Sozial- emokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der TschechoslowaNschen Republik Erscheint mit Ausnahme des Mantas tSglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XL, Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Nur dem Inhalt: Das staatliche Investitionsprogramm Auch noch Knabenschändung? Das Urteil gegen die Feuerkreuzler Marie Velgo— zwölf Jahre 17. Jahrgang Donnerstag, 21. Oktober 1937 Nr. 248 knerziscker Protest in Berlin Hat Henlein die Nerven verloren? Ein mlüslückter Propasandaputsch und ein hysterisches Schreikonzert die in sich Berlin.(Tfch. P. B.) Der tschechoslowakische Gesandte in Berlin Dr. M a st n h wurde Mittwoch mittags vom Reichsaußenminister Freiherr« von Neurath empfangen, dem er den energischenProtest gegen die agreffive und drohende Kampagne der deutsche« Presse und des deutsche« Rundfunks in Angelegenhett der Mänes-Ausstellung und der Teplitzer Ereignisse vorbrachte. Trplitz-Schönau.(E.-B.) Seit dem sonntägigen Zwischenfall auf dem Marktplatz ergießt sich aus dem Dritten Reich eine Sturzflut greuel- propagandistischen gedruckten Papiers über Tep» litz. Eine Menge reichsdeutscher Zeitungen mußte von der Staatspolizei dort b e- schlagnahmt werden, die übrigens auch direkte Empfängerin ganzer Stöße von Briefen aus Deutschland ist. Etliche dieser Briefsendungen enthalten Zeitungsexemplar« mit beispiellos verlogenen, ordinären und feindseligen Titeln und Aufsätzen gegen die Tschechoslowakei, bei anderen dieser Einsendungen handelt es sich um handgeschriebene Briefe aus Dresden, Leipzig und anderen reichsdeutschen Städten/ um Briefe, die von den unerhörtesten Beschimpfun- gen gegen die Tschechosiowakei strotzen. Der wörtliche Inhalt dieser Briefe kann nicht einmal teilweise wiedergegeben werden; es wimmelt darin von gemeinsten Beleidigungen der tschechischen Nation, der Tschechoslowakei, der Polizei, der Regierung. Die beispiellose Hetze, die auf dem Umweg über Deutschland aus Anlaß der Teplitzer Zwischenfälle entfaltet wird, hat sogar die Berichterstatter der großen ausländischen Breffe-Agen- turen in Teplitz auf den Plan gerufen. Erfreulicherweise holen sich die ihre Informationen nicht bei den Brandlegern, sondern be,i den demokxati- schen Behörden und Vertrauensmännern. Ergänzend zu dem ursprünglichen Polizeibericht wird bekannt, daß der am 17. Oktober nachmittags auf dem Marktplatz in Teplitz-Schö- nau wegen Aufwiegelung festgenommene Schmied A n t o n M o r ch e aus, Dux, 1908 geboren, ledig, nach Abschluß der Polizeiuntersuchung dem Bezirksgericht in Teplitz eingeliefert wurde. Außerdem wurde g eg en drei Personen das polizeiliche Strafverfahren nach Paragraph 3 des Organisationsgesetzes ringelet? tet. Während der gesamten Untersuchung konnte bis jetzt eimvandfrei festgestellt werden, daß die Der„Volksauflauf“ nadi Tisch Zunächst einmal hat die Teplitzer Keilerei nur bestätigt, was wir seit Jahren sagen: daß die Gefolgschaft Henleins zu irgendwelchen v e b e l l i s chen ALten nicht taugt» daß wir hier nicht den Boden für einen Kamps ä la Arland haben. Die Weißbestrumpsten sind keine Sinnfeiner, sie revoltieren nur, wenn es erlaubt oder befohlen wird. In Teplitz sind angeblich spontan Massen vor dem Hause zusammengeströmt, dem Henlein den sonntäglichen Eintopf zu Herr Henlein ist in einer Bedrängnis, die einem gewöhnlichen demokratischen Parteiführer wahrscheinlich die führende Stellung kosten würde. Der autoritäre Stammesführer braucht natü.- lich nicht zurückzutreten, auch wenn er sich von den eigenen Leuten betrogen, bloßgestellt, in peinliche Affären hineingezogen sieht und wenn seine Auslandsreise mit einem allzu kläglichen Ergebnis endet. Zurückzutreten braucht er nicht, aber seine Nerven reagieren, wie es scheint, auf eine so schiefe Situation doch mit einem Ausbruch. Anders kann man sich die theatralische Szene von Teplitz und was ihr in der Presse folgte, nicht erklären. Die Rutha-Affäre sollte in einer Woge„nationaler Empörung" verschwinden, Line kleine Rebellion sollte der SdP zu altem Glanz verhelfen und das Echo einer Sonntagsprügelei sollte den Widerhall einer Londoner Rede verstärken(wobei die bescheidene Forderung nach einer„Verordnung", die in London erhoben worden war, hierzulande wieder dem befristeten Kämpferschrei nach der„Bollautonomie" weichen mußte). Aber auch dies ist mißlungen. nahm. Daß man dem Stammesführer nun schon bis zum Mittagstisch folgt, ist zuviel des Guten. Wo ist die Grenze, wo wird man noch auf Hen- lein warten, ihn nach Erledigung privater„Geschäfte" abpassen? Die Kopie gehört natürlich zu einem bekannten Original„Lieber Führer, sei doch nett, komm' nochmal anS Fensterbrett" 7 Aber faktisch sind die Sudetendeutschen noch nicht ganz so weit. Unter dem„Volk", das da ganz spontan zusammenströmte, waren nicht weniger als ein halbes Dutzend Parlamentär i e r der SdPI Ganz spontan und zufällig vor dem Hause des ZippeliuS zusammengetroffen. Wo die Polizei in die„Menge" griff, faßte sie einen Abgeordneten. Und der zum Fenster hinaufpfiff, war wohl der Inspizient der ganzen Theaterszene. Das Volk blieb aus, wie im„Egmont", wenn das verzweifelnde Klärchen die Bürger zur Rev.olte ruft... Katzenmusik aus Berlin Der Teplitzer Vorfall wäre normalerweise ein Tagesereignis von lokaler Bedeutung gewesen. In der Stadt selbst wurde nicht viel davon bekannt. Viele Teplitzer erfuhren erst aus den Montagsblättern, daß bei ihnen die Revolution ausgebrochen sei. Aber mit der Entfernung vergrößern sich die Dinge. Die nazistische P r e s s e, vor allem die reichsdeutsche Bruderpresse der SdP, setzte mit einem Höllenlärm ein. Der Leser in Deutschland mußte den Eindruck haben, daß Unvorstellbarer geschehen, daß die Schrecken deutscher Konzentrationslager Überboten seien. Angesichts der Schlagzeilen und wüsten Schimpfkanonaden der nazistischen Presse mußten sich wohl die Untertanen Hitlers jrne Nächte und Tage der„langes Messer" ins Gedächtnis rufen, da 1933 in Deutschland Menschen niedergeschlagen» getötet, in SA-Kasernen verschleppt, auf der Straße gepeitscht, an den Pranger gestellt, mit rasiertem Schädel, ein Plakat umgehängt, barfuß durch die Straßen gejagt wurden, da man in den Vorgärten früh verstümmelte Leichen fand und die Städte von dem schönen Liede widerhallten: Blech, nichts als Blech Aber auch das Konzert der Naziblätter ist eitel Blech. Man überschätzt zweifellos in Deutschland die Wirkung dieser mißtönenden Ständchen. Man vergißt, daß alles mit der Zeit langweilig wird. Die Menschen gewöhnen sich sogar an die echten deutschen Bomben, wie Madrid beweist, wie vielmehr denn an die Bomb'» aus Papier und Druckerschwärze. Es rührt niemanden mehr, wenn die Nazi der Tschechoslowakei mit Vernichtung drohen» sie haben zu oft gedroht und inzwischen ist allerhand geschehen, was es den Herren in Berlin recht riskant erscheinen läßt, ihren Worten auch nur die leiseste Tat folgen zu lassen. Sie hüten sich und wissen warum. Auch die Gefolgsleute Henleins selbst sind skeptisch geworden und freuen sich nicht mehr wie die Kinder, wenn Goebbels die Gewitter-Requisiten aus dem Magazin holt und auf der Bühne ein« solenne Blitz-, Donner- und Sturmszene gibt. Man weiß auch in Eger und Reichenberg nachgerade, daß viel Geschrei und wenig Wolle geboten werden und daß Henlein, nunmehr bei der Forderung nach einer„Verordnung" gelandet, es mit dem Ruf nach der Vollautonomie so wenig ernst meint wie Joseph mit dem Bumbum und Tschindarassasa. Die ZeitungS-, Flüster- und Flugblattpropaganda der SdP, die sich nach tschechischen Zeitungsstimmen bis auf das Ausstreuen von Flugblättern mit dem. sinnigen Text„Adolf kommt" erstreckt, wird ihre Wirkung auch verfehlen. Daß er nickt kommt, wissen die Sudetendeutschen vom wahlpflichtigen Alter auf- Der Westen durchschaut das Oseddels»Henlein»tztanLeer I Ablenkung von Rutha/ Wahlschlager/ Und Südtirol T Paris.(Eigenbericht.) Die franzöfischen politischen Kreise verfolgen die neuerliche Pro- vokation der Henleinpartei und die mit khr im Zusammenhang stehende reichsdeutsche Pressekampagne mit großer Aufmerksamkeit. Man betont, daß das Zusammenspiel Berlin und Henlein diesmal jederMaske entkleidet worden ist. Di« deutschen Drohungen mit dem angeblichen Block des 70 Millionrnvolkes verfangen hier nicht mehr. Man hält ihnen entgegen, daß die Tschechoslowakei der Hilfe Frankreichs und Rußlands und der Sympathien der gesamten friedliebenden Welt sicher sei. Wahrscheinlich wird demnächst eine offizielle französische Erklärung erfolgen, wonach der tschechoslowakisch-französische Beistandspakt nicht nur für den Fall eines offenen Angriffs, sonder« auch bei einem etwaigen„Fall Franco" voll und ganz in Kraft tritt. Die französische Presse steht noch ganz unter dem Eindruck der Rutha-Affäre und versteht es, die Unruhestistung durch die deutschen Propagandanachrichten auf daS richtige Maß zurückzuführe«. Der rechtsstehende„O r d r e" schreibt, Henlein wolle die Wählerschaft künstlich in Erregung versetzen, damit der Homosexuellen-Skandal in Vergessenheit gerate. Gleichzeitig werde versucht, gewisse englische Kreise zum Mitleid zu rühren. Sehr interessant sind die Ausführungen der„E r e n o u v e l l e" des Blattes von Edonrd H e r r i o t. Das Blatt unterstreicht die Rolle, welche der polnische Außenminister Oberst B e ck im Rahmen der antitschechoslowakischen Propagandatzetze des Dritte« Reiche- spielt. Es erinnert die polnische Regierung an die Gewährung der letzten französischen Anleihe und die daran geknüpften politischen Bedingungen. Das Blatt Herriots schließt den Artikel mit dem bedeutungsvollen Satz:.. i „Niemand, auch Herr Beck nicht, darf annehmen, daß rin derartiges Spiel noch lange>fortgesetzt werden kann." Erscheinen Henleins diesen mit Heilrufen begrüß- i ten, eingeschritten sind, sondern daß die drei Wachorganr, welche den Ordnungsdienst beim Auto Henleins versahen, sich durchaus korrekt benommen haben, was durch eine protokollierte Aussage eines Abgeordneten der SdP einwandfrei erwiesen ist. Erst nachdem diese drei Wachorgane von dem Abgeordneten Frank nacheinander tätlichangegriffen wurden, wurde dieser von ihnen zur Pokizeiwachstube geführt. Nach diesem Geschehnis wurde erst zur Räumung der Partie des Marktplatzes, wo sich der Vorfall abspielte, sowie des Stiegenaufganges beim Denkmal und des freien Raumes vod der Polizeiwachstube geschritten, da der größte Teil dec Versammelten die vorgeführten Personen auf di« Wachstube begleiten wollten. Bei diesem Einschreiten der Polizeiorgane wurde, nach seiner eigenen Anzeige der Abgeordnete K u n d t von einem Wachmann angestoßen, so daß er einige Stiegen herunterrutschte, ohne zu fallen und ohne irgend welche Verletzungen erlitten zu haben. Weiter brachte der Abgeordnete K ö l l n e r die Beschwerde vor, daß er beim Tor der Hauptwache, als er eindringen wollte, um den vorgeführten Abgeordneten Frank begleiten zu können, mit dem Gummiknüppel einen Schlag auf den Kopf erhalten hckbe. Laut ärztlichem Zeugnis wurde bei Abgeordnetem Frank an drei Stellen Rötungen der Haut vorgefunden, bei Dr. Köllner an einer Stelle, ebensolche Merkmale wurden bei drei Wachleuten ärztlich festgestellt. Auch die Geschehnisse auf der Wachstube, wo knapp nach der Vorführung zwei Konzeptsbeamte erschienen, welche auf Vorweisung der Legitimationen den Abgeordneten den Zutritt in das Gebäude ermöglicht haben, würden einer genauen amtlichen Untersuchung unterzogen. Das Resultat dieser Untersuchung ist in der Strafanzeige gegen Morche und die Uebergabe desselben an daS Bezirksgericht zu sehen und beweist, daß, soweit die' Polizeiwache noch auf der Wachstube eiugrschritteu ist(Morche wollte auf einen Polizisten mit dem Stuhl losschla- gen) dir- nur geschah, um den Widerstand die- ser Personen zu brechen. Greuel-Sturzflut Ober Teplitz Da* Ergebnis der Untersuchung London.(Eigenbericht.) Die Londoner Blätter bringen eingehende Berichte über die Borfälle in Teplitz und die sich daran anschlie ßende Kampagne des Dritten Reiches. Bemer kenswert ist die unfreundliche Haltung des kon servativen Daily Telegraph and Mor- « i n g p o st gegenüber Henlein» eines Blattes, das eben noch Henleins Interview gebracht hatte. Der Berliner Korrespondent dieses Blattes be richtet wörtlich: „Der Schutz, den die Partei- und anderen Organ« in Deutschland den einstigen Oester reichern in der Tschechoslowakei angedeihen lassen, steht in verblüffendem Gegensatz zu dem Schweigen über die einstigen Oesterreicher in Südtirol, die unter italienischer Herrschaft stehen." Der Prager Berichterstatter desselben Blat tes berichtet über die amtlichen Untersuchungs ergebnisse und meint, daß es sich um ein W a h l- m a n öv e r handle, das die Aufmerksamkeit von Rutha ablenken solle.„Die Verhaftung Ruthas hat die Aussichten der Henleinpartei sehr j geschädigt, besonders unter den deutschen Mütter n." Auch die„Time s" führen die Schärfe der Propaganda auf den Wunsch der SdP zurück, die, wie sie bemerken, in Deutschland verschwiegene«, jüngsten Verhaftungen führender SdP-Männer wegen nicht-politischer Delitte vergessen zu ma chen. „Rewe C h r o n i r l e" meldet aus Ber lin, in dortigen Kreisen verlaute, daß man an nehmen könne, daß die deutsche Regierung in London und Paris die britische und französische Regierung auf die«provozierende" tschechoslo wakische Haltung gegen die d^itsche Minderheit in der Tschechoslowakei Hinweisen würde. Gauleiter Bohlen vom Berliner Auslanddrutschen Amt soll einen vollständigen Bericht über die Teplitzer Zwischenfälle für Hitler vorbereiten» welcher nach dessen Ueberprüfung die Entscheidung tteffen werde. Der Pariser„Temps" nennt das Ereig nis im Leitartikel einen„winzigen Zwischenfall", wie sie sich in Wahlbew^aungen häufig zu er eignen pflegen. Die innenpolitischen Manöver,._ gehen parallel mit den außenpolitischen, bemerft Polizeiorgane, die den Ordnungsdienst am 17. das Blatt im Hinblick auf die deutsche Kam- Oktober, nachmittags am Marktplatz besorgten,| pagne, aber der tschechoslowakische Staat sei stark nichtgegendiePassant en, welche beim> organisiert. „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's nochmal so gut l" »Wenn die Teplitzer Polizei mit Drohbriefen aus dem Reich überschüttet wird, so darf einen das nicht wundernehmen. Di« deutschen Zeitungsleser leben seit zwei Tagen in dem Wahn, in Teplitz sei eine Nation vergewaltigt worden und den Sudetendeutschen gehe es nicht anders als den Südtirolern in Italien oder den Juden und Marxisten im Dritten Reich. Seite 2 Donnerstag, 21. Oktober 1937 Rr. 248 tvärts nachgerade aus Erfahrung und daß dafür gesorgt wäre, ihn entsprechend zu emofangen, dürften fie auch bereits gemerkt haben. Gegenzug Es ist erfreulich, daß diesmal die tschechoslowakische Regierung nicht gezögert hat, die entsprechenden Maßnahmen zu treffen, um dem deutschen Vorstoß zu begegnen. Sie hat sich in der Untersuchung nicht beirren und, ohne Rücksicht auf das Geschrei der Henleinpresse, Verhaftungen vornehmen lassen. Sie hat in Berlin diplomatisch protestiert und vor allem im Rundfunk auch die richtigen deutschen Worte gefunden. Mit Recht wurde im Prager Rundfunk Dienstag abends zu den deutschen Hetzartikeln gesagt: Man sollte annehmen, daß es dieser dirigierten Presse«nd diesem dirigierten Rundfunk darum geht, der sudetendeutschen Partei eine kleine Nachhilfe bei den kommenden G e< meindewahlen zu geben? Dann wäre es zumindest rin arge- Zeichender Sch wache, wenn diese Partei da» Vertrauen ihrer Anhängerschaft auf dem Umwege über da» Ausland fachen müßte. Wenn etwa- an dem ganze» Vorfall klar ist, so ist es der Wmisch der Sudetendeutschen Partei, von gewissen««angenehmen Borfik» len in de« eigenrnReihen, die von der Mehrheit der Anhängerschaft mit Widerwillen, ja Ekel, ausgenommen worden sind, die Aufmerksamkeit abzulenken und eine Stimmung zu schaffen, dir die politischen Leidenschaften wieder aufpeitschen könnte. Hier liegt da- offene Interesse zutage, dir kommenden Gemeindewahlrn in einer Atmosphäre deS politischen Kampfe» auszutragen. Man hat in den reich-deutschen Pressekommenta» ren dm Versuch untemommen» uns über daS Wesen der Demokratie belehren zu wollen. Man bemühte sich, diese Demokratie al- ein Zerrbild hinzustrllen. Wir brauchen keinm Vergleich z« scheuen. Wir brau- chen in dieser Frage an niemanden zu appellieren, rS sei dmn an unsere deutsche Bevölkerung selbst, dir vergleichen möge, welche Bürgerrechte sie hier genießt» die ste nicht weit von unS kaum in diesem Ausmaße genießen würde. Allein die Tatsache der Existenz der Sudetendeutschen Partei ist der beste Beweis dieser großzügigen Demokratie. Damit erübrigt fich auch di: Frage an jme reich-deutschen Kritiker unserer Demokratie, was mit einer Opposition in Deutschland geschehe« würde, die in ähnlicher Weise, wie«S die Sudetendeutsche Partei hier tut, dem dort herrschmden Regime Opposition machen würde. Hier ist der Zweck der Aktion aufgedeckt und eS wird die F r« ch h e i t gebührend in' ihre Grenzen gewiesen. Es wird an den sudetendeutschen Wählern liegen, das ihre zu tun, um endlich Schluß zu machen mit einer Hasardpolitik, die noch nicht das-geringste Positivum erreicht hat, aber stets dann, wenn sie ihre Versprechungen einlöst, mit Drohungen, Terminen, neuen Versprechungen und mit dem Gespenst des europäischen Krieges ihr Versagen ausgleichen möchte. Hysterie ist kein Programm, eine Hysterie, wie sie Henlein und Goebbels jetzt zeigen, ist sogar ein B e w e i s dafür, daß man mit jedem vernünftigen Programm a:.l Ende ist und nur noch in der Atmosphäre des Toll Hauses Erfolge sucht. L. Windprechtinger: 8 G’fthiWn aus dem illegalen Wien Wie ein erprobter Höhlenforscher kroch er in die geheimsten Winkel seiner Vergangenheit, tastete sich am Bande seiner Erinnerungen durch daS Labyrinth seiner Empfindungen und Gefühle und torkelte wie im Traum durch den Irrgarten seines dämmrigen Unterbewußtseins. Er liebte Hertha, das junge, frische, liebe Mädel. Da gab'S auch nicht den leisesten Zweifel. Er liebte sie in allen Abstufungen des Liebesspektrums: Von der einfachen Freude, einen guten, klugen, liebenswerten Menschen zu kennen, bis zu dem rasenden Verlangen, die schöne, gesunde und reife Frau zu besitzen. Was hielt ihn ab, sie zu heiraten? Materielle Sorgen hatte er nicht. Sollte eS etwa das unabhängige Junggesellendasein sein, das er bisher geführt hatte und ihm ausnehmend gut behagte? Nein, dieses ungebundene und sorglose Dasein erfüllte ihn doch nicht so vpllständiq, daß er es nicht missen hätte können. Peter Stoß fühlte kalten Schweiß an seiner Stirne. Seine Hände waren feucht und unsicher. Me Zunge klebte bitter am Gaumen und ein leiser Krampf schnürte ihm die Kehle zu. Im gegenüberliegenden Spiegel sah er sein verzerrtes, blasses Gesicht, aus dem die dunklen Augen mit weiten Pupillen einem nahen Schrecken entgegenzustarren schienen. Dr. Peter Stoß hatte Angst vor der Ehe. Und während er sich diese Angst eingestand, wuchs sie in ihrer lastenden Unheim- lichkeit und in dem unergründlichen Dunkel ihres Ursprünge? riesengroß an und preßte ihm den Verrückten Entschluß ab: Ich heirate nicht. Peter Stoß bemühte sich nicht mehr, diese Das Investitionsprogramm des Arbeitenministeriums Export des Ministers Ing. Dostalek Im SenatsausschuO Arbeitenminister Ing. Dostalek erstattete am Mittwoch im BerkehrSausschnß des Senates ein ausführliches Exposk über das Jnvestitions- programm feines Ministeriums. Neben sozialen Rücksichten entscheide über.die staatlichen Jnvestittonen vor allem der dringende Bedarf der Staatsverwaltung selbst, dann die speziellen Erfordernisse der Zeit, die gewisse Investitionen unaufschiebbar machen. Hierher zählt der immer größere Bedarf an Kommunikationen, der Aufschwung der MotoriSmus und der Flugwesen- und namentlich auch die Bedürfnisse der StaatS- verteidigung. Staatsfauten In Prag Der Minister gab zunächst eine lleberficht über die in Prag in Aussicht genommenen Staatsbauten. Noch Heuer werden die Erdarbeiten.für dey Bau der Staatsgalerie auf der Letna zur Vergebung gelangen. Die Baukosten sind mit 46 Millionen präliminiert. Auch der DexbauungSplan für die Krankenhausneubauten i n M o t o l«st bereits eingeleitet. Die Kosten find mit 184 Millionen veranschlag: das definitive Projekt wird bestellt, sobald der Ministerrat die Erhöhung der Baukosten um 89 auf 184 Millionen genehmigt. Daneue Krankenhaus wird 1806 Betten bei neun Kliniken und fünf Instituten umfassen. Weiter wird schon zu Beginn deS nächsten Jahre- der Bau der Polyklinik auf dem Karlsplatz ausgenommen werden: dott wird auch die staatliche Pflegerinnen- schule errichtet werden. Aus den Grundstücken der alten Gasanstalt in Zijikov wird«in Gebäude für das Prager OberlandeSgericht gebeut werden, ferner die Landerfinanzdirektion und andere Finanzbehörden. Die Moldauregulierung von Prag bis Vranö wird beschleunigt. Der Bau deS Wasserkraftwerkes bei Stöchowitz wurde soeben vergeben. Erforderlich ist ferner der Bau eines selbständigen staatlichen Sportflughafens in Prag. Anstalt der Wasserwege Die Moldau-Elbe-Regulierung zwischen Prag und Aussig ist bereits abgeschlossen; auSzubauen ist noch di« Strecke von Schreckenstein bis zur Staatsgrenze. In der tschechoslowakischen Hafenzone in Hamburg wird der Bau der Kais und eines Maga- zineS demnächst zur Vergabe gelangen. Di« Kanalisierung der Mittelelb« zwischen Mclnik und Kolin wird noch einige Jahre erfordern. Allmählich soll der Wasserweg bis Pardubitz auSgebaut werden. Die Investitionen für die Wasserwege betrugen bis Ende 1936 bereits 2806 Millionen. Auch die Realisierung .des Donmi—Oder- und des Donau—Elbe-Kanals bat das Ministerium bereits in seinen Aufgaben- treiS eingereiht. Die bisherigen Studien zeigen dm Donau—Oder-Kanal als ein wirtschaftlich sehr ren« '-bleS Unternehmen. Das weitere LtraKenbauprogramm Bisher wurden rund 6566 Kilometer Staatsstraßen rekonstruiert, das find rund 75 Prozent des gesamten Straßennetzes- 8866 Kilometer erhieltm einen leichten, 1176 Kilometer einen mittleren und 1766 Kilometer einen schweren Straßenbelag, weitere 866 Kilometer entfallen auf Straßenwalzun« gen. Der Kostenaufwand bettägt rund zwei Milliarden. Die Beendigung der Sttaßenrekonstruktion wird noch etwa 2.5 Milliarden erfordern, vorausgesetzt, daß sich nicht di« Notwendigkeit ergibt, die Fahrbahnbreit« zu vergrößern. Der Minister spricht sich gegen die Anlegung eigener Autostraßen aus, da der Verkehr ber uns«och nicht so groß ist, um solche kostspielig« Investitionen zu rechtfertigen. Bon nichtstaatlichrn Straßen wurden bis Ende 1986 die Rekonstruktion von 4624 Kilometern subventioniert; dies« Rekonstruktion wird noch rund vier Milliarden erfordern. Durch eine Novelle zum Straßenfondsgesetz sollen die Einnahmen des Fonds vermehrt werden; auch einneueSStraßengesetzistin Vorbereitung, ebenso ein Gesetz über die Beseitigung von Bau- und Kommunikationsmängel in de« Gemeinden. Zivilflugwesen Sodann skizzierte der Minister das Straßen- und Brückenbauprogramur für das nächste Jahr u«d wendete sich dann dem Zivilflugwesen zu, bei dem Sparm nicht am Platze sei. In den Flughäfen wird man eigene Betonbahnen für den Start schwerer Flugzeuge bauen müssen, namentlich auf dem neuen Prager Flugplatz in Ruzynö ist dies unerläßlich. Die Regierung hat bereits im Juni für diesen Zweck 117 Millionen bewilligt; dieser Aufwand wttd aus der Arbeitsanleibe gedeckt. Der Bau von Stahlhangars wurde bereits in Angriff genommen. Das Netz der staatlichen Hilfsflugplätze wild weiter äusgebaut werden. Erhöhte- Augenmerk wird man auch dem Ausbau der Sportflugverbände und dem Segelflug zuwenden. Die Flughäfen sollen mit den modernsten, technischen Einrichtungen, wie Kurz- wellenstationen, Fernschreibern, Radiolandungsmasten, fahrbaren Motorzisternen usw. auSgestattet werden. Die inländische Industrie konnte in der letzten Zeit im Bau von Flugzeugen von großer Tragfähigkett und Geschwindigkeit mit dem Ausland nicht Schritt halten, so daß in den letzten Jahren keine inländischen Flugzeuge angekauft werden konnten. Für die Flugpolizei werden weitere zwölf Jagdflugzeuge angekauft werden. Elektrifizierung Im letzten Teil seines Exposes beschäftigte sich der Minister mit der Elekttifizierung. Er konsta- tiertc, daß auf diesem Gebiet ein erfreulicher Aufschwung«ingetreten ist und namentlich in der Slowakei die Industrialisierung des Landes in die Wege gelettet ist... * Der Ausschuß ging dann in die Debatte ein, die in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden wird. Schanghai.(Havas.) Die neuesten Nachrichten bestätigen, daß die chinesischen Abteilungen, die in Nordchina zur Taktik des Guerillakrieges Zuflucht nahmen, am Dienstag den- Japanern mehrere Niederlagen bereiteten, vor allem in der Nordprovinz Schansi sowie längs der Eisenbahnstrecken Peiping—Hankau und Tientsin—Fukeu. Chinesische Truppen sollen am 17. und 18. d. M. zwei Positionen in Hopei erobert haben und sie setzen nunmehr ihren Vormarsch in östlicher Richtung fort. In der Schlacht an der Hopeigrenze auf der Strecke Tajuan—Tschinkiangkuang erhielten die Chinesen rechtzeitig Verstärkungen, worauf sie die Japaner zurückdrängten. Südlich von Pin- juan wurden zahlreiche japanische Gruppen isoliert. Die chinesische Presse gibt vorderhand mit Reserve bekannt, daß Abteilungen der 8. chinesischen Armee P a o t i n g zurückerobert haben. Schwere Sturmszenen In der mährisch-schlesischen Landesvertretung Am Mittwoch kam es in der mährisch-schlesischen Landesvertretung zu Sturmszenen,, wie sie dort noch nie borgekommen sind. Die tschechischen Agrarier setzten sich mit den Vorwürfen auseinander, die ihnen die Vertteter der tschechischen Bolkspartei wegen der Verhältnisse im Landwirts chaf.tsrat machten. Zwischen Agrariern einerseits und Volksparteilern und Nationalsozialisten andererseits kam es dabei zu Wortgefechten, die in persönliche Beleidigungen zwischen Agrariern und Volksparteilern ausarteten. Die. Vertteter der Volkspartei behaupteten u. a., daß der agrarische Landesausichußbeisitzer S t o u p a l 14.000 K£ jährlich erhalte, während sämtliche 90 anderen Mitglieder des Land- wirtschaftsrates nur 6000 Xö jährlich erhalten. In der Sitzung kam auch der deutsche So- zialdemokrat Schuster zum Kapitel„Gesundheitswesen und soziale Fürsorge" zu Wort. Er hob gewisse Posten des Budgets hervor, die unbedingt einer Erhöhung bedürfen. Auf die Abmachungen des 18. Feber eingehend, betonte der Redner, daß man wohl bei den staatlichen Behörden auf guten Willen stoße, daß aber der Landesausschuß leider nicht immer das nötige Entgegenkommen zeige. Dies ist insbesondere bei der Besetzung von Stellen in den Landesanstalten der Fall. Die Rede des Genossen Schuster löste bei den attivistischen Parteien großen Beifall aus. Der Präsident der Republik empfing am Mittwoch den Bizegouverneur von Karpathoruh- land Dr. Meznik. Generalinspekwr Armeegrneral Syrovh begibt sich Freitag nach S i n a j a, um an den militärischen Feierlichkeiten zu Ehren des Prinzen Michal teilzunehmen, der anläßlich seines 16. Geburtstages zum Leutnant der rumänischen Armee ernannt werden wird. Die böhmische Landesvertretung begann am Donnerstag nach Abschluß der Debatte über die Kapitel„Gesundheitswesen" und„Soziale Fürsorge" mit der Aussprache über das Kapitel „Schulwesen". Kämpfe um Tschapei Am Mittwoch entwickelte sich«ne heftige Schlacht nordwestlich von Tatschang. Bon dem Ergebnis dieses Kampfes hängt daS Schicksal Tschapeis und Kiengwangs ab. Die Chinesen erhielten hier bedentende Verstärkungen und erklären,«S sei ihnen gelungen, die japanische Offensive zum Stehen zu bringen, wobei die Japaner sehr schwere Verluste erlitten. * Nach glaubwürdigen Nachrichten ist es einem chinesischen Flugzeug gelungen, das am 14. Oktober nachts unauffällig ein japanisches, auf dem Flugplatz zurückkehrendes Flugzeug verfolgte, bis über den Flugplatz von Schanghai zu kommen und zwei große Bomben abzuwerfen, die auf dem Flugplatz sieben japanische Flugzeuge vernichteten. Dem chinesischen Flugzeug gelang es, in der Finsternis zu entkommen. Per Vormarsch in Nordchina stockt Platzangst vor der Ehe zu ergründen und fie dadurch zu überwinden. Diese schreckliche Angst hatte ihn schon so völlig erfaßt, daß er nur mehr daran dachte, wie er der bevorstehenden'Hochzeit entfliehen könne. Sollte er Hertha die Wahrheit gestehen? ! Unmöglich! Soll er sich krank erklären? Das wäre nur l Ausflucht für«in paar Tage. Soll er abreisen? Das wäre unmännlich. Nein, so geht es nicht. Es muß ein äußerer Anlaß sein, der ihn zwingt, der Hochzeit fernzubleiben oder es überhaupt nicht so weit kommen läßt. Wie von ungefähr hatte P«ter seinen Blick auf die vor ihm liegende Zeitung gerichtet, während seine Gedanken einem vernünftigen Grunde nachjagten, der ihn von der Angst und der Ehe befreien könnte. Sein Blick blieb an einer kurzen Notiz hängen. Einen kurzen Augenblick nur. Aber er genügte. Peter rief nach dem Kellner, zahlte und verließ in größter Hast das Kaffeehaus. Er lief wie ein Besessener durch die Straßen, stieß an Vorübergehende an, ohne sich zu entschuldigen, über» querte die Straßen, ckhne auf den Verkehr und die Zeichen der Wachebeamten zu achten und begab sich schnursttacks auf das BezirkS-Polizeikommis» sariat, wo er den diensttuenden Beamten zu sprechen wünschte. Nach wenigen Minuten wurde er dem Journalbeamten vorgeführt. Er stellte sich vor, gab feinen vollen Namen, seinen Beruf und seine Wohnadreffe an und fügte hinzu, daß er eine Selbstanzeige rrstatten wolle. Der Beamte lud ihn ein, Platz zu nehmen. DaS verstörte Aussehen deS Selbstanzeigers war dem erfahrenen Auge des Beamten nicht entgangen und er erwartete ein Geständnis über eine fehlgeschlagene finanzielle Transaktion oder eine ähnliche alltägliche Geschichte zu hören. Der Beamte vergaß aber den Atemzug, den er eben begonnen hatte, zu vollenden, als Dr. Peter Stoß erklärte:„Ich gehöre der Kommunistischen Partei an und habe mich an hochverräterischen Unternehmungen beteiligt." Mtt offenem Munde starrte der Beamte den Dottor an, schnappte mehrmals nach Lust und sagte nach einigen Minuten, in denen ein bedrük- kendes Schweigen in dem Amtsraum herrschte: «Das ist mir noch nicht untergekommen. Ist das wahr, Herr Doktor?" „Jawohl, Herr Kommissär. Ich habe einer kommunistischen Zelle angehört, in der Pläne über Möglichkeiten besprochen wurden, eine Aenderung der bestehenden staatlichen Verfassung herbeizuführen. Ich habe Grund anzunehmen, daß diese Pläne der Polizei vielleicht schon bekannt sind oder doch in nächster Zeit bekannt werden, und habe daher zum Teil aus Reue und Einsicht, zum Teil, um eine mildere Strafe zu erhalten, mich zur Selbstanzeige entschlossen. Ich bitte, mich aber jetzt abführen zu lassen, da ich mich nicht ganz wohl fühle, um weitere Angaben machen zu können." Der Beamte ließ Dr. Stoß in eine Einzelzelle abführen und verständigte die Staatspolizei von dem seltsamen Vorfall. Der Polizeiapparat begann zu arbeiten. Nach einigen Tagen wurde Dr. Peter Stoß einer Nervenheilanstalt übergeben. Die Hochzeit mit Hertha Frithum fand einige Monate später in aller Stille statt. 2. Karl Georg war Beamter in einem städtischen Unternehmen. Untertags arbeitete er, abends studierte er an einer Arbeiter-Mittelschule. Schließlich legte er die Reifeprüfung mit gutem Erfolg ab. Er war sozialdemokratischer Bildungsreferent im Betriebe und galt als anständiger Mensch. Der Februar-Umsturz warf ihn aus dem Geleise. Er war verheiratet, hatte ein fünfjähriges Töchterchen und bemühte sich, aus seinem Einkommen Ersparnisse zu. machen, mit denen er sich ein Weekend-Häuschen in der Nähe der Stadt zu bauen begann. Dieses Unternehmen verursachte ihm aber auch Schulden. Und als nach dem unseligen Februar-Ereignis sein Einkommen geschmälert wurde und Sorgen in das bis dahin friedliche Heim einbrachen, ging die Ehe in Trümmer und Karl Georg wurde friedlos. Neue Schulden kamen zu den alten und bald wußte er aus diesen finanziellen Schwierigkeiten keinen Ausweg. Karl Georg hatte Freunde. Sie versuchten ihm zu helfen und ihn wieder in geordnete Verhältnisse zurückzuführen. Äber die moralische Zersetzung des einst austechten Mannes war schon zu weit fortgeschritten. Er sah voraus, daß er sich in seiner Berufsstellung nicht werde halten können und diese bevorstehende Vernichtung seiner Existenz raubte ihm den letzten Rest von Gesinnung, Änstand und Festigkeit. Sein ganzes Tanken richtete sich darauf, wie er am besten aus der Zwickmühle, in der er sich befand, herauskommen und sofort wieder eine neue Existenz finden könntt. Karl Georg war ein großer, schlanker Mann, mit blauen Augen und blondem Haar. Der Typus eines SA-Mannes. Es fiel ihm nicht schwer mit diesem Aussehen, trotz seiner politischen Vergangenheit, Anschluß an illegale Nazikreise zu finden. Er wurde mit offenen Armen ausgenommen und brachte eS in kurzer Zeit zu einer Führerstellung. Er verkehrte noch immer mit seinen früheren Freunden, die nicht cchließen, sich um ihn zu sorgen. Wenn fie ihm Vorstellungen machten und Ratschläge erteilten, dann pflegte er mit geheimnisvollem Lächeln zu sagen:„Ihr werdet schon von mir hören." Nach und nach sickerte es in seinem Freundeskreise durch, daß er seiner früheren Gesinnung untreu und Nationalfstzialist geworden war. Ec gab es zu, als man ihn stellte, erklärte aber gleich- zeittg, daß man ihn noch verstehen werde. Einer Freundin gegenüber äußerte er sich deutlicher: Es handle sich ihm um seine Existenz. (Fortsetzung folgt.) i s i 1 i 1 1 1 1 1 s j I I Nr. 248 Donnerstag, 2t. Oktober 1937 Sette 3 Wehrbeitras Seit Wochen steht die Frage des Budget- ausgleiches im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und der politischen Verhandlungen. Die Rundfunkrede des Finanzministers Dr. Kalfus, hervorgerufen durch die Vorgänge an der Prager Börse, hat die Aufmerksamkeit auf diese Frage erneut gelenkt. Die internationale Situation, die feit dem Weltkriege noch nicht so gespannt war wie jetzt» die Gegensätze, welche zwischen den europäischen Rächten infolge des Bürgerkrieges in Spanien und des Krieges zwischen Japan und China sich aufgetan haben, zwingen auch die Tschechoslowakei auf der Hut zu sein. Wohl hat unser« auswärtige Politik alles getan, um das Land so weit dies überhaupt möglich ist, diplomatisch zu sichern. Aber die zentrale Lage des Staates nötigt uns für alle Fälle gerüstet zu sein. Ein Staat, der sich zu wehren entschlossen ist, wird diel eher die Unterstützung der anderen finden» als ein Staatswesen, das diesen Willen nicht hat und es verabsäumt hat, das Notwendig« für seinen Schutz zu tun. Dabei handeü es sich im Falle der Tschechoslowakei nicht um einen Staat schlechthin, sondern um einen demokratischen Staat, um eine Insel der Demokratie, welche Dämme baut gegen die Sturzflut des Faschismus, der unsere Grenzen umspült. Wollen wir unsere Freiheit erhalten, dann müssen wir sie verteidigen und zwar mtt jenen Waffen, die eine erfolgreiche Verteidigung ermöglichen. Die Verteidigung des Staates erfordert von der Bevölkerung gewisse Opfer, die umso eher gebracht werden können, je gerechter sie verteilt sind. Nun ist gerade zum Teile infolge der Rüstungen eine gewisse Belebung der Wirtschaft eingetre- ten, es hat.sich das Einkommen gewisser Schichten der Bevölkerung vermehrt, ihre Verdienste sind gestiegen. Es ist nun selbstverständlich, daß solche Mehrverdiener für die Verteidigung des Staates herangezogen werden. Dies soll in Form eines Wehrbeitrages geschehen, welcher in einem bestimmten Verhältnis zum Einkommen steht, also denjenigen mit größerem Einkommen stärker trifft. Auch das unpersönliche Kapital wird herangezogen werden, und zwar durch einen Satz der besondern Erwerbsteuer. Außerdem werden die über das normale Matz hinauSgehenden Gewinne besonders besteuert, vor allem jene Be» triebe, welche durch Rüstungslieferungen große Gewinne realisieren. Wenn in einer so ernsten Zeit diese Grohgewinner ein entsprechendes Opfer bei der Verteidigung des Staates bringen, wird das als moralisch gerechtfertigt und selbstverständlich empfunden werden. Ein schweres Gewicht muß auf starke Schultern gelegt werden, es geht nicht an, daß die wirtschaftlich Schwächsten schwere Opfer bringen, wenn es finanziell starke Schichten gibt, die noch nicht so auSgeschöpft sind, daß sie nicht noch einen Beitrag für den Staat leisten können, der ihnen ihre wirtschaftliche Tätigkeit ermöglicht. Wir sind alle in einer Festung und müssen an ihrer Verteidigung teilnehmen, nach unserem Können und unseren Fähigkeiten. Wenn die Demokratie die finanziell Stärkeren stärker heranzieht alS diejenigen, welche zum Leben nur das Notdürftigste haben, beweist sie ihre Einsicht und soziale Gerechtigkeit. Sie beweist aber auch ihre Voraussicht, wenn verwirklicht werden wird, was der Finanzminister in seiner Rundfunkrede gesagt hat, daß alle finanz- Polittschen Maßnahmen„im Prinzip nicht das Preis« und Lebensniveau tangieren dürfen und daß durch sie die Produktionskraft nicht gebrochen werden darf". Insbesondere darf der Verbrauch nicht getroffen werden, so daß er hinter der Entwicklung der Gesamtproduktton zurückbliebe, denn das würde di« heufige Konjunktur in ihrer Entwicklung bedrohen und könnte zu krisenhaften Verhältnissen in der tschechosiowakischen Wirtschaft führen. Die Finanzpolitik darf nicht die Quellen verschütten, aus denen sie gespeist wird, die Wohlfahrt der Massen anzustreben heißt den Staat und die Kraft seiner Verteidigung stärken. Henlelnpropaganda auch In Oesterreich Scharfe Abfuhr durch die Regierungspresse Wien. Das offiziöse„Weltblatt" schreibt: „Im Waldviertel fanden in den letzten Tagen Versammlungen des Sudetendeutschen Heimatsbundes statt, in denen Referate gehalten wurden, die ganz zweifellos nichts anderes darftellen können als«ine Propaganda für die Henleinpartei. Wir halten dafür, daß der Sudetendeutsche Heimatsbund seinen Wirkungskreis überschreitet, wenn er die Wahrung landsmannschaftlicher Interessen in übelster Weise mtt einer Parteipolitik verknüpft, die nicht nur dazu geeignet ist, die Beziehungen zwischen zwei Nachbarstaaten zu stören, sondern ebenso indirekt eine Unterstützung für die in Oesterreich verbotene nationalsozialistische Arbetterpartei leisten soll. Gerade der Sudetendeutsche Heimatbund sollte die allergrößte Zurückhaltung wahren, da eS eine Tatsache ist, daß ein großer Teil seiner Anhänger a& nicht österreichisch gesinnt bekannt ist. Diese Zurückhaltung würde schon der natürliche Anstand und Takt gebieten, denn die Oesterreicher sind nicht gewillt, zu gestatten, daß der sudetendeutsche Radikalis- muS, der«in qutTeil dazubeigetragen hat, um Oesterreich- Ungarn zu zerstören, auch im neuen Oesterreich eine verhängnisvolle Rolle spielen könnte. fatoteMleuisite lefanietfl Eine Anzeige wesen Knabenschönduns Andeutungen, die der„Aufbruch“ macht Der„Aufbruch" läßt durch seine jüngste Nummer die Oeffentlichkeit wissen, daß er„in keiner Weise an der Aufdeckung der Sittlichkeitsaffäre in Prag und Reichenberg beteiligt" sei. Wir nehmen das als eine Polemik gegen Behauptungen, die von unserer Seite ausgestellt wurden, ohne Repblik zur Kenntnis, weil der „Aufbruch" unmittelbar darauf Folgendes an die große Glocke hängt: „Unbeschadet dieser Feststellung bleibt aber die Frage offen, ob der Vorwurf der Denunziation in einem Falle zutrifft, in dem es sich«meine Anzeige wegen Knaben- schändung bei den zuständigen Behörden handelt. Ist es nicht vielmehr völkisches Gebot, alles z« verhindern, was der Jugend zum Verderbe« gereicht?" Vielleicht kommt der„Aufbruch" sogar noch darauf, daß es in diesem Falle„völkisches Gebot" wäre, eine so wichtige Taffache nicht nur anzudeuten, sondern zu nennen und von der Oeffentlichkeit klarstellen zu lassen I Jedenfalls erscheint es uns nicht als wesentlich, ob solche Anzeige oder Denunziation durch den„Aufbruch"«Kreis oder durch wen sonst erfolgt sei, sondern daß essolcheDingeimvölkischen Lagergibt! Und die sudetendeutsche Oeffent« lichkett ftagt nun mit Recht laut, wer denn derKnabenschänder ist, von dem der „Aufbruch" spricht und abrückt. Es ist wohl anzunehmen, daß auch andere von solchem Kerl (oder solchen Kerlen) abrücken wollen— dazu ist aber eben notwendig, daß man ihn beim Namen nennt und als besonders warmes Produft der„Volksgemeinschaft" allgemein zur Schau stellt. Roter Kulturterror? Die«Zeit"vom 20. Oktober bringt einen aufgeregten Artikel über einen angeblichen„roten Kulturterror" in W a r n s d o r f. Die Gemeindevertretung hat dort nämlich in ihrer Mehrheit «inen sozialdemokratischen Antrag angenominen, in dem ausgesprochen wird, daß die Stadtgemeinde der Üebernahme der Funftion eines Geschäftsführers der„Gesellschaft für deutsche Volksbildung" durch ihren Angestellten Stadtbuchwart Dr. Artur Herr die Zustimmung verweigert. Darüber also große Auf». regung in jenem Blatte, in dem noch vor wenigen i I Tagen eine Rede des Herrn Höller wiedergege« I ben war, in der von der Unterordnung der Kultur unter die Polittt gesprochen wurde. Um aber den Schreibereien in den Henleinblättern ein für allemal entgegenzutreten, sei folgendes festgestellt: Die Gesellschaft für deutsche BollSbildung hat immer den extrem nationalen Flügel der deutschen Volksbildner repräsentiert. Schlagender Beweis dafür ist die Tatsache, daß ihre früheren führenden Funktionäre Prof. G i e r a ch, Doktor L o ch n e r und Prof. Lehmann heute— teils über Berufung, teils nach feiger Flucht— im Dritten Reich Unterschlupf gefunden haben und dort hervorragende Stellen bekleiden. Aus dem Kreis dieser eindeutigen Kulturnazis sind nur noch wenige übrig geblieben, von denen die„Gesellschaft für deutsche BolkS- bildüng" auch heute noch im alten Geiste weitergeführt werden soll. Man macht gemeinsam mit dem Bund der Deutschen jene Kulturkammern, die ein Ersatz für das erfreulicherweise noch nicht gleichgeschaltete öffentliche Bildungswesen sein sollen. Und die Geschäftsführung der für diese Tätigkett verantwortlichen Gesellschaft soll in den Händen deS Herrn Dr. Arthur Herr liegen. Der Mehrheit der WarnSdorfer Stadtvertretung wird es wahrscheinlich gleichgültig sein, wenn Dr. Herr diese Geschäftsführung inne hat, aber dann soll er sich auch von dieser Gesellschaft bezahlen lassen. Es geht nicht an, daß ein von der Stadtgemeinde Warnsdorf besoldeter Beamter diese Funftion inne hat, die auch«ine vielfache Abwesenheit von Warnsdorf erforderlich macht und dadurch eine Vernachlässigung seiner Dienstverpflichtungen wahrscheinlich werden läßt. Der Beschluß der WarnSdorfer Stadtvertretung ist also nicht nur aus diesen sachlichen Erwägungen sehr richtig, sondern dient auch der Wahrung der für das öffentliche Bildungswesen maßgebenden demokratischen Grundsätze. Oer Bürgermeister wird von Konrad Henlein bestimmt... In einer öffentlichen Versammlung der SdP in Komotau sprach auch der Abgeordnete N e m e tz. Er führte unter anderem aus: Jenen Herrschaften, die sich über den kommenden Bürgermeister der Stadt Komotau den Kopf zerbrechen, sei gesagt, daß die Entscheidung"einzig und allein Konrad Henlein ttesfen wird. Wen e r zum Bürgermeister bestimmt, der wird es und die Landesbehörde wird ihm die Bestätigung nicht versagen. Kommentar: totalitärer Wahnsinn. Verhaftung in Komotau Bei der Revision der Genossenschaftskrankenkasse Kömotau wurde festgestellt, daß deren Direktor Karl Hannawald sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, dessen Folge die ist, daß er von seinem Dienst enthoben worden ist. Gleichzeittg wurde gegen ihn die Strafanzeige an das Kreisgericht in Brüx erstattet. Karl Hannawald ist ein strammer Anhänger der S u d e t e n d e u t s ch e n Partei, bei der er auch organisiert ist, sein Bruder ist der Sekretär des deutschen Handlungsgehilfenverbandes in Karlsbad. Der Vorfall hat in Komotau beträchtliches Aufsehen erregt. Sittlichkeitsverbrechen In Schreckenstein Die Auffiger Kriminalpolizei verhaftete in Schreckenstein einen Dachdeckergehilfen unter dem Verdacht, sich an minderjährigen Mädchen sittlich vergangen zu haben. Der Unhold, der, wie von Passanten beobachtet wurde, sich in der Nähe des„Waldschlößchens" herumtrieb, lockte vorübergehende Mädchen an sich. In einigen Fällen gelang es ihm, die ahnungslosen Kinder in die Falle zu locken. Die Mädchen verschwiegen die Vorgänge, aber schließlich ereiüe den Lüstling das Schicksal. Ein elffähriges Mädchen, das er anlockte und das er mißbrauchen wollte, wehrte sich mit allen Kräften und schrie um Hilfe. Die verzweifellen Schreie des Kindes wurden von vorübergehenden Passanten gehört, die den Unhold auf frischer Trtt ertappten. ES wurde sofort Anzeige bei der Polizei erstattet und am nächsten Tage erfolgte die Verhaftung. Der Verhaftete, der dem Aussiger Bezirksgericht zugeführt wurde, war geständig. Die bisherigen polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß er sich an zwei elf- und zwölfjährigen Schulmädchen vergangen hat. Eine Familientragödie Dienstag zeitlich morgens wurden die G e- schwister Phillipp aus Tscheraditz bei Saaz auf dem Boden chres Hauses erhängt aufgefunden. Vor zwei Monaten ist der Vater der zwei jungen Leute auf die gleiche Weise aus dem Leben geschieden. Man nimmt an, daß sich die Tragödie so vollzog, daß sich in der Nacht die 36jährige Marie Phillipp erhängte und als sie früh ihr Bruder so fand, verlor er den Kopf und folgte ihr nach. Zu dieser Auffassung kommt man, weil Emil Phillipp, ein 30 Jahre aller Wagnermeister, stüh um 6 Uhr noch eine Kund« schäft bedient hatte. Die Tragödie hat die lleine Ortschaft natürlich im ziemlichen Aufruhr versetzt. Hallen gibt plötzlich nach — um Zelt zu gewinnen London.(Eigenbericht.). In der Sitzung des Unteransschnffes für Nichtintervention kam es Mittwoch z« einer überraschende« Wendung, nachdem man die Berhandlungen Dienstag schon geschettert glaubte. Italien hat plötzlich— wenigstens scheinbar— nachgegeben. Grandi teilte mtt, daß die ttalienische Regierung derett sei, die Vorschläge Großbri- taaaiens vom Juni anzunehmen. Sie willige also in die Rückführung der Freiwilligen ein und wolle durch sofortige Rückführung einer gewisse« Zahl von Freiwilligen auf beiden Seiten die Voraussetzung für die Zu» erkenanng der Kriegsrechte an Franco schaffe«. Ferner stimme Italien damit überein, daß eine Delegatiou«ach Spanien gehe und die Zahl der Freiwilligen in beiden Lagern erhebe, um de« Mächten konkrete Vorschläge für die Abberufung zu mache«. Mau neigt in London dazu, das plötzliche Nachgeben Italiens als ei« M a n ö v e r auf Zeitgewinn anfzufaffe«. Man könnte mtt der neuen Berhandlungsphase, vor allem durch die Entsendung der Delegation und die Verarbeitung ihrer Berichte soviel Zett gewinnen, daß Franco inzwischen nach der als unausweichlich angesehene« Eroberung von Gijon seine Truppen an einer anderen Fronfftelle zu einer große« Offensive einsetze« kann. Reuter meldet: BiS Freitag sollen die technischen Experten des Subkomitees einen Bericht ««-arbeiten, auf welcher Grundlage die Kommis- sionen z« bilden wären, und überdies einen Bericht über andere technische Dinge, wie z. B. die Frage, wie die zum Abttansport der Freiwillige» aus Spanien erforderlichen Dampfer z« beschaffen seien und wohin die Freiwilligen befördert werden sollen. Sobald die Ziffer für die symbolische Abberufung der Freiwilligen, die für beide spanischen Parteien völlig gleich sei« soll, festgesetzt sein wttd, werden unverzüglich die beiden Parteien in Spanien hievon unterrichtet und ersucht werden, dieser symbolischen Abberufung ihre Zustimmung zu er- tellen. Nach erfolgter Berichterstattung seitens der«ach Spanien entsandten Kommissionen wttd über die verhältnismäßige Zurückziehung der Freiwilligen enffchiedcn werden. Weiterer Vormarsch in Hocharasonlen Barcelona. In Hocharagonien(Mto Aragon) behauptm die Regierungsabteilungen ständig die Kampfrnitiativr und die durch die Angriffe errungenen Vorteile. Im Laufe der Kämpfe am Dienstag und Mittwoch, bei denen die Republikaner Maschinengewehre, Flugzeuge und Tanks einsetzten, wurden besonders wichttgr Stellungen der Aufftändischen an den Hängen des R a s p u n erobert. Die RegierungSttuppen setzen auf den Befehl, das ständig bombardierte Sabina nigo und I a e a zu erobern, ihren Marsch auf diese Städte unablässig fort, franco 23 km vor Gijon Salamanca. Die aufständische Rundfunkstation meldet, daß die Truppen General Francos am Dienstag nach hartnäckigen Kämpfen das Dorf Villa Biciosa, 23 Kilometer von Gijon entfernt, besetzten. Dieses Dorf soll der letzte große Stützpunkt der RegierungSttuppen vor Gijon sein.. Die Franco-Flieger bombardierten Gijon, wo einige Opfer zu verzeichnen sind und den Hafen von Musel bei Gijon, wo der britische Dampfer„Reina" versenkt wurde. Zahlreiche Opfer erforderte auch die Bombardierung von C a s p e durch Franco-Flieger. Braune Kulturarbeit Valencia. Neun Junkersflugzeuge haben Mittwoch den Ort llaspr neuerdings bombardiert. Aus den Trümmern wurden 25 Zote und 100 Verletzte geborgen. Eine große Arbeitersiedlung und zwei Theater find vollkommen zerstört worden. Die Kleinbauern in der Kampffront. Am vergangenen Sonntag fand in Nikolsburg eine Gebietskonferenz des Zentralverbandes der Kleinbauern und Häusler statt, an der außer den Berttetern der einzelnen südmährischen Organisationen der Zenttalsekretär Schmidt aus Prag und Senator Wella n-Brünn teilnahmen. Es wurden organisatorische Fragen behandelt und zu den bevorstehenden Gemeindewahlen Stellung i genommen. In der Aussprache, an der sich alle ! Anwesenden beteiligten, kam die Treue zur Bewegung und ihr Kampfwille zum Ausdruck. Das Urteil gegen die Feuerkreuzler Budapest. Das Gericht fällte am Mittwoch nach mehrtägiger Verhandlung in Angelegenheit -des Führers der Feuerkreuzbewegung Zoltan Böszormenyi und Genossen das Urteil. Zoltan Böszormenyi wurde wegen des Verbrechens des Staatsumsturzes zu zwei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus verurteilt. Aüch ein zweiter An- geftagter, Bela Karolyfi wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, während die übrigen 67 Angeklagten mit geringeren Freiheitsstrafen davonkamen. Im Verlaufe des Prozesses gaben die An- geftagtrn zu, daß die Unterführer ihnen eine Entwaffnung der Armee und der Sicherheitsexekutive, Besetzung derStadt B u d a p e st, Verhaftung der Regierung und Uebervahme der St a ä t s m a ch t als Ziel der Bewegung bezeichneten und deren sehr nahe Verwirklichung versprachen. Brei neue Italienische Regimenter nach Spanien Gibraltar. Die italienischen Regimenter 61, 62 und 63, die am 11. d. M. mtt dem offizielle« Ziel„Libyen" Italien verlassen haben, siyd in der vergangenen Woche an Bord von spanischen Schiffen in täglich eintreffenden Gruppen in C a d i x angekommen. Dies besorgten die spanischen Schiffe„D o m i n e" und„L a- z a r Bon Italien ging die Reise i« Richtung Melilla, dann nach den Kanarischen Inseln. Dort erfolgte die Umladung auf die spanischen Schiffe. Insgesamt brachte dieser Transport wieder 6000 italienische Soldaten nach Spanien. 1000 von diesen waren in Zivil und wurden erst in Cadix in Uniformen der spanischen Fremdenlegion gesteckt. Leite 4 Donnerstag, 21. Oktober 193? Nr. 248 Die wiederhergestellte Kathedrale von Reims Marie Velgo- zwölf Jahre Kerker gen, als Marie Velgo aus dem Gerichtstor geführt wurde. Menschlichkeitsgefühl über den Paraqraphenwort- laut stellen dürfen, was dem an den Buchstaben des Gesetzes gebundenen Berufsrichter verwehrt ist. der Gerichtshof hat sein Urteil gefällt, womit der Fall der Marie Velgo einstweilen erledigt erscheint,. bis das Oberste Gericht in dieser Sache sein letztes Wort gesprochen haben wird. Marie Velgo ist der entfernten Mitschuld an der Ermordung ihres Gatten schuldig erkannt worden. Die Aufnahme, die das Urteil in der Oeffent- lichkeit gefunden hat,, ist nicht einheitlich, wie ja von vornherein die Einstellung zu diesem Kriminalfall nicht einheitlich und, wie sich geigte, beträchtlichen Schwankungen unterworfen war. Der Ausgang des Kampfes zwischen Anklage und Verteidigung blieb lange Zeit ungewiß, bis er sich | schließlich zugunsten der Anklage entschied. Umso bemerkenswerter erscheint die Argumentation, deren sich der Vertreter der Anklage bediente. Wir haben gehört, wie der Staatsanwalt den Geschworenen zurief, daß es ihre Pflicht sei,„nicht nach ihrem Gefühl, sondern nach dem Gesetz zu urteilen." Dieses Argument erscheint immerhin bemerkenswert, denn seine logische Konsequenz müßte die Institution des Schwurgerichtes als überflüssig erscheinen lassen. Ist es ja doch der Sinn des Schwurgerichtes, daß die Richter aus dem Volk über dem Gesetz stehen, daß sie eben das, was in diesem Fall der Ankläger verwirft. Durch fast vierzehn Tage hat der zweite Prozeß gegen Marie Velgo die Oeffentlichkeit aufs intensivste beschäftigt. Die unabsehbare Menge anonymer und gezeichneter Zuschriften, die den an diesem Prozeß Beteiligten zuging, ist daS sichtbare Zeichen des tiefen Eindrucks, den diese selbst nichts zu tun hätten und nur bestimmt waren, die Persönlichkeit des OGR Velgo zu charakterisieren. Auf die Person des als Hauptzeugen gedachten Cerny eingehend, bemerkte der Vorsitzende, daß dessen Verhör ergebnislos geblieben sei, verwies aber auf die mit Cerny seinerzeit aufgenommenen Protokolle, allerdings unter Hinweis darauf, daß Cerny damals als Beschuldigter einvernommen wurde und daher diese Protokolle nicht als Zeugenaussagen zu werten seien. Immerhin seien die Aussagen Cernys in Betracht zu ziehen, die die Angeklagte als Anstifterin und Helfershelferin bei der Mordtat bezeichnen. Gegen 11 Uhr erlitt die Angeklagte, die sichtlich durch die langtägige Verhandlung ausS äußerste erschöpft war, einen Herz anfall, der den Vorsitzenden nötigte, feine Ausführungen auf eine Viertelstunde zu unterbrechen. Während der weiteren Dauer des Resümees vermochte sich die Velgo nur mit Mühe aufrecht zu erhalten. Der Vorsitzende befaßte sich weiter mit den einzelnen Zeugenaussagen, deren Für und Wider er die Geschworenen sorgfältig zu erwägen bat und schloß gegen 12 Uhr sein Resümee mit dem Appell an die Geschworenen, nach bestem Wissen und Gewissen ihren Wahrspruch zu fällen. Dann übergab er ihnen die Akten und die Geschworenen zogen sich zur Beratung über die Schuldfragen zurück, die anderthalb Stunden dauerte. Unter größter Spannung des dicht gefüllten Schwurgerichtssaales verkündet« der Obmann des Geschworenenkollegiums das Verdikt. daS folgendermaßen lautete: Dir erst« Tchuldfragc, lautend auf Anstiftung zum Meuchelmord wurde mit fünf Stimmen bejaht, mit sieben Stimmen verneint. Dia zweite Schuldfrage aus entfernte Mitschuld wurde mit alle» zwölf Stimme« bejaht. Der in diese Frage aufgenommene Zusatz, ab sich di« Angellagte des bestehenden EhetandeS nicht bewußt gewesen sei, fand nur rin« bejahend« Stimme. ver„entfernten Mitschuld“ einstimmig schuldig erkannt/ Staatsanwalt und Verteidiger melden Rechtsmittel an z Die Angeklagte blieb ruhig (—rb—) Um V Uhr vormittags begann der Die dichte Menschenmenge, die sich vor dem Gerichts- Vorsitzende, Kreisgerichtspräsident Dr. Stibin-! gebäude gesammelt hatte, bewahrte tiefstes Schweiger sein kung auf die Masse der Bevölkerung aufbewahrt I nämlich das„G e f ü h l", das Rechts« und zu werden, wie sie jeder große Kriminalfall auszuüben pflegt. Die Geschworenen haben nach bestem Wissen und Gewissen die Schuldfragen beantwortet und Resümee. Einleitend bemerkte er, daß den Geschworenen der hier zur Entscheidung stehende Fall sicherlich so weit bekannt sei, daß sich das Resümee auf die Kennzeichnung der groben Umrisse des Sachverhaltes beschränken könne. Der Vorsitzende verwies im weiteren Verlauf auf die Widersprüche zwischen den seinerzeitigen und den heutigen Aussagen der Angeklagten. Wihrend sie sich seinerzeit zu der Anstiftung des<~..... m Mordes freiwillig bekannt hab-, verleugne sie jetzt! SchWurgerichMierhandlung weit über die Gren- ihre Schuld. Ebenso bestehe ein starker Widerspruch öesi unseres Staates hinaus hervorgerufen hat. zwischen ihrer seinerzeitigen Aussage, daß sie den! Die Kundgebungen kritikloser Parteinahme für Mörder in die Wohnung eingelassen habe und ihrer diese junge Frau, die nun nach dem Wahrspruch jetzigen Behauptung, daß sie ihm den Eintritt in die der Geschworenen auf zwölf Jahre in das Ge- Wohnung zu verwehren bemüht war. ES bestünden fänfini8 geschickt wird, und ebenso kritiklose Haß- rechtvielB^veise, die gegen und ebenso auch solch«, Ausbrüche gegen sie und ihren Verteidiger, Verdi« für dre Angeklagte sprachen. Es seren auch Zeu-.., Ti>.„ genauSsagen vernommen worden, die mit der Tat dienten, als Dokumente starker seelischer Emwrr- Einstimmig bejaht wurde auch die obligate Zusatzfrage. ob die Beweggründe der Tat niedrige und unehrenhaft« gewesen seien. Prokurator Dr. L e x a verlangte hierauf in seinem Strafantrag strenge Bestrafung der Angeklagten, indem er als belastende Umstände geltend machte, daß eS sich um die Anstiftung zu einem Meuchelmord an dem eigenen Gatten handle. Der Privatbeteiligtenvertreter Dr. Lochmann begehrte namens der Hinterbliebenen, daß das Gericht in seinem Urteil ihnen den Betrag Von 10.700 K£ zuspreche. Dr. Loria beantragte mit Rücksicht auf die überwiegend mildernden Umstände die Verhängung der zulässigen Mindeststrafe, die das Schwurgericht unter Anwendung des außerordentlichen Milderungsrechtes unter dem gesetzlichen Strafausmaß bemessen möge. Die Beratung des Schwurgerichtshofes dauerte etwa eine halbe Stunde. DaS Urteil lautete auf zwölf Jahre schweren Kerkers, verschärft durch einen vierteljährigen Fasttag und Dunkelhaft am Jahrestag des Mordes. Die Privatbeteiligten werden mit ihren Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Wie in der Urteilsbegründung ausgeführt wird.' hat das Gericht angesichts der überwiegend belastenden Umstände von dem außerordentlichen Milderungsgrund keinen Gebrauch gemacht und die Strafe im Rahmen des gesetzlichen Strafausmaßes verhängt. Der Verteidiger Dr. Loria meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Auch der Staatsanwalt bracht« Berufung wegen zu geringen Strafausmaßes zur Anmeldung. Die Verurteilte nahm das Urteil mit vollkommener Ruhe auf und blieb auch während der Fahrt in das Gefängnis, das sich in einiger Entfernung von dem Gerichtsgebäude befindet, absolut ruhig. Ziehung der Klassenlotterie lOhne Gewähr.) Prag. Bei der Mittwoch- Ziehung der V. Klasse der 87. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: Ki 80.000— das Los Nr. 52.821. K<5 20.000— das Los Nr. 27.567. K6 10.000— die Lose Nr. 33.288, 70.503. K« 5000— die Lose Nr. 10.005, 16.565, 22.473, 38.547, 46.296, 56.126, 58.999, 78.858, 84.989, 101.144, 109.088. K« 2000— die Lose Nr. 2570, 7907, 11.554, 12.036, 13.693, 17.831, 20.039, 20.271, 21.818, 23.624, 25.355, 27.652, 29.207, 29.887, 30.903, 32.855, 34.740, 35.934, 41.838, 42.750, 43.066, 45.232, 46.584, 47.408, 54.267, 59.597, 68.443, 70.125, 70.458, 72.391, 73.203, 74.870, 75.992, 77 776, 80. 936, 81.677, 82.525, 83.402, 84.369, 84.693, 88.990, 89.987, 92.430, 94.168, 100.903, 102-290, 104.163, 105.693, 107.628, 107.817, 108.748, 109. 908, 110.631 usw. „Nichteinmischung** Das Prinzip der Nichteinniischung sieht nach der Auffassung Deutschlands und Italiens so aus: Die demokratischen oder nichtfaschisti- scheu Staaten bleiben im sogenannten spanischen Bürgerkrieg streng neutral. Deutschland und Italien aber liefern Franco Waffen, Munition, Flugzeuge und vor allem Menschen was das Zeug hält und jedes Wort eines Protestes oder auch nur die Feststellung der Tatsachen durch eine nichtfaschistische Regierung oder deren Ver- treter stellt einen eklatavten Fall der Einmischung dar. Diesen Grundsatz der„Nichteinmischung" beobachtet Nazideutschland aber nicht nur im Falle Spanien, sondern allenthalben. Im deutschen Rundfunk schimpfen Goebbels, Hitler, Göring und wer vor das Mikrophon tritt auf die Demokratie, also über die Staatsform aller Kulturstaaten wie die Rohrspatzen. Wenn aber der Bürgermeister von New Jork einmal das Kind beim richtigen Namen nennt und den Nazikannibalismus zeichnet wie er ist, dann gibt es Staatsaktionen, Proteste und hoch- politischen diplomatischen Notenwechsel. Denn: selber empfindlich, wie altgewordene Straßendirnen, lassen sich die Al Capones des Dritten Reiches die Schimpffreiheit nicht schmälern und spotten jeder politischen und allgemeinen Moral. So hasten sie es auch unserer Republik gegenüber. Was sich der Nazifunk wegen der lächer- lichen Vorfälle in Teplitz in den letzten drei Ta- gen geleistet hat, ist eine einzige, unverschämte und über alle Maßen freche Ginmengung in innerpolitische Verhältnisse der Tschechoslo- wakischen Republik. Die Burschen, die dafür verantwortlich sind, haben sich nicht einmal ge- schämt, den Namen des großen Mannes, den wir vor wenigen Tagen zur ewigen Ruhe bestatteten, in ihren Lügenreigen einzuschließen. Aber vor ein paar Tagen haben sie ihren Gesandten wegen ein Paar harmloser Karikaturen in Bewegung gesetzt. Denn die öffentliche Schaustellung einer unretuschierten Photogra- phie des Osaf ist„eine Beleidig»', g des neuen. . Deutschland", die Verbreitung schamloser Lügen über einen anderen Staat aber das ausschließliche Privileg der Nazipropaganda, diese aber, wie ihre Urheber sind und bleiben ein dunkler Fleck für die europäische Moral, Kultur und Zivilisation. Hilfswrrk„Milch fürs Kind". Vom 24. Oktober bis 4. November findet im„Deutschen Haus" in Prag, täglich von 10 bis 18 Uhr eine Verkaufsausstellung von Heimarbeitern statt. Die Erzeugnisse wurden von den sudetesi- und karpathendeutschen Heimarbeitern direkt gekauft und sind besonders geschmackvoll und billig. Die Deutsche Bölkerbundliga hat diese Verkaufsausstellung als Fortführung des Hilfswerkes „Milch fürs Kind", dem bereits der Basar im Waldsteingarten gewidmet war, veranstaltet und mit besonderer Sorgfalt vorbereitet. Freie Besichtigung ohne Kaufzwang I Der Erlös wird nach dem Reichs-Notstandschlüssel den deutschen Bezirksjugendfürsorgen zur Durchführung einer Milchaktion für Kleinkinder überwiesen.— Am 25. Oktober von 18.10 bis 18.20 Uhr spricht im Rundfunk der Vorsitzende des Hilfswerks Dr. Alfons Clary und Aldringen über:„Erfolg und Weiterführung des Hilfswerks„Milch fürs Kind". Die Frage des Luftschutzes der Krankenhäuser. Bei der Behandlung des Kapitels Gesundheitswesen im Poranschlag des Landes Böhmen in der Landesvertretung verwies Prof. Jng. Parma von der Montanistischen Hochschule, ein bekannter Fachmann auf dem Gebiete des Gasschutzes, auf die Notwendigkeit des Schutzes unserer Krankenhäuser gegen Fliegerangriffe. Prof. Dr. Parma erläuterte die Frage und betonte in seinem Schlußantrage die Unerlässlichkeit der Er- 'gänzung der Krankenhaus-Einrichtungen und der Schulung des Personals. Entgegen den häufigen anderslautenden Gerüchten hob der Redner die ausgezeichnete Qualität unserer Gasmasken und Filter hervor, die ein schönes Ergebnis der Zusammenarbeit der tschechoslowakischen Wissenschaft mit der Industrie bilden. Die Gültigkeit der Sonntags-Rückfahrkarten für den Staatsfeiertag am 28. Oktober(Donnerstag) und die daraustolgenden Doppelseiertage am 31. Oktober und 1. November(Sonn- und Montag) wird nicht besonders verlängert. Die Fahrkarten werden also diesmal nur die normale Gül- tigkeit behalten. Nordische Edellinge. Nach mehrtägiger Verhandlung wurde in Graz das Urteil gegen die Mörder des Landtvirtes Salzger gefällt. Die Frau des Ermordeten Aloisia und deren Bruder Johann K a w a l d wurden, zum Tode durch den Strang, die angeklagten Geliebten der Mörderin Heusserer und Kornberger wurden wegen Mitschuld zu 18 bzw. 16 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Alle Verurteilten waren, wie die Verhandlungen ergaben, illegale Nationalsozialisten. Der tägliche Auto-Zusammenstoss. In der Nähe von Warschau stieß ein Auto mir einem Lastwagen zusammen und wurde vollständig zertrümmert. Zwei Personen wurden getötet, zwei weitere wurden im Zustande der Agonie in das Krankenhaus geschafft. Noch immer Menschenraub. Wie erst jetzt bekanntgegeben wird, ist am 25. September der 72- jährige Fabrikant Charles R o ß in Chicago von drei Männern entführt worden. Die Entführer forderten 50.000 Dollars Lösegeld, das bereits am 8. Oktober eingezahlt wurde, ohne daß Roß zu seinen Angehörigen zurückkehrte. Die Polizei hat diesen Entführungsfall bisher geheimgehal«. ten, um die Verhandlungen mit den Entführern, nicht zu stören. Man befürchtet, daß Roß bereits tot ist. Bekanntlich hatten die Entführer auch im Lindbergh-Fall das Lösegeld noch erpreßt, nachdem das Kind bereits tot wär. Kinderlähmung. In Melbourne sind 561 Personen, darunter 19 Erwachsene, an Kinderlähmung erkrankt, 42 Fälle sind bisher tödlich verlaufen. Während der Stürme in den letzten Tagen sind vier große Segelboote an der Küste des Marmara- Meeres zerschellt. 18 Personen kamen dabei umS Leben. Der Barometerstand geht über dem Festland allmählich zurück, die gesamte' Wetterlage bleibt jedoch in den Hauptzügen unverändert und wird von einem Hochdruckgebiet beherrscht, dessen Kern Wer Polen und den Karpathenländern liegt. Bei reichlichem Sonnenschein stiegen die Temperaturen in Mitteleuropa meist auf 14 bis 16 Grad an. Relativ sehr warm und trocken ist eS auf den Bergen.— Wahrscheinliches Wetter Do nnerS- t a g: Noch keine weseMliche Aenderung d«S bisherigen Witterungscharakters.— WetterauSsich- ten für Freitag: Stellenweise etwas stärkere Bewölkung, im ganzen jedoch noch schön und tagsüber relativ warm. Im Prozeß der sogenannten„Protokoll« der Weisen von Zion" wird am 27. d. M. das Berner Obergericht als letzte Instanz entscheiden. Di« erste Instanz hat bekanntlich die Hauptangeklagten wegen Peichreitung von Wink«l(Schund»)litera« tur zu Geldstrafen verurteilt, da die Sachverständigen die„Protokolle" als Fälschung bezeichneten. BerlosungSaktion„Eine Million Rundfunkteilnehmer". In der allernächsten Zeit erreichen wir in der Tschechoslowakei die Zahl von einer Million konzessionierter Teilnehmer des Rundfunks. Damit diese bedeutungsvolle Tatsache«ine besondere Betonung erfahre und damit ihr Propagandawert auS- genützt werden könne, wurde Wer Initiative deS Radiohändlerverbandes beschlossen, beginnend mit dem 20. Oktober d. I. eine besondere Verlosungsaktion unter dem Motto„Eine Million Teilnehmer deS tschechoslowakischen Rundfunks" zu vevanftalren. Die Aktion dauert bis zu jenem Tag«, an dem das Postministerium durch den Rundfunk proklamiert, daß diese Million erreicht wurde. Veranstalter dieser Aktion sind: das Ministerium für Post und Telegraphen, die Rundfunkgesellschaft Radiojournal, der Verband der Radiohändler und die tschechoslowakische Radioerzeugung. Im Wesen handelt es sich um folgendes: Wer sich in der Zeit vom 20. Oktober d. I. bis zur Beendigung der Aktion als neuer Rundfunkkonzessionär anmeldet und gleichzeitig in einem Radiogeschäste einen Empfänger kaust, erhält von dem Radiohändler eine besondere Verlosungsanweisung. Dieselbe gibt er bei der Anmeldung der Rund- funllonzession beim Postamt« ab. Die Postämter werden derart entgegengenommene und bestätigt« Verlosungsscheine dem Postministerium übersenden. Nach Beendigung der Aktion werden all« ausgefüllten und abgelieferten Verlosungsscheine im Verlosungssaal der StaatSlotteriedirektion in Prag in Anwesenheit von Vertretern der veranstaltenden Behörden und Korporationen in eine Urne hinterlegt, worauf jener Teilnehmer verlost wird, der die Ehrenbezeichnung„Der millionste Teilnehmer des tschechoslowakisch«! Rundfunks" führen wird. Neven dem millionsten Teilnehmer wird noch«ine große Zahl von weiteren Teilnehmern au der Verlosungsaktion ausgelost werden, welche, ähnlich wie der Millionste, mit überaus bedeutenden Sachgeschcnkcn respektive Anweisungen zwecks Ankaufes derartiger wertvoller Geschenke oder sehr werwoller Vorteile beteilt werden. Es ist selbstverständlich, daß der millionste Teilnehmer die bedeutsamsten Geschenke erhält. Für die Beschaffung der Geschenke räumte das Ministerium für Post- und Telegraphenwesen sowie di« Rundfunkgesellschaft Radiojournal den Betrag von 10.000 Kä ein, weiter wurden sehr bedeutende Gelb- und Sachgeschenk« Wersandt, welche auch jetzt noch von Privatfirmen der verschiedensten Art eingehen. Die Einzelheiten der BerlosungSaktion teilen alle Postämter sowie alle Radiohändler mit. (Vom Ministerium für Post- und Telegraphenwesen.) Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen: Donnerstag Prag, Sender 7. 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Sälonorchester, 12.10: Operettenmusik, 14: Deutsch« Sendung: DaS Benediktinerklofter zu Braunau. 17.50: Deutsche Sendung: Jugendstunde, Landwirtschaft, 18.45: Deutsche Presse, 20.30: Klavierquartet, 21.25: Beethoven: I. Sinfonie. C-Dur. 22.35: Klavierkompositionen von Debussy.— Prag, Sender II. 14.20: Deutsche Sendung: Kleines Solistenkonzert: SchWert, Hummel etc., 14.55: Deutsche Presse, 18: Salonquartett.— Brünn. 15.30: Rundfunkorchesterkonzert: Oströil, Smetana, 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Dr. Brügel: Unfallversicherung.— Kascha«. 19.15: Populäres Rundfunkorchesterkonzert: Bizet, Offenbach etc. Sir. 248 Donnerstag, 21. Oktober 1937 Veite 5 Li»« Briefmarke mit Georg VI; Die erste Briefmarke mit dem Porträt des englischen Königs für Grenada, einer Insel in Britisch-Westindien. allen Kreisen, die sich soziales Empfinden und gesunde Urteilsfähigkeit bewahrt haben, das Vorgehen des Gremialvorstandes, das jeder demokratischen und sozialen Auffassung widerspricht, verurteilt werden. Unksltdsre Arbeitsbedingungen Im Reichenberger Handelsgewerbe Gerade im Reichenberger Handels- und Speditionsgewerbe haben die Angestellten in den schweren Krisenjahren volles Verständnis für die sAvierige Lage der Kaufleute und Spediteure bekundet und alle Opfer gebracht, die von ihnen verlangt wurden. Die Gehaltseinbußen, die sie dadurch auf sich genommen haben, hat ihre Kaufkraft stark beeinträchtigt. Sie brachten diese Opfer, um die Existenz der Unternehmen, in denen sie beschäftigt sind, zu erhalten und in dem Bewußtsein, daß man ihnen für das Entgegenkommen, das sie unter dem Drucke der Krise bewiesen haben, späterhin eine ausreichende Entschädigung bieten werde. Der erwartete Wiederaufstieg der Wirtschaft hat sowohl im ganzen Staate als auch im Reichenberger Gebiete begonnen. Die Voraussetzungen, unter denen die Angestellten ihre Besserstellung erwarten konnten, sind eingetreten. Dennoch werden von den Angestellten im Reichenberger Handels- und Speditionsgewerbe derzeit nicht nur höhere-Leistungen als in den hinter uns liegenden Krisenjahren bei gesteigertem Geschäftsgang verlangt,- sondern es wird ihnen auch das Recht vor enthalten, höhere Gehältevzu verlangen. Die Tatsache, daß die Preise der wichtigsten Bedarfsgegenstände gegenüber dem Vorjahre eine wesentliche Erhöhung erfuhren, bringt mit sich, daß die aus dem Mehrumsatz entspringende Mehrarbeit bei gleichem Gehalte zu einer doppelten Senkung des Monatseinkommens führt. Durchschnittsgehälter von K£ 250.— monatlich für jüngere Angestellte und Kä 700.— für ältere, vielfach verheiratete Angestellte sind an der Tagesordnung. Dabei müssen die Angestellten durchschnittlich, obschon es noch genug Arbeitslose gibt, neun bis zehn Stunden täglich arbeiten, eine Feststellung; die keinesfalls übersehen werden darf. Wie überall im Staate, haben sich auch in Reichende>' die Gewerkschaften gemeinsam mit dem Geh.ausschusse an das Handelsgremium gewende:,.n über Auftrag der am 1. Juni abgehaltenen Massenversammlung der Handels- und Speditionsangestellten Verhandlungen herbeizuführen. Der Gremialvorstand hat jedoch trotz des wiederholten Ersuchen solche Berhandlnngen mit den Gewerkschaften abgelehnt; er wollte lediglich mit dem Gehilfenausschuß verhandeln, also mit Personen, die von den Mitgliedern des Gremiums wirtschaftlich abhängig sind und daher, wie es der Oeffentlichkeit gewiß verständlich ist, die Belange der Angestellten nicht so wahren können wie unabhängige Vollmachtsträger. Ueberall im Staate anerkennt man die Gewerkschasten als Treuhänder der Arbeitnehmerschaft und der Verhandlungsweg hat sich stets bewährt. Nur dem Reichenberger Gremialvor- stande bleibt es Vorbehalten, durch seinen unverständlichen Standpunkt den sozialen Frieden zu gefährden. Der Gremialvorstand hat am 4. August l. I. einen Beschluß verlautbart, wonach bescheidene Erhöhungen bei Gehältern unter XL 1000.— empfohlen wurden. Während sich ein geringer Teil der Reichenberger Firmen an diese Empfehlung hielt, hat der Großteil die Weisung nicht beachtet. So treibt ein Teil der Kaufmannschaft Wettbewerb auf Kosten der Angestellten, ihrer Kaufiraft und ihrer unhaltbaren wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Daß ein solches Vorgehen Konflikte heraufbeschwören muß, wird gewiß allen vernünftig Denkenden klar sein. Diese beispiellose Notlage der Handels- und Speditionsangestellten ruft gebieterisch nach einer Regelung. Die Gewerkschaften haben nach dem Scheitern des Versuches, direkte Verhandlungen mit dem Gremialvorstande anzubahnen, sich gemeinsam mit dem Gehilfenausschusse an die Behörden gewandt und diese um Vermittlung ersucht, womit der Wille der Gewerkschaften zur friedlichen Bereinigung erneut bekundet wird. Falls auch dieser Versuch scheitern sollte, lehnen die Gewerkschaften jegliche Verantwortung für di« Wahrung des Arbeitsfriedens ab. Angestellten, deren Einkünfte nicht zureichen, um auch nur die bescheidensten Bedürfnisse zu decken und deren Existenz ständig bedroht ist, kann nicht zugemutet werden, daß sie im Zeichen der Wiederbelebung der Wirtschaft solche Zustände schweigend ertragen. Durch derart unzulängliche Bezüge wird auch der Handel selbst in seiner Entfaltung gefährdet, weil die Kaufiraft der Angestellten geschwächt wird. Die Gewerkschaften sind sich dessen bewußt, daß auf ihrer Seite die Anteilnahme der gesam- 1 ten kaufenden Bevölkerung steht, daß aber auch jene Kaufleute, welche das Vorgehen des Gremialvorstandes nicht billigen, dieser Bewegung ;hre Svmpathie schenken. Umso schärfer wird in Den Ausweg aus diesem Konflikte haben die Gewerkschaften aufgezeigt; Verhandlungen über die Regelung der Gehaltsverhältnisse der Handels- und Speditionsangestellten, die Durchführung und Sicherstellung von- allgemeinen Gehaltserhöhungen l DHB— Deutscher Handels- und Industrie« angestelltenverband. AAV— Allgemeiner Angestelltenverband, Reichenberg. §OB— Cefioslovenskä obchodnickä beseda, Prag. EBP.— Einheitsverband der Privatangestellten, Prag. VdwA— Verband der deutschen weiblichen Angestellten. Ole Börst verlief am Mittwoch unter dem Eindruck der amtlichen Erklärungen und auch des Umschwunges an der New Aorker Börse in einer Atmosphäre der Kurssteigerungen, die teilweise sehr bedeutend waren. Diese stelle Wandlung ist für den wahren Charakter der letzten Börsenvorgänge nicht weniger charakteristisch als die Börsenderoute selbst es gewesen ist. Die Berkaufsaufträge wurden von den Besitzern der Papiere zurückgezogen, es liefen demgegenüber sogar so viele Kaufordres! ein, daß die Nachftage kaum gedeckt werden konnte. Da die Begrenzung der Kursschwankungen nach oben, die als Schutz gegen Kurscxzesse eingeführt worden war, nunmehr aufgehoben ist, können die Kurssteigerungen weit deutlicher zum Ausdruck kommen als früher. Ein Börsenintermezzo, das tells durch Leichtgläubigkeit, teils durch Böswilligkeit verursacht wurde, geht dem - Abschluß zu. Schlüsselstellung Menorka (MTP) Die Inselgruppe der Balearen besteht aus drei verschiedenen Teilen, die durch eine Durchfahrt von 40 bis 90 Kilometer voneinander getrennt sind. Die westlichsten Inseln Ibiza und Formentera sind die kleinsten, die mittlere Mallorca, die größte und die westliche Menorca, die umstrittenste des Archipels, das insgesamt 5014 Quadratkilometer groß ist und rund 350.000 Einwohner hat. Mallorca, Ibiza und Formentera sind fast seit dem Beginn des Bürgerkrieges dauernd em Besitz von Franco, Menorca dagegen ist—- fast könnte man sagen, M e n o r c a ist nämlich historisch schon immer als der S ch l L s s e i p u n k t der gesamten Stellung betrachtet worden. Es ist außerordentlich interessant, daran zu erinnern, daß England in dem Vertrage von Utrecht 1713 nicht nur Gibraltar erhalten hat, sondern es auch durch« gesetzt hat, daß ihm Menorca zugesprochen wurde, das es 1708 besetzte. Die Insel blieb bis 1783 in englischem Besitz, war aber dazwischen stark zwischen England Und Frankreich umkämpft worden; von 1786 bis 1703 mußten die Engländer Wf den- Besitz-di^eU- Insel verzichtend-«ü fall—"Visheüte im Besitz"der Bakencia-Reffie- rung geblieben. Die Inseln spielen eine außerordentlich große Rolle als Flugzeug st ütz- punkt; sämtliche nattonalistischen Luftangriffe sowohl auf Valencia wie auf Barcelona, wie auch die auf die Grenzstation zwischen Frankreich und Spanien sind von hieraus unternommen worden. Menorca ist zweifellos den Nationalisten ein Dorn im Auge, und die Vorbereitungen für die Verstärkung des Stützpunktes mit italienischer Hilfe werden gewiß die Folge haben, daß der so lange ausgebliebene Generalangriff auf Menorca unternommen wird. Und damit würde sich die Situation namentlich für Frankreich entscheidend ändern. EinBlick-auf die Karte genügst nur die? verständlich zu machen. Der direkte Weg von Marseille nach den französischen Departements in j Nordafrika— man darf niemals vergessen, daß Algier und Marollo für Frankreich keine Kolo- ' nien mehr darstellen, sondern zum Mutterlande gehörige Departements»d'o u t r e m e r" — führt zwischen den drei Gruppen der Balearen hindurch. Der Schiffsweg von Marseille nach Oran geht unmittelbar an Ä>iza vorbei, der kürzeste Weg von Marseille nach Algier führt durch die Straße zwischen Mallorca und Menorca. Je unsicherer die Verhältnisse wurden, desto weniger konnten diese beiden Wege benutzt werden. Die französische Schiffahrt, die in Zeiten des Frie dens eine der mächtigsten Arterien der franzö- sischen Wirtschaft und in Kriegszeiten die lebenswichtige Ader für die Durchführung der Mobilisierung und Herüberschaffung der Truppen aus Nordafrika bedeutet, hat sich bisher damit geholfen, Kurs westlich von Menorca zu nehmen und die breite Durchfahrt zwischen der Insel und Sardinien zu benutzen. Die Einnahme Menorcas durch die Nationalisten oder gar die Anlage eines italienischen Stützpunttes auf dieser Insel würde bedeuten, daß nicht nur der Weg noch mehr verlängert wird, sondern daß er im Ernstfälle überhaupt gesperrt werden kann. Man versteht also unmittelbar die wirlliche Lebenswichtigkeit der Frage für Frankreich., Für England liegen, die Dinge etwas anders; die Westostdurchfahrt ist für sie durch den Ausbau von Pantellaria zwischen Sizilien-und dem afrikanischen Festland sowieso schon gesperrt, und England muß sich auf das„Gent leinen-Agreement" über das Mittelmeer verlassen. Trotzdem hat aber Eden in voller Klarheit ausgesprochen, daß England die Besorgnisse Frankreichs wegen der Balearen vollkommen teile. Diese Besorgnisse verbleiben nach wie vor, und es ist, da man wieder Entscheidungen ausgewichen ist, auch nicht abzusehen, wie sie behoben werden können. Man erhält für Ke -100* Reichsmark»«’-»< -^-413.— '* Markinunzrn'.; ---.-i 995.— 100 österreichische Schilling . 526.50 100 rumänische Lei... . 16.40 100 polnische Zloty... . 515.50 100 ungarische Pengö.. . 554.50 100 Schweizer Franken . 654.50 100 ftanzösische Francs. . 96.70 1 englisches Pfund.. . 140.75 1 amerikanischer Dollar. . 28.40 100 italienische Lire.. . 117.40 100 holländische Gulden. . 1575.— 109 jugoslawische Dinare. . 60.30 100 Bellas . 479— 100 dänische Kronen.. . 628.— 100 schwedische Kronen . 726.— Emert Rutherford t Der Zertriimmerer der Atome London. Lord Rutherford, der bekannte englische Physiker, ist Dienstag im Alter von 66 Jahren gestorben. Ernest Rutherford ist tot. Sein Name wird in unserem Zeitaller unlöslich mit der Epoche einer neuen Naturbetrachtung verknüpft bleiben, zu der uns die Atomzertrümmerung die Tore geöffnet hat. Im Jahre 1911 bombardierte Rutherford mit den auS dem Radium geschleuderten Helium- Atomkernen, den sogenannten Alphastrahlen, verschiedene Elemente. Es gelang ihm zuerst, einwandfrei Stickstoff zu zertrümmern. Dies« Zer« ttümmerung eines Elementes bedeutete das Ende einer Epoche physikalischen Denkens, die in den Atomen, den kleinsten Teilchen der Elemente, unzerstörbare letzte Einheiten, die Bausteine des Weltalls sah. Welch ein langer Weg war es von der Alchimie des Mittelalters, von den vier Elementen Wasser» Feuer, Luft und Erde, den Bausteinen der Natur, zu dem modernen System der zweiundneunzig Elemente gewesen. Wie überlegen fühlte sich der Mensch um die Jahrhundertwende dem mittelalterlichen Goldmacher, der aus geheimnisvollen Mixturen in komplizierten Kesseln und Rohri cblangen Gold zu machen sucht«. Der Mensch um 1900 wußte, daß Gold eines der zweiundneunzig Elemente, einer der letzten unveränderlichen Bausteine des Weltalls sei. Diese hausbackene Sicherheit hat Rutherford mtt seinem Experiment gründlich zerstört. Wir glauben heute wieder, daß man mit den richtigen Apparaturen und dem richtigen Grundstoff auch Gold machen kann. Schon der NiBelpreisträger William Ram- s a y glaubte, mit Hilfe von Radium die Umwandlung von Elementen erreicht zu haben. Der Entdecker der chemisch unangreifbaren Edelgase Argon, Helium, Lenon und Neon glaubte, dar Edelgas Neon mit Hilfe von Radiumemanation auS Wasser erzeugt zu haben. Ebenso wollte er bereits aus dem Metall Kupfer mit Einwirkung von Radium das Metall Lithium erhalten haben. Die Nachprüfungen dieser Versuche hatten jedoch keinerlei Ergebnis. Später hat dann Rutherford einwandfrei zuerst beim Stickstoff und später auch bei anderen Elementen, unter anderem bei Aluminium und Phosphor, aus den Atomkernen Stücke— Wasserstoffkerne— herausgeschossen. Auf diese Weise wurden die bombardierten Elemente in andere, leichtere, verwandelt. Auf diese Art wurde Aluminium in Magnesium und Phosphor in Silizium verwandelt. Heute ist dieser Um« Wandlungsprozeß schon bei einer großen Anzahl von Elementen durchgeführt worden. Man darf sich nun aber nicht etwa vorstel- lcn,' daß der Atomzertümmerer ein Stück Magnesium in eine Umwandlungskammer legt, dort Radiumstrahlen eine Zeitlang auf das Stück rinwirken läßt und dann dafür sein Stück Na- trum herausnimmt. Es werden immer nur von einer unvorstellbar großen Zahl von Atomen, die so ein Stückchen eines Elementes enthält, einige wenige in das andere Element umgewandell. Diese winzigen Spuren des neuen Elementes überhaupt nachweisbar zu machen, das ist allein ein schwieriger Bezirk der Wissenschaften. Wenn wir sagen, es sind schon ein« große Zahl von Elementen in andere umgewandelt worden, so ist es nicht der Zufall, der diese bereits bezwungenen Elemente aus dem Periodischen System der Elemente ausgewählt hat. ES sind die leichten Elemente, die dem Bombardement der Radiumstrahlen nicht standgehalten haben. Um nun nicht mehr auf die beschränkte Kraft keiner Quantitäten von Radium angewiesen zu fein, baut man heute in den Hauptstädten der Weltmächte gigantische Apparaturen, in denen mit elektrischen Spannungen von Millionen Bolt ungeheuer schnell stoßende Schwärme von Mattriestrahlen erzeugt werden. Diese Bündel überschneller Kathodenstrahlen sollen die aktiven. Kräfte mehrerer Kilogramm Radium ersetzen. Heute liegt die Grenze der zertrümmerbaren Elemente etwa beim Jod, das im System der Elemente die Nummer 53 hat. Um das schwere Quecksilber zu zerttümmern, das die Nummer— Kernladungszahl•— 80 hat, sind noch erheblich größere Energien, als die bis jetzt einsetzbaren, notwendig. Mit der Zertrümmerungsmöglichkeit von Quecksilber ist dann aber auch der uralte Traum der Menschen, Gold zu machen, erfüllbar. Die Beschießung des Quecksilbers und seine Umwandlung in ein Element mit einer um eins kleineren Ordnungszahl bedeutet seine Umwandlung in Gold. Gold hat die Ordnungszahl 79/ Wie wunderbgr ist es, daß die Theorie heute uns bestätigt, was der primttive Glaube von tausend Alchimisten in langen Jahrhunderten war: Quecksilber ist der Ausgangsstoff zur Erzeugung künstlichen Goldes I Bor Jahren hat der Berliner Chemiker M i e t h e ungeheuresAüfsehen erregt, als erGold in einer Quecksilberdampflampe nach langwährendem Durchfluß starker elekttischerSttöme nachweisen konnte. Es stellte sich aber heraus, daß das vorhandene Gold bereits als Verunreinigung in dem verwendeten Quecksilber enthalttn war. Gold wirklich künstlich zu erzeugen, dazu dürfte erst die Sttahlenkraft der im Bau befindlichen gewattigen Atomzertrümmerungsanlagen ausreichen. Drei Millionen Bott will das Kaiser-Wilhelr.»Institut für Physfi zur Erzeugung eines Trommelfeuers gegen die Atomkerne einsetzen. Ein riesiges Bauwerk, das einen Durchmesser von neun Metern hat und mit seiner Höhe von fünfzehn Metern auf einer schmalen Basis, wie«ine Birne auf der Spitze steht, errichtet eine Forschungsgesellschaft in Easts Pittsburg in Nordamerika. Spannungen bis fünf Millionen Volt sollen hier zur Zertrümmerung der Atome eingesetzt werden. „Wenn wir bei fünf Millionen Bott angelangt sein werden"« prophezette Ernest Rutherford,„wird es möglich sein,, jedes Element, das sich auf der Erde befindet, zu zerbrechen und in andere Bestandteile zu zerlegen." Ernest Rutherford hat bereits zu seinen Lebzeiten dafür gesorgt, daß selbst sein Tod keine Arbeitspause mehr bei diesem großen Werk bedeuten wird Er hat in seinem Laboratorium einen Stab junger Wissenschaftler herangeholt, die sein Werk ohne Unterbrechung fortsetzen werden. Als Rutherford mit diesem Stab junger Forscher vor einigen Jahren auf einer Versammlung englischer Naturforscher erschien, begrüßte sie Sir Oliver L o d g e, ein weißbärtiger Zweiundachtzigjähriger, indem er sagte, daß diese jungen Männer— im Durchschnitt noch nicht dreißigjährige— in den letzten eineinhalb Jahren mehr zum Studium deS Atoms beigettagen haben, als die Männer, die sich in den vorangegangenen fünfundzwanzig Jahren um die Erforschung dieses Bausteins der Materie bemühten. Stolz antwortete ihm Ernest Ruther- fordc „Wir finden immer neue Wege, noch größere und noch gewaltigere Energiemengen zu erzeugen." „Wir können heute nicht ahnen, was wir in zwanzig oder dreißig Jahren wissen werden." Ein Jahr nach dttser denkwürdigen Versammlung sprach Professor Einstein in New Nork vor vierhundert amerikanischen Wissenschaftlern. Dort zeigte Einstein, daß Atome, die Bausteine deS Universums, nicht nur zertrümmerbckr find, sondern noch mehr, daß sie nichts sind als eine Form der Energie. Diese letzten Erkenntnisse, für die bei diesem Borttag die amerikanischen Gelehrten pro Person noch fünfzig Dollar Eintrittsgeld bcrahlen mußten, sind heute bereits auf dem Wege, Allgemeingut zu werden. Es ist ohne Zweifel, daß Ernest Rutherford, der Mann, der aus dem fernen Neuseeland kam, den Hauptanteil daran hat. Kurt Doderer Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag» 21. Oktober 1937. Nr. 248 i Träger Leitung Das„Volk ohne Manieren“ Jin ersten Augenblick wird der Leser dieses Titels der Meinung sein, daß diese Charakteristik vielleicht das Ausland gegenüber Deutschland anwandte. Das ist aber ein Irrtum und es wäre sogar eine Beleidigung der übrigen Kulturwelt, wollte man ihr eine derartige manierlose Art der Beleidigung eines ganzen Volkes, das zu solcher Charakteristik zwar täglich Anlaß gibt, ernstlich zutrauen. Trotzdem ist dieser Ausdruck vorgestern abends in der Rundfunksendung, allerdings der reichsdeutschen, zur Anwendung gelangt, aber nicht in der Art einer Anwandlung von S e Ibsterkenntnis, die doch Wohl nur ein Schritt zur Besserung wäre, sondern es unterfing sich ein Nazireferent, der doch, was Anstand und Gesittung betrifft, in einem Glashaus sitzt, mit diesem Ausdruck auf das tschechische Volk zu verweisen, bei Gelegenheit der Wiedergabe von Pressestimmen aus Deutschland zu den Vorfällen in Teplitz. Daß dieser Pfeil den Schützen trifft, der ihn abschoß, ist ganz klar! Gibt es ein Volk, und jetzt kann man das als Europäer sagen, das ein so geringes Recht hat. andere Völker über Manieren zu belehren, wie es gegenwärtig das deutsch' Volk ist, welches täglich und stündlich von braunen Desvoten und Barbaren in jeder nur möglichen Form bloßgestellt, ja selbst herabgewürdigt wird durch geistige und moralische Entmündigung? Ist es nicht ein Hohn auf alles, was Europa geleistet hat an Großem und Erhabenem, wenn es irgend einem dahergelaufenen Nazirepörter das Recht einräumt, über Manieren und Sitte zu sprechen; hat nicht der letzt' Bantunegcr einen moralischen Anspruch darauf, für seine Barbarei nicht verachtet zu werden, weil er eben nichts anderes gelehrt bekam, als eben ein Buschräuber zu sein, während ein Volk, vom Rang der Deutschen, das sich swlz das Volk der Dichter und Denker nannte, von seinen derzestigen Machthabern auf das Niveau von Buschmännern in vierjähriacr mühseliger Arbeit erst herab— erziehen ließ? Diese Erzieher und Kulturverächtet, die einem Ausspruch eines der Ihrigen zufolge den Revolyer entsichern, wenn sie das Wort Kultur hören, wagen es einem Volk, daF sich in Männern wie Masaryk und Benes, sowie vielen anderen in der Gegenwart und Vergangenheit geistig und sittlich manifestiert, die Worte eines Volkes ohne Manieren nachzuwerfen, wie man Steine wirft nach tollen Hunden. Dabei kann dieses Volk heute jene Kreise der Dichter und Denker aus seiner großen Einfalt des Herzens heraus. die ihm in seinen besten Stunde, zu eigen ist und von der es anläßlich des Todes seines Altpräsi- denten grandios Zeugnis ablegte, belehren, die glauben, auf Humanität als etwas Ueberlebtes manierlos verzichten zu können, denn dieses„Volk ohne Manieren" hat so viel Anstand, bis auf den heutigen Tag keine Konzentrationslager in seinem Lande zu dulden und sich zu empören, wenn man ät-ch nur im Scherz auf eiue solche Möglichkeit hinweist. Es hat in seiner Mitte keine politischen Reichstagsbrandstifter, und Mörder genießen bei ihm noch immer den Ruf von Verbrechern und nicht von Heroen, die Ehre von Mördern ist nicht die seiner Repräsentanten und Volksvertreter. Und"keiner hat hierzulande noch ein« Kundgebung an Mordbuben gerichtet, wie'die Botschaft an die'Lumpen von Potempa sie darstellt. Seine Lehrer haben ihm Bände voll tiefen gediegenen Wissens hinterlassen und der Kampf des Mannes aus den Tagen, von Polna und seines ganzen Lebens kanU heute als der Kampf des„Volkes ohne Manieren" gelten, das ihn vor der Welt ausficht als den Kampf des anständigen Menschen um die M^o r a l und Sittlichkeit einer Welt. Der Igel. .„Arbeitseinkommen, Produktion und Verbrauch" ist das Thema eines Vortrages von Dr. K. Maiwald. Der Vortrag wird vom Sozialen Institut veranstaltet und findet heute, Donnerstag, um halb 2.0 Uhr im Wintersaal des Fürsorgeministeriums, Prag II., statt. Eintritt frei. Die Bibliothek und der Lesesaal des Fürsorgeministeriums(Sozialinstitut) sind in den Mnter- monaten Oktober—März Fachinteressenten an Wochentagen in der Zeit von 7.30 bis 14.30 am Samstag bis 12.30 und am Dienstag und Donnerstag auch nachmittags bis 18 Uhr zugänglich. Aktion der Deutschen Bölkerbundliga„Milch fürs Kind". Verkaufsausstellung von Heimarbeiten. Deutsches Haus, 24. Oktober bis 4. November (täglich von 10 bis 18 Uhr, Zimmer 6). Besichtigung frei, ohne Kaufzwang. Xunst und Mssen Präser Konzertsaal Eine Prager Konzertdirektion ist auf den guten Einfall gekommen, regelmäßig alle vierzehn Tage einen Konzertanzeiger erscheinen zu lassen, in dem alle für den folgenden halben Monat in Aussicht genommenen Konzertveranstaltungen Prags, also nicht nur jene der betreffenden Konzertdirektion allein, aufgeführt erscheinen. Dieser Konzertanzeiger könnte vielleicht der Anfang der so notwendigen Z entralisierung des Prager Konzertbetriebs sein. Vorläufig gibt er uns allerdings nur Kenntnis von der unerträglichen, künstlerisch und kunftwirtschastlich schädlichen Konzertho /hrt, die Heuer gleich im ersten Konzertmonat ungehemmt über unS hereingebrochen ist. Unter den zwei Dutzend Konzerten der er st enOkto verhälft« waren mit die erfolgreichsten jene unserer spanischen Genossen, nämlich derCoblaBarcelona. über dertn Kunst und Können wir hier schon besonders berichten konnten und die in der Lage war, ihren ursprünglich festgesetzten drei Konzerten noch eine Matinee folgen zu lasten. Uebcr die Konzerte, die eine 180 Mitglieder starke Truppe von Orchestermusikern, Sängern und Tanzkünstlern aus den Reihen der roten Armee Sowietruß- l a n d s veranstaltet hatte und die sowohl künstlerisch als auch der äußeren Aufmachung nach eine Sensation im Prager Konzertbetriebe waren, können wir leider nur die Tatsache ihres ungewöhnliche» Erfolges berichten,' der die Veranstalter nötigte, ihren drei programmgemäßen Konzerten zwei weitere außerprogrammliche folgen zu lassen, da es uns nicht gelang, eine Eintrittskarte zu erhalten.— Die eigentliche Eröffnung der Hcrbst-Konzertsaison erfolgte durch einen sehr stimmungsvollen Konzertnachmittag der UmLleckä Beseda und des Prager Klubs der Orchesterkünstler, der als Veranstaltung im Freien, im Garten des Palais des Außenministeriums, gedacht war, aber wegen der Ungunst der Witterung dann im Saale dieses Palais abgehalten werden mußte. Bläs er-Serenaden standen auf dem Programm dieses Konzertes; ein Di vertimento von Jos. H a y d n, die Serenade in C-Moll von W. A. Mozart und Anton D v o- räks Serenade opus 44. So schön und gediegen wie. dieses Programm war auch seine Ausführung durch die Künstler des Orchesterklubs unter der liebevoll besorgten und auf schöne Klangwirkungen bedachten musikalischen Leitung von D r. V. SmetäLek.— Der Deutsche Kammermusikverein begann seine Herbsttätigkeit mit einem Abend alterKammer« musik instrumentaler und pokaler Richtung aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, bei dem auch die künstlerische Ausführung auf alten historischen Musikinstrumenten erfolgte. Die Gleichartigkeit der gebotenen Kammermusik aber bewirkte eine gewiffe Eintönigkeit, die noch durch den intimen Charakter der klangzarten alten Instrumente, die sich im großen, wenig akustischen Festsaale des Deutschen Hauses nicht recht durchzusetzen vermochten, verstärkt wurde. Künstlerische Mittler der historischen Kammermusik waren die Instrumentalisten S jeder- beck, Dohm e, Wilke und Lechner sowie dex Baritonist Haase.— Kammermusik besonderer Art wurde auch in einem Konzerte geboten, das der Berliner Meisterlehrer'des Cellospieles Prof. Georg Wille mit einer Anzahl seiner besten Schüler veranstaltet hatte. Man hörte,— meistens in mehr oder weniger problematischen Bear- beitungen,— Stücke für zwei Celli, für Cello- Quartett und sogar für zwölf Celli. Die reproduktiven künstlerischen Leistungen überzeugten bei diesem Kammermusikabend zweifellos mehr als die im Programm gegebenen produktiven.— Unter den konzertierenden Jnstrumentalkünstlern war der russische Geiger Nathanael M i l st e i n, der das erste„Amö"-Meisterkonzert bestritt, die weitaus größt« Attraktion. Er bewies durch sein in der Technik unheimlich vollendetes und im Vortrag unnachahmlich vollkommenes, geistig und in der Empfindung gleich starkes Spiel neuerdings, daß er dermalen unbestritten der Größte seiner Kunst ist. Pergoleses E-Dur-Sonate, Ioh. Seb. Bachs Chaconne und Brahms D-Moll-Sonate, die Vortragsstücke der ersten Abteilung seines Programmes, waren Gaben reinsten künstlerischen Priestertums.— Ausgezeichneten Eindruck machte in seinem eigenen Klavierabend der immer mehr zu künstlerischer Reife und Vollendung gelangende junge Prager Pianist H. W. S ü ß k i n d. Dieser ambitionierte Künstler hat es sich zur schönen Aufgabe gemacht, vor allem der neuen Musik zu dienen. Nicht weniger als drei Werke spielte er diesmal als Erstaufführungen; eine Sonate von Hindemith, „Drei Tänze" von Florent Schmitt und eine, beachtliches musikalisches Gestaltungsvermögen offenbarende, formal schwer zugängliche eigene„Fan- tasietta".— Unter den Vokalkünstlern ragte turmhoch der Wiener Bassist Alexander K i p n i s hervor. Nur ein Künstler von der Ausdrucksstärke, der Stilvollkommenheit und geistigen Tiefe wie Kip- nis ist imstande, Johannes Brahms'„Bier ernste Gesänge" dem Hörer wirklich zu Dank zu singen. Die samtene Schönheit seines Organes und seine hohe Gesangskultur zeigte dieser Meistersänge! vor allem auch in-den Opernarien. Sein vorbildlicher Partner am Flügel war Kapellmeister Schick vom Deutschen Theater, sein musikalischer Helfer bei der Programmhestreitung der Wiener Pianist Prof. Franz W a g n e r.— Neben diesem Sängerkonzerte war nur noch jenes der polnischen Koloratursängerin Ada Sari bemerkenswert, die ihre überlegen« Gesangstechnik in einem ebenso reichhaltigen wie dankbaren Programm zeigen konnte. E. I. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8: Arabella, C 2.— Freitag halb 8: Weh dem, der lügt! D.— Samstag halb 8: Frühlingsluft, neuinszeniert, CI.— Sonntag halb 3: Weh dem, der lügt! Halb 8. Arabella. A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heut«. Donnerstag, abends 8 Uhr: Parkstraße 13.—> Freitag 8%: Eine Frau ohne Bedeutung, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 8: Parkstraße 13.— Sonntag 3: Bei Kerzenlicht. 8: Die Reile. 5port-8ptek-Xvrperpstege Westböhmischer Arbeiterfußball Die einzige Ueberraschung bei den sonntägigen Serienspielen wird aus Altrohlau berichtet. Dort spielte Chodaus„Rote Elf", welcher es gelang, beide Punkte zu gewinnen. Ganz knapp gewann Fischern über Karlsbad unverdient und Falkenau konnte gegen Neudek ebenfalls nicht besser abschneiden. Die Gvaslitzer büßten in Maierhöfen einen Punkt ein und den einzigen hohen Sieg buchte Drahowitz gegen Aich. Schankau trat auch gegen Unterreichenau nicht an und scheidet laut den Satzungen nun endgültig aus. Alle Spiele verliefen wieder ohne jeden Zwischenfall, obwohl die Führung von fünf Mannschaften hart umkämpft wird. Die Ergebnisse: FFK Falkenau gegen ASB Neudek 3:2, ASB Altrohlau gegen Rote Elf Chodau 2:3(2:2), Atus Fischern gegen Rapid Karlsbad 2:1(1:0), ASV Maierhöfen gegen ASK Graslitz 2:2(2:2), Atus Drahowitz gegen Atus Aich 6:2. Stand der Tabelle FFK Falkenau. . 6 4 1 1 25:14 9 Atus Unterreichenau , 6 4 1 1 17:10 9 Atus Fischern.. ."6 3 2 1 14:13 8 ASV Altrohlau. . 5 3 2 1 18:13 7 Rote Elf Chodau , 6 3 1 2 12:12 7 ASK Graslitz.. . 5 2 2 1 15:12 6 Atus Drahowitz. . 6 2 1 3 12:13 5 ASV Neudek.. . 5 2 0 3 9:8 4 Rapid Karlsbad. . 5 2 0 3 6:17 4 Atus Aich... . 6 2 0 4 10:22 4 ASB Maierhöfen . 5 1 1 3 16:10 3 Atus-Union.(Fußball.) Wir machen di« Fußballabteilungen aufmerksam, daß in K a a d e n kein Fußballverein der Atus-Union besteht und daher Spiele mit einem anderen Verein in Kaaden verboten sind. Vwdnsnocfcricftten Vortrag über die Prnsionsverficherung und deren Mängel, gehalten für Rentner und Rentnerinnen, am Sonntag, den 24. Oktober, halb 10 Uhr vormittags im Angestelltenheim SmeLky 22. 8. Swck.— Eintritt frei. Republikanische Wehr, Prag. Am Donnerstag, den 21. Oktober, Uebungsibend in der Sporthalle auf dem DTJ-Sportplatz. Hetzinsel. Stndentenbund im Allgemeinen Angestellten- Verband.— Auskünfte und Anmeldungen täglich von 17 bis 18 Uhr SmeLky 22, 3. Swck. © Ortsgruppe Prag: Samstag, den 23. Oktober, Treffpunkt halb 4 Uhr Smichover Bahnhof, Fahrt nach Rev- nice, Wanderung zur Hütte. S o n n- t a: Kytin— Dobkis— Hieben«— Revnice. Führer: Schaffer. Preis zirka KL 8.50.- Neve Bttcher Else Lasher-Schüler, die eigenartigste in deutscher Sprache schaffende Dichterin, heut« wie fast alle eigenartigen und eigenwilligen deutschen Künstler im Exil, zur Emigration gezwungen wahrlich nicht nur ihres Judentums wegen—, Else Lasker-Schüler, die in ihrer Phantasie so oft und in so brennenden Farben den Orient geschaut hat, war, als nun mehr denn Sechzigjährige. in Palästina. In dem Buche„DaS Hebräerland"(erschienen im Verlag Oprecht, Zürich) besingt sie, was ihre Augen und ihr Herz und ihre Seele dort erlebten. Land der Väter und Land ihrer Träume, Land der großen Geschichte und der Neugeburt eines alten Volkes, das alles ist ihr Palästina, und es ist das Land guter Freunde, der Dichterin vertraut noch aus Deutschland her, und das der lebenden Märchen und der wahren Wunder. Else Lasker-Schüler erzählt in höchster Begeisterung und doch in oft rührend einfachen Worten, in jener seltsamen Sprache, die allein ihre Sprache ist, in der es neben ganz unzulänglichen, falsch gebauten Sätzen solche gibt, die an die reinsten mnd schönsten und vollkommensten heranreichen, die je große Dichter schufen. Ein Buch der Wahrheit und doch ein verträumtes Buch, das schönste aller Palästina-Bücher. Auch in Anette Kolbs Sommerbuch„Festspieltage in Salzburg"(erschienen im Verlag Allert de Lange, Amsterdam) ist, ein Land: Oesterreich, noch mehr aber eine Stadt, bas von Gästen aus aller Welt, von Kunstbegeisterten und Snobs aller Art überflutete Salzburg, der eigentliche Held einer Geschichte, in der nichts geschieht, nichts weiter, als daß zwei Freundinnen, deren eine Tschechin ist, sich Jahr für Jahr dort zur Festspielzeit wessen. Also ist auch keine Geschichte im eigentlichsten Sinne des Wortes zu erzählen, wird von der Stadt und ein wenig von ihren Menschen und) mehr von ihren Gästen, wird von den Opernaufsübrungen und Konzerten und großen Dirigenten geplaudert, klug und Wwn geplaudert, und auch manche gute Bemerkung Kiber Musik gemacht. Em Büchlein, das angenehme unbeschwerte Lektüre bietet und die Sympathien für die geistvolle Verfasserin vermehrt. Eine besonders spannende Liebesgeschichte ist der kleine Roman„Drei Tage" von VictoriaWolf (HnmanitaS-Verlag, Zürich), die Geschichte einer Liebe auf den ersten Blick. Zu einem berühmten Chirurgen kommt ein von anderen Aerzten aufge- gebener Fremder, kommt, um sich einer äußerst schwierigen Operation zu unterziehen. Des Chirurgen Frau weiß beim ersten Anblick, daß der Fremde der für sie bestimmte Mann ist,— der Fremde weiß es, daß sie die einzige Frau ist, die er jk lieben kann. Es gibt kein Fragen, kein Bedenken, kein Zweifeln. Und knapp vor der Operation erfährt der Chirurg, daß sein Weib des so plötzlich erschienenen Patienten Geliebte geworden ist— und er operiert doch und seine Hand zittert nicht, über den ergrimmten und gekränkten Mann siegt der Arzt, der den glücklichen Nebenbuhler rettet. Der Chirurg ist die am schärfsten gezeichnete Gestalt des Romans, der in ihm wühlende Kampf ist meisterhaft gestaltet, durch die Schil« berung dieses seelischen Ringens und die photographisch geweue Darstellung der Operation wird eigentlich der Chirurg in den Mittelpunkt der Erzählung gerückt. „König sein dagegen sehr..Roman von Sinclair Lewis.(Humanitas-Berlag,' Zürich. Preis kart. Fr. 4.80, geb. Fr. 5.50.) Das ist, was jeder wirklich humoristische Roman sein soll: ein heiteres Buch mit tiefernstem Gehalt. Es erzählt die Geschichte eines kindlichen Filmstars, der von seiner geschäftstüchtigen Mutter, einer phantastisch ungebildeten, aber nicht unklugen Frau,„gemacht" wird. Terry, her Filmknabe, ist ein im Grunde unglückliches Kind, er darf nie er selber sein. Das darf auch der zehnjährige Knabe nicht, der schon König ist, König irgend eines Balkanreiches. Mit diesem jungen König soll Terry zusammengebracht werden, zu Reklame-Zwecken. Er soll ja die Hauptrolle in dem Film„Kleine Majestät" spielen. Deswegen also, um mit dem König in Berührung zu kommen, schleppt ihn die Mutter nach London, wo sich der junge König Mar gerade mit der Königin-Mutter aufhält. Das ist köstlich, wie Terrys Mutter sich abmüht, zur Königin zu gelangen— und am allerköstlichsten, wie der König, her seinen Bewachern durchgebrannt ist, zu Terry kommt und wie beide in Gemeinschaft mit einem Hotclpagen ausreißen, um Seeräuber zu werden. Selbstverständlich endet alles„gut", fitzt der junge König zuletzt in seinem Schloß und der jung« Filmstar spielt einen jungen König— aber die Flucht der Knaben war, obwohl typisches Jungenabenteuer, doch mehr als Kindertorheit, sie war Flucht in«ine wahrere und vernünftigere Welt. Und weil wir in einer vernünftigeren Welt der Großen leben, mußte sie mißlingen, mußten zwei verschiedene Etiketten— die königliche und die für Filmkinder bestimmte— die Knahen umschließen und festhalten und— vernünftig machen. , AnnaSiemsen:„Diktaturen oder europäische Demokratie?"(Verlag Buchdruckerei Volksstimme, St. Gallen). Anna Siemsen schildert den heutigen Zustand Europas, macht dabei sehr eindringlich auf die sehr ernsthafte Bedrohung Europas durch den Faschismus aufmerksam und gibt die Losung aus, dem Faschismus die Ide« Europa ent- gegenzustellen, die Idee des organisierten Europa, her gesamteuropäischen Demokratie. Die kleine Schrift ist lebhaft, überzeugend geschrieben, sie ist dabei allgemein verständlich, und so kann sie mit dazu beittagen, die für Europa lebenswichtigste Erkenntnis zu verbereiten. Willi Münzenberg, der von der Sache wirklich etwas versteht, denn er hat«sich als Hauptleiter der Berlage der KPD bewährt, schildert die „Propaganda als Waffe" in einem fast 300 Seiten starken Buch, das in Paris(Editions du Carrefour) erschienen ist, die Nazi-Propaganda vor Hitlers Einsetzung in die Macht und seit der Gründung des „Dritten Reiches", die offene und geheime Propaganda, die im Jnlande und die von tausenden Or- ganisattonen unter Aufwand gewaltiger Kostenwon den Nazi im Ausland hetriebene Propaganda. Und es berichtet, daß den gleichen Titel«in in Deutsch- land erschienenes und nur für Offiziere bestimmtes Buch trägt und daß darin gezeigt wird, was die Propaganda, die schon während des Friedens mit ganzer Kraft einsetzen-muß, für den Krieg bedeutet. Es ist stellenweise sehr spannend zu lesen, wie die Propaganda«ine Hitler-Legende geschaffen hat und wie sie daran ist, eine, neue Religion zu schaffen, und es. ist dann auch freilich wieder ein wenig ermüdend. diese schier endlosen Aufzählungen der Mittel, der Arten, der Organisation der Nazi-Propaganda zu lesen. Wer Politiker sollten das alles lesen, Politiker und Staatsmänner, und sie sollten . es nicht mit müder Gleichgültigkeit lesen, nicht bloß pflichtgemäß, nicht als überlegene„Praktiker", sondern sehr aufmerksam. Nicht nur, um die ganze Gefahr zu erkennen, die der Welt durch die Nazi-Propaganda droht! Auch um für sich selber, zu lernen. Was man tun soll und was nicht. Nm vor allem sich von den Nazi darüber belehren zu lassen, daß der Politiker auch Psychologe f«in muß!— Zu Münzenbergs Buch ist nur noch zu sagen, daß es die in Deutschland sich«nffaltenden Widerstände zu überschätzen scheint. Noch scheint er uns kaum mehr als ein gefühlsmäßiger Widerstand zu sein, noch weit entfernt von wirklicher Krttik, von Erkenntnis, und noch weiter entfernt hon Tatbereiffchaft.. Vier Jahre deutscher Faschismus— das war zu viel, als daß nicht die Enttäuschungen der proletarischen Massen üher sich selber-nd über ihre Parteien allgemein und tief sein müssen, und das war zu wenig, um schon neue, allgemeine, tiefaufwühlende, durch keine Propaganda mehr zu belügende Enttäuschung zu erwecken. Tayerlova Sedcsätka.(Tayerles 60. Geburtstag.). Unter diesem Titel hat der Zentralrat der tschechoslowakischen Gewerkschaftsvereinigung ein von Jaromir HlavaLek redigiertes Büchlein herausgegeben, in welchem eine Reihe von Funktionären der internationalen sowie der tschechischen Gewerkschaftsbewegung di« bedeutenden Verdienste Tayerles um den gewerkschaftlichen Aufstieg der tschechischen Ar- beiterfchaft schildern. Das Büchlein ist mit interessanten Photos aus der Geschichte der tschechischen Arhetterbewegung versehen. Andre Philip: Krise und Planwirtschaft. (Zürich. Jean-Christoph-Verlag.) Das vorliegende Büchlein gehört zu den besten sozialdemokratischen volkswirtschaftlichen Broschüren, die in der letzten Zeit erschienen sind. Sein Verfasser ist Professor an der Universität in Lyon, ein Autor, der nicht nur außerordentlich kenntnisreich ist, sondern auch klar und volkstümlich zu schreiben versteht. Im ersten Kapitel ist eine Darstellung der Geschichte der Krise gegeben, dann werden alle jene Maßnahmen erläutert, die dazu gedient haben, um die Wirtschaften der einzelnen Staaten an die Krise anzupaffen bzw. sie aus der Krise hinauszuführen. Alle die großen Wirtschaftsprobleme, die seit 1929, dem Jahre des Krisenausbruches, eine Rolle gespielt Haden und dies nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika, gelangen zur Erörterung. Wer der Verfaffer schildert nicht nur die wirtschaftspolitischen Maßnahmen, sondern er versucht auch eine theoretische Erklärung für die weltwirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre zu geben, wobei er sich im- Wesentlichen auf die Krisentheorien von Marx stützt. In seinen Schlußfolgerungen gelangt Philip zu der überzeugend dargelegten Erkenntnis, daß uns nur eine planmäßige, vom Staat dirigierte Wirtschaft davor bewahren kann, in eine neue Krise und damit in neues Elend zu geraten. E. St. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.— vierteljährlich KL 48.—. halbjährig KL 96.- ganzjährig V 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschalttmgen Preisnachlaß. Rückstellung;on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken..— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Konttollpostamt Praha 25— Druckerei:.Orbis". 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