Aus dem Inhalt 17. Jahrgang Nr. 249 Freitag, 22. Oktober 1937 Gijon gefallen Chinesische Erfolge Wieder Massen-Todesurteile in USSR „Sozialdemokrat“ klagt 33 Blätter Lohnforderungen der Berg* arbelter F reigewerkschaftl icher Wahlerfolg Sozial- emokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag tSglich früh/ Einzelpreis 70-etter aktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Entspannte Atmosphäre Vorsichtig optimistische Rede des englischen Außenministers undMunition z u beschaffe«. A« die Zuerkennung der Kriegsrechte könne nicht gedacht werden, insolange nicht alle fremden Truppen Spanien verlasse» haben. Was die Situation im Fernen Osten anlangt, so möge, wenn China den Waffenstillstand annimmt, Japan aber ihn ablehnt, die britische Regierung ein internationales Embargo auf japanische Waren Vorschlägen. Der Einfall der Japaner in China könnte abgewehrt werden, wenn man energisch handelte. Alle Bestrebungen, die den Angreifer durch Opfer versöhnen wollen, müssen verurteilt werden. Der Führer der liberalen Opposition, Sinclair, sagte, für den Fall, daß der letzte italienische Vorschlag nur ein Mittel ist, daß Jta- lien.Zeit gewinne, muß für diesen Vorschlag eine genau begrenzte Frist festgesetzt werden. Der„symbolische“ Truppen-Rücktransport London.(E.-B.) Für die freitägige Sitzung dcsNichtcinmischungsaus- s ch u s s e s wurde,n Vorbereitungen getroffen, vor allem hinsichtlich der Zusammensetzung der in ternationalrn Kommisionen, dße dir Aufgabe haben worden, in Spanien die Zahl der ausländischen Soldaten sestzustellen, deren Abtransport vorzubereiten und die Frage zu lösen, was mit den abtransportierten Soldaten geschehen soll. Die Freitag-Sitzung des Richt- einmifchungsausschuffes wird sich besonders mit der Organisierung de- ersten Truppen» Rücktransportes zu befassen haben, des sogenminten„symbolischen", der höchsten 1000 biö 2000 Mann betreffend wird. Unmittelbar nach der Sitzung werden die entsprechenden Vorschläge an die Regierung in Valencia und«m den Rebellenausschu^ in Salamanca erstattet werden. Es wird erwogen, den Vorschlag zu machen, alle fremdenTruppensofort aus den Frontlinien zurückzuziehen, damit ihr Rücktranspott besser vorberetttt werden kann. Französische Vorbehalte Pari-. Das Nachlassen der internationalen Spannung in London wird an Pariser politischen Stellen begrüßt, jedoch mit dem Vorbehalt, daß sie den Auftakt zu einer tatsächlichen Wendung zu positiven Verhandlungen sei. Die internationale Kommission werde sechs Wochen bis drei Monate benötigen, um die Freiwilligenzählung in Spanien durchzuführen. An Pariser Links st ellen betrachtet man den Umschwung in der italienischen Haltung mit einigem Mißtrauen. Deshalb wird von ihnen zur Vorsicht und dazu geraten, dieses rein spanische Problem nicht mit der Frage der Sicher- der Einmischung in Spanien gelöst werden wird, kann in dieser Angelegenheit auf unsere herzlichste Mitarbeit gerechnet werden." Minister Eden ging dann zur Lage im Fer- n e n O st e n über, die er tragisch nannte, und gab dem Bedauern Ausdruck, daß durch Vorbesprechungen nicht bestimmt werden konnte, worüber in Brüssel verhandelt werden soll. Wir wünschen aufrichtig, daß die Leiden beendet werden, deren Zeugen wir heute in China sind, und wenn dies der Brüsseler Konferenz gelingen wird— sie hat dazu sicherlich die besten Aussichten^— dann wird Brüssel dem Fernen Osten den grüßten Dienst erweisen. . Minister Eden erwähnte dann die a l l g e- meine internationale Lage und er- innette daran, daß in der letzten Konferenz der Labour Party erklärt wurde, daß sich Europa wieder an dem Rand des Abgrundes befinde.„$n diesem Augenblick dürfen wir nichts tun, wodurch Europa über diesen Rand gestürzt würde. Die schweren Prüfungen der letzten Jahre muffen eine Warnung sowohl für die gegenwärtigen als auch für alle zukünftigen Regierungen sein. Schließlich aber beginnt heute schon die wachsende Stärke unserer ne« ausgerüsteten Wehrmacht in Erscheinung zu treten und diese Bedeutung kann nicht unterschätzt werden." (Stürmischer Beifall.) London. I« einer durch die Besserung der Richtintrrventionslage wesentlich entspann-! ten politischen Atmosphäre fühtte das britische Parlament in beiden Häusern am Donnerstag seine große außenpolitische De batte ad. Das Interesse der Oeffentlich- keit ist so groß, daß nicht nur der Parlaments- saal und die Galerien dicht gefüllt sind» son- der« daß überdies das Einlaß suchende Publikum bis auf die Sttaße vor dem Parlament angestellt steht. Die außenpolitische Debatte wurde im Unterhause von Eden und im Oberhause von Lord Plymouth eingeleitet. Das Schlußwort wird im Unterhaus Chamberlain, im Oberhaus Lord Halifax halten. Vie Rede Edens Eden stellte eingangs seiner Rede fest, daß »seit der Beendigung der Nyoner Konferenz bis zum heutigen Tag Piratenakte im Mittelmeer nicht mehr vorgekommen sind." (Beifall im Haus.).Mas das RichteinmischungS- Abkommen anlangt, waren wir der Ansicht gewesen, daß der Augenblick kommen wird, in dem es notwendig sein wird, zu erklären, daß wir unsere volle Handlungsfreiheit wieder, herstellen müßten, wenn der Nichteinmischungsausschuß zu keinen günstigen Ergebnissen gelangen könnte. Fast in letzter Stunde hgtdieitalienischeRegierungim Subkomitee de? RichteinmischungSausschusseS einen neuen und sehr willkommenen Beitrag geleistet. Da es praktisch unmöglich ist, über die Zahl der Freiwilligen in beiden Lagern zu einem Einverneinen zu gelangen, ist es notwendig, den italienischen Vorschlag anzunehmen, daß von vorher die Verpflichtung eingegangen werde, daß die verhältnismäßige Abberufung auf Ziffern begründet sein wird, welche die nach Spanien ent- sandten Kommissionen feststellen werden, mögen die endgültigen Endziffern welche immer sein. Die brittsche Regierung stimmt diesem Vor» - schlage voll zu«nd weiß aufrichtig den Beitrag zu schätzen, den die italienische Regierung für die internationale Beruhigung geleistet hat. Niemand darf sich aber— und ich wäre sicherlich der Letzte*— einem allzu großen Optimismus hingeben, denn die Probleme, die noch zu lösen sind, sind groß. Die kommenden Wochen aber werden zeigen, daß die britische Regierung bestrebt sein wivd, daß dieser einmal begonnene Fortschritt rasch und ohne fede Verzögerung zum Ziele geführt werde. Das Subkomitee des NichteinmischungsausschuffcS tritt deshalb schon Freitag zusammen und wir hoffen, daß in dieser Sitzung die Antworten aller beteiligten Regierungen auf den neuen italienischen Vorschlag vorliegen werden. Ist Italien aufrichtig? Die Frage, die die Labour Party stellt Nach Minister Eden ergriff der Labour« Führer Major A t t l e e das Wort. Attlee sagte: „Wenn die italienische Regierung tatsächlich zur N i ch t e i n m i s ch u n g bereit ist, so begrüßt dies niemand dankbarer als die britische Arbei» terpartei. Wen« aber die ttalienische Abficht nicht ausrichtig ist,dann find alle Vorschläge vollkommen vergeblich. Fraglich ist, ob die bri tische Regierung hinreichende Versicherungen erhalte«hat,ob in der Zeit, während welcher die llnter- suchung über die Abberufung der Frei willige« aus Spanien durchgeführt werden wird, nicht fortgesetzte Verstär kungen von Truppe» und Kriegsmate rial nach Spanien gebracht werden. Wenn die britische Regierung nicht im Besitze dieser Versicherung ist, dann wird der einzige wirklich ehrliche Vor gang darin bestehen, der s p a n i»*. W scheu Regierung das volle! hUtVmM i'tl el'l ä'n'd i°s ch'e n Meer Recht zuzuerkennen, sich W a s f e«I zu vermengen. In dem spanischen Konflikt ist die britische Regierung entschlossen, mit Geduld ihre Anstrengungen darauf zu konzentrieren, daß dieser Krieg lokalisiert werde, wobei sie allerdings darauf bedacht sein wird, daß die britischen Interessen nicht bedroht werden.(Beifall.) Mit den mittwöchigen Ereignissen deS Subkomitees des Nichtinterven- tionsausschuffes waren wir zufrieden und wir sind durch diesien wirklichen Fortschritt zur Ausschaltung der spanischen Frage aus der Sphäre der internationalen Konflikte ausge» . muntert worden. Die britische Regierung hofft aufrichtig, daß dies ein dauernder Fortschritt sein wird, da die fremde Einmischung in Spanien die Aussichten auf eine Besserung der Verhältnisse unter den Mittelmächten getrübt und den Weg zum internationalen Frieden versperrt hat. Wenn das spanische Problem mit allen seinen strategischen und politischen Seiten verschwinden wird, dann wird es möglich sein, daß die M i t t e l m e e r v ö I k e r durch freundschaftliche Besprechungen die Rückkehr z u r t r a d i t i o n e l l e n F r e u n d s ch a s t untereinander, wie sie in Vergangenheit besmnd, suchen. Unter der Bedingung, daß das Problem Scharfe Pariser Stellung gegen Herrn Neuraths„Insolenten** Bescheid Die„Prager Presse" veröffentlicht heute folgendes diplomatische Bulletin der halboffiziösen Agentur Radio zu der reichSdeütschen Kampagne gegen die Tschechoslowakei: In P a r i s herrscht lebhafte Erregung über das Derhal» tenDerlins gegen die Tscheche» stowakei, deren Protestschritt von der Reichsregierung zurückgewiesen wurde. Selten ist ein insolenteres Kommun i 0 m i gegen eine ausländische Macht redigiert worden. Zm übrige» darf man die Möglichkeit von Rückwirkungen der deutsch-tschechoslowakischen Spannungen auf die ge- famteuropäische Situation nicht aus den Augen verlieren. Die französische wie übrigens auch die b r i- tische öffentliche Meinung und wie alle Freunde des Friedens können sich an der zwischen Berlin und Prag künstlich geschaffenen Spannung nicht desinteressiere«. Eine beachtliche rumänische Stimme Bukarest. Der„Timpul", der vom ehemaligen Unterstaatssekretär im Außenministerium, Gafenco, herausgegeben wird, nimmt in sehr bemerkenswerter Weise gegen die" reichsdeutschen Presseangriffe auf die Tschechoslowakische Republik Stellung. Das Blatt stellt fest, daß in den von Deuffchen bewohnten Gebieten der Tschechoslowakischen Republik bei den Behörden in deutscher Sprache amtiert werde, dah die Deutschen in der Tschechoslowakei über ein ausgebildetes Schulwesen vom Kindergatten aufwärts bis zur Prager Universität besten, daß. an der Regierung Deutsche als verantwottliche Minister teilnehmen, daß also die von Henlein in seinem Brief an den Präsidenten der Republik erhobenen Proteste jeglicher Stichhälttgkeit entbehren. Aber die Bindungen der von Henlein gefühtten SdP mit dem nationalsozialistischen Zentrum seien stärker als I diese Tatsachen. Wo steht England? A. S., London, Mitte Oktober. In diesen Tagen wird das englische Unterhaus zusammentreten. Als es im Sommer auseinanderging, wurde die internationale Läge als o ernst angesehen, daß man darauf verzichtete, die Session zu schließen und dem Haus die Bflig- lichkeit ließ, jederzeit während der Ferien wieder zusammenzutreten. Davon ist nun fteilich trotz des Wunsches der Arbeiterpattei nach einer Parlamentstagung kein Gebrauch gemacht worden. So wird die erste Handlung des Parlaments nach deinem Zusammentritt darin bestehen, daß.es eine Session formell schließen wird. Aber dieser Abschluß wird nicht einfach in der üblichen Entgegennahme der Schlußerklärung des Vertreters des Königs bestehen. Um der Forderung der Arbeiterpartei wenigstens teilweise Rechnung zu tragen, wird zunächst eine große Debatte über die internationale Lage'stattfinden. Sie wird sich vor» aussichtlich nur auf den Fernen Osten beziehen. Die spanische Frage oder richttger die Mittelmeer« Probleme dürften erst zu Beginn der gleich anschließenden neuen Session erörtert werden. Das !ist der Wunsch der Regierung, die während der Debatten im Nichteinmischungsausschuß keine Parlamentsdebatte über diese Fragen haben will, und die Opposition ist anscheinend bereit, sich diesem Wunsch ercksprechend zu verhalten. Roosevelts. Rede, die so verheißungsvolle Ausblicke auf die amerikanische Mitwirkung im Kampf für den Frieden eröffnete, ist in den Londoner Regierungskreisen kühler beurteilt worden als anderwärts. Zwar ist die Empörung überd-e Luftangriffe auf offene Städte in China gegenwärtig in der übergroßen Mehrheit der britischen Oeffentlichkeit nicht geringer als vor beinahe zwei Jahren der Sttmn, der Sir Samuel Hoare aus dem Außenministerium hinwegfegte. Unzählige Massenkundgebungen im ganzen Land, zuletzt die sonntägige Massenversammlung auf dem Trafalgar Square, legen von dieser Empörung Zeugnis ab. Aber die englische Regierung, die schon vor fünf Jahren, als die USA während des mandschurischen Krieges Aktionsbereitschaft an den Tag legten^ jede wirksame internationale Aktion zu verhindern wußte, ist auch heute gegenüber den Washingtoner Lockrufen harthörig. Eine bloß wirtschaftliche Aktion gegen Japan hält man für unzureichend, einem bewaffneten Konflikt will und kann man sich nicht aussetzen, solange die Mittelmeerfragen nicht bereinigt sind. England wird daher gewiß alle Bermittlungsbemühungen, die an der bevorstehenden Brüsseler Konferenz der Vertragspartner des Neunmächte-Paktes von 1922 vorgeschlagen werden dürsten, wärmster»- unterstützen: Darüber hinauSgehen wird es aber kaum. Das Zentralproblem der britischen Außenpolitik liegt heute und wohl noch längere Ze t ausschließlich in Europa. Die Verwicklungen im Mittelmeer dienen also als Begründung für die Passivität im Fernen Osten. Bisher aber hat England noch keine Zeichen der Aktivität im Mittelmeer an den Tag gelegt, seitdem es in Nyon einen so eindeutigen Erfolg über Italien davongetragen hat. Lloyd George hat in einer brillanten Rede in Wales eine Deutung für die letzten Ereignisse gefunden. Zur Zeit von Nyon, sagte er, war Eden allein. Da hat er seinem eigenen Verstand folgend gehandelt und erfolgreich gehandelt. In den beiden vergangenen Wochen aber, da die Spanienftage zur Verhandlung stand, war er in London, in unynt- telbarer Nähe von Downing Stteet, dem Sitz des Ministerpräsidenten. Daher die Hemmung seiner Aktion. An diesem Scherzwort, das die Runde durch die bttttsche Presse macht, ist offensichtlich einiges Wahres. Die übergroße Mehrheit der englischen Oeffenüichkeit hat endlich erkannt, daß die Politik des ständigen Zurückweichens die Gefahren nur vergrößett, denen sie angeblich begegnen sosi Die starken Sympathien, die gerade in den fortschrittlichen Kreisen fiir Deutschland bestanden, solange es vermeintlich für seine Gleichberecht'» gung kämpfte, sind vorbei, seitdem, di« deutscbe Intervention in Spanien nur zu deutlich gezeigt hat, was die»Gleichberechtigung" wirklich bedeutet. Und auf der äußersten Rechten, die klassen- mäßig nicht wenig Sympathie für die deutsch!» Kommunistenfresser hat, setzt man den Kolonial« forderungen des Dritten Reichs so erbitterten Widerstand entgegen, daß von der einstigen Zuneigung nichts mehr übrig geblieben ist. Noch plädieren einflußreiche Persönlichkeiten wie etwa Lord Astor in den„Times" dafür, daß keine Tu- Seite 2 Freitag, 22. Oktober 1937 Nr. 249 Der Fall Gijons Die asturischen Bergarbeiter kämpfen weiter London(Eigenbericht.) Die letzte größere Stadt Nordspaniens, Gijon, ist Donnerstag früh de« Franco-Truppen übergebe« worden. Die asturischen Bergarbeiter, die fünfzig Tage lang der feindlichen Offensive standgehalten hatten, zogen sich in die unwegsamen Berge südlich von Gijon zurück, wo sie bis zum bittere» Ende aushatten wollen. Die spanische Regierung hat«»England und Frankreich die Aufforderung gerichtet, den Abtransport der Flüchtlinge durch Kriegsschiffe auf hoher See zu s i ch e r«. Biele Hunderte Frauen und Kinder sind in der letzten den Regierungstruppen verbliebenen Hafenstadt Avila versammelt«nd warte« auf ihre Rettung. ren endgültig verschlossen werden sollen. Jede deutsche Aktion aber, die den Frieden gefährden könnte, würde selbst dafür sorgen, daß die Türe für lange Zeit ins Schloß fällt. Im Vordergrund steht aber heute nicht das Dritte Reich, sondern der Kampf Italiens um die Vorherrschaft im Mittelmeer. Die italienischen Truppensendungen nach Libyen und Tripolis, die Fäden, die von Rom zu den arabischen Terroristen in Palästina führen, die neu einsetzende arabische Radiopropaganda der süditalienischen Sender zeigen ebenso wie die italienischen JnvasionSarmeen in Spanien, daß Muffolini eifrig bemüht bleibt, seine Position im Mittelmeer auszubauen. Für Frankreich ist die Lage bereits nahezu unerträglich geworden. Die Bedrohung der Pyrenäengrenze und der Nord-Süd-Verbindung im Mittelmeer haben auch den französischen Generalstab in Bewegung gesetzt. Paris blickt aus London, mit dem es in innigstem Kontakt zu bleiben wünscht. Auch hier gilt, daß«ine große Mehrheit in der öffentlichen Meinung der ständigen italienischen Herausforderungen müde ist. Selbst innerhalb der konservativen Partei ist eine'starke Strömung dafür, durch eine neue energische Aktion nach dem Vorbild von Nyon ein für alle Mal Ordnung zu schaffen. Daß Eden persönlich dieser Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege Gesundheitsminister Dr. Czech bei den tschechischen sozialdemokratischen Aerzten Die am Mittwoch durchgeführte Versammlung der Prager tschechischen sozialdemokratischen Aerzte war dem Andenken des Präsidenten Ma- saryk gewidmet. An der Feier nahm auch Gesundheitsminister Dr. Czech teil, der sich in einer längeren Rede mit den Aufgaben der öffentlichen Gesundheitsverwaltung befaßte. Er dankte zunächst für die anerkennenden Worte, die der Obmann der Aerzteorganisation. Dr. O. Popper, seiner Arbeit und der des Gesundheitsministeriums gezollt hatte und knüpfte dann an die Worte an, die T. G. Masaryk in seiner Jubiläumsbotschaft zum 28. Oktober 1928 über das Gesundheitswesen gesprochen hatte, als er darauf hinwies, daß dem Gesundheitsministerium noch nicht jene Bedeutung im Rahmen der Staatsverwaltung guerkannt worden fei, auf die es Anspruch zu erheben vermag. Im Geiste dieses großen Genius unseres Landes haben wir gearbeitet und sind inzwischen ein großes Stück vorwärts gekommen. Auf dem Wege, den uns T. G. Masaryk vorgezeichnet hat, wollen wir weiter schreiten im Sinne seiner Forderung, daß wir uns darum bekümmern muffen, daß die Menschen nicht nur geboren werden, sondern daß sie auch am Leben bleiben. Minister Dr. Czech beschäftigte sich in seinen weiteren Ausführungen mit dem vom Gesundheitsministerium ausgearbeiteten Entwurf eines Krankenhausgesetzes, das unser Anstaltswesen auf neue und moderne Grundlagen stellen soll. AuS dem Krankenhaus soll der Mittelpunkt der öffentlichen Gesundheitspflege gemacht werden, die öffentlichen Krankenhäuser sollen in den Dienst der sozialen Gesundheitsfürsorge gestellt werden. In dem Gesetz ist alle Vorsorge für den den großen Anforderungen ihres Dienstes entsprechende Regelungen der Dienst- und Gehaltsver- hältniffe des Personals der Anstalt getroffen. Schritt für Schritt soll das Gesundheitsministerium sein Programm verwirklichen. Es soll Gruppe nahesteht, ist mehr als wahrscheinlich. Aber die„älteren Staatsmänner", die Neville Chamberlain repräsentiert, zögern, jetzt schon eine entscheidende Auseinandersetzung heraufzube- schwören. Sie bauen darauf, daß die Zeit für England arbeitet und vergessen vielleicht» daß unterdessen wertvolle Positionen für lange Zeit verloren gehen könnten. Wozu noch der ständige Druck jener bornierten Ultra-Konseryativen kommt, denen jede Aktion, die auch nur indirekt den„Roten" von Valencia Hilfe brächte, ein Dorn im Auge ist. Die große Masse der Arbeiterpartei und der Liberalen, für die Lloyd George spricht, ertragen das englische Zögern nur mit wachsender Ungeduld. Muffolini scheint darauf zu bauen, daß er auch diesmal dank englischer Un- entschloffenheit sein Schäflein ins Trockene bringen kann. Aber man täusche sich nicht: jeder neue Zwischenfall im Mittelmeer vermag die heute noch schlummernde Mißstimmung im englischen Volk zu einem Brand zu entfachen, der nicht weniger heftig wäre als jener, der England im Jahre 1914 für die belgische Unabhängigkeit marschieren ließ. Das Terrain ist schlüpfrig, Muffolini mag vielleicht schon bald Gelegenheit haben, zu seinem Leidwesen festzustellen, daß auch die Geduld deS britischen Löwen nicht ohne Grenzen ist. das alte Gesundheitsgesetz aus dem Jahre 18?0 durch eine neue Vorlage über die Organisation des öffentlichen Gesundheftswesens ersetzen, es bereitet ein neues Epidemieqesetz, ein neues Lebensmittelgesetz, ein Gesetz für die Schulärzte vor und arbeitet mit dem Ministerium für soziale Fürsorge zusammen an dem Entwurf des Jugendfürsorgegesetzes. Zur Verwirklichung seiner Ziele bedarf eS der weitestgehenden von sozialem Gefühl getragenen Mitarbeit der Aerzteschast. Der Vorsitzende Dr. T a m e l e dankte dem Gesundheitsminister für seine mit großem Inter» effe aufgenommenen Ausführungen und sagte im Namen der sozialdemokratischen Aerzte die stärkst mögliche Unterstützung bei der Verwirklichung der von ihm gekennzeichneten Absichten zu. In der darauf folgenden Debatte beantwortete Minister Dr. Czech einige Anfragen aus den Reihen der Versammelten und beschäftigte sich mit den vorgebrachten Anregungen. Parlament am 29. Oktober Die beiden Kammern der Nationalversammlung wurden entgegen den ursprünglichen Dispo- sitionen vom Präsidenten der Republik erst für Freitag, den 29. Oktober, zur Herbsttagung nach Prag einberufen. Mit der Vorlage des Budgets ist für diesen Tag noch nicht zu rechnen. Es dürften lediglich einige kleiner« Vorlagen aufgelegt werden.'_______ Der Präsident der Republik empfing Donnerstag, den Gesandten in Brüffel Dr. Vladimir S l a v i k und sodann den Schriftsteller Dr. Karel Capek. Die Budgetdebatte in der Höhmischen Landesvertretung wird heute beendet werden. Der Donnerstag war zur Gänze der Schuldebatte gewidmet/ in welcher für die deutschen Sozialdemokraten Jllner-Landskron sprach. Da nach der Abstimmung über das Budget, die heute erfolgt, noch eine große Anzahl anderer Tagesordnungspunkte zu erledigen ist, wird nicht ausgeschlossen, daß die Landesvertretung noch am kommenden Dienstag zusammentreten wird. Der Fall von Gijon wurde zuerst durch einen Geheimsender mitgrteilt, den die Faschisten in Gijon errichtet hatten. Durch den Fall dieser Stadt werden etwa 100.000 Mann Franco- Truppen frei werden, die an anderen Punkten der Front einzusetzen sind. Dieser Umstand dürste sehr zur Erklärung der plötzlich geäußerten Bereitschaft Italiens beitragen, der Z«- rückziehung der fremden Truppen schließlich zuzustimmen. q- Republikanischer Erfolg an der Südfront- An der Südfront haben die republikanischen Abteilungen Donnerstag um 3 Uhr ftüh einen heftigen Angriff der Franeo-Truppen abgewehrt, die sie in den Stellungen in der Sierra El Pern angriffen. Die Berluste der Franeo- Truppen waren groß. Die Republikaner unternahmen einen Gegenangriff und besetzten dir Höhen ans der Lama de Barrego. Sie setzen gegenwärtig ihren Bormarsch und die Konsolidierung der eroberten Stellungen fort. Evakuierung der spanischen Zivilbevölkerung Valencia. Der Ministerrat tagte Mittwoch von 18 bis 23.44 Ubr. Dann teilte Unterrichtsminister Hermandez der Preffe mit: Es wurde über die militärische Lage und über die Notwendigkeit verhandelt, die durch unaufhörliche Luftbombardements gefährdete Zivilbevölkerung zu evakuieren. Der Ministerpräsident und der Minister für nationale Verteidigung berichteten Wer die Anstrengungen, die gemacht worden sind, um einige demokratische Mächte für diese Evakuierung zu interessieren, die den heroisch bis zum Schluß ausharrenden Kämpfern auf der asturischen Erde die notwendige Erleichterung bringen könnte. Die weitere Beratung betreff, rin Dekret, wonach alle von der Mobilisierung Erfaßten sich zu melden haben, mit Ausnahme derjenigen, die in ihrer Berufsarbeit unersetzlich sind. Verhaftungen wegen des falls von Malaga Valencia. Das Ministerium für nationale Verteidigung gibt bekannt: Auf Befehl des Ministeriums für nationale Verteidigung und entsprechend der Anklage, die der zum Untersuchungsrichter bestellte Richter des Obersten. Tribunals erhoben hat, sind wegen des Falles von Malaga die Generale Martinez Cabrera und Josi Asencio in Valencia verhaftet worden und in das Gefängnis San Miguel de los( Reyen eingeliefert worden. Aus dem gleichen Grunde ist der Hauptmann Don Manuel Fernandez A t t e a g a ins Gefängnis eingeliefert worden, der das 11. Regiment in Alivante kommandiert hat. Weiter wurde in dieser Sache in Barcelona der General Don Fernando Marttni Monge verhaftet und wird nach Valencia geschafft. Franco-Angriff auf ein englisches Schiff London. Die Admiralität trift mit: Eine bewaffnete Schaluppe der Aufftändischen brachte Mittwoch vormittags in den Gewässern in der Nähe von Gijon während eines dichten Nebels den britischen Dampfer„Stangrove" auf und schickte sich an, ihn zu durchsuchen. Bald darauf traf der britische Kreuzer„Southampton" dort ein, dessen Kommandant den Befehlshaber der Aufständi« schen-Schaluppe ersuchte, den britischen Dampfer sogleich freizugeben, da er allen Anzeichen zufolge außerhalb der Hoheitsgewässer angehalten worden sei. Die Marinebehörden der Aufständischen haben diesem Ersuchen stattgegeben, worauf die„Stangrove" die Fahrt nach Bordeaux fortsetzte. Wie an amtlichen Londoner Stellen betont wird, fuhr der britische Dampfer„Stangrove" unter britischer Flagge und beförderte etwa 600 Flüchtlinge aus Gijon, von denen die Mehrzahl Frauen und Kinder waren. Danziger Zentrum aufgelöst Danzig. Der Polizeipräsident hat die Zentrumspartei in Danzig einschließlich ihrer Nebenorganisationen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Die Auflösung ist erfolgt, nachdem angeblich frstgestellt worden sei, daß rin(!) Mitglied deS Vorstandes der Zentrumspartei wiederholt Anordnungen«nd Gesetze des Staates„bewußt umgangen" habe. Mit der Auflösung der Zentrumspartei verschwindet nach der stüheren Auflösung der sozialistischen Gruppen»nd der„fteiwilligen" Eingliederung der Deutschnationalen in die Nationalsozialistische Front die letzte Partei außer der na- ttonalsozialistischen. Auch alle dem Zrnttum angegliederten katholischen Verbände wurden aufgelöst. Diese Maßnahme, dir vom nationalsozialistischen Gauleiter Forster mehrfach angekündigt worden war, hat in katholischen Kreisen tiefe Erbitterung ausgelöst. L. Windprechtinger; 9 ß’hhidit’n aus dem illegalen Mim Er werde über kurz oder lang nach Deutschland gehen müssen. Nun verstanden ihn seine ehemaligen Freunde und Bekannten. Sie mieden ihn fortab und hörten nur zuweilen von Betriebskollegen, daß er nicht mehr lange im Betriebe sein werde. Karl Georg war Sturiwbannführer geworden und hielt mft seinen Kameraden Zusammenkünfte und Uebungen ab. Als eine solche llcbung einmal in der Nähe derSophienalpe stattfand, erschien plötzlich Gendarmerie und die ganze Bande konnte sich nur durch einen Zufall und mit Mühe vor der Verhaftung retten. Wenige Tage später hielt Karl Georgs Sturmtrupp in einem abseits gelegenen Gasthaus eine Führerbesprechung ab. Karl Georg war anwesend und führte das große Wort. Mitten in seine Ausführungen platzte der Alarmruf„Polizei". Es war aber diesmal schon zu spät. Karl Georg saß im Gefängnis. Ex wurde aus dem städtischen Betrieb entlassen. Eine längere Freiheitsstrafe drohte ihm. Jetzt war er der Märtyrer, dem der Weg nach Deutschland frei stand. Was kümmerten ihn jetzt'seine Gläubiger, sein Kind, seine Gesinnung! Zum Teufel mit ihnen! Deutschland ist groß und das Dritte Reich wird den gestrandeten Ehrenmann in Gnaden aufnehmen und ihn an die reichbeladene Tafel der Parteibonzen und Parteimärtyrer setzen. Karl Georg ist stolz, weil ihm sein Streich gelungen ist. Er graubt eine Leiter emporzusteigen, während er sich schon längst auf einer Rutschbahn befindet. 3« VolkscafL Herr Oba, bringens mir an Bolkskaffee! Was is denn das für a neue Sorte, Herr Schmalbauch? Was. de kennan Sie no net? Das iS a doppelt so große Portion, wia g'wöhnli.die aber nur die Hälfte kost't. Jo, so an Kafee hab'n mir net, Herr Schmalbauch. Wer Sie kennan an Stände* Kafee hab'n, Wenns woll'n. Und was is denn des für ana? Der is um die Hälfte weniger wie die g'wöhnliche Portion und kost't aber das Doppelte! Net schlecht! Dann bringens mir do liaber a g'wöhnliche»„Weiß'n ohne" zum alt'n Preis und de Tarockkarten. Sofort, Herr Schmalbauch. Grüß Sie Gott, Herr Bocher. Was gibt's Neues? Was soll es schon Neues geb'»? Die Geschäfte geh'» nach wie vor mieS, alles wird teurer und der Krieg steht vor der Tür. Das ist Ihnen doch alles bekannt! Einen Braunen, Herr Franzi' Und ob! Hab'n Sie g'hört. daß sich die Regierung wieder umbilden soll? Da Stockinger soll diesinol bestimmt auch flieg'n. Was interessiert mich das schon. Die neue Regierung wird sich von der alten nicht mehr unterscheid'» wie a, Hendelei von an Entenei. Ich kenn' sie net auseinanda. Aber mit der Zeit geh'» sie alle, die im Februar große Herrn wor'n san. Haben Sie übrigens schon g'hört, daß da Schuschnigg heiraten soll? Nein, wen denn? Eine Lederer aus Klosterneuburg. Eine Jüdin? Das iS doch net möglich! Er soll täglich bei ihr sein. Sie soll mit dem SpirituS-Lederer verwandt sein. Eine Witwe. Sie verlangt, daß er sich von der Politik zurückziehen soll, wenn sie heiraten. Was Sie nicht sagen! Habe die Ehre, Herr Frankfurter. Jetzt könnan wir's angeh'n. Habe die Ehre. Einen Motta, Herr Franz. Hüben Sie ab! Wer gibt? Der Herr Bocher. Wie gehtS, Frankfurter? Wie soll's schon geh'» bei den miesen Zeiten! Jetzt kommt das Papierkartell. Wenn ma Geld hätt', könnt' ma sich eindeck'n. Aber bitt' Sie, wer Hot heute schon Geld? Um mindestens 15 Prozent wer'» die Preise steig'n. Natürlich wird der Umsatz sink'». Nicht amol Klosettpapier wer'» sich die Leut' mehr kauf'» können. Glauben Sie, mit dem Leder ist es anders? Herr Frankfurter, Sie geben zuerst. An Untern. Gut. Hast e Talon ist doS? Ich lieg. Sir spielen aus. Mit dem Leder ist es nicht besser. Die Preise steigen fortwährend. Alles nur wegen der Rüstungen. ES gibt zu wenig Häute am Markt, weil weniger geschlagen wird. Die Leute haben kein Geld, Fleisch zu kaufen. Passen Sie doch auf, Bocher. Ich habe Ihnen doch angezeigt, daß ich kein Herz hab'. Sie kommen dran, Frankfurter. Wo das hinführen soll, weiß kein Mensch, Pagat! Reden Sie nicht so viel, Herr Schmalbauch, und passen Sie besser auf. Der Pagat war ganz unnötig. Wieso? Sie mit Ihre sechs Tarock hätten ihn aufhalten können? So soll der Herr Adolf pischen können, wie Sie den Pagat aufgehallen bätten. Reden Sie nicht und teilen Sie lieber. Geb'ns mir an Solo. Sonst wollen Sie nichts? Vielleicht soll der Kienböck noch Jhnere Schulden zahl'n? Bei dem kommen Sie an den Rechten! Des is a jüdischer Kopf, sag' ich Ihnen. Der hat sich schon im 32er Jahr zur Schüssel gesetzt. 5000 Schilling soll er monatlich hab'n. Und die Tantiemen. Ich hab' nur einen Untern. Einen Obern. G'hört schon Ihnen. Ein Mast wie der Bosel. Drei solche Stecher! Mit dem Bosel ist es vorbei. Ich werd' an Kontra geb'». Der wird sich schon herauSarbeiten. Bitt' Sie, bei den Verbindungen, die der Mann hat. Ja, wenn sich der Buresch nicht umgebracht hätt'. Spielen Sie aus! Glaub'n Sie, daß sich der*Buresch wirklich selber umgebracht hat? Geb'» Sie zu, Bocher. Wenn alle, die nix koscher sein, sich umbringen möchten, dann möchten Sie seh'», was da für Selbstmordepidemie ausbrechen mecht' in > d e r Mischpoche. Nu, er hat sich auch nur umgebracht, weil der Staatsanwalt die Sach' in de Hand' genommen hat. Paffen Sie auf, Schmalbauch. Der Zwanziger is schon g'fall'n. Sag' ma, es war nix. Sie teilen Herr Schmalbauch. Hab'n Sie schon das Lozelach von de Zwilling g'hört? A fromme, vaterländisch» Familie, arisch natürlich, kriegt Zwillinge. Zwa Schegezl. Der Täte zerbricht sich den Kopp, wie er die Sprößling tauf'n lass'« soll. Er sucht den ganzen Kalender durch nach einem Namen, der den Kindern amol net schad'» soll. Er findet aber nix Geeignetes. Da sagt sei Frau zu ihm: Wahl Du was, haß ma den an Buam Kurt und den andern Adolf. Das ist heut«, wo man doch nicht waß, was noch kumman wird, da- allerbeste. Der Täte sieht dos ein, daß sei Weib viel gescheiter iS wie er, und so Wern die zwa Kinder Kurt und Adolf getauft. (Fortsetzung folgt)! Nr. 249 Freitag, 22. Oktober 1937 Sette 8, Wieder Manen-Todesurteile in USSR Moskau.(Havas.) Das Militärgericht inJrkutsk hat 45 Mitglieder einer Terroristen- und Spionagegruppe zum Tode verurteilt, welche an der ostsibirischen Eisenbahn ihre Tätigkeit entfaltete und insbesondere Spionage zugunsten ausländischer Mächte betrieb. DaS Gericht inTschita hat elsFunk- tionäre der Kommunistischen Partei, darunter auch den ehemaligen Parteisekretär im Bezirk Süd-Udinsk Fedorow und den ehemaligen Vorsitzenden des Kreis-Zentralexekutivausschusses Tolkatschow wegen Sabotagetätigkeit in der Kolchoz-Wirtschaft zum Tod« verurteilt. Wegen des gleichen Delikts wurden der ehemalige Parteisekretär in Sretensk, der ehemalige Vorsitzende des dortigen Exekutivausschusses und ein weiterer Funktionär zum Tode verurteilt. Drei weitere Personen wurden zu Kerkerstrafen von sechs bis zu zehn Jahren verurteilt. Das Gericht in Konstantinows!(bei Rostow am Don) verurteilte am 17. Oktober elf „Konterrevolutionäre" wegen SchädlingS- tätigkeitinder Kolchoz-Wirtschast zum Tode. Panikstimmung In Budapest Wie itnfH ungarischer Korrespondent uns mitteilt, herrschte m Budapest in den letzten Tagen eine wahre Panikstimmung. Man rechnete stündlich mit einem Putsch, obwohl nicht recht einzusehcn war, woher er kommen sollte. Bekannt« bürgerlich« Oppositionspolitiker rüsteten zur Flucht und hatten die Nerven verloren. Nach den Erklärungen des Innenministers und angesichts der sich bildenden Einheitsfront der Opposition ist eine gewisse Beruhigung ekngetre- ten, doch kann die Lage noch immer als gespannt angesehen werden. Oesterreichs Budget Wim. Finanzminister Neumayer erstattete im Oesterreichischen Bundestage ein Exposk über den Voranschlag für 1938» welcher gegenüber dem Jahre 1937 einen wesentlich kleineren Abgang von 43 Millionen Schilling aufweist. Neben der laufenden Gebarung sei ein Jn- vestitionSaufwand der Monopole, der Landesbetriebe und der Bundesbahnen von 32 Millionen vorgesehen, wovon 16 Millionen ihre Deckung in Anleiheresten finden, so daß nur für weitere 16 Millionen durch neue Kreditaufnahmen vorzusehen ist. Aenderungen im Steuersystem sind nicht geplant. Insgesamt betragen die Ausgaben 2013 Millionen, die Einnahmen 1952 Millionen Schilling, somit ergibt sich ein Abgang von 61 Millionen Schilling, welcher aber durch einen Anleiherest auf 43 Millionen vermindert wird. Kattowltzer Nazi-Journalisten verhaftet Warschau. In Kattowitz wurden der Chefredakteur der nationalsozialistischen„Katto- witzer Zeitung", Hans Weber, ferner der Wer« lagSdirektor Kidte sowie dreiRedak- teure des Blattes verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Die Verhaftung der Redaktionsmitglieder des genannten Blattes erfolgte wegen grober Verletzung der Preffezenfur- beftimmungen. Die Redaktion der„Kattowitzer Zeitung" soll die von der Zensur konfiszierten Artikel an die Abonnenten in geschlossenen Kuverts per Post versandt haben. Neue Ausschreitungen In Palästina Jerusalem. In der Nacht auf Donnerstag waren in Palästina wieder Unruhen zu verzeichnen. Die Exzedenten beschossen die Polizei. Im alten Viertel von Jerusalem entgingm zwei britische Polizisten nur um ein Haar einem Revolverattentat. In Haifa wurde ein jüdischer Polizist schwer verletzt. In der Nähe des Gerichtsgebäudes in Haifa explodierte eine Bombe. Ein jüdischer A>tobus wurde von bisher unbekannten Exzedenten angegriffen. Auch auf der Straße zwischen Jerusalem und Jericho kam eS zu einem Scharmützel. Zwischen Jerusalem und Hebron wurde die Telephonverbindung an mehreren Stellen gestört. Vor dem Eingang des ErziehungSdeparte- mentß in Jerusalem wurde ein jüdischer In« spektor von einem Unbekannten niedergeschossen. Der Inspektor wurde lebensgefährlich verletzt. In Kurzes Die zweite Kammer der holländischen Generalstaaten hat die Verminderung der Zivilliste der Königin von 1.2 Millionen Gulden auf eine Million Gulden beschlossen. Die Zivilliste de« Prinzen der Niederlande wurde auf 200.000 Gulden festgesetzt. Ferner wurde eine geringe Senkung der Abgeordnetengehälter angenommen. London. Zar Boris von Bulgarien begibt sich, wie die englische Presse bekannt gibt, am Mittwoch inkogniw als„Graf Rilsky" nach P a- r i S, von wo«r nach London, später nach Berlin und sodann nach anderen europäischen Hauptstädten reisen wird. Man nimmt an, dass di« Reise mit der Wiederaufrüstung Bulgariens und mit der Erweiterung seiner Armee über die durch den Vertrag von Neuily festgesetzte Grenze jwn 20.000 Mann zusammenhängt. Massenklagen gegen die henlelnfreundliche Presse Die sudetendeutsche Provinzprefse hat bekanntlich die Leitmeritzer Rede Konrad Henleins in vollem Wortlaut übernommen. In dieser Rede beleidigte Konrad Henlein u. a. auch den„Sozialdemokrat". Der„Sozialdemokrat" hat gegen Henlein die Ehrenbeleidigungsklage überreicht, die beim Leitmeritzer Bezirksgericht verhandelt werden wird. Außerdem hat aber der„Sozialdemokrat" alle Blätter geklagt, welche die beleidigenden Stellen aus der Henleinrede übernommen haben. Es sind dies folgende Zeitungen: „Di« Zeit",„Rcichenberger Zeitung",„Bohe- mia",„Prager Montagsblatt",„Neue Morgenpost", „Auffig-Schreckensteiner Zeitung",„Der VollS« wart", Jägerndorf,„Aussig-Schreckensteiner Bolks- zeitung",„Neues Tagblatt", Troppau,„Saazer Anzeiger",„Deutsches Vollsblatt", Komotau,„Brü- xer Zeitung",„Deutsche Tageszeitung", Karlsbad, „Abwehr", Warnsdorf,„Rumburger Zeitung", „Nordböhmisches Tagblatt", Tetschen,„Sudetendeutsche Tageszeitung",„Teplitz-Schonauer Anzeiger",„Trautenauer Tagblatt",„OfiböhmenS Deutscher Bote", Braunau,„Jägerndorfer Zeitung",„Ascher Zeitung",„Bolksrus", Asch,„Friedländer Zeitung"/^Der Kamerad",- Reichenberg, „Die Front", Mährisch- Schönberg,„Lobositzer Nachrichten",„Heimatruf", Asch,„Der Kämpfer", Lobositz,„Leitmeritzer Nachrichten",„Leitmeritzer Zeitung",„Reichenberger TageShote",'„Gablonzer Tagblatt". Die Freundlichkeit, die die bürgerliche Provinzpresse dem Herrn Henlein erwiesen hat, kommt sie also teuer zu stehen. Lohnforderungen der westböhmischen Bergarbeiter Karlsbad.(E. B.) Die„Union der Bergarbeiter" und„Svaz hornikü" alS vertragschließende Verbände im Falkenauer Revier haben heute den Grubenbesitzern die Forderung auf Erhöhung der Löhne um 15 Prozent überreicht. Gleichzrittg wurde der Antrag gestellt, einzelne Bestimmungen deS Kollektivvertragrs av- abzuändern und zu ergänzen. Freie Gewerkschaft siegreich gegen VAG~- Karlsbad.(E. B.) Bei der Firma Winterling und Co., Porzellanfabrik in L e s s a u, fanden am 20. Oktober, BetriebsanS- schußwahlen statt. Die D A G, welche seit 1935 zum zweiten Male kandidierte, verlor von zweiMandateneines, während der Glas- und Keramarbeiter-Ber- b a n d zu seinen bisherigen vier Mandaten«och eines hinzugewann. Solidaritäts-Akt der„Gec**-Schuhfabrlks-Arbelter Die Arbeiter der konsumgenossenschaftlichen Schuhfabrik„Gec" in Böhm.- Kamnitz, sämtliche organisiert im Bekleidungsarbeiterver- band in Reichenberg, haben den seit 6. Oktober im Streik befindlichen Schuhfabrikarbeitern der Firma Brüder Richter in Tscherno- s ch i n nebst solidarischen Grüßen auch eine Geldspende von 400 KL übermittelt. Man vergleiche diesen Solidaritätsakt der Kamnitzer Arbeiter mit dem Verhalten des ein- geschriebenen SdP-Mitgliedes und Firmenchefs Anton Richter, der seine Kameraden" Arbeiter von der DAG erst anderthalb Wochen streiken läßt, bevor er überhaupt über die Forderungen verhandelte und dann nach stundenlangem Selchern Lohnanbote machte, welch« die bisher bestehende 40- bis 60prozentige niedrigere Entlohnung so gut wie unberührt lassen würde. Wie wir hören, ist die Firma bestrebt, Streikbrecher heranzuziehen, sie nennt sie„Monteure". Wir hoffen, daß- sich kein ehrlicher Arbeiter finden wird, der den gegen einen Schundlohn ringenden Tschernoschiner Arbeitern in den Rücken fallen wird. Vie Korruptionlsten von Braunau Neue Verhaftungen und Einvernahmen Die Afkäre Knittel in Braunau, über die wir bereits berichteten, nimmt immer größeren Umfang an. Die Staatspolizei in Braunau hat inzwischen folgende Darstellung der Affäre der OeffentliiPeit übergeben: „MU Rücksicht auf die Gerüchte betreffend bbe Machinationen, dir bei der Firma H. Pollacks Söhne in Großdorf verübt wurden, hat die staatliche Polizeibehörde in Braunau am Samstag, den 16. Oktober 1937, vormittags dir Voruntersuchung bei der Firma Pollack durchge- sührt und frstgrstellt, daß tatsächlich strafbare Unregelmäßigkeiten vorliegen. Auf Grund des Materials bei der Firma und auf Grund des Ergebnisses einer genauen Untersuchung, welche unter Führung des OberratrS Dr. Franz RubliL durchgeführt wurde, wurde festgestellt, daß die Firma durch Betrügereien und Antorschlagungen um eine« Betrag von zirka 150.000 K£ geschädigt erscheint. Die Untersuchung führte zur B e r h a f t u n g deS Beamten Franz Knittelundvon sieben Geschäftsleuten, welche am Montag, den 18. Oktober 1937, dem Bezirksgericht in Braunau übergeben wurden. In der Untersuchung wird fortgefahren."* Laut„Trautenauer Echo" soll es sich bei dem Altmaterialienhändler Just aus Grohdorf Wachsende Erfolge der Chinesen Gegenangriffe# Stillstand des japanischen Vormarsches Schanghai. Aus chinesischer Quelle wird mttgetrilt, daß die vor drei Tagen begonnene japanische Offensive, hauptsächlich im Abschnitt Ta- zang, fortgesetzt wird. Der chinesische Widerstand ist««geschwächt und die chinesischen Truppen haben Teilerfolge aufzuweisrn. So haben sie das Dorf Kuan- tschiatschi nordöstlich von Katschiapajlu zurückerobert. Die chinesischen Abteilungen unternahmen außerdem einen Ausfall a«S ihrer befestigten Stellung bei Tschanffchial«, griffen in östlicher Richtung an und umzingelten die vorgeschobenen japanischen Einheiten, welche daS Dorf Katschiapajlu besetzt hielten. Tientsin. Der japanffche Generalstab erwähnt nichts von der in der Provinz Schansi und Schantung entstandenen Lage, wo, chinesischen Meldungen zufolge, die Japaner Mißerfolge zu verzeichnen hatten. Japanische Meldungen von der Front gebe« selbst zu, daß der Vormarsch dort überaus schwierig sei, da die Chinese« ununterbochen Gegenangriffe durchführen. 2n Schantung soll die japanische Armee in ihrem Bormasch zum Stillstand gekommen sein, um Verstärkungen abzuwarten. Südafrikanische Gewerkschaften: Boykott gegen Japan Kapstadt. Die Gewerkschaften Britisch-Süd- afrika» haben den Boykott japanischer Waren beschlossen. Ein gemeinsamer Ausschuß der süd afrikanischen Gewerkschaftsverbände hat den süd« afrikanischen Ministerpräsidenten Hertzog und den Handelskammern Denkschriften überreicht, in welchen sie eine Unterstützung dieser Aktion fordern. Die Gewerkschaftsverbände Südafrikas haben sich zum Boykott der japanischen Waren und des japanischen Materials auf Vorschlag des Sekretärs der britischen Trade Unions entschlossen. Japan nach Brüssel eingeladen Tokio. Der belgische Botschafter in Tokio überreichte am Mittwoch abends im japanischen Außenamte die Einladung zur Teilnahme an der Reunmächtrkonferenz in Brüssel. Japanisch« Diplomatenkreise sind jedoch überzeugt, daß Japan diese Einladung ablehnen werde. Die japanische Regierung wird wegen Präzisierung einiger Stellen in der Einladung zur Neunmächte-Konferenz mit der belgischen Regierung in Verhandlung treten, so daß die Prüfung der Einladung durch die Tokioter Stellen längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Die japanische Antwort wird daher erst nach sorgfältiger Prüfung durch die Sachverständigen und nach Genehmigung durch den Herrscher veröffentlicht werden. Die japanische Nachrichtenagentur Domei meldet inzwischen, daß die japanische Antwort auf die Einladung zur Brüsseler Neunmächtekonferenz zwefellos negativ sein werd«, und zwar mit dem Hinweis darauf, daß diese Konferenz in einer japanfeindlichen Atmosphäre stattfinde. Brief an den Zeitwiegei Acht Mann je Quadratmeter Ein Freund schreibt uns aus Leitmeritz: Wir lesen in der„Rundschau“ den Bericht über das LeitmeritzerErnte- dankfest und darin den Satz, daß der Bauernoberführer Stiebitz bei der Bauemver- Sammlung Sonntag vormittags im Turn- hallengarten fast 8000 Besucher begrüßen konnte. Man ist manches gewohnt von dem Zah- lenrausch unserer Völkischen, aber so was gibt unser einem, der diesen Turnhallengarten vom Faustballspiel her gut kennt, doch zu denken und so entschließt man sich, den Flä- cheninhalt besagten Gartens auszumessen, um die Besucherdichte pro Quadratmeter festzustellen. Nun, der Turnhallengarten mißt 33 mal 3% Meter, ergibt einen Flächeninhalt von 1182 m; laut Photo der„Rundschau“ war der Zwischenraum zwischen der Treppe, auf der die Führer standen, und den Versammlungsteilnehmern nicht unbeträchtlich; verbleiben rund 1000 Quadratmeter„Stellraum Also acht Mann je Quadratmeter hätten demnach im Turnhallengarten Aufstellung finden müssen. Unsere geneigten Leser mögen einmal Versuchen, auf einer Durchschnitt-Tischplatte von di» 8 Quadratmetern 12 bis 16 Leute aufzustellen. Das müßte möglich sein, wenn die Zahlenangaben der „Rundschau“ richtig wären. Daß sie es nicht sind, wissen wir, aber daß so schamlos gelogen und übertrieben wird, verblüfft doch. Man ermesse daran die Wahrscheinlichkeit der an- I deren Massenziffern, mit denen man so girne prunkt. j um eine Betrugssumme von 20.000 bis 25.000 I KL handeln, der Eisenhändler D i m t e r von der I Firma Stephan Siegel soll 40.000 KL einge» , standen haben und alle übrigen mehr oder wem» | ger große Beträge. Bemerkenswert ist, daß di« jüdische Firma, I die sich so viel Geld von„volkstzemeinschastlichen" Gaunern abknöpfen lieh, erst vor wenigen Tagen 65 Arbeiter aufs Pflaster setzte. Eine Verhaftung In Neudek Ncudck.(E. B.) In der Nacht auf Donnerstag wurde in Neudek über Auftrag der Reichenberger Staatspolizei der Beamte Heinrich H. der Neudeker Wollkämmerei verhaftet. Am Donnerstag früh wurde er nach Reichenberg überführt. Ob diese Verhaftung mit der Affäre Rutha im Zusammenhang steht, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, weil die Neudeker Staatspolizei lediglich den Auftrag auS Reichenberg erhalte» hatte. SJ leistet Schulungsarbeit Die westböhmische Kreisorganisation des Sozialistischen Jugendverbandes hat eine interessante Schulungsaktion durchgeführt, Die lerneifrigen Jugendlichen aus den verschiedenen Gruppen kamen in allen Bezirksorgamsationen an vier aufeinanderfolgenden Abenden zusammen und besprachen mit ihren'äüs der Jugendbewegung stammenden Lehrern vier Hauptgebtete der Jugendarbeit. Es hatte sich in der vergangenen Zeit herauSgestellt, daß die Wochenend-Schulen ihren Aveck nicht erfüllen, da zwischen den einzelnen Schulungstagen eine zu große Zeitspanne liegt. Die neue Form der SchulungSaübeit stellt zwar mehr Ansprüche an deN Opfersinn der Schüler, ist jedoch erfolgreicher. Der erste Abend war dem Thema„Die Jugendbewegung als geschichtliche Notwendigkeit" gewidmet, am zweiten Abend wurde»Der Geist in der Jugendbewegung" be- handelt, am dritten Abend das Thema„Jugendbewegung und Sozialismus", der vierte Abend war der Erörterung organisatorischer Fragen gewidmet. Durch dies« außerordentlich gut und erfolgreich verlaufene Schulungsaktion wurden 150 Funktionäre und Funktionärinnen der westböhmischen Jugendbewegung erfaßt. ein teutscher Mann namens KrälKek... Der deutsche Gott, der in Brünn die K r e z a l 8 und B r a n c z i k S wachsen und Funktionäre der SdP werden ließ, der hat auch den Herrn Baumeister Stanislaus Kralitschek in di« SdP geführt und ihn zum Stadtrat von Brünn gemacht. Bisher war über diesen Herrn nur bekannt, daß er in seinem Betriebe nicht Volksgenossen Arbeiter, sondern mit Vorliebe tschechische Erbfeinde beschäftigt, wenn'sie sich nur mit einem niedrigen Entgelt bescheiden und nicht, wie eS der ArbritSrechtsfachmann der SdP Professor Swoboda auszudrücken pfletzt,.„Lohnwucher" betreiben. Nun ist Herr Kralitschek auf dem Umwege einer Mandatsverzichtes Abgeordneter geworden und man begann sich ein wenig mehr für ihn zu interessieren. Und siehe da, so wie die nähere Durchleuchtung des Henlein- Abgeordneten N e m e tz ergab, daß er eigentlich Seite 4 Freitag, 22. Oktober 1937 Nr. 249 Die Unruhen in Palästina, hervorgerufen durch die Spannung zwischen den Arabern und Juden und' Mussolinis stille Arbeit, halten an. Ein Bild aus Jerusalem, das sich im Borjahr ebenso bot wie heute: Englische Polizisten warten, bis sie zum Einschreiten gegen die Tumulte gerufen werden. -— NLmec hieß, so hat sich auch herausgestellt, daß Herr Kralitschek in Wirklichkeit den Namen K r ä- l i ä e k führt und diesen Namen wird er schon mindestens bis zum Ende seiner parlamentarischen Tätigkeit beibehalten müssen. ES ist sicherlich sein geringster Fehler, Ehrung der Arbeit. Der Präsident derRepublik erteilte dem Orgel-Oberstimmer Josef Nowak die ehrende Anerkennung für den ununterbrochenen 60jährigen Dienst in der Orgelfabrik der Brüder Rieger inJägern- d o r f. Außerdem erhielten die Arbeiter der gleichen Firma Franz Aue, Jakob Chmura, Ferdinand Meißner und Konrad T r a mH u s ch die Anerkennung des Handelsministers für ihren 40jährigen Dienst bei dieser Firma. Der Rat der politischen Verwaltung Janatka überreichte den Genannten die betreffenden Diplome im Orgelsaal der erwähnten Firma im Beisein des Betriebsinhabers Ingenieur Glatter-Götz, der gesamten Beamtenschaft und Arbeiterschaft der Firma. „Volk und Führung" mit Einstellung bedroht. Die„Zeit" meldet: Anläßlich der Beschlagnahme der Oktoberfolge wird der Schriftleitung von„Volk und Führung" amtlich mitgeteilt, daß die Möglichkeit der Einstellung der Herausgabe der angeführten Druckschrift ausgesprochen worden sei. Mit Rücksicht auf die vorangegangenen Entscheidungen, die in verhältnismäßig kurzer Zeit gegen dieselbe Druckschrift ergangen sind, sei mit Grund zu befürchten, daß die angeführten strafbaren Handlungen durch den Inhalt derselben Druckschrift auch weiterhin begangen werden. Ein Kindorver^-rber. Der 33jährige Chauffeur Leopold Sch., hatte sich in einer Gastwirtschaft' einer Ortschaft in der Umgebung R e i- chenbergS eingemietrt, wo er sich Sonntag auch als Aushilfskellner betätigte. Er benützte eines Tages die Abwesenheit der Hausfrau und verging sich an dem noch schulpflichtigen Kinde. Durch Einschüchterungen getraute sich das Kind Vorerst nichts zu sagen und erst als sich heftige Schmerzen mit Fieder eingestellt hatten, erzählte es, was vorgefallen war. Der Wüstling wurde daraufhin verhaftet und wird sich vor einem Schwurgericht zu verantworten haben. Der neue Studentenbund. Der Allgemeine Angestelltenverband Reichenberg gab den bisher der Jugendabteilung als Hospitanten angehörenden Hoch- und Mittelschülern eine eigene Organisationsform im Studentenbund, dadurch wird eine bessere Führung der besonderen studentischen Angelegenheiten in den zwei Arbeitsfeldern der Mrsorge und der Schulung ermöglicht. Die deutschen Hochschüler und Mittelschüler aus Angestellten- und Arbeiterkreisen, die als zukünftige Beamte in Handel, Industrie und des öffentlichen Dienstes jeder Art, etwa auch in freien Berufen, im Studentrnbund vereinigt sind, werden von Praktikern in Seminaren in die Probleme der Wirtschaft und der Verwaltung eingeführt. Durch den Studentenbund wird einem Wunsche der deutschen freien Gewerkschaften der Angestellten und Arbeiter nach Betreuung des demokratischen akademischen Nachwuchses Rechnung getragen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund mit seinen 250.000 Mitgliedern steht hinter dem Angestelltenverband! Gemäß den Satzungen kann jeder Student, der j die Grundsätze der freien Getverkschaften verkennt, Mitglied werden. In Prag wurde der Stu-1 deuten blind bereits konstituiert und amtiert täglich im Handwerkerheim ve Smeckach 22/III. Stock von 17 bis 18 Uhr. Ein Geschäftsführer wurde bestellt, es werden den Studierenden auch Studierräume zur Verfügung stehen.— Als Leiter fungieren Rudolf Wank, Cand. phil. und Ernst Krombholz, Cand. Prof. mere. Der parlamentarisch« Sparausschuß, der bekanntlich die Behandlung des Staatsbudgets für 1938 bereits abgeschlossen hat, beriet in seiner Donnerstagsitzung über verschiedene Beschwerden und Eingaben des Publikums, von welchen mehrere grundsätzliche Bedeutung haben und nahm sodann den Bericht seines Vorsitzenden Abg. Beran, über das Ergebnis der Verhandlungen des Vorsitzenden der Regierung, des Finanzministers und des Präsidiums der parlamentarischen Spar-Kommission mit der Arbeitsgemeinschaft der Staatsangestellten über die Regelung der Gehaltsbezüge der Staatsangestellten im Jahre 1938 zur Kenntnis. Die Lage in der Provinz Honan Die schwarzen Blöcke kennzeichnen die ungefähren Stellungen der japanischen Truppen Mechanische Solidarität Der englische Schatzkanzler Sir John S i m o n hat in einer Rede vor der Liberalen Vereinigung in Peebles einige Wörtchen zur Diktatorenbegegnung gesagt, von denen man eines sich merken sollte. Er sagte, die Methoden der totalitären Staaten mit ihrem Tamtam, ihren Massenaufmärschen usw., seien zwar sehr eindrucksvoll, weil sie den Eindruck großer „mechanischer Solidarität" hervorriefen, aber sie verdeckten innere Schwäche. Dieses Wort„mechanische Solidarität" ist ein glücklicher Fund. Es bringt gut den Unterschied zum Ausdruck zwischen dem schematischen, äußerlichen, erzwungenen Kollektivismus derjenigen Staaten, die glauben, durch die Total- Militarisierung des Privatlebens die wirklich soziale Gemeinschaft zu schaffen, und jenem organischen, ethischen und darum auch ökonomischen Kollektivismus, der von einer wahrhaft demokratischen, Humanstären und rechtlichen Auffassung von der Gleichstellung der Jndivi- duen im Rahmen der Sozietät ausgeht und nicht nach einer äußeren, fassadenhaften, sondern nach einer inneren, fundamentalen Gleichschaltung— nicht der Individuen, sondern ihrer Rechte und Pflichten, ihrer Anteile an Glück und Verantwortung— strebt. Das heißt: des Sozialismus. Simons einfache, unmißverständliche Definition„mechanische Solidarität" verdient, in den Sprachschatz der Gesellschaftskritiker und Ge- sellschaftstheoretiker, in das Wörterbuch des politischen Menschen ausgenommen zu werden, mb. ZusszusammenstoB In Zbiroh Pilsen. Die Staatsbahndirektion in Pilsen teilt mit: Am 21. Oktober, um 6.13 Uhr stieß in der Station Zbiroh auf der Strecke Prag— Pilsen ein rangierender Teil des Zuges Nr. 680 mit dem in der Richtung Pilsen ausfahrenden Personenzug Nr. 613 zusammen. Infolge des seitlichen Anpralles entgleiste ein Personenwagen mit einem Achsenbruch. 21 Personen, darunter 20 Reisende und ein Zugsbegleiter wurden leicht verletzt. Leichte'Hautabschürfungen erlitten vier Personen, leichte Quetschungen sieben Personen, leichte Nervenerschütterung gleichfalls sieben Personen. Drei Personen wurden von Magenbeschwerden betroffen. Sämtliche Reisende konnten nach ärztlicher Untersuchung die Weiterreise fortsetzen. Die Ursachen des Unfalles werden von einer Kommifsion der Pilsner Staatsbahndirektion untersucht. Präsident Dr. Benes ans der Automobilaus- stellnng. Der Protektor der 27. Internationalen Automobilausstellung in Prag, Präsident Dr. Benes, beehrte am Donnerstag vormittags die Ausstellung mit seinem Besuch. Auf die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des veranstaltenden Ausschußes General I. E i 3 e I, welcher dem Präsidenten für das Interesse und die Unterstützung, welche er dem Motorismus angedeihen läßt, seinen Dank abstattete, erwiderte der Präsident, er sei sich der großen Bedeutung des Motorismus für den Staat und dessen Verteidigung bewußt und werde ihm auch weiterhin seine volle Unterstützung widmen. In Begleitung der Mitglieder des veranstaltenden Ausstellungsausschusses und des Präsidiums des Autoklubs begab sich der Präsident der Republik sodann zur I Besichtigung der Ausstellung. Der Präsident in» l teressierte sich überaus lebhaft vor allem für die Neuheiten, über welche er sich eingehend referieren ließ. Wer ist der Tote? Im Walde in M a f- fersdorf wurde ein unbekannter Mann errängt aufgefunden. Der Tote hing bereits etwa 48 Stunden und ist ungefähr 45 Jahre alt. Er war ohne Kopfbedeckung und trug ein SdP- Abzeichen. Den Gatten totgeprügelt— drei Jahre. Der Geschorenensenat des Kreisgerichtes in UZHorod fällte am Mittoch spät abends das Urteil gegen die 25jährige Olena SLokivä in der Gemeinde Jvanäice bei Mukaäevo, sowie gegen den aus der gleichen Gemeinde stammenden Joszef S d i ä k. DaS genannte Paar überfiel am 13. Juni d. I. in dey Mukacevoer Weingärten den Ehemann der Scokovä und prügelten ihn derart, daß er den hiebei erlittenen Verletzungen im Staatskrgnkenhause von Mukaöevo erlag. Die Tat verübte die Scokovä deshalb, weil ihr Mann nicht mit ihr leben wollte. Sie wurde zu drei Jahren Zuchthaus und Sdiäk wegen Mithilfe zu fünf Monaten Kerkers verurteilt. Beide nahmen die Strafe an. Autobus abgestürzt— 21 Tote. Auf der höchsten iranischen Gebirgsstraße bei Siah Pischeh stürzte am Donnerstag ein vollbesetzter Autobus in die Tiefe. Bon den Insassen fanden 21 Personen den Tod, 16 Personen wurden schwer verletzt. Um das Verschwinden des Generals Miller. Die französischen Sichevheitsbehörden befassen sich nunmehr, wie die Pariser Blätter berichten, mit der ominösen Rolle, welche General SkcBlin unter den russischen Emigranten gespielt hat. Nach den bisherigen Feststellungen leitete General Skoblin achtzehn Monate hindurch die sogenannte„Erste Liga", die den Geheimdienst über die Tätigkeit der russischen Emigranten, in den verschiedenen Staaten besorgte. General Miller^ der Verbandsvorsitzende der ehemaligen zaristischen russischm Offiziere, hatte fest Dezember des Vorjahres kein Vertrauen mehr zu Skoblin und übernahm selbst die Leitung und Kontrolle dieser Organisation. Die Blätter werfen nunmehr die Frage auf, ob diese Rivalität zwischen dm beiden Generalen nicht die eigentliche Ursache des Verschwindens des Generals Miller war. Die Polizei beschlagnahmte Mittwoch zahlreiche und angeblich sehr wichtige Dokumente des russischen Emigranten- Advokaten Bogovud in Paris, der seinerzeit auch Rechtsvertreter des schwedischen Finanzmannes und Abenteurers Kreuger war. Die polizeilichen Nachforschungm gehen nun in der Richtung früherer ähnlicher Affären und sind namentlich bestrebt, irgend einen Zusammenhang zwischm General Miller und dem seinerzeitigen Verschwinden des Generals Kutjepow festzustellen, wobei auch die Entwendung bestimmter Trotzki-Dokumente in Varis, die Ermordung des russischen Volkswirt» schastlers und Schriftstellers Nawaschin und des ehemaligen GPU-Agenten Reiß in der Schweiz geprüft werden. Englisches Bombenflugzeug abgestürzt. In New Leak(Lincolnshire, England) stürzte ein Bombenflugzeug der britischen Luftwaffe ab. Drei Flieger fanden dm Tod. Londoner Nebel. London und seine Umgebung sind heute neuerdings in dichten Nebel gehüllt. Der Schiffsverkehr auf der Themse wurde vollkommen eingestellt. Die in London eintreffen- den Züge kommen mit großen Verspätungen an. Hamburger Hafm durch Rebel lahmgelegt. Seit Donnerstag früh ist Hamburg mit seiner Umgebung und das Gebiet der unteren Elbe in dichten Nebel gehüllt. Der Schiffsverkehr wurde vollständig eingestellt. Kein einziges Schiff kann den Hafen verlassen oder in den Hafen einlaufen. Auch im Kieler Kanal ist der Verkehr eingestellt. Die Hamburger Hafenarbeiter könnten I früh die Arbeit nicht antreten. Unfälle werden I keine gemeldet. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der V. Klaffe der 37. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: 20.000«« die Lose Nr. 12.854, 25.421, 46 508. 10.000 K« die Lose Nr. 42.434, 66.939, 67.157, 115.685, 84.136. 5000 Kd die Lose Nr. 43.115, 63.216, 73.328, 83.514, 100.959, 108.746, 112.317, 112.493. 2000 K« die Lose Nr. 1195, 1982, 3230, 9374, 9535, 11.576, 11.850,19.123, 19.400, 22.097, 22.641, 24.240, 26.337, 26.455, 27.463, 28.089, 28.147, 29.113, 29.574, 30.152, 30.538, 32.941, 33.379, 40.802, 49.858, 49.943, 50521, 53.777, 60.239, 61.909, 65.016, 67.135, 68.674, 70.843, 72.344, 76.221, 81.461, 84.244, 85.285, 86.655, 87.335, 89.345, 91.694, 91.950, 94.574, 96.172, 105.222, 106.545,106.715,109.299,114.531,115.707,116.835, 116.954 usw. Eden erbt. Der englische Außenminister Eden hat von seinem verstorbmen Schwiegervater Sir Backett ein persönliches Legat von 4000 Pfund, d. s. rund 570.000 K« Inneneinrichtung sowie die Fenster in Trümmer schlugen. Erst als die Lagerteitung Gendarmerie zur Hilfeleij.ang herangezogen hatte, konnten die Kranken beruhigt werden. Einem der Insassen gelang es zu entkommen. Bei der Durchsuchung Lepralagers wurden verborgene Waffen vorgefunden. Es ist ein Rätsel, wie und zu welchem Zweck sich die Leprakranken die Waffen beschaffen konnten,(th) Schiffszusammenstoß— sieben Tote. In dichtem Nebel stießen Donnerstag morgens im Hafen von Amsterdam zwei deutsche Dampfer zusammen, nämlich die„Schwalbe" und die„Westphalia". Der Dampfer„Westphalia" versank; hiebei fanden sieben Mann der Besatzung den Tod in den Wellen. Mit Fliegengist die Männer vergiftet. In Kischi- now wurden von der Polizei zwei Frauen verhaftet, die im Jahre 1933 mit aus dem Fliegenpapier entzogenem Gift ihre Männer vergiftet hatten. Beide Männer starben vor vier Jahren unter furchtbaren Schmerzen. Der zuständige Sanitätsagent aber bescheinigte dann, daß der Tod als Folge einer Herz» chwäche, beziehungsweise Altersschwäche"eingeireten ei. Die beiden Frauen erklärten vor der Polizei, daß i« etwa drei Wochen lang ihren Männern das dem Fliegenpapier entzogene Gift dem Essen beimischten. Durch Verrat der Tochter der einen der beiden Frauen kam die Angelegenheit zu Ohren der Polizei,(th.) Baldiges Ende des schönen Wetters?-IN Mitteleuropa, wo bereits seit mehreren Tagen vorwiegend heiteres Wetter vorherrscht, erreichten die Temperaturen Donnerstag nachmittags in den Niederungen erneut 15 bis 17 Grad. Unter dem Einfluß von Störungen, die sich über Schottland und über Corsika ausbilden, finkt der Luftdruck andauernd auch über dem Binnenlande. Da sich die Störungen nur sehr allmählich gegen das Festland ausbreiten, wird bei uns die heitere Witterung noch am Freitag anhalten. Wahrscheinliches Wetter von heute: Vorwiegend heiter oder Nebelgewölk, stellenweise leichter Nachtfrost, untertags mild, Südostwind.— Wetteraussichten für Samstag: In den böhmischen Ländern vom Westen her Zunahme der Bewölkung und Neigung zu Regenfällen; verminderte Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht, Winddrehung gegen SW. Im Osten Andauer des jetzigen Witterungscharakters. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Freitag Prag, Sender I. 10.05: Deutsche Presse, 10.30: Opernarien, 12.10: Schallplatten, 14: Deutsche Sendung: Volkstümliche Früh- und Spätromanrik, 16.30: Konzert des mährischen Quartetts, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Hoop: Sportvorschau, 18.15: Sudetendeutsche Forscherschicksale, 18.35: Trutsche Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.45: Deutsche Presse, 18.55: Aus dem deutschen Kulturleben, 19.30: Qrchesterkonzert Fok: Smetana, Janacek etc., 22.20: Sinfonisches Konzert auf Schallplatten.— Prag, Sender II. 11: Schallplatten: Beethoven, Reger etc., 14.20: Deutsche Sendung: Dr. Steiner: Hirten im Huzulenland, 14.35: Schallplatten, 14.55: Deutsche Presse, 18.10: Chcchische Lieder, 18.30: Bulgarische Lieder.— Brünn. 17.40: Deutsche Sendung: Japan und China, Rundfunffolge.— Preßburg. 12.35: Rundfunkorchesterkonzert, 17.30: Geigenkonzert.— Kascha«: 15.30: Rundfuukorchefterkonzert: Massenet, Smetana etc.— Mähr.-Ostrau. 18.10: Deutsche Sendung: Nassau: Vortrag, Schumann»Liebe des Dichters", Liederzyklus. Mitteilungen aus dem Publikum. Zwei Bedingungen der Gesundheit. Die erste von ihnen ist ein guter Blutkreislauf. Es ist gar nicht möglich, alle Krankheiten aufzuzählen, die durch einen nicht einwandftei funktionierenden Blutkreislauf ent« stehen. Massagen mit Alpa-Franzbranntwein fördern die Blutzirkulation, beleben auch ermüdete Nerven, unterstützen die Hautatmung und lindern rheumatische und neuralgische Schmerzen.— Die zweite Bedingung ist«in gesundes Gebiß und eine rein« Mundhöhle. Hier gesellt sich zur Wirkung d«S Alpa- FranzbranntweinS jetzt auch die der Alpa-Zähncreme. Diese entfernt fäulniserregende Speisereste und bewirkt einen ftsscheu und wohlriechendem Atem« I Nr. 249 Donnerstag, 21. Oktober 1937 Seite 5 ttwittl Ulli WW Steuer-Ertrag Im September kleiner Die vorläufigen Daten über den Ertrag der Steuern und Abgaben im September und in den Monaten Jänner bis September 1937 weisen zwar gegenüber dem Jahre 1936 eine Besserung auf, die aber nicht so groß ist, wie man nach der wirtschaftlichen Belebung und andern entscheidenden Umständen erwarten konnte. Der Brutto-Ertrag an direkten Steuern war im September 193.7 um 21 Millionen und im Zeitraum Jänner bis September 1937 insgesamt um 403 Millionen höher als im Jahre 1936. Bei den direkten Steuern bewirkten jedoch den besseren Ertrag einige außerordentliche Gründe. In den ersten Monaten waren es die Steuergutschriften, deren heurige Regelung die Steuerzahlung in höherem Maße bewirkte als im Vorjahr; weiters äußern sich im besseren heurigen Ertrag die Ergebnisse der Depurierungsaktion, die im Vorjahre hauptsächlich erst im letzten Quartal zur Geltung kam. Einen großen Anteil am besseren Ertrag haben dann insbesondere zwei Borschreibungen; die Zahlungsbefehle für die Steuern für das Jahr 1936 und 1937 wurden nämlich den Steuerzahlern zum großen Teil schon zugestellt. Der Ertrag der Umsatzsteuer im September 1937 war nur um 34 Millionen und in den heurigen neun Monaten insgesamt um 226 Millionen besser als im Jahre 1936. Auch an dieser Besserung hat den wesentlichen Anteil die Abzahlung der schuldigen Steuern aus den vergangenen Jahren infolge der durchgeführten RegelAng. Die Zölle brachten im September 1937 um sechs Millionen und seit Jänner um 47 Millionen mehr als im Jahre 1936. Bei den Verbrauchssteuern ist der Ertrag im September um 22 Millionen, seit Jänner um 111 Millionen größer als in den entsprechenden Vorjahrsabschnitten. Dem heurigen Jahr fällt jedoch zur Gänze der Ertrag der Steuer von Kunstspeisefetten aus dem ersten Halbjahr 1937 zu, da im Jahre 1936 diese Steuer erst mit Gültigkeit vom 7. Juli eingeführt wurde. Die Gebühren brachten zwar im September um 22 Millionen mehr ein, doch war in den vorangegangenen Monaten des heurigen Jahres der Ertrag nicht immer so günstig und sank sogar in einigen Monaten unter den vorjährigen Ertrag. Der Gesamtertrag in den neun heurigen Monaten übersteigt daher auch den vorjährigen nur um kaum 49 Millionen, also nur um rund vier Prozent. Bei den Monopolen bewirkte den Mehrertrag von neun Millionen in neun Monaten offenbar der höhere Verbrauch von Explosivstoffen bei der Förderung von Kohlen und anderen Mineralien. Obwohl der Ertrag in allen Gruppen von Steuern und Abgaben heuer besser ist als im vergangenen Jahr, bleiben die Einnahmen gegenüber dem Voranschlag doch zurück, und zwar im September um 114 Millionen, im Zeitraum Jänner bis September um 71 Millionen, während am Ende der letzten zwei Monate der Reinertrag nmh voller Deckung der Anteile und Zuweisungen der Selbstverwaltung und der Fonds die im Budget Präliminierte Höhe erreicht hatte. Abschluß der Lohnbewegung der Holz- und Spielwarenarbeiter des Katharinaberger Gebietes Schon des öfteren haben wir an dieser Stelle auf die schlechten Bedingungen, unter welchen die Spielwarenarbeiter des Katharinaberger Gebietes zu arbeiten gezwungen sind, verwiesen. Die Kleinheit der Betriebe, die Schmutzkonkurrenz der Unternehmer untereinander und wohl am meisten die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Jahre haben der Arbeiterschaft und ihren Organisationen unmöglich gemacht, eine Aende- rung dieser unhaltbaren Zustände herbeizuführen. Als nun im Zuge der allgemeinen wirtschaftlichen Besserung auch in der Spielwarenindustrie eine gute Beschäftigung, man möchte fast sagen, Hochkonjunktur, einsetzte, sahen die Arbeiter die Zeit für gekommen, um auch ihre Forderungen anzumelden. Sie wollte nicht mehr länger 60 bis 80 Stunden in der Woche arbeiten, um nur halbwegs leben zu können. In zwei großen Versammlungen, die am 21. und 22. August in Gebirgsneudorf und Katha- rinaberg stattgefunden haben, wurden die Forderungen formuliert, der Abschluß eines Lohnvertrages mit Mindefllöhnen gefordert und der „Verband der Holz- und Landarbeiter" und der Ehristliche Fabrik« und Bauarbeiterverband mit der Führung der Verhandlungen beauftragt. Nach vielen Bemühungen dieser Organisationen kamen unter Mithilfe des Gewerbeinspektorates in Teplitz Verhandlungen zustande, welche mit der am 18. Oktober stattgefundenen und vom Gewerbeinspektorat in Teplitz einberufenen Verhandlung ihren Abschluß fanden. Der abgeschlossene Lohnvertrag gilt für die gesamte Spielwarenindustrie der Bezirke Komotau und Brüx und es wird um die VerbindlichkeitSerllärung dieses Vertrages angesucht. Nur der organisierten Arbeiterschaft und ihren Organisationen ist eS zu danken, daß die Spielwarenarbeiter dieses Gebietes nun erstmalig einen Vertrag haben, der sie dem willkürlichen Lohndiktat einzelner Unternehm 1 seitdem es die modernen OSRAM-^-Lampen gibt. 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Das Stattstische Staatsamt verzeichnete 32 Streiks in 150 Pettieben, die 5741 Arbeitnehmer beschäftigten^ Der Verlust an Arbeitszeit betrug 88.169 Arbeitstage(im September 1986 waren es 80.400 Arbeitstage, so daß auch gegenüber dem Vorjahr diesmal die Lohnbewegungen an Umfang kleiner geworden sind) und der Lohnverlust betrug 833.695 Kronen. Bon den einzelnen Gewerbeklaffen wessen auf die Glasindustrie einen Streik(15.000 Arbeitstage), die Holzindustrie acht(6634 Tage), das Baugewerbe sieben(2610 Tage), Textilindustrie drei(3365 Tage), die Stein- und Erdenindustrie vier(2291 Tage) und die Papierindustrie zwei(1548 Tage). Die andern Industriezweige weisen weitaus kleinere Ziffern aus. Die Forderungen betrafen auch im September mtt verschwindenden Ausnahmen Lohn- und Kollektivvertragsfragen. Das Ergebnis war in fünf Fällen(15.561) ein voller, in 13 Fällen (9714) ein Teilerfolg, in drei Fällen(2248) ein Mißerfolg. In den übrigen Fällen ist das Ergebnis noch nicht bekannt. Vierzehntausend Handelsangesteilte ohne Beschäftigung Nach den Feststellungen des Fürsorgeministeriums gab es Ende Juni d. I. in der Tschechoslowakei 18.122 beschäftigungslose Handelsangestellte, und zwar 12,861 männliche und 5261 weibliche. Dagegen waren zu dieser Zeit nur 2226 freie Stellen gemeldet worden, Dabei ist zu beachten, daß hier nur die Fälle statistisch erfaßt sind, die dem Ministerium bezw. seinen Amtsstellen für Arbeitsvermittlung unterliegen. In Wirklichkeit dürfte die Arbeitslosigkeit unter den HandelSan- gestellten noch größer sein. Oie Einheitspreisgeschäfte gewähren Teuerungszulagen Die vom Einheitsverband der Privatangestellten mit den Einheitspreisgeschäften geführten längeren Verhandlungen haben jetzt zu dem Ergebnis geführt, daß diese Unternehmen ihren Angestellten eine allgemeine Teuerungszulage gewähren. Sie wird für die Empfänger kleiner Gehälter 50 Prozent, für solche mittlerer Gehälter 40 Prozent und für die Angestellten mit größeren Gehältern 30 Prozent der Monatsgehaltes bettagen. Die Kolleftivverttäge in den Druckereien. Nach Unterzeichnung des Kolleftidvertrages mit dem qualifizierten typographischen Personal in den Druckereien am 17. September d. I. hat der Verband der graphischen Gremien auch mit den in den graphischen Unternehmungen beschäftigten Buchbindern und dem Hilfspersonal Verhandlungen ausgenommen. Diese Verhandlungen führ ten am 20. Oktober d. I. zur Unterzeichnung von Kollektivverttägen, welche bis zum 30. September 1989 gelten. Durch die Kollektivverträg« wurde beiden Kategorien der Arbeiterschaft ein linealer Teuerungsbeitrag von fünf Prozent von den Minimallöhnen zuerkannt, welcher am 25. Ok« tober d. I. in Kraft tritt. In den übrigen Fragen des Avbeitsvertrages wurde gleichfalls ein Einvernehmen erzielt. Die Arbeitszeit sowie die Feier- tagsbesttmmungen bleiben durch die Verhandlungen unberührt. Durch diese Kolleftivverttäge wurden die Arbeits- und Lohnbedingungen aller Angestelltenkategorien der graphischen Unternehmen definitiv geregelt und die Voraussetzungen für die Stabilisierung der Kalkulation geschaffen. Verkaufsgenossenschaft böhmischer Tafelglasfabriken A.-G., Praha U, Revolucni 2 Gelegentlich der am 21. Oktober 1987 abgehaltenen IX. ordentlichen Generalversammlung gedachte der Vorsitzende des großen Verlustes, den die Nation durch den Heimgang des Präsidenten-Befreiers Thomas G. Masaryk erlitten hat und for- bette die Anwesenden auf, das Andenken durch eine einminutige stumme Trauer zu ehren, ebenso widmete er dem allzu früh Heimgegangenen Mitgliede des Berwaltungsrates, Herrn Fritz We iß warme Worte des Gedenkens, die von den Teilnehmern stehend angehört wurden. Aus dem Berichte des Vorsitzenden geht hervor, daß die Preise auf den Weltmärkten im Jahre 1986 vorübergehend eine geringe Besserung erfahren haben. Der mengenmäßige Absatz wies infolge des Streiks in den amerikanischen Fensterglasfabriken und der erhöhten Bautätigkeit in einzelnen Ländern gegenüber dem Jahre 1985 eine Steigerung auf. Mtt Rücksicht darauf, daß die Nachwirkungen des amerikanischen Stteiks auch noch im Jahre 1987 sich bemerkbar machen werden, sst für das Jahr 1987 mit einer weiteren Steigerung des Absatzes, infolge' des auf den Weltmärften andauernden Konkurrenzkampfes jedoch nicht mit einer nen- nenSwetten Steigerung der Erlöse zu rechnen. ES sind leider Anzeichen dafür vorhanden, daß nach Aufhören der AuShilfSlieferungen nach den Vereinigten Staaten wieder eine Verschlechterung der Situatton Platzgreifen wird. Die Generalversammlung beschloß, aus dem zum 81. Dezember 1936 ergebenden Gewinn von XL 86.145.98, der sich um den Gewinn- vorttag er 1935 per XL 47.572.60 auf XL 83.717.6« erhöht, 5 Prozent, d.' i. XL 1807.25 dem Reservefonds zuzuweisen, eine 4prozenttge Dividende, d. i. XL 40.000.— auszuschütten, den Bilanzrevisoren als Ensschädigung XL 8000.— zuzuweisen und den unverwendeten Reftbettag von XL 88.910.43 auf neue Rechnung vorzuttagen. Die ausscheidenden Verwaltungsräte, Herr Dr. Rudolf Ekstein, Herr Arnold I s ch m a n n, Herr Direüor Karl Hirschmann, Herr Anwn M ü h l i g und Herr Dr. Jos. Max M ü h l i g wurden wieder-, Herr Jng. Theodor Waiß(an Stelle des verstorbenen Verwal- tungsratsmitgliedes Herrn Fritz Weiß) und Herr Dr. Wilhelm Reiner neu in den VerwaltungS- rar gewählt. Bilanz-Konto 1936 4,578.119.05 4,878.119.05 Aktiva XL Passiva XL Aktienkapital.., .. 0. 000.000.— Reservefonds,» .... 122.714.40 Kassa-Konto.-. Konto-Korrent-Konto 29.650.80 3,126.887.72 Einrichtungs-Konto. 224.670.50 Banken-Konto.; Transitorisches Konto 4,828.798.25 245.849.2S Gewinnvortrag aus 1935.... 47.572.60 Gewinn 1936.. 86.145.08 (Wand Faschismus und katholische Kirche Wien, anfangs Oktober 1937. In Deusschland wird bekanntlich der Katholizismus, wie sehr er auch dagegen protestiert, mit dem Kommunismus in einen Topf, in einen Eintopf sozusagen, geworfen» und den Katholiken wird beinahe so übel mitgespielt wie den Juden und Marxisten. Den Irrglauben, mit dem Dritten Reich in ein erträgliches Verhältnis zu kommen, hat der Vatikan wahrscheinlich doch schon aufgegeben. Aber den italienischen Faschismus(und, nicht zu vergessen, den spansschen) hat die katholische Kirche die längste Zeit ganz anders bewertet. Doch die Entwicklung geht weiter, der Faschismus bedroht die Menschheit mit Kriegsschrek- ken, und auch die Kirche kann schließlich nicht zu allem, was da geschieht, Ja und Amen sagen, wie vorsichtig sie auck in ihrer Haltung immer war und ist. So scheint es denn, daß das gute Einvernehmen zwischen dem Faschismus und der katholischen Kirche ein wenig getrübt worden ist. Mussolini hat in dem Artikel im„Popolo d'Jta- lia", in dem er versicherte, daß jede Nation ihren Faschismus haben werde, unter den Kräften, die dem Faschismus widerstreben, nämlich.Capita-. lismus, parlamentarische Demokratie, Sozialismus, Kommunismus", auch einen„gewissen, schwankenden Katholizismus" genannt, mit dem der Faschismus„eines Tages nach faschistischem Sttl abrechnen"' werde. Was ist da geschehen? Und da hat eS vor nicht langer Zeit noch Leute gegeben, die inbrünstig gehofft haben, Mussolini werde seinen deutschen Freunden zur Mäßigung gegenüber-den Katholiken raten. Und nun will er selbst mit den Katholiken nach dem faschistischen Sttl, den man ja zur Genüge kennt, abrechnen.' Verwunderlich ist die neue Haltung Mussolinis und die Drohung gegen den Katholizismus nicht. Der Faschismus will überall die To«- talität und muß sie wollen. Er läßt die katholische Kirche gewähren, wenn und solange sie seine treue Magd sein will und seine Herrschaft sichern hilft. Wenn sie das nicht mehr will oder kann, dann sagt ihr der Faschismus Feindschaft an. Mussolini, der schon viele Schwankungen und Wandlungen durchgefühtt hat, hat ja schon früher seiner Feindschaft gegen die Kirche beredten Ausdruck gegeben. Wir wollen nur ein Wott zitieren. Am 3. Apvil. 1921— damals dachte er wohl noch nicht an einen Pakt mtt dem Vatikan sagte er u»-Bologna-:-»Der F a schismus ist die g r ö ht-e a ll e r- K e tze- reien, die an die Türen der Kirche schlagen. Den alten Pttestern, die mehr oder weniger Klageweiber sind, sei gesagt: Weg von diesen Tempeln, denen Vernichtung droht, denn unsere triumphierende Ketzerei-ist bestimmt, das Licht in alle Gehirne zu tragen und in alle Herzen". Das war deutlich genug. Aber noch deutlicher schrieb im Jahre 1928 der faschistische Schvift- steller Evola:«Ich liebe Machiavelli viel zu sehr, um dem Faschismus nicht zu raten, die Kirche auszunützen, wo immer es ihm gelingt". Das hat der Faschismus auch getan: Er hat die Kirche reichlich ausgenützt. Wenn ihm das nicht mehr ganz gelingt, wird er bös und droht mit Abrechnung. Aber es scheiden sich auch die Geister. Man kann die Menschen heute nicht mehr einteilen in„Gläubige" und„Ungläubige". Der Trennungsstrich ist ein ganz anderer: Bestialität und Barbarei auf der einen, und Menschlichkeit und Zivilisation auf der anderen Seite. Menschlichkeit und Zivilisatton sind auf das schwerstt bedroht und es gilt dem sehr raschen und festen Zusammenschluß aller Kräfte, die sie retten wollen. Weiß der Katholizismus, dem Abrechnung nach faschistischem Stil droht, auf welcher Seite er in der kommenden, schwersten Entscheidung stehen wird, oder„schwankt" er noch immer? Bulgarische„Demokratie" Aus Sofia wird uns geschrieben: Der Protest der 26 Führer der ehemaligen politischen Parteien beim Zaren Boris gegen die neue Wahlordnung hatte insoferne einen Erfolg, als der Ministerrat seine Beratungen Wer die Wahlordnung auf einige Tage unterbrach» da die alten Meinungsdifferenzen zwischen den Regierungsmitgliedern Wer einzelne Bestimmungen der Wahlordnung neu aufgelebt sind. In den letzten Tagen konnte nun eine Kompromißlösung erzielt und damit die angekündigte Rekonstruktion des Kabinetts vettagt werden. Rach den letzten Informationen soll sich da- künftige Parlament aus 180 gewählten Abgeordneten, inbegttffen die 80 Bertteter der gesamtstaatlichen Ständeverbände, zusammensetzen. Die Regierung wird in jedem Wahlkreis ihren Kandidaten aufstellen, der die allseitige Unterstützung der Administrative genießen wird. Justizminister Ognjanow erklärte bei Eröffnung des neuen JustizpalasttS in Swistow, daß im Hinblick auf di« Veränderungen der inner- polittschen Struktur in gewissen europäischen Staaten auch Bulgarien nicht ssoliett bleiben könne und neue Wege gesucht werden müßten. Der Minister betonte, daß die neue Wahlordnung den BerfaffungSbesttmmungen nicht widersprechen werde. Seite 6 „Sozialdemokrat Freitag, 22. Oktober 1937. Nr. 249 3twr Leitung JUnst und WUaea Der heutige Mänes Arbeitseinkommen und Gesamtwirtschaft Der Oberkommissär des Staatlichen Sta- - ttstischen Amtes, Dr. Karel M a i w a l d hielt im Sozialinstitut der Tschechoslowakischen Republik«inen Vortrag, in welchem er die Zusammenhänge zwischen Arbeitseinkommen, Erzeugung und Verbrauch zu erhellen suchte. Er sagte u. a.: Beim Ansteigen der Produktivität stößt der gesteigerte Strom der Erzeugnisse auf die Hindernisse des Beharrungsvermögens in den Ver- hrauchsgepflogenheiten der Bevölkerung. Die Schwierigkeiten einer Anpassung des Verbrauches an die steigende Produktivität hängen von zwei Faktoren ab. Auf der einen Seite hat ein großer Teil der Bevölkerung Anteil an den Ergebnissen des technischen Fortschrittes, auf der anderen Seite machen sich Einflüsse bemerkbar, die sich aus dem unbefriedigten Bedarf jener Bevölkerungsgruppe begeben, deren Einkommen infolge des technischen Fortschrittes erhöht worden sind. Deshalb kann der Anpassungsprozeß der Vebbrauchssteigerung viel rascher verlaufen auf der breiten Grundlage der Arbeitseinkommen der gesamten Bevölkerung, als auf der engeren Grundlage der weniger zahlreichen Bevölkerungskreise mit höheren Einkommen und relativ stärker gesättigter Nachfrage für den unmittelbaren Verbrauch. Die Dividendenpolitik der großen Unternehmungen, die bestrebt sind, Teile ihres Ertrages zu neuen Investitionen oder zu außergewöhnlich raschen Amortisationen zu verwenden, schalten einen Teil des gesamten Nationaleinkommens überhaupt von der Möglichkeit aus, sich in Form der Nachfrage für den unmittelbaren Verbrauch geltend zu machen, sie erhöht die Intensität des Sparens und machten den Rückfluß dieser Teile des Nationaleinkommens iy den Wirtschaftskreis- lquf von den Möglichkeiten einer Verwendung bei neuen Investitionen abhängig. Die Möglichkeiten zu immer neuen Investitionen sind keineswegs unbeschränkt. Die Erzeugung von Produktionsmitteln kann keineswegs Selbstzweck sein und die Möglichkeit neuer Investionen hängt von der Entwicklung des Gesamtver- brauches ab. lagsscheibe des Zuckerbäckers Wenzel Toncar im Hause Nr. 107 rannten, die fie zertrümmerten. Die Zuckerwaren wurden zum Teil unbrauchbar gemacht. Die Pferde, die der Kutscher nicht mehr beherrschen konnte, liefen weiter, zerschlugen im Hause Nr. 126 die Tür und zwei Reklametafeln und verfingen sich schließlich mit dem Zaumzeug an dem Mast einer Haltestellentafel, so daß sie stehen bleiben mußten. Dem Zuckerbäcker entstand ein Schade von 3500 KC, der sonstige Schade steht noch nicht fest. Verletzt wurde niemand. Eisenbahn überfährt ein Lastauto. Der 41jäh- rige Artist Josef Triska, derzeit in einem Wohnwagen in Modkan wohnhaft, fuhr gestern vormittags mit einem leichten Lastkraftwagen über die Eisenbahnstrecke in Modkan, wobei er sich im Geleise verfing, so daß er-nicht von der Stelle konnte. Da zur gleichen Zeit ein Eisenbahnzug herankam, mußte er mit seinem Sohn den Wagen verlassen, der zertrümmert wurde. Der junge Tkiska erlitt eine unbedeutende Verletzung am Fuß. Der Schade beträgt 10.000 KC. Der Heilfonds der öffentlichen Angestellten teilt mit: Wegen Reinigungsarbeiten in der Zentrale des Heilfonds in Prag II., Hhbernskä ul. 10, vom 29. bis 30. Oktober, wird nur in Fällen, die keinen Aufschub erleiden können, amtiert werden. Ausflugszüge der Staatsbahn. Am 25. und 26. Oktober nach H i r s ch b e r g zur Abfischung des Sees— 80 KC; vom 27. Oktober bis 2. November zum Fischfang in der Theiß und Latorica nach Kar- pathorußland— 390 KC, vom 30. Oktober bis 1. November zum Schweinschlachten nach Petzer im Riesengebirge— 160 KC; Sonderzug nach Hohenelbe und Spindlermühle— 185 KC. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof. Tel. 383—35. Urania-Kino, Klimentskä 4. Fernsprecher 61623, Dopvelvroaramm: Flucht an die Adria Auf der Bübne: Hermann leoooidl— Betya Miishaja mit neuem Programm. Die dritte und letzte der Jubiläumsausstellungen, di« der Verein bildender Künstler„Mänes" aus Anlaß seines fünfzigjährigen Bestehens veranstaltet, ist ausschließlich den lebenden Künstlern gewidmet. Prominente Gäste geben ihr gewissermaßen das Ehrengeleit. Da ist an erster Stelle der Norweger Edvard Munch zu nennen. Munch feiert im Dezember dieses Jahres seinen 75. Geburtstag; er ist also gewiß kein Junger mehr, aber wie jung, wie modern muten diese Bilder an, als deren Entstehungszeit di« Jahre 1915 bis 1922 angegeben find. Als Munch in den neunziger Jahren auftrat, erging es ihm wie vor ihm Manet; seine Malerei begegnete stürmischer Ablehnung bei den Akademiegläubigen und erst viel später wurde er verstanden und gewürdigt. An solche Beispiele mag sich der Beschauer erinnern, wenn er in Ausstellungen vor Bildern steht, deren Art ihm ungewohnt ist. Es können Pioniere auf neuen Wegen, Vorboten einer anderen Art künstlerischer, Empfindung und Gestaltung sein — es können freilich auch Verirrungen auf Abwege sein, die zu keinem Ziele führen. Als Gäste des„Mänes" find noch die beiden Deutschen Willi Nowak und Oskar. Koko s ch k a mit charakteristischen Leistungen ihres Schaffens, das hier bei früheren Gelegenheiten schon gewürdigt wurde, vertreten. Als Architekten gastieren die Franzosen Corbusier und Perret, der Holländer O u d und der Amerikaner Neutra. Die satirischen Photomontageü Heartfields find inzwischen aus den bekannten Gründen aus der Ausstellung gänzlich entfernt worden. Aus der Reihe der Mänes-Mitglieder— 241 Werke von 80 Künstlern umfaßt die Ausstellung im ganzen— können hier nur einige Namen hervorgehoben werden. Ihnen wie auch den anderen ist man in früheren Ausstellungen schon häufig begegnet. Meisterhaft gemalte Stilleben von Jan Statz i k e k, die blühende Farbigkeit der Bilder von Bincenc Benes, die flirrenden Landschaften von B o h u m t r D v o r s k tz, die graphisch empfundenen Malereien Frantisek Tichtzs, die roManttschen Kompositionen von An ton in Prochäzka, die in leuchtendes Blau getauchten Landschaften Väclav Spälas bestättgen und bestärken frühere Eindrücke. Ihnen allen, so verschieden sie untereinander sind, eignet— Prochäzka und Tichh ausgenommen, die jeder für sich ganz eigene I , 1, 1 y'«hv■,, 1 UlvQv ulUlvUllWIl j UV vVlUVvUUllUvUllv, /lUUJ Vvlll verfugte feine Ueberfuhrung in»viertägigen V-rbandsl-hrkurS vom 28. Oktober bis ÜandesirrenanstaÜ. Bom Brückenbogen geköpft. Gestern mittags fuhr der Chauffeur Jan Bosäk aus Smichow mit einer Ladung Sand auf seinem Lastkraftwagen unterhalb des Palackhkais das Moldauufer entlang, wobei der 29jährige Fuhrmann Josef Vacek aus Zabiihlitz die Sandladung auf dem fahrenden Wagen ordnete. Hiebei bemerkte er nicht, daß der Wagen sich der Jirasekbrücke näherte; bei der Einfahrt unter die Brücke stieß Vacek mit dem Kopf gegen die Eisenkonstruktton, so daß ihm der Kopf völlig zertrümmert wurde. Er war auf der Stelle tot. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Scheue Pferde im Zuckerbäckerladen. Der Kutscher Wenzel Rol aus Bzov fuhr vorgestern abends mit einem zweispännigen Fuhrwerk durch die Königsstraße in Karolinental, wobei die Pferde plötzlich vor einem vorüberfahrenden Straßenbahnwagen scheuten, durchgingen und gegen die AusSamariter sIännex bis März) und für Radsportler, eine Kreisfußballertagung sowie eine Schachtagung und Bezirksvorturnerstunden, denen«ine Kreisvorturnerstunde für Frauen- und Männerturnen am 30. Jänner borangeht. Der Ostersonntag soll all« Radfahrer der Turn- und Radfahrervereine zu einem Treffen in Falkenau vereinigen. Auch die Marwanderung hat im Arbeitsplan den. ihr gebührenden Platz gefunden. Sechs Bezirksturnfeste(Juni und Juli) gehören weiter zu den Aufgaben und nicht zuletzt wird der Besuch des DTJ-Kreisfestes in Pilsen(16. und 17. Juli) alle aktiven Kräfte anspannen. Eine Kreisausscheidung der Radball-Bezirksmeister und ein Radrennen werden di« Besten für die Verbandsausscheidung ermitteln. In Verbindung mit dem Kinderturnfest dürfte wieder eine Zeltlageraktion ihren Anfang nehmen. Eine Turnerinnen-Jnternatsschule im August leitet«ine neu« Arbeitsperiode ein, bei welcher eine auf zehn Monate verteilte Sportabzeichenprüfimg neben der besonderen Turnerinnenarbeit das Kernstück bildet. Das Arbeitsjahr 1988 wird also ein Jahr weiterer Aktivierung und Festigung der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung WestböhmenS sein. Der Autosalon Im Zeichen eines neuen heimischen Kleinwagens Der heurige Autosalon, der sehr zahlreich von hiesigen und ausländischen Fabriken beschickt wurde, lockt stets neue Massen von Zuschauern zur Besich- tigung heran. Alle wollen erkennen, was für Fort- schritte während eines Jahres gemacht wurden. Das größte Jntereffe erweckt die Neuheit der Waffenfabrik Jng. F. IaneCek: Der kleine,«wer leistungsfähige Wagen Jawa-Minor. der eine wirkliche Ueberraschung der XXVII. Internationalen Autoausstellung ist. Er gewinnt durch seine elegante Karosserie, die vollkommene Ausführung aller Konstruktionsdetails. durch seine Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt durch seinen Preis von 1 6.9 5 0 KC die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit. die ihn auch wegen seiner sehr niederigen Betriebskosten schätzt. Es ist nicht nur der Verbrauch von 6 bis 7 Litern pro 100 Km. sehr niedrig, sondern auch die Versicherung, die bloß 398 KC jährlich beträgt. Die niedrigen Betriebskosten ermöglichen dem Besitzer eines solchen Wagens defien bolle Ausnützung für den täglichen Gebrauch und für die sonntägliche Erholung. Die Waffenfabrik Jng. F. IaneCek hat durch die Einführung dieses Wagens auf unserem Markt bewiesen, daß sie die Wünsche der Oeffentlichkeit richtig erfaßt hat, wovon nicht nur das große Jntereffe, sondern auch die vielen bis zum heutigen Tage abgeschlossenen Geschäfte zeugen. Wer sich also für einen billigen, leistungsfähigen und sparsamen Wagen intereffiert, sollte sich diesen neuen tschechoflowa- kischen Kleinwagen am Autosalon ansehen und ihn ausprobieren. X 1. November treten die Kreis- mit den Bezirkskinderturnwarten am 7. November zusammen und dann folgen sechs zweitägige Bezirkskinderturnwartekurse. Am 12. Dezember gelangt als weiter Teil des Aktivitätswettbewerbes der Tag des Geräteturnen in zwölf Gruppenveranstaltungen zur Durchführung. Weitere Termine wurden festgelegt für den Wintersport(16. Jänner), Turnspieltag(27. März), Radsport(24. April)- Leichtathletik(Mai) und Schwimmen(Juli). Dem Wintersport stehen große Aufgaben bevor. Im Dezember werden Kurse im Gebirge abgehalten, am 2, Jänner findet das traditionell« Springen, auf der^R.oten Schanze" in Bärringen statt, nach dem 16. Jgnner werden die Besten am 6. Feber im Böhmerwald bei einer DTJ- Beranstaltung starten und für den 13. Feber ist ein« Kreiswintersportveranstaltung im Graslitzer Bezirk geplant.■ Der Schulungsaicheit dienen Kurse für Di« Zusammenarbeit' der Arbeittrradfährer und Arbeiterturner in der AtuS-Union gibt zu den besten Hoffnungen Anlaß. Vor der Tagung des Technischen Hauptausschusses am Sonntag fand Samstag die Tagung des Kreisfachausschusses für Rad- und Kraftfahrer statt. Große Aktionen hat der 6. KreiS- verband Wostböhmen im Jahre 1937 hinter sich. Bor allem wäre die Jugendzeltlageraktton zu nennen, die in drei Zeltlagern die Grundlagen für die Zukunftsarbeit legte. 47.296 KC wurden für"diese Aktion aufgebracht, 130 neue Jugendwanderzelte wurden den Vereinen übergeben und 63 Verein« haben den Vorschriften der Teilnahme entsprochen. Die Technikertagung zog weiter den Schlußstrich unter das «Jahr der Vereine"; es war dies die große Aktivie- rungsaufgabe des Jahres 1937. Fünfzig Veranstaltungen mit zusammen 6700 AtuS-Uniön-Mit- gliedern des Kreises haben bei den Gruppenveran- staltungen 1937 geturnt, gespielt und gespöttelt und insgesamt 16.000 Zuschauer waren Zeugen deS Wollens unserer Attis-Union- DaS ist Arbeit für Kör- pettulttir und Volksgesundheit! Zwanzig Bezirks- und Kinderturnwarte, Techniker deS Radsports, des Schwimmens, Wintersports, Samariterwesens und der Leichtathletik berieten in Falkenau den neuen großen Arbeitsplan des 6. Kreises der Atus-Union. Nach Bericht über di« erste Tagung der AtuS-Union in Aussig und Behandlung der in der Debatte aufgeworfenen Fragen über die Wehrerziehung, die neue AtuS-Union-Uniform und di« Organisation der Arbeiterfußballbewegung•(die die große Aufgabe hat, der um sich greffenden bürgerlichen Unmoral enigegenzuwirken) hielt M y- kura das Gesamtreferat über den neuen Arbeitsplan, welcher nach reger Diskussion mit einigen Aenderungen angenommen wurde. Was bringt der Arbeitsplan dem Kreis Westböhmen im Jahre 1938? An erster Stelle steht eine groß« Kursaktion für Kinderturnwarte. Rach dem Arbeit für Körperkultur und Volksgesundheit Der neue Arbeitsplan des 6. Kreises der Atus-Union Die Staatsfeiern in Prag Die diesjährigen militärischen Feiern des 28. Oktober werden in Prag in den Zentren der einzelnen Formationen mit dem gleichen Programm stattfinden, welches nach einer Festrede des Kasernen- kommandanten di« Vereidigung der Rekruten, die Äbsingung der Staatshhmne und einen feierlichen Aufmarsch vorsieht. Diese Zentren sind: die Ste- fänik-Kaserne, der MilitärübunaSplatz auf dem Stra- hov(Beginn 10.30 Uhr), die Zizkä-Kaserne in Karlin(Beginn um 8 Uhr), die Kaserne des RohäC aus Dauba(Beginn um 8 Uhr), die Artilleriekaserne in Ruzynö(Beginn 9 Uhr) und der Flugplatz in Kbelh (Beginn 10.30 Uhr). Zur Teilnahme an diesen Feiern sind auch die Militärgagisten im Ruhestand in der vorgeschriebenen Uniform eingeladen, welche sich beim nächstliegenden Zentrum einfinden, wo ihnen«in Platz zugewiesen werden wird. Das gleiche gilt von den Militärgagisten in der Reserve. Von -16 bis 17 Uhr veranstalten die Kapellen des Jnf.- Reg. Nr. 5 und des Jnf.-Reg. Nr, 28 auf dem Altstädter Ring und an der Museumsrampe Bolkskon- zerte. Am Vortage des Festes, das ist am 27. Oktober, vollzieht die Prager Garnison Pietätsakte durch Kranzniederlegungen am Grabe in Läny, auf dem Grab« des Unbekannten Soldaten und am Denkmal der Befreiung. Ein Rohling. Gestern nachts nach 11 Uhr wurde der 38jährige Privatbeamte Josef BlaZek aus Pankratz auf die Polizeiwachstube vorgeführt. Er hatte kurz vorher im Büfett„Olympic" in der Brenntegaffe ohne jeden Grund die 20jährige Zahlmeisterin F. F. mit der Faust ins Gesicht geschlagen und leicht am Auge verletzt, so daß sie auf die Klinik gebracht werden mußte. Der Vorfall hatte einen großen Menschenauflauf zur Folge. Rabiater Schwachsinniger. Bei der neuen Pensionsanstalt in Zijkov bemerkte gestern mittags die Polizei einen Mann, der ein altes Sofa auseinandernahm und die Teile auf der Straße verstreute. Als fie den sichtlich Schwachsinnigen abführen wollte, widersetzte er sich und begann mit den Wachleuten zu raufen. Der Austritt hatte einen großen Menschenauflauf zur Folge; schließlich wurde der Unbekannte überwältigt und auf die Wachstube gebracht, wo er als der 45jährige Zuckerbäcker Jaroslav Adamec sichergestellt wurde. Der^ Wege gehen— eine starke Hinneigung zum Ausdruck durch die Farbe, wie überhaupt die, Ausstellung in ihrer Gesamterscheinung.eine ausgeprägt» Freud« an der Farbe erkennen läßt. Es sind aus der Vielzahl der ausstellenden Künstler noch einige zu nennen, die durch besondere, nicht ohne weiteres verständliche Eigenart auffallen. Da ist wiederum EmilFilla mit figuralen Kompositionen, deren deformierende Uebertreibungen schon karikaturistisch wirken; ob der Künstler sie io verstanden haben will, ist eine andere Frage. Jedenfalls opfert er den Problemen, um die er sich müht, alles andere. Noch einen Schritt weiter auf diesem Wege geht Frantisek Muzika, der alle menschlichen Formen zu einem grauweißen Geschlinge verstrickt. Frantisek Janousek zeigt wieder einige seiner phantastischen Kompositionen, deren haarscharfe Detailmalerei von sturrilem Humor erfüllt ist. Von kaum deutbarer Symbolik find die Bilder von Jindkich Sthrskh wie die„Huldigung an Karl Marx", ein Bild, auf dem Marxens Kopf und ein Frauenrumpf waagrecht auf einer Art Brattvieß stecken. Roch weiter ins Irreale, Unbegreifliche entzieht sich T o y e n mit seinen kristallinischen oder mikroskopischen Urformen ähnelnden Gebilden, deren Sinn man auch dann nicht ergründet, wenn sie als „Traum" oder als„Einsiedler" bezeichnet sind. Man kann derart abseitig suchende und bei aller Fremd- arttgkeit doch aus spürbaren künstlerischen Vorstellungen Schaffende nur gellen laffen. Schließlich steckt in all dem ein Aufwand an Material, an Zeit, an Lebenskästen, der doch kaum vertan wird, nur ikin vielleicht den Bürger zu schrecken. Es bleibt der Zeit überlassen, was aus solchen Experimenten vielleicht einmal erwächst und ob spätere Generationen darin erste ertastete Stattonen auf neuen Wegen erkennen oder ob sie als Symptome einer in sich problematisch gewordenen, suchenden und alles versuchenden Ueber- gangszett gewertet werden. eh. Der erste Don Jose gestorben. In einer bescheidenen Wohnung in Paris ist dieser Tage im Alter von 94 Jahren, der Tenor L h« r i e gestorben. Sein Name isteder zeitgenöffischen Generatton unbekannt, und doch war er es, der im Jahre 1875 die Rolle des Don Jost in Bizets„Carmen" keiert«. Alle diejenigen, die ihn gehört haben, waren einmütig in ihrem Urtefl über die herrliche Stimme dieses Künstlers. Einmaliges Gastspiel der Wiener Sängerknaben. Montag in der Kleinen Bühne; im ersten Teil geistliche Lieder; zweiter Teil:„Seine Hoheit hat's gesagt!"; dritter Teil: Chöre von Schubert, Brahms,«ine Walzer-Suite etc. Spielplan deS Reuen Deutschen TheaterS. Freitag, halb 8: Weh dem, der lügt! D.— Samstag halb 8: Frühlingslust, neu inszeniert, C 1.— Sonntag halb 3: Weh dem, der lügt! Halb 8. Arabella. A 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag 8)4 Uhr: Eine Frau ohne Bedeutung, volkstümliche Vorstellung.— SamStag 8: Parkstraße 13.— Sonntag 3: Bei Kerzenlicht, 8: Die.Reist. Der Dkm Zwei italienische Verdi-Filme. Während die Biographien der großen Dichter und Staatsmänner schon alle verfilmt sind, hat man vor den großen Komponisten bisher einigermaßen Halt gemacht, Italien hott dieses Versäumnis jetzt nach, indem man gleich zwei Filme zum Thema.Verdi" ankün- digt. Der eine heißt.Rigoletto" und witd unter der Produktionsleitung von Vittoriä Mussolini gestartet, der sich jetzt, gerade in Hollywood die letzten Kniffe seines Metters holt. Dieser Film wird Verdis Leben nur mittelbar behandeln, während der zweite„Giuseppe Verdi" betitelte eine ausführliche Lebensgeschichte des Meisters zu bringen beabsichttgt. Dieser wird von Carmine Gallone, dem bedeutendsten italienischen Regiffeur, inszeniert. Sterne vom Himmel ist ein Hollywood-Film, der sich über den Filmbetrieb von Hollywood auf maßvolle Weise lustig macht, dem Publikum ein paar kommende StarS(oder wenigstens werdende Talente wie die beitere PaffY Kelly und die gewandte Rosina Lawrence) anbietet und zur Erhöhung der Zugkaft die bekannten Komiker L a u r e l und H a r d v mitwirken läßt. Der Regiffeur Hal R o a ch hat eine abwechslungsreiche Folge von grotesken oder revuearttgen Szenen aufgebaut, die größtenteils im Filmatelier spielen. —eis— Der Film„Nationale Verteidigung", der im heurigen Sommer vom Militärtechnischen und Fluginstitut hergestellt und mit großem Erfolg auf der Pariser Weltausstellung und im Rahmen des Venediger Biennale vorgeführt wurde, wird bei uns zum ersten Male Freitag, den 22. Oktober, in den Prager Kinos„F e n i x",„Apollo" und „Juli s" zur Vorführung gelangen. Außerdem wird der Film in Pilsen, Budweis, Pardubitz. Kladno, Jungbunzlau, Brünn, Mährisch-Ostrau und Kaschau laufen. Der Film ist bereits von neun ausländischen Legattonen angefordert worden l Rußland, Frankeich, Jugoflawien, Rumänien, Bulgarien, Schweiz, Litauen. Vereinigte Staaten und Mexiko). VereinsnacftiicKten Vortrag über die Pensionsverficherung und deren Mängel, gehaüen für Rentner und Rentnerinnen, am Sonntag, den 24. Ottober. halb 10 Uhr vormittags im Angestelltenheim SmeCky 22. 3. Stock.— Eintritt frei. Ortsgruppe Prag: SamStag. den 23. Oktober, Treffpuntt halb 4 Uhr Smichover Bahnhof, Fahrt nach Rev- nice, Wanderung zur Hütte. S o n n« t a: Khtin— Dobkiö— Hkebeny—- Revnice. Führer: Schaffer. Preis zirka KC 8.50. S. I. Prag. Kreisleitung heute 8 Uhr, Parteiheim, SmeCky. B e z u g s b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug" durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährlich KC 48.—, halbjährig KC 96.- ganzjährig K 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung. on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankattir wurde von der Poft- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Kontrollpostamt Praha 25.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.