Nr 158. AbomkmeMs-Kedingungt«: AbonnemenlZ- Preis pränumerando: «terteljährl. 3L0 Ml., monall. 1,10 MI., wöchenllich 28 Pfg. frei in« Hau«. Sinzelne Nummer S Pfg. Sonnlag«- Nummer mit tllustricrler Sonntag«- Beilage„Die Neu- Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für ISSS unter»r. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. Erschetnl täglich außer»onlag». Verltnev Volksblatk. 16. Jahrg. Die Instrtlons- Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Psg., für polltilche und gewerkschaftliche BeretnS- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Sleine Anielgen" fede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fei». Inserate für die nächst« Nummer müssen bt« 1 Uhr nachmittag« in derErpedition abgegeben werben. Die Erpeditton ist an Wochen- lagen bi« 7 Uhr abend«, an Tonn, und Festlagen bi« SUhr vormiuag« geöffnet. Fernsprecher! Smk I, Hr. 1508. Telegramm. Adresse: „Sorialdrmostrat Sellin" Centralorgan der socialdemokratischen Kartei Deutschland s. Redaktion: SVs. 19. Beuth-Stratze 2. Expedition: L'iV. 19. Bouth-Strasjo'S, Guittung. Im Monat Juni gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altenburg, von den Genossen 3l>c>,—. Bamberg, Jäcklein Rohrbach für Mai, Juni und Juli 13,—. Barmen, von den Gen. 300,—. Berlin: 1. Wahlkreis 100,-. 2. Wahlkreis 200,—; darunter Columbus 19,75, Werkstatt Reuter d. Pfeifer 6,—, die rote Brot- frau 2,—, Ueberschuß der Sechserkassc von Pag u. Garleb 14,?0. 3. WahUreis 500,—. 4. Wahlkreis SO. 1075,—; darunter W. Wöllmer, Schriftgießerei 75.—. O. 1500,-. 6. Wahlkreis Moabit 320,—; darunter 3,— von 36. Rosenthaler Vorstadt und Gesund- brunnen 300,—. Wedding u. Oranienburger Vorstadt 300,—; darunter Dr. A. Fl. 101. 3,—. Schönhauser Vorstadt 900,— darunter alter Parteigenosse Buchholzerstr. 10,—. Rehnfeld 1,50— Putzerkolonne Schönfeld 3.— A. B. sMister) 1,—. Diverse: Kapp 30.—. H. 100,—. L. und H. B. 10,—. Die roten Buchbinder in der Grünstr. 5.—. Ciselcur bei S. P. und Sohn 12,—. Ripesan 3,—. Cigarrcn-Fabrik Richard Schulze, Fricdrichsfelderstr. 21. 5,—. Von Mitgliedern d. 17. Dr. 12,40,—. Onkel 1,—. Zur Bekämpfung der Zuchthausvoringe 30,—. Ein Genosse 10,—. Gesammelt von Sängern(Tonblüte)"3,50,—. Buchdruckerei Wilhelm Wegner 8,05,—. Fr. 2,—. Fr. Str. 1,20—. Bon Mitgl. d. Verbandes d. Buchdrucker im„Vorwärts" 150,—. Von Mitgl. d.„Gewerkschaft d. Buchdrucker" im„Vorwärts" 10,—. P. S. 50,—. A. B. 50,—. I. B. 25,—. M. B. 75,—. Bern 50,—. Bernburg 10.—. Bremen, von den Genossen 300,—. Brandenburg 700,—, Calbe a. S. 20,—. Cottbus 100,—. Crimmitschau, 18. sächsischer Wablkreis 200,—(darunter C. K. 1,—. Golzschivänzchcn 1,—, Schmierseife 2,50, L. T. d. F. 5,—. E. H. d. H. 3,—. C. M. 1.—. K. K. in L. 5.—. C. D. 1.—). Döbeln 30.—. Durlach, 9. badischer Wahlkreis 50,—. Essen, d. Busse 50,—. Falkenberg (Oberschl.) 10,—. Fürstenwalde d. Weiland 30,—. Gera, R. j. L. 100,—. Gießen d. Krumm 10,—. Gleiwitz, mehrere Genossen 3,—. Greiz, R. ä. L. 50,—. Hamburg, Expedition des„Echo" 230,75. Hannover 1000,—. Hastedt v. d. G. 10,—. Jena, 3 weimarische Wahlkreis 80,—. Johanngeorgenstadt durch Leister 23,50, darunter 18,— Mai-Ueberschuß. von Fr. Sch. 4,—. von Jungfrauen 1,50. Kamenz i. S. 11,80, darunter Kindtaufe bei Menzel 1,50. Lichten- stein-Callnberg 10.—. Luxemburg M. S. 300,—. Magdeburg Klees für am 1. Mai geleistete Arbeit 3,—. Marburg, von den Genossen 25,—. München, Waldläufer 5,—. Oelsnitz i. V., von den Genossen 50.—. Radebeul, von den Formstechcrn Maigeld 18. Ronsdorf, d. d. Vertrauensmann 10.—. Stuttgart Gebr. Ulrich 30,—. Tempelhof, Geburtstagsfeier b. Gerth 3.—. Torgau-Liebcnwerda. Wahlkr. 45,30.„Vorwärts" 2. Quartal 1899 17 254,55. Württemberg, von den Genossen 50,—. X. D. Z. 2000,—. Berlin, den 8. Juli 1899. Für den Parteivorstand W. Pfannkuch, Katzbachstr. 9. Für die Löbtauer verurteilten gingen im Monat Juni bei der Parteikasse noch folgende Beträge ein: Exp. d.„Armer Teufel" 1,35 Bremen, Exped. der„Bürgerztg." 4,90. Von den Genossen 100,—. Breslau 300,—. Lichtenstein-Callnberg 10,55. Stuttgart, Frau B. Sch. 20,—■ Zschoppau 3,—. Das Einverständnis der Einsender vorausgesetzt, werden wir vorstehende Beträge, gemäß unserer früheren'Bekanntgabe, dein Unterstlltzungsfonds der Partei überweisen. Berlin, den 8. Juli 1899. Für den Parteivorstand: �_ W. Pfannkuch. Katzbachstr. 9. Worte und Thaten. Haag tagt oder nächtet— unter peinlichstem Ausschluß des Lichtes der Oeffentlichkeit— die sogenannte Friedens- konfcrenz. zusammenberufen durch die Worte des Zaren, daß es Sache der gottgesandten Regierungen sei, die erdrückende Militärlast von den Völkern zu nehmen und ihnen den Frieden zu geben— er. der Zar aller Reußen, werde seine selbst herrliche Macht daransetzen, dieses hehre, christliche Ziel zu erreichen. Die böse Welt traute den Worten nicht, aber die Re- gierungen hatten kein Interesse, die Worte des Zaren Lügen zu strafen,— und so kam die Friedenskonferenz zu stände. Auf der Konferenz hat es auch viele weitere Worte gegeben, schöne Friedensworte— nebenbei allerdings auch mancherlei Zank, doch hat nicht auch die Sonne ihre Flecken<— allein Thaten von irgend welcher Bedeutung sind ausgeblieben im Haag. Desto beredtere Thaten hat es außerhalb des Bereichs der Friedenskonferenz gegeben. Von Finnland, das jetzt unter dem Gesang des Haager Fricdenspsalms von des Zars Werkzeugen in des Zars— des„Väterchens" — Namen regelrecht nach alter frommer Wolfssitte abgewürgt wird, haben wir schon wiederholt geredet. Und auch von den Thaten in China, wo„Väterchens" Soldaten und Diplomaten Provinzen rauben und ein un- geheures Reich zerstückeln. Aber noch andere Thaten sind zu verzeichnen. Auf der Balkanhalbinsel, auf der alten Heerstraße des„reisenden Rubels" regt es sich überall, jedoch nicht im Sinn und Geiste des Zarschen Friedensmanifestes. In M a c e d o n i c n treiben sich bewaffnete Banden herum und wenn es den Türken ein- mal gelingt, einen dieser schnellfüßigen„Patrioten" zu fangen, so hat er die Tasche voll russischer Rubel. In Bulgarien ist das von„Väterchen" ernannte Ministerium gestürzt worden. Und sofort haben dort die politischen Meuchelmorde begonnen— kunstgerechte Abschlachtungen wie die S t a m b u l o ff s, der den russischen Rubel verachtete, und dafür mit dem Tod büßen mußte. Und den Bulgarischen Thaten folgt auf dem Fuß eine That in Serbien. König Milan, von dem niemand gedacht hätte, daß ihm diese Ehre zu teil werden könne, ist ernsthaft, offenbar in mörderischer Absicht, mit einem Schuß Pulver bedacht worden. Nun ist das Schießen in Serbien ja nichts Ungewöhn» liches. Es ringt dort der östreichische mit denu russischen Einfluß. Der dicke Milan ist im Dienste und Solde Oestreichs und die Russen nehmen dort die Maske des Radikalismus vor und Hetzen die Massen gegen den König auf. Pachitsch, dem der Mörder befreundet ist, steht in russischem Sold; und hätte Milan nicht eine zu dichte Fettschicht oder ungewöhn- liches Glück, so wäre ihm vorgestern durch den Rubel auf Reisen dasselbe Schicksal bereitet worden, wie vor etlichen Jahren dem russenfeindlichen Stambuloff im Nachbarstaat Bulgarien. Das sind Thaten. Und diese Thaten sind beredter als Worte. Die Völker aber urteilen nach den Thaten. Nur wenige aus- erwählte Geister, die über die Prosa der Wirklichkeit erhaben sind und mit den Siebenmeilenstiefeln der holden Göttin Phantasie über die„harten, halsstarrigen Thatsachen" hinwcgspringen. schauen mit überlegenem Lächeln auf die Thoren herab, die durch die Thaten sich täuschen lassen, und schlvelgen verzückt in den Worten. Die Prophetin der neuen Heiligen Allianz, die„Krüdener des Väterchens" von heute, läßt in„Waffen nieder" alle Schalen ihres wortgläubigen Zorns über die Thatengläubigen ausgießen, die an die Worte vom Haag nicht glauben, und die da wähnen, daß Thaten mehr seien als Worte. Besonders schlecht kommen bei diesem Strafgericht wir Deutsche weg. Wir glauben nicht mehr an Ideale. Da sind die als hartgesottene Realisten verschrieenen Engländer viel bessere Menschen und Idealisten!— meint Frau von Krüdener rediviva. Freilich eine geläuterte Krüdener— wie jede Wieder- geburt läutert. Doch oh der grausamen Enttäuschung! Gleichzeitig mit dem neuesten Heft der„Waffen nieder!" erhalten wir ein Telegramm aus England, mit der Nachricht, daß die idealistischen Engländer ihre veraltete Miliz neu zu gestalten und auf eine kriegstüchtigere Grundlage zu stellen entschlossen sind. Eine Bill zu diesem Zweck ist dem Par lament vorgelegt worden. Und obgleich die Haager Worte und die Nicht- Haager Thaten von niemand erwähnt worden, so weiß doch jedermann, daß die Thaten Schuld sind an dieser kriegerischen Maßregel. Arme Frau von Krüdener! Wenn sich in dem undankbaren England auch nicht, wie unsere deutschen Molochanbetcr hoffen, jetzt eine Aera des festländischen Militarismus aufthut— Militarismus und eng tische Staats- und Volksverfassung sind unversöhnliche Gegen sätzc— so steht es doch fest, daß England neben seinen kolossalen Rüstungen zur See auch außerordentliche Rüstungen zu Land für notwendig hält— von wegen der russischen und sonstigen Thaten. Und die Worte im Haag— wie lange werden die Auguren es noch aushalten, bis sie in homerisches Ge- lächter ausbrechen und unter dem Gelächter der Welt aus- einandcrlanfen? politifche Uebevfichk» Berlin, den 8. Juli. Der Wiener Kampf. — st.— Wien, 7. Juli. Der Kampf der Wiener Arbeiterichaft gegen die nichtsnutzige Wahlrcfonn, womit die Antisemiten ihre brüchige Herrschaft kiinst- lich festzulegen versuchen, bildet heute die ernsteste Sorge Oest- reichs. Seit dem Tage, an dem das Machwerk im niederöstreichischen Landtag beschlossen worden ist. ist Wien aus dem Aufruhr nicht mehr hinausgekommen. Immer stürniischcr brandete der Uumut des arbeitende» Volkes, bis er in der gestrigen Ringstraßen-Demonstrntiou einen gewaltigen Höhepunkt fand. Herr Lnegcr hatte die, man kann nicht anders sagen, die Unverschämt- heit, in einer Versammlung von Frauen die Arbeiter Wiens in unerhörter Weise zn beschimpfen.„Nichtsnutzige Buben" nannte der Wiener Bürgermeister die Arbeiter, die um ihr gutes Recht streiten, und„elendes D i c b s g e s i n d c l" hieß ic der dicke Strohbach, sein Stellvertreter. Nicht irgend ein gewöhn- sicher Schimpfer wagt es, so von der arbeitenden Klasse zu reden; nein, es sind der Bürgermeister und Vicebürgcrmeistcr der ersten Stadt des Reiches, Männer in Amt und Würden, die diese unsäg- lichen Ilnflätigkeiten verbrachen. Die Stimmung unter den Arbeitern ist durch diese Schmähworte noch mehr erbittert worden; es gährt und kocht in den Massen, und wenn die Regierung Thun nicht bald erklärt, daß sie die Luegersche Wahlreform zur Sanktion nicht vor- legen werde, so kann sich die angesammelte Wut in aller Heftigkeit entladen. Herr Liieger genießt seit zwanzig Jahren in Wien volle Schiuipffreihcit. Er hat Minister heruntergerissen, die Richter nennt er Spitzbuben, die Armee war ihn: das Rothschildmilitär; nichts ist im Staate, von oben bis unten, ivas der Wiener Demagog nicht schon in den Kot gczcrrt hätte. Da sich die Leute das gefallen ließen, hatte Herr Lueger recht. Aber die Arbeiter lassen sich das b e n n i cht gefallen, und Herr Lueger kann heute thatsächlich die Straße nicht anders betreten, denn unter Polizeibcdeckung. Seit vier Wochen hat die Wiener Polizei keine andere Aufgabe, als die Häuptlinge der Antisemiten vor Ausbrüchen der Verachtung zu 'chiitzcn, die ihr Handstreich gegen Recht und Vernunft bei den Ar- bcitern erzeugt hat. Ein Bürgermeister unter Polizeischntz: das ist doch wirklich ein Skandal vor Europa. Der eins: vergötterte Liebling der Wiener,„unser Karl", wie man ihn nannte, ist heute bei den Arbeitern der gchaßtetste und verachtctste Mensch. Es ist keine politische Gegnerschaft mehr, es ist perlönlicher Haß, wie ihn eben nur persönliche Beleidigungen hervorrufen können. Die Regierung steht der Bewegung vollständig ratlos gegenüber. Nicht als ob sie ivcuigcr von der Verwerflichkeit dieser Wahl- reform überzeugt wäre als etwa die Socialdemokraten; die IIn« Möglichkeit dieses behördlichen Vorschlages auch vom rein staatlichen Gesichtspunkte drängt sich vielmehr Jedermann auf. Aber die Regierung findet nicht den Mut, gegenüber Herrn Lueger Nein zu sagen. Herr Lueger ist groß gc- ivorden durch Terrorismus und die Regierung Thmi sürchlct sich einfach vor seiner Frechheit und llnverschämthcit. Nicht als ob es für sie wirklich gefährlich wäre, das Luegersche Machwerk in den Papierkorb zu werfen. Herr Lueger ist heute im Parlamente der reine Niemand; trotz seiner Großmäuligkcit vermag seine Partei nichts anderes, als hinter der ernsten Opposition, den Dentschnativnalcn und den Socialdemokraten, uachzutrotte». Und in Wien selbst vermag Herr Lueger nichts mehr auszurichten; daß die Christlich-Socialen etwa wegen der Nickst« sanktionicrung der Wahlrcform eine Bewegung hervorrufen könnten, ivic seiner Zeit tvcgcn der Nichtbestätigung Lncgers als Bürger- mcister, glaubt nun selbst der Einfältigste nicht; der Unterschied zwischen damals und jetzt ist einfach der, daß Herr Lueger damals inr Rechte war. jetzt aber im Unrechte ist. Freilich, seit damals ist Herr Lueger„hoffähig" geworden. Er ist die Hoffnung aller klerikalen Kreise, der'Abgott dcr'feudalcn Aristokratie, der Schützling der Pfaffen aller Grade.' Herr Lueger gilt als das echteste„Schwarzgelb', als der Muster- und Ueberpatriot— denn Patriotismus ist in Ocstrcich nur Byzantinismus— und deshalb gilt ein Schlag gegen ihn als ein Schlag gegen„Oestrcich". Aber klar ist nun die Situation: Die Wahlreform ist von den Arbeitern so gründlich zerfetzt Ivorden. daß kein Mensch sie mehr zu verteidigen wagt. Sie ist gerichtet; und wenn die Regierung dennoch schwankt, das entscheidende Wort zu sprechen, so ist nur Furcht vor dem Popanz Lueger die Ursache. Staatsretteude Prostitution. Ueber„P r o st i t u t i o n und Staatsgewalt" hat Dr. Heinrich Severus eine Broschüre(Dresden 1899, Verlag von Conrad Weiske) veröffentlicht. Der Verfasser tritt für die Legitimierung der Prostitution ein, die ihm eine„Natur- erscheinung" ist. Die Bequemlichkeit des Mannes und die Angst vor der Shphilisntion veranlassen seine Vesserungs- Vorschläge, die auf eine Kasernierung unter staatlicher Obhut, freie Arztwahl der untersuchungspflichtigen Mädchen statt des ungenügenden Polizeiarzt- Systems und Beseitigung ordnungs- polizeilicher Vorschriften hinauslaufen. Der gestrenge Heinrich hat in manchem recht. Die Ueber- spannung des Kuppeleibegriffs, den reichsgerichtliche � Entscheidungen mit zunehmender Schärfe auf jedes Vorschub- leisten der Prostitution ausdehnen, ist in sich widersinnig und führt zu den krassesten Widersprüchen. Ebenso ist die aus- nahniegesetzliche Aechtuug der Prostitutierten, deren doch die bürgerliche Gesellschaft nicht entbehren kann, in der That in nichts berechtigt. Aber Severus begnügt sich nicht damit, die Prostitution als ein llebel zu entschuldigen, die Milderung des Loses ihrer Opfer und einige Vorschläge zur Einschränkung der Folgeerscheinungen zu empfehlen, er schwingt sich zn einer Art Verherrlichung der P r o st i t n t i o n auf, und damit gewinnt die Schrift den Wert eines kleinen Kultur- doknments. Die Prostitution„war und ist notwendige Begleiterscheinung der Ehe. notwendig, weil ohne sie die Freiheit der Ent- schließung-zur Heirat verkümmert würde. Diese Freiheit aber muß gewahrt bleiben." Ter Geschlechtstrieb darf nicht ein zwingender Anreiz zur Ehe sein.„Ein großer Teil der Not, deren Vorhandensein heute so mißliche sociale Zustände schafft. ist darauf zurückzuführen, daß Ehen unüberlegt, ohne Prüfung der Frage, woher der nötige Lebensunterhalt beschafft werden soll, geschlossen worden sind. Der Staat hat ein Interesse daran, daß derartige Ehen nicht zu stände kommen, denn die daraus hervorgehenden Kinder, für deren Unterhalt von den Eltern nicht genügend gesorgt werden kann, die aber als che- liche auch nicht ins Findelhaus gehören, bedrohen die Sicher- heit der Gesellschaft." Die Prostitution verhütet, daß„unter dem Zwang des Naturgesetzes Ehen geschlossen werden, die zu einer V e r- mehrung des Volkes um Elemente führen, deren aus Not unterbliebene Erziehung und aus einer freudlosen Jugend entspringende staatsfeindliche Gesinnung sie zu Gegnern der Gesellschaft macht." Die Ehe, die den Frommen als ein Elixir wider den Umsturz erscheint, wird hier in ihrer ganzen gesellschaftsfeind- lichen Scheußlichkeit entlarvt; als segensreiche, wundcrthätige Hüterin der heiligen Ordnung steigt die Prostitution auf das kasernierte, von Bordellwirten und Acrzten beschirmte Lager! Die im Zeitalter des Umsturzverfolgungswahns besonders dringliche Konsequenz: Verbot der Ehe und obligatorische Zwangsprostiwtion zur Verhütu ngdcr Konzeption gesellschafts- feindlicher Elemente— man rottet die Revolutionäre einfach dadurch aus, daß man sie nicht geboren werden läßt— diese wahrhaft geniale Präventiv- Politik erwähnt der Ver- fasser nicht. Auch das mit der Käuflichkeit der Prostituierten ist übrigens, wie der � Verfasser philosophiert, nicht so schlimm. Das Weib ist nun einmal der zum Ge- Winnen des Lebensunterhaltes minder geeignete Teil.„Um sich nun den Unterhalt zu erwerben, niacht das Weib, das mit dem Manne nicht in Wettbewerb treten kann, mit seinen Fähigkeiten, eine physiologische Funktion oft erfüllen zu können, zu deren Befriedigung den Mann ein zwingendes Bedürfnis treibt, Gebrauch. Das heißt, der Grund der Prostitution läßt sich auf die physiologische Verschiedenheit von Mann»nd Weib zurückführen. Daß die Frau von dem Manne eine Gegenleistung fordert, ist natürlich, da ihr sinnliches Verlangen viel geringer ist." Sieht man von der parodistisch wirkenden, männischen Fratzenlogik ab, so haben- wir in diesen Sätzen nicht nur ein Musterbeispiel kapitalistischer Verderbtheit, sondern den Aus- bruch einer Gcistcsströinung, die namentlich seit MalthuS einen verhängnisvollen, bis auf Unsere Tage vielfach rnt- scheidenden Einfluß geübt hat. Einer vergänglichen menschlichen Organisations- Einrichtung zu Liebe— und nichts anderes ist der Kapitalismus—, zu Gunsten einer Rechtsordnung, die man in naturgesetzlichem Zwang erhalten zu müssen glaubt, auch nachdem man sich ihrer Uuziveckmäßiakeit bewußt geworden, beschmutzt man Natur und Sittlichkeit gleichermaßen, verteidigt jede Ver- dcrbnis, und ersetzt die Logik der revolutionierenden Vernunft durch die rechtfertigende Sophistik einer„historischen" Auf- fassung, die dem Uebel nicht nur christlich nicht widerstrebt, sondern in ihm eine besonders scharfsinnige Offenbarung der Vorsehung nachweist. Diese frevelhafte Entwürdigung des Menschen zur Sache, diese kapitalistische Untcrleibetgenschaft, diese Liebe, die mit allen Mitteln der moderneu Technik ausgestattet ist, diese zweckbetrügende ekle Geste der Leidenschaft, die ihre Wehr ans der Fabrik bezieht und ihren Gegenstand zum Minutenlohn dingt, diese Kulturseuche, die alles Menschliche auch dann ver- wüsten würde, wenn die Rächerin Lues nicht strafend mahnte — die Prostitution malt sich in den Sklavenhirnen der geld- bürgerlichen Gesellschaft als eine gar nützliche Einrichtung, die in alle Ewigkeit bleiben muß, weil für die braven staatS- erhaltenden Elemente die finanziellen Mittel eben mir zum Dirnenlohn, aber nicht zur standesgemäßen ehelichen Kinder- zeugung ausreichen; das ist das—„Naturgesetz" des Kapitalismus!_ Russische Zerrüttung. Man schreibt uns: Die vorjährige Mißernte erstreikte sich ans IS Gouvernements, deren bäuerliche Bevölkerung jetzt der nnsrottuiig durch Hungertod nahe ist. Die ncaeften Nachrichten über den Zustand der dies- jährigen Felder geben iviedenim sehr trübe Aussichten. Die Winter- saat ist in manchen flidlichen Gouvernements vollständig zu Grunde gegangen. Die Felder stehen in manchen Orten labt da, so daß in nicht weniger als 11 Gouvcnicinents auch in diesem Jahre Hunger bevorsteht. Die Folgeerscheinungen des HnngcrS, wie TyphuS, Skorbut(oder, wie es jetzt sich erweist, eine neue pcst- arliae Krankheit) werden auch im nächsten Jahre nicht ausbleiben. Diese Krankheiten haben in diesem Frühling viele Taufende Kinder und Erwachiene hingerafft. Der Regierung ist das aber gleich- gültig. Die Sümmchen, die sie zur'Verpfleguna der hungernden Bauern ausaiebt, sind lächerlich klein und der größte Teil von ihnen wandert in die Taschen der Beamtenschaft. Die Gesuche der Land- schaften um Darlehne zur Niiterstützuiig der Bevölkerung werden vom Finanzministerium mit der einfachen Motivierung abgewiesen, daß die Staatsmittel es nicht erlauben. Danebcii müssen wir aber in diesem Jahre 22 neue Kriegsschiffe bekommen, für die Flotte wurden im vorigen Frühjahr 00 Millionen Rubel ausgegeben und jetzt werden 110 Millionen zur llnwüstnng der Armee ausgeworfen. Drei Biertel der Staatseinnahmen werden in die Luft verpafft, während der dritto Teil des Reiches hungert. Organisation von Unterstützungen für die Hungernden seitens der Gesellschaft wird als verdächtig und staatsgefährlich hin- gestellt. � Jede Unzufriedenheit mit den tagtäglichen Schandthaten der Regierung und ihrer Polizei wird als Staatsverbrechen verfolgt; die Presse wird mit allen möglichen Mitteln zum Schweigen gebracht: mW geheimen Cirkulären, Venveis- r, Unterdrückungen usiv. Soeben ist das polnische Journal„Morgcnschcin" auf 8 Monate mausetot gemacht, das 4. Heft dcr russischen Monatsschrift „Natschalo" sDcr Ansang) ist konfisziert, die Monatsschrift„RuSkoje BagatStwo" auf 3 Monate unterdrückt. Wo dem Volke infolge dicser Knechtuug alle Geduld reißt, da wird es, Ivie in Riga, Ivo bis 100 Personen hingcmordet wurden, niederg-.schossen. Die Regierung versucht mit allen Mitteln, ihre barbarische Herrschaft zu erhalten, doch von Tag zu Tag wächst auch hier der Hunger, der finanzielle Bankrott, die Korruption der Bureaukratie und die— revolutionäre Bewegung I— »» Deutsches Weich. Kaiser Wilhelm II. und Frankreich. In den Besprechungen, die der Austausch von Höflichkeiten zwischen dem d eutsch e n Ka i ser und Frankreich in dcr Presse findet, wird auffälligcrweise eines Umstnndes nicht gedacht t der Kaiser erweist diese liebenswürdigen Aufmerksamkeiten einer r e p u b l i- konischen Regierung, in der ein Socialdemokrat und ein Radikalsocialist sitzen. Für die Schmälerung des KoalitionSrechtS legt sich auch die„N a t i o n a l- Z e i t u n a" wieder eifrig ins Zeug. Besonders liegt dem Blatte daran, die Richtung ihrer eigenen Partei, welche gegen die KommissionSberawng gestimmt hat, für eine freundlichere Haltung zu der ZuchthauSvorlage zu bestimmen. Die „National- Zeitung" sticht darum nachzuweisen, daß sich mit den Grundsätzen der Vassermannschen Rede recht wohl die von ihm befürworteten Maßnahmen gegen den„TcrrorisnniS" bereinigen lassen. Und in diesem Zusammenhange spricht sich das mationalliberale Organ lebhaft dafür aus, daß doch ja bei der zweiten Lesung der Vorlage etwas zu stände gebracht werden niöge: „Bei einer genaueren Betrachtung würde sich miscres Erachtens ergeben, daß der§ 1 mindestens Ansätze zu einer Bestimmmig enthält, welche die meisten Arten deS Terrorismus gegen Arbeits- willige treffen könnte; und so lveit dieS etwa nicht der Fall wäre, käme es darauf an, eine ausreichendere For- mulierung z u finden. ES würde sich fragen, ob bei der- artiger Specialgesetzgebung nicht eine etwas kasuistische Auf- zählmig der Ausschreitungen, die man treffen will, vor- zuziehen wäre der Neigung unserer Gesetzgebung, mög- lichst viel in einen abstrakten Satz hincinzupresse». Wie dem auch sein mag, wir niöchten wiederholt darauf hinweisen, daß die Ablehnung einer Kommissioiisbcratimg durchaus kein Hindernis einer eingehen de ii Prüsiing dieser Fragen der Ergänz nng des§ 153 der Gewerbe-Ordnung in der z>v e i t e n Lesung i in Herbst sein wird; sie kann ebenso gut, wie in einer - Kommission, auch im Plenum erfolgen, vollends bei der schwachen Besetzung, welche dieses jetzt gewöhnlich nur aufzu- weisen hat." Die Feinde der Arbeiterklaffe sind unausgesetzt an der Arbeit, die Aussichten einer Einschränkung des Koalitionsrechtes zu ver- bessern. Das deutsche Volk wird dafür sorgen, daß ihre Pläne elend scheitern. Und besonders den Nationalliberalen von der Art dcr „National-Zeitnng", ivelche in dieser Lebensfrage dcr Arbeiterklasse ein listiges Spiel treiben, wird dies nicht vergessen werden.— zur Annahme gelangt ist. Das Abgeordnetenhaus wird demgemäß bald nach seinem Zusammentritt am 14. August nach der ziveiten Lesung der Kaualvorlage und der Annahme des Gemciudc-Wahl- gesetze's in zweiter und dritter Lesung nochmals vertagt werden müssen.—_ Sächsische Polizei vor dem ZnchthanSgesetz. In Zwickau streiken schon seit längerer Zeit die Maure r. Zu Beginn des Kampfes blieben die Behörden, wie das ihre Pflicht. vollkommen neutral. Die Maurer stellten unbehindert am Bahnhofe ihre Streikposten aus, und es gelang ihnen fast immer, die an- kommenden Maurer von der Gerechtigkeit ihrer Forderungen zu überzeugen und die Bcttcffcnden wieder zur Bahn zu bringen. Sie verschafften auch vielen auswärts Arbeitsgelegenheit. Hunderte ein- heimischer und fremder Arbeiter haben des Streiks wegen Zwickau verlassen und alles ist in Ruhe und ohne störende Menschen- a n s a m m lu u g en vor sich gegangen, so daß die Schutzmaimspoftcn auf dc>» Bahnhof nie Grund zum Einschreiten hatten. Dcr Streik zieht sich aber, dank dcr den Fordernugen widerstrebenden JnnuiigL- balimcister in die Länge und so änderten die postierten Schutzleute auf dem Bahnhofe ihre abwartende Haltung. Sie reden jetzt ankommende Maurer an uud stellen ihnen vor, Arbeit zu nehmen, da Arbeit genug vorhanden sei. Selbst zu den Unternehmern hin sind ankommende Maurer von Schutzleuten ge- leitet worden. Die Streikposten dürfen jetzt weder auf dem Bahn- Hofe, noch in dcsjcn Nähe sich aufhalten. Mehrere der Streikenden haben Strafverfügniigcil erhalten, in denen es heißt, daß der Bc- treffende „am hiesigen Bahnhofe sich aufgestellt und zugereiste, ihm völlig fremde Bauarbeiter, also das Publikum sl), durch Hinweis auf den hier beendeten Maurerstreik zum Wiedernbrcisen zu bewegen gesucht, m i t h i n(I) aber belästigt und dadurch groben U u f u g verübt habe." Aber»vch mehr. Die Streikleitung hatte zwei Maurern Eisenbahnfahrkarten gelöst, diese Billcts hat die Polizei de» betreffenden Maurern weggenommen, so daß diese nicht ab fahren und Arbeit nehmen sollten, Trotz dcr Reklamation de« einen Maurers, Treiilner, erhielt der'elbc seine Fahrkarte»ich zu rück uud befindet sich solche noch auf der P o I i z e i>v a ch e. WaS von der Zwickaner Polizeibehörde gegen die für ihr gutes Recht ciiitretcudcn Maurer untcniviimien wird, geht weit über das was die Zuchthausvoringe androht, hinous, dciui selbst Nach dem ZuchlhauSgesctz soll die bloße MiiteUnng, daß gestreikt wird, und auch die ruhige Ueberrednng straflos sein. Nach dem jetzt geltenden Z 1S3 der Gcwcrbe-Ordüuug aber ist nur die Au Wendling körperlickien Zwanges, Drohungen, E h r- Verletzung oder V e r r u f S e r t I ä r u n g strafbar. Wenn die Behörden schon jetzt, vor dem ZucbthauSgcsetze in einer solch ungenierten Weise zu Gunsten der Unternehmer in die wirtschaftlichen Kämpfe eingreifen, dann kann man sich eine leise Vorstellung machen, wie nach dem eventuellen Jukrasttreten des Gesetzes die„gleichmäßige" Verteilung von Licht und Schatten vor sich gehen würde._ AuS dem dunkelsten Lippe. Die„Neue Bayer. Laudesztg." hatte kürzlich gegen das Dctmolder Blatt der Schaumburger Thron anwärter geschrieben; „Wenn dos Blatt eine Neugierde nach weiteren Mitteilungen von unserer Seile hat, wenn eS vielleicht gar noch Schuld- scheine eines sehr hohen, a b e r' n i ch t etwa in München residierenden Herrn sucht, welche auch unerklärliche Dinge erklärlich erscheinen lassen, können wir ihm in seiner nächsten Umgebung eine sichere Stelle bezeichnen, wo solche Scheine zu sindcn sind: in der Schatulle der alten, s e h r r e i ch e u F ü r st i u v o n B ü ck e b u r g. Cherebez la fernme I" Das Detmoldcr Blatt überbietet in seiner Antwort die„Landes- zeitung" noch an Dunkelheit: „Die„N. Bayer. LadcSztg." glaubt, irgendwelche Geheimnisse verraten zu können. Wir wollen dem Blatte nicht mil gleicher Münze antworten, denn erstens sind seine„Geheimnisse" un- kontrollierbar, zivcitcns halten wir es nicht für anständig.„Geheim- uisse" auszuplaudern, und drittens sind die dem Rcdacteur dieses Blattes bekannten s e k r e t e u Angelegenheiten von solcher Natur, daß ihre Veröffentlichung mit mehreren Monaten Festung honoriert werden würde, svbald geeignete Deiinn- ziaiitcn sich fänden. Und die giebt es ja in Detmold. Das sind nette Andeutungen!— Die Vcrkoppclmig von Kanalvorlage»nd Gemeinde- Wahlgesetz wird, wie die„Freis. Ztg." schreibt, seitens dcr Centrums- Partei auch dem Herrenhanse gegenüber durchgeführt werden. Dem- gemäß wird die Centrumspartei sich der Verabschiedung der Kaualvorlage im Abgeordnetcnhause in dritter Lesung so lange widersetzen— nötigenfalls unter Androhung der Verwerfung der Vorlage— bis im Herrenhanse das Gemeinde-Wahlgesetz endgültig Ein Nktcnstück anS dem Mnckcrlande. In dem ehemaligen Stöckerschen Wahlkreis begab eS sich nn- Inngst, daß ei» VolksschiiUehrer von seiner ehelich angetranten Frau ein Kindlein bescheert erhielt. Das kommt mm des öfteren vor, aber in diesem Falle war noch ein Merkwürdiges bei dcr Geschichte: Die Geburt erfolgte nach sechs monatlicher Ehe. Der Pfarrer, der gleichzeitig KreiSschnlinspeftor war, rechnete und reckinele so lange. bis sein sittliches Gefühl sich empörte. Und als das sittliche Gefühl genügsaiii empört war. richtete er folgendes Schreiben an die könig- lichc Regierung,' das wir wortgetreu wiedergeben: Der Lehrer..... zu..... hat seine Frau..... am..... zu..... geheiratet, und am..... ist ihm eine Tochter geboren. Es liegt auf dcr Hand und tvird auch von dem Lehrer..... zugestanden, daß das Kind vorehelich erzengt ist. /Die Thatsache ist geeignet, den Lehrer..... in seinem Ansehe n herabzusetzen und ihn der Achtung und des Ver- t r a u e n s, welche sein Beruf erfordert, unwürdig zu machen. Ich beantrage daher, daß königliche Regierung im Disciplinarwege gegen den Lehrer..... verfahre. Der Kreis-Slkmlinspektor. ...... Pfarrer. WaS hätte der unglückliche Lehrer also thun sollen, um sein Ansehen zu behaupten: Das Mädchen sitzen lassen! Dann würde er sich ans der Höhe der bürgerlichen Moral behauptet haben.—_ Vorschriften über die Behandlung der Arbeiter auf staat- ltchcn Bauten. In den allgemeinen Vertrags-Bedingungen für die Ausführung von Staatsbauten sind die Verpflichtunaen der Unternehmer den Arbeiten? gegenüber etwas anders gefaßt worden. Diese neuen Beftiminungeii lauten: „Der Unternehmer hat, soweit es seinen Arbeitern nicht selbst möglich ist, angemessene Unterkunft oder Verpflegung zu entsprechen- den Preisen zu finden, die dazu erforderlichen Einrichtungen auf eigene Kosten zu treffen. Er hat den in dieser Beziehung an ihn gestellten Anforderungen der baulcitcndc» Beamten zu genügen. Auw im übrigen hat er denjenigen Anordnungen zu entsprechen, welche zur Sicherung der Gesundheit seiner Arbeiter und zur Wahrung dcr Reinlichkeit von den bauleitenden Beamten getroffen werden. Abtritte sind an den ihm von den letzteren angewieseiien Plätzen herzustellen, regelmäßig zu desinfizieren und demnächst wieder zu beseitigen. Ter Unternehmer ist ferner verpflichtet, auf den Baustellen die zur ersten Hilfeleistung vor Ankunft des Arztes erforderlichen Verbandmittel und Arzneien nach den Weisungen der bauleitenden Behörde bereitzuhalten. Die bauleitenden Beamten sind berechtigt, die ordnungsmäßige Ausführung der auf Grund der Bestimmungen dieses Absatzes getroffenen Anordnungen zu über- wachen". Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat bei der Bekannt- machuiig an die nachgeordneten Behörden die Erwartung misgcsprochen. daß die bauleitenden Beamten einer an- gemessenen Unterbringung und Verpflegung des bei den Bau- äuSsiihruiigen beschäftigten Arbciterpersonnls ihre Aufmerk- samkelt zuwenden und durch häufigere Revision der Wohn- statten zc., insbesondere der etwa erbauten Arbeiterbarackcn, sich davon überzeugen werden, daß für das Unterkommen und die Beköstigung der Arbeiter in gehöriger Weise gesorgt ist, auch die in dieser Beziehimg etwa erlaffenen Polizeiverordnungen Beachtung gefunden haben. Bei Prüfung der Frage, ob es der Herstellung bc- sondeichr Einrichtungen, wie der Erbauung von Barocken, Speise- anstalten usw. bedarf, sollen nicht nur die Interessen der Verwaltung, sondern auch die eigenen Wünsche der Arbeiterschaft aiigeinesicii berück- sichtigt werden. Bis zu Vorschriften über einen zu zahlenden M i n i in a l l o h n und eine innezuhaltende M a x i m a l a r b e i t s z e i t hat sich der preußische Minister leider nicht aufraffen können.— Maßnahmen gegen Streikende. In der letzten Sitzung de? Ausschusses des Verbandes deutscher Leinen- I n d U st r i e l l e r teilte Herr Direktor Polemann mit, daß ihm ans sein nntcr dem 24. Mai d. I. versandtes Rundschreiben, ein gemein- schaftliches Vorgehen dcr Arbeitgeber dcr deut>chc>l Flachs-. Hans- lind Jntcspimiercien gegen unberechtigte(?) Forderungen der Arbeiter betreffend, von einem nicht unbeträchtlichcii Teile der Ver- bandsmitglicder keine Anllvert. zugegangen sei. Von ten cingelanfcncn Antworten hätten sich auch nur ein Teil ohne Einschränklmg zustinimend erklärt, ein anderer Teil mit Ein- schränluiig und ein dritter Teil ablehnend. Nack diesem Ergebnisse verzichlc er darauf, seine Vorschläge zur weiteren Diskiisstoil zu stellen, behalte sich jedoch vor, in dcr nächsten Eciicralversammlnng des Ver- bandcs deutscher Leincnindnstrieller die Sache wiederum zur Sprache zu bringen und zu versuche», eine engere Vereinigung der Verbands- genossen gegenüber Streiks zu erzielen. Dcr Ausschuß erklärte sich damit einverstanden, daß diese Angelegenheit zn einem Gegenstände der Tagesordnung der Generalversammlung des Verbandes dcutscher Leinenindnstricller gemacht werde. Die Schiltzkosigkeit der TienstSotc». A»S Hesse» schreibt unS unterm 5. Juli unser o-Korrespondcnt: Ein Aiifichcn erregendes Urteil hat die S t r a s k a m m e r in Mainz gefällt. Der Sachverhalt ist folgender: In einer April- Nacht verlangte der Gastwirt M. Ruß in Mainz Einlaß in das Schlafzimmer seines 15jährigen Dienstmädchens. Als das Begehren erfolglos blieb, sprengte Ruß, der früher schon dem Mädchen nnsitt- liche Anträge gestellt hatte, die Thür. IN seiner Angst sprang das Mädchen aus dem Fenster. Da sich das Zimmer im vierten Stock befand, verletzte sich die Arme so schwer, daß sie zeitlebens ein Krüppel bleiben wird. Es wurde Anklage erhoben gegen Ruß wegen thätlicher Beleidigung. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis. Ruß er> erklärte vor Gericht, er habe sich lediglich in jener Nacht überzeugen wollen, ob da? Mädchen allein sei. Da? Gericht erkannte auf Freisprechung, soweit thätliche Beleidigung in Betracht komme. Nuß habe in jener Nacht nur von seinem HauSrcchl Gebrauch ge- macht, als er sich überzeugen wollte, ob das Mädchen niemand bei sich habe. Wegen der dem Mädchen zugefügten Beleidigungen durch die ihm gemachten unsittlichen Anträge erlaiintc das Gericht auf zivei Monate und eine Woche Gefängnis. Chronik der MajcstätöbclcidignngS-Prozeff«. Der Genosse Otto Pcssier in Hamburg sollte in einer Der- sammlung dcr oberelbischen Schiffer auf der Veddel bei Hamburg in seinem Referat über den Wert gewerkschaftlicher Organisation gelegentlich einer kurzen Erwähnung der Ochnhansencr ttciiserrede und der Palästinafahrt eine den' deutschen Kaiser beleidigend« Aenßenmg gethan haben und war deswegen im März d. I. vom Landgericht Hamburg zn vier Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. Sein Verteidiger Freiherr v. Oldershausen hatte dagegen Revision eingelegt, dieselbe ist jetzt aber vom Reichsgericht als unbegründet zurückgewiesen worden. Genosse P. bat schon die Aufforderung erhalten, binnen wenigen Tagen seine Wohnung»ach der Raboisemvache zu verlegen, wo so mancher Socialdemokrat schon gebessert" ist.—_ Von der Hamburgischcn SittlichkcitSpflege. In Hamburg giebt eS bekaimtlich nach einem Ausspruch deS Hambnrgischen BuiidesratS-Bevollmächtigteii im Reichstage kein: Bordelle� sondern mau nennt diese noch zu Hunderten existiercnbe'., itnd ganz offiziell konzessionierten Lnsthänser etwas sehr euphemistisch „Beherbergereien". Seit ciingen Jahren duldet die Homburgische Polizei min keine Ansläiideriniieii mehr in diesen„Beherbergereien". Die Häuser sind deshalb jetzt bevölkert von früheren Ausländerinnen, die die deutsche Reichsangchvrigkcit erwarben, indem sie sich m>» nationalen Zuhältern vor dem Standesbeamten kopulier-n ließen, und von nationalen Dirnen, die von jeher sich dcr Zugehörigkeit zum Tcutschen Reiche erfreuten. Seit die Polizei nnil die Praxis übt. keine nichtrcichsangehörige Dirnen in den Hambnrgischen Beherbergereien alias Bordellen zn dulden, hat sie die Gepflogenheit, Franenspersonen. von denen sie annimmt, daß sie ihre Liebe in den Handel bringen, unter Sitteiikontrolle zu stellen und ihnen aufzugeben, in eine der für Unzuchtsbetrieb konzessionierten Beherbergereien zu ziehen. Naturgemäß mußte e? dabei passieren, daß dann und tvann von dieser Maßnahme Betroffene dieselbe nicht verdient hatten oder doch nicht verdient zu haben glaubten und sich weigerten, sich der Sitten- kontrolle zu fügen. So vor einiger Zeit eine jetzt verheiratete Frau, die früher einmal im Mecklenburgischen unter Kontrolle gestanden hatte. Sie beantragte gerichtliche Entscheidung gegen eine Strafverfiignng der Polizei und wurde vom Landgericht freigesprochen, weil das Gericht der Ansicht war, die Maß- »ahme der Polizei der Frau gegenüber sei durchaus unbegründet. Auf die Revision des Oberstaatsanwalts hat das Hanseatische Ober- landcsgericht jedoch das freisprechende Urteil ausgehoben und ein- schieden, daß die Polizei das ganz allg e�n cincRecht habe, FrauensperjoneyunterSittenkon trolle z'u stellen, ohne daß denBetroffeneu dasRecht zustche, gegen die Maßnahme der Polizei gerichtliche' En t- cheidnng zu beantragen. Diese Anficht des Hambnrgischen OberlandeSgerichtS wird nicht verfehlen, in tveitcn Kreisen daS größte Aufsehen zu erregen. Fricdenökonfereiiz. Haag, 7. Juli. Die heute von der dritten Kommission der Friedciiskonfercnz angenommenen Zusatz- bestimmungen zu dem Entwurf eines Vertrage? über die Schiedsgerichte lauten folgendermaßen: a) Die Mitglieder des ständigen SckicdSgerichtshofcs haben bei der Ausübung ibres Amtes diplomatische Privilegien»nd Immunitäten, bj Das Centraibureau wird ermächtigt, seine Lokalitäten und seine Organisatton den Signataynächten für die Arbeiten eines jeden besonderen SchicdsgericktS zur Verfügung zn stellen, c) Tie Signatarmächte verpflichien sich, dem Bureau eine Kopie von jeder Abmachung, die zwischen ihnen beziiglick des Schiedsgerichts getroffen wird, mit- zuteilen, ferner alle Urteilssprüche, die von anderen Schiedsgerichten, als von dem ständigen Schiedsgerichtshof gefällt worden sind. Die Signatarmächte verpflichten sich auch dem Bureau die Gesetze, Ver- ordnnngen sowie alle Dokumente mitzuteilen, durck welche die AuS- ftihntng der vom ständigen Schiedsgerichtshof gefällten Urteilssprüche estgcstellt wird. In seinem Bericht wicS DeScamps darauf hin, daß dcr Sitz des ständigen SchicdsgerichtshofcS Haag sein würde und daß dieser Ort nicht nur der Mittclpimkt für schiedsgerichtliche Rechtsprechung. andern auch fiir die schiedsgerichtliche Rechtslehre sein würde. Die lächste Sitzimg der Kommission wurde auf Montag, den 17. Juli. estgcsctzt, nachdem Delyannis erklärt hatte, daß ihm und anderen Deieginen 8 Tage nicht genügten, um ihren Regierungen die Dokumente mitzuteilen, über die sie nähere Jnstrukttonen zu erhalten wünschten. Der Schluß der Konferenz dürfte also nicht vor dem 20. d. M. zu erwarten sein. Ausland. Finnland. AuS HelsingförS wird uns über die Reise deS Großfürsten Wladimir geschrieben, daß dieselbe.Väterchen", wenn es noch lernen lönnte, hätte belehren müssen. Trotz aller Anstrengungen war es nicht möglich, dem Großfürsten einen.Empfang' zu bereiten. Das Volk— in Stadt und Land�berhielt sich eisig kalt, und wer nicht von Amtswegen gezwungen war, hielt sich fern. Mit größerer Einmütigkeit hat nie ein Volk gegen Vergewaltigung protestiert.— lieber die Massenpetition und eine Schwindeladresse an den Zaren schreibt man uns: Die Massenpetition des finnischen Volkes ist endlich dem Zaren vorgelegt worden, seitdem sie den vorgeschriebenen Weg durch die Gouverneure und den Generalgouverneur des Landes passiert hatte. Die Adresse, von 630 000 Unterthanen unterzeichnet, ist von dem Zaren ganz unbeachtet geblieben, wie es auch vorauszusehen war, seitdem die große Deputation nicht empfangen wurde. In diesem Zusammenhang aber ist es von Interesse, sich die näheren Ilmstände einer anderen Adresse zurückzurufen, die schon vor einigen Wochen dem Zaren vorgelegt wurde und von ihm mit.Zufriedenheit" gelesen und mit einem.Dank" abgefertigt wurde.— Nachdem die große Massenpetition der Finnländer zu stände gebracht war, fühlten sich die Feinde Finnlands sehr unzufrieden und nervös. Herr vobrikofs, der russische Gcneralgouverneur Finnlands, sann �.ag und Nacht Pläne aus, um die Wirkung der Petition zu zer- stören und suchte vor allem eine Gegcnpetition zu stände zu bringen. Aber obgleich seine bezahlten Agenten das Land kreuz und quer durchwanderten und gegen bares Geld Namensnnterschrrften kaufen wollten, ging es doch nicht. Aber endlich in einem Dorfe Kygrölä an der russischen Grenz«, wo die Einwohner, wenn auch finnisch svrechend, unter dem Einfluß des orthodoxen Priesters und Lehrers stehen, fand er seine Schafe. Auf seinen„hohen" Befehl wurde eine Versammlung abgehalten, worin die Priester und die Lehrer aus- traten und die Notwendigkeit einer Protcstation gegen die Massen- Petition und einer Dankadresse an den Zaren darlegten. Die Anwesen- den, die nicht ein halbes Hundert waren, nahmen den Vorschlag an, doch nicht ohne dag einige sich dagegen erklärten. Das Protokoll wurde dann Herrn Bobrikoff cingehändigt, der kurz darauf dem orthodoxen Priester einen Dankbrief sandte und ihm auch den guten Rat gab, die im Protokoll befindlichen Vorbehalte auszulassen, dann konnte die Adresse weiter befördert werden. Der Brief war nicht für die Ocffcntlichkeit bestimmt, aber in seinein Eifer beinerkte es der Priester nicht.sondern las ihn mit lauter Stimine in dcrKirche vor.— Die Adresse konnte jedoch nicht direkt durch den Gcneralgouvcrnenr dem Zaren vorgelegt werden, sondern mußte nach der Verordnung von 1826— eine Verordnung, die aus der Vergessenheit hervorgesucht wurde, um den großen Deputationen Einhalt zu thun— durch Ver- mittelung des betreffenden Gouverneurs, eingesandt werden. Der finnische Gouverneur that eS zwar, fügte aber auch hinzu, daß das Protokoll in einem defekten Znstande sei, weil die Vorbehalte ausgestrichen worden, und daß die gesetzlichen Fornien sowohl bei der Bekanntmachung der Versammlrmg als bei Abhaltung derselben nicht befolgt waren. Herr Bobrikoff befand sich in Ver- lcgenheit. Ilm den Schein zu retten, wandte er sich an seinen Schwiegersohn, den Hofrat Ganzgau, der überhaupt fiir allerlei sehr unsaubere Austräge verwandt wird, die Adreßgeschichte im Dorfe ÄygrülS. zu untersuchen. Alle? bestätigte sich, was durch das Gou- Verneursamt schon berichtet worden war, nämlich, daß die gesctz- lichen Formen nicht beobachtet worden waren. Jetzt war guter Rat teuer. Nach vielem Grübeln fand man einen Ausweg.' Es hieß setzt: Zwar hatten die Bewohner de? Dorfes die gesetzlichen Formen in ihrer Versammlung und in dem Protokoll nicht beob- achtet, allein eS sei auS Unverständnis geschehen; die Hauptsache sei die große Treue und Dankbarkeit der Bauern gegen den Monarchen und deren Mißbilligung der Massenpetttion. Diese Gefühle hielt, sich der Generalgouverncur ge- drungen, dem Zaren vorzulegen, es war einfach seine Pflicht gegen die Einwohner.— Und dann schrieb er an den finnischen Miiiister-Staatssekretair in Petersburg einen sehr charakteristischen Brief, in dem es unter anderem hieß, daß die griechisch-katholischen Mttglicder des Dorfes Khgvültt, welches 1863 Einwohner zählt, sich tief verletzt fühlten durch die Massenpetitton und deshalb ihre grenzenlose Treue und Ergebenheit vor_ den Füßen des Selbstherrschers niederlegen wollten.... � Diese sehr lobenswerte Kundgebung der Dorf- bewohner— hieß es weiter— solle der Minister-Staatssekretär seiner kaiserlichen Majestät unticthänigst kundthun. Der Brief war so aufgefaßt, daß der Leser, d. h. der Zar, daraus die Vorstellung bekommen sollte, alle die 1363„Seelen" hätten die Adresse unterzeichnet. In Wirklichkeit wurde.die Adresse" nur von sieben(I) Personen unterzeichnet— und von diesen 7 Namen waren 6 mit derselben Handschrift ge- schrieben!— Der Minister-Staatssekrctär wollte diese unbedeutende Adresse dem Zaren nicht vorlegen, ehe die Massenpetition an ihren Bestini- mungSort gelangt war; allein Herr Bobrikoff, der schon vor Auf- reguug brannte, schrieb einen direkten Brief an den Zar, und er- wähnte darin die berüchtigte Kygrölä-Adreffe. So blieb dem Mmister-Staatssekretär nichts übrig als dieselbe zu überreichen. Und darauf beeilte sich das russische T ele grap h en amt, das der Welt schon eine Masse falsche Nachrichten von Finnland gegeben hat, die neue Lüge von den 1363 dankbaren»Seelen" auf» zutische n.— Oestreich«Ungar». Wien, 8. Juli.(„Voss. Ztg.") Einer Abordmmg fortschrittlicher Wähler gegenüber, die bei dem Ministerpräsidenten erschien, um auf die Gefahren einer Sanktionierung der Wiener Wahlreform hinzuweisen, antwortete Graf'Thun ausweichend, er sagte, er werde die Angelegenheit eingehend studieren und dann im Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit die Entscheidung treffen. Diese zweideutige Erklärung Thuns, der sich aus Furcht vor den Christlich-Socialeu zu einer Entscheidung nicht aufzuraffen wagt, dürfte kaum zur Beruhigung Wiens beitragen.— Frankreich.,'> PariS, 8. Juli. Auf Madagaskar hat vor kurzem der Gegend von Jnongo ein Aufstand stattgefunden. Die Stellungen. in welchen sich die Rebellen verschanzt hatten, wurden am 84. und 26. Juni genommen. Von den europäischen Soldaten wurde einer getötet; mehrere andere wurden leicht verwundet. Die Rebellen wurden zerstreut.— Tie Eutfcrunng deS Generals Zurlindcn vom Posten des Militärgouveriieurs von Paris, die wir gemeldet haben, wird natürlich von den Nationalisten heftig angegriffen. Die nationalistische Presse erklärt, die Entfernung des Generals sei ein Beweis dafür, daß das Kabinett den Feldzug der Wiedervergeltung aus Anstiften der Parteigänger Dreyfus verfolge.— Die rem- sionistische Presse spricht dagegen ihre Genugthuung über die Ent- feniung Zurlindcns auS, welche unumgänglich gewesen sei.— England. Tie englische Socialdcmokratte agitiert kräftig gegen die Bestrebungen der.JingocS", einen Konflikt mit der B o e r e n- Republik herbeizuführen. Wie wir der„Justice" entnehmen, hat die„Socialdcnwkrnttsche Föderation" eine Penny-Broschüre ver- öffentlicht, welche den Sachverhalt klarlegt und inMassenverbreitet wird. Außerdem hat sie einen Cyklus von Meetings veranstaltet, die für London an Sonntagen auf dem historischen Trafalgar Square statt- finden. Ferner wird ein Petitionssturm organisiert, um für die englischen Ausländer(Uitlandcrs), d. h. die Hunderttausende von Deutschen, Franzosen usw., in England dieselben Rechte zu fordern, wie Lord Chamberlain sie als heiliges Natur- und Völkerrecht für die„Ausländer" von Johannisburg fordert. Die„Justice' selbst schreibt:„Diese aggressive Politik— ChamberlainS— ist nicht im Interesse der vorgeschobenen„Aus- länder" sondern in dem des internationalen Raub- g e s i n d e l s, das sich des reichen„Randes" bemächtigen will. Wir protestieren gegen diese Schurkenpolitik(xolic� ok rascality) und wenden uns an alle ehrlichen Männer und Frauen in England, uns in unserem Kampfe wider die Vertreter dieser Politik zu unter« stützen." Daß auch die englischen Friedensvereine die Sache in die Hand genommen haben, wurde bereits in unserer Londoner Korrespondenz erwähnt.— Spanien. Madrid, 8. Juli. Die Gegensätze zwischen Finanz- und Kriegsminister haben sich, wie der»Voss. Ztg." gemeldet wird, derart verschärft, daß eine KrisiS unvermeidlich scheint. Im allgemeinen ist die Stellung der Regierung sehr erschüttert. Die letzten Erklärungen SilvelaS in den CorteS beweisen, daß im Kabinett keine Einigkeit besteht. Die heutige Kammersitzung wird voraussichtlich äußerst stürmisch verlaufen; die OppositionS- Parteien werden einen allgemeinen Anstunn gegen die Regierung Unternehme».— An: Freitag fällte der Oberste Rat für Krieg und Marine ein Urteil in dem Prozesse wegen des Verlustes des Ge- s ch w a d e r s des Admirals C e r v e r a. Admiral Cervera und die anderen Befehlshaber wurden auf freien Fuß gesetzt, mit Ausnahme des Kommandanten des„Colon", Diaz Moreau und des Generals Paredes, welcher während deS Gefechtes an Bord des „Colon" sich befand. DaS Verfahren gegen die beiden letzteren dauert fort.— Afrika. Die südafrikanische Frage. Wie dem„Reuterschen Bureau" aus Kapstadt gemeldet wird, hat der Premierminister der Kap- kolonie Schreiner in einer Unterredung erklärt, er halte die von der Regierung der Südafrikanischen Republik gemachten Reform- Vorschläge für genügend und befriedigend.— Die Massenaussperrnng in Dänemark. Kopenhagen, 7. Juli 1869. In der gestrigen Sitzung der Einigungskammer wurden die Verhandlungen zwischen den Delegierten der Arbeiter und denen der Arbeitgeber abgeschloffcn, d. h. wenn überhaupt die Rede von„Ver- handliingen" sein kann, so lange als die Arbeitgeber nichts anderes zu thun versuchen, als den Arbeitern erniedrigende Sklaven- bestimmnngen aufzuoktroyieren, welche von' den Arbeitern nur mit' einer absoluten Zurückweisung beantwortet werden können. Selbstverständlich wurde ein Resultat nicht erreicht, und die Zeit war nun gekommen, da die Einigungskammer versuchen sollte, ob ein solches erzielt werden könnte. Als die Frage hierüber von feiten der Einigungskammer ge» stellt wurde, gebrauchten die Delegierten der Arbeitgeber eben- dasselbe rücksichtslose Auftreten wie früher. Wie vielleicht er- innerlich, suchten die Arbeitgeber durch Bauernfängerkniffe aller Art die Sache in die Länge zu ziehen, während diese vor den, Schiedsgericht verhandelt wurde. Sie begannen damit, die Kom- petenz des Schiedsgerichts zu bestreiten. Da dieses trotz mehrerer wiederholter Versuche nicht gelingen konnte, verlangten sie schrist- liche Procedur mit der daraus folgenden Hinausschiebung der Ver- Handlungen, und diese wurden dann in einem durchaus unver- gleichlichen Grade in die Länge gezogen. Weiter verlangten sie den stenographischen Bericht reingeschriebe» und gedruckt, ehe sie mit neuen Eingaben kommen wollten. Der Einigungskammer gegenüber haben sie nun die gleiche Takttk befolgt, und ehe sie der Kammer erlauben wollten, eine Einigung zu versuchen, verlangten sie auch hier den stenographischen Bericht über die Verhandlungen reingeschriebe» und gedrückt. Dieses währt selbstverständlich mehrere Tage, und die Arbeitgeber erreichten dadurch, was sie die ganze Zeit über geplant haben, nämlich die Aussperrung auch weiter aufrecht zu erhalten. Von feiten der Arbeiter könnte diese Einigungskammer, welche nichts anderes gcthan hat, als die Zeit hinauszuziehen, ohne ein Resultat zu erzielen, mit gutem Grunde gesprengt werden, und die Delegierten der Arbeiter protestierten denn auch energisch gegen dieses Possenspiel. Wir haben die Einigungskammer jedoch nicht sprengen wollen, weil wir auf keine Weise uns den Anschein geben wollen, als ob wir den Streit fortzusetzen wünschen, aber ivir wollen es für immer festgestellt wissen, daß es die Arbeitgeber sind, welche unbedingt einzig und allein die Schuld sowohl an der Aussperrung als auch' an ihrer Fortsetzung tragen. Wir warten deshalb den Zeitpunkt ab, Ivo die Kammer bcstinnncn wird, ob sie die Einigung versuchen will. Aber wir erwarten nicht das gering sie Resultat hiervon. Die Stellung der Sache macht es deutlich und klar, daß die Arbeitgeber um jeden Preis die Aussperrung fortsetzen wollen, bis sie glauben, daß die Arbeiter so genügend ausgehungert sind, daß sie den Nacken unter die Sklavenbedingungen der Arbeitgeber beugen werden. 'Wir hoffen jedoch, daß dieser Zeitpunkt niemals kommen wird. Die Aussperrung hat mm ca. 7 Wochen gedauert, außerdem daß 4000 Tischler schon 10 Wochen lang auf die Straße geworfen worden sind, und in dieser ganzen Zeit haben die Aus- gesperrten eine Ruhe und eine Würde bewahrt, welches unS selbst bei unsern erbittertsten Feinden Achtung und Respekt verschafft hat. Und trotz dem langwierigen und erbitterten Kampfe sind die Aus- gesperrten guten MuteS und dazu bereit, noch ein gut Stück Zeit für ihre Menschenrechte zu kämpfen, bis eS uns gelingen wird, über die Rücksichtslosigkeit und die Brutalität der Arbertgeber zu siegen. P. K n u d s e n. GeviMs-Leitung. Ei» angebliches Streikvergchcn, welches schon vor drei Jahren begangen sein soll, kam erst ain Sonnabend vor der sechsten Strafkanuner am Landgericht l als Berufungsinstanz zur Vcrhand- lung. Während des Hutmachcrstteiks im Juni 1896 sollen die Streikenden K ortmann und Rh lack, zwei Arbeiterinnen, die in der Fabrik von Zechelius Streikbrechcrdienste leisteten, bc» droht haben. Das Verfahren hat sich so lange verzögert, ivcil die HauptbelastungS- Zeugin und angeblich Bedrobte, die„Arbeitswillige" Nowick, bisher nicht zu ermitteln war. Sie wurde am Sonnabend aus der Untersuchungshaft, wo sie unter dem Verdacht deS Diebstahls sitzt, vorgeführt, um als Zeugin gegen die Angeklagten aufzutreten. Die Nowick gab an, sie habe während des Streiks in der Köpenickerstraßc gearbeitet. Als sie an einem vornnttag um Vig Uhr Frühstück holen wollte, seien Kortmann und Rylack auf der Straße zu ihr herangetreten und hätten sie zu überreden versucht, daß sie am Streik teilnehme. Sie habe darauf geantwortet:„Ihr seid tvohl verrückt!" Hiernach habe sie von dem einen der Auge- klagten eine Ohrfeige und von dem andern einen Stoß erhalten. Der Vorsitzende hielt der Zeugin vor, daß sie bei einer früheren Vernehmung den fraglichen Vorgang als morgens um W Uhr geschehen angegeben und gesagt habe, die Angeklagten hätten ihr zugerufen:„Verfluchte Streikbrecher!" Nachdem die Zeugin eine Zeitlang in ihren Aussage» hin und her geschwankt hatte, fühlte sich der gleichfalls als Zeuge anwesende Fabrikbesitzer Zechelius ver» anlaßt, ihr zu Hilfe zu konnnen, indem er vortrat und erklärte, sie sei wohl mehrfach von Streikenden belästigt worden und verwechsele deshalb die einzelnen Vorgänge.' Schließlich blieb � die Zeugin bei der vorstehenden Aussage und fügte hinzu, der Ruf:„Verfluchte Streikbrecher, hört doch auf zu arbeiten". sei eines abends ausgestoßen worden, jedoch wisse sie nicht von wem. Als ein anderer Zeuge bekundete, er habe von Belästigungen Arbeitswilliger durch Streikende nichts gesehen, hielt es wieder oer Zeuge Zechelius für nötig, den Gerichrshof darauf aufmerksam zu machen, daß dieser Zeuge z» den Streikenden gehörte. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme kam das Gericht zu dem Urteil, daß ein Vergehen gegen tz 153 der Gewerbe- Ordnung nicht vor- liege, da der Stoß und die Ohrfeige nur eine Erividernng waren auf die Aeußerung der Zeugin:„Ihr seid wohl verrückt!" Da auch nicht festgestellt werden konnte, wer am Abend gerufen habe: „Verfluchte Streikbrecher, hört doch auf zu arbeiten", mußte das Urteil des Schöffengerichts— welches auf vier Wochen Gefängnis lautete— aufgehoben und die Angeklagten freigesprochen werden. Ocffentliche Parteiversammlnngen zu VerrinSversamm- lunge» zu stempeln» ist auch in unserer Nachbarstadt Köpenick ver- sucht worden. Der Vertrauensmann der Socialdemokratie von Köpenick und seiner Umgegend, Genosse Nieke, hatte zum 26. August 1897 nach dem Kaise'rhof in Köpenick eine öffentliche Volksversammlung einberufen, die zu den Stadtverordnetenwahlen Stellung nehmen sollte. Nieke wurde zum Vorsitzenden gewählt. Der über- wachende Beamte forderte ihn alsbald auf, die Entfernung einiger Frauen zu veranlassen. Nieke kam dem nicht nach, worauf die Versammlung aufgelöst wurde. Auf die Beschwerden billigten die Polizeiverwaltung und die höheren Beschwerde- Instanzen die Auflösung. Der Oberpräsidcnt führte aus, die Ver- sammlung wäre lediglich eine Bersamnilung des soctaldemokratischen Arbeitervereins gewefen, wenn Nieke auch nicht mehr Mitglied des Vereins sei. Es' handele sich hier um das oft iviederholte Verfahren des Vereins, feine Versammlungen als öffentliche anzukündigen, um die Teilnahme der Frauen zu ermöglichen. Der Beamte sei auf Grund des§ 8 des Vereinsgesetzes berechttgt gewesen,_ die Entfernung der Frauen ans dieser Versammlung eines politischen Vereins zu verlangen.— Genofse Nieke klagte dann beim Ober- Verwaltungsgericht und bestritt alle Annahmen und Angaben der Behörden.' Demgegenüber berief sich der beklagte Operpräsident auf die Polizeiak'ten, die wir weiter untest noch würdigen werden, und erklärte Nieke für einen„Vertrauensmann des Arbeitervereins". — In dein ersten Verhandlungstermin wurde der Kläger vor dem Ober-Vcrwaltungsgcricht durch den R.-A. Dr. Herzfeld vertreten. �-.Dieser rügte unrichtige Anwendung des Z3 desPereinsgesetzesmid des Artikels 29 der Verfassung. Dann führte er folgendes aus: Es handele sich hier entschiedcu um eine öffentliche Versammlung und nicht um die eines Vereins. Nichts weniger als alles spräche dafür. Einen Vertrauensmann des Vereins, als den der Ober- Präsident den Kläger anspreche, gebe es überhaupt nicht. � Der Kläger sei vielmehr Vertrauensmann der focialdemokratifchen Partei Deutschlands, die auf Grund des Vertrauensmümier- Systems organisiert sei, wie viele andere Parteien. Als Vertrauens- niaim der Köpenicker Socialdemokraten habe aber Nieke nnt dem socialdcmokratischen Arbeiterverein absolut nichts zu thun. Im Gegenteil werde die Thätigkeit des Vertrauensmannes der Partei auf das strengste geschieden von der Thätigkeit des politischen Vereins. Nieke sei mich bereits am 4. April 1397 aus dem Verein ausgetreten, lvährend die hier fragliche Ver- sammlung erst im August desselben Jahre? gewesen sei. Der An- Walt trat schließlich Beweis dafür an, daß der Vertrauensmann nicht im Austrage des Vereins die Versammlung einberufen habe. Durch Handzettel, die zum Teil sogar 300Zeitnngeii beigelegt worden wären, sei jedermann zu der Versammlung eingeladen worden, und es habe auch jeder Zutritt gehabt, der 10 Pfennig Entree ent- richtete. Selbstverständlich werden mich eine größere Zahl Vereins- Mitglieder dagcivcsen sein; das seien eben die Leute, die sich besonders für öffentliche Angelegenheiten, wie die Stadtverordneten- Wahlen. interessierten. Ihre Teilnahme lasse aber die Versammlung keineswegs als Vereinsvcrsammlung erscheinen.—— Der Senat beschloß damals gemäß dem Antrage Dr. Herzfelds eine umfangreiche Beweiserhebung und betraute damit eines seiner Mit« glieder. In seiner letzten Sitzung beschäftigte sich nun der erste Senat de? Gerichts abennals mit dem in inehrfacher Beziehung interessanten Rechtsstreit. Das Ergebnis der Beweiserhebung, das ansführ- lich vorgetragen wurde, stellt in geradezu verblüffender Weise die„Znvcrlässigkcit" polizeilicher Berichterstattung fest. In den A k t e ii d e r Polizeiverwaltung, auf die der Oberpräsident'angclviesen war, befindet sich ein Bericht des P o l i z e i- Inspektors I ä ck e l, worin es nach dem Vortrage im ersten Termin heißt:„Weim Beschwerdeführer augiebt, er sei nicht Mit- glied des Vereins und nicht dessen Vcrtrnucusmaim, so ist das unwahr oder eine Täuschung. Der'Beschwerdeführer be- tciligt sich n» jeder Vorsammluiig des socialdemokratischen Arbeiter- Vereins."— Diesem mit größter Bestimmtheit abgegebenen Bericht steht gegenüber die folgende vor dem Kommissar des Ober- V c r w aktungsgerichts gemachte Aussage desselben Herrn Jäckel:'„Ich kann bezüglich der BeweiSfmgcn aus eigener Wissenschaft«ichtö bekunden, sondern mich nur auf Mitteilungen in den mündlichen und schriftlichen Berichten derjenigen Beamten beziehen, die zu den Vereins- und öffentlichen Versa imnluiige» beordert waren. Nach diesen Berichten soll N. sich an den Versamnilmigen deS Vereins sich beteiligt haben und dort als Redner aufgetreten sein. Darüber. obA. nach den Bc- richten auch»och nach seinem Ausscheiden auS dem Verein dort aufgetreten sei, kann ich nichts sagen. Ein Polizeibeamter, meincS Wissens der Wachtmeister Hall er, erzählte mir später, N. wäre auS dem Verein ausgeschieden, um zu ermöglichen, daß die Frauen an„den" Versammlungen teilnehmen könnten. Ich nahm an, daß die Versammlungen des Vereins gemeint waren. Weiteres kann ich nicht bekunden." Der P o l i z e i w a ch t m e i st e r Haller, der die Versamm- lung vom 26. August 1897 überwacht und aufgelöst hat, sagte in seinem bei den Polizei-Akten b es in blichen Bericht: Es seien etwa 70 Männer und fünf Frauen dagewesen. Er habe die Versammlung sofort als eine rein politische erkannt, da sie nur auS Anhängern und Mitgliedern des socialdemvkratiscken Arbeiter- Vereins bestanden habe.— Vor dem Kommissar o es Ober- Verwaltungsgerichts sagte, dagegen Herr H a l l e r:„Wenn ich in meinem Bericht gesagt habe, daß die Versammlung n ii r aus Anhängern und Mitgliedern des socialdemokratischen Vereins bestanden habe,'so muß ich das berichtigen. In der Versammlung waren jedenfalls mir als solche bekannte Vcreiusmiiglieder zugegen. Wemi ich auch von Anhängern des Vereins gesprochen habe, dann habe ich damit hauptsächlich A n- Hänger der socialdemokratischen Partei gemeint. Ich vermag nicht aufrecht zu erhalten, daß nur An- Hänger und Mitglieder d c's V e r e in s in der Versammlung waren.— In einer öffentlichen Versanimlmig suchte Nieke seim Ausscheiden aus dem Verein zu rechtfertigen, indem er erklärte, er wolle verhindern, daß den Frauen die Teilnahme an Versamuilungeu verwehrt werde. Ich verstand daS so, als wolle Nicke den Schein vermeiden, daß er in Zukunft Versammlungen als Mitglied des Vereins einberufe. Nicht er, Hein und Woik, Vorstandsmitglieder deS er- wähnten Arbeitervereins, sagten als Zeugen übereiiistwmieiid aus: Nieke sei thatfächlich im April 1897 aus'dem Verein ausgeschieden. Er sei niemals im Verein als Redner aufgetreten; höchstens habe er v o r seinem Ausscheiden gelegentlich mal in der Diskussion ein paar Beinerlungen gemacht. N. besäße auch keine Redner- gäbe. Nach seinem Austritt aus dem Verein sei der Kläger nicht mehr in den Vereiiisversammluiigen erfchienen, abgesehen von einem Male, wo er sich dort als Mitglied der Wahlvorberettungs- Kommission habe informieren müssen. Die öffentliche Versammlung vom 26. August 1897 habe N. thatfächlich nicht im Auftrage des Vereins einberufen, sondern als Vertrauensmann der social- demokratischen Partei. Eine Anzahl weiterer Zeugen bclundeten, daß sich am 26. August 1897 unter den über 100 Versammlungsbesuchern neben zahl- reichen Vcrcinsmitgliedern auch zahlreiche NichtVereins- Mitglieder befunden hätten, und zwar Leute, die der social- demokratischen Partei angehörten, und solche, die keine Social-' demokraten seien. Zu der Frage, warum Nicke auS dem Verein ausgeschieden sei, hatten Woik und Noak im wesentlichen noch bekundet, Nieke habe erklärt, die Polizei mache ihm fortwährend Scherereien. wenn er als Vertrauensmann Volksversammlungen mit Frauen einberufe, und um d'esen Scherereien zu entgehen, wäre er ans dem Verein ausgetreten. Der Senat erachtete die Klage des Genossen Nieke für begründet und hob denBe scheid des Oberpräsidenten und die darin aufrechterhaltene Verfügung der Polizeiverwaltung, die die Auf- lösung billigte, als verfehlt auf. Der Präsident Persius führte zur Begründung des Urteils aus: Durch die Beweiserhebung sei festgestellt, daß der Kläger die Versammlung weder im ausdrücklichen, noch im still- schweigenden Auftrage des socialdemokratischen Arbeiter- Vereins einberufen habe. Die Angabe Jäckels beruhe nur auf Hörensagen und sei durch die Aussagen der Zeugen Hein, Woik und Richter widerlegt. Auch sei aus der Beteiligung einer größeren Anzahl von Vereins- Mitgliedern an der strittigen Versammlung nicht zuschließen, daß es sich um eine Vereinsversammlung handelte. Der Grund, daß der Kläger aus dem Verein ausgeschieden sei, wäre unverfänglich, und es könne nicht daraus geschlossen werden, daß Nieke im Auftrage des Vereins Versammlungen einberufe. Handele es sich hier aber nicht um die Versammlung eines politischen Vereins, dann sei die Entfernung der Frauen nicht gerechtfertigt und die Auflösung der Versammlung zu Unrecht erfolgt. Unter der Anklage der schweren Kürperberletmiig stand gestern der Käufmann Jakob Dollert vor der 130. Abteilung des Schöffengerichts. In der Mittagstunde des 23. Februar d. I. ging der Angeklagte durch die Friedrichstraße. Hier betrieb der Zeitungshändler Neumann sein Geschäft in der Weise, daß er mit lauter Stimme ausrief:„Juden, Anarchisten und Socialdemokraten!" und dabei den Vorübergehenden seine Broschüren entgegenhielt. Dollert nahm als Jude Acrgernis an diesem Gcschäftsgebahren, er wandte sich an einen Schutzmann und verlangte die Sistierung des Broschürenhändlers. Der Schutzmann weigerte sich anfangs mit dem Bemerken, daß der Betreffende ihm bekannt sei, gab aber schließlich dem Drängen des Dollert nach und stihrte Ncnmann zur Wache. Der Angeklagte, welcher hinterherging, ließ sich plötzlich hinreißen, dem Neumann hinterrücks zwei wuchtige Schläge mit dem Schirm gegen den Kopf zu versetzen, ohne daß der Schutzmann es zu hin- der» vermochte. Nun erklärte� der Beamte dem Angeklagten, daß auch er sistiert sei, worauf dieser es vorzog, die Flucht zu ergreifen. Ein anderer Schutzmann nahm seine Verfolgung auf und nach längerem Bemühen gelang es ihm auch, den Flüchtigen zu stellen. Im Termin gab der Angeklagte den Thatbestand zu. Er entschuldigte sich nur damit, daß er durch das Gebahren des Zeugen Neumann in hochgradige Erregung versetzt worden sei. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Bröstel, erkannte in der Urteils- Verkündigung an. daß das Gcschäftsgebahren des Zeugen Neumann ivohl geeignet sei, auch andere Leute als Juden zu beleidigen, aber nimmermehr durste dies den Angeklngten veranlassen, hinterrücks über den Sistierten, �er sich unter dein Schutze der Staatsgewalt befand, herzufallen, und völlig unverständlich sei es. daß der An- geklagte dann die Flucht ergriffen habe. Das Urteil lautete auf zwei Wochen Gefängnis, der Staatsanwalt hatte 200 M. Geldstrafe deantragt. In der Strafsache gegen die der Hehlerei beschuldigten drei Schutzmänner ist die Voruntersuchung formell eröffnet worden und wird vom Landgerichtsrat Telle geführt. Die Angeklagten be- haupten nach wie vor, daß sich der Fahrraddieb Schlichteisen ihnen gegenüber als Fahrradhändler und Inhaber einer Lehr- bahn ausgewiesen und ihnen nur für sie selbst und einige Anverwandte Fahrräder zu billigen Preisen verkauft habe, so daß die Behauptung nicht zutreffe, wonach sie selbst einen förmlichen Schleichhandel mit gestohlenen Fahrrädern betrieben haben sollen. Dem Anschein nach liegen aber doch schwere Verdachts- Momente gegen die Angeklagten vor, denn der vom Rechtsanwalt Dr. Schwindt gestellte Antrag, die Angeklagten gegen Bürgschaft aus der Haft zu entlassen, weil schlimmstenfalls nur einfache Hehlerei gegen sie würde festgestellt werden können, ist vom Gericht ab- gelehnt worden. Wegen Betruges hatte sich gestern der Direktor Max Franke vor der>131. Abteilung des Amtsgerichts zu verantworten. Der Angeklagte ist Direktor eines Instituts zur Ausbildung junger Elektrotechniker, das sich guten Zuspruchs erfreut, und liefert seinen Schülern auch die nötigen Materialien. So hat er fünf Schülern Reißzeuge zum Preise von 22 M. geliefert unter der Vorspiegelung. die Lieferung erfolge zum Selbstkostenpreise; in Wirklichkeit bezog er die Reißzeuge en gros zum Preise von 11 M. das Stück. Nach der Bekundung der Sachverständigen stellt sich der Einzelverkaufspreis eines solchen Reißzeuges etwa' auf 15 M. Die geschädigten ftinf Schüler erklärten durchweg, sie würden die Reiß- zeuge nicht von dem Angeklagten bezogen haben, wenn sie den wahren Sachverhalt gewußt hätten. Rechtsanwalt Dr. Felix Meyerstcin als Verteidiger des Angeklagten bat um milde Beurteilung desselben, da der erlangte Vorteil immerhin ein geringer gewesen sei. Der Gerichtshof war aber mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß ein solches ehrloses Verhalten eines Direktors seinen Schülern gegenüber eine strenge Sühne erheische und verurteilte daher den Angeklagten tu sechs Monaten Gcfängniß sowie ein Jahr Ehrverlust. GemevkfthLtfflithvs. Berlin und Umgegend. Der Ausstand der Textilarbeiter der Firma Gebauer in Charlottcnburg vor dem Einiglingsamt. Bei den am Sonnabend vor dem Einigungsamt deS C h a r- lottenburgerGewerbegerichts stattgefundenen Einigungs- Verhandlungen wurde nach mehrstündigen Verhandlungen nach- stehende Vereinbarung zwischen der Firma und den Arbeiter-Vertretcrn getroffen: Vom 1. Januar 1000 ab zahlt die Firma folgende Löhne: Männlichen über 21 Jahre... 27—30 Pf. Mindest-Stundenlohn, (bisher: 22-27 Pf.) Männlichen unter 21 Jahre., 20—25„» (bisher: 17-22 Pf.) Weiblichen bis 18 Jahre..,,. 15„## „ über 18...... 18,,, (bisher 14-16 Pf.) Die Arbeiterinnen erhalten schon vom 5. August an 1 Pf. Zulage. — Die Arbeitszeit beträgt vom 1. Januar 10 Stunden.— Maß- regelungen dürfen nicht vorgenommen werden. Der Vorsitzende der letzten öffentlichen Tapezierer- Ver- fammlung sendet uns nachstehendes Schreiben zu: „In dem Bericht über die Versammlung der Tapezierer in der Nr. 156 vom 7. Juli des„Vorwärts" sind Ihrem Bericht- erstatter verschiedene Irrtümer unterlaufen, die richtig zu stellen ich mich als Leiter der betreffenden Versammlung veranlaßt sehe, mit der Bitte, dieses in der nächsten Nummer des„Vorwärts" berichsigen zu wollen. Nicht die Agitationskommission der Tapezierer hat den Vorschlag femacht, die Angelegenheit bei der Firma Jakob u. Braun- i s ch vor dem Einigungsamt des Gewerbegcrichts zu verhandeln, sondern das Gewerbcgencht hat selbständig eingegriffen und daraufhin haben beide Parteien erklärt, verhandeln zu wollen. In der Angelegenheit K i m b e I u. F r i e d e r i ch s e n ist zu be- merken, daß der Werkführer F l i e g n e r den Ausdruck:„die Arbeiter sind vom Schnapstrinken immer be) offen", nicht gebraucht hat, was auch in der Versammlung von keinen, Redner behauptet wurde. Es wurde wohl eiiunal das Wort„Schnaps" im Znsammen- Verantwortlicher Redacteur: August Jacobey in Berlin. Für den Ins hange mit dem Namen F l i e g n e r gebraucht, jedoch in einem ganz anderen Zusammenhange, als in dem Bericht des„Vorioärls" am gegeben. Einige andere kleine Irrtümer kann ich übergehen, da die- selben weniger von Belang sind." Deutsches Reich. Der Ausstand der Former und Gieffcreiarbeiter in Torgelow ist beendet. In der Sache, betreffend die Feststellung der Bedingungen, der Wiederaufnahme des Arbeitsverhältnisses in den T o r g e l o w e r Gießereien ist heute folgende Vereinbarung zu stände gekommen: 1. Innerhalb der Fabrikräume darf keinerlei Agitation betrieben werden, im übrigen aber werden sich die Arbeitgeber um die Zugehörigkeit der Arbeitnehmer zu den verschiedenen Vereinen nicht weiter kümmern. 2. Die Bildung eines Arbeiterausschusscs für jede Fabrik wird abgelehnt; dagegen versprechen die Arbeitgeber, in allen wichtigen Sachen die Vorstände der Betriebs- Krankenkassen anzuhören. 8. Durch Accordzettel oder Accordbücher soll bei Herausgabe der Modelle in jedem Falle der Accordsatz für die Arbeit fest- gestellt werden. 4. Bezüglich der Lohndifferenzen wurde im allgemeinen fest- gestellt: Der Lohn für diejenigen Maschinenformer, die bisher pro Kasten 4'/s Pfennig erhalten haben, soll zunächst um V* Pfennig, später auf den Minimalsatz von 5 Pfennigen er- höht werden. Auch bei Platten- und Handformern werden die bis- herigen geringsten Lohnsätze, soweit die Firma P. L. Sauer in Frage kommt, um 5 pCt. erhöht. 5. Die 10 stündige Arbeitszeit wird nur für die Wintennonate, d. h. für die Zeit vom 1. Oktober bis 1. April, zugestanden. Während der Sommermonate beträgt die Arbeitszeit 11 Stunden. Den Accordarbeitern ist aber gestattet, die Fabrik nach Be- endigung ihrer Tagesarbeit zu verlassen. Den Tagelohnarbeitern wird die 11. Stunde besonders bezahlt. 6. Nach erfolgter Abnahme von Gußstücken ist der Former für daran später vorgefundene Mängel nicht haftbar. 7. Die Arbeit wird spätestens am Montag, den 10. d. M. in allen Fabriken wieder aufgenommen. Die Wiedcreinstellung der Streikenden und Ausgesperrten erfolgt nach Bedarf und werden in erster Linie Torgelower berücksichtigt. Ueckermünde, den 4. Juli 1899. Das Gewerbegericht für den KreisUeckermünde als Einigungsamt. (Folgen die Unterschristen der Unternehmer- und Arbeiter-Vertreter.) Die Arbeiter haben diesem Vergleich ihre Zustimmung gegeben und desgleichen die Unternehmer, obwohl letztere anfänglich die seitens(ihrer Vertreter vereinbarten Bedingungen nicht anerkennen wollten. Sonach wird Montag, den 10. Juli, die Arbeit in samt- lichen Betrieben wieder aufgenommen. Die Kottbuser Maurer wählten in einer letzthin statt- gefundenen Versammlung eine Kommission von fünf Mann, welche beauftragt wurde, den Meistern folgende Forderungen zu unter- breiten: Eine Erhöhung des Lohnes pro Stunde um 3 Pf., vom 1. Januar 1900 ab Ivstündige Arbeitszeit und 40 Pf. Stundenlohn. Die Kommission wird beauftragt, die Lohnforderung bis zum 15. d. M. den Meistern zu unterbreiten. Der Breslancr Dachdeckerstrcik ist, nachdem die Meister die Forderungen der Arbeiter teilweise bewilligt haben, als beendet er- klärt worden. Die Arbeiter nahmen am Montag die Arbeit wieder auf. Freigesprochen und doch ausgewiesen. Der Oestreicher S o b o t a, Mitglied der Lohnkommission der Maurer in Bremer- Häven, war wegen angeblicher Verletzung des Z 153 G.-O. angeklagt worden, mußte vom Gericht aber freigesprochen werden. Trotzdem erfolgte tags darauf die AuSweisun g. Neue Aufgaben hat der Zuchthaus kurs, wie es scheint, den Polizeibehörden zugewiesen. Wie die„Bremer Bürger-Ztg." mitteilt, füttert nämlich der dortige Polizeibcricht neuerdings die bürgerlichen Blätter außer mit den üblichen Polizeinotizcn auch mit den Mitteilungen über Arbeitsniederlegungen. Jedenfalls hängt das mit der famosen Streikstatistik zusammen, welche die Polizei für den Herrn v. Posadowskh aufzunehmen hat. Wegen Lohndiffercnze» legten am Freitag 23 Eisenbahn- a r b e i t e r, welche auf der Saalbahnstrecke I e n a- G ö s ch w i tz mit Verstärkung der Schienennnterlagcn beschäftigt waren, die Arbeit nieder. Bisher erhielten dieselben einen Tagclohn von sage und schreibe zwei Mark; als die Arbeiter mit der Bitte um' Lohn- crhöhung vorstellig wurden, erhielten sie einen ablehnenden Bescheid, wobei ihnen bedeutet wurde, daß sie gehen könnten, wenn sie zu dem bisherigen Lohn nicht weiterarbeiten wollten. Das ließen sich die- selben nicht zweimal sagen. Einige Arbeiter haben sich schon jähre- lang mit diesem kärglichen Tagelohn durchgehungert; jetzt war ihnen auch dies nicht mehr möglich. Der Eisenbahnverwaltung wird es nicht leicht sein, andere Arbeiter zu diesem Lohntaris zu erhalten, weshalb die Streikenden auf einen Erfolg ihres Vorgehens hoffen. Weil er einen„Arbeitswilligen" mit dem Namen„Streik- brecher" belegt haben sollte, wurde in Frankfurt a. M. ein Bierfahrer zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte wird Berufung einlegen, da nicht er, sondern ein Schlächtergesclle den Ruf ausgestoßen habe. Zu den Unruhen in Herne schreibt die letzte Nummer der „Gazcta Robotnicza" u a. folgendes: Die Fälscher der öffentlichen Meinung geben sich die allergrößte Mühe, um für die vorläufig ack acta gelegte Zuchthausvorlage neues Material herbeizuschaffen. Dazu schien' ihnen der Krawall in Herne gerade recht. So schreibt die„Essener Volkszeitung": „Der„Dortmunder bergbauliche Verein" hat den Zeitungen die Nachricht zugehen lassen, daß der H e r n e r Streik und die folgenden Ausschreitungen infolge Verständigung der westfälischen Bergleute mit den polnischen Socialdemokraten in Berlin zu stände gekommen ist."— Mit anderen Worten: die polnisch- socialdemokratische Parteileitung in Berlin habe den Streik angezettelt. Von feiten unserer Feinde sind wir an Verleumdung gewöhnt, aber das Obige setzt allem bisher dagewesenen die Krone auf. Von irgend welcher Beabsichtigung eines Streiks in Westfalen ist uns keine Nachricht zugegangen, noch viel weniger hatte sich irgend einer unserer polnischen Genossen in Berlin von einem solchen träumen lassen.— Von den Vorgängen in Herne erfuhren wir erst aus den deuffchen Zeitungen und diese Nachricht überraschte uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wir wollten den Zeitungsnachrichten keinen Glanben schenken. Erst einige Tage darauf hat uns eine Korrespondenz eines unserer dortigen Genossen bestätigt, daß dort ein plötzlicher Streik aus- gebrochen ist. Die Nachricht in den deutschen Zeitungen, daß»nr polnische Arbeiter sich im Ausstand befinden, ist für unsere Lands- leute durchaus nicht beleidigend, aber sie ist nicht richtig, denn es war auch ein Teil Deutscher daran beteiligt. Der Streik ist ohne irgendwelchen vorherigen Beschluß ausgebrochen, nachdem man den Leuten von ihrem knappen Verdienst(2— 2,30 M.) die erhöhten Bei- träge für Mai und Juni in Abzug brachte. Der minimale Lohn, nicht einmal für die bedürfnißlosesten Arbeiter zureichend, der Plötz- liche Abzug eines so hohen Beitrages, wodurch so mancher nicht im ratmteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von M stände war, mit den iivrig gebliebenen paar Mark bis zum nach.» Zahltage dir'ufrigsten Lebensbedürfnisse befriedigen ju können, gab de» ausschlaggebenden Grund zu diesem Ausstand. Dir Arbeiter sandten aus ihrer Mitte eine�ans Polen und Deutsche.! bestehende Delegation an die Direktion und verlangten eine. Erhöhung ihres Lohnes: sie erhielten aber hierauf gar keine Antwort. In den Zeitungen— auch in Arbeitcrblättern— ist unseren polnischen Brüdern in dem Ruhrgebiet der Vorwurf gemacht worden, daß sie nur sehr schwer zur Organisation heran zu ziehen sind. Dieser Vorwurf ist gewiß nicht unberechtigt und bedauern wir dies gewiß auch. Aber es ist doch zu bedenken, daß vor allein die schlechte Schulbildung, sowie die schmähliche Ausbeutung, denen gerade unsere Landsleute seitens des Unternehmertums ausgesetzt sind, daran die Hauptschuld tragen. Deswegen betrachten wir die durch die Verzweiflung zum Aufstand Getriebenen als unschuldig gefallene Opfer. Wir fordern unsere Landsleute auf, sich der socialdemokratischen und der gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen und durch das Lesen von socialdemokratischen Zeitungen und Broschüren sich zu bilden, denn nur durch gebildete Arbeitermassen kann die Social- demokratie der Not, Ausbeutung und dem Blut- vergießen ein Ende machen. Zum Schluß bittet das Blatt für die Verwundeten und Hinter- bliebcnen um Beiträge, um der großen Not einigennaßen steuern zu können. Infolge des Formerstreiks haben bereits mehrere L e i p- z i g e r Firmen die Arbeitszeit herabsetzen müssen, da es an Guß fehlt. Es scheint also, daß sich nicht genügend Arbeitswillige finden. Der Dresdener Manrerstreik, der sehr große Dimensionen angenommen hat, ist zum Acrger der Ordnungsnieute bisher so ruhig verlausen, daß er sich gar nicht im Sinne der Zuchthans- vorläge frnktifizieren ließ. Jetzt aber scheint das Erwünschte, eine Gewaltthätigkeit der Streikenden, entdeckt worden zu sein. Die„Dresd. Nachr." schreiben:„Eine große Roheit ist von streikenden Maurern in der vorvergangenen Nacht auf dem Schulbauplatz in Löbtau verübt worden. Es ist die dort stehende Baubude aufgebrochen und sämt- liche in der Bude befindlichen Eigentumssachen' der auf dem Bau arbeitenden 40 Maurer und Arbeiter, als Kleider. Pantoffel zc.. durch Zerschneiden, Zerhacken und auf sonstige Weise unbrauchbar gemacht worden." Daß die vandalistische Handlung vorgekommen ist, giebt die.Sächs. Arb.-Ztg." zu, nur ist bisher gar nicht festgestellt, daß es Streikende gewesen sind. Diese werden in allen Versammlungen zur June- Haltung größter Ruhe ermahnt und ihr Verhalten ist bisher auch musterhaft gewesen. Die Ausständigen haben von solchen Hand- lungen auch keinerlei Vorteil, Nutzen haben nur die Gegner der- selben. Es scheint also nicht ausgeschlossen, daß es von jener Seite geschehen bezw. veranlaßt ist, die ein Interesse an der Diskreditierung der streikenden Maurer hat._ Soziales. Aus den sächsischen Grubcnbezirkcn. Im Betriebe der sächsischen Bergwerke ereigneten sich im vorige» Jahre 4022 U n- glücksfälle, von denen 42 mit dem Tode der Betroffenen endeten. Beschäftigt wurden auf sächsischen Gruben 27 569 mann- liche und weibliche Arbeiter. Unter dieser Belegschaft befanden sich 152 Arbeiterinnen im Alter von 16—21 Jahren, 377 über 21 Jahren; im Alter von 14—16 Jahren wurden 519 männliche und 9 weibliche Arbeiter beschäftigt. Auf einer Grube war auch ein noch nicht 14 Jahre alter Knabe thätig._ VevsÄMmlungen. Die Graveure und Ciseleure verhandelten in ihrer letzten Vcrbandsversammlung über die Beschlüsse der letzten General- Versammlung. Es entspann sich eine rege Diskussion darüber. daß die Generalversammlung den Antrag abgelehnt hatte, welcher die Einführung eines Minimallohnes forderte. Auch waren verschiedene Kollegen nicht damit einverstanden, daß die Generalversammlung die Mitgliedschaft der Kleinmeister billigte und einen Antrag an- genommen hatte, welcher zwar die Meister, die unsere Forderungen bewilligen, event. als Mitglieder aufnehmen, aber nur mit der Be- dingung, daß sie auf die Unterstützungseinrichtungen kein Anrecht haben. Da noch verschiedene Redner eingezeichnet und die Zeit schon weit vorgeschritten war, wurde die Diskussion vertagt. Eine Brauchcn-ivcrsammlung der Parkcttbodenleger tagte am 5. Juli in den Spreehallen, Moabiter Brücke. Der Antrag vom Kollegen Wilhelm Schmitz, daß das Abladen der Ware vom 10. Juli ab nicht mehr von den Bvdenlegern ausgeführt wird. sondern von den Arbeitern der bereffendcn Fabrik, welche die Ware liefert, wurde angenommen. Schöubcrg. In der Generalversammlung des Arbeiter- B i I d u n g s v c r e i n s am 3. Juli hielt Schubert einen mit Beifall aufgenomnienen Vortrag über:„Kommunale Angelegenheiten"; speciell beschäftigte er sich mit der Schularztfragc, dem nun ins Leben getretenen Arbettsnachweis und der Wohnnngskalamität. Die Dis- knsfion drehte sich hauptsächlich um den Arbeitsnachweis; fast alle Redner sprachen sich für den Nachweis aus.— Unter Vercins- angelegenhcitcn gab der Kassierer den Kassenbericht voin letzten Quartal. Die Einnahmen betragen 224,76 M., die Ausgaben 124,90 M, es bleibt somit ein Bestand von 39,86 M.— Die nächste Versammlung findet am 17. Juli statt. Urtzto MschvichkLN und Depeschen. Magdeburg, 8. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Infolge Entgleisung der Lanfachse der Vorspannmaschine des heutigen v.-Zuges 32 zwischen Biederitz und Magdeburg traf der- selbe mit 21/2 Stunden Verspätung in Magdeburg ein. Personen nicht verletzt. Betriebsstörung nach kurzer Zeit beseitigt. München, 8. Juli.(Privatdcpesche.) Die„Miinchcner Post" wurde konfiSciert. Der darin enthaltene Wahlaufruf soll angeblich Beleidigungen des Landtags und der Re- gicrmig enthalte». Wien, 8. Juli.(Privatdcpesche.) Dr. Adler und Reu- m a nn wurden heute abends enthaftet, indessen wurde B r e t- schneider in Haft behalten, da bei ihm Wicderholungs- gcfahr geltend gemacht wird; er wurde nämlich jüngst wegen dcs gleichen Delikts zu 6 Wochen verurteilt. Wien, 8. Juli.(B. H.) Heute wurden die socialdemokratische „Arbeiter-Zeitung", die dcutsch-nationale„Ostdeutsche Rinidschau" und das klerikale„Vaterland", vermutlich Ivcil sie die Entgegnung dcs Jnnsbrncker Vereins auf das Hirtenwort des Fürstbischofs von Brixen abgedruckt hatten, b e s ch l a g n a h in t. Prag, 8. Juli.(B. H.) Der Student Joseph Baumgartner erschoß sich aus Furcht vor der Prüftuig. Paris, 8. Juli.(W. T. B.) Das Zuchtpolizcigericht verurteilte heute den wegen Spionage angeklagten ehemaligen Polizei- Agenten Decriön zu drei Jahren Gefängnis. Belgrad, 8. Juli.(B. H.) Der ehemalige Regent Ristic liegt im Sterben. Belgrad, 8. Juli.(B. H.) Der Attentäter gestand, daß er von den ehemaligen Ministern P a s i c, T a u s ch a n o v i c und P r o t i c und dem Obersten N i k o l i c zur Ermordung dcs Exkönig? Milan gedungen worden sei. Semlin, 8. Juli.(W. T. B.) Aus Belgrad wird gemeldet: Der serbische Gesandte in Petersburg, S a w a G r u i t s ch. der seinerzeit Präsident dcs radikalen Ministeriums war, ist a b b c- rufen worden und soll, wie verlautet, ans dem Staatsdienst entlassen werden. Heute wurden mehrere hervorragende Mitglieder der radikalen Partei verhaftet. ix Babing in Berlin, zstierzu 3 Beilagen und lluterhaltnngsblatt. Jlr.158. 16.| CTaa küqr in Jotiniitlf Krlmrr WslilM. Sonntilg, 9. Inli 1899. Sonaliftische Vresse Deutschlands.! Wöchentlich dreimal erscheinende Blätter. Krefeld„Niederrhcinische Volkstribüne" SBreitcftr. 44. jTortiiiiiud„WestfäMche Bulkstribüne" Lüdenscheid, Louiscnstr. 7. .., �..„Ter Vollssreund» Gcrdcrgaffe 1. .Borwarts" Berliner Bolksdlntt, Beuthstr. 2,8�.1? Falke, istein„Bsgtländische Volkszeilnng". Anzeiger für HI. Quartal 1893. Ccntral-Organ. Täglich erscheinend. Stadt und Land. Forst i. L.„Märlische VolkSstimuie" Franlfurterstr. 11. Gotha„Volksblatt für die Herzogthlimcr Coburg und Gotha" Mohrcnbcrg 7. o„!.«-o>-—.__ Görlitz„Görlitzer VolkSzeitiing" Teichstr. 2. „Tie Nene Zeit.« Rcviic des geistigen und öffentlichen Greiz„Rcußische Bolks-Zcttung" Untere Silberffr. 1 Wissenschaftliche Wochenschrist. Swntschift«»rkffe»- HI. Quartal 1893. Dreimal wöchentlich erscheinend. Leipzig„Correspondent für Deutschlands Buch- druckcr und Schristgieber", Salomonstr. 8. Lebens. Stuttgart, Fnrthbachstr. 12. Täglich erscheinende Zcitnngen. Slltciidnrg„Altcnbnrgcr VolkSzcitnng" Kunstgaffe 12. Bant„Norddeutsches VolkSblatt" Neue Wilhelinshavener- strahe 38./ Piclrfrld..Volksmacht" Schulstr. 20. Boich„»l„Volksblatt" Johanniterstr. 10. Brandenburg„Vrandcnbnrger Zeitung, Märkisches Vvlksblalt", St. Anucnflr. 33. Brnniischwcig„Braunschmciger Volksfreund Haldcrstadt„Halberstädter Arbeiterzeitung" Bakenstr. 37. uönigslierg i. Pr.„Volks-Tribüne" Knochenslr. 32 v. !lio stock„Mecklenburgische Volkszeitung" Hopfeninarkl 19. Soliiigen„Bergische Arbeiterstimme" Kaiscrstr. 29. Strasibnrg i. E. �.Frcie Presse für Elsast-Lothringen" Schiltigheim, Btschmeilcrstr. 23. Zwickau i. S.„Sächsisches VolkSblatt' Richardstr. Id. Wöchentlich zweimal erscheinende Blätter. � Üla che»„Aachener VolkSblatt" Kurhansstr. 14. %<)" Breslau„Die Wahrheit" Neue Graupcnstr. ö/0. «reincrhavci,„Nord�che'ÄkSstimm-�Am Markt 0 Tclinenhorst.Dctmcnhorster VolkSblatt" Koppelstr. 6. Breslnn„Volksmacht" Neue Vtaupenstr. 0. �nngeiibirlai»„�er Proletarier auö dem Eulengebirge" Breuic»„Bremer Bürger-Zeitung" Hankenstr. 21-22. "..... BolkSstii Grauvci Wöchentlich erscheinend. Kastel„VolkSblatt für Hessen und Waldcck" Sohenthorstt. 2.!»..�!� (>hemnltk„Volkostimule" Untere Georgstr. 1, p.„Thüringer �olk�. freund(Thür. Waldpost) Teisau„Vollsblatt.für Anhalt" Ballcnst-dt-rstr. ö. Toriiiiuild„Nheinisch-Westsälische Arbeiter-Zeitung Wrstenhelliveg 12V. Tresdcu„Sächsische Arvriter-Zcitnng" Zwingerstr. 22 �.»sscldorf„Nicderrhcinische Volkstribüne" Gras Adol nrgbe Gras Adolph- Kleine Klotzbahn 10. 11 Klbcrseld-Barme»„Freie Presse Krfnrt„Tribüne" Futterstr. 7 p. Gssen„Der Weckruf" Brüningstr. 8a. Frankfurt a. M...Volkssiimine" Großer Hirschgraben 17. «yürth„Für, her Bürger-Zcitniig" Königstr. 9-. Gera„Zicuhische Tribüne" Zschochem 54. Hülle a. S.„Volköblatt für Halle" Geiststr. 21. Haniburz„Hamburger Echo" Gr. Theaterstr. 44. o a rbnrg„VolkSblatt" Großer Schippsce 4 p Haiiiiodor„Volköwille" Burgltr. 9. •V'- i„Sberfräiittiche Volkozcitniig." Lorenzstr. 23. dtailsruhe„VotkSfreund" Werderplatz 31. Kiel„SchleSwig-Holstetiüschc BolkJ-Zeitung" Bcrgsir. »lol»„gchcinische Zeitung" St. Agatha 3. Leipzig„Leipziger VoltSzeitung" Mitlclstr. S/7. Lndivigsbafeii„Pfälzische Post" Oggershcimcrstr. 10. Lübeck„Lübecker Voltsbote" Johaiuusstr. 50. Lüneburg„Lüneburger VolkSblatt" Altstadt 20. Magdeburg„VolkSitiinmc" Brcitemeg 127. �'�Marg�etheiiga�e �13����"(«HAMche Volk Mannheim„Völksstimme" E. 3, 14, München„Münchener Post" und„AugSLurger Volks- zcitung" Scncselderstr. 4 I. Üiiilnberg„Fränkische TagcSrost" Weizcnstr. 12. !. ffrudach„Offciibachcr Abendblatt" Grobe Marktsir. 25. Siialscld„Saatfelder VolkSblatt" Nosmaringasse 15. .teil. u„VolkS-Bote" König Albcrtstr. 15. Stuttgart„Schwäbische Tagmacht" Fnrthbachstr. 12. -iLiirzburg„Fränkische VolkStribüne" Stifthangcrpiaffcn- gaste 3. „Thüringer VolkSblatt" Rosniartngaffe 15. „Neustädter VolkSblatt" (Schwarzburger Volksfteund) RoSmaringaffe 15. („Hessische Volksstimme") Wöchentlich einmal erscheinende Blätter. Bant„Die Nord-Wacht" Neue WilhelmShavenerstr. 33. Berlin. Gazeta Robowicza" Andreasstr. 7Sa. Braiinschwcig„Der Landböte" Kannengießerstr. 13. TrcSden„Der arme Teufel" Falken pr. 10. Giesien„Mitteldeutsche Sonntags- Zeilnng" Kirchen- platz II. Halber,'tadt„SonntagS-Zcitnng" Bakenstr. 37. 5tölu„Rheinische Zeitung"(MochenanSgabe) St. Agathe 3. Monatlich cinmal erscheinend. Hanau„Der Baneriifreund" Philipp Ludmigs-Ankage 3. Witzblätter(Erscheinen aller 14 Tage). München Stuttgart .Süddeulschcr Postlklou" Scnefekbcrstr. 4. „Der wahre Jacob" Fnrthbachstr. 12. Jllnstricrtc Nntcrhaltiingsblättcr. Berlin„In freien Stunden" B-nthstr. 2 SW. 19. Erscheint in Wochcnhcftcn. Hauibiirg„Die Neue Welt" Große Theaterstr. 44. scheint wöchentlich einmal. Zlltcnburg„Correspondent für die Arbeiter und Ar beitcrinnc» der Hut- und Filzwaren- Industrie", Wtlbelmstr. 2, parterre. Berlin„Die Ameise", Organ deS Porzellan- a r b e i t e r- Verbandes, Charlottenburg, Marchstr. 22 I. „Bildhauer- Zeitung", Neanderstr. 3. „D i e Einigkeit", Organ der VcrirauenSmänner- Centralisatioiien Deutschlands, Rcichenbergerstr. 15. „Aüg. Fahr-Zcitung", Schützenstr. 58. „Der G a st w i r t h S g e h t l f e", Jüdenstr. 38. „Der Steinarbeiter", Nixdorf, Sleinmetzstr. 14. Bochum„Deutsche Berg- und Hütten- a r b e i t e r- Z e i t u n g". , Bremen„Deutsche Böttcher- Zeitung", Langcstr. 100 1. Burgstädt„Der Textilarbeiter", Marienstr. 285 Gotha„Schuhmacher- Fachblatt", Mohrenbcrg 7. Hamburg„Correspoudenzblatt der Generalkom Mission d e r G e w e r I s ch a f t e n Deutschlands", Zosivereins-Niederlage, Wilhelmstr. 8 I. „Der Arbeiter"(für Bau- und Hilfsarbeiter) Eilbeck, Fricdenstr. 4 pt. „Glück auf!"(für Former), Hamburg- Eilbeck, Konvcntstr. 5. „Der Grundstein"(für Maurer), St. Georg, Neue Brennerstr. 13 I. „Holzarbeiter- Zeitung", Eimsbüttel, Bismarck- straße 10. „Bruder Schmied", Uhlenhorst, Herderstr. 21, HauS 8 n. „Fachzettung für Schneider", Lehmweg 41 II. „Vereins-Anzeiger für Maler sc.", Barmbeck, Vogel weide 19. „Der Zimmere r", Barmbeck, Feßlcrstr. 28 I. Leipzig„B u ch d r u ck c r- W a ch t", Mittelstr. 7. Leipzig„Der Tabakarbeitcr"(für Cig arrcnarkcitar), Mittelstr. 7. Leipzig- Schkeuditz„Graphische Presie", Schkeuditz. Liiiden-Hannover„Brauer-Zeitung", Burgstr. 9. Löbtau-'Dresden„Der Fachgenosse"(für Glas-, Porzellan- u. Thonwaarcn-Arbeiter), Reiscwitzerstr. 34. Nürnberg„Deutsche Metallarbeiter-Zeitung", Weizen- straße 12. Offeubach a. M.„Die Glaser-Zeitung". Stuttgart„B u ch b i n d e r- Z e i t u ii g", Heusteigstr. 30. „Der H a u d s ch u h m a ch e r", Eterstr. 21 II. Er- Monntlich dreimal erscheinend. Berlin„Der Töpfe r"(Fachblatt für Töpfer und Zicgler), Nosculhalcrstr. 57._ deutschen Müller und Konditoren, Pfeffer- und Leb- lüchler-Verbände, Mauergaffe 4b. Berlin„Der C o u r i e r", Centralorgan für die Jutcr- essen der im Handels-, Transport- und Verkehrs- gewerbe beschästigleu ArbeiterDeutschlands, C., Vischos- straßc 13, v. I. „Die Gewerkschaft", Organ für die Interessen der Arbeiter in Gasanstalten und sonstigen städtischen Betrieben, Berlin 30 W., Gleditschstr. 49. „Handlungsgehilfen- Blatt". 1�0. Linien- straße 242!. „Der Hau dels-Hilfsarbeiter", Organ für alle im Handels- und TranZportgewcrbe beschästigten Hilfsarbeiter Deutschlands, C., Kommandantenstraße 25 I. „L e d e r a r b e i t e r- Z e i t n n g", Prinzen-ANce 90. „Sattler- und Tapezirer- Zcitung", El., Jn- validenstraße 118. Allg. Steinsetzer-Zeitung", NW., Waldenscrslr. 18. „S o l i d a r i t ä t", Organ aller im graphischen Berufe beschäftigten Arbeiter und Arbeitenmien, Reinicken- dorferstr. 7. Braiinschwcig„B arb ier- u. Fris eur-Z e rtun g", Rosenhagen 5. Frankfurt a. M.„Neue Deutsche Dachdecker- Zetwiig", Bnchgasse 10. Hamburg„Dentiche B ä ck e r- Zeitung", Organ des Bäcker-Dcrbandes, Jdastr. 15/17. „Der Schifsszimmerer", Eilbeck, Konventstr. 5. „Gärtner-Zeitung", Organ für die Interessen der Gärtner und ihrer freien Vereinigungen, Markt- straße 10, H. 1 p. „Der Kupferschmied", Etlbeck, Wandöbecker Chanssee 180 II. „Der S e e m a n n", St. Pauli, Hafenstr. IIS. Hannover„Der Proletarier"(für Fabrik- rc. Ar- b e i t e r und Arbeiterinnen), Leinstr. 31 III. Leipzig- Reudnitz„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure", Kohlgarten 30 I. Georg Wagner. „Correspoudenzblatt der Tapezirer", Ge- mcindestr. 19 I. Pforzheim„Der Goldarbeite r", St. Georgenstr. 50. Stuttgart„Die Gleichheit", Zeitschrift für die Jnter- essen der Arbeiterinnen, Fnrthbachstr. 12. Monatlich einmal erscheinend. Berlin„Der Bäcker", Organ für die Interessen der Bäckergesellen Berlins und Umgegend, Klosterstr. 101. „C o r r c s p o n d e n z- B I a t t dcs Verbandes der im Bergoldcrg« werbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands", Ehanffeestr. 43, 4 Tr. Der B u r e a u-?l n g e st c l l t e", N., Arkouaplatz 3 II. „Deutscher Maschinist und Heize r", Organ der Maschinisten imd BerufSgeiiossen Deutschlands, SO., Pücklerstr. 55. Obige Zusammenstellung veröffentlichen wir zu Beginn jeden Quartals. In der Zwischenzeit sich ergebende Adreß- oder sonstige Veränderungen bitten wir unS behufs Vor- mcrkiing mitteilen zu wollen. Berlin, den S. Juli 1899. Der Barteivorftand. Nommunttles. Die Rcklamcschilder. Der Polizeipräsident hat dem Magistrat den Entwurf einer Polizeiverordnimg zur Ziistimnumg zugehen lassen, wonach das Anbringen von Rcklame-Anfschiiften und Schilder» anstcn an den Fenstern der Omnibuse verboten werden soll/ Das Verbot stebt übrigens im Einklang mit der in dem ncnen Vertrage mit der Großen Berliner Strastenbahn betreffend die Einführung des eleltrischen Betriebes getroffenen Bestimmung, nach welcher der Straßciibahn-Gcscllschaft fürdcrhin. d. h. nach Ablauf der bestehenden Verträge mit den Neklamc-Unternchmern nicht gestattet ist. an den Wagenfenstcrn oder außerhalb an den Wagen Reklame- Jnschriftcn oder Bilder anzubringen oder zu belassen. Die Direktion der Westlichen Berliner Vorortbahn hat der städtischen Vcrkehrsdcputation das ausgearbeitete Projclt zu der bereits genehmigten Bahnanlage vom Nollendorfplatz durch die Maaßen-, Kurfürsten-, Dennewitz-, Flottwellstraße, das Schöne- beiger Ufer, die Angusta-Brücke und die Lintstraße zur Prüfung ein- gereicht. AnS dem�lmte geschieden. Der Armcnkommissions-Vorsteher K o, e, der in dem Prozeß gegen die Frau Entrich eine sehr im- rühmliche Rolle spielte, hatte scitens der Armendirektion eine Vor- ladimg zu seiner Vernehmung erhalten. Sonnabend früh begab sich Kose in die Wohnung des Stadtrats Heller, welcher in Vertretung des Stadtrats Münsierberg an der Spitze der stirniendirektion steht, um sein Gesuch wegen Entlassung ans dem Amte eines Armen- kommissionS- Vorstehers zu überreichen. Dieses Gesuch hat der Stadtrat Heller sofort cntgegengenonimcn.— Das Schicksal der Frau Emma Entrich. deren entsetzlich bedrängte Lage durch die Schwnrgerichtsverhandlung vom Donnerstag bekannt wurde, hat sich inzwischen freundlicher gestaltet. Einer der Geschworenen wies ihr Beschäftigung zu. die sie in den Stand setzt, für sich und ihre Kinder >» ausreichender Weise zu sorgen. Uoftsles. Die Mitglieder deS WahlvercinS deS erste» Reichstags- Wahlkreises besichtigen heute, Sonntag, den S. Juli, den Spree- tunnel und die Treptower Sternwarte. Die Teilnehmer versaininelii sich zwischen 3 und 4 Uhr in Joels Victoriagartcn oder um 4Vz Uhr am Tunnel.— Abends 7 Uhr: Führung durch das„Astronomische Museum" und Erklärung des RiesenfernrohrcS. Um 8'/e Uhr: ProjcktionSvortrag von Direktor F. S. Archenhold über: Jupiter und Saturn. Bcobachtnngen mit dem großen Fernrohr.— Billcts sind in allen Zahlstellen: Mörschel, Jüdenstr. 32; Prentz, Reue Fricdrichstr. 20; Sommer. Grünstr. 21; Moll, Klosterstr. 101; Pinzer, Friedrichsgracht 16; Schmidt, FlenSburgerstr. 24; sowie bei August Täterow, Annenstr. 26, und alle» Äbteilungsfiibrern zu haben. Der Vorstand. Ten Mitgliedern deS Wahlvereiiis für den 4. Berliner ReichStagS-Wahlkreis(Osten) zur Nachricht, daß unsere Ver- famnilung am Dicnsiag, den 11. d. M., stattfindet, in welcher Genosse Dr. Wehl über das Thema:„Der Alroholisnuis lind die Arbeiter" sprechen wird. Ferner teilen wir den Mitgliedern mit. daß zu Sonntag, dem 13. Anglist, ein Familiciiausfing nach Friedrichshagen beabsichtigt ist. Ter Vorstand. Die Union ElcktricitiitS- Gesellschaft hat für ihr Arbeits- personal, wie bereits in der Nr. 124 des„Vorwärts" mitgeteilt wurde, ein Soininerfest arrangiert, das im„Gesellschastshans" in Grünau abgehalten werden soll. Es sei nochmals darauf hingeiviescn, daß genanntcs Lokal der Arbeiterschaft zu Bersammlnngen nicht zur Verfügung stehi. Das„Gesellschastshans" in S ch in ö ck w i tz, Inhaber Louis Scholandt, steht der Arbeiterschaft unter den bckaiinten Bcdingnngeii zur Verfügung. Die Lokalkommission. hat c* Die Angelegenheit der dolkStümlicheu Hochschnlknrse sich wieder einen Schritt weiter entwickelt. Der erst gm 11. Juni gegründete„Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschnl- lchrcrn" hat eine zweite Versammlung abgehalten und seine Satzungen angcnomnicn. Ferner wurde ein Ausschuß von zehn Professoren und Privatdocenten gewählt, in dem möglichst jede Hochskbnle und jede der vier Fakultäten vertreten sein soll: die Profesioreil Dr. Schmollcr, Dr. Max Delbrück, Geh. Reg.-Rat Dr. Dicckcrhoff, Dr. Wedding, v. Dr. Hnrnack, O. Dr. Kahl, Dr. Waldeycr, Dr. Dicls, anßerord. Prof. Dr. Oertmann und Privat- doccnl Richard Meyer. Für die zu kooptierenden Mitglieder de« Ansschnsies wurde nach dem Wunsche der Versammlung eine Stelle für je einen Vertreter der Bergakademie, der Hoch- schule für Musik, der Akademie der Künste vorbehalten. In seiner ersten Sitzimg kooptierte der Ausschuß die Herren Geh. Justizrat Prof. Dr. Gicrke, Prof. Dr. Hirschfeld, Geh. Regieruiigsrat Professor Dr. Möbius, Professor Dr. Marburg. Sodann erfolgten die Vorstnndswahlen. Vorsitzender wurde der derzeitige Rektor der Universität Geh. Medizinalrat Professor Dr. Waldeycr, Stellvertreter der Rektor der Tierärztlichen Hochschule Geh. Ncgicrnngsrnt Professor Dr. Dieckerhoff, Schriftführer Professor Dr. Oertinaim, Kassenführer Professor Dr. Schmoller, Beisitzer: Geh. Rcgicrungsrat Professor Dr. Max Delbrück tRcltor der Land- wirtschaftlichen Hochschule) und Professor Dr. Wedding als Vertreter der Technischen Hochschule. Ferner gehört zum Vorstand der Geschäfts- führer der Ccntralstclle für Arbeitcrwohlfahrts-Einrichtnngen Geh. Ober-RcgicningSrat Professor Dr. Post.— Für das Wintersemester sind wieder zwei Serien von Vortragsknrscn in Aussicht genommen; die erste in den Monaten Oktober bis Dezember wird sechs, die zweite von Januar bis Marz zehn Kurse umfassen.' Ter Tpittclniarkt sieht von allen öffentlichen Plätzen Berlins wohl auf die interessanteste Vergangenheit zurück. Im 12. Jahr- hundert erhob sich auf ihm die Kapelle und das Hospital der „Heiligen Gertrud", beide, wie die Georgs- Kapellen und Spitäler, der Pflege der Aussätzigen und Kranken gcwidniet. Durch das Gertrandenthor, das etivn in der Gegend der heutigen Brücke stand, gelangte der Köllnische Bürger ans die Tempelhofer Ländstraße, die sich bei der heutigen Lindenstraße im Walde verlor. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als sich schon zahlreiche Bürger äußerhalb der Ringmauern niederließeii, lag um die Gertrauds- Kapelle eine nicht unbedeutende Vorstadt. In den Wirren des dreißigjährigen Krieges, wo man stets auf Ueberfälle gefaßt sei» mußte. wurde sie wie olle anderen Berliner Vorstädte von den Bürgern selbst niedergebrannt. 1628, als Berlin Festung wurde, zog man auch die Umgebung der Spittclkirche mit in die Vefcstignngen hinein. Der Markt wurde„Bastion Nummer 4", auch.Gcrrrandcn-Bolliver!" oder„Bastion hinter dem Hospital" genannt, damals entstand auch der Festungs-, nachmalige Grüne Graben. Das Gertraudenthor wurde in jener Zeit gesperrt, und statt dessen das Leipziger Thor eröffnet. Erst iin 18. Jahrhundert, nachdem die Festungswerke gefallen, legte jpum den Ausgang zur Tcmpeihofer Chanssee wieder nach dein Gertrauden- Thor zurück. 1733 wurde sodann die Spittclbrücke über den grünen Graben in Holz erbaut, 24 hölzerne„Boutilen" sollten dem Handel der neu erstandenen Vorstadt dienen, 1767 er- standen, von Geverd erbaut, die Kolonnaden der Spittelbrücke, 1768 wurde die Neue Grüiistraßenbrücke angelegt. Ucbcrhaupt hob sich auch die Umgebung des Spittclmarkts jetzt sehr rasch. Die alte Scheunen-, spätere Jouanncn- oder Schwancnstraße wurde 1763 zur Koniniaiidantenstraße. In ihr befanden sich die ersten Kasernen Berlins, in denen die Regimenter von Braun und von Leltow einquartiert waren. Der Dönhofsplatz diente als Exerzierplatz, an Stelle des 1897 beseitigten Feuerwchrdepots am Spittelmarkt stand die Hauptwache. Nach dem Ausgang der sogenannten Freiheitskriege wollte Friedrich Wilhelm III. den Spittelmarkt mit einem„Siegcsdom" schmücken, dank der Einwendungen Schinkels blieb uns'dieses Verkehrshindernis erspart. Dafür erhielt der Spittelmarkt einen Durchgang nach dem„Köpnickcr Felde". Ende der vierziger Jahre wurde durch die Häuser Spittelmarkt 10 und Kommaiidaiiteiistr. 26 eine Privatstraße„Sparwaldshof" eröffnet, es ist das die heutige Venthstraße. der� um weniges später die Seydelstraßc folgte. Die baufällig gcworhene Spittclkirche hatte inzwischen vielen zu denken gegeben. Schinkel hatte sich mehrfach mit ihr und ihrem Umbau beschäftigt und große Pläne dafür gehabt, andere waren ihm gefolgt, glücklicherweise wurde aus keinem etwas, und als die Pferdebahn durch Berlin zu raffeln be- gann, fiel als ihr erstes Opfer mit das Kirchlei» der«hämischen Heiligen. Heut erinnert nur»och eine Stelle in der ganzen Gegend hier an entschwundene Zeiten, der Durchgang zwischen Grün- und Jakobstraßc, es ist der aite„GlaciSweg" auf„Bastion Nummer 2". Wer ist der Hetzer? Große Aufregung herrscht unter den Angestellten der großen Herliner Straßenbahn über die Maßregelung zweier ihrer Kollegen am Depot Nürnbergerstraße. Im Westen Berlins fand vorige Woche eine Versammlung des Centralverbandes der Handels-, Transport- und VerkchrSarbeiter Deutschlands statt, an der auch etwa 80 Straßenbahn-Angestellte teilnahmen. Keiner der Straßeiibahn-Angestclltcn beteiligte sich irgendwie an der Debatte. Auch wurde seitens der Leitung der Versammlung ausdrücklich davon abgeraten. Still, wie sie gekommen, zogen die Angestellten wieder von dannen, nachdem einige derselben Mitglieder des Verbandes geworden. Bei der wachsten Jnstrukiiouöstnnde sagte nun der Hof- Verwalter des Depots Rüriibergrrstratze, Wichen, es sei eine Schande. daß sich gerade die Angestellten seines Depots so zahlreich an der Versammlung beteiligt hätten. Er ersuche die„Herren"— lonst sind die Angestcllien diese Anrede nicht gewöhnt— zukünftig sich nicht mehr an den Versammlungen zu beteiligen, andernfalls er„Renwdnr" schaffen müsse. Wohl um dieies Versprechen zu bekräftigen, entließ er sofort den Schaffner Z.. der schon 10 Jahre bei der Gesellschaft ihätig war. Z. ist gar nicht organisiert, soll aber, nach Aussage eines in der Versammlung anwesenden Spions, das Ver- brechen begangen haben, anderen Angestellten mit der Hand zum Eintritt iii die Versammlung zu winken. Vorgestern wurde auch Kutscher W. sofort entlassen, ohne daß ihm der Grund dieser Maßregel mitgeteilt worden wäre. W. ist zwar Mitglied des Ver- bände» und hat die Versammlung besucht, sich aber sonst voll- ständig ruhig verhalten. Daß diese ganz willkürlichen Maßregeln nur als Schreckschüsse dienen sollen, darüber sind sich alle Sttaßeiibahn-Angcstelltcn einig. Die Erbitterung über diese Maß- rcgcl ist um so größer ilntev den Angestellten, als damit vollständig unschuldige, sich nur passiv an der Sache beteiligende Leute betroffen wurden, und sich Hvfverwalter und Inspektor mir dafür rächen wollen, daß sie die wirklichen Agitatoren bei allem Spionieren nicht erniitteln können. Es ist dies ein weiterer Beweis dafür, wie seitens gewisser Unternehmer lind deren Commis das Koalitionsrecht der Arbeiter geachtet wird. Wir empfehlen dem Herrn Posadowsky diesen Fnft von Arbeitcrentrechtuiig gelegentlich der zweiten Lesung der Znchthausvorlage zur Bcgründniig des TerroriSmuS der Unter- nehmer und ihrer Werkzeuge zu verwerten. Der Fall zeigt ganz klar, wer die„AufHetzer" sind, die dieses Geschäft gewerbsmäßig be- treiben. Gine weitere Neueinrichtung im Postdienst soll der ab- geschafften zweiten Bricfbcstcllnng an Sonntagen, die mit dem heutigen Tage anfängt, folgen. Die dritte Paketbcstellnnst soll dem- nächst eingehen. Bisher werden Pakete morgens, mittags und abrilds von 2 Uhr ab an die Empfänger befördert. Diese letzte Bestellung zog sich mitunter bis 9 Uhr abends hin. Außerdem aber hat sich beraiisgestcllt. daß viele Pakeisendungen in der Abendzeit nicht mehr abzusetzen sind und wieder mitgenommen werden miisseii, tveil die betreffenden Empfänger ihre Räume bereits geschlossen haben. In Znkunst sollen also nur die beiden ersten Bestellungen täglich stättfindeii. Zur KonttirSstatistik. In Berlin sind im letzten Viertel- jähr 1898 insgesamt 103 Anträge auf Konknrseröffimiig gestellt worden. Die Zahl der eröffneten KoiiknrSvcrfahrcir betrug 70, die der wegen Masseiuangel abgewiesenen Anträge der Konkurseröffnimg 12; mithin stellte sich die Summe der neueil Konkurse auf 82. In 42 Fällen war die KonkurSeräffinmg ausschließlich vom Gemein- schuldner beantragt worden. Die neuen Konkurse betrafen 63 physische Personen, 8 Nachlässe, 11 Handelsgesellschaften, 1 Genossenschaft und 2 andere Geiiieinschuldner. Beendet wurden 69 Konkursverfahren und zwar 46 durch Schluhberteilung, 15 durch Zwangsvergleich, 2 wegen allgemeiner Einwilligung und 6 wegen Massemangel. Mit Gläubigerausschuß wurden 34 beendet. Von den beendeten Konkurs- verfahren betrafen 57 physische Personen, je 5 Nachlässe und Handels- gesellschaften und 2 andere Geineinschuldner. Zur Statistik der Berliner Selbstmorde. Im Jahre 1897 kamen in Berlin 520, Selbstmorde vor. Unter den Selbstmördern befanden sich 388 Männer und 132 Frauen. Auf 100 000 Einwohner kamen 29,9 Selbstmorde; auf je 100 männliche entfielen 34 weibliche Selbstmörder. 1895 kamen 480(355 unter Männern, 125 unter Frauen) und 1896 zusammen 531 Selbstmorde(384 unter Männern, 147 unter Frauen) vor.— Die Provinz Brandenburg hatte 1897 853 Selbstmorde<29,3 auf 100 000 Einwohner) zu verzeichnen, darunter 674 von Männern und 179 von Frauen begangen. Mithin sind 1897 in Berlin und der Provinz Brandenburg nicht weniger als 1373 Personen„freiwillig" aus dieser„besten aller Welten" geschieden. Welche Summe von Elend mag sich in diesen Zahlen verkörpern? Beim Institut für Infektionskrankheiten in Berlin NW., Eharitsstr. 1, ist eine Abteitimg für Schutzimpfungen gegen Tollwut errichtet worden, welche Mitte Juli v. I. in Betrieb' genommen worden ist. Wie das Polizeipräsidium bekannt giebt. können auf derselben Personen, welche von tollen oder der Tollwut ver- dächtigen Tieren gebissen ivorden sind, in Behandlung genommen werden. Tie Behandlung, welche, soweit dieselbe ambulatorisch stattfindet, unentgeltlich ist und in leichten Fällen etwa 20. bei schwereren Bisiverletziingen— z. B. im Gesicht— mindestens 30 Tage in Anspruch nimmt, besteht in Einspritzungen, welche täglich einmal vorgenommen werden und daher die Aufnahme der Ber- letzten in das genannte Institut in der Regel nicht erforderlich machen. Die Aufnahme in dasselbe ist vielmehr nur bei solchen Personen wünschenswert, welche, wie z. B. Kinder ohne Be- gleitung von Erwachsenen, in Berlin kein geeignetes Unter- kommen finden. Im Interesse einer sicheren Wirkung der Be- Handlung ist es erforderlich, daß dieselbe möglichst bald nach der Berletzuiig beginnen kann, veberhaupt ist es notivendig, jeden von einem tollwutverdächtigen Tiere gebissenen Menschen sobald als möglich zur Schutzimpfung dem Institut für Infektionskrankheiten zuführen zu lassen und, falls dies nicht unverzüglich geschehen kann, zuvor für Ausätzung und antiseptische Behandlung'der Bißwunde durch einen Arzt Sorge zu tragen. Verletzte. welche sich der Be- Handlung unterziehen wollen, haben sich an das zuständige Polizei- revier zu wenden und sich»ach Empfang eines bezüglichen Zu- weisiingsattestes bei der Direktion des Instituts für Jnfektioiis- krankheiten vorzustellen. Bankier Sally Elias festgenommen. Der ins Ausland ge- fluchtete Bankier Sally Elias, der ältere Inhaber der Bankfinna S. Elias in der Potsdamerstr. 1, welcher von der königlichen Staats- anwaltschaft wegen bedeutender Unterschlagungen«. gesucht wurde, ist, wie ein hiesiges Blatt berichtet, in Paris ergriffen worden. Wicdercntwischt und wiedcrerwischt. Der Barbier Kar- matlchm ans Berlin, der sich verschiedener Strafthaten schuldig ge- macht hatte, und dann flüchtig geworden war, wurde aus Grund eines Hastbefehls in London ermittelt und verhaftet. Der Arrestant wurde nach Hamburg gebracht, um nach Berlin transportiert zu werden. Auf der Fahrt dorthin gelang es ihm, dem Transporteur zu entspringen. Der Verbrecher wandte sich wiederum nach London, wo er abermals entdeckt und verhaftet wurde. Er ist dieser Tage wiederum von London in Hamburg eingetroffen, und heute in sicherer Bedeckung nach Berlin gebracht ivorden. Eine rätsclhoste Fnndgcschichte beschäftigt gegenwärtig die Polizeibehörde. Am 1. d. M. verlor ein Arbeiter St.'während seines Aufenthaltes in dem Ausschank der Bötzowsiben Branerei in der Prenzlauer Allee sein Portemonnaie mit 180 M. Inhalt, ein Betrag. der St. nicht gehörte und den dieser eigentlich schon vor dem Be- treten des Restaurants abzuliefern gehabt hatte. Ein Kellner hatte beobachtet, daß eine Frau ein tvohlgesülltes Portemonnaie aufgehoben und sich mit demselben schleunigst entfernt hatte. Gestern erschien i» dem Restaurant ein Mann, der ein kleines Packet am Büffet abgab und eiligst wieder fortlief. Als man das Packet öffnete, wurde in demselben die verlorene Geldbörse mit Inhalt vorgefunden. Eine Rcvolver-Affairc verursachte in der verflossenen Nacht in der Friedrichstraße großes Aufsehen. Der 22 jährige Kaufmann Paul Nußbaum, Wartenburgstraße 18 ivohnhaft. begleitete in der gestrigen Nacht gegen 12 Uhr seine jüngere Schwester nach ihrer Wohming. Das Paar betrat gegen 12 Uhr das Cass Leger in der Friedrichstraße 248. Gleich darauf erschien ein junger Mann, der an demselben Tische Platz»ahm, an dem sich die Geschwister nieder- gelassen hatten und belästigte das junge Mädchen mit Redensarten. N., der im Lokal kein Anfsehen verursache» wollte, wies den Hinzu- gekommenen mit wenigen Worten zurück und entfernte sich mit der Schwester. Kaum hatten die Beiden die Straße betreten, als ihnen der Fremde folgte, einen Revolver aus der Brusttasche zog und denselben, ohne ein Wort zn sprechen, auf N. abfeuerte. Der Kaufmann, der in die linke Brnstseite getroffen wurde, taumelte wenige Schritte vorwärts und brach dann hewußtlos zusammen. Der Attentäter versuchte nach dem Bellealianeeplatz zu entfliehen. Er wurde jedoch in seinem Lauf durch einen vorüberfahrenden Straßenbahnwagen aufgehalten und konnte nunmehr festgenommen werden. In dem dem Thäter abgenommenen Revolver befanden sich noch fünf Patronen. Nußbaum wurde nach der Unfallstation I in der Wilhelm- straße gebracht und mußte, nachdem er einen Notverband erhalten) nach dem Krankenhaus am Urban überführt werden. Die Verletzung stellte sich dort als ziemlich bedenklich heraus, da durch das Geschoß auch die Lunge gestreift worden ist. Mit eingedrücktem Brustkastc» wurde der 28 Jahre alte Kutscher Otto Rahn aus der Prenzlauerstr. 39 in das St. Hedwigs- krankenhaus eingeliefert. R. war bei dem Speditionsgeschäft in der Prenzlauerstr. 35 thätig und wollte dort auf dem ersten Hofe am Freitag aufladen, nachdem er den Wagen schon teilweise auf dem zweiten Hofe beladen hatte. In der Durchfahrt von einem zum anderen schritt er neben dem Fuhrwerk, als die jungen Pferde scheu wurden und ihn zwischen Wagen und Thorweg einkeilten. Er wurde alsbald befreit, mußte aber in einem Krankenwagen abgeholt werden.. Von einem Gerüst abgestürzt ist vorgestern beim Befestigen eines Firmenschildes an der Ecke der Friedrich- und Mittelstraße der 41 Jahre alte Arbeiter Bernhard Heinke aus der Linienstr. 55, indem er durch einen Fehltritt das Gleichgewicht verlor. Mit Knochen- brächen und inneren Verletzungen brachte ihn ein Koppscher Kranken- wagen nach dem Krankenhause. Durch Brandstiftung, Erhängen und Oeffnen der Pulsader am linken Handgelenk hat der 64 Jahref alte Arbeiter August Borchardt sich das Leben zu nehmen versucht. Als seine Frau sich vor 5 Jahren von ihm trennte, weil er sich dem Trunk ergeben hatte, zog er zn dem Werkführer E. auf dem Gesundbrunnen in der Prinzen-Ällee, wo er ein Zimmer mit dem Arbeiter Jänsch teilte. E. erlangte soviel Gewalt über Borchardt, daß er ihn vom un- mäßigen Trinken zurückhielt. Als aber E. vor kurzem eines Lungenleidens wegen in ein Krankenhaus gebracht wurde, lehrte B. zum Trunk zurück. In den letzten Tagen war et jeden Abend betrunken, wenn er von der Arbeitsstelle in Pankow nach Hause kam. In der Nacht zum Freitag erwachte sein Stichen- genösse durch hellen Feuerschein. B. hatte seinen an der Thür hängenden Rock und dadurch auch die Thür in Brand gesetzt und sich dann zur Ruhe begeben. Nachbarn löschten das Feuer. Gestern blieb B. der Arbeitsstätte fern, um den Rausch auszuschlafen. Als nun feine Wirtin gegen Mittag ihn aus dem Bett heraus an die frische Luft jagen wollte, bemerkte sie, daß er sich die Pulsader mit einem Tasibenmesser durchgeschnitten hatte und in einer Ecke des Zimmers saß. Dann nahm sie eine Schnur an seinem Halse wahr, mit der er sich zu erhängen versucht hatte, die abgerissen war. Er wurde nun in einem Keppschen Wogen nach der Charitv gebracht. Die VertriebSgcscllschaft„Gella", G. m. b. H., sendet uns zu unserm Artikel in der Nr. 152, überschrieben:„Ein merk- würdiges Geschästsgebahren", folgende Berichtigung: 1. Ter Käufer eines Coupons erhält, tvenn er die der Urkunde beigegebenen Coupons veräußert hat, und für jeden Coupon eine neue Urkunde durch die Käufer der Coupons bezogen ist, nicht einen Gegenstand im Werte von 20—50 M., sondern im Werte von 72 bis 90 M. Dieser Gegenstand ist der Abteilung A. des Warenverzeichnisses zu entnehmen. 2. Der Käufer eines Coupons hat aber ein Recht zur kosten- freien Entnahme von Waren aus dem Lager der Gesellschaft schon dann, wenn er einen Coupon veräußert hat und der Käufer desselben eine neue Urkunde darauf bezogen hat. Er kann in diesem Falle ans der Warenabteilung I). einen Gegenstand im Werte von 12 M. kostenfrei entnehmen. Sind zwei Coupons dergestalt veräußert(»ach der Sprochweise der Drucksachen der Gesellschaft„erfüllt"), so ist die Berechtigung zur kostenfreien Entnahme eines Gegenstandes im Werte von 24 M. ans der Warenabteilnng E. gegeben. Die Erfüllung von drei Coupons berechtigt zur Entnahme eines Gegenstandes aus der Abteilung F. im Werte von 36 M. 3. Aber selbst wenn es dem Inhaber eines Coupons und einer Urkunde nicht gelingt, einen einzigen der der Urkunde beigegebenen Coupons zu veräußern, so hat er nicht einen wertlosen Papierfetzen in der Hand, sonder» ihm steht, wie in Nummer VII der Gebrauchs- auweisiing der Gesellschaft„Gella" hervorgehoben ist, in diesem un- günstigsten Falle daS Siecht zu, die Coupons selbst zu erfüllen und gegen Zahlung von 2 Mark für den Coupon-t- 12 Mark für die Urkunde-t- 72 Mark für die Erfüllimg der sechs zur Urkunde ge- hörigen Conpons, im Ganzen also von 86 Mark, ans Abteilung A einen Gegenstand im Werte von 72—90 Mark zu entnehmen. Da- neben erhält er nocki sechs Urkunden nebst daz» gehörigen Coupoüs und somit die Möglichkeit, durch Verkauf derselben den Warenpreis zuzückzugewinnen. 4. Die Gesellschaft„Gella" hat sonach ihre Coupons auf alle Fälle durch Waren im gleichen Werte zu honorieren und es kann daher der Zeitpunkt nicht eintreten, wo unzählige Conpons als wertlose Papierfetzen umlaufen. Der systematische Gedanke, auf dem das Unternehmen beruht, ist lediglich der, daß Jedermann, der durch Erwerb eines Conpons und einer Urkunde mit dazugehörigen Coupons in Beziehung zur Gesellschaft tritt, gewissermaßen ei» Agent der Gcsellichaft wird, der um selbst nahezu kostenfrei eine» Gegenstand zu erwerben, neue Känser und damit neue Agenten heranzieht. Sein Risiko betrögt 14 M. 5. Ter Nutzen der Gesellschaft ergiebt sich somit nicht ans der Spekulation auf die Entwertung ihrer Coupons, sondern wie bei jedem kaufmännischen Geschäft anS der Differenz zwischen dem Ein- kaufspreis und dem Verkaufspreis ihrer Waren. Tie Berichtigung spricht für sich selbst, sie bedarf selbst für den Unkundigen keiner ausführlichen Erklärung. Thatsächlich wird der Käufer in den Glauben versetzt, daß er für einen überaus geringe» Preis einen Gegenstand in verhältnismäßig hoher Preislage er- werben kann. Bei näherer Prüfung stellt sich aber heraus, daß dies nur unter ganz ansnahmsweisen Glücksumständen möglich ist, die höchst selten eintreffen werden, denn er muß sechs Leute finden, die jeder bereit sind, 14 Mark zu opfern. Soviel Dumme finden sich aber selten zusammen, er ivird lange suchen müssen. Will mithin der erste Käufer seine 14 Mark, 2 Mark für den Coupon, 12 Mark für die Urkunde, nicht ganz wegiversen, so kann er sich selbst einen Coupon für 12 Mark, womit feine Urkunde belastet ist, bei der Firma einlösen. Für diese verausgabten 26 M. erhält er dann einen Gegenstand im Werte von 12 M. Nun hat allerdings der„schlaue" Käufer, der mit Hans im Glück eine große Aehnlichkeit verrät, noch die Chancen, daß er seine Conpons für 2M. das Stück losschlagen kann. Das dürste ihm aber schwer gelingen, denn schließlich wird die gewinnverheißenden Papiere kaum jemand ge- schenkt haben wollen. Sollte dann noch einer auf den grund- gescheuten Gedanken kommen, die„Dinger" s e l b st einzulösen, dann müßte er unter Kuratell gestellt werden. TaS Berliner Aquarium ist durch einen aus Südamerika zurückgelehrten Reisenden in den Besitz von sieben ans Paraguay stammenden, zum Teil für das Aquarium gänzlich neuen Giftschlangen gelangt, die zu den beriichtigsten und gefürchtetsten ihres GeichlechtS gehören. Unter den neuen Ankömmlingen fallen zwei durch den außerordentlich scharf vom Halse abgesetzten herzförmigen Kopf ans, es sind zwei Exemplare des sogenannten Bnschmeisters(Eacliesis rnuta), Oberseite ans rotbraunem Grunde mit einer Längsreihe schwarzbrauner Rauten und mit helleren Flecken gezeichnete Gift- schlangen, die von der ungewöhnlich schnellen Wirkung ihres Giftes hier(an Ratten) schon Beweis geführt haben. Sodann ist von der ebenfalls äußerst gefährlichen Schararaka(Lothrops brssiliensis) ein schönes kräftiges Exemplar und von der sarbenschönsten aller Klapperschlangen, der Diamant-Klapperschlange, ein paar stattliche Tiere mit eingetroffen. Straßensperrung. Vom Montag ab werden die Kastanien- Allee von der F e h r b e l l i n e r- bis zur Schwedter- st r a ß e einschließlich des Kreuzdammes und die G e r i ch t st r a ß e von der Pank- bis zur Reinickendorferstraße behufs Umpflasterung, bei welcher die Dampfwalze zur Anwendung kommt, gesperrt. Ans den Nachbarorten. Köpenick. Der soeialdcmokratische Arbeiterverein hält am Dienstag, den 11. d. M.. abends 8 Uhr, im Restaurant Stippekohl seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Diejenigen Mitglieder, welche nocki mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, Iverden ersucht, bis zur Generalversammlung dieselben beim Kassierer K u h r i n g, Wilhelmstr. 76, in Ordnung zu bringen und Pflicht aller Mitglieder ist es, zahlreich und pünkllich in der General- Ver- sammlung zu erscheinen. Ferner werden die Mitglieder des Vereins auf die am 6. August stattfindende Wasserpartie nach Woltersdorf, Restaurant A. Blankenfeld, aufmerksam gemacht. Billets dazu sind vom Mittwoch, den 12. d. M., ab zu haben bei allen Vorstands- Mitgliedern und serner an folgenden Stellen: Vereinslokal bei Stippekohl; Franz Weber, Cigarrengeschäst, Grünauerstr. 2; Max S ch>v an, Barbiergeschäfl. Müggelheimerstr. 1; August T r o p p e n s, Restaurant. Grünstraße. Kinder unter 14 Jahren sind frei. Billets für Mitglieder und deren Frauen sind beim Kassierer Kuh ring, Wilhelmstr. 76, zu haben. Der Vorstand. Zu der Familicntragödic in der Orangenstraße kann noch mitgeteilt werden, daß sich ein Bruder und eine Schwester der im- glücklichen Frau am Freitagabend am Thatort einfanden. Der bedauernswerte Mann wird demnächst erwartet. Wann die gerichts- ärztliche Leichenöffnung stattfindet, ist noch nicht bestimmt.— Auf- merksamkeit beansprucht in der Beurteilung der That eine Ermittelung der Polizei. In Charlottenburg haben sich seit einiger Zeit mehrere Kartenlegerinnen niedergelassen, deren einige von Frau v. Sulkowsli öfter befragt wurden. Von ihnen kehrte sie erregter denn je zurück, und die Frau Rogazky hat sie in einem Falle nur schwer zu be- ruhigen vermocht.' Was die Wahrsagerinnen der in ihrem krankhaften ?ustand für dergleichen Unfug leicht empfänglichen Frau„geweissagt" oben, ist nicht bekannt; doch ist möglicherweise die„Kunst" nicht ohne Einfluß auf die That geblieben. Den zermalmten Leichnam eines Mannes von etwa 28 Jahren fand am Sonnabend früh der Streckenwärter Werner bei Fürsten- brunn auf den Schienen, als er die Strecke abging. Die Gesichts- züge sind nicht mehr zu erkennen. Bei dem Toten befand sich ein Brief an einen Arnold Koch in Altona, aus dem hervorging, daß sein(K s) Bruder Beusselstratze wohnt. Der Name des Toten ist nicht festzustellen gewesen. Das Befinden des Fräulein Nadga Wladimirow, jener 17 jährigen Russin, welche sich,>vie gemeldet, am Sonntag, 25. v. M. aus der Strecke Steglitz— Groß-Lichterfelde vor die Lokomotive eines Wannseebahnznges warf und beide Füße einbüßte, hat sich in: Elisabeth- krankenhause zu Berlin weiter gebessert, doch ist in absehbarer Zeit noch nicht daran zu denken, daß ihrem und dem Wunsche ihrer tief erschütterten Verwandten, die Uebersiedelnng der Patientin in die Wohnung ihrer Angehörigen zu gestatten, ärztlicherseits Folge gegeben werden durfte. Aus Nixdorf. Ein geisteskrankes 16jährigeS Mädchen ans Berlin, welches ihren Angehörigen entlaufen war,' wollte sich gestern abend am Mahbach-llfer Hierselbst ans Lebensüberdruß in den Landwehrkanal stürzen, konnte aber noch rechtzeitig daran verhindert werden. Tie jugendliche Lebensmüde wurde der Polizei zugeführt und später von den telephonisch herbeigerufenen Verwandten abgeholt.— Im Polizeigefängnis vergiftete sich der Amts- sekretär S e e g e r. dessen Verhaftung wir meldeten. S., welcher bekanntlich wegen Unterschlagung verfolgt wurde, wollte der Schande, bestraft zu werden, entgehen, und so trug er für den Fall seiner Festnahme stets eine Flasche Arsenik bei' sich, welche er im Ee- fäng»is leerte. Er wurde darauf nach der Charits gebracht, wo er verstarb. Die Britzer Gemeindevertretung genehmigte in ihrer vor- gestrigen letzten Sitzung vor den Ferien zunächst die Aufhebung der Gebühren für Benntzung der Kirchhofs-Kapelle.— Ein Antrag, für die Aufnahme der Britzer Kircheimachrichten in den amtlichen Berliner Äirchenzettel ans Gemeindemitteln 20 M. pro anno zu bewilligen. wurde vernnnfticperweise von der Mehrheit der Versammlung obgelehut.— Für Publikation der amtlichen Bekanntmachungen im„Teltower Kreisblatt" wird ein jährlicher Pauschalbetrag von 100 M. bewilligt.— Die Auflassung des Priesterweges und des Küstersteiges an die angrenzenden Grundbesitzer ivard genehmigt.— Die Vertretung beschloß sodann, nochmals um Genehmigung der Errichtung eines Pferdemarktes in Britz zu petitionieren, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob der Charlottenburger Pferdemar.'t wieder aufleben wird oder nicht.— Die Fleischschau auf dem Wochenmarkt wird dem Tierarzt Schütte gegen eine jährliche Entschädigung von 300 M. übertragen.— lim die Passanten des Tempelhofer Weges vor den Gefahren des Straßenbahnverkehrs zu schützen, soll dort eine erhöhte Promenade angelegt werden. Die erforderlichen Mittel werden be- willigt. Tie Gemeindevertretung von Tcmpelhof hat sich unter ge- wissen Bedingungen mit dem vorliegenden Vertrage mit der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft einverstanden erklärt. Die wesent- lichsten Forderungen, welche seitens der Gemeindevertretung gestellt werde», sind: UiiNvandelmig des Pferdebetriebes in elektrischen Betrieb gleichzeitig mit dem Umbau der Berlinerstraße; Einführung des Fiinfmiiiiiteiiverkehrs und einmalige Kapitalsabfindimg in an- gemessener Höhe. Dafür ist die Gemeindevertretung gewillt, die Vertragsdauer eventuell bis zum Jahre 1949 auszudehnen. Tic Nimmersatten. In der am 5. d. M. stattgehabten Generalversammlung der Schöiieberg-Friedenauer Terwain-Gesellschaft be- niängelte ein Aktionär den Ertrag auf dem Häuserverwaltungseonto mit 11166 M. als zu niedrig, zumal die Häuser bei einem Buch- werte von 1 240 740 M. mir mit 696 000 M. Hypotheken belastet seien. Dieser Bemängelung gegenüber bemerkte der Vorsitzende Baurat Kyllmann, daß die Häuser, welche seiner Zeit hätten übernommen werden müsse», ziemlich � viele und erhebliche Reparaturen erfordert hätten. Diese seien nun so gut wie abgeschlossen, so daß große Unkosten nicht mehr zn erwarten seien. Zwecks Steigerung der Einnahmen sei man bemüht gewesen, eine Erhöhung der Mieten eintreten zu lassen, was auch durchgeführt sei. Es sei auch Aussicht vorhanden, daß die Mieten in Schöneberg- Friedenau noch weiter steigen werden. Diese Mit- teilungen waren Oel auf die Zorneswogen des unzufriedenen Aktiv- närs,'er ward besänftigt und begnügte sich für dieses Mal noch mit einer Dividende von 5 Proz. Das nächste Mal mehr! Pankow. In der letzten Sitzung der hiesigen � Gemeinde- Vertretung beschloß die Versammlung einstimmig, die Aufstellung von Transformatorsäulen unter der Bedingung der Zahlung einer ein- maligen Abfindungssumme, deren Höhe für jede Sänke noch näher vereinbart werden wird, zn gestatten. Ferner wurden unter der Voraussetzung der Einigung die vorliegenden Pläne über die Ver- legnng deS elektrischen Leitungsnetzes genehmigt. Bei Punkt 2 berichtet Professor Dr. Mendel über das Projekt des Kranken- Hausbaues und erläutert eingehend nach einem vom Direktor Merke vom Krankenhause Moabit entworfenen Plane die Einrichtungen. So viel bis jetzt feststeht, soll das Krankenhaus zwischen den Wasserwerken und dem Pestalozzistist, unweit des Schönhausener Schloßparkes errichtet und für 120 Betten eingerichtet werden. Ferner ist eine etwa später zu erfolgende Erweiterung auf 240 Betten vorgesehen. Die Kosten belaufen sich nach einem Voranschlage auf 750 000 M. Die Versammlung steht dem Unternehme» sympathisch gegenüber und beauftragt die Kommission, weitere� Schritte in der Angelegenheit zu thnn. Ein Antrag des Herrn Professors Voß, auf dem hiesigen Realschulgebäude nach dem Muster mehrerer Berliner höherer Schulen ein Observatorium zu errichten, wird angenommen und die Kosten auf 4000 Mark festgesetzt. Die königl. Eisenbahn- Direktion hat wiederum einen Antrag auf Unterhaltung eines Teils der Damerowstraße seitens der hiesigen Gemeinde eingebracht. Die Versammlung lehnt es ab, sich mit dieser Frage weiter zu beschäftigen. — Zu Ortswählern werden die Herren G ö r s ch und K r e t s ch m a n bestimmt, die die Wahl auch annahmen. Unter Verschiedenem wird die Errichtung eines Amtsgerichts erörtert. Es steht demnach zu hoffen, daß hierorts ein Ämtsgericht errichtet wird. Ans diesem Anlaß wird dem LandtagS-Abgeordueten Rieben hause Ii eine Dankadresse für die kräftige Unterstützung der Pankower Interessen seitens der Gemeindevertreter überreicht werden.— Auf ein an die Firma Siemens u. Halske gerichtetes Gesuch wegen Verbilligung der auf der Strecke Pankow-Elsasserstraße eingeführten Monats- karten ist ein ablehnender Bescheid eingegangen. Ein Nanbansall imirde im königlichen Schloßpark zn Pankow an der 24 Jahre alten Tochter Margarete des in Nieder- Schönhausen wohnhaften Opernsängers Winkler verübt. Die junge Dame unternahm gegen 4 Uhr nachmittags am südlichen User der Panke einen Spaziergang durch den Park, als plötzlich ein in einem Haferfelde verborgen gewesener Strolch hinterrücks auf die Ahnnngs- lose zusprang, sie zu Boden warf und dann zu vergewaltigen suchte. Auf das Hilfegeschrei der Ueberfallenen eilte ein in der Nähe weilen- der Knabe herbei, worauf der ruchlose Thäter die Flucht ergriff, nachdem er noch zuvor der jungen Dame die goldene Uhr entrissen hatte. Da sich die Dame energisch zur Wehr setzte, entstand ein kurzer Kampf zwischen beiden, in dessen Verlauf der Unhold seinem Opfer mehrere zum Glück nur leichte Verletzungen im Gesicht bei- brachte. Die geraubte Uhr hat die Form eines Herzens und zeigt auf dem blauen Grunde des goldenen Sprungdeckels eine Mädchen- gestalt. Ans dem Borfigschc» Fabrikterrain in Tegel ist jetzt die 18 Meter hohe, aus Eisen und Glas bestehende Halle vollendet war- den, in welcher das für die Pariser Weltausstellung bestimmte elektrische Maschinenwerk der Firma A. Borsig montiert werden soll. Für die Montage dieses Werkes, dessen Höhe 14 Meter betragen ivird, ist man augenblicklich mit der Aufstellung eines Rieseukrayns beschäftigt, welcher Lasten im Gewichte bis zu 800 Centnern zu heben im stände ist. Die Dynamo-Maschinen für das Werk werden von Siemens u. Hakske geliefert, während die Dampfinaschinen zur Er- zeugung der elektrischen Energie natürlich von der Firma Borsig selbst gebaut werden. Sorittlo Veriikspflege. Der Rohrleger S. war mit der Frau seines Arbeitgebers Pirsch in Stteit geraten und hatte im Laufe des Wortgefechts er- klärt, die Frau hätte ihm gar nichts zu sagen. Frau Pirsch ent- liefe ihn darauf, was S. mit einer Lohnentschädigungsklage beim Gewerbegericht beantwortete: Der Beklagte wurde zur Zahlung der verlangte» 40 M. mit folgender Begründung verurteilt: Als Ent- lassimgsgrnnd käme in diesem Falle nur eine grobe Beleidigimg der Gattin des Beklagten in Frage. In der Äenßming:„Sie habrn wir gar nichts zu sagen, sei aber eine solche nicht zu finden. Allerdings handelte es sich um eine ungcbnhrliche Redensart, aus ihr sei indessen noch nicht zu folgern, daß Kläger die Vcrtrelnngs- sähigkeit der Frau P. bemängeln wollte. Für die von der F r a u des Arbeitgebers ausgesprochene Entlassung hafte in diesem Falle der Arbeügebcr, da er nach den eigenen Erklärungen seiner Gattin das Recht eingeräumt habe. Arbeiter eocntncll zu entlassen. Die Rechtslage wäre eine andere, wenn diese Vollmacht gefehlt hätte. Ein Uebelstaiid, unter dem die Hülfsmonteure bei der Ein- richtung von Heiznngs- und Beleuchtungsanlagen zn leiden haben, wurde kürzlich vor und von der Kammer III des Gcwerbcgcrichtß lebhaft erörtert. Die fraglichen Arbeiten werden gewöhnlich an einen sogenannten Haupt, nonteur in Accord vergeben,' dem dann bei der Arbeitsanssührnng Hilfsmontcurc zur Seite stehen. Letztere er- halten fast nie etivas von den Accordüberschüssen, die bei der Beendigung der Arbeit nach Verrechnung aller vorschußweise gezahlten Lohn- betrüge lsogcnanntes Kostgeld) verbleiben; und doch wird die Arbeits- Irafl der Hilssmomeure bei solchen Accorden ganz erheblich mehr ausgenutzt, wie bei regelrechter Lohnarbeit. Hierüber beschwerte sich aus das lebhafteste auch der Nkohrlegcr B., der die Firma Jnnk beklagt halte. B. vcrlangie unter anderem, daß wenigstens ein kleiner Teil des Accordüberschusses von 74 SR., den der Haupimonteur Schröder erhalten hatte, ihm zugesprochen werde Schröder habe immer zur Eile gedrängt und einmal gesagt:.Wir wollen machen, daß wir was verdienen". Trotzdem habe er keinen, der Helfer auch nur eine Kleinigkeit vom Ilcberschuß zugebilligt. Auf Befragen gab der Kläger zu, daß ihm vom Beklagten nicht ver- sprachen worden sei, er werde etwas von dem Ueberschuß erhalten. Der Monteur Schröder wurde als Zeuge vernommen. Er sagte aus, daß ihm B. von der Firma gestellt worden sei und regelmäßig für jede Arbeits- stunde einen Lohn von 45 Pf. erhalten habe. Mehr könnte dcrKlngcr nicht beanspruchen. Der Ueberschuß stehe nur ihm, dem Zeugen, als den, jcnigen zu. der die ganze Arbeit übernommen habe.— Der Vor. sitzende Schalhorn und verschiedene Beisitzer beider Kategorie» äußerten sich mißbilligend über die Benachteiligung der HilfSnioiitenre. Der beklagte Unternehmer hätte dafür sorgen müssen, daß der Kläger auch seinen Teil vom Ueberschuß abbekam. Ein Arbcitgebcr-Beisitzer erklärte es„für so ungerecht wie möglich", daß jede Bctcilignnq der Helfer an dem über den Lohn hinaus erzielten Mehrvcrdicnsl ausgeschlossen sein solle. Der Vorsitzende mußte jedoch dem Kläger den Rat geben, seine Klage gegen die Finna Jnnk zurückzunehmen, da ihm vom Beklagten keinerlei Zusicherungen, außer der des Stundenlohnes, gemacht worden seien. B. zog darauf die Klage mit dem Vorbehalt zurück, daß er nun gegen den Zeugen Schröder klagen werde. Vevsammlnngon. Tie Maurer der lokalen Richtung hielten am Freitag eine öffentliche Versammlung in Nümanns Saal, B, Annenstraße, ab. Der Referent Kater führte aus, die Einigung habe bereits insofern Erfolg gezeigt, als die B e h a n d l u n g durch die Poliere jetzt weniger Anlaß zu Klagen gebe, wie vordem, auch Maß- rcgelu»gen mißliebiger Kollegen imncn nicht m e h r so häufig vor, wie früher. Der paritätischen Kom- Mission sei es in letzter Zeit sinchrfach gelungen, aus- brechende Differenzen zu Gunsten der beteiligten Arbeiter rechtzeitig beizulegen Die Berliner Maurer müßten ihre Solidarität gegenüber den von ausivärts kommende»,»och ungeübte» Kollegen dadurch beweisen, daß sie dieselben in der Arbeitsleistung zu fördern suchen, damit die Unteniehmcr keinen Grund hätten, den weniger tüchtigen Arbeitskräften einen geringeren Lohn als 60 Pf. zu bieten. Die Niiternehnier seien jetzt bemüht,'ihre Organisation anszn- bauen. Das müsse die Maurer veranlassen, ebenfalls ihre ganze Kraft für die Stärkung ihrer Organisation einzusctze», damit dieselbe die Jntcr- essen der Berliner Maurer nach jeder Richtung hin vertreten kann.— Beiersdorf und Z e ch I i n verurteilten in scharfer Weise einen Artikel in der neuesten Nummer der„Einigkeit", worin die Redner, ivelche in der Versammlung bei Stechcrt gegen den Einigungsvertrag sprachen, abfällig kritisiert und als„Krachredncr" bezeichnet ivcrdcu. Eine solche Schreibweise in einein Arbcitcrblatt, noch dazu in dem Fachblatt der eigenen Kollegen, sei durchaus ver- iverflich, unisomehr, als der Artikel geschrieben sei, nachdem eine Resolution angenommen wordeii ist, welche den Frieden zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Emigungsvertragcs herbeiführen sollte. Die Gegner der Einignng hätten in jener Versammlung nichts gcthan. als ihre beste lieber- zcngung ausgesprochen und sie müßten deshalb dagegen protestieren. daß sie als„Ärachredncr" hingestellt ivcrden.' Wenn Keßler diesen Artikel geschrieben haben sollte— sagte Z c cb l i n— dann sei es au der Zeit, dem allen Keßler den Mund zu stopfen, ihn aus der Berliner Maurerbcwegung hinauszubrüigen, und dicselve von den Maurern allein leiten zu lassen. Zu dieserAngelegenheit meinte Kater, der betreffende Artikel schildere den Hergang in der Versammlung durchaus zutreffend, und die Kollegen, welche ein kräftiges Wort der Kritik nicht vertragen können, stellten sich damit kein gutes Zeugnis aus. Wer für Preßsreihcit ist. dürfe einer Zeitung keine Vor- s-l'riften darüber machen, wie und was sie schreiben solle. Die Kollegen, welche sich selber in scharfen Worten auszudrücken lieben, müßten auch eine Kritik vertragc» können. Nock, weiterer Debatte lvurde folgende von Z e ch l i n gestellte Resolution an- genommen: Die Versaniinlung erklärt sich mit der Schreibweise des VerslimmIungSberichts in der„Einiglcil" nicht einverstanden. Sic steht auf dein Standpunkt der freien Mcinungsnußcrnng und hält eS nicht für berechtigt, daß Redner o»S den Reihen ihrer Kollegen als„Krachrcdiicr" bezeichnet lvcrdcn, da durch eine solche Schreibweise nur der Mißmut nuter den Kollegen geschürt ivird. Im übrigen steht die Versammlung auf dem Standpunkt der in der Versammlung bei Stechcrt angeuonnncncn Resolution. Ferner wurde beschlossen, daß dieienigen, ivelche sich zur Streik- kontrolle gemeldet baden, nur»och bis zum Dienstag Anspruch auf Unterstützung erheben dürfen. Ter Verband der Bau-, Erd- und gewerbliche» Hilfö- «rbritrr lFilialc Berlin III) hielt am 2. Juli eine Versaiiiniliing ab, in der S c>v e k o unter Beifall der Aiiiveseiidcn referierte. Nach- dem Thiele in den Verband anfgenommen mid die Versammlung sicki mißliebig über das eigenmächtige Handel» von Hohen, an- läßlich des Begräbniffrs des Kollegen Göde ausgcsprockcn hatte, gab der Vorsitzende bekannt, daß Protokolle über die Verhandlungen de§ Baiiarbcitcrschiitz-Koiigrcsses zmn Preise von 20 Pfennigen bei de», Kassierer zn haben find. Tic Van-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter, Zahl» stelle Berlin I, hielten am 2. Juli ihre regelmäßige Mitglieder- vcrsammliliig ab. Betreffs Abrechnung vom zweiten Onartal hat der erste Kassierer die Aiisgnbcn mid Eiiinahmen verlesen, die Revisoren haben Belege»nd alles andere in bester Ordiinng gc- ftmdcii. De», Kassierer wurde Dcckimgc erteilt. Zum Bestich der Treptow- Stciiiwarte soll ein Tag Mitte August gewählt werden. Tie Broschüren über Gewcrkschaflc'ii mid Koalitionsrecht der Arbeiter wurden gratis verteilt. Auf Antrag des Kollegen B rn n k wurde einstiniuiig beschlos'en, daß, wen» scniand ans die Kranzspende eines vcrslorbenen Kollegen verzichtet, auch die 7,50 M, nicht ausgezahlt Werden sollen. Tie städtischen Schlacht- und VichhofS-Arbcitcr beschäftigten sich in einer Verbandsversammlung am 4. Jnli mit ihren Lohn- nnd Arbeitsverhältnissen. Bereits im November 1838 hatten die be- treffenden Arbeiter Petitionen beim Magistrat bezw. der Stadt- verordncteii-VersammIung um Berbessernng ihrer Lage eingereicht. V.ii sämtlichen Rednern wurde scharf vernncilh daß bis heute, nach rem, Monaten, jegliche Nachricht über die Petition fehlt; eS fei ei» merkwürdiges Gedahren des Magistrats, städtische Arbeiter in der Weise zn bebandeln.' Auch auf ein schriftliches Gesuch, das untern, 12. Januar d. I. an den Kurator Herrn Stadtrat Hübucr ge- richtet wurde, derselbe möchte eine Deputation der Arbeiter empfangen, tamitl diese ihre Wünsche imd Beschwerden persönlich vortragen könnten, blieb bisher unbeantwortet. Am 3. Mai wurden min die Arbeiter bei Herrn Direktor Hausburg vorstellig, dieser empfing dann nach Verlauf von 14 Tagen die i» einer Versammluiig gewählte Füiifcrkommissioii mit der Frage, wer den tags zuvor in,„Vorwärts" erschienenen Artikel verfaßt habe und beriet dann mit der Koni- Mission die einzelnen Punkte der anfgestcllten Forden», gen. Schließ- lich erklärte Direktor HanSbnrg, daß die Arbeiter den Jnstanzeiiweg nicht innegehalten hätten, das Kuratorium habe es ihm überlassen, Lohnznlagen zn gewähre»; übrigens käme er nicht aus mit den im Etat cingcstclltcil' Mitteln.— Tie Versamnilnng beauftragte die Fniiferkommission, bei Herrn Direktor Hausbnrg anzufragen, ob er gewillt fei, mit den Arbeitern weiter zu verhandeln, ev. eine Lohn- znlage zu gewähren. Als Termin für die abzuwartende Erklärung wurde der 11. Juli festgesetzt. Die Kommission wurde gleichzeitig beauftragt, alle weiteren Schritte zu uuternehinen und bevollmächtigt, im Falle eines Konflikts das Gewcrbcgericht als Eimgiingsamt an- zurufe».— Da Bürgermeister Kirschner a» den Vorstand ei» Schreiben gerichtet hat,' daß niemand wegen der Zugehörigkeit znin „Verband der städtischen Arbeiter" gemaßregekt iverdeu solle, ist hoffentlich zu erwarten, daß Maßregeliiiigen, und feien sie auch „indirekter" Art, ans dieser Bewegnng nicht zu verzeichnci, sein werde». Es ist übrigens hohe Zeit, daß man den städtischen Arbeitern eiltgegeiikoimiit. Attgenieine Familien. Ztcrbe-Kasse. Heute Zahltag: Ackerpraßc 123 bei Dicke von 3—6 Uhr. Samaritcr-Kursiis für Arbeiter n»d Arbeiterinnen. Morgen Montag, abends 9 Ubr: UebmigSstund« in der Centrale, Kommaiidante»- strahe 20. Vortrag über: Verbrelinuiigeii und Erfrierungen. Nachher: Verbandübnngen.— An, 16. d. Mts. findet ein Ausflug mit der Arbeiter- Bildungsschule statt. Das Nähere wird uiorge» in der Unterrichtsstundc bekannt gegeben. Eeiitral-Kraiikei» und Begräbnißkasse für Frauen n»d Mädchen in Teutschland(E. H. Nr. 26), Berwaltuiigsstelle Berlin I. Montag, den 10. Juli, abendS 6 Uhr, in Rauteiibcrgs Fcslsälcn, Oranienslr. 180: Mitgliederversammlung. Wichtige Tagcsordiiung. Verein für Fronen»»d Mädriw» der Arbeiterklasse. Montag, den 10. Juli, abendS 8 Uhr, in den Ariniiihallen, Koniniandalitenslr. 20: Generalverianiuiiuiig. Näheres im Inserat ersichtlich. Um zahlreichen Besuch bittet der Vorstand. Vermisthkes. Brunnciivcrgiftuilg. Dem„Liegnitzer Tageblatt" wird aus Haynau gemeldet: Schon seit längerer Zeit sind i» cilienr in dem benachbarten UlberSdorf-Hahiiau gelegenen Haiisc einzelne KraniheitS- fälle, die auch z»m Teil tödlich verlansen sind, vorgekommen. Diese Erkrankungen, die in längeren Zwischenräumen erfolgten, zeigten— obwohl sonst ganz verschieden— cigcntüinliche gemeiiischnftlichc Symptome, doch war es nicht möglich, irgend welche Ursache festzn- stellen. Nun ist es doch gclniigcii, Licht in die Sache zn bringen. Von Geheimrat Professor Dr. Flügge aus Breslau und auch von anderer Seite sind in dein Wasser eines dortigen Brunucns, nnö ivelchcm die Beivohncr ihr Trinlwaffcr cntnonimcn. Spuren von Arsenik gesunden worden. Vor vielen Jahren finb in eine in der Nähe des Hauses bestndlichc Grube die Abfälle einer hiesigen Glace- ledcrgerberei gefahren worden, und es ist nur aiiznnchmcn, daß das Arsenik, welches in den Gerberei-Abfällen enthalten ist, durch daS Grundwasser den Brunnen vergiftet hat. Der Brunnen ist gc- schlössen worden. Heber Hochwasser meldet mau der„Volks-Zeitung" ans Lauban: Doiiiierstagabcnd 7 Uhr trafen von Grciffenbcrg und Marklisia Telegramme hier ein. daß oberhalb SchoSdorf und Friede- bcrg furchtbare Wolkenbrüchc niedergegangen feien. Gegen'.«S Uhr ertönte das Nebelhorn, die drohende Gefahr weithin verkündend. Große Wasscrmasscn führte der Oclseflnß mit sich und setzte ganz Langenöls unter Wasser. In Wingendorf war die Doristraße biiiueu 10 Minuten eincii halben Meter koch überflutet. Das sämtliche Wiescnsutter, das schon seit einer Woche der ungünstigen Witterung wegen in Hniifeu zusammenstand, wurde von den braunen Finten init fortgesührt. An den seit kurzer Zeit erst bcendetcu Uferbauten wurde teilweise sehr erheblicher Schaden angerichtet. DaS Hoch- Wasser im Oncis traf erst nach 9 Uhr abendS hier ein und hatle nach Mitternacht seincil höchsten Stand erreicht. Ei» raffiniertes Gaunerstück. Ein reicher Deutsch- Amerikaner ist auf der Reise von Amsterdam nach Frankfurt a. M. in der Eisenbahn ans raffinierte Weise«m seine Brnsttasche, die 1600 M. in Papiergeld enthielt, erleichtert worden. Als der Zng in Köln hielt, trat der Amerikaner in den diirchlaufciidcn Gang des Wagens. In diesem Augenblick erschien ein dein Anschein uaai höchst gebrechlicher Manu, der sich nur mit Not und Mühe und mit Unterstützung eines Begleiters forthelfen koniilc. Beide drückten sich an den Amcrikancr vorbei»nd gcwifjcrniaßen zur Stütze klammerte sich jener Mann an den Amcrikancr. hui vorbeikommen zu können. Gleichzeitig erschien von der Rnckscite ein dritter, der dem Amerikaner ans die Schulter tipple und ihn um eine kleine AuS- knnst bat. Während diese Aiiskunft erteilt lvurde, rupften die Tafchen- diebc tbr Opfer. Ter Fremde benierktc seinen Verlust erst in Frank- ftirt. Die Polizei wurde benachrichtigt und der Telegraph in Be- ivcgnlig gesetzt, vorerst allerdings ohne Erfolg. Ei,t Fiirsteuerzicher im— Znchth anse. Der Pnvatlcbrcr Dr. I. Metz ans Zciileuroda ivurdc dieser Tage vom Schwurgericht zu 2 Jahren Zuchthaus n n d 3 I a h r r n E h r v c r l u si ver- urteilt, weil er wiederholt an cinein geistesschwacken dreizehn Jahre alten Mädchen in Friedenau ein schweres S i t t l i ch k c i t S- verbrechen verübt hatte. Das Leben dieses JngeuderzicherS war ein sehr bewegtes»nd ivechsclrcicheS. Nach längerer Privalthätig- feit kam er als Lehrer an eine größere Irrenanstalt und lvurde dann Erzieher am fürstlich Rmßischen Hvse zu Greiz. Hierauf erhielt er au der Wildtschen Erziehniigsaiistalr z» Nordhaufc» eine Anstellung als Lehrer, die ,1», indessen geliindigi wurde, weil der Verdacht vorlag, daß er in sittlicher Beziehung nicht ganz rein sei. Im vorigen Jahre siedelte M. nach Berlin über und übte hier seine Thäligteit als Privntlchrcr ans. bis er endlich in Friedenau bei de», gciiaimtcn strafbare» Verbreche» ertappt und sofort verhaftet wurde. Jetzt wird der Fürftencrziehcr m der Moabitcr Strafanstalt scinc verwerflichen Thntcn büßen. SchnatgangSscst. Die Heger-Laischast begeht am 26. d. MtS. ihr Schnatgangsfest, eine aus früheren Jahrhiniderten iibernomiiicne Feier, die einer alte» Sitte gemäß sich alle sieben Jahre ivicdcrbolt. Für die Eigcnartigkeit dieser Veranstaltung spricht schon der Um- tand. daß der sogenannte Schnat- oder Grenzgang sich in Gestalt des Festznges mitten durch das Rathaus bewegt, weil dasselbe auf der Grenze der Hcgcr-Laischaft steht. Der Zng bewegt sich dann durch Wald und Flur, durch mit Bcileil bewaffnete Männer an- geführt, die ohne ivcitcrcS alles weghacken, was im Laufe der Jahre über den Weg gewachscii ist. Bei den Grenz» sMarken-) Steinen werden wohl auch an die jüngeren Teililcbmcr„znni Gedächtnis" Ohrseigen ausgctheilr. An den! Fest, das sich allerdings mir über ein bestinnnt a'vgcgrcnztes Gebiet erstreckt, pflegt alt und jung ohne Unterschied des Standes lebhaflestc» Anteil zu nehmen. Heber die Entdeckung einer Tropfstrin- Höhle wird der ..Boss. Ztg." aus Schlesien berichtet: In dem Graf Clam-GallaSscheit Kalksteiubrnche bei HeinerSdorf im Jefchkeiigebirge ist eine Höhle aufgefunden worden, die in geologischer Hinsicht sehr iittcrefsant ge- talret ist. Durch ein manncshoch' aufgebrochenes Loch gelangt man in die 6 Meter tiefe Höhle, unter ivclcher� mittels eines engen Ganges erreichbar eine zweite 9 Meter liefe Höhle liegt. Beide Höhlen sind keilförmig nach unten zu sich erweiternd, ihre Seiten« lächeu verschneiden sich oben in einer genieiiisainen Kluftspalte und haben ziemlich geräumige Bodenflächen. Die Kluftspalte, die sich von der untercn Höhle noch weiter in die Tiefe fort- letzt, zeigt in beiden Höhlen zahlreiche kleine Stalaktiten, und die Scitenwände sind mit Tropssteingebilden aller Art überzogen. Die Sohle beider Höhlen ist mit Felsbrocken bedeckt, die durch Tropf» tcinüberzug mit einander verkittet smd. Mehrfach beobachtet man in de» Tropfftciliüberzügeit Lehmschichten eingeschlosseil, und so ist auch der weitere Gang von der zweiten Höhle abwärts durch zähen Lehm abgeschlossen, so daß die Weiterverfolgung der Kluft in die Tiefe vorlänfig»och unmöglich ist. Tie Sohle' beider Höhlen hat nitgefähr die Form eines länglichen Eiprofils, die obere hat einen Querschnitt von 3 bis reichlich 4 Meter, die iintere einen solchen von 4 bis 5 Meter. Von wisseuschastlichcr Seite wird man dieser interessanten Cutdeckuiig eine eingehcnde Alisiiierksanikeit schenken und jedenfalls einer weitere» Crjchließimg dieses Höhlengebirges nähertreten. Furchtbare Gewitter gingen am Mittwochnachmittag in der ganzen Altmark nieder; es Ivar ein Unwetter, wie es seit Menschen- gedenken nicht dagewesen ist. Infolge der Wolkenbrüchc, die in der Salzwedeler Gegend niederginge», ist die Jectzc-Niederuiig über« schivcinmt worden; die tiefer liegendcil Wiesen gleichen weiten Seei», ans denen das abgemähte, znni Einfahren bereite Heu herum- schwill, n,t, das natürlich verloren ist. Ans fast allen alt- mörftichcn Dörfern konnnen HiobSposten über schivere Ge- ivittcrschläge; es wurde auf de» Weiden lind in den Ställen viel Vieh erschlagen, Gebäude durch Blitzschläge eingeäschert oder durch den Sturm umgestürzt inid durch Wolkeubrüche die Wer» btlidung der einzelnen Ortschaslen niitcrbrochcn; der Roggc» ist zum Teil total niedergeschlagen, die Kartoffelfelder stehen vielerorts unter Wasser. Merkwürdige Erscheinungen brachten einige Blitzschläge mit sich. Im Dorfe Güssefeld schlug der Blitz in eine ans der Dorf- straße liegende Herde Gänse, die wie Spreu in die Luft geschleudert' wurden; kcins der Tiere wurde verletzt. In Groß» Apenburg fuhr ein Blitzstrahl in einen acht Fuß Wasser haltenden Zichbrniineu, wo- durch das Wasser versiegte und der tiefe Brniineii bis zn», Rande mit Sand gesüllt wurde. Aus Bahnhof Salzwcdcl stand der Tunnel so voll Wasser, daß der Verkehr zu den Zügen über die Geleise gehen mußte. Ebenso wurde der Bahnhof Oebisfelde total überflutet und der Verkehr durch den Tunnel nnl erbrochen. Soviel bisher bekannt ist, sind Menschenleben nicht vernichtet worden. Marktpreise von Vcrli» am 7. Jnli 481)9 »ach Ennittelimgen dcö tgl. Polizeivräsidnniis. D.-Ctr. ")Weizcn ")Nvggcii Fmicr-Gcrfie Haser gut „ inittel .. genug Nichts! roh bei, 1) Erbsen vjSpkisebohnen +)üiiisc,l Kartofseln,»cne Nind fleisch, Kc»!e 1 lex do. Bauch„ ») Eimillelt vro 16.3» 1MV 13, 50 15,60 15,— 14,40 4- 6,30 40,— 50,— 70,— 6,- 1,00 1,20 Zoime Schweinefleisch fialbfletsch Haiiimclfleisch Butter Eier flaipsc» Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse Ib« 60 Stfick 1 lex per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4- 2- 2,80 2,60 2,40 1,60 2,50 1,40 12,— 1.- 1,- 1,- 1,80 2,20 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3,- 15,— 14,10 13,- 15,10 14,50 14,- 3,50 3,90 25,- 25,- 30,- 6,- 1,20 1,- /............ W von der CenlralsieNe der Prenß. Landwirt- schastskanniicr- RolicliineSsielle-«nd»iiigercchnet vv», Polizeipräsidium stir den Toppcl-Eenwer. y) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 7. Juli. Ter hiesige Mar» wurde durch die flauen Tendenzmeldiiiigen van den östfeickisch-iiiigarischen, ftnnzösischen und iiordainerikaiiischeu Getreideuiärlten»iigLnstig beeinflußt. Außerdem verfliuimten die in größerew Unisaiige vorliegenden Oflertc» Nublands, ob- wohl dieselben vor der Hand noch nußer Rendement find. Weizen gab im Preise bis 0,75 M. nach; Roggen war 0.50 M. billiger zu haben. Hafer und RtibSl verkehrte» bei stillem Geschäit zu gestrigen Preisen. Aiu Spiriluö markt wurden 10 000 Liter loco 70 er mit 41,50 M. (unverändert) gehandelt. Termine bchaupletcn ihre letzten Preise. Berlins«Ä c t r c i d e- und M e h l z n s u h r e n zu Waflcr vorn 7.-8. In Ii unttags belnige» 170 Zviincn Weizen, 415 Tonnen Roggen, 105 Tonnen Haier, 50 Tonnen Gerste, 6 Toinieli Erbse», 1069 Tonnen Mais, 3400 Toppel-Centiicr Weizenmehl, 2000 Doppcl-Centncr Roggen- nichl.„„ Städtischer Schlachtvieh markt. Berlin, 8. Jnlt. Znin Ver- laus standen: 3766 Rinder, 1130 Kälber, 15 105 Schake, 7509 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Psu.id Schlachtgewicht in Mark(bezw. für 1 Psimd in Pfcrniig): Ochsen: a) vollfleischige, ansgeinästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 61-66, d) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ansgeinästete 57—70, c) mäßig genährte jniige und gut genährte ältere 50—54, d) gering genährte jeden Alters 46—49.— Bullen: a) voll- steischige höchsten Schlnchlwertcs 57— 63. t>) mäßig genähttc jüngere und gut genährte ältere 52—56, c) gering genährte 47—51.— Färsen und Kühe,! d) mäßig gcnährtc Äübe mid Färle» 48—50, e) gering genährte Kühe und Ehrsen 44—46.— Kälber: a) sc in sie Mastlälbcr zVollinllchinast) mid beste angkälber 68—71, b) mittlere Mast- iiiid gute Sangliilber 62—67, o) ge- ringe Saiiglälbcr 57—60, d) ältere gering genährte(Frefler) 44— 50, — Schase: a) Mastsäinmer und jüngere Masthamnicl 56—60, d) ältere Masthamuiel 52—56,<:) mäßig genährte Hammel mid Schafe(März- schale 48—50. d) Halsteiner bileberiingsschale(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) vollslcischigc,, der seiperen Nassen und deren Kreiizuiigen, im Alter bis zu IV« Jahren 46—47; b) Käser 00—00, o) fleischig» 45—46, d) gering eutwickeUe 43—44, e) Sauen 40—42 M.— Der Rinderinarkr verlies ruhig und wird bei weitem nicht geräumt. Der Kälber- Handel gestaltete sich ziemlidi glatt. Bei de» Schalen war der Geschäfts- gang schleppend und gedrückt; eS bleibt erheblicher Ueberstand. Der Schweiiiemar't verlief ruhig und wurde gerämiit; schwere settc Ware erzielte nicht die höchsten Preise._ SHlttr»»ngtnbrrI!cht vom S. Jnli Id-k!». morgens 8 tthr. LS \~e Stationen'---!= S m** H Weite, Ä «Zl -w in% Lwliicinde. Hamburg 'Belli» Wiisdaden 9i fluchen Wien 1 766 WNW 768 W 767 W 769 NO 76953 764 NW 3 wollig 2 bedeck! 2 dedeelt 3 bedeckt 2.dcdcckt 3 dedeckt Slalioiic» Haparanda velersburg Eork Aderdec» PariS 766 SSO 764 N 769'S 765 S 769 OSO Wetter -wolkig liwolkcnl lihlb.bcd. 2 wollig Iwolkenl ar, Ii -ö 15 14 16 17 18 LLettel.Piogiioie für Sonntag, de» 0. Jnli INtl». Zeitweise ansklarend, vorherrschend ivolkig bei schwachen westliche» Winden und langsamer Erwännimg; tciiic erheblichen Niederschläge. Berliner 53 e l l e r b u r e a u. Briefkasten der Redaklion. Schönwalde. Bitte, Frage zu wiederholen. Reichstags- Hrnr». ES bat keine» Zweck, daß Sie»nS nähere Mitteilungen machen. Unsere Redaktion kann derartige?lngelegc»hejtcn nicht auf ihre Nichtigkeit prüfen. Sic mögen sich an den KrcisvcrtrMienS- nianu wenden. Bö. L.,-Höchst a. M. Ziliinchft nicht nötig; wenn in diesen Sachen aber etwas Neues zu berichten ist. wollen Sie eS gefälligst thnn. I. 42. Die Kosten hat der Ätater zu tragen. Er kann aber die Er- ziehmig durch ihn selbst und die Fortnahme beS EnkelS von Ihnen de- gehreu. Priest. Bon diesen Wahlen nehmen wir keine Notiz. E. lind W. 1 Nute~ 10 Fuß, 1 Fuß--- 10 Zoll, 1 preußischer Morgen— 180 Quadratriiteii. Bauer. Aiittvort wie vorher nnter E. mid W. Im itbrigen lesen Sie doch dergleichen i» jedem Leftlon oder Schulbuch nach. L. B. 1. Gehen Sie in die Klinik der Charitö. 2. Wenn Sie zur JiivaUdcnvcrstchcrmig bcistcner», ja. Weiiden Sie sich mit einem solchen 'Antrag an die Berliner Anstalt. 3. Wenn Sie erlrankt sind, werden Sie in einer freien HilsSkasse keine Anfnahliie flnden. Frau Gr. Solches Gcschästsgcbahrc» ist gewiß unaiistäildig, aber zur Besprechung doch zu iiilbedenteiid. F. S.. Swiiiemünderstr.«5. Die Weißeilscer Pferdebahilliilie endete bis vor ca. 4 Jahre» direkt am Eingang zur Rcnnbayn; die Strecke poin Pferdebahndepot bis zur Rennbah» wurde jedoch nur»n Renntagen befahren. Die Geleise wurden aber, da eine längere Pause in der Abhaltung von Rcinicil bevorstand, sortgcnoimiicn. Glogauer. Die Angelcgcnhctt wird von der Betwaltung der Kasse untersucht und empfiehlt sich somit die Veröffeutlichung der Beschwerde nicht.— H. B. 108. Nach Ihrer Schildermig deS Sachverhalts länst Ihr Vcttrag erst am 1. April ab.— Lexikon. Der Minderjährige ist au den Berttog nicht gebunden und soll seinen Rücktritt erkläre».-®. H. 33. Nein. — Liner., K. M. Nein.— Metallarbeiter. Derjenige, der den Ver- trag geschlossc» hat, ist zur Zahlung des vollen Preises und zm» Schadens- ersatz verpflichtet.- Oppen. Sie roimte» das Kind, falls die übrigen Qvforbctntffe vorNegm.«bapllttett und fflnn«n auch Beim Poll�iprZst- penteu burd) ben ffionumib um Aenbemng bcS NaniciiS«tnkoinmen lassen. A» beiden Fällen betragen bie Kosten S0 M.- B.«lclisch. Ja.- Toldluerstr. 41. Daun wenden Sie sich an ben SchiebbinannS-Stell- Vertreter, dessen Adresse auö dem zweiten Teil de« Abr-SlalcnbcrS erhellt. 'Z v~'?' i. Znc Zahlung sind Sie verpflichtet. 2. Betrug(Strafe, Gelbstrafe bis 3000 M. oder Gefängnis bis b Jahren) kann als vorliegend angenommen werden.- P. H.««9. i. Sie könne» lediglich Schadens- rpatz verlangen. Wieviel derselbe beträgt, hängt vom sachverständigen Gut- achten ab. 2. Nein. 3. Wer verliert, hat auch die Kosten dcS gegnerischen iragcn.— Lange 13. 1. Die Familie hat die vollen statut- '»nhig festgesetzten Beträge zu beanspruchen. 2. Das hängt von der Hohe serneö thatsächliche» EinkominenS ab.- S. Will. 11. Nein. 19. N. Welche Gegenstände sind unpfändbar? Einer Pfändung sind nicht unterworfen,»»äffen vielmehr dem Schnldner belaffei» werden: 1. Die Kleidungöstinke, die Betten, das HauS- und Küchengerät, insbesondere die Heiz- und Ävchäfen, soweit diese G e g e n st ä n d e s ü r d c n S ch n l d n e r, s e i n e F n m i l i c und sein Gesinde unentbehrlich sind. 2. Die für den Schuldner, seine -vamilie und feilt Gesinde ans zwei Wochen erforderlichen NahnttigS- und FeuerungSmittcl. 3. Sine Milchkuh oder nach der Wahl des Schuldners statt einer solchen zwei Ziegen oder zwei Schafe nebst dem zum Unterhalt und zur Streu für dieselben ans zwei Wochen erforderlichen Futter und Stroh, sofern die bezeichneten Thiere für die Ernährung des Schuldners, seiner Familie und seines Gesindes unentbehrlich sind. 4. Bei Künstlern, Handwerkern, Hand- und Fabrikarbeitern sowie bei Hebammen die zur persönlichen Ausübung des Berufs unentbehrlichen Gegen st ände. ö. Bei Personen, welche Landwirtschast betreiben, das zum WirtschaftSbetricbe unentbehr- liche Gerät, Vieh- und Feldinventarinrn nebst dem nötigen Dünger sowie die landwirtschaftlichen Erzeugniffe, welche zur Fortsetzung der Wirtschaft bis zur nächsten Ernte unentbehrlich sind. 0. Bei Ofsizieren, Deekofsizicrcn, Beamten, Geistlichen, Lehrern an ösient- lichen Untcrrichtsanstaltc». Rechtsanwälten, Notaren und Acrzten die zur Verwaltung des Dienstes oder Ansubuna des BcrufS erforderlichen Gegenstände, sowie anständige Kleidung. 7. Bei Ofsizieren. Militärärzten, Deckofstzicren, Beamten, Geistlichen und Lehrern an öfsentlichen Unterrichts- anstaltcn ein Geldbetrag, welcher deni der Psändnng nicht unterworsenen Teile deS DiensteinkommenS oder der Pension gleichkommt. 8. Die zum Betriebe einer Apotheke unentbehrlichen Geräte, Gefäße und Waren. v. Orden und Ehrenzeichen. 10. Die Bücher, welche zum Gebrauche des Schuldners und seiner Familie in der Kirche und Schule bestimmt sind.— Welche Kleidungsstücke, Geräte, Mobilicn zc. als unentbehrlich zu erachten sind, entscheidet zunächst der Gerichtsvollzieher eventuell auf Beschwerde hin da? Amtsgericht. Das Gesetz kennt nicht die Anführung bestimmter Gegenstände(z. B. eines verscbiiehbaren Möbels) als unpsindbar.— Danaäi besitzen Sie psändbare Gegenstände nach Ihrer Darlegung nicht. Der Kreis der unpsändbaren Gegenstände ist vom 1. Januar 1000 ab erweitert. K. M. 89, Einil 33. Nein.— E. 10. 1. Bis zum Tage der Eni- lassung ist Lohn zu zahlen. S. ES cmpflchlt sich nicht mehr, Strafanlrag zu stellen.— ZI. D. 1. Ja. 2. Vom 15. Juli bis zum 15. September lausen die Gerichtsseriell.— D. 29. Das ist nickt znläsfig, eine Beschwerde bei der Postdirektion würde Abhilfe schaffen.— I. L. 33, Stodbe Dachsbcm. Leider ja.— H. M. Sic können der Polizeibehörde mitteilen, dag Sie es ablehnen, sich als Zeugen vernehmen zn laffe«, wenn Ihnen Zeuacii- gebühren nicht gezahlt werden. Allerdings ist das Reichsgericht der Ansicht, daß man in Polizeiprengen eventuell zu Vernehmungen vor der Polizei sisticrt werden könne. Dies Sisticrungsrccht wird vom Reichsgericht aus der Befugnis zur Bernehuiung von Zeuge» abgeleitet— eine dirctt solches SistiernngSrecht einräilmeilde Bestinluluiig giebl cS nicht. Ebenso giebt es keine Bestimmililg, die ein Recht aus Zengengeböhr für Vernehmungen vor der Polizei ausdrücklich einräumt. Die reichSgeietz'iche Zeltgengcvührcn- Ordnung gilt nur für gerichtliche Vernehmungen. Nack der richtigen An- sickt sind aber die Bestimnlimgell der Rcichs-Gcbührcll-Ordnimg sinngemäß ans Polizelvernehuiuiigen anzuwenden. Ein Erlenutilis, welches sich hier über ausläßt, ist, so viel bekannt, vom Reichsgericht noch nicht gefällt. Celltral-Krililktit- u. Sterbe- WhttheMellWiWlbllller (Berlin ll). Hicnnit zur Nachricht, daß am Dienstag, den 4. Juli, unser Mitglied änllress Vomivielc verstorben ist. 1l20b Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4l/z Uhr von der Leichen- balle dcS St. SebasliailkirchhofcS in der Dalldorser Chaussee ans statt. Tie Ortsvcrwaltung Ctlltrltl-Krllnken-mldTtttbe tiijscdndtlltichmWllgellblllltt (Berlin III). Hierdurch zur Nachricht, daß am b. Juli unier langjähriges Mitglied Wilhelm Adler infolge einer Operation verstorben Ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9., uachinittagö 4 Uhr von der Leichenhalle des Sophien-Kirchhoseö, Freienwalderstraße, Gesuiidbrnnne», statt. Um rege Beteiligung ersucht 253/2 Die Ortsvcrwaltung. Krilllkeil-Niltttstützungsti»»!! der Schneider. Unser Mitglied F. Becker ist am 6. d. M. verstorben. Die Beerdigung findet am Sonntag ben 9., nachmittags um 5 Uhr, auf dem Eharits-Kirchhof in der Müller- ftraßc statt. 206/18 Tie OrtSvcrwaltniig. Deutseher Metallarbeiter-Yerband (Verwaltungsstelle Berlin). Todes-Anzeige. Donnerstag, den 6. Juli, oerstarb an der Proletarierlrankheit unser Mitglied, der Klenipner Lmiil tiilelsdn-inrlt. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 9. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle der Fricdensgcmeiilde in Nicdcrschölihauscil aus statt. 113/2 Die OrtsUrrwaitung. Deröand d. Maleret� Filiale I Berlin. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß linser Kollege, der Maler Emil Reich nach lang. Krankenlager verstorben ist. Ehre seinem Andeuten! Die Beerdigung findet heute. Sonn- tia. nachm. 4 Uhr, vom Krankenhaus Friedrichshaii, ans statt. Um recht zahlreiche B-teiligling bittet Idvn Voreituiul. Ehrenerklärung. Die Beleidigiiilg gegen die Frau Franke, Rostockerstr. 6, nchme ich hiermit zurück und erkläre dieselbe für eine ehrenhafte Fra». 1246b ___ J CiviUllnskl. Ernst Minnich, Admiralstr. 18 c. Billigstes Special- S) Geschäft für Lampions, Stocklaterncn, Mührn, Schärpen, s Lichte, Feuerwerks- törper. lanckparile-.Xrtlüel. Billig! Billig! 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Nachmittags große Rundfahrt. Im Walde! große Ileberrafchnng. Bei eintretender Dnnlclbcit: ttnosiM»;» Feuerwerk. Alle Freunde und Gönner deS Vereins sind hiermit freundlichst eingeladen. Her Torstand. BilletS a 1,20 M. sind im Arbeitsnachweis bei Teschner, Gollnoivstr. 6, und Wcinstr. 13, v. III bei Frau Schulz, Georgenkirchstr. 14, Hos I, bei Karl Porth, sowie bei Kiesel, Fruchtstr. 59, zu haben. Kinder frei Ncn! Achtung! Achtung! Neu! Allen Freunden nnd Bckaniiteil zur Kenntnisnahme, daß ich von jetzt ab goldklares Berliner Weißbier vom Faß ausschnnle. Um freundlichen Zuspruch bittet 2159L* Dshar Schullze, Ach Fmiksiirttr Straße 5, �_ Ecke Frnchtstraße. Ungar-Wein med. Vj Ausbruch a Liter M. 2,- 5 Literkorbflasche M. S,75. •Johannlshcorwciii, weiß u. rot, Herd u. silß. 10 Liter M. S,-, 100 Liter M. 75.- a Flasckc 75 Pf., 10 Flaschen M. 7,- 60 Flaschen M. 30,— exkl. Erdbeer-BowJe, auögezeickncl im Geschmack, a Flasche 60 Ps., 10 Flaschen M. 5,50 exkl. Eugen Nenmann& Co. Berlin SW. 13. 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Besonderes Interesse beanspruchen darunter in der jetzigen Zeit der KolonialerwerbungSmanie die Mitteilungen iiber den Handel Hamburgs mit den deutschen Kolonien, da die betreffen- den Zahlen anschaulich den mehr als zweifelhaften Wert unserer gerühmten afrikanischen und oceanischen Besitzungen darthnn. Be- kanntlich geht der Handel des deutschen Zollgebietes mit unseren Kolonialbesitzuugeu fast ausschließlich über Hamburg. Doch ist Hamburg? Aussuhrverkehr mit den Kolonien auf die Waren aus dem deutschen Inland nicht beschränkt. Neben diesen werden vom Hamburger Freihafen manche Waren nach unseren Besitzungen ver- schifft, die fremden Ursprungs sind, z. B. fremde Kolonialprodukte. Deshalb auch ist Hamburgs Handel mit den deutschen Kolonien wie schon der flüchtigste Vergleich der Hamburger Tabellen mit jenen des Statistischen Jahrbuchs für das Deutsche Reich lehrt, weit größer, als der des deutschen Zollgebietes. Für die Einschätzung des eigentlichen Handclswertes unterer Kolonialbesitzungcn kouuncn aber natürlich weit mehr die Zahlen der Hainburger Statistik in Betracht, als jene der Ein- und Ausfuhr des deutschen Zollmlandes nach diesen Gebieten, da der deutsche Handel an den aus dem Ausland ins Hamburger Freihafcngebict eingeführten'und von dort nach unseren Kolonien wieder ausgeführten Waren selbstverständlich auch verdient, meist sogar doppelt. Haiideltjes sich demnach darum, lediglich die Ausfuhr deutscher Waren nach unseren Kolonien festzustellen, so ver- dienen unbedingt die Angaben der Reichsstatistik den Vorzug: will man dagegen nur allgemein die Bedeutung dcS deutschen Handelsverkehrs mit jenen Gegenden erfahren, so hält man sich weit richtiger an die Hamburger Angaben.� Wenn trotz dieser höheren Hamburger Ziffern unser Handel mit unseren Besitzungen sich so winzig ausnimmt, ist das Resultat für unsere Kolonialpolitik um so vernichtender. Erreicht doch selbst der Wert des Gcsaiuthandcls Hamburgs nach Deutsch- Ostafrika und Südwcstafrika noch nicht mal die Höhe des Reichs- Zuschusses zu den Vcrwaltungskostcn jener traurigen Kolonial- gebiete. Am unbedeutendsten ist Hamburgs Handelsverkehr mit Neu- Guinea, dem Bismarck-Archipcl und den Marschall-Inseln. Nach den letzteren betrug die Ausfuhr: 1896 1897 1898 162 480 M. 124 320 M. 143 680 M. dagegen die Einfuhr von dort: 1S96 1897 1898 436 000 M. 91 970 M. 110 650 M. Der Handelsverkehr mit jener Kolonie ist also seit 1896 bc- deutend zurückgegangen: 1896 belicf sich der Wert des Umsatzes in Ein- und Ausfuhr auf 687 480 M.. 1898 nur auf 264 130 Mk. Noch trauriger ist es um den Handel mit Ncu-Guinca und dem Bismarck- Archipel bestellt, die nun ja glücklich in den Besitz des Deutscheu Ncichcs übergegangen sind. Die Ausfuhr dorthin betrug: 1896 1897 1898 181 370 M. 122 750 M. 155 180 M. Die Einfuhr von dort in Hamburg: 1896 1897' 1898 280 070 M. 84 260 M. 14 930 M. Während also der Wert des Gesaiuthandels nach dieser Kolonie sich 1896 auf 461 440 M. stellte, erreichte er in 1898 nur noch 170110 M.■ Verhältnismäßig am besten hat sich der Handel mit Kamerun und den, Togogcbict— beide Kolonien sind in der Statistik zusammen- gefaßt entfaltet. Die Ausfuhr dorthin bezifferte sich auf: 1896 1897 1898 3 294 780 M. 4 267 760 M. 6 327 1 20 M. Die Einfuhr in Hamburg auf: 1896 1897 1893 3 378 940 M. 3 083 060 M. 6 116 130 M. Es darf indes aus diesen Zahlen nicht ohne tvcitcres gefolgert werden. daß die deutsche Industrie in der Bevölkerung dcS Landes einen immer willigeren> Abnehmer für ihre Produkte findet- ein großer Teil des Mchrexports kommt auf Rechnung von Waren', die für den Konsum der dortigen Deutschen(Kmiflciite, Beamte. Misstonare) und für die Schutztruppc bestimmt waren, ein andcrcr Teil besteht aus Waren fremde» Ursprungs. So befanden sich i: V".l fm.£!■""tlöhtigcn Ausfuhr von Hamburg allein für über eine halbe Million Mark Reis und Rohtabak. Die' Hauptartikel der Ausfuhr nach Westafrika bestanden in: 1896 Baumwoll-, Woll- und Seidenwarcn.... Eisenwaren..... Rum....... Andere Spirituosen(mit Ausnahme von Wein). Roher Tabak..... Reis........ Fleisch- und Wurstwa'rcn 763 410 M. 199 230„ 315 770. 1897 1 096 980 M. 310 330„ 313 970. 1893 1 478 990 M. 371 380„ 437 100. 110 670„ 97 060„ 181 900. 197 610„ 200 320, 304 470" 120 270„ 178 210. 220 880" .......... 115 240„ 148 820„ 185 960„ �chl'gstcn Einfuhrartikel, die von dort nach Hamburg ver- schifft wurden, waren: 1396 1897 1893 Gummi...... 990 640 M. 1 034 520 M. 2113 900 M. Palmkerne..... 1 488 060„ 914 740„ 1 566 360„ Palmöl...... 270 340, 265 860„ 576 760„ Elfenbein..... 391 520„ 603 440„ 393180„ Kakao...... 147 780„ 296 870„ 851 420„ Deii größten Anteil an der Einfuhr hatte, wie man sieht, im letzten Jahr Gummiclnstikum: doch ist die Steigerung von 990 640 auf 2 113 900 M. nicht lediglich durch die Vcrmchruug des Quantums hervorgernfen, recht wesentlich trug dazu die Preisstcigcriiug des Ar- tikcls seit 1806 bei. Während sich nämlich 1896 der Durchschnitts- preis im Großhandel nur auf ca. 176 M. pro Centner stellte, betrug er 1898 � 223 M. Nach Südwest-Afrika betrug die Aussuhr Hamburgs: 1896 1897 1893 2 405 160 M. 3 635 370 M. 4 055 420 M. Die Einfuhr von Südwcst-Asrika in Hamburg: 1896 1897 1893 94 600 M. 83 610 M. 177 080 M. Gilt aber schon von der Ausfuhr nach Kamerun und Togolaud, daß sie zu einem sehr hohen Prozentsatz aus Lebensmitteln zc. für die dort lebenden Kauslcutc, Beamten. Soldaten usw. besteht, so trifft dies noch mehr aus die Ausfuhr nach Siidivest-Nfrika zu. Nahezu die Hülste des Exports nach diesem Gebiet bestand im vorigen Jahr in Nahriuigsiuittcl», vornehmlich Bier, Wein, Spirituosen, Tabak, Cigarren, Reis, Fleisch, Wurst, Konserven, lind selbst von den eigentlichen Judustrieivaarcn cntsällt ein bedeutender Teil aus Eisen- und Baumaterialien für die dort auf Reichskosten nnsgeführteu Hafen- und Eiseubahubautcn, aus Waffen und Munition für die Schutztruppe zc. Als Beispiel seien hier nur fol- gcnde Ziffern der Ausfuhr genannt. 1897 1893 Eisenbahnschienen zc... 422 300 M. 219 690 M. Bauholz und Ccmcut.. 72 840„ 102 610„ Waffen und Munition.. 38 840„ 60 290„ Der Konsum der einheimischen Bevölkerung ist ganz im bedeutend uud ebenso die laudwirtschaftlichc Produktion. Wie schon erwähnt, bclicf sich die ganze Ausfuhr der Kolonie nach Hamburg im vergangeueu Jahre auf nur 177 080 M., uud hiervon eutfallcii allein 115 000 M. auf Guano. Der Wert der Ausfuhr Hamburgs nach Dcutsch-Ostafrika stellte sich auf: 1896 1897 1893 1 331 460 M. 1 637 290 M. 2 106 540 M. der Wert der Einfuhr von dort auf: 1896 1897 1893 1 043 080 M. 997 720 M. 1 039 910 M. Zu den wichtigsten nach dieser Kolonie ausgeführten Artikeln gc- hörten in den letzten Jahren: Wein, Spirituosen und Bier Baumwoll-, Woll- u. Leinen- waren....... Eisenwaren, feine.... Eisenwaren, grobe.... Maschinen....... Waffen und Munition.. Die Einfuhr von Dcutsch-Ostafrika nach Hamburg bestand vor- nehmlich aus Gummi und Kaffee: 1896 1897 Gummi....... 840 400 M. 711 790 M. Kaffee........ 26 980„ 52 970„ Dieses zur Kennzeichnung des Wertes unserer Kolonien für den deutschen Handel. Das richtige Verständnis für unsere Errungen- schaftc» auf dem Gebiet der Kolonialpolitik erlangt man aber erst, wenn man mit den obigen Zahlen die VcrivaltungSkostcn der Kolonien und die hierzu alljährlich vom Reich zu leistciidcn Zu- schlisse vergleicht. ES betrug der Etat für die NcchuuugSjahrc: 1896/97 1897/98 1898/99 Kamerun und Togo 1 699 000 M. 1670 000 M. 1944 000 M. Südwestafrika.. 4 473 000 Ostafrila.... 6 901 000 Von dieser Summe brachten Zölle, Abgaben zc.): 1396 Kamerun und Togo 1 020 000 M. Südwcstafrika.. 386 000„ Ostnfrika.... 1350 000„ Das Fehlende mußte daS Reich zugeben. Der etatsmäßige Zuschuß für Ostafrika betrug also in 1898/99— 3 805 000 M., für Südivcstnfrika 4 601 000 M. Von einem irgendwie in Betracht.kommenden Nutzen unserer Kolonien für die deutsche Expvrtindustrie kann demnach nicht die Rede sein, und es ist auch gar keine Aussicht vorhanden, daß sie jemals zu wirklichen Absatzgebieten für deutsche Industriewaren werden könnten. Vorteil von unserem jetzigen Kolonialbesitz werden höchstenfalls gewisse Schiffahrts- und Pstnnzungsgcscllschafteit haben. Einige der letzteren haben ja schon in den letzten Jahren ganz anschn- licheJahrcsabschlüsse erzielt. So gicbt dieDeutsch-Ostafrikaiiischc Gesell- schaft nach ihrem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht diesmal 6 Proz. Dividende auf 3 Millionen Mark VorzugSanteile mit 60 Proz. Ein- 1398 723 830 M. 144 960., die 3 650 000 6 039 000 Kolonien ,. 6 001 000 „ 6 965 000 ,. selbst auf(durch 1897 980 000 M. 550 000.. 1 700000„ 1898 1 130 000 M. 400 000„ 2 160 000. Zahlung, schreibt 200 000 M. auf die fehlerhaft angelegte Mnoa- Plantage ab und verivendet außerdem ziemlich beträchtliche Summen zu Rücklagen zc. Ob aber zum Nutzen derartiger Privatuntcr- nehinunge», deren Anteilscheine zudem im Besitz eines sehr engen Personeiikreises sind, sich die alljährliche Aufwendung bedeutender Geldmittel ans der Rcichskassc lohnt, das bleibt— abgesehen von allen audcren Fragen— zum mindesten ztvcifelhaft. »» »> Die E n t>v i ck l n n g der deutschen B e r g w e r k s- u n d H ü t t e n p r o d u k t i o n. Die jüngst vom kaiserlichen Statistischen Amt veröffentlichten Mitteilungen über die Bergwerks- und Hütten- Produktion im Jahre 1893 lassen erkemieu, daß fast im ganzen Bcrgivcrlsbetrieb die Förderung gegen da§ Jahr 1897 bedeutend zugenommen hat. Die größte prozentuale Steigerung weisen Kaimt uud andere Kalisalze auf, doch auch die Steinkohlciiprodnktion hat um beinahe 6 Prozent zugeiiouuuen, die Brallukohlcuproduktion sogar um 7,6 Prozent. Gefordert wurden: Steinkohlen... Brauukohlcit... Asphalt..... Erdöl...... Steinsalz.... Kaimt..... Andere Kalisalze.. Eisenerze.... Zinkerze..... Kupfererze.... Silber- und Golderze Schwefelkies... 1897 in Tonnen 91 054 932 29 419 603 61 645 23 303 763 412 992 339 953 793 15 465 979 663 850 700 619 9 708 133 302 1898 in Tonneu 96 279 992 31 648 498 67 649 25 789 804 858 1 103 643 1 105 212 15 893 246 641 700 702 781 12 413 130 849 Zunahme in Tonnen 5 225 010 2 228 996 6 004 2 486 41 246 III 254 151 414 427 267 — 22 144 2162 2 705 3 647 Zunahme i» Proz. + 7,6 + 9,7 +10,7 + 6.4 + 11,2 + 15,9 + 2,8 — 3,3 + 0,3 +27,9 + 2.7 In rclaitiv noch stärkerem Maße ist die Produktion der Hütten- werke gestiegen. Während z. B. die Förderung von Eisenerzen, wie die obige Ausstellung zeigt, nur um 2,8 Proz. zugciioinmen hat. stieg die Noheiscuproduktion von 6 864 045 Tonnen im Jahre 1897 auf 7 215 927 Tonnen in 1893. also um 6.1 Proz. Ebenso weist Blei eine Steigerung von 118 881 Tonnen auf 132 742 Tonnen auf. also um 11,7 Proz.-Auch die Zinkproduktion hat um 9,9 Proz. zu- gcuonimcit, von 10 948 Tonnen in 1897 auf 12 031 Tonneu in 1893. An Silber wurden 1397-- 448 063 Kilogramm, 1898 dagegen 480 673 Kilogramm produziert, Zunahme 7,3 Proz.. 4** * Rußlands i n d n st r i e l l e r Aufschwung. Es ist an dieser Stelle schon verschiedentlich ans die außerordentlich schnell vor sich gehende Jndustrialisicrung Rußlands hingewiesen worden: eine trotz ihrer Bedeutung für die Zukunft des dentscheu Exports noch immer nicht__ genügend gewürdigte Erscheinung. Jetzt iverden vom�„Messagcr des FinanceS" einige statistische Mitteilungen veröffentlicht, die weiteres Material zur Beurteilung der russischen Jndustric-Enttvicklung liefern. Nach diesen Angaben stellt sich für das Jahr 1893 die Brutto-Sumnie der Einnahmen der russischen Eisenbahnen ans ca. 457 Millionen Rubel gegen 432 im Jahre 1397. Am stärksten hat der Personenverkehr zugenommen. Wahrend 1897 nur 65 Millionen Periouen befördert ivurdcn, stieg im Jahre 1898 deren Zahl guf 71 Millionen.� Weit wichtiger ist jedoch die Steigerung der Eiicuproduktion Rußlands, begünstigt durch die hedc»ic»dcn Eisenbahnbanten in letzter Zeit. Die Nohciscnerzcngung hat sich zwar im vergangenen Jahr nur wenig gehoben, sie betrug 136 639 500 Pud: dafür aber war die Stahlproduktion um so bedeutender. Sie erreichte 69 328 900 Pud gegen nur 61 969 000 Pud im Jahre 1897, eine Steigerung von 33 Proz. Auch die Herstellung von Gußeisen hat cineu bedeutenden Aufschwung genommen. Trotz dieser Mehrproduktion genügten die vorhandenen Mengen nicht den Anforderungen der Industrie. Rußland hat außer- dem noch 6 094 000 Pud Roheisen und 22 870 000 Pud Stahl und Halbzeug vom Ausland bezogen. Dazu kommt noch eine geradezu enorme Einfuhr von Maschinen und Werkzeugen aller Art, die im vergangenen Jahr einen Wert von 11 355 000 Rubeln erreichte und dnmit das vorausgegangene Jahr, in ivclchcm der Import an Maschinen sich mir auf 6 410 000 Rubel bclics, um 4 945 000 Rubel hinter sich ließ. Gerade diese Massen einfuhr von Maschinen zeigt am besten, in welcher aufstrebenden Entwicklung sich Rußland zur Zeit befindet. Thatsächlich fühlt sich denn auch, wie eine Reihe der in letzter Zeit bekannt gewordenen JahrcSabschliisse größerer lliitcruchmungen beweisen, die russische Industrie recht wohl. Obgleich in de» meisten Fällen reichliche Abschreibmigen vorgenommen und dem Steservefonds größere Suminen überwiesen, sowie bedeutende Aufwendungen für technische Verbesserungen der Betriebscinrichtungen gemacht wurden, konnten durchweg hohe Dividenden zur Verteilung gelangen, vielfach über 15 pCt. Der Hauptvorteil, den die russischen Fabrikanten vor ihren deutschen und noch mehr ihren englischen Kollegen voraus haben, sind die außerordentlich niedrigen Löhne der Arbeiter. Indes mehrt sich, wie die in die Ocffcntlichkcit dringenden Mitteilungen über russische Streiks darthnn, auch in der russischen Industrie- Arbeiterschaft das Verlangen nach. einer besseren Lebenshaltung. Für die geistige Hebung der russischen Arbeiterklasse ist die Judnstrinlisicrung des Landes eine notlvcudige Vorbedingung. Auch gicbt es nur ein Mittel, das die Gefahr, die Rußland für die politische Entwicklung Westeuropas bedeutet, abschwächen kann, das ist das immer weitere Vordringen einer modernen Großindustrie in Rußland. Schloß Weißensee. Sonntag, den 9. Juli 1899: Volks- Fest . arrcmgirt von den Nartelgenossen des Reichstagg-Mahlkreifts ZUedtrbilrn!m unter Mitwirkung inehrcrer Arbeiter-Gefangvereiue(M. d. 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Im Soale: Grosser Ball. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Um recht regen Zuspruch bittet 1947S*) Hochachtungsvoll Karl mttae, Oefonom. Fabrik- Lager itinljöi'mgen und Kinderinöbel Sportwagen. Btlligite Preise, da kein Ladengeschäft.* A. v. Laaghelm, Ora.ilen«tr.64,©f. Sur dru Inhalt der Inserat« beriiimmt die Nedaktiv» de», tzZublikuiil gegenüber keinerlei Verantivorinng. Ä�lzrertev. Sonntag, d e n S. Juli.' Neues Opern- Theater(Kroliy Die Fledermaus. Anfang 7'/, Uhr. Nesidenz. Der Schlafwagen- Eon- trolenr. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7>/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Weste». Die versunkene Glocke. Anfang 7 Uhr. Montag: Die Zauberflöte. Neues. Die Wahrsagerin. Hierauf: Abschicdssouper. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller..A. Basso?c>rto. Hierauf: Die Nürnberger Puppe. Ansang 7>/z Uhr. Maniag: Martha. tkenlral. Lumpenpack. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WilhclnisladtiickirS. Fuhnnann Hcnfchel. Ans. 8 Uhr. 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Dienstag, abends 7V2 Uhr: »le.iiielln. Crnkvnl Thontov Direltion: äosö Norsnory. Gesamt-Gaftspiel des Hamburger Ernst Driieker-Tlieaters Anfang 8 Uhr. UuinpenpÄck. Gr. Hamburger BoWstück mit Gesang in sechs Bildern von W. Bial und S. Rosenthal. Musik von H. Groth. Morgen und folgende Tage: jl.a n> pcnpack. Hamb. Volkö stück. Metropol- Theater. Behrenstr. 83/54. Direktion: Richard Schnitz. Phänomenale« Juli-Programm. SNeao Debüts! plan«. Das graziöse engl. Gesangs- und Tanzensemble Charles Baron. Der nrkoniizcho Dresseur im Löwenkäflg, Siegwart Genthctt als Yvettc Gnllbert, unvergleichliche Kopie. Um 9 Uhr-»S der grOsste Saison-Erfolg Berlin lacht! Berliner Eovue. Das grosse Presse-Ballett. Des grossen Erfolges wegen prolongiert. Die 6 Bonhairs. Sommergarten.Eauohen gestattet. Anfang: Sonn- und wochentags 8 Uhr. Md-Carl Weij- Theater. Gr. Frankfiirterstrafte IltL. CMu« volkstümlicher Vorstellungen. Tie Zanberin am Etei». Wolls-Drama in 4 Akten V. Fr. 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Krone, !t i r ch l>l a y c r. Schneider und Schräder). Zilm Schluß: Durschenherrlichkett. Ein Studentcnbild von Mcysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Entree 80 Ft.(tllr die Wochentage Im Vorverkauf 40 Ft.) Numerierte Estrade 1 M., unnumerlert 75 Pf. Reichshallen-Restaurant täglich: GrosteS Jnstruiiieiital-Koiizert bei freiem Entree. Vietoriaörauerei Llipowstrafic Ui/iiS. Im Katnrgartcn oder Saal: Tätlich Humoristische Soiree der korülleutsehea Länger (Führmann, Horst, Walde), ß Ans. Sonntags" präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Vorverk. 40 Pf Familienbillets 3- IM. Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkeiinzehen. Zommn- Theater „Alter mmtr Rrtillerlestr. 33. Inhaber: A. Eadewig. Schattigster Garten Berlins. Täglich: Theater und Osttkalu»-?arh. Hermann Imbs 71 Rüdcrsdorfer Straße 71, am K üstr iner Platz. Täglich: Honzert. Tbeater- und Specinlitäten-Vorstellung. Nur erstklassige Nummern. Anfang; Sonntags4Uhr. Entree 20 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochent. 5 Uhr. Entrce 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Korddentsche S&nger. _ Hermann JnibS, Direktor. I>«atKvZ»v8 Zelt Jnh.: Carl Heerdt. Wclssenscc, Berlinerstr. 143. Jeden Sonntag: Arten-Frei-Könzert mit daran anschliehendem Raii. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Die Kaffcckilchc steht den geehrten Damen zur Verfügung. 4 verdeckte Eegelbabnen. Schönster Familie»- Aufenthalt. Um geneigten Zuspruch bittet 1132b Der Besitzer. TommcrttjtiittrMlincilbllii Radstraste 35/30. Regie: Wüiv Reasche. Direktion: Max Mekelburg. Heute sowie täglich: Renzert-. Tbeater» nnd Specialitäten- Borstellung. Berlin wic's näht und trennt. Rosen ans dem Süden. Nach der Vorstellung: Bali. W. Micks Theater, Brnnncnstrahe 10. Täglich: Theater- u. Tpecialitätcn- Borstellniig. Mein Husar. Liederspiel in 1 Akt von Steiner. Neu.' Ne» k I oder: Goldene Tage AuSstattlings- Burleske mit Gesang nnd Tanz von W. Gericke. Musik von Wappaus. Im Saale: Tanzkränzeben. R. Ballsclimieders „Eastaulenwäldchen" KonzeriMtm n. PruAsiile Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. 'Jeden Donnerstag; Elite-Strcich-Konzert. Sonntags: Groher Ball im neucrbanten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkcitcn. R. Batlschmleder. ABhambna Wailner-Thcater- Str. 15. Jeden Sonntag: Gr. Ball. Entree Herren 60, Damen 26 Pf. inkl. Tanz. Sschhsus' Volks-Theater Neu- Weisseinsee Prenzlauer Chaussee.[♦ Jeden Sonntag: Norddeutsche Sänger Gäme, Cahnbley, Stangenberg usw. Anfang V-b Uhr. Entrce 10 Pf. ZMf- Bei ungünstigem Wetter im Tlieaiersaal.— Nächsten Mittwoch: Crosse Extra»Soiree. ypania Wrangclstrnsse 10/11. Jeden Soniifag;[1716*] Gu'ossep Bali. Anf. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäule«. I Empfehle mein Lokal zu Fest- 1 lichkeiteii und Versammlungen. Gesellschaftshans SWiiiemünderstr. 43. Täglich im Garte»: Theater-Wrstetlnttg. Saal für 800 Personen»nch Sonntag frei. 1837Ö* Spcctalitäten-Borstellnng. 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Entrce: Wochentags 20 Pf.| Entrce: Sonntags 25 Pf, Numerierter Platz 40 Pf. I Nuuicrierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts täglleh 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. I» de« Festsäle»: Die Kaffeeküche ist geöffnet. Grostcr Ball. Schweizer- Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am Friedrichshain. Tiiglich: Theater- nnd Spetialitäten-Uorstetlung. Auftreten des nenen Itünstler-Enscmbics. Jede» Abend von 10—11 Uhr: CDdelliskeu im Vöde. BurleSle mit Gesang in 2 Bildern. Volksbelusti�ullgen aller Art. Im Saale: In Vorbereitung: Der Ziatador von Klautschon. SSF" Int August sind noch zwei Sonnabende an Vereine zu vergeben. Wedding-Park Hülierstrasse 178. Am Wcddlng-PIatz. Sonntag, de» 9. Jnli: G rosses I�oppel- Konzert. Anfang 4 Uhr.-Plsf 119242»] Entree 10 Pf. Im Saale: Drosser Bali. 7 verdeckte Sommer-Kcgelbahne». von denen noch einige zu vergeben sind.— Volksbelustigungen aller Art.— Kaffeeküche tckhlich nachmittags von 8—6 Uhr geöffnet.— Vom 30. 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Juli 1899: ¥olhs-Fest arrangiert von den S®ß!äMemokrateii des 6. Wahlkreises. Massen-Gesänge von circa 50« Mitgliedern des Arbeltcr- Siingcr- Blindes unter Leitung des Bundes- Dirigenten Herrn Blobel. Orossaptlgc turnerische Aniführungen von Mitglieder» des Arbeiter- Turnvereins „riobto". Kresser Badlahrer-Korso und UV Rcigcnfahrcn auf festlich geschmückten Fahnädem, ausgeführt vou Mitgliedern des Arbeiter-RadfahrervereinS Berlin. Im herrlich gelegenen See: Lii'osse Schwimm �Pantomime, bestehend aus: 1. Cl'öjjcs lttiiltl! Dschttsttlsitn, t Es zogell iirct ViiWll wohl Au kl! Rhein, 3. Loreley, L Dentschlaniis Kkuilft auf lim Wajser, ausgeführt vom Schwimmklub„Nord"(Mitglied des Arbeiter-SchwimmcrbundeS). Binder- Lelusliguiigell slier M mit großartigen Ucberraschungen. Eselreiten, Wettrennen«.s.w. Kasperle-Theater. Austreten Lämliieher SpeeikIitAlev in dem herrlich gelegenen Sce-Theater. s» z e r t- 31 ta s 1 1t von 2 starkbcschtcn Musiklapeücn unter Leiwng der Dirigenten Herren biete u. kednfelck. Gr. KriUant-Master-Fenermerk. Ausgeführt von dem berühmten Pyrotechnilcr Herrn C. Albers. Von 4 Uhr nachmittags an: ÜV I» beidr»r zSÄlrir Tkinz. Herreu, welche daran teilnehmen, zahlen SO Pf. nach. Anfang de» Ronaserts früh S Uhr. Blllct SO Pf. Sie Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2-6 Uhr znr Uerfngnng. Für hinreichende Fahrverbindung wird Sorge getragen. Da wir weder Mühe noch Kosten gescheut haben, um das Fest großartig zu gestalten und die Besucher in cder Weise zufrieden zu stellen, so ersuchen wir um recht zahlreichen Besuch. Bus ItomUee. Sormldemokratischer Wlchlverew für den 4. Kerlmer Reichstags- Malslkreis sLftnj. DienSiag. 44. Juli, abends 8 Uhr, bei Brener, Gr. Fraiikfurterftrafte 117: Vp r« a in in I ii ii Tages-Qrdnnng: 1. Vortrag des Genossen Br. Weyl über:„Der Alkoholismus und die Arbeiter." S. DiSkussiair Z. Verschiedenes. NV Die Versammlung wird laut Beschluß pünktlich um 8'/- Uhr eriissnet."Mg Um zahlreiches Erscheinen ersucht____ Der\ orstand. Mitglieder-Versainmlmlg des Verbandes aller in der Kürschnerei beschäft. Arbeiter n. Arbeiterin». Berlins u. llmgegend. Montag, den 1«. Juli, abendS 8V. Uhr, im Restaurant Feind, Weiustr. 11. Tagesordnung: 1. Vortrag von Genossin Fr. Mesch: „Haben die Frauen ein Interesse an der Bcssening unserer wirtschaftlichen Lage? 2. DsSkussion. 3. Abrechnung vom 1. Quartal 4. Jahrg. 4. Unsere Zeitung, b. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht 03/8 Der Aorstand. Bessere Stellung— höheres Gehalt erlangen Sie durch s2100L* brieflichen Unterricht in B n ch f ii h r u n g Schönschreiben, Rundschrift, Rechtschreibcn, Stenographie, Englisch, Französisch oder durch miiudlichen Unterricht einige Monate im Jnflitnte. Prospekte und Probebrief gratis. C. Janes, Dortmund. Größtes Handelslehr- Institut. Ich erkläre hiermit meine Aeußerung, ein Beamter in Uniform habe• mich vor dem Äiestanratenr W. Pennele hier, Wilmersdorserslraße 130, als Denunzianten gewarnt, für un- begründet und iprcche über di« ge- thane Aeußerung mein Bedauern aus. Charlottenburg, den 0. Juli 1800. August Rnpprccht, Wilmersdorserslraße 134. CigAmnlahrik-Uujer .4. Sohn, Feudenheim(Baden) — Berlin, Nene Königstr. 55/50,' Telephon. 8. Bund, General- Bcrtreter Tüddenlschcr Eigarren- fabrike», richtet in Berlin».Umgegend Cigarrcngeschüfte Pens. Beamten, auch Kommisstonslager, ein. Schon be- stehenden Cizarrenhändlern liefere ich erstllassige Fabrikate zu coulanten Zahlungsbedingungen: nachweislich circa 200 Berliner Cigarrengeschäfte von mir eingeführt_ 2107L* Zahn-Klinik Vr. Äfe. Kmil Olga Jacobson, Dom. Juvalidenstr. 145.* Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, de» 1«. Juli er., abends 8 Uhr: Genevnl � in den Arminhalle». Kommandantenstr. 8«. Tages-Qrdnnng: I. Bericht deS Vorstandes und der Revisorinnen. 2. Ersatzwahl zweier Vorstandsmitglieder. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. 65/10 Deutsch. Metailarbciter-Verbanii (Verwaltungssteile Berlin.) Dienstag, den 41. Jnli 18St>, abends 8'/s Nhr: Bezirks-VersKmml««g für Westen, Süd-Westen, Schöneberg und Tempelhof im Lokale deS Herm Gossmann, Kreuzbergstr. 48. TageS-Ordnung: 1. Die Znchthausvorlage. Referent: Genosse Schubert. 2. Dls> kussion. 3. VerbandS-Angelegenheittn und Verschiedenes. Zu dieser Bersammlnng sind speciell die Kollegen der nachstehenden Firmen eingeladen: Xlncksrmsnn, kiodermanti& Czarnlkow, Puls, Markus, Krüger, Angt'ck, Werner, Leitner, Stoermann, Fantar& Bade, Heinrich, cabel, Brass& Hertslot, Aren, Mix& Genest, Carney, Thom, Oransteln &. Koiipel, Freudenstein, Pfeifer& Driickenmüllor, Acetylengas-Cesellschaft in Tempelhof. ..Kollegen, eS ist Eure Pflicht, zu dieser Versaiumlung recht zahlreich zu erscheinen. i13/3 Gäste habe» Zutritt.— Nene Mitglieder werden aafgenomme». Das Protokoll der Generalversammlung in Halle a. S. ist erschienen und zum Preise von 10 Pf. bei den Kassierer», sowie im Bureau, Annen- straße 30, erhältlich.__ Tie Ortsverwaltnng. Are!» kt WlMcher. Montag, de» lv. Jnli, abendS 8'/- Uhr bei U,aage, Dragonerftr. 15 Brasachen-Ve�s�mmitiing aller in der Filzschnhindnstrie beschäftigte» Personen. Vortrag von Dr. Wey! über:„Was lehrt uns der Tubcrkulose-Kongreß?' Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 1K)/iz_ Di6 Ortsverwaltang. Achtung, Bauarbeiter! Wir geben hiermit den Kollege» bekannt, daß die Unterstützung, wie sie zur Zeit von der VerbandSleiiimg festgescsjt, am Montag, den 10. Jnli. aufgehoben wird. 31/13 Bei eventueller Arbeitsciustelluiig. Maßregelung usw. treten, wie es biS vor der Aussperrung war, die Verhaliuiigsmahrcgeln der Bauarbeiter Berlins und Umgegend wieder in kraft. Die I.ohulcoinmission. Freie Volksbühne. Donnerstag, den 43. Jnli, abends 8Vs Uhr: €reneral-TersammIii]i|£ in den Anninhallcn, Kommandantenstrassa 20. Tagesordnung: 1. Gesohäftsbericht des Vorstandes. 2. Kassen- nnd Kevisionsbericnt. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder bittet Der Vorstand. Diejenigen Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, werden nochmals ersucht, diese bis spätestens 1. August zu begleichen, da ihre Mitgliedschaft sonst laut Statut erlischt. 230/10 I. A.:«. Winkler. De utscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Am Montag, den 40. Juli, abendS 8V4 Nhr, im Lokal des Herrn Bnbc, Prinzenallce 30: NetlÄttnnlung."MZ Tnges-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Böske über:„Die Wertschätzung der Arbeits- kraft-. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenhciten. Es ist Psticht eines jeden Holzarbeiters, in der Versammlung zu er- scheinen. Musikinstrumenten-Arveitcr. Mittwoch, den IS. Juli. abendS 8Vz Uhr, im I.okal„Süd-Ost". Waldcniarstrasse Ufo. 75: Branchen- Versammlung."Wff Tages- Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Bohert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheit und Verschiedenes. Jeder Vertrauensmann ist verpflichtet, für die Versammlung zu agitieren. Drechsler! Die Wahl des Gesellcn-Ansfchusscs von 4 Mitgliedern und 2 Ersatz- männern zur Zwangsinnung der DrcchSler findet am DienSiag. 1l. Juli, abends 8'/, Uhr, im Lokal„Englischer Garten", Alcxanderstraße 27c, pünktlich statt. Alles nähere siehe Säulenanschlag. Ter Braiicheuvertrcter der Drechsler. gy Alle Branchen- und Jnnungsangelegcnhciien sind an P. Bünte, Stralauerallee 26, zu richte». Werkstait-Augclcgenheitcn und-Differenzen sind im Osten an Kollegen E. K ö? p e n. Rüderödorferstr. 69; Norden an Kollegen Becker, Stralsundcrstr. 48; S ü d- O st e n und Süd- Westen an Kollegen Maisch, Naunynstr. 72, zu richten. Socialdemokratischer Arbeiter- Verein für Köpenick und Nmgcgend. DienStag, den 11. Juli er., abends 8 Uhr: Ordentliche General- Versammlung im Restaurant Stippekohl, Schönerlinderstr. 5. Tages- Ordnung: 1. VorstandSbericht über das vergangene Geschäftsjahr. 2. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 3. VorstandSwahl. 4. Statutenänderung. 6. VereiuSangelegenheiten. 7/1 Mitgliedsbuch legitimiert.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Verstand, Otai'tattealmK'K'8. 3Sy Besonders sämtliche Arbeiter lind Arbeiterinnen der Firma Gebauer. Soniltag, den S. Jnli, vormittags 11 Uhr: Große öffentliche Nersammlnng. TageS-Ordnung: 1/ Die Verbandlung vor dem EiliigilfigSamt betreffs der Lohndincrcnzcu bei der Firma Gebauer. 2. Verschiedenes. 107/20 Die läommlssio». Achtung, Kistenmacher! Montag, de» 10. d. Mts.. abends 8V- Uhr. in de» Arminhallen, Komniaiidaiitenstraste Ätt: Gro�e öffentliche Vcrsamntlung. Tages- Ordnung: I. Unser Arbeitsnachweis lontra Eckert und unsere Stellung dazu. 2. Verschiedenes. Os/2 Fabrikant Eckert und Schankwirt Munzig sind hierzu extra eiugeladcu. Der wichtige» Tagesordnung wegen ist es Pflicht, daß ei» jeder Kollege erscheint. Der Bertraueiisinau». vienstsK,(Ien1l.(Ul.) abds. S1� Uhr, b. Bichel, Hasenheide 52/53: Wiitl. Vtrslüiimlililg des Verms zur Vorbereituug eiuer Koustuigeueßtiisdillit Euii-ZilSlveß. Tages-Ordnuug: 1. Vortrag des Rechtsanwalts Victor Uracnkl: Tie sociale Belltutulig Ser Kollsillillleiioisellstsiast". 2. DiSkusston. 3. Verschiedenes imd Aufnakinie neuer Mitglieder. Um recht zahlreiches Erscheinen der Geliossinne» und Genossen bittet 2G8/2*] Der Vorstand. Acht»»«! Böttcher. AMuiig! Mittwoch, den IS. Juli, abends S'/z Nhr bei Herrn Kttmann, Brnnnenstr. 188: MePfenkl. VeviQMNtlung der Böttcher Berlins und Nmgcgend. Tagcs-Ordnnng: 1. Bericht de§ GcwerkschaftS-Delegierten. 2. Festlegung einer Statistik über Lohn- und Arbeitsverhältnisse von Berlin und Umgegend. 3. Wahl von Vertrauensleuten in allen Werkstätten. 4. Die Montage der Kochschcn Faßfabrik. 30/4 Es ist Ehrenpflicht aller Böttcher, ob organisiert oder unorganisiert, central oder lokal, in dieser Versamnilung zu erscheinen. Der Vertranensmann, Grosze öffentliche N�rsammlnng der Holz- und Brettertriiger Berlins und Nmgcgend am Dienst, i(t, den II. Jnli, abends 8 Uhr, UN Ahrhlsehea Hof(Mühring), Admiralstr. 18o. Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommissivu über den Stani unserer Bewegung. 2. Verschiedenes. Es ist Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. 84/11 Tie Lohnkommissio». Achim: 8 Fliesenleger! O elfentl leite V erHammlang der Fliesenleger Berlins und Nmgcgend am Montag, den 10. Juli 1899, abends 8'/Z Nhr, im F.ngllschen Garten, Alexanderstrabe 27c. Tagesordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. 2. Dis- lussion und Verschiedenes. ö6/b Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertraucnsniaiin. Stockarbeiter! Wir machen die Kollegen auf die am DienSiag, den 11. d. M. Im „E n g l isch e n G a rt en", Alexaudcrstr. 27c, stattfindende öffentliche Versammlung(Drechsler und verwandter Berufsgenossen) ausmerksam, in der der Gesellenansschuß zur ZwangSiuuung gewählt wird. Bon unserer Seite ist Kollege 2obe> vorgeschlagen. 170/2 Unsere öffentliche Bersammlnng findet 8 Tage später statt. Näheres wird noch bekannt gegeben. I. St.: Otto Ebeilng, Schulstr. 37. Achtung! Ika-Ci arten", Achtung! Tapezierer. Achtung! Dienstag, de» 11. Juli, abends 9 Uhr: Qnartals-Yersammlung beider Filialen. Filiale Nord, Brnnnenstr. 188. Tages- Ordnung: I. Bericht deS Vorstandes und des Kassierers. 2. Vortrag des Genossen Sassenbach über den Gewerkschaftskongreß in Frankfurt. 3. Verschiedenes. Filiale Süd bei Znboil, Lindenstr. 106. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und des Kassierers. 2. Vortrag deS Kollegen Biester über die Chartistenbewegung in England, ihre Ursachen und Folgen 3. Verschiedenes. 177/17 Achtttttg! Schöneberg._ Sonntag, den 16. Juli, in U. Wittes„Vol SÄUmersdorf, Berlinerstr. 46 O. Stlftungs-Fest des Weiter-BilihUlDereinS EchöiltberB liiib Ilmgegeil!!. llrosZes Vakal- und Inslrumenlal-ügniert unter gütiger Mitwirkung der Gesangvereine:„Nvtc Nelke",„Freiheit» Westen",„Arohe Hoffnung".„Gerechtigkeit"(Mitgl. d. A-S.-B.). Die Kaffcelüche ist den geehrten Domen von 2 Uhr an geöffnet. Im Saale: Tanz. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 60 Pf. nach. Jedes Kind erhält bei Vorzeigung einer Marke, welche an der Kasse verteilt werden, eine Stocklaternc gratis. 16 4 Entree SO Pf. Kasfcncrössiiung S Nhr. Konzert von 4 Uhr ab. Der Vorstaad. Aditmtq! Churiotteuburg, Cmbmuö-Mlltm, Wallstr. SB Beate Sonntag, den v. �nll: MR" FnIinen-IVoiho-WZ des Gesanqvereins„Maienqrnff" _(M. d. A.-S. B.). 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DreSdenerstr. 5?'53. F. Gutschinidt.«ottbuier Damm 8. Sitdoxte»: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35. W. Geschc, Wrangeistr. 58. Martin Mescha. Adalbertstr. 24. Centn»»»: P. Horsch, Gcpsstr. 27. CI,nrIottenb»r-: Gtist. Scharnderg- Schillcrstr 941 A. Tietz, Kaiser Friedrich, lr. 3Vel>»*en»ee: Heinrich Bachuia»», Lehderstr. 1. Julius Schiller». Kttniach ausser 39«. Stob. Sicdschtvager, Buftav«dols- sttabe 16. Verantwortlicher N-dactcur i Anguft Jaevbrv tu Berlin. gür den Inseratenteil verantwortlich-?».«»locke in Verlin. Druck und Verlag von 9.'!»r«ading in Berlin.