Sozial- emokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakische» Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung k Prag XU., Fochvva 62- Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Nur dem Inhalt: Die innerpolitische Situation Das Tagesgespräch: Die Homosexuellen Der Velgo-Prozeß Heute Kantonalwahlen in Frankreich 17. Jahrgang Sonntag, 10. Oktober 1937 Nr. 239 gegen Madrid? Ablehnende Notejtallens Enttäuschung ihres Lebens offen zu bekennen und daraus die Konsequenzen zu ziehen. Dessen sind dangen, Insbesondere auf Rohstoffe, die zur Erzeugung von Kriegsmaterial dienen. Morgen boten die von den Bomben aufgeriffenen Gräber und zerfetzten Bäume einen schauerlichen Eindruck. Es mutz bemerkt werden, datz sich in der Nähe dieses Friedhofes keinerlej militärischen Objekte befinden. Die gehörender Flugplatz bei Iantsepu wurde eben» will das franzöfische Kabinett sich sofort schlüssig werden. In Paris wird erklärt, daß man die Rote als unzureichend ansehe und in kürzester Frist beantworten werde. Es heißt, daß nunmehr her. Präsident der Französischen Republik, Lebrun, und Ministerpräsident C h ante m p S noch Bedenken gegen die Oeffnung der Grenzen hätten, während Herriot und sämtliche sozialistischen Führer sich dafür aussprechen. D e l b» S, der sich im Besitze der englischen Zustimmung zur Orffuung der Grenzen befinde, habe Rom wissen lassen, daß die Entsendung von Mannschaften und Waffen nach Spanien vorbereitet werde. England erkenne völlig den Ernst der Lage und will dafür Sorge tragen, daß daS spanische Volk ohne fremde Intervention über sein Schicksal entscheiden könne.(Es liegt nahe, hinter dieser vieldeutigen Formulierung Meinungsverschiedenheiten im britischen Kabinett und neues Zögern im letzten Angenblick z« vermuten.) Der französische Botschafter in Spanien, Hrrbette, dessen Sympathisieren mit Franco Schanghai. In Schanghai nehmen die hartnäckigen Kämpfe ihren Fortgang. Der japanische linke Flügel konnte bisher nicht Vordringen, doch rückt der rechte Flügel trotz des hartnäckigen Widerstandes der Chinesen allmählich vor. Die Japaner sind gegen Kating, einer der Hauptpositionen der zweite« chinesischen Lrrteidigungslinie, vorgedrungen und von ihr nurmchr noch etwa vier Kilometer entfernt. In der Nacht entwickelte sich neuerlich ein Artillerie kämpf zwischen den japanischen Kriegsschiffen und den chinesischen Batterien in Putung. Chinesen habe,? die japanischen Positionen in wirksamer Weise bombardiert und ein Pulver lager in die Luft gesprengt. Tin den Japanern falls beschossen und drei Flugzeuge vernichtet. Umgekehrt Ist such gefahren Tokio. Das Außenministerium veröffentlicht öin Kommunique, in welchem die japanische Re- London.(Eigenbericht.) Die italienische Rote, die" hier Samstag überreicht wurde, entspricht den Ankündigungen der italienischen Presse. Italien entwickelt in dieser Rote vom neuen die bekannte Theorie, die die Freiwil-, ligen der republikanische« Armee den von Italien zu Franco abkommandierten Truppen glrichstel- len will, und verzichtet auch nicht auf den längst dementierten Hinweis, daß die Freiwilligen auf der Regirrungsseite naturalisiert würden und daher nicht abberufen werden könnten. Im übrigen wird dir Beteuerung, daß die Integrität und Unabhängigkeit Spaniens nicht angetastet würde, erneuert. Die Einladung zur Konferenz wird jedoch abgelehnt. Italien werde an keiner Konferenz mehr teilnehmen, an der nicht auch deutsche Vertreter anwesend seien. Gleichzeitig mit dieser Rote hat Italien eine Erklärung abgegeben, di« unter Berufung auf Mussolinis letzten Artikel im mittwöchigen„Po- polo d'Jtalia" Japan, daS nur das Recht der Selbstverteidigung ausübe, volle Unterstützung durch Italien zubillige. Während das britische Kabinett erst am Mittwoch über die italienische Rote beraten wird, Gibraltar. 5000 Italic- «er sind während der letzten Septemberwochen in Cadiz angenommen. Außerdem Kommen fast j e d e W o ch e italienische Sch i f f e in Begleitung von italienischen Kriegsschiffen in Malaga an mit italienischen Soldaten an Bord. Anderseits ist viel Kriegsmaterial in Cadiz ausgeladen worden, das ttalienische und spanische Handelsschiffe dorthin transportiert haben. Diese dauernden Nachschübe von neuen italienischen Soldaten stehen zweifellos damit in Zusammenhang, datz Musio- linieine große Offensive ge- genMadrid vorbereitet, welches er noch vor der Regenzett zu Fall bringen will. Rach Berichten von Reisenden, aus Sevilla kommend, werden in Sevilla große Truppenkontingente konzentriert, die bestimmt sind, die Offensive gegen Madrid durchzuführen. * flugzeugen, welche von Jagdflugzeugen geschützt waren, angegriffen. Die Flugzeuge überflogen auch di« Stadt Gijon, wurden aber zur Umkehr gezwungen. Zeitig morgens unternahmen die Aufständischen einige Angriffe gegen die Regierungspositionen auf Cote 430, doch wurden diese Angriffezurückg,e s chlag en. Im Abschnitt Los Puertos eroberten die Republikaner zwei Positionen zurück, welche sie tagsvorher verloren hatten. Franco-Bomben auf einen Friedhof Madrid. Im Verlauf der vorvergangenen Nacht hüben Rebellenflieger mit großer Heftigkeit den Friedhof San^doro bombardiert. Am Boykott!\ Stockholm. Der Vollzugsausschuß der schwedischen Gewerkschaftsverein i g u n g und der Vollzugsausschuß der sozialdemokratischen Partei sowie einige andere Organisationen haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, worin sie zum Boykott japanischer Waren auffordern. Ottawa. Der Vorsitzende der kana- .dischen Gewerkschaftsvereini«' gung Draper hat einen Aufruf an die kanadische Arbeiterschaft zum Boykott japanischer Wa- ren gerichtet. Er verlangt die Verhängung deS Embargos auf nach Japan bestimmte Sen- gierung ihr Bedauern darüber ausspricht, datz! dir vorgegaukelt und zugleich wurden di« uner- der Völkerbund(und der amerikanische Staats-s fahrenen Jungens— ihre' Zahl ist Wahrscheinsekretär Hüll) Japan der Verletzung des Kriegs- l lich größer als wir ahnen— der fürchterlichsten ächtungspaktes und des Neunmächtevertrages be-1 Dekadenz in die Arme getrieben. Manche mögen schuldigt haben. In der Erklärung wird ausge- heute über diese Erfahrungen kritisch nachdenken, führt, datz es nicht Japan, sondern China war, wenn sie auch nicht den Mut haben, die grötzte welches den gegenwärtigen Konflikt im Fernen“ Osten hervorgerufen hat. Meuterei auf einem getroffenen Franco-Kreuzer Valencia. Das Kriegsministerium hat Einzelheiten über das Gefecht zwischen dem Regierungskreuzer„Libertad" und dem Aufständischenkreuzer„Baleares", das am 7. d. M. auf offener See auf der Höhe von Alicante stattfand, bekanntgegeben. Darnach floh die„Baleares", nach dem sie durch zwei Salven getroffen worden war, mit 15 Toten und 60 Verletzten an Bord. Der Besatzung bemächtigte sich Panik und es habe sich als notwendig erwiesen, die energischesten Mahnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu ergreifen. Der Kapitän sei genötigt gewesen, gegen die Besatzung zur Waffe zu greifen. Blomberg In Madeira F n n ch o l. Der reichsdeutsche Aviso „Grille" mit Marschall von Blomberg an Bord ist Samstag vormittags in Madeira eingelaufen. Vormarsch Barcelona. Der republikanische Vormarsch im Ober-Aragon hält an. Der Druck der republikanischen Truppen auf die Rebellenstellun- gen ist unwiderstehlich in diesem Abschnitt, o Valencia. An der Gijoner Front waren Freitag die Positionen der Regierungstruppen im östlichen Frontabschnitt von 28 Bombardierungs« Mussolini-Offensive Valencia-Note an England London. Am Samstag überreichte der spanische Botschafter in London der britischen Regierung eine Rote, worin die Regierung von Valencia ihrer Beunruhigung über die andauernden Truppen» und Kriegsmaterialsendungen von Italien nach Franco-Spanien Ausdruck verleiht. Ferner wird in der Rote behauptet, daß Italktn eine große Provokationskampagne gegen die Dalenciaregierung vorberei tet, G i f t g a sbomben-Angriffe aus die republikanischen Städte plant und die republikanischen Hafenstädte durch U n> terseeboote beschießen lassen will. * Mussolini junior Paris. Der römische Korrespondent des „Figaro" meldet, daß man bereits als beinahe sicher annehmen kann, daß Bruno Mussolini nach Spanien mit der Flirgereskadrille abgcgangen ist, deren Kommandant Bizeo und deren Mitglieder hervorragende italienische Flieger sind. Die Es- kadrille hat hochwertige Maschinen allerletzten Typs. Aus Rom ist sie am 26. September nach Mallorca gestartet. » Angriff auf Maiorca London. Die gesamte engllsche Morgenpreffe veröffentlicht Rachrich- ten über einen angeblich unmittelbar bevorstehenden Angriff der auf Mal- lorca stationierten Streitkräfte auf das im Besitze Daleneias befindliche Mi- norca. 30.000 ttalienische FreiwMge und ei« mächtiges Fluggeschwader sol- len zu diesem Zwecke berett« in voller Bereitschaft stehen. * Vor Oeffnung der Pyrenäen-Grenze? Eine Entscheidungsschlacht in Nordchina? Tokio. Südlich von P a o t i n g stehen Japaner und Chinesen an einer 120 Kilometer langen Front einander gegenüber. 20 chinesische Divisionen, insgesamt über 200.000 Mann, die unter dem Kommando des Generals Tschentschen stehen, sind wie es scheint,entschlossen, um jeden Preis den japanischen Bormarsch aufzuhalten. Die bisher größte Schlacht in Rordchinck hat gestern begonnen. Armes Volk! Unter den verhafteten Freunden des Herrn Rutha befindet sich auch der Herausgeber der SdP-Zeitschrift„Volk und Führung". Der Titel steht nicht ohne Beziehung zu den letzten Ereignissen. Es ist richtig, datz sich die Herrn vom KB als'Führung des sudetendeutschen Volles aufgespielt haben. Hat aber das Volk eine solche Führung verdient? Die Nachricht von den Verhaftungen im Kreise um Rutha ist wie ein greller Blitz in die trübe Atmosphäre hineingefahren, welche den ganzen Betrieb der sogenannten Sudetendeutschen Partei umgibt. Das Volk darf wieder einen Blick hinter die Kulissen des Führerprinzips tun und cs hat einige Ursache, sich angewidert abzuwenden. Aus der Werkstatt der völlischen Sittenprediger und Erneuerer verbreitet sich ein penetranter Gestank. Sollen wir dadurch unser ganze? öffentliches Leben verpesten lassen? Die peinlichen Sachen, die nun aufgeflogen sind, waren schon längst ein öffenlliches Geheimnis. Seit Monaten hat die ausgezeichnet organisierte Flüsterpropaganda der patentierten Volks- gemeinschafter Parteiklatsch allerschlimmster Sorte durch ihre Kanäle geleitet. Gemunkel, Beschuldigungen und^ Gegenbeschuldigungen der hadernden Gruppen nahmen da den Weg auch zu den Ohren der politischen Widersacher der SdP. In einzelnen Prager Redaktionen herrschte zeitweise ein Ueber- angebot an Enthüllungen unter Volksgenossen. Echtes und gMlschtes Material Lbtt die Interna der SdP wurden in solchen Menge« auf den Markt geworfen, datz schließlich die Nachfrage bis auf de» Nullpunkt sank. Es war wohl das Beste, die Einiger des Sudetendeutschtums untereinander raufen zu lassen. So ist denn auch im Eifer des Gefechtes neuerdings ei« Vorhangzipfel gelüftet worden. Der Einblick in die Häuslichkeit des Kameradschaftsbundes ist frei. Voll, sieh deine Führeri Die schmutzige Affäre wäre, nur halb so schlimm, wenn nicht die Allüren gewisser Volks- beglücker die ganze Oeffentlichkeit zu einem Vergleich ihres äußeren Getues mit ihren heimlichen Lastern geradezu herausgefordert hätten. Seitdem in sudetendeutschen Landen Politik gemacht wird, hat sich noch niemand eine derart systematische Verunglimpfung aller politischen Widersacher geleistet. Die Propagierung der sogenannten Volksgemeinschaft wurde ungefähr auf folgende Prin- zipien aufgebaut: 1. Alle, die vor Konrad HM» bekannt ist, ist abbernfen worden und wird llin sudetendeutsche Politik gemacht haben, waren durch L a b o n n e ersetzt werden, der bisher am j entweder Trottel oder Schurken, 2. Wer nicht das Quai d'Orsay eine bedeutende Stellung innehatte.' Parteimitgliedsbuch der SdP in der Tasche bat, | ift ein Volksverräter, 3. Wer nicht hinter dem Horch-Wagen des Führer- nachläuft oder gar an den Praktiken des Kameradschaftsbundes etwas auszusetzen hat, ist ein Separatist.— Wenn wir nicht irren, war es gerade'Herr Rutha, der für die sudetendeutschen Henleingegner das Schimpfwort„Separatisten" geprägt hat. Ein biederer Waldbauer hat alles vorausgeahnt. Als er kopfschüttelnd von einer großartt» gen SdP-Kundgebung heimging, meinte er: „I etztwei ß ich nicht, bin ichnochno r» mal, oder sind die anderen verrückt." Der gute Mann kann jetzt von seiner Normalität fest überzeugt sein. Verirrungen einzelner hat es immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Aber was wir in den letzten Jahren erlebten, das war der Einbruch der Abnormalität— und nicht nur der sexuellen— in die sudetendeutsche Politik. Dieser Pflanz, diese Selbstvergötterung, diese hysterischen Haßausbrüche gegen die Träger jeder positiven Arbeit— all das wäre in normalen Zeiten einfach nicht möglich. Armes Volk! Wieviel Glauben und Begeisterung hast du an die falschen Messtasse ver- schwendet! Was werden jetzt die armen Teufel dazu sagen, die so oft stundenlang gewandert find oder ihre letzten Groschen verfahren haben', um diesen oder jenen Sonderbeauftragten des„Führers" zu hören? ArmeIugend! Ein gesundes, kraftvolles Vollstuw aufzubauen hat man Seite 2 Sonntag, 10. Oktober 1937 Nr. 239 Wir aber gewiß, daß eines Tages jene Volksmassen, die da«betört wurden, die Binde von den Augen reißen und ein fürchterliches Strafgericht abhalten werden. Man muß in diesem Augenblicke den guten Ruf des Sudetendeutschtums gegen jene in Schutz nehmen, die seinen Namen so oft mit plätscherndem Wortschwall mißbrauchten. Auch jener große Teil des Volkes, der sein Vertrauen an die Partei Henleins verschwendet hat, steht turmhoch über einem Führerklüngel, dessen yerworsenes Treiben geradezu eine Weltschande geworden ist. Ganz abgesehen von der behördlichen und gerichtlichen Austragung des Falles, besteht nun die Aufgabe, unser öffentliches Leben von Entartungen zu befreien, die dem Sudetendeutschtum wahrlich nicht zur Ehre gereichen. Die Feststellung der Verant» EINE GESCHICHTE VON BILDERN UND ANTIQUITÄTEN. Copyright by Saturn Verlag 1935 „Wenn ich wirklich die Eskomptage bezahlen soll, werde ich achtzigtausend verlangen", schrie Valerian verzweifelt,„und es wird auch nicht zu teuer sein. Denn es gibt keine anderen jüdischen Kunstgegenstände aus dem dritten Jahrhundert.'* „Und wenn schon", sagte der Generaldirektor. „Ich möchte keinen Sou Bargeld für so etwas ausgeben. Aber ich habe nun einmal eine gewiße Schwäche für dieses SammelaAiet und Ihre Angaben haben ja etwas für sich. Also wenn Sie wollen... lassen Sie übrigens noch einmal ansehen". Valerian reichte die beiden Unikate wieder hinüber. „Und das ist wirklich jüdische Kunst?" fragte Generaldirektor Fischer. „Sie haben die Zeitangaben doch selbst auf der Liste gelesen, Herr Generaldirektor, Sie haben die Summe auf dem Scheck gesehen, Sir ersehen aus der Liste, daß zwei Gegenstände gestrichen sind, es stimmt doch jedes meiner Worte. Daß die Herren von sMisch-sarmatischem Form- kreis sprechen, weil es Ihnen anders nicht.paßt, daß sie byzantinisch-östliche Formelemente konstatieren, weil sie den bloßen Ausdruck semitische, d. h. jüdische Kunst perhorreszierKi— das liegt, glaube ich, auf der Hand. Informieren Sie sich, was skytisch-sarmatischer Formkreis bedeutet, lesen Sie nach, ob die Chazaren sich in der Krim angesiedelt haben, lesen Sie nach, ob sie zum Juden- wortlichkeit ist die nächste Pflicht. DerHaupr- verantwortliche heißt Konrad H e n l e i n. Nun soll er selbst einmal sich zur Kehrseite des FührerprnuipS bekennen und für das einstehen, was in seiner nächsten Umgebung geschah. Wer den Beifall der Massen erntet und sich für bloß« Worte Blumen streuen läßt, kann sich auch der sittlichen Verantwortung für die Früchte seines Handelns nicht entziehen. Herr Henleinmöge vor allem der sudetendeutschen Oeffe ir t l i ch k e i t darüberRechenschaft ablegen, l»ie weit er-von den moralischen Sumpfnenern in seiner Partei gewußt h a t, wie weit er sie toleriert hat und was er selber unter- nahm, um sie zu beseitigen! tum übergetreten sind. Nicht meine Worte sind wichtig, die Tatsachen sprechen". Generaldirektor Fischer ging auf einen großen Kasten zu und nahm ein Lexikon herunter. Er schlug den Artikel Chazaren nach. ES schien zu stimmen. Er schlug noch einiges nach; erschien auch zu stimmen. „Zum Judentum überqetreten", sagte er, „stimmt wirklich.. autochthone jüdische Kunst? Interessant. Eine Ohrfeige für den wissenschaftlichen Nationalsozialismus... den Kerlen unter ganzen Welt beweisen, daß die Juden ein schöpferisches Volk sind, interessant". „Mohr als interessant". „Lieber Herr Aronas", sagte der Generaldirektor und klappte das Lexikon zu,„ich heiße Fischer und nicht Miesling—- wir verstehen uns: nicht? Sie verlangen füpfzigtausend Francs; ein hübscher Einfall. Ich leiste Ihnen die ganze ESkomptage für diese beiden Dinger da; Sagen Sie rasch: Ja"., „Herr Generaldirektor", schrie Valerian, „ruinieren Sie mich nicht! Dann kostet Sie doch das ganze nicht einen Sou, nicht«inen blanken Sou".„Das ist ia das Schöne dran", erwiderte Generaldirektor Fischer freundlich und seine braunen Rehaugen glänzten innig,„das ist ja das Schöne dran", wiederholte er lächelnd. Valerian erwiderte nichts. Er bedauerte, daß er für da- Material der beiden Objekte achtundsechzig Francs auSgegeben hatte, achtundsechzig Francs zuviel. Generaldirekwr Fischer öffnete eine ander« Lade und begann, ihr eine Reihe von Zehntausendfranrscheinen zu entnehmen. Er legte sie laut zählend aus die Tischplatte vor Valerian. „Vierzigtausend— fünfzigtausend— sechzigtausend— siebzig.-. er zählte langsam, ohne auszusehen,„achtzig— neunzig— hundert..." Er begann eine zweit« Reihe aufzuschlichten „Einhundertzehn— hundertzwanzig— hundertdreißig..." fahren für die Sittlichkeit des Sudetendeutschtums auf, das solche Erzieher unserer Jugend zum Teufel jagen muß. Wo soll die Achtung vor unserem Volke Herkommen, wenn es politische Führer gibt, die unter dem schweren Verdacht abnormaler Leidenschaften stehen? Freilich bleibt das Entscheidende tie grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem sudetendeutschen Faschismus, diesem Erzfeinde aller Kultur und Freiheit, allen menschlichen Empfindens und allen Strebens nach sozialer Befreiung. Auf diese Auseinandersetzung stellen sich die Vertrauensmänner der deutschen Sozialdemokratie ein und werden den Kampf mit Elan, Opferfreude und der Ueberzeugung führen, daß der Endsieg dem Sozialismus und der Demokratie gehört. Innerhalb des Gesamtdeutsch- tums ist die deutsche Sozialdemokratie der Tschechoslowakei ein Vorposten. Wir sind uns unserer historischen Rolle bewußt und werden danach handeln. Göring in Sorge um die Tschechoslowakei Das Leiborgan des Herrn Göring, die Essener„National-Zeitung", gibt sich ernstlichen Sorgen hin.„Die Tschechoslowakei hat Haushaltsorgen" und der Prager Mitarbeiter der„Nationalzeitung" mit ihr, denn mit gerunzelter Stirne läßt er sich an leitender Stelle seines Blattes verneinen: „Die Tschechossowakei hat Haushaltsorgen, ernstere denn je, so ernste, daß nicht nur ein Zerbrechen der Regierungskoalition, sondern auch tiefere Erschütterungen befürchtet werden. Die finanziellen Schwierigkeiten des Staates sind nicht neu. Seit 1980 können sie nicht mehr verscheucht werden. Jetzt aber haben sie eine» kritischen Punkt erreicht". Und warum das alles? Erstens, weil„dem Schulminister für seine Bauten tschechischer Schulen im deutschen Gebiet überhaupt keine Grenze gezogen" ist(ein ausgesprochener Unsinn) und weil die Tschechoslowakei rüstet, und zwar ,chis zum Bankrott". Die Essener„Nationalzeitung" hat fix ausgerechnet, daß die Tschechosiowakei nicht weniger als fünf Milliarden Kö jährlich für Rüstungszwecke ausgibt. Das ist zwar nicht wahr, doch wird tatsächlich versucht, diese Behauptung unter Zugrundelegung von Ziffern aus dem tschechoslowakischen Budget und dem Rechnungsiwschluß zu erhärten, wobei eS für die Seriosität der Berechnung spricht, daß sie Schulbauten— wie der Schelm selber ist!— auch als„Rüstungsangelegenheiten, nämlich Reservekasernen" betrachtet. Mer in Deutschland kann man auf Grund des Budgets und des Rechnungsabschlusses weder falsche noch richtige Schlüffe ziehen, weil sowohl Budget als auch Rechnungsabschluß geheim sind und keiner Kontrolle unterliegen. Was für ein Grad von Verlotterung in unserer armen demokrafischen Republik schon ausgebrochen ist, kommt in dem Ausruf der„Nationalzeitung" zum Ausdruck, wonach die Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionsparteien in der Budgetfrage— man bedenke!—„ganz öffentlich in den Zeitungen der einzelnen Koalitionsparteien geführt werden". Nein so etwas, wo gibt es Derartiges im Dritten Reich? Man muß den Schluß des Leitartikels „Prag rüstet bis zum Bankrott" „So verlangt es der Moloch Aufrüstung, dem nach wie vor jedes Opfer gebracht wird, bis zum Bankrott". Valerian begann es eiskalt zu werden. Die eintönige Stimme des-Zählenden drang auf ihn ein wie Magie. „Einhundcrtvierzigtausend— hundertfünfzig— hundertsechzig— siebzig— achtzig— neunzig Dann war alles fertig. Einige restierende Banknoten wanderten wieder in die Lade zurück. „Stimmt es?" fragte der Generaldirektor. Valerian zählte nach. Ebenso langsam und monoton. Als er bei den ersten hundert angelangt war, steckte er sie in seine Brusttasche. Endlich hatte auch er zu Ende gezählt. Als das ganze Geld in seiner Brusttasche war, sah er auf. Der Glanz seiner Augen war verwandt dem rehbraunen Glanz in^den Augen des Generaldirektors, der die bejden Unikate in seiner Hand hielt und betrachtete.„Wissen Sie- mich freut dieses Geschäft", sagte der Generaldirektor. „Ja", sagte Valerian und nickte mit dem Kopf«,»Has freut mich auch". „Mer", fuhr der Generaldirettor fort, glauben Sie nicht, daß ich mir diese beiden Dinge behalten werbe". „Sie werden Sie Weiterverkäufen?" fragte Valerian voll stiller Milde. „Nein, das habe ich nicht nötig. Mer daß ich diese beiden Zeugniffe jüdischen Bolksempfin- dais dem bornierten germanischen Nationalismus entgegenhalten kann als ein Zeichen meines Nationalgefühls". „Ja, das ist sehr erfreulich", bestäfigte Ba- lerian und griff nach seinem Hut und Knotenstock, „was werden Sie damit machen, Herr Generaldirektor?" „Ich schenke sie dem Museum für nafionale Altertümer in Tel-Aviv", sagte Generaldirektor Fischer swlz. M „Dort gehören sie auch hin", sagte Valerian und begann der Türe zuzuschreiten,„und damit wird dieser Teil des Schmuckes«ine ebenso würdige Verwendung gefunden haben wie der andere". Ende. zweimal lesen und sich auch den Titel noch einmal schwarz auf weiß a n s e h em, ehe man darauf gekommen ist, daß die„Rationalzeitung", das persönliche Organ des Mannes, der die Parole von der Priorität der Kanonen vor der Butter ausgegeben hat, mit ihren Bemerkungen über den„Moloch Aufrüstung, dem nach wie vor jedes Opfer gebracht wird", nicht etwa Berlin, sondern— Prag meint. Der Präsident der Republik empfing am 9. Oktober den außerordentlichen Gesandt«! Bohdan Pavlü, weiters den Chef des Generalstabes General Ludwik Krejäi und schließlich Mr. Sh. Stone, Chefredakteur der„New Uork Times". Aus der Nationalversammlung. Das Sub- komiteetzfür das Bürge«liche Gesetzbuch hält am 12. Oktober um 3 Uhr nachmittags, am 13. Oktober, um halb 10 Uhr vormittags und am 14. Oktober um 9 Uhr vormittags Sitzungen ob.-— Das Subkomitee für hie Gerichtszuständigkeit und die Zivil-Prozeßordnung hält am 14. Oktober um 3 Uhr nachmittags sowie am 15. Okwber um 9 Uhr vormittags Sitzungen äb.— Deitzperkehrs- technische Ausschuß des Senates hält am 20. Okwber um 10 Uhr vormittags eine Sitzung ab. Ernennungen. Der bisherige Sektionschef deC-Justizmiliisteriums Dr. Emil L ä n y, deffen Ressort das Gcfängniswesen war, ist zum Präsidenten des Oberlandesgerichtes in Prag ernannt worden. Zum Präsidenten der Prager Post- und Telegraphendirektion wurde der bisherige Vize« Präsident Dr. Josef Lechner bestimmt. *, Verschleppung Otto Strassers geplant Schweizer Blätter brachten die Meldung, daß der Führer der„Schwarzen Front" Dr. Otto Straffer aus Prag nach Deutschland entführt worden sei. S t r a s s e r sei betäubt und im Auto eines gewiffen Diplomaten über die Grenze gebracht worden. Diese Nachrichten sind«nzutteffend, sie enthalten aber einen wahrenKern. Wie wir erfahren, wurde die Verschleppung Strassers nach Deutschland tatsächlich vorbereitet. Das geplante Verbrechen wurde aber rechtzeitig v e r h i n- dort. Die faschistische Internationale Tokio. Der italienische Botschafter besuchte Samstag den Vertreter des japanischen Außenministers und ersuchte ihn, die japanische Nation wissen z« laffen, daß die italienische Nation unter der Führung Mussolinis einmütig und uneingeschränkt die j a p a n i- sch e Aktion in China unterstütze, welche Aktion nichts anderes als die Verwirklichung des legittmen Rechtes auf Betteidignng ist. polnische Arbeiter aus Deutschland vertrieben Kattowitz. Einen Beweis für die fortschreitende Trübung der polnischdeutsch tzn Beziehungen bilden die in den letzten Tagen von den reichsdeutschen Behörden, angeordneten Ausweisungen von polnischen Optanten aus dem Gebiete Oppeln-Schlesien. Allein in den letzten Tagen wurden mehrere polnische Arbeiterfamilien aus diesem.Gebiete abgeschoben und ausgewiesen. Der Papst über Deutschland Stadt des Vatikan. Pius XI. empfing Samstag 250 Pilger aus dem Rheinland« und 60 Pilger aus der Schweiz. In seiner Ansprache gab der Papst der Freude Ausdruck, daß aus den deutschsprachigen Ländern ständig Gläubig^ zu ihm wmmen, u. zw. gerade in diesen schwierigen Zeiten.„Wir Wissel? sehr gut", sagte der Papst» „daß die Verhältnisse iin der Schweiz Gott sei Dank ganz andere sind aM die schmerzlichen Verhältnisse, die heute ein Kummer Deutschlands sind." So erhält man die Mehrheit Danzig. Die kommunistischen Abgeordneten des Danziger Senates Langau und Serotzki sind aus der kommunistischen Fraktion„ausgetreten" und der Fraktion der Nationalsozialisten beigetreten. Die Nationalsozialisten verfügen auf diese Weise im Danziger Senat von den 72 Mandaten über 51 Mandate. Soilallsten bei Skladkowskl Warschau. Ministerpräsident Skladkowski empfing eine Deputation der sozialistischen Partei, die ihn auf die Zwischenfälle aus der letzten Zett aufmerksam machte, besonders auf den 26. September, als in die Reihen marschierender sozialistischer Manifestanten eine Petarde geworfen wurde. Der Ministerpräsident führt« in seiner Antwort aus, die Schuldigen dürfen mit keiner Nachsicht rechnen. Um zu beweisen, daß die Regierung den Grundsatz der Bersammlungsfrei- heit respektiert, führte der Ministerpräsident an» daß unter der gegenwärtigen Regierung die Arbeiter die Möglichkeit gehabt hätten gegen 3000 Streiks zu proklamieren, an denen sich ungefähr 700.000 Streikende beteiligten. Zur innerpolitischen Lage Die Herstellung des Budgetglelchgewichtes# Die Gemeindewahlen In der vergangenen Woche befaßte sich die Regierung vorwiegend mit zwei Angelegenheiten: mit der Bedeckung des Budgetdefizits und mit den Wahlen in einzelnen Gemeinden. WaS zunächst das Budget betrifft, wurden die Staatsausgaben des Voranschlages in längeren Beratungen des parlamentarischen Spar» uns KontrollausschusseS, an denen sich die Vertreter der Regierung und die Fachreferenten des Finanzministeriums beteiligten, festgesetzt. Die Aufgabe, die nun bleibt, ist die Bedeckung dieser Ausgaben. Im ordentlichen Budget verbleibt über eine Milliarde KC, für welche in den bisherigen Einnahmen keine Deckung zu findenüst. Nach dem Grundsatz, daß ordentliche d. h. Jahr für Jahr wiederkehrende Ausgaben auch durch regelmäßig wiederkehrende Einnahmen bedeckt werden müssen, ist es notwendig, dem Staate neue reguläre Einnahmequellen zu erschließen. Der neue Finanzminister hat bereits bestimmte Vorschläge erstattet, die den Gegenstand von Beratungen der Koalitionsparteien bilden. Wie die erforderliche Milliarde aufgebracht werden wird, steht noch nicht fest und es werden die Koalitionsparteien zu den Plänen des Ministers Dr. Kalfus Stellung zu nehmen haben. Wir müssen schon heute entschieden betonen, daß in erster Linie die besitzenden Schichten ztlr Deckung des Budgetdefizits herangezogen werden müssen. Die Besserung der Wirtschaftslage ist vor allem den Besitzenden zugute gekommen und insbesondere die Rüstungsindustrien haben Gewinne gemacht, von denen sie einen beträchmchen Teil ab- geben können. Unverhältnismäßig« Gewinne der Rüstungsindustriellen sind moralisch unhaltbar in einer Zeit; da alle Opfer bÄngen müssen, uni dey Staat und seine Demokratie zu schützen. Eine Konjunktursteuer wäre im Augenblick die gerechteste Steuer und wir zweifeln nicht, daß es zu ihrer Verwirklichung kommen wird. Es muß auch ein Weg gefunden werden, um gewisse Großverdiener bei der Bedeckung des Fehlbetrages im Budget heranzuziehen sowie gewisse Industrien, die eine Monopolstellung genießen und sich durch Kartellverträge Sonderrenten gesichert haben, die über den üblicher! bürgerlichen Gewinn hinausgehen. Hier ist eine Quelle für erhöhte Einnahmen, an welcher der Staat nicht vorübergehen darf. Eine weitere finanzpolittsche Aufgabe des Herrn Dr. Kalfus wird es sein. di« kurzfristigen Staatsschulden, deren Höhe jetzt neun Milliarden beträgt, zu konsolidieren, d. h. in eine langfristige, normale Schuld umzuwandeln. Auch da liegen verschiedene Anträge vor, welche einer Prüfung bedürfen. In der nächsten Woche wird also die Frage der Bedeckung der Staatsausgaben den Gegenstand weiterer Beratungen innerhalb der Regierung und Koalition bilden. Eine zweite innerpoljtifche Frage sind die Wahlen in einer Reihe von Gemeinden, die am 14. November stattfinden werden. Der Großteil dem Gemeinden, in denen gewählt werden wird, steht bereits fest, di« Oeffentlichkeit wird davon durch die Wahlausschreibung in kurzer Zeit erfahren. Unter diesen Gemeinden werden naturgemäß auch solche, mit deutscher Mehrheit oder starker deutscher Minderheit sein und so werden die deutschen Parteien in einigen Gemeinden sich im Wahlkampf messen. Die deutsche Sozialdemokratie sieht dem Wahlkampf mit Zuversicht entgegen. Di« sozialdemokratischen Funktionäre in den Gemeinden bab^i seit 1918, da sie in den Vertretungen sitzen, fruchtbare Arbeit geleistet. Insbesondere in den Zeiten schwerster Wirtschaftskrise haben sie sich um die sozial schwächeren Schichten, insbesondere nm die Arbeitslosen im Schweiße ihres Angesichts gemüht und geplagt, um trotz der kargen Einnahmen der Gemeinden den Menschen hilfteich zur Seite zu stehen. Aber nicht nur aus unserer Arbeit, auch aus der Entwicklung der politischen Verhältnisse können wir Zuversicht schöpfen. Der Zusammenschluß jener Staaten, die den Frieden retten und die Freiheit erhalten wollen, macht Fortschritte, die Konferenz von Nvon und die Rede des Präsidenten Roosevelt in Chicago gehören zu den weltpolitisch erfreulichst-n Tatsachen der letzten Monate. Ueberall, wo Freibeit, Kulfiir und Menschlichkeit noch eine Heimstätte gefunden haben, wird immer mehr erkannt, daß die faschistischen Staaten die Gefahr fiir die Menschheit find. Ebenso zeiat'uns die innerpolitische Entwicklung, daß wir nicht nur in unser-m Kampfe aUSbarren. sondern ibn verstärken müssen. In der SdP. die unser Hauptfeind ist— im Wahlkamvf und wann immer— macht die Zersetzung Fortschritte und die jüngste kriminelle Affäre im FübrerkreiS der SdP zeigt» die schweren volklichen Gefahren, die Ge« Nr. 239 Sonntag, 10. Oktober 1937 Seite 3 iudtitultulscktb Die SdP-Homosexuellen-Affäre — das Tagesgespräch In Stadt Seit dem Freitag-Morgen, an dem die sndrtendeutsche Bevölkerung aus der sozialdemokratischen Tagespreise die erste Nachricht über di« Verhaftung Ruthas und der Seinen erfuhr, bildet dieser moralisch-politische Skandal das Tagesgespräch auf den Straßen, in den Betrieben, in den Wirtsstuben, in den Familien. Was am Freitag vielfach nur erst Gerücht schien, weil die sudetendeutsche Bürgerpreffe die Meldung vorsorglich, aber vergeblich zuerst zurückgehalten hatte, hat sich nun jedermann als Tatsache enthüllt, auf die auch jeder sich feinen Reim macht. Inzwischen konnte auch die große und die kleine Bürgerpreffe ihren Lesern die Dinge nicht länger verschweigen, die ja übriKnS auch durch die„Zeit" auf deren Weise den SdP-Anhängern verraten wird. Einige Vrovinzblätter versuchten zwar anch noch am Samstag den Skandal abzuschwächen, indem sie die Meldung von den Berhaftungen bescheiden, unauffällig und klein irgendwo hinten im Blatt veröffentlichten? in einzelnen Fällen»ab man den Lesern auch nur einfach den 8 129 an, ohne z« sagen, w a s der denn enthalte. Aber diese Manö. der waren überholt, noch ehe sie ausgeführt wurden, denn seit Freitag Pfeifen die Spatzen die Geschichte von den Dächern. Am tollsten treibt es Herrn Henleins „Rundschau"; sie meldet die Verhaftung Ruthas(und zwar nur Ruthas), gibt aber keinen Verhaftungsgrund an, sondern spricht nur von dem Motiv„politischer Rache". Das die„Rundschau" die Aufklärung des Falles nach seinen Hinter« gründen verlangt, würde von ihren Lesern kaum als Hinweis verstanden werden können, wenn sie eben nicht von anderer Seite richtiger und klarer informiert würden. Es gibt aber auch einige sudetendeutsche Provinz-Zeitungen, die trotz ihrer sonst im weitesten Umfang geübten Gleichschaltung mit der SdP dennoch unter dem Eindruck, den die Affär^machte, sie als sehr übel charakterisieren. Beispielsweise verlangt die„Brüxer Zeitung" von der SdP-Hauptleitung, sie möge ohne Rücksicht aus Partei und Personen Licht in die Sache bringen, bedingungslos offen und wahrhaft sein,„ohne Rücksicht aus die einander bekämpfe n d e n K l i q u e n, die bei tzizser Gelegenheit im Rahmen der SdP abermals sichtbar werden"! Dagegen versucht die„B o h e m i a" die SdP- . Oppositionellen gegen den Vorwurf des Denunziantentums zu verteidigen und begründet^ das kurios damit, daß Rutha und Sandner ohnehin am 1. Jänner auf ihre Plätze im SdP-Führungs- rat zu verzichten beabsichtigten, um angeblich Raum für zwei Kasper-Anhänger zu schaffen. Als ob die Anzeiger das unbedingt gewußt haben müßten— vorausgesetzt, daß S überhaupt wahr ist; und als ob der Skandal kleiner wäre, wenn ihn alle Wiffenden noch ein paar Monate länger mitgemacht hätten! Tie„Deutsche Landpost^ bezeichnet das sudetendeutsche völkische Leben durch den Fall Rutha auf das schwerste kompromittiert und insbesondere die Situation für die Erziehungs-und I u g e n d v er bände als kritisch. Mit Rutha und seinem Anhang müßten alle verschwinden, die ihn gefördert und wider befferes Wissen gedeckt haben.\ Während so die sudetendeutsche Oeffentlich- keit sich aufgewühlt zeigt, nehme» di« B e r h ü r e mit Rutha und seinen Jüngern in Reichenberg und Land ihren Fortgang. Es handelt sich zum großen Teil um Mittelschüler und übrigens soll die Sache nicht zuletzt durch den B a°t e r eines solchen Schülers bei den Behörde« ruchbar geworden sein. Daß Rutha die führende Rolle bei den Verfehlungen gewesen ist, dick'sich ja auch vor allem in seiner W o h n u n g in Kunnersdorf abgespielt haben sollen» wird alS feststehend angesehen. Zu den„reiferen" unter den verhafteten Jungsudetendeutschen gehört auch ei» deutscher Fabrikant aus Gablonz, Uebrigens beschrankt sich die Nachforschung nach weiteren homosexuellen Exzrffen innerhalb der„Bolksgemcinschaft" nicht auf Reichender» und Umgebung, sondern erstreckt sich bereits auch auf W e st v ö h m e n und reicht, laut tschechischen Blättermeldungen, sogar nach Mäh r e n und bis in die Slow ake i! Ruthas Traum „Mensch, da bist du noch gut weggekommen.-.. ♦ Die„Zelt“ besinnt zu stammeln Die„Zeit" meldet nun endlich die Verhaftung des Architekten Rutha. Sie gibt auch dick Verhaftung des Dr? Walter Rohn zu und die Verhaftung von fünf weiteren Personen. Der Meldung fügt die„Zeit" die folgende Aeuße- rung der SdP-Pressestelle hinzu: „Am Ü. d. M. erschienen Organe der Prager Staatspolizei in den Räumen des Sudetendeutschen Zeitungwerlages und nahmen eine Haus» üurchjuchung vor. Gleichzeitig wurde Arch. Heinrich R u th a der Präger Polizeidirektion vor-' geführt und dort verhaftet. Noch am gleichen Abend wurde RMba an die Polizeidtrektion" Reichenberg überstell»« Auf Grund von Rückfragen haben die zuständigen Behördenstellen erklärt, daßHgs Per», fahren weder ein politisches sei. noch politische Hintergründe habe, sondern daß es sich ausschließlich um ein Strafverfahren gegen Architekt Rutha auf Grund eines Verdachtes nach 8 129b des Strafgesetzes handelt. Nach weiteren Henleins Freund Abschiltteli* gilt nicht I Der„Unwegdenkbare" In der Zeitschrift der SdP„Volk und Führung"(Herausgeber Walter Rohn) erschien im Ostermond(April) 1937 ein Aufsatz„Heinz Rutha, Ein Leben für Volk und Heimat". Ein Porträt war dem Artikel beigegeben, der zum 40. Geburtstag des Führers geschrieben worden war und so unumstritten als Meinung der Partei gelten durste, daß er im Gegensatz zu anderen Beiträgen keinerlei Autorenbezeichnung trug. Aus diesem Artikel sei einiges zitiert, was gerade jetzt festgenageft werden muß, und einiges, was heute einen merk» toürdig grotesken^Doppelsinn erhält: Aus Erzählungen läßt sich entnehmen, haß die Vorfahren, soweit das Gedenken reicht, sehr charaktervolle, eigenwillige Menschen mit reichen Anlagen gewesen sind, Männer wie Frauen. Hoffentlich doch nicht mft so reichen, wie der Enkel sie aufweist, deffen Anlagen nunmehr dem Schütz» des Publikums empfohlen werden müssen. „Daß es unS nicht zukommt, jüngste, eigene Ber- gangenheit bereits geschichtlich zu beurteilen, wer» * den spärere Generationen—" bzw. das Strafgericht erst über das Ausmaß dieser erzieherischen Leistung zu urteilen haben, in deren Mittel- vunkt Heinz Rutha steht^ Sie beschränkte sich keineswegs auf den geistigen Bereich. Das ist ja nun Wohl klargestellt! So sammelte Heinz Rutha 1921 die entschlossensten und tatbereiten Jungenführer mit ihren Scharen um sich und baute mit ihnen die erste Jungmannschaft auf. Als Frontkämpfer umgab ihn jene geheimnisvolle Ueberlegenheit, die die Jüngeren in»dieser autoritätslosen Zeit zurUnter- o r d n u n g unter di« hart en Gesetze der Mannschaft zwang— wogegen die Aelteren infolge ihrer geheimnisvollen Ueberlegenheit schließlich mit den noch härteren Gesetzen des Staates in Konflift geraten mußten. Trotz der Wildheü vieler Fahrtenländer trat die Abenteuerlichkeit zurück hinter dem... Gewinnen einer großen Selbstsicherheit in allen Lebenslagen— von denen die schlimmste damals noch nicht vorauszusehen war. Heinz Rutha hat seine völkische Aufgabe seit jeher in der Erziehung gesehen. Der geborene Erzieher. Sein Beitrag für den Neuaufbau einer Gesamterziehung ist außerordentlich groß. Wiewohl zur Zeit noch gar nicht zu übersehen. Neben der Herausarbeit des Lebensstils der Jungmannschaft stammt von ihm der Grundplan der Jugenderziehung mit seinem Aufbau nach Altersstufen— die, wie es scheint, freilig nicht immer mit den vom Strafgesetz gezogenen identisch waren, aber Konrad Henlein hat diese Leistung selbst ausdrücklich bestätigt...Die Freundschaft der beiden Männer gehört zu den,f ruchtbarsten Erscheinungen des Sudreiendeutschtums. Wo er recht hat, hat er recht! Sie ist alt und in mancher Not erprobt.“ Wollen seh'n, ob sie die neue Belastungsprobe auShält l Feststellungen geht der Ursprung dieses Verfahrens auf Material zurück, daS der Polizeidirektion Reichenberg zugeleit«t worden ist. Der gegen Architekten Rutha ausgesprochene Verdacht ist so schwerwiegend und in solchem Maße für seine weitere öffentliche Tätigkeit entscheidend, daß eine restlose Aufklärung des Verdachtes und seiner Entstehung gefordert werden muß. Wenn Wetters die Angelegenheit wirklich keine politischen Hintergründe haben soll und keinen politischen Zweck verfolgt, wie von behördlicher Seite erklärt wurde, so muß der Fall nach dem Gesetze so behandelt werden, daß keine Zweifel auftauchen können, daß die strafprozeffualen Vorschriften nicht auf s p e inl ich st e ein» Sehalten werden. Die Weiterentwicklung der Angelegenheit wird bereits in den nächsten Tagen in dieser Richtung Klarheit bringen. Architekten Rutha wurde zur Wahrnehmung seiner rechtlichen Interessen ein neutraler Anwalt zur Verfügung gestellt. Unrichtig ist es, daß die übri» gen Verhafteten durchwegs hervorragende Mitglieder der SdP sind. Tatsache ist, daß von ihnen lediglich Dr. Rohn als Herausgeber von„Volk und Führung" eine Funftion in der Partei aus» üht. Ein Teil der in das Verfahren Verwickelten hat nicht nur keine Stellung in der Partei, sondern befindet sich in Gegnerschaft zur Partei und zu Architeften Rutha." Diese Erklärung sieht ganz darnach aus, als ob die SdP von Ruthl^abzurücken begänne. Sie hat aber zunächst den Versuch unternommen, Rutha zu decken. An der Erklärung fällt vor allem auf, daß sie erst am 9. Oktober für die Samstag-Nummer das Licht der Welt erblickte, während Rutha schon am 6. Oktober abends nach einer Haussuchung im Sudetendeutschen Zei- tungsverlag in Prag, also in den Räumen der „Zeit", verhaftet wurde. Die„Zeit" hat also schon Mittwoch abends von der Verhaftung und der Haussuchung gewußt. Hätte es sich um Berhaftungen und Haussuchungen»»egen politischer Delikte gehandelt, würde man das in der„Zeit" vom 7. Oktober schon zu lesen bekommen haben. Aber die „Zeit" vom 7. und 8. Oftober schwieg fein still, weil sie Wußte, worum es sich handelt und weil sie hoffte, die Sache werde geheim bleiben. Die„Zeit" fängt an, die moralisch Entrüstete zu spielen und„fordert" die Aufllärung des schwerwiegenden Verdachtes gegen Rutha. Nun, sie hat da nichts zu fordern, die Aufklärung wird schon o h n e sie erfolgen. E» ist auch nicht anzunehmen, daß die strafprozessualen Vorschriften im Falle Rutha milder gehandhabt werden als in anderen Fallen, so daß die„Zeit" auch in dieser Hinsicht keine Sorgen haben muß, zumal da ja sogar ein „neutraler" Anwalt— was ist das? Die Red.— beigestellt wurde.(Wer hat ihn beigestellt?) Die„Zeit" kennt außer Rutha und Rohn unter den Verhafteten keinen weiteren Parteigänger Henleins, ja, sie sagt sogar, daß sich einige der Verhafteten in Gegnerschaft(!) zu Rutha befänden, der also wirklich einen ganz eigentümlichen Umgang gehabt haben muß. Wenn Lilpr. immerhin zyr Kenntnis, stimmt, daß jener st e w j s s e W. B. in der Tschechoslowakei— bis» cher— micht belangt wurd§, so sei an die„Zeit" immerhin die Frage gestattet, ob unter den Verhafteten nicht doch einer ihrer R°edakteure ist? Sicherlich weiß sie darüber ebensowenig Ivie sie bis zur Fertigstellung ihrer Samstag-Ausgabe von den Haussuchungen und den anderen Ver» "Haftungen gewußt hat. Sie ist also in der Lage, genaue Aufllärung zu geben. Sie tue es! Beide Männer einte vom ersten Augenblick eine tiefe Verbundenheit; sie spürten, daß in ihnen beiden die gleiche Leidenschaft brannte— Wie, bitte? — Volk und Heimat bedingungslos zu dienen. Ach so! Während nun Henlein„die neue Mannschaft schuf" stand ihm Heinz Rutha in allen erziehe» rischen Fragen mit Rat und Tat zur Sette. Das walte Gott. Rutha schuf den neuen Baustil. Aber das war nur der Anfang, Am 3. September rief ihn„eine Drahtung nach Asch", zu deutsch: er bekam ein Telegramm. Einen Monat bleibt er bei Henlein, wird dann ausgesandt, die Stimmung des Volkes zu erkunden. Vom ersten Tage am Aufbau der Bewegung entscheidend beteiligt, wurde er Mitglied der ersten Hauptleitung... Sein klares Urteil und seine Erfolge haben ihm eine unentbehrliche Stimme und große Volkstümlichkeit in der Bewegung verschafft. Kein Vergleich mit der P o p o l a r i t ä t, die er nuiunehr erlangen wird! Henlein hätte für das Sudetendeutschtum keinen geeigneteren Repräsentanten seiner Art und. Sprecher seiner Anliegen Herausstellen können. Gewiß nicht! Die Hand der Vorsehung zeigt sich fichtbarlich an dieser Wahl. Reben seinem erzieherischen Wirken, um das Waller Rohns Denken, wie man sieht, ewig kreist,*• hat damit Heinz Rutha seinen angemessensten Wirkungskreis gefunden. Briel an den Zeitspiegel Eine Leserin schreibt uns: In allen D-Zügen, die von Prag über Deutschland nach Paris fahren, findet sich eine Reklame für das Pilsener Restaurant auf derWeltausstellung: tschechisch, deutsch, französisch. Der deutsche Text lautet also: „Auf der Pariser Internationalen Aus« Stellung vergessen Sie nicht zu besuchen Das Pilsener Restaurant u. Buffet im zweiten tschechoslowakischen Pavillon für die künstliche Industrie in d. Wissenschafts-Sektion, zwischen Planetarium u. Stellarium Cours Albert Ier Neben Grand Palis Eingang Nr. 8 v. Der Brücke Invalides. Die nächste Untergrundbahnhaltestelle Rond Point des Champs Ely- söes. Teleph. Invalides 62—70. Der beste Pilsner Urqpell. Prager. Selch wäre auf der Pariser Ausstellung. Böhmische Küche. Achtung! Vertauschen Sie nicht mit dem offiziel- len tschechoslow. Pavillon." Die„Wissenschafts-Sektion“ sollte sich einmal mit der Aufgabe befassen, richtige deutsche und(übrigens auch französische) Texte zu schreiben. Reklameschriften, die in internationalen Zügen auf liegen, sind V i s i- tenkarten, die ein Staat abgibt! AdolSErnst-Schacht In Schönfeld vor der Einsteliuns Seit Monaten besteht die Sorge, ob der Ernst-Adolf-Schacht in Schönfeld weitergeführt werden kann. Die Verbände der Arbeiterschaft waren ständig bemüht, der Belegschaft Sicherheitsgarantien zu schaffen, daß nicht eines Tages hundert Bergarbeiter brotlos würden. Dieser Tage beschäftigte sich abermals eine Konferenz, an der Vertreter des Reviebbergamtes in Teplitz- Schönau, der Nussiger Bezirksbehörde, des Vereines für chemische und metallurgische Produktion und der Bergarbeiter, teilnahmen, mit der Angelegenheit und prüften besonders die Frage, ob das südlich bei der Bahn befindliche Gelände als Nutschterrain zu bezeichnen sei. Nach Verlesung eines Gutachtens wurde eine Begehung des Geländes borgenommen. Die Vertreter der Brücher Kohlenwerke, der der Schacht gehört, gaben eine Erklärung ab, daß durch do^s Gutachten des Sachverständigen und die Begehung naMgewiesen wurde, daß ein Abbau der südlich der Bahn gelegenen Grubenteile wegen der Rutschgzfahr und der damit zusammenhängenden Gefahr für den Bahnbetrieb nicht in Frage kommt. Der Abbau könnte'nur mit Völlversatz durchgeführt werden — und das wäre nicht rentabel. Die Vertreter der „Chemischen" erklärten, daß eine Uebernahme der Belegschaft und des restlichen Grubonfeldes für die Gesellschaft nicht in Betracht komme. T Einen besseren sinkst du nit. G-a n z scharf muß allen entgegengetreten wer den, die seine Korrektheit im internatio» nalen Verkehr bezweifeln; Nur immer scharf ran an die Bandel Denn nur Angst vor der Wahrheit könnte die Ursache einer solchen unverständlichen Behauptung sein. ... Ein Pionier hat Feinde.., Wer gestalten will, muß seiner Zeit voraus sein... Lange Zeit hat man Heinz RuthaS erzieherisches Wirkennicht verstehen wollen— diese böse Zeit wäre ja jetzt vorbei, es schien zu wenig auf den praktischen Einsatz gerichtet zu sein. Auch darüber ist man jetzt im klaren. Die polittsche Erneuerung war überhaupt nur möglich durch eine Erneuerung des deut« schenMenschen. Das ist der Puntt, wo Erziehung und Politik sich immer berühren müffen.• Ein dunkler Punkt. Dem Rutha aber war es klar, daß es darauf ankomme,»sudetendeutsche junge Männer„ins Ausland zu bringen". Henleins Werk wurde geschmälert Es ist an der Zeit, diesen Niedrigdenkenden durch* die nüchterne Feststellung des Geleisteten entgegenzutreten. Es ist an der„Zeit", dies zu tun, das meinen wir auch. Und auch wir glauben wie der Biograph, daß alles da bekunde, wie unwegdenkbar Heinz Rutha mit dem sudetendeutschen Neuwerden... führend ver« knüpftist., Wir geloben es: wir wollen ihn nie wegdenken- aus diesem Werden! Tagung des Institutes für deutsche Volksbildung Das Institut für deutsche Volksbildung, dessen Aufgabe es ist, die Bestrebungen des Ministeriums für Schulwesen und BollSkultur bei der Durchführung der Gesetze über die staatsbürgerliche Erziehung, die Gemeindebüchereien und die Gemeindegedenkbücher zu unterstützen und auf Grund dieser Gesetze für die Ausgestaltung und Vertiefung der öffentlichen Bildungspflege zu sorgen, beruft.für den 13. und 14. November eine Tagung derBez i r k s- und Stadtbildungsausschüsse als aüch der beratenden Mitglieder ein. Diese Tagung, die im wesentlichen als Arbeitstaggedacht ist, wird sich u, a. auch mit der Frage der Wehrerziehung, deS Filmes, des Rundfunkes usw. befassen. Anfragen an das Institut Prag X, Vitkova 14. Geile 4 Sonntag, 10. Oktober 1937 Nr. 23» Heute Kantonalwahlen in Frankreich 3600 Selbstverwaltungsmandate werden besetzt Paris. In ganz Frankreich, mit Ausnahme von Paris und des Pariser(Seine-). Departements, welche ein eigenes Selbstverwaltungsregime' besitzen, finden am 10. Oktober Er- gänzungsbezirks Wahlen statt; in einer Woche darauf entscheiden dann engere Wahlen. Es handelt iich um ungefähr 3600 Be- zirksräte, die gewählt werden, und zwar annähernd 1600 Mitglieder der sogenannten Be- zirkSgeneralräte(Conseils gLneraux) und um ungefähr 2000 Mitglieder der Bezirksvertretungen(conseils d'arrondessements), deren sechsjähriges Mandat erlischt. Die Mitglieder der Generalräte waren poli- tisch wie folgt gruppiert: Radikale und republikanische Sozialisten 702 Mandate, Sozialisten 160 Mandate, Kommunisten 6 Mandate, Nationale und Gemäßigte 641 Mandate. Nach der Stimmenzahl sah das Bild, gemäß der amtlichen Statistik, wie folgt aus: Zahl der eingeschriebenen Wähler: 8,534.368; Zahl der stimmenden Wähler: 3,608.240. Es erhielten die Konservativen 147.722, die Republikanische Föderation 657.462, die Republikanische Linke (Mitte) 473.04, die Unabhängigen Radikalen 275.902, Radikalsozialisten 939.817, Republikanische Sozialisten 148.435, Sozialisten 5 7 4.6 14, Kommunisten 175.162 Stimmen. Es ist auf den ersten Blick klar, daß das Wahlsystem sich stark zuungunsten vor allem der Sozialisten und Kommunisten ausgewirkt hat, die nicht annähernd so viel Mandate besitzen wie sie nach dem Verhältnis-Wahlrecht erhalten hätten. Seit dem Jahre 1931 hat sich die innerpolitische Lage in Frankreich bedeutend geändert. Die Sozialisten, die Kommunisten und die Radikalen standen sich damals gegenüber und zum Großteil behielten sie im zweiten Wahlgang getrennte Kandidatenlisten. Bei den Ergänzungswahlen im Oktober des Jahres 1934, als eine bedeutende Verschiebung nach links erfolgte, versuchten die Parteien damals zum ersten Mate im Führerworte zum Fall Rutha Goebbels („Der Angriff" 2. Juli 1934): „Ohne Widerstand zu finden, können wir in dar Haus eindringen und die Verschwörergilde noch beim Schlaf überraschen und sofort dingfest machen. Der Führer selbst nimmt die Verhaftung mit einem Mut ohnegleichen persönlich vor." „Es sei mir erspart die widerlichen und fast Brechreiz verursachenden Szenen zu schildern, die sich dabei unseren Augen bieten." „Sie haben durch Protzentum und Schlemmereien den Gesetzen der Bewegung auf Einfachheit und persönliche Sauberkeit offen Hohn gesprochen. Sie, waren im Begriff, die ganze Führung der Partei in den Verdacht einer schimpflichen und ekelerregenden sexuellen Abnormität zu bringen.", Offizieller Pressebericht: ,Zn dem unmittelbar gegenüberliegenden Zimmer von'Heines bot sich den Eintretenden ein schamloses Bild. Heines lag mit einem homosexuellen Jüngling im^Bett. Die widerliche Szene, die sich dann bei der Verhaftung von Heines und seinem Genossen abspielte, ist nicht zu beschreiben. SD wirft schlagartig ein Licht auf die Zustände in der Umgebung des bisherigen Stabschefs." Hitler vor dem Reichstag: „Das schlimmste aber war, daß sich allmählich aus einer bestimmten gemeinsamen Veranlagung heraus, in der SA eine Sekte zu bilden begann, die den Kern einer Verschwörung nicht Nur gegen die Moral, sondern auch gegen die Staatssicherheit abgab." „Ich habe den Befehl gegeben, die Geschwüre unserer inneren Vergiftung auszubrennen bis auf das rohe Fleisch." Zwei Tote auf den Schienen. Am 8. Oktober ist unweit der Station Starä Turä der Strecke Veselh n. Mor.— Nove MLsto n. Väh. der 45- jährige Robert Stepänek von dem Personenzug Nr.«1602 überfahren und getötet worden. Stepänek war geisteskrank. Die Ursache des Unglückes wird von der Maatsbahndirektion Brünn erhoben. Samstag um 7 Uhr wurde in der Station Otrokovice der Vertragsarbeiter Josef Kris- thnek von dem Lastzug Nr. 1181 erfaßt und getötet. KriZthnek war an einen Mast der elektrischen Leitung angestoßen, aus dem Gleichgewicht und damit unter die Räder des Zuges geraten. Fünfzehn Arbeiter unter erttgrstürztem Dach. In einer Fabrik in Brescia(Italien) stürzte das Dach einer Maschinenhalle, an dem Ausbesserungsarbeiten vorgenommen wurden, ein und begrub 15 Arbeiter unter den Trümmern. Zwei Tote und acht Schwerverletzte wurden geborgen. Drei englische Offiziere in Palästina abge-, stürzt. Das englische Ministevium für Flugwesen teilt mit, daß Freitag bei einem Flugzeugun-1 zweiten Wahlgang gemeinsam, vielfach jedoch noch ohne Kommunisten, vorzugehen. Diese Solidarität der Parteien der Volksfront, welche bei den Parlamentswahlen im Vorjahre zum Ausdruck kam und dem Parlament sowie der Regierungsmehrheit in Frankreich ein anderes Gepräge gab, wird in der Mehrzahl der Fälle auch bei den gegenwärtigen Bezirkswahlen be ibehalt e n werden. Im ersten Wahlgang kandidieren alle Parteien der Volksfront(Sozialisten, Kommunisten, Radikalsozialisten und republikanischsozialistische Vereinigung) gesondert, um ihre Kräfte zu messen und erst im zweiten Wahlgang besteht die Absicht, die Parteidisziplin derBolksfront für denjenigen Kandidaten, der im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhielt, in Wirksamkeit treten zu lassen. In zahlreichen Bezirken macht sich unter den Radikalen die Tendenz gegen den Kommunismus geltend. Die Oppositionsparteien und-Gruppen aus den Reihen der Rechten und der Mitte kandidieren größtenteils selbständig; in der letzten Zeit waren jedoch in den Landbezirken Bestrebungen rin Gange, die Kandidatenlisten zu einer sogenannten Nationalen Bereinigung, der„Freiheitsfront" u. ä. zu koppeln. Die Wahlen werden in politischen Kreisen mit großem Interesse als Zeiger der gegenwärfigen politischen Gesinnung erwartet. Um die Wahl, bzw. Wiederwahl in die De- zirksräte bewerben sich auch acht Minister, darunter der Minister des Innern D o r m o y und Finanzminister Bonnet sowie fünf Unterstaatssekretäre. Weiters bewerben sich 182 De- putierte und 84 Senatoren aller Parteischattierungen. Es befinden sich unter ihnen z. B. Kammerpräsident H e r r i o t, der in Lyon kandidiert, der Obmann des Finanzkomitees des Senats Caillaux und der Vorsitzende des Außenausschusses der Kammer Mistler. glück in Palästina drei Offiziere ums Leben kamen. Das Flugzeug stürzte bei Mudavary ab. Ein Lukas Crgnach gestohlen. Aus dem städtischen geschichtlichen Museum in Leipzig wurde Samstag ein wertvolles Oelgemälde von Lukas Cranach gestohlen. Das Bild stellt Moses mit den Gesetzestafeln und im Hintergründe daS Lager der Israeliten dar. Das Bild hat eine Größe von 33X21 Zentimeter und wird auf mindestens 25.000 Reichsmark geschätzt.- Obzwar der Diebstahl bald entdeckt wurde, ist es dem Täter gelungen, unerkannt zu entkommen. Ein« furchtbave Familientragödie hat sich in Eberstvalde, nördlich von Berlin, abgespielt. Der 37 Jahre alte Ehemann Czech, seine Frau und seine drei Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren wurden nach einer heftigen Schießerei, die von den Hausbewohnern vernommen worden war, in ihrem Blute liegend aufgefunden. Die Frau und zwei Kinder waren bereits tot, während der Mann und das älteste Kind mit dem Tode ringen. Czech scheint d^e Tat auf Grund einer Gemütsdepreffion verübt zu haben. -rb- Den Abschluß der freitägigen Verhandlung bildete die Einvernahme der Mutter der An-, geklagten Antonie Havlik. Die Zeugin schildert, wie sie ihrer Tochter von der Heirat mit dem OGR Velgo abgeraten habe, der um soviel älter war und mit dem ein glücklicher Eheleben nicht zu erwarten war, wie sich gleich aus seiner Forderung ergab, daß seine Gattin bei ihren Eltern wohnen sollte. Im weiteren Verlauf dieser abnormalen Ehe habe sich OGR Velgo um seine Gattin wenig gekümmert und zu deren Lebensunterhalt im ganzen nur zweimal je 200 KL beigesteuert und auch dies erst nach dringlicher Aufforderung. Bei dieser Gelegenheit habe er sich in so verletzender Weise zu seiner Frau geäußert, daß diese ihm das Geld vor die Füße warf. Im übrigen mußten sich die Eltern um den Lebensunterhalt ihrer mit dem Herrn Obergerichtsrat verheirateten Tochter bekümmern, obwohl ihr Vater auf die Arbeitslosenunterstützung angewiesen war... „Der vierte Verhandlungstag" brachte die Einvernahme der 51jährigen Schwester des ermordeten Obergerichtsrates, der Lehrerin Irene Velgo. Di« Zeugin erklärte nach Belehrung durch den Vorsitzenden, daß sie sich als Schwägerin der Angeklagten der Zeugenaussage enffchla- gen könne, aussagen zu wollen, weil dies die„höhere Gerechtigkeit" erfordere. Die Zeugin berichtet, daß sie seinerzeit im Jahre 1934 von einer Bekanntschaft ihres Bruders mit einem sehr leichtsinnigen Mädchen erfahren habe. Im Jahre 1935 habe Obergerichtsrat Velgo ihr von seinen HeiratS- plänen mit der Angeklagten Mitteilung gemacht, worauf fie ihm unter Hinweis auf den Altersunterschied und auf di« Persönlichkeit der Angeklagten abgeraten habe.(Marie Belgo ist eine ehemalige Schülerin der Zeugin.) Die Zeugin schildert die große Liebe d«S ermordeten OGR Velgo, die dieser ihrer Darstellung nach zu seiner Gattin bekundet habe.„Wünsche mir Glück, fie hat mich gern".. so habe sich dieser in jener Zeit mehrfach geäußert und keinerlei Vorstellungen seiner Verwandten Gehör geschenkt, die ihm vorhielten, daß eine solch« Ehe nicht zum guten ausschlagen könne. Besonders habe sich ObergerichtSrat Velgo darauf berufen, daß seine Braut davon wisse. Fliegerhavarie bei Malarky, Freitag abends havarierte beim Neben von Nachtflügen auf dem Flugplatz in Malacky ein Militärflugzeug nut einer zweigliedrigen Besatzung. Beide Mitglieder der Besatzung wurden am Kopfe verletzt. Der Pilot-Korporal Oldtich Srsen leicht, der Schütze- Korporal Herman Trnka ernster. Beide wurden in das Militärkrankenhaus in Prcßburg übergeführt. Ein ungewöhnlicher Berkebröunsall ereignete sich in dem Ort Gary in Indiana(USA). Hier stießen zwei Kraftwagen auf einem Bahnübergang in dem Augenblick zusammen, als ein Eisen- bahnzug die Strecke passierte. Beide Autos wurden von dem Züge erfaßt. Sieben Personen kamen ums Leben, vier wurden schwer verletzt. Die Elektrifizierung Schwedens. In Schweden ist die Elektrifizierung sehr verbreitet. Dies ermöglicht vor allem die große Zahl von Wasserfällen und es erfordert dies andererseits der Mangel an Petroleum und Kohle. Der Staat ist der Besitzer mehrerer großer Elektrizitätswerke, die auch von ihm verwaltet werden. Die dort gewonnene Elektrizität wird von den Staatsbahnen und den großen Industrie-Unternehmungen verwendet. Im Jahre 1936 wurden an Hand einer amtlichen Stafistik 7413 Millionen Kilowattstunden erzeugt und verbraucht, d. i. um 7.5 v. H. mehr als im Jahre 1935. Auch in der Zeitspanne bis Ende September 1937 zeigt sich ein weiterer Ansteigen der Erzeugung von elettrischer Energie, deren Verbrauch etwa 7700 Millionen Kilowattstunden ausmacht. Die Verlesung der Gewinste der 5. Klasse der Klaffenlotterie wird am 18. Oktober 1937 beginnen und wird am 19., 20., 21., 22., 23., 25., 26., 27., 29., 30. Oktober und 2- 3., 4., 5., 6., 8., 9., 10. und 13. November 1987 um 8 Uhr fortgesetzt werden. Verlost werden im ganzen 47.010 Gewinste und eine Prämie von 1,000.000 KL im Gesamtbeträge von 39,646.000 KL, welche den Spielern ohne Abzug auSgezahlt werden. Von-höheren Gewinsten werden auSgelost: Ein Gewinn zu 1,000.000 Kd, einer zu 800.000 KL, einer zu 200.000 KL, einer zu 100.000, zwei'zu je 90.000, zwei zu je 80.000 KL, zwei zu je 70.000 KL,, zwei zu je 60.000 KL, zwei zu je 50.000 KL, drei zu je 40.000 KL, vier zu je 30.000 KL, 85 zu je 20.000 KL, 100 zu je 10.000 KL, 460 zu je 5000 KL, 1800 zu je 2000 KL ufw. Die Gewinnröllchen der fünften Klaffe werden am 16. Oktober 1937 um 10 Uhr öffentlich in daS.Glücksrad eingeschüttet werden. Keine Wetteränderung zu erwarte«. Aus einem Gebiet höheren Drucks, daS SamStag nachmittags zwischen Island und den britischen Inseln lag, wird noch in den nächsten Tagen Mitteleuropa mäßig kühle und feuchte ozeanische Luft zuftrömcn. Es ist daher zu erwarten, daß der Himmel bei uns auch am Sonntag ziemlich bedeckt bleiben wird. In der Wh« von Gebirgskämmen und besonders im Osten des Staates dürfte zeitweise noch leichter Regen oder Sprühregen auftreten. Die Temperaturen werden in den westlichen und mittleren Teilen des Staates wenig unter dem Normale verbleiben und auch in Karpathorußland wird voraussichtlich bereits ein Temperaturrückgang eintreten. Wahrscheinliches Wetter Sonntag: Ziemlich bewölkt, zeitweise noch leichter Regen oder Sprühregen, besonders im Osten des Staates, in den böhmischen Ländern Temperaturschwankung um 10 Grad, in Karpathorußland Abkühlung. Ruhig oder schwacher Westwind. Wetter- auSsichten für morgen: Veränderlich, nur ganz vereinzelte Schauer, vergrößerte Tagesschwankung der Temperaturen, Rordwestwind. daß er infolge des Hauskaufes, der nur durch ein Darlehen seines Schwagers ermöglicht wurde, durch welches er sich mit 40.000 KL verschuldete, in bedrängten finanziellen VerhälMiffen befinde und er von der Uneigennützigkeit ihrer Liebe überzeugt sei. Der Vorsitzende Hielt hier zum erstenmal der Zeugin vor— und dies wiederholte er noch mehrere Male, daß in ihrer Aussage Widersprüche zu Tatsache« zutage träte«, die d«rch andere absolut verläßliche Zeugen festgestellt feie«. Die angeblich so große Liebe des OGR Velgo zu seiner Oattin steht allerdings in keinem rechten Einklang zu der Tatsache, daß er ihr jedes Zusammenleben verweigerte, ihr die notwendigsten Mittel zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes versagte, sie vor seinen Bekannten verleugnet« und alle Vorkehrungen traf, die Ehescheidung um jeden Preis herbeizuführen. Im weiteren Verlauf« ihres Verhörs äußerte die Zeugin die Vermutung, daß ihr toter Bruder die Angeklagte mit allen erdenklichen Annehmlichkeitenüber- schüttet haben würde, wenn diese mit der Ausführung des Mordplanes wenigstens solange zugewartet hätte,'bis das Kind»zur Welt gekommen wäre. Der Vorsitzende bemerkte hiezu, daß eS sich bei dieser Behauptung nur um Hypothesen der Zeugin handle, da verschiedene Zeugen über di« besondere Sparsamkeit des OGR Velgo Zeugenschaft abgelegt hätten. In ihrer weiteren Aussage deutete die Angeklagte an, daß ihr Bruder durch sein Verhalten zu erkennen gegeben habe, daß er von seiner Frau irgendetwas befürchte, dem er sich nicht Ausdruck zu geben getraute. Der Vorsitzende hielt der Zeugin neuerlich unter Hinweis auf die bisherigen Ergebnisse deS BeweiSverfabrenS die Unglaubwürdigkeit ihres Vorbringen- vor. Einen bemerkenswerten Punkt dieses Zeugenverhörs bildete die Auseinandersetzung um d«S Testament des Ermordeten, daS erst nach vielen Monaten in einem Haufen amtlicher Drncksorten bei Ausräumung der Badezimmer? der Wohnung VelgoS aufgefunden wurde. Auf Befragen des Verteidigers erklärt die Zeugin, sich einen Passus gemuckt zu haben, der da lautete:„Ich ent« Insklp fordert Rüstungsverstärkung London. Der Minister für Rüstungen Sir Thomas Jnskip warnte Freitag in einer Versammlung vor jeglichem Abenteuer, denn Großbritannien trage eine große Verantwortung:„Die übrigen europäischen Nationen, von denen eingroßer Teil mit uns in sehr freundschaftlichen Beziehungen lebt, wenden sich an uns und richten ihr Vorgehen nach unserem Verhalten ein. Wir müssen aber unsere Rüstung verstärken, um genug stark zur U e b e r n a hm eder Führung zu sein. Der Minister erwähnte den Erfolg des britischfranzösischen Vorgehens im Kampf gegen di« Piraterie und erklärte, es sei kein Grund, den Kopf zu verlieren; bewahren wir die Ruhe, welche unsere phlegmatische Raffe so auszeichnet. Bezeichnend ist, daß der Minister die zahlreichen Briefe erwähnte, in welchen Maßnahmen gegen Japan verlangt werden. erbe meine Gattin und vermache meinem Kinde sein gesetzljcheS Erbteil!" Der Verteidiger konstatiert als psychowgisch bemerkenswerte Tatsache, daß der Zeugin, die sich sonst den Wortlaut gut gemerkt hatte, die darin enthaltenen Worte„mit Bedauern" aus dem Gedächtnisse entschwunden sind. Der weitere Zeuge, Polizeikommiffär Dr.Heinrich P r o ch ä z k a, der über die polizeiliche Einvernahme der Belgo einvernommen wurde, wurde von dem Verteidiger befragt, ob ihm bekannt sei, daß der Ermordete Beziehungen-zu jungen Mädchen unterhalten habe. Als der Zeuge sich an den Vorsitzenden mit der Frage wendete, ob er in öffentlicher Verhandlung auf. diese Frage antworten müsse und der Unklagevertreter Prokurator Dr. Lexa den Ausschluß der Oeffeyflichkeit beantragte, zog Dr. Loria seine Frage zurück mit dem Hinweis, daß ihm di« Antwort des Zeugen genüge. Als^letzter Zeuge der Samstagverhandlung wurde der Brünner Advokat Dr. Kreutz«übernommen, der von der Angeklagten als Anwalt in der Scheidungssache in Aussicht genommen, worden war. Als er den OGR. Velgo in seine Kanzlei einlud, erklärte sich dieser in aufgeregtem Ton als„Bettler". Als Dr. Kreutz kurz nach dem Mord als Kurator des noch nicht geborenen Kindes bestellt wurde, wie eS das Gesetz in solchen Fällen vorschreibt, hatte er Gelegenheit, die Wohnung deS Ermordeten näher kennen M lernen. Die abschreckende« Schilderungen von der Unsauber- keit des OGR. Belg», die von früheren Zeugen gegeben worden waren, fanden ihre Ergänzung in dieser Zeugenaussage. DaS Bett, in welchem Velgo schlief, sei unbeschreiblich schmutzig gewesen, in der Speisekammer, die sich als Ablagerungsstätte stinkender Lumpen präsen- tierte, herrschte eini gräßlicher Geruch. Im weiteren Verlauf der Behandlung kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen dem Verteidiger und dem Privatbeteiligtenvertteter, bzw. dem Staatsanwalt, als der Verteidiger die Vermutung äußerte, daß Mädchen, die von OGR. Belg» schwanger grwor. den Warrn, diesem Schuldverschreibungen für die Koste» der Fruchtaitreibungen unterzeichnen mußten, was den Zeugen durch verschiedene Gespräche mit richterlichen Funkttonären bekannt sein dürfte. Der Zeuge ersuchte unter Berufung aus die Bestimmungen der Sttafprozeßordnung, vor der Beantwortung dieser Frage entbunden zu werden, da sie geeignet sei, ihm in beruflicher Hinsicht Schaden zu verursachen. Daraufhin zog der Verteidiger seinen ursvrünglichen Anttag. in die Korrespondenz des Privatbeteiligtenvertreters Dr. Lochmann zur Erhärtung dieser Angaben Einsicht nehmen zu dürfen, zurück, der jedoch vom Staatsanwalt ausgenommen wurde, zumal der Zeug« Dr. Kreutz noch erklärte, bei einem Besuch« eine solche Verschreibung selbst gesehen zu haben. Der Schwurgerichtshof lehnte den Antrag ab und vertagte hierauf die Verhandlung auf Montag. Vom Rundfunk Empfehlenswertes«es den Programmen: Montag Prag, Tender I: 10.05: Deuffch« Presse. 14.05: Deuffche Sendung: Dr. Schmid: Industriebilanz. 16.35: Aus Schubertliedern. 18.10: Deutsche Sendung: Ueber gute und schlechte Nahrungsmittel, Dr. Maras besichtigt das Institut für Nahrungsforschung. 18.45: Deutsche Presse. 21.05: Schubert: Geigenquintett.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Aus Wäldern und Feldern, drei Studien von Urzidil. 14.55: Deutsche Presse. 18.10: Lieder von Dvotäk.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Jng. Kürschner: Der Kampf gegen das Altern'— Berufsberatung.— Preßburg: 16.35: Klavierkonzert. 17.40: Violoncellokonzert. 19.15: Rundfunkorchesterkonzert.— Kascha«: 15.80: Rundfunkorchesterkonzert. — Kascha«: 15.80: Rundfunkorchesterkonzert: FuLik, Friml etc.— Mähr.-Ostra«: 12.35: Rundfunkorchesterkonzert. 18.10: Deutsche Arbeitersendung: Rohnar: Au» dem Leben des Dicht«-Autodidakten Josef Schiller,— Klavierkonzert. DienStag Prag, Sender Ir 7.00: Morgenmusik. 10.05; Deutsche Presse. 10.15: Deutsch« Sendung: Bildung der Mütter. 11.05: Rundfunk für deuffche Schulen. 12.35: Orchesterkonzert FlOK: Bizet, Nedbal etc. 14.00: Deuffche Sendung: Dr. Eisner: Aus dem ffchechoslowakischen Kulturleben. 18.Ist: Deuffche Sendung: Legenden von Feix, Vortragender Trapp- schuh-Branden. 18.45: Deutsche Presse. 20.20: Violoncellokonzert. 20.55: Novak: Herbstsinfonie.— Prag, Send« II: 14.20: Deutsche Sendung. Oskar Baum: Ueber die Liehe. 14.55: Deuffche Presse.— Brünn: 17.40: Deutsche Arbeiterfandung: Sozial- insornmtionm; Hünlinger: Arbeitsgruvven dm arbeitslosen Jugend.— Preßburg: 15.80: Rundfunkorchesterkonzert. 17.30: Brahms: Trio für Klavier. Geige und Waldhorn.— Kascha«: 19.15; Rundfunkorchesterkonzert. Der vierte Tas des Velso-Prozesses Die Zeugenschaft der nächsten Verwandten Nr. 239 Sonntag, 10. Oktober 1937 Seite 5 und VÜI» OTrlilWmlr*f Vlv VCSIWlf vu|j|lv llul Wil• j—.. e.«»... Dauer ist, soweit die Mükti7nWMvor der Frage,«ck^wir bv »i» vier der Stimme enthalten; gegen die Resolution stimmte keiner. Hingegen stimmten zehn Regie- rnngsvertreter für die Resolution. Die zwanzig Stimmen für die Entschließung Godart-Lubin stammen also von den acht Arbeiterdelegierten, zehn Regierungs- und zwei Unternehmerdelegierten. die Forderungen des Sowjetverbandes nicht zu- friedenstellen kann. Dieser Umstand bietet für die weitere Entwicklung der tschechoslowakischen Ausfuhr nach UdSSR günstige Aussichten. beim Begräbnis der Monaten, hatte er zu vertreten; bald (bn.) durch den Eingriff der Staatsmacht auf legislativem oder administrativem Wege gelenkt werden muß. Die lebte große Wirtschaftskrise war gerade deshalb ein Markstein in der Entwicklung der wirtschaftlichen Zivilisation von der industriellen Revolution bis zur jüngsten Zeit. Die Lücke zwischen Wirtschaftskrise und Konjunktur mußte durch die dirigierte Wirtschaft ausgefüllt .werden. Vie allgemeine 40-Stundenwoche auf die nächste Internationale Arbeitskonferenz Vom Verwaltungsrat des IAA mit 20 gegen 6 Stimmen beschloßen Die Resolution Godart-Lubin, die am Freitag von den Vertretern der französtschen und der nordamerikanischen RegierMg dem Verwalnrngsrat des IAA vorgelegt worden ist, Wurde am Samstag mit 20 gegen 6 Stimmen angenommen. Damit hat der Berwaltungsrat entschieden, daß die Berallgemeinetung der 40-St«ndenwoche auf die Tagesordnung der Internationalen Arbeitskonferenz im Jahre 1938 gesetzt wird. Bei dem umständlichen Verfahre» bedeutet dies, daß im kommenden Jahr über die Frage i n er st er Lesung verhandelt werden wird, worauf die Regierungen befragt werden müssen? Die Ergebnisse würden dann im Jahre 1939 durchberaten werden. In bezug auf die Arbeits zeit in der Landwirtschaft wurde der Resolu- tionsantrag entsprechend beschlossen, daß diese Angelegenheit vom Berwaltungsrat geprüft wer den soll, sobald der Bericht der im Fever 1938 zusammentretenden Ständigen landwirtschaftli chen Kommission vorliegen wird. Eine Konvention oder eine Empfehlung über die Allgemeinheit der Arbeitszeitverkürzung ist demnach vom IAA sobald nicht zu erwarten. Die Abstimmung am Samstag hat aber gezeigt, daß der Widerstand der Unternehmer, so sehr sich ihr radikaler Flügel bemühM, doch nicht mehr ein flußreich genug ist,, um eine geschloffene Front gegen die Arbritersorderungen zustandeznbringen. Die sechs Stimmen, welche fich gegen die Resolu tion erhoben» stammen durchwegs von Unterneh merdelegierten, doch mit Ausnahme der franzö sischen und amerikanischen Vertreter, die zwar nicht für die 40-Stnndenwochr eintreten, aber der internationale» Behandlung nicht widerspre chen. Bon den Regierungsvertretern haben sich Wirtschaftsbeziehungen der CSR— Sowjetunion Der„Welthandel" bringt einen Artikel über die Handelsbeziehungen der Tschechoslowakei mit der Sowjetunion, dem wir folgendes entnehmen: Der gesamte Außenhandel des Sowjetper- Vernachlässigung des Konsumenten — der Keim der Krise Die Genossenschaften zum Staatsvoranschlag Die Jnteressenzentrale, der Genossenschafts- verbände hat an die Regierung und die andern zuständigen Stellen ein Memorandum gerichtet, in welchem sie Stellung nimmt zu den Nachrichten über die Bedeckung des Staatsvoranschlages für das kommende Jahr. Die Zentrale stellt fest, daß die Verbraucher sich dessen bewußt sind, daß vor allem die zur Verteidigung des Staates notwendigen Mittel in genügendem Maße zur Verfügung gestellt werden müssen. Sie betont jedoch, daß die Kräfte der von der Zentrale vertretenen Schichten und der armen Bevölkerung Äerhaupt infolge der jahrelangen Krise erschöpft sind und die Einkommen der erwerbstätigen Bevölkerung bei weitem noch nicht das Vorkrisenmaß erreicht haben. Das Memorandum verweist darauf, daß den Nutzen aus der Konjunktur die großen Bank- und Jndustriekonzerne haben, deren Besteuerung ihren Gewinnen nicht entspricht. Die Genossenschaftsvcrbände führen daher aus, daß sich das Augenmerk der entscheidenden Stellen auf diese Tatsachen wenden müsse und daß sie trachten sollen, dem Verbraucher so wenig indirekte Steuern wie möglich aufzubürden, weil jede Preiserhöhung die Mittung des Lebenshal- tungsniveaus zur Folge hatte. Das Memorandum spricht das Vertrauen aus, daß die Regierung dies nicht zulasten und alles tun werde, um die besitzenden Schichten in größtem Maße zur Zahlungsverpflichtung heranzuziehen. Freitag übends wurden die Delegierten an der IAA-Tagung vom Ministerpräsidenten Dr. Hodza empfangen, der in seiner Ansprache über wirtschaftliche Probleme u. a. folgendes sagte: Wenn Wir die wirtschaftliche Besserung als eine Tatsache dieses Jahres konstatieren, so wollen wir nicht bloß vom Ruhm der Konjunktur sprechen, sondern auch davon, was diese Konjunktur bedrohen könnte. .; Jede, Konjunktur, die vergißt, daß sie nur von fk-i_ in fjfi.'j.Ji Li/•»^■•■.•1!*^..»jx* Konsumenten rechnen kann, trägt den Keim der Krise in sich. Denken wir daran, daß sich unter ihren entscheidenden Ursachen die trügerischen und gefährlichen Hoffnungen befanden, die sich auf eine U e b e rt Produktion stützten. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre wäre es direkt eine Tragik der Weltwirtschaft, wenn sie nach einigen wenigen Jahren wiederum in dieselbe Unvernunft verfiele. So wie Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen und sozialen Faktoren der Erzeugung bestehen muß, so muß auch Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsum bestehen. Wenn dir» ses Gleichgewicht gestört wird, so bleibt nichts anderes übrig als anzuerkennen, daß sich die Wirtschaft nicht nach ihren eigenen ungeschriebenen Gesetzen zu richten vermag und daher bandes weist in der ersten Hälfte 1937 eine bedeutende Erhöhung aus, und zwar auf Grund der Sowjetstatistik von 1.23 auf 1.31 Milliarden Rubel. Hievon entfallen auf die Ausfuhr 634.5 (566.5), auf die Einfuhr 673.8(661.3) Milliarden Rubel. Unsere Ausfuhr nach der UdSSR weift im Vergleich mit 1936 einen bedeutenden Rückgang aus. In der ersten Hälfte 1936 haben, wir aus dem Sowjewerband Waren im Werte von 53.462 Millionen X£ eingeführt und dorthin Waren für 138.289 Millionen XL ausgeführt. Der Rückgang des tschechoslowakischen Außenhandels mit der UdSSR beläuft sich im ersten Semester 1937 auf insgesamt 68.564 Millionen XL, was sich aus dem Rückgang der Ausfuhr von 75.232 Millionen XL und der Erhöhung der Einfuhr um 6.668 Millionen XL ergibt. Die Ursache des Rückganges der tschechoslowakischen Ausfuhr nach dem Sowjetvevband ist darin zu suchen, daß die bereits im Vorjahr be- stätigten und auf das heurige Jahr übertragenen Sowjetbestellungen bis auf das dritte Quartal 1937 verschoben wurden. Tschechoslowakische Firmen. die sich vor allem mit der Erzeugung von Bestandteilen für Jndustriemaschinen sowie für das für Maschinenreparaturen notwendige Material und verschiedene Ergänzungen technischer Einrichtungen befassen, erhielten bereits Bestellungen der UdSSR, die auf einigen Gebieten eine" bedeutende Höhe erreichen. Der Hauptgrund des Bestellungsrückganges aus dem Sowjewerband in der Tschechoslowakei liegt in der Tatsache, daß der von der UdSSR in der Tschechoslowakei angeforderte Jndustriekredtt nicht verwirklicht wurde. Im Rahmen des bestehenden deutschen Kredits vergibt der Sowjet- verband bedeutende Bestellungen an Deutschland, welches bekanntlich mit Rohstoffmangel kämpft und infolgedessen ebenso wie wegen seines Ouali- tätsrückganges seiner Erzeugnisse in viele» Fällen Die Erfolge der^lrbeiterregierung in Neuseeland (I. I.) Der außerordentliche Erfolg der neuseeländischen Arbetterregierung, der ihr bereits, geradezu Weltruhm eingetragen hat, kam deutlich in deut Budget zum Ausdruck, das dec Finanzminister Nash vor kurzem eingebracht' hat. Die Gesamtausgaben der Regierung werden um rund 3,7 Millionen Pfund erhöht; davon werden 2,25 Millionen für zusätzliche Sozialausgaben, 349.000 für Mehraufwendungen für das Schul- und Unterrichtswesen und 585.000 zur Verstärkung dec Landesverteidigung verwendet. Alle diese Ausgaben erfolgen ohne Neuem- führung oder Erhöhung von Steuern. Die Ausgaben für öffentliche Arbeiten werden von rund zehn Millionen auf rund 17 Mil- lionen Pfund erhöht. Neubauten von Eisenbahnen, Straßen, Wasserkraftanlagen, sowie öffentlichen Gebäuden sind in Aussicht genommen. Die Regierung der Arbeiterpartei Neuseeland hat also, wie aus diesen Zahlen klar hervorgeht, dem Lande nicht nur nicht bÜB Finanzkrise gebracht, die ihre kapitalistischen Gegner prophezeit hatten, sondern im Gegenteil eine Periode bisher nie gekannten wirtschaftlichen Aufschwungs. Seitdem die Arbeiterpartei Ende 1935 -die Regierung aittcat, hät skd Lohne üNd Gehälter erhöht, öffentliche-Arbeiten unternommen; die Sozialeinrichtungen ausgestaltet, garantierte' Preise für Agrarprodukte eingeführt, die Bier- zigstunden-Woche durchgeführt und die Zentralbank verstaatlicht. Die Leistungen der neuseeländischen Arbeiterregierung während ihres ersten Amtsjahres sind in übersichtlicher und eindrucksvoller Weise in einer Broschüre zusammengestellt, die den Abgeordneten James Thorn zum Verfasser hat und den Titel führt:„New Zealand's La- bour Government— Jts First Uear of Office" (Neuseelands Arbeiterregierung— ihr erstes Amtsjahr). Zehn Sowjetregierungen erledigt Von den insgesamt elf Republiken der Sowjetunion haben bis jetzt zehn ihre obersten Leiter durch die„Reinigungsaktiön" verloren: Großrußland den Premierminister Sulimow, Weißrußland den Staatspräsidenten Tschewyakow und den Mini-. ster Golodiew(Selbstmord), Usbekistan den Präsidenten Achumbabajew, die Minister E h o j a j e w und seinen Nachfolger Karimow, Turmenistan sein Haupt Altakow und den Vorsitzenden der Regierung Atabajew, Tadschikistan den Präses Schotemor und den Staatslenker und Harembesitzer Rachimbajew, Armenien seinen ersten Mann Anekoglian, Kasakstan den Staatsführer Kulumbetow und seinen erste» Minister I s a j e w, Kirgistan die entsprechend hohen Amtswalter Urasbekow und B^a j a b- Jsakejew und Georgien die zwei höchsten Beamten Macharadse und Mgaloshwili, alte Kampfgenossen und„Freunde" Stalins, Dort hat er übrigens die g e s a m t e Sowjetregierung erschießen lassen und sein jetziger Vertrauensmann B a e r i, ein noch junger Mensch, setzt dieses schaurig« Wßrk unentwegt fort. Noch Mutter Stalins, vor einigen Mgaloschwili beauftragt, ihn darauf ließ er ihn erschießen. _-- rerts'mft Wtn Ende d'er dirigierten Wirtschaft rechnen können. Ich bin der Ansicht» daß der Staat Eingriffe dort vermeiden soll, wo die Wirtschaft sich selbst dirigiert und die Produktion sich nach den Absatzmöglichkeiten und sozialen Interessen richtet. Es bleibt aber ganz augenscheinlich eine Reihe von Sektoren übrig; besonders in der landwirffchaftlichen Produktion und Distribution, wo die Wirtschaft selber, wenn auch ohne Begeisterung, die Notwendigkeit einer dirigierten Wirtschaft noch anerkennt. Was die Tschechoslowakei betrifft, so hat ihre starke Demokratie bereits bewiesen; daß sie Exzesse zu vermeiden versteht, welche die Produktion und ihre Entwicklung oder den sozialen Frieden und seine Voraussetzungen bedrohen" könnten. . Auf die Rede Dr. HodAas erwiderte der Direktor des IAA Butler. Bon den übrigen Berhaudlungspunkten erweckte besondere Aufmerksamkeit der Bericht über die Ergebnisse der dreifeittgen Textilkonfercnz von Washington, die im April d.'J. unter dem Vorsitz von Minister Jng. ReLas stattfand und der Frage der Belebung der Textilindustrie und der Verbesserung der Arbeitsverhältnisse in dieser weltwirtschaftlich wichtigen Produktionsbranche gewidmet war. Es wurde auch die Frage der Mitwirkung der asiatischen Staaten diskutiert, di« auf der Prager Konferenz vollzählig vertreten waren. U. a. wurden sodann noch Fragen betreffend die Steigerung des Lebensniveaus der Bevölkerung im mternationalen Maßstabe behandelt, zu denen die angelsächsischen und australischen Delegierte» die Anregung gaben. Der Berwaltungsrat beschloß, daß die nächste'Tagung der Internationalen ArbeitSkon- ‘ ferenz am 2. Juni 1938 in Genf zusammentritt. Roosevelt zahlt Strafporto. Das Sekretariat des Präsidenten hat sich mit einer Information an die Oeffentlichkeit gewandt, die schon fast«ine Beschwerde ist. Es wird nämlich mitgeteilt, daß der Präsident im Laufe des letzten Jahres nicht weniger als 9600 Dollar» Strafporto hat zahlen müssen. Er ist selbstverständlich nicht von der allgemeinen Bestimmung befreit, wonach der Empfänger nicht genügend frankierter Briefe das Doppelte des Fehlbetrages nachzuzahlen hat. Und da der Präsident umgekehrt dem Sekretariat die strengste Weisung erteilt hat, unter keinen Umständen den Empfang eines Briefes abzulehnen, da ja gerade die Schreiber unftankierter Briefe in der Regel die Aermsten der Armen sind, die nicht einmal eine Briefmarke kaufen können, so fft eben der relativ ungeheure Betrag zusammengekommen. Bei dieser Gelegenheit erfährt man übvigens, daß Roosevelt von dem ihm für Spesen zur Verfügung stehenden Budgetbetrag bereits für diesen Zweck einen bestimmten Fonds gegründet hat. -Sowjetsterne aus Rubinglas. Auf den Türmen des Kreml sind bekanntlich an Stolle der Zaren-Adler fünfzackige Sowjetstern« Montiert worden, die aus Halbedelsteinen- des Uralgebirges hergestellt waren. Jetzt werden sie wieder entfernt, weil die Leücht- traft der Steine als nicht genügend rot angesehen wurde. An ihrer Stelle werden zur 20-Jahr-Feier der Ottober-Revolution Sowjetsterne aus Rubinglas an den Spitzen der Türme angebracht werden. Innerhalb der Gläser sind sehr startterzige elektrische Birnen, so daß man die Sterne nachts weithin, jedenfalls auch aus den enffernteften Vororten von Moskau wird leuchten sehen. Außerdem ist eine besondere Vorrichtung geschaffen worden, die das GlaS regelmäßig erwärmt, und zwar auf eine Temperatur, die selbst im strengsten Winter Schnee und EiS schmelzen läßt.— Also, wenn das nicht Sozialismus istl Wer ist John Talton? JmBuckingham- Palast steht man oft einen würdigen, ernsten Herrn aus- und eingehen, der zu jeder Tageszeit und nicht etwa nur bei Hosempfängen einen Frack trägt. Die Diener lassen ihn ohne weiteres ein, aber an Stelle fich in die, Gemächer des Königshauses zu begeben, steigt er die Treppen zu den Kellern des Palastes hinab. Einige ,Stunden später kommt er wieder zurück, verläßt mü kurzem Gruß das Gebäude, und lediglich seine weißen Handschuhe sind bei seiner geheimnisvollen Beschäftigung etwas schmutzig geworden. Dieser Mann heißt John Dalton. Er ist Sproß einer Familie, die seit 1710 das Privileg besitzt... die Ratten des Buckingham-Palastes zu vernichten. Er waltet seines Amtes heute im Frack und seit zwei Jahrhunderten in einem borgeschriebenen Staatsgewand, denn selbst die Rattenverttlgung muh in England auf^würdige und ttadittonelle Weise geschehen...._" Der Stratege, der keine Schlacht schlug. In London verstarb im Alter von 73 Jahren der ameri- kstntsche General Clinton-Falls. Der Tod ereilte ihn auf einer Reise nach dem ostasiati- schen Kriegsschauplatz, die er via London unternahm, weil er hier eine Reihe von Besprechungen mit hohen englischen Militärs hatte. Er wurde mit allen militärischen Ehren begraben, denn sein Name ist in Faßreifen außerordentlich gut bekannt, und er gatt als einer der größten Strategen der Gegenwart. Wer dieser Ruf beruht lediglich auf seinen theoretischen Kenntnissen und Plänen. Denn Zett seines Lebens kgm dieser alte Haudegen durch eine Verkettung von manchmal geradezu grotesken Umständen nicht dazu, selbst ein« Schlacht zu schlagen. Als ganz junger Offizier wurde er 1898 während des spanisch-amerikanischen Krieges nach Portorico gesandt; als sein Schiff ankam, wehte bereits daS Sternenbanner auf der eroberten Festung. 1904 war er bereits Kapitän, und er wurde von den USA auf seine dringende Bitte als Militärattache nach Konstantinopel entsandt. Alle Welt erwartete damals einen türkisch-bulgarischen Krieg, der aber noch volle acht Jähre auf isich warten ließ. Inzwischen jedoch- brach- der russischjapanische Krieg aus, und Kapitän Clinton- Falls beantragte sofort- seine Versetzung mach Astasien. Das Gesuch ging den Instanzenweg-, es dauerte Monate und Monate, während der Kapitän . fuchsteufelswild und untätig in Konstantinopel herumirrte, bis eS, und zwar günstig, erledigt wurde. Clinton-Falls schiffte sich sofort ein und kam gerade zurecht, uw den Friedensverhandlungen beizuwohnen- 1912, während des Balkankrieges, setzte er es wieder durch, als Militärattache, diesmal nach Cetinje, zu kommen. Von dort aus hoffte er bestimmt, an die Front zu gelangen, aber Nikita von Montenegro ließ das nicht zu. Der Weltkrieg überraschte ihn in Brüssel, und als die Deutschen eimnarfchierten, glaubte er, das Ziel seiner Sehnsucht erreicht zu haben. Wer er wurde, wie die übrigen fremden Militärattaches, kurzerhand ausgewiesen und kehrte nach Amerika zurück. Erst 1916 bekam er wieder eine militärische Mission uno ging an der Spitze eines Armeekorps an die mexikanische Grenze, da zwischen den USA und Mexiko jeden Tag ein Krieg ausbrechen konnte. Er lag sechs Monate dort in Garnison mit dem einzigen Erfolgt, daß er sich eine schwere Lungenentzündung t zuzog, die ihn bis 1918 kampfunfähig machte. Kaum stand er wieder auf den Beinen, als er endlich, endlich als Divisionskommandeur nach Frankreich ging. Er betrat ftanzösischen Boden am 10. November 1918, einen Tag nach dem Waffenstillstand. Und die Möglichkeit, am Chaco-Kriege teilzunehmen, gab es nicht, da er nach seiner Krankheit nicht mehr in die Tropen durfte, und aus dem gleichen Grunde konnte er auch nicht nach Abessinien gehen. Der Tod hindert ihn nunmehr endgültig, Mch am chinesisch-japansschen Krieg teilzunehmen. IV!an erkält für Kt 100 Reichsmark..... .«38— Marimünzen.... . 700.— 100 österreichische Schilling. . 526.50 100 rumänische Lei.... . 16.10 100 polnische Zloty.,.. . 515.50 100 unarische Pengö... . 549.50 100 Schweizer Franken.. . 654.50 100 ftanzösische Francs.. . 93.70 1 englisches Pfund... . 140.25 1 amerikanischer Dollar.. . 28.45 100 italienische Lire... . 123.40 100 holländische Gulden..' . 1574— 100 jugoslawische Dinare.. . 60.05 100 Belga»...... . 479— 100 dänische Krone«,,, . 628.— eile 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 10. Oktober 1937. Nr. 239 hilft rasch bei Schmerzen in den I Gelenken und Gliedern, Kopf- WW schmerzen und bei Erkültun- U gen. Haben Sie Vertrauen zu | Togal. Ein Versuch Oberzeugt. -I Viele Ärztegutachten. In allen k M Apothekenerhöltl.Kc1?--u.!7'50. Äa-erZeitMA Die Schaffung einer gemeinsamen deutschen Sportanlage in Prag Hebet Einladung der Bezirksstelle Prag, der vier deutschen aktivistischen Parteien fand anfangs September eine Beratung der Vertreter aller interessierten Sport- und Turn-Vereine wegen Schaffung einer gemeinsamen deutschen Sportanlage in Prag statt. Bei dieser Beratung erklärte die Bezirksstelle, daß sie die Forderung nach Schaffung einer derartigen Sportanlage nachdrücklichst unterstützen werde. Es wurde die Schaffung einer Ar-, beitsgemeinschaft aller Sport- und Turnvereine angeregt, die auf dem Boden bft Demok^tie stehen. Dieser Aktion haben sich bisher der DFC., die DEHG., der Atus, der Christlichdeutsche Turnver- ein-Prag und der Deutsche Turnverein in Prag- Lützowgasse angeschlossen. Im Zuge der Verhandlungen und Vorarbeiten fand unter Nr Führung des Stadtrates, Reg.-Rat Dr. Wiesmayer und der deutschen Stadtvertreter Red. Hornig'(der den Vorsitz in der Arbeitsgemeinschaft führt),„Dr. Schneider und Dr. S ch w e l b(dem Vorsitzenden der Bezirtsstelle) eine Vorsprache der Vertreter der genannten Sport- und Turnvereine am Samstag Vormittag beim Primator der Hauptstadt Prag Dr. Zenkl statt. Für den„Atus" war Viktor Lahmer, für die„Republikanische Wehr" Kurt Schrader erschienen. Die Abordnung brachte den Wunsch zum Ausdruck, die Stadt Prag möge die Arbeitsgemeinschaft bei der Beschaffung eines geeigneten Platzes unterstützen. Primator Dr. Zenkl ließ sich über die vorhandenen Pläne informieren und versprach, bei den zuständigen Stellen der Stadt die notwendigen Erhebungen einzuleiten. Die Abordnung gewann den Eindruck, daß Primator Dr. Zenkl ihren Wünschen aufrichtiges Verständnis entgegenbringt. Prager Lebensmittelmärkte Obst. Die ersten Schlehen, Kg 3—4 Kd, heimische Zwetschgen(um 2—3 Kd teuerer) 5—8 Kd, letzte bosnische 7—9 Kd, Weintrauben, ausländische (um 2 Kd teuerer).7—10 Kd, heimische 8—6 Kd. Schwämme. Pilze(um 4—6 Kd billiger) S—8 Kd, Rötlinge(um 2 Kd teuerer) 8—12 Kd. Fleisch. Rindfleisch, Vorderes, mit Zuwaage 10—14 Kd, ohne Zuwaage 12—17 Kd, Hinteres, mit Zuwaage 12—17 Kd, ohne Zuwaage 14—19 Kd. Lungenbraten, mit Zuwaage 18—20, ohne Zuwaage 20—28, Schweinefleisch, Vorderes, mit Zuwaage 9—12 Kd, Hinteres 12—16 Kd, Vorderes, ohne Zuwaage 11—14 Kd, Hinteres 14—20 Kd. Kalbfleisch, .Vorderes, mit Zuwaage 7—10 Kd, Hinteres 11 bis 14 Kd, Vorderes, ohne Zuwaage 9—12 Kd, Hinteres 14^-22 Kd. Schöpsenfleisch, Vorderes, mit Zuwaage 8—*11 Kd, Hinteres 10—14 Kd, Vorderes, ohne Zuwaage 10—^13 Kd, Hinteres 13—16 Kd. Rinds- zmige, roh-11—14 Kd, Rindsleber 8—12 Kd, Rindshirn 16—18 Kd, Kalbs- und Schweinshirn 18 bis 24 Kd, Selchfleisch, roh. Vorderes 14—18 Kd, Hinteres) 6—18 Kd, Vorderes, gekocht 20—24 Kd, Hinteres, gekocht 24—28 Kd, Rindszunge, geselcht 1.6—18 Kd, Kuttelflecke 6—7 Kd. Fette. Landbutter 17—19 Kd, Teebutter 20 bis 22 Kd, Margarine 10—12 Kd, Rindsfette, roh 5—7 Kd, ausgelassen 7—8 Kd, Schweineschmalz, tschechisches, roh 1l-r-13 Kd, ausgelassen 13—15 Kd, Bakonyerschmalz 12—13 Kd, Speck 13—15 Kd. Verschiedene Waren. Eier, tschechische(Schock um 2 Kd teuerer) 40—42 Kd, slowakische(Schock um 1 Kd teuerer) 38—40 Kd. Drei Heberfahrene. Vor dem Kreisstrafgericht in Pankratz überfuhr gestern vormittags der Kraftwagen des Paul Fridrich aus Kunratitz den 37jäh- rigen Angestellten der Elektrizitätswerke Josef Ka- höun aus Nusle. Kahoun, der eine schwere Gehirnerschütterung und eine Kopfverletzung erlitt, wurde vom gleichen Wagen auf die Klinik Schlaffer gebracht.— Gestern mittags stieß an der Ecke der Podkbrad- und Mladonovidgasse in Zizkov das Motorrad 40.857—C der Soldaten Bohumil Komä« rek und Wenzel Kopeckt; den 40jährigen Selcher Josef Masel aus ZiZkov zu Boden. Die beiden Soldaten fielen ebenfalls vom Rade, wurden aber, wie auch Ma-Zek, nur leicht verletzt. Das Motorrad wurde beschädigt.— In der Pilsner Straße in Kosirs geriet gestern um 4 Uhr nachmittags die 70jäbrige Antonie Ernes beim Heberschreiten der Fahrbahn unter das Motorrad des Adalbert Paveletz und mußte mit einer schweren Gehirnerschütterung auf die Klinik Schlaffer gebracht werden. Heiratsschwindler verhaftet. Bor einigen Tagen lernte dgs Dienstmädchen' A.' R. aus Prag-Weinberge im Riegerpärk einen Mann kennen, der sich ihr as der Staatsbeamte Georg Pokornh vorstellte und erzählte,' er'sei' ledig,'habe ein Einkommen von 1150. Kd. monatlich' usw. Bei der zweiten Zusammenkunft fragte er ste bereits, ob sie auch eine Mitgift habe und als sie ihm mitteilte, sie habe 23.000 Kd erspart und bekomme außerdem eine Ausstattung, drang er in sie,, ihren Posten zu kündigen und ihn zu»heiraten. Dabei. nahm er ihre goldene Hhr„in Verwahrung", und behauptete noch am selben Abend vor dem Abschied, er hätte ste verloren und sein Geld ebenfalls. Das Dienstmädchen gab ihm 20 Kd, die er nach längerem Zögern annahm. Spätes verlangte er weitere kleine Geldbeträge und drang zum Schluß in die R., sie möge ihm ihre Sparkaffabücher ausfolgen, damit er die nötigen Einrichtungsgegenstände für die gemeinsame Wohnung kaufen könne. Nun schöpfte sie Verdacht und erfuhr, als sie sich erkundigte, daß es sich um den verheirateten Schlaffer Oskar Svitäk handele, der bereits wegen Heiratsschwindels vorbestraft sei. Bei der Verhaftung wurde der Versahzettel für die goldene Hhr bei ihm gefunden. Svitäk leugnet und behauptet, er habe sich scheiden laffen wollen, um die R. zu heiraten. Er wurde nach Pankratz gebracht. Der kleine Miroslav Strajnickh, der, wie gestern gemeldet, in Wrsovice von einem Lastauto verletzt wurde, ist in der Nacht auf gestern gestorben. Tie Deutsche Tuberkulosenfürsorge, Zweigstelle Prag, hält am 16. Oktober ihre Laupwersammlung im Deutschen Haus in Praa mit folgender Tagesordnung ab: Bericht über die Tätigkeit der Fürsorgestelle(Hniv.-Prof. Dr. Karl Walko); Bericht über das Wraner Erholungsheim in Tüschen(Hniv.- Prof. Berthold Epstein); Wahlen. SonderauSflugSzüge nach Läny. Nach Länh am Sonntag, den 10., zum Grabe des Präsidenten Masarhk 13 Kd. Karten können noch am Sonntag vormittags bei Schalter 13 des Masaryk-Bahn- hofes oder in Bubna und Dejvice gekauft werden. I Der Zug verläßt um 12 Hhr 26 den Masaryk-Bahn- hof.«Informationen und Anmeldungen im Basar neben dem Wilson-Bahnhof, Telephon 383-35. Bein« Versatz- und Leihamte m Prag wurden im September 1937 versetzt bzw. verzinst: In der Pretiosenabteilung 15.620, in der Abteilung für Kleider 14.547 Leihobjekte. Die Gesamtleihsumme beträgt 3,874.508 Kd. Ausgezahlt wurden insgesamt: 4,165.843 Kd, auf Wertpapiere wurden 267.339 Kd geliehen. Tas gesamte schwebende Schuldkapital betrug am Ende dieses Monates in der Pretiosenabteilung 17,749.510(um 1,066.414 Kd mehr als im vergangenen Jahre), in der Abteilung für Kleider 5,995.025 Kr(870.249 Kd mehr als im Vorjahre) und in der Abteilung für Wertpapiere 6,631.741 K(um 436.888 Kd mehr als im Vorjahre).» Mord an der Lebensgefährtin zwanzig Jahre schweren Kerkers Prag.(—rb—) Der 49jährige Josef K u b i d e t. der Freitag unter der Anklage des Mordes, begangen an seiner 44jährigen Lebensgefährtin Antonie Branjovskh vor den Prager Geschworenen stand, hat ein vielbewegtes Leben hinter sich. Mit seiner legitimen Frau zeugte er vier Kinder— sein ältester Sohn ist heute 24 Jahre alt. Seine Familie verließ er eines Tages ohne Abschied und kehrte auch nicht mehr Zurück, ohne sich die Muhe zu nehmen, eine gerichtliche Ehescheidung anzustreben, die ihm unliebsame Alimentationsverpflichtungen auferlegt hätte. Nachdem er allerlei Berufe absolviert hatte— er.war Knopferzeuger, Gastwirt, Autobuskondukteur und Vertreter^— pachte er schließlich eine Jnseratenkanzlei auf, die ihm einen ganz annehmbaren Lebensunterhalt verschaffte. Er tat sich mit der um vier Jahre jüngeren Marie BranZooskh zusammen, die die Kanzleigeschäfte besorgte, während er der Akquifition nachging. Das Zusammenleben gestaltete sich indessen auf die Dauer sehr schlecht. Kubidek beschuldigte die BranZovskh der Hntreue und diese wieder ihn und es scheint, daß diese beiderseitigen Borwürfe nicht unbegründet waren. Nachdem es mehrmals zu schweren Auseinandersetzungen und Tätlichkeiten gekommen war, kam es am 28. Juni d. I. zur Katastrophe. In der vierten Morgenstunde dieses Tages kam der Angeklagte nach Hause und fand, daß auch die KranZovskü eben erst heimgekommen war. Es kam abermals zu einem Streit, wobei ihm die Branjovskh angeblich den Laufpaß gab und ihm kurzerhand erklärte, er brauche gar »nicht mehr zu ihr zu kommen, ste sei mit ihm fertig und habe einen andern Freund, einen Pensionisten. Die Wohnungsnachbarn hörten den heftigen Streit, dann fielen einige Schüsse. Als die Polizei in die Wohnung eindrang, fand sie den Angeklagten auf dem Divan kauernd, während die Branjovskü wt auf dem Boden lag. Zunächst gab er zu, ste in einer Aufwallung der Eifersucht erschaffen zu haben, als sie ihm die, Türe wies. Er sei stark angetrunken gewesen. Später änderte er natürlich seine Aussage und stellte die Bluttat als einen unglücklichen Zufall hin. Er habe den Revolver gezogen und vor den Augen seiner Gefährtin Selbstmord begehen wollen. Sie habe ihm den Rebolver aus der Hand schlagen wollen und dabei seien versehentlich die Schüsse losgegangen., die den«Tod der Branzovsktz herbeiführten. Diese Aussage steht allerdings im Widerspruch mit dem Ob- duktionsbefund, der vier Schußverletzungen feststellt die keineswegs durch Zufall losgegangen sein konnten. Bor dem Schwurgericht versuchte der Angeklagte sich auf jede erdenkliche Weise die Sympathie und das Mitleid der Geschworenen zu sichern, was ihm aber nicht gelang. Nach fast zehnstündiger Verhandlung bejahte das Geschworenenkollegium die Schuldfrage auf Mord einstimmig. Der Schwurgerichtshof(Bors. GR... Dr. Cer- vinka) verurteilte hierauf Kubidek zu zwanzig Jahrenschweren Kerkers. I Kunst und Mssen Nachtasyl Maxim Gorkis„naturalistisches" Meisterstück das nicht Vorgänge, sondern nur Zustände gestaltet, nicht urteilt, sondern nur darstellt,-r- dieses..Elendsdrama", das kaum Dramatisches hat, hat seinen Wert und feine Wirkung über jene Zeit hinaus behalten, da der„Naturalismus" die aktuelle Form des Theaters war. Denn nicht in Stil und Technik erschöpft sich die Genialität dieses Werkes — obwohl Sie großartige Sparsamkeit in allem Aeußeren und Bewegenden noch immer zur Bewunderung zwingt— sondern darin beruht seine Macht, daß ein Dichter sich dieser Technik bediente und den Stil des äußersten Verzichts auf Geschehnisse, Verwicklungen, Konflikte und überragende Figuren zum Sinnbild der Einfachheit erhob, die das Wesen seiner Weisheit war. Diese Szenen„aus der Tiefe" sind keine bloße Milieuschitderung, ihre Tiefe ist von anderer Art: indem der Dichter auf das Niedrigste und hoffnungsloseste der Menschbeit zurückgebt, zeig^r ihr Hnzerstörbares und Ewiges.„Die Wahrheit, das ist der Mensch" und„Man muß Erbarmen haben mit den Menschen",— das sind die Sätze dieses Stückes, die seinen Geist bekennen. Hnd aus dem unedelsten und morschesten Material des Menschlichen sprühen hier die Funken der Menschlichkeit und bes Verstehens. Während es früher wohl der Ehrgeiz der Regisseure war, die Atmosphäre dieses Stücks bis ins Detail anschaulich zu machen, handelt es sich heute nur darum, das Menschliche und Philosophische des Werks zur Geltung zu bringen— und die Gestalten, die zusammen eine kleine Welt ausmachen, herauszuarbeiten. Mar L i e b l, der die Inszenierung in der Kleinen Bühne besorgt hatte, hat die Mitte zwischen dem früher Notwendigen und dem heute Erforderlichen gehalten. Man könnte sich die Charakterzeichnung interessanter und die Philosophie weniger deklamatorisch vorstellen als in ber gestrigen Aufführung, aber man kann nicht leugnen. daß sie wirkungsvoll und sorgfältig abgestimmt war. Während die„großen" Rollen, der Pilger Luka(von dem mehr freundlichen als gütig weisen Martin C o st a), der Satin(von dem allzu unbeteiligten Leo Siedler) und die Waffllissa (von der zu damenhaften M o n c a si) nicht zu der Wirkung gebracht wurden.'^die sie hätten haben können, machte Walter Taub aus dem Schauspieler eine in Stille eindrucksvolle, Fritz Klippel aus dem Wasjka eine glaubhafte, Dudek aus dem Bubnow eine schon im Tonfall sich charakterisierende und Marion Wünsche aus der Nastja eine fesselnde Gestalt.—eis— Ein wackerer Musiker Budapest. Einer der bedeutendsten modernen ungarischen Komponisten, Bela Barto k, sandte an die ungarische Rundfunkgesellschaft eine Zuschrift, in der er verlangt, daß seine Werke von dem Rundfunkprogramm abgesetzt werden, welches auch durch deutsche und italienische Rundfunksender verbreitet werden soll. Der Komponist lehnte es ab, diesen seinen Entschluß, der in Budapester Kunstkreisen große Sensation hervorgerufen hat, zu begründen. Ein Weltzentrum für jüdische Musik. Der Jerusalemer Advokat Dr. Levi hat ein Jnitiativ-Komitee ins Leben gerufen, da- in Palästina ein Weltzentrum für jüdische Musik schaffen soll. Als Mitarbeiter haben sich bereits zur Verfügung gestellt: Joachim Stutschewsky, Darius Milhaud, Ernest Bloch, Kurt Weill, Carol Rathaus. Jakob Weinberg, Ernst Doch, Heinrich Schalit, Max Ettinger, Hugo Adler, Paul Dessau und Herbert Fromm.(DND) Wochenspielplan drS Reuen Deutschen TheaterS. Sonntag halb 3 Hhr nachmittags: D a s Dorf ohne Männer, Arbeitervorstellung, halb 8: Die Fledermaus. Abonnement aufgehoben.— Montag halb 7: Weh dem, der lügtl A 2.-— Mittwoch halb 8: Arabella, Erstaufführung, Bl.— Donnerstag halb 8: DaS Dorf ohne Männer, CI.— Freitag halb 8: Das Land des Lächelns, volkstümliche Vorstellung. Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 8: Acht Ruder im Takt, Hraufführung C 2.— Sonntag halb 8: Warum lügst du, Cherie? halb 7: Siegfried. B 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Leute, Sonntag, 3 Hhr: Nora,' 8 Hhr: Die Reise. Montag 8: Nina, volktstümliche Vorstellung.— Dienstag 8: Die Reise.— Mittwoch 8: Nachtasyl. — Donnerstag 8: Bei Kerzenlicht.— Freitag 8: Die Reise.— Samstag 8: Die Reise.— Sonntag 3: Rausch, 8: Nachtasyl. Der Mnr Der Liebling 6er Elefanten Nach so vielen amerikanischen und wienerischen Ulmen von aufdringlich neckischen Wunderkindern und einer Serie schauerlicher Tarzan-Abenteuer wirkt der englische Film, den Robert Flaher.ty(gemeinsam mit Zoltan K o r d a) nach Kiplings Erzählung„Toomai of the elephant" schuf, wie eine Erlösung: auch hier ist eist Kind der Held der Handlung, die im Dkchungel spielt,— aber was für ein Kind und welch ein Dschungel! S a b u, ein indischer Knabe wie aus Bronze, reitet und schreitet mit einer edlen Einfachhest und natürlichen Schönheit durch eine traumhaft wirkliche Szenerie. Es ist nicht das erstemal, daß man Elefanten im Film sieht, aber nie hat man den Anblick und die Bewegungen(auch die inneren Bewegungen) dieser wandelnden Gebirge so abgebildet gesehen wie hier, wo von der Freund- schäft eines Riesenelefanten mit einem.Knaben und von einer großen, nach vielem Hnglück erst glücklichen Elefantenjagd erzählt wird. Man mag gegen Kiplings Verherrlichung der weißen Herren Einwände haben, man mag manche Sprechszenen und Episoden dieses Films als ungeschickt und störend empfinden,— aber die traumhafte Schönheit Indiens, die knabenhafte Menteuersehnsucht und Tierliebe,— die besten Elemente also der Kiplingschen Kunst hat Flaherty, der Schöpfer des unvergeßlichen „Mannes von Aron", bildhaft zu gestalten vermocht, und er hat eine Geschichte von exotischen Menschen, wilden Tieren urw großen Jägern ohne falsche Sensationen so verfilmt, daß die Bewunderung der jugendlichen Zuschauer mit der freudigen Anerkennung der erwachsenen übereinstimmt. —eis— Sozialver$icherung$- R. W. I.: Hm Ihre Anfragen beantworten zu können, ersuchen wie Sie» uns eine Abschrift des Ansuchens Ihres Arbeitgebers um Einkauf für die Zeit vom 12. November 1931 bis 30. November 1934 und den Bescheid der Amtsstelle B der Pensionsanstalt in Brünn einzusenden. Die Belege werden wir Ihnen nach Einsichtnahme retournieren. (Lua der Tarter Bezirksorganisation Prag. Montag, den 11. Oktober. 20 Hhr im Parteiheim wichtige Sitzung der Bezirksvertreiung. Vzrünsnachächtzn AAB. Am Sonntag, den 10. Oktober, halb 10 Uhr vormittags im Heim,»Smedky 22, Heimstunde | der Praktikanten und Studenten.— Die für Sonntag, den 10. Oktober angesagte Prag-Führung findet nicht statt. Volkssinggemeinde. Am Dienstag Probe. Ab 7 Uhr Frauenchor, ab 8 Hhr gemischter Chor. © Sozialistische Jugend, Kreis Prag. ' Wochen-Programm: Dienstag, den 12. Oktober: DSAP-Heim Smedky, 7 Hhr, Gruppe Prag II:„Villon, Heine", FBSA-Heim. Spälenä, 8 Uhr, Gruppe Prag I. und Prag VII.: „Masaryk".— Mittwoch, den 18. Oktober: DSAP-Heim, Smedky, 8 Hhr. Gruppe Prag XII.: „Die Wirkung der Arbeitslosigkeit auf die Jugendlichen".— D o n n e r s t a g. den 14. Oktober: Zusammenkunft der Funktionäre. Näheres in den Gruppenheimen.— F r e i t a g, den 15. Oktober: DSAP-Heim. Smedky, 8 Uhr: Filmvorführung: „Englandlager"(gemeinsam mit Kinderfreunden"). — Sonntag, den 17. Oktober: Pflichtbeteiligung aller an Kreiswanderung(Geländespiel). Leiter: Steiner. Näheres in den Gruppenheimen. WlitteUun^endtt-UranM* H. Teltscher: Erlebnisse mit Handschriften. Dienstag 8 Uhr. BuchhaltungSkurS für Hochschüler und Juristen. Frau Schenk. Beginn Mittwoch 8 Hhr. Louis Fürnberg, Vorlesung zugunsten der Erz- gebirgshilfe. Donnerstag 8 Uhr. Urania-Kino Doppelpremier»„LiebeShafen" mit Hoppe, Sima, Speelmans.„Berlin". Tonfilmreportage. „Aktualita"-Wochenschau. Heute 11, 2, 4, 6, 149 Hhr. Ab Dienstag„EbeS Mostoha", ungarische Premiere! Mitteilungen aus dem Publikum. Wieviel Tauben bleiben auf dem Dache, wenn von fünfen zwei weggeschossen werden? Bei dieser Frage kann man leicht aufsitzen, denn beim ersten Knall fliegen alle davon, es bleibt also keine. Nicht aufsitzen können Sie bei der Frage: Wieviel Tassen Kaffee Sie aus 3 Löffel Peröfa bekommen? Da ist die Antwort immer gleich, nämlich: 3 Löffel Perola geben 6 Taffen Kaffee. Ein Wort an die Rheumatiker. Sie haben vielleicht schon alles, mögliche versucht, ohne daß Sie Ihre quälenden Schmerzen loswerden konnten. Machen Sie noch heute einen Versuch mit den prompt wirkenden, schmerzstillenden Togal-Tabletten. Togal hilft verläßlich, rasch und sicher auch bei Gicht-, JSchiaS», sowie bei Nerven» und Kopfschmerzen. Viele Aerztegutachten. In allen Apotheken erhältlich. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania: Doppelpremiere:»Der Liebeshafen" (Hoppe, Sima),.Berlin"(Reportage).— Adria: „Bataillon." Tsch.— Alfa:„Drei Eier im Glas."- Vlqjta Burian. Tsch.— Apollo:„Peter im Schnee." Traudl Stark. D.— Avion:„Land der Liebe." D. — Beranek:„Die Gluckhenne." Regie Hugo Haas. Tsch.— Fenix:„Es donnert über Irland." Gable, Loh. A.— Flora:„Tapfere Kapitäne." A. — Hollywood:„Land der Liebe." D.— Hvezda: „Bataillon." Tsch.— JuliS:„DaS Kreuz am Bache." Tsch.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Kotva:.Der Liebling der Elefanten." A. — Lucerua:„Es donnert über Irland." A.— Metro:„Land der Liebe." D.— Praha:„Das Kreuz am Bache." Tsch.— Radio:„Nancy Steele wird vermißt." A.— Svitozor:„Der Liebling der Elefanten." A.— Alma:„Ihr Hausfreund." A.— Bajkal:„Die Gluckhenne." Nach E. Konrad. Tsch.— Belvedere:„Die gute Erde." A.— Beseda:„Die Gluckhenne." Tsch.— Carlton: „Sieben Ohrfeigen." L. Harvey, W. Fritsch. D.— Illusion:„Sieben Ohrfeigen." D.— Kapitol:„Sieben Ohrfeigen." D.— LidoH:„Die Gluckhenne." Tsch.— MareSka:„Die weiße Schwadron." Jt.— Olympic:„Die Karriere der Mutter Lizal." Tsch PerStyn:„Ihr Hausfreund." A.— Roxy:„Die Gluckhenne." Tsch.— Tatra: „Die Karriere der Mutter Lizal." Tsch.— U Lei» Vvdu:„Ariane." E. Bergner, Rud. Forster. D. — Baldek:„Tapfere Kapitäne."— Beletrhy:„Jar- das Professor." Tsch. yz--., nhbed-inaunä en- Bei üustelluna ins Laus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährlich Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig K 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst-bttechnet. Bei öfter«. Einstbaltungm P^snachlaß.- Rückstellung.on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.- DK ZeitungSfrankawr wurde von der Post, und Tele. ' ,,.. graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/193Y bewilligt.(Kontrollpoftamt Praha 25.— Drucker«:„Orbtf, Druck-, Verlags- und ZeünngS-S.-G. Prag.