17. Jahrgang Samstag, 23. Oktober 1937 Nr. 250 ,,Die deutsche Position gegen- über der Tschechoslowakei richtet sich nach dem Grundsatz: Ich fordere die Freiheit im Namen deiner Prinzipien und ich verweigere sie dir im Namen meiner Prinzipien" Wladimir d’Armesson im„Figaro“ Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich frLH' Einzelpreis 70-etter Redlcktion und Verwaltung: Prag XU., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: KarlKermPrag i Regierung. mit anderen Truppmkonftngenten fertig gewor- den fei, werde auch mit diesem fertig werden, denn sie sei stärker und besser bewaffnet denn je. Die Regierungsarmee könne trotz dem Fall Regierung schon vor den Ferien entschlossen hatte, die Wahlen des politischen Charakters zu entkleiden, handelt sie angesichts der kürzlichen Ereig- niffe vollkommen konsequent, wenn sie bis aus weiteres sämtliche politischen Wahlmanifrstatio» nen und Bersammlungen verbot. Die Regierung hat auch über die Angelegenheit des Abg. der SdP K. H. Frank verhandelt und beschlossen, mit dieser Angelegenheit den Jmmunitätsausschuß des Abgeordnetenhauses zu befassen. militärisch entscheidend. Damit, daß es möglich sein werde, die Nordfront zu halten, habe im spanischen Regierungslager niemand gerechnet. Man habe sich höchstens darüber zu wundern, daß die Entscheidung in Nordspynien nicht schon früher fiel. Der Heldenmut der Basken und der Asturier sei nicht nur bewundernswert, sondern habe auch der Republik einen wichtigen Zeit- geh) in n gebracht, der es ihr ermöglichte, die militärischen Kräfte für den Einsatz an der ent- scheidenden Zentralftont zu stärken. Die Eroberung des Nordens sei nickt im militärischen Programm Francos gewesen, sondern auf das Einwirken-Deutschlands und Italiens zurückzu- führen, welche die Nordküste zur Bedrohung Frankreichs brauchen. Die Behauptung, daß durch die Eroberung von Gijon 100.000 Mann der Rebellenarmee frei würden, fei vollkommen unrichftg. Im Norden operiere eine Rebellenarmee' in der Stärke von höchstens 50.000 Mann und man müsse damit rechnen, daß mindestens 10.000 Mann als Besatzungsarmee in diesem unruhigen Gebiete bleiben müßten. Es würden höchstens 40.000 Mann für die Zentral- ftont ftei, aber die Regierungsarmee, die schon Werden die Machte die Wirklichkeit erkennen? London.(E. B.) Die Sozialistische Arbeiter- Internationale und der-Internationale Gewerkschafts-Bund veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung, die von Citrine und Schevenels für den JGB, deBrouckire und Friedrich Adler für die SAJ unterzeichnet ist. In dieser Erklärung heißt es u. a.: >• Die faschistischen Angreifer haben mit der Eroberung Gijons einen neuen Sieg gerade in dem Augenblick davongetragen, da die Diktaturen in London zynisch die Aufrichtigkeit ihrer Nichteinmischungspolitik beteuerten. Zweifellos werden sie wiederum diesen Erfolg ihrer Waffen Und Diplomaten schrankenlos feiern. Werden die demokratischen Mächte endlich die tragische Wirklichkeit erkennen? Werden sie endlich ihre Pflicht erfüllen gegenüber Spanien auf Grund des Artikels 10 der Völkerbundsatzung, gegenüber sich selbst, deren Sicherheit durch die faschistischen Erfolge ernstlich bedroht ist, gegenüber der ganzen Menschheit, die sie noch vor dem Schrecken eines neuen Weltkrieges bewahren können? Beide Internationalen werden wie bisher auch künftig mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln dafür kämpfen, die kollektive Sicherheit zur Wirklichkeit werden zu lassen. Heute haben wir eine dringende Aufgabe zu erfüllen; Zehntausend« von Männern, Frauen und Kindern sind dem schrecklichsten Gemetzel ausgeliefertl Ihr Leben muß gerettet werden! Die Mächte müssen unverzüglich bei der Evakuierung der Bevölkerung helfen, indem sie ihre Schiffe für dieses Merk der Menschlichkeit zur Verfügung stellen! Die den Internationalen angeschlossenen Organisationen müssen unverzüglich bei ihrer Regierung Schritte in diesem Sinne unternehmen, sie müssen die öffentliche Meinung in Bewegung setzen! Das Volk Asturiens, die Freiheit Spaniens, der Friede der Welt müssen gerettet werden! Vordeftslte Italiens und Rußlands London. fragen. Er erklärte, daß sowohl im Baskenlande, wie auch in Asturien kein regelrechter Krieg geführt worden sei. Die Regierungstrüppen hatten weder Flieger, noch auch leichte Arftllerie, während die Truppen der Aufständischen, die vor allem aus ftalienischen regulären Verbänden be- standen, sowohl über schwere Artillerie— 30.5 Zentimeter—, als auch über genügend Flug- zeuge verfügten. Den Regierungsftuppen fehl- ten sogar Gewehre, so daß sie sich in vielen Fällen mft veraüeten Waffen und z. B. durch daS Herabrollen von Felsblöcken auf die angreifenden Truppen wehrten. Die Besiegung der BaS- ken nud der Asturier sei also weder ein militäri- scher Erfolg, noch ist fie erstaunlich, oder auch gedrungen ist, bestätigt in vollem Umfange unsere Kritik, die wir Jahre hindurch an der Führung der sudetendeutschen Totalitätspartei übten. Das Zwielicht, welches die Methode dieser Führung umgabt beginnt sich aufzuhellen. Es ist von schicksalhafter Bedeutung für das ganze Sudetendeutschtum, ob es gelingt, einem Zustande ein Ende zu bereiten, der nachgerade Spott und Schande über unser ganzes Volkstum bringen muß. Darin wissen wir uns mit allen anständigen Menschen im sudetendeutschen Bereich eins, daß nicht geduldet werden kann, wie unter dem Deckmantel politischer und sfttlicher Erneuerung moralische Seuchenherde gezüchtet werden. Hiebei geht es in erster Linie um den Schutz der jungen Generation. Sie kann und darf nicht krankhaft veranlagten Menschen ausgeliefert wer-, den; die sie für ihr ganzes Leben, ruinieren. Aus der Affäre um Rutha ist eine Affäre Konrad Henlein geworden. Unbeschadet der gerichtlichen Austragung der Verfehlungen, die den verhafteten SdP-Anhängern zur Last gelegt werden, wäre es die selbstoerständliäe Pflicht einer sauberen Führung gewesen, einen dicken Strich zwischen sich und solchen bedenklichen Erscheinungen zu ziehen, wie sie nicht erst seit dem Eingreifen der Polizei die weitesten Kresse des Suöetendeutschtums beschäftigen. Ein durchaus nationales und verläßlich antimarxistisckes Blatt wie die„Bohemia" hat unwidersprochen behauptet, daß Konrad Henlein schon Anfang dieses Jahre Smit dem PrivatlebenRuthasbefaßtwurde. Aus her gleichen Quelle wissen wir, Henlein habe auf Grund eines angeblichen Ehrenwortes des Beschuldigten das Verfahren niedergeschlagen und die gravierenden Protokolle zerrissen. Jeder demokratische Parteiführer eines jeden Kulturvolkes würde einen dermaßen gravierenden Borwurf keine 24 Stunden auf sich sitzen lassen. Wenn nicht aus freien Stücken, so doch unter dem Zwang der öffentlichen Meinung würde ein derart bloßgestellter Parteiführer sich entweder reinwaschen oder augenblicklich aus dem öffentlichen Leben auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Herr Henlein glaubte sich aber bereits so sicher im Besitze einer totalitären Allmacht, daß er weder das eine oder das andere zu tun für nötig hielt. Ja, er leistete sich sogar die aufgelegte Provokation^ in seiner Leitmeritzer Rede jen« „Linksblätter" in ehrverletzender Weise anzugreifen, die im Interesse der Reinheit und Sauberkeit unseres öffentlichen Lebens jene Tatsachen meldeten, die inzwischen durch einen amtlichen Bericht erhärtet worden sind. Aus einer sozusagen parteiamtlichen Verlautbarung der SdP war zu entnehmen, daß dem Herrn Rutha in einer rein kriminellen Angelegenheit ein besonderer Anwalt- beigestellt wurde, ein Vorgang, der ebenfalls in der Geschichte unseres Parteiwesens seinesgleiche', sucht. Jener Teil des Sudetendeutschtums, d-c noch nicht ganz dem faschistischen Totalitätswabi verfallen ist, unter ihnen auch die Eltern der mißbrauchten und sittlich auf das schwerste gefährdeten jungen Menschen, mußten dieses unerhörte Vorgehen als einen Faustschlag ins Gesicht empfinden. Herr Henlein hat sich in' dieser Angelegenheit nicht nur für demokratische, sondern auch für nationalsozialisftsche Begriffe einfach unmöglich benommen. Eine wirllich ehrenhafte innerparteiliche Liquidierung der Affäre um Rutha müßte Herrn Henlein nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes die Führerstellung kosten. Dessen waren sich auch die Drahtzieher der SdP offenbar bewußt und so kam das berühmte Ablenkungsmanöver von Teplitz. Ueber die durchaus kindische Inszenierung dieser Rauferei ist nach der einwandfreien amtlichen Da-- stellung kein Wort mehr zu verlieren. Auch so- weft sich das Echo in der Henlein-Partei selbst überblicken ließ, war es durchaus negativen Charakters. Die Mehrzahl der SdP-Wähler erwar- tet ungeduldig die endliche Einlösung der empfa:'« j(jenen Versprechungen und keinen Führerkult. der i- Gijons Fall nicht entscheidend Aeußerungen eines spanischen Resierungsofflzlers Keine Gemeindewahlen Maßnahmen gegen Hetzasltation/ Venammlungwerbot Prag.(Eigenbericht.) Die Regierung hat den Beschluß gefaßt, die für den 14. November geplarst gewesene« Gemeindewahlen nicht auszuschreiben. Die Wahlen werden in einem späteren Zeitpunkt stattfinden, und zwar nur in einer Situation, welche die wirkliche Entpolitifierung der Gemeindewahlen ermöglicht. Gleichzeitig wurde« alle Wahlmanifestatione« untersagt. Zu den freitägigen Verhandlungen des Mi- nistcrrates erfahren wir von guttnformierter Seite, daß sich die Regierung bei den Verhand lungen über die kürzlichen Ausschreitun gen bei den Wahlagitationen entschlossen hat, das Datum für die Gemeindewahlen, das be kanntlich für den 14. November festgesetzt wurde» auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. ES han delt sich um die Wahlen in rund 500 Gemeinden» von denen annähernd ein Hundert eine überwiegend deutsche Bevölkerung haben.— Da sich die Rechte kriegführender Mächte zuzuerkennen, bevor die Abberufung der Freiwilligen abgeschlossen sei. Botschafter Grandi erklärte, daß die italienische Negierung, ohne zu zögern, sämtliche neun Punkte des britischen Planes mit dem einzigen Vorbehalt annehme, daß auch die übrigen Ausschußmitglie der den Plan in dem gleichen Geiste aufnehmen. "Der italienische und der portugiesische Dele gierte erllärten, daß ihre Regierungen sich nicht für verpflichtet erachten könnten, irgend welche Ziffern über die Anzahl ihrer an den Kämpfen in Spanien wirklich teilnehmenden Freiwilligen an zunehmen, nämlich an den Ziffern, welche von den nach Spanien entsandten Kommissionen veröffent licht werden. Konkrete Ergebnisse hatte die heutige Sitzung so gut wie gar keine. Als der brittsche Delegierte'vorschlug, für die symbolische Abbe rufung der Freiwilligen die Ziffer von 1000 Mann für jede der beiden Parteien in Erwägung zu ziehen, wies es der sowjetruffische Delegierte auf das Entschiedenste zurück, eine absolut gleiche Anzahl in Erwägung zu ziehen und erklärte, daß das Minimum, dem seine Regierung zuzustimmen bereit Ware, etn Verhältnis von 5:1 ,st, das heißt sich an Polizisten austobt. Wieder hätten die Kä- also, je fünf MaNn von den Truppen Francos und meradschaftsbündler einen neuen katastrophalen ein Mann von den Truppen der republikanischen Fehlschlag zu verzeichnen gehabt, wenn nickt Regierung. prompt die Katzenmusik der Goebbelspropaganda Freiwilligen-Verhandlungen- ergebnislos Kein Spiel im Dunkeln! Die letzten Wochen haben über die innere '_..", r, Verfassung der SdP und über ihre wahren Ziel- von Gijon den^neg noch lange durchhollen. setzungen erfreuliche Klarheit gebracht. Was bis- .Es sei auch nicht rrchng, daß Italiens hxx Mer die Rutha-Affäre in die Oeffentlichkeit Schwenkung lediglich auf die Hoffnung zurückzu- j!fj---—"—- führen sei, die freiwerdende Nordarmee der Re-> bellen werde die Entscheidung im spanischen Bürgerkrieg herbeiführen. Vielmehr sei die Schwenkung Italiens in der Frage des Freiwil- ligenabzuges auf die Fesftgkeft und Entschlossen heft der westlichen Demokratien zurückzuführen, von welchen die faschistischen Länder schließlich immer zum Nachgeben gezwungen worden seien. Es sei wichtig, daß dafür gesorgt^ werde, einen Zuzug neuer Truppen zu verhindern. Gelinge das, werde die Lage Francos, der über geringere wirtschaftliche, politische und moralische Hilfs quellen verfüge als die Regierung, im Laufe einiger Monate unhaltbar werden. Auch Avila besetzt London.(E. B.) Die Trnppen Francos, die Donnerstag in Gijon eingedrungen sind» ha ben heute auch den Hafen von Avila besetzt, der die äußerste Grenze des bisher von den Regie rungstruppen verteidigten Streifens von Nord spanien bildet. Damit ist tausenden Flüchtlingen der Weg auf das offene Meer abgeschnit- t e n. Das letzte Zentrum des Widerstandes gegen Franco in Nordspanien ist das Grubengebiet bei Oviedo. Im Laufe des Freitag sind zahlreiche I Flüchtlinge ans Gijon in französischen Häfen ein getroffen, darunter auch der sozialistische Berg arbeiterführer Belarneno Thomas, der bisherig« Kommandant von Gijon. England und Frankreich appellieren an Franco London.(E. B) Der»Daily Herold" nimmt in seinem Leitartikel vom Samstag unter Hinweis auf den Aufruf der beiden Internationa len zur Frage der Evakuierung Stellung. Er verlangt, daß die britische Flotte wenigstens einen Teil der asturischen Bevölkerung evaluiere und nach England bringe. Neville Chamberlain hat General Franco auf diplomatischem Wege um äußerste Milde gegenüber der asturischen Bevöl kerung ersucht. In gleichem Sinne ist Frank reich vorstellig geworden. -» Paris.(E i q e n b e r i ch t.) In Malaqa wurde Mister Merrick, Beamter des britischen Ko- lonialamtes und Beisitzer des Kolonial-Kriegs- gerichtshofes in Gibraltar, von den Rebellenbe hörden verhaftet. Die Ursachen sind vollkomen un bekannt. Seile 2 SamStag, 23. Oktober 1937 Nr. 250 eingesetzt hätte. So ist dem deutschen Volke nicht' einmal diese Schande erspart geblieben, daß in seinem Namen die Welt wegen einiger Gummiknüttelhiebe alarmiert wurde, noch dazu von Leuten, die ohne die Hilfe von Gummiknütteln und Konzentrationslagern keinen Tag die Reqie- rungsmacht über das unglückliche Deutschland behaupten könnten. Im Zeitalter der faschistischen Bombenüberfälle auf friedliche Städte, im Augenblicke der mörderischen Hinschlachtung des baskischen und asturischen Volkes paßte der Goebbels-Rummel über einen unblutigen Auflauf in Teplitz wie die Faust aufs Auge. Dadurch wurde die Gegenfrage der ganzen Kulturwelt srevlerisch herausgefordert, wie es dieser oder jener reichsdeutschen Oppositionsgruppe ergehen würde, wenn sie auf den Straßen zu demonstrieren und Polizisten zu attackieren sich erkühnt«. Von. den Teilnehmern würden nach dem bekannten Wort des volksparteilichen Abgeordneten Svötlik nicht viel mehr übrig bleiben als eine versiegelte Aschenurne, ein Fingerring und die Taschenuhr...-•• Der neueste braun« Propaganda-Feldzug gegen die Tschechoslowakei Mutzte also womöglich noch blamabler enden als die vorangegangenen. Dieses Risiko ist aber anscheinend bewußt in Kauf genommen worden, um einen Zweck zu erreichen, der gleichermaßen für Berlin und Asch lebenswichtig wäre. Jener Teil der sudetendeutschen Wählerschaft, der bei den vorgesehenen Ge« Schulfragen und Gemeindeangelegenhelten In der böhmischen Landesvertretung Die böhmische Landesvertretung beendete am Freitag ihre Session. Die letzte große Debatte galt, wie wir bereits kurz berichteten, am Donnerstag den Schulfragen. Aus der Rede des Lan« desvertreters Jllner(Landskron) bringen wir nachstehend einen kurzen Auszug:- Die Lehrer und die Eltern empfinden Freude darüber, daß man endlich daran gegangen ist. die Schülerhöchstzahl herabzusetzen und. wenn auch nur bedingt, auf 45 gekommen ist. Wir reihen uns damit unter die schulfreudigen Länder ein, die schon die Höchstzahl bedeutend erniedrigt haben, so daß man heute nur in Oesterreich und Deutschland an 60. in Italien sogar an 70 festhält. Die Schulverwalter können bei geschickter Beobachtung des ganzen Schul- betriebeS immer wieder die Errichtung von.neuen Klaffen mit der Zahl 45 erreichen. Wichtig ist bei diesem Gesetz, daß Abteilungen, sagen wir für neue Gegenstände, auch nur die Höchstzahl 45 haben dürfen. Auf diese Weis« konnte man bereits in Böhmen 300 neue Klassen gegenüber dem vergangenen Jahreistand erreichen und, was das wichtigste ist. die Auflassung von bestehenden Klaffen wurde bedeutend eingeschränkt. So. konnte trotz des Rückganges der Schülerzahl'Mch eine große Anzahl von jungen Lehrern eingestellt werden. Ende September sahen wir, daß der Schülerrückgang an den deutschen Volksschulen über 3 Prozent beträgt, an den Bürgerschulen 'sogar rund 5 Prozent. Trotzdem wurden an den Volksschulen 56 und an den Bürgerschulen 10 neue Klaffen errichtet.' Außerdem, diese Tatsache ist sehr erfreulich, ist die Zahl der definitiven Klaffen um 03 größer geworden und an Klaffen, die nach dem Gesetz nicht notwendig sind, wurden 102 errichtet! Ein wunder Punkt bleiben die einjährigen Lehrkprse an den Bürgerschulen. Die Erhaltung ist für'die Gemeinden viel zu teuer, da ein Kurs 15.000 bis 20.000 Kd kostet. Es würde sich empfehlen, daß wenigstens der'Aufwand für alle Parallelklaffen, welch« zu diesen Kursen notwendig find, vom Land getragen werdeiz. Die Bürgerschule leidet stark unter ineindewahlen zur Urne berufen ward, hätte nicht über den politischen. Bankrott. der SdP und den moralischen Bankrott der heillos bloßgestellten Führung urteilen sollen, er sollte durch eine'propagandistische Verb u n kelungs- Übung irregeführt werden. Unter dem Trommelfeuer der Lüg«, und unverhüllter Terrordrohungen sollte das Grenzgebiet wählen. So hoffte man die wankende Herrlichkeit oes Kamerad- schaftsbundes nochmals aufzufangen und zu stützen. Wir hatten angesichts dieser Entwicklung nur die eine Forderung, d a tz d i e r e i ft e u n d freie Durchführung der Gemeindewahlen unter allen Um- ständengesichertwird. Die entsprechende Vorsorge zu treffen war Sache der Staätslei» tung. Diese hat nunmehr entschieden, daß die Gemeindewahlen im Grenzgebiet auf einen ruhigeren Zeitpunkt verlegt und später unter derartigen Umständen durchgeführt werden, welche die freie Entscheidung der Wählerschaft verbürgen. Die Schuld an dieser Verlegung trifft Henlein und das Theater, welches in den letzten Tagen von seiner Partei inszeniert worden ist. Die SdP hat durch diese Entscheidung wenigstens Zeit gewannen, um in aller Ruhe und mit der gebotenen Gründlichkeit in ihren Reihen jenen Säuberungsprozeß vorzunehmen, der im Interesse des Sudetendeutschtums unaufschiebbar und bittet notwendig ist. dem Mangel an geprüften Lehrkräften. Schon im Jahre 1036/37 fehlten an allen Bürgerschulen des Staates 2544 geprüfte Lehrkräfte, davon ein Fünftel an den deutschen Schulen. Die Ursache liegt an den GehaltsverhäÜniffen. denn der Lehrer, welcher die schwierigen und kostspieligen Prüfungen ablegt, hat dann einen jährlichen Mehrbezug von— 720 KC. von welchen noch dazu die Hälfte abgeht, wenn man die verschiedenen Steuern. Abgaben usw. abzieht. Der Redner befaßt sich sodann eingehend mit den Fragen der Nebenlehrer und stellt u. a. den Antrag, daß die Anstellung von Nebenlehrern an Volks- und Bürgerschulen erleichtert und das Geneh« migungsverfa^en vereinfacht werde. Bei der Besprechung des Hilfsschulwesens und der Schwierigkeiten, welche der Bevölkerung auf dem Lande hiebei im Wege stehen, stellt er den Antrag, daß an Anstalten. bei welchen darum angesucht wird. Landes« Hilfsschulklaffen zu errichten sind. Beide Anträge werden in den zuständigen Kommiffionen behandelt werden. * Das Budget und seine einzelnen Kapitel wurden von der Landesvertretung am Freitag vormittags angenommen, nachdem die Anträge den verschiedenen Kommiffionen, bzw. dem Landesausschuß zugewiesen worden waren. Die Landesvertretung vertagte sodann die Erledigung jener Tagesordnungspunkte, die nicht von unmit- trkbarer Bedeutung sind, aufchie Dezemberseffion und nahm nUr die Bericht« des LandesauSschuffes über die neu« Dienstordnung für die Landesang:- stellten und die Bewilligung zur selbständigen Einhebung der Zuschläge durch Gemeinden zur Kenntnis. Nach dem Bericht deS Landesausschusses wird dieses Recht jenen Gemeinden nicht zustehen, die Darlehen aus dem Ertrag der Arbeitsanleihe erhalten haben, die in die Entschuldungsaktion ausgenommen wurden oder die um einen Landesbeitrag ansuchen müssen, bzw. in Zukunft gezwungen wären, um einen solchen anzusuchen. Gegen diese allzu rigorosen Einschränkungen wandte sich Landesvertreter Grund(Bodenbach), der u. a. ausführte:■.■ Nr. 250 GamStag, 23. Oktober 1937 Seite 3 Rationalisierungswahnsinn treibt Arbeiterin In den Tod Wiederholt haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß die immer größeren Anforderungen, die an die Arbeiterschaft einzelner Textilbetriebe gestellt werden, besonders aber dort, wo man nach den Methoden des Lng. Bedeaux rationalisiert, ein für die Arbeiterschaft unerträgliches Ausmaß erreicht haben. Die„Wissenschaft", die als Begründung für die unerträgliche Ausbeutung der Arbeiter herangezogen wird, hat ihrem„Erfinder" reiche Früchte eingetragen, so daß er in seinen Schlössern das Herzogspaar Windsor beherbergen kann. Daß tausende und abertausende Arbeiter, deren Gesundheit und Existenz durch seine Anforderungen ruiniert wurden, ihn samt seiner Wissenschaft verfluchen, wird sein mühseliges Dasein auf seinen Besitzungen nicht sonderlich beeinträchtigen. Auch im Betriebe der Firma Her« mingshaus, Reichenberg, wird nach diesem System gearbeitet. Die Arbeiterschaft hat in bewundernswerter Disziplin und Ruhe die Aenderung der Arbeitsmethoden und die Mehrarbeit auf sich genommen. Es liegt nun aber im System, daß mar immer weitere Leistungssteigeruingen zu erreichen, d. h. die Lohnregie zu drücken versucht, indem man immer höhere Arbeitsleistungen als Normalleistungen vorschreibt. So versuchte eine andere Firma, mit der wir uns ebenfalls schon beschäftigt haben, vom Dreistuhl- auf das Zwölfftuhlsystem überzugehen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als daß man sich z. B. von hundert Webern die Produktion auf 800 bis 900 Stühlen umsonst ohne jede Lohnentschädigung machen lassen will. Alle Warnungen und Mahnungen der Belegschaften, von diesem Wahnsinn Abstand zu nehmen, stoßen auf den Widerstand der Arbeitgeber und ihrer Organisationen sowie der Berufs-Rationalisierungsingenieure. Diese Herren haben immer wieder den Mut, zu behaupten, daß daS Bedeaux-System eine Erleichterung der bisherigen Arbeit bedeutet und daß bei seiner Anwendung vom Arbeiter keine Mehrleistung verlangt wird. Der SdP-Antreiber Bei der Firma Herminghaus hat man in der Rohmopperei bei der Einführung des Bedeaux- Systems einen„geeigneten" Meister angestellt, dem schon kein besonderer Ruf in bezug auf Kachkenntniffe und die Art, wie er die Arbeiter zu behandeln Pflegte, vorausging. Dieser Herr Dejl, der selbstverständlich der SdP angehört, hat auch mit der in der Volksgemeinschaft üblichen Forschheit den Arbeitern gezeigt, was ein solcher gewerkschaftlich organisierter SdP-Meister unter „Arbeit" versteht. Die Leistungen der Arbeiterinnen, die vor der Einführung des Bedeaux-SystemS bei 84 Stück in der Woche lagen, wurden auf „schneller, schneller" anfeuerten, erzielte, daß die Fra« um halb 4 Uhr nachmittags mit ihren Nerven vollkommen fertig war. Man ließ sie dann allein, nur der Meister Dejl— m diesen Dingen ist er sicher ein Meister— behielt sich vor, die Frau noch weiter anzufeuern. Auf diese Weise erzielte Dejl eine Leistung von 99 Arbeitseinheiten, 60/80 ist normal. Die Frau hat an diesem Tage 16 Stück Ware fertiggebracht, da- ist also dreimal so viel wie vor wenigen Monaten eine normale Leistung gewesen ist. Die arme, gequälte Fra« erklärte entsetzt dem menschen- fteundlichen Herrn Dejl, daß sie diese Leistung nicht einen weiteren Tag machen könne, worauf ihr gesagt wurde, das muffe sie, und als sie verzweifelt erklärte, dann muffe sie sich aufhängen, wurde da- mit der Erklärung quittiert,„daS könne sie machen, wie sie wolle". Die Arbeiterin Hm- berer hat es nicht ertragen können, sich weiter so quälen und treiben zu lassen und hat, allein in ihrer Verzweiflung, da ihr Sohn vorübergehend in Prag Beschäftigung gefunden hat, ihrem Leben ein Ende gemacht und sich erhängt. Die Arbeiterschaft hat sofort nach Bekanntwerden dieser entsetzlichen Tragödie die Arbeit eingestellt und die Entfernung d'eses unberechenbaren Meisters verlangt. Dieser Forderung wurde vorläufig Rechnung getragen. Ast es nickt höchste Feit, daß solche Verzweiflungsakte gequälter Menschen verhindert werden? Ist es nicht höchste Feit, daß dem immer mehr überhand nehmenden Rationalisierungswahnsinn durch Gesetze die notwendige Grenze gezogen wird? Den Meistern und Vorgesetzten von Arbeitern sei bei dieser Gelegenheit gesagt: Ein Angestellter, deffen Fähigkeit allein darin besteht, die Arbeiter anzutreiben und zu schinden, verliert in den Augen anständiger Menschen jedes Anrecht auf Achtung. Audi der Bund der Deutschen gegen die Konsumgenossenschaften? Der Bund der Deutschen organisiert in seinen Bundesgruppen Pflicht-Mitgliedsversammlungen, deren Tagesordnung u. a. eine„Aktion für unseren Kaufmann" Vorsicht. Angesichts der Tatsache,-daß die von der SdP aufgezogenL Aktion für die Kaufmannschaft organisch mit einer Hetze gegen die Konsumgenossenschaften verbunden ist, besteht die mehr als begründete Vermutung, daß auch der Bund der Deutschen in seinen I Versammlungen gegen die Selbsthilfegenoffen- schaften der Verbraucher loszieht, obwohl von den 800.000 deutschen Familien in Böhmen und Mähren-Schlesien 305.000 in den Konsumgenoffenschaften vereinigt sind. 18 Angeklagte im Etrich-Prozeß 18 Arbeitern soll unter der Anklage, daß sie an Ausfällen gegen Angestellte des Etrich- Betriebes bei Ausbruch des bekannten Streiks beteiligt gewesen seien, nun beim Kreisgericht in I i c i n der Prozeß gemacht werden. Unter diesen achtzehn Arbeitern befinden sich neben Kommunisten, Sozialdemokraten und Christlichsozialen auch ein paar SdP-Leute.(Man wollte sie zwar rasch aus der SdP entfernen, um nicht mit diesen gar nicht„volksgemeinschastlichen" „Elementen" belastet zu sein, aber es stellte sich heraus, das das nicht ging.) Die Anklage lautet auf das Verbrechen schwerer körperlicher Beschädigung und auf das Vergehen der Gutheißung von Straftaten. Unter den Angeklagten befinden sich Arbeiter, die mit dem Vorfall selber nicht das Geringste zu tun hatten und die die Anklage lediglich Denunziationen verdanken. Lin„Reiner" und„Sauberer" Der Amtswalter der SdP in Pilsen, Kru« nes, ein hervorragender Exponent dieser Bewegung, wurde wegen finanzieller Malversattonen verhaftet, die er in seiner Eigenschaft als Direktor der Zweigstelle der Kreditanstalt der Deutschen in Dlcktan bei Pilsen begangen hat. „Verlorener deutscher Besitz" Das ist eines jener Schlagworte, die in der nationalen Preffe immer wieder austauchen, wenn irgendwo in der Welt ein Deutscher sein Haus oder eine andere Realität an einen Andersnationalen verkauft. Nun ist vor kurzem die große Wirtschaft des Besitzers P e ch a n z in P s ch ü r a von einer'tschechischen GeldanstaÜ zur Versteigerung gebracht worden und da kein anderer Bieter da war, wurde sie auch von dem Geldinstitut erworben. Damit macht der Name Pechanz zum zweiten Male von sich in ungefähr gleicher Weise von sich reden. Das erstemal war es, als derselbe Besitzer das Hotel„Stadt Prag" in Tetschen an den Sokol verkaufte. Die völkische Preffe könnte also wieder einmal etwas über „verlorenen deutschen Besitz" schreiben und sich national entrüsten, sintemalen Herr Pechanz als volksbewußter Deutscher gilt und vielleicht auch Mitglied der„Volksgemeinschaft" ist. Vielleicht könnte sie sich auch darüber aufregen, daß es volksbewüßte und vermögende Deutsche gibt, die es teilnahmslos geschehen ließen, daß dieser deutsche Besitz verloren ging. Die Sache hat aber noch eine andere Seite, die wirklich nicht gleichgültig ist. Wie uns mft- geteilt wurde» zieht der jetzige Pächter zur Bewirtschaftung des Gutes tschechische Arbeiterfamilien aus dem Tschechischen heran, obwohl hier genug Arbeitskräfte zu haben sind. Dabei gibt er kinderreichen Familien den Vorzug. Das hat ebenfalls wieder einen doppelten Grund: Erstens kann man dann die Kinder mit zu landwirtschaftlichen Arbeiten verwenden und hat billige Arbeitskräfte, zweitens entsteht damit eine „nationale Minderheit", für die mit einem Schlage die Errichtung einer tschechischen Schule notwendig wird. Die armen Teufel, die so herangeschleppt werden, sind gebunden und können, mag es ihnen noch so schlecht gehen, nicht mehr oder nur schwer fort. Werden sie entlassen, so ist das Unglück vollends fertig, sie vermehren die Arbeitslosigkeit und wirken lohndrückend. Aber darnach fragt der Nationalismus nicht. Früher haben„volksbewußte" Deutsche tschechische Arbeiter und Dienstboten herangelockt und jetzt schafft der tschechische Nationalismus künstliche nationale Minderheften und beiden steht der nackte Eigennutz an der Stirne geschrieben. Von der Atus-Union Kinder-Turnlehrerkurs in Aussig. In der Zeit Vom 28. Oktober bis 1. November findet in Aussig ein Kursus für Kinderturnlehrer unter L.itung des Verbandsturnwartes Grasse statt. Daran werden 80 Kinderturnlehrer aus allen Union-Kreisen teilnehmen. Der Kurs bezweckt die Einführung in das zeitgemäße Kinderturnen und bildet den Beginn der planmäßigen Arbeit für die nächste Zeit, deren Endziel ist: Jedem Union-Verein eine gutgeschulte Kinderabteilung und einen tüchftgen Kinderturnwart! Schulungsaktion für Obmänner und Kassiere. Im November werden in allen Bezirken der Union die Vereinsobmänner und-Kassiere zu einem Mei- tägigen Lehrkurs zusammengerufen, um sie in die Aufgaben der neuen Organisafton einzuführen. Der Lehrplan fußt auf den Themen: Die neue Organisation— Wehrerziehung— Beitragsverrechnung und Unterftühungseinrichtung. Als Kurslehrer fungieren Genossen der Verbandsleitung, welche vor Beginn der Bezirkskurse gleichfalls einen zweitägigen Kursus durchmachen müssen. Dur Arbeitsplan 1988 bis 1942 ist in Nr.' 5 der Funktionärzeitung„Ratgeber" zur Gänze enthalten und muß von allen Funktionären der Union als Grundlage zu Referaten und Diskussionen benützt werden. Der„Ratgeber" wird allen Kreis- und Bezirksfunktionären in der kommenden Woche znge- stellt werden. Nur 100 Exemplare mehr werden von unserer ersten Materialsammlung hergestellt, als gegenwärtig Bestellungen vorliegen. Alle nunmehr erfolgenden Nackchestellungen können nur so lange erledigt werden, bis die Auflage vollständig vergriffen ist. Alle Bestellungen, welchen der Gestehungsbetrag in Briefmarken nicht beiliegt, werden nicht erledigt. Wir erinnern an den Arbeitsplan: In jedem Verein eine Kinder-Weihnachtsfeier l Tormann Bob», der Roman der Arbeiterfüß« ballbewegung, erscheint demnächst im Verlag Prager, Preßburg. Den Vertrieb in den Union-Vereinen hat daS Union-Sekretariat übernommen; Bestellungen sind sofort an dieses zu richten. Der Preis des mehr als 200 Seiten starken Romans, welcher in und mu die Atus-Union spielt, kostet 2 KL pro Stück. Sparsam, lohnend, wäscheschonend: HIRSCHSEIFE Gayda berichtigt Chamberlain durchschnittlich 54 Stück in der Woche gesteigert. Das reichte aber noch nicht aus und nach„gründlichen" Messungen wurde festgestelll, daß Leistungen von 72 Stück in der Woche pro Mopperin erreicht werden müffen. Als diese Leistung trotz allem Anfeuern durch Herrn Dejl nicht erzielt wurde und die Arbeiterinnen bei aller.Schinderei| nicht in der Lage waren, das Verlangte zu verrichten, mußte die Gewerkschaft emgreifen. Es wurde ein Uebereinkommen getroffen, wonach den Arbeitern bestimmte bisher geleistete Arbeiten nackgelassen werden, so daß sie dadurch auf eine größere Produktton kommen können. Den Arbeiterinnen sollte im Beisein von Vertretern des Be- triebsausschuffes durch Organe der Firma gezeigt werden, was sie nicht mehr zu brauchen. Bei der Arbeiterin Heuberer— einer 53jährigen Witwe, die noch für ihre 80 Jahre alte Mutter sorgt und bis vor kurzem mich noch für ihren arbeitslosen Sohn sorgen mußte— begann man diese neue Arbeitsart auszuprobieren und„wirtschaftliche" Probeaufnahmen zu machen. Eine ganze Anzahl Kontrollore, die die arme Frau den ganzen Tag mit Aufforderungen An alle Kolporteure und Abonnenten! Anläßlich des Staatsfeiertage- am 28. Oktober wird nicht gearbeitet, so daß unsere Freitagausgabe vom 29. Oktober entfAlt. Die Samstag- Ausgabe erscheint dann wieder normal. Die Verwaltung. London. In seinem Schlußwort zur außen- polittschen Debatte im Unterhaus erklärte Ministerpräsident Chamberlain u. a., daß eine jede wirkliche Außenpolitik zu einem großen Teil empirisch sei und darauf abzielen müffe, bei jeder Gelegenheit die Entscheidungen zu treffen, die am besten der Erhaltung des Friedens dienen können. Der Ministerpräsident kam sodann auf den spanischen Bürgerkrieg zu sprechen und lehnte jede ausländische Intervention ab. Er erklärte, daß lediglich die Nichteinmischung und die Rückleitung der Freiwilligen aus Spanien hier die Lösung bringen können. Ohne den Nichteinmischungsausschuß würde wahrscheinlich bereits ein europäischer Krieg entstanden sein. Die günstige Wendung in der Mittwoch-Sitzung des Nichtcinmischungsausschuffes habe den oppo- sittonellen Reden gegen die Regierung den Boden entzogen. Der Ministerpräsident sei der Ansicht, daß der Wechsel in der Lage der Nichteinmischungspolitik einen hoffnungsvollen Ausblick eröffnet habe. Das endgültige Stadium müffe die völlige Rückleitung der Freiwilligen sein. Inzwischen habe man die Aufgabe, die'Gesamtzahl der auf spanischen Boden kämpfenden Freiwilligen zu erheben, die Rückleitung von beiden Seiten in die Wege zu leiten und jeden neuen Transport von Freiwilligen nach Spanien zu verhindern. Chamberlain ist der Ansicht» daß die Annahme» Italien wolle sich auf den Balearen oder auf einem anderen spanischen Gebietsteil festsetzen» unbegründet sei. Chamberlain erllärte» er nehme diese Erklärung Italiens als w a h r a n und fei der Ansicht» daß sie die Möglichkeiten einer künftigen Gefahr beseitige. Uebergehend auf den Konflikt im Fernen Osten, wiederholte der Ministerpräsident die Auf fassung der brittschen Regierung über die Bedeutung der Rede des Präsidenten Roosevelt. Der Ministerpräsident lehnte schließlich den wirtschaft- lichen Boykott Japans ab und meinte, man müsse zuerst versuchen, den Frieden im Fernen Osten wiederherzustellen. q- Der Antrag auf Vertagung der Debatte im Unterhaus wurde mit 204 gegen 111 Stimmen angenommen. Die Labouristen stimmten gegen diesen Regierungsantrag. * London.6491, 40702, 78532, 64065, 74148, 5440, 57234,'29272, 30626, 58205, 91961, 23947, 50022, 62026, 60573, 102339. 2000 Kd die Lose Nr. 9630, 105631, 74023, 13967, 31415, 59079, 30338, 43538, 97972, 28213, 50549, 2268, 106129, 153, 23608, 28063, 110916, 16061, 36100, 33713, 108202, 11582, 121, 82130, 42117, 65344, 50127, 43768, 72231, 65948, 33762, 98786, 53636, 116826, 75728, 44270, 102895, 31312, 109511, 12304, 113323, 30171, 26879, 39925, 22994, 82590, 64503, 56590, 86495, 51124, 24001, 63983, 31886, 105072, 56694, 13623,11322,61180,105384, 25241, 24450, 59629, 1844, 24048, 81601, 27213, 30181, 55075, 110854, 11758, 98741, 115466, 45630, 29702, 20623, 13806, 116206, 13099, 83795, 88579, 60889, 105541, 27776, 5238, 87154, 84454, 54168, 22470, 4283, 87478, 72249, 88662, 40050, 6150, 111716, 32131, 33658, 114614, 101318, 44804, 55323, 3286, 41154, 23100, 67953. Mitteilungen aus dem Publikum. Weitere 1000 Menschen am Bau«er Bakabahn. Nach Eröffnung des Betriebs auf der zweigleisigen Strecke Horni Lidec—Puchov und auf dem zweiten Geleise Horni Lideö—Cernotin, steht nun der Bau der dritten neuen Bahn im mährisch-slowakischen Grenzgebiet vor seiner Beendigung. Es ist dies die Bahnverbindung von Bisovitz nach LuZna, die von hier weitere Verbindungen nach Weihkirchen und Puchov findet. Mittelmähren gewinnt dadurch über Otrokovice die kürzeste Verbindung nach der Mittelund Nordslowakei. Der Bau der Bakabahn war durch die Verhandlungen um die amtliche Konzession sehr verzögert worden und muß deshalb seht beschleunigt werden. Es wurden daher zu den bisherigen 600 Mann weitere 1000 Mann ausgenommen, die in zwei voneinander getrennten Arbeitslagern untergebracht werden. Diese auf Initiative Batas organisierten Arbeitslager HÄ>en sich nicht nur für den Bahnbau bewährt, sondern auch für die Auswahl neuer Mitarbeiter in die Zliner Batawerke. Bisher wurden aus den Arbeitslagern 2818 Arbeiter zu dauernder Beschäftigung in die Zliner Werkstätten übernommen.— Der erste Abschnitt der Bakabahn soll bis zum nächsten Frühjahr fertiggestellt sein. Man rechnet mit der Betriebseröffnung am ersten Mai. Der Bau der Strecke an sich ist in diesem Berggelände sehr schwierig, da hier bis 23 Meter hohe Dämme aufgeschüttet und bis 21 Meter hohe Einschnitte geschaffen werden müssen. Der Bakahafen vor seiner Fertigstellung. Mit den letzten Arbeiten am Bewässerungs- und SchiffS- kanal von Batov nach Göding nähert sich auch der Bau deS Hafens in Batov seiner Beendigung. Hier führt vom Hauptkanal ein Seitenkanal zum Elektrizitätswerk der Hilfsfabriken der Batawerke in Batov, welches den Hauptabnehmer der südmährischen Braunkohle darstellt. Die Kohle wird künftig aus Südmähren am Wasserwege bis zum Elektrizitätswerk geführt werden. Der Hafen, Ladeplätze uUd alle zum Kanal gehörigen Bauten sind bereits fertiggestellt. Der Bau der Hebebrücke und der Eisenbeton- strahe neben dem Seitenkanal wird gerade beendigt. Tie Lastschiffe werden nämlich durch Traktoren gezogen werden. Der Bataver Hafen wird aber erst dann seine rechte Bedeutung erlangen, bis der Schiffskanal von Göding zur Donau fertiggestellt sein wird. DaS ist die Aufgabe der nächsten Jahre. Wie man in der Tschechoslowakei über die Industrie denkt. Die Bakazeitschrift Zlin beschäftigt sich in ihrem letzten Leitartikel mit dem Buch des Soziologen Dr. Obrdlik„Beruf und öffentliches Wohl", in welchem Bauern, Arbeiter, Unternehmer, öffentliche und private Angestellte, Lehrer, Professoren und Soldaten auf die Frage antworten, welche Berufe für das öffentliche Wohl wichtig, welche weniger wichtig und welche schädlich sind. Vor allem wurden hier die Berufe der Politiker, Lehrer, Priester, Bauern, Arbeiter, Ingenieur«, Aerzte, Soldaten, Künstler, Advokaten Geschäftsleute und Industriellen beurteilt. Die Berufe könnten freilich je nach Wunsch noch ergänzt werden. 47,8796, also fast die Hälfte aller Antworten stellten den Bauernstand an die erste Stelle. Dann folgten: Lehrer 1996, Arbeiter 10.319h, Politiker 7.9596. Aerzte 5.15%, Handwerker 3,6896, Priester 2.5196, Soldat 1.47%, Industrieller 1.4796 und Ingenieur 0.5696. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, daß der Industrielle in dieser Klassifizierung der sozialen Nützlichkeit von 10096 nur 1.4796 für sich buchen konnte, der technische Ingenieur sogar nur ein halbes Prozent. Dazu schreibt der„Zlin": Es ist das ein großes Memento für unsere Erzieher, unser Parlament, unser« Gesetzgebung, unsere Demokratie, unsere Kultur und unsere Gesellschaft. Das öffentliche Wohl hängt von den Anschauungen der Menschen ab. Das ist die Erklärung hiefür, warum die Einnahmen aller arvei- tenden Elemente in der Republik so niedrig sind, warum überall Schulden aufgehäuft werden, warum di« öffentlichen Schulden wachsen, kurz, warum wir immer ärmer werden, obgleich wir in einem Lande leben, das alle Bedingungen für ein Paradies bietet. .0 Klover Jugendfürsorge N-estmüMeltetr Der Chrysanthemen-Dieb. Die Polizei in Pardubitz verhaftete Donnerstag nachts den 35- jährigen ledigen Landwirt Josef IeZek aus Bohuslavice, der sich auf Diebstähle von Blumen auf Friedhöfen spezialisiert hatte. Er grub dort die schönsten Chrysanthemen und Begonien aus, schnitt die Stengel ab, die er wieder in die Erde steckte, wogegen er die Knollen mit nach Hause nahm. Bisher wurde festgestellt, daß er nicht nur in Pardubitz, sondern auch in anderen umliegenden Ortschaften- diese Diebstähle beging. Nach der Explosion des„Flamingo". Aus Amsterdam wird uns geschrieben: In allen Flugzeugen des Typs Douglas, welche im Dienste der kgl. holländischen Fluggesellschaft stehen, werden besondere technische Maßnahmen zur Beförderung von Filmen vorgenommen werden. Die Filme werden in den Flügeln der Flugzeuge untergebracht werden und im Falle, daß die Temperatur in diesen Schutzkästtzn, wo die FUme zum Transport aufbewahrt sein werden, eine gewisse Temperatur erreichen würde, so daß die Gefahr bestünde, daß die Filmstreifen sich entzünden könnten, öffnen sich diese Schutzkästen automatisch und die Filme fallen zur Erde, so daß ein eventueller Brand verhütet wird. Flugrekord. Der Flieger Fedoffejow, der am 21. Oktober in Moskau auf einem einsitzigen Sport-Wasserflugzeuge„UT—1" startete, flog ohne Zwischenlandung fünf Stunden 47 Minuten mehr als 1200 Meter und landete in Ufa, womit er fast vierfach den internationalen Rekord in der Flugtveite überbot, den im Jahrs 1935 der Amerikaner King mit einem entsprechenden Wasserflugzeugtyp aufgestellt hatte. Motorzug gegen Lastwagen. Unweit der Gemeinde Rems bei Amstetten stieß Freitag früh im dichten Nebel ein Schienenauwbus der österreichischen Staatsbahnen mit einem Lastauw, das vom Chauffeur Kainmuller aus Amstetten gelenkt wurde, zusanunen. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Der Chauffeur des Lastautos wurde leicht verletzt. Sein Mitfahrer Horvatiö erlitt tödliche Verletzungen, denen er bei der Uebersüh- rung ins Krankenhaus erlag. Wirkung der Sozialhygiene in der USSR. Aus Moskau schreibt man uns: Ueber das Gesundheitswesen und die hygienischen Verhältnisse in Sowjetrußland während der letzten 20 Jahre wurden statistische Daten veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß im Jahre 1935 in der Sowjetunion die Sterblichkeit im Vergleich zum Jahre 1913 um 46 Prozent zurückging. Die Zahl der epidemischen Krankheitsfälle hat sich verringert: Blattern um 93, Bauchtyphus um 71, Diphterie um 80 Prozent. Die Zahl der Fälle von Geschlechtskrankheiten ist bis auf weniger als ein Fünftel der früheren Anzahl gesunken. Die Trachomerkrankungen find ebenfalls stark zurückgegangen: In der Tartaren-Republik beträgt der Rückgang 89 Prozent, in Tschuwaschien 61 und in Kalmückien 75 Prozent. Die Sterblichkeit der an Tuberkuwse erkrankten Personen ist um fast 50 Prozent zurückgegangen. Bei den Assentierungen in Rußland im Jahre 1912 wurden 59 Prozent als tauglich erkannt; bereits im Jahre 1925 stieg dieser Prozentsatz um acht Prozent, im Jahre 1936 um 26 Prozent. Im Jahre 1913 gab es in ganz Rußland 19.800 Aerzte, im Jahre 1935 90.700. Danziger JrrenhauS. Die nationalsozialifti- schen Behörden in Danzig haben nach der gestrigen Auflösung der letzten Oppositionspartei, des katholischen Zentrums, beschlossen, einen politischen Waffenstillstand zu verkünden. Es swht ein Gesetz über politische Amnestie in Vorbereitung! Gefunkte Zeitung. Dieser Tage ist es zum erstenmal gelungen, gedruckte Zeitungen mit Zeichnungen und Lichtbildern vermittels R a- Militärverrat Prag.(Amtli ch.) Der Senat für Mili- tärverrat beim Bezirksstrafgericht in Prag verurteilte am 21. Oktober 1937 den 62jährigen EmilianHeinzmann aus Komo- tau wegen des Verbrechens des Militärverrates nach 8 6, bs. 8 des Gesetzes zum Schuhe der Republik zu einem Jahr schweren Kerkers mit entsprechender Verschärfung, Geldstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Prag.(Amtlich.) Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Kreisstrafgericht in Prag verurteilte Freitag den 30jähri- gen Cefiek August Jakes, ehemaligen Matrosen mit wechselndem Aufenthalt, derzeit in der ordentlichen Untersuchungshaft beim Kreisstrafgericht t« Prag, wegen des Vergehens des Militärverrates nach 8 6, Nr. 4» begangen aus grober Fahrlässigkeitbeim Umgehen mit dem Militärbuch, zu vier Monaten strengen Arrest. Der Angeklagte hat die Strafe angenommen. Skitraining— auf dem Salzberg Das ist etwa nicht der Name eines schneebedeckten Gipfels, sondern es ist«in richtiger Berg von Salz, das aus den Salzbergwerken von Newark an der San-Francisco-Bucht stammt und den skibegeisterten Girls an der sonnigen kalifornischen Küste die Freuden des Schneesports wenigstens vortäuscht. 'ystem ist ähnlich wie beim Bildfunk, doch werden in diesem. Falle die Schrifttypen und die Bilder durch ejne Feder und nicht in Punktform gezeichnet. Die Aufnahme ist sehr leicht und durch einen besonderen Apparat ermöglicht, der lediglich' 50 Dollar kostet und an jeden normalen Empfänger angeschlossen werden kann. Wer in Deutschland Wachtmeister werden kann. Bor dem Militärgericht in Klagenfurt verantwortete sich ein ehemaliger Unteroffizier d«S österreichischen Bundesheeres, der. 23jährige R. Lang, der sich einige Defraudationen bei seinem Regiment zuschulden kommen ließ. Dann flüchtete er nach Deutschland, wo er sich als politischen Flüchtling ausgab und die Stelle eines PolizeiwachtmeisterS erhielt. Als er in Deutschland mit den Behörden in Konflikt kam, kehrte er heimlich nach Oesterreich zurück, wurde aber dort verhaftet und vor Gerity zitiert. Lang erhielt acht Monate schweren Kerkers.— Die Wacht«. meisterstelle wurde nur zufällig nicht in Hild- burgShausen bekleidet. Eine Luftbild-Karte der USA. Seit einigen Jahren hat das Vermessungsamt drei besondere Ab« tellungen damit beauftragt, eine Karte der Bereinigten Staaten zu schaffen, die ausschließlich aus Photographien besteht, die vom Flugzeug aus aufgenommen wurden. ES ist bekannt, daß eine solche Methode der wpographischen Landaufnahme in den letzten Jahren durch die Schaffung von Präzision?« instrumenten ermöglicht worden ist, die automatisch die Verzerrungen bei der Photographie wieder auS- gleichen. Auf einem Bild wird eine vorher genau begrenzte Fläche ausgenommen, und die einzelnen Bilder werden dann zusammengesetzt. Wenn diese Methode heut« technisch auch keine Schwierigkeiten mehr bietet, so erfordert dagegen die Aufnahme deS gesamten riesigen Terriwriums der Staaten Millionen solcher Einzelbilder, und die Zusammensetzung mutz ungeheuer genau geschehen. Da man kaum mehr als eine Quadratmeile Fläche auf einmal photographieren kann, wird man für die Karte bei rund drei Millionen Quadratmeilen mindestens 2,500.000 Phows benötigen. Fast eine Million Aufnahmen find schon gemacht worden, aber man muß noch mit mindestens fünf Jahren Arbeit rechnen, bis die Luftbild- Karte der USA ferriggestellt fein wird. Nicht weniger als 50 amerikanische Fluggesellschaften haben Aufträge erhalten, in den von ihnen beflogenea Regionen diese Aufnahmen zu machen. Die Kosten deS gigantischen Werkes sind auf 30 Millionen Dollar veranschlagt. An der Bordesseile einer tiefe« Depression, die sich in der Nähe von Irland ausbildet, weht starker und dabei warmer Südwind. In Mittelfrankreich wurden Freitag nachmittags 18 bis 21 Grad verzeichnet. Gleichzeitig bewegt sich vom Ozean her die erste Randstörung mit einer Regenzone gegen die französische Küste, die voraussichtlich weiter gegen das Binnenland fortschreiten wird. Es ist jedoch auch nicht ausgeschlossen, daß sich diese Störung vorher auflösen wird, ehe sie Mitteleuropa erreicht. Infolgedessen bleibt die Weiterentwicklung des Weiters bei uns vorläufig sehr unsicher.— Wahrs cheinlicheS Wetter von heute: Vom Südwesten her Zunahme der Bewölkung, Neigung zu Sprühregen, verminderte Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht, Südwind. Die Vorhersage ist jedoch unsicher.—• Wetteraussichten für Sonntag: Weitere Zunahme der Bewölkung und Niederschlagsneigung, mild, auffrischender Südwestwind. DaS gewaltige Uebergrwicht der friedfertigen Kräfte über die Kriegslustigen zeigt ein übersichtliches Schaubild in der eben erschienenen Nr. 23 der Zeitschrift ABC, die mit einem ausgezeichneten vom Prof. R, Braun stammenden Bild des Präsidenten und dem Abdruck einer feierlichen Spiels den Staatsfeiertag festlich begrüßt. Außerdem enthält das Blatt einen Bericht mit vielen Bildern über den Obstgarten Böhmens, schildert ein Werk, das im Geiste MasarykS errichtet wurde und bringt ein recht unbekanntes Gruppenbild aus dem Jahre 1877, auf dem der mwergeßliche Alt-Präsident mit Locken und Bollbart zu sehen ist. Ein reich ausgestatteter Aufsatz ist der Prager Uraufführung von Mozarts»Don Giovanni" vor 150 Jahren gewidmet, ein« interessante Schau von Poststempeln der Briefmarkenausstellung in Bratislava..Kriegsblödsinn" heißt eine Reihe, die Karikaturen aus dem Weltkrieg wie« dergibt, viel Lesestoff, zahlreiche aktuelle Bilder und die Fortsetzung deS atemraubend spannenden Kriminalromans»Der ABC-Fahrplan" beweisen wieder einmal, daß ABC eine überaus reichhaltige Bilderzeitschrift ist, die trotzdem nur 1.80 Kd kostet. AB§ ist überall erhältlich. Verlangen Sie eS im Kaffeehaus, in den Trafiken oder bei den Zeitungsständen. Vom Rundfunk EMpfehlenswertes aus den Programmen: Sonntag Prag, Sender I: 8.00: Konzert auS Karlsbad. 9.50: Mujiks Salonquartett. 12.20: Populäre! Orchesterkonzert FOK: Smetana, Fibich, Dvotäk. 14.20: Deutsche Arbritersendmrg: Direktor Johann Storch: Die Bedeutung deS Esperanto. 17.00; Drittes internationales Konzert, Uebertragung aus Nie« derländisch-Jndien. 17.35: Deutsche Sendung: Funkwochenschau. 17.45: Deißinger: Geschwister, Schauspiel. 18.50: Deutsche Presse. 19.10: Smetana: Szenen au!„Dalibor". 20.05: Mozart-Festival in Prag: Konzert deS tschechoslowakischen Rundfunks. 22.40: Schallplatten.— Prag, Sender II: 14.30; Deutsche Arbeitersendung: Für Volk und Friede». 14.85: Junge heimische Musiker.•— Der Geist der spanischen Jugend Die Tageszeitung der spanischen Jugend„La Hora", veröffentlichte vor kurzem folgende sechs Fragen, deren Beantwortung sie von der spanischen Jugend erbat:, 1. Welchen Beruf hast Du und welchen möchtest Du haben, bleibst Du nach dem Kriege in der Armee, oder willst Du einen Beruf wählen? 2. Welche Arbeit machst Du jetzt hinter der Front? Bist Du damit zufrieden oder möchtest Du wechseln? 8. WaS liest Du? Was möchtest Du lesen? Welchen Sport betreibst Du? 4. Wie soll nach Deiner Meinung das Verhältnis junger Mädchen und junger Burschen sein? 5. Wie kann man Dir oder der Jugend im allgemeinen bei der Verwirklichung ihrer Bestrebungen helfen? 6. Bist Du für«ine einzige Jugendorganisation, die alle Bestrebungen und Richtungen der Jugerw in Spanien vertreten soll? Die Zeitung hat Tausende von Antworten bekommen. Wir veröffentlichen einige wenige: 1. Juan Bioska gehört zur 16. gemischten Brigade, sein Ideal ist, den Bauern bei der Verbesserung ihrer Feldbestellung zu helfen. Wenn der Krieg zu Ende ist, will er Bauer werden und mit den Landarbeitern zusammen arbeiten. Er liest sehr gern und bevorzugt klassische Lektüre. 2. Ein Kellner will Pilot werden. Er hat hart im Leben arbeiten, müssen und hat bis zum Ausbruch des Krieges im vornehmen Cafe immer Leute bedient, die ihn nicht als Menschen behandelt haben. Er ist glücklich darüber, daß diese alte Gesellschaft flir immer abgewirfchaftet hat. Niemand kann in Zukunft ihm verbieten, die Universität zü besuchen und die Zukunft für sich zu erobern. Er liest nur selten, weil er viel zu arbeiten hat und auch noch der Familie helfen muß. 3. Eine junge Schneiderin will Chauffeur werden. Sie stammt aus Malaga und wohnt jetzt in Valencia, wo sie in einem Schneideratelier arbeitet. Sie ist mit ihrer Arbeit sehr zufrieden, aber sie findet leider wenig Zeit, um lesen zu lernen, was sie gern und gut können möchte. Sie hat von frühster Jugend an arbeiten müssen, um notdürftig ihr Brot zu verdienen. Ihr Ideal ist, zunächst tüchtig das Lesen zu lernen, dann aber will sie das Chauffieren erlernen, weil sie„die Schnelligkeit so sehr liebt". Die wenigsten der befragten Burschen wollen Soldaten bleiben. Die spanische Jugend, seit Jahrhunderten von der Reaktion in Unwissenheit gehalten, strebt mitten in den Schrecken des Krieges nach Kultur und sozialem Aufbau. d i o S zu übertragen. Die Uebertragung unter--s” 0,^n Pn- nahm die Station WGS lNewvort News Ame.«»rhistor sche Forschungen m Südmahren. 19.10. ; Kleinheiten.— Pretzburg: 11.20: Rundfunkorche- rtta), dl« zwei Ze.tungsspalten nut Bildern und, sterkonzerr: Kompositionen von Mozart.— Mähr.- Zeichnungen aus,andte. Das Uebertragungs« Ostrau: 15.30: Populäres Konzert. Nr. 250 Samstag. 23. Oktober 1937 Seite 5 MilKN IM UHU Die SdP gegen die Konsumgenossenschaften Ole Rundschau gegen die„Selbsthilfe** der Konsumenten Wir haben bereit- einige Mal« berichtet, baß die Sudetendeutsche Partei eine Kampagne gegen die Konsumgenossenschaften eingeleitet hat. Der General stab des Kampfes gegen die Genossen» schäften ist die Zentralstelle der SdP für Handel und. Gewerbe, die Blätter der SdP sind da- Sprachrohr dieser Stelle. Die„Rundschau", Herausgeber Konrad Henlein, vom 16. Oktober, gibt mit zwei Artikeln das Angrkffssignal. Weil sich 305.000 deutsche Familien zu konsumgenossenschaftlicher Selbsthilfe vereinigt haben, werden die Konsumgenossenschaften als„marktstörende Elemente" bezeichnet, offenbar deshalb, weil sie mit gerechten Preisen und mit einer viele Millionen Kronen betragenden Rückvergütung aus dem Ertrage ihrer Wirtschaft an die Mitglieder die Geschäfte der Privatwirtschaft„stören". Den Konsumgenoffenschaften werden„unberechtigte Begünstigungen durch Steuererleichterungen" vorgeworfen. Dabei gelten für dir Konsumgenoffenschaften in der Regel die gleichen Steuerbestimmungen wie für alle anderen Selbft- hilfegenoffenschaften. Die Gewerbetreibenden selbst besitzen 1500 Genoflenschaften. De« 227 tätigen deutschen Konsumgenossenschaften stehe« 247 tätige deutsch« gaoertlichv Genossenschaften gegenüber. Die SdP-Kauftnannschaft hat wahrscheinlich nichts dagegen einzuwenden, wenn die kaufmännischen Selbsthilfegenoffenschaften nach einem gegenüber anderen der öffentlichen Rechnungslegung unterliegenden Unternehmungen ermäßigten Steuersätze Erwerbsteuer zahlen. Aber den 305.000 deutsche Familien vereinigenden Kon- sumgenossenschasten wird dieses Recht streitig gemacht! Dabei versichert die.Mundschau", sie kämpfe„keinesfalls gegen di« Konsumvereine als genossenschaftliche Selbsthilfeeinrichtungen" l Die„Rundschau" scheint einen sonderbaren Begriff von genoffenschaftlicher Selbsthilfe zu haben, denn sie stellt sichgegendiegenos- senschaftlichen Produktionsbetriebe. Wenn sich die Berbraucher au- eigenen Mitteln mit eigenen Fabriken vom privatkapitalistischen Unternehmertum unabhängig machen, so ist da- nach der„Rundschau"„eine kapitalistische Wirtschaftsform" l Der SdP-Kaufmannschast paßt e- offenbar nicht, daß die Genossenschaftsmitglieder ihren eigenen Unternehmungen, den Konsum und Spargenossenschaften, ihre Ersparnisse anvertrauen, ,I>eil sie(die Konsumgenoffenschaften) sich durch die Einsatzmöglichkeiten sauer ersparter Arbeiterkronen ihre mißbrauchten wirtschaftlichen Positionen zum Schaden der kleinen Selbständigen und Arbeiter stützen und mit aller Macht soziale Spannungen vergrößern wollen." Also rund heraus gesagt, die Arbefter füllen ihre Ersparnisse anvertrauen wem sie wollen, nur nicht ihrem eigenen genoffenschaftlichen Unternehmen. Die offenbar grohangelegte Aktion der SdP- Kaufleute gegen die Konsumgenossenschaften Hai also einen verdammt eigennützigenHin« tergrun d. Ist man wirklich so naiv, zu glauben, daß di« 305.000 in den Konsumgenossenschaften vereinigten deutschen Verbraucherfamilien von der Erweiterung ihrer genossenschaftlichen Einrichtungen nur deshalb abgehen könnten, weil es die SdP-Kaufleute wollen? Was di« Konsuni gen offen schaftStewogung stark gemacht hat, das find ihre positive« wirtschaftlichen Leistungen für hunderttanwnde Ber- braucherfnmilien, das ist letzt« Endes di« von der kapitalistischen Ideologie grundsätzlich unterschiedene Wirtschaftsauffassung, daß die Berbraucher als solche die Träger und die Besitzer der Wirtschaft sein sollen. Die Angriff« der SdP-Kaufmannschast gegen die Konsumgenossenschaften werden ihr Ziel nicht erreichen! Die Solidarität hunderttau- sender genossenschaftlich organisierter Berbraucher und die unbesiegbare Idee der genoffenschaftlichen Selbsthilfe werden über allen Krämergeist triumphieren! 190.000 Beschäftigte mehr als Im Vorjahr um 30.000 mehr als Im August Im September waren bei den 295 Krankenversicherungsanstalten, welche der ZSBA unterstehen, versichert: a) nach dem Gesetz 221/24(Arbeiter): Männer.... 1,525.513 Frauen.... e_872; 014__ zusammen... 2,397.527 Segen August 1987 mehr um 28.641 Segen Sept. 1936 mehr um 174.044 b) nach dem Gesetz 117/26(Pensionsvers.) Männer.... 130.252 Frauen.... 56.724 zusammen... 186.876 gegen August mehr um.. 3.734 legen September mehr um. 10.140. die große Gefahr! Die Wissenschaft hat nicht nur die Gefährlichkeit des Zahn* steins erkannt, seine Entste* hung und Struktur erforscht; sondern auch Kalodont gegen Zahnstein geschaffen. Kalodont befreit Sie von der größten Sorge um Ihre£ähne: Lockerwerden durch Zahnstein. In der Tschechoslowakei ent«. hält nur Kalodont Sulforizin« Oleat nach Dr. Bräunlich. Da«' durch entfernt es beim Zähne« putzen allmählich den Zahnstein« verhindert seine- Neubildung. LODONT GEGEN ZAHNSTEIN Offener Brief an Konrad Henlein Eine Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands richtet im.Neuen Bor« *^ctS" einen Offenen Brief an Konrad Hen- »«tn. Das Thema, das der Brief behandelt, ist insbesondere für jeden Deutschen von größtem Interesse und es dürste kaum einen Kulturmenschen geben, der dieser würdigen «brechmmg mst Henlein nicht zustimmte. Wir geben den Offenen Brief, der ein historische- Dokument ist, nachstehend wieder: Mit Hilfe eines ausgezeichneten Propagandaapparates, des besten der Welt, haben Sie, H^rr Konrad Henlein, einen Sturm der Welt- öffentlichkeit wegen der Vorgänge von Teplitz» Schönau zu inszenieren versucht. Die Regie klappte ausgezeichnet. In balkendicken Buchstaben meldete der»Völkische Beobachter" einen»brutalen Ueberfall der tschechischen Polizei auf sudetendeutsche Abgeordnete".-Die Stimme der reichsdeutschen Rundfunkansager bebte in vorgeschriebenen Entrüstungstönen. Ein Juristentag in Leit» meritz geriet sogar in solche Aufregung, daß er sich außerstande sah, seine segensreiche Arbeit weiter fortzusetzen. Ihre Parlamentsfraktion wandte sich beschwerdeführend an die Regierung und kündigte eine Interpellation im Parlament an. DaS alles in einer Zeit, in der wahrlich noch schlimmer« Dinge passieren, wegen einer Affäre, die erfreulicherweise keinen Toten, keinen Verwundeten gekostet und nur eine einzige Verhaftung zur Folge gehabt hat. Wir reich s deutsche«Sozial» demokraten haben nicht die Absicht, uns in die inneren Angelegenheiten Ihres Landes einzumischen. Wir hätten auch in diesem Fall geschwiegen, würden uns nicht drei Umstände zum Reden geradezu zwingen. Ersten- macht die Parteinahme Berlins diese Angelegenheit auch zu der unseren. Zweiten- haben Sie sich selber in Ihrer Tep- litzer Rede über daSDentscheReichin einer Weise geäußert, die«ns z« einer Entgegnung herausfordert. Drittens haben Sie erklärt, daß durch Borfälle, wie den von Teplitz, der Friede« Europas gefährdet werde? das ist eine Angelegenheit, die«ns albe angeht. Um das Zweite vorwegzunehmen: Sie haben in Teplitz geäußert, es gehe nicht mehr an, wie 1918 im Haß gegen da- Deutsche Reich zu stehen, sondern man müsse erkennen, daß diese? Reich in der Gegenwart von vielen geehrt und geliebt werde. Nun, Herr Henlein, laffen Sie uns reichsdeutsche Sozialdemokraten bekennen, daß wir nie stärker für Deutschland empfunden haben als damals 1918, als es besiegt am Boden lag. Wir haben unser Volk nie größerer Ehre würdig« funden al- damals, da e- sich dazu aufrafft«, sein nationale» Leben auf einer neuen, seiner Kultur und seiner großen Denker würdigen Grundlage wieder aufzftbauen. Wir reichsdeutschen Sozialdemokraten haben schon in einer Zeit, da Sie, Herr Henlein, noch in den Windeln lagen, für Deutschland gekämpft und in Deutschland gearbeitet. In Gemeinschaft mit einsichtigen bürgerlichen Politikern haben wir Deutschlands Freiheft auch nach-außen wieder hergestellt— Hitler hat sie nur mißbraucht. Die Reparationen und die Militärklauseln von Versailles fielen schon vor seinem Machtantritt. Es kennzeichnet Sie, Herr Henlein, daß Sie Haßgefühle gegenüber dem besiegten Deutschland von 1918 verständlich finden, und daß Sie für das Reich erst wieder Liebe und Verehrungen finden, seit es von Heilgeschrei und klirrender Marsch- musft erfüllt ist. Nicht zum ersten Male, nicht zum letzten Male zeigt sich hier, daß eine besiegte Sache, mag sie auch die beste der Welt sein, nur auf wenige Freunde rechnen kann, während erfolgreiche Possenreißer Millionen von Nachahmern und Bewunderern hinter sich herziehen. Wir reichsdeutschen Sozialdemokraten haben nun mit großem Interesse beobachtet, welchen Lärm es in der Tschechoslowakischen Republik verursacht, wenn einmal unglücklicherweise«in Polt- zeiknüppel mit einem Staatsbürger in Berührung kommt. Aber während Sie, Herr Henlein, diese« Lärm vorführen— denken Sie denn gar nicht daran, wie sich ein ähnlicher Fall in Deutschland, das Sie ehren und lieben, wohl ab- ■ spielen würde? Welcher Parteiführer würde dort drohend an das Staatsoberhaupt appellieren? Welche Parlamentsftaktion würde dort eine Interpellation einbringen? Bemerken Sie nicht, wie Ihre Enttüstung gegen da- Objekt Ihrer Lieb« und Verehrung ausschlägt? Wissen Sie nicht, Herr Konrad Henlein, daß in dem Deutschland, das Sie lieben und ehren, Tausende ihrer Gesinnung wegen grausam abgeschlachtet worden find? Welchem deutschen Volksgenossen ist in der gleiche« Zeit in der Tschecho- slowakri AehnlicheS widerfahren? Wisse« Sie nicht, daß in den deutschen Konzrntratio,nSlagern tausende deutscher Volksgenossen schmachten, nicht nur „Marxisten", auch Konservativ«, auch katholische und evangelische Geistliche? Wo finden Sie dergleichen in Ihrem Lande? Wissen Sie nicht, daß drüben Menschen an Prügelböcke geschnallt und gepeitscht werden? Wissen Sir nicht, daß zahlreiche Abgeordnete des Deutschen Reichstage-, Kriegsfreiwillige mit dem E. K I-, seit Jahren Insassen dieser grauenhaften Lager sind und dort die viehischsten Mißhandlungen zu erdulden haben? Wo gibt es ähnliche Dinge in der Tschechoslowakei? Wenn Sie sich über ein paar Schläge entrüsten, di« einige Ihrer Abgeordneten bei einem Aufkauf erlitten haben, auf der anderen Seite aber einem Regierungssystem, daS solche Zu- stände zeitigt, Ihr« Liebe und Verehrung bekunden, gllt da nicht auch für Sie da» Bibelwort von den Leuten, die Mücke» sehen und Kamele schlucken? Wenn in der Tschechoslowakei wegen eineverhältnismäßig so geringen Zwischenfalle- der ganze Apparat eine» Rechtsstaates aufgeboten werden kann, während sich in Deutschland über tausendmal schlimmere Dinge eine undurchdringliche Nacht de» Schweigens au-breitet, beweist das nicht, daß bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge Ihr Land weit mehr Liebe und Verehrung verdient als— leider!— das unsere? Gerade Teplitz-Schönau im Vergleich mit den Dingen, di« sich in Deutschland absvftlen. zeigt un- dies eine klar und deutlich: Jeder Srwetendeutsche, der da- Herz auf dem rechten Fleck und für zehn Pfennige Verstand im Kopfe hat, muß unter den heutigen Umständen seinem Gott auf den Knien danken, daß er ein Bürger der Tschechoslowakischen Republik und nicht ein rechtloser Untertan des Dritten Reiches istl Sie» Herr Konrad Henlein, billigen der Welt nicht daS Recht zu, sich zu beunruhigen, wenn in Deutschland eine Hetzjagd auf alle Friedensfreunde veranstaltet wird. Aber durch ein Ereignis wie daS von Teplitz sehen Sie den Frieden Europa- bedroht und"lassen diese Bedrohung durch den reich-deutschen Rundfunk der ganzen Welt verkünden. Möge die Welt sie auch nur hören und recht verstehen! Denn da e- bei Ihnen liegt, heute oder morgen einen ähnlichen Zwischenfall zu provozieren, liegt es wohl auch bei Ihnen und Ihren Auftraggebern, wie lange noch der Frieden Europa- erhalten bleiben und wann der totale Krieg ohne Kriegserklärung beginnen soll. . Sie wollten Anklage erhebe« und Sie haben ein Geständnis abgelegt. Die Welt braucht sich nicht noch einmal überraschen zu laffen wie damals beim Reichstagsbrand. Diesmal gibt es einen, der schon am hellen Tage mit der brennenden Fackel in der Hand her umläuft, und der, Herr Konrad Henlein, sind Sie! üu-icuul Gestapo-Agenten Rußland- perhastrt Moskau. Ende des Monates Juni 1937 verhafteten die Organe deS Volkskommissariates für innere Angelegenheiten der USSS die Gestapo- Agenten Paul Silberhorn und Erwin Klein, welche in der Sowjet-Union unter der Maske ausländischer Touristen eintrafen, wobei sie gefälscht« schweizerische Reisepässe besaßen, die auf den Namen Max Schild und Joseph Lesau ausgestellt waren. Die beiden waren zwecks Spio- nagetättgkeft nach der Sowjet-Union gekommen. Die amtliche Untersuchung ergab nun, daß Paul Silberhorn recte Max Schild«in Agent des deutschen Spionagedienstes gewesen war, welcher zum ersten Male im Jahr« 1930, getarnt als ausländischer Spezialist, nach der Sowjet-Union gesandt worden war» um in Sowjettußland Spionage zu treiben. Paul Silberhorn wurde im November 1936 aus der Sowjet-Union au-gewiesen. Ungeachtet des Verbote- ist aber Silberhorn zu- rückgekehrt. Er traf zusammen mit einem anderen Agenten namens Erwin Klein im Juni des Jahres 1937 in Sowjetrußland ein, wobei beide mit der Aufgabe betraut worden wärest, mit den Mitarbeitern einer diplomatischen Vertretung eines ausländischen Staate» in Verbindung zu treten und deren Aufträge im Rahmen der Spionage» und Diversionstätigkeit auszuführen. Das Untersuchungsverfahren gegen P. Silberhorn und Erwin Klein wurde nunmehr abgeschlossen und die Sache dem Militättribunal des Leninggrader Militärbezirkes zur Prüfung übergeben. Polen gegen Hakenkreuz Kattowitz. Die Polizei hat in den Redaktionsräumlichkeiten der„Kattowitzer Zeitung" eine Haussuchung vorgenommen, wobei viele Exemplare einer geheimen Monatsschrift „Blaue Briefe" entdeckt wurden, die im Schmuggelwege aus Deutschland nach Polnisch- Schlesien eingeführt wurden und tendenziöse» gegen Polen gerichtete Artikel sowie die in der „Katwwitzer Zeitung" behördlich konfiszierten Artikel enthielt. Die Polizei verhaftete den Direktor der»Mittowitzer Zeitung, Kriedt, den Chefredakteur Weber und zwei Redaktion-Mitglieder. Demonstrativ« rumänischer Parteiführer Vor kurzem fand in Alba Julia die Enthüllung eine» Denkmale» für die vor 150 Jahren von den Ungarn Hingerichteten rumänischen Bauern Horra, C l o s c a und C r i s a n statt. Zu dieser Feier hatte die Regierung an die meisten im politischen Leben stehenden Persönlichkeiten Einladungen ergehen laffen. Dieser Einladung haben nun eine Reihe der Geladenen, so unter anderem die ehemaligen Ministerpräsidenten Jorga, Mirone-eu und M a n i u, ferner die beiden Marschälle P r e z a n und AvereSeu nicht Folge geleistet. Das Fernbleiben eine- Teile» der zur Feier Geladenen stellt eine Demonstration gegen die liberale Regierung und ihre Methoden dar. To hat der weltbekannte Historiker I o r g a erklätt, daß er nicht au» Gesundheitsrücksichten der Feier ferngeblieben sei.(th.) Man erMIt für Ke 100 Reichsmarkt..•• 620.50 Markmünze«... • • 690.— 100 österreichisch« Schilling • • 526.50 100 rumänische Lei.« • E 16.30 100 polnische Zlotq... 515.50 100 ungarische Pengö.« 9 556 50 100 Schweizer Franken, 655.50 100 französische Franc». 96.80 1 englisches Pfund.. 140 50 1 amerikanischer Dollar. 28.40 100 italienische Lire.. 114 40 100 holländische Gulden, 1575,— 100 jugoslawische Dinare, 60.30 100 Bel»aS..... 479.— 10» dänisch« Kronen,, V • 628.— 100 schwedische Kronen. • 726.— Seite 6 „Sozialdemokrat" SamStas, 23. Oktober 1937. Nr. 250 FDSSE WARM HerüKtssaat \ Vereinanacftricftten. G Iüinst und Mssen den Angeklagten in Umlauf gesetzten„Ratschläge'' nicht geeignet gewesen seien, Beunruhigung hervorzurufen. Der seinerzeit zur Ergänzung des Strafverfahrens vertagte Prozeß wurde gestern vor dem Strafgerichtshof des GR Dr. Mare Lek zu Ende geführt,- der nach durchgeführter Verhandlung den Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig erkannte und zu d.reiWochen streu genArre- st e s und zu einer Geldstrafe v on 10 0 0 KL v e r u r t e i l t e, im Nichteinbringungsfalle umzuwandeln in eine weitere Arreststrafe von zehn Tagen. Die Strafe ist allerdings bedingt. den eine Reihe Bierröhren, Bestecke u. dgl. im Gesamtwert von etwa 1200 KL. Gestern wurde er als Täter ermittelt: er ist auch geständig. Er wurde nach Pankratz gebracht. Ausflugszüge: 23. bis 2t. Oktober nach Dittersbach 120 KL, 24. bis 28. Oktober nach Hirschberg, Fischfang im See 80 KL; am 24. Oktober nach Läng 13 KL. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 883-88. Theater-Abonnement 1937/38. Ermäßigung bis zu 60 Prozent, bei Barzahlung fünf Prozent Nachlaß, auf Wunsch Zahlung in fünf Raten. Beginn des neuen Abonnements Donnerstag, den 28. Oktober.' Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theater». Samszag, zh8:Frühlingsluft, neüinszeniert, CI.— Sonntag,%3: Weh dem, der lügt!;*48: Arabella, A 2.— Montag,%7: Weh dem, der lügt!(Theater« gem. d.-Jugend, rote Karten und freier Verkauf), Ab. aufgeh.— Dienstag,%8: Frühlingsluft, A 1.— Mittwoch, V8: Die Zauberflöte, im Rahmen des Mozart-Festivals, B 2.— Donnerstag,%3: Warum lügst Du, Cherie?; 7: Di« Walküre, Beginn des Abonn. 1987/88, C I.— Freitag, 8: Acht Ruder im Takt. D.— Samstag, 7: Faust, 1. und 2. Teil, Ab- ausgeh.—Sonntag,%3: Bei Kerzenlicht; 8: Die Entführung aus dem Serail, im Rahmen des Mozart-Festivals. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag, 8: Parkstraße 18.— Sonntag, 3: Bei Kerzenlicht; 8: Die Reise.— Montag, 8: Gastspiel der Wiener Sängerknaben.— Dienstag, 8: Die Reise, Bankbeamte I und freier Verkauf.—Mittwoch, 8: Parkstraße 13, Bankbeamte ll und freier Verkauf.— Donnerstag, 3: Menschen auf der Eisscholle; 8: Die Reise.— Freitag. 8 Parkstraße 13.— Samstag, %8.: Tas Glück, Erstaufführung.—.Sonntag, 8: Die Reise,%8: Hilde und das Lotterielos, Uraufführung. $ Aus der„Urania". Wir erhalten folgende 1 Mitteilung: Das Präsidium der„Urania" hat am! Donnerstag, den 21. Oktober, unter dem Vorsitz 1 des Herrn Prof. Breinl eine Sitzung atgehalten, und die Berichte der kürzlich eingesetzten"Dreierkommission betreffend die Besetzung der freigcwor-! denen Direktorstelle entgegengenommen. Nach einem lebhaften Meinungsaustausch wurde die Kommission beauftragt, die Berichts zu. ergänzen und sie einer in kürzester Zeit einzuberufenden neuerlichen Präsidialsitzung vorzulegen. Die Bedeutung der„Urania" für das deutsche Volksbil« dsingswesen in der Republik verpflichtet das Präsidium und das Kuratorium, bei der Wahl der zur. Leitung zu berufenden Persönlichkeiten mit größter Sorgfalt vorzugehcn. Mensa per Schulkinder. Die AuSspeisung armer Kinder aller' deutschen Schulen Prags ohne Unterschied der Konfession und Nationalität hat diesmal schon am 2 0. S e p t e m b e r begonnen; weit über 10 0 Kinder sind angemeldet. Der Verein zur Ausspeisung hungernder Kinder sieht auch dieses Iaht.von. der Veranstaltung eines Konzertes ab,. so daß alle Spenden bild t dieser so wichtigen Hilfsaktion zugute kommen. Bedeutet doch das Mittagessen für viele Kinder die einzige ausgiebige Mahlzeit am Tage. Gütige Spenden an das Postscheckkonto 206.511 erbeten. Deutsche Bslkerbund-Liga. Hilfswerk„Milch fürs Kind", von morgen Sonntag, den 24- Oktober, Eröffnung der großen Verkaufsausstellung von Heim- arbeilen(Deutsches Haus, Zimmer Rr. 6, täglich von 10- bfs 18 Uhr), Eintritt frei, ohne Kaufzwang. Von der Deutschen Jugendfürsorge in Prag. Mit Beginn des Schuljahres ist es auch in der Deutschen Hauptstelle für Kinderschutz und Jugendfür- sorge lebhaft geworden. Die Ausspeisung armer deutscher Schulkinder(Prag I., Skokepka 2) hat am LO.^SeptrÄber begonnen und dort bekommen täglich an 110 Kinder ein nahrhaftes Mittagessen. Der Kinderhort(deutsche Volksschule, Prag l., Masna Nr. 1000)' ist» an Schultagen nachmittags von 2 bis 6 Uhr geöffnet«nd wird von 30 Kindern besucht, welche sonst gezwungen wären,-in elenden, ost ungeheizten Wohnungen ihre schulsteie Zeit zu verbringen.'Die Mütterberatungsstellen(Prag II., Mala Stipanskä 6 und Prag VII., Simäclovä 14) sinh von bielen-Mustern mit ihren Säuglingen sehr besucht. Di« Behandlung zahnkranker Kinder, welche im Zuge-der-Aktion der Schulzahnpflege festgestellt wurden, hat-bereit» eingesetzt. Die Bekleidungsaktion, welch« alljährlich im Winter bedürstige deutsch« Schulkinder.mit Kleider, Schuhen und Wäsche ausstattet, wird herxitS vorbereitet.— Die Samm» Bortrag über die PrnsionSverficherung und deren Mängel, gehalten für Rentner und Rentnerinnen, am Sonntag, den 24. Oktober, halb 10 Uhr vormittags im Angeftelltenheim SmeLky 22. 3. Stock.— Eintritt frei. Ortsgruppe Prag: S a m s t a g. den 23. Ostober, Treffpunkt halb 4 Uhr Smichover Bahnhof, Fahrt nach Rev« nice, Wanderung zur Hütte. S o n n« tq: Kytin— Dobkis— Hkebenh— Revnice. Führer: Schaffer. Preis zirka KL 8.50. Bolksstnggemeinde. Am Dienstag Probe. ab 7 Uhr Frauenchor, ab 8 Uhr gemischter Chor. werden, nehmen einen erfreulichen Verlauf und es ergeht die Bitte an die deutsche Oeffentlichkeit, nach besten Kräften für die Zwecke der Jugendfürsorge beizusteuern. Samstag und Sonntag wird im Deutschen Haus, im Deutschen Theater und im Handwerkerverein gesammelt. Auw gegen Straßenbahn. Gestern, nachts stieß der mit Baumaterial beladene schwere Lastkraftwagen des Josef Kraje aus Radotin bei der Einfahrt jn den Smichower Bahnhof gegen den'Schleppwagen eine- stehenden Motorwagens der 5er-Lime und zertrümmerte ihn. Auch das Auto, deffen Bremse nach Angabe des Chauffeurs versagte, wurde stark beschädigt; verletzt wurde niemand. Bom Gerüst gefallen. Gestern nachmittags brach ein etwa zweieinhalb Meter hohes Gerüst vor einer Villa in Bubentsch, auf dem zwei Arbeiter beschäftigt waren, so daß die. werden nach dem Waschen von dem schönen Glanz und von den lebhaften Farben überrascht sein. Madelon wäscht gut und verlängert die Dauerhaftigkeit der Strümpfe. Es wird Ihr tteuer und ergebener Gehilfe sein. Alle. Baka-Verkaufsstellen führen Madelon. 6/31 140 Tage frieren? So lange dauert bei uns der Winter. Wer vernünftig ist, kaust rechtzeittg warmes Schuhwerk und trotzt so der größten Kälte.„Die heurige reichhaltige Bata-Winter-Kollektion.umfaßt eine ganze Reihe eleganter Modelle und ermöglich: jedem die Auswahl nach seinem Geschmack. 6/31 Daheim steht die Zett still'. Jedem wird es gut tun, auch im Winter an die frische Luft, zu gehen. Die erste Bedingung allerdings ist es— warme Füße zu haben. Dann braucht man das Unwetter auch nicht zu fürchten. Die heurige Bata-Wintrr- Kollektion. bringt viele neue Modelle warmer, leichter und hübscher Winterschuhe. Eia seltenes Jubttßnm. Seit, dem Jahr« 1897, also sett 40 Jahren, erzeugt die bekannte Schokoladenfabrik Hartwig& Bogel A.-G. in Bodenbach a, d. Elbe, die berühmte„Diana"-Schokolade. Daß sie mit dieser Edelschokolade-Qualität den Geschmack ' weitester Bevölkerungsschichten getroffen hat, dafür > ist wohl die seit 40 Jahren sich mehr- und mehr steigernde Beliebtheit der beste Beweis. Mtzrna Loy in dem Irland-Film der MGM Frauenorganisation Prag Montag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr, im Parteiheim, SmeLky 22/IH, Frauea-Abead Vortrag der Senatorin Genossin B. Karst iökovä:„T. G. Masaryk über die Fran." 7 Uhr: Sitzung des Frauenbezirkskomitees. Vie eiste Dampfmolkerei und Käserei in Gratzen, Bähmerwalil empfiehlt Ihre eratklass. Erzeugnisse Beachten Sie die Schutzmarke! Elisabeth Loos Franz Schmucker erlauben gib, ihre beute. SamStaa. den 23. Oktober 1937, ftattsindende Vermählung milzuteilen. B