Sozialdemokrat Aentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Manta, täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 62— Telephon 53077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Nur«Ism Inhalt: Der zweite Velgo-Prozeß Wie lange wird die Weltkonjunktur dauern? Flugunfall Hubermanns Zwölf Jahre für Militärverrat 17. Jahrgang Donnerstag, 7. Oktober 1937 Nr. 236 Präsident Benes an die Delegieren der IAA Die Lehren der Krise- keine fatatalistische Passivität mehr! _»Die Internationale Arbeitsorganisation— sagte Präsident Dr. Benes in seiner Rede an die Delegierte» des Internationalen Arbeitsamtes, die er Mittwoch ans der Prager Bnrg empfing — führt gegenwärtig einen organisierten Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Es ist z. B. not wendig, die Frage der Herabsetzung der Zahl der Arbeitsstunden im Weltmaßstab zu lösen. Wir nnffen auch, welche Schwierigkeiten sich der Berwirklichmig dieser Reform in den Weg gestellt Rationalisierung und Mechanisierung der Produktion, die sich in einem ständigen Bor- marsch befindet, zwingen alle Regierungen, zn erwägen, wie die Arbeiter und Beamten, welche durch die modernen antomatischen Maschinen ihrer Arbeit beraubt werden, beschäftigt werden können." Die Eröffnung der Tagung Ueberraschuns Linke in die Exekutive gewählt auf dem Labour-Kongreß Das Wahlprogramm der Labour Party gerade jetzt durchleben, sind wir sicher, daß wir diese Schwierigkeiten meistern werden." Diraktor Harald Butler hatte in seiner Ansprache an den Präsidenten der Republik daran erinnert, daß Dr. Benes im Jahre 1025 Vorsitzender der VII. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz war. Er sagte u. a.: »DaS Vorwort.unseres Statuts verkündet den Grundsatz, daß es keinen Friede» ohne soziale Gerechtigkeit geben kann. Das Hauptergebnis dieser großen Wirtschaftskrise war vielleicht die Festigung dieses Grundsatzes. Ebenso wie die Eintracht innerhalb der Ration von der Teilnahme aller Volksschichten au dem ständig wachsenden Lebensniveau abhängt, so hängt auch die Eintracht unter den Rationen von der Ausschaltung deS Elends und der Förderung eines höheren Lebensniveaus in der ganze» Welt ab." ihr Werk fortsetzen und es durch, eine vernünftige und aufrichtige Zusammenarbeit der Regierungen, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer wei- tersühren kann. Neuwahlen Bevor der Berwnltungsrat zu den Neuwahlen schritt, dankten die Vertreter aller drei Gruppen dem Fürsorgeminister für seine Tätigkeit als Präsident des Verwaltungsrates. Diesen Kundgebungen schloß sich auch Direktor Butler an. Zum Vorsitzenden für das Verwaltungsjahr 1837/38 wurde sodann der englische Regierungsdelegierte F. W. Leggett gewählt. Zu Vizepräsidenten wurden Mertens(Belgien) für die Arbeitergruppe und O e r st e d t(Dänemark) für Re Arbeitgebergruppe gewählt. Der neue Vorsitzende F. SB. Leggett(geboren 1884) wirkte zuerst im Ministerium für Handel und Gewerbe und beteiligte sich an der Organisation der öffentlichen Arbeitsvermittlung und der Durchführung der Arbeitslosenversicherung. Im Jahre 1920 wurde ihtn im Arbeitsministerium die Abteilung für die Beziehungen mit den Fachorganisa- tionen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber übertragen. In England ist F. W. Leggett hauptsächlich durch sein Wirken auf dem Gebiet der Schiedsverfahren bei Arbeitskonflikten in der Industrie bekannt. Die Arbeitssitzungen der Tagung werden heute vormittags ausgenommen. Einleitend hatte Präsident Dr. Benes die Wichtigkeit des Umstandes betont, daß gerade während der letzten Wirtschaftskrise die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland der internationalen Arbeitsorganisation beigetreten sind. »Diese Krise, die wir gerade jetzt Lberwin- ^rn"— fuhr der Präsident dann fort—*„war eine große Lehre für uns und für alle— wir »erden eine Wirtschaftskrise nicht mehr mit der gleichen fatalistischen Passivität hinnehmen, wie da» früher der Fall war. Die Menschen unseres Jahrhunderts find überzeugt, daß die Staaten und die Legierungen durch eine geeignete Zusammen- arhett wenn auch nicht alle Nebel im WirtschaftS- lebe», so doch wenigstens viele von ihnen und irdenfaUs die allerschlimmsten verhindern könne». In dieser Hinsicht stimme ich damit überein, was Herr Butler in seinem diesjährigen Bericht sagt, daß„die Sozialpolitik die erste Sorge und Pflichten des modernen Staatsmannes einnimmt; regelmäßige Eingriffe der RegierungSgewalt in Wirtschaftsangelegenheiten werden also ohne Zweifel ein charakteristisches Kennzeichen der neuen soziale« Ordnung bilden." Präsident Dr. Benes hob dann aus der Tätigkeit der internationalen Arbeitsorganisation hervor, auf welchen Gebieten sie sich eben in der Krisenzeit als„das soziale Gewissen der heutigen Welt" erwiesen hat. Er schloß mit den Sätzen: „Sie befinden sich gegenwärtig in einem Lande, welches sich im Bewußtsein dieser Wahrheiten bemüht» mit allen Mitteln und ehrlich für die Erhaltung des allgemeinen Friedens in Europa und des sozialen Frieden- auf seinem Territorium^u wirken. Wir glauben und hoffen, daß im Einvernehmen und«nter Mithilfe der übrigen Völker dieses Bestreben von Erfolg gekrönt sein wird. Wir glauben in der Tat, daß der Friede in Europa gerettet werden kann und gerettet werden wird. Was den sozialen Frieden betrifft, kann ich mit Befriedigung erklären» daß unser Staat das Beispiel eine- gesellschaftlich sehr ausbalanzierten Staates ist. Die Partei- und Klassenunterschiede sind bei«ns nicht allzu groß. DaS Lebensniveau ist hinreichend hoch, die Landwirtschaft sehr ent- wiMt, die Industrie sehr stark und steht auf eu^äischem und internationalem Niveau, die Arbeiterklasse ist gut organisiert und hat Anteil an der Regierungsgewalt. Sie hat auch Sinn für Verantwortung, der jede Prüfung bestanden hat. Unser Staat ist durch eine ungewöhnlich heftige Krise hindurchgegangen. Heute prosperiert er, ist Wichtige Psrteiderawng Der Vollzugsausschuß des Par- teivorstandrs der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt Mittwoch, den 8. Oktober, eine Sitzung ab, an der auch Vertreter der einzelnen Partei-Kreisorganisationen teilnahmen. Bor Eingang in die Tagesordnung hielt der Partrivorsitzendr Minister Dr. C z e ch dem vor kurzem verstorbenen Redakteur Adolf Palme «inen R a ch r«f. Sodann befaßte sich die Sitzung mit den B o r b e re i t« n g en zu den G e m eindewahlen, wozu die notwendigen Beschlüsse gefaßt wurden. ES wurde festge- stellt, daß die Parteiorganisationen vorbereitet und die Vertrauensmänner der Partei bereit sind, den Wahlkampf tatkräftig und entschlossen zu führen. Zum Schluß berichtete der Vorsitzende noch über die mit dem Budget für das Jahr 1938 zusammenhängenden Arbeiten. sozial ruhig und gesund, da er durch keine extremistischen Bewegungen bedroht wird. Unser Regime funktioniert regelmäßig und ohne große Schwierigkeiten. In den kommenden Jahren wird es bei«ns keine Veränderungen geben. Wir habe» selbstverständlich eigene Schwierigkeiten, wie sie die ganze Welt hat, Schwierigkeiten, welche viel Arbeit, Anstrengung und Energie erfordern, aber die moralischen Kräfte dieses Lande» find bemerkenswert und trotz der schwierigen Zeit, die wir Der VerwaltunHsrat des I. A A. trat Mittwoch nachmittags im Fürsorgemmjsterium in Prag unter dem Vorsitz' des Ministers Arg? N e L a s zusammen. Nach einer einleitenden Kundgebung des Direktors des I. A. A., Hargld Butler, ergriff im Namen der Regierungsdelegierten der Vertreter Großbritanniens, Leggett, das Wort zu einer Huldigung für den verstorbenen Präsidenten T. G. Masaryk. Iou- h a u x im Namen der Arbeitnehmergruppe und Oerstedt im Namen. der Arbeitgebergruppe schloffen sich dieser Ehrung an. Fürsorgeminister Ing. Neöas dankte den Rednern und begrüßte die Delegierten. In seiner Ansprache gab er eine Uebersicht über die Tätigkeit des I. A. A in der letzten Zeit. Er sagte: Ich glaube, daß die internationale Organisation der Arbeit sich auf dem richtigen Wege befindet, wenn sie ausdauernd und systematisch eine soziale Reform anstrebt, welche den Arbeitnehmern einen immer größeren Anteil an dm Vorteilen des sozialm Fortschrittes und an der Zunahme der Produktionskapazität gewährt und hiebei die Rotwmdigkeit nicht aus dem Auge verliert, über die reguläre Entwicklung deS Wirt- schaftslebmS zu wachen. Ich würde wünschen, daß die intemationale Organisation der Arbeit London.(Eigenbericht.) Am Mittwoch wählte der Parteitag der Labour Party die Partei- exekutive. Die Wahl brachte insofern eine große lleberraschung, als sieben Vertreter der Lokalorganisationen, welche die Wortführer der Linken waren, trotz der schweren Niederlage, die ihre Einheitsfrontpolitik auf dem Parteitag erlitten hatte, in die Parteiexekutive gewählt wurden. Das hängt damit zusammen, daß die Lokalorganisationen die Wahl ihrer Vertreter ohne die Einflußnahme der Gelperkschasten vollziehen, andererseits aber damit, daß die Linke erklärte, die Einheits« frontkampagne aufzugeben. Auch wollte man eine versöhnliche Geste macken. Andeutungen von Sir Stafford Crips ist zu entnehmen, daß diese Geste auch gewürdigt wird. Unter den Gewählten befinden sich neben Stafford Crips Prof. Noel Baker, der große Jurist Trett und Prof. erklärt, die Partei werde nie die Mehrheit erlangen könne«. Solche fatalistische Ansichten müßten bekämpft werden. Für die Wahlpropaganda wurde eine Summe von 100.000 Pfund veranschlagt, die zum Teil schon durch Beiträge der Gewerkschaften gedeckt ist. Weitere Finanzfragen der Partei wurden in einer Geheimsitzung des Parteitages erörtert. In den programmatischen Forderungen der Partei, die für den Fall eines Sieges der Arbeiterpartei verwirklicht werden sollen, befindet sich die Nationalisierung der Bank von England, ferner, die Nationalisierung der Kohle und der Kraftcrzeugüng und des Transportwesens. Franco kapert französisches Schiff Die Stimme von Washington Vür zwanzig Jahren sind die Vereinigten Staaten in den europäischen Krieg eingetretcn, ihn damit erst zum„Weltkrieg" weitend. Sie haben ihn faktisch entschieden, sowohl durch ihre materielle und militärische Hilfe wie vor allem durch die moralische Belebung, die das Auftreten der amerikanischen Hilfe den Alliierten brachte. Nach dem Siege aber sind den Amerikanern die Zügel entglitten. Der Frieden sah ganz anders aus, als Wilson sich ihn ursprünglich vorgestellt hatte. Der amerikanische-Senat verweigerte die Ratifikation des Friedens von Versailles und den Beitritt zum Völkerbund. Wilsons Schöpfung, die Liga der Nationen, kam ohne die USA und kam als Krüppel zur Welt. Die Enttäuschungen von 1919/20 haben Amerika in die Politik der Isolierung zurückgetrieben? zu einer sehr strengen Auffassung der Monroe-Doktrin, die nicht nur die ftemde Einmischung in Amerika, sondern auch Amerikas Intervention in EuZtzpa ablehnt. Siebzehn Jahre hqt unter den republikanischen Präsidenten wie unter Roosevelt diese Polittk vorgehalten. Seit einiger Zeit wird ein st ä r k e r e s Interesse A m e r i k a s an der europäischen Politik erkennbar. Zum zweitenmal müssen dis Amerikaner erkennen, daß man Europa nicht schlechthin sich selbst und seinen Leiden, Krämpfen und Tollheiten überlassen kann, daß die europäische Politik noch immer soweit Weitpolitik oder ein Bestandteil der Weltpolitik ist, daß aus europäischen Krisen Weltkrisen, aus europäischen Kriegen Weltkriege werden können. In den Reden der führenden amerikanischen Staatsmänner kommt dieser Wandel der Än- schauungen zum Ausdruck. In keiner Rede war dies bisher so vernehmbar der Fall wie in der Rede Roosev PltS, die am Dienstag einen so radikalen Umschwung der Meinungen im Genfer Völkerbundspalais bewirkt hat. Amerika ist 1917 nicht nur auS idealen und ideologischen Motiven in den Krieg eingetrett wie eine heroische Geschichtslegende es darstcllen will. Die amerikanische Industrie war an den Lieferungen, die amerikanische Finanz an den Anleihen interessiert, die amerikanische Politik sah in der Gefährdung des British empire und der Möglichkeit einer kontinentalen Einigung Europa« unter preußisch-deutscher Führung auch eine Bedrohung amerikanischer Interessen in Afrika, in Europa selbst, in Asien und in Lateinamerika. Aber die USA sind auch nicht nur aus macht- und wirtschaftspolitischen Erwägungen in den Krieg gegangen. Bei Wilson und seinen Ratgebern, bei den Massen des amerikanischen Volkes spielte der Gedanke der Verteidigung der D e m o k r a t i e und der Ideen der großen amerikanischen und der französischen Revolution eine entscheidende Rolle. Man wollte eine friedliche, zivilisatorische Entwicklung, keine Verwandlung der Welt in eine preußische Kaserne. Auch heute sind xs wieder verschiedene, idealistische und sehr ma- terielleMotive, die Amerika auf den Plan rufen und zum Eingreifen drängen. Der japanische Angriff auf Schanghai und Südchina (nicht so sehr der Angriff auf die Nordprovinzen) bedeutet eine ungeheure finanzielle Schädigung der USA. In weiterer Sicht aber droht ein japanisches Imperium auch die ganze pazifische Stellung der USA, damit nicht zuletzt auch ihren Einfluß in Mexiko, in Chile, in den mittelamerikanischen Republiken zu erschüttern. Der chinesische Konflikt hat aber auch bewiesen, daß man die asiatische Polittk von der europäischen nicht zu trennen vermag. Denn wenn Großbritannien sich in China zu zurückhaltend zeigt, so liegt es an den Verwicklungen im Mittelmeer und an der„Achse Rom—Berlin". Das britische Reich macht gewaltige Ansttengungen, die Krise und Kraftprobe zu bestehen, der es seit 1935 unterworfen und die noch nicht beendet ist. Eine Niederlage Großbritanniens würde die USA vielleicht zum Erben der angelsächsischen Weltstellung, aber auch zum Erben schwerer Lasten, einer verhängnisvollen Konkursmasse machen. Amerika hat allen Grund dem vorzubeugen und den jetzigen Zustand eines Gleichgewichts der Kräfte in der angelsächsischen Welt, einer Art großen Familien-A.-G. zwischen dem Pfund- und dem Dollar-Reich zu erhalten. Neben diesen Motiven spielen aber, vielleicht noch Harold Laski. Herbert Morrissvn berichtete über die nächsten Wahlen. Er sagte, die Labour Party müsse eine wahre Bolkspartei werde«. Man habe London.(Eigenbericht.) In Tanger wurden SOS-Rufe eines Schiffe» aufgefangen, das von Francoschiffen gezwungen wurde, Kur» auf Mallorca zu nehmen. Man vermutet, daß es sich um ein französisches Schiff handelt. Seile 2 Donnerstag, 7. Oktober 1937 Nr. 23« China-Resolution auch vom Plenum genehmigt Genf. Die Völkerbundversammlung nahm die vom 23er-Ausschuß vorgeschlagene Resolution über die Lage im Fernen Osten am Mittwoch unverändert uitd mit der notwendigen Einstimmigkeit an. Lediglich Polen und-Siam hatten sich der Stimme enthalten. Die Session wurde nicht geschlossen, sondern bloß vertagt, um Eventuell ein weiteres rasches Eingreifen des Völkerbundes in den japanisch-chinesischen Konflikt zu ermöglichen. Der Vorsitzende der Bülkerbundversammlung hat bereits an die Signatare des Washingtoner Neunmächte-Abkommencs über China die Einladung ergehen lassen, im Sinne der Völkerbundresolution in möglichst kurzer Zeit Besprechungen nach Artikel 7 des Vertrages aufzunehmen. stärker als 1917, auch heute wieder ideelle Gründe eine ausschlaggebende Rolle. X Die Attacken des Dritten Reiches und seiner Bundesgenossen auf die überkommenen Vorstellungen von Recht und Zivilisation haben die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten aufgewühlt. Sie schlagen allen Traditionen und Werten Amerikas ins Gesicht, sie suchen der Welt ein Lebensgesetz zu diktieren, das dem amerikanischen in wesentl. Punkten feind ist(so sehr es in anderen Punkten eine Uebernahme amerikanischer Wertvorstellungen bedeutet). Die Juden- und Christenverfolgung in Deutschland, die Militari- sierung der Jugend, die Verachtung der Verträge, die Kriegsdrohungen, der Führergedanke, die Unterdrückung der politisch andersdenkenden Mitbürger, das sind für Amerika barbarische Grundsätze, deren Uebergreifen auf die übrige Welt die USA verhindern müssen, wollen sie nicht ihre eigene Gesellschaft und ihre Staatlichkeit in Frage stellen. Roosevelt hat das sehr deutlich ausgesprochen,^Es sei unvorstellbar, daß Amerika ein zivilisiertes Land blsibe, wenn die übrige Welt in die nackte Barbarei zurückfalle. Im Jahre 1917 bedurfte es des Eingreifens Amerikas, weil Deutschland erst durch die Tat davon zu überzeugen war, daß die USA den Krieg zu entscheiden vermögen. Heute könnte ein entschiedenes Auftreten derUSA den Krieg vielleicht abwenden, weil man in Rom wie in Berlin genugsam weiß, was die Kriegsmacht, die wirtschaftliche wie die militärische Macht der Vereinigten Sürgten bedeutet. Auch Japan gegenüber brauchte es nicht zum Kriege zu kommen. Es würde genügen, wenn England, Frankreich, die USSR, Holland und die USA die Fernblockade über Japan verhängten und die Handelswege in den Stillen Ozean sperrten. Japan müßte unter dieser Blök» kade über kurz oder lang zusammenbrechen. Es fragt sich nur, ob der Appell Roosevelts heute schon unter den Amerikanern, die Anhänger der Isolierung sind, jknen Widerhall findet, der für eine umwälzende Aenderung der amerikanischen Politik noch immer die Voraussetzung ist. Roosevelts Rede war zunächst einmal ebensosehr ein, innenpolitischer Versuchsballon wie ein außenpoliti- scherSchreck schuß. Eines aber ist heute schon klar. Ob ein tätiges Eingreifen Amerikas früher oder später erfolgt, mag offen sein, daß es i m Augen b*l ick der Entscheidung er- folgen wird, kann man in Tokio, Rom und Berlin nicht mehr in Zweifel ziehen! 40 EINE GESCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUITÄTEN Copyright dy Saturn Verlag 1935 „Soso", sagte er und wedelte mit dem Scheck in der Luft,„Sie haben mit Miesling Geschäfte gemacht? Sie kennen Miesling?" „Ja, rufen Sie doch an, Monsieur", erwiderte Valerian reserviert. „Soso", sagte der Prokonsul,„und Sie können sich legitimeres" Valerian zog seinen Paß hervor, legte seine Visitenkarte dazu und überreichte boides schweigend. Aus der Lektüre heraus fragte der Tribun plötzlich:„Emigrant?" „Durchaus nicht", entgegnete Valerian, dem diese saloppe Behandlung höchst mißfiel. „Soso", sagte wieder jetter und reichte jetzt den Paß dem Kugelgestaltigen.„Ja, da geht ja hoffentlich alles in Ordnung, Sie werden das Geld morgen, spätestens übermorgen ohne jeden Anstand ausbezahlt erhalten". „Warum nicht heute?" fragte Valerian mit aufsteigender Wut. „Es verstößt gegen alle Bankusancen", sagte der Mann im Pelz langsam.„Bei so großen Beträgen kann man nicht mit telephonischen Erkundigungen arbeiten. Das muß alles schriftlich gehen, da müssen Belege da sein. Sie verstehen?" „Und gibt es da gar kein Mittel?" „Gibt es da irgend ein Mittel? Monsieur Roosevelts Echo Kabinettsrat in London, Vogel-Strauß-Politik der Apostrophierten London.(E i genbericht.) Die große Friedensrede Roosevelts war am Mittwoch Gegenstand der Beratungen deS britischen Kabinetts. Insbesondere handelt es sich darum, die Tragweite der Wendung festzustellen, man müsse die Kriegshetzer und Angreifer unter Quarantäne stellen. Die angekündigten Berspre- chungen der Teilnehmer des Reunmächtevertra- gco, die voraussichtlich in etwa vierzehn Tagen in London stattsinden werden, dürften Gelegenheit geben, Roosevelts eigenMche Absichten festzustellen, über die auch in Amerika einige Unklarheit herrscht. Washingtoner Kommentare deuten an, daß die Bereinigten Staaten von Amerika eine Bölkerbnndaktion gegen Japan unterstütze» würden. Die deutsche und die italienische Presse sabotieren die Rede. In Italien dürfen über die Rede ganze fünf Zeilen gebracht werden, während sie von der deutschen Presse als nebensächlich behandelt wird. In der japanischen Presse erscheint die Rede unter Weglassung aller Stellen, die sich auf Japan beziehen könnten. Die Rede Roosevelts wurde in D e u t s ch» land fast gar nicht registriert. Einige Blätter brachten die Meldung einer amerikanischen Agentur, aus der sie a l l e wichtigen Stellen g e st r i ch e n hatten. Die politischen Stellen Deutschlands bekunden keiinÄnteresse für die Erklärung Roosevelts und hüten sich, irgend etwas auf Deutschland oder auf dieGnit Deutschland befreundeten, Staaten, wie z. B. Japan, zu beziehen. London.(Eigenbericht.) Englische Blätter berichten ausführlich über sehr umfangreiche neue italienis.cheMaterial- send ungen nach Franco-Spanien. Es wurden insbesondere neue, besonders schnelle Bombenflugzeuge geliefert, und zwar drei Geschwader. Gleichzeitig mit dieser neuen Sendung ist eine Reihe italienischer Offiziere in Franco-Spanien eingetroffen. Unter ihnen befinden sich Achill» Biseo, General Mecozza und Oberst Guiseppe Garba. Der Plan Francos geht dahin, nunmehr die s p"a üfsch'en Großstädte besonders heftig zu bombardieren und bei Saragossa eine große Offensive mit dem Ziele der Abschnürung Valencias von Barcelona zu beginnen. Die Offensive soll bis zur Küste vorgetrieben werden. Auch die Flugstation auf Mallorca wurde ausgebaut. Die Anflüge feindlicher Apparate gegen Valencia und Barcelona- die in der letzten Zeit viele Opfer forderten, scheinen mit diesem Plane Franeos zusammenzuhängen. * Aus Cadiz wird gemeldet, daß am 23. September 3000 deutsche Soldaten an Bord deutscher Kriegsschiffe eingetroffen sind. Sie wurden sofort auf Lastautomobilen nach Sevilla transportiert mit der Bestimmung, an der Höchsten großen Entscheidung um Madrid teilzunehmen. Auch die italienische Presse hat die Rede bisher nicht veröffentlicht, sondern berichtete lediglich in einigen Zeilen über die Rede. An amtlichen Stellen wird erklärt, es sei n i ch t n ö t i g, die offizielle Redaktion auf diese Rede kennen zu lernen, da Italien durch diese Rede nicht tangiert wurde..)’ Der Sprecher des japanischen Außenministeriums erklärte, es sei schwer, den Frieden aufrechtzuerhalten, solange die ungleichmäßige Verteilung der Güter unter den Nationen ausrechterhalten werde. Japan forderte Bewegungsfreiheit für seine zahlreichen Bewohner und vor allem die freie Auswanderung der Japaner nach China. * Oie Pazlflc-Konferenz gesichert Washington. Nach Ansicht^taßge- bender Kreise ist die Teilnahme der Bereinigten Staaten an der Rennmächtekonferenz durch die Rede Roosevelts gesichert. Informierte Beobachter hegen die Neberzeugung, daß auf diese Rede des Präsidenten schon in kurzer Zeit eine genaue Klärung des Standpunktes und des Borgehxns der Bereinigten Staaten folgen wird. Allgemein wird auch angenommen, daß diese Erklärung nicht nur das Versprechen der Bereinigten Staaten enthalten wird, an der Rennmächtekonferenz teilzunehmen, sondern auch eine direkte Unter st ützung für die Resolution des Völkerbundes, durch die der japanische Angriff auf China verurteilt wurde. In Paris wird betont, daß in jedem Falle England und Frankreich rasch und entschieden handeln werden, wenn sich die letzten Nachrichten bestätigen sollten, daß Italien neue Verstärkungen in das nationalistische Spanien entsendet, um eine neue große Offensive des Generals Franco zu ermöglichen. Mussolini wieder In Rom Mussolini ist Mittwoch gegen Abend von seinem Landsitz wieder nach Rom zurückgekehrt. exekutive der SAI (I. I.) Genosse Jean D e l v i g n e, der sich in Spanien aufhält, hat seine Funktion als Generalsekretär der Belgischen Arbeiterpartei zu- rückgelegt und ist gleichzeitig aus der belgischen Vertretung in der Exekutive der SAI ausgeschieden. An seiner Stelle hat die belgische Partei de» Genossen Mar B u s e t, Abgeordneten, zum Mitglied der Exekutiv« bestimmt. Di« belgische Vertretung besteht daher nunmehr aus den Genossen Bandervelde, Huhsmans und B u s e t. Vie Platinuhr-Affäre des Abs. A. J. BeneS über die wir seinerzeit ausführlich berichtet haben, hat neuerlich die Gerichte beschäftigt. Wie bekannt, wurden der ehemalige Funktionär der tschechischen Gewerbepartei Sedläiek und der Juwelier Salo Jakobowicz wegen Ehrenbeleidigung zu Arreststrafen verurteilt, weil sie dem gewerbeparteilichen Abg. Benes die sonderbare Sache mit der Platinuhr vorgeworfen hätten, die dieser Herr für eine Intervention zugunsten des genannten Juweliers erhalten haben soll, ohne diese Intervention durchzuführen. Wie sich ergab, hatte er die Platinuhr jahrelang„zur Ansicht" bei sich behalten und sie erst zurückgestcllt, als Sedläkek in Parteikreisen die Sache zur Sprache brachte, ohne den Abg. Benes aber mit Namen zu nennen. Erst vor dem Ehrengericht der Partei wurde er deutlich und zog sich dadurch'die Ehrenbeleidigungsklage zu, die mit seiner und des Juweliers Jakobowicz Verurteilung endete. Nun hätte sich der Berufungssenat des Prager Kreisgerichtes(Vors. Kreisgerichtsvizepräsident Charypar) neuerlich mit der Angelegenheit zu befassen, da beide Verurteilten Berufung gegen das erste Urteil eingelegt hatten. Das Berufungsgericht hob das Urteil d?s Prager Bezirksgerichtes auf, da einerseits sim Falle Jakobowicz) Verjährung vorliege, anderseits aber, was Sedläkek betrifft, diesem guter Glaube zuzu- i billigen sei und der redliche Wille, der Aufrechterhaltung der Moral zu dienen. Dieser Angeklagte habe in keiner Weise sein Recht überschrüten, glaubhaft gemachte Mitteilungen öffentlich zu äußern. Deshalb habe das Gericht keine Ursache gehabt, sich mit der Frage zu befassen, ob her WaMheitsbeweis geglückt sei oder nicht, und habe das erste Urteil aufgehoben. Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kläger Abg. A. I. Benes zu tragen. Klagen der Selbstverwaltung über dir Erschwerung der Schuldenregelung. Aus Äfteisen der Selbswerwaltungskörper, werden Beschwerden gegen das außerordentlich rigorose Vorgehen des Vertreters des Finanzministeriums in dem für die Schuldenregelung der Selbswerwaltungskörper geschaffenen Kurawrium vorgebracht. Ueber Drängen des Finanzministeriums wird die Schuldenregelung nämlich nur jenen Gemeinden bewilligt, die nicht nur die Zuschläge in der vollen Höhe von 300 Prozent einheben, sondern auch alle überhaupt zulässigen Abgaben. Infolgedessen sind zahlreiche Gemeinden vorläufig aus der Schuldenregelung ausgeschieden. In Böhmen haben z. B. 602 Gemeinden um die Regelung ihrer Gesamtschulden in der Höhe von 1.9 Milliarden und 96 Bezirke mit einer Gesamtschuld von 1 Milliarde Kö angesucht. Ueber Einschreiten des Finanzministeriums wurde die Schuldenregelung aber nur 326 Gemeinden und 92 Bezirken mit einer Gesamtschuld von 1.5 Milliarden bewilligt, während die Regelung für insgesamt 2.9 Milliarden Selbstverwaltungsschulden angesucht und auch vom Landesausschuß zum größten Teile empfohlen worden war. Infolge des Verhaltens des Finanzministeriums kann also eine ganze Reihe von Gemeinden der Wohltat der Schuldenregelung, die für die Gemeinden mit einer starken Entlastung verbunden ist, nicht teilhaftig werden. Die tschechischen Selbstverwaltungsverbände bereiten daher ein Einschreiten bei der Regierung vor, von der die Erteilung liberalerer Richtlinien an das Finanzministerium für die Schuldenregelung der Selbstverwaltung gefordert werden soll.(DND)' Italienische Bomber nach Spanien Franco plant Offensive bei Saragossa Aronas möchte gerne heute zu seinem Gelde kommen", wandte sich der Deutsche ftNizösisch an den Dicken.• „Hm", erwiderte dieser glatt und unzugänglich,„ich wüßte keines. Aber Sie, Herr Generaldirektor, können ja im eigenen, privaten Wirkungskreis außerhalb der Bankgestion vielleicht eine Lösung finden". Was wollen diese Füchse von mir? fragte sich Valerian und sah aufmerksam von einem zum anderen, die haben sich drinnen verabredet und spielen ein abgekartetes Spiel. „Es gibt nur eine Möglichkeit", meinte nachdenklich der Imperator,„einen Privatbankier zu finden, der den Baron Miesling kennt, sich mit ihm in Verbindung setzt und ohne schriftliches Aviso auf sein gesprochenes Wort hin den Scheck eskomptiert". „Und wo finde ich einen solchen Bankier?"' „In ganz Paris nicht", erwiderte jener sanft,„der Verdienst steht in keinem Verhältnis zum Risiko". „Welcher Verdienst? Welches Risiko?" „Nun, die Höhe des Risikos kennen Sie. ja selbst, und der Verdienst? Die usancenmäßigen zehn Prozent Eskomptage. Ich wchiß aber nicht, ob Ihnen das jemand auch mit zehn Prozent durchführt". Valerian schwieg und sah von einem zum anderen. Tus also wollten sie von ihm. Sie wollten den Scheck nicht ausbezahlen, sondern eskomptieren und zehn Prozent verdienen. Ein paar Zehntausend Francs. Das ist der Grundstein zu einem Gallenleiden, sagte er sich; mit dem Besitz beginnt das Alter; die Aufregungen, die mit Besitz verbunden sind, sind ungesund. Um das Geld anderer zu kämpfen ist gesund, das ist struggle of life, natürliche Zuchtwahl, Auswahl der Beste», Jugend, Offensive, Aktivität. Aber der Kamps um die Erhaltung des Eigenen, das ist Defensive, Passivität, Alter, das zehrt am Menschen. Seine Blicke gingen Hereits langsam und schwer wie die eines beginnoeden Apoplektikers zwischen dem Senator im Pelzmantel und dem glattgesichtigen Diener der Geldkirche hin und her. „Warten Sie doch, Monsieur Aronas", sagte der Römer freundlich,„warten Sie doch ein, zwei Tage. Und wenn's drei werden..." „Wieso können es denn drei werden?" fragte Valerian leise und gütig.„Es ist doch gar kein Zweifel daran, daß der Scheck in Ordnung geht. Sie wissen doch ebensogut wie ich, meine Herren, daß alles in Ordnung geht". „Selbstverständlich", bestätigte der Trium- vir,„selbstverständlich geht alles in Ordnung. Darum sollten Sie eben warten. Auch drei. Tage..." «Oder vier..." fragte Valerian wißbegierig. «Vielleicht sogar vier", gab jener zu,«Miesling kann verreist sein, irgendeine Vergeßlichkeit, eine verspätete Postexpedition, ein Zufall, kurz eine Verzögerung irgendwelcher Art in der Absendung des Avisos oder gar ein Storno des Scheckausstellers? Weiß Gott warum? Wäre doch auch möglich; nicht?" „Das wäre nicht möglich", erwiderte Valerian und begann zu zittern, als er diese seine geheimste Befürchtung laut ausgesprochen hörte. „Alles ist möglich, alles ist schon dagewesen", sagte der Gewaltige im Pelzmantel,„wir haben im Bankwesen schon mancherlei erlebt". Er hatte plötzlich liebe braune Rehaugen, die sanft und klug auf Valerian gerichtet waren, und diesem bis in die innersten Gehirnfalten zu schauen schienen. „Die Herren Villon& Bardet", sagte Valerian, unfähig, sich zu beherrschen,„wollen mir also den Scheck eskomptieren, das heißt: mich zum Verlust einiger zehntausend Francs zwingen?" O Anstelle einer Antwort wandte sich der Mann im Pelz an den Fetten mit der Frage, ob das Bankhaus den Scheck eskomptieren wolle? Der Fette schüttelte energisch den Kopf. Keine Spur, er denke nicht daran. Eine so hohe Summe. Und außerdem verstieße eS durchaus gegen die Bankusancen. „Und Sie, Monsieur?" ftagte Valerian, dem das Manöver immer klarer wurde, den Mann im Pelz. „Ja", sagte dieser gedehnt,„das müßte man ein bißchen besprechen. Vorausgesetzt, daß Sie es sich nicht doch noch überlegen." Valerian lächelte, ein etwas krampfhaftes Lächeln, wie man es hie und da auf den Gesichtern gerade knock out geschlagener Boxer Dtzbt, die ihrem Ueberwinder kollegial die HanLMei- chen. Der Pelzträger sagte etwas zu dem Dicken. Dieser erhob sich. Mit runden, prallen Bewegungen vorangehend, federnd wie ein aufgepumpter Pneumatik, führte er sie in ein prachtvoll möbliertes Riesenzimmer, anscheinend den Repräsen» tations- und Konferenzsaal der Bank, und ließ sie dort allein. Der Deutsche warf seinen Pelz über einen Sessel und entnahm einer offenstehen- den Schachtel mit der Geste des Hausherrn eine Zigarre. „Wieso kommen Sie zu Miesling?" sagte er, kaum daß die.Tür sich hinter dem Dicken geschlossen hatte,„was haben Sie als Jude mit Miesling zu tun? Uebrigens wein Name ist Ge- neraldireftor Fischer. Ich nehme an, daß Sie schon von mir gehört haben?" Allerdings hatte Valerian von ihm gehört. Nämlich von seinen Millionen. Generaldirektor Fischer war eines jener bedauernswerten Opfer der neugeschaffenen polittschen Lage, die unter dem Namen Emigranten das berechtigte Mitleid der ganzen Welt erregen. Angesichts des großen Verlustes, den diese Menschen dadurch erlitten haben, daß sie der Wohltaten ihres reorganisierten Vaterlandes nicht mehr teilhaftig werden, verschlägt eS wenig, ob die einen ohne einen Sou und die anderen mit einigen Millionen in der Tasche davongekommen sind. (Fortsetzung folgt.) Nr. 236 Seite 3 Donnerstag, 7. Oktober 1937 o Italienisches Torpedo bei Alicante aufgefischt Valencia. Das Ministerium für nationale Verteidigung teilt aus Alicante mit, daß Dienstag nachmittags am Strande von L a l p e t, anderthalb Meilen von Moraica, von einem Fischerboot ein Torpedo aufgefundon wurde. Sachverständige stellten fest, daß die Kennzeichen dieses Torpedos— Länge 5.20 Meter, Kaliber 45.6 Zentimeter— den Torpedos italienischer Herkunft und Erzeugung entsprechen. Die Fundstelle befindet sich an jenem Teil der Küste, wo bekanntlich vor wenigen Tagen der britische Zerstörer„Basilisk" von einem unbekannten Unterseeboot angegriffen wurde. Torpedos des Kalibers 45.6 Zentimeter führen lediglich einige ältere italienische Küsten» Unterfoeboote, die noch im Weltkrieg erbaut wurden. Es sind dieS die U-Boote der H-Klaffe (Nr. 1 bis 4, 6 und 8) sowie die alS Minenleger verwendeten U-Boote X 2 und X 3. Die moderneren Unterseeboote der italienischen Kriegsmarine verwenden TorprdoS des Kalibers 53.3 Zentimeter. Genf. In Genf tauchte die Nachricht auf, daß die Japaner mit Deutschland wegen einer Bestellung von Waffen im Werte von 40 Millionen Schweizer Franc-, die innerhalb eines JochreS zahlbar wären, verhandeln. Diese Verhandllmgen sollen bereitknapp vor dem Abschluß stehen. QwA am Ufacfaaa kann uA wmA denn, wenn ich zeitig genug beginne, bin ick bis zum Mittagessen in der Waschküche fertig. Radion erübrigt das mühselige Vorwäschen sowie das Rumpeln am Waschtrog— deshalb libt sich auch die grobe Wäsche leicht in den Tageslauf einordnen. Radion wäscht eben allein. In kaum mehr als 15 Minuten wird die Wäsche blendend weiß und bleibt dabei geschont. Josef Koschatzky—ein Sechziger! Am 8. Oktober begeht Josef Koschatzky, der Kreis- und Bezirks- Vertrauensmann der DSMP in Sternberg, seinen sechzigsten Geburtstag. Die ganze Partei hat Anlaß» zu diesem Tage dem verdienten Manne herzlichen Dank und Glückwunsch auszusprechen, denn Koschatzky hat sich um unser« Bewegung unzählige Verdienste erworben. Koschatzfi), ein Bauernkind aus Kriegsdorf bei Römerstadt, kam schon als blutjunger Tischlergeselle in Sternberg in Partei und Gewerkschaft. Seit 1919 ist er ununterbrochen Bizebürgermeister Sternbergs rmd hat insbesondere in der Verwaltung des Krankenhauses dort und als Sozialreferent der Gemeinde Bedeutendes geleistet. Die Erfolge der Wohnungsfürsorg« in Sternberg sind zum größten Teile sein Verdienst. Bei den Turnern und Kinderfteunden bekleidete«r verschiedene Funkttonen, als Bezirks- und dann auch als Kreisvertrauensmann der Partei ist er das Herz unserer Bewegung in Sternberg. Koschatzky wird ob seiner Rechtlichkeit, seiner Sachlichkeit, seines Fleißes und seines liebenswürdigen Wesens weft und breit geschätzt. Zu seinem 60. Geburtstag gehen dem alten Kämpfer die herzlichsten Wünsche tausender Freunde zu. Adolf Palmes letzter Weg Unter überaus großer Beteiligung wurde am Mittwoch in Karlsbad AdolfPalme zu Grabe geleitet. Aus einer Reihe von Bezirksorganisationen unserer Partei waren Abordnungen erschienen. Auch die KreiSorzanisation Trautenau ! und der Verband der Bekleidungsarbeiter hatten ! Abordnungen entsendet. Der Sarg war mit Blumengewinden überdeckt. Biele Organisationen hatten Kränze geschickt. In der Friedhofshalle leuchteten die roten Blumen, die Palme so liebte. Am Grabe würdigte Kreisvertrauensmann Abgeordneter de Witte Leben und Werk unseres verstorbenen Freundes in einer erschütternden Ansprache. Zwölf Jahre für Militärverrat Prag.(Amtliche Meldung.) Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Kreisstrafgericht in Prag verurteilte am Mittwoch nach zweitägiger Verhandlung den 23jährigen Privatbeamten Herbert G e i p e l aus GottmanWgrün bei Asch wegen des Verbrechens des Militärverrates zu schwerem Kerker in der Dauer von zwölf Jahren mit den entsprechenden Verschärfungen sowie zu einer Geldstrafe von 6000 XL, im Nichteinbringungsfalle zu einer weiteren schweren Kerkerstrafe in der Dauer von 60 Tagen und sprach bei dem Angeklagten den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus. In welchem Lande erscheint die„Reichenberger Zeitung**? Vor uns liegen die„Bilder vom Tage", Wochenbeilage der„Reichenberger Zeitung" vom 6. Oktober. Wenn dieses illustrierte Blatt im Dritten Reich erzeugt und vom Reichspropagandaministerium srckventioniert würde, könnte es kaum anders aussehen. Diesmal wird Mussolinis Besuch in Berlin in einer Weise aus» geschrotet, die alle bisherigen Leistungen der „R. Z." auf diesem Gebiete übertrifft. Gleich vom Titelblatt, das Hitlers und Mussolinis Fahrt durch das Brandenburger Tor riesengroß festhält, wird der Leser von einem halben Dutzend Hakenkreuzen in Empfang genommen. Und im Innern des Blattes wimmelt es nur so von Führer-Bild- nisten, Hakenkreuzen, Militärparaden und Begeisterung, die sich sogar auf die„W affen- schmiede Deutschlands" erstreckt. Bis auf die letzten drei Seiten atmet die ganze Nummer den Geist des deutschen und des italienischen Faschismus. Gibt es wirklich Naive— etwa bei den tschechoslowakischen Behörden— die sich angesichts solcher hemmungSwser Propaganda etwa über den nationalsozialistischen Geist im fubetav deutsche^ Gebiet. wundern? Hält.man solche Presse-Erzeugnisse und ihre Fürderung-für demokratisch, dem Wesen und den Zielen der Republik entsprechend? Streik der Schuhfabrikarbeiter In Tschernoschln Die Schuhfabrik Gebrüder Richter in Tscher- noschin beschäftigt derzeit 120 Arbeiter und ist mit Aufträgen hinreichend versorgt. 2m krassen Gegensatz hiezu stehen die Lohne, welche in der 48-Stundenwoche für bestqualifizierte Arbei- terinen selten mehr als 60 Kö, bei männlichen Arbeitern nur in ganz vereinzelten Fällen über 100 bis 120 KC betragen. Wiederholt hat sich die Arbeiterschaft gegen Lcchnreduzierungen zur Wehr setzen müssen. Ende August holte sich der Firmeninhaber Herr Anton Richter als eingeschriebenes Mitglied der SdP den SdP-Sekretär Fröhlich aus Mies gegen seine Arbeiter zu Hilfe. Als die Arbeiterschaft erkannte, daß sie von dieser Seite keine Unterstützung erhalten könne, wandte sie sich an den Bekleidungsarbeiterverband in Reichenberg, der Verttags- und Lohnforderungen überreichte. Die Firma war jedoch nicht zu bewegen, an den von der Gewerbehörde angesMen Einigungsverhandlungen teilzunehmen, Mshalb die Arbeiterschaft einmütig in einer am Mittwoch abgehaltenen Belegschaftsversammlung die A r v ei»tsniederlegung beschloß- Dr. Weidmann gestorben. Der bei Prag verunglückte Dr. Weidmann aus Turn ist, ohne das Bewußtsein erlangt zu Hecken, verschieden. Dr. Weidmann war deutscher Sozialdemokrat. Betriebsausschußwahlen bei der Firma Böhm in Reu-Titschein. In unserem gestern veröffentlichten Wahlbericht muß es richttg heißen, daß der Bekleidungsarbeiterverband vierzig Prozent aller deutschen Stimmen erreicht hat. Bom Institut für deutsche Volksbildung. In der Sitzung des Präsidiums des Institutes am 4. Oktober 7937 wurde zu besten Direftor Herr Hubert Nerad ernannt, der, wie bekannt, aus den Diensten des Kulturverbandes ausgetreten ist. Der Präsident der Republik empfing Mitt^ woch den Minister Dr. K r o f t a, weiters den Gesandten in Bukarest Dr. B e v e r k a sowie schließlich den Universitätsprofeffor Dr F. M u k- k e r aus Rom. Der böhmische Landesausschuß bewilligte in seiner gestrigen Sitzung 22 Gemeinden verschiedene Jnvestittonsdarlehen, darunter der Stadt Aussig eine Anleihe von 2 Millionen Kö und der Gemeinde Janegg, Bezirk Dux, eine Anleche von 460.000 Kö für Wohnhausbauten für Arme, und der Stadt G r u l i ch eine Anleihe von 300.000 Kö zur Unterbringung der Staatspolizei. Mitteilungen aus dem Publikum. Der verräterisch« Geburtstagsrock. Gerade als die Sttmmung der fröhlichen Kindergesellschaft ihren Höhepunft erreicht hatte, geschah das Pech. Rosl warf die Schokoladenkanne um und der Inhalt ergoß sich auf Annis weißes Leinenröckchen. Die Gastgeberin kostete das kleine Mädchen und versprach ihm, das Röckchen schnell auszuwaschen, so daß die Mutter den Schaden nicht bemerk, wenn sie ihre Kleine abholen kommt. Tatsächlich dauerte es nicht lange und Anni konnte ihr Röckchen ftisch gewaschen und fttsch gebügelt wieder anziehen. Wie glücklich sie war! Aber als. die Mutter sie abholte, kam das Geheimnis doch heraus. Denn das Röckchen hatte ein so leuchtendes Weiß nach dem Waschen bekommen, daß es gar nicht mehr zu dem auch weißen Bluserl Pasten wollte. Natürlich fiel das der Mutter sofort auf. Änni gestand ihr den ganzen Vorfall und die Mutter bedankte sich bei der Gastgeberin.„Wer bttte, sagen Sie mir", fügt« sie hinzu,„womit haben Sie denn das Röckchen gewaschen? So weiß habe ich es kotz allen Rumpelns und Reibens noch nie bekommen!" —„Ja", antwortete die Gastgeberin,„nehmen Sie doch Radion! Das wäscht in der halbM Zeit und wirklich weiß. Ich wasche alles damit." Da nahm die Mutter sich vor, es von jetzt ab genau so zu machen und so war aus einem Pech noch ein großer Vorteil geworden!—R „Zeitgeschichte“ für die Kinder unserer Volksschalen in der Form einer Tierfabel verständlich gemacht Von U n u s — ein wenig bester würd' er leben, hätt'st du ihm nicht den Schein des HimmettlichtS gegeben— er nennt's Vernunft, und braucht's allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein! (Faust, Vorspiel im Himmel.) Es war einmal— als der liebe Gott erst den fünften Schöpfungs-Mt hinter sich hatte, die Erde also nur von Tieren bevölkert war— daß eS in dem Lande, in dem es die Kastanien nicht nur im Winter an den Straßenecken zu kaufen gibt, und die Orangen und Zittonen nicht wie bei unS in Körben liegen, sondern auf Bäumen hängen, ein junger Stter auftrat, den es wurmte, daß daS Tiervolk von einem Zwergpintscher regiert wurde; er wollte selbst herrschen! Nun müßt ihr wiffen, daß der Stter ein sehr starkes Tier ist! Der drückt euch an die Wand, daß ihr nur so quietscht! Und so setzte er denn auch seinen Willen durch; wer sich ihm entgegenstellte, spießte er mit seinen Hörnern auf, zerkampelte ihn mtt seinen Hufen, oder gab ihm Rizinusöl zu trinken— na, und ihr wüßt, das ist noch schlimmer als Lebertran! Zu jener Zeit waren aber die Tiere noch nicht so wild wie die heutigen Menschen; so hat er z. B. den Zwergpintscher nicht wtgeketen, sondern als Schoßhunderl behalten; hat ihm mal ein Banderl um den Hals, mal einS am Schwanzerl gebunden; dafür hat ihm auch daS Hunderl aus dem Huf ge- ftestenl Da wurde der Wolf, der in einem kleinen Wald, etwas nördlicher als daS Land des Stiers, hauste, neidisch;«: hätte auch gerne herrschen wollen! Nun wohnte er dicht an einer sehr großen Weide, wo zumeist Ochsen und Kälber. Schafe und Hammeln lebten, und die doch gewiß leicht zu beherrschen wären? Er schlich sich also eines Nachts Wer die Grenze und kam so gegen Morgen in eine große Stadt. Indem er so durch die Hauptstraße trabt«, sah er im Schaufenster eines Kürschners ein prächtiges Läwenfell ausgestellt; er bekat den Laden und kaufte dem Kürschner, einem allen Hasen mit krummer Rase, das Fell ab; in seinem Gasthof„Zum Höhlenbär" angekommen, ließ er sich vom Stubenfräulein, einer jungen Gans, Nadel und Zwirn besorgen, sperrte sich in sein Zimmer ein, verhängte das Schlüsselloch mit einem-Handtuch, das Fenster mit dem Vorhang, und nähte stch sorgfältig in das Löwenfell ein. Dann verließ er, als Löwe, das Zimmer, und ging in die Gaststube hinunter. Um den großen Stammttsch herum saßen die Stammgäste, die Ochsen, die Hammeln, schwarz und gelb und rot gemusterte Kälber, paar Wegen; an einem Nebenttsch ein Marabu, den alle mit„Herr Justizrat" begrüßten, mit einer Eule, di« von diesem mit Frau Professor tttuliert wurde, in lebhaftem Disput über Völkerrecht, Tierrecht, über Rassentheorie, und über die Relattvität der Moral, die mal so, und mal anders sein kann. In einer etwas entfernten Ecke, ziemlich im Dunklen, lagen ein Fuchs, ein Fleischerhund und ein Schwein, die einander ihre Not klagten, daß das Futter so knapp sei— dabei warfen sie wütende Blicke auf den Hasen, der allein an einqm Tischchen saß und den Handelsteil der Zeitung studierte. Der war von den meisten Stammgästen gehaßt, weil er klug war, Haken schlagen konnte und immer was zu knabbern hatte.— Der Löwe setzte sich also an den Stammtisch und heulte(das Brüllen des Löwen mußte er erst studieren) nach einer Maß Hofbräu! Der Wirt, ein alter Pavian mit roten Backen, sprang zu und stellte die Maß mit einem„Heil Sieg" dem Löwen vor die Schnauze. Der musterte die An- wesenden mit einem höhnischen Blick:„Sieg? Mit war wollt ihr siegen? Und mit wem? Habt ihr solche Zähne wie ich? Und solche Klönen?" Dabei trommelte er mit ihnen auf der Tischplatte, daß diese nur so krachte!»Und euer Führ«, dieser alte Schlach tenhengst! Einen Löwen müßtet ihr zum Führer haben, wie mich! Die Ochsen und Hammeln muhten und blöllen begeistert, nur die rotgefleckten Kälber waren bockig und der krummnasige Hase meinte, so über seine Zeitung weg:„Dann wird's faul!" Setzte aber, da ihn der Löwe fürchterlich ansäh, rasch hinzu:„Natürlich für uns, die Hasen!"— Die drei in der dunflen Ecke steckten die Köpfe zusammen und meinten:„Ein Löwe frißt die Beute nie ganz auf, da bleibt für uns immer noch ein Happen übrig!" Sie bellten und grunzten freudig; der Fuchs scharwenzelte um den Löwen herum, das-Schwein rieb sich an dem Löwenfell, und der Hund kroch dem Löwen zwischen dessen Pfoten. Kurz, Kinder: der Wolf im Löwenfell wurde von der ganzen Runde zum Führer gewählt. Bloß die rotgefleckten Kälber mühten abweisend, die Ziegen meckerten, und der Marabu warf dazwischen:„Und unser alter Schlachtenhengst?" Und der Löwe: Mit dem rede ich morgen; und wenn er Mafäckchen macht, wird aus dem Hhlachtenrotz«in Schlachkotz!" Ueber den Witz orüllre alles und dem Löwen wurde als Führer in mancher Runde zugeprostet. Am nächsten Tag fand die denkwürdige Aussprache zwischen den beiden statt. Der Löwe sprach in seiner knappen Art:„Mein liebes alles Roßl Guck dir mal deinen alten Stall an; das Dach ist von den Hypotheken drauf schon zum Einfallen krumm; wenn du mich dem Volk als Führer empfiehlst, laß ich dir den Stall reparieren, und für deinen Sohn, das Reitpferd, einen neuen anbauenl" Der alle Schlach-, tenhengst schlug mit seinem Huf ein— vielmehr aus, und so ward der Löwe der legittm« Führer des großen Volkes. Der Fuchs wurde Minister für Lügenpropaganda, der Fleischerhund Minister für Mord und Totschlag, das Schwein Minister für Ausrottung aller Hasen; die rotgefleckten Kälber wurden mtt der Viehpeitsche zur Arbett getrieben, die Ziegen kamen wegen ihres Meckerns in den KonzentrationS- stall, der Marabu bekam den Auftrag, die Justiz zu vergewaltigen— Kotz seines hohen Alters— und die Eule die ehrenvolle Arbeit zugewiesen, alles Tierische in dieser neuen Regierung wissenschaftlich zu „untermauern". Der Wolf warf aber seine beutegierigen Augen auf die anderen Länder, die bald Angst bekamen: daS Volk der Einhörner drüben, über dem Kanal, daS Hahnenvolk an der Westgrenze, sogar» daS Adlervolk über dem großen Teich; nur daS Bärenvolk an der Ostgrenze machte dem Wolf-Löwen Sorge; er kriegte es jetzt selbst mit der Angst zu tun, und so bot er dem Stier im Süden seine Pfote. Beide ließen ein« große Barriere von oben nach unten errichten, die sie A ch s e nannten, über die kein Feind klettern könnte. Da aber die Raubgier beider immer größer wurde, verbanden sich auch die anderen Tierreiche und an allen Ecken brach der Kampf aller gegen alle ans! Es war ein Morden, wie es die Erde noch nie gesehen; mit Zähnen, Klauen, Schnäbeln, Giftstacheln, ja selbst mit Sttnkdrüsen; keine Weibchen und kein« Jungen wurden geschont. Bald blieben von den Millionen nur die Aasgeier übrig, die auf den Tierleichen hockten und hackten, und sich fett und dick ftaßen; und diesen Zeitpunkt hatten die gelben Affen, die noch hinter dem Bärenvok im Osten weideten, abgewartet. Ihre Völker wälzten sich gegen den Westen und besetzten die Lande, wo es früher ftomme Schafe, friedliche Ochsen, milchtragende Kühe, edle Pferde und keue Pudeln gab, verpesteten mtt ihrem Unrat und erfüllten die Luft mit ihrem Kläffen, Geschnatter und Kreischen. Da guckte der liebe Gott herunter und besah sich erschreckt den Schaden! Zum Glück hatte er ja noch einen, den sechsten SMpfungstag vor sich und so erschuf er den Menschen, dem er sogar seinen Odem, die Vernunft einblieS, inder Meinung, mit dieser im Leibe, könnte sich das Scheußliche nicht wiederholen, aber— selbst der liebe Gott kann sich mal irren! So, meine lieben Kinder, das Märchen ist auS; zehn Minuten Pause, und dann heißt'S: „Alarm! Gasmasken aufsetzen l In den Keller!" Seite 4 Donnerstag, 7. Oktober 1937 Nr. 23« Marie Velgo zum zweitenmal vor den Geschworenen —rb— Wie bereits berichtet, begann Mittwoch vor dem Schwurgericht in Neutitschein der zweite Prozeh gegen die 24jährige Marie Velgo, die bereits im Feber d. I. gemeinsam mit ihrem um 20 Jahre älteren Geliebten Wenzel Eernh vor den Brünner Geschworenen unter der Anklage O Ermordung ihres Gatten stand, des 57jährigen Obergerichtsrates Johann Velgo. Nach viertägiger .Verhandlung wurde damals Weikßel Cerny, der unmittelbare Täter, zu dreitzig Jahren schweren Kerkers verurteilt, während Marie Velgo durch den Wahrspruch der Geschworenen zwar des Mordes schuldig erkannt wurde, aber doch unter Zubilligung des Schuldaufhebungsgrundes des unwiderstehlichen Zwanges freigesprochen werden muhte. Neben Geschworen« hatten die Zusatzfrage auf unwiderstehlichen Zwang bejaht. TaS Oberste Gericht hob. dieses Urteil auf und ordnete neuerliche Verhandlung an, wobei es gleichzeitig den Prozeß an das Schwurgericht Neutitschein verwies. Mittwoch wurde unter Vorsitz des KrriS- gerichtspräsidenton Fibingrr der neuerliche Prozeß gegen Marie Velgo eröffnet, der ursprünglich auf vier Tage berechnet war, aber voraussichtlich bis nächsten Dienstag dauern wird. Die Anklage vertritt der Chef der Neutitscheiner Staatsanwalt, schäft Prokurator Dr. L e r a. -“ Rekapitulieren wir kurz die berests bekannt« Vorgeschichte des Dramas das hier zum zweiten Male aufgerollt wird. Marie Velgo, geborene Havlik, stammt aus einer armen Familie. Ur« Vergangenheit ist, wie die Anklage unterstreicht, keineswegs einwandfrei. Sie hat allerlei intime Bekanntschaften, auch solche mit Männern zweifelhaften Rufes, unter denen sich der spätere Mörder Wenzel Cerny befindet. Im Frühling 1985 macht sie im Park die Bekanntschaft des Obergerichtsrates Johann Velgo, den sie im Dezember des gleichen Jahres heiratet. Es war eine sonderbare Hochzeit. Das ungleiche Paar wird zwar kirchlich getraut, aber früh um sechs Uhr und ohne jede öffentliche Anzeige. Die nunmehrige ObergerichtSratgattin Velgo muß auf ausdrücklichen Wunsch ihres Gatten bei ihren Eltern wohnen und er vermeidet peinlichst, sie seinen Bekannten vorzustellen. Ihrer Darstellung nach bemüht er sich bereits nach kurzer Dauer der Ehe um einverständliche Scheidung und will sie mit 10.000 Xi abfinden, unter der Voraussetzung, daß niemand von der Sache erfährt. Das Eheleben dieses ungleichen Paares ist offenkundig unglücklich. Die Marie Velgo verkehrt weiter mit ihrem Geliebten und späteren Mordkomplicen Wenzel Cerny und eines Tages fassen sie den Entschluß, sich des mißliebigen Gatten zu entledigen. Wer den Anstoß gegeben hat,-darüber gehen die^ Aussägen der- beiden auseinander.- Cerny behauptete seinerzeit, daß er den Anstiftungen seiner Geliebten unterlegen sei. Diese wiederum erklärte, daß der Mordplan von ihm aus« gegangen sei. Als gräßliches Detail hält die Anklage fest, daß Marie Velgo dem Wenzel Cerny 20.000 XL für die Ermordung ihres Gatten angeboten habe, und zwar zahlbar in vier Jahresraten zu je 5000 XL stets am Jahrestag des Mordes... Der Mord am 15. März wurde vollbracht, und zwar in gräßlichster Art. Cerny, den seine Geliebte vorher in dir Wohnung eingelaffen hatte, versetzte dem Obergerichtsrat Velgo mit einer Flasche einen Hieb über den Kopf. Wider Erwarten wurde der lkeberfallene aber nicht bewußtlos, sondern rief um Hllfe. Der oder die Mörder— ob Cerny allein, oder unter aktiver Mithilfe seiner Geliebten gehandelt hat, ist nicht festzustellen— schleppten den Halb- betaubten ins Badezimmer, wo die Marie Velgo nach dem gefaßten Mordplan bereits die Badewanne mit Wasser gefüllt hatte und ertränkten ihr wehrloses GOpfer. Nach dem Sektionsbefund ist der Tod durch Erstickung infolge Eindringens von Master in die Luftwege eingetreten. Die Hilferufe des Gemeuchelten waren gehört worden und die Polizei drang in die verschlostene Wohnung ein. Cerny schoß sich, als er keinen Ausweg mehr sah, eine Kugel in den Kopf und verletzte sich schwer. Er ist auf einem Auge erblindet und wird wohl gänzlich das Augenlicht verlieren. Nach dem ' Schuldspruch der Geschworenen wurde er zu dreißig Jahren schweren Kerkers verurteilt, welches Urteil rechtskräftig geworden ist. Die Schuld Cernys lag klar zutage. Weniger leicht hatten eS die Geschworenen bei Erwägung über die Schuld der Marie Velgo. Biele und schwere Momente sprachen gegen sie und sie hat sich auch zu ihrer Schuld bekannt. Ihre Verteidigung bewegte sich in der Richtung, daß sie zu der furchtbaren Tat durch dir abnormale Veranlagung ihres Gatten gedrängt worden sei, die das Eheleben zu einer wahren Hölle gestaltet habe. Mehrfache Anträge der Verteidigung, das vorliegende Schriftmaterial zu verlesen(bestehend aus dem Tagebuch des Ermordeten, verschiedene Photographien und Korrespondenten) wurden abgelehnt. Gleichwohl legte das Schwurgericht den Geschworenen seinerzeit-die Zusatzfrage auf unwiderstehlichen Zwang vor, ldwit sieben Stimmen bejahtwurde. Auf Antrag des Staatsanwaltes, der Nichtigkeitsbeschwerde anmeldete, wurde Mari« Velgo in Haft belasten und das Oberste Gericht kaffierte den Freispruch mit der Begründung, daß die Vorlegung der Zusatzfrage auf unwiderstehlichen Zwang unstatthaft gewesen sei. So kam es zur neuerlichen Verhandlung, die auf Anordnung des Obersten Gerichtes nach Neutitschein delegiert wurde. Marie Velgo hat in der Untersuchungshaft ein Kind zur Welt gebracht, ein Mädchen, besten Vater Ugch ihrer Behauptung ihr ermordeter Gatt« ist. Dieses Kindes haben sich seine Verwandten angenommen. Der erste Verhandlunsstas Ein dichtes Spalier von Neugierigen säumte die Straß« zwischen dem Neutitscheiner Gerichtsgefängnis und dem Gerichtsgebäude, wo die Untersuchungshästlinge zur Verhandlung geführt zu werden pflegen. Die Neugierigen wurden allerdings enttäuscht, da der Verteidiger der Marie Velko, Dr. Loria, sie in seinem Auto in das Gerichtsgebäude führte und auf diese Weise dieser Schaustellung entzog. Unter den ausgelosten Geschworenen befinden sich f ü n f Frauen. Als Ersatzgeschworene wmden«in Mann und«ine Frau ausgelost. Vorsitzender Kreisgerichtspräsident F i b i n- ger eröffnete die Verhandlung mit einem Appell an die Zuhörerschaft, unter allen Umständen die Würde des Gerichtes zu wahren und sich zu keiner- Sogcaieuiftfcetten Der geistige Tod Dieser spricht durch Herrn Reichsdramaturgen Dr. Rainer Schlösser folgendermaßen: „Wir haben die Wahrung und Verteidigung unserer eigenen kulturellen Güter zum höchsten Grundsatz erhoben, und wir haben einen jeden... vom Artisten bis zum Wagnersänger, vom Souffleur bis zum Regisseur auf diesen höchsten Grundsatz verpflichtet."(Zittauer Morgenzeitung.) „Die Reichsschrifttümskammer ist keineswegs nur ein Verwaltungsapparat, sie ist vielmehr eine Art Reichsgericht, die letzte Instanz für Auseinandersetzungen der neuen Bewegung mit den ihr begegnenden dichterischen Kräften, ein wachendes Gewissen des Nationalsozialismus, das an der Au srichtung der G e i st er mitzuwirken hat." (Chemnitzer. Neueste Nachrichten) Der gleiche Herr sagt(zitiert nach dem „Deutschen Weg", Oldenzaal): „So wie die Gebet smühlen des Tibet ihre Frömmigkeit symbolisch e ins ch alten in den Blutkreislauf der Schöpfung, wenn sie i n den Ablauf der Flüsse gestellt werden; so wie die Fahne von ihrer Gefolgschaft als pfingstliche Zunge im Odem des Schöpfers erfühlt wird, ebenso tief und über jeden Materialismus erhaben umgürtet die Liebe dieser Mannschaft, dieses verschworenen Ordens das Leben des Führers. Das Leben des Führers bleibt auf diese Weise nicht nur Wirklichkeit, sondern wird zu einer Wahrheit, das heißt, wird geistiges Erlebnis." Die Wahrheit in der Reklame des Gebetmühlenbetriebs. Was aber„eine Wahrheit" ist das sagt uns am besten(laut.„Frankfurter Zeitung") der NS-Philosoph Martin Heidegger: „Die Wahrheit kann sich nicht alles Verborgenen entledigen; zu ihrem Wesen gehört das Nein und Nicht:„Wahrheit ist in ihrem Wesen Unwahr- h e i t." Goethe dagegen... Ein Professor Ritterhaus in Hamburg hat entdeckt, daß Goethe ein Alkoholi- lei Kundgebungen hinreißen zu lassen. Die Verhandlung hatte einen dramatischen Auftast. Verteidiger Dr. Loria protestierte nachdrücklich gegen die Anwesenheit» des Vertreters der Privatbeteiligten Dr. Lbchmann, der die Familie des Ermordeten vertritt. Dr. Loria verwies darauf, daß er schon seinerzeit die i Ansprüche der Familie des Tötest^ anerkannt und Ach auch namens seiner Klientin aller Ansprüche gegen die Verlassenschaft begeben habe, Das Auftreten des Privatbeteiligtenvertreters bringe die Mißgunst der Familie des Toten gegen die Ange- klagte zum Ausdruck und es sei nach der Strafprozeßordnung unzulässig, da materielle Interessen nicht mehr zu vertreten seien und das Auftreten des Vertreters der Privatbeteiligten nur als Hilfsdienst für den Ankläger gewertet werden könne. Gegen diese Ausführungen protestierte Dr. Lochmann, unter Hinweis darauf, daß die materiellen Ansprüche seiner Klientin noch keineswegs ausgeglichen seien. Das Gerücht lehnte den Anträg des Verteidigers ab. Nach Verlesung dxr Anklageschrift folgte die Vernehmung der Angeklagten, die in ausführlicher Weise über die Vorgeschichte dieser unglücklichen Ehe berichtete. k er war. Er habe auch Christiane V ulpius dazu verleitet. Daher seien alle seine Kinder in der frühesten Jugend gestorben* bis auf den einen Sohn, der selbst wiederum ein schwerer Trinker wurde und an Delirium starb. Bei Goethe könne man von einer angeborenen„Abartigkeit" sprechen. Er habe Zustände hypomanischen Schaffensdranges gehabt und andere schwerster Depression. Sein Vater sei ein schrulliger Sonderling gewesen, seine Schwester sei geisteskrank geworden, und wahrscheinlich habe auch seine Mutter, die leicht hypomanische Frau Aja, gern ein Gläschen getrunken. Heute würde Goethe also sterilisiert werden. Und der Mörder epi logiert: ,Jch verweise nochmals auf die Verfügung, wonach sowohl im Bürgerbräukeller wie am Marsch am 9. November nur die Blutfahne mitgeführt werden darf.“ Gez. Christian Weber. Ein alter Bekannter vom 30. Juni. Belohnung für die Entdeckung der Gendar- men-Mörder ausgeschrieben. Auf Grund des Entscheides des Innenministeriums hat das Landesamt in Brünn, eine Belohnung im Betrage von 3000 XL für denjenigen ausgeschrieben, der zur Ergreifung des unbekannten Täters beiträgt, der am V3. Oktober 1937 bei Kkenovice, Bezirk Byskov, den Gendarmerieoberwachtmeister J^L ä t a l angeschossen hat, der tags darauf gestorben ist. Anspruch auf Belohnung haben nur Zivilpersonen, keineswegs Sicherheitsorgane.(Amtlich.) Zugsentgleismrg bei Prag. Mittwoch, den 6. Oktober/sind bei der Einfahrt des Personenzuges Nr. 2106 in die Station Niöany um 6.43 Uhr bei der Weiche die drei letzten Waggons des Zuges entgleist. Dadurch erlitt der Schnellzug Nr. 52 Berlin—Wien und der Lokalzug Nr. 2133 Nicany—Prag eine unbedeutende Verspätung. Verletzt wurde niemand. Die Ursache wird untersucht.(Amtlich.) Ueberschwemmungrn in Frankreich. Anhaltende Regengüsse haben eine Ueberschwemmung des südfranzösischen Flusses Saison verursacht. Die durch die Ueberschwemmungen verursachten Schäden werden auf mindestens fünf Millionen Francs geschätzt. Zwei Personen sind in den Fluten ums Leben gekommen. Es brennt. In einem Bunker des 7000 To. Frachtschiffes«Genua", das im B r e m e r Jndu« striehafen liegt, gerieten aus bisher unaufgeklärte Ursache 300 To. Kohle Sprengstottanschläge auf die Britische Oelleitung in Palästina Die Lage in Palästina ist nach der Verhaftung zahlreicher Araberführer nach wie vor sehr gespannt. Ein Zeichen dafür ist^ine Meldung aus Mamman in Transjordanien, wonach ara- mschö Ätivisten die von Mosul im Irak nach Haifa an der Pälastinaküste führende Peiro- leumleitung an drei verschiedenen Stellen in die Lust gesprengt haben. Flusunfall Hubermans Amsterdam. Auf dem Flugplatzevon Pale m b a n g(Niederländisch-Jndien) ist das holländische Ostindien-Flugzeug„Specht", das sich auf dem Fluge von Batavia nach Amsterdam befand, bei einer Zwischenlandung infolge Versagens eines Motors verunglückt. Der Führerstand wurde zertrümmert. Drei Mann der Besatzung, darunter der Flugkapitän kamen ums Leben. Von den neun Passagieren wurden einer schwer, die übrigen leicht verletzt. Das Flugzeug ist eine neue amerikanische Douglas-Maschine vom Typ„D C 3". Wie die„Prager Presse" meldet, wurde bei diesem Unfall Branislav Huberman, der tschechoslowakische Violinvirtuose, schwer verletzt. in Brand. Es gelang nach etwa dreistündigem Einsatz aller verfügbaren-Hilfsmittel, die größte Gefahr vom italienischen^ Schiff zu bannen, so daß es als gerettet angesehen ivtrden kann. Ein interessanter Flug. Mittwoch, zeittg früh, verließen vier Viermotorenflugzeuge„Ant 5" Moskau, welche über Archangelsk zu den Rudolf- inseln fliegen werden, um die Expedition Sche- welews zu vervollständigen. Die Flugzeuge werden vom Kommandeur der Flugzeugstaffel Tscbu- chowsst, dem Helden der Sowjetunion Babuschkin und den bekannten Fliegern Maschkowski und Farich gesteuert. Der Flugzeugsteuermann der Staffel ist Schelyganow. Die Besatzung aller vier Flugzeuge bestehtz^rus 36 Personen. Klientengelder veruntreut. Der Wiener Advokat Dr. Wilhelm Pign stellte sich heute dem Landesgericht in Wien mit der Angabe, daß er Gelder seiner Klienten veruntreut habe. Es handelt sich um einen Bettag von 100.000 bis 150.000 Schilling. Er wurde verhaftet. Der ausgewiesene Scharftichter. In K o w n o sollte dieser Tage ein litauischer Mörder, der zum Tode verurteilt worden war, hingerichtet werden. Am Mougen der Hinrichtung stellte sich jedoch heraus, daß der Scharfrichter nicht vorhanden war. Die Nachforschungen ergaben, daß der amtlich« Scharfrichter von Litauen ein Ausländer, nämlich ein gebürtiger Breslauer ist, der einige Tage vorher auf Grund der verschärften Fremdenyesetz- gebung von der Polizei seines Amtes enthoben und ausgewiesen worden war. Die Hinrichtung 'mußte also aufgeschoben werden, bis auf Gruno eines neuen Gesetzes, das man schleunigst einbringen tyip, der Scharfrichter, der das Land noch nicht verlassen hat, doch noch seines Amtes walten kann. Nur 20.600 Radiohörer in der Tirkei. Obwohl die Türkei zwei Sendestattonen hat und eine dritte sich im Bau befindet, gibt eS in der Türkei nur 20.600 Radiohörer. Die türkische Regierung hat daher den Einfuhrzoll auf Radio-Apparate wesentlich herabgesetzt, um den Rundfunk zu popularisieren. Billige Fahrten Mm Mozart-Festival. Das Eisenbahnministerium kam den Veranstaltern des Mozart-Festivals entgegen und hat'den Teilnehmern aus der Provinz und dem Auslande bedeutende Ermäßigungen für die Zeit von drei Tagen vor und drei Tagen nach Beendigung des Festivals, der vom 23. bis 30. Oktober 1937 in Prag stattfindet, gewährt. Die Ermäßigung beträgt bis zu 100 Kilometer 33 Prozent für die 2. und 3. Klaffe der Personenzüge, für mehr als 100 Kilometer gilt die Ermäßigung auch für Eil- und Schnellzüge. Für Teilnehmer aus dem AuSlande werden 50 Prozent Ermäßigung für alle Klaffen und Zugsarten gewährt. Bedingung ist der Ankauf eines Ausweises für 6 XL, der in den Reisebüros und im Büro des Fremden- verkehrsverbands sowie des Mozartfestivals Prag ll., Hooverova 9, erhältlich ist. Unveränderlichk Aus einem mächtigen Druckhoch, welches einen Großteil Skandinaviens, Finnlands und der Ostseestaaten bedeckt, strömt unseren Gegenden mäßig kühle Lust zu. Obwohl es Mittwoch in der Republik ziemlich heiter war, stiegen die Nachmittagstemperaturen im Flachland meist nur auf 12 bis 15 Grad Celsius an. Eine wesentliche Aen- derung der gesamten Wetterlage kann vorläufig nicht erwartet werden.— Wahrscheinliches WetterDonnerstag: Bei nordöstlichem bis östlichem Wind relativ kühl. Stellenweise wieder etwas stärkere Bewölkung, namentlich an der Aufwindseite der Berge. Vorwiegend niederschlagsfrei. — Wetteraussichten für Freitag: Der gesamte Witterungscharakter noch unverändert, jedoch ein wenig wärmer. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Freitag Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Press«, 14: Deutsche Sendung: Wenzel Kalliwoda, 16.45: Geigenquartett. 18.10: Deutsche Sendung: Sportübersicht, 18.15: Dr. Gicklhorn: Schicksale deutscher Forscher, 18.35: Deutsche Arbeitrrsendung: Aktuelle zehn Minuten, 21: Franz Schubert: Die Winterreise.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Zur Erinnerung an Walter Seidl, 14.55: Deutsche Presse, 18.10: Grieg: Altnordische Romanze.— Brünn: 12.35: Rundfunkorchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Jng. Karpinsky: Kampf gegen Verluste in Industrie und Geschäft.— Preßburg: 15.30: Rundfunkorchesterkonzert, 20.05r AuS dem Nationaltheater: Sinfonisches Konzert.— Mähr. Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung: Jng. Winter: Nattirlicher und künstlicher Kautschuk,—. Lieder von Rich. Strauß, 19.15: Rundfunkorchester- konzert. Rr. 238 Donnerstag, 7. Oktober 1937 Seite 8 I London. Wie„Sunday Time-" meidet, wird di« feierlich« Krönung Königs Georg VI. von England zum Kaiser von Indien im Dezember-1938 stattfinden. Ursprünglich sollt« die Krönung noch im heurigen Jahre ftattfinden, doch fei der Staatsakt au- technischen Gründen verschoben worden. Eine amtliche Mitteilung hierüber sei in der nächsten Parlamentssitzung zu erwarten. slowakischen Textilindustrie. Im Jahre 1929, .dem letzten Konjunkturjahre, betrug der Wert der Textilausfuhr ein Drittel der Gesamtausfuhr, im Jahre 1936 jedoch nur ein Viertel. Setzt man den Index der Textilausfuhr im Jahre 1929 mit 100 fest, so betrug dieser im Mhre 1938 nur 28.8, während der Index der Gesamtausfuhr 39.2 betrug. Es nimmt also die Bedeutung der Textilausfuhr für unsere Gesamtausfuhr äb. Innerhalb der Textilindustrie nun hat sich die Ausfuhr verschieden entwickelt. Während, wie gesagt, der Index der gesamten Textilausfuhr(gegenüber 1929) im Jahre 1936 gleich 28.8 war, ist dieser Index z. B. bei Jutegarn 133.3, bei Hanf- und Flachsgarn 59.6, bei Seidengarn 51.9, Wollgarn 44.6, Baumwollgarn 42.2, Seidengewebe 39.7, Hanf- und Flachsgewebe 31.6, Jutengewebe 25.9, Stickereien, Spitzen, Posamen- teriewaren 25.9 und Baumwollgewebe 16.9. Es gibt also Textilwaren, deren Ausfuhr stärker gestiegen ist als die Gesamtausfuhr, allerdings auch solche Textilwaren, deren Ausfuhr weit weniger gestiegen ist als die Gesamtausfuhr. Mit Recht bemerkt Pistorius dazu, daß insbesondere jene Sorten von TexMvaren in der Ausfuhr sich günstig entwickelt haben, welche für die Weiterverarbeitung bestimmt sind und welche daher mehr Produktionsgütern als Konsumpttonsgütern entsprechen. oppositionelle Front zu schlagen, ja es gelang ihm nicht einmal, das gesamte ehemalige Regierungslager zu erfaffen. So fehlen noch die den Konservativen zuneigende Gruppe des Oberst Slawe!, die sich pon der Wacht.pepdrgngt fWt«.die Gruppe Naprawo(Verbesserer), die besonders in Oberschlesien Anhang habe und denen auch der dortige Wojwode Graczinsky nahesteht. Der Bauernstreik und die Vorgänge auf der Krakauer Legionärtagung zeigten dann die Schwäche der Regierung, die auch die Militärkreise nunmehr veranlaßt hat, den bäuerlichen Wünschen Rechnung zu tragen und den Plan der Wahlreform erneut zu,venti- lieren. Aber höchster Skeptizismus ist berechtigt. Man wird ja nur beschwichtigen wollen, und daß die Reform nicht zu weit gehe, dafür sorgt ja schon die antidemokratische Opposition von rechts, die eindringlich vor einer Rückkehr zu dem Wahlsystem von 1922 warnt«. Derweil geht die Schwä- chung deS Regierungslagers weiter. Einerseits bilden die Christlichen Demokraten(Kor- fanty) und die Nationale Arbeiterpartei(Bartel) einen Block, anderseits hat sich der linke Flügel der Legionäre sowie der linke Flügel des Regierungslagers um Rzhmowski, Mitglied der polnischen Literaturakademie, mit den PPS und der bäuerlichen Volkspartei zu einem demokratischen Block zusammengeschlossen. Man kann sich leicht vorstellen, wie das Parlament bei freien Wahlen aussehen würde. Die Wahlen in Lodz und in Krakau, die man schnell korrigierte, haben es gezeigt. DaS jetzige Regime hat nicht die Mehrheit des Volkes hinter sich. 8m Gegenteil, die erdrük- kende Mehrheit des polnischen Volkes fordert täglich eindringlicher die Wiederherstellung der Demokratie. Unterschlagungen bei den österreichischen Audi-Gewerkschaften Man schreibt uns aus Oesterreich: In einer der letzten Nummern der„Monatsschrift für Kultur und Politik" hat der prominente Wortführer der klerikofaschistischen Richtung, Professor Mehner, gefordert, dah die Finanzwirtschaft der öffentlichen Bünde, auch des Gewerkschaftsbundes, der Kontrolle des Obersten Rechnungshofes unterstellt werden. Die Forderung hat, abgesehen von allen übrigen Umständen, schon darin ihre Begründung, dah es sich jetzt um öffentlich-rechtliche Institute handelt, die von jedem Zugehörigen Umlagen einzuheben berechtigt sind. Es handelt sich um bedeutsame Beträge, deren genaue Höhe nirgends angegeben wiro. Beim Gewerbebund erfuhr man letzthin, dah er über 12 Millionen Schilling im Jahr aus den Umlagen der Zugehörigen einnimmt. Merkwürdigerweise hat sich der Gewerkschaftsbund, der doch vorerst keine Zwangsbeiträge einheben darf, als e r st e r und mit aller Schärfe gegen ditz Forderung ausgesprochen. Und siehe da; nur wenige Tage später muhte derselbe Gewerkschaftsbund zugeben, dah er seit 1934 beispielsweise in der bekannten Berndorfer Fabrik von Krupp keinerlei Kontrolle vorgenommen hat. Erst als die dortigen Arbeiter Skandal gemacht haben, wurde bei der Kontrolle festgestellt, dah der dortige Obmann gemeinsam mit dem Kassier ungeheureBeträgefürsichunddie Frau verwendet hat. Nun sind drei Funktionäre eingesperrt. Aber kontrolliert wurde früher nicht, denn der Obmann ist der christlichsoziale LandtagSabgeordnte Graber; sein Komplice der Gründer der faschistischen Organisation in Berndorf und ihr Wortführer im Gemeindetag. Herr Graber wurde sogar erst in der aUerletzten Zeit als Sekretär der Arbeiterkammer angestellt. Gleichzeitig wurde der Funktionär des Gewerkschaftsbundes im kärntner Knappenberg, wo ein Betrieb der Alpine Montanen Gesellschaft>sr, wegen Defraudation von Gewerkschafts» und Betriebsratgeldern verhaftet. Aber-eine Kontrolle braucht die autoritär« Organisation nicht! Die Entwicklung unserer Textilausfuhr Im„Prävo Lidu" beschäftigte sich der Direktor des Exportinstitutes Theodor PistoriuS in, bemerkenswerter Weise mit der Lage der tschecho- siowakischen Textilindustrie. Er weist zunächst auf die interessante Tatsache hin, dah an der Wiederbelebung des Welthandels die produftions« erzeugenden Industrien einen größeren Anteil haben als die Industrien, welche Konsumwaren produzieren. Das zeigt sich auch an der tschecho- Englands starke Faust Abschreckungspolitik In Palästina Die Auseinandersetzungen in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung (JGB) Im Hinblick auf den kommenden Kongreß des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes(A. F. of L.) gab W. Green, der Vorsitzende der A. F. of L. eine Erklärung ab, derzufolge es die A. F. of L. begrüßen würde, wenn die suspendierten Verbände des Komitees für industrielle Organisation(CIO) an der Tagung teilnehmen würden,„so daß die Frage der Berufs- und Jndustrieverbände auf dem Kongreß offen ausgefochten werden kann". Green fügte bei, die Annahme der Einladung würde bedeuten, daß die teilnehmenden Verbände aus dem CIO austreten. Green zweifelt daran, daß der Austritt der zehn Verbände erfolgen werde. Sollte dies der Fall sein, so sei der nächste Schritt die Ernennung eines gemeinsamen Komitees zur Prüfung der Frage.„Je länger der Kampf weitergeht", führte Green aus,„um so schwieriger wird die Lösung des Problems sein. Sie ist heute schwieriger als vor einem Jahr und sie wird in einem Jahr noch schwieriger.sein als.heute." In einem in„The People's Weelly" veröffentlichten Artikel von I. Lewis, Vorsitzender des CIO, heißt es über die Wirksamkeit und die Aussichten des CkhO u. a.:„Das CIO und seine angeschlossenen Organisationen zählen nun mehr als drei Millionen Mitglieder. Fast zwei Millionen dieser Mitglieder sind in den letzten zwölf Monaten beigetreten. Unermeßliche Fortschritte Ministerium ein, die besagten, dah sich Ibn Saud, gezwungen durch die Stimmung in der Bevölkerung, mit den Forderungen und Beschlüssen des pan-arabischen Kongresses einverstanden erklärt habe. Es war also nach dem Rat aller Sachverständigen dringend Zeit, wenn man überhaupt noch die Lage retten wollte, sofort einen energischen Schritt zu tun. Die Folgen dieses Schrittes, wenn er mihlingt, können für die britische! Kolonial-Politik im nahen Osten unübersehbar^ sein, andererseits bietet die jetzige Aktton die Chance, die vorbereitete Rebellion im Keime zu ersticken und durch die Verhaftung der Führer der palästinensischen Araber die Araberkönige davon abzuhaüen, englandfeindliche Msionen zu organisieren.» Es ist also die Abschreckungsmethode, die man gewählt hat, sie hat in der Geschichte der brittschen Kolonial-Politik sehr häufig, aber keineswegs immer, den entsprechenden Erfolg gehabt. Vom englischen Standpunkt aus gesehen gab es keine andere Möglichkeit mehr: es handelt sich in keiner Weise darum, den Juden in Palästina zu helfen oder sonst irgendwem, sondern zur Zeit steht das stackte britische Interesse in Palästina und in den arabischen Königreichen auf dem Spiele, und in solchen Augenblicken! pflegen alle Schleier zu fallen.) In diesem Augenblick fahren die englischen) Panzerwagen über die Landstraßen Palästinas,^ und drohend liegt der Panzerkreuzer„Sussex" im Hafen von Haifa, nachdem er die ersten arabischen Verhafteten zu einem anderen Schiff gebracht hat, das diese auf die Seyshellen-Jnseln. im Indischen Ozean transportiert. Ganz unabhängig davon gehen di« Kämpfe mit den Aufftän- j dischen in Nordwest-Jndien weiter. Sie ziehen sich! seit über einem Jahr hin, sind äußerst verlustreich und sehr teuer. Alles das sind ein paar' Gründe mehr flir das so ost getadelte passive Ber«! halten Englanvs in allen wichtigen europäischen Fragen. Aber die Regeluna der Palästina-Frage und die Lösung des pan-arabischen Problems bleibt für das britische Empire noch immer wichtiger als die Freiwilligen-Frage in Spanien. 1 Wie lange wird die Weltkonjunktur dauern (91. H.) Ueber dieses Thema wurde in letzter Zeit besonders in England in der Oeffent- lichkeit diskutiert. Die Ansichten, wie lange die Weltkonjunktur anhalten, werde, sind durchaus verschieden. So wird daraus hingewiesen, daß die letzte Prosperttätsperiode, in der sich die Welt- wirtschaft noch befindet, bereits seit etwa 39 Mo« naten andauert, und daß die längste Aufschwungsperiode seit 1920 nur 33 bis 36 Monate anhieü. Eine Reihe englischer Nationalökonomen ist daher der Meinung, daß sich in den ersten Monaten des kommenden Jahres schon die ersten Vorboten der Abwärtsbewegung bemerkbar machen würden, ausgelöst von dem von Kosten, steigenden Preisen und Zinssätzen bewirkten Rückgang der Investitionen der Privatwirtschaft. Andere englische Volkswirtschaftler wenden dagegen ein, daß die Angebotselastizität der Weltwirtschaft recht groß sei und ferner, daß die verschiedenen Nationalwirtschaften der Welt diesmal zu ganz verschiedenen Zeitpunkten von der Aufwärtsbewegung erfaßt worden sind. Bei einigen sei der Höhepunkt bereits erreicht, bei anderen beginne erst jetzt die eigentliche Hochkonjunktur. Dadurch würden Gegenkräfte von großer Stärke und Bedeutung gegen die Abwärtsbewegung der Weltwirtschaft ausgelöst, so daß vorläufig noch lange nicht mit einem allgemeinen Konjunkturrückgang zu rechnen sei. •— Tatsächlich kann die Ansicht der zweiten Gruppe der engllschen Nattonalökonomen statistisch belegt werden. Der Konjuntturauffchwung in der Welt ist durchaus nicht einheitlich. Was die Tschechoslowakei z. B. anlangt, wissen daß der Konjunkturhöhepunkt noch nicht erreicht ist, daß wir uns also im Auffchwung befinden. Am besten beweisen dies bei uns die beträchtlich gestiegenen Produktionsziffrrn von Kohle und Eisen, beweist dies ferner der steigende Außenhandel und letzten Endes der forffchreitende Rückgang der Arbeitslosigkeit. Weltwirtschaftlich tritt jetzt deutlich die Tatsache in Erscheinung, daß sich mit dem Aufschwung des Welthandels die Zahlungsbilanzschwierigkeiten vieler Länder gemildert haben. Mit der absoluten Zunahme des Welthandels haben sich nämlich die Handelsbilanzen der großen Gläubigerländer mehr und mehr passiviert, während diejenigen vieler Schuldnerstaaten sich akttviert haben. Hierdurch trat im allgemeinen eine beschleunigte Auflockerung der internattonalen Schuld- und Währungsbeziehungen ein. Auch die Kreditentflechtungen zwischen Gläubiger- und Schuldnerstaaten haben weitere Fortschritte gemacht. Ein weiteres positives Moment ist die Tatsache, daß der Aktivsaldo im Handel der überseeischen Roh- stoffländer einen seit Jahren nicht mehr gekannten Rekordstand erreicht hat. Dies, obwohl die Einfuhr dieser Lander auf Grund der Binnenkonjunktur ebenfalls statt angewachsen ist. Die meisten überseeischen Länder vermochten dadurch ihre Währungsreserven und Auslandsguthaben bedeutend zu erhöhen. So hat z. B. Argentinien infolge des großen Geld-, bzw. Devisenzustroms einen Teil seiner Goldreserven aus dem Bereich der Währungsreserven gezogen, d. h. wie der Fachausdruck lautet,„sterilisiert". Auf Grund der Ueberschüffe in der Zahlungsbilanz ist auch in den überseeischen Lägern eine Kreditexpansion eingetreten, die nicht nur binnenwirtschaftliche Auswirkungen zur Folge hat, sondern einen fördernden Einfluß auf hen Welthandel haben muß. Die Tatsache, daß die überseeischen Länder immer mehr Guthaben in Europa besitzen, daß sie also gewissermaßen immer größere Gläubiger werden, ist für den Welthandel von größter Bedeutung. Dadurch werden nämlich die überseeischen Länder zu besseren, weil reicheren Absatzgebieten für europäische Jndustrieerzeugnisse, was wiederum zur Folge hat, daß die europäischen Industrieländer ihre umfangreichen Rohstoffbezüge aus den Ueberseestaaten aufrechterhalten müssen. Dadurch ergibt sich sonnigem reger Waren- und Geldverkehr, also ein belebter^Weühandel. Das ist die Situation, in der sich heute der Welthandel, bzw. die Weltwittschast im allgemeinen befindet. Und diese Situation gibt denjenigen recht, die die Ansicht vertteten, daß noch lange nicht mit einem Abschwung der Weltkonjunktur zu rechnen sei. Freilich gilt dies nur dann, wenn die in der Welt bestehenden Konflikte sich nicht vergrößern, bzw. sich nicht ausbreiten. Das zu verhüten muß Aufgabe der verantwortungsbewußten Staatsmänner der Welt sein. Mit Recht Hat der englische Außenminister Eden vor dem Böllerbund geäußert:„Durch Zusammenarbeit können wir Bedeutendes verwirklichen, durch Konflikte alles verlieren." sind erzielt worden bei der Errichtung von Ver«i /7(|.*» bänden in den Industrien für Massenartikel so« I UUbvUlVw wie unter den Stehkragenproletariern, wie z. B. unter den Beamten, Büroangestelllen und steien Berufen. Auch die Organisationen, die von An fang an dem CIO angehört haben, verzeichnen große Mttgliedergewinne. Das CIO hat in fast allen Staaten regionale Büros errichtet, ferner eine Anzahl örtlicher Gewettschastskattelle. Im kommenden Jahre wird das CIO weitere Millio nen von Mitgliedern aufnehmen. Wir werden unsere Erfolge festigen und beabsichtigen, unsere Verbände so weit wie möglich unangreifbar zu machen". Was die Mitgliederzahl der A. F. of L. be trifft, so teilte W. Green in der letzten Sitzung der Exekutive mit, daß in den letzten 18 Monaten, d. h. seit sich die besagten zehn Verbände dem CAO angeschlossen haben, mehr als eine Million Mitglieder der A. F. of L. beigetteten seien. Die A. F. of L. zähle zur Zeit 3.6 Millionen zahlende Mitglieder. Die Frage der Atterspensionen in Groß. dritannien. Auf dem diesjährigen Kongreß des Brittschen GewettschaftMmdes wurde einige Opposition laut gegen den von den Gewerkschaf ten und der Partei gemeinsam ausgearbeiteten Plan für die erweiterte Einführung von Alters pensionen. Die Forderung lautet auf eine Pen sion von 1 Pfund per Woche für Einzelpersonen nach dem 65. Altersjahr und 35 Schilling für ein Ehepaar, ferner sollen die gegenwärtigen Sätze für Witwen- und Waisenunterstützungen erhöht werden". Der Plan sieht u. a. auch vor, daß eine Frau eines pensionAberechtigten Mannes die Pension sofort nach Erreichung des 55. Le bensjahres erhält. Im Hinblick auf die verur sachten hohen Ausgaben(237.000.000 Pfund pro Jahr; die Summe wird angesichts der Zu nahme der älteren Bevölkerung bis zum Jahre 1956 auf 305.000.000 steigen!) ist die Einfüh rung von Beiträgen für die Versicherten vorge sehen, wobei sich der Höchstbeitrag für Frauen und Männer auf neun Pence bzw. 1 Schilling pro Woche stellen würde. Gegen das Prinzip des Beitrages richteten sich einige kttttsche Stimmen. Ein Redner erwähnte u. a., daß, wenn di« Löhne noch mehr belastet werden, die gewerkschaftliche Rekrutierung darunter leiden werde, da es vielen Arbeitern nicht mehr möglich sein würde, die Ge- werkschaftsbeiträge zu zahlen. Nach langer Dis kussion wurde der Plan angenommen. Die organisierte Abwanderung jugendlicher Arbeitsloser in Großbritannien. In den letzten Die schwierige Lage in Polen (AP) Oberst Koc hat bisher nur wenig Er» Jahren ist in Hößbritannien" der Versuch gehabt., Er vermochtt keine Bresche in die macht worden, die Abwanderung jugendlicher Ar- a beitsloser nach Gebieten mit Arbeitsgelegenheiten zu organisieren, wobei die Behörden weihgehenden Beistand leisteten. Im laufenden Jahr sind z. B. in das Gebiet von Midland 2300 jugendliche Arbeitslose überfühtt worden. 2000 dieser ju gendlichen Arbeitslosen sind wieder in ihre Hei mat zurückgekehrt, teils wegen Heimweh und teiw auf Drängen der Eltern, die sich fragen, weshalb ihre Kinder das Gebiet zu verlassen haben, an- statt zu Hause Arbeit zu finden. Wenn sich die geringste Arbeitsmöglichkett zeigt, lassen die Eltern ihre Kinder wieder zurückkommen. (MTP, London.) So überraschend für die Wett und sogar selbst für das englische Publikum der jetzig« plötzliche Vorstoß der britischen Behörden in Palästina kommen mag, so ist doch die Aktion seit langem im geheimen ins Auge gefaßt und vorbereitet worden. Ein Grund ließ die britische Regierung lange zögern, nämlich der, daß der gegenwärtigen Konstellation eine energische Politik Englands gegenüber den Arabern die proislamitische Kolonialpolitik Italiens direkt unterstützen würde. Andererseits bestand kein Zweifel, daß die Terror-Bewegung der arabischen Nationalisten in Palästina in den letzten Wochen einen noch nie dagewesenen Umfang angenommen hatte, und im britischen Kolonialministerium häuften sich die Berichte, aus denen hervorging, daß die Terror- Bewegung erst an ihrem Anfang stand, und daß man mit sehr ernsten Ereignissen rechnen müsse, wenn man nicht rechtzeitig durchgriffe. In der Tat hatte schon der pan-arabische Kongreß in Bloudan bei Damaskus, bei dem sich 400 Delegierte aus allen arabischen Ländern— !'mit Ausnahme des Uemen— getroffen hatten, den ganzen Ernst der Lage und die Entschlossenheit bestimmter Araber-Kzeise gezeigt, die Palästina-Frage nicht auf dem Wege von Verhandlungen, sondern mit Hilfe eines regulären Kleinkrieges gegen Juden und englische Behörden zu lösen. Sehr deutlich war die Erklärung des Kongreß-Präsidenten ,Naji Suwaida vom Irak, der verkündete, daßrdie Araber erst dann wieder die Engländer so unterstützen würden wie während des Welttrieges, wenn man die pro-zionisttsche Polittk wieder völlig aufgegeben habe. Trotz alledem weiß man in London sehr genau, daß die vier arabischen Könige keineswegs darüber einig sind, welche Politik man gegenüber England einzuschlagen habe. Bisher war vor allem Ibn Saud derjenige, der trotz aller Sympathie-Bekundungen für die Araber von Pa- lästtzia sich in seinem Utteil über die englische Patasttna-Politik sehr zurückhieü, ganz im Gegensatz zum Irak-Reich. In den letzten Tagen liefen aber Nachrichten beim brttischen Kolonial- Man erhölt für KC 100 Reich-matt.... 9 638— Markmünzen... • • 715.— 100 österreichische Schilling • • 526.50 100 rumänische Lei... • • 16.35 100 polnische Zloty... • 516.50 100 ungarische Pengö.. M 9 548.50 100 Schweizer Kranken. 0 9 654.50 100 stanzöfisch« Francs. A 9 93.70 1 englische- Pfund.. 140.25 1 amerikanischer Dollar. « A 28.40 100 italienische Lire.. ■ 123.40 100 holländische Gulden. H 1574.— 100 jugoslawisch« Dinare. 9 9 80.80 100 BelgaS..... 4 9 479.— 100 dänische Krone«.. * 9 628.— 100 schwedische Krone«, H 726.— Seite 6 „Sozialdemokrat Donnerstag, 7. Oktober 1837. Nr. 238 »loses Hofbauer: Dorf In Scherben Preis kart. Kö 82.—, geb. Kö 38.—. Zu beziehen durch die Zentralstelle f iir das BildungSweßen in Prag XII, Sleska 13V. Hekicßtssaat Mörder seines Kindes Ein gräßlicher Morflprozeß Prag.—rb— In bebrüten Morgenstunde des 12. Juni bemerkte ein zufälliger Passant, wie ein Mann die Böschung des Moldauufers unweit der Trojabrücke herunterstieg und etwas ins Wasser warf, was im ungewissen Lichte des Morgengrauens als ein Paket erschien. Irgendwie schien aber dem zufälligen Zeugen, einem gewissen Kni,sek. die Sache nichr geheuer und er lief herbei. Zu seinem Entsetzen sah er, daß das vermeintliche Paket ein kleines Kind war, ein Mädchen, das der Unbekannte inS Wasser gestoßen batte. Als sich der Unmensch beobachtet sah, zog er das weinende Kind selbst ans Ufer und versuchte dem unerwünschten Zeugen ein- znreden, das Kind sei durch eigene Unvorsichtigkeit ins Wasser gefallen. Dieser wollte den Erklärungen des Verdächtigen nicht recht glauben, konnte aber anderseits die Möglichkeit nicht ausschließen, daß er sich in der Dämmerung getäuscht habe. Er ließ also unglückseligerweise den verdächtigen Mann, nachdem er ihm gründlich feine Meinung gesagt, hatte, lausen, folgte ihm aber in einiger Entfernung. Der Unbe- kannte entfernte sich, das weinende Kind auf dem Arm, in der Richtung auf die Trojabrücke zu, auf die er dann einbog. Unwillkürlich beschleunigte Knizek voll böser Ahnungen seine Schritte und rief einen anderen Passanten, einen gewissen Eurda zu Hilfe. Ehe sie aber den Verdächtigen erreicht batten, schleuderte dieser das arme Kind in weitem Bogen über das Brückengeländer. Die Kleine fiel auf das Pflaster auf und blieb mit zerschmettertem Schädel liegen. Der Mörder suchte zu flüchten, wurde aber von Knizek und§urda festaehalten. Auf dem Polizeikötznnissariat stellte man in dem Unmenschen den 43jährigen beschäftigungslosen Schneider AlbertBe.s elh fest. Veselh ist ein schwerer Alkoholiker und, den Sicherheitsbehörden als notorischer Faulenzer und Tunichtgut wohlbekannt. Er hat seiner braven Frau, die sich redlich bemüht hat, ihn auf den rechten Weg zu bringen, wahrhaft die Hölle auf Erden bereitet. Von den drei Kindern blieb nur eines am Leben, das eben drei Jahre alt war, als ihm der eigene Vater auf so unmenschliche Weise das Leben nahm. Es war ein kleines Mädchen namens Vöra. Bor den Geschworenen stellte der Angeklagte die gräßliche Tat als Akt der Verzweiflung hin, da er sich angeblich kurz vorher mit seiner Frau gezankt hatte und glaubte keinen Ausweg aus der Misere des Lebens mehr finden zu können. Angeblich wollte er darauf Selbstmord verüben. Di« Geschworenen erkannten den vor dem Schwurgerichtsbof des GR. Dr. H r u i l a Angeklagten einstimmig des Verbrechens des Mordes schuldig, der auf Grund dieses Wahrspruches zu fünfundzwanzig J.a hr«n schweren Kerkers verurteilt wurde., Verlanget überall Volkszünder Agger Leitung Elfjähriger vermißt. Seit dem 29. September ist der elfjährige Schüler Jan H r u s k a, Prag I., Gasse beim Rathaus 14, abgängig, der am bezeichneten Tag das Haus seiner Eltern verlassen hat und nicht wiedergekehrt ist. Er ist 130 Zentimeter groß mit schwarzen Haaren und Augen und trug einen grauen Anzug mit kurzen Hosen ohne Strümpfe und mit schwarzen Leinwandschuhen. Hut trug er keinen. Eine neue Methode. Dieser Tage wurde der 44jährige, jetzt arbeits- und wohnungslose ehemalige Metalldrechsler Jaroslav H l o u s e k verhaftet, der bereits mehrfach vorbestraft und nach seiner letzten Strafe aus Prag für immer abgeschafft ist. Hlousek hat eine Reihe von Betrügereien, insgesamt etwa zwanzig, auf dem Gewissen, von denen er die letzten dreizehn auf eine besondere Art verübte. Er machte sich an Familien heran, von denen er wußte, daß sie einen Angehörigen im Krankenhaus hatten und nahm, angeblich in dessen Auftrag beständig „Liebesgaben" entgegen^Besonders oft-gelang es ihm, sich auf diese Art Wl e i d e r zu verschaffen. Da eine Reihe von derartigen Fällen zweifellos erst jetzt bekannt werden wird, steht der von Hlousek angerichtete Schaden noch nicht fest. Hlousek wurde in die Haft des Pankratzer Kreisgerichtes gebracht. Schwerer Anfall eines Betrunkenen. Gestern nachts wurde auf dem Geleise des Liebener Bahnhofs von den Eisenbahnangestellten ein unbekannter älterer Mann bewußtlos aufgesunden, der dann mit Hilfe der Wache ins Krankenhaus auf die Bulovka gebracht wurde. Die Untersuchung ergab, daß sein linker Fuß völlig zekorückt war und sofort amputiert werden mußte. Als der Unbekannte aus seiner Ohnmacht erwachte, konnte er als der 53jährige Eisenbahnbeamte i. R. Wenzel T ä f l a aus Davle sichergestellt werden und gab an, daß er nach Prag ins Krankenhaus habe übergeführt werden sollen, auf dem Wege jedoch vermutlich aus dem Waggon gefallen und überfahren worden sei. Da Täsla, dem der Unfall in betrunkenem Zustand zugestoßen ist. bei seiner Einvernahme noch immer nicht nüchtern war. steht der tatsächliche Sachverhalt noch nicht ganz fest. Prager Telephonverzeichnis. Im Feber 1938 wird eine Neuauflage des Prager Telephonverzeichnisses erscheinen. Die Telephonteilnehmer werden aufmerksam gemacht, daß der Redaktionsschluß für diese Ausgabe mit dem 3 1. Oktober d. I. endet. Spätestens bis zu diesem Termin wollen sämtliche Aenderungen in der Bezeichnung der Tele« Phonstationen an die Adresse:„Reditelstvi post a telegrafü, Prag XII., Fochova" mitgeteilt werden. Interessenten um neue Telephonstationen und Teilnehmer, welche ihre Stationen im letzten Vierteljahr 1937 oder im Jänner nächsten Jahres zu übersiedeln gedenken, müssen die entsprechenden Anmeldungen spätestens biszum 10. November d. I. an die Aderess«:„Telegrafni stavebnk ürad c. 2, Prag II., Jindkisstä 9"(Telephon für die Herstellung neuer Stationen 20323. 36010, für die Verlegung 38282) zu richten sind. Sonst kann die Veröffentlichung der neuen oder die Aenderung der bisherigen Bezeichnung im Telephonverzeichnis nicht gewährleistet werden. Beim genannten Amte sind bis EndeOktober d. I. für jene neuen Interessenten, die mit dem Teilnehmer im gemeinsamen Haushalte oder in der nächsten erreichbaren Nachbarschaft wohnen und die Veröffentlichung im Verzeichnisse wünschen. Anmeldungssormulare erhältlich. Die Gebühr für die Veröffentlichung der Bezeichnung eines Nichtteilnehmers einer Station beträgt 120 Kö für 3 Druckzeilen und 10 Kö für jede weitere Zeil«. Für die zweite oder weitere Bezeichnung desselben Nichtteilnehmers beträgt die Gebühr statt 120 Kö bloß 20 Kö. Für Telephonteilnehmer wird das Telephonverzeichnis entweder in der bisherigen normalen Ausgabe, oder im festen Ganzleineneinband mit alphabetischem Seitenanzeiger für einen Zuschlag von. 13 Kö erscheinen. Die P. T. Teilnehmer werden aufgefordert, sich jetzt schon, spätestens aber In Budapest wurde mit großen Feierlichkeiten die neuerbaute fünfte Donau-Brücke dem Verkehr übergeben. Vor der Brücke links befindet sich das gleichzeitig erbaute Seemanns-Denkmal. bis zu Ende.deS Monate? Dezember d. I. entweder für die normale Ausgabe oder für den ZufchlagSeinband zu entscheiden. Sämtliche Bestellungen sind am besten direkt dem Briefträger zu übergeben. Ausflugszüge der Staatsbahndirektion: Am 9. und 10. Oktlcher nach H e r r n s k r e t s ch e n, 120 Kö, am 10. Oktober nach L ä n h, 13 Kö,- am 23. und 24. Okrober nach Dittersbach, 120 Kö, am 24. Oktober zur Abfischung deS Sees in Hirschberg, 80 Kö. Anmeldungen im Basar neben dem Wilsonbahnhos im AuSflugSzugSreferat. Telephon 383-35. Frauenorganisation Prag Freitag, den 8. Oktober, 7 Uhr abends, Ameinsame Besichtigung der Ausstellung:„Alto Kunst in der Slowakei". Treffpunkt: Vor dem Eingang zum Wladislaw-Saal, 3. Burghof,%7 Uhr. Eintritt 3 Kö. 8pors-8piet-X»cperpfLege RoheS Fußballspiel— gefährlich. Ein Fußballer wurde vor einiger Zeit von der Staatspolizei in Jglau mit 24 Stunden Arrest bestraft, weil er einem gegnerischen Spieler auf dem Sportplatz dxs SK Jglau so arg in den Bauch getreten hatte, daß dieser ohnmätig weggetragen werden mußte.«Der bestrafte Fußballer rekurierte beim Brünner Lander, amt gegen dieses Urteil mit der Begründung, daß Fußballspiel ein gefährlicher Sport fei und man deshalb Verletzungen und Unfälle riskieren müsse. Dieser Rekurs wurde vom Landesamt abgelehnt und darauf verwiesen, daß Fußballspiel nur dann gefährlich sei, wenn roh gespielt werde. Amst lind Arbeiter- Verstellens „Das Dorf ohne Männer* 4 ein Lustspiel, welches dieser Tage mit großem Erfolg uraufgeführt wurde, am Sonntag, den 10. Ok« tober, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich bei Optiker Deutsch, Koruna. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute. Donnerstag, halb 8 Uhr: Weh' deyi, der lüg:, neuinszeniert. C 2.— Freitag halb 8: Pariser Leben, D.— Samstag halb 8: Eavalleria rusticana. Der Bajazzo. CI.— Sonntag halb 3: Das Dorf ohne Männer. Arbeitervorstellung, halb 8: Die Fledermaus, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8 Uhrj Bei Kerzenlicht.— Freitag 8: Pygmalion, volkstümliche Darstellung.—" Samstag halb 8: Nachtasyl, neuinszeniert.—- Sonntag 3: Nina, 8 Uhr: Die Reise. Ortsgruppe Prag. Samstag, 9. Oktober, Zusammentreffen lb3 Uhr nachmittags Smichover Bahnhof, Fahrt nach Revnice, Wanderung zur Hütte. Sonntag: Wanderung Besednä-Piko- vice, Preis 8 Kö, führt Stelzig. Mc Memoiren des nutzes Von Felix Hilke Sie find in einer eigenartigen und vielseitigen Handschrift geschrieben. Sie umfaßt Zeichen von zartester Feinheit, die an chinesische Miniaturen denken lassen und sind in dieser Gestalt als die Lichtenbergschen Blitzfiguren bekannt. Der Blitz zeichnet sie nicht nur auf Gegenstände, sondern mit Vorliebe auch auf den menschlichen Körper, den er sich zur Bahn erwählt hat. De: Blitz signiert aber auch mit einer Unterschrift, die an Massivität die ungefügteste Keilschrift übertrifft. Er zertrümmert Betonblöcke und verbiegt oder schmilzt Eisenbarren, wie es ihm gerade einfällt. Er hinterläßt Spuren, die gerade sind wie mit dem Lineal gezogen, spiralförmig wie Schraubengänge oder kompliziert mit Aussparungen und regelmäßigen Leistenbildungen oder auch ganz unregelmäßig und sprunghaft. Trotzikkln gibt es eine Typologie der Blitzspuren, die der Eingeweihte, der Forscher lesen und mit Sicherheit entziffern kann. Die Spuren des Blitzes ähneln insofern auch einer" persönlichen Handschrift, als in ihr dem Kundigen die spannendsten Erzählungen übermittelt werden können. Solche Geschichten erfährt man bei einer Führung im„Blitzmuseum", einer Abteilung des Elektropathologischen Instituts im 7* Hof des Wiener Allgemeinen, Krankenhauses. Es ist eine Schöpfupg.des Professors Dr. Stefan Jel- linek und das einzige seiner Art in der Welt. Wirkungen des Blitzschlages Der Blitz schlagt mit Vorliebe in Menschen ein oder in Objekte, in deren unmittelbarer Nähe Menschen sich, befinden. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist aber die Wiener Schule der Ansicht, daß her Blitzschlag den Menschen nicht unmittelbar iöte. Er übe nur eine ungeheure mechanische Schockwirkung aus, die in Verbindung mit dem furchtbaren Schrecken den Menschen be täube und seine Atmungsorgane lähme, Das Herz schlüge zunächst weiter. Wenn zu rechter Zeit, möglichst sofort, die künstliche Atmung einsetze, könne der vom Blitze Getroffene in der Regel wieder zum Lebest erweckt werden. Die Art, wie der Blitz mit seinem Opfer umspringt, ist recht willkürlich. Im Museum gibt es einest Hut, der ist in der unwahrscheinlichsten Weise zerstückelt und zerfranst. Dazu gehört ein derber Stiefel, der unglaublich zerfetzt ist. Ein Stück davon fehlt. Aber weder am Hut noch am Schuh finde^man die leiseste Brandspur, trotzdem die ZerstöMNgen ein Werk des Blitzes sind. Dec Mensch, der. den Hut und den Schuh getragen hatte, ist mit dem bloßen Schrecken davongekommen. Ein anderer'Hut ist da, der ist tadellos bis auf ein kleines Loch, so groß etwa, als wäre eine Schrotkugel hier durch den Filz gefahren. Ein gleichartiges Loch findet sich an dem Schuh, der im übrigen ebenso unversehrt ist. Den Träger dieser beiden Kleidungsstücke hat der Blitzschlag, ter Hut und Schuh kaum beschädigt hat, das Leben gekostet. Wenn der Blitz'n schmelzbare Erde, z. B. Quarzsand, einschlägt, schmilzt er den Sand und wo er in ßen Boden gefahren, entsteht eine Röhre, die man ausgraben kann. Ein besonders schönes Exemplar im Blitzmuseum stammt aus Nossen- tinerhütte in Mecklenburg. In dem lehmigen Boden der Umgebung Wiens ruft der Blitz keine solchen Röhren hervor, sondern nur charakteristische Aushöhlungen, die keinen Bestand haben. Berbrechen oder Unfall? In einer Vitrine ist eine Miederfeder aufbewahrt, die von einer interessanten Geschichte zeugt. Ein Mitarbeiter des Institutes war in Lberösterreich Sommergast in einem Orte, der durch einen geheimnisvollen Leichenfund in Aufregung versetzt wurde. Es handelte sich um den Körper eines jungen Mädchens,; der in einer Waldlichtung lag. Die Kleider des Mädchens waren teilweise zerrissen und einzelne Fetzen lagen in der Nähe verstreut. Man hegte den Verdacht eines Lustmordes. Als dkr Elektropathologe die Kleider zu Gesicht bekam, fielen ihm sofort die für Blihwirkung charakteristischen Riß- und Fetzenformen auf. Er faßte also den Verdacht auf Blitzschlag und nahm eine genaue Untersuchung vor. Dabei stieß er auf die erwähnte Miederfeder. Ihre Umspinnung war an einer kleinen Stelle zerfasert und aufgerissen. Auf dem bloßgelegten Metall war eine frische Schmelzspur sichtbar, die nur von einem Blitzschlag herrühren konnte. Jede andere Art der Schmelzung hätte nämlich zugleich auch das Gewebe, womit die Feder umsponnen war, verbrennen müsien. Die Umspinnung wies aber nur ein Löchlein auf, hingegen keine Brandspur. Ein Alkoholpräparat und etwas aufgespulten Drahtes erzählen von einer anderen Tragödie. Unter einer Starkstromleitung von 20.000 Bolt war ein toter Mann gefunden worden. In seiner Nähe lagen die jetzt hier zu sehende Drahtstücke. In derselben Gegend waren einwandfrei als solche festgestellte Elektromorde schon vorgekommen. Die Gendarmerie hegte darum starken Mordverdacht. Der Sachverständige des Institutes konnte aber mit Sicherheit Selbstmord Nachweisen, Hand und Finger deS Toten, wo der Strom eingetreten war, trugen nämlich keine Brandwunden, sondern nur schnittähnliche Schorfmarken, wie die Aerzte sie von elektrischen Operationen her Hpnen. Solche Schorstnarken entstehen nur dann, wenn der Draht schon fest an der Haut anliegt, bevor er stromführend wird. Im anderen Fall springt ein Lichtbogen über, der richtige Brandwunden erzeugt. Also war der Tote nicht in eine elektrische Falle gelaufen, sondern er hatte das eine Ende des Drahtes fest in der Hand gehalten, während er das andere über die Hochspannungsleitung warf. Die Untersuchung konnte somit eingestellt werden. Auch auf einem anderen Brett liegt ein Stück Draht. Was ist das? StukkaturdrahK aus einer Rabitzdecke und in diesen Draht«ingr- schmolzen sinder sich ein Klümpchen geschmolzenen Quarzes. Das ganze stammt aus den Ueber« resten eines niedergebrannten Gehöftes. Der Bauer war der Brandlegung beschuldigt worden. Der Sachverständige entlastet den Beschul- digten und erklärt seine Behauptung, der Blitz bätte gezündet, für wahr. Denn nur der Blitz könnte einen solchen Hitzegrad entwickeln, das im Plafondstück enthaltene Quarzteilchen geschmolzen und in den Stukkaturdraht eingeschmolzen werden konnten. Ein gelegtes Feuer wäre dazu niemals imstande gewesen. Das elektropathologische Institut— Detektiv In anderen Fällen weist die Untersuchung mit ähnlichen Mitteln auch ein Vergehen nach. Es ist eigentlich zu verwundern,'daß die Behörden und vor allem die Versicherungsgesellschaften dir Mitarbeit des Elektropathologischen Institutes nicht öfter zur Klärung bei vorgeblichen oder möglichen Blitzschlägen heranziehen. Es würde dann mancher Brandleger die verdiente Gefängnisstrafe an Stelle der Versicherungssumme erhalten. Bei einer anderen Untersuchung z. B. fand der Sachverständige unter den Resürn nach dem Brande einen Gegenstand, der mit einer hauchdünnen Kupferschicht überzogen war. Der. Untersuchende erkannte sofort eine sogenannte Metallisation. Unter der Einwirkung des Blitzes verdampft nämlich manchmal Metall und schlägt sich auf den nächstbefindlichen Gegenstand als homogener Ueberzug wieder nieder. Dort, wo es zur Metallisation gekommen war, mußte sich also auch ein Kupferdraht befunden haben. Da er fehlte, war er entfernt worden, um irgendetwas zu verschleiern. Der Abbrändler, dem das auf den Kopf zugesagt wurde, war so fassungslos über das ihm unerklärliche Wissen deS Sachverständigen, daß er sofort gestand. B e.z u g Sb e d i ng un g e n: Bei Zustellung inS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kc 16.—, vierteljährlich Kö 48.—, halbjährig Kö 96.—. ganzjährig K 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung ,on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Kontrollpostamt Praha 25— Druckerei:„Orbis". Druck- Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag.