Sozialdemokrat G Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei i« der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme Les Montag täglich frLH/«injelpreiö 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag Xll., Fochova 62— Telephon 53077— Herausgeber: Siegfried Taub- Derantworllicher Redakteur: Karl K ern, Prag 17. Jahrgang Donnerstag, 14. Oktober 1937 Aus dem Inhalt: FQnf Arbeiter Ruthas verhaftet Boykott-Flugblatt auch In Aussig verboten Bestrafte Kritiklosigkeit Velgo-Urteil nicht vor Samstag Nr. 242 und Paris Samstas Kabinettsberatungen In London Nichteinmischungsausschuß 7 Gemeindewahlen am 14. November Prag. ES steht nach«inem Beschluß des politischen Ministerkomitees nunmehr fest, daß die erst, Etappe der Gemeindewahlen am 14. November stattfinden wird. Es sind etwa 500 Orte in Aussicht genommen, darunter auch eine entsprechende Anzahl deutscher Orte. Die genaue Feststellung der Gemeinden, in denen gewählt wird, soll jedoch erst im Laufe des Donnerstag erfolgen. Die Meldungen einzelner Blätter, daß das Innenministerium die Wahlen bereits "«sges ch rieben stabe, sind verfrüht. Offenbar gaben gewiffe technische Borkehrungen, die daS Innenministerium eben trifft, die Beran- laffung z« Liesen Meldungen. Die Ausschreibung wird jedoch in den nächsten Tagen erfolgen. Bereits den dritten Monat... Schanghai. Die Kämpfe in der Umgebung von Schanghai dauern heute bereits den dritten Monat, ohne daß es den Japanern gelun- ge» ist, den chinesischen Widerstand zu brechen. ES scheint, daß die Japaner jetzt ihre Taktik ändern f* e versuchen werden, den Rord- Mg« der chinesischen Berteidigung zu umgehen. lapanische Infanterie verharrte am Mittwoch in Untättgkeit. ~. WWtfdjen Flugzeuge haben über Gchimghal Flugzettel abgeworfen, in welchen die chinesischenSoldaten aufgefordert werden, sich zu ttgeven, weil jeder Widerstand vergeblich sei. Slelchgeltig wird jedem chinesischen Soldaten ein Dollar angeooten, wenn er desertiert. Auf all« Manischen Aktionen erwidern die Chinesen mit heftigem Feuer ihrer Waffen. P e i P in g.(Reuter.) Inoffiziellen japani- scheu Nachrichten zufolge haben japanische und mongolische Truppen die Hauptstadt der Provinz Suiyuan, K w e i h u a, besetzt, kritischer Posten durch 5prengstücke verletzt London.(Eigenbericht.) Bei dem Bombardement auf Schanghai wurden Mittwoch bri- tische Soldaten, die an der Grenze der internafionalen Zone Wache standen, von den Sprengstücken einer dort niedergehenden Bombe verletzt. Auf einen Protest hin erschien ein japanisiAr Offizier und überbrachte eine Entschuldigung. Vie neue Provokation Schanghai.(HavaS.) Zu der Beschießung dreier Automobile der britischen Botschaft auf der Straße von Nanking nach Schanghai durch japa- Nische Flieger wird von gutunterrichteter Seite gemeldet daß die britische Botschaft die japanischen Behörden über den Weg und die Stunde informiert hatte, zu der die drei Fahrzeuge diese Kommunikatton passieren sollten. Zwei der Automobile hatten auf dem Dach Flaggen in den britischen Farben aufgemalt und wurden ttotzdem von japanischen Flugzeugen überfallen. Das dritte Automobil, das die Flagge gehißt hatte, wurde nicht beschossen. Schon wieder Ableugnungsversuche Tokio. Der Sprecher des japanischen Außenministeriums erklärte, Laß die Berichte der japanischen Presse über den Angriff japanischer Flugzeuge aus englische Automobile, worin es heißt, daß die Autos nicht die britische Flagge trugen und nicht in vorher angekündigter Richtung fuhren, richtig seien. Ein Freibrief... Wie Reuter meldet, befaßte sich der britische Ministerrat auch mit dem fernöstlichen Problem. Das Kabinett hielt seinen ursprünglichen Stand- punkt auftecht, daß der vorgrschlagene wirtschaftliche Boykott Japans durch Großbritannien unter den gegenwärtigen Berhätniffen nicht durchführbar sei. Vie Boykottbewegung wächst Denver. Der Konvent der amerikanische» Arbeitsföderatton hat einmütig«ine Entschließung angenommen, in der dir amerikanische Arbeiterschaft aufgefordert wird, sich der britischen Arbeiterbewegung anzuschließen, die den Boykott japanischer Ware» verkündet. London.(Tsch. P.-B.) Der Richtinter- ventionsausschutz soll am Samstag-Bormittag zu» sammentreten. Sjn don.(Eigenbericht.) Nach der Mitt- woch-Wsung des britischen Kabinetts, in der Eden einen Lagebericht erstattete und die sich sowohl mtt der Frage eines Protestes g e- genJapan als auch mit der Möglichkeit einer Lösung der Mi ttelme erfragen befaßte, konferierte der Außenminister sogleich mit dem französischen Botschafter Corvin, der .wiederum C h a u t e m p s über die englische Auffassung informierte. Wenn eine Einigung erziett wird und Hoffnung besteht, daß Italien ernste Brrhandlungen führen will» so wird der Richtein- mischungsausschuß bereit- Ende der Woche zusam- mcntretcn und die Freiwilligenfrage verhandeln. Man nimmt an, daß eine F r i st von em b i s zwei Wochen für den Abschluß der Verhandlungen gesetzt würde. Käme es bis dahin nicht zu einem Kompromiß, so würde die Pyrenäengrenze wenigstens für den Durchgangsverkehr geöffnet werden. ES scheint, daß Italien die Truppensendungen nach Spanien unterbrochen hat oder doch verzögert, obwohl General T e r u z z i, der Kommandant der Expeditionsarmee, von Mussolini dringend Verstärkungen fordert. An der Aragon» Paris. Der Präsident der Republik berief für Donnerstag eine Sitzung des Ministerrates rin, welche sich mit der Stellungnahme zur italienischen Antwort auf die französisch-britische Note über die spanischen Angelegenheiten befasse« wird. Im Ministerpräfidium fand Mittwoch nachmittags eine neue interministerielle Beratung statt, der außer dem Ministerpräsidenten Chaute m p s und dem Bizepremier Leon Blum alle drei Staatsminister, ferner der Außenminister, der Finanzminister und die Minister für Rationalverteidigung, Flugwesen und Marine sowie Bertreter drrGeneral stabe aller drei militärischen Einheiten beiwohnten. I« der Sitzung wurde über di« Stellungnahme zu der italienischen Rote über das Spanienproblem beraten. Die Beratung dauerte über drei Stunden. Wie Havas meldet, werd« es die französische Regierung nicht ablehnen, das Freiwilligenproblem im Nichteinmischungsausschuß zu diskutieren, allerdings unter der Bedingung, daß sie die Garantie haben wird, daß die Beratungen des' Londoner Ausschusses über diese Angelegenheit vo« allem Anfang an einen positive« Charakter haben und daß sie nicht wie in der Vergangenheit durch ständige Verzögerungen und Aufschub lahmgelegt werden. Offensiv-Vorbereitunsen Francos? Valencia. Am Alt-Aragon haben die republikanischen Truppen La Coruzola eingekreist; andere Regierungsabteilungen besetzten die feindlichen Stellungen bei Tortetara und die Stellungen bei der Ermitage San Bartolome, die zur Kote 1052 führen. Außerdem wurden die republikanischen Stellungen bei Puentes de Ebro und Puebla de Albotton verbessert. Die republikanischen Truppen befinden sich auf dem Vormarsch. Auf der Nordfront hält die Rebellenoffen- sive an. Sie besetzten die Stellungen von Pena- debujan und Loma de Ajo. Sie gelangten bis nach Parros. Meldungen von den spanisch.französische« Grenz- besagen, daß r Aufständischen weitrei- chende Vorbereitungen»der Aragonfront treffe». Die Truppen General FranroS konzentrieren zwischen Jara und Teruel Truppen und Kriegsmaterial. Es wird erwartet, daß in diesem Abschnitt der Front eine große Schlacht einset- zen wird. front sind Flugzeuge abgeschoffen und drei italienische Flieger gefangen worden, aus deren Angaben sich erweisen läßt, daß Italien tatsächlich in allerfüngster Zeit di« Flugzeuge samt Bemannung bcigestellt hat, welche die Bombardierung von Barrelona und Valencia durchführten. Ovationen für Eden Der englische Ministerrat dauerte zweieinhalb Stunden. Außenminister Eden, der eine eingehende Darstellung der Ereignisse gab, wurde, als er das Gebäude des Ministerratspräsidiums betrat, von der dort versammellen Menge mit Beifall begrüßt, was eine für London auffallend: spontane Huldigung darstellt. Major Attlee bei Chamberlain Major Attl e'e, der Führer der Arbeiter- Oppositton, hatte Mittwoch nachmittags eine dreiviertelstündige Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Chamberlain, der ihn über den Gang der Ereignisse und über die Kabinettsbe- schlüsse unterrichtete. Es wurde bei dieser Gelegenheit auch die China-Debatte im Unterhaus, die kommende Woche stattfinden soll, erörtert. Die Beschlüsse der Kabinettssitzung wurden sofort den amtlichen französischen Stellen in Paris mitgeteilt. Zu diesem Zweck will die ftanzösische Regierung verlangen, daß innerhalb einer Frist von sechs Tagen ein voräufiges Abkommen aller interessierten Staaten auf der Basis des Grundsatzes, daß alle Freiwilligen aus Spanien abberufrn werden, gettoffen wird. Wenn ein solches Abkommen nicht möglich sein wird, wird sich das Pariser Kabinett zur vollen H a n d l u n g sfreiheit ohne jede Rück- sicht auf das Abkommen über dir Nichteinmischung für berechtigt halten. Aegypten rüstet auf Kairo: DaS ägyptische Kabinett genehmigte einen Zusatzkredit von 1,150.000 Pfund zur beschleunigte« Errichtung von drei neuen Infanterie-Bataillonen, von denen jedes 700 Mann zählen soll. Außerdem wurde der Kriegsminister mit dem Ankauf von 18 ueuen Flugzeugen betraut. An dem Bau der Militärstraßen, von denen im englisch-ägypttschen Vertrag die Rede ist, wird mit Beschleunigung gearbeitet. Die ägyptische Presse befaßt sich immer noch mit der Berstärknng der Garnisonen in Libyen. Die letzten Meldungen, denenznfolge die Italiener im Dschebel unweit der Bucht von Sollum einen Militärflugplatz errichtet haben, haben in der öffentlichen Meinung Aegyptens Beunruhigung hervorgrrufen. Präsident Companys amtsmüde Barcelona.(Havas.) Präsident Companys hat beschlossen, sich bei den Renwahlen im künftigen Monat nicht mehr wählen zu lassen. Sein Mandat erlischt in dieser Zeit. Diese Entscheidung Companys wird in der Presse lebhaft kommentiert. Das Organ der Gewerkschaftsorganisation und der sozialistischen Partei ist der Meinung, daß Präsident Company? auch weiterhin sein Amt, das er bisher mit Erfolg bekleidete, weiter behalten sollte. Die Abgeordneten der katalanischen republikanischen Linken statteten Companys einen Besuch ab und ersuchten ihn, seine Entscheidung zu ändern. Wir verlautet, antwortete ihnen Companys in dem Sinne, daß an der Spitze der Generalidad ein Mann notwendig sei, der aus seiner Vergangenheit in seiner Verantwortlichkeit nicht belastet sei. Die aufständischen Rundfunfftationen meldeten, daß die Demission Companys eine fertig: Tatsache sei. Dazu ist zu bemerken: Der Präsident beharrt auf seiner bereits bekanntgegebenen Entscheidung, daß er im kommenden Monat zurücktreten werde. Zuspitzung in der polnischen Innenpolitik Warschau, im Oktober. Die innenpolittsche Lage in Polen hat in der letzten Woche eine weitere Verschärfung» ja eine gefährliche. Zuspitzung erfahren. Ausgelöst wurde sie durch eine Maßnahme, die von seiten der Regierung oder, richtiger gesagt, von seiten des unter dem Einfluß des sogenannten»Lagers der Nationalen Einigung" des Obersten Koc stehenden Innenministeriums gegen den Verband der polnischen Lehrer am 1. Oktober durchgeführt worden war. In Abwesenheit des Unterrichtsministers Swiewflawski hatte der Bizeminister im Innenministerium, Paciorkowfti, in die Zentral« organisation des polnischen LehrerverbandeS, die auf demokratischem Wege von den Mitgliedern d-r Lehrergewerkschaft gewählt worden war, einen Regierungskommissar entsandt und angeordnet, daß die Leitung des Lehrerverbandes und die Verwaltung seines Vermögens in Zukunft diesem Regierungskommissar unterstellt sein sollte. Bei dem RegierungSkommiffar handelt eS sich um einen Anhänger des äußersten rechten Flügels der Or-' ganisation des Obersten Koc. Die von dem Innenministerium getroffene Maßnahme mußte als ein Frontalangriff gegen die Organisationsfreiheit in Polen aufgefaßt werden. Ihr. politischer Charakter wurde denn auch vom Innenministerium recht offen zugege- ben. Am Tage nach der Einsetzung des Regierungskommissars erschien ein Erlaß des Ministerpräsidenten Slawoi-Skladkowskst der gleichzeitig als Innenminister fungiert. Skladkowski machte den Lehrern zum Vorwurf, daß sie durch Hergabe von finanziellen Mitteln die Herausgabe einer großen Warschauer Tageszeitung demokratischer Richtung, des„Dziennik Poranny" ermöglicht hätten und sich dieser Zeitung als politischer Waffe bedienten. Außerdem sprach der Erlaß dann noch von angeblichen Unregelmäßigkeiten in der Kaffenführung des Verbandes. Richtig ist, daß der Lehrerverband weder linksradikale Ideen verbreitet, noch auch nur eine sreigewerkschaftliche Vereinigung sozialistischer Richtung darstellt. Der Lehrerverband war früher der Zentralkommission der polnischen Gewerkschaften(Freie Gewerkschaften) angeschlossen, trennte sich jedoch von ihr nach dem Staatsstreich Pilsudskis im Jahre 1926 und ging in das Lager der Pilsudftisten über, wo er allerdings auf dem linken— demokratischen—. Flügel verblieb. Aii alle gesellschaftlichen und poitischen Kräfte kcksti der Verband nach dem Tode des Marschall Pil- sudski in stärkere Bewegung. Nach dem Zerfall des Pilsudsfi-Lagers machte er die Bildung des sogenannten»Lagers der Nationalen Einigung"., das von den rechten Pilsudftisten in der Hoffnung gegründet wurde, eine Massengrundlage für das Regime schaffen zu können, nicht mit. Der Lehrerverband unterstützte vielmehr die Bestrebungen linker Pilsudftisten zur, Bildung einer demokratischen Front. Das erst im Jänner dieses Jahres in die breitere Oeffentlichkeit getretene Blatt„Dziennik Poranny" wurde zum Sprachrohr der Sammlung aller demokratischen Elemente einschließlich der starken Bauernpartei Witos und der demokratisch-sozialistischen Arbeiterbewegung. Der Lehrerverband protestierte denn auch auf das schärfste wider die gegen seine Leitung gerichtete Maßnahme des Innenministeriums. Die 70.000 Mitglieder des Verbandes stellten sich geschloffen hinter den von ihnen gewählten" Vorstand, und die Angestellten des Verbandes— die Lehrergewerkschaft verfügt über eine Reihe von Buchhandlungen, eine Druckerei, Grundstücke usw.— führten im Verwaltungsgebäude des Verbandes einen Okkupationsstreik durch, der-s dem neueingesetzten Regierungskommissar unmöglich machte, sein Amt anzutreten. Als die Polizei darauf das Verwaltungsgebäude mit Gewalt räumte und die Angestellten entfernte, traten die Mitglieder des Lehrerverbandes in einen eintägigen Proteststreik, der in allen größeren Städten Polens von der Lehrerschaft fast vollzählig durchgeführt wurde und auf die Oeffentlichkeit einen außerordentlich imponierenden Eindruck machte. In Warschau waren fast sämtliche Volksschulen völlig geschloffen. Es kam in der Landeshauptstadt ferner zu großen Straßendemonstrationen der streikenden Lehrerschaft. Die Lehrer legten ani Grabmal des Unbekannten Soldaten und dem Schloß Belveder, der Wohnung PilsudftiS, Kränze nieder. Es kam zu Zusammenstößen mit Paris gibt nur sechs läge Frist' Geitc 2 Donnerstag, 14. Oktober 1937 Nr. 242 der Polizei, die gegen die Demonstranten einschritt. Die Vorgänge um die Lehrergewerkschaft haben alle politischen Kreise Polens aufs tiefste bewegt. Besonders starken Anteil hat die sozialistische Arbeiterbewegung daran genommen, die von Anfang an die Forderung der Lehrergewerkschaft auf Abberufung des Regierungskommissars moralisch unterstützte. Aber auch innerhalb der Regierung haben di« Ereignisse der letzten Woche als Sprengpulver gewirkt. Die sogenannten linken Minister und ihre Anhängerschaft faßte» das Vorgehen gegen die Lehrergewerkschaft wohl nicht nur als einen Schlag gegen die demokratische Opposition und die Gewerkschaftsfreiheit, sondern auch als«inen Schlag dK Koc-Lagers gegen die politischen Positionen der linken Elemente im Regierungslager der alten Pilsudskisten auf. Als die bei der Regierung eingebrachte Berufung der Lehrergewerkschaft gegen die Einsetzung des Staatskommissars abgelehnt wurde, reichten die vier sogenannten linken Minister, der Landwirtschaftsminister Poniatowski, der Unterrichtsminister Swietoslawski, der Vizeministerpräsident und Finanzminister Kwiatkowski und der Arbeitsminister Koscialkowski beim Präsidenten der Republik ihre Rücktrittsgesuche ein. Für die Situation im Regierungslager ist nichts kennzeichnender, als daß der Präsident Moscicki die Rücktrittsgesuche ablehnte. Die Haltung des zweiten Mannes im Staate, des Marschall Rydz-Smigly, ist noch in Dunkel gehüllt. Bon entscheidender Bedeutung für die gesamte polnische Arbeitnehmerschaft aber ist die Frage nach der Gewerkschaftsfreiheit in Polen, die durch die Einsetzung des Staatskommissars beim Lehrerverband grundsätzlich aufgeworfen worden ist. Jedenfalls ist die sozialistische Arbeiterbewegung Polens nicht gewillt, vor dieser Frage zurückzuweichen. Nicht ohne Grund hat man in diesen Tagen von der Möglichkeit eines Generalstreiks in Polen gesprochen. Jedenfalls hat die Zentralkommission der polnischen Gewerkschaften, ebenso wie die Polnische Sozialistische Partei, in einer außerordentlichen Sitzung zu der durch die Vorgänge um die Lehrergewerkschaft geschaffenen Situation Stellung genommen. Der Präsident der Gewerkschaftskommission, Kwa« pinski, und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei, Arciszewski, haben am 8. Oktober in einer Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Slawoi- Skladkowski eine Deklaration überreicht, die am Tage darauf in der polnischen Presse veröffentlicht worden und nun in den Mittelpunkt des gesamten politischen Interesses in Polen gerückt ist. Die Gewerkschaften verlangen von der Regierung die grundsätzliche Anerkennung der Gewerkschaftsfreiheit in Polen, die Erklärung der Regierung, daß sie sich bei der Ablehnung der Berufung der Lehrergewerkschaft gegen- die Einsetzung des Staatskommissars von politischen Gesichtspunkten hübe leiten lassen, ferner die Wiederaufnahme deS Berufungsverfahrens in der Frage der Einsetzung des Staatskommifsars bei der Lehrergewerkschaft. Die Regierung hat sich zur Beantwortung dieser ultimativ vorgetragenen Fragen Be- denkzeit ausgebeten. Von ihrer Entscheidung hängt für die Zukunft Polens und für das gesamte polnische Volk viel ab. Jedenfalls ist an der festen Haltung der Freien Gewerkschaften Polens nicht zu zweifekl. Inzwischen nehmen die Diskussionen ihren Fortgang. Man spricht von Regierungskrise, Generalstreik und ähnlichem. In politischen Kreisen herrscht die Meinung vor, daß die Regierung einlenken^vird. R. L, Windprechtinger: 2 O’fdiidit’n am dem illegalen Wien „Ollahand! DöShold iS so dö Polizei a scho a Wochn vurher.in olle Gschäftn gonga, dö was Pfeiferln verkaufn. Und sie Hot den GschäfW- leitn verbot», vurm 18. Oktoba Pfeiferln zu verkaufn. Do segns jo, daß dö gonz genau wiffn, wia dös Boll üba eana denkt." *„Hobns übrigens scho ghört, Herr Wurzin- ger, daß dö Polizei eam scho Hot?" „Wen denn, Herr Adabei? Den Raubmorda vom Einsiedlerpark?" „Oba na, Herr Wurzinger. Den Mann, der freiwilli auf d' Schmölz zum Appöll ganga is." „Des is net schlecht. Oba i was a wos. Do woar a Gscherta mit sein klan Buabn, so a zehnjährigS Büarscharl, beim Appöll. Wia da Herr Frontkommandant kummt und da Bua eam dablickt, schreit er ganz laut, daß eam olle Leit in da Näh ghört hab'n: Schau Vota, do kummt jo da Scheankleate aus da Wochnschau. KennanS Jhna vurstelln, wia dö Leit glocht hobn?" „Des kann i ma scho vurstelln. Oba Zeitn san döSl Wann dö glaubn, daß S' d' Weana mit solchene Tanz bled mochn kennan, dann täusch« sa si grindli. Mir Weana san guatmüatige Leit. Wann ma.oba segn, daß ma mit» Vastand nix auSrichtn kennan, nachher denkn ma uns, der kann unS in Buckl abirutschn. Mir tan zwor des, wozu ma uns zwingt, und valiern dabei net unser» Hamur. Oba vergess» tan ma des net, wia ma unS jetzt behcmdlt. Dö kennan Gift drauf nehma! Amol kummt da Zahltag a für de Leit, dö uns mit canara Bodnständigkeit, Hoamatliab und Christ- Hchkeit den letzt» Knopf aus» Sock aussaziagn. Erfreuliches Verständnis „Närodni Osvobozeni’** über die deutschen Aktivisten Das„Närodni Osvobozeni" befaßt sich eingehend mit der Konferenz der aktivistischen Parteien, die in Reichenberg stattgefunden hat und über die wir berichtet haben. Aus den Bemerkungen, die das Blatt dazu macht, geht die erfteuliche Tatsache hervor, daß die Politik der aktivistischen Parteien auf feiten dieses OrganG weitgehendes Verständnis findet. Das Blatt schreibt zu der in Reichenberg beschlossenen Resolution: Zu dieser Resolution kann man bemerken, daß das Verhältnis zum deutschen Aktivismus nicht überall auf tschechischer Seite genug durchdacht ist und daß es tatsächlich Vorfälle gibt, da die Beschwerden ihre Berechtigung haben. Damit wir ein Beispiel aus letzter Zeit wählen, ist es nicht sicher, ob man bei den Vorbereitungen zu den Gemeindewahlen in so selbstverständlich loyaler Vereinbarung mit den deutschen Aktivisten vorgegangen ist, damit diese keinen Grund zu Beschwerden haben. Auch diese Resolution aller aktivistischen Parteien sollte man nicht ohne Prüfung dessen übergehen, was bisher im Geist der Feber-Vereinbarungen geschehen ist. Unsere Oeffentlichkeit stimmt mit dem Geist dieser Vereinbarung in übergroßer Mehrheit überein und trifft sicher auch die sachliche Sprache der aktivistischen Deutschen zu schätzen, welche zum Unterschied von den Henleinleuten anerkennen, was Gutes und Vernünftiges geschehen ist. Unsere Oeffentlichkeit gibt auch darin den Aktivisten recht, daß sie ihre Pflichten zum Staat, zur Demokratie und zur auswärtigen Politik tatsächlich erfüllen. Wir haben den Eindruck, daß wir uns erst in der Zeit der Krise und in den letzten Jahren der Gefahr mit den deutschen Aktivisten zusammengelebt und in allen grundsätzlichen Fragen des Staates uns angenähert haben. Unsere Aktivisten nehmen ihren Kampf gegen die faschistischen Tendenzen ernst und wenn wir auch wissen,, daß ihre Arbeit schwer ist, so glauben wir doch, daß ihr Weg zur Ueberwindung der wtalitären Stimmungen der sicherste ist. Diese Taffachen sollten auf unserer Seite dazu führen, daß wir auch nicht einen Augenblick vergessen, daß die Frage des tschechisch-deutschen Zusammenlebens ständig eines der Hauptprobleme unseres Staates bleibt, welches bisher nicht voll gelöst ist. Diese Frage kann man auch nicht in einigen Monaten lösen, weil sie durch ihren Charakter dynamisch ist, und weil sie in immer neuen Formen entwickelt, so daß sie stets immer von neuem eine Neuschöpfung und Neulösung erfordert. Deswegen glauben wir, daß es gerecht ist, genau hinzuhorchen auf die Stimmen der Aktivisten und auf ihre Beschwerden.... Darin liegt allerdings auch die Aufforderung, mit neuer Energie an» die Durchführung der Feber-Vereinbarungen weiter zu schreiten. Korn des Getreidemonopols, dem man sich nur mit Gasmasken nähern kann In einer Beratung, die auf dem Bezirksamt in Mährisch-Ostrau stattfand und der Versorgung der Stadt galt, kamen erschreckende Einzelheiten zur Sprache, über welche ,Lid. Nov." berichten: Rumänisches Korn z. B., welches auf Rechnung der Getreidegesellschaft der Genossen« schastsmühle in Schönbrunn geliefert wurde, verbreitete einen derartigen Fäulnisgeruch und enthielt so viel Staub, daß die Arbeiter, die eS ver- Hättns dö Leit nur augschaut, wia s' gestern zur Schmölz marschiert san. Olle hobns den Kopf auf da Erdn ghoot, weil sa si gschamt hobn, daß wia a gfangts Viech zum Schlachthaus triabn san wurn. So woS vagitzt a Mensch net. Des ken- nans ma glaubn. Griaß Jhna Gott, Herr Wurzinger. I muaß schaun, daß i Ham kumm. I hob jetzt mei Tarockpartie ollaweil däham, wissens. Also Pfüat Jhna Gott." Lebens Wohl, Herr Adabei. Lossens Jhna Wieda amol bei uns anschaun, wonnS varüba- kumman." A Glück muaß ma hab'«... G L Sepp Burger fuhr auf seinem Rad in raschem Tempo durch die Arbeitergaff« in die Richtung zum Margaretengürtel. Auf seinem Rücken trug er einen alten, hart mitgenommenen Rucksack, recht nachlässig übergehängt. Der Rucksack war hach voll und mit einer einfachen Schnur zusammengebunden. Sepp schien sich über den recht fragwürdigen Zustand, in dem sich sein Rucksack befand, keine Sorgen zu machen und fuhr drauf los, was das alte Gestell des Fahrrades aushielt. Als er sich der Embelgafle näherte, fühlte er, wie sich die Schnur, die den Rucksack zusam- menhielt, plötzlich lockerte. Er erschrak, betätigte rasch die Rücktrittbremse, konnte aber nicht mehr verhindern, daß sich der Rucksack bei der plötzlichen Bewegung vollständig öffnete und einen beträchtlichen Teil seines Inhalts auf die Straß« entleerte. Sepp sprang blitzschnell vom Fahrrad, das er achtlos neben sich hinfallen ließ, riß den Rucksack herab und steckte die herausgefallenen Exemplare der illegalen„Arbeiter-Zeitung" mit unheimlicher Geschwindigkeit wieder in den Rucksack, den er fester als zuvor mit der einfachen Schnur wieder verschloß. luden, vom Betrieb Gasmasken erhalten mußten. Von 150 Waggons mußten 42 als gänzlich unbrauchbar zurückgestelft werden. Aber auch der übernommene Teil ist von schlechter Qualität. Ausländische Ware dieser Art könnte sich jeder Privatmann für 100 Kronen franco Mährisch- Ostrau je Meterzentner beschaffen. Aber die Monopolgesellschaft, handelt so, daß das Korn, welches aus Rumänien nach Ostrau über Polen geliefert wird,'in der Grenzstation Petrovice schon 110 Kronen kostet und die Ostrauer Mühlen 136 Kronen und wenn man die durchschnittlichen sieben Prozent Beimischung rechnet, 145.50 Kronen zahlen müssen, und dies in einer Zeit, in welcher gutes inländisches Korn zurückgehalten wird, welches in Ostrau nach dem Gesetz nicht mehr als 131.50 kosten dürfte. Rechtsunsicherheit In den Dienstverhältnissen der autonomen Angestellten Während in früherer Zeit die Selbstvsrwal- tungskörper, Länder, Bezirke und Gemeinden, bei der Anstellung eigener Beamten und Angestellten an keine gesetzlichen Vorschriften gebunden waren und ganz nach eigenem Ermessen die Stellenausschreibung und die Anstellungsbedingungen festsetzen konnten, bestehen«heute in diesen Belangen eine ganze Reihe gesetzlicher Vorschriften. Wenn auch bei ihrer Außerachtlassußg nicht in jedem Falle und nicht im vorhinein ein Dienstverhältnis nichtig ist, sind doch staatliche und auwnome Aufsichtsbehörden berechtigt, solche Verhältnisse auf« z u h e b e n. Nun wurden in vielen Fällen bei Anstellungen von Angestellten gesetzliche^Vor- schriften nicht eingehalten; sei eS aus UnkMitnis dieser Vorschriften, sei es aus Nachlässigkeit oder irgendwelchen anderen Gründen, und derart ist das Anstellungsverhältnis und damit die nackte Existenz vieler Tausender Angestellter bedroht. Ganz besonders hervorgehoben muß werden, daß der Schaden nicht^die Selbstverwaltungskörper, die diesen Schaden verursacht haben, sondern di« an solchen Gesetzverletzungen Unschuldigen, die Angestellten, trifft. Dr. Hahn-Reichenberg hat schon in der Sitzung der böhmischen Landesvertretung vom 17. März 1936 einen Antrag eingebracht, der bezweckt, daß die autonomen Angestellten durch solche formelle Mängel, die sie nicht verschuldet haben, nicht geschädigt werden sollen. Leider ist dieser Antrag bis heute nicht erledigt. Inzwischen ist die schwere Unsicherheit in den Rechtsverhältnissen der Gemeindebeamten und Bediensteten durch die Revisionen der Landesbehörde vermehrt worden. Dr. Hahn brachte diese Verhältnisse in der Landesvertretung jetzt neuerlich zur Sprache. Rach der eingehenden Analyse der Lage, die sich herausgebildet hat, sagte er: Was alle Beteiligten am empfindlichsten trifft; ist die schleppende Behandlung dieser Angelegenheiten durch die Landesbehörde. Wenn nach einer, durch die Landesbehörde durchgeführten Revision dir betreffende Gemeinde sich bemüht, ihre Beschlüsse und Einrichtungen den Weisungen der Landes« behörde anzupassen, so dauert es jahrelang, bis diese Uebereinstimmung gefunden wird. Ich erwähne zum Beispiel, daß die Stadtgemeinde Reichenberg hinsichtlich der Systemisierung der Dienstplätze schon seit dem Jahre 1930 ununterbrochen mit der Landesbehörde in Verbindung steht, ohne bis heute eine endgültige Erledigung erzielt zu haben. Aehnlich ist es bei der Stadtgemeinde Aussig, wo durch die Revision der Landesbehörde Beschlüsse der Gemeindeorgane, die sich auf die Regelung der Dienstverhältnisse der Angestellten Als er sich aus seiner gebückten Haltung aufrichtete, sah er in das Gesicht eines Polizeibeamten. der mit bqm Rücken zur Fahrbahn im Gespräch gestanden war, während Sepp die verbotenen Zeitungen in den Rucksack gesteckt hatte. Möglicherweise war der Wachmann durch das Geräusch der fallenden Blätter oder durch Passanten, die Sepp bei seiner Arbeit bcichachteten, auf den Zwischenfall aufmerksam geworden. Als sich der Wachebeamte zur Fahrbahn wandte, sah er nur noch, wie Sepp den Rucksack zusammenband. Dieser Umstand genügte jedoch dem Polizeimann und er rief Sepp zu:„Des nächste Mol bindens Uhnan Rucksack glei daham bessa z'samm. Se ver- ursochn jo a Bakahrsstörung. Wos hobns eigentlich im Rucksack drinnan?" Sepp hatte unterdessen den Rucksack wieder umgenommen, das Fahrrad aufgestellt, grinste halb verlegen und halb frech den Wachmann an und legte die Hände auf die Lenfftange, bereit, auf das Fahrrad aufzuspringen. Die Frage des Polizeibeamten zeigte ihm, daß dieser von dem verbotenen Inhalt des Rucksacks nichts wahrgenommen hatte und sie reizte seinen Uebermut und die Verachtung, die er für die verhaßte Polizei empfand und, ohne sich weiter zu bedenken, froz- zelte er ihn in herausforderndem Ton:„Wos wer i denn scho drin hobn? Illegale Zeitungan." Der.gutmütige" Wachebeamte wurde plötzlich dienstlich. Er ergriff seinen Gummiknüttel, drehte Sepp damit und schrie:„Du Rotzbua, du kraupata! Wann'st glaubst, daß du mi Pflanzen kannst, nocha wer i dir glei zagn. Schau, daß wei- terkummst, sunst schick i di auf Wöllarsdurf." Sepp ließ sich dies nicht noch einmal sagen, sondern sprang mit einem Satz auf sein Altersschwaches Rad, daß es in allen seinen Bestandteilen aufächzte. Mit wenigen kräftigen Tritten brachte Sepp das Rad in Schwung and fröhlich grinsend sauste er davon. Des Bombardement Madrids Dienstag morgens, als im Dämmern zahl« -reiche Madrider Mannschaften die Aufräumungsarbeiten in den verwüsteten Straßen vornahmen, erfuhr man neue Einzelhetten über das Bombardement von Montag abends, welches man als das heftigste Bo mbardement seit Beginn des Bürgerkrieges bezeichnen kann. Man berichtet, daß die Fassade des Telephonamtes, eines Wolkenkratzers von 16 Stockwerken, von 14 Geschossen durchschlagen wurde, Zum erstenmal sind alle Stadtviertel Madrros, von Norden bis Süden, gleichzeittg auf das heftigste bombardiert worden. Außerdem wurden die früheres vornehmen Stadwiertel Prado und Salamanca, wo sich die Botschaften, großen Hotels sowie einige Lffenüiche Kulturinstitute befinden und die bisher verschont worden sind, von dem Bombardement betroffen. Das Bombardement dieser Stadwiertel steht im Widerspruch zu einem gegebenen Versprechen Francos, der im letzten Dezember diese Stadtviertel als neutrale Zone erklärt hat, die als Zuflucht für Kinder und Frauen dienen sollte. bezogen habni, aufgehoben wurden. Seit diesem Zeitpunkt erhalten die Aussiger Gemeindebeamten anstatt der GeMter nur Vorschüsse, weil die Stadtgemeinde über die Grundlage der Besol« dungsverhältnisse im Unklaren ist, so lange die Systemisierung der Dienstplätze von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt wurde. Auch in Gablonz wurden Beschlüsse der Gemeindeorgane auf Gruno des 8 102 der böhmischen Gemeindeordnung sistiert Es ist peinlich für alle Beteiligten, wen» derartige Angelegenheiten jahrelang hinauSge« schoben werden und der Dienstgeber ebenso wie der Dienstnehmer unter dieser allgemeinen Unsicherheit der Dienstverhältnisse leiden. Auch die wiederholt geforderte und vom Lande Böhmen empfohlene Gleichstellung der Bezirksstraßenwärter mit den staatlichen Straßen- wärtern ist noch nicht in aflen Bezirken durchgeführt worden und eS wäre hoch an der Zett» dieser hart arbeitenden Kategorie öffentlicher Bediensteter, die zu den schlechtest bezahlten gehört» endlich zu helfen. Demgegenüber begrüße ich eS, daß in dem Berichte des Herrn Landesprästdenten zu meinem Anttag auf Noveflierung der Gesetze über die Dienstverhältnisse der Gemeinde- und Bezirksbediensteten erklärt wird, daß dieser in nächster Zeit verhandelt werden wird. Der Präsident der Republik empfing Mittwoch den Primawr der Haupfftadt Prag Dr. Peter Z«n k l und hierauf Ministerialrat Zdinek Schmoranz. Die böhmische Landesvertretung ging am Mittwoch nach dem Schlußwort zur Budgetgeneraldebatte, welches der Landesfinanzreferent Dr. j Kubista hiett, zur Behandlung der einzelnen Kapitel über. Nach Erledigung der Abschnitte Landesvertretung und Landeseigentum, zu welchen als einziger Redner Dr. Hahn-Reichenberg sprach, begann die Debatte über die Kapitel Landwirtschaft und Arbeiten. Hiezu sprach im Namen der deutschen Sozialdemokraten Hala-Kosolup. FreundschastSvertrag mit Afghanistan. In Paris haben der außerordentliche Gesandte Afghanistans Marschall Schah Mali Chan und der tschechoslowakische Gesandte Dr. Osuskh einen tschechoslowakisch-afghanistanischen Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Die VertragSunterzeich« nung erfolgte auf der ffchechoslowakischen Gesandtschaft in Pav'S. ■———^^Bg^g^M^—MggJ n. So wie er daherkam, war er eine personifizierte Verletzung des Staatsschutzgesetzes. Auch ein Landesfremder hätte beschwören können, daß dieser halbnackte junge Mann ein Gegner des christlich-deutschen Bundesstaates auf ständischer Grundlage sei. Zwar trug Karl Zubringer an seinen nackten, sonnverbrannten Beinen echte„Chri« tusschlapfen", über sonst hatte er nichts Demütiges an sich. Aus dem nicht mehr ganz weißen, offenstehenden Schillerhemd drohte die breite, braune, behaarte Brust den Vorübergehenden wie eine unverhüllte Warnung. Kurze, blaue„Obrocherne", vervollständigten seine Kleidung. Das dichte, blonde, ungezähmte Haar vertrug keine Kopfbedeckung und flatterte herausfordernd im frischen Wind. Sein Gesicht war ausgesprochen politisch-verdächtig. Seine graublauen Augen sahen nicht gerade nachdenklich-klug, dafür aber um so eigensinnig-frecher in diese aller Autorität zum Trotz entgötterte Welt. Was hätte dieser kräftigen, zum Himmel strebenden Nase und diesem breiten, gottlosen Mund auch imponieren können? Bisher war er allen Fährnissen dieser schrecklichen, rechllosen Zeit mit Mut und Geschick entgangen und er dachte gar nicht daran, daß es deinmal auch anders kommen könnte. Monatelang schon trug er sein Badeköfferchen, mit illegaler Literatur stets angefüllt, durch alle Straßen Wiens, ohne daß ihm auch nur der geringste Zwischenfall zugestoßen wär«. Wie gewohnt, ging er auch diesmal aufrecht, selbstbewußt und herausfordernd durch die Has- nerstratze. Als er sich der Habichergasse näherte, fühlte er sich beobachtet. Richtig. Dort an der Straßenkreuzung stand ein Polizeibeamter, der ihn scharf musterte. (Fortsetzung folgt.). Nr 242 Donnerst«». 14. Oktober 1937 Seite 3 1,931.174 Kc an den billigsten Offerenten, Bau« firma In«. Karl H o ck e in Reichenberg zu der« «eben. Gegen diesen Beschluß stimmten alle tsche- chischen Vertreter. In Verbindung mit dieser Firma arbeitet die Eisenbetonbaugesellschaft Schäfer u. Co. Der Ehrenbeleidigungsprozeß Henlein gegen BdL-Sekretär Bede In dem beim DaubaerBezirks- g e r i ch t anhängigen Ehrenbeleidigungsprozeß Konrad Henlein gegen den Parteisekretär des BdL Beck-Leitmeritz(wegen des in einer öffentlichen. Versammlung erhobenen Vorwurfes des Wortbruches) wurden in den letzten Monaten auf Grund eines schriftlichen Beweisantrages zur Führung des Wahrheitsbeweises über den unter Anklage gestellten Vorwurf durch die delegierten Gerichte in Prag und in der Provinz zahlreiche führende Pers onen politischer Parteien und nationaler Korporationen und Institutionen als Zeugen e i n v e r n o m m e n. Für die zum 3, November beim Bezirksgericht in Dauba angesetzte Fortsetzung der Hauptverhandlung wurde seitens der Verteidigung die persönliche Ladung «inerReihe führender deutscher und tschechischer Politiker beantragt. Fezfabriken in Niklasdorf endgültig stillgelegt Im Hinblick auf das Fezverüot in der Türkei und in Albanien haben die Fezfabriken in Niklasdorf nunmehr die endgültige Bewilligung zur Betriebsstillegung erhalten. Hiedurch verlieren 1 OOArbeiterihrenArbeits- p l a tz. Den Arbeitern wurde gls einmalige Abfertigung ein Betrag von 18.000 Kä zur Verfügung gestellt. Außerdem stellt das Unternehmen der Gemeinde Niklasdorf in den Jahren 1938 und 1939 je 6000 XL zur Verfügung. Die Zahl der deutschen Schulkinder in Preßburg gestiegen Die Zahl der deutschen Mittelschüler in Preßburg ist im laufenden Schuljahr auf 1050, die der deutschen zweiklassigen Handelsschule auf 350 angewachsen, was gegenüber dem Vorjahre einen Zuwachs von 11 Prozent bedeutet. An den Volks- und Bürgerschulen Preßburgs wurden in diesem Jahre 221 slowakische, 105 deutsche und 38 ungarische Klassen eröffnet. Das bedeutet, daß die slowakischen Volks- und Bürgerschulen einen Anteil von 60 Prozent, die deutschen einen solchen von 30 Prozent und die ungarischen einen von 10 Prozent haben. Nach der letzten Volkszählung machten die Tschechoslowaken in Preßburg 52 Prozent, die Deutschen 28 Prozent und die Ungapu 16 Prozent der Bevölkerung aus. Die Zahl der deutschen Schulkinder ist gegenüber dem Bevölkerungsschlüss-l um zwei Prozent größer, die der ungarischen um sechs Prozent geringer. Ein Masarhk-HauS in Reichcnberg.»»Die Stadt Reichenberg wird zur Ehrung des Erst- präfidenten ein„Masaryk-HauS" mit 41 Kleinwohnungen errichten. Der Bauaufwand ist mit 1.3 Millionen Kö veranschlagt. Deutscher Arbeiter-Sängerbund 7. Deutsche Garantie für Belgien bereits vorbereiteten Beil meuchlings überfiel und ihm durch mehrere Schläge die Schädeldecke spalteten Nach der Tat begjng Matzke, Selbstmord. sundheitSzuftandes kann und muß unabhängig vom gerichtlichen Verfahren geschehen, im Interesse der Reinheit des politischen Lebens und im Interesse des NamenS und der Ehre der SdP, für die diese Affäre eine starke Prüfung bedeutet. Der Fall Rutha ist tief bedauernswert. Schon der bloße Verdacht dieser Art gegen Rutha ist ein Schlag gegen die SdP und gegen die ganze junge politische Generation. Sie hat außer der politischen auch die persönliche innere Reinheit und Sauberkeit als obersten Lebensgrundsatz angenommen und Rutha galt als ihr Pionier. Es ist fatal, wenn ein Mann sich gegen den Anwurf verteidigen mutz, die eigenen Grundsätze in den Kot getreten zu haben. Auch ist dadurch, daß Rutha als sudetendeutscher Sonderbeauftragter der SdP für Nationalitätenpolitik und hatte, zu Streitigkeiten Streit ging Doranth in toffel zu Lberklauben, wo ihn Matzke mit dem Der Dau der neuen Egerbrücke In Saaz Dienstag nachmittags fand in Saaz eine Stadtvertretungssitzung statt, die sich mit der Vergabe des Baues der neuen Egerbrücke beschäftigte. Trotzdem die Landesbehövde die Vergabe an eine tschechische Firma verlangt hatte, beschloß die Stadtvertretung, den Bau um den Betrag von Samstag, den 6. November, und Sonntag, den November I.' I., wird int Gesamtbereich unseres Staates in allen OrWn, in denen Arbeitergesang- bereine bestehen, die dem DeutschenArbeiter- sängerbunde in der Tschechoslowakischen Republik angeschloffen find, der Tag des Liedes gefeiert. Zweck dieser Veranstaltung ist, durch Darbietungen von Männer-, Frauen« und gemischten Chören die Bevölkerung bekanntzumachen mit dem Wirken und Streben der Arbeitergesangvereine, fie zur Begeisterung und zum Verständniff« für das Lied zu erziehen auch zu dem Zwecke, daß so mancher, der stimmbegabt ist, eintritt in die Reihen der Arbeitersänger und Arbeitersängerinnen. Denn genau so, wie man eine Arbeit erst richtig schätzen lernt, wenn man fie einmal selbst verrichtet hat, so hat besonders derjenige den rechten Genuß und die rechte Empfindung für den Gesang, wenn er die ihm von der Natur verliehene Gabe des Gesanges schult und entwickelt durch gesangliche Betätigung in den Arbeitergesang land Belgien auf seinen Wunsch Beistand zu gewähren, falls es Gegenstand eines Angriffe- oder einer Invasion sein sollte. * Die belgische Antwortnote ist nur sehr kurz. Sie besagt:„Die königliche Regierung hat mit besonderer Genugtuung von der Erklärung Acht genommen, die ihr heute von der Reichsregierung tflitgeteilt worden ist. Sie spricht ihr dafür ihren lebhaften Dank aus." Belgiens Völkerbund verpflichtungen bleiben aufrecht In einem offiziellen belgischen Kommentar heißt es, es verstehe sich von selbst, daß die belgische Regierung, indem sie die Erklärung der deutschen Regierung zur Kenntnis nimmt und deren Geist würdigt, keineswegs ihre aus der Mitgliedschaft im Bölkerbunde sich ergebenden Verpflichtungen auS deut Auge verloren hat. Für Deutschland ein gutes Geschäft Zu der Erklärung Deutschlands meldet der Berliner„Times"-Berichterstatter, Deutschland erziele dadurch einen beträchtlichen strategischen und diplomatischen Gewinn, daß Belgien künftighin keine BasiS für französische Truppen und englische Flugzeuge abgrben wolle, wodurch Deutschlands We st front wesentlich verkürzt wird. London nicht überrascht London. Die deutsche Erklärung über die AnerkennuiD der belgischen Integrität hat an britischen amtlichen Stellen keineswegs überrascht, da diese Entwicklung nach der heurigen Hitler-Rede im Jänner und nach der englischfranzösischen Erklärung an Belgien vorauszusehen war. Zu der deutschen Erklärung für Belgien betont man in London, daß sie Belgien- Böller- bunSverpflichtungen nicht berühre. Man hält dafür» daß Deutschland jetzt viel daran liege, die Westmächte von seinen„friedlichen" Absichten zu überzeugen. Brüssel. Am Mittwoch wurde die Note veröffentlicht, in der Deutschland— analog der britisch-französischen Erklärung vom 27. April d. I. — die Unverletzlichkeit belgischen Gebietes gleichfalls garantiert, allerdings unter der bedeutsamen Einschränkung, daß Belgien bei einer gegen Deutschland gerichteten militärischen Aktion mitwirken würde. Unter dieser Ausnahme ist, wie der offizielle deutsche Kommentar ausdrücklich bewnt, auch eine Beteiligung Belgiens an eventuellen Völkerbund-Sanktionen gegen Deutschland zu verstehen. Da Belgien gleichzeitig versichert,,daß es i>u Verpflichtungen aus dem Völkerbundpakt auch weiterhin anerkenn«, ist der Praktische Wert der deutschen Erklärung— ganz abgesehen davon, welcher Wert nach all den Erfahrungen der letzten Jahre gerade Versicherungen von dieser Seite beizumessen ist— ziemlich problematisch. Die deutsche Erklärung nimmt Bezug auf Hitlers Erklärung vom 30. Jänner und auf dre britisch-französische Erklärung vom 24. April d. I. sowie auf die Zusicherungen der belgischen Regierung, daß diese a) in voller Souveränität eine Politik der Unabhängigkeit zu verfolgen gedenke und b) entschlossen sei, die Grenzen Belgiens mit allen ihren Kräften gegen jede Invasion zu verteidigen, zu verhindern, dass das belgische Gebiet für einen Angriff gegen einen andern Staat als Durchmarschland oder als Operationsbasis zu Lande, zur See oder in der Luft benützt werde, und zu diesem Zwecke die Verteidigung Belgiens in wirksamer Wesse zu organisieren. Dir deutsche Regierung bestätigt ihren Entschluß, die Unverletzlichkeit und die Integrität Belgiens, die für die Westmächte von gemeinsamem Interesse seien, unter keinen Umständen zu beeinträchtigen und jederzeit das belgische Gebiet zu respektieren, a u s g e n o m men selbstverständlich den Fall, daß Belgien in einem bewaffneten Konflikt, in den Deusschland verwickelt ist, bei einer gegen Deutschland gerichteten militärischen Aktion mitwirken würde. Deusschland ist weiterS bereit, ebenso wie Frankreich und Eng- Minderheitenfragen im Ausland und besonders in London und Genf einen bekannten Namen besaß, daS gesamte Sudetendeutschtum in Mitleidenschaft gezogen." Der kompromißlose Henlein Die.LidovöNovinh" schreiben zur Leitmeritzer Rede Konrad Henleins u. a.: „Der Standpunkt, den Henlein einnahm, ist nicht gerade glücklich. Er erklärte, das Urteil des Gerichtes abwarten zu müssen und daß er vorher nicht über die Schuldfrage roden werde. Gleichzei« ssg aber griff er sehr scharf die„dunllen Kräfte" an, welchen es nicht so sehr um die Sache, sondern um unbequeme Personen gehe. Damit deutet Henlein an, daß die Affäre von politischen Widersachern in seiner eigenen Partei angezündet wurde und indirekt sagt er, daß sie über die Sache mit Rücksicht auf die Interessen der Sudetendeutschen Partei hätten schweigen sollen. DaS*ist gewiß ein sehr merkwürdiger Standpunkt bei einem Politiker, der gerade im Grundsätzlichen gerne kompromißlos erscheint." Blutige Famlllentragödle Im Leitmeritzer Gebiet In dem Keinen Dorf Kutteslawitz bei Lekt- meritz wurde am 12. Oktober eine schwere Bluttat entdeckt. Der 74jährige Eduard Matzke hatte mit, einem Beile seinen Schwiegersohn den 40jährigen Adolf Doranth, erschlagen und sich dann selbst erhängt. Doranth, der bereits seit Samstag abgängig war, wurde von der Leit- meritzer Gendarmerie-Fahndungsstation gesucht und in einem Schupfen beim Hause des Matzke, mit Reisig zugedeckt, ermordet aufgefunden Matzkes Leiche hing an der Türangel einer Schupfen- tür im Hofe des Keinen Hauses. Die behördliche Untersuchung stellte fest, daß es, wie schon öfters vorher, auch am Samstag zwischen Matzke und Doranth, der im Kriege e'ven Kopffckuß erhalten n ifi. Nach dem um Kar- Boykott-Flugblatt auch In Aussig verboten Das Flugblatt„Deutsche Hausftau, kaufe richtig!", das von dem der Sudetendeutschen Partei nahestehenden„Verband zum Studium und zur Förderung der Volkswirtschaft, Sitz Teplitz- Schönau", zum Zwecke der Bekämpfung der Konsumgenossenschaften herausgegeben worden ist und dessen Verbreitung die Handelsgremien durch Sonderbeiträge ihrer Mitglieder finanziert haben, ist, wie wir erfahren, nun auch in A u s s i g behördlich beschlagnahmt worden. Die Aussiger staatliche Polizeibehörde verbietet durch eine Kundmachung die Kolportage dieses Flugblattes In der Begründung der Kundmachung wird festgestellt, daß das Flugblatt indirekt zum Boykott gegen Unternehmungen gewisser Art auffordere, wodurch die öffenüiche Ruhe und Ordnung gefährdet wird. „Der Fall Rutha Ist ein Schlag gegen die SdP** Die„BrüxerZeitun g", sonst im allgemeinen der SdP gehorsam, zeigt jedesmal, wenn es in der„Volksgemeinschaft" mulmig wird, daß jene Redaktion in entscheidenden Fällen doch nicht mit Herrn Henlein durch dick und dünn zu gehen bereit ist. So auch im Falle Rutha, zu dem sich nun die„Br. Ztg." im Dienstag- Leitariikel u. a. also vernehmen läßt:* „Gibt es irgendwo Schmutz, so mutz er enssernt werden. Aber auch diejenigen, die von dem Borhan- densrin dieses Schmutzes wußten und ihn für ihre Zwecke sozusagen auffparten bis zu einem Augen- llick, wo er ihnen nützlich sein könnte, verdienen kein« Achtung. Die moralische und politische Bedeutung der Angelegenheit sst sehr groß und weitteichend. Sie hält nicht bei Rutha und der SdP. Nur vollständige Aufllärung vermag die S ch ä d e n zu heilen, die aus dem Verdacht gegen Rutha dem nationalen Lager und besonders der sudetendeutschen nationalen Jugend drohen. Deshalb gibt es keinen anderen. Weg, als die rücksichtslose Aufllärung der Oeffentlichkeit und die Ausstoßung aller jener, die sich irgendwie misschuldig gemacht haben. Jeder Versuch der Bemäntelung würde die Sache verschlimmern." „Alles, was vorgefunden werden sollte an Krankhaftem oder an Keimftoffen, muß rasch und «nsschloffen ausgebrannt, und es muß bewiesen werden, daß«S nicht den geringsten Grund zu einem Mitztrauen gibt. Diese Untersuchung deS inneren Ge- Bestrafte Kritiklosigkeit Herr Konrad Henlein.hat in seiner Seih Meritzer Rede drei sudetendeutsche Zeitungen beleidigt, indem er von ihnen behimptete/ sie hätten den Fall Rutha„schamloserweise in der niederträchtigsten Form" aufgebauscht. In der„Zett" war die Rede Henleins zensuriert: hier waren die drei Blätter nicht mehr einzeln genannt—„S o- zialdemokrat",„Deutsche Landpost" und „Prager Mittag"—, sondern die Namen der beleidigten Blätter waren durch die unverfänglichere Wendung„Einksblätter" ersetzt. Die Redaktion der„Zeit" war sich darüber im Karen, daß ihr die Wiedergabe der Henlein-Rede in der ursprünglichen Form eine PresseKage einbringen müsse, und sie hat eS deshalb vorgezogen, den Zensor über den obersten Führer der Sudetendeusschen Partei zu spielen. Was dieser sich, selbstverständlich, im Interesse der„guten" Sache gerne gefallen ließ. Andere Blätter waren unvorsichttger als die „Zeit". Fast die gesamte sudetendeutsche Provinzpresse legt Wert darauf, daß jedes Wort Konrad Henleins in ihren SpaÜen erscheine. Nichtsahnend hat sie das in Leitmeritz von der SdP-Leitung ausgegebene Material verwendet, das den u r s p r ü n g l i ch e n Text der Henlein- Rede mit den beleidigenden Schimpfereien enthält. Für dieses kritiklose Verhalten gegenüber Konrad Henlein und der SdP mußte einmal ein Exempel statuiert werden: der„Sozialdemokrat" hat alle Zeitungen geklagt, welche die Henlein-Rede in der ursprünglichen Form abdruckten; bis jetzt sind es ihrer zwanzig. Daß die„Zeit" den Versuch machte, sie schnöde im Stiche zu lassen, mögen sich die belangten Blätter mir ihr ausmachen. Dieser Versuch ist der„Zeit" übrigens m i ß- lungen: auch sie wird sich vor dem Pressebericht zu verantworten haben. vereinen, die Hüter und Vermittler des Volks«, deS Kunst« und des Arbeiterliedes sind. Die Arbeitergesangvereine scheuen keine Arbeit und keine Mühe, um den Tag des Lieder zu einem Festtage der Gesangsbewegung zu gestalten. Sie erwarten aber auch, daß sie für die aufgewendete Mühe und Plage, die sie in selbstlosem Dienste unserer Gesangsbewegung gern auf sich nehmen, belohnt werden durch einen zahlreichen Besuch aller jener, die sich Sinn und Gefühl für die Notwendigkeit des Gesanges in unserer nüchternen Zeit bewahtt haben, die die Erkenntnis besitzen, daß eine gekräftigte Arbeitergesangsbewegung der kulwrellen Hebung des Arbeiterstandes zugute kommt, und die noch ein so unverfälschtes Kunstempfinden haben, daß das unmittelbare Hören des Gesanges den reinsten Genuß und'den nachhalssgsten Eindruck vermittelt. Für alle diese gilt die Losung: Besuchet die Veranstal- tungen der Arbeitergesangvereine anläßlich des .Tages des Liedes" am 6. oder am 7. November. F. 8. Zum Fall Rutha gesellt sich immer auffallender der Skandal der amtlichen Berichterstattung, d. h. N i ch t berichtrrstattung. Nun wird aus Reichenberg inoffiziell die Zahl der Berhasteten bereits mit 122 angegeben, aber noch immer liegt nicht eine einzige amtliche Nachricht über den Fall vor! Die Polizei schweigt, die Justiz schweigt, der amtliche Nachrichtendienst schweigt! Die Auslandspresse hat sich der Angelegrnhett bemächtigt— aber für d a s T s ch e ch o s l o w a k i s ch e Pressebüro, das sonst für jeden Schmarrn einen Berichterstatter hat, existiert der ganze Fall nicht! Ja die„Z e i t", ausgerechnet das Blatt der Partei Ruthas, darf berichten, daß die Reicheuberger Polizeidirettion„keine offizielle Veröffentlichung über den Stand der bisherigen Untersuchung publiziere« wird"! Man wird, wenn die Aemter nicht doch bald den Mund auftun, an dem Ort, wo die Bürokratie die Demokratie nicht erschlagen kann, nämlich im Parlament, dieses Berschweige« zur Sprache bringen müssen. Bemerkenswert ist, daß übrigens die„Zeit" nun selber über den Fortgang der Untersuchungen zu berichten sich bemüßigt fühlt. Die Empörung auch innerhalb des SdP-Lagers ist eben zu groß, als daß die„Zeit" durch Schweigen Bemänte- dungsversuche decken dürste. Die„Zeit" ist es auch, die die Verhaftung von Arbeitern der Möbelfabrik Rutha in KunnerSdorf zugeben muß; fünf Leute aus der Werkstatt des Herrn„Architekten" befinden sich zur Zeit im Reichenberger Polizeigewahrsam— dank der vorzüglichen lehrherrlichen und völkischen Erziehung durch den Meister! Ein Geständnis Ruthas? Am Dienstag ist, wie der„Prager Mittag" meldet, das_ erste Geständnis Ruthas erfolgt. Unter der Last der Beweise habe er sich gezwungen gesehen, wenigstens einen besonders gravierenden Fall zuzugeben. Die wetteren Fälle bestreitet er vorläufig noch. Neben Rutha und Rohn werden jetzt die Namen folgender in Reichenberg in ordentlicher Untersuchungshaft befindlicher Personen bekannt: Leo Wagner, WernerWeiß, Adolf Wagner und Hofmann. Es regnet Hast- befehle w-'ter auch in anderen Teilen der Republik, eine sonst Slelchgeschaltete Stimme: Fünf Arbeiter aus Ruthas Fabrik verhaftet Noch Immer keine amtliche Mitteilung Sette 4 Donnerstag, 14. Oktober 1937 Nr. 242 AgesnEAkeitm Der siebente Tas des Velgo-Prozesses Immer neue Zeugen— Urteil nicht vor Samstag —rb— Der Prozeh gegen Marie Velgo hat Ausmaße angenommen, die zu seinem Beginn niemand für wahrscheinlich gehalten hätte. Wenn nach Annahme des Gerichtes ursprünglich das ftrteil am vergangenen Samstag erfolgen sollte, so ist nach der heutigen Sachlage das Urteil nicht vor Ende dieser Woche zu erwarten. Das Beweisverfahren dreht sich heute allerdings längst nicht mehr um die unmittelbaren Tatumstände, sondern um die Aufhellung der Hintergründe der Mordtat, vor allem um die Klarstellung der Persönlichkeit des Ermordeten. Gerade in diesem Punkt«, der der objektiven Erkenntnis am schwersten zugänglich ist, hat sich ein ha r t n ä ck i g e r Kampfz wischen Anklage und Verteidigung entspannen, der zur Folge hatte, daß sich das Beweisverfahren in einer Weise auswuchs, daß dessen Ende vorläufig nicht abzusehen ist. Zu Beginn der Verhandlung am Mittwoch stellte die Verteidigung eine Reihe neuer Beweiianträge, die sich vor allem um Details des seinerzeit veröffentlichten Polizeiberichtes drehten. Strittig war zunächst die Frage, ob die Angeklagte sich beim ersten Verhör zu der Teilnahme an dem Mord bekannt habe oder nicht. Die Einvernahme zweier Brünner Redakteure schuf in dieser Hinsicht keine Klarheit. WeiterS kamen verschiedene häßliche Angelegenheiten zur Sprache. Ein Ministerialrat§ a- p e k, als dessen Gattin sich eine als Zeugin«inver- nommene Schwester des OGR Velgo bezeichnet hatte, hat durch Zuschrift an eine Prager Redaktion erklärt, das er längst von dieser Zeugin geschieden sei und sich diese also fälschlich als seine Gattin ausgegeben habe. Der Anklagevertreter Prokurator Dr. Lexa kündigte daraufhin an, daß er diese, Zeugin wegen falscher Zeugenaussage verfolgen werde. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung wurde erklärt hat. Dr. Frieda Vogel ist die Tochter des emigrierten Miworsitzenden der SDP, Genossen Hans Vogel, und ist zusammen mit der ganzen Familie ausgebürgert worden. Ihr den rechtmäßig erworbenen akademischen Grad zu nehmen. I ist natürlich für Kulturländer in keiner Weise maßgebend, es sei denn als neuer Beweis, daß\ die jetzigen Beherrscher Deutschlands sogar den! politisch in keiner Weise tätigen Kindern ihrer! ins Ausland vor Mißhandlung, Marterung, Mord enttommener Gegner jegliche Eyistenz- möglichkeit rauben wollen, wie sie mit der Existenz, dem Vermögen, den Pensionsrechten und der Sozialversicherung der Eltern getan haben. (bn.) Abgestürzt. Nach Berichten aus Batavia ist ein Flugzeug während eines Nachtfluges zwischen Burabaya und Batavia bei dem Ort Brondong (Java) abgestürzt. Man befürchtet, daß neun Tote zu beklagen sind. Pctroleumschiffe in Flammen. Auf dem englischen Petroleum-Tankschiff„Paraguana" entstand nach Berichten aus Texas infolge des Brechens einer Oelleitung ein Brand, bei dem sechs Matrosen getötet und neun schwer verletzt wurden.— In der Mittwoch-Nacht ereigneten sich nach einer Meldung aus Neapel an Bord des Petroleumtankschiffes„P a g a o" zwei Explosionen, die das Schiff in Brand setzten. Bisher ist nichts bekannt, ob das Unglück Todesopfer gefordert hat.— Duplizität oder Doppelmeldung ein« und desselben Falles. Der tödliche Meteorstein. Zum erstenmal, jedenfalls soweit es sich um eine absolut einwandfreie Tatsache handelt, find Menschen, und zwar zwei Bauern in der Nähe von Croxley Green von einem herabfallenden Meteorstein getötet worden. Es ist außerordentlich merkwürdig. ein Kolleg« des Ermordeten, der Rat des Brünner Obergerichtes, T r n k a, einvernommen, der mit dem Ermordeten auf freundschaftlichem Fuß stand und ihm ein sehr gutes Zeugnis ausstellte. Als der Privatbeteiligtenvertreter den Zeugen fragt«, was für einen Eindruck die biÄher vernommenen Aussagen in Richterkreisen gemacht hätten, verwahrte sich der Verteidiger gegen eine solche Frage, indem er nebenbei bemerkte, daß über den in der breiteren Oeffentlichkeit hervorgerufenen Eindruck an siebzig ihm zugegangene Zuschriften Zeugnis ablegten. Immerhin ergab sich in der zwischen dem Zeugen und dem Verteidiger erfolgten Debatte, daß die Verheimlichung der Ehe seitens des OGR Velgo unter seinen Berufskollegen immerhin„Aufmerksamkeit erregt" habe. Zwei weitere Zeugen, die den Ermordeten aus einem engeren gesellschaftlichen Kreis kannten, sprachen sich günstig über ihn aus, wobei freilich der«ine dieser Zeugen zugab, daß die Sparsamkeit und Ueberempfindlichkeit des OGR Velgo in den Kreisen der in Frage stehenden Bereinigung vielfach Heiterkeit hervorgerufen habe. Bemerkenswett ist noch di« Zuschrift eines gewissen Herrn Herbett Seifert, der dem Gericht zu wissen gab, daß er mit seinem Auto mehrfach vor dem Hause, iy dem die Angeklagte'vor ihrer Verheiratung wohnte, gewattet habe, allerdings nicht auf sie, sondern auf die Tochter der Oberst Rh- b ä k, der bekanntlich«ine solche vom Verteidiger ausgesprochene Vermutung mit höchster Entrüstung abgolehnt hatte. Das Beweisverfahren geht weiter und es werden noch verschiedene Details zur Sprache kommen. Wann das Beweisverfahren abgeschlossen wird, läßt sich Herste noch nicht sagen. Das Urteil wird nicht vor Samstag erwattet. ! daß gerade vor einigen Wochen in einer führen- ■ den englischen astronomischen Zeitschrift eine Abhandlung über die Gefahr, von Meteoriten getötet zu werden, erschienen ist. Der Verfasser der Mchandlung kam auf Grund ganz genauer Berechnungen über die Größe der Meteoriten, über die Häufigkeit ihres Niedergehens, über die Gegenden, in denen sie am meisten beobachtet werden, im Vergleich mit der Größe der Erdoberfläche und der Dichte ihrer Bevölkerung, zu dem Ergebnis, daß die Wahrscheinlichkeit außerordentlich gering sei. In mehreren Jahrhunderten, vielleicht sogar in einem Jahrtausend einmal kann sich theoretisch ein solcher Fall ereignen, der in den letzten Jahrzehnten tatsächlich noch niemals registriert worden ist. Frühere Berichte, namentlich aus dem Mittelalter, waren in der Regel phantastisch und hielten einer ernsthaften Nachprüfung nicht stand. Das Erstaunlichste aber an den Berechnungen war die Voraussage, daß im zwanzigsten Jahrhundert ein solcher Fall wieder zu erwatten sei, der jetzt auch prompt eingetreten ist. Glühbirnen mit zweierlei Kerzenstärke. In Berlin ist eine Konstruktion erfunden worden, durch die zwei Glühfäden in einer Glühbirne untergebracht sind. Schraubt man die Glühbirne nur lose in die Fassung, so leuchtet zunächst nur ein Faden auf, je nach der Stärke der Birne mit 25, 60 oder mehr Watt. Wird die Glühbirne fester in die Fassung geschraubt, so leuchten dann beide Fäden von derselben Lcuchtstärke auf, so daß man praktisch eine verstärkte Beleuchtung in einer Glühbirne hat und ohne Anschaffung einer weiteren Glühbirne die Beleuchtung verdoppeln kann. Der Gangster Albrady, seit dem vergangenen Jahr der„Oeffentliche Feind Nr. 1", wurde bei einer Schießerei mit Detektiven in der Hauptstraße von Bangor(Staat Maine, Bereinigte Staaten) erschossen. Hiebei würde auch ein Mitglied seiner Bande erschossen. Notlandrmg. Dienstag nachmittag- war der Pilotschüler Gefteiter-Aspirant Dr. Boris V a-> I e n r gezwungen, wegen Motorstörung bei der Gemeinde Pagrath bei Eger notzulanden. Hiebei erlitt Valent eine Verletzung des Nasenbeines und wurde in das öffentliche Krankenhaus in Eger überführt. Der kleinst« Koran der Welt. Im Besitze der Kaufmanns Mehmed Mutapcic in der bosnischen Stadt Zenica ist der kleinste Koran der Welt aufge- I funden worden. Das Buch ist 1.8 Zentimeter lang, ' 1.1 Zentimeter breit und enthält 374 hauchdünne Seiten, auf denen in mikroskopisch kleiner Schrift der gesamte Inhalt des Korans steht. Nach der Ansicht von Sachverständigen ist der Miniatur-Koran schon drei Jahrhunderte alt; seine Herkunft konnte nicht ermittelt werden. 120 Millionen K« für soziale Studien gespendet. Der englische Autoinstustrielle Lord Nuffield, der durch seine Spenden für wohltättge Zwecke häufig von sich reden machte, hat am Dienstag der Universität Oxford wieder eine Million Pfund Sterling für den Bau eines neuen Kollegs für soziale Studien gestiftet. Gleichzeitig hat er derselben Universität weiter« 300.000 Pfund für Forschungen auf dem Gebiet der Medizin zur Verfügung gestellt. Gattenmörder hingerichtet. Im Hofe deS Kreisgerichtes in Ried wurde Mittwoch früh der 33jäh- rige Anton Einböck hingerichtet. Er war zum Tode durch den Strang verutteilt worden, weil er seine schlafende Frau mit Benzin und Petroleum begoß, es hierauf anzündete und so ihren Tod verursachte. Dir viotte Partie im Schachkampf um die Weltmeisterschaft zwischen Euwe und Aljechin endete nach dem 27. Zuge remis. Der Stand ist mithin 2:2. Philatelisten, Achtung! Das Postamt Prag I, Philatelie, ersucht alle Interessenten für Matten des BIT(Bureau International du Travail), die rechtzeitig bestellt und bezahlt wurden, die Erledigung der Bestellungen nicht zu urgieren. Die Marken werden im Laufe dieser Woche in der gleichen Reihenfolge, wie die Bestellungen einliefen, an die Interessenten abgehen. Erwärmung, aiar keine Aufheiterung. In der Nähe von Island kommt es zur Bildung von Siö^ rungen und im'Zusammenhang damit verschiebt sich das Druckhoch von den Brttischen Inseln gegen Süden. Es ist daher zu erwatten, daß die Zuftchr kalter Luftmaffen vom Norden gegen Mitteleuropa zwar eingestellt werden wird, mit einer stärkeren Erwärmung und Ausheiterung kann aber vorläufig noch nicht gerechnet werden.— Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Wechselnd bis ziemlich bewölkt, zeitweise Regenschauer, mäßig kalt, West- bis Rordwestwind.— Wetteraussichten für Freitag: Andauern des jetzigen Witterungscharakters, jedoch etwas wärmer. Vom Rundfunk empfehlenswertes eus den Programmen: Freitag: Prag I: 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau. 14: Deutsche Sendung: Greull und Ullmann: Gespräch über Hausmusik, 16.45: Beethoven: Vattationen über Mozartthema, 18.10: Deutsche Sendung: Abg. Schütz: Der Mensch geht vor, 18.20: Prof. Franz: Der schäftende Künstler und die Umwelt, 18.35: Arbeitersendnng: Aktuelle zehn Minute«, 18.45: Deutsche Presse, 18.55: Aus dem deutschen Kulturleben, 20.55: Kompositionen von Fibich.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Jahrmarkt der Eitelkeü. 14.45: Schallplatten, 14.55: Deutsche Press«, 18.10: Ge- sangskonzertt^— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Goet^ heiratet Christine, Rundfunftpiel.— Kascha«: 12.35: Rundfunkorchesterkonzert.— Mihr.-Ostrau: 15.20: Rundfunkorchestettonzert: Suk, Smetana etc., 17.15: Lieder von Wolf und Brahms, 18 10: Deutsche Sendung: Schild: Seltsames Leben rund um die Schiene, Klavierkonzert. Berlin empfängt schon wieder Die lauten Tage der Diktatorenbegegnung sind mit großem Lärm verrauscht und haben einer neuen Feierlichkeit Platz gemacht, die mehr in gesellschaftlichem und sozialem Rahmen vor sich geht, aber darum nicht weniger auffallend. Die Windsors sind zu Besuch beim großen Füh. rer und was der Welt da an Noblesse geboten wird, ist wert, ins Licht gesetzt zu werden— in ein Licht allerdings« das bis auf den heutigen Tag seit der Machtübernahme Hitlers und dem Brand des Reichstagsgebäudes noch nicht zum Verlöschen kam; nur die tägliche Gewöhnung macht es notwendig, darauf noch aufmerksam zu machen. Man erinnere sich bloß der Haltung Deutschlands und seiner Presse in den Tagen der englischen Königskrise; so hat man heute eine Erklärung dafür, warum erstens das Reich über die englische Staatsaktion diskret hinweg- gegangen war und zweitens wird es heute eher verständlich, weshalb der alte gute Baldwin alles daran gesetzt hat, seinem Land diesen Regenten zu ersparen, der heute, im Exil; in Berlin, mit dem Hitlergruß Aufsehen in der gesitteten Wett erregt und sich zum Empfang in die vornehme Villa des Emporkömmlings Dr. Ley begibt, eines notorischen Saufboldes und Deklassierten, der es als Leiter der Arbeitnehmer zu einem Vermögen gebracht, wie kaum ein„Arbeitgeber" in Europa. Und von diesem Dr. Ley nimmt der Herzog von Windsor Erklärungen über die soziale Lage der deutschen Arbeiterschaft entgegen, lediglich resigniert über die Tatsache, durch den Redefluß des Dr. Ley selbst zum Schweigen verurteilt zu sein. Vielleicht wird diesem Herzog aber auch zum Bewußtsein gebracht, wem sonst er noch die Ehre seiner Würde gab, und eine tiefe Scham der Resigniettheit folgen, wenn er daran denkt, was ihm die Herren Mörder von Po. tempa und die Herren Henker der Konzentra, tionslager alles nicht gezeigt haben, das den Stolz des Dritten Reiches und die Schmach der gesitteten Welt bedeutet, den Abscheu der Kulturweü erregt und einen Herzog von Windsor trotzdem nicht aus einem Lande vertteibt, dem das Schamgefühl über seine Repräsentanten abhanden gekommen ist. In einer vielleicht nicht allzu fernen Zeit wird er sich der vornchmen-Empfänge Berlins möglicherweise in der Art erinnern, wie sie in einem alten Lustspiel zum Ausdruck kommt. In diesem Stück sagt ein von Napoleon geadelter Herzog, darüber beftagt, wie er die Gesellschaft eines vornehmen Gala-Abends finde, die klassischen Worte: ,Zch bin etwas Glanzvolleres gewöhnt, ich war doch Stallknecht beim Herzog von Jork". Auch der Herzog von Windsor war eine bessere Gesellschaft gewöhnt und vielleicht grüßt er nur deshalb auf Hitleratt, um doch nicht allem und jedem die Hand reichen zu müssen, solcher Art höflich. einer. Unhöflichkeit. vorbeugend und vielleicht legt das„vornehme" Berliner Milieu sich das alles falsch aus. Der Igel. Fünf Jahre Kerker wegen Militiirverrvt. Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Strafkreisgericht in Prag verutteilte den 22jährigen Wirtschaftspraktikanten Frantisek Pivl aus Nachod wegen des Verbrechens des Mi- kttärverrates zu schwerem Kerker in der Dauer von fünf Jahren mit den entsprechenden Verschärfungen und außerdem zu einer Geldstrafe von 3000 KL, im Nichteinbringungssall zu weiteren 30 Tagen schweren Kerkers, und hat bei dem Verurteilten den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ausgesprochen.(Amtlicher Bericht.) Die Kultur der Nazis hat in den letzten Tagen wieder Höchstleistungen zu verzeichnen. Durch eine geheime Anordnung ist reichsdeutschen Juden, die auch nur zu kurzem Besuch ins Ausland gefahren sind, die Rückkehr ins Reich verwehrt, was ihnen aber vor Antritt der Reise oder an der Grenze nicht gesagt wird. Entdeckt wurde diese neue Gemeinheit, als auf einem Grenzbahnhof ein fünfjähriges jüdisches Mädchen weinend aufgefunden wurde. Dem Eisenbahnportier sagte das Kind, es stamme aus Trier und habe seine Großmutter in Luxemburg besucht, aber an der Grenze habe man ihm erklärt, es dürfe nicht wieder nach Deutschland zurück. Der mitleidige Eisenbahner brachte die Kleine zu ihrer Großmutter zurück. Seither haben sich an der Grenze in Holland, Belgien, Luxemburg berettS eine ganze Anzahl Leute angesämmelt, denen es> ebenso ergangen ist. Mit 10 RM und lleinen Handkoffern ausgereist, stehen sie nun völlig mittellos da— ihre Geschäfte, Vermögen, Einrichtung usw. sind in Deutschland und dürfen ihnen nicht nachgeschickt werden!— Der„Rejchsanzei- gcr" hat soeben amtlich bekanntgemacht, daß die Universität Gießen das 1931 erworbene philosophisch« Doktorat von Frieda Vogel ungüllig dem Erdboden gleichgemacht“ Von Josef Wechsberg „Sie wollen auf die Große Mauer?", sagt der erfahrene Portier des großen Hotels in Peking.>,Da ist es am besten. Sie fahren mit dem Zug bis Nankau und reiten von dort mit Maultieren. Sie können auch bis Chinwantchao, und gehen dann zu Fuß auf die Mauer." Vor zehn Wochen konnte man noch nach Nankau, auf die Mauer. Heute kann man nicht mehr hin. Auf der Großen Mauer liegen die Maschinengewehrnester der japanischen Infanterie und den Bahnhof von Nankau gibt es nicht mehr. Nichts besonderes, dieser Bahnhof von Nankau. Chinesisch-provinziell, obwohl Nankau einige hunderttausend Einwohner hat. Einige... ganz genau weiß man das nicht und die chinesischen Volkszählungen sind nicht immer ganz zuverlässig und beschränken sich darauf, die Häuser der Städte zu zählen, worauf die Einwohner„abgeschätzt" werden. Der Bahnhof von Nankau war durchaus modern,, viel moderner als die vielen Bahnhöfe zwischen Schanghai und Peking. Es herrschte ein strenges Regime auf diesem Bahnhof und die einheimischen Händler durften nicht auf den Bahnsteig, mit Ausnahme der wenigen, welche eine Steuer dafür entrichtet hatten. Aber der Chinese ist kein williger Steuerzahler und er weiß sich zu helfen. Wozu hat der Bahnhofszaun so breite Lücken? Man stellte seinen Stand also neben dem Zaun auf und bedient die Kunden„durch die Händler befanden sich nicht auf dem Bahnsteig und Lücken". Die Soldaten sahen es und die Polizisten sahen es auch, aber niemand nahm Anstoß daran. Der Vorschrift war Genüge getan, die Die Große Mauer oberhalb Nankaus Photo: Wechsberg alles weitere war nebensächlich. Man ist in China weniger kleinlich als bei uns. Alles das war— denn der Bahnhof von Nankau ist zerschossen,„dem Erdboden gleichgemacht", wie die Zeitungen berichtet haben. Die einst so blühende Stadt ist ein Trümmerhaufen. Man wird nicht mehr über Nankau auf die Große Mauer fahren können und der Portier des Pe- kinger Luxushotels wird seinen Gästen ein anderes Ausflugsprogramm Vorschlägen müssen. , Was mit ihnen allen geschehen sein muß, die uns die Aufenthalte auf dem Bahnhof von Nankau so abwechflungsreich gestaltet haben? Da war der Zeitungsverkäufer, welcher ein Dutzend chinesischer Zeitungen auSrief, nein: ausrusen sollte. In Wittlichkett rief er sie gar nicht aus, er zog es vor, sie zu lesen. Und der Mann, welcher gebratene Hühner verkaufte, ganze gebratene knusprige Hühner für 20 chinesische Cents, nicht ganz 7 amerikanische Cents. Und die Polizisten, welche die Aufgabe hatten, Spione festzunehmen. Sie schienen ganz teilnahmslos auf- und abzuspazieren, aber dann sah man plötzlich einen Auflauf, ein„Zivilist" versuchte zu entlaufen, schon hatten sie ihn. führten ihn ab.„Abends wird er erschossen", bemerkte mein Begletter gleichmütig. Man macht keine langen Umstände in China... Und dann war auch der Weichensteller' mit seiner roten Fahne hier, welcher im Zuge mitfuhr — aber warum fuhr er in der ersten Klaffe, neben den Ausländern und Mandattnen und nicht in der zweiten(von der dritten schon gar nicht zu reden?) Müßige Fragen. Wir sind doch in China und nicht in Europa. Heute ist der Bahnhof von Nankau zerschossen, die Züge gehen nicht mehr, die Verbindung zur Großen Mauer ist eingestellt. Aber der Bahnhof wird aufgebaut werden. Die Chinesen sind langsam und geduldig, aber zähe, sehr zähe. Die japanischen Kanonen können sie nicht aus ihrer Ruhe bttngen und«in zerschossener Bahnhof macht sie nicht nervös. Wie oft ist Peking, die wahrhaft„ewige Stadt" zerstört worden? Und hat man es nicht immer wieder aufgebaut? Nr. 242 Donnerstag, 14. Oktober 1937 Seite 5 Ausland WMMLL G in Japan M*’*****l*»**•« WVHU4UH••***/♦| l fl Ul l„V| U V1l C 14 IllUU IVIl* erbten chre Kinder in ein Winkelkino oder, in den! kurrieren. Trotzdem ist ihre Not in den letzten Tempel der Kwannon, um eine kleine Opfergabe I Jahren immer größer geworden. hingegen im Jochre 1935 260 Personen. Eigene An* gestellte besorMr nunmehr di« Agenda des Bezirksausschusses Prag-Stadt und Preßburg-Stadt. Die Agenda der Vertrauensärzte besorgten im Jahre 188 Aerzte, hingegen im Jahre 1935 161 Aerzte. Aus diesen einigen Zahlen ist ersichtlich, daß dem Heilfonds der öffentlichen Angestellten von Jahr zu Jahr schwierigere und ernstere Pflichten auferlegt werden. PariR(Eigenbericht.) Die Volkspartei D o- riois hat bei den französischen Kantonalwahlen nur zwei Mandate tzrobertr könNest"u>kV wird in der Stichwahl höchstens weitere zwei Hrkdmmen. Die Partei de la Roques hat 22 Mandate erhalten und kann noch drei in der Stichwahl gewinnen. MWgMWWWMMWWWWWWWMWWW^WWWW durch wurden Arbeiten für insgesamt 22.91 Millionen Kö bezw. 2045 Personen ermöglicht. Die Förderung in Nordwestböhmen ■ Die Braunkohlenförderung in den Revierbergamtsbezirken Brüx, Komotau und Teplitz betrug im September 1937 1,140.000 Tonnen gegen 1,109.000 Tonnen im August 1937 und gegen 1,487.000 Tonnen im September 1929. Die saisonmäßige Zunahme der Förderung betrug somit nur 81.000 Tonnen gegen 163.000 Tonnen in der gleichen Berichtszeit 1936. Der Depotstand verringerte sich um 163.000 Tonnen auf 519.000 Tonnen. Bei einem Arbeiterstand von 20.649 Personen wurden 459.000 Schichten verfahren und 102.000 Schichten versäumt. darzubringen. Andere Zerstreuungen find mit einem Monatseinkommen von 30 Den nicht möglich. Wieviele Familien leben ist Tokio in dieser. Armut? Nach der Statistik des Sozialministeriums beträgt die Zähl der Familien, die Wer ein Monatseinkommen unter 35 Den^verfügen, 18.000. Das sind, die Familienangehörigen eingerechnet, rund 65.000 Menschen. Auf den Arbeitsämtern von Honjo und Fukugawa melden sich üiglich rUnd 3000 Menschen, aber nur 25 Prozent.. von ihnen finden tatsächlich vorübergehende Beschäftigung. Die Mehrzahl mutz sich mit kleinen Gelegenheitsarbeiten als Lastträger, Gärtner,. Straßenkehrer oder Handlanger begnügen. Aber diese Arbeiten füllen nicht mehr als sechs oder sieben Tage im Monat aus. Die übrige Zeit bringen sie in den Arbeitslosenasylen zu. Dort bezahlen sie für Obdach und drei Mahlzeiten täglich 16 Sen. Aber nur 450 Peosonen haben in diesen beiden Asylen Platz; hunderte müssen abgewiesen werden und kampieren mit Kind und Kegel unter freiem Himmel oder unter Brückenbögen. In den Nachbarstraßen der Asyle sieht man durch die geöffneten Shojis(Schiebefenster) Frauen, die Spielwaren und große Zelluloidpuppen bemalen. Die ganze Straße wird von Heim- Arbeitern bewohnt, die für 14 StundeN^Tages« arbeit ungefähr 14 Sen verdienen. Aber ihre Behausung ist sauber, das stkind so gepflegt wie nur irgend möglich» das Spielzeug in Reih und Glied geordnet, was mann sich nur denken kann: Briefumschläge, Sandalen,. Hüte, Kartonnagen» Statuen, Uhrenbestandteile, Füllfederhalter, Tennisschuhe, Seidenstrümpfe, Kimonos. Die großen Unternehmungen liefern den Heimarbeitern Material und Werkzeug. 80 Prozent sämtlicher japanischer Ausfuhrwaren ent- 'tehen in diesen Elendswohnungen von Honjo und Fukugawa. Die Fabriken verdienen an ihnen durchschnittlich 150 bis 200 Prozent, obwohl sie zu Preisen auf den Markt geworfen werden, mit denen kein anderes Land konkurrieren kann. Die Heimarbeiter von Honjo und Fukugawa erhalten die niedrigsten Löhne der Welt. Selbst die modernsten Rationalrsierungsmethoden Amerikas können mit ihrer Leistungsfähigkeit nicht kon- Ueber eine halbe Milliarde für produktive ArbeitslosenfUrsorge Im Laufe des Monats September wurden durch das Arbeitsministerium öffenüiche Bauten, Lieferungen und Arbeiten für 69,129.197 KL vergeben, in der Zeit vom 1. Jänner bis 30. September d. I. für 563.72 Millionen KL. Aus den Mitteln der produktiven Arbeitslosenfürsorge wurden ferner vom Fürsorgeministerium im Sep- Die Beschäftigung im tschechischen Gebiet Der Zentralverband der Krankenversicherungsanstalten teilt mit, daß bei den 84 ihm angeschloffenen Krankenkassen die Zahl der Versicherten im August um 179 auf 919.321 gestiegen ist. Seit dem Vorjahr sind um 84.954(10.18 Prozent) Arbeitnehmer mehr versichert.(Bei den 295 Anstalten, die der Zentralsozialversicherungsanstalt unterstehen, betrug die Zunahme 858 bzw. 216.221.) Zum Vergleich wird weiters angeführt, daß im Vorjahr die Bersichertenzunahme im Laufe des Monats August 8.58 Prozent (Heuer. 0.02 Prozent) betrug und daß der heurige Juli den Juli 1936 um 11.06 Prozent überschritt. Das Urteil wird aber wesentlich korrigiert durch die Feststellung, daß auf den aus- gMiesenen Stand der Beschäftigten der Prager Bauarbeiterstreik den größten Einfluß hatte. Ohne den Ausfall, der durch ihn entstand, wär« die Zahl der Versicherten um fast 6000 höher. Bon den 84 Anstallen weisen 40 Zunahmen, 48 Abnahmen auf. Zementabsafc auf erhöhter Basis stabil Der Zementabsatz der vereinigten tschechö« flowakischen Zementfabriken im September 1937 betrug 17.391 Waggon gegen 15.490 Waggon im August. In der Zeit vom 1. Jänner bis 30. September 1937 wurden 103.083 Waggon Zement gegen 82.442 Waggon in der gleichen Zeit des Vorjahres geliefert. Der heutige Zuwachs des Absatzes in den ersten drei Vierteljahren beträgt also 20.591 Waggon oder ungefähr 25 Prozent. Zu dem günstigen Absatz im September trug einerseits die gegen den August eingetretene Besserung der Waggonzuteilung, andererseits die erhöhte Expedition von Zsknent in die Bezirke Groß-Prags nach der Liquidierung des Bauarbeiterstreiks bei. Die Bautätigkeit bleibt trotz der vorgeschrittenen Saison auch weiter lebendig, und das— zum Unterschied von den FrühjahrSmona- ten— auch in den Gebieten außerhalb der größeren Städte. Neuer Tellunssplan für Palästina Dienstag abends hielt Dr. Nahum G o l d- mann, der ständige Vertreter der Jewish Agency beim Völlerbund, in Prag einen öffentlichen Vortrag über Palästina..Vorher-gab er Pressevertretern Erklärungen über den gegenwärtigen Stand der Teilungs-Frage. Nachdem der letzte Zionistenkongretz mit Zweidrittelmehrheit die zionistische Exekutive zu Verhandlungen über die Teilung ermächtigt hat, hat auch der Völkerbund der britischen Regierung seine Zu-• stimmung zur Ausarbeitung eines neuen Teilungsplanes gegeben. Der erste, von der Peel- Kommission vorgeschlagene Teilungsplan, der vom britischen Parlament, von den Juden und den Arabern abgelehnt wurde, ist endgültig erledigt’ und wird durch einen neuen ersetzt werden, den eine von der britischen Regierung nach Palästina zu entsendende Dreier-Kommission ausarbeiten wird. Die englische Regierung hat erklärt, daß sie diesen neuen Plan, wenn mögllch, mit Zustimmung der Araber und Juden festlegen wird. Bon zionistischer Seite werden Bedingungen für. di«' Annahme eines neuen Teilungsplanes gestellt. Die wichtigsten Bedingungen sind: die Einbeziehung der rein jüdischen Neustadt von Jerusalem in den jüdischen Staat, die Verbreiterung des jüdffchen KüstenftreisenS(der-nach dem Peel- Plan stellenweise nur 12 Kilometer breit gewesen wäre), die Zuweisung des südpalästinensischen Wüstengebietes(das bisher nur 60.000 Einwohner hat) an die Juden oder sein weiteres Verbleiben unter brittschem Mandat und schließlich für den jüdffchen Staat das Recht, schon in der Uebergangszett bis zur vollen Souveränität die Einwanderung selbst zu regeln. Die Zionisten hoffen, daß der jüdische Staat nach dem neuen Teilungsplan in der Lage sein wird, 1 bis 1^ »Millionen Einwanderer aufzunehmen. Da der Völlerbund zweifellos keinen Teilungsplan gutheißen wird, den beide Parteien, Juden und Araber, ablehnen, besteht Aussicht, daß die bri- tische Regierung die jüdischen Bedingungen annehmen wird. Ihr energisches Einschreiten gegen die arabischen Terroristen wird in Palästina Ruhe schaffen. Wenn nicht durch weltpolitische Verwicklungen neue Hindernisse enfftehen, wird der neue Palästina-Plan der Mai-Sitzung des Völler- bundrates vorgelegt werden, und der nächste Zionistenkongreß im Sommer 1938 wird über ihn entscheiden können. Was England tun wird, wenn auch der neue Plan keine Annahme findet, läßt sich nicht Vorhersagen. Die amerikanischen Gewerkschaften werden nach den letzten Nachrichten auch weiterhin im Zeichen des Konflikts zwischen der Arbeitsförderatton und dem Ausschuß der Industrieorganisation(Lewis)-stehen. Die FHHvrqjipn hat "jetzt einen Vorschlag zur Versöhnung-?mit dem "CLO abgelehnt. Sie beharrt auch aus dem Aus-' schluß gewisser Gewerkschastsorganisationen, so- lange die Rwalität zwischen den beiden großen Verbänden anhält. Wenn die Schwalben verschnaufen... .. wird dieses Tiroler Idyll zum llmsteigebahnhof, werden die Telegraphendrähte zum Wartesaal auf den nächsten„Zug nach dem Süden".— Ein Bild aus Lermoos in Tirol; im Hintergrund das Bergmassiv des„Daniel" Soziales Elend In den„Slums" von Tokio Tokio, im Oktober. Wenn man das Leben der japanischen Kulis kennen lernen will, muß man die„Slums" von Honjo und Fukugawa besuchen. Honjo und Fukugawkt waren früher schön« Vororte, an denen die Schiffe vorüberfuhren, die aus fernen Ländern in den Hafen von Tokio kamen. Seit zwei Jahrzehnten haben aber die Villen der Daimhos und die dichten Wäldchen mit' den blühenden Kirschbäumen langsam einem Wald von Fabrllschornsteinen und schmutzigen Baracken Platz gemacht, in denen sich über eine halbe Million Arbeiter, Taglöhner, Arbeitslose und— Landstreicher zusammendrängen. Man erreicht dies Viertel über eine der vielen gewölbten Brük- ken, die die Erbauer des neuen Tofio über die Sumida gezogen haben. In den großen Verkehrsstraßen, die die Hauptstadt durchqueren, wird die Masse der leichten Papier- und Holzhäuschen durch eine Fassade von Zement verdeckt. Mer jenseits der Brücken fällt diese MaSke, und die ganze Armut der Baracken grinst dem Besucher nackt entgegen. Es gibt wohl kaum irgendwo größeres Elend als in diesen engen, übelriechenden Gassen.' Die Häuser haben windschiefe Dächer. Ueberall flattert Wäsche. Durch die geborstenen Wände steht man in das verräucherte Hausinnere. An den Fenstern hängen gedörrte Fische. Zerrissene Kino- und Theaterplakate vervollständigen das ttostlose Bild. Wenige Läden, nur ein paar kleine Teehäuser, in denen arme Kulis mit Kopftüchern und gebeugten Rücken zusammenhocken. Diese Menschen leben mit ihrer ganzen Familie von täglich einem Den. Sie schlafen alle zusammen, manchmal sechs bis acht Personen, in einem Raum von kaum vier Quadratmetern. Matten, Decken,und ettvas Hausgerät sind ihr ganzer Besitz. Für ihre Wohnung bezahlen sie, wenn überchauptVetwas, monatlich fünf bis sechs Den. Als Nahrung dient ihnen am Morgen ein Napf Reis, eine Suppe aus sehr gesalzenem heißen Wasser mit einigen Bohnen darin und eine kleine Schale billiger Tee. Zu Mittag gibt es wieder Reis mit marinierten Gemüsen oder einer Sardine. Mends wird, wenn man sechs Den erWri- gen kann, eine Flasche Sake(Reisbranniwein) gekauft. Am Sonntag führen die nicht ganz Ent- Der Heilfonds 1936 (T. l. f.) Im Jahre 1936 feiette der Heilfonds der öffentlichen Angestellten das erste Dezennium seiner Tätigkeit. In der heuttgen Uebersicht wollen wir nur einiges erwähnen, was sowohl für den Versicherten als auch für die Verwaltung des Heilfonds der öffentlichen Angestellten von besonderer Wichtigkeit ist. Fast das ganze Jahr hindurch wurde mit den Aerzteorganisationen über die Abänderung des Vertrages über die Regelung des ärztlichen Dienstes verhandelt.. Nach langem Hin und Her gelang es schließlich doch, diese Verhandlungen einem Ende zu- zuführen und so einem verttagslosen Zustande vorzubeugen. ES gelang zwar nicht«ine Reduktion in der Aufnahme von Berttagsärzten nach dem wirklichen Bedarfe zu erzielen, dafür jedoch gaben die Aerzteorganisationen unter anderem ihr Einverständnis zur Errichtung einer Schiedskommission für Streitfälle über die Aufnahme und Ausschließung der Aerzte und zu den Konttollmaßnahmen, von denen sich der Heilfonds eine Herabsetzung des Aufwandes auf Aerzte und Arzneimittel verspricht. Um einen günstigeren Vertrag abschließen zu können, verband sich der HeilfimdS der öffenüichen Angestellten mit der Krankenverficherungsanstalt der Privatbeamten und Angestellten, mit dem Heilfonds der Postangestellten und mit der Priesterkasse. Im Laufe deS Jahres 1936 kam es auch zu einigen Aenderun- gen der Heilordnung infolge Aenderung des ärztlichen Vertrages, d. h. es wurden die Tarife einiger außerordentlichen Leistungen abgeändert, neue Evidenz- und Kontrollverordnungen festgesetzt, Legiti- Marionen eingeführt, eine Aenderung der Bestimmung über die gleichzeittge Behandlung durchgeführt, aber es können auch spontane Verbesserungen verzeichnet werden, so z. B. in der Gewährung von Brillen. in der Bade- und Sanatyriallur und in der Er« Höhung des Geburtspauschales. Im Jahre 1936 wurde auch die zweite berichttgte Auflage der Hellordnung herauSgegeben. Im Frühjahre 1936 wurde der Neubau des zweiten Gebäudes des Kurhauses ia Karlsbad seinem Zwecke übergeben. Ihn Jahre 1936 wurde auch der Anttag auf Novellffierung des Gesetzes über die Krankenversicherung der öffentlichen Angestellten behandelt, welche Verhandlungen bisher nicht beendet sind. Vom Mini« sterium für soziale Fürsorge wurden die Statuten des Heilfonds herausgegeben. Nachdem der Zenttal- ausschuß des Heilfonds einige Aenderungen dieser Statuten beschloß, wurden sie bter nicht veröffent- licht, was jedoch gleichzeitig mit den angezeigten Aenderungen geschehen wird. Im Juli 1936 haben die Bezirksbehörden die Agenda der Bezirksausschüsse deS Hellfonds übernommen. Einer normalen Revi« sion wurden im Jahre 1986 im ganzen 245 Bezirks« ausschüffe unterzogen. Im Bereiche von 20 Bezirksausschüssen wurde eine Revision der GehaltÄiften vorgenommen. Im Jahre 1936 wurden drei neue Bezirksausschüsse errichtet, und zwar in Beraun, Bilin und Nimburg. Das Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperliche Erziehung überwies im Jahre 1986 dem Heilfonds der öffentlichen Angestellten zum Betriebe der Kurhäuser eine Subvention im Bettage von 30.000 KL. wofür diesem Ministerium seitens des Vorstandes des Heilfonds der öffenüichen Angestellten der Dank ausgesprochen wurde. Die Anzahl der in der Zenttale des HeilfondS im Jahre 1936 eingelangten Eingaben betrug 138.03a. Bon der Gesamtzahl der Eingaben entfallen: auf die ärztliche Behandlung 7903 Eingaben (im Vorjahre 8016), aus außerordentliche Leistungen 13.600(im Vorjahre 10.255), auf die Zahnbehandlung 7844 Eingaben(im Vorjahre 8096), um den Ersatz der Krankenhausbehandlung wurde in 18.262 Fällen angesucht(im Vorjahre ll.482 Fälle), mit den Krankenhäusern wurden direkt 39.553 Fälle verrechnet(im Vorjahre 84.930 Fälle), Die Zahl der eingelangten Gesuche um den Geburtsbeitrag betrug 8240(im Vorjahre 8106);* zusammen mit den von den Aerzten, Krankenhäusern und Gebäranstalten verrechneten Fällen wurden tatsäch- lich im ganzen 7845 GebuttSbeiträge ausbezahlt, während im Botjahre 7442. Ferner entfaMn: 5393 Eingaben(im Vorjahre 4014) um Ersatz der Heilbehelfe, 5101(im Vorjahre 4294) Eingaben um Bewilligung der Insulinbehandlung, 7028(im Vorjahre 6258) Eingaben um Ersatz der Reffe- und UeberführungSkosten. Die Zahl der eingelangten Eingaben um Zuerkennung der Familienangehörigkeit betrug 5284(im Vorjahre 3516), der Zahntechniker 822(im Vorjahre 227). Die Zahl der Gesuche um Bewilligung der Badekur bettug 16.147(im Vorjahre 15.505).. Die Badekur wurde im ganzen in 5124 Fällen bewilligt(im Vorjahr in 5735 Fällen», und zwar in eigenen Kurhäusern 8039 und in anderen Kurorten 2035. Die Zahl der eingelangten Gesuche um Bewilligung der Sanatorialkur betrug 7783(im Vorjahre 6950).Die Sanatorialkur wurde 2180 Vattenien bewilligt(im Vorjahre 2048). Die Zahl der vorgelegten Rechnungen der Aerzte, Zahntechniker, Krankenhäuser und für den Transport der Aerzte betrug 46.589(im Vorjahre 44.097).'der Apotheken, Hausapotheken, Drogisten. Bandagisten und für die Wasserkuren 9724(im Vorjahre 9734). Am JahreSschluß betrug die Anzahl der Angestellten in der Zentrale des Heilfonds 268 Personen, Lohnbewegung im Osttwuer Revier. In Mähr.« Ost rau fand Mittwoch eine gemeinsame Tagung aller Gewerkschastsorganifa- ttonen der Bergarbeiter des Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers statt. Zur Verhandlung stand der Antrag auf Revffion des Kollektivvertrages der BergaÄeiter und Lohnregelung, der Dienstag von den Gewerkschaftsorganisattonen, die diesen Kollektivvettrag unterzeichnet haben, gebilligt wurde. Der vom Revierausschuß des Svaz hor- nikü ausgearbeitete Vorschlag wurde von allen Bergarbeitergewerkschastsorganffationen des gesamten ReviereS gebilligt und unterzeichnet und sodann der Direktorenkonferenz vorgelegt. 1•> 1- 1„ V•’ X r> WNWFA-v'fÄr Man erhält für k« 100 Reichsmark...» .«38.— Markmünzen... . 71b.— 100 österreichische Schilling . 526.50 100 rumänische Lei... . 16.25 100 polnische Zloty... . 515.50 100 ungarische Pengö.. . 553.50 100 Schweizer Franken . 654.50 100 französische Franc. . 95.85 1 englisches Pfund.. . 140.50 1 amerikanischer Dollar. . 28.50 100 italienffche Lire.. . 122.90 100 holländische Gulden . 1576.— 100 jugoflawffche Dinare. . 60.05 100 BelzaS..... . 478.— 100 dänische Kronen.. . 625.— 100 schwedische Krone«• . 72«.— Tritt 6 „Sozialdemokrat Donnerstag, 14. Oktober 1937. Nr. 242 Trager fettumt Gründung eines Studentenbundes in Prag. Der Allgemeine Angestelltenverband Reichenberg im Deutschen Gewerkschaftsbund baut seine Ju- gendabteilung, in welcher bisher u. a. auch die Hochschüler und Mittelschüler als Hospitanten eintreten konnten, zu einem Bunde aus. Sein Zweck ist, die zukünftigen Privat- und Staatsangrstell- ten in die moderne Wirtschaft und Verwaltung, einzuführen, aber auch die nötige Mrsorge wäh-i rend der Studienjahre zu übernehmen.— Am; Donnerstag, den 14. d„ findet um 19 Uhr im Heim, SmeLky 22, 3. Stock, ein Vortrag statt, betitelt„Warum Studentenbund".— Amtsstunden dieses Bundes sind täglich vorläufig von 17 stis 18 Uhr, Smeäky 22. Das Soziale Institut hält heute Donnerstag eine Trauersitzung für T. G. Masaryk ab, in welcher Prof. Dr. Schoenbaum und Prof. Dr. Macek die Gedenkredeti halten werden. Beginn halb 20 Uhr im Wintersaal des Fürsorgeministeriums, Prag ll., Palackeho näm. 4. Zuckerbäcker als Geidendirb. In der Nacht auf den 23. September verübte ein damals unbekannter Täter einen Einbruch in das Stoffgeschäft der M. Taussig in Prag l, Geistgasse, wobei er eine Beute im Werte von 53.825 KL machte, die hauptsächlich aus Seiden- und Damaststoffen, aber auch aus Leinwand und anderen Textilien bestand. Der Diebstahl war so gründlich ausgeführt worden, daß der Besitzerin nicht einmal Muster der gestohlenen Stoffe geblieben waren, was die Nachforschungen wesentlich erschwerte. Trotzdem wurden die Detektive dieser Tage zufällig auf den 85jährigen ehemaligen Zuckerbäcker Heinrich Ulrich aus Zilkov aufmerksam, der allerlei Stoffe einer brannten Zijkover Hehlerin verkaufte. Die Nachforschungen ergaben die Herkunft| der Stoffe aus dem Diebstahl bei der Tauffig und. führten zur Festnahme Ulrichs, der«»erst behauptete,; die Stoffe von einem Bekannten gekauft zu haben, j dann aber gestand. Den Diebstahl habe er nicht ge- s plant, sondern sei zu ihm durch die zufällige Beobachtung verführt worden, daß ein Angestellter des Ge- schäftes den Rolladen nur mit einem Hängeschiost befestigte, ohne dieses äbzusperren. Ulrich sei dann nach Äbreißen der Hängeschlosses eingedrungen, habe die Stoffe in einen Koffer gepackt, diesen unter der Brücke verborgen und am nächsten Morgen abgeholl. Die Stoffe hat er bereits verkauft oder versetzt: er wurde nach Pankratz gebracht. Bon der Straßenbahn tödlich verletzt. In der Hooverstraste, unweit''des Wilsonüahnhofs, wurde gestern vormittags der 63jährige Sollizitator Jaroslav Zelinka aus Prag-Weinberge von einem Straßenbahnwagen der 1 Oer-Linie erfastt und unter den Schutzrahmen gedrückt. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn in bewutztlosem Zustand ins allgemeine Krankenhaus. Er hat auher mehreren Ristwunden eine schwere Gehirnerschütterung, drei Rippenbrüche und schwere innere BeMtziingen erlitten, die nach Ansicht der Aerzte tödlich sein dürften. Achtung vor einer Schwindlerin! Der Deutsche Kulturverband macht aufmerksam, dast sich in letzter| Zeit in Prag eine Frauensperson herumtreibt, die unter Berufung auf den Deutschen Kulturverband um Kleiderspenden ersucht und auch vorgibt, mit der Munmlung von Geldbeträgen für den Kulturverbandskindergarten in Vrag VII betraut zu sein. Die Bevölkerung wird aufmerksam gemacht, dast es sich um leine Schwindlerin handelt. Ausflugszüge der Staatsbahn. Am 17. Oktober zur Großen Pardubitzer 42 Kc; nach Land zum Grabe des Präsident-Befreiers 13 K£: am 23. und 24. d. M. nach Dittersbach 120 XL; vom 27. Oktober bis 2. November zum Fischfang in der Theist nach Karpathoruhland 300 Kö. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383—35. Kunst und MsE Arabella Das PragerDeukscheTheater läßt sich die Pflege der Musikdramen und Opern von Richard Strauß zweifellos sehr angelegen sein. Nachdem es erst im Juni dieses Jahres des Dieisters letzte Oper„Die schweigsame Frau" zur Erstauffüh« düng brachte, bescherte es uns gestern seine vorletzte Opernschöpfung, die l y r i s ch e K o m ö di e„Arabella". Da über dieses Werk hier bereits vor zwei Iahten, anläßlich seiner Reichenberger Erstaufführung ausführlich geschrieben wurde, können wir uns heute über seine künstlerischen Vorzüge und Schwächen kurz fasten. Man hat behauptet, dast gerade diese Oper, deren Textbuch— wie ja zu den meisten früheren Opern Strauh'— der Dichter Hugo von Hofmannstal geschrieben hat und in dem die glücklich ausgebende Liebesgeschichte der verarmten.Aristo- kratin Arabella, die zur Rettung der Familie ein« Opfer- und Pflichtehe- eingeheN*soll, behandelt wird, ihren Komponisten wieder in die Nähe des„Rosenkavalier" geführt hat. Doch trifft diese Behauptung nur teilweise zu. Sicher: die sswnst der wirksamen Vermengung und Gegenüberstellung Itzrischer und komischer Musikelemente, die LberlegeneBehandlung des leicht fliehenden Konversationstones, ohne den eine Musikkomödie undenkbar ist, di« überlegene Behandlung vor allem des Orchesters und die reife Kunst der formalen Gestaltung und Zusammenfassung zeichnen auch die„Arabella" aus und nötigen vielleicht manchmal zu Vergleichen mit dem„Rosenkavalier".Aber in der zuletzt genannten Müsikkomödie ist alles doch nur unvergleichlich ursprünglicher, viel.spomaner erdacht, in diesem Werke ist Strauh noch verschwenderisch mit musikalischen Einfällen, seien sie nun rein melodischer oder harmonisch-instrumentaler Art. Um nur ein Beispiel des Vergleiches anzuwenden: Wie prächtig lebendig und echt wienerisch leichtsinnig ist der Wälzer im Rosenkavalier, während die Musik des Wiener Fiakerballer in der„Arabella" gekünstelt und konstruiert wirkt. Ueberhaupt ist in der lyrischen Komödie „Arabella" das lyrische Element maßgebender als das komische, weshalb auch die besten Nummern oder Szenen des Werkes die lyrisch gehaltenen sind. Diese zeigen Strauh allerdings ganz in der grosten Kunst seiner Stimmungszeichnung, in der Schönheit seiner musikalischen Linie, sowohl als auch in der Ausdrucksintensität seiner Instrumentierung. Und in diesem letzteren Sinne ist auch der Schluß der Oper, ihr lyrischbesinnliches und in freundlicher Innigkeit ausklingendes Finale wirklich..rosenkavaliermäßig". Will man die künstlerische Wiedergabe dieser vorletzten Strauß-Oper durch unser deutsches Opernensemble kennzeichnen, so muß man in erster Linie der vortrefflichen Leistung des Orchesters gedenken, das feiner schwierigen und komplizierten Aufgabe in jeder Hinsicht gerecht wurde und mit wirklicher Musizierfreudigkeit spielte. Sicher war Karl Ran kl. der neue Opernchef, der die Vorbereitung des Werkes und seine musikalische Leitung in Händen hatte, jener gute Geist, der das Orchester zu diesen Bestleistungen führte. Seiner Sttautz-Jnterpreta- tion ist im übrigen musikalisches Temperament, Uebersichtlichkeit des Klangbildes, rhythmische Lebendigkeit, wirkungsvolle, nur bisweilen zu stark aufge- ttagene dynamische Gliederung, Sorgfalt der Ausführung und Ausdrucksintensität nachzurWtten. Die ausgezeichneten musikalischen Gesamteindrücke dieses Strauß-Qpernabends wurden wirksam durch die umsichtige und auf die Lebendigkeit der Szene bedachte Regie Herrn Renato Moros und durch die ebenso geschmackvollen wie illusionsfördernden Bühnenbilder Frank Schultes' unterstützt. In den Hauptpartien der Oper boten vor allem die beiden Liebespaare— Frl. Harriet Henders als reizende und stimmlich außerordentlich kultivierte Arabella, Theodor S ch e i d l als gesanglich und darstellerisch immer feffelnder und nobler Mandryka, Frau Rahn als anuntere und stimmfeste Zdenka und Herr Baum als ebenso stimmfester Matteo— gute und ausgeglichene Leistungen, während die kleineren und Nebenpartien des Werkes leider nicht gleichmäßig besetzt erschienen. Das gut, aber keineswegs vollbesetzte Haus nahm die Oper sehr freundlich auf und rief neben den Hauptdarstellern auch den Dirigenten Und Regisseur wiederholt vor den Vorhang. E. I. Pec. Emil Vachek ist bekannter Autor einet? langen Reihe vielgelesener Romane: auf dramatischem Gebiet hat er sich bisher mit drei oder vier Stücken versucht, vün denen der im vorigen Jahre aufgeführte„Benedek" einige Beachtung erfuhr. Sein Lustspiel:„Pec"(Ständetheater) ist ein Versuch, seine dramatische Kunst ohne literarische Vorlage auszuprobieren. Er hat sich seine Ausgabe nicht leicht gemacht, indem er eine wenig dramatische Handttmg mit wenig Personen in ein primitives Milieu sHte, das wenig Gelegenheit für geistreiche Konversation gibt. Die Frau des ukrainischen Bauern Grischka, die junge hübsche Marfa, faul und männertoll, der der spindeldürre Kirchensänger Tschutschkin wenig Ersatz für den im Weltkrieg eingerückten Mann gibt, bekommt für die Feldarbeit einen österreichischen Gefangenen zugewiesen. Der Tscheche Väclav Adamec sollte eigentlich in eine Maschinenfabrik kommen, läßt sich aber die Verwechslung gefallen, nachdem er knappe zehn Minuten dem Werben der Frau widerstanden hat, die ihren Mann totsagt. Grischka kommt auf Urlaub: die Einflüsterung der Dorfleute weiß Marfa geschickt zu widerlegen. Erst durch das Geständnis des Gefangenen, dessen Ehrgefühl den Betrug an dem gutmütigen und naiven Manne nicht verträgt, kommen di« beiden überein, gemeinsam wegzugehen, die Frau ihrer Faulheit und dem Kirchensänger überlassend.*— Vachek wußte gut die jeder Bildung bare Natürlichkeit der ukrainischen Bauern, denen nur langsam die weltgeschichtliche Frage aufdämmert, weshalb man einen ukrainischen Mann ins Feld und 8er Frau als Ersatz einen gefangenen Auftriaken.schickt. auch die dumme Dreistigkeit eines Kirchendieners zu charakterisieren. Nur die Gestalt des tschechischen Gefangenen läßt manche Kinderfreunde, Sozialistische lugend Schmalfilm-Vorführung: Mit untern Falken In die Internationale Kinderrepublik nach England Sie sehen im Film Bilder von der Arbeiter-, olympiade, vom Leben im Zeltlager in Brighton und vom Besuche der Weltausstellung in Paris. Freiwilliger Regiebeitrag. Freitag. 45. Oktober 1937, um 20 Uhr im Parteiheim, SmeLktz 22, 3. Stock. Für Kinder wird der Film Samstag, den 16. Oktober, im Falken-Heimnachmittag noch einmal vorgeführt. Parteiheim,%5 Uhr. Wir laden alle Freunde unserer Bewegung zum Besuche dieses Filmabends ein. Frage offen. Er mag wohl den Durchschnitt eines biederen, etwas schwerfälligen und ehrenhaften Mannes vorstellen, feine soziale Stellung läßt stch schwer erraten. Herr Pwec hat dieser Figur eine menschliche Färbung gegeben, im kurzen Zögern der Werbung der Frau gegenüber, in seiner sozusagen ehelichen Sicherheit und späteren Verlegenheit in der verwickelten Situation. Die Marfa Frau Baldoväs ist eine festgefügte Figur, ein natürliches Weibchen, derb nnd zärtlich: sie weiß das Zurücksinken der durch die Liebe zum Leben geweckten Kreatur in die alte Dumpfheit gut zu charakterisieren. Herrn Stipaneks Grischa war«in überzeugend primitiver ukrainischer Bauer, von langsamem Verstehen und voll bäuerlicher Schlauheit: Herr Neumann ist bewährter Charakterschauspieler für die Rollen komischer, verschlagener Käuze.— Die Regie und die Leistungen der Mitwirkenden verhalfen dem ziemlich schwachen Stücke von etwas verfänglichem Stoff zu einem Heiterkeitserfolq. m. i. Modeme Musikerziehung. Unter dem Titel „L'education musicale trait d'union entre les peuples" hat. der Prager Orbis-Berlag im Auftrags- der G e- sellschäft für Musikerziehung in Prag, eine Sammlung der beim Ersten Internationalen Musikkongretz in Prag im Jahre 1936 erstatteten Berichte und Verhandlungen über den gegenwär- ttgen Stand der Musikerziehung in den verschiedenen europäischen und außereuropäischen Ländern herausgegeben. Ergänzt wurde die Sammlung auch noch durch die Berichte jener Länder, die an dem Kongresse nicht akttv teilnehmen konnten. So ergibt die Gesamtsammlung ein umfassendes und anschauliches Bild über die neuen Besttebungen der Musikerziehung in der gesamten Kutturwelt. Da die Informationen durch die berufensten musitpädagogischen Vertreter von zwanzig Ländern erfolgen, hat die Sammlung sozusagen auwritattve Geltung und ist mehr als jede noch so ausgezeichnete subjekttve Publikation eines einzelnen Bettachters geeignet, di« Oeffentlichkeit über die Methoden und den gegenwärtigen Stand der Musikerziehung in der ganzen Welt aufzuklären. Die Sammlung stellt aus Msem Grunde also ein ebenso außerordentliches wie vielseitiger nnd authentisches Werbemittel für die moderne Musikerziehung dar. Neben den Berichten der einzelnen Länder enthält sie auch die Programme der VeranstaltunAn des seinerzeitigen Kongresses, die offziellen Ansprachen der Festpersönlichkeiten, die Beschlüsse des Kongresses, eine Liste seiner Teilnehmer und ein Verzeich- ngungn sow Solstn. SHRDLUBBGK" CMF.WW nis der hei ihm mikwirkenden Chor- und Orchestervereinigungen sowie Solisten. Zu. bedauern ist nur, daß die Sammlung grundsätzlich nur in französischer und englischer Sprache geschrieben ist— nur die Berichte über Oesterreich und die Schweiz sind in deutscher Sprache abgefaßt— so daß ihr Verbreitungswert sehr problematisch ist und nur die besonders gebildeten musikalischen und musikfreundlichen Kreise erfassen kann. Spielplan des Reuen Deutsche» Theaters. Heute. Donnerstag, halb 8: Das Dorf ohne Männer. CI.— Freitag halb 8: Das Land d«S Lächelns. volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 8: Acht Ruder im Takt. Uraufführung C 2.— Sonntag halb 3: Warum lügst du, Cherie? halb 7: Siegfried. B 1. Anny Ondräkovä in„Frauenliebling" Spielplan der Klein« Bühne. Heute, Donnerstag 8 Uhr: Bei Kerzenlicht.— Freitag 8 Uhr: Die Reise.— Samstag 8: Die Reife.— Sonntag 8: Rausch, 8: Nachtasyl. Der Mm- DaS Verhängnis einer Nacht ist ein Holly- wood-Film, der bei der Wahl seiner reißerischen Mittel nicht gerade bedenklich ist: erst will er den Zuschauer mit Eifersuchtsszenen zwischen einem Milliardär und seiner Frau erhitzen und belustigen, dann will er ihn mit einer drohenden Bergewalti- gung und einem lvom Milliardär begangenen) Mord aufpeitschen, dann wieder mit einer Liebesoperette der Milliardärssrau und eines Pariser Oberkellners unterhalten, und schließlich, als das neue Liebespaar schon über den Ozean fährst, dem happy end entgegen, erfolgt der ganz große Coup: daS Schiff prallt mit einem Eisberg zusammen— und man bekommt eine„titanische" Katastrophe zu sehen, eine Panik, wie sie in den Sensationsblättern steht, aber das alles nur, um schließlich zu erfahren, daß das Schiff garnicht untergeht und die Liebenden also doch noch glücklich werden können. Der Regisseur Frank Borzagehat alles, befonderS die Sache mit dem Eisberg, effekwoll hergerichtet, der männliche Hauptdarsteller Charles B o y e r ist nicht uninteressant und die weibliche Hauptrolle wird von Jean Arthur mit Temperament erfüllt.— aber die innere Leere dieses nur nach Effekten haschenden Films vergißt man weder in den luftig« noch in den aufregenden ÄugenblickeiL—eis— DaS tlrenz am Bach. Sin neuer tschechischer Regisseur namens Jares hat einen alt« Roman der Karolina Svktla verfilmt, den Roman einer jungen bäuerlich« Frau, die unter ihrer Liebe und mehr noch unter ihrer Ehe leidet. Es ist kaum etwas in dieser Geschichte, was einen Film beleb« und bewegen kann, und die Regie war also darauf gerichtet, mit Volksttacht«, Dorfbräuchen, Gesängen und ländlichen Feiern folkwristische Szenen zu« standezubringen, die aber, da sie meist zu gestellt und immer ein bißchen steif wirk«, nicht das in dem „Marysa"-Film gegebme Vorbild erreich«, zumal auch die Landschaftsaufnahmen nicht recht geglückt find. Es ist nicht nötig, eine primitive Handlung auch primitiv zu verfilmen. Das aber geschah hier, und wenn nicht die Hauptdarstellerin Jirina StLvniL« k o v ä(die Marysa von damals) die leideiwe Frau herb, befielt und oft ergreifend darstellte, wäre der Film rettungslos ins Dilettantisch« herabgesunken. Die Freitag-Premier«. In dieser Woche gelangen seM Filme zur Prager Erstaafführung. In den Kinos Adria und Hvezda der Fox-Film„Mister Moto" mit Peter Lorre; in den Kinos Julis und Metro der Elekta-Film„Der Unwiderstehliche" mit Anny Ondra; im Bio Alfa„Das Schiff der verloren« Seelen" mit Gary Cooper(Paramount); im Bio Avion der Guitty-Film„Roman eines Schwindlers"(Merkur); im Bio Apckllo der Beda Heller-Film„Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit" mit Olga Tschechowa, Iwan Petrowich: im Bio Praha der Fox-Film„Zusammenstoß um Mitternacht". Interessante Pariser Produktion«. Aus dem großen Produkttonskatalog der Halbjahrsnummer der„Cinematographie Francaise" dürften in Prag besonders folgende französische Filme interessieren: „Oberst Redl",„Sarajewo",„Die Galgentoni" und „Der Mädchenhirt". Auch«in Film«Die unglückliche Kaiserin Elisabeth" ist in Vorbereitung. Le» Renß tritt Lon Chaneys Erbe an. Der mit seiner Wiener Affäre noch unvergessene, österreichische Schauspieler Leo Reuß, dessen geradezu verblüffende VerstellungSkunft ihm s«sattonell« Erfolge eingebracht hat, ist in Hollywood zum EngagementSein- ttitt bei MGM eingetroffen. Er wird die Lon Chaney-Serie fortsetzen und fortan unter dem Namen Lümel Royce auftreten. R. W. Donnerstag, den 14. Okwber. pünktlich 20 Uhr im Parteiheim Mitgliederversammlung. Pflichtabend. © Ortsgruppe Prag. Samstag, 16. Oktober, Treffpunkt halb 3 Uhr nachmittags. Smichower Bahnhof. Fahrt nach Revnice, Wanderung zur Hütte. Sonntag: Wanderung Jeronymüv Mil— Plesivec—Lochovice. ES führt Plötz. Ein Flußpferd-Baby erblickte unter Wasser das Licht der Welt Im Flußpferdhaus des Berliner Zoo trat ein freudiges Ereignis ein. Die Flußpferdmama „Mimi" bekam ein Flußpferdjunges, und zwar ging die Geburt, wie bei allen Flußpferden, unter Wasser vor sich. Hier waren Mutter und Kind— ob es ein Junge oder Mädchen ist, >■weiß man noch nicht— zum ersten Male an die Oberfläche gekommen. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährlich KL 48—, halbjährig KL 96.- ganzjährig K 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung.on Manuflripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und Tel« graph«dttektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Konttollpostamt Praha 25— Druckerei:„OrbiS". Druck-, Verlags« und ZeitungS-L.-G. Prag.