Sozial- emokrat Zeutralorgau der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XU, Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Derantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Nur Nam Inhalt: Teplifc ist nicht Sarajewo Winterhilfe fUr Arbeitslose Zum 150. Jahrestage des„Don Giovanni" Zwanzig Jahre nach Karfreit 17. Jahrgang Sonntag, 24. Oktober 1937 Nr. 251 Versammlungsverbot in Kraft Prag. Eine amtliche Meldung Lcstätigt nunmehr die Verschiebung der Gemeindewahlen und die Verhängung eine- allgemeinen Ber» samnilungsvcrbotcs. Die Meldung lautet: „DaS Ministerium deS Innern hat über Beschluß des Ministerrates verfügt, daß keine politischen Versammlungen abgehalten werden dürfen. Der entsprechende Auftrag ist bereits an die untergeordneten Behörde« ergangen. Außerdem wurden dir Wahlen in jenen Gemeinde» und Ortsvertretungen, wo fie für den 14. November d. I. ausgeschrieben worden find, verschoben. Dadurch entfällt auch die Möglichkeit, Wahlversammlungen für diese Wahlen abznhalten". * Deutschdemokratischer Parteitag kann nicht stattfinden Krumau. Am Samstag wurde hier der Reichsparteitag der Deutsch-demokratischen Freiheitspartei unter dem Vorfitz des Senators K o st k a eröffnet. Zn dem Parteitag waren «ehr als 200 Delegierte aus allen Teilen der Republik erschienen. Als Senator Kostka»ach Eröffnung des Reichsparteitages die Delegierten begrüßte, erschien ein Beamter der Staatspolizei^ welcher die Mitteilung machte, daß nach einer Weisung aus Prag, mit Rücksicht auf daS allgemein« Versammlungsverbot der Parteitag nicht stattfinden dürfe. ES«urd« noch gestattet, daß Wählens« die ReichSparteileitnng durchzuführen. Dann wurde der Reichsparteitag geschlossen. Anschließend fand eine erweiterte Sitzung de»Parteileitung statt, in welcher einige Referate erstattet wurden. Der v»rgese-e«e Begrüßungsabend konnte stattfinden. Schachts Abgang bevorstehend? Berlin. Hier kursieren Gerüchte, daß der bereit- wiederholt angekündigte Rücktritt Doktor Schachts vom Amte de- Reichswirtschastsmini- strr- im Laufe der nächsten Woche durchgeführt werden soll. Diese Stelle dürste unbesetzt bleibe». Der leitende Staatssekretär Posse und Staatssekretär Reumann, der von Göring mit der Durchführung des VierjahreSplanes betraut wurde, dürfte« stch in die Arbeit teilen. neuer Mißerfolg der Japaner vor Schanghai Schanghai.(Reuter.) Nach einem Kampf, der fast ununterbrochen 70 Stunde« dauerte, wurde nach chinefischen Nachrichten an der Schanghai-Front die Gefahr beseitigt, die von japanischer Seite T a z a n gedroht hat. Die chinefischen Nachrichten gebe« den Rückzug der chinesischen Truppen bei Kuxngfu zu, trotzdem die Stadt selbst in chinefischen Händen verbleibt. Es scheint, daß di« Japaner die Taktik ändern und statt auf Tazan gegen Ranhsian durchzudringen versuchen werden. Das Reutersche Büro erfährt aus Peiping. daß die Chinesen den Damm beim Tuhai-FIutz vernichtet und so das Gebiet unter Wasser gesetzt haben, um der. japanischen Bormarsch in der Pro« vinz Schantung aufzuhalten. Die Japaner erklären, daß sie bis Linsien. 14 Meilen südlich von Tentschau auf der Straße nach Tsinan, vorgerückt sind. Die japanischen Truppen, die längs der Eisenbahnftrecke Peking-.H ankau Fuß gesaßt haben, ziehen fich unter dem Druck der chinesischen Truppen, die unter dem Schutz zahlreicher Panzerzüge operieren, gegen die Grenze der Provinz Hopei zurück. Japanische Flugzeuge haben heute zweimal Kanton überflogen und den Bahnhof und die Eisenbahnftrecke bombardiert. 79 Menschen wurde« getötet. General Fritsch nach Aegypten Berlin. Der deutsche Armeechef General Fritsch wird in den nächsten Tagen einen Urlaub antreten, den er dem Deutschen Nachrichtenbüro zufolge in Aegypten zu verbringen gedenkt. Eine neue Bombe Mussolinis „Keine weiteren Zugeständnisse Italiens möglich** Politische Zwischenbilanz Rom. Die offizielle Revue„Jnformazione Diplomatie«" veröffentlicht am Samstag folgende Erklärung: „Die gestrige Debatte im neunglirdrigen Ausschüsse in London wurde von den verantwortliche« italienischen Faktoren mit großem Interesse verfolgt. ES ist zu bemerken, daß die Klärnng der Atmosphäre, z« welcher Italien in der voran- gegangenen Sitzung beigetragen hat, mrd welche von allen Kreisen guten Willens als ein wirksamer Beitrag zur Zusammenarbeit Europas begrüßt wurde, zu keiner solchen Entwicklung geführt hat, wir fie erforderlich gewesen wäre. Als man dazu schritt, die angenommenen prattischen Grundsätze durchznführrn, ergaben fich ernste Schwierigkeiten, welche die Verhandlungen belasteten und die Ergebnisse der ersten Sitzung bedrohten. Der Sowjrwertretrr trat scharf gegen die Beschlüsse deS Unterausschusses auf» wobei fich das französisch-britische Verhalten gegenüber dem Sowjetstandpunfle nachgiebig zeigte, was die verantwortlichen Faktoren Italiens nicht allzu sehr überrascht hat. Es wäre töricht anzunehmen, daß Italien noch irgend welche weiteren wesentlichen Zugeständnisse machen kann. Italien hat seine Papiere in Ordnung. Die Liguidation der astnrffchen Front hat aber an linksgerichteten Stelle» Frankreichs und Englands Erbitterung und Unnach- girbigkeit hervorgerufen. Wie die Situation gegenwärtig au-fieht, kann man zwar nicht behaupten, daß der Nichteinmischungsausschuß fich neuerdings auf einem toten Punkte befindet, man kan« aber ehrlich sagen, daß eS töricht wäre, Italien auch nur die geringste Verantwortung zuschreiben zu wollen." Diese Darlegungen haben einen um so großen Eindruck hervorgrrufen, als bekannt ist, daß dieses Organ vonMussoliniinspiriert, wenn nicht dirett selbst redigiert wird. Wer lügt? Rom. Die Agenzia Stefan? meldet: Die italienischen Boffchaften in Paris und London haben den Auftrag erhalten,„den Regierungen Frankreichs und Englands amtlich davon Mitteilung zu machen, daß die italienischen Freiwilligen i« Spanien rund 40.000 Mann zählen» wie daS bereits von der„Jnformazione Diplomafira" festgestellt worden ist. Wer etwas anderes behauptet, spricht bewußt eine Lüge ans." 110.000 Italiener allein In Asturien Der eben ans Gijon i« Frankreich eingetroffene sozialistische Bergarbeiterführer ThomaS erklärt, daß in Asturien allein 110.000 Italiener mit einem kompletten Armeestav gekämpft haben. Ein versuch, die Sowjetunion zu isolieren Der Eindruck In London London.(Eigenbericht.) Zu dem italienischen Kommunique, daß keine weiteren italienischen Zugeständnisse in der Spanien-Frage erwartet werden, dürfen, wird hier bemerkt, daß Italiens Taktik offenbar darauf ausgeht, die. größere Kon« zesfionsbereitschast Englands und Frankreichs in der Spanien-Frage auszunützen und so die Sowjet-Union zu isolieren, der die Schuld an den neuen Schwierigkeiten im Nichteinmischungsausschuß zugeschoben werden soll. Die nächste Sitzung des NichteinmischungS- SubkomiteeS, die für Montag nachmittags einberufen worden war, wurde nach Bekanntwerden der italienischen Erklärung auf Dienstag nachmittags verschoben. Die Hauptschwierigkeit besteht gegenwärtig darin, daß Italien zwar die Entsendung einer internationalen Kommission nach Spanien, die die Zahl der fremden Truppen auf beiden Seiten festzustellen hätte, annimmt, sich aber nicht bereit erklären will, die Feststellungen dieser Kommission vpn vornherein zu akzeptieren. Katzenjammer In London Die englische Presse bringt unbeschönigt die Tatsache zum Ausdrucke, daß der Londoner Optimismus, mit dem die„Einigung" am Mittwoch im Spanienkonflikt und Donnerstag in der poli» fischen Debatte des Parlamentes gewertet wurde verfrüht war.„News Ch ro niele" erklärt offen, der Verdacht, daß Italien nur Zeit zu gewinnen suche, vertiefe sich. Das Blatt rügt, daß London über das Mittwoch-Ergebnis der Nichtinterpentionsausschutz-Tagung so großen Optimismus gezeigt habe, und geht so weit zu sagen^ daß Chamberlain in seiner Unterhausrede am Donnerstag einen geradezu kindlich e n G l a u b e n an den Wert des Wortes Mussolinis und seine Befriedigung darüber an den Tag gelegt habe. Mussolinis jüngste Demo«« strafion zieht den Wert seiner Zugeständnisse sehr in Zweffel. Was macht Ribbentrop in Rom? Londo«.(Eigenbericht.) Außer Herr» von Ribbentrop ist auch der italienische Botfchaf- ter in Berlin Baron Mushakoji in Rom eingetroffen. Hier vorliegende Berichte lassen darauf schließen, daß der Versuch unternommen wird, Italien zum Beittitt zum deutsch-japanischen Antikomintern-Patt zu gewinnen. Angesichts der Teilnahme Italiens an de« bevorstehenden Brüsseler Beratungen über den Stillen Ozean würde damit Italien bei der Konferenz znm Delegierten Japans werden. Wie die„Times" und Reuter melden, soll auch die Frage der d e u t.s ch»tschechoslowakischen Beziehungen bei den Unterredungen zwffchen Ribbentrop und Mussolini behandelt worden sein. • An japanischen Stellen Roms wird behauptet, daß Mussolini bisher den japanischen Botschafter in Berlin, welcher seit Donnerstag in der italienischen Hauptstadt weilt, nicht empfangen habe und daß dessen Aufenthalt privaten Charakter trage. Insbesondere habe dessen Reise mit dem Aufenthalte Ribbentrops in Rom nichts gemein. Vollmachten für Daranyl zur Unterdrückung der extremen Rechten? Budapest. Wie„Pesti Naplö" meldet, befaßte sich der Ministerrat in den letzten Sitzungen mit dem Plan des Ministerpräsidenten D a r t n y i, demzufolge dem Parlament ein E r m ä ch t i g u n g s g e s e tz für die Dauer eines Jahres vorgelrgt werden wird. Dieses Gesetz wird der Regierung weitgehende Vollmachten zur Unterdrückung der rechts- extre men Propaganda einräumen. Das erwähnte Blatt ist der Ansicht, daß daS Ermächtigungsgesetz vom Parlament einmütig angenommen werden wird. Ole Zusammenkunft Daranyl—Schuschnlgg Budapest. Der ungarische Ministerpräsident D a r a n y i hat sich am Samstag vormittag- nach Babolna begeben, um den seit Fvettag dort wvibenden österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg als Gastgeber zu begrüßen. Der ungarische Ministerpräsident begibt fich noch i« Laufe deS Samstag-Abend nach der ungarischen Hauptstadt zurück, während Schuschnigg ebenfalls am Abend der Heimreise nach Wien antritt. Herr Konrad Henlein und die Seinen hatten es schlau einzufädeln geglaubt, als sie am 17. Oktober in Teplitz-Schönau zu einem„Üeber- fall" von Polizisten auf Abgeordnete der SdP die Kulissen stellten und diesen in Szene setzten. Dem sudetendeutschen Volke sollte ein heldenhaftes Martyrium gezeigt werden, auf daß das Volk in Bewunderung und Begeisterung ob der Opferfähigkeit der Ä>P-Abgeordneten den Fall Rutha dem Strom der Vergessenheit anheimgebe und am 14. November den Stimmzettel für die Sudetendeutsche Partei in die Urne werfe. Es sollte eine Volksabstimmung sein, das Ideal Konrad Henleins war, daß für ihn ebenso viel Stimmen abgeben werden sollten wie bei der letzten Reichstagswahl füx seinen Herrn und Meister Adolf Hitler. Aber schon Wilhelm Busch hat etwas gesagt, was jetzt Konrad Henlein den Mitgliedern des Führungsrates wird sagen können: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Statt des Triumphes der SdP kommt der Katzenjammer der Gleichgeschalteten. Teplitz und die Folgen haben bewirkt, daß vor den Augen aller Einsichtigen der Schleier zerrissen ist, der die SdP für viele noch umhüllte. Seit ihrem Aufiommen hat die Partei Konrad Henleins rbre Loyalität zum tschechoslowakij-hen Staat betont, der„Stammesführer" selbst hat davon in seinen ersten öffentlichen Auftreten in seiner Vorstellung, die er den Prager Journalisten 1933 im „Blauen Stern" gegeben hat, mit frommem Augenaufschlag gesprochen. Trotz aller Auslandsreisen, trotzdem die Polttik der SdP nur der Widerschein der Außenpolitik des Dritten Reiches gewesen ist, haben das viele» die mit der SdP als Sturmbock gegen die Sozialisten rechneten, gerne geglaubt. Die vergangene Woche hat nun das Zusammenspiel zwischen Berlin und Asch enthüllt. Die auf Kommando hat die Propagayda- Artillerie des Herrn Goebbels ein Trommelfeuer auf die Tschechoslowakei eröffnet, weil man dem Herrn Abg. Frank buchstäblich auf die Fußspitzen getreten ist. Wie kann man an eine ehrliche Entrüstung glauben, die aus einem Lande kommt, in dein der Henker triumphiert, in dem Tausende zu Tode gemartert wurden und in dessen Wappen das Bild eines Konzentrationslagers mit Marterkeller und Nilpferdpeitsche gehört? Diese Woche hat allen Demokraten im tschechischen und deutschen Volke dieses Landes die Erkenntnis geliefert, daß die Herren von der SdP die Hausknechte desDrittenReiches sind, die es sich als Ehre anrechnen, so zu tanzen fote man tn Berlin pfeift. Sie haben sich als das enthüllt, was sie sind: sie machen keine Politik im Interesse deS Sudetendeutschtums, deren Massen einen schweren Kampf ums Dasein führen; sie dienen der braunen Barbarei, welche in der ganzen Welt den Abscheu aller jener hervorgerufen hat, denen Freiheit und Menschlichkeit ein hohes Gut sind. DasDoppelspiel der SdP ist zu Ende, enthüllt ist vor der ganzen Welt, daß diese Partei fremden Interessen dient und auch die Sudetendeutschen werden, so glauben wir, der Welt ihren Willen kundgeben, daß sie keine Preußen werden wollen und daß sie sich von dem. Turnlehrer aus Asch an das Dritte Reich nicht verkaufen lassen. ♦ Diesem politischen Intermezzo gegenüber sind die Beratungen über das Budget für 1938 und seine Bedeckung zurückgetreten und müssen in der nächsten Zeit ihrem Ende zugeführt werden. Der Finanzminister hat bereits in einer Rundfunkrede einige neue Steuern angekündig». Zweifellos werden noch andere Abgaben dazukom- men. Man wird dabei verhindern müssen, daß die Konsumenten nicht getroffen werden, die Ver» brauchskraft der Bevölkerung darf keine Schwächung erfahren. Der kleine Konjunkturrückschlag, der in den letzten Wochen eingetreten ist, mutz eine Mahnung sein, jede Schwächung der Kaufkraft auf dem Binnenmarkt zu vermeiden und unseren Export noch mehr als bisher zu fördern. Die Behörden können wohl ein Jahr damit verbringen, ehe sie einem Staatsbürger erlauben, den Namen zu ändern oder ehe sie einen Marktflecken zur Stadt erheben, aber sie müssen schon ein rascheres Tempo einschlagen, um in Rothan eine Ersatzindustrie zu schaffen oder der Tex- Nr. 251 Seite 2 Sonntag, 24. Oktober 1937 An alle Kolporteure und Abonnenten I Anläßlich des Staatsfeiertages am 28. Oktober wird nicht gearbeitet, so daß unsere Freitagausgabe vom 29. Oktober entfällt. Die Samstag-Ausgabe erscheint dann wieder normal. Die Verwaltung. tilindustrie Exporterleichterungen zu gewähren. Planmäßigkeit und Großzügigkeit in der Wirtschaftspolitik tun uns dringend not, die Erschlaffung einzelner Faktoren der Privatwirtschaft und der Staatsverwaltung muß überwunden werden. E i n e B rertelm illi on arbeitsloser Menschen mahlet uns zu zielbewusster Konjunktur- Politik. »- Erfreulich ist auch, daß die Absicht, die politisch« Etnigrationbei uns in zwei Bezirken der böhmisch-mährischen Hochebene zu konzentrieren, in dem Umfang und in der Totalität, wie es geplant war, nicht verwirklicht werden wird.-Unsere-Leser haben, sich vielleicht gefragt, warum wir von diesen Planen, die sich gegen die Emigranten richteten und vom Menschenrecht der Emigration letztens so wenig geschrieben haben. Wir haben uns eine gewisse! Reserve auferlegt, damit man nicht sage, die Frage der Emigration interessiere nur di« ieut* sche Sozialdemokratie. Die Partei und chre Angehörigen haben für die Emigranten große Leistungen vollbracht und der politische Einfluß der Partei wurde für die Opfer des Faschismus, die unter uns weilen, jederzeit in die Waagschale geworfen. Diese ehrliche, zähe Arbeit hat auch ihre Früchte getragen, eine Reihe von tschechischen Blättern hat für das Dasein der Emigranten und für deren menschlichen Rechte Stellung ge- nommen. ES wird immer mehr erkannt, daß der Schutz der Emigranten vor ihrem seelischen und leiblichen Verfall eine heilige Aufgabe ist, die für jeden menschlich Denkenden eine Selbstverständlichkeit bedeutet. Das Volk Komenskhs und MasarykS würde den ruhmreichsten Tagen seiner Vergangenheit untreu werden, wenn eS Emigranten verkommen ließe, welche für jene Demokratie kämpfen, auf welcher der Staat ebenso beruht wie die Kultur, von der wir erfüllt sind und die Ideale, denen wir zuftreben. ihre größten Kanonen hervorgezogen, um unseren Staat und Nation mit einem Haufen der ärgste» Beleidigungen zu überschütten.. Wenn die Gemeindewahlen verschoben werden, wird vielleicht di« notwendige Ruhe erntreten, weil der Boden verschwindet, auf dem eS den-'Anstiftern der Unruhe gut gehen kann. Wenn jedoch diese erwartete Ruhe nicht eintreten wird, steht die Megisning Hör der Aufgabe, wie sie dies« Ruhe kn den Grenzgebieten Herstellen soll, koste es, was koste. Wir glauben, daß sie auch diese Aufgabe kompromißlos lösen wird, voll unterstützt von der einstimmigen Meinung.der Bevölkerung,.rasch und gut". Teplitz Ist nicht Sarajewo *««§eflö Slovq" zitiert als Beispiel der scharfen Schreibweise der reichsdeütschen Presse die Essener„Nationalzeitung", die bekanntlich Mini- sterpräsident Göring nahesteht. Sie sagt: Vie Verschiebung der Gemeindewahlen Günstiges Echo In Paris Paris.(Eigenbericht.) In Paris begrüßt man dir Verschiebung der tschechoslowakischen Gemeindewahlen, weil die Prager Regierung durch diese energische Geste gezeigt hat, daß sie auf die Einschüchterungsversuche in fester und würdiger Weise zu antworten weiß. Man hätte eS nicht verstehen können, wenn unter den gegenwärtigen Umständen die Gemeindeverwaltungen der deutschen Gebiete den Unruhestiftern Konrad HenleinS preiSgrgeben worden wären. Diesmal hat di« noch immer nicht beendete nationalsozialistische Preffehetze einen besonders ernste« Charakter angenommen. Darüber gibt es in Paris nur eine Meinung, weshalb die Leitartikler der großen französischen Blätter erklären, daß dem deutsch-tschechoslowakischen Problem gegenüber der Spanien- und Mittelmcerfrage der Vorrang eingerämnt werden müsse. Berlin habe jedoch seine Methode schon zu abgegriffen, als daß in der übrigen Welt nicht auch die letzten hellhörig würden. Daß auch Oe st erreich jetzt in den Preffelärm hineingeriffen wurde, muß, wie man hier betont, zwangsläufig zu dessen engerer An- lehnnng an di» Tschechoslowakei führen. Und auch «* Eine richtige„Maßnahme“ „Prävo Lid«’' über den Aufschub der Gemeindewahlen »Die Verschiebung der Gemeindewahlen, so schreibt das„Prävo Lidu" und damit im Zusammenhang das Verbot der Versammlungen ist eine Maßnahme, welche von unserer Oeffentlich- keit voll verstanden werden wird. Die Henlein- Leute haben eine solche Atmosphäre der Erregung und Unruhe geschaffen, daß es nicht möglich ist, daß disser Zustand durch die Atmosphäre in Wählerversammlungen noch gesteigert wird und daß die Wählerversammlungen der Anlaß daS Echo in den ander« Staaten der Kleine« Entente, vor allem in Rumänien, wird die Wil- Helmstraße darüber belehren müsse«, daß sie ihr Ziel, die Entzweiung der Kleinen Entente, auch diesmal nicht erreicht hat. Rach Meldungen aus verschiedenen Quellen ist zu schließen» daß di« Unterredung zwischen Mussolini«nd Ribbentrop sich vor allem auch auf zentraleuropäische Fragen beziehen wird, wobei man den Eindruck hat, daß Rom eine allzu aggressive Haltung des Dritte« Reiches gegenüber den Donanländern abbremse» möchte, da man em Abflauen deS nationalsozialistische« Interesses an Spanien befürchtet. Die Unterredung zwischen dem tschechoflowa- kischen Gesandten in Berlin, Mastny, von dem Pertinax heute sagt, er habe gegenüber dem Dritten Reich oft eine gemäßigte, wenn nicht opportunistische Haltung eingenommen,«nd dem deutschen Außenminister soll nicht derartig undiplomatisch verlaufen sein, wie daS Kommnniqt des DRB glauben machen ließ. Dieses Kommunique war offenbar gleichfalls ein mißglückter Versuch, de« Druck ans die Tschechoslowakei zu verstärken. « zum Entstehen neuer Unruhen werden. Es ist ohne Zweifel, daß die Henleinleute sich entschieden haben, die Vorwahlzeit zu bewußtem Hervorrufen von Unruhen zu benützen,' wovon der Teplitzer Vorfall nur ein Anfang war. ES geht daraus klar hervor, daß der Zusammenstoß mit der Polizei in Teplitz provoziert wurde, daß die Abgeordneten der Henleinpartei bei diesem Zusammenstoß offenbar absichtlich exponiert wurden und daß, obwohl der Zusammenstoß den gewohnten Umfang ähnlicher Inzidente nicht überschritt, auS diesem Vorfall künstlich ein Zusammenstoß mit der Post konstruiert wurde. Die Henleinleute beriefen sich direkt aiis die Hilfe eines fremden Staates und die reichsdeutsch« Propaganda hat „ES wird Wohl niemand bezweifeln, daß bei neuen Ereignissen diesex^Art Deutschland bei rvhi- < tzen und unwirksamen Protest bleibt. Die Geduld § der gefolterten Sudetendeutschen ist zu Ende. Ties- * Mal ist eS noch Empörung, die durch di« fudeten- v deutschen Gaue geht. ES herrscht«ine Atmosphäre X gewitterschwanger und S würde ein einziger Funke genügen, diese Empörung zu einem Brande auf« flackern zu lassen. Durch die barbarischen Ereig« ' Nisse von Teplitz wurden nicht nur die Sudetendeutschen provoziert, sondern eS wurden 70 Millionen Deutschen im Reich der Fehdehandschuh hin« * geworfen. Der Schlag, den die Tschechen gegen unsere Volksgenossen in Deutschböhmen geführt haben, ist gegen uns gerichtet. Wenn 7 Millionen Tschechen unS.70 Millionen Deutschen den Fehde» - Handschuh hinwerfen, so wird der Handschuh auf« gehoben werden. Die Dinge in Böhmen rufen rasch nach einer Erledigung. DaS tschechische Foltershstem und di« tschechische Barbarenherrschaft sollten uner- kräglich werden, auch für daS Kulturgewissen der gesamten Menschheit." Hiezu sagen die,Ä a s l e r R a ch r i ch t e n", daß Berlin irrt, wenn er glaubt, der Angriff auf die Tschechoslowakei wäre auch in der übrigen Welt populär. Diese würde darin nur das leichtsinnige Hervorrufen einer neuen Gefahr in Europa sehen. Der Weltkrieg habe damit begonnen, daß serbische Verschwörer ein erzherzogliches Paar ermordeten. Daß«in Henlein-Abgeordneter ein paar. Ohrfeigen von einem Gendarmen erhalten habe. der sich nicht von seinen Schaftstiefeln yävL^treten laMn wollen, sei körst k o st- grue'nter Fäll. Sarajewo und ein paar Ohrfeigen in Teplitz, das paßt nicht zusammen.(DND) Eiscnvahnminister Bechyne hat, wie das „Prävo Lidu" mitteilt, über Anraten der Aerzte einen vierwöchigen Urlaub angetreten. Der Voranschlag deS Landes Mährm-Schlesien angenommen. Gestern fand die Tagung der mährisch-schlesischen Landesvertretung ihr Ende. Das Budget für das Jahr ISS8 wurde angmom- men. An Stelle des zurückgetretenen Genossen Tr. Klein wurde der Bürgermeister von Wig- stadtl Genosse Karl Mader in die schlesische Kommission gewählt. L. Windprechtinger: 11 ß'rdiidit'n am tan iltegalgn IBien Am Biertisch Servus, die Herrn. Servus, Herr Direktor. Kommens, setzn S' sich neben mich. Ich hab Ihnen was zu erzähl'». Da wer'n S' schaun. Guten Abend, Herr Amtsrat! ServuS, Herr Oberst! Servus, Doktor. Grüß Sie, Herr Oberlehrer. Also, was gibt's, Herr Apotheker! Alles Wohlauf zu Haufe? Dank schön. Ganz gut. Alsdann, habn S' schon g'hört, der Sektionschef Dokupil soll zwangsweise in Pension g'schickt wer'n. Er hat sich so um 500.000 Schilling zu seinen Gunsten verrechnet. Es ist wirklich net zum glaub'»! Aber gehn S'l Warum net gar! Was die Oberen vorzeig'n, das mach'n sich die Untern gern zu eigen. Sie kennen- ja die G'schicht. A armer Hascher schreibt an den lieb'» Gott an Brief um 100 Schilling, die er dringend braucht. Die Post weiß net, was sie mit dem Brief anfang'n soll und fragt im Bundeskanzleramt an. Nach einiger Zejt erhält sie den Bescheid, den Brief ins Handelsministerium zu senden. Dort wird der Brief behandelt und entschieden, daß dem armen Teufl 50 Schilling mit einem Schreiben geschickt werden soll'», in dem darauf verwiesen wird, daß sein Gottvertrauen belohnt wird. Der Arme erhielt das Geld und den Brief und war erstaunt, daß ihm der liebe Gott nur die Hälfte des erbetenen Betrages gesandt hatte. Nach einiger Zeit benötigte der arm; Mann aber wieder Geld uick> er schrieb wieder einen Brief an den lieben Gott, fügte aber diesmal vorsichtigerweise hinzu:„Lieber Gott, schick mir aber diesmal das Geld nicht durchs Handelsministerium, denn dort bleibt di« Hälfte picken." Sehn's, meine Herrn, so denkt das Volk über die Obern. Also, ba darf man sich net wundem, wann überall, die ganze Stufenleiter hinunter bis zum Amtsdiener, g'stohln und g'maust wird. Bitt Sie, wer kontrolliert heut schon? Es is ja wahr. Man braucht sich ja nur an die„Phönizier" erinnern. Da weiß man genug. Die Jud'n korrumpiem die ganze Gesellschaft. Aber gehn S', die brauch'n dazu keinen Jud'n. Das bring'« die Cevauer auch ohne jüdische Unterstützung zusanunen. Richtig! Die Cevauer, die find das Krebsgeschwür des Ständestaates. Rix, wie Schwarze wer'n jetzt ang'stellt. Nicht umsonst hat man g'sagt: Es rast der Surm und will sein Opfer habn. Jeder Surm is heut Anwärter auf einen Unterbeamtenposten. Wann er dazu noch ein „Kerzenschlucker" ist, dann bringt ers noch zum Beamten und ist er gar ein Cevauer, so ist ihm der Sektionschef bestimmt, aber den,Hofrat kriegt er sicher. Wir find die erste Kolonie der Schwarz'». Nicht umsonst nennens uns die Schusch„nigger". Es is unerhört, woher diese Schwarzen die Frechheit nehmen, so unumschränkt zu regieren, als ob die Mehrheit der Bevölkerung hinter ihnen stünde. Apropos, Mehrheit, Herr Leerst. Wie der Neurath jüngst in Wien war, fragt ihn der Schuschnigg: Sagm Sie, Herr Minister, wie steht's mit der Unzufriedenheit im Dritten Reich? Wieviel Meckerer dürften Sie hab'n? No, sagen war, etwa sechs Millionen, sagte der Neurach. So, so, meint der Schuschnigg, mehr haben wir in Oesterreich auch nicht. Sehr gut, Herr Direktor! Pass'» S' einmal auf, meine Herr'«! Ich hab einen Vettern, der ist Schwiegersohn von einem hohen Beamten im Ministerium deS Innern. Der hat mir gestern erzählt, daß sein Schwiegervater, der Beamte im Ministerium des Innern, vom Sektionschef Chwosta g'hört hat, daß die Regierung in längstens vierzehn Tagen umgebildet wer'n wivd. Zwischen dem Schuschnigg und dem Neustädter-Stürmer soll's fürchterliche Auftritt geb'» hab'n. Der Stürmer"soll ihm Yorgeworf'n hab'n, daß di« Schvarz'n ohne den Heimatschutz und ohne Hitler schon längst von den Rot'n auf- g'fressen Wor'n wär'n. Zum Dank dafür hat er den Heimatschuß aufg"löst und bekämpft di« Nazi. Mer das wird sich nicht halt'n, hat er ihm g'sagt. Er wird sich entscheid'» müffn. Entweder deutscher Faschismus oder Bolschewismus. Der Schuschnigg war nicht wenig beteppert, wie er das g'hört hat und hat wütend erklärt, daß der Reustädter bei der erstbesten Gelegenheit sich wird entscheiden müss'n, ob er für Oesterreich und den Tvllfutzkurs— oder für Hitler ist. Der Neustädter hat darauf geantwortet, daß er für die Dollfußstratze ist, weil sie geradeaus zum Hitler führt. Nur er, der Schuschnigg traut sich nicht, die Dollfußstraße bis ans Ende zu geh'» und »röcht' gern in die Habsburgeralle««inbieg'n. Aber da draus wird nix. Das kann er ihm gleich sag'«. Darauf sinds fuchsteufelswild auSeinan- dergang'n. Davon spricht man schon überall und auch, daß die andern betont Nationalen ganz beiseite gestellt werden, sollen. Was hör'n denn Sie darüber, Herr Apotheker? Davon wnn ernsthaft keine Rede sein, meine Herrn. Der Führer weiß ganz genau, waS er will. Die national« Opposition wird sich jetzt erst vergattern und chre Forderungen stell'». Die Schwarz'» seh'n immer mehr ein, daß sie aus Deutschland angewies'n sind und Sie können versichert sein, meine Herrn, wir werden Nicht länge warten müssen und an der Spitze Oesterreichs wird ein deutscher Mann stehen. Bravo, Herr Apochekerl Anders kommt in dieses Land weder Ruhe noch Ordnung. Die Geschäfte geh'» täglich schlechter. Dabei können S' heute nicht einmal in Konkurs geh'». Die Kar- Die Henker an der Arbeit London.(Eigenbericht.) Der Strom der Flüchtlinge von Asturien nach Frankreich dauert an. In Gijon ist bereits ein Sondergericht der Aufständischen in Tätigkeit getreten. Drei spanische Schiffe, die-Flüchtlinge transportterten, sind von aufständischen Kriegsschiffen gezwungen worden, Satander anzulaufen. Flüchtlinge aus Gijon berichten, daß vor der Uebergabe der Stadt hesttge Straßenkämpfe zwischen Milizen und den in der Stadt befindlichen Das Gebiet des asturischen Verzweiflungskampfes Faschisten stattfanden, die sich angesichts deS HrrannahenS der faschistischen Truppen erhoben hatten. Im Verlaufe dieser Kämpfe wurden Boote mit Flüchtlingen im Hafen aus Maschinengewehren beschossen. Flacht übers Meer In der Nacht zum Samstag find in La Rochelle zehn aus Gijon kommende Dampfer mit 1500 Flüchtlingen an Bord eingetroften. Es handelt sich größtenteils um Milizionäre; darunter befanden sich 20 Verwundete, die in Krankenhäuser überführt wurden. Die übrigen Milizionäre wurden entwaffnet und werden sukzessive nach Spanien repatriiert werden. Der Kommandant eines spanischen Fischereikutters, der von Gijon kommend, den bretoni- schen Hafen Lorrient anlief, sagte dem Korrespondenten des„Daily Herald" über seine dramatische Ueberfahrt: Während eines entsetzlichen Bombardements haben wir Mittwoch abends 8 Uhr die Anker gelichtet. Vom Meer aus beschossen uns die Kriegsschiffe der Rebellen, aus der Luft warfen deutsche und italienische Flugzeug« Bomben nach uns. Mehret« andere Schiffe mit Füchtlingen an Bord versuchten unter dem Schutz der Dunkelheit zugleich mit uns zu entkommen, zwölf von chnea wurden jedoch von Granaten und Fliegerbomben getroffen und kenterten, andere wurden gekapert und zur Rückkehr gezwungen. Am nächsten Meud erreichte uns auf dem Ozean ein neuer Feind, ein schwerer Sturm. Der Kapitän erzählte dann wefter, wie das Schiff dem Sturm entging und sogar nbch einem ftanzösischen Fischdampfer und seiner Besatzung, die in Seenot geraten war, zu Hilfe kommen konnte. * Rom. Die 10. amtliche Verlustliste enthält di« Namen von 160 italienischen„Freiwilligen", die bei den Kämpfen von Santander gefallen oder nachträglich ihren Verletzungen erlegen sind. telle richt'» alle zu Grund. Lächerlich von einer Hebung deS Konsums zu red'». Die Arbeitslosenzahl ist gar nicht kleiner geword'n und die Löhn« sink'» ununterbroch'n. Wie soll da ein Konsum entstehn. Ne, der Karr'» sitzt zu tief im Dreck. Tu muß ein Stärkerer kommen als der Schuschnigg, damit er wieder flott wird. Ah siehe da! Der Herr Kommerzienrat! Der reinste Bolschewik! Was zahl'» denn Sie Ihren Angestellten? Die kriegn am ersten wohl dicke Briestasch'n mit lauter 100-Schillingnoten. So ist's hoch? Machen Sie keine faulen Witze. Ich kann nicht aus der Reihe tanzen. Aber wenn die Zunft eine Erhöhung der Löhne und Gehälter in vernünftigen Grenzen beantragen würde, wäre ich nicht dagegen. Das ist doch klar, daß, wenn die Massen nicht kaufen, geh'n die Geschäfte nicht. Da müss'n wir halt von Staats wegen mehr kauf'» und arbeiten lass'«. Sehr richfigl Mehr aufrüsten. Da kommt Geld unter die Leute! Schon, schon, Herr Oberst. Wer das ist verbrauchtes Geld, das nicht der Wirtschaft zugute kommt und neue Wert« und Güter schafft. Ach, geh'n Sie mir damit. Wie woll'n Sie dann was erzeugt und verkauf'», wenn der Staat nicht genügend stark ist, sich Respekt zu verschaff'». Die Rüstungsau^gaben find eine gute Jnvesfition, die sich durch ein« größer« Machtsphäre bezahlt macht. Warten Sie nur ab und Sie werden seh'n, Herr Kommerzienrat. Daß es einen neuen Krieg gibt! Ich hab' gelesen, Herr Oberst, daß die Zwergstaaten hucke gar keinen müitärischen Anwert mehr hab'». Was denken wir da an Krieg! Das ist richtig! Deshalb werden ja Bündnisse geschlossen, z. B. der Rompakt. Der Vertrag ist aber sehr widernatürlich. WaS hab'n denn wir schon mit den Katzlmachern für gemeinsame Interessen. Unser Verbündeter kann nur Deutschland sein. lFortsetzung folgt) Nr. 251 Sonntag, 24. Oktober 1937 Seite 3 ^uAoiouAßuinfLat^o'Acuiofoi Die„Sudetendeutsche Brigade“ existiert! Die sich in Deutschland bildende Sudetendeutsche Brigade ist nicht, wie die Henleinblätter behaupten wollen, eine Ausgeburt der Phantasie, sondern eine Tatsache, mit der sich bereits, wie wir den„Lidove Roviny" entnehmen, tschechoslowakische Gerichte in verschiedener Beziehung beschäftigen mußten. Bezeichnend ist der Fall Brun» P o st«l k a, des 22jährigen Sohnes eine- Gastwirtes in Chu- chelna in Hultschi«, der alS Henlrmagitator nach Verübung einiger Gewalttätigkeiten in der Zeit der Parlamentswahlen 1935 nach Deutschland geflüchtet ist und im August 1936 nach seiner Rückkehr von der Ostrauer Polizei verhaftet wurde. Er wurde zu schwerem Kerker verurteilt, weil er Mitglied einer umstürzlerischen Abteilung in Deutschland gewesen ist. Bei der Ber- handlnng kam zulage, daß alle Angaben der geflüchteten Henlrinleute von der sudetendeutschen Kontrollstelle in Dresden überprüft wurden, wobei es sich vor allem um die nazistische Verläßlichkeit der Ueberläufer handelte. Diese wurden dann zu weiteren Akttonen auf dem Gebiet der Spionage und des Terrors geschult. Neben Postulka gab es andere Ueberläufer, wie N e i s s» r und M o- rav er. Jene Hultschiner, welche nach Deutschland geflüchtet warm, wnrden belehrt, daß sie eine besonders wichttge Formatton tildm werden für den Fall» als Deutschland in die ÜSR einmarschiert. Für diese sudetendeutsche Brigade wurde eine große Werbeaktion in- Leim gerufen, die Zentrale ist, wie gesagt, in DreSdm, es sollen aber in Prag, Brünn und Bratislava Rebenftellm sich befinden, und zwar in Gebäuden, wo man daS am wmigsten erwarte« sollte. Vorbereitete Attentate auf Eisenbahnzüge Wie die«Lidove Roviny" melden, ist die Staatspolizei in Kaplitz diese Woche auf eine antistaatliche Bewegung in ihrem Bezirk gekommen. Montag hat sie eine überraschende Hausdurchsuchung bei einem gewissen Karl Weil« g u n i in Deutsch-Beneschau unternommen, welcher einer der Führer der Sudetendeutschen Partei im Bezirk ist. An seiner Wohnung wurden viel« ihn kompromittierende Schriftstücke gefunden, welche auch auf weitere Spuren führten. Weilguni wurde sofort in Haft genommen und die Polizei schritt in der Untersuchung fort und verhaftete den reichsdeutschen Angehörigen Hans Bruckner, der im Verdacht steht, mehrere Delikte, die im Gesetz zum Schutz der Republik aufgezählt sind, sich schuldig gemacht zu haben. Der Staatspolizei gelang es auch, den Urheber mehrerer Attentate auf Züge auf der Strecke Bud« weis—Oberhaid sicherzustellen. Der der SdP angehörende Q u a s wurde dessen überfiichrt, dass er jemanden dazu veranlaßt«, am 29. September auf die Strecke in der Nähe von Kaplitz einen Stein zu legen, welcher die Entgleisung eines Motorzugs verursachen sollte. Quas ist auch verdächtig, der Urheber eines ähnlichen Attentates zu sein, das. am 14. Oktober verübt, wurde. Ein ähnlicher Vorfall von SdP-Terrorismus endigte unlängst beim Budweiser Gericht, durch welches drei Anhänger der SdP-Jugend verurteilt wurden, weil si« auf den Motorzug bei der Station Teufelsmauer Steine geworfen hatten. Wann wird man einmal so etwas lesen? Wie man weiß, hat Gesandter Mastnh bei Außenminister Neurath gegen die phantastischen Lügen protestiert, die von der reichsdeutschen Presse Wer die Teplitzer Vorfälle verbreitet werden. Daraufhin hat das Deutsche Nachrichtenbüro folgende Meldung veröffentlicht: „Der Reichsminister des Auswärtigen hat in seiner Erwiderung darauf hingewiesen, daß ein solcher Protest angesichts des Charakters der polizeilichen Uebergriffe fehl am Platze fei, da dieErregungderdeutschenOef- fentlichkeit eine natürliche und selbstverständliche Folge der schweren Ausschreitungen staatlicher Organe gegenüber dem Sudeteiweusschtum sei. Wenn man«ine solche Reaktion der deutschen Presse, wie die der letzten Tage, vermeiden wolle, dann müsse in erster Linie tschechosloNnckischerseitS dafür Sorge gettagen werden, daß keinAnlatz zu solchen Aeuherungen gegeben würde." Der Herr Reichsaußenminister macht sich also die Darstellung zu eigen, die eine tschechoslowakische Oppositionspartei von den Teplitzer Vorfällen gab, eine Darstellung, deren Richtigkeit nicht nur von allen Augenzeugen, sondern auch von der Regierung unseres Landes bestritten wird. Wie wäre es, wenn über eine der zahllosen Interventionen des Prager deutschen Gesandten wegen der Schreibweise tschechoslowakischer Blätter über die Konzentrattonslager und die Erschießungen auf der Flucht etwa folgende Meldung des Tschechoslowakischen Pressebüros veröffentlicht werden würde? „Der deussche Gesandt« wurde darauf aufmerksam gemacht, daß ein solcher Protest angesichts des Charakters derllebergriffederSL u n d S S fehl am Platze fei, da die E r r e- gung der tschechoslowakischen demokratischenOeffentlichkeit «ine natürliche und selbstverständliche Folge der schweren Ausschreitungen staatlicher Organe gegenüber Demokraten, Sozialisten und Juden sei. Wenn man eine solche Reaktion der tschechoslowakischen Presse, wie di« der letzten Tage, bermeiden wolle, dann müsse in erster Linie deutscherseits dafür Sorg« gettagen werden, daß kein A n l a tz zu solchen Aeußerungen gegeben würde." Das möchttn wir dann sehen, wie Herr Goebbels auf diese Meldung reagieren würde! Prager deutsche Feier des 28. Oktober Die deutschen aktivistischen Parteien und die deutschen aktivistischen Jugendgruppen in Prag veranstalten am 27. Oktober um 8 Uhr abends im Festsaal des Deutschen Hauses eine Feier des 28. Oktober, deren Programm neben musikalischen Darbietungen und Rezitationen eine Festrede Hugo R o k y t a S vorsieht. Zu dieser Feier werden Einlaßkarten in den Sekretariaten der deutschen akttvistischen Parteien und beim Optt« ker Deutsch sowie an der Abendkaffa gegen«inen Regiebeitrag ausgegeben. Oer„unpolitische Führer" Geßner hat gesprochen! Wenn eS noch eines Beweises bedurft hätte, daß Prof. Geßner als Obmann des Kulturver- bandeS ganz bestimmte Bahnen zu gehen gedenkt, so ist es die Rede, die er Sonntag in Mährisch- Schönberg gehalten hat, in der er nun auch in die Henlein-Höllersche Diktion anfällt und anmaßend von sich als dem„erwählten Lenker der Geschicke" spricht, und damit und mit der Aeuße- rung, daß er die volle Verantwortung trage, in die Führerrolle des Herrn Pfarrer Wehrenfennig schlüpft. Seine Rede» die ja sicherlich nicht ohne, Absicht noch vor der entscheidenden Sitzung des Verbandes gehalten wurde, ist ein Musterwerk der Verdrehung der Tatsachen und geht an den entscheidenden Dingen mit Absicht vorüber. ES wird vielleicht auch Herrn Prof. Geßner ausgefallen sein, daß man unter Politisierung des Verbandes nicht das AuSwiegen parteipolittscher Kräfteverhältnisse verstehen muß, sondern die Betonung einer Ideologie, die heute Europa in zwei Teil« scheidet und die bei uns ebenso klarer Einstellungen bedarf, wie überall. Prof. Geßner hat sich und das beweist seine Rede, auf die Seite der Führer geschlagen und beansprucht für sich selbst den Titel des„Lenkers der Geschicke". Allerdings gießt er Tropfen der Demokratie in seinen Wein dort, wo er glaubt, den Demokraten eine Lehre über wahre Demokratie geben zu müssen. Dieser Lehre bedarf von dieser Seite niemand. Niemand hat auch behauptet, daß der Kulturverband bei der Errichtung von Schulen und Kindergärten oder bei der Linderung der Rot parteipolitischen Einflüssen folgt, aber daran ist weder Prof. Geßner noch die Hauptleitung, sondern nur der gesunde Instinkt der Bevölkerung schuld. Die Beweise der Politisierung? Ist Prof. Dr. Geßner wirklich so darauf versessen, sie zu hören? Ist es nicht besser, davon zu schweigen? Oder glauben Sie, Herr Professor, etwa nicht? Die Behauptung aber, daß der Obmann eines Vereines die volle Verantwortung ttägt, ist lächerlich. Jedermann, der im BereinSleben tätig ist, weiß, daß der Ausschuß eines Vereines verantwortlich ist, jedes Mitglied desselben im gleichen Maße; doch darüber mag sich Prof. Geßner von seinen Juristen beraten lassen, vielleicht auch darüber, ob er als 8er« bandsobmann das Recht hat, in Wahlakte einzugreifen, und ob daS so demokratisch ist, wie Prof. Geßner es lehrt? Die objekttve Stellung eines Obmannes ist das allerdings nicht, betont aber neuerlich die autoritäre Stellung, die sich der „Lenker der Geschicke" anmaßt, und beleuchtet, in welcher Richtung sich der unpolittsche Kulturverband entwickelt. Zuletzt stellt Prof. Geßner sein Mandat zur Verfügung. Die Vorgänge bei den Wahlen haben es ihm angetan. Wer die von ihm feftgelegten Richtlinien nicht einhält, mißttaut der Führung persönlich. Eine bescheidene Frage: Wer hat diese Richtlinien aufgestellt? Es wäre undemokratisch, wenn dies nicht mindestens die Hauptleitung getan hat, in einer demokratischen Organisation bestimmen sich die Mitglieder die Richtlinien selbst, denn jedermann bringt ja auch seine Arbeitskraft, seine reinen Hände und sein deutsches Herz mit, behauptet es wenigsten-, ist überzeugt davon, was darüber hinaus fehlt, aber ist Objätivität und Selbstverleugnung.«Lenker der Geschicke" zu sein, ist ja noch mehr als alles, was bisher ein Führer für sich in Anspruch genommen hat— wir empfehlen im Geiste der Demokratie Satzungsänderung. ins- Grünes hat 150.000 Ki unterschlagen Zu der Verhaftung des SdP-Amtswaüers Grünes in Dobrzan wird noch gemeldet, daß die Schadenssumme die ursprünglich festgestellten 38.009 Kronen wett überschreitet. Die Untersuchung fördert immer neue fingierte Buchungen in der Filiale der KdD zutage und Grünes selbst hat bereits Deftaudattonen in der Höhe von 150.000 Kronen zugegeben. Jng. Grünes war ein exponierter Funkttonär der SdP, für die er häufig in Bersannnlungen als Redner auftrat. Wir klären die„Rundschau** auf! Di«„Rundschau" des Herrn Henlein schreibt unter Bezugnahme auf die Teplitzer Vorfälle u. a.: „Die unmittelbaren Folgen dieser Zwischenfälle waren: Bor allem ein offener Brief Konrad HenleinS an bat Staatspräsidenten, dessen Inhalt der Oeffentlichkeit durch den Zensor vorenthalten wurde. Die„Rote Fahne" spielt den Erstaunten,„daß der Goebbelsrundfunk den Inhalt der Briefes bekannt gibt, bevor ihn die tschechische Oeffentlichkeit erfuhr". Durch wessen Schuld hat die ttchechische Oeffentlichkeit den Inhalt des Briefes nicht erfahren? Dar staunend« Kommunisten- blatt möge sich an di« Zensurbehörde wenden, für deren Tätigkeit sie plötzlich eminentts Verständnis an den Tag legt. Bekanntlich gibt eS in der Tschechoslowakei keine Vorzensur. Die Zeitungen werden im gleichen Augenblick der Zensurbehörde vorgelegt, da der Versand und der Verkauf beginnt. Wie also mag der„Goebbels-Rundftnck" den offenen Brief Konrad HenleinS erfahren haben? Tot- sicheraufvollständiglegalemWege, dadurch nämlich, daß von Prager AuSlandskorre- spondenten die„Zeit" mit dem offenen Briefe Konrad HenleinS schon gekauft wurde, als sie noch nicht beschlagnahmt war." Warum wohl gibt die„Rundschau"«ine so langatmige Erklärung-— in einer Sache, die nach ihrer Meinung doch vollständig klar und vor allem legal ist? Nun, die„Rundschau" hat e i n schlechtes Gewissen! Der Offene Brief Konrad Henleins gelangte nämlich nicht auf dem von der„Rundschau" geschilderten Wege in di« Hände der Ausländskorrespondenten, sondern wurde mit den Aeußerungen einiger Henleinabge- ordneter über die Teplitzer Vorfälle in der Kanzlei der Sudetendeutschen Partei in Prag, Presseamt, vervielfältigt und den Ausländskorrespondenten zur Verfügung gestellt, obwohl der Offene Brief beschlagnahmt war.- Auf d-i-e-- sem Wege gelangte er an den Goebbels-Ruttd- funkl Tagung der. deutschen Fremdenverkehrsverbände Die Deutschen Landesverbände für Fremdenverkehr in Böhmen Und in Mähren-Schlesien hietten am Samstag eine gemeinsame Tagung in Prag ab, die von den verschiedenen befteundeten Fremdenverkehrsvereinen und Verbänden aus dem deutschen Sprachgebiet der Republik reich beschickt war. Die Fremdenverkehrstagung hat den Zweck, all« in Betracht kommenden staatlichen maßgebenden Sttllen sowie auch alle Kreise der heimischen Wirtschaft auf die Lage des Fremdenverkehrs und auf die Bedürfnisse der Fremdenverkehrsfürsorge in eindrucksvoller Weise aufmerksam zu machen. Für den Klub der deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten war Abgeordneter de Witte anwesend. Als erster Redner hielt Professor Rudolf Klimek sein Referat, in welchem er die Bedeu- tung des Fremdenverkehrs für unsere Wirtschaft hervorhöb und mitteilt, daß im Jahre 1936 16,850.904 Nächtigungen gezählt wurden, aus denen sich ein durchschnittlicher Umsatz von rund 842.5 Millionen K8 ergab. Er verwies auf die Von umarn Kinderfreunden Tagung des zentralen Helfer und Führerkreises SamStag, den 9. und Sonntag, den 10. Oktober, tagte im Aussiger BolkshauS die Exekuttv« des zentralen Helfer- und FührerkreiseS, di« sich mit dem Arbeitsplan für 1988 und der Frage deS Kinderbuches und der Kinderbüchereien zu beschäftigen hatte. Bei der Konstituierung der Präsidiums wurden Janouschek-Auffig, Bullin-Brünn, Schubert» Turn zu Vorsitzenden, Sotola Marie-B.-Kamnitz, Erben Anni-Wolta zu Schriftführern, Kurt-Prag, zum zenttalen Buchwart und Mader-Sternberg zum Sachwart gewählt. Zum Jahresarbeitsplan 1938 referierte Prof. Schweitzer« Brünn. Die Parole des Arbeitsjahres 1988 soll lauten:„Jahr der Besinnung".(Ordnung, Pflichterfüllung, Verantwortlichkeit). Aus dem Programm sei hervorgehoben: DaS 80jährige Bestehen einer Arbeiter-Kinder- freundebewegung(1908 in Oesterreich begründet.) Reichsführertagung zu Ostern in Prag, Kindertag am 19. Juni, Reichswandertag und Probelager zu Psingften, Reichszeltlager und Reichsfalkentteffen im Juli, Werbeattion im Oftober, im Frühjahr und Herbst Schulungskurse für Helfer und Falkenführer. Ueber das Reichszzltlager und Reichsfalkentreffen sprach Willi Hocke» Winterhilfe für Arbeitslose I« bet Sitzung des Mmisterrates am Freitag wurde eine Reihe bedeutsmner sozialpolitischer Beschlüsse gefaßt. So wurde die Zustimmung zu ein« Aktion für die Arbeitslosen erteilt. Diese erhallen«nentgelttich KartoffeSn, Fett, Zucker und Kohle. Die Kartoffelckktion ist bereits im Zuge. Außerdem wurde ein einheitticheS Buchungs- system für die Arbeitslofennnttrstützung beschlossen. aus dem Fremdenverkehr sich günstig auswirkende Handelsbilanz, auf die dem Schlüsselgewerbe aus diesem Fremdenverkehr zufließenden namhaften Beträge, die u. a. auch dem Handel und Gewerbe und den Jndustrieunternehmungen zufliehen. Nicht nur der Staat, die Länder und die Bezirke, sondern auch die Gemeinden seien an dem Fremdenverkehr interessiert. Es folgten sodann noch Referate Dr. Friedrich Beckers, des Hoteliers Malo, des Oberlehrers Zapp und«in Vortrag Dr. Franz Peschels. Achtung auf einen Schwindler! Das Atus- Mitglied Karl Schätz aus Seestadt! hat seine AtuS-Legitimation verloren und irgendwer treibt damtt Schwindeleien. Wir bitten, dem unbekannten jungen Mann im Betretungsfalle die Legi» timation abzunehmen und an den Arbeitekturn« verein Seeestadtl bei Komotau einzusenden. Die Wahlen fat die OrtS- und Sprengelschül- ritte werden jetzt durchgeführt; in der eben erschienenen Oktoberfolge der„Reuen Erziehung" behandelt Direktor Wilhelm Friffch sehr eingehend die gesetzlichen Bestimmungen.— Im Leitaussatz spricht der Staatspräsident über Aufgaben der Erziehung. Eine Uebersetzung eines AuffatzeS aus dem „Eeflh uäitel" gibt Einblick in die Geisteshaltung der ffchechischen Lehrerschaft; sehr deutlich wird darin der Faschismus abgelehnt und als das bezeichnet, was er ist, die Herrschaft der Angst und Gewalt. Die Frage deS Moral- und LebenSkunde-Unterrich« i«S beschäftigt in der letzten Zett wieder stärker die forttchrittlichen Menschen unseres Staates; die vom Kuratorium für Laienmoral in Prag herauSgegebe« nen Richtlinien für die Erteilung des Lebenskunde« Unterrichtes werden daher die pädagogisch orientierte Oeffentlichkeit sehr interessieren. Paul Fürstenau nimmt zu einem sehr zeitgemäßen Thema Stellung; Erziehung zur Tapferkett heißt der Aufsatz, in welchem der Gegensatz zwischen der„romantischen" Tapferkeit des Krieges und der schlichten Pflichterfüllung, wie sie täglich der Bergmann, der Flugzeugführer, der Kraftwagen-Lenker oder der Holzfäller zu leisten haben, aufgezeigt wird. Weiter wird unser« Schulpolitik im letzten Jahre gewürdigt und dargetan, daß für die Junglehrerschaft recht begrüßenswerte Neuerungen!- geschaffen, wurden. Zahlreiche Notizen aus dem Schulleben verschiedener Länder und Buchbesprechungen schließen die umfangreich« Folge ab.— Einzelnummern kosten 2 Kd, das Jahresabonnement.15 Kö. Bestellungen bei der Verwaltung der^Neuen Erziehung", Aussig, Herrengass« 8/III. Schwere Kämpfe in Hoch*Aragon!en Hoch-Aragonien bildete am SamStag den Schauplatz heftiger Kämpfe. F-aneotrnppen besetzten nach zähem Bajonettkampf die Eremitage bei San Pedro, die einen wichtigen strategischen Punkt darstellt. Die R:gier«ngsabteiluug»n nn- ternahmen jedoch im M.'rgengrauen«inen Gegenangriff und trieben den Feind aus diesen Stellungen heraus. An der Südfront schlugen die Regierungsabteilungen einige feindliche Angriffe in der Sierra Per« ab. Das Artilleriebonrbardement Madrids dauert an; auch sind Kämpfe und größere Bewegungen an der Madrider Front im Gange. Die Rebellenbatterien schleudern jetzt regelmäßig alle fünf Minuten ihre Geschosse in die Hauptstadt. Am Freitag-Abend wurden hiedurch, soweit bisher festgestellt ist, 15 Menschen getötet und 49 verletzt. Bodenbach. Nach Graupe»(1932), Prag(1934) Wird es das dritteReichszeltlager werden. DaS Ziel ist: mindestens 500 Jung- und Rotfalken aus allen Gauen des Zentralvereines auf di« Dauer von drei Wochen zu einem SchulungS- und Werbelager'zusammenzufaffen. Das Lager wird vom 30. Juni bis 20. Juli durchgeführt und als Ort G r o ß p r i e s« n an der Elbe bestimmt. Mtt dem Reichszeltlager wird ein R e i ch s f a l k e n- treffen vom 1. bis 4. Juli für all« Rest-, Jung« und Roffalken inAussiga. E. verbunden. Einige ausländische Falkengruppen haben bereits ihre Teilnahme an dem Reichslager zugesagt. Mit den Vorarbeiten zu diesen beiden zenttalen Veranstaltungen, die Höhepunkte unserer Jahresarbeit sein sollen, wird schon in den nächsten Wochen begonnen. Für die Teilnehmer an dem Zeltlager soll ein Fahrtausgleich geschaffen werden, um allen Gauen eine enffprechende Vertretung zu sichern. Zum Thema Kind erbuch und Kinderbuch«« reien sprach Kurt. DaS Kinderbüchereiwefen läßt viel zu wünschen übrig. Geldmangel und hohe Bücherpreise machen eS den meisten Gruppen unmöglich, eigene Kinderbüchereien einzurichten. Trotzdem muß dem Kinderbuch das größte Augenmerk gewidmet und den Kindern gute Kinderbücher zugänglich gemacht werden. Ein eigenes Merkblatt über Errichtung und Führung* von Kinderbüchereien, Schulung und Beratung der Bibliothekare, sowie Einrichtung von Wanderbüchereien wurde beschlossen. Teile 4 Sonntag, 24. Oktober 1937 Nr. 251 Zwanzig Jahre nach Karfreit Ein Gedenktag, den Mussolini wohl lieber überschlügt... Heute vor zwanzig Jahren wurde eine der größten und dramatischesten Schlachten der Weltgeschichte geschlagen— soweit man die Schlachten des Weltkrieges, diese wochenlangen ununterbrochenen Kampfaktionen, auf einen Tag fixieren kann.. Als die Sonne des 24. Oktober 1947 zur Neige ging, war die italienische Jsonzofront, die am frühen Morgen noch als eine Mauer von Erd« und Betonwall, von Mann und Geschütz, scheinbar unübersteigbar und wie für die Ewigkeit errichtet, dagestanden hatte, zwischen dem Becken von Flitsch und dem Nordrand der Hochfläche von Bainsizza zertrümmert. Die zweite italienische Armee des Generals von Capello, war nur noch ein Gemenge fliehender, versprengter, in den Bergstellungen isolierter, von wilder Panik befallener einzelner Truppenteile. Die einzeln und planlos eingesetzten Reserven versuchten vergebens, den Durchbruch zu verstopfen. Ms das „Wunder von Caporetto(Karfreit)" ist das Ereignis in die italienische Kriegsgeschichte eingegangen, während die, österreichische es meist als die zwölfte Jsonzoschlacht nennt. Im Sommer 1917 hatten die Italiener in der elften Schlacht die österreichischen Reserven durch geschickte Scheinangriffe nach Süden, auf die Karsthochflächen östlich Doberdo abgelenkt. Dann waren sie mit der Hauptmacht nördlich von Görz losgebrochen und hatten zwar keinen Durchbruch erzielt, aber die Front der Heeresgruppe Boroe- viä einige Kilometer tief eingedrückt, auf die kahle, wasserarme, im Winter von furchtbarer Bora heimgesuchte Hochfläche von Bainsizza-Heiligen- blut festgenagelt. Run fürchtete das österreichische Hauptquartier die zwölfte Schlacht. Von der Hochfläche aus war das Aippachtal zu flankieren, die Verbindung nach Krain gefährdet. Der Verlust von Triest rückte in bedrohliche Nähe. Dem italienischen Angriffe sollte durch einen Gegenangriff zuvorgekommen werden. Die deutsche Heeresleitung stellte sieben Divisionen zur Verfügung, die mit acht österreichisch-ungarischen in der 14. Armee des deutschen Generals Otto vonBelow und der Armeegruppe des k. u. k. Generals Alfred Krauß vereinigt wurden. Die Bereitstellung der Angriffstruppen geschah unter allen erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen, mit größter Heimlichkeit und Beschleunigung. Die Nachschublinien mußten in dem gebirgigen Terrain erst ausgebaut, Material Lereitgestellt werden, trotzdem erfuhren die Italiener nur ganz allgemein von den Angriffsabsichten der'Mittelmächte, wußten aber bis zum 24. Oktober nicht, ob der Hauptangriff in Tirol, am oberen oder am unteren Jsonzo losbrechen würde. Schlechten Wetters wegen hatte man den Angriff auch noch verschieben müssen. Graf Tadorna erriet aber auch jetzt nicht, wo er sich würde schlagen müssen. Die Offensive war ein kühnes Wagnis. Denn die Angreifer hatten keineswegs die zahlenmäßige Ueberlegenheit. Gegen 41 italienische Divisionen standen zwischen Flitsch und dem Meer nur 37 Divisionen der Verbündeten. Zwar hatten dje Angreifer in der ersten Linie im Angriffsraum eine starte Ueberlegenheit,«wer die Italiener Hatten die weitaus stärkeren Reserven. Artilleristisch waren die Verbündeten vor allem an Munition überlegen. Sie verwendeten ein Gas, gegen das die unzulänglichen Gasmasken der Italiener nichts nützten. So wurde insbesondere die italienische Artillerie fast zur Gänze in wenigen Stunden zum Schweigen gebracht. Im Becken von Flitsch stieß die Armeegruppe Krauß durch die italienischen Stellungssysteme bis gegen Saga vor, weiter südlich drangen die Deutschen über Karfreit ins N a t i« sonetal, in kühnem„Talstoß", der Gefahr für ihre Flanken nicht achtend, die italienischen Bergstellungen umgehend und vom Rücken her abriegelnd. In wenigen Tagen wär das Schicksal der Armee Capello, aber auch der ganzen italienischen Jsonzofront entschieden. Noch hoffte Cadorna den Tagliamento halten zu können. Aber die Bosniaken der Armeegruppe Krauß forcieren den vom Herbstregen angeschwollenen Fluß auf emer fast zerstörten Brücke und machen jedes Halten der Italiener an dieser Linie illusorisch. Erst an der Piave kommt, nachdem a ch t D i- Visionen der West möchte schützend eingegriffen und vor allem den Monte Grappa gesichert hatten, die Offensive zum Stehen. Auf rund 800.900 Mann an Gefangenen, Toten. Verwundeten, Versprengten, Deserteuren, beziffern die Italiener ihren Verlust. Ihre Magazine und Munitionsparks, ihre Artillerie und ihre Handfeuerwaffen im Jsonzoraum waren zum größten Teile verloren. Die Mittelmächte versuchten nun auch von Tirol nachzustotzen, doch blieb Conrads Offensive im plötzlich einbrechenden Alpenwinter stecken. Immerhin, ohne die Engländer und Franzosen, hätte General D i a z, der neue italienische Oberkommandant, die Piavefront nicht halten können. Es ist recht nützlich, heute daran zu erinnern, daß vor zwanzig Jahren nur die tatkräftige Hilfe derWestmächteJtalien davor s ch ütz t e, bis zum Appenin von^den Truppen der Mittelmächte überflutet zu werden. Die ,.A ch s e" hätte damals leicht durch die Einrichtung deutscher „Generalgouvernements" in Mailand und Bologna ihren Anfang finden können, wenn nicht die Sühne der„verfaulten Demokratien des Westes", sich dem Hohenstaufenzug der deutschen und österreichischen Armeen an der Piave und in den Bergen entgegengeworfen hätten I Für die Mittelmächte, insbesondere für Oesterreich bedeutete der Sieg von Karfreit eine nicht nur materielle, sondern vor allem eine moralische Entlastung. stmn letztenmal stieg damals in Oesterreich eine letzte leichte Welle von Patriotismus auf und wenn die Regierenden die Gunst der Stunde genützt und im November 1917 das versucht hätten, was fie schließlich viel zu spät im Oktober 1918 tun wollten, wenn die FöderalisierunglOesterreichS und'daS FriedWSangebot an Wilson nach--Caporetto gekommen wäre, hätte der alte Staat in einer losen Form sich vielleicht retten können. Allerdings hatte aber gerade auch die Waffenbrüderschaft vom Karfreit den deutschen Einfluß in Dien wieder gestärkt und so wirkte sich der große Tag am Ende nur illu- sivnSfördernd und kriegÄerlängernd Umstund, was eine Stufe zum B e r st ä n d i g rings- frieden hätte sein können, der große Schlag gegen einen der hartnäckigsten und beutegierigsten unter den kriegführenden Staaten, wurde zur Schwelle des Verderbens, das 1918 über die Mittelmächte hereinbrach. E. F. Hartnäckiger Kampf um Schanghai< Henlein, regen Sie sich aufl Gelegenheit zum Rechtskampf in Deutschland Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands schreibt uns: Von Berlin aus wird versucht, das Ausland für den Fall zweier Abgeordneter des tschechoslovakischen Parlaments zu interessieren, die bei der polizeilichen Auflösung einer Menschenmenge in Teplitz-Schönau einige Schläge mit dem Gummiknüppel erhalten haben sollen. Wir bitten Sie, aus diesem Anlaß auch der reichsdeutschen Abgeordneten zu gedenken, die viel schlimmere Schicksale zu erdulden hatten. Es wurden seit der Machtergreifung Adolf Hitlers ermordet die Abgeordneten: Eggerstedt, Ferkel, Gerdes, Götz, Henk, Husemann, Jacobs, Kasten, Langhorst, Landgraf, Mäder, Dr. Marum, Putz, Reith, Dr. Sachs, Scheer, Schulz, Schütz, Stelling,'Steinfurth, Stentzer. In keinem dieser 22 Fälle wurden die Mörder zur Verantwortung gezogen. Ohne gerichtliches Urteil lange in Haft gehalten und zum Teil schwer mißhandelt wurden überaus zahlreiche Abgeordnete. Wir nennen u. a. Beimler, Brandes, Ebert, Faust, Dobbert, Endemann, Felder, Fleißner, Freitag, Frölich, Gerlach, Graef, Hartsch, Hermann, Hirtsiefer, Jürgensen, Künstler, Kuhnt, Kupfer, Dr.Leber, Liebmann, Litke, Lobe, Lüdemann, Meier-Baden, Metz, Poeschke, Remmele, Reuter, Roßmann, Seger, Schirmer, Soldmann, Dr. Staudinger, Thielmann, Unterleitner. Gefangen gehalten werden zurzeit noch, fast alle ohne gerichtliches Urteilt sehr zahlreiche Abgeordnete, darunter Geschke, Graupe, Heilmann, Dr. Jasper, Maddalena, Dr. Mierendorff, Dr. Neubauer, Puchta, OverlaCh, Dr. Schumacher, Schumann, Stamm, Stöcker, Thälmann. Ein Teil von diesen Abgeordneten befindet sich schon seit mehr als vier Jahren ohne gerichtliches Urteil in Haft. Rätselhafter Zweikampf. Das Havasbüro erfährt, daß Roland Strunk, der außenpolitische Redakteur des„Völkischen Beobachter", im Duell gefallen ist. Der„Völkische Beobachter" teilt mit, daß nach der Rückkehr von den Manüvern Strunk von einem Manne beleidigt worden sei, der auch die Ehre der Familie Strunks angriff. Ueber den Zweikampf sind folgende Einzelheiten bekannt geworden: Strunk war der Ansicht, daß die Person, deren Jdentttät in der Oeffentlichkeit bisher streng gehermgehalten wird, mit ihrer Aeußerung seiner Ehre und der seiner Familie nahe getreten sei. Deshalb appellierte Strunk am Mittwoch an das Nattonalsozialistische Ehrengericht. Ohne Entscheidung dieses Gerichtes darf nämlich zwischen natio- nalsozialistischen Parteianhängern kein Duell auS- getragen werden. In der Sache Strunk setzte das Ehrengericht die strengsten Bedingungen für diesen 'Zweikampf fest.'Es wurde ein sogenanntes Barriere nduell ausgewählt. Das Pistolenduell fand Donnerstag morgens statt. Es war vereinbart, daß es so lange fortgeführt werden sollte, bis einer der beiden Gegner tot zu Boden stürze. Die beiden Gegner staNden einander auf neun Schritt gegenüber. In dem Augenblick, in welchem der Schiedsrichter„Fertig, los" rief, gingen die beiden Gegner auf einander los und gaben Schüsse ab, während der Schiedsrichter bis fünf zählte. Strunk stürzte sofort bei Beginn des Duells mit tödlichen Verletzungen zu Boden. Sein Gegner Wurde verhaftet. Nach dem Gesetze erwartet ihn eine Festungsstrafe von einem bis sechs Jahre. Ein Flugzeug der türkischen Pilotenschule, das zu einem Uebungsflug startete, ist in der Nähe von Ankara abgestürzt. Dabei fanden zwei Instruktoren und drei Flugschüler den Tod. Die Ursache des Unglückes ist nicht bekannt. Tramway-Zusammenstoß. In Kagran im 21. Wiener Bezirk, sind Samstag früh zwei Straßenbahnwagen der Linie 16, welche komplett besetzt waren, mit voller Wucht zusammengestoßen, wobei die Wagen vollkommen zerttümmert und 25 Personen teils schwer und teils leichter verletzt wurden. Ein Autocar mit-Schulkindern wurde auf einem ungeschützten Bahnübergang auf der Strecke von DesmoineS nach St. Paul(USA) von einem Zuge erfaßt. Der Chauffeur des Autocars und fünf' Kinder wurden getötet, 22 Kinder schwer verletzt. Beim Bau eines Tunnels unweit von Florenz ereignete sich ein Explösionsunglück. HiÄei wurden drei Arbetter getötet und mehrere verwundet. Dampfer gesunken. Auf dem Bosporus wurde der türkische Frachtdampfer„Ordu" bei einem Wen« dungsmanöver von der Strömung erfaßt und gegen den türkischen Kreuzer„Hamiditze" getrieben. Der Dampfer„Ordu" sank innerhalb fünf Minuten. Von- zwei türkischen Zerstörern wurden 15 Mann der Besatzung des„Ordu" gerettet, zwei ertranken. Der türkische Kreuzer hat keine Beschädigung erlitten. Prozeß»m einen Hnndelohn. Da? ftanzösische Marineministerium hat«inen staatlich besoldeten Wachthund. Das Tier bekommt«inen jährlichen Löhn von 540 Francs, die für.fein« Kosten und Pflege ausgegeben werden. Nun hat der Hund vor kurzem aus der Auslage eines Fleischerladen- eine Hammelkeule geraubt, deren Wert etwa 60 Francs beträgt. Der Fleischer hat an das Ministerium Schadenersahforderungen gestellt, dieser hat aber zunächst die Forderungen abgelehnt, da kein Fonds existiett, aus dem fie bezahlt werden könnte und man aus dem jährlichen Hundelohn diese Summe nicht freimachen kann. Der Fleischer wftd daraufhin gegen das Ministerium klagen und vermutlich wird das Parlament einen besonderen Marine-Hunde» kredit bewilligen müssen. Propagandafahrt unserer Autopost. Eine Neuerung unserer Post, nämlich die erste tschechoslowakische Autopost, diese moderne und zweckmäßige Einrichtung, die auf dem Autosalon vom Präsidenten der Republik und den Ministern mft Jntereffe be« fichtigt wurde, ruft das allergrößte Interesse deS breiten Publikums hervor und kann den Andrang auch mit seinen vier Schaltern nicht entsprechen. Die Postverwaltung will sich nun mit dieser Neuerung der ganzen Republik gegenüber rühmen. Am 26. d. M. begibt sich di« Autopost auf ihre erste Tournee nach Hebung 6er Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Samstag-Ziehung der V. Klasse der 37. tschechoslowakischen Klassen« lotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: 20.000 Kö die Lose Nr. 71.794, 102.302. 10.000 Kö die Lose Nr. 11.232, 12.372, 168.814, 5000 Kö die Lose Nr. 2531, 9237, 15.765, 30.371, 52.348, 54.392, 55.978, 59.072, 70.787, 73.639, 84.500, 94.409, 95.623. 2000«ö die Lose Nr. 4088, 9332, 13.307, 13.469, 21.964, 26.940, 27.585, 29.618, 30.915, 35.458, 36.234, 36.618, 37.226, 38.337, 40.204, 44.211, 44.843, 48.816, 50.215, 54.186, 57.351, 61.614, 62.299, 65.104, 65.500, 67.589, 67.962, 68.142, 70.773, 71.908, 73342, 75.499, 76.266, 77.231, 78.363s 78.388, 79.615, 80.077, 80.157, 82.131, 82.289, 85.150, 86.757, 87.649, 88.489, 91309, 97.756, 98.656, 99355, 100.744, 106.100, 107.609, 108.945, 109.991, 110.435, 112.867, 114.114, 115.783, 116395 usw. Pardubitz, am 28. d. M. wird fie in Brünn tätig sein, ab 80. Oktober wird fie auf der ganzstaatlichen Postmarkenausstellung den Bewirb aufnehmen, wo fie bis zum 2. November verbleibt. Die breiteste Straße der Wett. In Buenos Aires ist der Bau der breitesten Fahrstraße der Welt in Angriff genommen worden. Es handelt sich um den Durchbruch einer großen AuSfallsstratze für din Ueberlandverkehr auS der argenttnischen Hauptstadt, und die zuständigen Stellen des Verkehrsministeriums waren der Meinung, daß diese Sttaße, die offenbar für die Ewigkeit gebaut wftd, nicht weniger als 150 Meter breit sein müßte. Bettrhr-uachricht der Staatsbahndirektion Prag. Der Personenverkehr auf den Sftecken der tschechoslowakischen Staatsbahnen am Mittwoch, den 27., und Donnerstag, den 28. Oktober 1987. Mittwoch, den 27. Oktober 1937, fährt auf der Strecke Prag- Masarykbahnhof—Uvaly der Personenzug 22 ab Prag Masarykbahnhof 14.06 Uhr nicht. Außerfahrplanmäßig fährt der Personenzug 1222 Prag- Masarykbahnhof—Uvaly ab Prag Masarykbahnhof 13.80 Uhr, der in allen Stationen hält. Donnerstag, den 28. Oktober, verkehren auf der Strecke Prag—Ceskä Tkebova die an Arbeitstagen fahrenden Züge nicht. Der Personenzug 2218 Prag—Cestz Brod fährt um 5.25 Uhr ab, Ankunft Hrabovka 6.29 Uhr. Auf der Sftecke Prag—Ceskä Velenice verkehrt der Personenzug 1634 ab Prag-Wilsonbahnhof 6.80 Uhr. Der Personenzug 1619 fährt von Mezimosti— Veseli n. L. um 16.54 Uhr ab. schließt in Tabor an den Zug 925 an und ftifft in Prag-Wilsonbahnhof um 20.16 Uhr ein. Dft übrigen an Wochentagen verkehrenden Züge enffallen. Auf den übrigen Sftecken der Staatsbahndirektion Prag verkehren die Züge nach dem Fahrplan. Die an Wochentagen verkehrenden Züge enffallen. Nähere Anformattonen erteilen sämtliche Eisenbahnämter. Schlechte W«ttera«rfichten. In Westeuropa, wohin eine tiefe ozeanische Störung vorgedrungen ist, hat sich das Wetter erheblich verschlechtert. In Frankreich und im Rheinland fällt bei starkem Südwest- und Südwind Regen. Auch bei uns macht sich bereits die Störung mit einem andauernden Sinken des Luftdruckes und mit Auffttschen des Windes geltend. Es ist zu erwarten, daß sich das Wetter bei uns in den nächsten Tagen ziemlich unbeständig gestalten wird.— Wahrscheinliches Wetter S o n n t a g: In Böhmen Vom Südwesten her weitere Zunahme der Bewölkung und der Regenneigung, mild, Süd- bis Südwestwind. In den übrigen Ländern noch trocken und ziemlich warm, Süd- bis Südwestwind.— Wetteraussichten für Montag: Wechselnd bis ziemlich bewölkt, zeitweise Regenfälle, auffrischender SiüUvest- bis Südwind. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen» Montag Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse. 11.35: Dvokäk: Aus„Rusalka". 12.10: Opernchöre. 12.35: Muziks Salonquartett: Fuöik, Nedbal etc. 14.05: Deuffche Sendung: Dr. Schenk: Der Sinn volks- wirffchaftlicher Fortbildung. 18.10: Deuffche Sendung: Dr. Clary und Aldringen: Ersatz und Wei- tersührung des Hilfswerkes: Milch fürs Kind. 18.20: Ritter: Berufskrankheiten des Privatangestelltenstan« deS. 18.35: Dr. Eger?Neues vom Deutschen Theater in Prag. 18.45: Deuffche Presse. 20.50: Nüväk: Herbstsymphonie. 22.40: Deuffche Presse.— Prag, Sender II: 11.00: Schallplatten. 14.20: Deutsche Sendung: Redakteur Walter: Ueber den Wert der Puppenspiele. 14.85: Schallptztten. 14.55: Deutsche Presse.— Brünn: 15.30: Rundfunkorchesterkonzcrt. 17.40: Deutsche Sendung: Juritsch: Oesterreichische und andere Dichter.— Prrßburg: 17.40: Slowakische Volkslieder.— Kaschau: 19.85: Populäre Musik.— Mähr.-Ostrau: 18:10-. Deutsch« Arbei. tersendung: Besetz: Was ist Geld,— Otk: Der Tod der Königin Christine. Dienstag Prag, Sander 1:10.05: Deuffche Presse. 10.15: Deuffche Sendung: Für die Frau. 10.30: Schall« Plattenkonzert. 11.05: Rundfunk für deuffche Schulen. höhere Stufen. 12.35: Schallplattenkonzert: Dvokäk, Smetana etc. 14.00: Deuffche Sendung: Dr. Maras: Aus dem tschechoslowakischen Kulturleben. 17.80: Tschechische Lieder. 18.10: Deuffche Sendung: Kleines Solistenkonzert, Kompositionen von Mozart. 18.45: Deuffche Press«. 18.55: Au» dem deuffchen Kulturleben. 20.10: Gesangskonzert. 21.20: Zweiter W aus der„Verkauften Braut". 22.15: Jazzorchester.— Prag, Send« II: 11.00: Schallptztten. 14.20: Deutsche Sendung: Lehmann: Kretzbich, ein Bahnbrecher des böhmischen GlaShan« delS. 14.85: Blechquintett. 14.55: Deutsche Nachri ch- ftn. 18.10: Salonorchester.— Brünn: 17.40: Deuffche Lrbriterfeudnng, Sozialinformattoncn,— Schrämet: Aktuelle Probleme unserer Zett.— Preßburg: 17.80: Kammermusik.— Kascha«: 15.80: Populäre Musik.— Mähr.-Ostrau: 17.30: Roväk: Tschechische Lieder aus der Bollspoesie, Nr 251 Sonntag, 24. Oktober 1937 Seite 5, Mozart und s< Zum 150. Jahrestug de Es war die Tragik Mozarts, zwischen einer niedergehenden und aussteigenden Klasse wirken zu müssen. Mr er di« Ketten zerriß, die ihn an den Salzburger Erzbischof banden, wurde er drückende Erniedrigungen los, um viele neue Demütigungen emzutauschen- Er hatte in den Wiener Salons zu antichambrieren, mutzte die Gulden auflesen, die man ihm da herablassend zuwarf, und eine feste Anstellung wurde ihm bis zu seinem Lebensende verweigert. Er, der Bürgersohn, Vertreter eines nach in« dividuellem Ausdruck ringenden Stils, wurde verpflichtet, fein geschliffene Gesellschaftsmusik zu schreiben, mutzte eine Rokokowelt verklären, der die Sanskulotten in Paris bald ein Ende setzen sollten, lind je mehr fich Mozart diesem Zwang entledigt, an Stelle klingenden Spiels Vergeistigung, aufwühlende Seelenbekenntnisse setzt, desto größer ist das Elend, das er gewinnt. Erschütternd sind die zahllosen Briefe, die er an seinen Logenbruder, den Kaufmann Puchberg, richtet, und in denen er immer wieder demütig um Gelddarlehen bittet. Wien hat diesen Mann vorzeitig inS Grab gebracht. Unb das, was diese Gesellschaft von adligen Schmarotzern und getretenen Kleinbürgern für Mozart eigentlich empfand, konnte nicht zynischer und verständnisloser zum Ausdruck kommen als 1791, da man den Lüjih^igen zur ewigen Ruhe bettete. Er wurde in einem Armen- grab verscharrt, und bis heute ist sein« genaue Begräbnisstätte unbekannt geblicken. » Die bürgerliche Musik war, als Mozart auf den Plan trat, bereits eine Realität. In Frankreich hatte der dritte Stand, der gegen die erstarrte höfisch- grohbürgerliche Gesellschaft im Kampfe stand, auch Front gegen die Opera seria gemacht,'in der mit pompösem Apparat, Primadonnen und Kastrsttrst die höfische Wirklichkest nochmals auf der Bühne abrollte. Er bekannte sich zu der von Italienern geprägten Opera buffa, die bürgerliche! Leben und Fühlen lÄendig und prickelnd widerspiegelt«, und stellte in der Optra comique eine französisch« Abart dieses Typs auf, die dann weiter auf Deutschland«inwirkt« und zur Bildung des kleinbürgerlichen Singspiels Anlaß gab. Deutsche Musiker waren dagegen beschäftigt, die bürgerliche Jnstrumentalform zu prägen, und die Energien, die aus Mangel an bürger- lichen Theatern auf Operngebiet brachlagen, schosst» hier in die Höhe. In der aus bescheidenen Anfängen entstehenden Sinfonie erhielten die öffentlichen Bürgerkonzerte das entsprechende Jnstrumen» talftück, in der Klaviersonate, dem Streichquartett und dem Liede bekam das Bürgerhaus die verlangten Kleinformen. Der ganze Stil der Musik hatte fich verändert. Vorbei war es mit der drückenden, kontrapunktischen Gebundenheit.... Ueberall erkämpfte sirh-der..Bürger das Recht auf eigenen, individuellen GefühlSauS- druck. In den Stücken häufen sich die Spannungen, die fich schmerzlich, tränenreich und in der Zeitnähe der französischen Revolution kämpferisch, heroisch entladen. Zuerst waren eS nach Mannheim verschlagene Komponisten— unter ihnen Böhmen—, die in ihrem mit Seufzern und Vorhalten, besetzten , Sinfonien gärendem Erleben Ausdruck gaben. Earl Philipp Emanuel Bach, der moderne Sohn des großen KontvapunftikerS, gab in scharfen Dissonanzen aufwühlende Seelenbekenntniffe, sein Bruder, der Londoner Johann Christian, schrieb weich, verhalten, Stücke elegischen, ja sentimentalen Gefühls« auSdruckeS. Die Oesterreicher, die Monn, Wagenseil, waren biedere Leut«, die Einfachheit, VolkStüm- lichkeit und Anmut zusammenbanden. Dann kam, von denselben Quellen genährt, Haydn, der diese Ge- fühlSinhalt« themafisch vertiefte und Sinfonien schrieb, die in Paris und London begeistert gespielt wurden und dann nach Wien kamen. Mozart findet ein Erbe vor. Er gibt fich willig den verschstdensten Einflüssen hin, um mit quellender Melodik seelenvoll, nachdenklich die vorliegenden Formen zu erfüllen. Dann trifft ihn Sturm und Drang, die individuellen Kontraste mehren sich, die weichen Melodien werden von scharfem, schneidendem Tonspiel abgelöst. Mitten in den friedfertigsten Werken stehen plötzlich Ausbrüche eines jähen Temperaments, Zeugnis davon ablegend, daß ihm die alt« Einheit verloren gegangen ist. Auch der Opernkomponist Mozart hatte sich mit den vorhandenen Typen auseinanderzusetzen. In seiner Zeit wurden diese noch um eine neue vermehrt, Um daS Musikdrama Glucks, in dem dem Bürgertum gegen die höfische Opera seria eine ernst« Oper eigenen GeprägeS erstand. Staat höfischer Intrigen wurden hier einfache, erhabene Begebenheiten. geschildert, Musik gab in edlen Linien großen Gefühlen Ausdruck. Auch Mozart stand kein Bürgertheatet zur Verfügung. Es gab einige wandernde Schauspielergruppen, die hier und da ihre Zelte aufschlugen, einige Zeit mit mehr oder weniger Erfolg in Wien blieben, um Dramen oder Zaubetpossen aufzuführen. Da Mozart nicht wie Gluck nach Paris gehen wollte, wußte er den Kampf um höfische Protektion und Aufträge aufnehmen und auf vorhandenen Vorlagen Werke schreiben, die tn der ttalienischen Sprache, der GesellscyaftSsprache der Opera seria, konzipiert worin. Mozarts Opernideal war auch ein anderes als das von Gluck. Er war zu sehr Musiker, um fich zu dem Grundsatz Glucks bekennen zu könne», baß die Musik auf die Aufgabe beschränkt werden Müsse,»durch ihren Ausdruck der Poesie zu diene», ohne die Handlung zu mrterbrechen oder mit unnützem Ueberslutz an Ornamentik abzutühlen". Mozart beschränkte nicht die Musik, er tauchte^ die Texte in Musik. Er konnte in jedem Sfil schreiben, Opera buffa, Singspiele komponieren, und hat auch der Opera seria in höfischem Auftrage Farbe üne Zeit i„Don Giovanni“ von Dr. Bert Lenth geben müssen. Alle Stile hat er durchkomponiert, ohne neue Formen zu finden, und hat ihnen doch di« höchste Ausdruckskraft abgewinnen können. Er übernahm die alten Formen, um sie zu verttefen, um aus ihnen höchstlebendige Charaktermusik zu schlagen. Das war gerade der Beitrag, den Mozart der bürgerlichen Kunst seinerzeit gab. Er wird zum Chqrcckterdarsteller von shakespearischer Ldbewngkeit und Leuchtkraft. DaS Bürgertum wollte daS Erleben des Individuums in Musik umgesetzt wissen. Mozart -tat eS. Mozart ließ sich von den Texten anregen, schöpfte sie nach jeder Seite musikalisch auS, schürfte in die Tiefe, legte seelische Details bloß. Die Figur W. A. Mozart nach einem zeitgenössischen Stich, gezeichnet von E. Arnold M ö r i k e(Mozart auf der Reise nach Prag): „Man hat hier ein älteres kleines Profilbild im Auge, das. gut gezeichnet und gestochen, sieh auf dem Titelblatt eines Mozartschen Klavierwerks befindet. unstreitig das ähnlichste von allen auch neuerdings im Kunsthandel erschienenen Porträts“ wird gestaltet, erhält durch die Musik volles Leben, sie wird gegen andere gestellt, denen ebenfalls tiefste Charafteristik mitgegeben ist. Meisterhaft ist dann die musikalische Verknüpfung und Verzahnung in der gegensätzlichen Mion der. im Ensemble.zusammentreffenden. Gestalten, Wie die Musik-lebt, leuchtet, psychologisch deutet, wie sie bei dem Trubel der Geschehnisse jede individuelle Eigenart erfaßt,— daS ist höchste Kunst eines Musikers, der nach den bürgerlichen Anschauungen der Zeit den Menschen und das Menschliche studiert hat. Es gab eine Stadt in dem damaligen Oesterreich, die Mozarts Arbeit zu schätzen wußte. Das war Prag, wo vor einem fortschrittlichen und begeisterungsfähigen Publikum eine der italienischen Opern Mozarts zur Uraufführung gelangt«:»Don Giovanni", dessen 180. Jahrestag wir am 20. Oktober feiern. Mozart und Lorenzo da Ponte, die beide bei der Umformung des Revolutionsstücks von Beaumarchais in ein Opernlibretto«ine glückliche Arbeitsgemeinschaft eingegangen waren, zeichneten auch gemeinsam als Autoren des neuen Werks. Wieder hob fich der Vorhang vor einem Stück, das«inen gesellschaftS- kritischen Inhalt hatte. Don Giovanni— er ist nicht nur ein beliebiger Schürzenjäger, der fün Spiel vor irgendwelchen mystischen Mächten verliert. In ihm lebt«ine ganze Herrenklasse von gewissenlosen Verführern, ausschweifenden Höflingen, deren Jagd auf Bettgenossinnen keine Schranke vor Gesetz und Recht fand. Bürger- und BauernmA>chen waren FreiwiG, das, in die Fänge geraten, rücksichtslos preisgrgeben wurde. Das war Wirklichkeit, kein Theaterspiel, an Dutzenden von Höfen erprobt. Und daS Bürgertum, das Opfer brachte, mußte di« Moral betonen, um mit ihr den Kampf gegen die entwürdigenden Zustände zu führen. Don Giovanni,— der amoralische Anhänger von Gesetzeswillkür, soweit er sie prägen durfte, fällt vor der endfiegenden Ge« rechttgkett, die der Bürger so sehnsüchtig auch außerhalb des Theaters herbeiwünschte. Man sah hier symbolisch, etwas verzogen, unscharf, den Sturz der alten Welt. Dem adligen Don Giovanni stehen zwei ge- kräntte StandeSgenossen— gekränkt darüber, daß auch ihre Sphäre nicht verschont bleibt— und Bürger- und Bolkstypen gegenüber. Der Diener Leporello, in dem zwischen Späßen das bürgerliche Gewissen zum Durchbruch" gelangt, darf seinem Herrn sagen:.DaS Leben, das Ihr führt, ist daS eines Schurken." Und der Bauer Masetto, dessen Braut Zerline von Giovanni umgarnt wird, kennt sein« Edelleute. Der leichtgläubigen Zerline, die ihn mit den Worten:»Was kannst Du fürchten? Bin ich doch in. den Händen eines Edlen?" beruhigen will, gibt er trocken zur Antwort:»Eben deshalb I" So rankt sich um die Hauptfiguren ein Spiel, in dem soziale Gegensätze scharf hervortreten, immer gegenwärtig find, im Dunkefti lauem. Wunderbar ist, war Mozart aus den verschiedenen Typen, die er flassemnäßig gebunden sieht,, macht, wie er ihnen musikalisch nachspürt. Meisterhaft— wie er die vornehm Gekränfte, die Donna Anna, zeichnet, dann das leidend«, verlassen«, leiden» schaftdurchglühtr Bürgermädchen Elvira und die unverbildete, gesunde Bauemdim Zerline. Die Musik sprüht ritterlich, individuell bewegt, bäurisch schwerfällig. Sie ist düster, leiderfüllt, glüht, lockt. Die Figuren erhaltm Leben durch sie, werd«! zu scharfprofilierten Wesen. Starck ist der Drang nach Realismus, darnach, das Wesentliche zu finden, zu verknüpfen und aufeinander zu beziehen. DaS Agieren Don Giovannis— lasterhaft, dämonisch— begleitet eine Tonsprache voll treffender, glühender, kalter, tändelnder Farbnuancen. Leporello— getretene Kreatur, gezwungener Augenzeuge aller Schandtaten— steht in seinem Freiheitsdrang, seiner Zag» hastigkett und seiner geschwätzigen Passivität vor uns, keine Opera-buffa-Figur mehr, sondern ein selbständiger, iiüstvidueller Charakter. Und Masetto, tölpelhaft, trotzig, voller«Leid hört grimmig tänzelnde, flatterhafte Cavaleria-Tonfetzen um sich. Und nun-kommt diese ganze Welt bei Don Giovanni zu einem improvisierten Fest zusammen. Den eintreten- den Masken wird bedeutet, hier gilt kein Name, Rang noch Ansehen. Man dankt für die Großmut, die Freiheit gewährt- Zweideuttg wird ein.Hoch auf.düe" Freiheit ausgebracht/ in da- später ein pfiffiges Publikum mitunter einfiel. Dann beginnt "der Tanz: Drei Orchester stehen berett. Für die "Vornehmen spielt-eine gut besetzte HauSkapelle, wie sie Wiener Aristokraten unterhalten. Lässig spreizt man sich zum Menuett. Für die anderen Besucher genügen zwei Bauemorchester. Nach der Contre- danse-Melodie des einm tanzen Giovanni mit Zerline,: der adlige Verführer mit seinem ländlichen Opfer,— die andere streicht derbe Dorfmuistk. Und so geht die Ausdeutung, Kombinierung, Ziselierung von SituattonS- und Charakterzügen durch das ganze Stück, wird weiter getrieben bis zum Schluß, den das Orchester wild, höhnisch, tief erregt herausstellt. Eine Musil von schneidender, harter Deutlichkeitl * Prag hatte ein Ohr für dieser bürgerliche Charakterstück i ersten Ranges, für dieses Drama voller Leuchtkraft. Es sah hinter dem bunten Spiel die nackte Wirklichkeit und sparte nicht mit Beifall.. Doch Mozart mußte nach dem galanten Wien zurück, das ihn nicht verstehen wollte und konnte. Hier ging das Stück ein halbes Jahr später über di« Bretter, erfuhr kalte Wlehmmg, hinterließ keinen Eindruck. Der Komponist wurde düpiert, da er mehr zu geben wagte als eine sinnlich-quecksilbrige Flächenmusik. Bier Jahre mußte Mozart noch Enttäuschungen, bittere- Leid auskosten. Vier Jahre, in denen noch manches koschare Werk und manche höfische Gelegen- I heitskomposition entstand. Er schloß mit einem reinen Vermächtnis, der auf deutschem Texte komponierten.Zauberflöte", in der der vom Tode Gezeichnete für Menschenliebe und Humanität plädiert. In einer Freimaurerrede nach seinem Tode heißt«S:„Er war ein eifriger Anhänger unseres Ordens; Liebe für seine Brüder, Verträglichkeit, Wohltätigkeit, waren Hauptzüge seines Charakters nur..Schätze fchltrn ihm, um. nach, seurem Herzen 'Hunderte glücklich zumachen..." Die Armen, bei denen er Ruh« fand, gedenken seiner in Ehren. (Instand, Die Herreu Franco-Spaniens London. Eine englische Journalistin, die sich in Salamanca aufgehalten hat, berichtet im .Daily Expreß", in welcher Weise die Deuffchen und Italiener sich des Rebellengebiets bemächtigt haben. Sie schreibt:»Deutsche und italienische Flaggen wehen vom einen bis zum andern Ende des Rebellengebiets. Di« Hotels, Bars und Restaurants von Salamanca sind mit Hakenkreuzfahnen und mit den Farben des Hauses Savoya behängt. Die Geschäfte verkünden„Man spricht deutsch" und von vielen Mauern ruft die Inschrift»Evvivva il Duce!" ES ist schwer, in den großen Hotels Platz zu finden. Die Mehrzahl der Zimmer ist von Deuffchen besetzt, dir obere Etage des ersten Hotels ist dem deutschen Generalstab Vorbehalten, der von der Guardia civile beschützt wird." In bezug auf die militärische Lage ist„ie Engländerin der Ansicht, daß die italienischen Kräfte für Franco unentbehrlich sind. Es sind die Deuffchen und Italiener gewesen, die den eisernen Gürtel um Bilbao zerbrochen haben. Und es sind drei reguläre italienffche Divisionen, die jetzt den Feldzug im Norden führen. Dann schreibt die Repoäerin:„Die Deuffchen haben ihr eigenes Propagandabüro und ihr Einfluß zeigt sich auch darin, daß mehrere Schriftsteller» die sich früher gegen den Faschismus gewandt hatten, aus dem Rebellengebiet ausgewiesen worden sind.— Es ist kein Zweffel, daß dem Lande ein Faschistenregime aufgezwungen werden soll, das antiliberal, antidemokrattsch und anttparlamentarisch sein soll. Alle, die gegenteiliger Meinung sind, werden eingekerkert, eine Denunziation genügt dazu." Mussolini will sich von Belgien erst bitten lassen. Londoner Meldungen zufolge ist Mussolini von seiner ursprünglichen Absicht» dem Beispiel Deutschlands zu folgen und die Unabhängigkeit und Integrität BelgienSzu garantieren, abgekommen. Er würde Erflärungen dieser Art, obzwar sie von Deutschland gern« gesehen würden, nur dann geben, wenn sie von Belgien verlangt würden. Kriegsbrot in Rorditalien London.(E.-B.) Mittels eines Dekrets deS Präfekten von Mailand ist der Beimischungszwang von Mais ins Brotmehl verfügt worden. Im November wird das Brot zu 80 Prozent auS Maismehl sein, nachher zu 10 Prozent. Norditalien wird also richtiges Kriegsbrot erhalten. MiM mH WM Kolonien und Rohstoffe (SB. H.) Auf Hitlers Forderung.Wir müssen Kolonien haben" hat die Rohstoffkommission des Völkerbundes eine rein sachliche Antwort erteilt. lieber die Rohstoffschwierigketten gewisser Länder, heißt es in dem Bericht, bei der Prüfung des Rohstoffproblems sei die Frage aufgetaucht, inwieweit die Schwierigkeiten gewisser Länder nicht eine Folge ihrer Finanz-, Wirtschafts- oder Rüstungspolitik sind. Für solche Staaten wären diese Schwierigkeiten geringer, wenn sie ihre Hilfsquellen für produktive Zwecke verwenden würden ES verstehe sich ferner von selbst, daß die Kapitalbewegung, deren gewisse Länder bedürfen, ein ernstes Hindernis in der Furcht finde, daß die geliehenen Kapita-' lien zunichtfriedlichenZweckenver- wendet werden könnten— In verschiedenen Teilen der öffentlichen Meinung sei die Ansicht verbreitet gewesen, daß daS Rohstoffproblem im wesentlichen ein Kolonialproblem sei. Demgegenüber stellt der Bericht fest, daß die meisten Rohstoffe ausschließlich oder zum größten Teil von unabhängigen Staaten stammen. Es gibt nur drei typische Kolonialrohstoffe, d. h. solche, die ausschließlich aus Kolonialgebieten stammen, nämlich Gummi, Palmöl und Kopra. Unter diesen spielr nur das Gummi fiir alle Industriestaaten eine große Rolle, während die änderen beiden Kolonialrohstoffe durch eine große Anzahl pflanzlicher Fette ersetzt werden können. Zinn, das in Kolö- nialgchieten. stsi. W.exkhjß„'.vMiMenist, kann nicht als ausschließlicher Kolonialrohstoff bezeichnet werden. Wenn gegenwärtig verschiedentlich Schwierigkeiten in der Beschaffung von Rohstoffen in genügenden Mengen sich einstellen, was wiederum zu dem Ruf nach Kolonien führt, so ist dies die Folge verschiedener handelspolitischer Maßnahmen, wie der Ausfuhrzölle und der bevorzugten Behandlung des Mutterlandes. Die einzige allgemeine und permanente Lösung des Problems der kommerziellen Zugänglichkeit der Rohstoffe— sagt der Bericht— besteht in der größtmöglichsten Wiederherstellung des internattonalen Warenaustausches. Die Schwierigkeiten in der Versorgung mit gewissen Rohstoffen sind vor allem auch infolge der erhöhten R ü- stungsausgaben größer geworden; dies gill auch fiir Länder, die über genügend Devisenvorräte verfügen, für Länder mit kleinen Devisenreserven fft die Lage naturgemäß weit unbefriedigender. Wenn sie ihre beschränkten Devisenvorräte in erster Linie für Rüstungszwecke verwenden, so kann tatsächlich der Erwerb von Rohstoffen für den normalen industriellen Gebrauch recht schwierig werden. Die Rohstoffkommission kommt zu dem Schluß, daß parallel laufend; Aktionen polittscher, wirtschaftlicher und finanzieller Art nötig sind, um den Welthandel wie« derherzustellen und in Verbindung mit dem Rohstoffproblem eine Konferenz der wichtigsten Kolonialmächte und Rohstoffländer, sowie der am Rohswfsverbrauch am meisten interessierten Länder zweckmäßig erscheine. Der Zeitpunkt für eine derartige Konferenz ist freilich vorläufig nicht gegeben. ES wird rattonalisierl. Die gesamte ffchecho- flowakische Zellulose-Industrie führt zur Zeit eine gänzliche Modernisierung der Maschinenanlagen durch. Allein in dem Rosenberger Betrieb der Solo A.-G. werden zu diesem Zweck mehrere Millionen XL investiert. Zunahme der selbständigen Gewerbe. Im zweiten Vierteljahr 1837 wurden im gesamten Staatsgebiet im ganzen 7142 neue Gewerbe angemeldet. Den größten Zuwachs verzeichnet der HandelÄammersprengel Prag mtt 1526 Gewerben. Gelenken und Gliedern, Kopf» schmerzen und bei Erkältungen. Haben Sie Vertrauen zu logal. Ein Versuch Oberzeugt. Viele Xrztegutachten. In allen Apotheken erhfilt). K£12*- u. 27'R. Eritc 8 „Sozialdemokrat Sonntag, 24. Oktober 1937. Nr. 251 Prager Lebensmittelmärkte Gemüse. Kartoffel: Blauaugen find auf 90 Heller gestiegen, gewöhnliche kosten E>0 bis 70 Heller, la Kipfel 1.20 XL, Fisolenschoten um 8 XL teuerer (5 bis 10 KL). Erbsenschoten 4 bis 6 KL. Tomaten um 1 X£ teurer(2.50 bis 8.50 KC), Petersilie stieg um 70 Heller(1.50 bis 8.50 Xi). Obst. Afrikanische Orangen 1 bis 2 KL per Stück, auf einzelnen Stellen sind noch Heidelbeeren um 5 bis 6 XL. Schwämme. Frische Pilze um 8 XL auf 10 bis 20 Xi gestiegen. Fleisch. Rindfleisch, vorderes mit Zuwaage 9 bis 14 Xi, hinteres 11 bis 17, vorderes ohne Zu» Waage 11 bis 16, hinteres 13 bis 19 XL. Lungenbraten mit Zuwaage 18 bis 20 Xi. ohne Zuwaage 20 bis 28 XL.\ Schweinefleisch, vorderes mit Zuwaage 9 bis 12 Xi, hinteres 12 bis 16 Xi, vorderes ohne Zuwaage 11 bis 14, hinteres 14 bis 20 Xi. Kalbfleisch, vorderes mit Zuwaage 7 bis 10 Xi, hinteres 11 bis 14, vorderes ohne Zuwaage 9 bis 12, hinteres 14 bis 22 Xi. Schistssenfleisch, vorderes mit Zuwaage 8 bis 11 Xi, hinteres 10 bis 14, vorderes ohne Zuwaage 10. bis 13, hinteres 12 dis 16 Xi. Rindszunge roh 11 bis 14 Xi, Rindsleber 8 bis. 12 Xi, Rindshirn 16 bis 18 Xi, Schweins- und Kalbshirn 18 bis 24 Xi, Selchfleisch roh, vorderes. 14 bis 18, hinteres 16 bis 18 Xi, gekocht, vorderes. 20 bis 24. hinteres 24 bis 28 Xi, geselchte RindSzunge 16 bis 18 Xi, Kuttelflecke Kilo 6 bis 7 Xi. Brrschiedene Warr. Böhmische Eier um 1 Xi auf 40 bis 43 Xi gestiegen, flowakische(Schock) 88 bis 40 Xi. „Milch für- Kind". Gestern wurde im Deutschen Hause, Zimmer Nr. 6, die Verkaufsausstellung des Hilfswerkes„Milch fürs Kind" vorbereitet. Es sind in dieser Schau die Erzeugniffe der Heimarbeiter aller sudeten- und karpathendeutschen Landschaften in reichem Matze vertreten. Da» Adlergebirge bringt Filet- und Bastwaren und Spielsachen, der Böhmerwald kunstvolle Stickereien, Elfenbein- und Holzschnitzereien, Korbflechter- und Bürstenbinderarbeiten, schmiedeeiserne Gegenstände in künstlerischer Ausführung, Keramiken, Handweben etc. Besonders schön und beachtenswert sind auch die Spitzen und Stickereien aus dem. Erzgebirge in neuen Mustern und Formen, die Perlentäschchen, Filet- und Lederhandschuhe, gedrechselte Dosen, Einlegearbeiten aus Sprudelstein und vieles andere. Nordböhmen präsentiert sich mit seinem berühmtesten Artikel, dem GlaS, mit Freundschaftsgläsern, Schüsseln, Platten, Basen, in jeder Preislage und Ausführung. Sehr beachtenswert find auch die schönen Leinen- und Wollwebarbeiten aus Mähren und Schlesien und wunderschöne Prodickte der Holzschnitzerkunft. Es empfiehlt sich, diese Ausstellung, welche bis zum 4. November geöffnet ist, zu besuchen. Studentrn-Gksuche um frei» Bahnfahrt zu de» Weihnachtsferien. Der Vireiti„Deutsche Studentenfürsorge" schreibt unS: Di« Eisenbahndirektion Prag gewährt mittellosen Hochschülern, deren Eltern nicht mehr als 7000 Xi Jahreseinkommen aufweisen und deren Heimatort über 100 Kilometer von Prag«nffernt ist, freie Bahnfahrt zum Wohnort der Eltern und zurück. Sind außer dem Gesuchsteller noch unversorgte Kinder vorhanden, so erhöht sich die bewilligte Einkommensgrenze um je 2000 Xi für jedes unversorgte Kind— bis zum 21. Lebensjahr. Die Höchstgrenze dieses Einkommens darf jedoch 14.000 XL nicht überschreiten. Die v o r g esch ri eb ene n Gesuchsformulare sind in der Kanzlei der„Deutschen Studentenfürsorge", Prag II., Krakovskä 16, zum Preise von 1 Xi erhältlich; in diesem Betrag ist der Preis für ein frankiertes Rückkuvert, das von der„Studentenfürsorge" selbst beigestellt wird, bereits enthalten. Die vollständig und gut leserlich ausgefüllten und vom zuständigen Dekanat bestätigten Formulare müffen, versehen mit einem neuen, doppelsprachigen VermögensausweiS— Form. CD 918—, bis spätestens Samstag, den 6. November 1937, 12 Uhr, in der Kanzlei der „Deuffchen Studentenfürsorge" ringe bracht werden- ES wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, datz die Staatsbahndirektion nur ordentlich und ge- nauest ausgefüllte und belegte Gesuche erledigt. Die Ziel- und Umsteigestationen sind in tschechischerSprache einzutragen. Bei Halbwaisen ist der Beruf des Vaters bzw. der Mutter, bei Vollwaisen der ehemalige Beruf des Vaters anzugeben. Absolventen haben das Datum des AÄsolu- toriums anzuführen und eine besondere Bestätigung des Dekanates, datz fie sich im Prüfungsstadium befinden, etnzubringen; die Begünstigung ist jedoch auf zwei Semester nach Erreichung des Absolutoriums beschränkt. Bei Fahrten Aber 200 Kilometern kann Schnellzug bewilligt werden. Eine versalzene Geschichte. Zu Beginn dieses Jahres wurde in Prag II, Myflikgaffe 28, die Firma „Solocentra" gegründet, die sich mit Salzlieferungen an Fleischer und Zuckerbäcker bejahte. Die Firma nahm in der letzten Zeit mehrere Bestellungen und Vorausbezahlungen entgegen,ohne die Lieferungen durchzuführen; es kam daher zu etwa 15 Strafanzeigen gegen sie, die im Verlauf der Untersuchungen zur Verhaftung des 62jährigen Kaufmannes Franz Pokorny und des 55jährigen Otto Poche, beide aus Smichow, führten. Die Beschlagnahme der Handelsbücher ergab, datz die Zahl der Geschädigten weit größer ist als 15 und datz der angerichtete Schaden ungefähr 86.000 Xi beträgt. Die Nachforschungen werden fortgesetzt und dürften zu weiteren Verhaftungen führen. Kind überfahre«. Die arbeitS- und woh« nungSlose Anna Prochäzka ging gestern vormittags mit Ihren zwei Töchterchen über den Obstmarkt, wobei sich die eine, die vierjährige Hanna, loSrih und über die Stratze lief, wo sie von einem Auto nieder- gestotzen wurde. Sie wurde vom gleichen Wagen in- deutsche Kinderspital gebracht, wo eine Gehirn- erschütterung,«in Bruch der linken Fuhes und ver schiedene Ritzwunden sestgestellt wurden. Der Wagenlenker Rudoff Betäk aus Smichow ist nach Aussage von Zeugen unschuldig am Unfall. Morphiumlieferanten verhaftet. Wie die Nachmittagsblätter meldeten, starb am Freitag der tschechische Schauspieler Franz K l o f ä i eines rätselhaften Todes, dessen Ursache— Morphium- oder Alkoholvergiftung— erst die Oeffnung der Leiche er« geben kann. Vorläufig wurden jedoch der 80jährige Rudolf Stark und die 42jährige BoZena Maxim geb. Krupka aus Holleschowitz verhaftet, denen nachgewiesen wurde, datz sie dem Schauspieler eine grö- tzere Menge Morphium gegeben hatten, die den Tod hätte herbeiführen können. Sie wurden unter dem Verdachte des Vergehens gegen di« Sicherheit des Lebens nach Pankratz eingeliefert. Xunsk und Msscn „Frühlingsluft", eine nach Strautzschen Themen und Motiven zusammengestellte Operette, gelangte gestern im Deutschen Theater neuinszeniert und neueinstudiert zur Wiederaufführung. Unter den neuzeitlichen Operettenbearbeitungen sind vor allem zwei Gattungen zu unterscheiden; die eine, die durch Restaurierung und Modernisierung ein veraltetes'Werk wieder lebensfähig zu machen versucht, und die andere, bei der die eigene Erfindungsarmut des Bearbeiters der Ent- stehungsgrund ist.„Frühlingsluft" gehört zur zweiten Gattung. Aber es mutz anerkannt werden, datz ihr Bearbeiter ErnstReitererein Musiker ist, der Stilgefühl, Geschmack und Phantasie besitzt, aber auch dem bearbeiteten Komponisten gegenüber Takt und Pietät wahrt. So ist diese„Frühlingsluft" wenigstens nicht unerquicklich und und man kann sich ohne Groll ihrer Musik freuen, die uns oft vertraut und bekannt entgegenklingt. Diese Operettenmusik verdient übrigens aus einem besonderen Grunde Beachtung; sie setzt sich aus den einst so beliebten Weisen des reichbegabten, früh verstorbenen jüngeren Bruders Josef, des berühmten Walzer- königS, zusammen, von dem und von deffen Tanzweifen heute fast niemand mehr etwas weiß. So ist ihre Auferstehung in dieser Operette auch im musikhistorrschen Sinne gutzuheitzen, selbst auf die Gefahr hin, datz nicht mehr alles so wirkt und gefällt, wie einst. Kapellmeister Fritz Rieger hatte sich hörbar bemüht, dem Werke eine stimmungsvolle und beschwingte musikalische Wiedergabe zuteff werden zu lasten. Beschwingt war auch die Regie Dr. Fr. Schramms, von dem Bestreben geleitet, die unter dem Einfluh der Frühlingsluft zu LiebeS- torheiten und Liebestollheiten verführten jungen und alten Menschen in möglichst lebendigem Reigen zu präsentieren. Die alten und jungen FrühlingS- gefangenen der Liebe wurden zum grötzten Teil ausgezeichnet gesungen und gespielt; vor allem von der temperamentvollen und därstellungSbielseittgen, aber auch gesanglich beachtlichen Ruth Kuthan, von der stimmtüchtigen Annh Coth, von der drastisch wirkenden Elisabeth Wanka. von dem eleganten Herrn Padlesak, dem fpielfteudigen Herrn Schipper und dem immer spatzbereiten Herrn Dudek. Das gut besuchte Haus gab sich mit sichtlichem Behagen dem Genuste der alten Tanzweisen und der animierten Aufführung bin und geizte nicht mit Bestall E. I. Arbeitervorstellung„Pariser Leben" am Sonntag, den 7. November, um halb 8 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten ab Dienstag täglich von 9 dis 12 und 2 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. I« einer größeren freien Gewerkschaft— Dienstort Aussig— ist die Stelle einer Korrespondentin z« besetzen. Bewerberinnen müffen folgenden Bedingungen entsprechen: Mit gutem Erfolg absolviert« Handelsschule; vollkommene Beherrschung der drnffchen und der tschechischen Sprache in Wort»nd Schrift; Fähigkeit, Neber- setznngen von einer der beiden Sprachen in dir andere druckreif her,«stelle»; Hebung in Stenographie (GabrlSbrrger)«nd Maschinenschreiben. Handschriftlich hergestellte Offerte find bi» längsten» 1. November l. I. unter der Chiffre L. B. H. an die Admini- tion deS Blattes z» richten. 4420 Toscanini wird demnächst nach London kommen, um zwei Konzerte der britischen Rundfunkgesellschaft zu dirigieren. Die Konzerte werden in der QueenS Hall stattfinden. Die Rachftagen nach Eintrittskarten betnrgen das Fünffache der Anzahl der verfügbaken Plätze. Von London begibt sich Toscanini nach New Nörk, wo er das Symphonie» Orchester einer Rundfunkgesellschaft dirigieren wird. Mozart siegt. Sämtliche bisher auf das Programm gesetzten Vorstellungen des„Don Juan" im Ständetheater sind ausverkauft. Die Direkttonskanzlei des Prager Rationaftheaters macht das Publikum darauf aufmerffam. Kartenvormeickungen für die kommenden Reprisen deS 2., 4. und 8. November im Sänpetheater bereits jetzt vorzunehmen. Wochenspielplan deS Nene« Deutschen Theaters. Sonntag, 543: Weh dem, der lügt!; 568: Arabella, A 2.—7 Montag,%7: Weh dem, der lügtl(Dheater- gem. d. Jugend, rote Karten und freier Verkauf), Ab. aufgeh.— Dienstag, 548: Frühlingslust, AI.— Mittwoch, 5X8: Die Zauberflöte, im Rahmen des Mozart-Festivals, B 2.—Donnerstag, 543: Warum lügst Du, Chirie?; 7: Die Walküre, Beginn d«S Wann. 1937/88, CI.— Freitag. 8: Acht Ruder im Takt, D.— Samstag, 7: Faust, 1. und 2. Teil, Mb. aufgeh.— Sonntag, 548: Bei Kerzenlicht; 8: Die Entführung aus dem Serail, im Rahmen der Mozart-Festivals. Marlene Dietrich in dem Lubitsch-Film„Engel". Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 8: Bei Kerzenlicht; 8: Die Reise.— Montag, 8: Gastspiel der Wiener Sängerknaben.— Dienstag, 8: Die Reis«, Bankbeamte I u. fteier Verk-— Mittwoch, 8: Parkstratze 13, Bankbeamte II u. fteier Verk.—. Donnerstag, 3: Menschen auf der Eisscholle; 8: Die Reise.— Freitag, 8 Parkstratze 13.— Samstag, 548: Das Glück, Erstaufführung.— Sonntag, 8: Die Reise, 548: Hilde und das Lotterielos, Uraufführung. Frauenorganisation Prag Montag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr, im Parteiheim, Smeiky 22/III, Frauen-Abend Vortrag der Senatorin Genossin B. Kar« piskovä:„T. G. Masaryk über di« Fran." 7 Uhr: Sitzung des Frauenbezirkskomitees. Der SKm Ein Prachtkerl Wie vor kurzem in dem Film„100.000 Dollar" spielt auch hier wieder— in einem Film, der eigentlich„Der alte Säufer" heitzt— Wallace B e e r y einen liederlichen Familienvater, der das Unglück, das er anrichtet, am Ende wieder gutmacht. Diesmal nimmt er für seinen leichstinnigen Sohn sogar den Verdacht auf sich, die eigene Frau bestohlen. zu haben, aber er holt das verloren« Geld zurück — von einem„respektablen" Verwandten, der(in der Zeit der Prohibition) Bankier für Schnapsschmuggler und ein wahrer Lump ist. während Beerv einen Mann darstellt, der bei aller Verlotterung menschlichen Wert behält. ES gibt kaum einen Schauspieler, der das so glaubhaft darftellen kann, ganz unkitschig, mit einer ungeschminkten Realistik, mit primitivem• Humor, mit gefährlicher Robustheit, wenn es um das Glück der Seinen geht, und mit kindlicher Verlegenheit, wenn er den Dank erntet. Wallace Beerys Darstellung Hilst so Wer die Unwahrscheinlichkeiten und Flachheiten des Films hinweg, und da der Film nur des Hauptdarstellers wegen gedreht wurde, braucht von den übttgen Mitwirkenden nicht die Rede zu sein, autzer vielleicht von llna Merkel, die in einer Nebenrolle ihre originelle Komik zur Geltung bringt.—eis— Engel Nach einem Stück des Ungarn Lenghel, in dem ein Ehemann beinahe'seine Frau an einen anderen verliert, hat Ernst Lubitsch einen Film gemacht, einen sehr gepflegten, mit eleganten Mitteln spannenden und pointierten, wie er von Lubiffch nicht anders zu erwarten war. Aber der Spott, den man von ihm gewöhnt ist, ist diesmal ausgeblieben. Nur in«in paar kleinen Dialogwendungen und Kammerdienerszenen kommt er zum Vorschein, aber sonst hat Lubitsch die Geschichte unverdient ernst genommen. Er hat sich damit den Trick des Autors zu eigen gemacht, der eine recht belanglose und unoriginelle Ehe. Episode durch vornehmen Aufputz intereffant machen wollte: der Ehemann, der seine Frau vernachläfsigt, wurde also zum berühmten Diplomaten gemacht, der nicht einfach seinen Geschäften nachgeht, sondern dauernd vor grotzen Genfer Entscheidungen steht, und der andre Mann, der die Frau des Diplomaten in Versuchung bringt, entpuppt sich als alter Bekannter des Ehemannes, der, da er den alten Freund zu sich einlädt, nichtsahnend für die Herbeiführung einer innerllch gespannten, äutzerlich freilich um so vornehmeren Situation sorgt. Das alles wirft parfümiert, und je eleganter die Regie sich gebärdet, um so mehr bedauert man die Dürftigkeit ihres Stoffes. Die Hauptrolle spielt Marlene Dietrich, mit einem grotzen Aufwand an Nonchalance sozusagen, aber dann wieder mit Augenblicken, in denen sie wirklich suggestiv und verführerisch wirft. Auch an ihr stört wie an dem ganzen Film eine gewiffe Ge- tragenheit, di« aus innerer Leere Stimmung schaffen möchte. Die beiden männlichen Hauptrollen find bei dem kraftvollen Frederic Marshasl und dem dezenten Melvyn Douglas gut aufgehoben, und ein paar amüsante Typen in den Nebenrollen vervollständigen den Eindruck eines Karnmerstuel- Ensemblss, da- versehentlich einen Rxitzer spielt. —ei»— Sozialvertltherungt- Brletkasten Langjähriger Genosse I. B. Wir haben bei her ZSBA. nachgeftagt und die Zusage erhaven, daß Wer Ihre Bahauptung, wonach Ihre Frau noch ani 5. Feber 1931 arbeitete, Erhebungen gepflogen werden; zutreffendenfalls wird Ihrer Frau der AuS« stattungsbeitrag nachträglich zuerkannt werden, da nach dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt jener Tag tatsächlich einzurechnen wäre und Ihre Frau mit diesem Tag dann die Wartezeit von 700 Bei- tragstagen erreicht hätte. Es wurde uns von der ZSBA mitaeteilt, datz Sie weder in Ihren Eingaben, noch bei Ihrer Vorsprach« von dem erwähnten«inzurechnenden Tag etwas verlauten ließen, sondern lediglich die Einrechnung einer nicht angemeldeten Beschäftigung?« zett verlangten. Diesem Perlang«n konnte natürlich nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht enffprochen werden.» Es geht daher zu weit, wenn Sie behaupten, daß die ZSBA„einen einmal geschriebenen Bescheid, nicht mehr abändern will, auch wenn der Arbeiter im Recht ist." Dafür, daß dem Arbeiter bei der. Behandlung der Ansuchen um Leistungen kein Unrecht geschehe, sorgen schon unsere Genosseck in den Verwaltungsorganen der Anstalt. VirtlmnududchUn LoffSsinggemeinde. Am Dienstag Probe: ab 7 Uhr Frauenchor, ab 8 Uhr gemischter Chor. Sozialistische Fugend— Kreit Prag. Dienstag, den 26. Oktober: DSAP-Heim, Be Smeikäch, 7 Uhr. Gruppe Prag II:„Lech. Literatur", DSAP-Heim, Be Smek« käch, 8 Uhr, Gruppe Prag I:„Taktik der KP", FVAl^eim. 8 Uhr. Gruppe Prag VII:„Weltpolittscher Ueberblick". — Mittwoch, den 27. Oktober: Pflichtbeteisi- gung sämtlicher Mitglieder an der um 8 Uhr im grotzen Saal des Deutschen HauseS stattfindendeu Feier zum 28. Oktober. Mtteiütng«n