oktober. Zu dieser Sitzung hatte die französische Regierung den Arbeitsminister delegiert, der in seiner Ansprache und Begrüßung auf die Fortschritte der sozialpolittschen Gesetzgebung in Frankreich unter dem Regime der Demokratie und der politischen Freiheit verwies und den Ausschuß der Sozialversicherungsträger zu seiner Arbeit beglückwünschte. Berichte lagen vor über den Stand der Sozialversicherung in den angeschloffenen Ländern, über die Familienversicherung in Frankreich, über die Anlage des Vermögens der Sozialversicherungsträger, über den Bevölkerungsaufbau, und die Sozialversicherung, über obligatorische Sozialversicherung der landwirtschaftlichen Arbeiter und über Krankheitsstatistik und ihre Bedeutung für die Heiltätigkeit und KrankheitSverhütung. Freitag abends versammelten sicki die Ausschussmitglieder im Pavillon der BersicherungS« und Fürsorgeabteilung der Weltausstellung, die überaus Lehrreiches auf diesem Gebiete aufweist. An die Verhandlungen der Ausschußsitzung schloß sich eine Besichttaung einiger der größten Heilanstalten Frankreichs. Den Vorsitz in den Verhand- tluskcuut Rechtliche Stellung des Arbeiters im 3. Reich In der„Deutschen Metallarbeiter-Zeitung (Jahrg. 85, Nr. 85, S. 860) wird auSgeführt: „Es muß... daS Gefolgschaftsmitglied davor gewarnt werden, seine Lohnrückstände zu hoch anwachsen zu lassen... AeltereLohnrück- stände werden im selben Range und im gleichen Verhältnis(bei der Pleite eines kridatären Unternehmers) befriedigt, wie die Waren« und Dar- lehensgläubiger. Das bedeutet praktisch, daß bei der ü b l i ch e n Dürftigkeit der Konkursmassen auf die älteren Lohnforderungen keine Konkursdividenden verteilt werden, das Gefolg- schastsmitglied also insoweit leer ausgeht (im Original gesperrt)... Immer muß unterschieden werden, ob die Ansprüche(im Original gesperrt) älter als einJahr sind oder nicht. Je nach diesem Alter der Forderung hat das Gefolgschaftsmitglied Anspruch auf bevorrechtigte Befriedigung oder nicht." Wie es das„Gefölgschaftsmitglied" machen soll, bei den herrschenden. Bestimmungen über Streikverbot und Verbot der„Arbeitsverweigerung"(die sogar Verlust der staatlichen Wohlfahrtsunterstützung zur Folge hat), seine L o h n- rückständenichtübereinLahr anwachsen zu lassen, wird nicht näher miSge« führt; dafür heißt es aufschlußreich weiter: „Konkurseröffnung gibt nicht etwa einen Grund zu fristloser Entlassung..- Der Treuhänder kann die Kündigung allerdings auch rückwirkend genehmigen. Dadurch wird der ursprüngliche Lohnanspruch wieder beseitigt." In der Beamtenzeitung der DAF,„Arbeit und Staat", Jahrg. 8, Nr. 34, S. 10, wird folgendes Schicksal eines Maschinenbauers berichtet: „Der Kläger war frist losentlassen worden, weil er bei einem im Betrieb stattgefundenen gemeinschaftlichen Rundfunkempfang es unterlassen hatte, beim Absingen des Deutschland- und Horst-Wcffcl-Liedes den Arm zu erheben... In der Betriebsordnung dieser Firma war vorgesehen, daß einem Gefolgschaftsmitglied, das seine nationale Unzuverlässigkeit durch böswillige Aeußerungen und Handlungen gegen Volk und Staat beweist, fristlos gekündigt werden kann. Der Entlassene... gab vor Gericht an, daß«... den Arm deshalb nicht habe heben können, weil er knrz vorher vom Arzt eine Einspritzung erhalten habe, wodurch der Arm angeschwolleu und entzündet gewesen sei. Diese Behauptung des Klägers' wurde jedoch durch Zeugen als Ausrede hingestellt, weil die Einspritzung ihn nicht daran gehindert habe, mit beiden Armen in der Lust herlungen führte Senator NemeLek(Prag). Vertreten waren aus der Tschechoslowakei elf Verfi- cherungsträger, darunter der„Reichsverband der deutschen Krankenversicherungsanstalten"(Schäfer) und„Üstfedni svaz nemocensk^ch po- jistoven”(Dr. Peskot). Roosevelt urgiert soziale und Agrarvorlagen. Aus St. Paul(Minesota) wird gemeldet, daß dort Präsident Roosevelt nachdrücklich die baldmöglichste Annahme einer neuen Farmvorlage, betreffend die Ernteüberschüsse, die Kontrolle der Farmproduktenvreise und die Stabilisierung des Bodenerhaltungsprogramms durch den Kongreß sowie die baldige Verabschiedung der Gesetzesvorlage über die Arbeitslöhne und Arbeitsstunden befürwortete. Beide Gesetzentwürfe, die bereits dem letzten Kongreß Vorlagen, sollen das landwirtschaftliche Ausgleichsgesetz, sowie das Nhra-Gesetz ersetzen, die Roosevelt als Ecksteine seines New Deal-ProgrammS bezeichnet hat, die aber, wie bekannt,) durch die seinerzeitige Entscheidung des Obersten BundeSgerichteS als verfassungswidrig abgelehnt wurden. Man nimmt allgemein an, daß Roosevelt eine Sonder- fitzung des Kongresses für den 15. November zwecks Verabschiedung der beiden Vorlagen einberufen wird. Die ameristmifchan Eisenbahnen erhöhen Löhne. Die mehrwöchigen Verhandlungen zwischen 86 Eisenbahngesellschastrn und dem Syndikat der Eisenbahner vor dem nationalen Schiedsgericht wurden Sonntag abends durch ein llebereinkym- men abgeschlossen, demzufolge der Durchschnitts- tageslohn um 44 Cent erhöht wird. 150.000 Eisenbahner erlangen hiedurch eine Erhöhung ihres Einkommens. Für die Eisenbahnangestellten bedeutet dies eine Steigerung d« Ausgaben um 85 Millionen Dollar- jährlich. Tschechosiowakei im August zweitgrößter Kunde Jugoflawiens. Die Einfuhr Jugoslawiens erreichte im August 446,8 Mill. Dinar gegen 274.3 Mill, im August 1986. Die Ausfuhr stieg gegen den BorjahrSaugust um fast 63 Prozent auf 606.5 Mill. Dinar. Größt« Kunde und Lieferant Jugoslawiens war wieder Deutschland, auf das etwa ein Drittel des Umsatzes entfiel. An die zweite Stelle unter die Abnehm« jugo- slawischer Waren ist die Tschechoslowakei gerückt, die für 96,7 Millionen Dinar chbnahm gegen nur 26.9 im Juli. Al- Lieferant nahm sie mit 50.4 (im Juli 48.6) Mill, den dritten Platz nach Oesterreich ein, umzufuchteln, als ihn der Betriebsleiter nach dem Gemeinschaftsempfang zur Rede stellte. DaS kann nun freilich derart geschehen sei», daß man ein« Krankheit nicht achtet. Jedenfalls wurde durch„Zeugen" nicht„als Ausrede hingestellt", daß überhaupt'ein in ärztlicher Behandlung befindlicher Dienst machen muß, wenn« nicht wegen„Arbeitsverweigerung" entlassen werden Will. Es heißt dann weiter: i„Da noch hinzukam, daß der betreffende Betrieb als einer der bedeutendsten deutschen Waffenfabriken unbedingte nationale Zuverlässigkeit eines jeden Gefolgschaftsmitgliedes erfordert, so konnte im Interesse des Betriebes und der übrigen Gefolgschaftsmitglieder diesen eine weitere Zusammenarbeit mit dem Kläger nicht zugemutet werden." Hoffentlich wird ihnen nicht noch ganz anderes zugemutet. Kanya fährt nach Berlin Wie die ungarischen Blätter bekanntgeben, wird sich Außenminister Kanya noch im Laufe dieses Monates nach Berlin begeben, um den Besuch des Reichsaußenministers von Neurath zu erwidern. Einige Blätter v«zeichnen eine noch unbestätigte Meldung, daß auch Ministerpräsident Daranny dem Reichskanzler■ Hitler demnächst einen Besuch abstatten wird, so wie er bereits den italienischen Ministerpräsidenten in Rom besucht habe. Jugoslawien vor der Entscheidung Im Londoner„Daily Herald" lesen wir: „Der Besuch Marschall Balbos bei Stojadi« n o v i L, den jener zum Anschluß Jugoslawiens an Italien oder die ,-Achse" bestimmen soll, wird im Lande sehr argwöhnisch beobachtet, denn eine solche Politik wüÄe noch eine Verstärkung der bereits genug intensiven Diktaturmethoden bedeuten. Aber die Kräfte der Demokratte und des Friedens sind bereit zu kämpfen. Der Kroatenfichr« Dr. MaLek berät mtt den Führern der serbischen Oppositton über die Aufstellung einer gemeinsamen Plattform. Es bestehe angeblich einfr Möglichkeit, daß Prinz-Regent P a u l die demokratische Oppositton zur Regierung berufe, die dann ehrliche Wahlen durchführen würde. Aber auch einKampfmitdenWaffenist möglich. Es heißt, daß StojadinoviL daran geht, sich eine bewaffnete faschistische Macht zu schaffen. Dan» aber wären die Bauerngarden Maöeks auch nicht zu unterschätzen. Ob es zum Kampf kommt, weÄen die nächsten Tage zeigen."(bn) Wiesner für wirffchastlicheS Mitteleuropa Wim.(Tsch. P-B.) Montag fanden in Wien zwei größere monarchistische Versammlungen statt. In einer derselben befaßte sich der ehemalige österreichische Gesandte Wiesner u. a. auch mit d« Zusammenkunft deS Vorsitzenden der ffchechoslowakischen Regierung Dr. Milan H o d Z a mit dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg in Baden. Heger Drobfiek wegen sechsfacher Brandstiftung schuldig erkannt Vierzehn Jahre schweren Kerkers Prag, t-rb-) Das Beweisverfahren gegeri dm der siebenfachen Brandlegung angellagtm Vald- heger Heinrich Drobilek aus dem Dorf Kozi Hory bei Dobkis«gab nichts, was die Verteidigung des Angeklagten gestützt hätte. Wie bereits berichtet, hatte sich Drobilek seinerzeit, am 28. Feber d. A. freiwillig zu sieben Brandstiftungen bekannt, die er im Laufe der letzten sieben Jahre begangen habe. Bei der Hauprverhandlung vor dem Schwurgericht widerrief er dieses Geständnis und behauptete, daß die Gendarmen ihm den Gedanken eingegebc, hatten, sich durch ein summarisches Geständnis, unter gleichzeitig« Berufung auf feine angebliche„Pyromanie" sich die gelindeste Strafe zu sichern. Diese Darstellung wurde von den als Zeugen einbernommeue» Gendarmen glaubhaft widerlegt. Der Schwurgerichtshof legte den Geschworene» insgesamt 28 Schnldftagen zur Beantwortung vor. Sieben Hauptfragen, lautend auf die von ihm in den nach seinem ursprünglichen Geständnis seit 1981 verursachten Brandstiftungen. zu jeder Hauptfrage die obligate» Zusatz« ftagen, ob das Feuer tatsächlich ansgebrochen und ob ein beträchtlicher Schaden verursacht worden sei. nebst der Zusatzfrage auf die Niedrigkeit und Änehren« Hastigkeit der Beweggründe in jedem einzelnen Fall. Die Beratung der Geschworenen nahm begreiflicherweise sehr geraume Zeit in Anspruch, so daß der Wahrspruch«ft in den Abendstunden verkündet wurde. Der Bertttter d« Anklage, Staatsanwalt Dr. Ander- tat alles, um die Anklage nach allen Richtungen zu begründen. Vielleicht sogar etwas zu viel. Ob es angebracht war, diesen Angeklagten mit dem brsüalischen Eisenbahnattentäter Ma« tuschka, oder gar nut dem Massenlustmörder Haarmann zu vergleichen, mag dahingestellt sein. Gerade daS, was jene Mord«, die als besondere Type» in der Kriminalgeschichte figurieren, kennzeichntt, nämlich die Lust an der Vernichtung des menschliche» Lebens trifft auf diesen Angeklagten nicht zu. Wenigstens wird in keinem du in d« Anklage angeführten Fälle auch nur im entterutesteu behauptet, daß du Angeklagte es auf die Vernichtung menschlichen LebenS abgesehen gehabt hätte, in welchem Falle ja der Strafantrag auf die nach dem Gesetz zulässige Höchststrafe hätte lauten müssen. Freilich berief sich du Staatsanwalt als Vergleichsmoment nur auf die„bösartige Neigung zum Verbrechen" lzlo- myslnä zloöinnost), die der Angeklagte mtt jenen ganz anders gearteten Tätern gemein habe. Immerhin scheine ein solcher Vergleich wenig glücklich gewählt, wie strafbar und verwerflich die Untaten des Angeklagten an sich auch sein mögen. Die Geschworenen erkannten nach mehr als zweistündig« Beratung de» Angeklagten in& von den 7 eingeklagten Fällen schuldig und bejahten« allen diese» sechs Fällen auch die angeführten Zusatzfragen. Mtt diesem Wahrspruch war eine Oualifika- tion gegeben, die in den vom Strafgesetz- aufgestellten Rahmen von zehn bis zwanzig Jahren fällt. D« Schwurgerichtshof des G.-R. Dr. Trost verkündete nach erfolgter Urteilsberatung das Urteil, durch welches Drobilek zu vierzehn Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Der Verurteilt« nahm den Urteilsspruch mtt größter Ruhe hin und meldete Nichtig« kettsbeschwerde und Berufung an. WieSner wandte sich in schärfster Weise gegen die Schreibweise des„Völkischen Beobachter" sowie anderer reichsdeutscher Blätter und erklärte, dieser Ton stelle eine Einmischung in rein innere österreichjsche Angelegenheiten dar, welche Deutsch- land gar nichts angingen. Wir lassen uns eine solche Einmischung, welche unter falschen Berufungen auf ein internattonales Abkommen erfolgt, nicht gefallen. Es ist das Recht und die Pflicht eines österreichischen Staatsmannes, sich bei jeder Gelegenheit mtt Staatsmännern von Nachbarstaaten über wirffchaftliche Angelegenheiten auszusprechen. Wir wünschen, daß dies auch weiterhin geschehe, und zwar auch mit Staatsmännern anderer Nachbarstaaten, da wir eine wirtschaftliche Einheit der mit- teleuropäischen Staaten wünschen.(Wesner ist in jüngster Zett xinigemale auch in der legttimistischen Presse für den wirtschaftlichen Zusammenschluß Mitteleuropas eingetreten.) Das Ende der„Morningpost" Am 1. Oktober hat, wie b«ichtet, die älteste englische Tageszeitung, die Londoner„Morningpost", ihr Erscheinen wegen Lesermangels einge- stellt. Lord Camrose, der Besitzer des„Daily Telegraph" und der„Financial Times", hat die „Morningpost" erworben und mtt dem„Daily Telegraph" vereinigt. Wie die Redaktton der „Morningpost" in d« letzten Nummer des Blattes erklärte, ist die Leserzahl in den letzten Jahren dauernd zurückgegangen, und die Bilanz des Blattes schließt mit einem Verlust von 40.000 Pfund. Die„Morningpost" erschien seit 1773» war anfangs ein liberales. Blatt der damals radttalen Linken, wurde aber seit 1820 konservativ und ein« Zeitlang das führende Blatt Englands, das durch die Mitarbeit von Coleridge, WordSworth und Charles Lamb auch literarische Bedeutung erhielt. Später wurde seine Bedeutung durch die(um 13 Jahre jüngeren)„Times" in den Schatten gestellt und sein Absatz durch die großen Preffekonz«ne der Northcliff-Rothermere und Lord Beaverbrook empfindlich geschmälert. Zuletzt war die„Morningpost" nur noch das traditionelle Blatt des konservativen Adels und der hohen anglikanischen Geistlichkeit. Mexiko. Alle Mattosen, Maschinisten und Stewards der mexikanischen Handelsflotte im Golf von Mexiko sind aus BerufSgründen in den Streik getreten. Sette 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 6. Oktober 1837. Nr. 235 8p»rt-8süet-Mrperpskege Karlsbad Stand der Tabelle Kunst und. Wissen. Vereinsnackuickten Atu«, Prag. Ausschuhsitzung am Mittwoch, de« Sonntag 8: Nina, 8 6. Oktober, um 8 Uhr abends, im Bildungsverein, I Smeiiky 27. f : im Ter feststellten, war der Unglücksbalken 6e« reitShochgradigvermorscht. Das BeweiSverfabren konnte am ersten BerhaudlungStage nicht zu Ende geführt werden und so wurde der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt. Schulzahnpflege an den Deutschen Schule« m Prag. Die Abteilung für' „Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit" hat gemeinsam mit der„Deutschen Hauptstelle für Kinderschutz und Jugendfürsorge" die Durchführung der Schulzahnpflege an den deutschen Volks, und Bürgerschulen in Prag übernommen. Das Unter« während diejenigen, die auS solchen„Mängeln des Materials"' erhöhten Profit schöpfen, ausserhalb der Sphäre strafrechtlicher Verantwortlichkeit bleiben. Am 8.Junid. I. arbeiteten bei einem von der t im Holleschowitzer Elektrizitätswerk durchgeführien Anbau des Keffel- Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theater-. Heute, Mittwoch halb 8 Uhr: Die Czardasfür- stin, B 2.— Donnerstag, halb 8: Weh dem, der lügt, neuinszeniert, C 2.— Freitag halb 8: Pariser Leben, D.— Samstag halb 8: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo, CI.— Sonntag halb 3: Das Dorf ohne Männer. Arbeiter- vorstellung, halb 8: Die Fledermaus, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Heute, Mittwoch 8 Uhr: Die Reise.— Donnerstag 8 Uhr: Bei Kerzenlicht.— Freitag 8: Pygmalion, volkstümliche Vorstellung.—_ Samstag halb 8: Nachtasyl, neuinszeniert. Uhr: Die Reise- Schreibmaschinendiebstahl. Gestern drang während der Mittagspause ein unbekannter Täter mit Hilfe eines Nachschlüssels in die Kanzlei eines Musik, verlageS in Prag H., Nationalstraste 25, ein und entwendete eine Schreibmaschine der Marke.Erika- Portable" mit deutscher Klaviatur und eigens beigefügtem ü. I« die Moldau gefallen. Gestern früh versuchte die 33jährige Arbeiterin Anna Nekolna Kis Holleschowitz, die beim Ausladen von Obst auf Schleppkähne beschäftigt ist, den Weg zu ihrem Ar- beitsvlatz abzukürzen. indem sie einen Zaun, der bis zur Moldau reicht, umging; sie fiel dabei ins Wasser, wo sie sofort verschwand. Trotzdem gelang es dem Kahnverleiher Anton Hoffmann, sie noch zu retten; sie wurde ins Krankenhaus auf der Bulodka gebracht. Blindenzählung in Groß-Prag. Die Zentralblindenfürsorge in Prag ll.. Na Poft'iii 37. Hilks- und Beratungsorgan des Ministeriums für soziale Fürwrg- ergänzt neuerlich seine Verzeichnisse der blinden Prager Bewohner und fordert deshalb alle Blinden und halbblinden Personen auf. das sind alle drejenigen, die imstande sind, selbst ohne Begleiter die Straste zu passieren, die jedoch selbst ohne Augenglas weder lesen noch schreiben können, der Zentrale ehestens die genaue Anschrift bekanntzugeben, wobei auch da? Alter, die Ursache der Erblindung und der gegenwärtige oder srübere Beruf anzuführen ssnd. Anmeldungen sind blost schriftlich zu machen. Blinde, welch breits früher die Anmeldung für die Zählung in Grost-Prag erstattet haben, geben blost dann die Anschrift bekannt, wenn sie im Lauf« des Bor- oder heurigen Jahres ihren Wohnsitz gewechselt haben. Die Freunde der Blinden bitt'en wir, fie'auk diese Kundmachung zu verweisen. Sonderzug nach Läny. Die Siaatsbabndirektion teilt mit: Der Sonderzug zum Grabe in Läuft fährt Sonntag, den 10. Oktober, um 12 Uhr 28 von Prag- Rasarftkbahnhof ab. Die Rückfahrkarte kostet 13 Kd. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof Telephon 383.35, und bei der Personenkasse am Makarftlbahnbof Nr. 13. DaS AuSfluosreterat der Staatsbahnen verunstaltet folgende AuSssngszüge: 8. bis 10. Oktober HerrnSkretschen 120 Kd, 10. Oktober Sonderzug nach Läuft zum Grabe de? Präsident-Befreiers 13 Kd: 3. 10.. 11. Oktvber Abfischung des Olschiner Teiches bei Böhm.-Krumau 165 Kd; 17. Oktober zur Grossen Pardubitzer Steevle Chase 42 Kd: 27. Oktober bis 2. November Fischfang in der Theist in Karpathorust- land 390 Kd. Informationen und Anmeldungen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 383—35. DTJ■ Leichtathletik. Auf dem TÄJ-Sportplatz auf der Prager Hetzinsel fanden- Sonntag leichtathletische Frauen-Meisterschaften deS 1. Bezirkes statt. Es wurde ein Dreikampf(60 Meter, Kugel, Schleuderball) ausgetragen, den bei den Frauen DTJ Weinberge mit 582.50 und bei den Mädchen DTJ Nusle mit 499.73 Punkten gewann. — In Brünn fand ein Leichtatihletik-Wettkampf zwischen DTJ Brünn und DTJ M.-O.strau statt, den die Brünner mit 63.5:47.5 Punkten gewannen. Die Hazena-Mannschaft des Prager Atus trug am Samstag wohl ihr schwerstes Spiel gegen DTJ Nusle ll auS, das ste mit 14:2 verlor. Westböhmischer Arbeiterfußball Die sonntägigen Serienfpiele verliefen zwar interessant und in einem gewissen Sinne teilweise etwas aufregend, aber immerhin waren bis auf zwei Fälle disziplinierte Spiele zu sehen. Einen glücklichen Sieg errang ASB Altrohlau in Falkenau über den FFK, den es hauptsächlich dem Tormann« zu banken hatte. Da auch Unterreichenau in Neu- dek eine Niederlage einstecken mustte, ist eigentlich Altrohlau die einzige ungeschlagene Mannschaft. Fischern gewann das Spiel gegen Drahowitz und Maierhöfen lieferte gegen Rapid Karlsbad eine grosse Ueberraschung, denn die Karlsbader wurden zweistellig geschlagen. Graslitz blieb auf eigenem Platze über Aich erfolgreich und da Schankau nicht antrat, kam Chodau zu zwei billigen Punkten. Die Ergebnisse: FFK Falkenau gegen ASB Altrohlau 4:5(3:8), ASB Neudek gegen«tu, Unterreichenau 2:1, ASK Graslitz gegen Atus Aich 6:0(3:0), Atus Fischern gegen Atus Drahowitz 8:1 (1:0), ASB Maierhöfen gegen Rapid 10:0. Neuer Frauen-Weltrekord im Schwimm«. Die Holländerin Joppie Waalberg verbesserte bei einem Meeting in Gent über 200 MeterBrust ihren bestehenden Weltrekord auf 2:56.9 Min. Steckbrieflich gesuchter Fußball-Manager. Auf Ersuchen deS Wiener-Fussballklubs.Admira" hat die Wiener Polizei gegen den Manager Kotzaurek einen Steckbrief erlassen. Kotzaurek soll 6000 Schilling unterschlagen unb dadurch Abmira an den Rand des Konkurses gebracht haben: Da der Gesuchte in Wien unauffindbar ist, nimmt man an, dass er nach Südamerika geflüchtet sei. Bei einem Leichtathletik-Meeting in Brünn erzielte der Prager Hagibor-Sportler Freund im Diskus 45.25 Meter und äusser Bewerb sogar 46 Meter.■ f... Proben zeichnen sich durch originelle und geschmack volle Muster aus. Die Gesellschaft hat Kurse eingerichtet,, in denen die Teilnehmer in insgesamt 25stündigem Wch-’—.. B-- Erw so^'r,-.-_ TV1„„ al? regelrecht beruflich»trieben« Arbeit eine will-, TomaS Hotovec auf«i n e m G e rü ft i n 22 M e- suchungSergebnis zeigt, dass von 1676 untersuchten Schulkindern 1445 ein schlechtes Gebiss aufweisen. Um das Gebiss dieser Kinder wieder herzustellen sind 5157 Plombierungen, 719 Zahnextraktionen und 416 Gebistbehandlungen nötig. Die Durchführung der Schulzahnpflege geschieht derart, dass nach der Untersuchung die Eltern bemittelter Kinder aufgefordert werden, das erkrankte Kind einem Zahnarzt zur Behandlung zuzuführen. Die Behandlung unbemittelter Kinder erfolgt auf Kosten der Abteilung für Schulzahnpflege auf der deutschen Universitätszahnklinik. Die Tatsache, dass von 100 Kindern 87 zahnkrank sind, beweist die Notwendigkeit der Einführung der Schulzahnvflege. Welche Erfolge durch systema- tische Schulzahnpflege erreicht werden können, zeigt das Ergebnis der Schulzahnpflege in Aussig, wo von 100 Kindern 97 ein gesunde- Gebiss aufweisen. Raubüberfall. Gestern nachts erstattete die 60- jährige Witwe MathilM Billous aus Smichow die Anzeige, dass ihr kurz vorher ein unbekannter Täter an der Ecke der Mozartgasse in Smichow ihr Handtäschchen entrissen habe, in dem sich 200 Kd in bar, ein Block Abonnementskarten fürs Theater und verschiedene andere Kleinigkeiten befanden. Die Nachforschungen nach dem Täter, dessen PersonSbeschrei- bung der Polizei bekannt ist und der in der Richtung auf die.Mräzovka" flüchtete, wurden eingeleitet. Betrunkener fährt in eine Sandgrube. Der 32iährige Autolackierer Otto Fajfar aus Dejwitz fuhr gestern in betrunkenem Zustand in einem Motorrad mit Beiwagen über den Letnaplatz in Bu- bentsch, wobei er die Herrschaft über das Fahrzeug verlor und in der Nähe eines Neubaues in eine Sandgrube stürzte. Das Motorrad wurde zertrümmert. Fajfar nur leicht am Kopf verletzt und bis zu seiner Ernüchterung in Polizeigewabrsam gebracht Hundert Gläser Kompott geftohlm. Bor einigen Tagen drang ein damals unbekannter Täter— inzwischen als der 23jährige arbeit?- und wohnungS- lose Miroslav Marko sicherqestellt— in die offenbar besonder- reicUaltige Speisekammer des Doktor Schürer in Karolinental ein und entwendete etwa 100 Komvottglöser mit Eingemachtem im Werte von 570 Kd. Einige Gläser konnten noch bei seiner Geliebten beschlagnahmt werden, der er sie mitgebracht hatte. Ein Atus-Fußballer sagt dem DFC— Adieu * Einer von den Atus-Fustballern, welche sich der Prager DFC auS Billigkeitsgründen kaperte, und zwar jenen, welcher in der bürgerlichen Presse alr „einer der besten Flügelstürmer(sein Name siVuns jetzt bekannt) des Atus" gefeiert wurde, hat dem DFCwieder den Rücken gekehr.t. Er ist der vielen gemachten Versprechungen überdrüssig geworden— und man must schon sagen, dass dieser AtuS-Fustballer eine ziemliche Geduld in dieser Beziehung an den Tag gelegt hat. lieber drei Wochen wartete er geduldig auf die Beschaffung des versprochenen Postens. Neben diesem nicht eingehaltenen Versprechen hatte man dem jungen Atus-Fustballer 50 Kd pro Spiel und 50 KL fürden Sieg zugesagt. Bis zum Sonntag hatte er auf das eine wie das andere gewartet, aber keines von all dem wurde verwirklicht.Wirhaben mit dem Atus-Fustballer gesprochen und er sagte uns mehr als dem DFC vielleicht angenehm sein kann. Wir haben daher nur die wichtigsten Dinge veröffentlicht, die beweisen sollen, dast es wohl dem DFC ein Leichtes sein mag. Arbeitersportler aul ihrer angestammten Umgebung herauszureihen, aber wie das Beispiel zeigt, hatte man es gar nicht so eilig, um einen zugesagten Monatsverdienft von 1000 Kd(inklusive Spiel- und Prämiengeld) auch nur möglich erschein« zu lassen. Oder glaubt man beim DFC, dass man seiner Menschenpfltcht dadurch Genüge getan hat. dast man dem besagten AtuS- Fufchaller stattArbeitundV er bienst durch die angegebene Zett gerade n u r für da- Essen aufkam...? Frauenorganisation Prag Freitag, den 8. Oktober, 7 Uhr abend-, gemeinsame Besichtigung der Ausstellung:»Alto Kunst in der Slowakei". Treffpunkt: Vor dem Eingang zum Wladislaw-Saal, 3. Burghof,%7 Uhr. Eintritt 3 Kd. Schachts Wort und die deutsche Wirklichkeit Ein Leser schreibt uns: „Im„Prager Tagblatt" finde ich die Kundgebung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, an deren Schluss es heistr:„Die nationalsozialistisch« Sraatsführung ist sich aber auch der Verpflichtung bewusst, dem Sparer das in seinem Wert zu erhalten, was er dem Reiche anoertraut." Dazu teile ich mit: Ich bin tschechoslowakischer Staatsangehöriger, kriegsbeschädigt, studierte in Berlin 1931—35 rer. pol. und Zeitungswissenschaft. Auf Grund eines aus dem Jahre 1931 stammenden Deutschstämmigkeits- nachweises war ich zur Werkstudentenarbeit zllhe- lassen, hatte bis 1933 Einnahmen aus dem Rundfunk, dann gelegentlich aus Reiseberichten, infolge guten Studienfortganos Stipendien, und die auS den gegenseitigen Staatsverträgen über Kranken- und Arbeitslosenversorgung sich ableitenden Zulagen. Politisch habe ich mich schon aus Gründen meiner Invalidität nie betätigen können. Eine Promotion samt Dissertationsdruck kommt in Berlin auf zirka 1000 RM. Ich hatte Mitte 1935 900 RM erspart, und stand kurz vor Dissertationsabschlust. Um diese Zeit zwang mich eine Person. Reichsangehörige, von der ich erst später erfuhr, dast sie ein Jahr früher ein« hysterische Falschanzeige wegen „staatsfeindlicher Gesinnung" gegen mich eingebracht harte, die nicht weiter beachtet wurde,— unter wiederholten Selbstmorddrohungen, sie in einem Zivilprozesse gegen die NS-Frauenschaft vor dem Arbeitsgericht zu vertreten und ein wegen Beleidigung der NS-Frauenschaft gegen sie eingeleitetes Sondergerichtsverfahren abzuwenden. Das letztere erreichte ich, im Zivilprozess hatte ich jedoch keinen Erfolg. Auf Grund dieses Prozesses entstand gegen mich eine plötzliche Animosität der Unterrichtsbehörden, weshalb ich das Studium abbrach und zurückkehrte. Meine ehemalige Klientin verbrachte meine ihr «nvertrauten Ersparnisse auf ein Konto unter ihrem Namen bei der Deutschen Bank und Discontgesell- schaft, W. 8, und verweigerte, als ich in diesem Frühjahr in Rot geriet, die Herausgabe. Ich ttat darauf vor der Bank auf Grund reichsamtlicher und von Bankdokumenten den Beweis an, dast das Geld mir gehöre. Da die Bank darauf nicht reagierte, erstattete ich am 12. Mai 1937 beim Landessinauz- amt Berlin die Anzeige nach 88 264, 266 R. St. G. 407, 163 Abs 1 RAbgO. und zugleich, da es sich um eine bei der Prager Nationalbank konstribierte For- derustg handelte, in Prag die Anzeige nach 8 235 des DevisengesetzeS ex 1982. Ich erhielt daraus unter Aktenzeichen 22 Jk 85800 E. Allg. 1298 erst am 18.(25.) September 1937 vom Oberfinanzpräsidenten(Devisenstelle) Berlin die lakonische Aufforderung. von den an dem" Betrüge beteiligten Bankbeamten«in Geständnis ihres BettugeS vorzulegen, da die reich-amtlichen und Bankurkunden, auf die ich mich in meiner Anzeige berief, uNd die in Berlin durch Telephonate' ist der Gesymtdauer Von 20 Minuten kontrollierbar sind,— ersichtlich der Devisenstelle nicht genügen." Arbeiter- Vorstellung „Das Dorf ohne Männer" ein Lustspiel, welches dieser Tage mit grossem Erfolg uraufgeführt wurde, am Sonntag, den 10. Oktober, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich bei Opttker Deutsch. Koruna. ns in Franzensbad sind Mädchen als Hand-^ie das Gerüst trugen, ein Teil des Gerüstbodens : nnen ausgebildet worden, die wahrend der! durch und alle vier Arbeiter stürzten aus der - on.m Kurbettieb arbeiten dann aber m der^Ebaren Höhe zur Erde. Drei waren auf der ^aungSlosen Winter,ett sich auf diese Werse stelle tot, unter ihnen der Werkmeister Hotovec, der Sieben tschechische Maler stellen zur Zeit Kunstvereiinfür Bö.hmen aus.' interessanteste unter ihnen ist S ä g n e r, der in symbolistischen Gebilden die Farben musizieren lässt. Wo er sich der Darstellung der Wirklichkeit nähert. Reiben diese Bilder hinter seinen anderen Arbeiten zurück, was bei einem Vergleich des„Gesprächs" mit den„Frauen" oder im Nebeneinander der beiden Fassungen des„Narziss" augenfällig wird. Verwandte Themen bevorzugt auch K o t i k, erreicht aber nicht den malerischen Reiz, der den Bildern Sägners innewohnt. H e r b st arbeitet mit eckigen, mitunter nahezu karikierenden Formen und stumpfen Farben, was seinen Bildern eine Kwiffe Trockenheit und Härte gibt. M o k r h liebt satte, leuchtende Farbigkeit, die er bis zur lauten Buntheit steigert, derer der Beschauer bald überdrüssig wird. Kodl stellt ansprechende Aauarell« aus, unter denen zwei Hafenbilder in Blau und Rot besonder- hervorzuheben find. Riedl zeigt Akte und Stilleben. Einen Raum allein füllen die Aktzeichnungen von F r i n t a. in der« zarten, nur scheinbar kühlen Bleistiftlinien der ero- tische Anreiz spürbar genug prickelt. Id. Allgemeiner Anges*elltenverband gemeinsam mit allen Prager Arbeiterorganisationen Heute 2 0 UUt uh frMfrfk Vortrag Dr. Robert Wiener: Die agrarische Wirtschaftsoffensive Handweberei als Notstandserwerb Handwebereien sind gegenwärtig im Gewerbe- förderungsinstitut der Handelskammer Prag 11., Lützowova 25, ausgestellt. Veranstalterin der Aus stellung ist die„Gesellschaft zur Pflege, Förderung und zum Schuhe der Heimarbeit in der Tschechoslo- wafti". Deren Vorsitzender, Prof. Mika, hat einen leicht transportablen Handwebstuhl konstruiert, der die Ausübung der Handweberei auch bei sehr be schränkten Rauuwerhältniffen ermöglicht. Der vier- schäftige Webstuhl gestattet die Verarbeitung von Jndnstriegarnen aller Art, normalen Strickgarnen. Leinengarnen und Baumwollzwirnen, Seide und Kunstseide, roher Schafwolle, Chenille, Bast, Stroh, Schilf und Lederstreifen zu Kleider- und Anzugstof fen, Möbel- und Vorhangstoften, Teppichen, Läufern »nd Decken. Schals, Krawatten, Gürteln und Dor-; um den'tragischen Tod ar^n^r Mn^chen in btt- ten und kleineren kunstgewerblichen Erzeugnissen.| j> e n Fällen handelt es sich um ein Unglück das durch Proben derartiger Arbeiten bis zur Verarbeitung mangelhaftes Material'verschuldet handgewebter Stosse zu ferttgen Kleidern und An- j wurde und in beiden Fällen sieht man nur jene Un- zugen sind ausgestellt. Sie machen samt und son-. tergeordneten vor den Strafgerichten erscheinen die ders einen gediegenen Eindruck und viele dieser- mit der unmittelbaren Aussichtsführuna betraut sind. kvi". «ir' in* 1? Kr»' W einen Erwerb fassen können. Anaestrebt w,-d dte„icht mehr Weit zur Pensionierung hatte und seinen ■ I Kameraden schon oft davon gesprochen hatte, wie sehr er sich auf den Ruhestand und ein friedliches Alter > freue. Auch die anderen Toten waren verheiratet. ! Der als einziger mit dem Leben davongekommene Josef Gresl erlitt schwere Verletzungen. Des Vergehens gegen die Sicheicheit des Lebens waren angeklagt der 56jährige Montageinspektor An t o»Brandt und der 88jäh« rige Schlosser Franz Kratochvil als Lagerverwalter. Brandt war mit der Aussicht über die gesamte Montage betraut und als solcher nach Ansicht der Anklage auch für. di« Qualität und Be- schaffeicheit des zum Gerüstbau verwendeten schlech- I ten Holzes verantwortlich, von dessen Verwendbarkeit j sich auch der zweite Angeklagte habe überzeugen Schulzahnvflege der> sollen. Die Verteidigung der beiden Angeklagten wen- - sich gegen diese Anschauung. Sie erklärten, nicht sie seien für Materialfehler verantwortlich gewesen, sondern der verunglückte Werkmeister Hotovec. Wenn es sich so verhält, hat dieser seine eigene Fahrlässigkeit teuer bezahlen müssen. Wie die Sachverständigen ^inchtesaat Wieder eine Einsturzkatastrophe vor den Richtern Dreifacher Arbeitertod im Holleschowitzer Elektrizitätswerk Prag.(—rb—) Der Prozess über das schwere Eknsturzunglück, das Dienstag vor dem Strafsenat des GR Dr. H r u s k a sein gerichtliches Nachspiel fand, reiht sich der Verhandlung vom vorhergehenden Tag an, die den Einsturz des Börsenneubaues zum Gegenstand hatty^Wie sehr es sich rein äusserlich und auch den Ausmassen der Unglücksfolqen nach von jenem unterscheiden mag— es sind doch Berührungspunkte vorhanden. In beiden Fällen handelt es sich Er-->>->,ing handgewebter OtialitätSwar«, nach Be gaw-ng auch kunstgewerblicher Art. die sich auf dem Markte neb-n den billigeren Jndtrftrie-ErzeugnUen be^iwten kann, ohne dast die Preisfestsetzung auf K?l-»n des. Erzeugers gebt. Di« Gesellschaft stellt sich dabei vor, dast sich die Erzeuger solcher Hand- web-^eien zu kleineren Produktiv« und Vertriebs» g-n"1enfchaften zusmnmenschliesten. Für die soziale S»^te dieser Bestrebungen interessiert sich bereits Fin'-'rgeminister N e d a S, der am Samstag ge» Min'->m mit einigen seiner Mitarbeiter die AuSstel- mna besichtigte und sich über die Pläne der Gesellschaft informieren liest. eh. -richt in der Handweberei ausgebildet werden. Leskomoravskä-Kolben-Danek r?n Bestrebungen gebt die Gesellschaft von der i„ lluuu aus dast die Sandweberei besonders IN; ha^'s'es°dte Moniagea^ft^^Jän"Vogb Mois Kitzler i und Josef GreSl unter Leitung des Werkmeisters n^ie,ErwerbSmöa^eit^bieten^kann. JOt einem|t^r'söh'e'Mötzl'ich gab'einet der vier Balken'nach. "'nnen ausgebildet worden,, im Kurbetfteb arbeiten dann aber in der furchtbaren Höht zurHe'. .'««AttMAfilAtaM ul)■—a laua all ka aX* AM» Xa af a C1U a•• A' aaa_ FFK Falkenau.. . 4 3 0 1 19:10 6 Atus Unterreichenau 4 3 0 1 14:7 6 AS» Altrohlau. 3 2 1 0 15:10 5 Atus Fischern., 4 2 1 1 10:10 5 ASK Graslitz., 3 2 0 1 11:8 4 ASV Neudek.. E 8 2 0 1 7:4 4 Rote Elf Chodau. 4 2 0 2 8:9 4 ASV Maierhöfen 8 1 0 2 12:5 2 AtuS Drahowitz. 4 1 0 8 5:10 2 Atus Aich..« 4 1 0 8 5:14 2 Rapid Karlsbad. 3 1 0 2 5:15 2 ASV Schankau. - 3 0 0 8 2:11 0 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oder bdl Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährlich Kd.48-. halbjährig Kd 96.- ganzjährig K 192—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. 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