Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich frLH/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern,Prag 17- Jahrgang Dienstag, 26. Oktober 1937 Aus dem Inhalt: Van Zeeland zurückgetreten Autokatastrophe bei Aussig Unmenschen hinter dem Lenkrad Die Million gezogen Prag feiert Mozart Nr. 252 Frankreich wird nicht immer Eine bedeutsame Rede des Ministerpräsidenten Chautemps Paris. Ministerpräsident Chautemps erklärte Sonntag in Chateauroux, daß die gegenwärtige Bolksftontmehrheit die einzige staatS- bildende Majorität in Frankreich sei. Falls ans irgendeinem Grunde diese Mehrheit zerfallen sollte, wäre die Bildung einer anderen, insbesondere einer Rechtsregierung nicht möglich; es müßten vielmehr Neuwahlen durchgeführt werden. Was Spanien anlangt, werde die französische Regierung ihre bisherige Politik und die vertranensvolle Zusammenarbeit mit England nachgebeni beibehalten. Es sei jedoch notwendig» betonte Ministerpräsident Chautemps, daß das Ausland wisse, daß diejenigen, welche die Verträge und ihre Verpflichtungen gewaltsam verletzten, sich nicht der Hoffnung hingeben dürfen, daß die übrigen Staaten ihnen bei ihrem gewalttätigen Vorgehen immer nach geben werden. Zum Schluffe sprach Chautemps seine Befriedigung darüber aus» daß die französische Regierung dank der Umsicht und der Autorität des Rationalverteidigungsministers imstande sei, dem Frieden alle Garantien seiner Stärke zu geben. kibbentrops römische Sendung Japan, Spanien, Palästina und— Deutschlands Kolonlalfforderungen Neuer Zwischenfall in Schanghai Schußbefehl an die britischen Truppen Schanghai. Am Sonntag wurde eine britische Patrouille an der Grenze der internationalen Konzession von japanischen Flugzeugen aus Maschinengewehren heftig beschossen. Ein britischer Wachposten wurde tödlich verletzt und starb kurz darauf im Krankenhaus. Der britische kommandierende General und der brftische Generalkonsul erhoben bei den zuständigen japanischen Stellen sofort scharfen Protest. Ganz im Gegensatz zu früheren Zwischenfällen drückten der japanische Kommandant General Sugijama und der japanische Generalkonsul den britischen Vertretern ihr lebhaftes Bedauern aus- Sofort nach Bekanntwerden dieses Zwischenfalles erhielten die britischen Truppen den Befehl, in Selbstverteidigung ftemde Flugzeuge, wann immer es notwendig sei, ohneZögern unter Feuer z» nehmen. Die britischen Truppen find zwar mit Flugabwehrgeschützen nicht ausgerüstet, es stehen ihnen aber Kanonen des Typs Lewis zur Verfügung, welche sich sehr schnell zur Bekämpfung von Flugzeugen ummontieren lassen. » Fünf japanische Flieger Haven den Bahnhof in Sikiang und die Häuser in der Umgebung bombardiert. Mehr als 200 Personen wurden bei dem Fliegerangriff getötet und 400 verwundet. Schanghai.(Reuter.) Sonntag vormittags begann die japanische Generaloffensive an der Schanghaifront. Die japanische Infanterie übt durch unablässige Angriffe einen starken Druck gegen die chinesischen Posttionen in den Abschnitten Taschang und Kiangwan aus. Aus javanischer Quelle wird behauptet, daß es den japanischen Truppen gelungen sei, im Gebiete von Kiangwan—Tatschang 100.000 chinesische Soldaten zu umzingelst. Der Sprecher der chinesischen Armee erklärte, daß die Japaner bestrebt seien, gegen den Süden vorzustoßen, um die Strecke von Tatschan nach Nanshung besetzen zu können. Gegen 100 Flugzeuge unterstützten die japanischen Angriffe und bombardieren ständig die chinesischen Positionen. Den Japanern ist eS inzwischen gelungen, bis auf drei Kilometer vor Nanschang vorzudringen. Taffchang und Umgebung befindet sich bisher in chinesischen Händen. Kritische Rundf unkpropaganda? London.(Eigenbericht.) Demnächst wird die brittsche Rundfunkgesellschaft zur Abwehr der italienischen Propaganda unter den Arabern mit Kurzwellen-Sendungen in arabischer und hebräischer Sprache zu arbeiten beginnen. Es verlautet auch, daß England sich in Südamerika nach der Möglichkeit der Aussendung von spanischen, portugiesischen, deutschen und italienischen Meldungen erkundige. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß England in allen diesen Sprachen Nachrichten ausgeben wird.„Evening Standard" schreibt, man könne das Empire nicht schutzlos der ausländischen Propaganda überlassen. Mobilisierung auf Menorca Barcelona. Meldungen aus Mahon (Insel Menorca) zufolge, die von Sonntag datiert sind, hat General Franco die Insel Menorca aufgefordert, sich zu ergeben. Alle waffenfähigen Männer der Insel von 16 bis z« 50 Jahren wurden, wie es heißt, zu ihrer Verteidigung m o- bjlisiert. Absewehrter Luftangriff auf Barcelona '. Montag um 4 Uhr 45 morgens wurde eine im Anflug gegen Barcelona befindliche Gruppe von Franco-Flugzeugen gesichtet. Regierungsjagdflugzeuge stiegen sofort auf und es kam zu einem Luftkampf, in dessen Verlaufe eine drei« motorige Maschine in der Nähe Barcelonas ab- stnrzte und verbrannte. Eine andere Franco- Maschine soll ins Meer gestürzt sein. London.(Eigenbericht.) Das als sehr italienfreundlich bekannte Pariser Blatt„L e Jour" berichtete, daß Ribbentrop die Aufgabe hatte» Mussolini die deuffchen Mindestforderungen in der Kolonialftage mitzuteilen. Deutschland fordere als Mindestprogramm Togo» Kamerun, Uanda-Urandi (jetzt zum belgischen Kongo gehörend) und die Einrichtung einer Internationalen Afrika- Gesellschaft zur gemeinsame« Erschließung des Erdteils, an der England,' Deutschland, Frankreich und Italien gleichmäßig beteiligt sein sollt». I« der spanischen Frage habe Ribbentrop Mussolini geraten, die Richtinterventionspolitik nicht auffliegrn zu lassen, vielmehr auf Zeitgewinn zu arbeiten. Mussolini fordert von Deutsch- land angeblich die Unterstützung der antibritischen Propaganda im Vorderen Orient. Deutschland lehne diese Forderung nicht ab, wünscht aber, daß Italien dem trittschen Palistinaplan ein Gegenpojekt entgegenstelle. Und zwar schlage Deutschland ein Biermächte- Mandat für Palästina vor, das England, Frankreich, Italien und Deutschland(!) die Verwaltung und die Aufstellung einer internationalen Miliz auftragen solle. Hitler soll Mussolini ferner dringen, dem deutsch-japanischen sogenannten„Anti-Komintern-Pakt" offiziell beizutreten. »Evening Standart" meldet, daß der Botschafter M a i s k i den Auftrag erhalten habe» Lord Plymouth die Einstellung der russischen Zahlungen für das Nichteinmischungs-Komitee anzukündigen. Wie die russische Botschaft erklärt, handelt es sich hier um eine Mystifikation. Offenbar werden derartige Nachrichten lanziert,«m im Sinne des neuesten italienisch-deutschen Manövers Rntzland die Berant- wortung für das Scheitern der Verhandlungen aufzubürden. London. Die Abreise Ribbentrops von Rom soll in ebenso mysteriöser Weise erfolgt sein, wie seine Ankunft, so berichtet der«Daily Telegraph". Das große Diner, das Ciano in der Billa„Madame" in Rom zu Ehren Ribbentrops gab nnd> bei welchem auch der japanische Botschafter in Berlin anwesend war, wurde nicht in der Oeffentlichkeit bekanntgegeben. Stunden nachher, nachdem Ribbentrop bereits abgeflogen war, wurde im Hotel, wo er wohnte, noch die Auskunft erteill, er sei lediglich spazieren gegangen und auch die besondere Bewachung des Hauses wurde auftechterhalten. Der Korrespondent des Blattes meldet, sicher zu wissen, daß eine Ausdehnung der Achse Rom-Berlin nach Tokio vereinbart wurde und daß nunmehr diese auch die japanischen Interessen umfaßt. Während der Anwesenheit Ribbentrops in Rom soll dem«Daily Telegraph" zufolge u. a. Uebereinstimmung erzielt worden sein über die Einzelheiten der künftigen Zusammenarbeit im Spanienausschuß und die deutsch-italienische Zusammenarbeit in Spanien in wirtschaftlicher, politischer und industrieller Hinsicht nach Beendigung des Krieges, wobei die Abgrenzung be- sttmmter Einfluß-Sphären geplant sei. Was wird in Rumänien Von unserem Bukarester Mitarbeiter Die zwei- oder dreitausend Menschen, die in Rumänien Politik machen, Berufspolitiker, Journalisten und sonstige am politischen Geschehen Interessierte sind in heller Aufregung: es steht nun endgültig fest, daß zwischen dem 8. und 15. November die Entscheidung darüber fallen wird, ob die Regierung Tatarescu zurücktritt. Auf diese eine Frage konzentriert sich im Augenblick die allgemeine Aufmerksamkeit. Was nachher kommen !wird, weiß niemand, so viele Antworten diese Frage in der Presse der verschiedenen Richtungen auch findet. Die Regierung Tatarescu tritt zurück, weil ihre Amtsdauer abgelaüfen ist. Im November des Jahres 1033 wurde die liberale Partei mit der Regierungsbildung beauftragt. Die Mandatsdauer einer rumänischen Regierung umfaßt verfassungsmäßig vier Jahre und diese vier Jahre sind eben jetzt, im November 1037 abgelaufen. Damit ist vermutlich auch die Frage beantwortet, was mit dem Parlament geschehen wird. Die Herbsttagung des Parlaments, welche am 15. Oktober hätte eröffnet werden sollen, ist um einen Monat, bis zum 15. November verschoben worden, aber sie wird an diesem Tage nicht eröffnet werden, vielmehr wird sich an diesem Tage eben die Frage der Nachfolge für das Kabinett Tatarescu stellen. Ginge es normal zu oder auch nur nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes, so müßte die Frage der Nachfolge der Wählerschaft überlassen werden. Auflösung des Parlaments, wie sie zum 15. November stattfinden soll, bedeutet gleichzeitig Ausschreibung der Neuwahlen und das Ergebnis der Neuwahlen müßte, die Zusammensetzung der folgenden Regierung bestimme«. Aber es geht nicht normal zu, es ist in diesem Sinne in Rumänien niemals normal zugeganqen. In Rumänien wurde immer eine Regierung berufen und diese Regierung hat dann die Wahlen gemacht. Und sie hat sie so gemacht, daß das Parlament eine Zusammensetzung aufwies, wie sie die betreffende Regierung eben wollte. Das innec- politische Interesse gilt also zunächst garnicht den bevorstehenden Neuwahlen, es gilt vielmehr der Regierung, welche diese Neuwahlen durchführen wird, beziehungsweffe der Partei, welche durch diese Regierung repräsentiert sein wird. Um wieder auf die„normalen Voraussetzungen" zurückzukommen: Gemeindewahlen, welche in den letzten Monaten stattgefunden haben, haben angezeigt, daß die rumänische Bauernpartei, die Nationalzaraniften, mit der cegre- rungsnachfolge zu betrauen wäre. Diese Partei hat in diesen Wahlen zwar nur den zweiten Platz errungen, aber es muß beachtet werden, daß die liberale Partei, welche den efften Platz errang, diese Wahlen eben gemacht hat, was für ihre Gegner mit bettächtlichen Schwierigkeiten bei der Wahlpropaganda sowohl, wie auch in der Ausübung des Wahlrechts verbunden ist. Und es ist weiter zu beachten, daß die liberale Partei beziehungsweise die mit der administrativen Durchführung der. Wahlen betrauten Verwaltungsbehörden im Auftrage der Zentralregierung, das heißt des Bukarester Innenministeriums, die rechtsstehenden Gegner der Nationalzaranisten, insbesondere die faschistischen Christlichnationalen, mit allen Mitteln offen, oder heimlich unterstützten. Umso höher aber ist der Erfolg der Raffonal- zaranisten einzuschätzen, als. er anzeigt, daß der demokratische Gedanke in den rumänischen Wäh« lermaffen noch immerhin ausreichend Widerhall findet, um, man muß wieder das Wort„normal" gebrauchen, unter„normalen Voraussetzungen* dem Lande für die Zukunft eine demokratische Regierung zu sichern. Ob trotz dieser Voraussetzungen die Raffo« nalzaranisten zur Regierung berufen werden, ist eine Frage, welche nicht einmal die genauesten Kenner der rumänischen Innenpolitik, und der vielfach verschlungenen Wege, die sie geht, mit Sicherheit beanttvorten können. Gegen diese Berufung erheben sich zahlreiche sichtbare und unsichtbare Kräfte, für welche zum Teile faschistische, zum Teile Gründe der persönlichen Sympathie oder Antipathie maßgebend sind. Die sichtbaren Kräfte sind wie gesagt auf der faschistischen Seite zu suchen, also im Lager der Christlichnationalen und der Eisernen Garde, welche bereits die Parole ausgegeben haben, daß eine Regierung der Ratio- nalzaranisten eine Regierung von Judenknechten Iwäre. Die unsichtbaren Kräfte sind natürlich un« Französischer Dampfer von Piratenfliegern versenkt Paris. Der französische Dampfer „O«edmella h", der auf der Fahrt von Casablanca nach Port Vendres begriffen war, wurde Sonntag um 17 Uhr 50 Meilen von Barcelona von zwei unbekannten Flugzeugen mit Bomben angegriffen und so schwer beschädigt, daß er von der Besatzung verlassen werden mußte und später unterging. Ein französischer Zerstörer nahm die Mannschaft an Bord. In Paris hat differ neue Zwischenfall große Erregung ausgelöst. Es wurde eine strenge Untersuchung angeordnet, um die Herkunft der Flugzeuge zu ermitteln. Der Kapitän des Dampfers sagte aus, daß zur kritischen Zeit zwei Wasserflugzeuge— dreimotorige Doppeldecker von dunkelgrauer Farbe — auftauchten. Er habe auf einer der Maschinen ein schwarzes Kreuz bemerkt, andere Mitglieder der Besatzung sahen jedoch ei« weißes Kreuz. Das eine Flugzeug warf zwei Bomben ab. Da der Dampfer hiebei schwer beschädigt wurde, ordnete der Kapitän an, daß die Besatzung das Schiff verlasse. Der an der Küste bei Port Vendres statt»- nierte Kontrolldienst sichtete am Sonntag zwischen 12 und 14 Uhr oberhalb der französischen Gewässer einen Hydroavion der Type„S a- v o i a". Er sichtete wohl auch zwei Flugzeuge der spanisches» Regierung, diese wiesen jedoch rote Kokarden auf und begleiteten den Dampfer„El Kantara", welcher aus Algier nach Port Vendres unterwegs war. Auch ein Boot der Kriegsmarine getroffen I Port Mahon. Ein Wasserflugzeug der spanischen Aufftändischen überflog Montag vormittags Port Fornelles im Norden der Insel Minorra und warf auf ein Drpeschrnboot der ftanzösischrn Kriegsmarine, das der Marineminister der Gesellschaft Air France zur Verfügung gestellt hatte, Bomben ab. Das Schiff, das von einer Bombe gettoffen wurde, gab auf das Wasserflugzeug Schüsse ab. Den ersten Nachrichten zufolge, hat die Boombardierung des Schiffes' keine Opfer gefordert. * Der Radiosender Marseille hat in der Nacht auf Montag gegen 1 Uhr Hilferufe des französischen Schiffes„P r o c i d a" aufgesangen, das meldete, daß es zwölf Meilen südwestlich von Bauduz durch einen„ausländischen" Kreuzer .angehalten und ihm befohlen worden sei, nach I Südosten zu fahren. Etwa eine halbe Stunde später wurde jedoch der„Procida" erlaubt, ihre I Fahrt nach Soto(Spanien) fortzn,'etzen. Leite 8 Dienstag, 26. Oktober 1937 ff Rr. 2E2\ ———9 vergleichlich schwieriger einzuschätzen, so daß es auch nur schwer möglich ist, einwandfrei festzustellen, in welchem Umfange diese heimlichen Kräfte die faschistischen Bewegungen bewußt oder unbewußt unterstützen. Das Vorhandensein solcher unsichtbaren Kräfte irgendwo auf den Kommandohöhen des rumänischen Staates geht aber aus der Haltung des früheren Ministerpräsidenten Maniu hervor, welcher zu den Nationalzara« nisten gehört und welcher sich seit einer Reihe von Jahren bereits mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit dagegen stemmt, daß solche außerhalb jeder verfassungsmäßigen Verantwortung stehenden Kräfte die politische Entwicklung.in irgend einer Weise beeinflussen. Unter solchen Umständen ist es natürlich doppelt schwer vorauszufagen, was in Rumänien kommen wird. Zu alledem tritt auch noch die Tatsache hinzu, daß man in weiten Kreisen den Wahlen mit einer gewissen Besorgnis entgegensieht. Durch die Propaganda der faschistischen Parteien ist nicht bloß ein gewaltsamer Ton, sondern auch die Gewalt selbst in das Kampfarsenal der rumänischen Parteien ausgenommen worden. Einer der maßgebenden Sprecher der christlichnationalen Partei, Goga, ein getreuer Adept Mussolinis und Hitlers, der erst in diesem Jahre ein begeisterter Gast des Nürnberger Parteitags war und auch sonst häufiger Gast in Rom und Berlin ist, hat unlängst in einet Rede ausdrücklich erklärt, daß im Arsenal seiner Partei sich auch die Gewalt befinde. Die faschistische„Eiserne Garde", die sich von den Christlichnationalen nur durch die Farbe der Hemden ihrer Mitglieder unterscheidet— die Christlichnationalen bevorzugen die blaue, die Eiserne Garde die grüne Farbe— hat ihre Mitteilung, sie werde an den Wahlen teilnehmen, mit der Mitteilung verbunden, daß ihre Propaganda sich wohl in legalem Rahmen halten werde, daß sie aber„Provokationen entsprechend beantworten" werde. Diese in aller Oeffentlichkeit gemachten Aeutzerungen der Faschisten finden ein Gegenstück in einer Aeußerung eines der maßgebenden Männer der Nationalzaranisten, welcher sagte: „Die Partei warte die Ereignisse mit der Kelle in der einen, mit dem Säbel in der anderen Hand ab." Das aber heißt nichts anderes, als daß die nationalzaranistische Partei bereit ist, als regierende Partei aufbauend zu wirken, daß sie aber auch bereit ist, zu kämpfen, wenn ihr durch das Ergebnis der Gemeindewahlen begründeter Anspruch zur Uebernahme der Regierung unberücksichtigt bleiben sollte. Aus diesem ungemein gereizten Ton der öffentlichen Diskussion ergibt sich mit vollster Klarheit, um was es im Grunde genommen geht: es geht darum, ob Rumänien wenigstens in dem Umfange, in welchem es dies bisher war, ein demokratischer, verfassungsmäßig regierter Staat bleibt, oder ob Rumänien faschistisch wird..—'; Es ist nicht ausgeschlossen, daß angesichts dieser Alternative, welche natürlich nicht bloß innenpolitische, sondern auch außenpolitische Ausblicke ganz neuer Art eröffnet, die Ueberlegun- gen, wer nun wirklich mit der Regierungsbildung beauftragt werden soll, noch eine Zeitlang dauern werden. Es ist vollkommen zwecklos, alle Möglichkeiten aufzuzählen, welche in diesem Zusammenhangs erwogen werden. Das einzig sichtbare Ziel dieser Erwägungen ist, festzustellen, ob die Nationalzaranisten tatsächlich nicht auszuschalten sind, ferner ob es möglich ist, die Nationalzaranisten in Verbindung mit anderen Parteien zur Regierung zu berufen u. zw. gerade mit Parteien, welche aus Gründen des Opportunismus sich von ihr losgelöst haben und sie auch heute noch mit der Erbitterung von Renegaten bekämpfen. Es ist selbstverständlich, daß die Nationalzaranisten eine derartige Lösungsmöglichkeit unbedingt zurückweisen. Sollten jene Erwägungen jedoch zum Ergebnis führen, daß eine Berufung der Rational- zaranisten nicht unumgänglich ist, daß aber außenpolitische Erwägungen einen Uebergang Paris. Der Preffedienst der spanischen Gesandtschaft erfährt aus sicherer Quelle, daß der Torpedoangriff auf den britischen Zerstörer„B a- s i lis k" am 4. d. M. von dem deutschen U-Boot „U 24" ausgeführt wurde. Das U-Boot^ dessen Kommandant Leutnant Bendemann war, scheint durch die sofort abgeworfenen Tiefbomben des Zerstörers'versenkt worden zu sein, denn seit jenem Tage hat es kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Am 12. Oktober wurden dir Angehörige« der U-Bootbesatzung benachrichtigt, daß das U» Boot„während eines Manövers" gesunken und die gesamte Besatzung«mgekommen sei. Zugleich wurde unter Airdrohung der schwersten Strafen Rücktritt van Zeelands de Man beim König London.(Eigenbericht.) Der belgische Ministerpräsident PaulvanZeeland, der sich nach den letzten stürmischen Parlamentssitzungen zu einem Kuraufenthalt nach Frankreich begeben hatte, ist nach Brüssel zurückg:kehrt und hat gleich darauf seine Demission eingcreicht. Den Hintergrund der Demission bilden die Anklagen, die gegen van Zeeland wegen seiner frü- heren Tätigkeit als Nationalbank-Gouverneur erhoben wurden. Größere Wechselkrrdite» die zwei Banken gewährt worden waren(an denen übrigens anch der bekannte Barmat beteiligt ist), haben sich als«neinlösbar erwiesen. Der Selbstmord eines Direktor- des Bankhauses Gold- z i e h e r und P e n s e» des pensionierten Generals E t i e n n e, ist der unmittelbare Anlaß zum Rücktritt van Zeelands gewesen. Dem Gouverneur der Rationalbank, F r a n ck, ist vom Finanzminister ein dreimonatiger sofortiger Ur- laub bewilligt worden. Franck wird mit Jahres- begnn in den Ruhestand treten. Der Finanzminister Hendrik deMa«, der die Untersuchung der Lorwürfe»egen ban Zeeland geleitet und rücksichtslos durchgrgriffen hat, ist vom König empfangen worden. Man nimmt an, daß die Koalition(Sozialisten, Katholiken, Liberale) bestehen bleiben wird. Ruhe vor Madrid Madrid. An allen Abschnitten der Madrider Front herrschte am Montag fast völlige Ruhe. Lediglich längs der Straße nach La Coruna und in der Umgebung von Aravaca wurden in der früh leichte Scharmützel verzeichnet. Im Nordabschnitt von Guadalajara, insbesondere in der Nähe der Straße nach Soria, kam eS zu beiderseitigem Artilleriefeuer. An der Front am südlichen Tajo ist bloß die Regierungsartillerie in Tätigkeit. * Der Kreuzer der Aufständischen„Mmirante Cervera" hat zwei Dampfer aufgebracht, deren Rumäniens in das faschistische Lager nicht cwpor- tun erscheinen lassen, so ist es durchaus möglich, daß die liberale Partei und das heißt wieder Ta- tarescu mit der Regierungsbildung beauftragt wird, der die letzten Wochen vor seinem Rücktritt dazu benützt hat, um eine ganze Reihe von byzan- tinischen Feuerwerken abzubrennen. imbedingte Geheimhaltung dieser Nachricht be- fohlen. „U 24" ist erst Anfang 1987 in Dienst gestellt worden und hatte 250 Tonnen. Es wurde Anfang September nach Spanien entsendet, wo es zwischen Alicante und Valencia operierte. * Wie bekannt, war gleich in den ersten Meldungen über den Zwischenfall davon die Rede gewesen, daß nach dem Wbwurf der Tiefenbomben durch den Zerstörer ein großer Oelfleck auf der Meeresoberfläche zu sehen gewesen sei, was als Anzeichen für die Versenkung eines U-Bootes gedeutet wurde. Ein paar Tage später hatte die britische Admiralität jedoch dementiert, daß überhaupt ein Angriff auf den Zerstörer erfcckgt sei. Ziel die französische Küste war und an deren Bord sich etwa 150 asturische Regierungspersönlichkeiten befanden. Sonntag nachts scheiterte an der Küste der Insel Oleron die Regierungsschaluppe„San I o s ö" aus Gijon, die 90 asturische Milizionäre und drei Frauen an Bord hatte. Bei den Ret- tungsarbeiten ertranken eine Frau und ein Milizsoldat. Die Schiffbrüchigen wurden in das Krankenhaus der französischen Abtei Ormeau gebracht und werden dann über La Rochelle nach Spanien zurückbefördert werden. Nennmüchtekonferenz erst Anfang November Brüssel. Die Reunmächtekonferrnz, die in Brüssel stattfinden soll, wird wahrscheinlich statt am 30. Ottober erst am 3. November eröffnet werden. Als Grund hiefiir wird die gegenwärttge politische Krise in Belgien angeführt. Japanischer Flugplatz überfallen Durch einen plötzlichen Ueberfall gelang es den chinesischen Truppen in Nordschanfi, zu dem Flugplatz Minjanpao vorzudringen und 24 japanische Flugzeuge durch Handgranaten zu vernichten. Im Dunkel der Nacht wurde auch ein heftiges Gefecht geliefert, bei welchem die Chinesen 100 Mann verloren, während die Verluste der Japaner bedeutend größer gewesen sein sollen. Pfellkreuzler-Exzesse In Budapest Budapest. Nach einer Sonntag in Budapest «^gehaltenen Versammlung der rechtsradikalen Pfeilkreuzler-Organisationen verunstalteten die Teilnehmer in kleineren Gruppen Straßendemonstrationen. Die Exzedenten wurden von der Polizei zerstreut. Die Polizeikorrespondenz behauptet, daß die Nachrichten einiger Blätter, als ob an einer Stelle auch Militär gegen die Demonstranten eingefchritten sei, nicht der Wahrheit entspreche. Vier ist der Schuldtragende? Ständige Klagen über die offizielle Bericht« erstattung. Immer wieder muß die Presse der Tschecho- i slowakei auf die Unzulänglichkeit unserer offi- i zielten Berichterstattung Hinweisen. Die Ge- legenheit zu neuer Krittk bietet die Verlaut«| barung des Aufschubs der Gemeindewahlen« 1 Diese hatte der Ministerrat am Freitag beschlossen. Ueber die Sitzung des Ministerrates wurde nun, wie das„Närodni Osvobozeni" mit Recht 1 betont, ein offizieller Bericht ausgegeben, der alles mögliche enthält, nur die wichtigste Nach- j richt nicht, nämlich den Beschluß über den Auf- i schab der Gemeindewahlen. Selbstverständlich 1 wurde dieser Beschluß bekannt und eine Reihe von Zeitungen brachten die Nachricht. Die amt- 1 liche Nachricht erschien aber erst am Samstag, obzwar sie ebensogut am Freitag hätte er- 11 scheinen können. Mit Recht bemerkt das zittert«| Blatt, daß entweder der Aufschub der Gemeinde« I Wahlen hätte geheim gehalten werden sollen, s dann hätte dies wirksamer geschehen müssen oder i hätte die Regierung eine Nachricht darüber ausgeben sollen. Mehr selbständige Schulen Infolge der Herabsetzung des Klassendurch-' schnitteS bei Volks- und Bürgerschulen von 60; «ruf 45 hat sich die Zahl der Schulklassen ttotz sinkender Kinderzahl bettächtlich vermehrt, so daß di« Aufnahme von über 1700 Lehrerpraktikanten er- i möglicht wurde. Durch einen Beschluß des Böh-; mischen Landesausschusses, der der Landesvertre-« tung zur Genehmigung vorliegt, wird auch die i Zahl der selbständigen Schulen vermehr, wobei als Richtlinie gilt, daß eine Schule nicht mehr als sieben Klaffen umfassen soll. Der Beschluß besagt, daß bei Errichtung einer Bürgerschule oder bek der Umwandlung einer solchen in eine Sprengel-! bürgerschule nicht die Vereinigung mit der Volks-- schule gefordert werden soll. Gemeinsam geleitet« j Volks- und Bürgerschulen, die mehr als sieben Klaffen aufweisen oder die in verschiedenen Gebäuden untergebraöht sind, sollen bei Zustimmung's des Landesschulrates getrennt und als selbständige Schulen geführt werden. Weittrs sollen auch—- i bei entsprechender Klaffenzahl,— gemeinsam geleitete Knaben- und Mädchen-Volks- oder Bür-' gerschulen nach den Geschlechtern getrennt werden. Einschränkungen gelten allerdings insofern,> als einer solchen Maßnahme nicht der Mangel an Räumen oder Lehrmitteln hindernd im Wege steht. U UeberdieS soll die Teilung erst nach Freiwerden II des betreffenden Direktor- bzw. Schulleiter«, Postens durchgeführt werden, es sei denn, daß der Direktor bzw. Schulleiter die Teilung selbst beantragt, oder daß sie von der Schulbehörde lvegen Ueberlastung des Schulleiters beantragt' wird.________.(DND) Dr. Szüllö scheidet aus der Polittk. Der Vorsitzende deS parlamentarischen Klubs der■ Magyarischen Einheitspartei Dr. Gsza Szüllö| hat die Absicht, seine polittsche Tätigkeit aufzu-• geben. Das hat zwei Gründe: erstens ist er! über 65 Jahre und außerdem wurde er durch 1 das Ableben seines einzigen Bruders schwer ge« troffen. Schließlich geht die polittsche Entwicklung nicht den Weg, den er sich vorgestellt hat.■ Ein deutsches U-Boot versenkt? L. Windprechtinger: 12 D’fthidit’n aus dem illegalen Wien Mag sein, Herr Apotheker! Aber solange Frankreich und England nicht wollen, kommt das nicht zustande, und die Pfaffen sind vorläufig auch dagegen. Vergeffen Sie nicht die Schwarzgelben. Ja, die Schwarzgelben! Da ist mir heute, folgendes passiert. Heute vormittags läßt mich der Alte zu sich rufen und fragt mich, ob ich im Bund der Oesterreicher bin. Ich sag: Rein. Ja, meint er, es wäre doch gut, wenn ich mich dort einschreiben ließe und auch die andern Herrn im Büro. Ich ftag ihn, ob das ein Auftrag vom Ministerium sei. Er weicht aus und sagt, daß er «S uns nahe lege und wir uns zu entscheiden haben. Ich verweise darauf, daß wir jeden Monat eine Menge Abzüqe bis zu 20 Prozent haben und es doch nicht angehe, uns noch weiter zu belasten. Ich zum Beispiel zahl« für Pension E 5.40, Krankenkaffa S 32.86, Beamtenkammer S 2.86, Kameradschaft 50 Gr., Beamtenverein 60 Gr., Sterbekaffa 1.—, Kriegerverein S 1.—, AosefStisch S 1.—, Kirchenbauaktion S 1.—, Herma Schuschnigg-Fonds 50 Gr., Caritas 50 Gr., als C. B.-Mitqli«d S 3.—, Marianische Kongregation 50 Gr., Vaterländische Front 1.—, Neues Leben 50 Gr., für abgebaute Kollegen, Kranzspenden, Geburtstagsgeschenke an Vorgesetzte und anderes zirka S 3.—, insgesamt etwa 55 bis 60 Schilling jeden Monat. Er aber sagt, auf 50 Groschen bis 1 Schilling für den Bund der Oesterreicher darf es nicht ankommen. Da hab' ich mein Hirn knistern lafl'n, um doch diese neue Belastung abzuwehr'n und hab ihm g'sagt: Herr Hofrat, wenn die Regierung es anordnet. dann mutz ich zahl'n, wenn es aber auf mich allein ankommt, dann muß ich doch zu bedenken geb'n,.daß ich auf den christlich-deutschen Bundesstaat auf ständischer Grundlage meinen Beamteneid abgelegt hab« und als solcher eine andere Staatsform nicht fördern kann, weil mir daraus Unannehmlichkeiten erwachsen könnten. Er hat mich einen Moment lang ang'schaut, dann hat er alle Kollegen hereinkommen lassen und hat sie g'fragt, ob sie dem Bund der Oesterreicher beitre- ten wollen. Me hab'ns abgelehnt. Da hat er uns wieder geh'n lass'». Es ist doch wirklich nicht mehr zum Aushalt'n mit den Abzügen. Ja, manchmal denk ich mir dasselbe wie der Liebe Gott. Da hat der Mussolini» Hitler und Schuschnigg zur höheren Ehre Gottes in Tirol a große Kathedrale projektiert. Die drei hab'n sie z'sammg'setzt und beraten, wie die Kirch'n ausschaun soll. Natürlich hat der Hitler als Sachverständiger am vernünftigsten gredt. Aber a der Schuschnigg versteht was von den Kirchen und hat vorg'schlag'n, daß über'm Eingang in die Kirch'n ein Wahrspruch angebracht werde. Na, schlag' an vor, hat der Muffolini zum Schuschnigg g'sagt. Der hat eine Weile nach'dacht und hat dann g'sagt: Der Spruch soll laut'»:„Die dankbaren Böller errichten diese Kathedrale dem Allerhöchsten zum Dank für die gottbegnadeten Führer". Aber Schuschnigg, hat der Muffolini g'sagt, das iS ja viel zu lang. Der Spruch muß kürzer, faschistischer kling->: Gott, dem Allmächtigen!— Die Führer". Noch immer zu lang, erklärte Hitler. Es genügt:„Wir— ihm". Da teilten sich die Wolken, der Himmel öffnete sich und eine furchtbare Stimme schrie herab:„Ihr — mich". Seg'ns und desselbe denk i mir immer, wenn's heißt, i soll für die Vaterländischen oder für die Schwarzen was zahl'n. Sie sind ja schon immer ein Freimaurer gewesen, Herr Direktor. Den Witz hat sicher ein Jud' erfunden. Kann schon sein. Aber gut is er deswegen doch. Man soll Wrigens gar net glaub'n, was über die Regierung alles zusammg'rödt und g'witzelt wird. Vor kurzem kommt mein Sohn, der in die fünfte Klasse Gymnasium geht, z'haus und erzählt mir, daß a paar Bub'n vom Obergymnasium a Witzblatt mach'n, das alle Woch'n a Mal erscheint und nix wie Witz und Kritik Mer die Regierung und das Ständesystem macht. Die Kinder werden zu den reinsten Rebellen erzog'n. Den ganzen Tag nur allerweil G'schichten aus Altösterreich und der biblischen G'schicht, nix wie Ruhm und Ehre, Erfolg und Sieg, und nach der Schul' mach'n ste die Kinder lustig. Wo kann das schon hinführ'n? Das ist doch klar, dieses System ist unhaltbar. Es versucht sich noch mit allen Kräften an der Macht zu halten, ist aber schon vom Tode gezeichnet. Und das, was Sie da erzählen, und was jeder von uns in seinem Arbeitsgebiete ohnedies erlebt, das sind so die Leichenflecken, die noch vor der Todesftarre kommen. Kein Mensch in Oesterreich glaMt, daß es so bleiben kann. Warum soll's denn nachher grad die Jugend glauben, die unter diesem System am meisten zu leiden hat. Die Welt is außer Rand und Band. Wenn's den Großmächten net bald gelingt, sie wieder cinzurichten, dann Gnade uns Gott. Dann san die Rot'n nicht mehr aufzuhallen. Nur der Mussolini und der Hitler können uns vor- dem Untergang retten. Sonst niemand. I glaub', Herr Apotheker, dazu is scho zu spät. Mir san auf der Rutschbahn und uns hält keiner mehr auf. Prost, meine Herren! Der Gipskopf „Wos? Da Meifl is g'sturb'n? fragte sich, überrascht— wie alle Wiener— durch das plötzliche Ableben des weltbekannten österreichischen FußballkapitänS, der Lehrling Franz Umundum, als er mit seiner schweren Last durch die Meid- linger Hauptstraße vor einer Tabak-Trafik rastete und auf einem ausgehängten Nachmittagsblatt die Todesnachricht las. Nach einer Weile nahm er die in einem großen Tuch eingeschlagene Bürde wieder auf seinen schmächtigen Rücken, knüpfte die Tuchenden vor der Brust zu einem starken Knoten und ging in die Richtung zur Philadelphiabrücke Wetter. Dabei sinnierte er Mer de« Tod deS bekannten Mannes und die Folgen, die er für den österreichischen Fußballsport nach sich ziehen werde. Heute abends gcht es sicher eine große Debatte. Wer wohl der Nachfolger sein wird? Der Schmieger? Der Uridil? Der Ret- schury? Der Huffak? Irgendein aller Internationaler wird es schon sein. Was trag'n Vorsichtig Mer- Plötzlich wurde Mit solchen Gedanken beschäftigt, kam der Franz! zur Philadelphiabrücke. gurrte er die Sttaßenkreuzung. er angerufen. ,Hel Blrib'n S' steh'nl denn da in dem Binkl?" Franzl sah auf und in die Richtung, aus der der Ruf gekommen war. Es war ein Polizeimann, der in der Mitte der Kreuzung unter der Uhr gestanden war, und jetzt mit schweren, gemessenen Schritten langsam und würdevoll auf ihn zukam, wobei ex die Frage wiederholte:„Was hoch'» S' denn da auf'n Buckl?" „An Gipskopf", antwortete der erstaunte Lehrling. „Wos, an Gipskopf? Wos für an Gipskopf? Woll'n S' mi pflanz'n? Geb'n S' den Binkl oba und laff'n S' den Gipskopf anschau'n"« Der Lehrling gab keine Antwort. DiS Amtshandlung war ihm ein willkommener Anlaß zu einer kleinen Rast. Umständlich löste er de« Knoten vor der Brust, stellte den angeblichen GipS« köpf vorsichtig zu Boden und öffnete das Tuch- Tatsächlich befand sich darin die überlebensgroße Büste eines älteren Mannes,«in Glatzkopf mit einem llugen, schlauen Gesicht, dem ein schüttelet Schnur- und Knebelbart ein charakteristisches Ge^ präge gab. (Fortsetzung folgt), Str. 552 Dienstag, 26. Oktober 1937 Sekte S SudeteMleutsdiet ItilsMad Autokatastrophe bei Aussig Bei Artesan im Bezirk Aussig wurden am Sonntag vormittags zwei Schüler des Aus- siger Staatsrealgymnasiums bei einem Autounglück getötet. Ein dritter erlitt lebensgefährliche Verletzungen, während der Lenker deS Wagen-, ebenfalls ein Mittelschüler, mit leichten Verletzungen davonkam. Di« beiden Todesopfer find der Oktavaner Fritz Hudl, der Sohn des Fachlehrers und sozialdemokratischen Stadtvertreters von Aussig, und Peter Weinmann, ein Sohn des Aussiger Großindustriellen. Sein Bruder, FranzWeinmann, schwebt in Lebensgefahr. DaS Auto, ein großer und schwer zu beherrschender MereedeS-Benz-Wagen, wurde von dem Septimaner ErichKunz gelenkt» der ihn ohne Wisse« seines abwesenden BaterS zu einer Vergnügungsfahrt benützen wollte. Ueber den Hergang des Unglücks weiß man nur, was Kunz aussagen konnte,«nd was die Rekonstruktion am Ort der Katastrophe ergeben hat. Die erste Meldung überbrachte ein Radfahrer der Gendarmerie, welche eben einen andern tödlichen Unfall untersuchte, der sich in der Näh« ereignet hatte. Kurz darauf erschien die Aussiger Aerztin Dr. Kohn-Ascher, welche di« ersten Hilfs- maßnahmen veranlaßte. Fritz Hudl war, als man zum Unglücksort kam, bereits tot; er war auS dem Wagen geschleudert«nd auf der Stelle getötet worden. Die beiden schwerverletzten Brüder wurden in zwei Privatantos getragen, die von den Gendarmen angehalten worden waren,«nd sollten so nach Aussig gebracht werden. Unterwegs wurden sie von einem Sanitätsauto des Aussiger Krankenhauses ausgenommen. Wieder Erfolg bei den BA-Wahlen bei Etrlch Die Betriebsausschußwahlen bei Etrich in Jungbuch, die im Hinblick auf einen von den Kommunisten eingebrachten Rekurs am vergangenen Freitag nochmals stattfanden, brachten trotz aller Versuche der DAG der freien Gewerkschaft wieder einen Erfolg. Die Liste der Union, die bei den Wahlen im August 336 Stimmen erzielte, erhielt diesmal 416. Auch wenn man in Betracht zieht, daß die bei der vergangenen Wahl leeren Stimmzettel der Kommunisten— eS waren 62 — diesmal der Union zufielen, so bleibt darüber hinaus doch noch ein Gewinn von 18 Stimmen. Die Christlichen gingen von 164 auf 149 Stimmen zurück» die TAG gewann zu ihren 135 Stimmen, noch elf hinzu, die Deutschsozialen fielen von 82 auf 69 Stimmen und bliÄen damit unter der Wahlziffer. Die Mandate verteilen sich also: Union 5, Christliche-2, DAG 1. Henleins Londoner Verlegenheiten „LidovL Nobiny" kommen in ihrer Sonn- tagsausgabe nochmals auf den Vortrag Henleins in London und auf di« Diskussion, die sich daran anschloß, zurück. Dvm Vortrag hörten nicht mehr Vom Rundfunk emptahlencwertes aus den Programment Mittwoch: Prag, Tender I: 7: Morgenmusik, 10.08: Deutsche Presse. 11.05: Sendung für deutsche Schulen zur Feier des 28. Oktober, 11.85: Dvoräk: Slowakische Tänze, 12.10: Schallplatten. 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 14, Deutsche Sendung: Finke: Vier Klavierkompositionen, 16.40: Kantate von Benda. 18.05: Deutsche Sendung: Volk aus Böhmen singt und spielt, 18.45: Deutsche Presse, 80: Orchesterkonzert FOK: Kompositionen von Ostr- Lil.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.55: Deutsche Press«, 18.15: Konzertsextett.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Uebertragun« aus dem Deutschen Haus: Konzert zum Staatsfeiertag.— Preßburg 20.40: Rundfunkorchesterkonzert.— Kascha» 12.35: Rundfunkorchesterkonzert.— Mährisch Ostrau 15.80: Rundsunk- orchesterkonzert, 18: Klavierkonzert. ärzt- nigstens in der schärfsten Weise zur Anwendung zu bringen. Wir haben gelegentlich verschiedener solcher Urteile schon angedeutet, daß eine bedingte Arreststrafe von vier oder fünf Monaten keinesfalls als hinreichende Strafe betrachtet werden kann. Die Obergerichte würden sich ein Verdienst erwerben, wenn sie der allzugroßen Nachsicht gewisser Senate durch ständige Kassierung solcher Urteile Einhalt gebieten würden. Die Gesetzgeber aber sollten nicht zögern, die unbedingt notwendige gesetzliche Grundlage für die entsprechende Ahndung solcher Delikte durch einen Ergänzungsparagraphen zum Strafgesetz Sorge zu tragen! Man 1938 mehr von Fahrlässigkeit gesprochen werden, hier ist ein Tatbestand erfüllt, der den eines Totschlag e s. zum mindesten aufwiegt und entsprechender Strafe verfallen sollte. Ehe aber ein solches Gesetz geschaffen ist, sollten sich die Strafgerichte angelegen sein lassen, die unzureichenden gesetzlichen Bestimmungen, die in solchen Fällen zur Anwendung gelangen, we- Wann wird es wieder Tag? (Asturischer Bergarbeiter) Unmenschen hinter dem Lenkrad Hilflose Opfer auf den Landstraßen'Schafft ein Gesetz gegen die„Autogangster**l Ein Masaryk-Jnstitut. In den USA werden Vorbereitungen für die Begründung eines Masa- rhk-Jnstitutes getroffen, welches di« Mission haben wird, die freundschaftlichen Beziehungen ztoischen der T^hechpslowakischen Republik und den USA zu vertiefen, und zwar im Geiste von Masaryks Auffassung der Demokratie, nimmt an, daß das Institut am 7. März eröffnet werden wird. Aus nationaler Voreingenommenheit lichc Hilfe verweigert. Ein trauriges Zeichen der Zeit ist der Fall, mit dem sich der Ehrenrat der Prager Aerztekammer dieser Tage zu befafsen hatte. Nach der offiziellen Kundmachung wurde der praktische Arzt Dr. Alfred Pilz vom Ehrenrat schuldig erkannt, daß er sich aus nationaler Voreingenommenheit weigerte, einem siebenjährigen kranken Knaben ärztliche Hilfe zu gewähren. Er wurde zu einer Geldbuße von 8000 XL und Bezahlung von 647 XL Kosten für das Disziplinarverfahren verurteilt. Beim Bau eines Hauses in Marakesch.stürzte eine Mauer ein und begrub zwölf Arbeiter unter Epilog zu einem Prozeß „ Die Strafe ist das Recht des Unrechts— wenn man den Juristen glauben darf. Die Definition empfiehlt sich durch ihre Einfachheit, aber ich glaube nicht, daß Christus sich mit ihr begnügt hätte; er hat n i ch t gesunden, daß gesteinigt zu werden, das Recht derEhebreche« rin ist, im Gegenteil: indem er den, der sich ohne Schuld fühle, aufforderte, den ersten Stein auf die Sünderin zu werfen, deutete er an, daß unter der glatten, logischen Oberfläche des landesüblichen Rechtes ein t i e f e r e r Grund liege, der sich allerdings nur dem Auge offenbart, das sieht, und dem Herzen, das fühlt; diesen beiden nur wird klar, daß jenes Unrecht, welches erst bestraft werden muß. damit eS zu seinem Recht komme, fast immer ein Unrecht auS zweiter, dritter, ja hundertster Hand ist, so daß die Strafe fast nie den triffi, der sie eigentlich wirklich verdient, und der Richter, sei er noch so gerecht, dem römischen Legaten, oder dem Kommandanten eines Kriegsschiffes, dessen Mannschaft zu meutern versuchte, gleicht, der jeden zehnten Mann zum Tode verurteilt nicht weil er schuldiger ist, als die anderen neun, sondern weil er eben— der Zehnte ist! Das wird dem Richter nicht klar, dem der Fall aus einem Zus ammenha na e herausgerissen, vorliegt, der nicht einmal die Teile in seiner Hand hat, geschweige denn die aus hundert spinnwebdünnen Fäden zusammengedrehte Schnur, an der die Teile aufgereiht sind! Nur dem Direktor der Strafanstalt, dem Gefängnisarzt, wenn beide Freunde, und beide solchen Augs und Herzens sind, offenbart sich, warum der Mensch, der also sein Recht: von der Menschheit für längere oder kürzere Zeit ausgeschlossen zu werden, erhalten hat, gerade das wurde, was er geworden ist,- warum er, von solchen Eltern geboren, in s o l ch e n Verhältnissen aufgewachsen, in einer solchen krifischen Lage s o, und nicht anders handeln konnte. Wenn der Anstaltsdirektor, der freilich der Beichtiger- des Häftlings sein müßte, die Geschichte seines Lebens in allen seinen Einzelheiten erfährt, der Anstaltsarzt die Leberkrankheit konstatiert, an welcher der Häftling feit Jahren laboriert hat, dann werden beide nicht mehr von dem R e ch t d e s U n r e ch t e s sprechen, sondern nur davon, wie dem Entgleisten zu helfen ist, und wie ihm geholfen werden kann; dann werden sie das Zuchthaus in eine Besserungsanstalt und in ein Krankenhaus umwandeln. Sind doch— und zu dieser Erkenntnis werden Physiologie ünd Psychologie die Jurisprudenz einmal zwingen— fast alle, die zu ihrem„Recht" gekommen. sind, krank; fast alle leiden an mehr oder weniger schweren organischen Fehlern, und ihr Ge- h.i r n ist unter, dem Durchschnittsmaß. wie es (-rb-) In den letzten Wochen haben sich mehrfach Tragödien auf den Landstraßen ereignet, die ihr besonderes Gepräge dadurch erhalten, daß der Wagenlenker, der einen Straßenpassanten über den Haufen fährt, sein Opfer hilflos liegen und elend sterben läßt und mit abgeblendeten Lichtern das Weite sucht. Wir haben diese Fälle registriert, mit der Bemerkung, daß unser Strafgesetz keine ausreichende Strafe gegen solche moderne Banditen unserer Straßen kennt. Wir haben auch bei Gerichtsverhandlungen, die solche abscheuliche und empörende Fälle zum Gegenstand hatten, darauf verwiesen, daß gegen Autolenker dieser Art derzeit kein anderer Paragraph zur Verfügung steht, als der Paragraph 335, der das „Vergehen gegen die Sicherheit des Lebens" betrifft, wobei die Strafen sich in lächerlich niedrigen Grenzen bewegen und außerdem noch regelmäßig bedingt ausgesprochen werden. Die unrichtig angewendete Nachsicht, mit der die Strafgerichte solchen Anklagen begegnen, hat zur Folge, daß solche gewissenlose Autolenker kaum irgendwelche ernste Folgen ihrer Untat zu gewärtigen haben, wofern sie überhaupt gefaßt werden, was ja leider selten genug der Fall ist. Kein Wunder, wenn sich solche Verbrechen ständig wiederholen und schließlich zu einem allgemeinen Ruf nach entsprechender Sühne Anlaß geben. Die Unfallschronik des vergangenen Wochenendes verzeichnet nicht weniger als drei solcher Untaten. Auf der Motoler Straße wurde in der Nacht von Sonntag eine furchtbar verstümmelte Leiche aufgefunden. Die Obduktion stellte Schädelbruch und Bruch beider Beine fest. Es handelt sich um den 64jährigen Johann P r a j, der in der ersten Morgenstunde von einem bisher unbekannten Auto erfaßt und überfahren wurde. Der Verbrecher am Lenkrad ließ sein Opfer liegen und fuhr davon. Die Erhebungen sind im Zug. Die Sicherheitsbehörden hoffen, den Schuldtragenden eruiren zu können, da das Auto nach dem vorliegenden Befund mit Blut bespritzt sein dürfte... Ein ähnlicher Fall ereignete sich in Lieben, wo ein gleichfalls nicht sichergesteltes Auto die 21jährige Vlasta DoskoLil erfaßte und zur Seite warf. Das Mädchen erlitt eine schwere Gehirnerschütterung nebst anderen schweren inneren Verletzungen und liegt derzeit im Spital. Auch in diesem Fall fuhr der Schuldtragende davon und überließ sein Opfer seinem Schicksal. ' In der weiteren Prager Umgebung, bei der Ortschaft Predmerice ereignete sich ein dritter Vorfall gleicher Art,' dessen Täter"glücklicherweise eruiert wurde, da er selbst kürz nachher havarierte. Es handelt sich um den 19jährigen Beamten Franz Holh aus Prag Hl., der mit dem von ihm gelenkten Auto einen Radfahrer, einen gewissen Wenzel Hruska aus der Orffchaft Tukice über den Haufen rannte und tödlich verletzte. Auch dieser Kavalier suchte das Weite und ließ den durch seine Schuld Verunglückten auf der Straße liegen. Kurz nachher fuhr der Bursche aber selbst gegen eine Telegraphenstange und erlitt eine Havarie, bei der er, wie auch seine Miffahrerin, eine gewisse Mirofiova Dvorak aus Brandeis, mit leichten Verletzungen davonkamen. DaS Auto fft Eigentum des Direktor der Koliner Zuckerfabrik Jan Dostäl aus Prag. Schafft Abhilfe! Dieser Ruf wird nun auch von einer Reihe andere Blätter erhoben. Soll Abhilfe geschaffen werden, müßte zunächst ein Gesetz ergehen, das solche Untaten unter entsprechende Strafe stellt. Solche Verbrechen nach dem gelinden Paragraph 335 abzuurteilen erscheint geradezu als ein Hohn auf jedes Rechtsempfinden. Die Gesetzgeber sollten in kürzester Zeit eine Ergänzung unseres Strafgesetzes in dem Sinn beschließen, daß jeder. Autolenker, der einen durch sein Fahrzeug Beschädigten hilfsloS seinem Schicksal überläßt, sich nicht eines Vergehens, sondern eines Verbrechens schuldig macht, das mit entsprechender Kerkerstrafe und dauerndem Entzug der Fahrlizenz zu ahnden wäre. Wenn ein mißglückter Griff nach einem Handtäschchen mit zehn Jahren schweren Kerkers gestraft wird— welche Strafe hat dann wohl jemand verwirkt, der aus niederträchtliger Feigheit das Opfer seines Leichtsinns auf der Straße hilflos verbluten läßt? Hier kann nicht der Mensch zur normalen Tätigkeit, zum Respekt vor dem Gesetz braucht!—■" — diese vorstehenden Sätze, mit den ent- sprechenden Gänsefüßchen versehen, find nicht mein geistiges Eigentum, sondern einer unend- lich langen Rede(im Stil der Romanschriftsteller des'vorigen Jahrhunderts, entlehnt, die der Dichter(oder besser gesagt, der Seher!) Friedrich Spielhagen an seinen idealen Gefängnis-Direktor in dem Roman„Hammer und Ambos" an den jungen Arbeiter in seinem Zuchthaus richten läßt, und die, vor siebzig Jahren geschrieben, ein ideales Epilog zu dem, in voriger Woche gefällten Urteil ist. Diese Worte haben, langsam, noch unvollkommen, ihren Weg in die moderne Gesetzgebung ge- funden, und Wurzel geschlagen; sie mögen auch in die Herzen derjenigen ihren Weg finden, denen Mölf Jahre Zuchthaus noch immer nicht genügen, die noch weiter„Steinigt fiel" rufen — nicht, um dem Unrecht zu seinem R e ch t zu verhelfen, sondern, als zu den neunzig Prozent zufällig nicht Gefallenen, die sich als„Gerechte" fühlen, gehörend, den Lohn für ihre„Gerechfigkeit" einkassieren wollen; in einem Kriminalstück als eiferndes Publikum p ers ö n li ch mitwirken zu dürfen! /UnuS Der Haupttreffer serösen Prag. Montag um halb 11 Uhr vormittags wurde der Haupttreffer der Klaffenlotterie im Beträge von einerMillion XL gezogen. Das Los trägt die Nummer 28.736. DaS Los wurde in Brünn gekauft. Es gehört nicht einem einzelnen, sondern verteilt sich auf siebe« Gewinner. Die Hälfte des Loses gehört einen» Brünner Kaufmann, ein Achtel einem Staats- «ntrrbeamten, rin Achtel haben vier Privatleute gemeinsam gekauft und zwei Achtel ein kleiner Brünner Gewerbetreibender. * 1,000.000 K« Los Nr. 28736. 40.000 K£ Los Nr. 65894 30.000 K6 Los Nr. 69.173. 10.000 K£ die Lose Nr. 735 34227 62714 66079 114216. 5000 K£ die Lose 14892 15973 16112 28489 30607 40080 50524 60964 71922. 2.000»ö die Lose Nr. 575 2271 9708 12807 13194 15871 28155 28624 30084 30116 36161 36663 39517 39861 41302 47788 49121 50167 50912 51519 52987 56501 59687 60363 66560 74358 79277 80304 80670 81306 81453 85465 86188 88771 90077 92655 98778 99143 99192 105524 109835 111905 112536 113015 113934 114730 116382 usw. (Ohne Gewähr.) sich. Vier von ihnen wurden getötet, acht konnten mit schweren Verletzungen aus den Trümmern befreit werden. Brand in Witkowitz. Samstag fiüh brach in den Trockenräumen bei den Hochöfen der Wit« kowitzer Eisenwerke ei« Brand aus, bei welchem die Verschalungen für die Aufbewahrung des Schläcken-Staubes Feuer fingen. Es gelang der Betriebsfeuerwehr, den Brand noch vor dem Eintreffen der übrigen Feuerwehren zu löschen. Die Höhe des Schadens ist nicht bekannt. Der tägliche Aero-Absturz. In der Nähe des Flugplatzes von Tacoma(Washington) ist ein Dreimotorenflugzeug abgestürzt. Hiebei kam der Pilot und ein Passagier ums Leben, während acht Passagiere verletzt wurden. Maffenschlächterei aus Eifersucht. In einem Dorfe bei Sionim(Polen) ermordete«in eifersüchtiger Bräutigam seine Verlobte mit der Axt. Sodann tötete er drei weitere Familienmitglieder seiner Braut. Schließlich nahm er sich selbst das Leben,. Wolf und Werwolf. Die serbffche Gemeinde Busovaö ist der Schauplatz einer großen Familientragödie geworden. Der 40jährige Bauer JmoroviL erschlug in einem plötzlichen Anfall von Wahnsinn seine drei nichtsahnenden Töchter im Alter von einem bis zu elf Jahren, verletzte seine Frau und einen Nachbarn, den er im Hofe traf, schwer. Es gelang einigen Bauern, den Unglücklichen zu überwältigen, doch konnte der Rasend« wieder enffliehen. Er wurde erst später von Gendarmen eingefangen.— Ein zwetter aufregender Vorfall ereignete sich in der Gäneinde GraniLari bei Novä Pazovä. Unweit des Ortes überfiel ein verlaufener W o l f die 16jährige Hirtin Gaji« Lova und zerriß sie. Als die Schafe allein heimkamen, ging der Vater seine Tochter suchen, aber als er sich dem Platze näherte, wo sich die Tragödie zugetragen hafte, wurde er ebenfalls von dem Wolfe angefallen und gefährlich gebissen. Unhold« wie in den grausamsten Sagen. In der Orffchaft Grondzken im Kreise Lötzen in Ostpreußen war ein fünfjähriger Knabe bei einem Zimmerbrand ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt den Vater des verbrannten Kindes Ezyganowski und dessen Haushälterin Khanert verhaftet, da eS sich herausgestellt hat, daß di« beiden Verhafteten sich in den Besitz des mütterlichen Erbteils des Knochen in der Höhe von 300 RM und einer Lebensversicherungssumme von 150 RM setzen wollten. ES wurde sogar nachgewiesen, daß schon mehrere Versuche unternommen worden waren, das Kind, welches keine Mutter mehr besaß, umzubringen. Die Haushälterin hatte eine Küchenlampe ohne Zylinder unter das Bett des Kindes gestellt und dann die Wohnung verlassen. Bald darauf wurde der Brand bemerkt. Der erste, der in die Stube drang, war der Vater selbst, der schnell die Lampe auslöschte. Das Kind war aber tot. Eine Greisin und eine Magd verbrannt. Im 8. Wiener Bezirke näherte sich die 90jährige Pen« sionjsnn Marie Engelsberger so unvorsichtig dem heißen Ofen, daß die Kleider Feuer fingen. Bevor noch Hilfe herbeigerufen werden konnte, erlitt die Greisin schwere Brandwunden» denen sie im Krankenhause erlag.— In MannS- wörth bei Wien verschuldete die 60jährige landwirtschaftliche Arbeiterin Marie Dufek durch unvorsichtiges Hantieren mit einem Petroleumlicht einen Brand, der das Wirtschaftsgebäude deS Großgrundbesitzers Dreher vern>htete. Ms die Feuerwehr die Trümmer beiseite räumte, wurde die verkohlte Leiche der Dufek gefunden. Wieder Regen? An der Rückseite der Störung, die in den letzten Tagen in der Republik RegenfMe veranlaßt hat, hat sich über Mitteleuropa ein Hochdruckkeil ausgebildet. Infolgedessen nimmt die Bewölkung bei uns tagsüber ab und die Temperatur«« stiegen in den Niederungen auf 18 bis 15 Grad an. lieber den bttttschen Inseln hat sich jedoch ein« neuerliche tiefe Störung ausgebildet, weshalb die Besserung der Witterung nur vorübergehend sei« dürfte.— Wahrscheinliches Wetter Dienstag: Ziemlich unbeständig, Neigung zu Regenschauern, tagsüber milde, Südweftwind.— Wetteraussichten für Mittwoch: Keine wesenttiche Aenderung. Nr. 552 Dienstag, 26. Oktober 1937 Seite 8 MillM unH Sozialpolitik Günstiger Wirtschaftsberlcht der Natlonalbank Der Bankrat der Tschechoslowakischen Na* tionalbank hielt am 25. l. M. seine ordentliche Monatssitzung unter Vorsitz des Gouverneurs JUDr. Karel Englis ab, der, bevor er zur Verhandlung der Tagesordnung schritt, mitteilte, daß die Rumänische Nationalbank zur Ehrung des Andenkens des Präsidenten-Befteiers T. G. Masaryk einen Betrag von KL 100.090.— widmete. Dieser Betrag wird zur Förderung der tschechoslowakisch-rumänischen Beziehungen verwendet. Dem vorgebrachten Geschäftsbericht entnehmen wir folgendes: Die internationale politische Lage ist ständig gespannt. Die Befürchtungen vor möglichen Komplikationen führten neben anderen Momenten auf den internationalen Waren- und Effektenbörsen zu beträchtlichen Kurseinbrüchen. Die Weltkonjunktur bewegt fick in wirtschaftlicher Hinsicht weiter aufhohem Niveau, die Entwicklung in den einzelnen Staaten ist j^och uneinheitlich. In der Tschechoslowakei traten in den verflossenen Monaten keine größeren Aenderungen im Produktionsstand ein. Auf den Geldmarkt wirkten die Kreditansprüche der gut beschäftigten Industrie sowie der Herbstkampagnebedarf lebhafter ein, ohne daß hiedurch der Markt außerordentlich belastet worden wäre. Der Septemberultimo war infolge des erhöhten Kreditbedarfes der öffentlichen Hand ziemlich rege. Die Spareinlagenbildung in der Provinz und in den Jndustriedistrikten hält weiter an, aber auch der Bedarf an langfristigem Kredit war bedeutend. Für den Markt ergeben sich aus dem Reescompte der Exportförderungen in den Ländern des freien Auslandes unter Beteiligung der Bank für internationale Zahlungen neue Möglichkeiten. Die Budgetvorbereitungen für das Jahr 1938 und die für die erhöhte Ausgabenseite gesuchte Bedeckung riefen auf dem Effektenmärkte eine Periode der Unruhe hervor, die gleichzeitig mit dem Rückgang der Weltmärkte auch in einer beträchtlichen Abschwächung des Kurniveaus der Prager Aktienbörse ihren Ausdruck fand. Ein Umschwung trat nach dem Regierungsexposk über die Finanzpolitik ein. Anlagewerte entwik- kelten sich ruhig. Die Umsätze überschritten nicht die normalen Grenzen. Der Index der Großhandelspreise übernahm auch in der Tschechoslowakei die schwächere Tendenz der Weltmärkte. Besonders der Index der empfindlichen Preise istftark rückgängig. Dir Indices der Lebenshaltung-- und Kleinhandelspreise blieben im ganzen unverändert. Die Feldarbeiten konzentrieren sich auf die Hackfrüchteernte und die hierauf folgend« Aussaat des Wintergetreides. Die Kartoffelerträgnisse find größtenteils sehr gut und das Auftreten von Krankheiten ist verhältnismäßig gering. Das unbeständige Wetter erschwert den Abtransport der Zuckerrübe von den Feldern und verzögert die Aussaat. Die Wintersaat ist gut aufgegangen. In der Industrie wird im ganzen günstig gearbeitet. In einigen Zweigen wurde ein m ä- ßiger Beschäftigungsrückgang gemeldet» der meist Saisoncharakter trägt oder technischer Beschaffenheit ist und durch die Preissenkung auf den Weltbörsen hervorgerufen wurde. Diese Ursache reflektiert sich auch in einigen Branchen in einer kleinen Verminderung der Bestellungen. Auf dem Arbeitsmarkte stuck das Niveau der Beschäftigungslosen auf den Stand des Jahres 1931. Die Wiedereinreihung von Arbeitskräften in die Produktion hält an. Das Septemberbild des Außenhandels ist neuerdings bemerkenswert durch hohe Umsätze bei beträchtlichem Mtivum der Handelsbilanz. Die Zusammensetzung dieses AktivumS ist vom Standpunkte der Devisenliquidität günstig. Die Ausfuhrsteigerung stützt sich hauptsächlich auf den hohen Stand der Lndusjxieartikelexporte. M Der Tschernoschiner Streik erfolgreich beendet Der seit 6. Oktober in der Schuhfabrik Brüder Richter in Tschernoschin währende Lohnkampf wurde am 23. Oktober nach mehrstündigen Verhandlungen mit einem guten Erfolg für die Arbeiterschaft abgeschlossen. Mit Aufnahme der Arbeit erhalten Arbeiter und Arbeiterinnen mit Tagesverdiensten bis iE. 12 XL 18 Prozent, ab 1, Jänner 1938 weitere fünf Prozent und solche Man erhält für XL 100 Reichsmark..•• ,, 618.— Martmünzen..» ,, 685.— 100 österreichische Schilling ,. 526.50 100 rumänische Lei.. ,, 16.35 100 polnssche Zloty... ,, 515.50 100 ungarische Peugö«, ,. 555.50 100 Schweizer Franken« a. 655.50 100 ftanzösische Francs» ,, 96.50 1 englisches Pfund.« ,, 140.50 1 amerikanischer Dollar« ,, 28.40 100 italienische Lire.. . 113.40 100 holländische Gulden. .. 1575.— 100 jugoslawische Dinar«. ,, 60.30 100 BelgaS ,»'»»« ■ i 479.— mit über 12 XL Taglohn 15 Prozent und ab 1. Jänner 1938 weitere fünf Prozent, somit zusammen eine 20- bis 23prozentige Lohnerhöhung. Außerdem wurde eine vertragliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, mit einer Reihe von bisher im Betriebe nicht eingeführten Vorteilen für die Arbeiterschaft vereinbart. Das Verhandlungsergebnis wurde von einer Belegschaftsversammlung am gleichen Tage genehmigt und die Arbeitsaufnahme für Montag den 25. Oktober beschlossen. Nachdem sämtliche während des Streikes vorgenommenen Entlassungen rückgängig gemacht wurden und der Streik als keine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses angesehen wird, kehrt die Arbeiterschaft mit gehobenem Selbstbewußtsein an ihren Arbeitsplatz zurück. Der fteigewerkschaftliche Bekleidungsarbeiterverband(Sitz Reichenberg) hat in diesem Kampfe vom Anbeginn bis zum Abschluß die Führung innegehabt und sich in dieser Lohnbewegung weit über den Kreis seiner Mftglieder hinaus das vollste Vertrauen erworben. Hingegen haben die Phrasen von der Volksgemeinschaft in Tschernoschin und Umgebung durch diese Bewegung ihre Würdigung gefunden. Beginnend von der Mitgliedschaft des einen Firmenchefs in der SdP, der seine Volksgemeinschaftskameraden Arbeiter zum wochenlangen Streik gegen die Hungerlöhne und um einen Vertrag zwingt, über den mißglückten Versuch des SdP-Parteisekretärs Fröhlich aus Mies» den seine Kameraden Arbeiter teuer bezahlt hätten bis zu den Streikbre- chern mit dem SdP« und DAG-Abzeichen, welche auf Kommando der Firma in holder Gemeinschaft mit drei ausländischen Streikbrechern den um ein größeres Stückchen Brot ringenden Arbeitern in den Mcken fielen, hat dieser Kampf gezeigt, daß nur der Zusammenschluß der Arbeiterschaft in wirklichen Kampforganisationen für den Erfolg bürgt. Um dm Benischcr Textilvertrag. Im Amtsblatt vom 26. Oktober veröffentlicht das Fürsorgeministerium eine Kundmachung, durch welche das Gesuch um Verbindlichkeitserklärung des Kollektivvertrages für die Texttlindustrie(Webereien) deS Gerichtsbezirkes Benisch bekanntgegeben und das Verfahren eingeleitet wird. Erhöhte Hutausfuhr. Im Vergleich zu 1935 ist die Hutausfuhr der Tschechoflowakei im ersten Halbjahr 1937 der Menge nach um 25 Prozent, dem Werte nach aber um fast 50 Prozent gestiegen. KaPitalSerhöhüng bei den Brünner Waffen- werken A. G. Die außerordentliche Generalversammlung der Tschechoslowakischen Waffenwerke A. G. hat die Erhöhung des Aktienkapitals von 70 auf 120 Millionen XL beschlossen. 250 nmr Sparkassen in der Slowakei. In der Slowakei sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre 250 neue Sparkassen errichtet werden. Die Bewilligung für die ersten Gemeindesparkassen ist soeben vom Finanzministerium erteilt worden. Unser Handel mit Bulgarien hat sich im Vormonat wieder erweitert. Die Tschechoslowakei war mit 17.9 Millionen Lewa(100 Lewa— XL 34.50) nach Deutschland und England drittgrößter Kunde Bulgariens, und mit 25.2 Millionen zweitgrößter Lieferant. Während im Vorjahr ein Aktivum zugunsten der Tschechoslowakei bestand, zeigt Heuer in den ersten neun Monaten die Handelsbilanz ein Aktivum zugunsten Bulgariens, welches rund 90 Millionen Lewa beträgt. war, ist am 24. Mai 1935 verhaftet worden. In einem Prozeß vor dem HUlergericht, in dem er sich mannhaft verteidigte, wurde er freigesprochen» aber sofort wieder verhaftet und in das Konzentrattonslager Sachsenburg Lbergeführt. Vor einigen Monaten wurde er nach Chemnitz in das Polizeigefängnis gebracht und es wurde ein neues Verfahren wegen Hochverrat gegen ihn eingeleitet. Dieses Verfahren ist nunmehr abermals eingestellt worden. Urich wurde jedoch nicht freigelassen, sondern neuerdings in das Konzentrationslager gebracht. Gegen mehrere andere bekannte Funkttonär« des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurde jetzt vor dem sogenannten Volksgericht in Berlin ein Prozeß wegen Hochverrats verhandeü. Unter den Angeklagten befand sich auch der ftühere Vorsitzende des Deutschen MetallarbeiterverbandeS und gewesene Abgeordnete Alwin Brandes» der trotz seiner siebzig Jahre seit vielen Monaten in Hast ist, sowie sieben Bezirksleiter des Verbandes. Brandes wurde fteigesprochen, hingegen wurden vier Angeklagte zu Strafen zwischen zwei und dreieinhalb Jahren verurteilt, andere erhielten geringere Strafen. Es wird nicht mttgeteilt, ob die Freigesprochenen tatsächlich aus der Hast entlassen oder gleichfalls wieder in ein Konzentrationslager verschleppt wurden. Ivel Kinder als Opfer eines Autowildlings Die„Sühne”: vier Monate Arrest Prag,(rb) Der Strafsenat des OGR Doktor H o m a n hatte sich neuerlich mit einem jener empörenden Fälle zu befassen, die nur allzuoft vor dem .Autosenat" zur Verhandlung kommen Am 15. Mai d. I. fuhr der 38jährige Ladislav Bam- bas auf der Koliner Landstraße gegen Prag. In der Ortschaft Hrdloiezh, unweit Prags, begegnet« der in schnellstem Tempo fahrende Wagen einem Begräbnis. Der angeklagte Autolenker, der nun nach den Vorschriften verpflichtet gewesen wäre, die Fahrtgeschwindigkeit des von ihm gelenkten Wagens soweit herabzusetzen, daß er diesen jederzeit anhalten könne, rast« in vollem Tempo weiter— nach Zeugenaussagen, die durch das Gutachten der Sachverständigen bestätigt wurden, mit mindestens 50 Stundenkilometern. Die verbrecherische Fahrlässigkeit deS Autolenkers forderte ihre Opfer. Das Auto erfaßt« zwei kleine Mädchen, die aus dem Tor eines an der Straße gelegenen Hauses herauSgelaufen kamen, um das Begräbnis in der Nähe zu sehen. Die sieben«, jährige Zdenka Sebek geriet vor die Motorhaube, wurde in voller Fahrt auf diese geworfen und nach etwa dreißig Metern zur Seite geschleudert. Die Kleine erlitt schwere Kopfwunden. Äerger erging es ihrer Spielgefährtin, der vierjährigen Irene Ko- d h s, die nebst einem Schlüffelbeinbruch so schwer« innere Verletzungen erlitt, daß sie kurz nachher im Krankenhaus auf der Bulovka ihren Verletzungen erlog. Ladislav Bambas wurde des Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens angeklagt. Bei der Verhandlung ergab sich, daß dieser Herr, der sich als .Redakteur" bezeichnete, bereits zweimal vorbestraft ist. Seine Verttidigung, daß das Unglück nur dadurch verursacht worden sei, daß der Wagen ins„Schleudern" geriet— dies ist di« stehende Ausrede in Fällen dieser Art— f tourt*« durch die Zeugenaussagen widerlegt. Mtt ihm angeklagt war die Mutter der getöteten Vierjährigen, der die Anklage zur Last legte, daß sie die ihr obliegend« Aussichtspflicht vernachlässigt habe. Nach durchgeführter Verhandlung wurde diese arme Mutter allerdings fteigesprochen, da sich ein Verschulden keinesfalls nachweisen ließ. Der angeflagte Autolenker.Redakteur" Bambas wurde dagegen schuldig erkannt und die Strafe lautete auf vier Monat« strengen Arrestes ausnahmsweise unbedingt, und zwar deshalb, weil dieser Herr bereitvorbestraft ist. Andernfalls wäre wohl auch dies« gelinde Strafe noch bedingt verhängt worden. Wenn aber in solch einem Fall der Vater eines der ermordeten— wir sagen ausdrücklich: ermordeten— Kinder, empört über den Schatten einer„Sühne", die das Verbrechen trifft, hinging« ünd, den Schuldigen blutig züchtigte, riskierte er natürlich eine weit höhere Strafe, unter Umständen auch den Kopf. Wie lange sollen wft noch auf ent anderes Strafrecht warten kl Heue nazistische Drohungen gegen Oesterreich „Lösung... In absehbarer Nähe? Die innerpolitische Lage in Deusschland drängt nach einer Entladung. Es herrscht, wie übereinstimmend aus den verschiedenen Teilen d«S Landes berichtet wird,«in« Stimmung, wie vor den großen.Explosionen" der letzten Jahre. Wo Httler das„Ventil" öffnen wird, ist nicht leicht zu erraten. Vielleicht gibt folgender Artikel der Luzerner Goebbels-Korrespondenz JPA einen Fingerzeig: „Am Wiener BallhauSplah wurde der Besuch Mussolinis in Deutschland mit gemischten Gefühlen verfolgt. Die österreichischen Machthaber waren sich darüber im Klaren, daß dieser Besuch auf die innenpolittsche Entwicklung maßgebende Rückschläge mit sich bringen werde, die außerhalb deS Konzeptes liegen, welches die jüdisch-llerika« len Kreise sich zurechtgelegt haben. Paris und Prag haben nicht unterlassen» in dieser„schwachen Stunde" mit Herrn Schuschnigg Kontakt zu nehmen, um ihn zu bestimmen, die österreichische Staatspolittk auf eine andere Achse zu verlegen. Prag ist sogar soweit gegangen, als Kompensa- sson für eine derarttge Schwenkung der Habsburger-Restauration zuzustimmen. Wir sind überzeugt, daß Herr Schuschnigg gerne mit beiden Händen zugegriffen hätte— aber diese Hände sind ihm gebunden. Sein Regimeist— zu seinem, des Papstes und der Juden Leidwesen— der Achsenpolitik R o m—B erlin unterstellt. Jnnerpoli» tisch kann sich das Regime noch austoben, außenpolitischaberheißtesbeider Stange bleiben, denn jede Schwenkung Richtung Paris oder Prag bedeutet den Verlust innerpolitischer Freizügigkeit. Das will aber nicht bedeuten, daß der gegenwärttge innerpolitische Zustand als eine Dauerordnung angesehen werden Thomas Hann über Spanien Im„Züricher BollSrecht" setzt sich in einem längeren Aussatz Thomas Mann„für das republikanische Spanien" ein. Der Dichter schildert den schändlichen Aufstand der Generale, der„mtt dem spekulierenden Ausland abgekartet wurde und von fremden, fteiheitsfeindlichen Regierungen gegen daS Versprechen wirsschastlicher und strategischer Vorteile mit Geld, Menschen und Kriegsmaterial unterstützt wird." Thomas Mann fährt dann fort: „Gegen das um seine Freiheü, seine Menschenrechte verzweifelt kämpfende Voll werden die Truppen seiner eigenen Kolonialgebjete in den Kampf geführt. Bon den Bonckenflugzeugen deS Auslandes werden seine Städte demoliert, seine Frauen und Kinder niedergemehelt— und all das heißt„nattonal", all« diese himmelschreiende Schurkerei heißt Gott, Ordnung und Schönheit. Aber das„rote Gesindel", wie eine gewisse Presse gerne sagt, nämlich das spanische Boll, verteidigt sein Leben, sein höheres Leben mtt einem Löwenmut, der dem Verdummtesten Äntereffenknecht über die hier waltenden moralischen Kräfte zu denken geben fallt«, Di« gegen muß. Niemand, auch Herr Schuschnigg, glaubt an das. Das päpstliche Hofblatt hat zwar vor wenigen. Tagen.erklärt, der Vatikan werde niemals dulden, daß in Oesterreich eine Regimeänderung eintreten werde. Aber man wird ausgerechnet den Vatikan zu Rate ziehen, wenn man das österreichische Jnnenproblem lösen will. Wir wissen, daß Klerikale und Juden in Oesterreich gegenwärtig mit einer radikalen Bekämpfung der Opposition beschäftigt sind. Willkür und Terror sind verstärü, die Spannung zwischen Regime und Voll wächst und eine Explosion liegt im Bereiche der Möglichkeit. Gewisse radikale Regime-Blätter bringen für diese Feststellung die Beweise. Dazu kann man eine erhöhte Habsburger-Propaganda registrieren. Nun liegen aber die politi- schen Erfolgs-Chancen in Oesterreich nicht beim Regime, sondern beim Bolle. Militär und Polizei sind nationalsozialistisch durchorg-anisiert und die Vaterländische Front hat praktisch keine Kraft und Bedeutung. Die„Hitler-Bewegung" steht, wenn auch„illegal", als starke VollSbewegung da. Alle Formationen— SA und SS inbegriffen — sind intakt. Diesen Tatsachen steht das Regime gegenüber, das entschlossen ist, durchzw- hallen. Wir haben diese bestehende Situatton deshalb wahrheitsgefteu darlegen müssen, weil die AuslandSpropaganda des Ballhausplatzes in den letzten Tagen wieder irreführende Artikel in die Weltpresse lanciert hat, womit versucht wird, die österreichischen Freiheitskämpfer als Hochverräter darzustellen. Wenn über nicht alle Anzeichen trügen, steht dieLösungdesinnenpoliti- schen Problems in Oesterreich, durch den Duce-Besuch in Deusschland gefördert, in absehbarer Nähe." die spanische Republik revolsserenden Militärs, soviel ist klar, haben das spanische Voll nicht hinter sich und können auch vorläufig nicht vortäuschen, daß sie es hinter sich haben, mit Marokkanern und Jnvasionstruppen müssen sie sich die Möglichkeit dazu erst verschaffen. Möge es nicht ganz genau feststehen, was daS spanische Boll will— was es nicht will, ist vollkommen klar und wutlich: nämlich den General Franco!" Schließlich wendet sich Thomas Mann gegen die Anerkennung FrancoS und erklärt, es sei gar zu empörend, verbrecherisch und widerwärtig, daß ein General zur Macht gelange, der gesagt hat, zwei Drittel deS spanischen Bolles sollten lieber deS Todes sein, ehe denn im Lande der Marxismus, daS heißt, eine bessere, gerechtere und menschlichere Ordnung siege. Deussche Gewerkschaftsfunktionäre in Hitlerkerkern (P. G.) Der in der gesamten deutschen Gewerkschaftsbewegung sehr bekannte Leiter des Metallarbeiterverbandes für Berlin, Max Urich, der auch slyialdemoftatischer Stadwerordneter Seite S »Sozialdemokrat" Dienstage 26. Oktober 1937. Nr. 25S Prag feiert Mozart Kunst und Wissen Lehrer VereinsnackuicKten der deutschen Mitbürger zur Republik bekunden Zielsetzung und die aufbauwillige Arbeit des welches „Durch • Die leichtathletische Sechskampfmeisterschaft des Prager Kreises für Männer-Vierer- mannschaften wurde auf dem VysoLaner DTJ-Sport- platze ausgetragen und von DTJ VhsoLany mit 10.829 vor Prag I u. V mit 9250 Punkten gewonnen. DTJ VysoLany gewann nicht nur den Kreismeistertitel, sondern infolge der hohen Punktezahl auch jenen des Verbandes. Bon den einzelnen Ergebnissen wäre zu erwähnen, daß Rydl(V) die 60 Meter in 7 Sek. zurücklegte und im Weitsprung den gelungenen Versuch mit 6.55 Meter nicht wiederholt«. welcher besser als die Verbandsbestleistung gewesen wäre. Tschechoslowakei gegen Oesterreich 2:1(0:1) Wien gegen Prag 0:1(0:1) In Prag ging am Sonntag die Europa-Cup- Begegnung Tschechoslowakei—Oesterreich vor sich. Die Mannschaft des tschechoslowakischen Verbandes hat diesmal wieder gewonnen, doch können wir nicht behaupten, daß dies«in Erfolg der teilweisen Verjüngung, noch jener der besseren Gesamtleistung war. Kaum eine Handvoll Spieler hat an dem unerwarteten Siege Anteil; die übrigen agierten mit viel Glück, und wenig Können. Mit einem Sturm, welcher zwei Drittel des Spiels frucht- und nutzlos mit dem Ball herumschupft und vor lauter, wohl lobenswertem. Eifer das Tor nicht findet und erst durch mehr Zufall als Berechnung zu Erfolgen kommt, wird z. B. gegen England nicht viel Staat zu machen sein. Die Zuschauer gaben über das stümperhafte Gespiele der Heimischen oftmals laut ihrem Mißfallen Ausdruck, waren aber heilfroh, daß doch ein Sieg daraus wurde und vergaßen ganz, wie bescheiden das spielerische Niveau wirkte. Die Oesterreicher zeigten mitunter ganz nette Sachen, aber das wäre — wenn man von der guten Arbeit des Schlußtrios absieht— auch alles, was von der so gerühmten Wiener Fußballschule übrigblieb. Das Half war genau so hilflos und schwamm streckenweise wie das tschechoslowakische. Und der Angriff: er kam wohl in leichterer und flüssigerer Form zu des Gegners Tor, aber gerade da ließ er alle Energie und Schußficher- Milch fürs Kind. Wie zu erwarten zarts, Vater und Mutter Mozarts und der Konstanze, B. Aus der DTJ-Bewegung Der Prager DTJ-Kreis hielt am Samstag seine Generalversammlung unter zahlreicher Beteiligung ab. Aus den erstatteten Berichten war u. a. zu ersehen, daß der Kreis—. wie auch der Verband selbst— einen außerordentlichen Aufstieg zu verzeichnen hat. denn er weist nun 277 Vereine mit 25.900 Mitgliedern auf. Bei den Wahlen wurden als neuer Vorsitzender A. Haitman und als sein« Stellvertreter Jos. Rokos und Jos. DoskoLil bestimmt. Ausflugszüge. Vom 27. Oktober bis 2. November Fischfang in der Theiß in Karpathorußland 390.— Kc, am 28. Oktober nach Läny zum Grabe des Präsident-Befreiers 18.— Kä, vom 30. Oktober bis 1. November nach Hohenelbe und Spindler- mühle 185.— KC. am 31. Oktober, am 1. und 2. November wiederum nach Läny 13.— Kc. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhofe, Telephon 38335. * In der Ausstellung„Mozart und Prag" finden wir reichhaltiges Material zusammengetragen und erhalten ein eindrucksvolles Bild von dem. was Mo zart in Vergangenheit und Gegenwart den Pragern bedeutete. Schön ist der Auftakt, in alten Reisebe schreibungen das Prag des 18. Jahrhunderts wie derauferstehen zu lassen. Dann beginnt eine unun terbrochene Reihe von Theaterzetteln, die von 1794 bis 1937, in deutscher und tschechischer Sprache, die Liebe zu Mozarts Werken dokumentiert. Besondere Abteilungen sind dem Thema„C. M. Weber und Mozart" und„Smetana und Mozart" gewidmet. Konzertzettel und ein Theaterrepertoirebuch der Jahre 1866—1874 sprechen von den Beziehungen Smetanas zu'Mozarts Kunst. Bilder'von alten und neuen Darstellern Mozart'scher Opern. Bilder von......„„., alten und neuen Inszenierungen weisen Aufsassun- i Ausstellung von Anweisungen in Anstalten, Bestäti- aen und Anschauungen der Reproduktion auf. I gung von außerordentlichen Leistungen u. ä. Flucht an die Adria Das Urania-Kino bringt die deutsche Fassung des in Prag gedrehten Filmes, der angenehme und geschmackvolle Unterhaltung bietet. Rolf W a n k a spielt den Monteur, der die Generaldirektorstochter kriegt, außerordentlich sympathisch und auch rund um ihn wird gut gespielt. Tibor von H a l m a h, Lizzi Holzschuh und unsere guten Prager Bekannten wie Els« Lord, Willy Volker führen die von freundlichem Humor und nettem Sportgeist erfüllte Handlung des Filmes zu dem vorauszusehenden happy end. Eine schöne Beigabe sind die Aufnahmen aus Dalmatien, das den Hintergrund des zweiten Teiles des Films abgibt. Neben der neuen Wochenschau bringt das Kino noch heitere Borträge von Hermann Leopolds und seiner Partnerin M il« skaja. die man in ihrem neuen Programm gern« wiedersieht. jk. Wochenfpielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute. Dienstag, halb 8: Frühlingsluft, AI.— Mittwoch. Die Zauberflöte, int Rahmen des Mozart-Festivals, B 2.—Donnerstag,%3: Warum lügst Du, Cherie?; 7: Di« Walküre, Beginn des Abonn. 1937/38, CI.— Freitag, 8: Acht Ruder im Takt, D.— Samstag, 7: Faust, 1. und 2. Teil, Ab. aufgeh.— Sonntag,%3: Bei Kerzenlicht; 8: Die Entführung aus dem Serail, im Rahmen des Mozart-Festivals. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag. 8: Die Reise, Bankbeamte I u. freier Berk— Mittwoch, 8: Parkstraße 13, Bankbeamte II u. freier Berk.— Donnerstag, 3: Menschen auf der Eisscholle; 8: Die Reise.— Freitag, 8 Parkstraße 18.— Samstag, %8: Das Glück, Erstaufführung.— Sonntag, 3: Die Reise, sh 8: Hilde und das Lotterielos, Uraufführung. DFV-Division Die sonntägigen Spiele ergaben nur in Tep- litz«ine kleine Ueberraschung, denn der' TFK konnte im Kampfe gegen VfB gerade mit Miche ein 3:2 (1:1) herausholen. Das Spiel war sehr hart und Spieler schlugen sich sogar mit Zuschauern!— DFC Prag holte sich in Gowlonz vom DSK eine glatte 4:1(2:1)-Niederlage, die seine auf dem grünen Tisch erzielten' Punkt«(Reichenberg-Spiel) wieder egalisierte.— DSV Trautenau besiegte auf eigenem Platze den BSK Gablonz mit 3:0(3:0), Sportbrüder Schreckenstein gewannen daheim über den Karlsbader FK mit 8:2(1:1) und der Warnsdorser FK blieb zufolge Platzvorteil gegen DFK Komo- tau mit7:1(4:0) erfolgreich. Die mährisch-schlesische Gruppe führte nachstehende Spiele durch: Jägerndorfer SB gegen DSV Brünn 10:0(4:0), DFC Jglau gegen DSK Teschen 2:1(1:1), DSV Witkowitz gegen CDT Kra- warn 2:0(0:0), DA) Troppau gegen DSV Oderberg 2:2(2:2). heit vermissen und das war entscheidend für den Mißerfolg der Oesterreicher. Schiedsricher war der Ungar Herzcka, der sich als diplomatischer Leiter erwies, das Halten der heimischen Verteidigung zuließ sowie beim zweiten Tor übersah, daß vorher Sesta vor dem Strafraum Hand gemacht hatte. Im Vorspiel besiegte ein tschechisches Ingen dteam jenes des DFB mit 4:2(1:1). Die deutschen Jugendspieler— von denen einige in Divisionsmannschaften spielen— machten einen guten, wenn auch uneingespielten Eindruck, so daß der routiniertere Gegner einen verdienten Sieg errang. * Die Prager Mannschaft, welche im Wiener Stadion gegen jene von Wien spielte, errang einen knappen Sieg über den fast völlig versagenden Gastgeber. Bei den Pragern war besonders das Half und die Verteidigung auf der Höhe, während es im Angriff nicht so Kappte. BolkSfinggememde. Am Dienstag Probet ab 7 Uhr Frauenchor.' ab 8 Uhr gemischter Chor. Alle Mitglieder der Freien Bereinigung sozial!« stischer Akademiker' an den deutschen^Hochschulen beteiligen sich' au der am 27. Oktober stattfindenden Republi kf eie r. Atus, Prag Das Fr du eck- And Kinderturne« findet diesen Mittwochnicht statt. Die Schule benötigt für diesen Tag den Turnsaal. Spxn*t- Spiet- JCorpeqxftege Begrüßung durch den Borfitzendrn der Borspiel zur Oper„Freischütz" Fritz B a l k: Rezitation des Briefes Adalbert Stifter. Fanfaren aus der Oper„L i b« s ch a" von B. S m e t a n a. Festrede, gehalten von Hugo Rokyta. Preislied a»S der Oper„Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner. StaatShymne. Musik des PSO unter Leitung des Kapellmeisters Hoffmann. Einlaßkarten werden in den Sekretariaten der deutsche» aktivistischen Patteien und bei Optiker Deutsch, Prag II., Graben, Palais ,Koruna", auSgegrbrn. Regiebeitrag.. Ausgabestelle für Mitglieder der deutschen sozialdemokratischen BrzirkSorganisation im Parteiheim, Prag II., Smeöky 22, 2. Stock, von 17 bis 20 Uhr. war, hat die am Samstag, den 24. d. M., im Deutschen Haus, Zimmer Nr. 6, vom Hilfswerk der Deutschen Völkerbundliga eröffnete Verkaufsausstellung sudetendeutscher und karpathendeutscher Heimarbeiten allgemeines Interesse gefunnmgibt, wird an die großen kulturellen Tradi- ..... ist. Die Republikfrier findet am 27. Oktober um 8 Uhr abends im Großen Festsaal deS Deutschen Hauses in Prag statt. Meinungen der Oeffentlichkeit geben dann Berichte der Prager Oberpostamtszeitung und Rezensionen. Besprechungen aus dem 19. Jahrhundert wieder. Höchstes Interesse verdient ein behördliches Schriftstück vom 19. Jänner 1787, in dem dem Mozart die angesuchte Bewilligung zur Haltung einer musikalischen Akademie im Noftitz'schen Theater erteilt wird. Wir finden auch' zwei alte Flügel, auf denen Mozart spielte. Wie Mozarts Kunst dann weiter in die Oeffentlichkeit drang, beweisen zahlreiche, in Prag erschienene Werke des großen Komponistn. Auch die private, intime Seite erhält Belege. Rührend betrachten wir einige Originalbriefe Mo- Frau L. Die Prager Mozart-Festtage anläßlich der 150. Wiederkehr der Prager Uraufführung der Oper„Don Giovanni" wurden Sonntag vormittags mit zwei bedeutenden Festakten eingeleitet. Zunächst wurde eine Gedenktafel an dem Hause auf dem Prager Kohlmarkte, in dem Mozart während der Prager„Don Juan"-Tage wohnte, feierlich enthüllt. Die aus rötlichem Marmor verfertigte Tafel ist die zweite, die an diesem Haus« angebracht wurde. Sie befindet sich unterhalb der vor 50 Jahren zum 100.„Don,Juan"-Gedenktag von den Prager deutschen Gesangvereinen gestifteten Gedenktafel, in der Höhe des ersten Stockwerkes und ttägt genau den gleichen Text wie diese:„I n diesem HausewohnteMozartim Jahre 1787". Das alte historische Wohngebäude war für die Festlichkeit geschmackvoll mit Lorbeer und Tan- nenreisern, die an den beiden Seitenteilen den Anfangsbuchstaben des Namens Mozart„M" in einem Kranze zeigten, geschmückt worden. Eröffnet wurde die Feier durch Fanfaren W. A. Mozarts, die von Bläsern des Staatskonservatoriums unter der Leitung Prof. Ant. Madras gespielt wurden. Der Schriftsteller Jng. O.§ o u r e k hielt die Festrede und sprach zunächst über die Genesis der Bezeichnung Prags als„Stadt Mozarts" und über di«„ununsterbliche Oper„Don Giovanni", die auch unter dem Namen„Don Juan" bekannt ist und deren erste Aufführung im Ständetheater am 29. Oktober 1787 unter der Leitung ihres genialen Schöpfers nicht nur «in glänzender Sieg Mozarts in Prag war, sondern die Stadt Prag auch für ewige Zeiten mit dem Namen dieses Künstlers verknüpft«. Es wird ewig der Stolz unserer Hauptstadt bleiben, daß die in der ganzen Welt so berühmte Oper„Don Giovanni" für sie geschrieben wurde. Das hundertste Jubiläum hat das ganze musikalische Prag seinerzeit mit begeisterten Gedenkfeiern und durch die Enthüllung einer Gedenktafel in deutscher Sprache am Kohlmarkt CNr. 420 gefeiert. Auch im nächsten halben Jahrhundert wuchs der Mozarttult in Prag ständig an, was auch aus der Tatsache hervorgeht, daß im Rahmen der heutigen Feiern die Umöleckä beseda unter Mithilfe der Gemeinde Prag und der Mozart- gemeinde in der Tschechoslowakei der deutschen Gedenktafel an diesem Haus« auch noch eine Gedenktafel in tschechischer Sprache hinzufügt. Mozart wohnte während seines Prager Aufenthalts an verschiedenen Stellen, aber hier in diesem Hause,„Bei den drei goldenen Löwen" benannt, schiss und vollendete er den„Don Giovanni" in Zusammenarbeit mit seinem Librettisten Lorenzo, da Ponte, der in dem gegenüberliegenden„Platteis" wohnt«. Bei seinem letzten Besuch im Jahre 1791 anläßlich der Krönung Leopolds II- wohnte Mozart bei der Familie D u s e k auf der B e t r a m k a. Sein Aufenthalt dauerte vom 28. August bis Mitte September. Drei Monat« später konnte Prag nurmehr über den Tod dieses großen Künstlers trauern, der den Namen Prags in der Wett so bekannt gemacht hat. Die Trauer fand ihren Ausdruck in ein«m feierlichen Requiem am 14. Dezember 1791 in der St. Niklaskirche auf der Kleinseite. Namens des Stadtrates übernahm sodann Primator Dr. Zenkl die Gedenktafel in die Obhut der Stadt und gedachte gleichfalls des Aufenthaltes Mozarts in Prag. In der Verbindung heider Gedenktafeln erblickt der Primator«inen erfreulichen Beleg dafür, daß sich auf dem Gebiet« der schönen Kunst di« Prager Bürger in voller Eintracht ohne Rücksicht auf die nationale Zugehörigkeit zu einem einzigen erhabenen Ziele zusammenschließen, man in dem Motto zusammenfassen kann: Schönheit zur Wahrheit". Die Gesangsvereinigung der Prager unter der Leitung Professor Dolezils schloß die Feier mit Smetanas„Veno". Das HauS mit den Gedenktafeln war reich geschmückt. Der Feier wohnten für die Karlsumversität der Dekan der Philosophischen Fakultät Professor Dr. Lesnh, für das Staatskonservatorrum Rettor Hofmeister, ferner der Nestor der tschechischen Komponisten B e n d l e r, Professor B r a n b e r- g e r für di« Mozartgemeinde, Dr. Svoboda für den Festausschuß, Legationsrat Hilbert für die österreichische Gesandtschaft, Dr. MojZis Lom für das Nationaltheater. Professor K o c i a n sowie zahlreiche weitere Persönlichkeiten der Kunst und der Musik bei. Eine Stunde darauf wurde eine Mozart- Ausstellung im S p i e g e l s a a l e der Rational- und Universitätsbi- b l i oth e k festlich eröffnet. Auch hier dienten Mozart-Fanfaren zur festlichen Einleitung der Feier. Die Eröffnung s r e d« n hielten Universitätsbibliotheks-Direktor E m l« r und Ministerialrat Dr. Branberger. Den Beschluß des Eröffnungs-Festaktes bildete das vom OndiiLek-Quartett gespielte A n d a n t e aus MozartsD-Dur-Streich q u ar- tett. E. I. Mitropa-Cup endlich beendet. Die in diesem Jahre ausgetragene Konkurrenz mit ihren vielen Krachs und politischen„Empfindlichkeiten", die auch zu einem„Sportkrieg" zwischen Italien und Oesterreich(I) führten, hat nun in Rom mit der zweiten Begegnung Ferencvaros Budapest und Lazio Rom ihren Abschluß gefunden. Die Budapester, welche schon das erste Spiel mit 4:2 gewannen, blieben auch diesmal nach wechselvollem Kampf mit 5:4 (4:3) erfolgreich, so daß sie als Gesamtsieger aus dem Bewerb hervorgehen. Das einzige Ligaspiel fand in M.-Ostrau statt, wo der SK Schles.- Ostrau nach einem recht stürmisch verlaufenem Spiel über Viktoria Pilsen mit 4:3(2:2) siegreich blieb. Sonstige Fußballergebniffe. Kralup: Slavia Prag gegen SK 3:1.— Kolin: AFK gegen Hvözda Kosir 4:2, Div.-M.— Pardubitz: SK gegen Meteor VIII 6:4, AFK gegen CSK Jglau 6:3.— Semtin: Explosia gegen SK Königgrätz 2:2(1:1).— Turn: SpBg Bodenbach gegen SK 3:0.— Kopitz: Viktoria ZiZkov gegen CSK 4:1. — Pilsen: SK gegen Doudlevc« 10:1.— Brünn: Zidenice gegen Mor. Slavia, 16:0. Proßnitz: SK fleaen Moravia Brünn 4:0.—< Zlin: Bata gegen Rolny Proßnitz 1:0. Div.-M.—- M.-Ostrau: SK MichaÜowih gegen Slavia 2:1, Div.-M.— Kremsier: Han. Slavia gegen SK Königsfeld 4:1, Div.-M.— Olmütz: Aso gegen Slovan M.-Ostrau 8:1, Div.-M-— Sillein: SK gegen CSK Preßburg 3:1.— Budapest: Hungaria gegen Uipest 8:1.— Wien: Admirck gegen FAC 4:3, Wacker, gegen Vorwärts 0:1, Sport- kltch gegen Altona 1:0.— Bukarest: UngarnB gegen Rumänien 3:0.— Berlin: Deutschland gegen Norwegen 3:0.—Belfast: England gegen Irland 5:1. Der Junioren-Leichtathletikwetttampf Tschechoslowakei gegen Oesterreich in Prag endete mit dem Punktesiege von 61:54 zugunsten der Tschechoslowakei. Eishockey. Der LTC Prag hat seine Saison mit dem alljährlichen Ausflug ins Dritte Reich«in» geleitet. Er trug' m Berlin drei Spiele aus, die alle zu seinen Gunsten ausfielen. B e z u g s b e d i n g un g en: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährlich KL 48.—. halbjährig KL 96.- ganzjährig K 192.—.— Inserate-werden laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung.on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rctourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost- und Tele« ' graphendtrektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Konttollpostamt Praha 25.— Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag. An die deutsche Bevölkerung Prass I Die deutschen aktivistischen Parteien und die deutschen aktivistischen Jugendgruppen in Prag haben beschlossen, den diesjährigen Gedenktag der Staatsgründung mit einer würdigen Feier zu begehen. Diese Gedenkstunde soll die Loyalität und eine Manifestation für die ideologische deutschen Attivismus im Staate sein. Der festliche Rahmen, der die Gedenkstunde tionen anknüpfen, deren sich unser Volk bewußt Festfolsei „Bezirksstelle der deutschen attivistischen Patteien". von Carl Matta Weber. „Die Freiheit der Prüfstttn der Charattrre" von den und große Befriedigung ausgelöst. Die ausgestellten Gegenständ« haben durch ihre solide und geschmackvolle Ausführung und durch die außerordentlich niedrigen Preise den ungeteilten Beifall des kauflustigen Publikums gefunden. Da die Vorräte an Heimarbeiten sehr reichhaltig sind und der Ausstellungsraum nicht genügend groß ist, um Proben aller Art gleichzeitig zu bringen, wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Ausstellung täglich ergänzt und mit neuen Verkaufsgegenständen beschickt wird. Der Verkauf findet bis 4. November täglich von 10 bis 18 Uhr statt. Der Gesamterlös wird der Bezirkskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge zur Milchbeschaffung für deutsche notleidende Kleinkinder überwiesen werden. Todessprung aus dem vietten Stock. Gestern vormittags sprang di« 55jährige Beamtenswitwe Anna Zikmund in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster ihrer im vierten Stock des Hauses Nr. 630 in der Gregorgasse in Wrschowitz gelegenen Wohnung in den Hof und blieb auf der Stelle tot liegen. Ursache der Tat dürfte eine langwierige Nervenkrankheit sein. Schießerei im Wohnwagen. Gestern wurde auf der Liebener Polizeiwachstube die Anzeige erstattet, daß Samstag nachts in einem Liebener Wohnwagen der dort wohnende Bohumil Chadraba von zwei Glasschleifern übettallen worden sei. mit denen er in Kolin vor einigen Tagen einen Streit gehabt habe. Die Attentäter seien mit einem Wagen gekommen und wieder davongefahren, so daß sie bisher nicht stchergestellt werden konnten. Im Verlaufe der Aus-, einandersetzung hätten sie etwa sechzehn Revolverschüsse abgegeben, von denen aber zum Glück keiner traf. Zwtt Arbeiter verbrüht. Der 25jähttge technische Beamte Jaromir Pett aus Holleschowitz und der 24- jährige Maschinenschlosser Rudolf Rychter aus Lieben wurden gestern vormittags ins Krankenhaus auf der Bulovka eingeliefett; sie waren kurz vorher, als sie erhitztes Cyansalz in Flaschen füllen wollten, bei der Explosion einer Flasche von der heißen Masse bespritzt wotden und hatten verschiedene Verbrennungen erlitten. Pett hatte Verbrennungen 2. Grades an Hals, Gesicht und Händen; die Verletzungen Rychters sind leichterer Natur. An» dem Heilfond» der öffentlichen Angestell- ten. In den Tagen vom 29. bis 30. Oktober wird in der Zentrale des Heilfonds der öffentlichen Angestellten in Prag II., Hybernskä 10, infolge Grundräumen der Amtslokalitäten nur im be- I schränkten Ausmaße amtiert werden. Es werden nur > dringende, unaufschiebbare Fälle erledigt, wie z. B. I