Sozial- emokrat gentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit««»»ahme de« Montag täglich früh/ Eiuzelprei» 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag X2., Fochova 62— Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Nur dem Inhalt: Die Fristen für die Gemeindewahlen In welchen deutschen Gemeinden wird gewählt? SdP beruft sich auf Hitler Stabskapitän Tesar als Zeuge 17. Jahrgang Samstag, 16. Oktober 1937 Nr. 244 Am 30. Oktober Neun-Mädite-Konferenz In Brüssel Brüssel. Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten teilte Freitag abends ans Ersuchen der britischen Regierung und im Einvernehmen mit den Bereinigten Staaten von Amerika mit, daß die belgischeNegierung den Signatar-Staaten des Neun-Mächte-Abkommens vorzuschlagen beabsichtigt, Ende Oktober in Brüssel eine gemeinsame Konferenz zwecks Ueberprüfung der Lage im Fernen Osten abzuhalten. Der Beginn der Konferenz wurde für den 30. Oktober aubergumt. W Präsident Roosevelt erklärte zu Journalisten, ein Vermittlungsversuch im chinesischjapanischen Konflikt werde einer der ersten Punkte im Berhandlungsprogramm der Neunmächtekonferenz sein. An der Spitze der amerikanischen Delegation zur Neunmächte-Konferenz dürfte N o r m a a Davis stehen. Japan beteiligt Sieb? Tokio. Auf Befragen ausländischer Journalisten erklärte der Sprecher des japanischen Außenministeriums, daß der Standpunkt Japans zur Neun-Mächte-Konferenz erst nach dem Empfang der Einladung festgesetzt werden wird. Der Sprecher fügte hinzu, daß die Möglichkeit der Annahme der Einladung durch Japan nicht ausgeschlossen sei, daß aber die Annahme insolange unmöglich wäre, als Japan für den Angreifer gehalten würde. Arabische Terrorakte häufen sich Jerusalem. Freitag zeitlich früh kant es z» einem Zusammenstoß zwischen der- britischen Polizei und einer größeren Gruppe bewaffneter Araber unweit von Bethlehem. Bei dem Zusammenstoß wurden zwei britische Polizisten getötet. Außer einem Eisenbahnanschlag bei Lydda- Rasselein ereigneten sich in verschiedenen Teilen Palästinas noch weitere Terrorakte, namentlich in Beisan und in Beschrbe, wo die Telephonleitungen unterbrochen wurden. Bei dem Attentat auf der Strecke Lhdda-Rassclein soll es sich um einen Personenzug handeln. Dem Zugsattentat sollen drei Mmschenleben zum Opfer gefallen sein. Die Polizei, welche den Eisenbahnzug begleitete, sichtete flüchtende Araber und erschoß zwei von ihnen. Anderen Meldungen aus Beifan zufolge, wurde im Irak die Oelleitung an zwei Stellen angevohrt und daö ausfließende Naphtha angezündet. In Jerusalem wurde amtlich verfügt, daß m der Zeit ab 18 Uhr die Einwohner sich nicht auf den Straßen aufhalten dürfen. In verschiedenen Landesteilen wurden zahlreiche Berhaf- tuugen vorgenommen. Die Verhafteten wnrden ins Konzrntrattonslager geschickt. Fünf weitere Mitglieder des hohen arabischen Ausschusses würben aus Palästina ausgewiesen. Eine Armee, auf die Frankreich rechnen kann... König Carol an General Gamelin Bukarest. Nach Abschluß der großen rumänischen Manöver hielt König Carol in Sibiu beim Bankett eine Rede, in der er u. a. auch den anwesenden französischen Generalstabschef Ga- m e l i n mit den Worten apostrophierte: „Ich werde glücklich sein, wenn Sir mit dem Bewußtsein in Ihre Heimat zurückkehren, daß Sie hier nicht eine Arme« gesehen haben, welche auf dem Papier verbündet ist, sondern daß Sie ein« Armee gesehen haben, mit welcher Sie krchnenkönne n." Die Rede des Königs wurde von den An- lesenden mit langanhaltendem Beifall aufge- uommen. Lezen das Ghetto im Lehrsaal Warschau. Die jüdischen Studenten aller warschauer Hochschulen haben am Donnerstag zum Zeichen des Protestes gegen die Einführung de, sogenannten Lehrsaal-GhettoS und die Sepa- kierung von den arischen Studenten einen zweitägigen Schulstreik proklamiert. Gleichzeitig führten die jüdischen Hochschüler eine Blockade des jüdischen akademischen Hauses in der Vorstadt Prag« durch. Frankreichs insofern nachgrben werde, als er bereit sei, 5000 Mann zurückzuberufen. Es werde sich dabei allerdings nur um Kranke und Verwundete handeln. Die beiden in Rom zur Berichterstattung weilenden Generale Teruzzi und Pastiro sollen nicht mehr nach Spanien zurückkchren, sondern durch neue Männer ersetzt werden, die besser qualifiziert sind. Wichtiger Ministerrat in Valencia Valencia. In der sechs Stunden dauernden Sitzung des spanischen Ministerrates prüften die Regierungsmitglieder die politische und militärische Situation und verwirklichten einige Maßnahmen innerpolitischen Charakters. Weitere Einzelheiten über die Ministerratssitzung wurden nicht bekannt gegeben. Man glaubt jedoch, daß die Regierung sich auch mit der von Companys veröffentlichten Entscheidung befaßt hat. Auf dem falschen Geleise Der Nazismus und die deutschen Minderheiten Die Reise Kon»ad HenleinS nachLondonist diesmal ein ausgesprochener und eindeutiger Mißerfolg. Daß der Chef der Auslandspropaganda im letzten Augenblick verhindert war, an der Reise teilzunehmen, daß über die Affäre besagten Chefs auch in England genügend viel bekannt wurde, um die Londoner Gesellschaft vorsichtig zu stimmen. daS sind gewiß zwei Momente, die den Mißerfolg HenleinS vergrößert haben, sie find aber nicht die entscheidenden Ursachen. Bevor noch der Propagandafeldzug Henleins in England scheiterte und der Stammesführer vor einer Privatgesellschaft von zweieinhalb Dutzend Leuten auftreten mußte,, um den Schein einer Betrachtung durch die englische „Oeffentlichkeit" zu wahren, lange vor dieser verfehlten Reise ist HenleinS Feldzug in Genf trotz Rutha und Kundt und anderen geschickten Propagandisten im Sande verlaufen. Die Vorstöße der SdP ins Ausland, in die internationale Politik, die Versuche, zu einer internationalen Diskussion und Lösung der Minderheitenfrage zu gelangen, sind kläglich stecken g« blieben. Daran tragen nicht Zufälle und Beiläufigkeiten die Schuld, sondern das ist bedingt durch die Verbindung der SdP mit dem Nazismus und durch das Versagen des nazistischen Deutschland auf dem großen Gebiete des Minderheitenschutzes. Die Rechtsstellung der Minderheiten in Europa zu ordnen, deren die Friedensverträge so viele geschaffen haben, wobei vor allem die deutschen Volksgruppen einen beträchtlichen Anteil verzeichnen, den Schutz der Minderheiten, die Beseitigung irredentistischer Brandherde und dir Verwirklichung jener Grundsätze zu fördern, die einst in den 14 Punkten Wilsons festgelegt waren, das war nach ISIS eine der großen geschichtlichen Ausgaben, die dem neuen Deutschland erwuchsen. In Deutschland sahen unterdrückte Völker und sahen unzufriedene Minderheiten damals den natürlichen Anwalt einer besseren Rechtsordnung, denn der Kampf um die Revision der Verträge, um die Ordnung Europas nach den Grundsätzen der Gleichberechtigung und der dauernden Befriedung, den Deutschland notwendig führen mußte, schloß auch den Kampf für die Minderheiten, insbesondere natürlich für die deutschen Minderheiten ein, deren Rechtsstellung aber auch nur im Rahmen einer Verstärkung der internationalen Sicherheit und der internationalen, zwischenstaatlichen Bindungen möglich war. Nun war Deutschland allerdings zunächst schwach. Seine Stimme wurde nicht gehört, seine Proteste verhallten, eS hatte keine Macht, sich Gehör zu verschaffen. Das änderte sich aber seit dem Eintritt Deutschlands in den Vkö- kerbund und seit dem Abschluß des Locarnovertrages. Mit jedem Jahr wuchs Deutschlands Bedeutung in der europäischen Politik und wurden deutlicher und deutlicher gewisse Kräfteverschiebungen sichtbar, die eine Lockerung der Ordnungen von ISIS signalisierten. Stresemann und Hermann Müller haben das Genfer Forum benützt, um die Minderheitenfrage, etwa die Behandlung der deutschen Minderheit in Polen, zur Diskussion zu stellen. Wenn sich auch die große wirtschaftliche und politische Krise, die 1930 über Deutschland hereinbrach, als ein Hemmnis weiterer Emanzipation erwies, so war doch auch unter Brüning das Deutsche Reich auf dem Wege zu einer vernünftigen und friedlichen Revision der Verträge im Sinne einer engeren Zusammenarbeit und unmittelbaren Verständigung der europäischen Völker, die zugleich mit der Abrüstung auch eine allgemeine Lösung der Minderheitenprobleme ermöglicht hätte. Seit 1933 ist das anders geworden. Deutschland hat den moralischenAn- spruchverwirkt, im Namen der Minderheiten zu sprechen, denn eS hat gegen seine eigenen Minderheiten, vor allem gegen die angebliche rassische Minderheit der Juden, aber auch gegen Wenden, Dänen, Polen und nicht zuletzt gegen die politischen Minderheiten der eigenen Nation und gegen die religiösen Bekenntnisgruppen einen so brutalen Terror, ein so barbarisches Regime installiert, daß jeder deutsche Appell an das Rechtsgefühl der anderen Nationen als Heuchelei und Lüge wirken muß. Deutschland ver- Chinesischer Vorstoß an der Tschapeifront Schanghai. An allen Fronten des hiesigen Kampfabschnittes herrschte am Freitag nach den vorausgegangenen Großkampfhandlungrn außergewöhnliche Gefechttuhe. An der Tschapeifront unternahmen di« Chinesen am Donnerstag einen Erkundungsvorstoß, durch brachen die japanischen Linien und erreichten in einer Sttmde die Rordszechuenroad. Die Japaner sollen bei diesen Kämpfen mehr als 300 Tote verloren haben. Auch im Frontabschnitt südwestlich von Liu- Hang, wo die Japaner in den letzten Tagen ihre Angriffe konzentrierten, sollen die chinesischen Truppen ihre Stellungen um mehrere hundert Meter nordwärts vorgeschoben haben. britische Protestnote Tokio. Der britische Botschafter überreichte dem Außenminister Hirota einen Protest betreffend den Zwischenfall bei Minhon. Parif und London l völlig einig Paris. An informierten Pariser Stellen wurde Fretiag abends erklärt, daß die französische und die britische Regierung nach dem letzten diplomatischen Meinungsaustausch zwischen Paris und London nunmehr über den Sinn der gleichlautenden Erklärimgen, welche ihre Bertte- ter Samstag vormittags bei der Tagung des Richtinterventions-Unterausschusses abgeben werden, völlig einig sind. Der Sinn dieser Erklärung entspricht den schon früher erteilten Informationen. Außenminister Avon Delios hegt vorläufig n i ch t die Absicht, sich nach London zu brgrbrn. • Der französische Botschafter* in Berlin Francois Poncet, der Freitag in Paris eingetroffen ist, wurde vom Ministerpräsidenten Chautemps empfangen, den er über die aktuellen Fragen im französisch-deutschen Verhältnis informierte. Osuskf bei Delbos Paris. Gesandter Dr. O s u s k h wurde am Freitag von Außenminister Delbos empfangen, mit dem er die Ansichten über alle aktuellen außenpolitischen Fragen austauschte. Minister Delbos informierte außerdem den Gesandten über die Unterredungen, die er mit dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Dr. StojMnoviL gepflogen hat. Mussolini bereit ...die Kranken und Verwundeten zurüdczuzlehen London.(Eigenbericht.) Pariser Berichte bestätigen die Meldung lws„Daily Herald^ vom Donnerstag, daß in Cadiz neuerlich einige tausend Italiener gelandet wurden. Andererseits! verlautet hier, daß Mussolini dem Drängen| Eden wird deutlich Weiterer Aufschub gefährlich# Wir schreiben nicht mehr 1935 Die Nemesis wird kommen London. Außenminister Eden hielt Freitag in Llandudno eine große außenpolitische Rede. Seine präzisen, zum Teile sehr schar fe« Ausführungen begegneten einem ganz un gewöhnlichem Interesse. Der Außenminister ließ keinen Zweifel darüber. daß Großbritannien die Nichtinterven- tionspolitik und deren strikte Einhaltung nach wie vor für die einzig richtige halte. Man müsse aber klar unterscheiden zwischen Nichtintervention und Gleichgültigkeit. England stehe eben sowenig der Außenpolitik jeder künftigen spanischen Regierung gleichgültig gegenüber, wie den lebens wichtigen britischen Interessen im Mittelmeer. Zwi schen Nichtintervention in rein spanischen Fragen und Nichtintervention, wo britische Interessen auf dem Spiele stehen, müsse klar geschieden werden. Wenn im Nichtintrrventionskomitee eine baldige Verständigung nicht gelänge, müßte die Lag« als in hohem Gradebesorgniserregend bezeichnet werden, wie dies Chamberlain in seiner Rede auf dem konservativen Parteitag gesagt habe. Großbritannien habe zugestimmt, das Problem dem Richtinterventionskomitee nochmals vorzulegen. Dies bedeute aber keineswegs, daß ein« dila torisch« Taktik ruhig hingenommen werd«. Wenn sich innerhalb weniger Tage nicht ein Geist internatio naler Zusammenarbeit durchsetze, dann könne er den Ernst der Lage, der man gegeniibergestellt sei, nicht verhehlen. Im zweiten Teil siiner Rede sprach Eden über die Lage im Fernen Osten. Dann hob er die Zu- samnnnarbeit mit Frankreich ganz besonders hervor: Eines der bedeutsamsten Dinge, daS im Laufe dieses JahreS so sehr in den Vordergrund trat, ist die Stärkung unseres Verhältnisses zu Frankreich. Sie brachte die erwünschte Aendrrung gegenüber der Situation, wie sie noch i m I a h r e 1935 bestand. ES ist dies nicht nur eine Jntereffenverbundenhrit, eS ist dies ein gemein-' erreicht und durchgeführt werden kann, w« dürfen samer Gesichtspunkt dieser zwei europäischen Demo-^nichts Unmögliches wolle«, denn kratirn, die sich immer mehr und mehr zum Be- dann würden wir gerade dir Folge« Hervorrufen, die wußtsein brachten, daß sie Hüter der großen^ wir verhindern wollen. Tradition find, die fie geerbt haben und dir erhalten werden müssen, da fie eS verdienen. Großbritannien kümmert fich nicht darum, welche RegirrungSform in fremden Staaten herrscht; eine solche Verträglichkeit muß aber allgemein sein. Wenn wir nicht die- Absicht haben,«nS zu bemühen, daß alle europäische Staaten demokratisch seien, dann sollen fich andere als» auch nicht bemühen, alle europäischen Staaten faschistisch oder kommunistisch zu machen. Wir selbst bleiben eine freie Demo- k r a t i e, müssen aber beweisen, daß wir bereit find, der Demokratie ebenso große Opfer zu bringen, wie sie die Exponenten andere politischer Bekenntnisse bringen wollen. Das ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Preises, den wir für die Aufrechterhaltung des Friedens zahlen müssen, und eben deshalb begrüße ich so herzlich den Fortschritt, den wir bereits gemacht haben und den wir noch in unserer Rüstung machen werden, die nach den Worten des Premierministers auch weiter beschleunigt werden wird. Ich wünsche so lebhaft wie kam« jemand, daß em für allemal all« Mißverständnisse mit Deutschland, Italien und mit jedem anderen Lande beseitigt werden, wir müssen aber,die Sicherheit haben, daß sich bei dem Versuch«, eine Besserung ! in dieser Richtung-erbeizufü-rr«, die Lage nicht in anderer Richtung verschlechtert. Wir befinde« un- jetzt in einer Sturmperiode, wo offen zugegrbe» wird, daß die internationale Unruhe einen wirksam« Widerstand gegen Unge setzlichkei- t e n, in welchem Telle der Welt immer, verhindert.! ES ist dies eine sebrgefährlicheDok- t r i n und jene, die sie verkünden, werden schließlich keine« Vorteil daraus zieh«. Die Neme- isiSwirdkommen. In der gegenwärtigen Verwirrung muss« wir unsere Bemühungen nur darauf konzmtrier«, waS Seite.2 Samstag, 16. Oktober 1937 Nr. 24t kündet heute Doktrinen, die jeden Minderheitenschutz ausschtietzen, weil sie die Menschenrechte überhaupt leugnen und das Recht des Stärkeren, die Gewalt und die Unterdrückung aller Schwächeren, ja aller menschlich Denkenden zur Religion erheben. Deutschland hat sich aber auch des geeigneten taktischen Mittels begeben, um eine erfolgreiche Neuordnung des europäischen Minderheitenrechtes durchzusetzen. Deutschland hat den Völkerbund verfassen und freiwillig das Forum geräumt, auf dem sich— was immer man zur Kritik des Bundes sagen konnte und sagen mag— allein die Auseinandersetzung ohne Krieg und in den allgemeinsten und allverbindlichen Formen abspielen konnte. Man brauchte sich nur einmal die Lage von 1938 zu vergegenwärtigen, um zu sehen, wie falsch die deutsche Politik, einmal von ihrer innerpolitischen Basis und ihrer Ideologie ganz afr« gesehen, seit 1933 gewesen ist. Als es 1938 auf eine Kräftprobe des Völkerbundes ankam, an der vor allem England sehr viel gelegen war, stand Deutschland abseits, ja es stellte sich entschieden auf die Seite des Friodensbrechers, des Rechtsbrechers, der Macht, die alle internationalen Verpflichtungen, rechtlichen Grundsätze und menschlichen Erwägungen mißachtete. Ein Deutschland, das 1938 Mitglied des Völkerbundes gewesen, ein Deutschland das obendrein demokratisch in seinen Grundlagen und Ideen gewesen wäre, hätte damals der Völkerbundaktion Kraft geben, dafür aber auch eine Ausdehnung des kollektiven Prinzips auf die Minderheitenfrage durchsetzen können. Wenn es heute detz deutschen Minderheiten in jenen Ländern am schlechte st en geht, die m i t B e r l i n eng befreundet sind, wenn di« Minderheiten am besten gestellt sind, deren Staaten in keinem so engen Verhältnis zu dem Hitlersystem stehen, so ist das kein Zufall. Die Deutschen Polens, die Deutschen Südtirols müssen für Hitlers Politik bezahlen. Das deutsche Liebeswerben umRumänien und Ungar n, die heftige nazistische Propaganda in diesen Ländern haben keineswegs dazu geführt, daß es den rumänischen und ungarischen Deutschen besser geht. Auch sie sind schwächer geworden, auch ihnen schwindet die geistige und rechtliche Grundlage ihres Kampfes in dem Maße, als sie sich„gleichschatten/'. An diesem Bankrott der deutschen Minderheiten-, der deutschen Volkspolitik hat H e n- 'lein nun s e in e n An t e i l, wie er ihn an den propagandistischen Erfolgen Hitlers hat. Man kann nicht zugleich die Gewalt verherrlichen, die Totalität predigen, alles auf die Karte des Krieges setzen und dabei an Gerechttgkcit, Friedlichkeit und Menschlichkeit appellieren. Nur eines von beiden Hjtser.Md,Ht"^sv.haben; an. das^chjvett.GchellseN, den Palmzweig in ihrer Hand nimmt niemand mehr ernst. Was für die deutschen Minderheiten gewonnen werden kann, das ist nur zu erringen durch die Bildung eines Kaders deutscher Demokratie im Rahmen der europäischen Völkergemeinschaft. Tschechische Sozialdemokraten für die Emigranten. Der Vorstand der tschechischen sozialdemokratischen Partei hielt Donnerstag eine Sitzung ab, in der auch über die vorbereiteten Maßnahmen der Regierung in Angelegenheit der reichsdeutschen und österreichischen Emigranten verhandelt wurde. Die tschechische sozialdewokra- tische Partei wird eine eigene Beratung einberufen, tri der über diese Frag« gesprochen werden wird,' Beratunsen bei Hodza über die Staatsangestelltenbezüge Prag. Ministerpräsident Dr. H o d j a hat für Samstag vormittags eine Beratung cinberu- fen, welche sich mit der Frage der Staatsange st rlltrndezüge besoffen soll. An der Beratung werden die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Staatsangestellten, die Klubobmänner der koalierten Parteien, das Präsidium des parlamentarischen Sparausschuffes und der Finanzminister trilnehmen. Die Beratung soll die Frage klarstellen, inwieweit die kürzlich in einer Denkschrift niedergelegte Forderung der Arbeitsgemeinschaft nach Liquidierung der Gehaltskürzungen noch für 1938 berücksichtigt«erden kann. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, daß das Budget für 1938 voll der Wahrheit entsprechen mutz und eventuelle Zugeständniffe an die Staatsangestellten daher noch in den Bndgetziffern zum Ausdruck kommen müffen. Es ist möglich, daß mit Rücksicht darauf die Vorlage des Budgets, die für den 3. November geplant war, sich noch etwas verzögert, bis die entsprechenden Korrekturen in den Personalausgaben durchgrführt sind. IN welchen deutschen Gemeinden wird gewählt? Prag. Die Liste der Gemeinden» in denen am 14. November gewählt wird» ist bereits offiziell verlautbart worden. Wir veröffentlichen daraus jene Gemeinden, die eine deutsche Mehrheit oder zumindest eine größere deutsche Minderheit aufweisen: Böhmen: Bez. Asch: Krugsreuth, Neuberg. Bez. Aussig: Predlitz, Wiklitz.■/ Bez. Bischoftemitz: Berg, Ronsperg, Zwingau, Blisowa. Bez. Böhm.-Kruma«: Kläden, Stritez, Chri- stianberg. Bez. Böhm.-Leipa: Niemes, Schwarzwald, Sabett. Bez. Brüx: Kopitz, Obernitz, Strimitz, Bruch, Hammer, Oberleutensdorf- Bez. BudweiS: Neudorf, Hodowitz. Bez. Deutsch-Brod: Höfen. Bez. Eger: Großloh, Watzkenreuth, Schoffen- reutlh, Ermesgrün, Seichenreuch, Zweifelsreuth. Bez. Elbogen: Poschitzau, Ziegelhütten, Cho» bau, Kösteldorf, Schönfeld. Bez. Falkena«: Zwodau. Bez. Gablonz: Albrechtsdorf, Hennersdorf. Bez. Hohenrlbe: Anseith, Nieder-Prausnitz. Bez. JoachimSthal: Marletzgrün. Bez. Kaaden: Jurau, Groß-Spinnelsdorf, Weiden. Bez. Karlsbad: Sodau, Espenthor. Bez. Klattau: Neuern, Hoslau, Flecken, Fuchs berg, Holletitz, Starlitz, Plötz, Heuhof. Bez. Komotau: Seestadt!, SebastianSberg, Görkau, Wurzmes, Komotau. Bez. Leitmeritz: Pttesen, Groß-Nucnitz, Polep, Grotz-Zernosek. Bez. Leitomischl: Lauterbach. Bez. Luditz: Täschwitz, Luditz, Radotin. Bez. Marienbad: Bad Königswarth, Einsiedl. Bez. Mies: Stadt Tuschkau, Chraniowitz, Listo wa, Lomitschka, Podmokl, Anischau, Wilkischen, Worhabschen, Stich. Bez. Neudek: Hirschenstand, BoigtSgrün.| Bez. RruhauS: ReuhauS. Bez. Reupaka: Ncdar, Mdach. Bez. Neustadt an der Mettan: Plaßnitz, Sche- diwy. Bez. Plan: Scheiben-Radifch, Heuigenkreuz, Konstantins bad, Lohm, Planes, Skupsch. Bez. Podrrsam: Woratschen, Lobeditz. Bez. Prachatitzr Haberles, Ober-Schneedorf, Guthausen, Böhm.-Röhren. Bez. Preßnitz: Preßnitz. Bez. Reichenberg: Kratzau, Ruppersdorf.* Bez. Saaz: Satkau. Bez. Schüttenhofen: Gaberle, Stachy, Schüttenhofen, Kundratitz,^Mochau, Stubestbach, Stadln, Ober-Teschau, Haidl. Bez. Senftenberg: Bielai, Riederdorf, Wöllsdorf. Bez. Starkenbach: Harrachsdorf, Rochlitz. Bez. Tachau: Pernartitz, Neu-Zedlitsch. Bez. TauS: Maxberg. Bez. Tepl: Zeberheisch, Hermannsdorf. Bez. Teplitz-Schönau: Kosten, Neustadt, Weis- kirchlih. Turn. Bez Telsche«: Steinschönau, Rieder-Falkenau, Hillemühl. Bez. Tkeboü: Ceske Vclenice, Zuggers, Erdweis. Mähren Schlesien: Bez. Freiwaldau: Jauernig, Saubsdorf, Weidenau, Alt-Rothwasser. Bez. Freudenthal: Wockendorf, Schreiberseifen. Bez. Jgla«: Jglau, Gostau. Bez. Mährisch Schönberg: Hannsdorf. Bez. Mährisch Weißkirchen: Hermsdorf, Pun- kendorf. Taub, Kunzendorf, Hermitz. Bez. Nikolsburg: Urspitz, Kuprowitz, Eisgrub. Bez. Troppa«: Markersdorf, Odrau, Troppau. Bez. Wagstadt: Tyrn. Bez. Znaim: Schaff«, Frain. Henlein In London Unter diesem Titel schreibt das»Ceste Slovo" unter anderem: ES klingt das wieder politisch, ja bedrohlich, tendeutschen Pattei erhebliches Aufsehen erregt. Schließlich ist vom Standpunkt der europäischen internationalen Politik den amtlichen englischen Persönlichkeiten der Besuch Henleins in London überhaupt nicht erwünscht... Den Engländern ist sehr gut bekannt, daß die französische. Regierung vor einiger Zeit energisch die deutsche Regierung darauf aufmerksam gemacht hat, daß jeder Eingriff. Deutschlands in die inneren Angelegenheiten der Tschechoslowa-. k e i zu einer augenblicklichen G eltend- m a ch u n g des tschechoslowafisch-ftanzösischen Paktes über gegenseitige Hilfe führt. Auch hierin müßten die Engländer, obwohl sie durch keine Ver-' träge gebunden sind, mit Frankreich im eigenen Jntereffe solidarisch sein... Die englische Presse nimmt zu HenleinS Besuch die gleiche Stellung ein. „NewsChronicle" schreibt in vier Zeilen, unter der Ueberschttft: Ein Nazist nach London, daß Henlein kommen werde.„Daily Herald" macht darauf aufmerksam, daß den Vortrag ursprünglich Rutha, HenleinS rechte Hand, hatte vortragen sollen, daß dieser aber wegen einer unpoliti- schen Tat und zusammen mtt 80 jungen Leuten aus der Heimatstadt Ruthas verhasttt worden sei. Und die sogenannten englischen Regierungsblätter schweigen bisher einfach über Henleins Besuch. Es wird interessant sein zu erfahren, warum sie dies tun." Sechzig Jahre tschechische Sozialdemokratie Die tschechoslowakische sozialdemokratische Arbeiterpattei begeht im nächsten Jahr das sechzigjährige Jubiläum ihrer Begründung. Dir Feiern, die damit im Zusammenhang stehen, werden am 4., 5. und 6. Juni 1938 in Prag stattfinden. Teilnehmen werden daran Bettreter der Sozialistischen Internationale, der sozialistischen Parteien des Auslandes, Gewerkschaften, Genossenschaften usw. Für die Veranstaltung dieser Feierlichkeiten wurde ein eigenes Komitee gewählt, zu dessen Vorsitzenden Direttor Veselh, zu dessen Geschäftsführer Redakteur Berger bestellt wurden. Die Feiern werden durch Umfang und Inhalt den üblichen Rahmen weit überragen. Ihr Hauptpunkt wird ein großes Manifestations-Umzug durch Prag am 5. Juni sein, bei dem man auf die Beteiligung von hunderttausenden Menschen rechnet. Im Zusammenhang mit der Feier wird auch eine Ausstellung der Geschichte der Partei und Patteipresse und eine Reihe von Propaganda-, Kunst-, Theater«, UnterhaltungS« und Sportunternehmungen veranstaltet werden. aber man muß betonen, daß der jetzige Besuch des FührerS der Sudttendeutschen Partei ein gewisser Rückzug ist vom Ruhm des englischen PropagandamattteS. Henlein hat sich einen sehr ungünstigen Augenblick zu der neuen Reise nach London ausgesucht. Einerseits haben die englischen Staatsmänner und Politiker heute andere Sorgen, als die, die die politischen Interessen der Sudetendeutschen Partei darstellen, da es ihnen nämlich um Ftteden öder Krieg im Mittelmeer geht, und dann — sagen wir es offen— je weniger Publizität heute die Sudetendeutsche Pattei in London gewinnt, desto besser für sie. London bettachttt nämlich die Sudeten« deutsche Pattei als eine polittsche Gruppe, die sich in einer ernsten inneren Krise befindet, abgesehen davon, daß das Verhältnis dieser Pattei zum Dritten Reich den Engländern nicht gefällt.... Die Tatsache, daß Rutha alle Funktionen in der Pattei niedergelegt hat(wie nach den Meldungen der englischen Presse Konrad Henlein vor seiner Abreise nach London erklärt hat), hat unter diesen einigen englischen Freunden der SudeFür die administrafive Zweiteilung der Slowakei. Schon seft der Einführung der Landesverwaltung in der Slowakei zeigt sich, wie die»Li« dove Noviny" berichten, die allzugroße Entfernung der.slowakischen Hauptstadt Preßburg- dein Zentrum heröfsentlichen'Verwaltung der Slowakei, von gewissen Gebieten des Landes. Um deck daraus entstehenden Bedürfnissen entgegenzukommen, wurde in Kaschau eine Expositur der slowa- kischen Landesbehörde errichtet, deren Kompetenz aber viel zu gering ist, um eine Rolle spielen zu können. Beide sozialistischen Parteien fordern nun Abhilfe. Die Nationalsozialisten verlangen die Erweiterung der Kompetenz der Kaschauer Expositur, die Sozialdemokraten haben sogar die Frage einer selbständigen ostslowakischen Landesvettre« tung in Kaschau aufgeworfen. Dies hätte eine Teilung her Slowakei in zwei administrative Hälften nach der Analogie der westlichen Hälfte des Staates zur Folge. Der Plan stößt aber, in der Slowakei auf Widerspruch, insbesondere die Agrarier stellen sich dagegen. L. Windprechtinger: 4 fi’fdiiihi’n aus dem illegalen Wien Kudlichs Wohnung bestand aus einer Wohnküche und einem Zimmer, die sie sich im Laufe der Zeit zweckmäßig und nett eingerichtet hatten. Der Mann hatte immer Arbeit gehabt. Das ermöglichte der Familie, sich gute Möbel anzuschaffen und die Frau hatte viel Geschick, die Wohnung zu einem behaglichen Heim zu gestalten. , Die beiden Beamten kannten die Wohnung und ihre Einrichtung schon zur Genüge. Sie gingen in die Schlafstube. Herr und Frau Kudlich stellten sich in den Türrahmen und sahen zu, wie die Betten durchsucht, die Kasten geöffnet, Stück um Stück der Wäsche und der Kleidung abgegriffen und wieder an seinen Platz gelegt, wie jede Lade geöffnet und jedes Blatt Papier besichtigt wurde. Kudlich hatte, wie so viele Wiener Arbei- tec, eine kleine Bibliothek. Jedes Buch wurde vom Regal genommen, untersucht und rasch durchgeblättert, ob es nicht selbst verboten sei oder illegale Druckschriften berge. Die Beamten waren sehr gewissenhaft und genau. Doch unterschied sich ihr Verhalten wesentlich und vorteilhaft von dem wüsten Toben und der vandalischen Zerstörungswut, die bei der ersten Hausdurchsuchung im Februar 1934 das Entsetzen der geängstigten Frau hervorgerufen hatte. Damals flogen Wäsche und Kleidungsstücke im bunten Durcheinander auf dem Boden, kein Einrichtungsgegenstand blieb an der gewohnten Stelle. Ohne Rücksicht auf die Unversehrtheit der bescheidenen Habe wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war, in der Wohnung nmhergeschleudert und blieb dott liegen» wo es hinfiel. Als die Kriminalbeamten damals die. Wohnung verließen, sah es aus, als ob eine wilde Kriegshorde nach goldenen Schätzen gesucht hätte. Mit jeder neuen.Heimsuchung" zivilisierte sich jedoch das Verhalten der Beamten und diesmal konnte es geradezu schon fürsorglich genannt werden. Mehr als hunderttausend Hausdurchsuchungen im Jahre 1934 und die nicht minder zahlreichen im Jahre 1938— und noch dazu viele immer wieder in den gleichen Wohnungen und bei denselben Personen— diese aufreibende Tätigkeit ging selbst den gehässigsten Beamten auf die Nerven und fühtte im allgemeinen zu umgänglicheren und zivilisierteren Formen im Bettehr der Kriminalbeamten mit Sachen und Menschen. Die Durchsuchung des Zimmers daurte kaum eine halbe Stunde und verlief ergebnislos. Als die Beamten in die Wohnküche zurückkehrten, um dort ihre Anttshandlung fortzusetzen, war das kleine Annerl verschwunden. Während die Beamten im Zimmer weilten und Vater und Mutter der Durchsuchung zusahen, hatte das Kind die illegalen Druckschriften aus dem Versteck, das es kannte, leise herausgenommen, in seine Schultasche gesteckt und sich, von niemandem bemerkt, aus der Küche entfernt. Das Kind wußte sehr genau, was dem Vater bevorstand, wenn die verbotenen Zeitungen in der Wohnung gefunden wurden. ES wollte aber um alles in der Welt nicht, daß der Vater wieder aut Monate in das Gefängnis kommen sollte und vielleicht die Mutter auch noch. Das durfte nicht geschehen. Und das kleine Annerl handelte entschlossen und klug wie ein erwachsener Mensch. Auch die Wohnküche durchstöberten die Beamten ziemlich rasch, machten kaum einen Blick in das nun leere Versteck und beendeten die Hausdurchsuchung. Der ältere der beiden Beamten legte ein Protokoll über die ergebnislos verlaufene Amtshandlung an und verlangte di« Unterschttft des Wohnungsinhabers. Da erinnerte sich der jüngere Beamte« daß bei seinem Eintritt in die Wohnung ein kleines Mädchen anwesend war, das er jetzt nicht sah. „Vorhin war Ihre Tochter da", ftagte er unvermittelt;„wo ist sie denn jetzt?" „Ja, i was net", sagte die Mutter, die mit ihrem Manne einen schnellen, verständnisvollen Blick gewechselt hatte, als sie bemerkte, daß sich das Kind entfernt hatte.„I hab gar net g'seh'n, daß der Fratz Weggängen is." „Wo kann sie denn sein"? stage der Beamte wieder. „Sie wird zu einer Freundin gangen sein", antwortete die Mutter. »Können Sie's net villeicht holen", fordette der Beamte die Mutter auf. „I wer-schaun, ob is find", sagte die Mutter und entfernte sich. Sie hatte keine Ahnung, wohin sich das Kind begeben hatte, aber sie ergriff die Gelegenhett, um die Zelle von der Hausdurchsuchung zu verständigen und zu warnen. Während die Frau ihre Wege machte, setzten die Beamten Kudlich zu: „Schaun S' Herr Kudlich", begann der ältere Beamte,„Sie san do so a fescha, intelli- genta Mann. WaS habn S' denn davon, daß Sie Jhna wegn einer verlorenen Sachn in aner Tour auf des Kommissariat zahn lass». Hörns do auf mit dera illegalen Arbeft, Sie habn jo eh nix davon." „Erstens Herr Jnspekta, arbeit i net ille« gal", erwiderte Kudlich in ruhigem, kühlen Ton. .Die Polizei hat mir bis heute noch nicht nachweisen können, daß ich illegal arbeite. Und zweitens, Herr Inspektor, nehmen S' zur Kenntnis, daß die Sache, zu der ich mich bekenne, no lang net verlor« is. Die Gesinnung is net verbot« und de kann unsereinem a kaner nehmen. I wer halt so lang auf's Kommissariat gehen, so lange es Naderer gibt, die der Polizei einredn, daß i mi illegal betätig und solang die Polizei dran glaubt". „Aber Herr Kudlich", unterbrach der ältere Beamte,„des kennan S' uns net darzähln, daß Se ein neugeborenes Waserl san. Jhna politischer Leumund genügt vollkommen. Do brauch» wir kane Konfidenten dazu. Aba des kann i Jhna scho sag«, daß Se wiederholt als der Zellenleiter vom 46. Haus angebn san wurn. Glaub» S', daß sie die Leit des aus'n Finaa zuzelt habn? I glaubs net. Und des können Sie mir a net ausreden". „I will Jhna nix aus- und nix einredn, Herr Jnspekta", antwortete mit unverändertem Gleichmut Franz Kudlich.„Aber auf der Polizei hot scho amol aner a Geständnis abglegt, daß er a Mörder is, und nachher hat si' heransgstellt, daß ers nur unter dem Druck der Verhörsmethoden gstanden hat, obwohl er gar net der Mörder war. Auf so a Gständnis legn Sie gewiß ka» Wert, Herr Inspektor. Da blamier« S' Ihne ja nur. Aber i wer Jhns was sagn: A Naderer lüagt Jhna des Blaue vom Himmel oba und zuzelt sie mehr Gschichtn aus« klan Finga als in Tausendundaner Nacht stehn, wann er si damit an Judaslohn vadiena kann. Des können Sie a net bestreiten. Is ja eh a Schänd', daß die beste Polizei der Welt nur auf Naderer angwiese» rs". „No, no, halten S' Jhna zruck, Herr Kudlich", fiel der Beamte Kudlich ins Wort. Mir manens Ihne do net schlecht. Sie habn.a Fra» und habn a Kind. Denen is bestimmt net recht, wenn Sie wieder auf a paar Monat in Hefn oder nach Wöllersdorf wandern. I mans Jhna nur guat, wenn i sag:<äänd weg von dera Butt». Es schaut nix als a paar Jahrln außa dabei für Jhna und Not und Elend für Jhna Familie". „I dank Jhna schön, Herr Jnspekter, für Jhnan gutn Rat", antwortete mit unerschütterlicher Ruhe Kudlich..I bin überzeugt, daß Sie das, was Sie sang, auch Wittlich glauben. Aber Sie täuschn Jhna in da Arbefterschaft, wenn Sie glaubn, daß ma sie mit solche Spindeln fang» icm«,^Fortsetzung solgtjj> Nr. 244 Samstag, 16. Oktober 1937 Se!t« S> Wichtige Fristen rar die Gemeindewahlen Die Gemeindewahlordnung enthält keineFristen für die Wahlaus- schreibung. Diese hat vielmehr so zu er* folgen, daß die Vorbereitungen zur Wahl rechtzeitig abgeschlossen werden können. Die Wahl ist im Amtsblatt, ferner durch vierzehn Tage an öffentlichen Plätzen und sonst in ortsüblicher Weise zu verlautbaren. Die Wahlausschreibung muß die wichtigsten Fristen enthalten. Die Fristen werden entweder vom Tage der Wahlausschreibung an gerechnet oder aber vom Werktage. Von der Ausschreibung an sind folgende Fristen zu berechnen: Auflegung der Wählerverzeichnisse durch vierzehn Tage. In Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern. binnen acht Tagen von der Auflegung der Wählerverzeichnisse kann die Ausfolgung von vervielfältigten Wählerverzeichnissen verlangt werden. Binnen weiteren acht Tagen sind die beiläufigen Herstellungskosten beim Gemeindevorsteher zu erlegen.' Vom Wahltage zurück sind folgende Fristen zu berechnen: Spätestens vierzehn Tage vor der Wahl— bis längstens 31. Oktober. Ueberreichungder Kandidatenlisten(bis 12 Uhr mittags). (Binnen drei Tagen-- bis längstens 3. November, ist die Ortswahlkommission zur Richtigstellung der Kandidatenlisten einzuberufen.)> Spätestens am zehnten Tage vor der Wahl■ 4. November, Ergänzung der Kandidatenliste, wenn ein Kandidat verzich tet, stirbt, die Wählbarkeit verliert oder gestrichen wird. Spätestens acht Tage vor der Wahl--- bis längstens 6. November, Verlautbarung der Wahl durch den Gemeindevorsteher. In allen lokalen, in welchen die Wählerverzeichnisse aufliegen, sind die Kandidatenlisten anzuschlagen. Neuerliche Auflegung der Wählerverzeichnisse bis zur vierzehnten Stimde des letzten Tages vor der Wahl. Anmeldung der Koppelung der Kandidatenlisten durch die Bevollmächtigten der Wahlgruppe beim Gemeindeamt. Namhaftmachung der Vertreter der Wahl gruppe in der Wahlkommission durch den Wahlbevollmächtigten. Spätestens am dritten Tage vor der Wahl 11. N o- v e m b e r. Zustellung der Wählerlegitimationen und Kandidatenlisten an die Wähler. SudettMieuistkeb fälswtäff Weltdemokratie im Kampfe Abgeordneter Jaksch vor den Bodenbacher Vertrauensleuten In einer förmlichen Massenversammlung von mehr als 300 politischen und gewerkschaftlichen Vertrauensleuten des Bodenbacher Zentrums sprach am Freitag, den 15. d. M. in der Volkshalle in Bodenbach Abgeordneter Jaksch über außenpolitische Fragen. Im Mittelpunkt seiner interessanten und fesselnden Ausführungen stand die Eröörterung der Achsenpolitik Rom— Berlin und He aktuelle Problemstellung im Mittelmeer. Die Demokratien seien in diesem Ringen weit stärker als es die taktischen Schachzüge der faschistischen Staaten erkennen lassen:'Das faschistische Erprefferkartell profitiert vorläufig davon, baß die demokratische Front Linen europäischen Krieg vermeiden will, solange noch ein Prozent Chance zur Rettung des europäischen Friedens besteht. Dabei soll nicht übersehen werden, daß die faschistischen Bundesgenossen nur im Negativen geeinigt sind. Wenn nach der Berliner Rede Mussolinis das Europa von morgen faschistisch sein soll, so könnte es nur einen faschistischen Diktator geben. Wer das sein würde, darüber scheint zwischen Mussolini und Hitler noch keine Uebereinstimmung zu bestehen. Das vorsichtige Lavieren der Westmächte in der Mittelmeerfrage und besonders in der Frage Spanien gibt über die realen Kräfteverhältnisse keinen Ausschluß. In London und Paris weiß man über die inneren Verhältnisse in den faschistischen Staaten hinreichend Bescheid. Deshalb hat man dort weniger Eile als Mussolini. Das blutige Grauen auf den Schlachtfeldern in Spanien und China hat dazu beigetragen, die moralischen Widerstandskräfte gegen den Weltfaschismus zu vervielfachen. Die Rede Roosevelts hat tatsächlich die Gefühle von neun Zehntel der Menschheit ver- dolmescht. Die praktische Mitarbeit Amerikas in der Friedensfront, die' sich damit anzukündigen scheint, wird das Ende der Weltwirtschaftsträume £e§ Faschismus bedeuten. Die Ausführungen des Abg. Jaksch wurden mit lautem Beifall entgegengenommen. Im weiteren Verlauf der Versammlung sprach Karl Kober über unseren Arbeitsplan in nächster Zeit. SdP beruft sich auf Hitler Der»Volksruf", das westböhmische Blatt der Henleinbewegung, veröffentlicht eine Rede, die Abg. W o l l n e r am Samstag in Königsberg a. d. Eger gehalten hat. In dieser Rede heißt es u. a.: „In den Reihen des Sudetendeutschtums werden wir für die Bewahrung unseres Bolkstei- les vor der Bolschewisierung eintreten und garantieren für die Sauberhaltung. Die Staatsleitung aber möge sich die Worte des Führers unseres mächtigen Nachbars immer gegenwärtig halten, daß Deutschland an seinen Grenzen keinen Bolschewismus dulden werde." Herr Wollner liefert also gewissermaßen eine V o r s ch u ßbegründung für ein Vorgehen gegen die Tschechoslowakei. Was Bolschewisierung ist, das bestimmt bekanntlich die Sudetendeussche Partei. Wenn man aber deren Weisungen in Prag nicht zur Kenntnis nimmt und das weiter duldet, was sie als Bolschewismus bezeichnet, dann wird der Ehrenkorporal eingreifen. So sagt Wollner. Soweit sind wir also schon gekommen, daß die Loyalen offen mit der ausländischen Intervention drohen! Henlein prahlt schon wieder mit „vertraulichen Verhandlungen** London.(Gig. 23er.) Die Londoner Presse nimmt von dem Besuch und dem Bortrafl Henleins kaum Notiz. Nur der«Daily Telegraph" bringt ein Interview, in dem Henlein sein Programm der Lösung der Minderheitenfrage und I Ausstellungen da und dort Die„Zeit" veröffentlicht jetzt Tag um Tag Enthüllungen Wer das„Kunstbabel" Prag. Ähr haben es vor allem die politischen Karikaturen auf der Mänes-Ausstellung angetan, die sie „Hetz"-Karikaturen nennt. Aber auch gegen den übrigen„Kulturbolschewismus" zieht sie zu Felde, der nach ihrer Meinung in der Ausstellung zu sehen ist. Tassächlich hat sie auf diesem Wege der Hetze und des Scharfmachens reichsdeutscher Stellen gegen die Ausstellung— die„Zeit" ist doch dem Dritten Reich verpflichtet!— dieEntfer- nung einiger Bilder erreicht. Es sei aber daran erinnert, daß es noch vor kurzem eine SdP-Ausstellung gab, in der ausländische Staatsmänner, und dazu noch solche, die mit der Tschechoslowakei verbündete Staaten repräsentieren, in der Welsten, ekelerregendsten Weise„karikiert"zu sehen waren. Es waren Karikaturen aus dem„I g e l", mit denen die Wände.behängt-waren,, und also besteht die Gewißheit, daß sie auch mit Kunst nicht das mindeste zu tun hatten. Vor allem hatten die Herren, die jetzt die Kultur-Gestapo des Dritten Reiches spielen, den damaligen französischen Ministerpräsidenten Leon Blum aufs Korn genommen. Damals gab es keine Polizei, die gegen die SdP-Ausstellung einschritt und kein auswärtiges Amt, das im Interesse der guten Beziehungen zu Frankreich die Entfernung der anstößigen Bilder veranlaßte! Offenbar hat die Kühnheit der SdP doch erreicht, daß ihre Ausstellungen als„Tabu" ebtrachtet werden, während sie Brief an den Zeibnieoel Verherrlichung des Faschismus auf der Bühne Am Donnerstag wurde im Teplitzer Stadttheater das Schauspiel„Alle gegen einen— einer für alle“ von Friedrich Forster aufgeführt. Das Urteil über den dichterischen Wert des 8tückes bleibe dem Fachreferenten vorbehalten. Hier aber ist mit aller Deutlichkeit die Frage zu stellen, aus welcher Auffassung heraus sich die Direktion des Teplitzer Theaters die Aufgabe zuweist, für eine Staatsform Propagandadienste zu leisten, deren politischer Inhalt der Kampf gegen die Demokratie ist. Friedrich Forster benützt einen Stoff aus der schwedischen Geschichte, um das totalitäre Führertum zu glorifizieren. Jedem Besucher wird eindeutig klar, daß die von den Dänen unterdrückten Schweden das Deutschland der Nachkriegszeit sind, und daß der Freiheitsheld Wasa „Ihn", den Gottnahen, den Erlöser, den„Führer", darstellen soll. Daß die„Sudetendeutsche Partei‘ das Stück gleich für zwei geschlossene Vorstellungen hat und den Besuch dieser Vorstellungen durch ihren Führer Konrad Henlein ankündigen läßt, wird auch den leisesten Zweifel daran zerstören, daß Forsters Stück eine Huldigung für die nationalsozialistische Diktatur bedeutet. Wir wiederholen darum die Frage, ob es zur Aufgabe einer sudetendeutschen Bühne gehören kann, einer solchen Huldigung Raum zu geben. Wir fügen die zweite Frage an, ob der Faschismus die gleiche Duldsamkeit auf brächte, wenn drüben ein Theater den Versuch wagen sollte, ein für demokratische Ideen werbendes, gegen die Diktatur gerichtetes Schauspiel auf die Bühne zu bringen f Wir stellen die dritte Frage:„Welche Rolle würden wohl die 8üdtiroler deutschen Bauern dem Faschismus in einem Freiheitsdrama zuteilen, das ihr Schicksal nach der Formel des schwedischen Befreiungskrieges darzustellen hättet Wo wäre in diesemDrama der Schauplatz für alle jene, die um ihrer Liebe zum Volke willen„geschändet",„gefoltert“ und„gemordet“ wurden f Und wir fragen, welches Urteil über die endliche„Freiheit" alle jene haben, die nicht mehr sprechen, schreiben, denken dürfen f gliedersperre unterstreicht, weil der Mitgliederstand unbefriedigend sei. Die Bei- tragslei st ungen bei der SdP seien„mehr als katastropha l". SdP-Kundgebung in f»plitz verboten Alle von der SdP für Sonntag, den 17. Oktober d. I. in Teplitz-Schönau angekündigten Umzüge sowie die Volksversammlung auf dem Rebellenflugplatz erfolgreich bombardiert Valencia. Rund 100 Regierungsflugzeuge unternahmen am Freitag einen Anflug auf den Aufständischen-Flugplatz in Garra Pinillas bei Saragossa, lieber 30 Flugzeuge der Aufstän- bischen, die sich auf dem Flugplätze befanden, wurden vernichtet. Gijon bombardiert Freitag bei Morgengrauen überflogen sieben Bomber der Ausständischen die Stadt Gijon und warfen rund 100 Bomben ab. DaS Bombar-! dement dauerte etwa eine halbe Stunde. Die tlufständischen-Flugzeuge flogen sehr niedrig und beschossen die Zivilbevölkerung auf den Straßen aus Maschinengewehren.! Die Zahl der Opser ist noch nicht bekannt. Die; Aufständischen-Flieger unternahmen dann nochI einen zweiten Angriff auf die Stadt, wobei sie zahlreiche Brandbomben abwarfen, die viele Brände hervorriefen. Madrid. Freitag früh wurde Madrid neuerlich von der Artillerie der Aufständischen beschossen. Bolle zwei Stunden hindurch schlugen die Geschosse in verschiedenen Bierleln der Haupt- siadt ein. Da die Beschießung in den frühen Morgenstunden vorgenommen wurde, erforderte sie nicht viel Opfer. Die böhmische Landesvertretung vertagte sich Freitag, nachdem sie das Kapitel„Handel und Gewerbe" erledigt hatte, bis zum Dienstag der kommenden Woche. Zu dem genannten Kapitel sprach u. a. Landesvertteter Wondrak-KarlSbad, aus dessen Rede wir morgen zurückkommen werden. der Aenderüng bzw. der Neu-Adaptierung der Verfassung darlegt. Er hält sicitz übrigens in allgemeinen Phrasen und Gemeinplätzen. Die Lösung der sudetendeutschen Frage in seinem Sinne werde für alle Minderheiten der Welt richtunggebend sein. Bis vor kurzem, erklärt Henlein, habe die Regierung ihn nicht zu Verhandlungen herangezogen. Neulich aber habe Ministerpräsident Hodza ihn eingeladen und rückhaltlos und vertraulich mit ihm die Wünsche der SdP und die politische Lage erörtert. Im Parlament würden nunmehr die Anträge der SdP diskutiert werden. Soweit der Londoner Bericht. Zu, dieser Prahlerei Henleins erfahren wir aus zuverlässiger Oizelle, daß Henlein bei Ministerpräsident Hodza nur einen Kondolenzbesuch nach dem Ableben des Präsidenten Masaryk abgestattet hat. Andere Besuche von SdP-Politikern dienten bekanntlich dem Zweck, eine Intervention zugunsten gewisser, von Verhaftung wegen Paragraph 129b bedrohten Parteifunktionäre herbeizuführen. Auch dies ist, wie die Verhaftungen beweisen, nicht gelungen. Mitteilungen aus dem Publikum. Ist Kerzenlicht wieder modern'? Die Bestätigung gibt uns wohl, am besten ein Blick in die Werkstätten für modernen Hausrat. Ueberall find Künstler damit beschäftigt, Leuchter auS Holz zu schnitzen, auS Porzellan zu brennen, aus Glas zu blasen, auS Metall zu treiben. In der Wohnung von heuie schätzt man neben den strahlenden Lichtquellen den traulichen Kerzenschein, der den angespannten Nerven Erholung gewährt und dem Tee trinkenden Bridgegast Ruhe und Sammlung schenkt. Solchen ruhigen, sanften Schimmer geben die seit Generationen beliebten Apollokerzen, die. niemals rußen, flackern oder tropfen.—81 sich mit Erfolg die Zensorenrolle Wer alle anderen Ausstellungen anmaßt. Jetzt hat man die Hitlerkarikaturen aus der Mänes entfernt. Bald wird die SdP, die durch den Mund des Herrn Wollner schon das antibolschewistische Eingreifen des Ehrenkorporals ankündigte, die Beseitigung aller Bilder verlangen, die sie als b o l s ch e w i st i s ch bezeichnet. Man sorgt ja dafür, daß die Kühnheit dieser Herren immer größer wird. Aufgelockerter Boden Der„Bolkswille" macht in einem Bericht über die derzeit durchgeführte Werbeaktion der DSAP im Karlsbader Bezirk folgende interessante Fessstellungen: „Während vor zwei Jahren noch sich der Kleinarbeit von Haus zu Haus gewisse Schwierigkeiten in den Weg stellten, was uns natürlich nicht veranlassen konnte, vor diesen Schwierigkeiten zurückzuschrecken, begegnen wir nunmehr einer freundlichen Aufnahme in den Reih'en der Indifferenten, nicht zuletzt aber auch bei irregeführten SdP-Leuten, die sich enttäuscht von dieser Partei abwenden. In nicht geringer Zahl befinden sich frühere SdP-Mitglieder in denVerzeich- nissen unserer neugewonnenen Mitglieder. Die Ereignisse der letzten Tage, die auf die SdP-Jugenderzieher ein so schlechtes Licht werfen, werden wiederum vielen wirklich anständigen und saWeren Menschen die Augen öffnen. Sie werden sich schon ihre Gedanken darWer machen, wie es in der Praxis bei dieser Partei bestellt ist". An anderer Stelle vermerkt der„Bolkswille", daß die SdP-Ortsgruppe Eger in Rund« jchreiben die Aufhebung der Mit» Katastralgebiet von Neudörfel bei Teplitz-Schönau wurden amtlich verboten. Massenexkursionen zum Besuch dieser Veranstaltungen könnten nicht zugelassen werden. Eine merkwürdige Geschichte. Bor einem Jahr kam es zwischen der Gendarmerie von Ko- stenblat und einigen Wilderern im Kostenblater Jagdrevier zu einer Schießerei. Nach dem Anruf der Gendarmerie eröffneten die Wilderer auf die Wachorgane das Feuer, das von ihnen erwidert wurde. Nach längerem Geplänkel sind die Wilderer verschwunden, ohne daß die Gendarmerie diesen Leuten auf die Spur gekommen wäre. Am Dienstag in den Abendstunden soll ein Gast in einer Schenke in Bilin von dieser Schießerei erzählt haben und noch am Abend wurde die Anzeige erstattet, so daß die Gendarmerie noch am Abend um halb 11 Uhr eine Hausdurchsuchung bei Apotheker T. und beim Sekretär S. des Ge- fällS-KontrollamteS vornahm. Beide wohlbekannten Personen von Dux, wurden gleichzeitig verhaftet und dem Bezirksgericht Bilin eingeliefert. Wie weit diese ganze Sache mit der Schießerei von KosteWlat und der Verhaftung dieser zwei Personen verquickt ist, konnte bis zur Stunde noch nicht festgestellt werden. Der parlamentarische SparauSschuß, der Präsident des Obersten RechnungskontrollamteS und das Präsidium der Wehrausschüfle der beiden Kammern der Nationalversammlung unternahmen in Begleitung des Nationalverteidigungsministers eine Besichtigung mehrerer Berteidi« gungsvorkehrungen. Seite 4 SamStag, 16. Oktober 1937 Rr. 244 Sammslpaü gefälsrht— vier Monate unbedingt Die zahlreichen Wanderfahrten nach Dresden und andere Orte Deutschlands fanden am Mitt» woch d. W. beim KreiSgericht in Leitmeritz ein für den Organisator. I. P. aus Tetschen, recht peinliches Zwischenspiel. Im Juli d. I. hatte die staatliche Polizeibehörde für eine Reise nach Dresden einen Sammelpaß ausgestellt, der die Namen von 174 Personen umfaßte. Die Reise erfolgte ab Bodenbach am 24. Juli. Es fuhren aber nicht 174, sondern über 500 Personen und das fiel natürlich bei der Paßkontrolle auf. Die Untersuchung ergab, daß der gemeldeten Liste weitere Listen angehängt worden waren, ohne daß die staatliche Polizeibehörde davon verständigt worden war. Das Gericht erblickte in dieser Manipulation den Tatbestand einer Patzfälschung und verurteilte I. P. zu vierMonatenschwe- renKerkers— unbedingt. Die„Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit“ hielt am 14. d. M. in Prag ihr« Hauptversammlung ab. Der Gesundheitsminister Dr. Czech war durch Ministerialrat Doz. Dr. Gruschka, daS StaatSgesundheitSamt durch Reg.» Rat Dr. Ottawa vertreten. Für die deutschen Sozialdemokraten war Abg. K ö g l e r, für den BdL Toni Köhler erschienen. Im Laufe der Tätigkeitsberichte wurde eine erschreckendes AnsteigenderHerzkrankheiten festgestellt. Die Herzkrankheiten stehen derzeit mit 35.000 Todesfällen im Jahre 1935 an erster Stelle. Dagegen ist die Tuberkulose etwas zurückgegangen und ergab 19.000 Todesfälle. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit besteht derzeit aus 47 Körperschaften. Die Absicht dieser Institution ist jetzt nicht so sehr darauf gerichtet. Zweigvereine zu errichten, als vielmehr Zweigstellen der deutschen Tuberkulosenfürsorge in allen deutschen Bezirken. Eigene Bezirksstellen werden nur von Fall zu Fall, dort, wo besondere Umstände es erfordern, errichtet werden. Volk und Führung. Herrn Henleins»Zeit* bringt in ihrer gestrigen Nummer eine große Reklame-Ankündigung der neuesten Nummer von „B olk undFührun g", der„führenden politischen Monatsschrift der größten deutschen Volksgruppe*. Das Volk wird sich gewiß freuen, dort zu lesen, daß Herausgeber dieser Zeitschrift nach wie vor jener Walter Rohn ist, besten„Führung" ihn derzeit zusammen mit Rutha vor Gericht gebracht hat. Gegen Einstellung der Personenbeförderung auf der Elbe. Ab 10. d. M. wurde auf der Elbe die gesamte Personenbeförderung eingestellt. Gegen diese Maßnahme hat sich nun die an dieser Beförderung interessierte Oeffentlichkeit ausgesprochen, da für diese vorzeitige Einstellung keine Gründe vorlägen. Tod im Schacht. 8m Unionschacht bei Klostergrab wurde der 52jährig« Feuerwächter Josef Renner aus Klostergrab von niedergehenden Kohlen verschüttet. Er erlag bald nach dör Bergung seinen schweren Verletzungen. Aus der Atus-Unlon Aktivitätswettbcwerb im KreiS Westböhmen. Um das Können der Turnspielmannschaften zu steigern und die Zahl der ausübenden Mannschaften zu verstärken, hat der KreiS Westböhmen einen Aktivitätswettbewerb ausgeschrieben, welcher jetzt in seinem ersten Teile beendet ist. In allen Bezirken hatten die teilnehmenden Vereine mit allen ihren Abteilungen für Männer, Frauen, Jugend und Kinder zu den Spielen anzutreten. Die Wertung erfolgte nach der Zahl der antretenden Mannschaften in allen Kategorien. Der Bezirk Reusattl-Elbogen brachte 15 Vereine mit 35 Mannschaften an den Start und führt damit in dem Wettbewerb. Ihm folgt der Bezirk Karlsbad, welcher aus acht Vereinen 80 Mannschaften stellig geinacht hatte. Dieser Wettbewerb wird im Frühjahr für alle Sportgebiete fortgesetzt werden. Techntkerkonserrnz im Kreise Elbetal, Riederland. Am 9. und 10. Oktober traten in Bodenbach die Techniker des 2. Kreises zu ihrer Haupttagung zusammen. In breiter Form wurden die Arbeiten für daS Jahr 1938 erstellt, und beschlosten, die einzige Verbandsveranstaltung im Jahre 1938— die Union-Radballmeisterschaft— welche in diesem KreiSgebiete stattfinden wird, am 6. und 7. Augrist in Aussig durchzuführen. An diesen Tagen wird auch das 2. Kreiszeltlager für die Union-Jugend abgehalten. Auf viele Anfrage« wird mitgeteilt, daß die Materialsammlung für eine Kinderweihnachtsfeier enthalten wird: Ein Spiel in drei Bildern„Weih- nachtszauber", zwei Prologe, eine ganze Reihe ern- sterun d heiterer Szenen und Rezitationen, Lieder aus dem Kinderleben und eine Redeanleitung. Alle Bestellungen find sofort zu richten an: Union, Auffig a. E.. Bahnhofsplatz 1. mit 5.—- Kc in Briefmarken für ein Exemplar und KL 2.50 für jedes weitere Exemplar. DaS„Prager MontagSblatt" schrieb in seinem Bericht von der HDW-Tagung in Bodenbach, daß neben den Vertretern der D.T.»Vereine auch ein Vertreter deS AtuS-GraSlitz anwesend war. Hiezu stellen wir richtig, daß es sich hiebei nicht um den Union-Verein„AtuS Graslitz" handelt, sondern um den bürgerlichen Sportverein GraSlitz, welcher sich abgekürzt„Artus" nennt. StabskapltSn Tesar als Zeuse im Velso*ProzeB Ncu-Titschein. Am neunten Tage des Prozesses gegen Marie Belgo wurde die Verlesung deS Protokoll es fortgesetzt, die mit Marie Belgo und Wenzel Cernh auf der Polizei und bei Gericht ausgenommen worden waren. Die Zahl der Protokolle ist groß. Bei Eröffnung der Verhandlung um 9 Uhr teilte der Vorsitzende Dr. Stibinger mit, daß sich bei ihm Freitag früh der 37 Jahre alte Stabskapitän Josef Tesar aus Prag eingefunden und ihn ersucht habe, ihn als Zeugen em- zuvernehmen. Nach einer kurzen Beratung wurde Stabskapitän Tesar vorgeladen. Der Zeuge sagte im wesentlichen, er sei aus eigenem Willen im Interesse der Wahrheit und auch im Interesse seiner Ehre gekommen. Mit der Belgo habe er seit dem Jahre 1934 keine Beziehungen unterhalten, nur einmal, und zwar im August des Jahres 1985» habe er in Groß-Meseritsch kurz mit ihr gesprochen. Bei der Einvernahme des Stabskapitäns Tesak kam eS zwischen der Verteidigung und dem Vertreter der Privatbeteiligten zu einem heftigen Meinungsaustausch. Der Vorsitzende mutzte die Ordnung wiederherstellen. Bei dem Abgang des Zeugen brach die Belgo in Tränen aus und die Verhandlung mußte auf eine Viertelstunde unterbrochen werden. Dann wurde die Verlesung der Prowkolle fortgesetzt. In einem der Protokolle führte Eernh an, die Belgo habe ihm bei den Spaziergängen ost erzählt, sie habe Romane gelesen, in denen über die Beseitigung des Mannes durch die eigene Frau geschrieben wurde. In einem anderen Protokoll wieder fügt Eernh hinzu, daß sich alle Gespräche mit der Belgo um die gewaltsame Beseitigung des Gerichtsrates Belgo gedreht haben.— Es wurde auch das Gutachten der Aerzt« Mer den Geisteszustand EernhS verlesen, bei dem sich nach einem Selbstmordversuch Anzeichen von Blödheit bemerkbar machten. Die Aktenverlesung wird noch am Samstag fortgesetzt werden. Greta Garbo als„Geliebte Napoleons*'' Wieder etwas aus dem kommunistischen Schatzkästlein Wir haben vor einigen Tagen den Bericht über eine schweizerische Militärparade zitiert, die in der„Freiheit", dem Zentralorgan der kommunistischen Partei der Schweiz veröffent-: licht war.' Da hieß es: „Unter den Klängen des Berner Marsches ritten Bundesrat Minger und Oberstkorpskommandant Prisi über das Defilier- I feld und faßten hoch zu Roß Posten vor der Sitztribüne der offiziellen Gäste. Mit wehenden Fahnen, tadellos in Zwölferkolonnen ausgerichtet, im fließenden Marsch-! s ch ri t t, Bataillon an Bataillon, Regiment an! Regiment, unter den Klängen beschwingter! Defiliermärsche. Die Jungen, die Söhne de SVolkes, die Zukunft des Landes... Wieder Raketen, und wieder ein anderes Bild. Die Kavallerie hat viel an militärischer Bedeutung eingebüßt, aber für das Auge, für die Schaustellung übertrifft sie alle anderen Waffengattungen an Farbe, Glanz und B e w egu n g. Vom gemessenen Trab in gestreckten Galopp übergehend, in dichten, beweglichen Reihen. So stampfen sie vor bei, Mann und Rotz zu einer Einheit auf Leben und Tod wie aus Erz gegossen, umjubelt von den Zivilisten, denen dieser Vor« beiritt den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen haben dürste... Ein Volk in Waffen, mit dem Einsatz des Letzten bereit, zu schaffen, zu kämpfen, zu opfern und zu bluten für Freiheit und Unabhängigkeit. Was es ererbt von seinen Vätern, es will eS erhalten für seine Nachkommen. Volk und Armee eine Einheit in der Gleichheit: Freiheit und Vaterland der höchste Ausdruck schweizerischer Nation. Einer für alle, alle für einen! Das zu erhalten, das zu fördern und auszugestalten, dafür wirken auch dieKommunisten, ob im Bürgerkleid oder in der Uniform deS Wehrmannes". Die Prager„Rote Fahne" schrieb am 31. Jänner 1935, an dem sich die„bürgerliche Demokratie" als„Hauptstütze" der Politik des Faschismus schon„abgenützt" hatte: Hurra l Der„Sozialdemokrat" hat etwas triumphierend zu melden: Wiederum ist eine Bruderpartei, die„Militärkre« Lite bisher grundsätzlich ablehnte", von diesem starren Prinzip abgegangen. Die schweizerische Sozialdemokratie hat beschlossen, daß sie„jetzt für die Bedürfnisse der Landesverteidigung unter gewissen Vorbehalten stimmen wird". Natürlich Vorbehalte, so ganz frischweg geht daS natürlich nicht gleich wie in der Tschechoslowakei, wo man schon keine Vorbehalte mehr kennt. Und sie hat erklärt, die schweizerische Sozialdemokratie, datz sie„die Armee als Werkzeug der herrschenden Kläffen ab- lehnte". DaS wird diesen gewaltig imponieren, wenn die Verweigerung jener Kredite,' die„dem demokratischen Verteidigungszweck zuwiderlaufen". Hoffentlich wird die schweizerische Bourgeoisie die Militärkredite diesbezüglich genau bezeichnen und getrennt anführen: diese Kanone ist als„Werkzeug", diese zu„demokratischen Ver- teidigungSzwecken" bestimmt. Man kann die Kanonen. Flinten ujw. auch dementsprechend abstempeln. Oder die Regimenter demenffprechend bezeichnen. Damit man den Sozialdemokraten die Stellungnahme erleichtere. Sitzen die gleichen„T r o tz k i st e n", die das geschrieben haben, eigentlich nach immer in der„Roten Fahne"? Der mutmaßliche Gendarmenmörder Brakes verhaftet. Am Donnerstag abends gelang es endlich der Gendarmerie den Räuber Cyril P r o k e 4, der fest 3. Oktober verfolgt wird, zu verhaften. Am 3. Oktober wurde bei Kkenowitz der Gendar- mcriewachtmeister Jarofl. Lätal ermordet. Der Verdacht fiel damals auf Prokes, nach dem sofort die Nachforschungen eingeleitet wurden. Diese Nachforschungen, die in Brünn uiid in allen mährischen Bezirken gepflogen wurden, blieben erfolglos und Prokes gelang eS immer, im letzten Augenblick zu entwischen. Mittwoch Wurde er in Südmähren erblickt und bei seiner Verfolgung gab es eine Schießerei. Prokes gelang es aber wieder, zu entkommen. Endlich aber wurde er doch anv Donnerstag abends bei Mähr. Kromau ausge-■ forscht und verhaftet. Prokes, der bewaffnet war, hatte die Verfolgung sehr hergenommen, sodaß er vollkommen entkräftet war. Er wurde nach Znaim gebracht, wo er verhört wird. Er hat mehrere Straftaten auf dem Gewissen, am wichtigsten aber ist, ob er tatsächlich der Mörder des Gendarmeriewachtmeisters Lätal ist oder nicht. Fluglehrer tödlich abgestürzt.(Bom Min. f. Nat.-Ber.) Freitag früh Mte«ine dreigliedrige Jagdflugzeug-Staffel der Militär-Fliegerschul- Gruppenflüge. Im Raume von Nämesk unweit der Gemeinde LouLany westlich von Olmütz stießen zwei der übenden Maschinen zusammen, welche von dem Fluglehrer Rottmeister Miloslav K o- l o c und dem Pilot-Schüler Leutnant Wilhelm G ö t h gesteuert wurden. Beide Flugzeuge wurden dabei beschädigt und stürzten ab. Leutnant Göth benützte den Fallschirm und rettete sich dadurch, Rottmeister Koloc, der bei dem Zusammenstoß verletzt wurde, blieb im Flugzeug und kam ums Leben. Rottmeister Koloc stammte aus Batov bei Münchengrätz, war 33 Jahre alt und seft dem Jahre 1930 Fluglehrer. Die Fra« aus dem Fenster geworfen. DaS Wiener Schwurgericht verurteilte Freitag nachmittags Franz Bittermann, der im Mai d. I. in mörderischer Absicht seine Frau aus dem Fenster der Wohnung im dritten Stock geschleudert und so ihren Tod verschuldet hat, zum Tode durch den Strang. Gegen einen Baum gefahren. Auf der Sttaße unweit von Dijon stieß ein Autobus gegen einen Baum, wobei drei Personen getötet und acht Personen verletzt wurden. Uniformierung der Bauernhäuser. DaS bulgarische Landwirtschaftsministerium studiett das Problem einheitlicher Bauernwohnhäuser. Diese Häuser werden ein einheitliches äußeres Aussehen und eine einheitliche innere Einrichtung im Zusammenhänge mit den klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnissen der einzelnen bulgarischen Gegenden haben. Reichsminister a. D. Dr. Bernhard Derntnrg ist im 73. Lebensjahre Freitag in Berlin gestorben. Dernburg war von 1907 bis 1910 Staatssekretär im Reichskolonialamte, im Jahre 1919 war Dernburg Mitglied der Nationalversammlung in Weimar und anschließend des Reichstages als Mitglied der demokratischen Pattei, nachdem er bereüs 1919 Reichsfinanzminister und Vizepräsident deS Reichs- Finanzministeriums geworden war. Geheime Fkugzeug-Konftrnttion-Pläne sind aus dem Büro der bttttschen Parnell-Flugwette bei London abhanden gekommen. Die Firma arbeitet seit dem Jahre 1985 als Luftschiffkonftrukteur und -Erbauer für daS britische Flugminiftettum und hat für dieses Aufträge, die die Wette für mehrere In dem neuen amerikanischen film„The Conquest” stellt Greta Garbo die Gräfin Walewska, die Geliebte Napoleons, dar. Jahre beschäftigen. Die britische Staatspolizei und das Flugminiftettum sind gegenwärtig mü der Untersuchung des Falles beschäftigt. Tagreveille mechanisch. Die Trompeter der amerikanischen Luftfahrtruppen freuen sich. Bisher mutzten sie als die ersten auf und um 5 Uhr morgens durch ihren Weckruf die anderen heraustrei« ben. Jetzt hat man Schallplatte« davon hergestellt, zur festgesetzten Zeit wirif automatisch die Reveille eingeschaltet und ertönt hell aus den Lautsprechern. Die Trompeter brauchen nicht mehr früher aufzu« stehen,(bn) Postdienst am 1. November 1937. Am 1. November 1937 wird- stn Post-, Telegraphen- und Telephonbetrieb Dienst wie an Feiettagen sein. Die Post wird an diesem Tage sowohl im Otts-, als auch im auswärtigen ZustellungSbezitt zugestellt wetten. Unbeständiges Wetter. Ja Mitteleuropa herrschte Freitag unter dem Einfluß einer seichten Störung über Dänematt unfreundliches Wetter mit zeitweisen Schauern vor. Mit Rücksicht darauf, datz sich sowohl über dem Osten, als auch über dem Westen des Erdteiles mächtige Hochdruckgebiete erstrtt- ken, ändett daS Schlechtwettergebiet über dem Binnenlande seine Lage nur sehr umoesentlich. Der gesamte WitterungScharatter dürfte daher noch u n- be ständig bleiben. Wahrscheinliches WetterSamStag: Noch beträchtliche Bewölkung, im ganzen jedoch Witter etwas verringerte Regenneigung. Temperaturen ohne größere Aende« rung. Wetteraussichten fürSonn« tag: Bei vorwiegend östlichem Winde unbeständig, verschittentlich Schauer, mäßig warm. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen» Sonntag: Prag, Sender I: 8: Konzert aus Karlsbad: Nedbal, Max Bruch etc. 9.50: Muziks Salonquartett: Grieg, Humperdinck, 12.20: Popul. Orchesterkonzert: Offenbach, Johann Sttautz, 14.20: Deutsche Arbeitersendung: Josef Laut, Prag: Grenzen der Propaganda, 15.45: Verdi: Rigoletto. Schallplatten. 17.35: Deutsche Sendung: Uttertragung aus Komotau: Deutsche Komponisten aus Böhmen. 18.50: Deutsche Presse. 22.80: Sinfonische- Schall- Plattenkonzert.— Prag, Sender II: 14.30: Deutsche Arbeitersendung: Für Volk und Fritten, 14.85: .Lenz", Rundfunkspiel nach Büchners Novelle.—* Brünn 17.35: Deutsche Sendung: Dr. Festa: Nationen und Probleme de- DonaubeckenS,— Rundfunkorchesterkonzert, 20.10: Liederkonzert.— Preßburg 19.10: Rundfunkorchesterkonzert. Das„Hudcepadc u-Flugzeug In Rochester(England) wurde dieses neue Riesen-Doppel-Flugboot zu Wasser gelassen. Auf dem Rumpf der unteren Maschine ist die obere Maschine so befestigt, daß ein Statt der oberen Maschine während des Fluges möglich ist. Diese neue Kombinafion soll im Transatlantik« verkehr Verwendung finden. «r.»44 Samstag, IS. Oktober 1937 Sekte 5 Der Arbeitsmarkt in Nordböhmen Arbeitslosenzahl zum erstenmal unter dem Stand von 1931 Nach dem Bericht der Reichenberger Landeszentrale in Reichenberg(der 45 zum größten Teil in deutschen Bezirken liegende Bezirksanstalten unterstehen), betrug die Zahl der Arbeitslosen in ihrem Gebiet am 31. August.., 89.031 am 30. September, 88.098, wodurch wahrscheinlich die niedrigste statistisch erfaßte Zahl im heurigen Jahr erreicht wurde. Der Rückgang im September ist zwar geringfügig, mit 933 aber verhältnismäßig hoch, wenn man berücksichtigt, daß der Gesamtrückgang in Böhmen in der gleichen Zeit 1208 betrug. Vorübergehend wird im Oktober die Rübenernte stel- lenweife weitere Erleichterungen bringen, andererseits ist wieder mit dem Nachlassen anderer Saisonarbeiten als mit einer nicht vermeidbaren Tatsache zu rechnen, so daß der Oktober keinen weiteren Rückgang mehr bringen dürfte. Bemerkenswert ist es, daß die Arbeitslosenziffer vom 30. September zum erstenmal unter dem Stand sst, der in dem Vergleichsmonat des Jahres 1931 ausgewiesen wurde. Die Arbeitslosenzahl ist kleiner gegenüber 1931 um gegenüber 1932 um gegenüber 1933 um gegenüber 1934 um gegenüber 1938 um gegenüber 1936 um 3.212 60.911 68.248 67.212 67.274 42.588 Die 46 Anstalten des Reichenberger Sprengels weisen im September infolge der Hopfenpflücke eine weit über dem Durchschnitt liegende Zahl von erzielten Vermittlungen aus. Bon den 66.803 Vermittlungen entfallen 46.971 auf Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Pflücke. Naturgemäß erzielten die meisten Vermittlungen die im Hopfengebiet liegenden Bezirksanstalten. Bon den Be- rufsgruppen folgen den landwirtschaftlichen Arbeitern: Bauarbeiter(3899 Vermittlungen), Hilfsarbeiter(3460), Tagarbeiter(2280), Textilarbeiter(2268), Haushaltungspersonal(996) und Metallarbeiter(919). In den andern Berufen ist die Zahl der Vermittlungen kleiner. Eine Uebersicht über die Entwicklung in den wichtigsten Gruppen zeigt die nachstehende Uebersicht: Landwirtschaft 3.930 Bergbau... 3.599 ••«aas 1.871 Glas,.... 19.509 Metall.«,. 9.462 Maschinen..» 2.514 Holz...... 4.654 Textil..... 25.450 Bekleidung... 3.600 Baugewerbe.. 9.195 Hilfsarbeiter 19.991 Angestellte'., 3.932 Taglöhner... 10.082 Haushalt... 8.156 Lehrlinge..■ 486 2.774 1.251 1.193 3.147 1.709 1.822 1.190 809 760 11.393 6.449 6.646 6.748 3.590 3.610 2.045 820 864 4.418 2.522 2.687 16.143 11.552 11.709 8.185 2.027 2.110 9.766 5.129 4.914 16.390 6.704 7.067 4.345 3.608 3.714 7.856 3.906 3.654 2.839 2.017 2.090 1.153 720 855 Den Staatszuschuß zur Unterstützung Arbeitsloser erhielten im September 15.865 gänzlich und 10.670 teilweise Arbeitslose. Zur Bekämpfung der Arbeitslosissteit trugen auch die staatlichen Notstand?« und Jnvestitionsarbeiten bei; es handelte sich um 266 Arbeiten, bei welchen 6891 Personen Beschäftigung hatten. Neue Bleiglasfabrik Die im Besitz e*t Stadt Haida stehende Fachschulhütte wird nach dreijährigem Stillstand demnächst wieder in Betrieb gesetzt werden. Der neue Pächter des Objektes ist die Glasraffineriefirma Brüder Siepänek in Haida. Diese wird.in der Fachschulhütte die Erzeugung von Bleiglas anfnehmen, das ein sehr gangbarer Artikel ist und bisher noch in keiner der vielen Glashütten des Haida-Dteinschönauer Gebietes hergestellt wurde. Das meiste Bleiglas, das in den Haida-Steinschö- nauer Werkstätten verarbeitet wird, bezog man bisher von der Firma Jnwald. Für die nordböhmische Glasindustrie ist in dieser Hinsicht die neue Bleiglaserzeugung in Haida zweifellos vorteilhaft. Bemerkenswert ist aber auch, daß damit in« nerhalb kurzer Zeit der fünfte Glashüttenbetriob im Haida-Steinschönauer Gebiet in tschechische Hände übergeht.(DND),• Die Handelslage In Oesterreich Einem Bericht des Konjunkturforschungsinstitutes in Bien entnehmen wir Folgendes: »Wenn auf handelspolitischem Gebiete keine ener- gssche Revision der bisherigen Politik eintritt, dann wäre" durch sie nicht nur der Wirtschaftsaufstieg in Oesterreich verlangsamt, sondern es würde sich auch eine geringe Abschwächung der Weltkonjunktur in Oesterreich sofort auszuwirken be ginnen. Daß trotz der verhältnismäßig schwierigen Preislage Oesterreichs eine stetige Vergrößerung des Außenhandelsvolumens möglich war, ist nicht nur auf die verhältnismäßige Freizügigkeit im österreichischen Zahlungsverkehr, sondern zum großen Teil auch darauf zurückzuführen, daß viele Aufträge, die in anderen Staaten infolge vollkommener Ausnutzung der Produktionskapazität nur mit sehr. langen Lieferftisten hätten ausgeführt werden können, in Oesterreich placiert wurden. Fällt dieses Moment weg, was schon bei einer geringen ausländischen Konjunkturabschwächung der Fall sein kann, dann könnte dieser Rückschlag in Oesterreich in kurzer Zeit fühlbar werden." Die Rohstoff-Weltproduktion Wenn auch der Ausstieg der Rohstoff-Weltproduktion in den letzten Wochen nicht mehr einheitlich verlief und vereinzelt Rückschläge zu verzeichnen sind, so ist ihr Stand doch wesentlich höher als in den vorangegangenen Jahren. So ergibt ein Vergleich der Weltproduktioü für die ersten sechs bzw. acht Monate der Jahre 1935 und 1937 folgendes Bild(in Millionen Tonnen): 1935 1937 Rohöl 107.9 134.2 Roheisen 83.8 50.2 Rohstahl 45:9 68.5 Kupfer 1.0 1.5 Blei 1.0 1.2 Zink 0.96 1.2 Zinn 0,08 0.13 Weißblech 1.9 2.5 Auch die Weltproduktion von Gold, die in den er- sten sechs Monaten 1935 14.7 Millionen Unzen betrug, ist auf 18.6 Millionen Unzen gestiegen. Der gesteigerten Rohstoffproduktion entspricht auch ZEIGT PRAG—'PftiKOPY 27— I. STOCK TÄGLICH VON 4-5(MODENSCHAU). HüM- Meidet W< v. 7 I -7,.■ E der wesentlich höhere Bedarf. Erst die letzter) Wochen haben einen gewissen Stillstand des Aufschwungs und der Berbrauchszunahme gebracht. Man erhält für KC 100 Reichsmark 633.— Markmilsszen....» 705.— 100 österreichische Schilling.. 526.50 100 rumänische Lei..... 16.40 100 polnische Zloty..... 515.50 100 ungarische Pengö..■» 558.50 100 Schweizer Franken... 654.50 100 französische Francs.,. 96.20 1 englisches Pfund..,» 140.50 1 amerikanischer Dollar.,. 28.50 100 italienische Lire..,. 119.40 100 holländische Gulden... 1575.— 100 jugoslawische Dinare... 60.30 100 Brlzas.’. 479,— 100 dänische Kronen.,,, 628.— 100 schwedische Kronen-«.. 726.—- Clark Gable in seinem Irland. Film AUTO Skoda übertevgee Sie sieb selbst von der Qua htttt der Skodawagea! Informieren Sie sich bei den Ton« senden Besitzern von Skodaauios I' Worden Sie salbet Skedata hrerl Cho«eien Stege in betatschen und duriändischon Konkurrenten. die Fernfahrt des Skodateams nach Indien, die Reise um die Wett in 97 Tagen, die Fahrt durch das unwegsame Innere Mexikos und die Expedition quer durch Äquatorial* Airi- ka. beweisen die Qualität und VMänkhkdl der Skodawagen. Viele erste Preise tn den-Concours d dtegance zu Scheweningen. Budapest Agram. Luhado*V ce. PleMany. Brünnaiw.dokumentieren ihre Deganz. Die führende Stellung im Inlandsabsatt, und der stets steigende Export zeugen für ihre Beliebtheit Beredte Tatsachen, art denen man nicht varübergehen kann! Besuchen sie in der Zeil von TB.bis 24. Oktober den Ausstellungsstand SKODA em Frager Autosalon. Gerne führen wir Ihnen alle uneoro Neuer nagen not Ausland Die Bekämpfung der aufftändische« Waziristaner in der indischen Nordwestprovinz kostet Großbritannien täglich 7500 Pfund Sterling oder rund 1.2 Millionen KL. 35.000 britische und indische Truppen sind in diesen Kämpfen eingesetzt worden. Bisher wurden 221 Mann auf der Regierungsseite und 700 Mann der Aufständischen getötet; über 600 Mann brftischer Truppen und 500 Aufständische wurden verwundet. Millionenstrafe wegen Presse-Verleumdung London.(Eig. Bericht.) Der Prozeß, den der Herausgeber des„Daily Telegraph" gegen den Redakteur der faschistischen Zeitung„Action" wegen Verleumdung angestrent ha.t endete Freitagg mit der Verurteilung des angeklagten Faschisten zu nicht weniger al 20.000 Pfund(zwei-, einsalb Millionen Kö) Strafe. Da der Verurteilte vermögenslos ist, wird das Urteil allerdings kaum vollstreckt werden können. Die Geschworenen haben alle Schulfragen bejahrt. Dänische Jungsozialistrn in Grstapohast Zwei Kopenhagener sozialdemokratische Jugendliche, PoulJensen, 20 Jahre alt, und BärgeHansen, 25 Jahre, beide arbeitslos, hatten im September eine Wanderung nach Paris angetreten. In Köln erkrankte Hansen an«inern Fußleiden. Während er im Krankenhaus einwandfrei behandelt und auch ziemlich gut verpflegt wurde, hatte eS sein Kamerad im Lehrlingsheim nicht schlechter. So haben sie an Eltern und Freunde mach Hause berichtet. Von Paris wollten sie auf einem Frachffchiff über Le Havre heimkehren, fanden aber keine Möglichkeit dazu und marschierten wieder über Deutschland. An der holländischen Grenze wurden sie wegen Hochverrat,. begangen angeblich durch Besitz kommunistischer Flugblätter, am 28. September verhaftet und nach Bremen geschafft. Erst am 4, Oktober konnte der dänische Konsul mit ihnen sprechen. Inzwischen find die Akten an die Gestapo nach Berlin gegangen. Der Konsul in Bremen«rflärte dem Kopenhagener„Socialdemokraten" auf des« fest telephonische Anfrage, er glaube nicht, daß dje beiden Jugendlichen schuldig der ihnen zur Last gelegten ,Llat" seien. Allerdings hatten sie ein Empfehlungsschreiben des dänischen Jugendfüh- rers und Vorsitzenden der Sozialfftischen Jugendinternationale, H. C. Hanse n, an die franzö« sischen Genossen bei sich! Der Vater Börge Hansens, ein alter Genosse, hält nur für möglich, daß die Beiden aus den durchwanderten Westländern vielleicht Plakate und Schriften zum Andenken nach Hause mitnehmen wollten. Niemals haben beide nach Mitteilung ihrer Eltern und Fpund; irgendwelche Sympathie für die Kommunisten ge« habt. Die dänische Gesandtschaft in Berlin wird, wie das Außenministerium in Kopenhagen erflärt hat, alles ihr Mögliche tun, um den beiden zu helfen.'-— Bei dieser Gelegenheit teilt unser Kopenhagener Bruderblatt noch weitere Beweise einer„merkwürdigen" deutschen Nervosität mit: Drei norwegische Jugendliche wurden, als sie nahe am Flughafen Ludwigslust, Mecklenburg, spazieren gingen, von hervorspringenden Soldaten verhaftet und mußten, gefällte Bajonette im Rücken, zur Wache marschieren. Erst am nächsten Tage und nachdem ein aus Berlin herbeigerufener Dolmetsch sie verhört hatte, wurden sie freigelas- sen— mit dem Bemerken, daß sie überwacht wür den, solange sie in Deutschland seien! Der Dolmetsch sagte ihnen, sie könnten ftoh sein, Skandinavier und nicht Franzosen oder Engländer zu sein, sonst müßten sie mindestens einige Monate lang sitzen.— Ein dänischer Fischer, der seit Jahren seine Ware über die Grenze bei Rudböl zum Verkauf bringt, wurde letzthin verhaftet, weil er als Einpackpapier auch ein Blatt von„Sönder- borgs Socialdemokraten" verwendet hatte. Er wurde zwar nach einigen Tagen wieder freigelas- für Ihr Auto und Radio*°° ELKfl-Akkumulatoren sen, aber ihm bedeutet, daß er nie wieder mit Fischen oder privat nach Deutschland kommen dürfe,(ün.) Der Anti-Fahneneid Di« Korrespondentin Clauser meldet dem französischen Blatt„I out na l" vom 9. Oktober 1987, daß ihr ein glücklicher Zufall die Formel des Schwures in die Hände gespielt habe, der von den zum österreichischen Heer einrückenden Nation als ozialisten vor ihren Führern geleistet werden müsse. Der Schwur lautet, ins Deutsche übertragen, folgendermaßen: „Ich schwöre beim Schicksal des deuffchen Volkes, daß ich Leib und Seele und alle meine Kräfte der deuffchen Zukunft weihe, daß ich der nationalsozialistischen Soldatenschaft(gegründet zur Befreiung Oesterreichs) angeboren werde, daß ich es aber bei meiner Freiheit und meinem Leben geheim» halten und mit keinem meiner Waffengefährten darüber sprechen werde. Als Kämpfer meines Volles schwöre ich, daß Ich diese Gesinnung nie aufgeben werde, daß ich mir des göttlichen Willens bewußt bleibe, der mich verpflichtet, die LebenSxechte des deutschen Volkes zu verteidigen und sie höher zu stellen als die gesetzlichen Rechte der Regierung. Ich werde ihren zahlreichen Unter« drückungsmaßnahmen Widerstand leisten uyd jederzeit als Held für die deutsche Ehre Oesterreichs kämpfen." Die Korrespondentin versichert, daß sie die Echtheit des Textes feststellen konnte und bemerkt, daß. es interessant wäre zu wissen, welcher Teil dex österreichischen Soldaten sich an diesen Schwur halten wird. Kreditanstalt der Deutschen ns.Gal.U.k ß.PrAß ll,»«HsthEg Ott Geldgeschäfte. Verwaltungs-Kapital 1 Milliarde Kt Haftungs-Kapital 85 Millionen K& 81 Niederlassung««. Sette 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 16. Oktober 1937. Nr. 244 WASCHEN SIE IHRE 2XHNI MIT SEIFEI SPEZIELLE lBBS ZAHN-SEI FE MWM GIBBS • feiturm Die Ausstelluegsstänile Tatra, auf der XXVII. Internationalen Automobilausstellung in Prag Auf dem Stand der Personenwagen Tatra in der rechten Hälfte des Mitteltraktes des Industriepalastes zeigen die Ringhoffer-Tatra-Werke die mit ungewöhnlichem Interesse erwarteten bahnbrechenden Neuheiten. Diese Werke, welche sich durch ihre konstruktiven Ideen stets eigene Wege gebahnt haben, stellen diesmal zwei neue Modelle von luftgekühlten Heckmotorwagen mit vorbildlicher Stromliniensorm aus. Die Type 87 ist ein Achtzylinder von 75 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 150 Km.-Sid. Er ist viertürig, mit bequemen Sitzplätzen für 5 Per- vor, welche bei der ZuverlässigkeitSfochtt durch die Länder der Kleinen Entente ihre Zuverlässigkeit so glänzend unter Beweis gestellt haben. Auf dem Lastwagenstand sehen wir auch eine Neuheit: Ein Fünftonnen-Lastwagen, Type 85/91, mit Dieselmotor. Der Grundgedanke seiner Konstruktion war, einen verhältnismäßig kurzen und schmalen Lastwagen mit großer Ladefläche zu schaffen, der deshalb als Sechsradwagen gebaut wurde, um das Ladegut beim Transport zu schonen. Auf dem ganzen Stand überwiegen die Dieselmotoren. Wir sehe« Die Bezirksstelle Prag der deutschen aktivistischen Parteien verläßt ihre bisherigen Amtsräume und wird ab Montag, den 18. Oktober, im Deutschen Haus. Graben 26. Zimmer 16, jeden Montag von 18 bis 19 Uhr die Wünsche der deutschen Bevölkerung Prags entgegennehmen. Gerettet— um sich zu töte«. Wie gestern gemeldet, wurden vorgestern in ihrer Wohnung in Koschirsch die 40jährige Franziska Sochqr und ihre 15jährige Tochter Zdönka bei einer Benzinexplosion von den Flammen erfaßt und mit schweren Brandwunden ins allgemeine Krankenhaus gebrachte. Gestern gelang es Franziskos Sochor, die auf der Klinik Jirasek untergebracht war, die Abwesenheit einer Krankenschwester auszunützen; sie stürzte sich aus dem Fenster des zweiten Stockwerks in den Hof und blieb wt liegen. Handel mit falschen Päffen. Dieser Tage gelang es, den polnischen Staatsangehörigen Benjamin Kraut zu Verhaften, der bereits für immer aus der Tschechoslowakei ausgewiesen war und sich jetzt nach seiner verbotenen Rückkehr dadurch ernährte, daß er falsche Pässe besorgte. Sein eigener Paß ist in Ordnung. Bei der Hausdurchsuchung wurde ein auf den Namen eines Ehepaars ausgestellter schwedischer und ein norwegischer Paß gefunden. Juwelendiebe. In der letzten Zeit wurden in Prag mehrere Juweliere von einem Paar— einer etwa 50jährigen Frau und einem 30jährigen Mann, anscheinend ihrem Sohn— um mehrere Schmucksachen bestohlen. Die beiden kommen unter dem Vorwand, etwas kaufen zu wollen, ins Geschäft, lassen sich Sachen vorlegen und entwenden etwas im geeigneten Augenblick. Zuletzt stahlen sie dem Juwelier Klinger in Prag XU., Bllehradskä 13 einen kleineren Brillanten. Beide sprechen deutsch mit magyarischem Tonfall. Schüler überfahre». Gestern vormittags geriet kn Wrschowitz der 13jährige Schüler Georg Seibert aus Prag-XIII. als er zwischen zwei Straßenbahnwagen durchlaufen wollte, zwischen die Puffer, erlitt mehrere Rippenbrücke und blutige Rißwunden und wurde von der Rettungsgesellschaft ins tschechische Kinderspital gebracht. Seine Verletzungen sind schwer. Arbeit-nnfall. Gestern nachmittags fiel auf dem Masarykbahnhof beim Abladen von leeren Kisten von einem Kraftwagen der Arbeiter Adalbert Keja aus Zizkov zu Boden und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und eine Verletzung des Stirnbeins. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Jiräsek. Ausklugszu« der Staatsbahn. Am Sonntag, den 17. d. M„ nach Läny— KC 13.—. Anmeldungen im Basar neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 383—35. Xunst und Wissen Europäische Künstler nach Hollywood. Der Chef der Metro- Goldwyn- Mayer-Ateliers, Louis B. Viayer, der kürzlich Europa bereiste, um die Londoner Produktion der MGM aufzubauen, hat bei dieser Gelegenheit eine Reihe europäischer Künstler nach Hollywood engagiert: neben dem Schauspieler Leo R e u ß auch die Sängerin Jarmila N o v ot n ä, den Kapellmeister Josef Guttmann von der Wiener Staatsoper, den französischen Fiilmregisseur Julien Duvivier und Leovold I e ß n e r, den früheren Intendanten des Berliner Staatlichen Schauspielhauses. Wocheitfpielplan des Reue« Deutschen Theaters. Smnstäg halb 8: Acht Ruder im Takt, Uraufführung C 2..— Sonntag halb 3: Warum lügst du, Chörie? Halb 7: Siegfried, BI.— Montag halb 6 Uhr: Weh dem, der lügtl Theatergemeinde der Jugend(grüne Karten) und freier Verkauf, Abonnement aufgehoben.—: Dienstag halb 8: Oberon, A 2.— Mittwoch halb 8: Acht Rud:r im Takt, B 1. — Donnerstag halb 8: Arabella. C 2.— Freitag halb 8: Weh dem, der lügt! D.— Samstag halb 8: Frühlingsluft, neuinszemert, CI.— Sonntag halb 3: Weh dem, der lügtl Halb 8: Arabella, A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8 Uhr: Die Reise.— Sonntag 3: Rausch, 8 Uhr: Nachtasyl.— Montag 8: Bei Kerzenlicht. Bank- Motltomt MMWslMen der Arbeiterfürsorge finde« jede« Samstag von 5—7 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smcckagasie Nr. 27, statt. beamte I und freier Verkauf.— Dienstag halb 8: Parkstraße 13. Erstaufführung.— Mittwoch 8 Uhr: Die Reise.— Donnerstag 8 Uhr: Parkstraße 13.— Freitag 8%: Eine Frau ohne Bedeutung, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 8: Parkstraße 13.— Sonntag 3: Bei Kerzenlicht, 8: Die Reise. Der Dim Oer Roman eines Schwindlers In Wien war dieser zweite Film des französischen Humoristen Sacha Guitry(besten erster Film»Die Perlen der Krone" in Prag unbekannt blieb) ein Sensationsersolg. Ob sich bei uns der Er« folg wiederholen wird, ist fraglich. Denn es gehört ein besonderer Geschmack dazu. Liesen„Roman d'un tricheur" zu genießen, ein Geschmack an Delikatesten, die/mit den Fingerspitzen serviert werden, eine Freude an jenem französischen Witz, der auf elegante und fast unauffällige Art spottet— und die Bereitschaft, um einer charmanten„Frozzelei" willen auf Forderungen zu verzichten, die man sonst an Filme stellt. Denn dieser Film ist fast eine Kabarert-Num- mer: Monsieur Guitry tritt auf, ultt seine Mitarbeiter an, läßt sich nieder, um einen Roman zu schreiben. beginnt zu erzählen und illustriert seine Erzählung durch stumme und sprechende Filmszenen, in denen er selbst die Hauptrolle spielt. Eine sonderbare Geschichte erzählt er: wie er als einziger von seiner zwölfköpfigen Familie am Leben blieb, weil er gestohlen hatte, während die anderen ehrliche Leute waren, wie er sein erstes Liebeserlebnis mit einer um zwanzig Jahre älteren Frau hatte, wie er im Weltkriege in Vergessenheit geriet, wie er als Croupier in Monte Carlo hinausflog, weil ihm ein Betrug nicht gelang, wie er Genoste einer hübschen Juwelendiebin und Geliebter seiner" geschiedenen Frau wurde, wie er als Falschspieler reich und als ehrlicher Spieler arm wurde, bis ihm schließlich nichts anderes übrig blieb, als seine Erfahrungen als Detektiv zu verwerten. Eine amüsante, pointenreiche, plaudernde Satire auf Moral und Erfolg, eine unmoralische Fabel, die in Leinen Stücken serviert wird,— von einem Manne, der keinen Zweifel darüber läßt, daß er weder sich noch sein Publikum ernst nimmt. Der Film erscheint ganz als feine per- simliche Angelegenheit. Wer Sacha GuitryS Humor nicht schätzt, wird höchstens ein paar hübsche Szenen belächeln können, wer seine Sprache nicht versteht, versteht nur die Hälfte der Pointen, und wer von einem Film»Hand und Fuß" verlangt, wird unbefriedigt bleiben. Man kann von diesem Film nicht sagen: er ist gut. Man kann nur sagen: mir hat er gefallen.—eiS— Aus der Partei Bezirksorganisation Prag der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Attttsstunden im Parteiheim. Ab 15. Ottober wird täglich im Patteiheim, Smeckh 26, Sitzungszimmer, von 17 bis 20 Uhr amtiett. Fragebogen. Die Mitglieder werden ersucht, die übermittelten Fragebogen ehestens bei den Ver- ttauensleuten oder im Parteiheim abzugeben. VereinenaMcfiten Republikanische Wehr, Prag. Am Donnerstag, den 21. Oktober, U e b u n g s a b e n d in der Sporthalle auf dem DTJ-Sportplatz, Hetzinsel. OttSgruppe Prag. Samstag, 16. Oktober, Treffpunkt halb 3 Uhr nachmittags, Smichttver Bahnhof. Fahtt nach Revnice, Wanderung zur Hütte. Sonntag: Wanderung Jeronymüv dül— Plesivec—Lochovice. Es führt Plotz. filme in Prager Lichtspielhäusern sonen und geräumigem Kofferraum. Die selbsttragende, fast Ganzftahllaroffette ist durch modernstes Schweitzverfahren zu einem einheitlichen Ganzen zu- sammengeschweißt und ist bequem und sicher. Der Motor ist rückwärts in Flexofix-Gummilager eingehängt und arbeitet für das Wageninnere geräuschlos, außerdem ist durch die Heckanordnung des I Motors ein Eindringen von Auspuffgasen oder Benzindämpfen ins Wageninnere ausgeschloffen. Die Type 97, ein kleiner, allgemein erwarteter Strom- linien-VierzYlinder, mit 40 PS-Heckmotor, erreichte einen 3-Tonnen-Laftwagen, Type 27/64, eine» Omnibus, Type 27/91, von welchem eine große Zahl nach Bratislava geliefett wurden, einen Autobus, Type 24/67, geliefert auch für Prag, und einen 10-Ton- nen-Spezialwagen für Kohlenbeföxderung, mit patentterten Zipperrädern. Die Montage eines solchen Rades wird auf dem Stande separat vorgefühtt. Selbstverständlich fehlen auch nicht die. Lastwagen mit Benzinmowren. Wir sehen das Dreirad für kleinere Lasten, den l%-Tonnen-Lastkraftwagen, Type 43/52, und einen Autocar, Type 24/58, ebenfalls für die eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Km.-Std. bei geringem Brennstoffverbrauch. Er ist von ungewöhnlich eleganter Form, viertürig, mit bequemen Sitzplätzen für 5 Personen und hat den Heckmotor in der selbsttragenden, fast Ganzstahlkarosserie in Flexofix- Gummilager eingehängt, wodurch dieselben Vorzüge entstehen wie Lei der Type 87. Durch seine Sicher- heit, seine Eleganz und seine vorbildliche technische Durchbildung ist es das Fahrzeug der verwöhnten I fortschrittlichen Fahrer. Das dtttte Stromlinienmodell auf dem Tatrastand ist die bekannte Type 77a, der jahrelang bewährte, beliebte, schnelle Reisewagen, mit luftgekühltem 8-Zylinder-Heckmotor von 70 PS, welcher sich stets allgemeiner Bewunderung erfreut. Ebenso die Type 70a, der 70-PS-SechSzylinder mit Wasserkühlung, der repräsentattve, elegante, große Wagen für 6 Personen. Ferner führt Tatra seine bekannten Typen 57 und 75 in allen Ausführungen Stadt Prag. Selbst bei den schwersten Lastkraftwagen ist Tatra seiner typischen Chassiskonstruktton mit Mitteltragrohr und durchwegs Einzelradfedetttng treu geblieben. Weiter gibt es 2 Lieferwagen, Type 57, zu sehen, einer davon mit Seitenfenstern, der fich durch Einschieben einer Sitzbank leicht in einen Personenwagen umwandeln läßt. Schließlich finden wir eine interessant und lehrreich aufgemachte Sonderschau von Campingautos Tatta. Es handelt sich hier nicht um eine Nachbildung von Wohnanhängern, sondern um eine interessante neue Lösung, ivtlche auch im Auslande größtem Interesse begegnet ist. Dieser neue Spott„Auto-Camping", gewinnt in der ganzen Welt rascheste Verbreitung und wieder sind ei die Ringhoffer-Tatra-Werke, welche im Rahmen ihres Dienstes am Kunden auch diese Neuheit als erste Fabrik bei uns einführen. NEUE TATRÄ- MODELLE1938 HAUPTPALAST: STAND Nr. 1 MASCHINENHALLE: STAND Nr. 91 TATRA Typ 97/40 PS u. Typ 87/75 PS aerodynamische, fünfsitzige Qualitätswagen' von zuverlässiger Dauerleistung, mit in der selbsttragenden Karosserie eingehängtem luftgekühlten Heckmotor. TATRA Lastkraftwagen 4- und 6-Zy- linder mit Diesel- und Benzin- Motoren, robust, wirtschaftlich, schnell, bewährt XXVII. Internationale Automobil-Ausstellung In Prag, 16. bis 24. Oktober, Ausstellungsgebäude Urania:.Macht an der Donau." Slezak, Wüst. „Schanghai" in Premiere.— Adria:„Mister Moto." (Peter Loire.— A.)— Alfa:„Das Schiff der verlorenen Seelen."(Cooper. A.)— Apollo:„Anter Ausschluß der Oesfentlichkeit."(D.)— Avion: „Roman eines Schwindlers."(Fr.)—■ Beränek: „Die ganz großen Torheiten.".(Weffely. D.)— Fknix:„Sterne vom Himmel."(Stan Laurel und Hardy. A.)—: Flora:„Detektiv Nick."(A.)— Hollywood:„Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit." (D.)— Hvkzdar„Mister Moto."(Peter Lorve. A.) — Julis:„Frauenliebling."(A. Ondra. L)— Kinema d. B. B.: Journale, Grotesken, Reportagen. — Koruna Akt. Th.: Journale, Grotesken, Reportagen.— Kowa:„D e r Liebling der Elefanten."„Moldau."— Lacerna:„Sterne vom Himmel."(Laurel, Hardy. A.).— Metro:„Der Frauenliebling."(A. Ondra. D.)— Passage:„Das Verhängnis einer Nacht."(A.)— Praha:„Schüsse Ium Mitternacht."— Radio:„Die ganz großen Tor heiten."(Weffely, Forster. D.)— Skaut:„Der letzte Sklavenhändler."(Beery. A.)— Svktozor: „D er Liebling der Elefanten." Für Jugendliche.— Alma:„Feuer über Engürnd."(A.) — Bajkal:„Der letzte Sklavenhändler."(Beery. A.) — Belvedere:„Der ideale Gatte."(B. Helm. D.) — Beseda:„Die Karriere der Mutter Lizal."(Re- dösinskä.)— Carlton:„Jarca's Professor."(Tsch.) — Illusion:„Jaröa's Professor."(Tsch.)— Konvikt:„Die ganz großen Torheiten."(Weffely. D.) — Lido II:„Der letzte Sklavenhändler."(Beery. A.)— Louvre:„Jaröa's Professor."(Tsch.)— Maceska:„Feuer über England."(A.)'—Olpm- „Weiber-Herrschaft."(D.)— Perötyn:..Die gute Erde."(Paul Muni, Rainer. E.)— Tatra- Weinberge:„Jaräa's Professor."(Tsch.)— U Sei« vodü:„Millionen Dank."(Whitemann. A)— Valdek:„Detektiv Nick."(A.)— Beletrhy:„Die ganz großen Torheiten."(Weffely. D.)— Roxy: .Die ganz großen Torheiten."(Weffely, Forster. D.l Urania-Kino, Kltmentska 4. Fernsprecher 61623. Dovvelvroaramm: „Eine Nacht an der Donau** „Schanghai** Die erste DanpMkerei end Käserei in Gratzen, Bflhmerwald empfiehlt Ihre erstklaaa. Erzeugnisse Beachten Sie die Schutzmarke! 10er inseriert—nerkaufll e 4‘ U 2J? e we, Zustellung m» Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährlich Ire 48,—, halbjährig Kd 96.- ganzjährig K 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung.on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken— Die Zeitungssrankwur wurde von der Bost- und Tele- graphendirektwn mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt(Kontrollpostamt Praha 25.— Druckerei: ,F)rbis", Druck». Verlags« und ZeitungS-A.-G. Prag.