Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh S Einzelpreis 70-etter Redaktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 62— Telephon 53077— Herausgeber: Siegfried Taub— Verantwortlicher Redakteur: Karl K ern, Prag Aus dem Inhalt: Offene Revolte in der SdP Auseinandersetungen über die Vierzigstundenwoche bei der Tagung des IAA. Hitlers Kolonialforderungen abgelehnt Cerny sagt im Velgo-Prozeß aus 17. Jahrgang Samstag, 9. Oktober 1937 Nr. 238 erfolgten Audienz beim ist wahrscheinlich, datz Henleins sitzt jetzt hinter Diese„entscheidenden Ge- in dem Falle aus England Urber die Borgänge im Fernen Osten äußerte im Mittelmerr bemerkte er, er hoffe, daß die den Weg zu den Berhandlnngen zwischen Lon- Seite 67 folgender Ausspruch Henleins über die meinem Freunde § 129 b Herr Architekt Heinrich Rutha, Henleins „Aussenminister" und Fachreserent sirr Nationalitätenfragen in der SdP-Hauptleitung hat jetzt Gelegenheit, in der Haft des Reichenberger Kreisgerichtes über den 8 129 des Strafgesetzbuches nachzudenken, dessen Absatz also lautet: ^nnWWWW^W fiel durch die starke Unter st reichung der Tatsache der britischen Anfrüstun g auf. Chamberlain teilte mit, datz die Luftflotte sich verdreifacht habe und nunmehr 1600 Maschine» erster Linie zähle. Die Rüstung gehe dauernd weiter. Chamberlam sich sehr vorsichtig. Z« der Lage italienische Rote positiv aüsfallrn und damit don und Rom öffnen werde. Die Forderung Attlres nach sofortiger » London.(Tsch. P.-B.) Die Nachrichten, die ein Teil der englischen Presse über die verstärkte italienische Intervention in Spanien fortlaufend veröffentlichte» scheinen nunmehr auch durch direkte Informationen, welche Whitrhall erreicht haben, eine Bestätigung zu finden.. So berichtet der„D a i l y T e l e g r a p h and Mor- stammenden Nachricht aus, daß die italienische Antwort auf die englisch-französische Rote folgende drei Punkte enthalte: 1. Italien wird an keiner Konferenz teilnehmen, zu der nicht gleichzeitig auch Deutschland eingeladen wird, 2. Das System von Teildiskussionen, wie j es vorgeschlagen wird, könne nnr zu neuen Komplikationen führen, 3. Das Problem könne zur Gänze vor dem Richtinterventionsausschuß in London verhandelt werden. 30p bemüht sich um Rutha Wir erfahren, daß es nicht bei einem noch ausführlicher zu behandelnden journalistischen Versuch der„Zeit" geblieben ist, über den Fall Rutha nichts an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Rach unseren Informationen sind SdP- Parlamentarier an sehr hohen Stellen für Rutha mit dem Ziele einer delikaten, schweigsamen Behandlung der Angelegenheit bittstellig geworden und sie sollen, was erstaunlich genug wäre, auch gewisse Zusicherungen erlangt heben. Montag Oeffnung der Pyrenäen-Grenze? Ablehnung aus Rom beinahe sicher# Die Westmächte einig London.(Eigenbericht.) Rach den immer zahlreicher und besser beglaubigt einlaufenden Meldungen über verstärkte italienische Truppensendungen nach Spanien(so steht es insbesondere nun fest, daß Mussolinis Sohn Brnno mit seinen Bombern an den letzten Angriffen teilgenommen hat) und den Aeußerungen des Popoli d'Jtalia muß mit einer ablehnenden Antwort Italiens auf die britisch-französische Rote gerechnet werden. Den ganzen Tag über fanden zwischen Paris und London telephonische Besprechungen statt, was im Fall der Ablehnung zu geschehen habe. Es heißt, daß diebeihenKabinette einig seien. Die Oeffnungderfranzösischen Grenze wird einer italienischen Ablehnung f ü r M o n t a g, die Freigabe der Waffenausfuhr nach Spanien für einen späteren Zeitpunkt als zweite Repressalie erwartet. Die Rede Neville Chamberlains ans dem Parteitag der Konservativen Blutjunge Burschen, deren Namensnennung das Gesetz verbietet... „Närodni Politika" verweist darauf, daß die Angelegenheit noch untersucht wird, wobei vor allem darauf Gewicht zu legen sei, daß sie in Verbindung stehe mit den dieser Tage in Prag durchgeführten Verhören. In Reichenberg wird in den Verhören ebenfalls. fortgefahren. Das Morgenblatt des„Ceske Slovo" sagt, datz der verhaftete W. B. nicht identisch sei mit einer prominenten Persönlichkeit der Henleinpartei, sondern datz es sich hier um seinen weniger bekannten Namensvetter handelt. Der Journalist B. könnte schon deshalb nicht verhaftet werden, weil er sich gegenwärtig ausserhalb der Grenzen der Republik aufhält. Im ganzen seien bisher 14 Personen verhaftet; allerdings stünden weitere Verhaftungen bevor. Das Abendblatt des„Pravo Li du" sagt, es könne nicht alle Namen der Beteiligten nennen, weil sich unter ihnen auch junge Menschen befinden, deren Namensnennung das Gesetz bekanntlich nichtzu- lätzt. Die Parteimitglieder hätten die Anzeige erst erstattet, als sie gesehen hätten, da^ eine Erledigung dieser Affäre auf einem anderen Wege nicht mehr möglich gewesen sei. Man könne weder der Untersuchung dpr Polizeibehörden, noch dem Gerichtsverfahren, in dem der öffentliche Ankläger das Wort haben wird, vorgrcifen. Es handle sich um eine Sensation, ähnlichdersei- nerzeitigenim Dritten Reich. Das Abendblatt des„Ceskö Slovo" erklärt, Heinz Rutha sei nicht Architekt, sondern Besitzer einer Möbelfabrik in Bad Kunnersdorf bei Böhm.-Leipa. Die Verhaftung Ruthas wäre keine Ueberraschung gewesen, hätte man schon früher die Klagen und Beschwerden, die von jungen Henlein-Leuten eingelaufen waren, erhört.' Einberufung des Unterhauses hat Chamberlain übrigens abgelehnt, dagegen die Tagesordnung für die Sitzung am 21. Oktober dahin geändert, daß der Tag der Aussprache über die Lage im Fernen Osten gewidmet sein wird. Mailand.(Reuten)„Popolo d'Italia" i ning Post" von sehr genauen Informationen führt in einer offenbar von amtlichen Stellen| über umfangreiche Interventionen zugunsten Francos, welche nunmehr der britischen Regierung vorlägen.' Der„Daily Herald" berichtet, datz für den Fall einer unbefriedigenden italienischen Stellungnahme Großbritannien und Frankreich nicht weiter protestieren oder Vorschläge erstatten, sondern rasch und wirksam handeln werden. Dem Blatte zufolge seien zwei Maßnahmen geplant: 1. Sofortige Oeffnung der spanisch-französischen Grenze für die Beförderung von Kriegsmaterial und 2. Aufhebung der für die Waffenausfuhr nach Spanien in England und Frankreich geltenden Verbote. London.(Havas.) Der diplomatische Korrespondent der„Evening News" bestätigt die Meldungen, denen zufolge die britische Regierung verläßliche. Informationen besitze, denen zufolge in der vorigen Woche über Cadix 15.000 Mann italienische Truppen ausgeschisst wurden. Auch neue italienische Flugzeuge seien auf Malorca eingetroffe». Wer geschlechtlichen Verkehr mit Personen gleichen Geschlecht tes pflegt, macht.sich des Verbrechens der Unzucht wider die Natur schuldig, und soll mit' Kerker in der Dauer von einbis fünf Jahren bestraft werden. Diese Haft verdankt Rutha„gut völkischen"\ Männern, die, wie es braven tschechoflowakischen l Demokraten ziemt, ihr Material zuerst Herrn! Rudolf Hetz, dem Stellvertreter Hitlers überreichten. Da man aber in dem Reiche, in dem Röhm liebte und starb, für Unzucht innerhalb der SdP nicht das entsprechende Interesse aufbrachte, entschlossen sich, wie wir gestern meldeten. Aufbrüchige, den sexuell Schiffbrüchigen den heimischen Polizeibehörden zu denunzieren. Was die englische Polizei weiß . Das„Prävo Lid»" meldet: Vertrauliche Nachrichten sickerten schon längst durch und kamen auch der Polizei zu Ohren, die jedoch mit dem Einschreiten zuwartete. Sie entschied sich dann im geeigneten Augenblick schlagartig zur Aktion, die bisher noch nicht beendet ist. Die Untersuchung gegen die Verhafteten und die Erhebungen in einigen Gebieten gehen weiter. Wie es heisst, kam die erste Nachricht aus L o n d o n, wo einige führende Hen- leinleute bei ihren Reisen nach England regel« mässig in Gesellschaften von Homosexuellen gingen, die sich in eigenen Klubs versammeln. Der englischen Polizei fiel dies auf» Im Inland stammen die meisten Nachrichten, aus Asch, dem Sitz Henlsins, wo ebenfalls schon j zahlreiche Recherchen durchgeführt wurden. Diese Haussuchungen waren auch, wie es scheint, Anlass zu einer Intervention der Henleinabgeordneten bei ihrer am Dienstag Ministerpräsidenten. Es die Henleinabgeordneten bemüht sein werden, ihre Beziehungen zu gewissen tschechischen Rechtspolitikern zu neuen Jnterventionsversuchen zu henützen. Die homosexuellen Volksgemeinschaftler Noch weitere Verhaftungen? Dem TNT. wird aus Reichenberg berichtet, daß die Berhaftungen der homosexuellen Bolksgemeinschaftler keineswegs von kurzer H,nd erfolgten, sondern daß schon längere Zeit Beobachtungen durchgeführt wurden, deren Ergebnisse dergrt gewesen seien, haß sich die Sicher- hritsorgane zur Durchführung der Verhaftungen entschlossen. Es sei zu erwarten» datz in der Angelegenheit, deren endgültige Klärung allerdings dem Gerichte Vorbehalten bleibt, noch weitere Berhaftungen erfolgen werden. Horch, was Henlein dem Rutha verdankt Noch haben weder Henlein noch seine„Zeit" Zeit gefunden, um sich zu der Gestalt zu äutzern,' in der Herr Rutha jetzt vor der Oeffentlichkeit steht und man ist vor allem im sudetendeutschen Lager begierig, zu erfahren, wer vom„Führer" abwärts sich etwa auch jetzt noch hinter Rutha stellen wird. Besonders interessant wird natürlich sein, was Herr Henlein zu dem Fall zu sagen hat. Denn Henlein war es, der auf Rutha als Erz reher gewaltig baute und der ihn ja auch mit besonderen Erziehungsaufgaben betraute! Nicht ohne grimmige Bewegung erinnert mau sich jetzt an die geradezu grossartige Weise» in der sich Henlein seinerzeit zugunsten dieses Jugendbildners ausdrückte. Im Jahre 1934 erschienen im Verlage K. H. Frank und herausgegeben von Willi Brandner Konrad Henleins Reden«nd Aufsätze zur völkischen Turnbenrgung 1928 bis 1933. In dieser kostbaren Sammlung findet sich auf „{Erziehung unserer Mannesjugend": „Die entscheidendenGedanken über Erziehung verdanke ich langjähriger Zusammenarbeit im Deutschen Turnverbaud mit H e i u z R«t h a". Dieser Freund Schloss und Riegel! danken über Erziehung", von Henlein ausgenommen, kamen jetzt mit dem Paragraphen in Konflikt, der von der Unzucht wider die Natur handelt! Sittlicher Verfall Das heisse Bemühen aller Totalitären ist darauf gerichtet, den Gegner moralisch zu disqualifizieren und sich selbst als die Bewahrer von Reinheit, Tugend, Anständigkeit, Sauberkeit und Charakter hinzustellen. Die anderen sind Untermenschen; sie selbst aber sind Engel, auch wenn sie etwa den Reichstag angezündet oder Kameraden gemordet, oder auch wehrlose Gegner feige zu Tode gequält haben. Es ist selbswerständlich, dass auch die Sudetendeutsche Partei von der moralischen Verunglimpfung der Gegner zu leben versucht und dem Volke Weihmachen will, sie bringe nicht nur dessen politische, sondern auch seine sittliche Erneuerung. Wie haben die Sandner und„Kameraden" immer herausgestrichen, datz sie die„Reinen" und „Sauberen" find, wie hat da einer den anderen ob seiner Tugend, Keuschheit, seinem Brudersinn und seiner Opferwilligkeit gelobt! Der Herr Sandner war es, der vor mehr als zwei Jahren in einer Prager Versammlung verkündet hat, die Sudetendeutsche Partei werde auch einen neuen T o n in die Politik bringen, und das Voll hat damals wie immer, wenn von der„Reinheit" und„Sauberkeit" die Rede war, interessiert aufgehorcht. Es hatte nämlich bis dahin geglaubt, dass sich Reinheit und. Sauberkeit bei politisch tätigen Menschen und besonders in politischen Parteien von selber verstünden. Nun ist eine Sittlichkeitsaffäre aufgeflogen, in die namhafte Funktionäre der Sudetendeutschen Partei verwickelt sind. Es ist an und für sich uninteressant, dass der und jener homosequell ist. Das ist seine Privatangelegenheit, sofern sein Verhalten die öffentliche Sittlichkeit nicht gefährdet. Dass wir den vorliegenden Fall eingehender betrachten, hat besondere Gründe: er lässt nämlich den moralischen Verfall der Hen- leinbewegung überhaupt erkennen, er ist ein Schulbeispiel für deren Verlogenheit und Heuchelei.» Herr Rutha ist nicht irgendwer» sondern ein Mann, der in der Henleinbewegung an hervorragender Stelle steht, einer, der das besondere Vertrauen Konrad Henleins qeniesst. Konrad Henlein äusserte sogar einmal, dass er seine entscheidenden Gedanken über die Erziehung der langjährigen Zusammenarbeit mit Heinz Rutha im DeutschenTurnverband verdanke. Man weiss, wie diese Erziehung, insbesondere im Deutschen Turnverband, beschaffen ist. Es ist eine besonders„wertvolle" Erziehung, nämlich eine„mannschaftliche", eine, die den jungen Burschen ganz zwangsläufig ein männliches Kraftgefühl beibringt, das im Kreise von Männern Betätigung und Erfüllung sucht. Sicherlich ist die Homosexualität, die in völkischen Kreisen besonders stark grassiert und heute gewissermassen zum Erbübel des nationalsozialistischen Preuhentums avanciert ist, durch solche Erziehungsgrundsätze nicht hervorgerufen, aber sie wird durch sie gefördert."Es gibt nicht nur eine Homosexualität der S.’ran« lagung, sondern auch eine solche der Verführung, die junge Menschen gesundheitlich und charakterlich für das ganze fernere Leben ruiniert. Konrad Henlein mag stolz sein auf die mannschaftliche Erziehung im Turnverband, die in der Praxis mit der Aeckitung der«Frau Hand in Hand geht: nun sehen wir, wohin diese Erziehung führt: in die Affäre sind minderjährige B u r s ch e n verwickelt, Opfer älterer Leute, die sie nicht ausserhalb, sondern zweifellos innerhalb der völkischen Bewegung kennen und— lieben gelernt haben. Die Veranlagung Ruthas— und anderer massgeblicher Leute aus dem völlischen Lager— war Konrad Henlein sehr Wohl bekannt. Trotzdem haben er und die Seinen im Brustton der lieber- zeugung die sudetendeuffchen Mütter immer wieder aufgefordert, soviel Kinder wie möglich zu gebären. Es mag sein, dass die Zahl der Homosexuellen bei der Kinderproduktion nicht ausschlaggebend ist, aber es gehört doch eine Dosis Unverfrorenheit dazu, über das familienzersetzende und geburteneinschränkende Wirken des „Marxismus" zu Wettern und gleichzeitig von Homosexuellen Erziehungsgrundsätze anzunehmen,-ja, üe mit entscheidenden Aemtern in der „Vollserneuerungs"-Bewegung zu betrauen! Kann eine solche Moralheuchelei überhaupt noch unterboten werden? Samstag, 9. Oktober 1937 Nr. 238 Ccik Erregte Sitzung des IAA»Verwaltungsrates: Scharfe Auseinandersetzungen um die 40-Stundenwoche Widerstand der Arbeitseber z Mehrheit gegen die Behandlung der Fräse# Entschiedene Rede Douhaux Der Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes schritt Freitag zur Debatte über die* im Juni von der internationalen Arteitskonfe renz angenommene Resolution, in welcher die allgemeine Einführung der Arbeitszritherabsetzung gefordert wird. A la„Leipzig"? Gibraltar.(Havas.) Die britischen Marine- Behörden in Gibraltar haben mitgeteilt, daß der italienische Dampfer /.Ettore" am Donnerstag Funkmeldungen sandte, in denen es hieß, ec sei von einem unbekannten Wasserflugzeug angegriffen, jedoch nicht getroffen worden. Die'Meldung des italienischen Dampfers wurde von den Torpedobootzerstörern, die Patrouillendienst im Mittelländischen Meere versehen, aufgefangen. Die Kriegsschiffe begaben sich sofort an Ort und Stelle, wo der Angriff erfolgt sein soll. Hier taucht auch ein interessantes psychologisches Problem auf, das heute in der Politik eine große Rolle spielt; die Tatsache nämlich, daß ein guter Teil des Kraftmeiertums, daß in der völki- schen Bewegung zu Hause ist— man blicke auf die SA und die SS, man erinnere sich der Röhm und der Heines—, auf die Ueberkompensierung von Minderwertigkeit skomp- l e x e n zurückzufuhren ist. Es wird gut sein, daß man alle die Kraftprotzen, alle di« Moralfatzken, die nicht müde werden, über„Reinheit" und„Sauberkeit" zu sabbern, etwas näher besieht; kratze sie und es guckt ein Abnormaler heraus, der nicht immer gerade ein Homosexueller sein muß. Ehrenkorporale, die auch nicht immer zu den geistig Gesunden zählen und darum im Konzert der Narren die entscheidende Geige spielen, sind,)oie man seit der Affäre Röhm weiß, manchmal sogar auf Homosexuelle sehr schlecht zu sprechen. Wie es die Bewegung der Volkserneuerer, bzw. der in ihr jeweils maßgebende Kreis eben braucht. Nicht weniger bemerkenswert als die Art der Röhm- Erledigung ist die des Kampfes gegen Rutha und seinen Kreis. Da gibt es in der SdP einen Flügel, der gegen di« Leute vom Kameradschaftsbund mit allen Mitteln kämpft. Auch mit dem Mittel der Denunziation. Dieser dem Kameradschaftsbund feindliche Kreis hat allerdings Gelegenheit zum Lernen gehabt: die Patscheider- Leute, die den jetziqenFeinden desKameradschafts- bundes nahestanden, sind ebenfalls durch Denunziation gefallen. Wenn die sozusagen geistigen Argumente gegen den Kameraden in der völkischen Bewegung nicht mehr zurrfchen^oder nicht verfangen, wird er in treudeutscher Art an die Behörden arwgelieferkl Den einen läßt man über seine geschlechtliche Veranlagung und Betätigung stolpern, den anderen, je nach, Bedarf, ,über andere Vergehen. Solange man einander benötigt, tvird der Mantel des Schweigens über die dunklen Punkte dieses und jenes Volksgemeinschaftlers gedeckt. Wird aber der andere unbequem oder gefährlich, so bekommt der Staat s a n wa l t zu tun. Das ist nun schon einmal so bet dem Hütern der deutschen Treue, d a s ist der„neue Ton", das ist die„neue' Art", die von den „Reinen" und„Sauberen" in die sudentendeutsche Politik gebracht wurde. Konrad Henlein hat jetzt die Wahl zwischen Freundestreue und den Notwendigkeiten, seiner Bewegung. Wird er ein«n kleinen Dreißigsten Juni inszenieren, um seine Partei zu entlasten? Dann wird man unschön über seine Treue denken. Wird er die Dinge auf sich beruhen lassen? Dann wird man noch schlechter über die moralischen Grundsätze und Lebensäutzerungen seiner Bewegung denken als man es ohnehin schon tut. Seine Entscheidung wird, so oder so, ein Beitrag zum Kapitel Moral in der SdP sein. Copyright by Saturn Verlag 1935 „Tas glaube ich", erwiderte Balerian im Tonfall eines Mannes, dem ein anderer mitteilte, er habe noch keine Seeschlange gesehen,„ich auch nicht", und er nahm beide Gegenstände wieder an sich, wickelte sie sorgfältig und umständlich in das Seidenpapie» und schob sie mit einem triumphierenden Lächeln in die Tasche.„Das ist das Geschäft, das ich mit Herrn von Miesling gemacht habe", sagte er schlicht und trocken. Generaldireftor Fischer warf einen Blick auf den Scheck und sah Balerian an. „Solche Sachen haben Sie ihm verkauft?" fragte er. „Ja, solche Sachen, Herr Generaldireftor. Die bedeutendste Sammlung frühen Schmuckes, die es überhaupt gibt. Und diese beiden Stücke kommen jetzt ins British Museum... So was, wie diese, gibt es überhaupt nicht mehr." „Was soll es denn sein?" fragte Generaldirektor Fischer. „Chazarischer Schmuck." „Chazarischer Schmuck?" „Jawohl, chazarischer Schmuck. Die Chaza- ren waren ein mongolisches Reitervolk, das sich etwa dreihundert nach Christi in der Krim ange- siedelt hat und in seiner Gänze zum Judentum übergetreten ist." „Zum Judentum übergetreten..,?" fragte der Generaldirektor erstaunt,„habe ich auch noch Nie gehört. Ist das historisch?" Die Frage der 40stündigen Arbeitswoche stellt sich vom internationalen Gesichtspunkt folgendermaßen dar: Im Jahre 1935 nahm die internationale Arbeitskonferenz den Vorschlag eines allgemeinen Abkommens an, demzufolge sich die Staaten zugunsten des Prinzips der 40stiindigen Arbeitswoche ohneHerabsetzung desLebens- Niveaus aussprechen und demzufolge sie sich verpflichten, dieses Prinzip durch Sonderabkommen in den einzelnen Industriezweigen anzuwenden. Die Anwendung der 40stündigen Arbeitswoche wurde im Jahre 1935 für die Glasbranche der Flaschenerzeugung beschlossen. Im Jahre 1936 nahm die Konferenz den Entwurf eines Abkommens an, mit welchem dieses Prinzip in den öffentlichen Arbeiten eingeführt wird. Im Juni dieses Jahres nahm die internationale Arbeitskonferenz einen Abkommensentwurf an, mit welchem die 40stündige Arbeitswoche auf die Textilindustrie ausgedehnt wird. Nichtsdestoweniger kam die Konferenz zu der Ansicht, daß zu viele Jahre notwendig wären, ehe durch diese fortgesetzte Anwendung von einem Industriezweig zum anderen die allgemeine Einführung der 40stündigen Arbeitswoche erzielt würde. Deshalb nahm die Konferenz vom Juni d. I. eine Resolution an, in welcher der Brrwal- tungsrat aufgefordert wird, auf das Programm der nächsten Tagung der Konferenz die Frage der Verallgemeinerung der ArbeitS- zestherabsthung in allen BetrirbSgebieten zu setzen. Der belgische Arbeiterbertreter Mertens, einer der Mitultterzeichnex obiger Resolution, ergriff namens der Arbeitergruppe das Wort und führte aus, daß die Frage dec Arbeitszeitherab- setzung als etfter Dis küss ionsg egen- stand auf das Programm der ich Juni 1938 einberufenen Konferenz gestellt werden sollte und daß er sich nicht dagegen stelle, daß es zur endgültigen Abstimmung erst in der Konferenz des Jahres 1939 komme. '- B'.' C. Jp e rst en(Dänemark)' ergriff namens der großen Mehrheit der Arbeitgebergruppe das Wort und führte aus, daß der Standpunkt seiner Kollegen unverändert bleibe, und daß sie sich gegen die 40stündige Arbeitswoche aussprechen. In ihrem Namen spricht sich Redner auch dagegen aus, daß die Kürzung der Arbeitswoche auf das Programm der internationalen Konferenz gesetzt werde. Der französische Regierungsdelegierte Justin G o d a r d brachte den Standpunkt der französischen Regierung in Erinnerung, die die 40stün- dige Arbeitswoche angenommen, eingeführt hat und dieses System in Kraft beläßt. Er spricht sich deshalb dafür aus, daß diese Frage auf das Programm der nächsten Konferenz im Jahre 1938 gesetzt werde. „In jedem Lexikon nachzulesen. Diese Schmuckstücke sind, wie man stilkritisch genau nachweisen kann, etwa ein Jahrhundert nach der Bekehrung dieses Reitervolkes von semitischen Künstlern angefertigt worden; also Unikate. Diese beiden Stücke werden.in zwei Stunden an das British Museum verkauft sein. MieSling hat alles übrige erworben. Diese beiden aus begreiflichen Gründen nicht." „Aus welchen begreiflichen Gründen?" fragte der Generaldirektor, dem diese Materie sichtlich höchst interessierte. „Das verstehen Sie nicht, Herr Generaldirektor?" entgegnete Balerian erstaunt.„Soll vielleicht ein deutsches Museum den Nachweis liefern, daß das Judentum eine eigene, autochthone Kunst hervorgebracht hat? Daß es schöpferisch war? Daß es eine jüdische Kunst schon vor fünfzehnhundert Jahren gegeben hat? Die Herren werden sich hüten."- „Interessant", sagte Generaldireftor Fischer, „eine original jüdische Kunst vor fünfzehnhundert Jahren. Lassen Sie mich die Dinger noch einmal anschauen." Valeria» wickelte sie behutsam wieder aus und reichte sie dem Generaldirektor, der sie noch einige Minuten genau prüfte. „Und wer behauptet das alles?" ftagte er vom Fenster her, wo er mit den beiden original jüdischen Kunstwerken stand. „Rufen Sie Herrn von Miesling doch an, Herr Generaldireftor, und erkundigen Sie sich nach dem Scheck. Vielleicht wird er Ihnen Auskunft geben, wofür er diese Summe gezahlt hat." Tvr Generaldireftor erwiderte nichts. „Und außerdem werden ja die beiden Objekte in einigen Wochen im Britischen Museum ausgestellt werden", setzte Balerian hinzu. „Und was sollen denn diese Dinger kosten? Nicht, daß es für mich in Betracht käme, aber wie notiert so etwas?" fragte der Generaldirektor nachlässig. Nach ihm sprach sehr entschieden Leon Jouhaux. Es müsse gegenwärtzg konstatiert werden, daß die Versuche, der Ausarbeitung eines Abkommens betreflend die 40stündige Arbeitswoche allmählich von einem Industriezweig zum anderen in hohem Maße gescheitert sind. Wenn dieses Borgeyen fortgesetzt würde, führte Jouhaux aus, würden 15 Jahre nicht genügen, die 40stündige Arbeitswoche allgemein einzu- führen. Man müsse deshalb von diesem Vorgehen Abstand nehmen und bestrebt sein, zur allgemeinen Anwendung dieses Systems in den Jahren 1938/39 zu kommen. AlS französischer Arbeiterdelegierter erkläre ich, daß das Gesetz über die 40stündige Arbeitswoche in Frankreich durchgeführt wird und daß es streng durchgeführt wird. ES ist Pflicht Frankreichs, dahin zu streben, daß diese Arbeitszeit international eingeführt wird. Im Ausland werden die innerpolitischen Polemiken in Frankreich übertrieben. ES ist nicht minder wahr, daß niemals in der Geschichte der Sozialgesetzgebung in irgendeinem Staate rin Fortschritt so rasch erzielt wurde. Frankreich hat jetzt das Rechtzu wissen» was schließlich die übrigen Länder tun werden. Wenn das französische Gesetz akkemodiert werden sollt«, könnte dies nur dann geschehen, wenn von einem internationalen Forum eine derartige Abstimmung erfolgen würde, daß erwiesen wäre, Frankreich solle das einzige Land bleiben, das die 40stündige Arbeiswoche appliziert. Das i st jedoch nicht der Fall. Johaux setzte fort: Ich bin entschlossen, so vorzugehen, daß Frankreich in bezug zu anderen Ländern nicht in eine Situatwn der Inferiorität gerät. Die Internationale Arbeitskonferenz wird sich deshalb erklären müssen, und zwar rasch, und falls die anderen Staaten der französischen Industrie nicht folgen sollten, dann werden vielleicht andere Maßnahmen erwogen werden müssen. Auch der französische Delegierte der Ar- beitgeberyruppeP. Walline wird f ü, r den Antrag stimme^, daß die Frage der''40stün- digen Arbeitswoche auf Has Programm'ßer nächsten Tagung der Internationalen Arbeitskonfe- rcnz gestellt werde. Das bedeutet nicht, daß die französischen Arbeitgeber mit der gegenwärtigen Lage zufrieden sind. Frankreich hat die Initiative übernommen, es hat das Recht zu wissen, welchen Standpunkt die anderen Staaten einnehmen.* Mertens unterstützte die Ausführungen Jouhaux' und sprach sich dafür aus, daß die erwähnte Angelegenheit Programm- Gegenstand der Konferenz im Jahre 1938 sei. In der Nachnvittagssitzung führte der englische Arbeiterdeleqierte Hallsworth aus, die Arbeiterschaft sei dauernd bestrebt, daß die 40- stündige Arbeitswoche allgemein Geltimg Balerian wies auf den Scheck und zog di« Bestätigung des Professors Mysenius über erhaltene dreiundzwanzig frühgermanische Schmuckgegenstände aus der Tasche. Der Generaldireftor las sie und sein Gesicht verriet ein gewisses respektvolles Erstaunen. „Na, und wie teuer wollen Sie diese beiden Dinger verkaufen?" „Das können Sie sich selbst ausrechnen, Herr Generaldirektor. Wenn dreiundzwanzig Stück die Summe gekostet haben, die aus dem Scheck ersichtlich ist, so werden etwa fünfzigtausend Francs für diese beiden Unikate nicht zu hoch sein." „Wahnsinnig", sagte Generaldireftor Fischer und reichte Balerian die beiden Objekte,„also Sie wollen den Scheck doch eskomptieren lassen?" „Ja, leider, ich muß. Der Schmuck hat nicht mir gehört. Ich habe den Verkauf nur vermittelt und ich mutz heute noch ausbezahlen." „Also gut", sagte Generaldirekwr Fischer nachdenklich,„zu der früher genannten Summe kommt übrigens noch die Stempelgebühr und Jn- kaffaprovision. Das macht zusammen..Er rechnete mit erschreckender Geschwindigkeit,„das macht zusammen achtundzwanzigtausendachthundertsiebenundsechzig Francs. Stimmt?"' Balerian erwiderte nichts. „Nun?" sagte Generaldirektor Fischer freundlich. „Ich. soll also wegen zweier oder dreier Tage..." murmelte Balerian. „Natürlich nicht", sagte Generaldireftor Fischer,„ich rate Ihnen selbst davon ab. Warten Sie doch die paar Tage. Warum haben Sie es denn überhaupt so eilig?" „Weil ich nur, wenn ich gleich ausbezahle, diese beiden Objekte an Stelle einer Barprovision aushandeln kann und weil ich sie wieder nur heute, solange die Einkäufer des British Museums in Paris, sind, gut verkaufen kann." „Für fünfzigtausend Francs?" fragte der «-Generaldirektor zweifelnd. (Schluß folgt.) erlange. Der kürzliche Kongreß der britischen Arbeiter habe sich besonders dringlich für diese bedeutungsvolle Reform ausgesprochen. Es werden, sagte der Redner, Einwendungen in dec Richtung erhoben, daß für die Einführung dieses Systems Schwierigkeiten bestünden. Diese Schwierigkeiten aber sind nicht unüberwindlich und es sei möglich, das angestrebte Ziel zu erreichen. Der brittsche Regierungsdelegierte Dennys legte den Standpunkt der britischen Regierung dar, die sich gleich vom Anfang an dafür aussprach, daß die Frage der 4k)-stündigen Arbeitswoche von der Konferenz studiert werden solle, insowoit es sich um die Einführung in den einzelnen Industriezweigen hanoelt. Die bisher gemachten Erfahrungen zeigten nach Ansicht des Redners, daß dieser Vorgang richtig ist und fortgesetzt werden sollte. Hierauf legten Justin Godart im Namen der französischen Regierung und Lubin im Namen der Regierung der Bereinigten Staaten von Amerika einen Resolutionsentwurf vor, demzufolge der Berwaltungsrat die Entscheidung fällt, daß die Frage der Verallgemeinerung der Herabsetzung der Arbeitsstunden auf die Tagesordnung der Arbeitskonferenz im Jahre 1938 zu setzen ist, und zwar als e r st e Lesung. Dann würden die einzelnen Regierungen beftagt werden und die Ergebnisse dieser Rundfrage würden dem Konferenzplenum im Jahre 1939 vorgelegt werden, worauf dann der Abkommensentwurf ausgearbeitet werden würde. lieber diese Resolution wird morgen, Samstag, im Plenum des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeits-Amtes abgestimmt werden. Von der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen Angestellten Am Donnerstag, den 7. Oktober, fand eine Plenarsitzung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen Angestellten unter Beteiligung von Vertretern der koalierten polittschen Parteien(für die deutschen Sozialdemokraten Abgeordneter Kügler) sowie des Seüionschefs Dr. Svatos vom Ministerratspräsidium statt. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Abgeordneter Dr. Dufek, informierte die Vertreter der politischen Parteien über die Situation der öflentlichen Angestellten und ihre Forderungen. Er betonte, daß während der Wirtschaftskrise eine ganze Reihe von Personal- sparmatznahmen durchgeführt wurde, die eine ungewöhnlich schwere Herabsetzung des Wirtschaftsniveaus der Angestellten bedeutete, die jetzt bei dtn gebesserten Verhältnissen der Volkswirtschaft verlangen, daß alle durch die frühere schwere finanzielle Lage des Staates diktierten Sparmaßnahmen allmählich liquidiert werden. Insbesondere fordern Die- Aufhebung oder lineare Herabsetzung der Abzüge von den Gehältern und Pensionen und die Durchführung des Gehaltsgesetzes durch Herausgabe einer Regierungsverordnung zu§ 142 betreffen- Einrechnung vorangegangener Militär- und Zivildienste, ferner die Herausgabe eine Regierungsverordnung zu 8 25 des Gehaltsgesetzes betreffend die Errichtung der Kategorie von Bediensteten- und Unter- beamten-Antvärtern und schließlich die Regelung der Verhältnisse der Kanzleihilfsbeamten. Die Sprecher der politischen Parteien konstatierten einmütig ihren positiven Standpunkt zu den Forderungen der öffentlichen Angestellten. Sie machen jedoch auf die außerordentlichen Pflichten des Staates aufmerksam, die eine schwie- rige Finanzlage des Staates bewirken, in deren Rahmen diese Forderungen gelöst werden müssen. Sie anerkannten einmütig die Notwendigkeit, daß die Koalitiönsparteien ehestens die mit der Lösung der Forderungen der Staatsangestellten verbundenen Deckungsprobleme behandeln und erklärten, daß sie die Verhandlungen hierüber ehestens eröffnen werden. Die Erklärung der Vertreter der politischen Parteien wurde zur Kenntnis genommen. In der nächsten Woche werden die angeführten Forderungen dem Vorsitzenden der Regierung unterbreitet werden, damit die meritorischen Verhandlungen über dieselben eingeleitet werden. Es wird auch zu.Verhandlungen mit den Mitgliedern der parlamentarischen Kontroll- und Sparkommissien kommen. Der Präsident der Republik empfing am Freitag, den 8. Oktober, den Minister des Innern Dr. I. Cerny und den Minister für Nationalverteidigung Fr. Machnkk. Der Ausschuß der parlamentarischen Sparund Kontrollkommission hat in seiner Freitag nachmittags stattgefundenen Sitzung das Vorän- schlagskapitel des Eisenbahnministeriums durchberaten und damit die Beratungen über den Voranschlag für 1938 abgeschwssen. Damit wurden die Arbeiten an der Ausgabenseite des Staatsvoranschlages für das Jahr 1938, die nach vorangegangenem Einvernehmen mit dem Vorsitzenden der Regierung und dem Finanzminister begannen und genau in den Grenzen des Programms und der einzelnen, voraus festgelegten Grundsätze fottgesetzt wurden, beendet. Bei den Voranschlägen aller Ressorts wurde konsequent der gleiche Vorgang eingehalten- und alle Reffotts gleichmäßig behandelt. Die Anforderungen der einzelnen Abteilungen der Staatsverwaltung an den Voranschlag 1938 wurden wesentlich reduziert, so daß der Entwurf gegenüber der ursprünglichen Ziffer aus den Beratungen wesentlich reduziert heworgeht, mit einem Betrage, der der verhältnismäßigen Zahlungsfähigkeit der Bevölkerung angemessen ist- Nr. 238 amstag, 3. Oktober 1937 Seite 3 Hitlers Echo bei den Konservativen: Kolonien müssen britisch bleiben 1 London. Zugleich mit der erneuten reichsdeutschen Kampagne in Angelegenheit der Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien hat nunmehr in England eine stacke Abwehrbewegung eingesetzt. Der konservative Kolonial-Politiker und ehemalige Minister A m e r y nimmt in einem offenen Briefe an die.Times" gegen die an der gleichen Stelle des Blattes gemachten Vorschläge Vernon Bartletts und Murrays Stellung, in welchen die beiden für die Rückgabe der Kolonien bei gleichzeitiger Ausdehnung des Mandatssystems eintraten. Amery weist energisch auf die Mög,- lichkeit hin, daß dann Deutschland auch nach einem solchen Arrangement abermals aus dem Völkerbunde austreten könnte, sowie auf die strategischen Risken, welche deutsche U-Boot- und Flugzeugbasen sowie deutsche Truppen in Ostafrika bedeuten würden. Auch auf dem konservativen Parteitag zu Scarborough hielt der Abgeordnete Sir Henry Page-Croft eine scharfe Rede gegen die deutschen Kolonialforderungen. Er wandte sich entschieden gegen den Hitlerschen Ausspruch von dem moralischen Rechte Deutschlands auf Kolonien. Deutschland habe heute jedenfalls moralisch viel weniger Anspruch auf seine ehemaligen Kolonien, wie ihn etwa Großbritannien bezüglich Helgolands erheben könnte. Wenn Deutschland wirklich so übervölkert sei, wäre es klüger, den Bevölkerungszuwachs nicht planmäßig noch zu unterstützen. Redner warf die Frage auf, ob es nicht angezeigtet wäre, Kaffee, Mais und Reis, die Hauptprodukte der fraglichen Kolonien, aufzukaufen, wenn tatsächlich ein so dringender Bedarf nach denselben in Deutschland bestünde, und zwar anstatt derartige Unsummen für Metalle und Explosiv-Stosfe auszugeben. An dieser Stelle zollte die Versammlung dem Abgeordneten stürmischen Beifall. Der Abgeordnete erklärte schließlich, daß die britische Regierung ein für allemal die deutschen Kolonialwünsche ablehnen sollte. Großbritannien könne nicht das Risiko eingehen, die Etablierung von fremden Vorposten in Afrika zuzulassen, die nicht nur den afrikanischen Flugverkehr, sondern auch den so überaus lebenswichtigen Seeweg um das Kap gefährden oder unterbinden könnten.' Volksarmee an allen Fronten erfolgreich Valencia. Das Rationalverteidigungsministerium teilt mit: Die Regierungstruppen setzen ihren Vormarsch an der Aragon-Front fort und besetzten Osan und Caffas de Jaca. An der Rordsront besetzten die Aufständischen im Ostabschnitte die Cote 602, worauf sie verschiedentlich in das Tal San Tirso de Ortigosa eindrangen, wo sie den Versuch unternahmen, di« Cote 430 zu erobern. Die Regierungstruppen umzingelten jedoch den Feind, welcher schließlich gezwungen wurde, in Unordnung die Flucht zu ergreifen, wobei er mehr als 200 Tote auf dem Kampfplatze zurückließ. An der Südfront griff der Feind intensiv die Linien im Abschnitte Pozo Blanro in der Richtung Billa Rurva de Duque an. Nene Schlacht in Nordchina im Ganse Schanghai. Einem Bericht aus Takun- pao zufolge wurden die japanischen Truppen» welche Pinjuan angriffen, mit großen Brrlustrn zurückgeschlagen. Die Stadt liegt etwa 60 Kilometer tüdlich von Tetscheu an der Eisenbahnlinie Tientsin-Pukeu. Chinesische Abteilungen unternahmen einen Angriff auf die japanische Rachhut nördlich von Tetscheu. Der Schantunger General L>anfuschu leitet persönlich die Operationen in dieser Provinz. Berichten der chinesischen Agentur Central News aus Tajuan, der Hauptstadt der Provinz Schanfi, bemächtigten sich 2000 Japaner mit Unterstützung von 20 Geschützen der chinesischen Positionen in Kufien. Die Schlacht wurde fadeteHtoulstltti Offene Revolte bei der SdP in B.-Krumau Daß es in der Henleinpartei in B.- K r u- m a u seit Jahr und Tag schwere Auseinandersetzungen zwischen den beiden Richtungen gibt, ist allgemein bekannt. Wir haben darauf mehrmals hingewiesen. In der letzten Zeit nahmen aber diese Gegensätze immer schärfere Formen an und jetzt wurde schweres Geschütz aufgefahren. Bisher hatten sich die Auseinandersetzungen meist nur hinter verschlossenen Türen abgespielt. Nun ist die Spannung so stark geworden, daß die Anhänger der Kasperrichtung und jener Teil der Henleins, welcher in der letzten Zeit ausgetreten oder ausgeschlossen wurde, zur Offensive gegen die Henleintreuen in aller Öffentlichkeit übergingen. Dies ereignete sich bei der F a h n e n w e i h e des Deutschen Turnvereins am vergangenen Sonntag. Dieser Verein hatte sein Fest im Stadtpark, die Fahnenweihe aber auf dem Ringplatz arrangiert. Diese festliche Veranstaltung wurde von dem oppositionellen Kreis der „Aufbruch"-Leute dazu benützt, um gegen die offizielle Kreis- und Bezirksleitung in demonstrativer Weise Stellung zu nehmen. Dir gesamte Qeffentlichkcil in B.-Krumau war sehr überrascht, als sie sah, daß einig« Leute vom„Aufbruch- Kreis" mit großen, Tafeln in der Stadt herumzogen, die folgende Aufschrift trugen: Werbet für den„Aufbruch" für Reinheit für Wahrheit für Ehrlichkeit In direkt provozierender Weise nahmen die Träger der Tafeln zur selben Zeit auf dem Ringplatz Aufstellung, als die Fahnenweihe vor sich ging. Mit verbissener Wut schauten einige Ortsgrößen der Henleinpartei drein, als ihnen da die von Henlein geprägten Schlachtrufe„Reinheit", „Wahrheit" und„Ehrlichkeit" in recht anzüglicher Form vor die Augen gehalten wurden. Daß die Rebellen gerade diese Schlagworte auswählten, mag die Henleintreuen besonders hart getroffen haben. Sie wißen ja, was damit angedeutet wurde. Und das Unangenehme für die offiziellen Henleins ist, daß es alle anderen Leute auch sehr gut wissen, was damit gemeint ist. Mancherorts ist eben die Zeit schon da, da die Henleins mit den Ruten gezüchtigt werden, die sie für andere gebunden hatten. Ehe zu cflrltt... Im Jahre 1936 brachte die Mutter der jugendlichen Arbeiterin A. D. diese zu den Eheleuten A. und A. W. in Bensen ins Ouartier, damit das Mädchen es bequemer habe, zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Bis zum Herbste schlief das Mädchen mit dem Ehepaar im gleichen Zimmer auf einem Ruhebett. Als der Winter gekommen/ schlief man zu dritt in den Ehebetten. Als eines Tages im Spätherbste der Geburtstag des Hausherrn in der Familie gefeiert wurde, trank das Mädchen mehr Wein als es vertrug und ging selig zu Betti Und in dieser Nacht wurde es eine Ehe zu dritt, blieb tung der Schule wurde der Lehrer A s ch m a n n betraut, mit der wirtschaftlichen Leitung die Köchin der Anstalt, die Oberleitung hat Lehrer Aschmann. Die Kindergärtnerin Müller wurde an einen städtischen Kindergarten versetzt. Im übrigen sind Vorkehrungen getroffen worden, um zu verhindern, daß sich ähnliche Vorfälle wiederholen. Die Mustkftaatsprüfungcn im Herbsttermin der Deutschen Staatsprüfungskommifsion für das Lehramt der Musik(Privatunterricht) beginnen ab 22. November l. I. Anmeldeformulare gegen Einsendung der Einschreibgebühr von 21 liö bei der Direktion, Prag II., Vladislavova 26. Einreichungstermin bis 6. November. Diesen Angriff konnten die Regierungstrnppen leicht zurückweisen. Die letzten Berichte, welche das Rationalverteidigungsministerium aus Gijon erhielt, besagen, daß die Nationalisten dort den ganzen Tag über unter lebhafter Unterstützung der Luftwaffe angreifen. Die Regierungstruppen haben den Aufständischen große Verluste beige- bracht. Diese verlorm mehr als 500 Mann. Barcelona wieder bombardiert Barcelona. Dem letzten heftigen Fliegerangriff auf Barcelona folgten weitere Bombardierungen der katalanischen Hauptstadt. Donnerstag und Feitag um 17.45 Uhr war Barcelona neuerdings das Ziel der aufständischen Schiffsgeschütze, die Barcelona mit einer Serie von Schüssen bedachten. Die Küstengeschütze der Regierung antworteten mit einem heftigen Gegen- feuer, doch gelang es den Aufständischen, in der Dunkelheit und im Rebel zu verschwinden, ohne daß es möglich war, festzustellen, ob das Auf- ständischenschiff durch das Feuer der Regierungsbatterien beschädigt wurde. Einige Granaten, die im Nord- und Ostviertel Barcelonas niederfielen, haben keine großen Adaterialschäden angerichtet. Insgesamt wurden, soweit bekannt, zehn Personen getötet und 35 verletzt. Unter Italienischer Flagge Paris.(Havas.) Das Blatt„Ce Soir" erhielt aus Oran die Nachricht, daß der französische Dampfer„Cassidaigne" auf der Fahrt von Sete von Marseille am Dienstag von vier zweimotorigen Flugzeugen der Aufständischen, unter der Drohung, dass er beschossen werde, gezwungen wurde, seinen Kurs zu ändern und nach Majorca zu fahren. Als sich der Dampfer den Balearen näherte, gesellten sich zwei Unterseeboote und dann ein Torpedoboot zu ihm, die ihn bis zum Hafen in Palma begleiteten. Am Morgen habe man auf dem Dampfer festgestellt» daß das Torpedoboot, das ihn aufgebracht hatte, unter italienischer Flagge fuhr. Am Nachmittag sei auf der Reede in Palma das französische Torpedoboot„Fan- tasque" eingetroffen und habe den aufgebrachten Dampfer befreit. Japan will„züchtigen" Schanghai.(DNB.) Der Oberkommandierende des japanischen Expeditionskorps in Schanghai General Matsui erklärte in einer Proklamation: Die japanische Armee ist nunmehr bereit, alle Machtmittel zur Unterwerfung des Gegners auszunützen. Das japanische Expeditionskorps verfolgt die Absicht, die chinesische Regierung und die chinesische Armee zu z ü ch t i g e n. Sie wird keine Gnade demjenigen gegenüber zeigen, die mit Waffengewalt gegen Japan vorgehe. Die javanische Armee wird das Leben und das Eigentum vön Angehörigen dritter Mächte schützen. Matsui druckte sodann die Hoffnung auf baldigen Friedensschluss aus. sofort nach dem Eintreffen chinesischer Verstärkungen wieder ausgenommen. Peking. Wie die Agentur Domri meldet, kam es an der Peiking-Hankau-Bahn Donnerstag kurz vor Einbruch der Dunkelheit zu der lang erwarteten Schlacht» in deren Verlauf die japanischen Truppen den westlichen Flügel der sich über 120 Kilometer erstreckenden chinesischen Verteidigungslinien nördlich von Pingschaufien angriffen. Diese stark befestigten Stellungen» die sich am Hntschofluß östlich biS Schentschsirn entlang ziehen, werden von 20 chinesischen Divisionen unter dem Kommando des General Liutschi gehalten. Das Zentrum der chinesischen Stellungen ist die stark befestigte, 50.000 Einwohner zählende Stadt Tschengting an der Peiping-Hankau-Bahn 14 Kilometer nördlich von Schitschiantschung. Italienisches A-Corps nach Lybien Rom.(Stefani.) Mit Rücksicht darauf, dass es in Aegypten Ueberraschung hervorgerufen hat, dass das 20. Armeekorps der italienischen Armee nach Lybien gebracht wird, wird eine halbamtliche Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, die Entscheidung betreffend die Entsendung dieses Armeekorps nach Lybien sei vom Ministerrat bereits im April getroffen worden, ohne daß sie in Aegypten Aufmerksamkeit erweckt habe. Diese Entscheidung werde in diesen Tagen durchgeführt. In der Erklärung wird ferner die loyale Freundschaft konstatiert, die Italien gegenüber Aegypten hegt. Nur Notwendigkeiten internationalen Charakters veranlaßten Italien, seine Garnisonen in Lybien gegenwärtig und vielleicht auch später noch zu verstärken. Polnische Regierung spielt Hasard Warschau. Nach einer amtlichen Mitteilung fand gestern im Ministerratspräsidium ein ausserordentlicher Ministerrat statt, dem der Präsiden: der Republik und Marschall Rydz-Smigly, sowie neben allen Kabinettsmitgliedern auch der Leiter des Lagers der nationalen• Vereinigung Oberst Adam Koc beiwohnten. Die letzten schweren Bauernunruhen, ferner der Ausbruch eines allgemeinen Streiks der städtischen Arbeiter und schließlich die Androhung eines neuen Generalstreiks der sozialistischen Arbeitergewerkschaft zwecks Unterstützung der Aktion der demokratischen Elemente, versetzten die Regierung in eine überaus schwierige Lage. Nachdem die erwähnte Aktion der sozialistischen Arbeitexgewerkschaft vor allem als eine Demonstration gegen die Pläne der Einführung eines Einpartei-Systems in Polen durch Obersten Koc und sein nationales Lager gedacht ist, sind die maßgebenden Faktoren des gegenwärtigen Regimes der Meinung, daß es am besten wäre, wenn Oberst Koc und das Lager der nationalen Vereinigung die Macht im Staate bereits ergreifen würden, um für die weitere Gestaltung der innerpolitsschen Lage, sowie für die Geschicke d;s Staates die volle Verantwortung zu übernehmen. es auch weiterhin einverständlich mit der Ehefrau. Dann zeigten sich die Folgen, zwar nicht bei der legitimen Ehegattin, sondern bei dem Mädchen. .Auf Zureden der Frau und mit. Wissen des Ehegatten war daS Mädchen einigemal'zum Aerzt gegangen und hatte auch einmal von dem Manne 150 K5 für die vom Arzt geforderte Hilfeleistung erhalten, doch hatte der Arzt, auch als das Mädchen ihn in Begleitung der Frau W. aufgesucht hat, die Vornahme des Eingriffes abgelehnt und di« beiden angeblich zu einer in Bensen wohnhaften Hebamme geschickt. Der Arzt bestritt aber, als Zeuge einvernommen, auch dieses. Frau W. kannte von früher die Geburtshelferin A. E. in Bensen. Nach der Angabe des Mädchens hatte sie dann auch bei ihr einen solchen Eingriff gemacht, aber ohne Erfolg. Ein zweiter Eingriff unterblieb, weil inzwischen die Mutter des Mädchens von dessen Schwangerschaft erfahren und das Mädchen vor solchen Sachen gewarnt hatte. Das Mädchen hat dann auch einen gesunden Knaben entbunden. Als es zu Zwistigkeiten hinsichtlich der Alimentation kam, erfuhr auch die Behörde von dem mißlungenen Versuch der Wtreibung und verhaftete am 23. April 1937 alle vier beteiligten Personen. Das Gericht verurteilte alle vier wegen des Versuches der Abtreibung. Die Geburtshelferin wurde unbe-dingtzu sechs Monate schwe- ren Kerker verurteilt. Das Ehepaar bekam je vier Monate, das Mädchen drei Monate schweren Kerkers bedingt mit dreijähriger Bewährungsfrist. Sie nahmen die Strafen an, nur der Verteidiger der Geburtshelferin meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Die Prager deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: Sonntag, 10. Oktober, 14.20 bis 14.30: lieber ethische Grundlagen des Sozialismus(Willi Schlamm)— 1430 bis 14.35(Strasnice): „Für Volk und Frieden". Mittwoch, 13. Oktober, 13.40 bis 13.45: ArteitSmarkt— 18.20 bis 18.40: Einig sollt ihr sein!(Ein Dreigespräch von Wilhelm Weigel- Reichenberg)— 18.40 bis 18.50: Soziale Informationen. Freitag, 15. Oktober, 18.35 bis 18.45: Aktuelle zehn Minuten. Sonntag, 17. Oktober, 14.20 bis 14.30: Grenzen der Propaganda(Josef Kaut)— 14.30 bis 14.35:„Für Volk und Frieden". Direktor der Aussigrr Blindenschule vom Amt suspendiert. Der Direktor Rauter der Blindenschule Aussig wurde, wie wir erfahren, wegen sittlicher Verfehlungen von seinem Dienst suspendiert, seine Bezüge wurden auf zwei Drittel herabgesetzt und ihm wurde nahegelegt, die Wohnung in der Blindenschule zu verlassen. Ferner wurde gegen ihn das Disziplinarverfahren beantragt. Die Polizei hat die Anzeige wegen' des sittlichen Vergehens Rauter in der Blindenschule gegenüber den Zöglingen der Anstalt an das Bezirksgericht weitergelritet. Mit der provisorischen Lei- Aus der Atus-Unlon Dir erste- Materialsammlung der Union» welche idle gute Tradition der„Atus"-Mat«rialsammlungen fortsehen wird, erscheint in wenigen Tagen und ist zur Gänze für die K i n d e r- W e i h n ach t s- feiern der Union-Vereine bestimmt. Es werden hiemit alle Bereinsobmänner verständigt, s o- fort diese Materialsammlung zu bestellen. Letzter Termin: 15. Oktoberl Die Bestellung ist an die Atus-Union, Aussig, Bahnhofplatz 1, zu richten und gleib^eitig sind 5 K£ in ungebrauchten Briefmarken«inzusenden, wofür dann, ein Exemplar der Materialsauunlung geliefert wird. Wenn mehr Exemplare bestellt werden— es empfiehlt sich, mindestens drei Exemplare zu bestellen—so sind für jedes weitere Exemplar nur 2.50 Kd einzusenden. Wenn diese Auflage vergriffen ist, erfolgt keine Neuaufiage! Es soll deshalb jeder Union-Funktionär diese einmalige Verlautbarung sofort in seiner Bereinsexekutive zur Beschlußfassung vorlegen. DaS Gesetz über die Wehrerziehung, welches in der Döppelnummer der Funktionärzeitung.Ratgeber" erschienen ist, muß jeder Union- und Parteifunktionär kennen. Bestellungen sind sofort an das Union-Sekretariat, Aussig, Bahnhofplatz 1, aufzugeben. Preis pro Exemplar 3 Kd. Die Lieferung erfolgt mir bei Voreinsendung des Betrages, eventuell in Briefmarken. Mitteilungen aus dem Publikum. Der verräterische GedurtstagSrock. Gerade als die Stimmung der fröhlichen Kindergesellschaft ihren Höhepunkt erreicht hatte, geschah das Pech. Rost warf die Schokoladenkanne um und der Inhalt ergoß sich auf Annis weißes Leinenröckchen. Die Gastgeberin tröstete das kleine Mädchen und versprach ihm, das Röckchen schnell auszuwaschen, so daß die Mutter den Schaden nicht bemerkt, wenn sie ihre Kleine abholen kommt. Tatsächlich dauerte es nicht lange und Anni konnte ihr Röckchen frisch gewaschen und frisch gebügelt wieder anziehen. Wie glücklich sie warl Aber als die Mutter sie abholte, kam das Geheimnis doch heraus. Denn das Röckchen hatte ein so leuchtendes Weiß nach dem Waschen bekommen, daß eS gar nicht mehr zu dem auch weißen Bluserl paffen wollte. Natürlich fiel das der Mutter sofort, auf. Anni gestand ihr den ganzen Vorfall und die Mutter bedankte sich bei der Gastgeberin.„Aber bitte, sagen Sie mir", fügte sie hinzu,„womit haben Sie denn das Röckchen gewaschen? So weiß habe ich es trotz allen Rumpelns und Reibens noch nie bekommen I" —„Ja", antwortete die Gastgeberin,„nehmen Sie doch bladionl Das wäscht in der halben Zeit und* wirklich weiß. Ich wasche alles damit." Da nahm die Mutter sich vor, es von jetzt ab genau so zu machen und so war aus einem Pech noch ein großer Vorteil geworden!—R Geite 4 Samstag, 9. Oktober 1937 Nr. 238 Ein entsetzliches Sittenbild Die Ehe des Rates Velso/ Nach dem Tagebuch die Zeugenaussagen l-rb) Mir fortschreitender Verhandlung beginnen sich die Konturen des Dramas, das hier zum zweitenmal« aufgerollt wird, klarer abzuzeichnen. Schon heute läßt sich erkennen, daß der Brünner Prozeß vom Feber d. I. nur allzuviele Einzelheiten unerörtert ließ, deren Kenntnis notwendig ist, um die Schuldfrage gerecht beurteilen zu können. Die diesmalig^ Einvernahme der Marie Velgo füllte anderthalb Prozeßtage aus und der letzte und vielleicht wesentlichste Teil dieser Einvernahme vollzog sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Das Verteidigungssystem der Angeklagten wird nun deutlicher erkennbar. Marie Velgo sucht einmal darzutun, daß sie vor dem Mordkomplott, das sie mit ihren! Geliebten Wenzel Cerny geschmiedet hatte, noch in letzter Minute zurückzutreten versuchte Der zweite Hauptpunkt ihrer Verteidigung bezieht sich auf gewisse Intimitäten des Ehelebens, deren Erörterung sich natürlich der Berichterstattung entzieht. Daß sich die Aussagen der Angeklagten zum großen Teil mit ihren früheren Aussagen in Widerspruch setzten, was der Vorsitzende bei einer Gelegenheit ausdrücklich betonte, ist bereits erwähnt worden. Als wesentlich muß festgehalten werden, daß die Angeklagte behauptet, daß sie noch im Laufe des Mordtages ihren Komplicen von der Ausführung d«S verabredeten Mordes abzuhalten versucht hab«, daß dieser aber auf der Durchführung des Planes bestanden habe und sie bei Durchführung des Mordes mit vorgehaltenem Revolver verhinderte, Hilfe herbeizuru- f e n, wie sie angeblich im Sinne hatte. Diese Aussage, die ein absolutes Novum darstellt, quittierte der Vorsitzende, der der Angeklagten vollste Möglichkeit gab, alles vorzubringen, was ihrer Verteidigung dienen könne, mit der Bemerkung, daß eine solche Behauptung wohl kaum Glauben finden könne. Zum Verständnis des Beweisverfahrens ist es notwendig, diese beiden Punkte, auf die sich die Verteidigung der Angeklagten im wesentlichen stützte, festzuhalten. Der dritte VerhandlungStag. Zu Beginn der freitägigen Verhandlung er stattet der ärztliche Sachverständige DozentDr, K o h o u t sein ausführliches Gutachten. Zunächst befaßte sich der Sachverständige mit dem Geisteszustand der Angeklagten, den er eingehend analysierte. Sein Gutachten schloß mit der Feststellung, daß Marie Velgo als vollkommen zurech- n u n g s f ä h i g u n d verantwortlich im Sinne des Paragraph 2 des Strafgesetzes anzusehen sei, wenn ihr auch der Milderungsgrund geschwächter Vernunft zuzubilligen sei. Wie der Sachverständige auf Grund des Sektionsbefundes weiter auSsührte, ist Erstickung! al s Ursache des Todes des Ermordeten anzunehmen, der von dem Mörder Cerny in der Badewanne ertränkt wurde, nachdem ihm dieser durch Schläge auf den Kopf und ins Gesicht- Verletzungen zugefügt hatte. Der Mörder ging mit größter Brutalität vor. Die Leiche des OGR. Velgo wies Verletzungen im Gesicht auf und«in Zahn war ausgebrochen, außerdem wurde der Bruch einer Rippe festgestellt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob die Kräfte einer Person zur Ausführung dieses rohen Verbrechens ausgereicht hätten, oder ob die aktive Beihilfe der Angeklagten bei Begehung der Mördtat anzunehmen sei, erklärte der Sachverständige, daß nach dem Sektionsbefund die Beihilfe der Angeklagten nicht auszuschlseßen sei, daß aber die Kräfte eines Menschen hingereicht haben könnten, den schwächlichen und körperlich mißgestalteten Mann in solcher Weise aus dem Leben zu schaffen. Darauf begann das Verhör der Zeugen, als deren erster der 50jäh- rige pensionierte Gendarmeriewachtmeister Franz Stojdl einvernommen wurde, der derzeit in den Diensten der Reisekanzlei C e- d o k steht. Der Anklagevertreter Prokurator Dr. Lexa sprach sich gegen die Zulassung dieses Zeugen aus, da dieser über keinerlei Tatumstände aussagen könne Das Schwurgericht beschloß indessen nach kurzer Beratung die Zulassung dieses von der Verteidigung neu nominierten Zeugen. Diese Einvernahme, die vor allem auf jene Teile der Verteidigung Bezug hat, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt werden, brachte eine drastische Charakteristik des Ermordeten, den er auf einer vom Cedok veranstalteten Reise nach Rußland, bei der der Zeuge als Reisebegleiter fungierte, und bei dieser Gelegenheit den OGR. Velgo näher kennen lernte. Bei jener fünfwöchigen Touristenreise, an der 22 Leute teilnahmen, fiel dem Zeugen der OGR. Velgo ckurch seine ganz außeeordentliche körperliche Verwahrlosung und Unsauberkeit auf, was der Zeuge durch verschiedene unglaublich klingende Beispiele erläutert. Er habe gar nicht glauben wollen, daß dieser unglaublich vernach« lässjgt aussehende Reisende tatsächlich ein hoher richterlicher Funktionär sei und habe sich dessen Iden tität daher zur Sicherheit telephonisch beglaubigt. Bei einem Aufenthalt in Odessa teilte der Zeuge das Schlafzimmer mit OGR. Velgo, konnte aber ckie ganze Nacht nicht schlafen, weil in dem Zimmer ein pestilenzialischer Geruch herrschte. Nach schlafloser Nacht fand der Zeuge im aufklappbaren Waschbecken Wäsche und Socken in schmutzigstem Zustand und war so aufgebracht, daß er ausrief:„W e l ch« s Schwein hat das hierher gegeben?" Als stch Velgo als Besitzer dieser Wäschestücke bekannte, Habs er ihm gesagt:„Verzeihen Sie, Herr Oberrat, aberSie sind einSchwein..." Ein andermal habe der Zeuge«ine große Fleischkonserve zur Verteilung gebracht, wobei der Obcrrat Velgo, der sie als erster hckam, um seinen Anteil hsrauSzunehmen, so unappetitlich aß, daß sein Speichel in die offene Büchs« tropfte unck die übrigen Reiseteilnehmer trotz ihre» Hungers mit Grauen darauf verzichteten, aus dieser Konserve zu essen. Die Aussage dieses Zeugen, an die sich«ine ziemlich unerfreuliche Debatte zwischen dem Privat- beteiligtenvertreter und dem Verteidiger schloß, machte großen Eindruck, zumal durch diese Charakterisierung des Ermordeten jene Tatsachen, die in geheimer Verhandlung zur Kenntnis der Geschworenen gelangten, in ein besonderes Licht gesetzt werden. Als zweiter Zeuge wurde der 49jährige Staatsbahnrat Jng. Vladimir Javurek einvernommen, der mit dem Ermordeten seit dem Jahre 1933 bekannt war und mit ihm Musik zu treiben pflegte. Als er, wie vereinbart an jenem kritischen 16. März in die Wohnung des OGR Velgo kam, um ein wenig zu musizieren, stellte ihm dieser seine Frau, die er bekanntlich vor allen seinen Bekannten zu verleugnen pflegte, als seine Nichte vor. . Während der Zeuge und Velgo musizierten, stel es dem ersteren auf, daß die Angeklagte, die.beim Fenster faß. auf die Straße winkte, wo der Mörder Cerny auf das Zeichen wartete, um in die Wohnung zu gelangen. Bekanntlich sollte der OGR Velgo unter einem Vorwand entfernt werden, worauf Cerny von der Angeklagten in die Wohnung gelassen werden sollte, um sich hier zu verbergen und im geeigneten Augenblick den Mord zu vollbringen. Di« neueste Verteidigung der Marie Velgo lautet dahin, sie habe dem Cerny aus dem Fenster nicht zu-, sondern abgewinkt, wie sie überhaupt in den letzten Tagen vor dem Mord immer wieder von dem Mordkomplott habe zurücktreten wollen. Diese Absicht habe aber Cerny durch die Drohung vereüelt, daß er in diesem Fall dem OGR Velgo die Schuldverschreibungen zeigen werde, die sie dem Mörder als Blutlohn ausgestellt hatte. Es waren dies fünf Schuldscheine auf je 5000 Kc, zahlbar stets am Todestag des zu Ermordenden. Aus Furcht vor dieser Drohung habe st« dann auch den Cerny in die Wohnung eingelassen und auch weiterhin geschwiegen bis zum schrecklichen Ende. Der Zeuge Jng. Javurek konnte indessen nichts Näheres darüber aussagen, ob die Winke der Angeklagten als Aufforderung oder als Ablehnung aufzufassen waren. Die Frage, ob OGR Velgo ihm durch besondere körperliche Ungepflegtheit und Unsauberkeit aufgefallen war, verneinte der Zeuge, Obwohl er Nachlässigkeit in der Kleidung zugab. Sehr bedeutsam und aufschlußreich war die folgende Einvernahme des Senatspräsidenten eines Brünner Zivilsenates, OEM Tichy, der«in vertrauter Freund des Ermordeten war und diesen daher genau kannte. Seine heutige Aussage lautet wesentlich anders als die seinerzeit vor den Brünner Geschworenen abgelegte, was in erster Linie darauf zurückzuführen sein dürfte, daß in jener Verhandlung das.Andenken" des Verstorbenen in so weitgehender Weise.geschont" wurde, daß, wie sich heute zeigt, sehr wesentliche Umstände unbekannt blieben. Bei späterem Anlaß wieS der Vorsitzende der gegenständlichen Verhandlung den Versuch des Privatbeteiligtenvertreters, auch auf die„Pietät" gegen das Andenken des Toten zu berufen, in sehr deutlicher Weise zurück, worauf wir noch zu sprechen kommen. Das Hauptthema der Einvernahme des OGR Tichy bildet die sonderbare Sache mit der„Scheidungsklage"..Wie bekannt, wollte sich OGR Velgo voit seiner Frau, mit der er sich in größter Heimlichkeit hatte trauen lassen, die er stets in der Oeffentlichkeit verleugnet« und die ihn stets mit „Herr Rat" titulieren mußt«, auch formell scheiden lassen. Ein Eheleben bestand zwischen den Gatten überhaupt nicht und Velgo war nach Meinung des Zeugen OGR Tichy wohl nur wegen der Schwangerschaft seiner Frau eine Ehe eingegangen. Daß diese „Ehe" dem OGR Velgo— der Zeuge bezeichnete ihn als„mehr als sparsam"— eine unerträgliche Bürde war, steht außer Zweifel, ebenso, daß er sich von seiner Frau so bald als möglich trennen wollte. Daß dieser Richter aber zu dem Ausweg griff, seiner, in solchen Dingen natürlich ganz unerfahrenen !Frau kurz nach der Hochzeit einen ungültigen Vertrag, der ihre Einwilligung zur Scheidung beinhaltete, zur Unterschrift vorzulegen, läßt mancherlei Rückschlüsse zu. Ungeklärt bleibt die Angelegenheit mit der Scheidungsklage, die nach Angabe der Angeklagten OGR. Tichy in ihrer Gegenwart von Velgo übernommen haben»soll. Daran erinnert sich Zeuge nicht mit Bestimmtheit, gibt aber zu, möglicherweise einmal eine sülche Klage übernommen zu haben. In seinen Akten habe er aber einen solchen Akt nicht auffinden können und im übrigen könne er stch nicht mehr erinnern. Bemerkenswert ist immerhin, daß OGR. Velgo, der solche fragwürdige Mittel zur Lösung der unerwünschten Ehe wählte, der Angeklagten soviel Anständigkeit zutraute, daß sie einen» wenn auch formell ungültigen Vertrag einhalten würde, wie der Zeuge, der die Intimitäten seines Freunder genau kannte, vor Gericht ausdrücklich betonte. Der Vollständigkeit halber muß noch erwähnt werden, daß jene— rechtlich unwirksame— Vereinbarung für die Angeklagte eine„Abfindung" von, sage und schreibe, 10.000 Kä vorsah, von welchem Betrage sich aber OGR. Velgo 3820 K£ in Abzug bringen wollte, > die er seiner späteren„Gattin" seinerzeit nach und nach geliehen hatte. Den Grund zur Eheschließung kennzeichnet der Zeuge OGR. Tichy kurz und klar mit den Worten, daß Velgo nach erfolgter Schwängerung seiner Frau nur zwei Möglichkeiten gehabt babe— die Eheschließung oder einen„verbotenen Eingriff". Aufsehen erregte eine von Verteidiger Dr. Loria dem Zeugen vorgelegte Frage, ob ihm bekannt sei, daß Velgo vor sechzehn Jahren als Richter in Tesche» unter Verdacht eines SittlichkritSdrliktrs in Disziplinaruntrrsuchung gekommen sei. Der Privatbeteiligtenvertreter Dr. Lochmann gab seiner Meinung Ausdruck, es sei„ein Graus, was hier geschehe und daß sich niemand des Andenkens deS OGR. Velgo annehme." Der Vorsitzende, KreiSgerichtspräsident Dr. Fibinger lehnte diese Unterstellung scharf ab, mit der Feststellung:„DaS Gericht ist dazu da, die Wahrheit auf beiden Seiten festzustellen. Ich habe diesen„Graus" zugelassen. Vor dem Gericht wird nichts verheimlicht werden." Kronzeuge Cerny versagt. Einen Höhepunkt des ganzen Verfahrens sollte die Einvernahme des von der Anklage beantragten Wenzel Cerny bilden, den das Gericht als Hauptzeugen geladen hatte und der vor einigen Tagen aus dem Mürauer Gefängnis, wo er seine dreißigjährige Kerkerhaft verbüßt, nach Neutitschein geschafft worden war. Das Schwurgericht beschloß gegen den Einspruch des Verteidigers die Zulassung dieses Zeugen, die aber absolut negativ verlief. Cerny, der sich bekanntlich vor seiner Verhaftung einen schweren Kopfschuß beigebracht hat und seiner vollkommenen Erblindung entgegengeht, gab verwirrte und zusammenhanglose Antworten, die keinen Sinn ergaben. Nach langen vergeblichen Bemühungen beschloß das Schwurgericht, diesen Zeugen als absolut unverwendbar wieder in seine Strafhaft zurückzuschicken. Aus dem Schatzkflstlein „Ebensolche Militaristen...“ „... aber die tschechischen Kommunisten sagen gleichzeitig, daß die tschechischen, französischen, polnischen, jugoslawischen und rumänischen Imperialisten ebensolche Militaristen sind wie ihre deutschen, ungarischen und italienischen Nebenbuhler. BeneS sprach hier irgendetwas vom„Kampf der europäischen Demokratie gegen den Despotismusf‘. Das ist ebenso wahr wie im Jahre 1914, wo in der Front der„Demokratief* gegen die zentralen Monarchien das zaristische Rußland, der blutigste Gendarm Europas, stand. Dieselben„Demokraten‘‘ sind auch Benes’ heutige Verbündete: die faschistische und militaristische Diktatur in Jugoslawen, Rumänien und Polen. Aehnlich ist es mit der These BeneS’, daß ein imperialistischer Block, die Kleine Entente, für die Freiheit der Nationen kämpft.“ (Abc. Element Gottwald. Rede im Abgeordnetenhaus am 27. April 1983) Unsere alte Weisheit „Mehr als ein Jahrzehnt hindurch haben die sozialdemokratischen Arbeiter daran geglaubt, daß der Weg der Demokratie der Weg zu ihrer Befreiung sei... Aber noch immer verkünden die sozialdemokratischen Führer ihre alte Weisheit.“ (Paul Reimann im Reichenberger „Vorwärts" vom 29. März 1933) Wir Faschisten... „Dieses Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslovakei, dem vom tschechischen Finanzkapital eben gestattet wurde, führend bei der Aufrichtung der faschistischen Diktatur mitzuwirken. (Basler„Rundschau", Jahrgang 1933, Seite 1619) „Deshalb beschreitet die Regierung, in der sieben sozialfaschistische Noskes und Zörrgiebels sitzen, den blutigen Weg Hitlers. Deshalb wird die Regierung der Maly- petrs, Meissners, B e n e S s und Csechs eine Regierung der offenen faschistischen Diktatur.“ (Erklärung des Zentralkomitees der KPTsch, abgegeben vom Klub der kommunistischen Abgeordneten und Senatoren im Abgeordnetenhaus und im Senat, veröffentlicht im(illegalen) ,,Rud6 Prävo“ vom 20. Oktober 1033) Nicht Jung und Krebs— Czech die Hauptgefahr! „Unklare Tendenzen zeigen sich... im unklaren Standpunkte zur Frage des Faschismus... die Gefahr des Faschismus nur in den Hakenkreuzlern zu sehen und dafür im gegebenen Augenblicke die H aupt g e f ahr des Faschismus zu unterschätzen, die durch die heutige Regierung einschließlich der deutschen Sosialfaschisten repräsentiert wird.“ (Resolution des VIII. Plenums des ZK. der KPTsch. vom 29. Oktober 1933) DerUoterschied „In Wirklichkeit aber häuft die jetzige Regierung mit den Sozialfaschisten Taten auf Taten, die direkt zur offenen faschistischen Diktatur führen.... Der Unterschied zwischen der Lage in der Tschechoslovakei und derjenigen in Deutschland und Oesterreich beruht u. a. darin, daß bei uns die sozialfaschistischen Parteien und reformistischen Gewerkschaften direkt selbst die Aufgabe einer weitreichenden faschistischen Gleichschaltung ihrer Organisationen und Mitgliedschaft übernommen haben.” (Resolution des IX. Plenums des ZK. der KPTsch.. Juni 1930 Tod eines 64jährigen im Steinbruch. In den Steinbrüchen der Firma Honzrk-Radobyöice, die sich in Kysice befinden, arbeitete Freitag der 64jährige Arbeiter Josef Baumruk aus Kysice. Das Lastauto, welches die Steine aus dem Steinbruch fortschaffte, drückte den Arbeiter an die Wand, wobei er schwer verletzt wurde. Er wurde sofort in das Pilsener Krankenhaus übergeführt, wo er jedoch kurz nach seiner Einlieferung verschied. In der Schweiz wird das Weinlesefest gefeiert Zum Zeichen dessen wird in der Stadt Sitten hoch über der Straße ein Wagen mit einem Faß aufgehängt. Sonntag vier Minister im Rundfunk. Zur Eröffnung der Jugendfürsorge-Woche unter der Losung„Im Kinde ist das Volk ewig" werden am Sonntag um 8.30 Uhr über alle tschechoslowakischen Stationen sprechen: Fürsorgeminister Jng. N e ö a s, Gesundheitsminister Dr. Ludwig Czech, Schulminifter Dr. Fr a n k e und Justizminister Dr. Derer. Renate Müller gestorben. Am Donnerstag früh ist in Berlin die Filmschauspielerin Renate Müller an den Folgen eines Unfall gestorben. Renate Müller hat im deutschen Tonfilm, besonders in Lust- und Singspielen, zahlreiche Rollen gespielt. Seit dem Film„Die Privatsekretärin" gehörte sie zu den„Stars" dieser Filmgattung, ist aber in den letzten Jahren auch in ernsteren Filmen aufgetreten, z. B. in dem Film.Liebesleute". Lastauto abgestürzt— elf Menschen getötet. Bei Semarang in Niederländisch-Jndien glitt ein Lastkraftwagen durch Versagen der Bremse einen Abhang hinab. Hierbei erfaßte er zwei Eingeborenenhäuser und zerstörte sie völlig. Elf Personen wurden getötet. Suche nach Skoblin. Der mit der Untersuchung des Falles der verschwundenen Generale Miller und Skoblin betraute französische Polizeikommiffär ist nach Estland abgeflogen. Auf dem Wege dahin begleitet ihn ein russischer Dolmetsch. Es gelangte nämlich das Gerücht nach Frankreich, daß General Skoblin sich aus Paris nach Estland geflüchtet habe, wo er bei seinen Freunden weilen soll. Seine Frau, die Sängerin Plevickaja, veranstaltete in der letzten Zeit eine Tournee in den Baltischen Staaten, darunter auch in Estland. Hubermaam muß feiern. Nach Ansicht der Aerzte wird es dem polnischen Geigenvirtuosen Branislav Hubermann leider nicht möglich sein, in den kommenden Monaten zu konzertieren, da die Verletzungen, welche er bei dem Flugzeugunfall in Holländisch« Indien erlitten hat, viel zu ernst seien. Juwelendiebstahl im D-Zug. Auf der Strecke Triest—Wien wurde Donnerstag abends im Schnellzug die tschechoslowakische Staatsbürgerin, die Gattin des Brünner Advokaten Dr. Bäumel, bestohlen. Frau Bäumel wurde eine Schatulle mit Juwelen im Werte von fast einer Biertelmillion Xi entwendet. Leichte Besserung im Wetter. Den Osten der Republik ausgenommen, fällt in unseren Gegenden und in den Alpenländern noch vielfach Regen, und zwar unter dem Einfluß einer Störung, deren Zentrum über Böhmen liegt. Der Luftdruck ist jedoch nunmehr im Steigen begriffen und man kann erwarten, daß sich das Wetter fortschreitend bessern wird, obgleich sein Gesamtcharakter noch etwas veränderlich bleiben dürfte.— Wahrscheinliches Wetterheute: Noch etwas unbeständig, verschiedentlich Schauer, im ganzen jedoch vom Südwesten her erneut verringerte Regenneigung, Temperaturen wenig"verändert oder etwas wärmer.— Wetteraussichten für morgen: Wechselnd bewölkt, bis auf lleine Ausnahmen trocken, mäßig warm. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen! Sonntag Prag, Sender I: 8.00: Konzert aus Karlsbad: Bruch, Redbal etc. 11.15: Schallplattenkonzert: Mo- zartkompositionen. 14.20: Deutsch« Arbeitersendung: W. Schlamm: Ueber ethische Grundlagen des Sozialismus. 15.30: Populäres Orchesterkonzrrt. 17.35: Deutsche Sendung: Klassische Zeugen. 17.50: König Pelops, Tragödie von Mühlberger. 18.50: Deutsche Presse. 19.10; Szenen aus tschechischen Opern.— Prag, Sender II: 14.30: Tentsch« Arbeitersendung: Für Volk und Friede. 14.35: Kleines Solistenkonzert: Händel-Beethoven.— Brünn: 17.85: Dr. Ha- dina: Aus eigenen Werken. 21.00: Volkskonzert.— Preßburg: 10.15: Kammermusik. 12.20: Rundfunkorchesterkonzert. 19.10: Gesangskonzert.— Kascha»: 20.25: Slowakische Chorlieder.— Mühr.-Ostrau: 10.05: Rundfunkorchesterkonzert. Pr. 238 Samstag 9. Oktober 1937 Seite 5 OwilatuL Die Kriegsmarine der USA (MTP.) Der Krieg im Fernen Osten nnd 'die drohenden internationalen Verwicklungen haben das Augenmerk Washingtons zunächst nicht auf>as Landheer, sondern vor allem auf die Kriegsmarine gerichtet. Diese entwickelt sich, den offiziellen Richtlinien von 1933 folgend, in einer Weise, daß„keine andere Kriegsflotte der der Vereinigten Staaten überlegen sei"— wie die offiziellen Berichte lauten— unter Ausnutzung modernster technischer Errungenschaften und unter qualitativer wie auch quantitativer Anspannung aller industriellen Kräfte des Landes. Sehen wir aber rasch genau die jetzigen nnd zukünftigen Stärken der amerikanischen Armee an. Vorerst wäre zu bemerken, daß, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wie z. B. Frankreich, Großbritannien oder Deutschland, die Vereinigten Staaten nur zwei getrennte Hauptwaffengattungen kennen: Armee und Marine. Die Luftwaffe ist teilweise der einen, teilweise der anderen untergeordnet, also durchaus nicht als drittes Glied im Bunde gleichberechtigt. Da die Vereinigten Staaten eine Art Kontinent bilden, der weder vom Norden aus(Kanada), noch vom Süden(Mexiko) her irgendwie ernstlich bedroht zu sein scheint, so genießt natürlich die Flotte, die den Küstenschutz und die Beherrschung der Meere zur Aufgabe hat, den Vorzug vor dem Landheer. Deshalb ist auch die Flotte Amerikas eine der. besten, wenn nicht die beste der Welt, die Armee dagegen könnte es kaum mit einem der vielen europäischen Heere aufnehmen. Zur Beherrschung der Meere gehört vor allem eine starke Panzerschiff-Flottille. Nun besitzen die Amerikaner 15„capital ships", vün denen eines 26.000 Tonnen verdrängt; alle anderen bewegen sich in den Grenzen zwischen '27.000 und 33.100 Tonnen. Zwölf dieser Panzerschiffe, in den Jahren 1912 bis 1919 gebaut, wurden gänzlich modernisiert. Die fünf neueren Schiffe—; Baujahre 1920 bis 1923— entsprechen noch heute den modernen Voraussetzungen für Schlachtschiffe, und drei davon— die „West Virgin«",„Maryland" und.„Colorado" — sind mit ihren je acht 16-Zoll-(40 Zentimeter)-Kanonen~ und je zwanzig b-Zoll(12.5 Zentimeter)-Kanonen wohl die stärksten Superdreadnoughts der Welt. Nur zwei englische und zwei japanische Schlachtkreuzer— die„Nelson" und„Rodney" bzw.„Nagaw" und„Mutsu"— führen Geschütze von so großem Kaliber. Wenn man noch berücksichtigt, daß die im Bau befindlichen zwei amerikanischen Panzerschiffe von je 35.000 Tonnen mit je neun solchen Monstre-Geschützen bestückt werden, kann man sich eine ungefähre Vorstellung von der Feuerserke der amerikanischen„Navy" machen. Dazu gesellen sich beispiellos stark ausgebaute Küsten- forttfikationen und mustergültige Seebasen. Zwei Flugzeugmutterschiffe von je 33.000 Tonnen Wasserverdrängung, die„Lexingwn" und die „Saratoga", jedes mit Maschinen von 180.000 PS. ausgestattet, was einen Rekord der Kriegsmarine darstellt, können je 80 Flugzeuge befördern, davon je 57 auf Deck. Schließlich gibt es ganz hervorragende amerikanische Zerstörer, „flotilla-leaders" von der sogenannten Porter- Klasse, von je 1850 Tonnen Wasserverdrängung und einer Geschwindigkeit von 37 Knoten. Jedes dieser Schiffe führt fünfzöllige Geschütze.— Zwei Unterseebootskreuzer von etwa 3000 Tonnen, nur wenig hinter dem französischen U-Boot- „Surcouf" zurückbleibend, beweisen die Konstruktionsfreudigkeit.der heimischen Techniker und lassen darauf schließen, daß die USA. auch die submarine Waffe nicht vernachlässigen. Die Ablehnung der Einheitsfront in England Die Jahreskonferenz der Labour-Party in Bournemouth hat mit der erdrückenden Mehrheit von 2,2 Millionen gegen 331.000 Stimmen den Antrag der„Linken"(Sir Stafford Cripps, Harold Laski und George Strauß) verworfen, den Beschluß der Exekutive gegen di« Einheitsfront mit den Kommunisten zurückzuziehen. Während die„Linken" erklärt hatten, daß nur die Gewerkschaften» nicht aber die Partei- Organisationen gegen die Einheitsfront seien, zeigte die Abstimmung, daß drei Viertel der Parteiorganisationen gegen die Einheitsfront stimmten. Die Mehrheit gegen die Einheitsfront war diesmal noch stärker als bei der letzten Jahreskonferenz in Edinburgh. Sir Stafford Cripps, der mit Harold Laski in die Partei-Exekutive gewählt wurde, erklärte, daß er seine bisherige Einheitsfront-Aktion nicht fortsetzen werde. Auch die konsevativen Londoner Blätter sehen in der Annahme der Rüstungsresolution und der Ablehnung des Einheitsfront-Antrages durch den Labour-Parteitag einen bedeutsamen Schritt der Arbeiterpartei zur Rückgewinnung der Regierungsmacht. Bon Herbert Morrison, der die große Parteitagsrede gegen die Einheitsfront hielt, sagt der„Daily Telegraph", daß er auf dem Wege zur politischen Führerschaft sei. Istanbul. Die türkische Regierung hat auf Grund eines Abkommens mit England' den Hafen von Tscheschme an der westanatolischen Küste der englischen Mittelmeerfwtte als Stützpunkt für ihre Kontrolltätigkeit im östlichen Mittelmerr zur Verfügung gestellt. Ein englischer Kreuzer und zwei Zerstörer liegen bereits in Tscheschme. RADIOTECHNA Lassen Sie sie nicht warten die Musiker und Künstler der ganzen Welt! Die angenehmsten Stunden in ihrem Kreise bereitet i;'% Ihnen nur der moderne Hoch' leistungs- Empfänger mit dem herrlichen Klange: » 1 1 mar y Kc 2700'• VM&MMhafc und äonalpoiM Mobilisierung von Auslandsforderungen und größerer Schutz gegen Kursrisken Der engere Ausschuß des Bankrates hat in seiner am 8. Oktober abgehaltenen Sitzung seine vorläufige Genehmigung zur Einhaltung einer ausländischen Kreditaktion gegeben, über welche die Tschechoslowakische Nationalbank bereits längere Zeit mit einigen ausländischen Fakwren, in letzter Zeit insbesondere mit der Bank für Internationale Zahlungen in Basel, verhandelt hatte. Es entwickelt sich hier eine neue Art der Zusammenarbeit mit der Interbank, was eine Eingliederung unseres Kapitalmarktes in den internationalen Markt bedeutet. Dabei handelt es sich im loesentlichen um eine Mobilisierung der Aus- ländsforderungen aus unserem Export zugunsten des inländischen Geldmarktes. Dabei wird gleichzeitig in höherem Ausmaße ein Schutz unserer Exporteurkveise vor den Kursrisken sichergestellt, die sich in der letzten Zeit wiederum intensiver in den Schwankungen der wichtigen Welthandelswährungen bemerkbar machten. Bei dieser Kreditorperation wird es sich in technischer Hinsicht um Darlehen in fremder Währung handeln, die auf Grund des mit der Interbank vereinbarten Kredites von der Tschechoslowakischen Nationalbank an die Privatbanken für deren Klientele aus Exporteurkreisen gewährt werden. Die einzelnen Darlehen werden die Form von festen Krediten längstens auf die Dauer von drei Monaten haben. Zum Unterschiede vom Verkauf von Termindevisen wird der Gegenwert dieser Devisendarlehen der Inlands-j wirtschaft in KL sofort zur Verfügung gestellt, werden und nicht erst nach einem dreimonatlichen! oder anderen Termin. Diese Kreditverbindung mit der Interbank wird die Vorverkaufsmöglichkeiten erheblich höher gestalten als sie auf Grund der Mittel vorhanden sind, mit denen die Privatbanken normalerweise disponieren können. Durch die Realisierung dieses Planes werden die auf die Mobilisierung der Kapitalien im freien Auslande gerichteten Bestrebungen der Tschechoslowakischen Nationalbank gerade in einer Zeit verwirklicht werden, in welcher diese Kapitalerweiterung dem inländischen Geldmärkte äußerst willkommen sein wird. Durch die Verbindung der Tschechoslowakischen Nationalbank mit der Interbank wurde gleichzeitig auch der Plan für eine praktische Handelskreditkonstruktion ausgearbeitet» die, in Verbindung mit der Interbank, im Verkehr mit anderen Zettelinstituten, insbesondere solchen der kleineren Staaten, anwendbar sein wird. Es eröffnet sich auf diese Weise ein neues Gebiet für die internationale Zusammenarbeit beim Uebergang aus der Krise zum vollen wirtschaftlichen Aufschwung«. In der Tschechoslowakei wurden die Vorbereitungen zu dieser Aktion in den letzten Tagen durch Verhandlungen mit jenen Handelsbanken sinalisiert, die im Außenhcmdelsgeschäft hauptsächlich engagiert sind. Den interessierten Handels- und Jndustriekreisen werden nähere Informationen entweder im Wege ihrer Bankverbindungen oder über Verlangen durch die Nationalbank selbst mitgeteilt. Tagung mitteleuropäischer Angestelltengewerkschaften Die Arbeitsgemeinschaft der Angestelltengewerkschaften Mitteleuropas, die sowohl die Länder der Kleinen Entente- als'auch Ungarn und Polen umfaßt, hielt in diesen Tagen in Irag eine erweiterte Vorstandskonferenz ab. Das Präsidium lag in den Händen des Obmannes Abg. Robert Klein sowie der stellvertretenden Obleute Reichstagsabgeordneten Nikolaus Kertksz(Budapest) und Fr. Kirchhof(Reichenberg) y Der Vorsitzende Abg. Klein bezeichnete in seiner Eröffnungsrede die wachsende Erkenntnis der Notwendigkeit, regionale, wirtschaftliche, kulturell-geistige Einheiten in neuer Gestalt aüfer- stehen zu lassen, als- die positiven Vorzeichen der heutigen europäischen Entwicklung. Allmählich finde Zenträleuropa wieder zu sich. Seine Wiederauferstehung als geistige und kulturelle Einheit sei im Gange. Die wirtschaftliche Verbundenheit habe den Nährboden gemeinsamer Kultur; die nationale Vielgestaltigkeit des Donaubeckens habe-ihren gemeinsamen Geschichtsgeist. Der Geschäftsführer der mitteleuropäischen Angestelltenföderation, S. Aufhäuser, stellte in den Mittelpunkt seines Berichtes über die Fortschritte der mitteleuropäischen Bewegung folgende Gesichtspunkte: 1. Aus all den zahlreichen Donauprojekten hat sich für den praktischen Anfang eine?' mitteleuropäischen Wirtschaftsgemeinschaft die Einführung der Regionalklausel im handelspolitischen Verkehr dieser Länder herauSgebildet. 2. Das Interesse Großbritanniens an der wirtschaftlichen Gestaltung des Donauraumes ist geweckt: die englisch« Bereitschaft, Regionalklauseln der Nachbarländer als Ausnähmen von der Meistbegünstigung zuzülaffen. ist ebenfalls sichtbar geworden. 3. Von maßgebender Bedeutung für die Verwirklichung einer Donauwirtschaftsgemeinschaft darf «Japans Kulturarbeit in China die Entspannung der Atmosphäre zwischen der Kleinen Entente und Ungarn verzeichnet werden. 4. Die Wandlung der wirtschaftlichen Seite der Römischen Blocks hat für die Schaffung engerer Beziehungen der Donauländer neue Perspektiven eröffnet. - Die Initiative zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit, führte Aufhäufer weiter aus, liegt mehr denn je bei den Donauländern selbst, die in ihrer wirtschaftlichen Verbundenheit al» ein Block wiederum die Beziehungen zu den übrigen europäischen Staaten auszugestalten berufen sind. In einer Reihe von Beschlüssen wurde die von den Gewerkschaften zu entfaltende Wtivität bestimmt. Nach weiteren Referaten über«ine Reihe internationaler Tagungen, auf denen die Föderation vertreten war, wurden die neueren sozialpolitischen Gesetze in der Tschechoslowakischen Republik und in Ungarn sowie die Möglichkeit einer Vereinheitlichung der mitteleuropäischen Sozialpolitik erörtert. Besserung der Gemeindefinanzen Nach einer Feststellung des Verbandes der deutschen Selbstverwaltungskörper weisen die Gemeindefinanzen für das Jahr 1936 eine Besserung auf. Auch einige deutsche Gemeinden waren infolge der erhöhten Zuweisungen in der Läge, die Ueberschüffe, die nahezu jedes Jahr eine richtige Wirtschaftsgebarung unmöglich machten, abzudecken. Außerdem erhielten 53 deutsche Gemeinden mit mehr«als 5000 Einwohnern im Jahre 1937 nach Abschluß der Zahlungsbilanzen für 1936'einen Betrag von 16,247.000 Kö. Davon wurden 11,374.000 Kö bar ausgezahlt und der Rest wurde auf die Uebergenüsse verrechnet, so daß die Gemeinden keine Uebergenüffe mehr rückzahlen müssen. 8(hiedsspruth im polnischen Kohlenbergbau Warschau. Die staatliche Schiedsgerichtskommission, welche zur Beilegung dei Lohnkonfliktes im Bergbau eingesetzt wurde, hat einen Schiedsspruch gefällt, demzufolge den Bergarbeitern im Kattowitzer und Dombrovaer Kohlenbergbaurevier eine 6» bi» 9prozentige Lohnerhöhung zuerkannt wird. Für das oberschlesische Kohlenrevier wurde vorläufig noch kein Schiedsspruch gefällt.— Diese Entscheidung der Schied»« gerichtskommisfion berücksichtigte die Forderungen der Bergarbeiterschaft nicht; diese hat be- kanntlich eine 20 bis 25prozentige Lohnerhöhung verlangt. Forderungen der belgischen Arbeiterschaft Die Brüsseler Föderation der belgischen Arbeiterpartei hat im Hinblick auf den bevorstehenden Kongreß der Partei eine Resolution beschlossen, in der es u. a. heißt: Die Partei nimmt mit Dankbarkeit die auf innerpolitischem Gebiet geleisteten Arbeiten zur Kenntnis, welche die Regierung van Zeeland und namentlich.ihre sozialistischen Mitglieder bezüglich der Wiederbelebung des wirtschaftlichen Lebens durchgeführt haben. Die Resolutton betont weiter, daß es notwendig sei, das Programm in beschleunigtem Tempo fortzusetzen. Weiter wird die Pflichtversicherung gegen Arbeitslosigkeit und die Erweiterung der 40stündigen Arbeitswoche auf weitere Arbeitszweige, die Einführung des Gesetzes betreffend die Altersversicherung (6000 Franken bei Erreichung des 60. Lebensjahres), die Revision der Beiträge für die Arbeitslosigkeit, die Verlängerung deS Schulbesuches bis zum 15. Lebensjahr(bisher 14. Lebensjahr), die Herabsetzung der indirekten Steuern usw. gefordert. Man erhält für xe 100 Reichsmark..•■ ».«SS.— Martmünzen... ..«SS.— 100 österreichische Schilling .. 526.50 100 rumänische Lei... •• 15.85 100 polnische Zloty... .. 515.50 100 ungarische Pengö.. .. 548.50 100 Schweizer Franken. ..«54.50 100 französische Franks .. 9345 1 englisches Pfund.. .. 140.25 1 amerikanischer Dollar. .. 28.40 100 italienische Lire., .. 123.40 10O holländische Gulden. .. 1574.— 100 jugoslawische Dinare, ..«0.30 100 BelgaS..... .. 479.—, 100 dänische Kronen,. ..«28.— Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 9. Oktober 1937. Nr. 238 Aager fettutm Massenkundgebung der Privatangestellten Gestern abends hielt der Einheitsverband der Privatangestellten im Lucetnasaale eine überfüllte Kundgebung ab, die mit Sing- und Sprechchören und einer Gedenkkundgebung für T. G. Masaryk eingeleitet wurde. Der in Prag weilende Generalsekretär der französischen Gewerkschaften, I o u h a u x, hatte— da er am Erscheinen verhindert war— ein Begrüßungsschreiben gesandt, in dem er den tschechoslowakischen Arbeitnehmern den Gruß der französischen Arbeiterschaft entbot. Euer Kampf, heißt es in dem Schreiben, ist auch unser Kampf, wir wissen, daß schlechte Löhne und Gehälter der beste Nährboden des Faschismus sind. Die französischen Arbeiter sind stolz auf die Tapferkeft und die Freiheüs- liebe ihrer tschechoslowakischen Kameraden. Auch der englische Arbeitnehmer bei der Prager Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes, Hallsworth, hatte ein Schreiben gesandt, in dem er die Bedeutung des Ein- heitsverbandes würdigte und den Kampf um«in höheres Lebensniveau der Massen als wichtigste Friedenssicherung bezeichnete und darauf hinwies, daß die Arbeiterschaft der ganzen Welt in der demokratischen Front im Kampfe um Spanien und China steht. Abg. RobertKlein, Generalsekretär des Einheitsverbandes, gab in seiner Rede den Forderungen der Angestellten auf Wiedergutmachung der in der Krise erlittenen Verluste Ausdruck. Er betonte, daß auch heure, in der Zeit der Konjunktur, noch 60 Prozent der Arbeitnehmer dieses Landes nicht das Existenzminimum erreichen und daß die Unternehmer den Konjunkturgewinn für sich behalten möchten. Sie wollen nicht sehen, daß ihre Attacken auf die Kaufkraft der Konsumenten eine neue Krise heraufbeschwören. Die Neuregelung der Gehälter ist eine dringende öffentliche Notwendigkeit im Interesse der Wirtschaft und der Demokratie. Die Angestellten fordern Kollektivverträge, Sicherstellung der älteren, aus dem Arbeitsprozeß ausscheidenden Kollegen, und lehnen jede'Bedrohung der Pensionsversicherung entschieden ab. Der Redner wandte sich weiter gegen die Schonung der Besitzenden bei der Sa- nierimg des Staatsbudgets und gegen die Unzulänglichkeiten unserer Exportpolitik und Handelsverträge und versicherte die um Gehaltserhöhung kämpfenden'Bankbeamten der Solidarität aller Angestellten. Eine im Sinne seiner Ausführungen gehaltene Entschließung wurde von der Versammlung angenommen. Agrarische Wirtschaftsoffensive ’ In der Versammlung des Allgemeinen Ang'e- stellrenverbanbes am Mittwoch sprach Dr. Wiener über di« agrarische Wirtschaftsoffensive. Er skizzierte einleitend die politische Stellung der Agrarpartei, die in keinem Verhältnis zu ihrer wirklichen Wählerzahl, bzw. Mandate im Parlament ist. die Agrar- parrei habe sich jedoch wichtige Ressorts der öffentlichen Verwaltung angeeignet. Gegen diese Vormachtstellung sei eine einheitliche Meinungsfront eingetreten. Durch diese politisch« Machtstellung ergäben sich auch wirtschaftliche Positionen, wobei die grundsätzliche Berechtigung zur Perwaltung bestimmter Wirtschaftszweige durch die Agrarier anerkannt wird. Es darf jedoch diese Wirtschaftsmacht nicht in eine M o n o p o lstellung ausarten, die so weit geht, daß sie mit den Interessen der Konsumenten und der arbeitenden Bevölkerung, ja sogar der Industrie dieses Landes in große Gegensätze kommt. Diese Vormachtstellung hat bereits in den früheren Jahren zum Verlustwon wichtigen Märkten geführt und muß daher im Interesse dieses Landes eine Einschränkung erfahren.• Der Vortragende brachte selbstredend in Behandlung der einzelnen Wirtschaftssektors ziffernmäßige Unterlagen. In der Aussprache ergriff Prokurist S v o j s« das Wort und unterrichtete die Zuhörer eingehend über die Schwierigkeiten in der Preis» und Kontingentfestsetzung bei den wichtigsten Lebensmitteln wie Zucker, Fett und Margarine. Der Vorsitzende folgerte aus den Ausführungen der Redner, daß die Angestellten berufen sind, in ihren Reihen Funftionäre zu schulen, welche die notwendige Kenntnis erreichen müffen, um in den öffentlichen Instituten die Vertretung der allgemeinen Jntereffen übernehmen zu können. Die Gewerkschaft sei nicht allein eine Jntereffenvertretung nach dem Unterstützungsstatut, sondern auch verpflichtet, sich um die öffentliche Wirtschaft zu kümmern. Der Vortrag war sehr lehrreich. Der nächste Vortrag des Angestelltenverbandes, welcher für Interessenten zugänglich ist, findet am Sonntag, den 24. Oktober, um halb 10 Uhr im Handwerkerheim, 3. Stock. Angestelltensaal, statt, und zwar über die Pensions- und Krankenversicherung mit besonderen Ausführungen über die notwendigen NoveUierungen. Rentner und Rentnerinnen sind speziell hiezu eingeladen. Die Tagesfrage der Teuerungszulage, bzw. Gehaltserhöhungen»st beim Verbände m ständiger Behandlung. wie dies die erfolgreich durchgeführte Gehaltsregulierung für Angestellte und Werkmeister in der Porzellan- und Textilindustrie West- und Ost- böhmens bewiesen hat. In der Genossenschaftsbewe- gung ist ebenfalls der Lohnausgleich im vollen Gange. Drei kleine Kinder von Autos verletzt. Gestern mittags lief dem Wagentenker Ottokar Novak aus Lieben an der Ecke der Rostiftavgaffe in Zizkov, als er gerade mit seinem Lastkraftwagen losfahren wollt«, das vierjährige Söhnchen einer Arbeiterin, Miroslav SträznickH, in den Weg und wurde gegen die Mauer gedrückt. Das Kind erlitt Rißwunden am ganzen Körper, dazu zwei Rippenbrüche und wurde von der Rettungsgesellschaft ins deutsche Kinderspital gebracht.— Das vierjährige Töchterchen eines Angestellten der Elektrizitätswerke, Marie Hartmann aus Zijkov, ging gestern nachmittags mit ihrer Großmutter durch die Ambroz- gasse in Zi.fkov. Plötzlich ritz das Kind sich los und geriet beim Versuch, allein über die Stratze zu gehen, unter das Lastauto des Anton Burda aus Zijkov. Es erlitt eine Gehirnerschütterung und Verletzungen im Gesicht. Di« Rettungsgesellschast brachte es ins tschechische Kinderspital.— An der Ecke der Stintnhgasse in Holleschowih stieß vorgestern nachmittags das Personenauto des 28jährigen Otto Cepeläk aus Prag VII mit dem Lastkraftwagen des 37jährigen Alfred Chochola aus Hofttvai zusammen. Hiebei wurde das Auto Eepeläks stark beschädigt, die Lampen. der Motor und die Karosierie zerschlagen und das neben Cejielak sitzende fünfjährige Söhnchen seines Arbeitgebers Wenzel Koubek durch Glassplitter im Gesicht verletzt. Ein vorbeifahrendes Auto der Firma Libema brachte das Kind ins Krankenhaus auf der Bulovka, wo es in Pflege blieb; auch Eebeläk wurde leicht verletzt. Der Vorfall hatte eine größere Menschenansammlung zur Folge. Autowildling überfährt.ein Pferd. Gestern früh um 5 Uhr früh gab der Kutscher Anton Urban aus Smichov auf der Polizeiwachstube in der HeinrichS- gasse an. daß kurz vorher, als er mit seinem Milchfuhrwerk in der Jerusalemsgaffe stand, ein unbe kannter Wagen ohne Licht sein Handpferd überfahren und verletzt habe und davongefahren sei. obwohl der Lenker sich bei dem Unfall ebenfalls verletzt und die Lampen seines Wagens zerschlagen habe. Das Verfahren wurde eingeleitet. Druckfehler. In dem Referat über den Vortrag Prof. Muckermanns ist ein Druckfehler unterlaufen, der deshalb besonders unangenehm wirkt, weil er als Blasphemie gedeutet werden könnte. Es hieß natürlich nicht:.Für den Christus und Jesuiten Muckermann...", sondern selbstverständlich: Für den Christen... Muckermann. Xunst und WUeto Voranzeige. Mittwoch Erstaufführung„Arabella", lyrische Komödie in drei Aufzügen von Hugo von Hofmannsthal, Musik von Richard Strauß. (Bl) Arabella— Henders. Zdenka— Ravn, Graf Waldner;— Hagen, Gräfin— Wanka, Mandrhka — Scheidl, Matteo— Baum, Fiakermilli— Book. Dirigent: Rankl, Regie: Mordo. Theater-Abonnement 1937/38. Anmeldungen für Neueintretende täglich. Gute Plätze aller Kategorien vorhanden. Ein Parkettsitz-schon um Kc 14.30; ein guter Galeriesitz schon um Kö 5.90. Il»komisch. Im gestrigen Referat über„Weh dem, der lügt!" forderte der Druckfehlerteufel, Atalus müsse urkomisch wirken; tatsächlich soll er unkomisch sein. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag halb 8: Cavalleria rusticana. Der Bajazzo, CI.— Sonntag halb 3: Das Dorf ohne Männer, Arbeitervorstellung, halb 8: Die Fledermaus. Abonnement aufgehoben.— Montag halb 7: Weh dem. der lügt! A 2.— Mittwoch halb 8: Arabella. Erstaufführung, B 1.— Donnerstag halb 8: Das Dorf ohne Männer, CI.— Freitag halb 8: Das Land des Lächelns. volkstümliche Borstelluna. Abonnement auf- aehoben.— Samstag halb 8: Acht Ruder im Takt, Uraufführung C 2.— Sonntag halb 3: Warum lügst du, Cherie? halb 7: Siegfried. B 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. SamStag halb 8: Nachtasyl. Sonntag 3: Nora. 8: Di« Reise. Montag 8: Nina, volktstümliche Vorstellung.— Dienstag 8: Die Reise.— Mittwoch 8: Nachtasyl. — Donnerstag 8: Bei Kerzenlicht.— Freitag 8: Die Reise.— Samstag 8: Die Reise.— Sonntag 3: Rausch, 8: Nachtasyl. Der SUm Gewitter über Irland Der Name, den man hier in Prag dem amerikanischen„Parnell"-Film gegeben hat. ist geeignet, falsche Erwartungen zu erwecken. Denn hier erscheint nicht, wie einst im„Denunziant", ein blutiges und stürmisches Stück der dramatischen irischen ÄevolutionSgeschichte auf der Leinwand, sondern nur der Roman eines berühmten irischen Politikers, Charles Parnell, der in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an der Spitze einer großen Oppositionspartei im Londoner Unterhaus für die irische Unabhängigkeit, die„home-rule". kämpfte. Wenn man dem Film glauben darf, ist Parnell schließlich an einer Skandalaffäre gescheitert, die der ehrgeizig-erpresserische Ehemann der von Par-. nett geliebten Frau gegen den„Eheverbrecher" in> Szene setzte und die der englische Premierminister Gladstone benützte, um die Iren zur Lossagung von ihrem Führer aufzufordern. Es war— dem Film zufolge—.nicht nur das politische Ende Par- nells, sondern auch das Ende seines Lebens: er nahm sich die erzwungen« Abdankung mehr zu Herzen als jüngst ein englischer König in ähnlicher Lage,— er brach zusammen und starb. Der Regisseur John M. S t a h l, der mit der„Seitenstraße" bekannt wurde, versteht solche Herzenskon- Hein ar ständiges Mildrtien Von Lu Ernst (MTP) Monsieur Robert gehörte zu den ältesten Mietern des Hotels de I'Europe. Seit unzähligen Jahren bewohnte er, still, pünktlich und soside, das einfache Zimmerchen im Quartier Latin, in dem er las, schrieb, Tee trank, schlief und sesfene Besuche empfing. Er gehörte zum Haus, wie der abgetretene Läufer im Flur, fast ebenso wie die„Patronne" selbst, die würdevolle, doch gemütliche, umfangreiche Madame Michel, die Besitzerin des Hotels. Nie ging er an ihrem staubigen, dämmrigen kleinen Büro vorüber ohne ein freundliches Wort, eine ausführliche Begrüßung. Diese tägliche Konversation war gewissermaßen in seinem Mietpreis inbegriffen. Heute kam Monsieur Robert am Nachmittag heim, den Arm voller Bücher.„Wo wollen Sie nur mtt alt/den Büchern bleiben, Monsieur Robert?" fragte die Patronne kopfschüttelnd.„Sie können sich in Ihrem Zimmer ja kaum noch umdrehen." ■ Monsieur Robert stimmte seufzend zu.„Das habe ich mir auch schon gedacht, Madame. Aber was soll ich-tun?-Ich brauche die Bücher. Und eigentlich müßte-ich- noch viel mehr kaufen. Hätten Sie nicht gelegentlich ein anderes Zimmer für mich? Ein größeres? Ich zahle dann gern ein bißchen mehr."-- Doch Madam« Michel bedauerte. Alles war auf lange Zeit hinaus besetzt. Man wohnte angenehm, ruhig-und nicht teuer bei ihr. Keiner der Mieter bezeigte Lust, auszuziehen: „Wie schade", meinte Monsieur Robert.„Ich wäre Ihnen so dankbar. Und auch Nummer 7 wird nicht frei? Da hätte ich genug Platz." Aber Nummer 7 hatte ebenso wenig Aussicht frei zu werden.„Sie wissen doch, Monsieur Robert, daß Mademoiselle Gaby dort wohnt." „Gewiß, gewiß, Madame. Nur hatte ich gedacht, daß Sie auf diese Mieterin vielleicht weniger Wert legen und gelegentlich einen Gründ zur Kündigung finden könnten." „Wieso denn?" Madame Michel hob ehrlich erstaunt das wildgelockte Haupt. „Nun, ich meinte nur", fuhr Monsieur Robert vorsichtig fort.„Sie haben doch sonst nur sehr solide Mieter hier im Haus und hätten es eigentlich gar nicht nötig, eine Dame zu dulden, deren Beschäftigung— nun— hm— zum min-. besten unbürgerlich ist." Madame Michels Augen funkelten angriffslustig.„Ach so", sagte sic sehr gedehnt,„also, das meinen Sie. Nein, das schlagen Sie sich nur aus dem Kopf, Monsieur Robert. Aus so einem Grund werde ich das arme Mädchen bestimmt nicht auf die, Straße setzen. Sie ist eine ruhige Mieterin, hie niemand stört und pünktlich zahlt. Und der Beruf, in dem sie arbeitet, ist so wie ein anderer. Die Kleine hat's'wahrhaftig schwer genug. Während Sie im warmen Zimmer bei Ihrer Taffe Tee sitzen und in Ihren Büchern lesen, läuft so ein armes Ding in Wind und Regen den Boulevard auf und ab oder sitzt auf zugigen Kaffeehaus- Terrassen, oft genug für nichts und wieder nichts. Die verdient ihr Geld schwer genug, lieber Herr, lind ich denke gar nicht daran, D ein anständiges Mädel Ihretwegen herauszusehen." Nicht lange darauf, als Monsieur Robert bedächtig die Treppe des Hotels hinunterschritt, bemerkte er, daß das Zimmer Nummer 7 ausgeräumt und gründlich geputzt wurde. Er trat in Madame Michels Büro, fragte nach der Post, plauderte von dem Regen, der nicht enden wollte und meinte plötzlich, so ganz nebenbei: „Uebrigens, Madame, ich sehe da eben, daß Nummer 7 jetzt frei ist..." „Ganz recht, Monsieur Robert. Sie können das Zimmer gern haben. Wenn Sie wollen, bringt der Garcon heute nachmittag Ihre Sachen hinüber." Monsieur Robert war froh und dankbar. Aber eine kleine neugierige Frage konnte er sich doch nicht versagen.„Wie ist denn das aber so plötzlich gekommen? Mademoiselle Gaby wollte doch nicht ausziehen, so viel ich weiß?" Madame Michel hob ihr dräuendes Lockenhaupt vom Strickzeug, und alle Güte war aus ihren runden Augen verschwunden.„Ob sie ausziehen wollte oder nicht, das ist mir ganz gleich. Ich wollte sie keinen Tag länger im Haus behalten." ,???" „Ja, ja, Monsieur Robert, in der hab ich mich mal gründlich getäuscht. Das war keine anständige/Person. Denken Sie sich", und sie erhob sich, sah erst ängsttich in den Flur, ob auch niemand lauschte und neigte sich dann zum Ohr von Monsieur Robert.„Ja, also denken Sie", flüsterte sie mit allen Zeichen der Verachtung,„diese Person ging doch nur einfach so, zu ihrem Vergnügen, verstehen Sie? Und nie hat sie einen Sou dafür genommen!" Viktor de Kowa und Luise Ulrich in dem Film„Versprich mir nichts!" flifte mit der Konvention liebevoll und vornehm zu behandeln, aber er hat es auch hier wieder recht larmoyant gemacht, und da die beiden„Sünder" als reine Engel erscheinen, ist das sicherlich nicht unwichtige Problem, ob ein Politiker im Privatleben die Moral verletzen darf, eher umgangen als gelöst. Auch eignet sich Clark Gable nicht sehr für eine Rolle, in der er geschichtlich bedeutend und überaus tugendhaft wirken soll, und seine Partnerin Msstna Loy hat wenig Seelisches, nur Süßliches zu zeigen. Aber es geschieht alles auf vornehme, gepflegte Art— und in stattlichem Rahmen. Das ehrwürdige Unterhaus ist in naturgetreuer Nachbildung zu sehen, der Speaker thront unter seiner Perücke und Gladstone spricht mit ehrenwerter Verschlagenheit.'Mit dramattschen Gerichts- und Frak- ttonssitzungen wird die Liebesgeschichte des Politt- kers inuner wieder wirkungsvoll in die Tagesgeschichte einbezogen.—eis— VminsnaMMen AAB. Am Sonntag, den 10. Oktober, halb 10 Uhr vormittags im Heim, Smeöky 22, Heimstunde der Prattikanten und Studenten.-— Die für Sonntag, den 10. Oktober angesagte Prag-Führung findet nicht statt. © Ortsgruppe Prag. Samstag. 9. Oktober, Zusammentreffen%3 Uhr nachmittags Smichover Bahnhof. Fahrt nach Revnice, Wanderung zur Hütte. Sonntag: Wanderung Besednä-Piko- bice, Preis 8 Kö, führt Stelzig. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania: Doppelpremiere:.Der Liebeshafen" (Hoppe, Sima),.Berlin"(Reportage).— Adria: .Bataillon." Tsch.— Alfa:.Drei Eier im GlaS." Vlasta Bunan. Tsch.— Apollo:„Peter im Schnee." Traudl.Stark. D.— Avion:.Land der Liebe." D. — Beranek:.Die Gluckhenne." Regie Hugo Haas. Tsch.— Fenix:.Es donnert über Irland." Gable. Loy. A.— Flora:„Tapferck Kapitäne." A. — Hollywood:„Land der Liebe." D.— Hvczda: „Bataillon." Tsch.— Julis:„Das Kreuz am Bache." Tsch.— Kinema: Journale, Grotesken. Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Kotva:„Der Liebling der Elefanten." A. —: Lacerna:„Es donnert über Irland." A.— Metro:„Land der Liebe." D.— Praha:„Das Kreuz am Bache." Tsch.— Radio:„Nancy Steele wird vermißt." A.— Svitozor:„Der Liebling der Elefanten." A.— Alma:„Ihr Hausfreund." A.— Bajkal:„Die Gluckhenne." Nach E."Konrad. Tsch.— Belvedere:.Dick gute Erde." A.— Beseda:„Die Gluckhenne." Tsch.— Carlton: „Sieben Ohrfeigen." L. Harvey, W. Fritsch. D.— Illusion:.Sieben Ohrfeigen." D.— Kapitol:.Sieben Ohrfeigen." D.— Lido H:„D i e Gluckhenne." Tsch.— MaceSka:„Die weiße Schwadron." Jt.— Olympic:„Tie Karriere der Mutter Lizal." Tsch.— PerStyn:„Ihr Hausfreund." A.— Roxy:„D i4 Gluckhenne." Tsch.— Tatra: „Die Karriere der Mutter Lizal." Tsch.— 11 Bej- vodn:.Ariane." E. Bergner, Rud. Forster. D. — Baldek:„Tapfere Kapitäne."— Beletrhy:„Jgr- cas Professor." Tsch. Mitteilungen aus dem Publikum. Heute ist morgen, wenn Sie um 9 Uhr abends die allerneuesten Nachrichten vom chinesich-japanischen Kriegsschauplatz, welche aus Tokio gemeldet werden, anhören. Um diese Zeit ist es in Tokio 5 Uhr früh und der Ansager meldet in deutscher, französischer und englischer Sprache die letzten Begebenheiten vom Kriegsschauplatz, die Sie erst am nächsten Morgen in der Zeitung lesen. Es ist natürlich für den Apparat keine Kleinigkeit, das 11,000 Kilometer entfernte Tokio zu fangen.-Der neue Superhet Arie, System Telefunken, überwindet jedoch spielend dies« Entfernung, da seine Konstruktton«ine ganze Reihe schwererer Problem« gelöst hat. Mit dem Empfänger Arie werden Sie sicher mit großem Interesse der auf der Welle 21 Meter charakteristischen japanischen Musik zuhören, weicht aus Tokio nach den Nachrichten gesendet wird., RST. B e z u g s b g d j n.g U n g e n: Bei Zustellung mZ HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich US 16.—. vierteljährlich Kö 48.—, halbjährig Kd 96— ganzjährig ¥ 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Der öfteren Einschaltung«: Preisnachlaß.- Rückstellung.on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Sie Zeitungsftankanlr wurde von der Post- und Tele« graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Kontrollpoftautt Praha 25.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.