Sozial- emokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Monta- täglich sriih/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag Xll., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Mittwoch, 27. Oktober 1937 Aus dem Inhalt: Staatsausgaben für 1938 festgesetzt Neudeker Arbeiter im Dritten Reich gefangen Stoupal gibt ein Amt ab Maurice Thorez ein„Trotjkist“? Nr. 253 Franco-Angriffe scheitern unter schweren Verlusten de Man— Nachfolger van Zeelands? Brüssel. König Leopold III. hatte im Saufe des Dienstag hintereinander BespNchnn- gen mit den Vorsitzenden des Senates und des Abgeordnetenhauses sowie mit den Führern der wichtigsten politischen Parteien, mit denen er über die Lösung der Regierungskrise beriet. Die Führer der sozialistischen Partei haben einen Aufruf rrlaffen, in welchem es heißt, daß ihrer Ansicht nach der Vorsitzende der Regierung in dem neuen Kabinett der nationalen Konzentration ein Vertreter der sozialistischen als der zahlenmäßig stärksten Partei sein sollte. Die sozialistische Partei verfügt in der Kammer bei einer Gesamtzahl von 202 Abgeordneten über 70 Sitze. Als aussichtsreichsten Kandidaten bezeichnet man den Finanzminister im scheidenden Kabinett d e M a n, der van Zreland bereits in seinem Amte als Vorsitzender vertrat, als dieser auf Urlaub weilte. Farblose Thronrede Im Oberhaus Scharfer VorstoB der Opposition London. König Georg VI. eröffnete am Dienstag zum ersten Male die Session des britischen Parlamente- nach der traditionellen feierlichen Wagenfahrt vom Buckinghampalais ins Oberhaus.. In seiner Botschaft an daS Parlament heißt es u. a.: Unsere Beziehungen zu den übrigen Staaten sind auch w eiterhin freundschaftlich. Meine Minister verfolgen mit wachsender Besorgnis das Andauern des spanischen Konfliktes. Es ist ihr Streben, mit allen ihren Kräften zu einer Wiederherstel-- lung des FriedensinSpanienbeizutragen. Sie sind der Ansicht, daß hiezu die strenge Einhaltung der Politik der Nichteinmischung in die spanischen Angelegenheiten erheblich beitragen wird. Meine Regierung widmet auch der Lage im Fernen Osten sorgfältige Aufmerksamkeit und sie wird auch weiterhin von dem Bestreben geleitet sein, unter Mithilfe der übrigen Regierungen, mögen sie dem Völkerbunde angehören oder nicht, den Leiden, die der Konflikt im Fernen Osten verursacht, sowie auch dem Konflikt selbst, ein Ende zu bereiten. Der König sprach dann über die Fortschritte der englischenRüstungen sowie über die Besserung auf dem Gebiete des Handels und der Industrie und gab dann einen Umriß des innerpolitischen Legislaturprogramms. » Im Parlament wurde noch am Vormittag die Debatte zur Königsredr eröffnet. Die Labour Party beschloß in einer Sitzung u. a. einen An-! trag zur Königsrede, worin das Bedauern darüber ausgesprochen wird, daß die britische Außenpolitik schwankend sei, die Aussichten auf, einen dauernden Frieden und die nationale Sicherheit gefährde und durch ihren Mangel an konstruktiven Vorschlägen den britischen Einfluß verringere. In der Debatte bemängelte der Führer der Arbeiterpartei A t t l e e«. a. den Satz der Königsrede:»Meine Beziehungen zu de» fremden Mächten bleiben weiterhin freundlich", was Attlee mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage, die durch die offenen und versteckten Angriffe an verschiedenen Stellen des Weltreiches gekennzeichnet sei, nicht angezeigt findet. Attlee vermißt in der KöuigSrede jede außenpolitische Planung der Regierung sowie einen Hinweis auf die Heiligkeit der Verträge und die Notwendigkeit, Gesetz und Ordnung aufrechtznerhalten. Traditionelle Prunkentfaltung Zum erstenmal seit 33 Jahren hat bas britische Königspaar die zeremonielle Galafahrt in der acht- spännigen Karosse über die sandbestreuten Straßen zur Parlamentseröffnuug nach Westminster unternommen. Das Oberhaus bot das traditionelle Bild eines solchen TageS: Die geistlichen Lords, die Richter und die anderen Oberhausmitglieder in vollem Ornat und Purpurmänteln- die hohen Hosbeamten und Marschälle in ihren historischen Trachten, die Diplomaten, die direkt vor den Thronseffeln Aufstellung genommen hatten, in Schwarz. Die Toiletten der weiblichen Oberhausmitglieder bezeichnet Reuter als eine Parade der 80 prächtigsten Mannequins im ausgewähltesten Rahmen. Barcelona. Seit Montag nachmittags toben an der Aragonfront, namentlich nn Abschnitt Selva d« Osan und Ermito de San Pedro erbitterte Kämpfe. Rach langer Artillerievorbereitung und einigen Anflügen der Bombenflugzeuge eröffneten die Aufständischen einen heftige» Angriff und rS gelang ihnen, den Fluß Base zu überqueren. Bon diesivm Zeitpunkte an entbrannte ei« furchtbare Schlacht. Einige Male kam es Mann gegm Mann zu Bajonrttkämpfen. Gegen Abend wurden auf RegiernngSseite frische Kampfeinheiten in die Schlacht geworfen, denen es im Bajonettkampf gelang, die Aufständischen zurück- zudrängan und die ursprünglichen Stellung« wieder zu erobern. Dienstag vormitbagS griffen die Aufständischen noch einige Male an, waren aber nach heftig« Angriffen der Regierungstruppen genötigt, neuerlich über den Fluß Basa zurückzn- gehrn. Der Kampf nimmt mit unverminderter Heftigkeit seinen Fortgang. Die Verluste auf beiden Seiten sind groß. Auch im Abschnitte Brunetr nordwestlich von Madrid griffen die Aufständischen die Stellungen der Republikaner an. In Madrid war den ganzen Dienstag über Grschützfeuer von der Front zu i vernehmen. Nach der Artillerie-Vorbereitung machten die Franro-Truppen an mehreren Stellen östlich und westlich des Dorfes Brunetr Ausfälle. Die Regierungstruppen ließen den Feind B erlin. Der Reichsbankdireftor und bisherige Reichswirtschastsminister Dr. Schacht erklärte Dienstag in einer Teegesellschaft, die zu Ehren des von Berlin scheidenden amerikanischen Generalkonsuls Jenkins gegeben wurde, lächelnd: »Ich bin endgültig nicht mehr Wirtschaftsmini- ster." Weiters führte Dr. Schacht an, daß er schon seit Mitte August nicht mehr im ReichswirtschaftS- Schanghai. Rach einer heftigen Schlacht, der erbtttertsten seit Beginn des japanischen Feld- zuges» besetzten die Japaner am Mittwoch Tals ch a n g und M i a t s ch a n g. Der japanische Vormarsch wurde durch intensive Artillerie» und Fliegervorbereitung erleichtert; mehrere Tage hindurch überschütteten diese beiden Waffengattungen die chinesischen Stellungen mit einem Hagel von Granaten und Bomben. Mehr als 100 japanische Flugzeuge beteiligten sich an dem Bombardement. Außerdem gestattete das günstige Wetter den Japanern die massenweise Benützung ihrer motorisierten Einheiten. Der Fall von Tatschang und Miatschang bedeutet eine durchgreifende Aenderung der Lage. Es besteht die Gefahr, daß die chinesischen Truppen, welche Kianjuan verteidigen, eingeschloflen werden. Die chinesischen Einhetten haben den Befehkznm Rückzug erhalten. Japanischen Nachrichten zufolge haben am Nachmittag japanische Abteilungen bereits die radiotelegraphische Station in Tschenju an der Eisenbahnstrecke S ch a« g h a i—N anking besetzt. * Die Einnahmen des Befestigungsvrertel von Tatschang, zehn Kilometer nordwestlich von Schanghai, und der gleichzeitige Borstoß gegen die Schanghai-Nanking-Bahn werden in japanischen Kreisen als eine»entscheidende Wendung" bezeichnet. Die japanischen Frontbrrichte sprechen von modernsten chinesischen Befestigungen» die nur schrittweise erobert werden konnten. '» Meldungen aus Takunpao zufolge unternahmen japanische Truppen den Versuch, auf bis zu den Gräben herankommen, worauf sie ihn ins Kreuzfeuer der automatischen Waffen nahmen. Der Angreffer mußte unter großen Verlusten zurückweichen. Bestien... Das im französischen Baskenland erscheinende Blatt,,E«zka Dien" erhält aus glaubwürdiger Quelle die Nachricht, daß die Rebellen 38 Frauen erschossen haben, die seinerzeit nach Frankreich geflüchtet sind, dann aber wieder repatriert wurden. Mussolini schickt neues Kanonenfutter London. Botschafter Majsti erklärte in seiner Rede im Subkomitee des Nichteinmischungsausschusses, daß in Spanien weitere italienische Verstärkungen eingetroffen und daß erst vor zwei Tagen in C a d i g drei italienische Regimenter ausgeschifft worden seien. Meldungen aus Paris besagen ebenfalls, daß die Ausschiffung von Kriegsmaterial für Franco in Cadir ruhig weitergeht. Augenblicklich sind zwei italienische„Hospitalschiffe* damit beschä-- tigt, derartige Ladungen im Arsenal von Mata- gorda z« löschen. Der Kreuzer„D rutsch- l a n d" ist Dienstag abends in Algeciras eingelaufen und hat 100 Marokkaner und 300 Italiener an Ltznd gefetzt. Ministerium gewesen.sei. Die Bekanntgabe seines Rücktrittes dürfte Mittwoch erfolgen. In offiziellen Kreisen wird indessen noch immer erklärt, daß in dieser Angelegenheit bisher noch keine Entscheidung getroffen wurde. Uebrigrns bleibt Dr. Schacht nach seiner Restgnation als Minister weiterhin Präsident der Reichsbank. der Insel Kinmen, unweit Amoy, in der Provinz Fukien an Land zu gehen. Nach einem 20 Minuten dauernden Kampf wurde sie jedoch genötigt, wieder an Bord zurückzukehren. Ein Flugzeugmutterschiff, zwei Kreuzer und drei Torpedobootzerstörer, an deren Bord Infanterie befördert wurde, sind unweit des Hafens von Amoy vor Anker gegangen. Chinesische Offensive in Nordchina Das Hauptquartier der chinesischen Armee in Nordchina hat dem Marschall Tschangkaffchek telegraphisch mitgeteilt, daß die Armee eine heftige Offensive gegen die Japaner begonnen habe. Zwei Divisionen haben den Tschangfluß in der nördlichen Provinz Honan überschritten- General Litsunjang erklärte nach der Rückkehr von der Front an der Bahnlinie Tientsin— Nanking, daß in der Provinz Kwangsi mindestens eine Million ausgebildeter chinesischer Soldaten bereit stehen. Oer türkische Premier ausgewechselt Ankara? Ministerpräsident JsmetJnödü überreichte dem Präsidenten der Revublik die Demission des Kabinetts. Kemal Matürk hat die Demission angenommen und den bisherigen Wirtschaftsminister Izmir Dschelal Basar mit der Bildung der neuen Regierung betraut. Die neue Regierung, deren Zusammensetzung beinahe dieselbe geblieben ist, hat bereits unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ihre erste Sitzung abgehalten. | Um Schule und Zukunft Der Rückgang der Geburten innerhalb des Sudetendeutschtums, der seit einigen Jahren anhält, hat im heurigen Schuljahre auch zu einer Abnahme der Zahl der Volks- und Bürgerschülec geführt. In Böhmen ist die Anzahl der Kinder an den deutschen Volksschulen von 215.137 im vorigen Schuljahre auf 208.276 im heurigen, d. i. um 6861 oder 3.18 Prozent zurückgegangen, die Zahl der deutschen Bürgerschüler von 53.044 auf 50.443, d. i. um 2601 oder 4.9 Prozent, wobei wir von den Besuchern der vierten Bürgerschulklasse absehen, weil dieser Besuch freiwillig erfolgt und nicht in die achtjährige Schulpflicht fällt. Allerdings möchten wir hier der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Schulpflicht in nicht allzuferner Zeit um ein weiteres Jahr verlängert wird, schon deswegen, um einen ganzen Jahrgang Heranwachsender Menschen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten. Der Rückgang der Schüleranzahl barg dir große Gefahr des Abbaues unseres sudetendeutschen Schulwesens in sich. Diese Gefahr ist für das heurige Schuljahr abgewendet worden. Trotz der geringeren Zcchl der Volks- und Bürgerschüler ist die Zahl der deutschen Volks- und Bürgerschulen in Böhmen nicht zurückgegangen. Im Schuljahre 1936/37 hatten wir in Böhmen 2226, im heurigen Jahre haben wir 2227, Volksschulen. Auch die Zahl der Bürgerschulen ist von 278 auf 280 gestiegen und erst in der gestrigen Sitzung der deutschen Sektion des Landesschulrates für Böhmensist eine weitere deutsche Bürgerschule(in Tyssa bei Bodenbach) bewilligt worden. Noch günstiger als in der Statistik der Schulen ist da- Bild in jener der Schulklassen. Die Anzahl der Bolksschulklaffen ist von 6021 auf 6074(um 53), jener der Bürgerschulklaffen von 1332 aut 1348(um 16) gestiegen. Die Folge davon ist. daß die Anzahl der Schüler pro Klaffe zurückgegangen ist. In einer Volksschulklasse gab es im Vorjahr durchschnittlich 35.7 Schüler, Heuer 34.3, an einer Bürgerschulklasse im vorigen Schuljahre 39.8, im heurigen 37.4. Wir können daher objektiv feststellen, daß trotz des Kinderrückganges die Zahl der Volks- und Bürgerschulen sowie die Zahl der Klassen nicht nur nicht zurückgegangen, sondern sogar gestiegen ist. Damit ist die Zähl der Schüler pro Schulklasse gefallen, was vom Stand- punkt der Erreichung des Lehrziels und der Ausbildung unserer Jugend bedeutsam ist. Die Befürchtung, die jeder an der Volks- und Bürgerschule interessierte Mensch— und wer ist es nicht?— hatte, daß die Verminderung der Kinderanzahl zu einer Verschlechterung und niederem; Organisation unseres deutschen Schulwesens führen wird, sind nicht eingetreten. Was ist die Ursache dieser erfreulichen Entwicklung auf dem Gebiete des Schulwesens? Vo: allem die Novelle zum kleinen Schulgesetz, welche die beiden Häuser des Parlaments vor den Svm- merferien angenommen haben. Während früo-: die gesetzliche Höchstzahl her Kinder in eine: Klaffe 60 betrug, wurde diese Ziffer für jene Parallelklaffen, die schon im Vorjahre bestand?? haben, auf 45 herabgesetzt. Wenn zum Beispiel in einer schon früher bestandenen Klaffe die Zahl d:r Schüler so sank, daß die Parallelklaffe mit der Hauptklaffe 50 Schüler zählte, so wäre die Pa- rallelklasse vor der in Rede stehenden Novelle von 1937 aufgehoben worden, was auf Grund des neuen Gesetzes heuer nicht geschah. Dazu komm- noch, daß sowohl der böhmische Landesschulrat al- i auch der Landesausschuß für Böhmen in liberal-: Weise vorgegangen sind, das neue Gesetz folgerichtig angewandt haben und in einzelnen Fällen, wo die Schulzimmer zu klein waren oder wo besondere soziale Berhältniffe ins Treffen geführt wurden, über das Gesetz noch hinausgegangen sind. Gewiß ist nicht allen Wünschen Rechnun' getragen worden, insbesondere die Tatsache, daß Kinder unter sechs Jahren und solche von Ausländern nicht mitgezählt werden, verlangt ei^e gesetzliche Neuregelung. Aber die angeführte Sta tistik zeigt doch, daß ohne Härte vorgegangen wurde. Die Aufrechterhaltung und der weitere Ausbau unseres Volks- und Bürgerschulwesens, de: durch die gesetzlichen und behördlichen Verfügur gen des heurigen Schuljahres wenigstens ni t verhindert wird, ist für das Sudetendeutschtu r eine Lebensfrage. Je beffer qualifiziert unser Jugend ist, desto eher wird sie im Erwerbsleben unterkommen. Unser Streben muß sein, daß jede,' isudetendeutschen Kind der Besuch einer Bürger- Schacht: ich bin nicht mehr Wirtschaftsminister I Japanischer Durchbruch bei Schanghai? Teilt 2 Mittwoch, 27. Oktober 1937 Nr. 253 schule ermöglicht wird. Das Gesetz über die Sprengelbürgerschulen gibt uns auch dazu die gesetzliche Voraussetzung, es liegt an uns Sudetendeutschen, aus einer Möglichkeit eine Wirklichkeit zu machen, die öffentliche und prjvate Fürsorge mutz es den allerärmsten Eltern ermöglichen, ihr Kind in die Bürgerschule zu schicken. Die Krise der Wirtschaft hat uns die sittlichen und wirtschaftlichen Gefahren vor Augen geführt, die eine längere Arbeitslosigkeit für unser Volk und insbesondere unsere Jugend mit sich bringt. Je mehr unsere Kinder lernen, desto mehr, schützen wir sie vor Arbeitslosigkeit und damit vor völliger Deklassierung. Trotz des Kinderrückganges darf es also keinen Abbau unseres Schulwesens geben; neben den Volks- und Bürgerschulen, dürfen wir auch an die Fachschulen nicht vergessen, auf deren Bedeutung schon Masaryl hingewiesen hat. Wir müssen auch gute Lehrerbildungsanstalten haben, sollen unsere Volks- und Bürgerschulen sich weiterentwickeln, unsere technischen Hochschulen müssen auf der Höhe sein, wenn wir gute Gewerbeschulen haben wollen und unsere deutsche Universität muß uns gute Mittelschullehrer, Juristen und Aerzte erziehen. Das Geld, das wir für unsere Schulen opfern, ist gut angelegt. Es dient dazu die Völker dieses Staates wirtschaftlich, geistig und sittlich zu erziehen, eine solch« Generation zu schaffen, in deren Händen die heute unsichere Zukunft der Menschheit in guter Hut sein wird. Symbolische Abberufung gefallen London,(Reuter.) Der Borsttzmde und der Sekretär de- Nichtinterventiousawsschnffes wurden ersucht, unverzüglich di« Vorschriften und Vollmachten für die beiden Kommissionen, welch« «ach Spanien entsendet werd« sollen sowie das Mitgliederverzeichnis däeßer Kommissionen auS- zuarbeitcn. Bon dem Vorschläge der„symbolischen" Abberufung der Freitvilligen wurde Ab st and genommen. Der französische Botschafter Sorbin erklärte, die Landkontrolle könne nicht wieder hergestellt werden, solange nicht das genaneDa- t u m für die Abberufung de« Freiwilligen festgesetzt fein wird. » Im Subkomitee einigten sich die Delegierten mit Ausnahme des sowjetruffischen Botschafters Majski über den definitiven Wortlaut der Resolution, welche den beteiligten Regierungen nach der Sitzung des Subkomitees am letzten Freitag vorgelegt wurde. Manöver auf Zeitgewinn London. Reue Instruktionen aus Rom, die Grandi im Richtinterventionskomitee vorzu- bringen hat, sollen in nachfolgenden Punkten die italienische Bereitschaft zu einer weiteren Mitarbeit im Spanienausschuß darlegen. Darnach erklärt sich Italien 1. bereit, in eine symbolische Freiwilligenzurückziehung von 5000 einzuwilligen, vorausgesetzt» daß eine gleich große Anzahl der auf Seiten der spanischen Regierung kämpfenden Freiwilligen rückgeleitet wird. 2. Italien steht ab von der Forderung nach einstimmiger Annahme der Anträge im Richt- intervrntionSausschutz und ist bereit, einer Einigung so lange beizupflichten, als unter den, sie billigenden Mächten Einstimmigkeit darüber besteht, daß die zu verfolgende Politik sich auf die britischen Borschläge bezieht. 3. Die italienischen Vorbehalte, sich an die Ergebnisse der Untersuchnngskommission nicht gebunden zu fühlen, sind so zu verstehen, daß Italien lediglich im Falle eines UeberschreitenS der Befugnisse dieser Kommission oder auS Einwänden, di« sich aus der mangelnden Kompetenz ergeben, seinerseits diese Resultate ablrhnen könnte. Der über die italienische Politik stets gut informierte„Evening Standard" veröffentlicht diese, wie er schreibt von maßgebender Seite stammende Nachricht, in optimistischer Aufmachung. Es ist aber hiezu z« sagen, daß die höhere Zahl der symbolisch abzuberufenden Freiwilligen kein Entgegenkommen darsteflt, da es sich einseitig gegen die spanische Regierung auswirken müßte, weil ja Franco dir größere Zahl von Hllfstruppen zurückbehült. Auch die übrigen Borschläge bewegen sich in der Linie der bisherigen italienischen„RichtinterventionSpolitik", das heißt, sie«ersuchen zwar durch geschickte Taktik einen Bruch im Mchtinterventionskomitee zu vermeiden, ohne aber die Benvirllichung der Nichtintervrntion ernstlich sichern zu wolle« und zu dem Zweck, inzwischen Zeit zu gewinnen. Annäherung London—Lissabon London.(Eig.-Ber.) Am Montag hat sich eine britische Marine- und Militärdelegation nach Portugal begebem welche die Aufgabe hat, die traditionell guten portugiesisch-britischen Be« Ziehungen wieder herzustellen, welche im letzten Jahr infolge der Ereignisse in Spanien eine Verschlechterung erfahren haben. Den Anstoß zu der Entsendung dieser Kommission gab kürzlich die portugiesische Regierung, welche in London die Erklärung abgeben ließ, daß sie an der bisherigen Leitlinie der portugiesischen Außenpolitik festhalten wolle. Die portugiesische Regierung betrachte das Bündnis mit Großbritannien als Pfeiler ihrer Außenpolitik und Grundlage ihrer Kolonialpolitik. Die Haltung Portugals ist im Zusammenhang mit den Ereignissen in Spanien und mit der Lage im Mittelmeer für Großbritannien sehr wichtig. Attentat In Barcelona Barcelona.(Eig.-Ber.) Einem amtlichen Kommunique zufolge wurde am Montag nachmittags ein Attentat gegen den Wirtschaftsminister der Generalidad,Juan Eommorer a, verübt. Unbekannte Täter brachten beim Eingang zu seiner Wohnung eine Höllenmaschine an, welche in dem Augenblick explodierte, als Com« morera nach Hause zurückkehrte. Die Explosion verursachte bloß unbedeutenden Sachschaden. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur. Commo- rera ist gemäßigter Sozialist. Staatssekretär Schmidt in Warschau Warschau. Der österreichische Staatssekretär für Aeußeres Guido Schmidt ist am Dienstag zu offiziellem Besuche in Warschau eingetroffen. Auf dem Bahnhose begrüßten ihn Außenminister Beck in Begleitung von Beamten seine» Ressorts sowie die diplomatischen Vertreter Deutschlands, Italiens und Ungarns. Bei dem Besuch soll ein polnisch-österreichisches Kulturabkommen unterzeichnet werden. heue Mordtaten in Palästina Jerusalem. In der Jerusalemer Altstadt wurden Dienstag in der Nähe des Judenviertels zwei jüdische Polizisten niedergeschossen. Einer von ihnen war sofort tot der andere ist schwer verletzt. Die Gewehre der beiden wurden entwendet. Die Täter konnten entkommen.— Auf dec Straße Jericho—Jerusalem wurde das Lastautomobil einer Kaligesellschaft angegriffen. Der jüdische Chauffeur wurde durch einen Schuß getötet. Der den Wagen begleitende Polizist wurde verletzt. Brüsseler Konferenz verschoben London.(Reuter.) Die belgische Regierung fragte bei der britisches Regierung an, ob sie mtt der Verschiebung des Beginnes der Neunmächtekonferenz auf den 3. November einverstanden sei. Die britische Regierung würde es lieber sehen, wenn die Konferenz schon am 30. Oktober zusammenträte, sprach jedoch ihre Zustimmung zu dem belgischen Vorschlag aus, um der belgischen Regierung keine Schwierigkeiten zu bereiten. Zur definitiven Festsetzung des neuen Datums bedarf es noch der Aeußerung der interessierten Mächte. Londoner Informationen zufolge wird die Konferenz voraussichüich die Einladung Deutschlands und der Sowjetunion beschließen. Hierauf dürste eine Vertagung auf den 9. November erfolgen, um den beiden Staaten zu ermöglichen, auf die Einladung zu antworten und eventuell ihre Delegationen zu entsenden. Staatsausgaben für1938 festgesetzt Genehmigung der Einnahmen im nächsten Ministerrat Prag. Amtlich wird gemeldet: Der Ministerrat hielt Dienstag abends eine außerordentliche Sitzung ab, in welcher er sich auf Grundlage der Berichte und Anträge der engeren Ministerkomitees für politische und Wirtschaftsftagrn mit der Durchberatung der endgültigen Regelung der A u s g a b e n s e i t e des Staatsbudgrtent- wurfes für das Jahr 1938 beschäftigte. Der Entwurf wurde vom Ministerrat definitiv angenommen. Stoupal geht ab Der bisherige Vertreter der republikanischen Partei im mährischen Landesausschuß, Viktor Stoupal, der sich vor einiger Zeit einen Urlaub von dieser Stellung erbeten hat, wird nicht mehr in den Landesausschuß zurümehren. Sein Nachfolger ist der Vorsitzende des agrarischen Klubs in der mährischen Landesvertretung, Bäc- lav V o l n h. Auch der bisherige Vertreter der tschechischen Volkspartei, Prof. Fr. D r o b n h. wird in der nächsten Zeit zurücktreten, er ist als Nachfolger des verstorbenen Abgeordneten Sta- ntk zum Generaldirektor der Mährischen Hypothekenbank ausersehen. Damit scheiden zwei Männer aus dem mährischen Landesausschuß, die dort eine große Rolle gespielt haben. Drobnh war jahrelang Finanzreferent, während Stoupal einer der mächtigsten Männer in der Republikanischen Partei ist und insbesondere in großen wirtschaftlichen Unternehmungen der Agrarier in Mähren den entscheidenden Einfluß besitzt. Es ist auch bekannt, daß Stoupal zum rechten Flügel der Agrarier gehört und Beziehungen zur SdP hatte. Ernährungshilfswerk der deutschen Jugendfürsorge Neben der Ernährungshilfe, für deren ehesten Beginn in den bedürftigsten Bezirken die Deutsche Jugendfürsorge den Betrag von 340.000 KC durch anderweitige Zuwendungen freimachen konnte, wird von ihr für den Winter 1937/38 wieder das große Ernährungswerk vorbereitet, das schon durch Jahre mit Millionenbeträgen unseren hungernden Kindern zühilfe kommt. Die Zweigvereine sind bereits zur Ausnahme aller Vorarbeiten angewiesen, wobei— wie es in den Richtlinien heißt— der Grundsatz zu gelten habe, daß bei st r e n g st e r Auswahl möglichst vielen Kindern durch längere Zeit eine Ernährungszubuße zu vermitteln ist. Die Einnahmenseite des Budgets wird den Gegenstand der Verhandlung und endgültigen Redaktion in der nächsten ordentlichen Ministerratssitzung bilden. Weiters bewilligte der Ministerrat für eine weitere Unterstützungsperiode von Anfang November ab die notwendige» Mittel für die weitere Durchführung der staatlichen Berpflegs- und Brotaktion für Arbeitslose sowie für die Milch- aktion für di« Kinder Arbeitsloser. Dieses Ernährungshilfswerk rechnet auch Heuer mit der staatlichen Zuwendung, die stir die Unterstützung von bedürftigen Kindern der Deutschen Jugendfürsorge in den letzten Jahren zur treuhänderischen Verwendung zugewiesen wurde. Im letzten Winter wurden in 1354 AuS- speisestellen 89.159 Kinder mit einem Gesamtaufwand von Kö 2,853.250.55 durch längere Zeit(Durchschnitt 49 Tage) ausgespeist. In der Aufwendung sind bedeutende Naturalspenden nicht mit verrechnet, so daß der tatsächliche geldliche Umsatz noch höher zu bewerten ist. 80 Prozent dieser Aufwendung stellen die eigene Leistung der Deutschen Jugendfürsorge dar, 20 Prozent die Zuwendung des Ministeriums für soziale Fürsorge, um deren Erhöhung und Anpassung an den tatsächlichen Notstand sich die Deutsche Jugendfürsorge dauernd bemüht. Für das kommende Hilfswerk wurde die Weisung ausgegeben, auch das durch Ernährungsschäden besonders gefährdete vorschulpflichtig« Kind in die Ernährungshilfe mit einzubeziehen. Dies« bedeutenden Leistungen unseres Jugendschutzwerkes sollten gerade im Kinderschutzmonat hie gehührende Wertung durch die deutsche Oeffenttichkrit finden. Der Präsident der Republik empfing am Dienstag den rumänischen Gesandten Aurelian, ferner den scheidenden italienischen Militärattache Oberst Roda und den neuen italienischen Militärattache Oberst di Bonza. Sodann empfing der Präsident den Obersten des Gene- ralstabes Eduard H o r ä k und hierauf den Vorsitzenden des Radiojournals Dr. Ladislav Sou» r e k. Schließlich empfing der Präsident Deputationen der Städte Blanä, NeuhauS, Ehoceir und Libochovice, die ihm Ehrenbürger-Diplome überreichten. L. Windprechtinger: 13. O’idiidit’n aus dem illegalen Wien Einige Passanten, die stehen geblieben waren und der Amtshandlung interessiert zusahen, begannen kritische Bemerkungen zu machen. Wer is denn des? Seg'n S' eh, in Star- Hemberg sei Großvater. Aber gengan S'l Der schaut eher wia der Napoleon der Dritte aus. Wia so wiff'n S' denn des, hab'« Se eam kennt? Reden S' net so bled daher, Se Tappschäd'l! Frag n S' den Buam, der wird Jhna glei sag'n, wer des is. Auch dem Polizeibeamten hatte sich sofort die Frage aufgedrängt, wen die Büste darstell«. Schon auf den ersten Blick war ein schwerer Verdacht in ihm aufgestiegen und dir Aufforderung der Passanten, den Buben zu fragen, setzte er sofort in die Tat um. „Waßt Du, wer des iS?" fragte er'den Lehrling. „Na, des waS i net". „No, dann wer i dir's sag'n: das iS der Lenin! Stimmt's?" „Wos waS denn i, ob des der Lenin is. I kenn eam ja net". Den Zuschauern und Zuhörern der Amtshandlung verschlug es die Rede. Jetzt wurde die Sache politisch. Ein zweiter Wachebeamter war unterdessen am Schauplatz der Amtshandlung erschienen und forderte die Passanten auf, nicht stehen zu bleiben und weiterzugehen. Zögernd und langsam gingen einzelne Eingeschüchterte weiter, andere. Mutigere, machten einige Schritte, blieben dann wieder stehen und warteten den Ausgang der Amtshandlung ab. „Packen S' den Kopf wieder ein", befahl der amtshandelnde Polizetbeamte dem Lehrling, „Sie müssen'mit mir kommen". Der Lehrling hatte nie in polttischen Kreisen verkehrt. Als Lenin starb, stand er erst im fünften Lebensjahre. Er konnte sich nicht erinnern, den Namen jemals gehört zu haben und verstand daher nicht das Vorgehen des Polizeibeamten. Aber er wagte auch nicht etwas dagegen zu sagen und meinte nur schüchtern:„I muaß do den Gipskqss in die Metallgießerei Kempner ttag'n". „Jetzt kummst mit mir. Der Gipskopf wird scho rechtzeitig in d' Gießerei kumma, wann er net beschlagnahmt wird". Der Lehrling hatte das Tuch wieder um die Büste geschlagen und die Last mit einem geschickten Schwung auf seinen Rücken geladen. Er band den Knoten fest und folgte dem Polizisten. Auf der Wachstube meldete der Polizeibeamte seinem Vorgesetzten, daß er den Burschen angehalten habe, weil er ihm verdächtig erschienen sei. Er habe in den Binkel, den der Bursche am Rük» ken trug, Einsicht genommen und habe eine Figur gefunden, die er für den Lenin halte. Der vorgesetzte Wachstubenleiter befahl dein Jungen, der dabei stand und die Büste noch auf seinem Rücken trug, das Tuch zu öffnen und dir Figur ansehen zu lassen. Franzl ließ di« Last von seinem Rücken gleiten, stellte sie inmitten der Wachebeamten, die in der Stube anwesend waren und sich neugierig hinzugesellt hatten, zu Boden und schlug die Tuchenden zurück. Da stand wieder der schlaue Glatzkopf mit dem schütteren Schnurr- und Knebelbart und schien aus schiefen, kalmückischen Augen und mit einer hämischen, etwas dicken und herabhängenden Unterlippe die Wachebeamtrn zu verspotten. Ein aufreizendes Lächeln! So kann nur ein gottloser Revolutionär lachen! Kein Zweifel— ez ist eine Büste Lenins! „Pack' den Schäd'l von dem Saujud'n Wieda ein und dann kumm da her!", befahl der Wachstubenleiter dem Lehrling und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Der Lehrling tat, wie ihm geheißen, und stellte sich vor den Wache-Inspektor hin. „Wie heißt Du?" „Franz Amundum". „Komischer Name. Wo wohnst Du?" „In Döbling". „Straße, Hausnummer?" „Prälatenkreuzgasse 4". »komische Gaff'». Wie alt bist Du? Geboren?" „Ja! 17 Jahre. Am 1. Mai 1919". »Komisch! Wie heißt der Vater und die Mutter?" „Franz und Marie Umundum". .Mas iS der Vater?" „Arbeitslos". „Bon Beruf?" „Maurer". .Mnd wo bist Du in der Lehr'?" „In der Gipsgießerei Schönner in der Ratschkygasse 10." „Und jetzt erzähl' mir, was du für an Auftrag hast." „Der Master, der Herr Wokurek, hat mir um vier Uhr den Auftrag geb'n, i soll den Gipskopf in die Metallgießerei zum Kempner, in die Wienerbergsttatze 37 ttag'n und soll s' duvt dem Herrn Kugler übergeb'n." „So und du.hast nie g'hött, wer der Mann iS» den die Figur darstellt?" „Na, so was hört ma bei uns nie. Da gibt 'S viel solchene Köpf. Wenn mas net grad kennt, wer'S san,«'sagt wird des net." „No und den Kopf kennst net?" „Na, wirflich net!" «Dann wer ma halt dein Master hol'n. Du bleibst jetzt da." Es war schon spät am Abend als der Meister, Herr Wokurek, auf dem Kommissariat erschien, wohin unterdessen der Lehrling mit der Büste überstellt worden war. Der verhörende Kriminal« Aispektor stellte fest, daß di« Angaben des Lehrlings der Wahrheit entsprachen und daß Herr Wokurek auch kein« Ahnung habe, wen die Büste darstelle. Er wisse nur, daß das Modell von der Tonwarenfabrik A.-G.» Stubenring, geliefert wurde. Ob er nicht vielleicht gehört hab«, daß die Büste den Lenin darstelle? Herr Wokurek ritz die Augen auf. Den Lenin? Nein, daS habe er nicht gehört. Er könne sich auch nicht vorstellen, daß seine Firma einen solchen Auftrag übernommen hätte. Der Striminalbeamt« bedauerte, daß er vom Herrn Wokurek keine erschöpfend« Auskunft erhalten könne und er ihn daher auf dem Kommissariat behalten müsse. Herr Wokurek wurde abgeführt G Am nächsten Tage wurde der Inhaber der GipSgießerei Schönner und der Direktor und Werksleiter der Tonwarenfabrik A.-G. verhaftet. Die Verhöre ergaben, daß auch sie keine Ahnung hatten, daß die Büste den Lenin darstelle. Es wurde aber feftgestellt» daß die Büste von dec Bildhauerin Irene Stein stamme und sie den Auftrag zum Guß der Büste gegeben habe. Kriminalbeamte, die in die Wohnung der Bildhauerin entsendet.wurden, kamen mit der Nachricht zurück, daß die Bildhauerin erst abends in ihr« Wohnung zurückkomme und sie ihr eine Ladung auf das Kommissariat zurückgelassen hätten. Nun mußte auch der Chef der Firma Schönner und der Direktor und der Werksleiter der Tonwaren A.-G. eine Nacht im Gefängnis zubringen. Zur vorgeschriebenen Zeit erschien die Bildhauerin vor dem verhörenden Kriminalbeamten. (Fortsetzung folgt.> Nr. 253 Mittwoch, 27. Oktober 1937 Seite 3 Wissenschaften, die sich mit Vulkanen oder Gewittern oder Dampfmaschinen beschäftigen, lassen sich bis zu einem gewissen Grade unabhängig von einander betreiben, weil es für ihre besonderen Zwecke nicht nötig ist, die Erscheinungen bis auf ihren letzten Grund zu verfolgen." Das Fundament der oben genannten Naturwissenschaften der anorganischen Welt ist also die Physik, die in sich alle jene Gesetze vereinigt, di« auch die aus methodisch-praktischen Gründen zu Gegenständen besonderer Wissenschaften erhobenen Teilgebiete physikalischer Natur umfasst. So wird auch die Philosophie der unbelebten Natur nichts anderes sein als eine Philosophie der Physik. Sie wird di« Zusammenhänge der einzelnen Teilgebiete zu klären, zu erforschen und zu deuten haben. Diesem Komplex der anorganischen Natur stehen die organischen Wissenschaften(Zoologie, Physiologie, Anatomie, Pathologie u. a.) gegenüber. Und so wie die Wissenschaften der anorganischen Welt in den Gesetzen der Physik ihre theoretischen Grundlagen besitzen, so finden die organischen Wissenschaften, die Wissenschaften von der belebten Natur, in der Biologie alles das vereinigt, was als Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnis und Forschung dienen kann. Die Frage, ob auf di« Biologie und ihre Teildisziplinen die rein physikalischen Gesetze Anwendung finden können, ob sich die Wissenschaft vom Leben auf physikalischen GruMagen aufbauen lasse, ist noch nicht entschieden. Dieses Problem ist vielmehr eines der heihumstrittensten der Naturphilosophie, zumal es mit ontologischen und phylogenetischen Fragen eng verknüpft ist. Solange«wer dieses Problem nicht endgültig gelöst ist, wird man jedenfalls an'einer Zweiteilung der Naturphilosophie festhalten müssen: an einer Philosophie der unbe- lebten Natur oder der Philosophie der Physik und an einer Philosophie der lebendigen Natur oder an der Philosophie der Biologie. Wenn aber auch di« belebte und unbelebte Natur im tiefsten Grunde keine Wesensverschiedenheiten aufweifen, so müssen deswegen„die Methoden und Begriffsbildungen der organischen und der anorganischen Naturwissenschaften noch nicht ohne weiters zusammenfallen, geradeso, wie ein chemisches Laboratorium stets anders eingerichtet sein wird als ein physikalifcheS, obwohl wir wissen, dass es schliesslich dieselben Naturkräfte sind, die in beiden erforscht werden." Dennoch besitzen wir Kriterien für die lebendige Natur, Kriterien, die in jenen Erscheinungskomplexen, die uns als Fortpflanzung, Regeneration, Vererbung usw. bekannt sind, sichtbar zum Ausdruck kommen. Diese Veränderungen, durch die für den ständigen Fortbestand der Individuen und Gattungen gesorgt ist, durch welche neue Lebewesen entstehen und sich vermehren, sind ein wichtige? Lehenskriterium. Fortpflanzung und Regeneration sind aber nur grobe Makrovorgänge eines Lübensprozesses» in dem sich noch andere Veränderungen abspielen, auch wenn die Substanz äusserlich unbewegt er- ' scheint. Diese Vorgänge sind eigentlich die für die organische Natur spezifisch eigentümlichen: der Stoffwechsel(Metabolie) ist Wohl das hervorstechendste Charakteristikum des Lebens. Der ständige Aufbau der eigenen Körpersubstanz aus der zugeführten Nahrung und der entsprechende Abbau der verbrauchten Swffe geben einem Lebewesen ihr besonderes Gepräge und unterscheiden es von der leblosen Natur. Die physiologischen Einzelvorgänge, die Sekrefion gewisser den Lebensprozess bestimmender Drüsen, ferner die einzelnen Phasen in diesem Auf- und Abbauprozess haben die experimentelle Forschung verschiedener naturwissenschaftlicher Disziplinen von jeher beschäftigt, ohne aber den intimen Mechanismus und das schier unübersehbare Flechtwerk eines physiologischen und biologischen Apparates restlos überschauen und klären zu können. Mit Recht sagt darum Schlick in dem Abschnitt„Naturphilosophie" in Max Dessoir „Die Philosophie in ihren Einzelgebieten", Seite 473:„Die bisher erzielten Ergebnisse zeigen höchstens die Richtung, in der man weiter zu suchen hat, aber sie lassen das Geheimnis des Lebens noch dicht verhüllt.... Aber die einzige Methode zur Erreichung des Ziels besteht in der Aufzeigung der elementaren Mikroprozesse; und jeder Versuch, diesen Weg der geduldigen und mühsamen Einzelforschung abzukürzen und auf dem königlichen Weg der Philosophie die Lösung des Lebensproblems unmittelbar zu erzwingen, führt unfühlbar in die Irre." Ein Neudeker Arbeiter in Am 24. August 1937 wurde der Arbeiter A. Elster aus Neudek anlässlich eines Besuches in Johanngeorgenstadt von zwei Beamten der„Bersügungstruppe", die Himmler gegen den„inneren Feind" eingesetzt hat, verhaftet. Der Grund der Verhaftung wurde nicht angegeben, und als di« hochschwangere Frau des Elster am 28. August bei den deutschen Behörden persönlich vorsprach und wissen wollte, wo ihr Mann sei und weswegen er verhaftet wurde, haben die deutschen Beamten in„echt deutscher Weise" die Verhaftung zunächst verleugnet. Erst als die Frau darauf Hinweisen konnte, dass Zeugen tschechoslowakischer Rationalität die Verhaftung bestätigen konnten, gaben sie die Verhaftung zu, versuchten aber die Frau dahingehend zu überreden, dass sie den tschechischen Beamten sagen sollt«, sie wisse nicht, wo sich ihr Mann befinde! Auf die Anfrage der Frau, wo sich ihr Mann befinde, wurde der Frau— wie sich nachträglich herausstellte— eine falsche Adresse angegeben, denn der rekommandiert« Brief kam mft dem Bemerken zurück, dass sich „Entartete Propaganda“ Unter diesem Titel brachte die„B o h e- m i a", die doch sonst auch in ihren besten Tagen sonderbar viel Zurückhaltung gegenüber sämtlichen Schrecknissen des Dritten Reiches und feiner Propaganda sich auferlegt, am Dienstag einen Leitartikel, der an die T e p l i tz- H e tz e" anknüpft und aus dem hier eine die Herren Krebs und Jung angehende Stelle zitiert sei, weil diese Sätze, gerade der„Bohemia"„von besonderer sudetendeutscher Seite" geschrieben, auch ein besonderes Licht auf die Wirkung der Affäre werfen: „... die Tatsache sei doch gestreift, dass an der Verschärfung und Gereiztheit im internationalen Verkehr vielfach die Emigration ein vollgerütteltes Maß an Schuld trägt, damit meinen wir auch die s u d e t e n d e u t s ch« Emigration im Reich. Es ist nur allzu bekannt, dass die Kenntnisse des Reichsdeutschen über die national« und kulturellen Verhältnisse auf dem Gebiete der alten Monarchie, also auch der Tschechoslowakei, sehr lückenhaft sind; man weiss, dass diese Informationen in der Regel von Sudetendeutschen im Strich gegeben werden. ES ist bestimmt kein Zufall, daß die Schärfe in der Diskussion und in der Presse ungefähr seit der Zeit datiert, da ssch sudetendeutsch« Emigrant« im Reich« eine Existenz gegründet hab«. Mangels einer ander« ordentlichen BerufSmöglich- keit hab« sie sich— wie das nun einmal schon üblich ist— auf die Politik gestürzt. Ts mag ihn« ein Bedürfnis sein, auf diesem Gebiete ihre Unmtbehr« lichkeit immer aufs neue nachzuweisen. Das Ludetrndeutschtmn erhebt aber den berechtigten Anspruch darauf, daß diese Eristenzberech- tigung nicht auf seinem Rück« nachgewiesen wird. Auf dem sicher« und gut dotierten Post« z. B. eines RegierungSrateS mag es sehr be- auem sein, die heroische Note deS auslandsdeutschen Kämpfers hervorzukehren. Die Folgen der Verschärfung des national« Gegensatzes hat aber jenes Sudetendeutschtum zu tragen, das auf seinem historischen Blüten bleiben will— und nicht di«, für welche der nationale Kampf in dem Augenblick aufgehört hat, als sie die Staatsgrenze überschritt« haben. Aufrichtige Anteilnahme wird das Sudetendeutschtum gerne quittieren. Aber Schimpfkano- i Dritten Reich gefangen Elster nicht in dem Gefängnis dieses Ortes befindet. Die Recherchen der hiesigen Behörden, bzw. des tschechoslowakischen Konsulates, die diese auf das Drängen der schwergeprüften Frau(sie hat drei minderjährige unversorgte Kinder und sieht gegenwärtig im öffentlichen Krankenhaus in Karlsbad ihrer Niederkunft entgegen) anstelltrn, hatten den Erfolg, dass man nunmehr wenigstens weih, wo sich Äster befindet. Elster hat biHer zwei Briefe geschrieben. Aus dem letzten Brief geht hervor, dass er krank ist und dass er ein„Zahnleiden" hat. Seit vier Wochen fehlt jede Nachricht. Elster ist 42 Jahre alt und war bei seiner Verhaftung gesund. Was sollte das für ein Zahnleiden sein? Sind dem Armen etwa die Zähne eingeschlagen worden? Warum wird der Grund der Bevhastung nicht angegeben? Elster war weder politisch noch gewerkschaftlich organisiert und sympathisierte auch mit keiner politischen Richtung! Mso was ist da los? Wir hoffen, dass unsere Behörden das klarstellen werden. nad«, welcher Art immer, haben uns bis jetzt nicht genützt; und wer die Mentalität der Tschechen auch nur«in wenig kennt, weiß, daß man sich von dieser Art von.Hilfe" auch in Hinkunft nichts versprech« kann." Komotau und die Arbeitslosen Es wird immer sehr viel von den Segnungen der SBH für die Arbeitslosen erzählt, obwohl erwiesen ist, dass nur geeichte Parteigänger der SdP wirklich Unterstützung« erhielten. Und dabei vergißt die Oeffentlichkeit sehr gern, dass insbesondere unsere Selbstverwaltungskörper grosse Opfer bringen, um die traurige Lage der Arbeitslosen zu verbessern. Eines von vielen Beispielen hiefür ist die Arbeitslosenfürsorge der Stadt Komotau, die unter Leitung des sozialdemokrafischen Bizebürgermeisters Edmund Reichl steht. Die Leistungen der Stadt betrugen: XL 1929,.,. I28.93S.SV 1980,,,, 290.S20.1S 1931,,,, S99.494.S0 1932,,,, 824.537.18 1933.... 1,056.021.95 1934,,,, 537.347.05 1935.,,, SS1.1S1.8S 1986.,,, 700.000.— 1937,,,, 700.000.— Summa... 6,888.011.75 Dazu kommen noch jährliche Ausgaben für Armenfürsorge von 600.000 bis 700.000 XL und An alle Kolporteure und Abonnenten I Anläßlich des Staatsfeiertages am 28. Oktober wird nicht gearbeitet- so daß unsere Freitagausgabe vom 29. Oktober entfällt. Die Samstag-Ausgabe erscheint dan« wieder normal. Die Verwaltung. ausserdem Zuschüsse der Gemeinde für Mietzinse und Bekleidungsaktionen, wofür im Jahre 1935 allein 70.000 XL ausgegeben wurden. Diese Ziffern liefe« den sichtbaren Beweis dafür, wie wertvoll die Tätigkeit unserer Funktionäre in den Gemeindestuben für die Arbeitslosen ist. Wieviel Not und Elend durch dies« Hilfsaktionen gelindert, wieviel Leid besei- tigt wurde, das kann nur ermessen, wer daelende Leben unserer Arbeitslosen kennt. Und nun: Wo bleibt die SdP? Wo die»Äolksgemein- schaft"? Errichtung einer deutschen Schule in Jaronin Seit Jahren geht der Kampf darum, dass in dem Ort Äaronin(Bezirk Böhm.-Krumau) eine deutsche Privawollsschule errichtet werde. Durch zahlreiche Interventionen, an denen sich auch die Funktionäre der Deutschen sozialdemokratischen Partei beteiligt haben, wurde endlich erzielt, dass in der gestrigen Sitzung des böhmischen Landesschulrates ein Antrag auf Errichtung einer deutschen Privatvolksschule in Jaronin eingebracht und angenommen wurde. Der Eröffnung des Unterrichtes steht nun nichts mehr int Wege. Henlein wird einmal nicht eingelad«! Am Montag fand eine Sitzung des Ascher Bezirksausschusses statt, die sich mit der Eröffnung des neuen Bezirkskrankenhauses am 13. November d. I. befasst«. Der Fraktionsführer der SdP, Fabrikant Hoffmann, stellte den Antrag, zur Eröffnung auch Konrad Henlein offiziell einzuladen. Er begründete den Antrag damit, dass ja auch Dr. C z e ch, der als Gesundheitsminister eingeladen wurde, der politische Führer einer Partei sei. Die Frage, was denn Konrad Henlein zu dem KranlenhauSneubau beigetragen habe, ließ der Herr Fraktionsführer, allerdings unbeantwortet. Der Antrag Hoffmann wurde nach längerer Debatte schliesslich mit 5- gegen 4 Stimmen abgelehnt. Sudeto-Marokkaner. Das Deutsche Nachrichtenbüro verbreitete dieser Tage eine Milchmäd- chenrechnung über die Zahl der ausländischen Freiwilligen auf seit« der Volksregierung in Spanien. Als Quelle wurde ein obskures Franco- Blatt in San Sebastian angegeben. Diesem Blatt zufolge kämpfen auf seit« Valencias 140.000 Ausländer. Es ist nun sehr bezeichnend für die Sorgen, die eine gewisse sudetendeutsche Presse hat, daß die„EgererZeitung" diese Meldung noch weiter übertreibt, indem sie gleich von 1 4 8.0 00 Freiwilligen spricht und dies vierspalttg in Ballenlettern auf der ersten Seite austrompetet, als gebe es für die Sudetendeutschen im Augenblick kein wichtigeres Problem, als die Falschmeldungen des Goebbels über Spanien zu verbreiten. Die Zahl der„Egerer Zeitung" dürste ungefähr richtig sein, wenn man eine Null streicht. Die Zahl der Freiwilligen im Vollsheer ist jederzeit leicht zu überprüfen gewesen, da die spanische Regierung die Anwesenheit der Internationalen Brigaden ja niemals verschleiert hat. Ueber die Kopfstärke und die Zahl dieser Brigaden finden sich in reichsdeutschen Militärzeitschriften laufend Hinweise und Angaben, aus denen sich leicht beweisen lässt, daß ma r in ernsten militärischen Kreisen Deutschlands die Zahl der Freiwilligen sehr richtig einschätzt, nämlich auf keine 4 0.0 0 0, geschweige denn 140,000 Mann. Aber die Aebernazi in unseren Henleinredaktionen lesen kaum deutsche oder andere Mllitärzeiffchristen. Sie würden dort ja manches finden, was nicht in den Goebbelsstil passt und darum schon„Bolschewismus" ist. Nur Brief an den Zeitspieoel Ein Herr Dr. M. F., derzeit in Prag, schreibt uns: Ich reise für meine in Hamburg etablierte Firma durch viele europäische Staaten. Meine letzte Reise führte mich nach Südtirol in die ehemalig österreichischen Grenzgebiete und ich mußte dort mit Bedauern sehen, in welch kärglicher Lage sich die deutsche Bevölkerung Südtirols befindet, wie deutsche Kinder in die italienische ßchule gehen müssen und alles dort zwangswegig italienisiert ist. Keiner der dort Ansässigen wagte es, mit mir offen über die Lage der deutschen Bevölkerung Südtirols zu sprechen, so groß ist der Terror, unter dem die Leute dort stehen. Nun führte mich der Weg in die Tschechoslowakei, und zwar in das sudetendeutsche Gebiet. Ich hatte in Böhmisch Leip a geschäftlich zu tun und hielt mich dort etwa S Tage auf. Es ist mir geradezu unmöglich, den gewaltigen Unterschied zu schildern, den ich empfand, wenn ich an die Lage unserer armen Volksgenossen in Südtirol denke; aber auch nach den Informationen reichsdeutscher Zeitungen habe ich es mir anders vorgestellt. Es ist wohl selbstverständlich, daß dort deutsch frei und offen gesprochen wird; ich war aber erstaunt über die Ungezwungenheit und Offenheit, mit der dort die deutsche Bevölkerung über alle politischen Fragen spricht. Keiner fürchtet sich das zu sagen, was er denkt. Diese Debatten erfolgen, wie ich hören konnte, öffentlich in Gasthäusern und keinem Menschen fiele es ein, sich darüber aufzuhalten. Mit kleinem Neide habe ich an unsere Verhältnisse in Deutschland gedacht, wo sich jeder wohlweislich hütet, seinen Mund aufzumachen. Wie erstaunt war ich, als ich zum Bahnhof ging und in der großen Parkanlage an dominierender Stelle das in seinen Ausmaßen gewaltige Schmeykal-Denkmal sah, auf welchem in großen Buchstaben die beiden Inschriften stehen:„Wir sind deutsch und bleiben deutsch“ und„Deutsche seid einig und stark". Ich habe mich darüber gefreut, daß diese Worte dort stehen und in der Tschecho- slowakischenRepublik dort stehen dürfen.Und ich habe nachgedacht, ob der Spruch„Deutsch sind wir und deutsch bleiben wir 11 etwa in Südtirol oder in Polen auch nur einen Tag öffentlich angebracht sein könnte. eine Frage noch: wenn Franco und seine Sudeto« Marokkaner überzeugt sind, daß die Volksregie- rung 140—150.000 Mann Hilfstruppen habe, warum wehren sich Franca und Mussolini so sehr gegen die Abberufung aller Freiwilligen? Ein ehrenvoller Abschied wurde dem in Ruhestand getretenen Führer unserer Genoffen- schastsbewegung, Wilhelm Lorenz, an- lätzlich der Generalversammlung des Karlsbader „Vorwärts" in Altrohlau zuteil. In Ansprachen von jung und alt wurden die Verdienste Lorenz' gewürdigt, der ja als Obmann des Verbandes deutscher Wirtschaftsgenossenschaften, als Vorsitzender des Gec-Verbandes, als Bürgermeister von Alttohlau und als Senator so ungemein viel für die deutsche sozialistische Gesamtbewegung in der Tschechoslowakei leistete. In Altrohlau wurde nun Lorenz als langjähriger Obmann des Konsumvereines„Vorwärts" besonders geehrt. Der parlam«tarische Sparausschuß setzte am Dienstag die Erledigung der aus den Reihen der Bevöllerung eingelangten Eingaben fort. Außerdem befaßte er sich in Anwesenheit des Präsidenten des Obersten Rechnungskontrollamtes Dr. H o r a k mit einigen grundsätzlichen Fragen der Budgettechnik. Weiters nahm er einige Angelegenheiten im Hinblick auf die Durchführung notwendiger Einsparungen in der Staatswirt- schaft durch. Mein Weltbild Bon Prof. Friede. Tramer(Karlsbad) In dm nächsten Tagen erscheint aus der Feder des Prof. Friedrich Tramer(Karlsbad) «in« naturphilosophische Studie„M e i n W e l t» bild", aus, der wir mit Genehmimmg des Verfassers unsere Leser mit der Einleitung bekannt machen. Bestellungen zum Preis« von 28 XL pro Stück nimmt die Verlagsbuchhandlung Rudolf Küffner, Karlsbad, Schlossberg, entgegen. Die Naturphilosophie ist di« Philosophie der Naturwissenschaften, der Physik, Astronomie, Botanik, Geologie, Zoologie, Biologie, Physwlogie und mancher anderer. Die Gesetze, denen beispielsweise die Astronomie, die Geologie und Chemie unterliegen, sind die gleichen, die für die P h Y s i k Geltung besitzen. Die theoretischen Grundlagen aller Wissenschaften der„leblosen", der anorganischen Natur find letzten Endes in der Physik enthalten. Sie beherrscht auch auf abgegrenzten Gebieten alle jene Naturerscheinungen, die nur der Einteilung und Schematisierung wegen als selbständige Disziplinen behandell und zu Spezialwissenschaften gemacht wurden.„Die Mächte, die einen Vulkan auswerfen und Konttnente verschieben", sagt Moritz Schlick,„sind im Grunde desselben physikalischen Wesens wie die Kräfte, welche die Atome in einem Molekül Salz zusammenhalten, dm Kolben der Dampfmaschine beweg« oder den Blitz aus dm Wollm schleudern— aber die Seite 4 Mittwoch, 27. Oktober 1937 Nr. 253 schwere Ber- Armee" mit einem Ehrenpreis von 2500 KL aus trt in der Gondel; durch einen Schlauch war sein dir Mitnahme Obwohl man eines Radscha. morgens der r a m Selbstseiner Residenz Vom englischen Thron Uber das Rothschild-Schloß auf den Obersalzberg... Der Herzog von Windsor stattete dem Ehrea-Korporal Adolf Hitler einen Besuch auf dem Obersalzberg ab. Stalin hat den. Exkönig eber falls bereits eingeladen. Mund noch immer mit dem Saueostofftank verbunden. Der Tank aber war längst leer. Niemand konnte sich erklären, warum Graynicht gelandet war. Er galt als erfahrener, überaus vorsichtiger Pilot und Ballonführer. Bor Startbeginn hatte er nochmals alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um sich gegen den Luftmangel und die Kälte, die ihn oben erwarteten, zu rüsten. So hatte er auch daran gedacht, aus seinen Instrumenten jeden Tropfen Oel zu entfernen, da das Oel bei den niedrigen Temperaturen unweigerlich gefrieren und die Apparate verderben müßte. Das Bordbuch gab auch keine befriedigenden Auskünfte: die einzelnen Daten des Aufstieges waren sehr sicher und genau vermerkt. Plötzlich aber, in rund 13.000 Meter Höhe, begannen sich die Aufzeichnungen zu verwirren. Sie wurden schließlich unverständlich und brachen ab. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte er die Zeit, die. zum Aufenthalt in der Höhe vorgesehen war, und für die er seinen Säuerstoffvorrat berechnet hatte, schon weit überschritten. Die. Aufklärung brachte ein Zettel, den man erst zehn Jahre später in einem leeren Sauerstoffbehälter auf einem Acker gefunden hat. Der Behälter stammte eindeutig aus GrayS' Ballon. Der Zettel war von seiner Hand und enthielt die Mitteilung:„Uhr eingefroren; weiß nicht, wie spät". Dieser kleine Zufallsfund erlaubt, die ganze Tragödie zu rekonstruieren. Grays hatte bei sei- Die Beflaggung am StaatSfegertag. Der Ministerrat hat beschloffen, daß die Staatsflaggen, bzw. Fahnen in den Staatsfarben, an den öffentlichen Gebäuden vom 27. Oktober 1937 10 Uhr vormittags bis 29. Oktober 1937 8 Uhr früh zu hisien sind. Die Film-Staatspreise. Anläßlich des Staatsfeiertages vom 28. Oktober hat der Handelsminister in Erfüllung des Antrages des der Filmberatungsstelle gemäß Paragraph 5 des Statutes über die Preise auf dem Filmgebiete nachstehende Ehrenpreise von je 5000 KL aus dem Fonds für Finanzierung der Filmproduktion beim Verband für Filmproduktion in der Tschechoslo- tvakei zuerkannt: Für hervorragende filmschauspielerische Leistung an: Frantisek Smolit, Mitglied des staatlichen Schauspiels in Prag, in den Filmen„Menschen auf der Eisscholle" und „Bataillon"; Hugo H a a S, Mitglied des staatlichen Schauspiels in Prag, im Film„Das Kamel geht durchs Nadelöhr", sowie in Hinblick auf die übrigen bisherigen filmschauspielerischen Leistungen. Für hervorragende Leistung auf dem Gebiete' der Filmregie: Regisseur Otakar B ä v- r a im Film„Philosophen-Historie". Für hervorragende Leistung des Kameramannes: Jan Roth, Kameramann der A.-B.-Gesellschaft im Film.„Bataillon". Gleichzeitig genehmigte der Minister den Antrag der Filmberatungsstelle, anläßlich des Staatsfeiertages außer das Statut für Preise auf dem Gebiete des Films die sehr gute Regieleistung des Stabskap. Jiki I e n i L e k im Staatspropaganda-Beiprogrammfilm„Unsere dem„Fonds für Erzeugung von Kultur-Propagandafilmen" zu bedenken sowie mit dem gleichen Preise den Regiffeur der A.-B.-Gesellschaft I. Weiß in den Beiprogramm-Filmen„Gebt uns Flügel",„Der Hafen des Luftmeeres" und im Skaut-Film„Komm mit uns". Die tschechoslowakische„Autopost" machte auf ihrer Propagandareise durch die Republik in Pardubitz das erstemal Station. Für das große Interesse der dortigen Bevölkerung an dieser Neueinführung unserer Postverwaltung spricht die Tatsache, daß innerhalb von 30 Minuten beim Autopostamt fast 1000 einfache Briefpostsendungen und 140 eingeschriebene Sendungen aufgegeben wurden. Bon Pardubitz fährt die Autopost Nach Brünn und Preßburg. Auf der Straße überfahren und getötet. Am Sonntag ereignete sich in B.-Kamnih ein tödlicher Unfall. Der 50jährige F. H. hatte sich gegen 7 Uhr abends in stark alkoholisiertem Zustande mitten auf die Straße gesetzt. Ein staatlicher Autobus hätte ihn beinahe überfahren und mußte seitwärts ausweichen, als aus der entgegengesetzten Richtung ein Personenauw herankam. Der Lenker des Personenautos sah den auf der Straße sitzenden H. zu spät und brachte das Auto erst zum Stehen, als eS Bereits' Mir H. hinweg gefahren war. H. wurde auf der Stelle getötet. Die Brrfchütteten gerettet, die Retter tot. Auf der Kohlengrube ,-,Wüjek" in Brynow bei Kattowitz wurden Dienstag früh infolge eines heftigen Erdstoßes drei Bergarbeiter im Kohlenschacht verschüttet. Den energischen Rettungsarbeiten war es zuzuschreiben, daß alle drei Bergleute gerettet werden konnten. Ein Opfer des Einsturzunglückes erlitt schwere Verletzungen. Während der Rettungsaktion erfolgte ein zweiter Erdstoß, wobei der Leiter der Rettungsexpedition, ein Bergingenieur, den Tod fand und zwei andere Mitglieder der Rettungskolonne letzungen erlitten. Hitler- D rutsch lpn d verbietet von Kupfergeld über die Grenze, über nichts mehr staunt, was aus dem Dritten Reich'der braunen NazLbonzen berichtet wird, klang eS zunächst doch unglaubhaft, als uns dieser Tage reichsdeutsche Schiffer berichteten, daß man ihnen an der sächsisch-tschechoslowakischen Grenze das Kupfergeld Vis auf den Betrag von vier Reichspfennigen abgenommen habe. Jetzt wird durch eine amtliche Verlaut- vle ihr, die den nieder Mele Eine Stratosphärenkatastrophe nach zehn Jahren aufgeklärt (MTP.) Ein Zufallsfund hat erst jetzt das Geheimnis um. eine der eigenartigsten Flugtra- gödien gelüftet, die sich vor nahezu genau einem Jahrzehnt, irst November 1927,. in Amerika abgespielt hat. Damals versuchte einer der besten Flieger der ameriwnischen Zivilluftfahrt, der Kapitän H. C. Grays, einen neuen Stratosphärenflug-Weltrekord äufzustellen. Grays erreichte auch eine Höhe von annähernd.14.000 Metern. Der Bgllon, mit dem ex den Rekordversuch, unternahm, hatte diesen.Stand schon eine Stunde nach dem Start erreicht. Programmgemäß hätte Grays jetzt das Gasventil, öffnen und wieder zum Erdboden zurückkommen müssen. Stattdessen konnte man mit Hilfe von Fernrohren in der vollkommen klaren und windstillen Luft beobachten, wie der Ballon nahezu unbeweglich, in seiner ursprünglichen Höhe blieb. Längst mußte der geringe Sauerstoffvorrat., den Grays mitgenommen hatte, verbraucht sein. Die Nacht brach herein. Grays landete nicht. Erst am nächsten Morgen sand man die schlaffe Ballonhülle in der Nähe der Stadt Sparta in Tennessee. Grays lag Auch ein Emigrant oder „Wie man sich bettet, so liegt man" In diesen Tagen ist der ehemalige österreichische Notar aus Linz, Dr. FritzRigele, ein Schwager des preußischen Ministerpräsidenten Gorin g, bei den Hebungen seines neuen deutschen Truppenkörpers, des Gebirgs- Jäger-Regimentes 100, dem er als Oberleutnant d. L. angehörte, im Aster von fast sechzig Jahren, in den Bergen— an einer übrigens völlig ungefährlichen Stelle— tödlich der- unglückt. Sein Tod gab einigen nationälsozia- listischen Blättern, dem Blatte Görings, der „Essener National-Zeitung" vor allem, Anlaß, von dem„glühenden Haß aller politischen Geg- ner in Oesterreich" zu sprechen, dm sich der Herr Notar wegen seiner nationalsozialistischen Be- tättgung zugezogen habe, und derentwegen er im Jahre 1933 aus Oesterreich habe flüchten müssen. In Wahrhett ist der arme Verfolgte mit ausdrücklicher behördlicher Erlaubnis seiner- zett nach Deutschland gereist und— allerdings — nicht mehr zurückgekehrt. Er ist wohl sehr bald darauf in den deutschen Staatsverband auf- genommen worden, ist— da er schon in Oester- reich SA-Führer gewesen war— zum SA- Obersturmbannführer avanciert, wurde in den deutschen Heeresverband ausgenommen, und sein älterer Sohn dient beretts heute attiv.im deutschen Heer. Die«Essener National-Zeitung" schrieb aber noch einmal nach seinem Begräbnis: „So fand der österreichische Flüchtling, der wegen seiner politischen Ueberzeugung sein Hei- Mailand verlassen mußte, in der Reichshauptstadt feine letzte Ruhestätte". Marl wäre also versucht, an ein schweres Schicksal eines grausam verfolgten Emigranten zu glaubm. Gleichzeitig jedoch mit der pompösen Todesanzeige, die im„Völkischen Beobach- ter" vom 13. Oktober vom Reichstagspräsidentenhaus ausgegeben wurde, erschienen über die ganze brette Seite des Blattes die Todesanzeige« jener Gesellschastm, dmen der Verstorbme als Aufsichtsrat oder Verwaltungsrat angehört hat. ES sind dies folgende, wie Man sieht, durchwegs wohlfundierte Aktien- gesellschasten: Hotelbetriebs-A.-G., Berlin(Bristol, Kaiserhof, Bellevue, Balttc, Tentralhotel), Treuhand-Vereinigung A. G., Berlin, Azo- Kautschuk-Patentverwertungs G. m. b. H.» Her- mann Meyer& Co., A.-G., Berlin, Bau-Kredtt- A.-G., Berlin, Nord-Süd-Bau A.-G., Berlin, und Nord-Süd-Bau Bayern G. m. b. H.» Ro- senheim, und„Nordstern", Allgemeine Verfiche- rungs-A.-G. Vermutlich werdm es aber noch viel mehr solcher einträglicher„Ehrenstellen" gewesen sein. Eine dieser Gesellschaften schrieb in ihrer Trau- eranzeige:„Obwohl Herr Notar Rigele unserem Auftichtsrat erst seit kurzem angehört hat,...", doch ist anzunehmen, daß auch bei den übrigen seine Mitgliedschaft kaum älter alsvier Jahre sein dürfte, jene vier Jahre, die der arkne und gehetzte„Flüchtling" in traurigem Schicksal, fern der Heimat, aus der er sich selbst ausgebürgert hatte, verleben mußte. Man kann der in den Anzeigen bekundeten Trauer bei- pflichten: eS ist schade, daß eine so vielver- fprechendeKarriere in so jungen Jahren einen jähen Abschluß gefunden hat. be Hörden bekannt, daß vor kurzem eine Verfügung erlassen wurde, die die Mitnahme reichsdeutscher Kupfermünzen, also die Mitnahme von Ein- und Zwei-Pfennigstücken, Aber die Reichsgrenze verbietet.. Ungewöhnlicher Selbstmord In Madras veriMe Dienstag RadschaBiziana G a mord, indem er aus einem über aufgestiegenen Fesselballon sprang. Der Radscha war vor einiger Zeit an T^erkulose erkrankt. Entführte Missionäre. In Schanghai herrschen große Befürchtungen über das Schicksal der katholischen Missionäre, die am 9. Oktober bei Tschentinfu in der Provinz Hopei von chinesischen Banditen entführt wurden. Es handelt sich um Msgr. Schravan, einen Holländer, den apostolischen Vikär von Tschentinfu und um sechs Lazaristen. Zwei davon sind Franzosen, zwei Holländer, em Tschechoflowake, ein Pole und ein französischer Trapist. Von' den Entführten liegen keinerlei Nachrichten vor. Ein Rießenkrastwerk in der Schweiz. Am Samstag, den 28. Oktober, wurde am Etzelsberg, zwischen Einsiedeln und dem Zürcher Sie, ein^ großes Elektrizitätswerk von. 120:000- PS-dem Betrieb übergeben. Das Werk nützt die Wässer des Einsiedeiner Hochtales durch Ableitung- in den Zürcher See aus, wobei das größte Hochmoor- der Schweiz in einen Bergsee von 92 Millionen Kubikmeter Inhalt umgewandelt wurde. Das Gefälle-beträgt 480 Meter. Dem See fielen 107 bäuerliche Anwesen zum Opfer, die an anderer Stelle neu erbaut- werden mutzten. Der Gesamtaufwand beträgt-65 Millionen Schweizer Franken. Die erste Anregung zur Ausnützung dieser. Wasserkraft stammt intereffanterweise von Goethe aus dem Jahre 1797.'. Die deutsche Pestalozzigesellschast hat in ihrer Sitzung vom 25. Oktober 1937 einstimmig eine Dan- keskundgebung an Univ.-Prof. Dr. E. Otto beschloffen, in der«S u. a. heißt:„Die Deutsche Pesta» lozzigesellschast hat in der Festsitzung ihres Gesamtvorstandes' vom 3. Feder 1937 die verdienstvolle Tätigkeit Prof. Ottos als Vorsitzender-Stellvertreter der Gesellschaft und als Leiter des fachwiffenschaft- lichen Beirates eingehend gewürdigt, sein Wirken im pädagogischen Leben unseres Volkes und Staates, besonders aber seine Verdienste als Gründer und erster Leiter der Pädagogischen Akademie und der Hochschulkurse aufgezeigt. Der geschäftsführende Vorstand dankt Herrn Univ.-Prof. Dr. Otto für sein barung der reichsdeutschen Zoll-I Wirken im Dienste der Staates, der Deutschen Pesta- Zlehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Dienstag- Ziehung der V. Klasse der 37. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: 90.000 KL das Los Nr. 69802: 20.000 KL die Lose Nr. 77205, 29003. 10.000 KL die Lose Nr. 100669, 6743, 12660. 71101, 74790, 47798, 1572, 62573. 5000 KL die Lose Nr. 99825, 31074, 106444, 1610, 63075, 102709. 104416, 34402, 12797, 79286, 112474, 10629, 45116, 31335, 108959. 70539, 65939. 101939/ 79890. 61855, 83011. 31782. 55054. 38180. 2000 KL Nr. 21621, 23335, 79877, 32299, 52183, 73864, 80443, 63391, 25953, 90612, 111825, 65951,111127, 48121, 38391, 15330, 24344, ■ 59842, 28467, 111726, 57068, 93661, 6139, 109276, 36637, 10685, 104883, 28239, 86992, 58974, 36447, 27959, 16785, 67395, 43793, 111226, 10257, 88934, 90809, 52548, 20138, 68730, 116141, 113059, 54946, 24903, 84324, 113156, 53799, 85473, 5520, 19082. 68612, 27167, 104182, 50801, 15186, 117298, 65093, 16899, 49606, 58975, 52722, 11697, 89353, 61923, 102997, 99137, 7085, 93391, 112008, 64095, 3497, 40491, 80809, 58551, 79348, 100628, 82102, 79310, 61095, 1914, 113508, 6009, 37144, 58964, 7341, 38939, 62705, 39358, 35530, 106929, 60106, 3258, 111699, 83932, 115197, 87008, 1135, 18019, 38441 UJBW. lozzigesellschast, der Schule, des Volkes und der Lehrerschaft." Das Wetter. Mitteleuropa strömt vom Süden bis Südosten warme Lust zu, die hier fast überall heiteres und verhältnismäßig warmes Wetter veranlaßt. Die Nachmittagstemperaturen erreichten am Dienstag in den Niederungen 15 bis 20 Grad. I« Böhmen, wo der Himmel seit dem Morgen von einem Nebelgewölk umzogen war, wurden gleichzeitig 9 bis 14 Grad verzeichnet. Gegen Frankreich dringen noch immer vom Osten her zahlreich« Störungen'mit Regenfällen vor, die auch in unseren Gegenden eine Verschlechterung veranlassen dürsten. Infolgedessen bleibt die wettere Wetterentwicklung wenigstens in Böhmen unsicher.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im Osten deS Staates im ganzen heiter und mild, Südostwind. In Böhmen Wetterentwicklung unsicher, aber voraussichtlich auch hier eher trocken und warm, als regnerisch und kühl.— Wetteraussichten für Donnerstag: In Böhmen wechselnd bis ziemlich bedeckt, mild, vereinzelte Schauer nicht ausgeschlossen, Süd- bis Südwestwind. Im Osten Andauern des milden Herbftwetters, stellenweist Frühnebel möglich. Vom Rundfunk taptehlenswertes aus den Programment Mittwoch: Prag, Sender I: 7: Morgenmusik, 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Sendung für deutsche Schulen zur Feier des 28. Oktober, 11.35: Dvoräk: Slowakische Tänze, 12.10: Schallplatten, 18.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 14. Deutsche Sendung: Finke: Bier Klavierkompositionen, 16.40: Kantate von Benda, 18.05: Deutsche Sendung: Volk aus Böhmen singt und spielt, 18.45: Deutsche Presse, 20: Orchestertonzert FOK: Kompositionen von Ostr« Lil.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.55: Deutsche Press«, 18.15: Kone zertsextett.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Uebertragung aus dem Deutschen Haus: Konzert zum Staatsfeiertag.— Preßburg 20.40: Rundstmk- orchesterkonzert.— Kaschau 12.35: Rundfunkorchesterkonzert.— Mährisch Ostrau 15.30: Rundfunkorchesterkonzert, 18: Klavierkonzert. Deutsche Sendung über die Demokratie am Staatsstiertage. Donnerstag, den 28. Oktober, ver- tmstaltrt die Prager deutsche Sendung aus Anlaß des Staatsfeiertages in ihrem Nachmittagsprogramm von 14.40 bis 15.30 llhr eine Stunde der Demo« statt«. Der erste Teil der Sendung ist dem Gedenken T. G. Masarhks gewidmet. Im zweiten Teile spricht Dr. Josef Zak über das Thema:„Die schöpferische Kraft der Demokratie". Regie der Hörfolge: Regiffeur Sordan. Mitwirkend: Schauspieler K l i p p e l u. a. neu Startvorbereitungen alles bedacht; nur das eine hatte er vergessen, daß nicht nur die wissenschaftlichen Instrumente, sondern auch seine Uhr Oel enth elten. Aus den Instrumenten hatte er das Oel entfernt. An die Uhr und an das Oel- tröpfchen'n ihr hatte er nicht gedacht. Das Gangwerk muß immer langsamer gearbeitet haben, ohne daß Grays dies bemerkte. Als er schon Stunden in der Luft weilte, als die Sauerstoffreserven schvn fast aufgebraucht waren, muß er immer noch geglaubt haben, erst Viertelstunden unterwegs zu sein: die ungewohnten Höhenver- hältniffe, du Kälte, die künstliche Atmung lassen eine annähernd genaue Zeitschätzung wie auf der Erde nicht zu. Die Uhr stand schon längst, als GrayS endlich darauf kam, daß sein Zeitmesser nicht mehr funktionierte. Er warf zwar noch in dem leeren Zylinder seine Botschaft ab. fand aber wohl n^hi mehr die Kraft, das Ventil des Bassons zu öffnen. Infolgedessen schwebte der Ballon auch dann noch mit seinem Insassen in vielen Kilometern Höhe, als dieser längst bewußtlos oder wt war. Wäre der Sc uerstoffzylinder nicht jetzt zufällig durch einen Bauern aufgefunden worden, so wäre auch diese Tragödie der Lust wie so viele andere für alle Zeiten unaufgeklärt geblieben. Die Uhr, die dm Flieger tötete, ist in das Lustfahrtsmuseum von Los Angeles gebracht worden und nimmt dort einen Ehrenplatz ein. Nr. 253 Mittwoch, 27. Oktober 1937 Seite 5 Die Union der Bergarbeiter für ihre Arbeitslosen Die Zahl der im Bergbau beschäftigten Arbeiter hat sich von Jahr zu Jahr stark vermindert. 3m Jahre 1925, in welchem das Genter-System eingeführt wurde, waren im gesamten tschechoslowakischen Bergbau 114.079 Arbeiter beschäftigt, davon allein 103.402 im Kohlenbergbau. Im vergangenen Jahr waren im gesamten Bergbau nur mehr 80.308 Arbeiter beschäftigt, davon 70,446 im Kohlenbergbau und 9862 im übrigen Bergbau. Im Jahre 1936 waren somit in unserem Bergbau um 33.771 Arbeiter weniger beschäftigt als im Jahre 1925. Von den abgebauten Bergarbeitern wurde ein Teil provisioniert und ein Teil vermehrte das Heer der Arbeitslosen. Rach den Mitteilungen in der.Sozialen Revue" gab es bei uns im Juni 1937 8085 und im Juni 1936 13.422 arbeitslose Bergarbeiter.(Der Monat Juni 1937 ist der letzte, für den Ziffern vorliegen.) Das sind nur die gemeldeten Arbeitslosen. Die wirkliche Zahl der arbeitslosen Bergarbeiter ist größer, weil nicht alle ein« Unterstützung beziehen und daher verpflichtet find, sich zu melden. Von den gemeldeten Arbeitslosen im Monat Juni 1936 bezogen 7284, das ist 83.88 Prozent, eine Unterstützung nach dem Genter. System. Im Juni 1937 bezogen die gleiche Unterstützung 4031 Arbeitslose, das ist 50.17 Prozent. Von den Unterstützung beziehenden Arbeitslosen ist demnach nur die Hälfte gewerkschaftlich organisiert. Die Union derBergarbeiter unterstützte in den letzten Jahren jeden Monat 600 bis 900 Arbeitslose. Sie unterstützte im ersten Halbjahr 1937 im Monatsdurchschnitt noch immer 570 arbeitslose Mitglieder. In den letzten acht Jahren hat die Union der Bergarbeiter an gewerkschaftlicher Unterstützung und an Staatsbeiträgen die folgenden Summen für ihre arbeitslosen Mitglieder ausgezahlt: Gewerksch. Staats« Jahr Unterstützung beitrag Insgesamt 1929 59.627 84.856 144.484 1930 272.658 655.851 928.509 1931 449.301 1,768.084 2,217.385 1932 511.747 2,045.314 2,557.062 1933 471.257 1,689.051 2.160.307 1934 543.143 1,486.808 2,029.950 1935 730.594 1,926.749 2,657.343 1936 710.222 1,886.724 2,596.946 Summe 8,748.549: 11,543.437 15,291.986 Wie diese Ziffern.lxhxm» hat die Union der Bergarbeiter in der besten und vorbildlichsten Weise für ihre arbeitslosen Mitglieder gesorgt. Außer der finanziellen Unterstützung hat sich die Union der Bergarbeiter auch sonst für die Arbeitslosen bemüht. Sie hat den Abbaubestrebungen der Unternehmer entgegengewirft und auf dies« Weise die Entlassung vieler Tausender Bergarbeiter verhindert. Durch die sogenannte »Prager Vereinbarung" zum Schutze gegen Massenentlassungen wurde vielen Bergarbeitern ihr Arbeitsplatz erhalte«. Die heurige Ernte Die Ergebnisse der endgültigen Ernteschätzung der Halmfrüchte, Hülsenfrüchte und Fut- terpflanzxn im Jahre 1937 werden jetzt vom Statistischen Staatsamt veröffentlicht und gleichzeitig werden zum Vergleich die Ergebnisse vom Jahr« 1936(erste Zahl in Klammer) und die Durchschnittsdaten für das Jahrfünft 1931 bis 1935(zweite Zahl in Klammer) angeführt. Wir führen nachstehend die durchschnittlichen Hektarerträge(in Meterzentner) sowie die Gesamterträge(in Meterzentner) im ganzen Staat an. Die Anbauflächen der Getteidearten sind heuer im Vergleich zum Vorjahr erwettert, mit Ausnahme von Winierweizen und Winterroggen, die restringiert wurden. Durchschnittliche Hektarerträge: Winterweizen 16.5(16.4— 17.2), Sommerweizen 16.0(15.0— 14.9), Winterroggen 15.4 (14.8— 17.5). Sommerroggen 11.8(11.0— 12.2), Wintergerste 18.5(17.7— 16.4), Sommer- «erste 16.6(16.1— 17.7), Hafer 17.7(15.9— 16.7), Mais, Reinkultur 23.1(22.1), Mais in Gemengen 18.6(16.1), Speisebohnrn, Reinkultur 12.2 (11.7), Speisebohnen in Gemengen 3.0(3.2), Erbsen 14.3(15.3— 18.0), Linsen 8.3(8.8— 8.2), Samenwicke 13.4(18.7— 12.8). Pferdebohnen 17.9(18.6— 14.9), Kleeschläger aller Art (Futter) 48.7(58.4— 87.8), sonstiges Grün» Man erhält für KC 100 Reichsmark» 618.— Markmünzen... 685.— 100 österreichische Schilling 526.50 100 rumänische Lei.. 15.85 100 polnische Zloty... • 514.50 100 ungarische Pengö.. 554.50 100 Schweizer Franken. 657.50 100 französische Francs. 95.45 1 englisches Pfund.. 140.50 1 amerikanischer Dollar. 28.40 100 italienische Lire.. • 113.40 100 holländische Gulden. 1575.— 100 jugoflawifche Dinare. 60.30 100 Belgas..... 479,— 100 dänische Kronen.. 628— 100 schwedische Kronen«. • • 726— ! Maurice Thorez ein-„Trotzkist“? I Der Basler ,, National-Ztg." wird aus Paris berichtet: Die hinter allen Erwartungen weit zuruckbleibende Mandatsausbeute bei den französischen Kantonalwahlen scheint einer Krise im Innern der kommunistischen Partei Frankreichs zum Ausbruch zu verhelfen, die unter der Decke schon lange geschwelt hat. Der„Figaro" konnte schon vor einigen Tagen die Moskauer Ungnade für die markantesten Führer des französischen Kommunismus, für Thorez, C a ch i n, D u c l o s und G i t t o n ankündigen. Das wird keinen überraschen, der die Kominternmilieus genauer kennt und daher weiß, daß man in Moskau mit der kommunisttschen Partei Frankreichs wenig zufrieden ist, vor allem, well sie auf dem Weg der organisatorischen Einigung mit den Sozialisten nicht weiter kommt, weil die Skepsis im Kleinbürgertum gegenüber der Entwicklung in Rußland eher wächst, als nachläßt, well sie e? nicht verhistdern konnte, daß gerade aus Frankreich die nachhaltigsten Proteste gegen die Verfolgungen sogenannter„Trotzkisten" in Rußland und Spanien kamen, gegen die ttotz der Fusion mit den kommunisttschen Gewerkschaften gerade auS den Reihen der S. G. T. heraus lebhaft protestiert wird. Dazu nun der Mißerfolg bei d e n W a h l e n, der sich übrigens bei den zettlich nachhinkenden Wahlen in Algier fortsetzt. Dort haben die Kommunisten trotz größter Anstrengungen kein einziges Mandat erhalten. Bon ein paar lokalen Erfolgen der Radikalen und der S. F. I. O. abgesehen, triumphiert dort überall die Rechte, oft genug, wie in Oran, wo der Abbe Lambert gewählt wurde, mit Persönlichkeiten ausgeprägtester Intransigenz. Seitdem der frühere Kolonialsekretär Ferrat aus der Partei ausgeschlossen wurde, geht der kommuni st ische Einfluß in Nordafrika überhaupt zurück und die islamitischen Eingeborenen orientier e n s i ch zunehmend n a ch R o m hin und nicht nach Moskau. Die Rolle der Kommunisten als Bannerträger der unzuftiedenen Kolonialvölker ist ausgespielt. Aber all das hätte vielleicht doch nicht genügt, um T h o r e z als dem Generalsekretär der Partei dan Hals zu brechen, d. h. ihn„wegen unrichtiger Anwendung der Generallinie" kaltzustellen. Moskau wirft ihm zwar heute vor, daß er und seine Mitarbeiter sich zu plump und über- eifrig der augenblicklichen patriotischen Mode der Komintern hingegeben und dadurch viele alte, fest an der Borstellungswelt des Antiimperialismus und Antimilitarismus hängende Kommunisten abgestoßen habe. Jp Wirklichkeit aber st.o.llp$ o x, e ine>Ju- gendsünd e", die seine unerbittlichsten Gegner, die Trotzkisten, aufgedeckt habest. Sw veröffentlichten. nämlich. in■ ihrem Organ„Lutte ouvriöre" eine Anzahl von Briefen, die Dhorez vor einigen Jahren als junger Provinzsekretär der Partei an den in Frankreich lebenden russischen Oppositionellen Suwarin gerichtet hat. Su- warin, der bretteren Oeffentlichkeit durch«ine sehr kritische Stalinbiographie bekannt, Schwager des spanischen P. O. U. M.-Führers Joaquin Maurin, kämpfte damals zusammen mit der trotzkistischen Opposition in der Komintern gegen Stalin und der junge Thorez gewährte ihm dabei moralische und materielle Unterstützung und organisierte den Vertrieb trotzkistischer Broschüren. Suwarin hat das Geheimnis dieser Briefe gehütet, bis vor kurzem G. P. U.- B e- auftragte als angebliche Kriminalkommissäre verkleidet in seiner Wohnung Haussuchten. Diesen Schlag dürfte Thorez bei der heute in Moskau herrschenden Stimmung kaum verttagen. Die„Humanitö" beginnt schon, die Persön- lichkeit des alten Kommunistenführers Marty in den Vordergrund zu schieben. Obwohl französischer Kammerabgeordneter, war Marty(er ist ein Exoffizier) sett langem bei den Internationalen Brigaden in Spanien als militärischer und politischer Instruktor tätig. Unter dem Vorwand der Teilnahme an der Beerdigung des kommunistischen Schriftstellers Baillant-Couturier wurde er nach Frankreich zurückgerufen, wo ihm vielleicht bald eine große pollttsche Karriere be- vorstehtt futter 85.9(88.9— 25.2), Wechselwiesen 39.6 (44.2— 32.7), Dauerwiesen 37.2(44.6— 32.3). Gesamterträge: Winterweizen 18,219.688(14,579.847— 14,441.017), Sommerweizen 732.906(547.455— 802.868), Winterroggen 14,599.763(14,169.291—17,333.105), Sommerroggen 246.294(194.778— 288.482), Wintergerste 136.579(125.681— 91.995), Sommergerste 11,013.648(10,063.066— 11,959.708), Hafer 13,723.578(12,183.671— 18,348.816), Mais, Reinkultur 2,236.223(1,886.173). Mais in Gemengen 1,195.571(1,251.694), Speisebohnen. Reinkültur 68.666(76.452), Speisebohnen in Gemengen 284.530(215.844), Erbsen 208.887 (236.787— 180.718), Linsen 45.488(49.809— 52.285),Samenwicke 272.505(275.826—162.278), Pferdebohnen 58.855(58.622— 46.708), Kleeschläge aller Art(Futter) 87,817.821(45,629.084 — 27,849.744), sonstiges Grünfutter 4,786.150 (4,881.028- 4,186.350), Wechftlwiesen 1,079.676 (1,248.844-1,034.772), Dauerwiesen 46,702.549 (56,184.710— 1,002.766). verfassungsmäßig anerkannt. Auch in anderen Staaten— 22 von den 48 Staaten der USA— bestehen nunmehr Gesetze über Minimallöhne. Das Nationaleinkommen 1986 ist wieder gestiegen und zwar auf 63.8 Milliarden Dollar gegen 55 Milliarden Dollar 1935. Das auSge- zahlte Einkommen betrug 62.050 Millionen Dollar, davon 41.250 Millionen Dollar Gehaltsund Lohneinkommen, in denen 2058 Millionen Dollar Löhne und Gehälter bei Notstandsarbeiten enthalten sind. So groß der Fortschritt auch ist, so ist das Einkommen des Jahres 1929 noch nicht erreicht, wie folgende Zahlen zeigen: Die Zahl der Arbeiter und Angestellten betrug 1929 34,669.000, 1936 30,644.000; das Jahreseinkommen eines Lohn- oder Gehaltsempfängers betrug durchschnitüich 1929 1450 Dollar, 1936 1244 Dollar. In Prozenten der Zahlen von 1929 betrug also die Zahl der Arbeiter und Angestellten 88.4 und das Jahreseinkommen 85.8. Vor Betriebseinstellung in der ostböhmischen Strinrndustrie. Einer der größten Steinbrüche Ostböhmens, der der Lititzer A.-G.,' Steinbruch und Bauwerke gehörende, in Skutsch soll wegen Auftragsmangels eingestellt werden. Das Gesuch um die Bewilligung zur Betriebseinstellung wurde bereits eingebracht und mit den großen Vorräten, der andererseits keine entsprechenden Aufträge gegenüberstehen, begründet. Durch die Einstellung würden an die 200 Arbeiter beschäftigungslos. Betriebsaufnahme in der Münchengrätzer Glasfabrik? Es sind Bestrebungen im Gange, die Erzeugung in der Glasfabrik Kopal in München- grätz zu reaktivieren. Das Unternehmen steht bereits seit Jahren still. Der Zusatz zum Kollektivvertrag für die Webereien im Gerichtsbezirk Rochlitz a. d. Jser und Hochstadt a. d. Jser, der am 17. Juni 1987 vereinbart wurde, wird im Amtsblatt vom 27. d., vom Fürsorgemiinisterium kundgemacht. Verluste unseres HutexportS in England. In der englischen Huteinfuhr ist der tschechoslotvaki- I sche Anteil in den ersten neun Monaten zurückgegangen. Er beträgt 11.336 Pfund(1936: 12.155) bei Wollfilzhüten und 50.291 Pfund (80.684) bei andern Hutsorten. Italien gewinnt den englischen Markt, den eS während der Sanktionen verloren hatte, wieder zurück. Minlmallohngesefce und Arbeitseinkommen In USA Die geänderte Rechtssprechung in bezug auf § Sozialgesetze führt dazu, daß die soziale Gesetzgebung in den Einzelstaaten der USA wieder fortschreitet. Im Jahre 1937 wurde u. a. ein Minimallohngesetz des Staates Washingwn als Japan-Boykott wirkt. Infolge des Boykotts japanischer Waren in vielen Gebieten Südost- Asiens, namentlich durch die chinesischen Einwohner in Malaya, Siam, Jndochina, auf den Philippinen und sn Holländisch-Fndien haben sich die Japaner gezwungen gesehen, ihre Waren zu tarnen und ohne Ursprungsbezeichnung zu verkaufen. Für die übrigen Exportländer öffnet der antijapanische Boykott neue Möglichketten, wenn sie markierte Waren anbieten, denn jetzt schon hält man unmarkierte Erzeugnisse für Waren japanischen Ursprungs. Zunahme der österreichischen ArVeitSlosig- keit. Am 15. Oktober wurden in Oesterreich 181.709 unterstützte Arbeitslose gezählt, was gegen Monatsbeginn einer Zunahme von 5400 Personen entspricht, Notstandsgebiete in Schottland. Ein Jn- dustriekomitee der liberalen Partei Schottlands stellt fest» daß in den NofftandSgebieten von England und Wales mehr Industrie-Unternehmungen enfftehen als in denen Schottlands und fordert die Errichtung eines schottischen wirtschaftlichen Generalstabs, der ein Wiederaufbauprogramm auf lange Sicht und einen Plan für öffentliche Arbeiten aufzuftellen hätte; die letzten wären in Notstandsgebieten durchzuführen und hätten in Konjunkturzeiten zu ruhen. Die Konjunkturstockung in dm Bereinigten Staaten. Tie Befürchtungen, welche in Amerikq in bezug auf die Fortdauer der Konjunktur geäußert werden, stützen sich u. a. darauf, daß in der letzten Zeit die Umsätze im Kleinhandel Leiner waren als man erwartet hat. Di« Warenhäuser setzten im September nur um vier Prozent mehr um als im Vorjahr» obwohl die Preise in dieser Zeit um sieben bis zehn Prozent gestiegen sind. In der Bautätigkeit ist Ebenfalls ein Nachlassen zu bemerken, die allgemein vier Prozent, beim Wohnhausbau 27 Prozent beträgt. Die Aus- nühung der Kapazität der Stahlerzeugung ist von 84 Prozent im August auf 75 Prozent im September zurückgegangm. Pessimistischen Schlüffen aus diesen Erscheinungen stehen aber zuversichtliche Urteile gegenüber, die den gegenwärtigen Zustand als eine vorübergehende Stockung ansehen. Sowjetruffand drittgrößt« Bamnwollpro- duzent. In der Baumwollproduktton steht die Sawjetunion in der Welterzeugung an dritter Stelle. Die Baumwollpflanzung hat sich in Südrußland ausgebreitet, wohin verschiedene Arten von Baumwollpflanzen auch aus Aegypten eingeführt wurden. Die Anbaufläche beträgt im Jahre 1937 125.000 Hektar. Eine neue demokratische Partei in Poliein (AP.) Die Ehristlichen Demokraten und die Rattonale Arbeiterpartei haben sich zu einer neuen polnischen Mittelpartei auf christlicher Grundlage zusammengeschlossen. Die Partei bekennt sich entschieden zur Demokratie. Lediglich' ihre Stellung zu den nationalen Minderheiten verdient vom demokrattschen Standpunkt eine gewisse kritische Beurteilung. An dem Vorgang ist besonders interessant, daß sich hier eine Partei,, die bisher der gemäßigten Rechten angehörte, und eine solche, die der gemäßigten Linken zugezählt wurde, zusammengefunden haben. Die Partei tritt auch für soziale Reformen und für eine „Demokratisierung der Wirtschaft'' ein. An führenden Persönlichkeiten des neuen Gebildes neu-, neu wir Paderewski, den früheren Staatspräsidenten Wojciechowski, die Abgeordneten Tempka und Popiel, Oberst Prezdziecki, General Haller» Oberst Modelski, Karol Beyer-Bromberg, Sikora- Oberschlesien, den Redatteur Sopicki, den früheren Minister Czechowicz sowie Korfanty. Gemeindewahlen in England (I. I.) Am 1. November finden in England Gemeindewahlen statt. Dabei wird in London die Gesamthett der Gemeknderäte der 28 Stadtbezirke(wozu noch die City von London kommt) neugewählt. Außerhalb Londons wird in England und Wales ein Drittel jedes Gemeinderats erneuert. Ferner- wird in Schottland in 24 großen und 171 kleinen städtischen Gemeinden gewählt. Die Arbeiterpartei verfügt bisher Mer die Mehrheit^n>40. von den. insgMM 3WMeyitzin- den: in England und, Wales^ sotvie^übex 14.n Schottland. In London verwaltet sie 15 von.d,en 28 Stadtbezirken. Außerdem verfügt sie über die Mehrheit im Grafschaftsrat von Gcoß-Londou. Für die kommenden Wahlen stellt die Arbeiterpartei zwischen 1500 bis 2000 Kandidaten ins Feld. Sie hat, namentlich in London unter der Führung Herbert Morrisons, eine großzügige Wahlkampagne eingeleitet. Mongolische Tradition gegen chinesische Aus japanischer Quelle wird mitgeteilt, daß in der Provinz Sui-Juan nunmehr der alte historische Mongolenkalender wieder eingeführt worden ist. Er stammt noch aus der Aerr Dschin- gischanS. Auch die Armeefahnen wurden gegen die alten Mongolenfahnen eingetauscht. Dies wurde deshalb angeordnet, um zu betonen, daß diese Provinz nunmehr von Nanking bereits unabhängig sei. Mussolinis Kerker entronnen. Der Korrespondent des Blattes„Ce sott" in Tunis teilt mit, daß es dem ehemaligen sozialisttschen italienischen Abgeordneten S e v a d a gelungen ist, von der Insel Lampdusa, wo er wegen politischer Uebertretungen interniert war, zu flüchten, Se- vada hat mit vier Genossen in einer kleinen Barke das Meer überquert und ist in Tunis eingetroffen. Gusti Hüber und Hans Moser spielen Tochter und Vater in dem Lustspielfilm „Die unentschuldigteSt.unde", der anfangs November in Prag gestartet wird. Set tr 8 »»Sozialdemokrat Mittwoch, 27. Oktober 1937. Nr. 253< Iraker ZMmg Am Vorabend des Staatsfeiertages, Mittwoch, den 27. d., werden um IS Uhr vom Altstädter Rathause Fanfaren ertönen. Das Programm enthält die Fanfaren„28. Oktober" von Otokar Jeremiäs, ..Festgruß der tschechoslowakischen Armee" von Jaromir Weinberger,„Fanfaren der Hauptstadt Prag" von B. SmetaLek, Hovorkas Choral„Mein Prag!" und die„Slowakische Fanfare" von Milos Smatek. Räuberjagd in Michle. Vorgestern abends gegen 10 Uhr trafen Beamte des Sicherheitsdienstes in der Taborstraste in Michle zwei polizeibekannte Räuber, die eben in drei Koffern entwendete Sachen forttrugen. Beim Anblick der Detekttve warfen die beiden die Koffer weg und ergriffen die Flucht in der Richtung nach Bohdalec. Die Detekttve setzten ihnen nach und konnten einen, den 33jährigen arbeits- und wohnungslosen Ernst Simerda verhaften: der andere entkam im Dunkel eines Wäldchens in Bohdalec, obgleich der verfolgende Beamte zweimal aus der Dienstpistole nach ihm geschossen hatte. Simerda wurde nach Pankratz gebracht. Siebzehnjährig«: Räuber. Im Hause Nr. 12 in der Blanickä in Prag-Weinberge stieg vorgestern abends eine im Hause wohnende Mieterin in den Aufzug, wobei sie bemerkte, daß ein junger Mann ihr folgte. Im Glauben, er wolle ebenfalls den Auszug benützen, wartete sie auf ihn und liest die Kabinentür offen; er stieg auch tattächlich ein, aber nur, um ihr ihr ledernes Handtäschchen zu entreisten, mit dem er die Flucht ergriff. Zufällig ging gerade ein Detektiv am Hause vorüber, der ihn binauslaufen sah, ihm nachellte und ihn auf dem Weinberger Platz auch einholte. Es handelt sich um einen siebzehnjährigen Burschen, der der Abteilung für soziale Fürsorge bei der Prager Polizeidirektion übergeben wurde. DaS Handtäschchen, in dem sich ein kleinerer Geldbettag befand, wurde der Eigentümerin zurückgestellt. Dm Fuß in der Druckmaschine. Die 15jährige Arbeiterin Anna Stuchlik aus JinoLan wurde gestern nachmittag? mit einem offenen Bruch des rechten Fustes auf die Klinik Schlaffer gebracht. Es war ihr kurz vorher bei der Arbeit in einer Druckerei in der Bocelovä in Prag-Weinberge der Fust in eine Druck- j maschine geraten. Der Schauspieler KlofaL morphiumvergiftet. Die Obduktton der Leiche des Schauspielers Franz KlofaL. von dem man nicht wußte,, ob er infolge einer Alkohol- oder einer Morphiumvergiftung gestorben war, hat nun als Todesursache eindeutig Morphiumvergistung ergeben. Zwei Personen, die ihm das Morphium geliefert hatten, wurden, wie gemeldet, bereits vor einigen Tagen verhaftet. Hrricsitssaat Künstlerpech eines Meisterdiebes Prag,(—rb—) Der 35jährige HerszFa- Iul G o l d b e r g e r, der sich gestern dem Strafsenat des OGR. Dr. Pazderskh präsentierte, behauptete mit erstaunlicher Hartnäckigkeit, ein ehrsamer Kaufmann zu sein und sich in der Republik nur zu Kurzwecken aufzuhalten. Die Kriminalarchive der internationalen Fahndungsdienstes stellen demgegenüber fest, dast dieser Herr Goldberger ein Taschendieb ansehnlichsten Formates ist, nach dessen persönlicher Bekannttchaft verschiedene Polizeibehörden der mittel» und westeuropäischen Staaten Verlangen ttagen. Am 30. September gelang besagtem Herrn Goldberger eine besonders feine Sache, aber das Künstlerpech wollte, dast er seines Erfolges nicht froh werden sollte. Dieser Meifterdieb brachte es ferttg. einem Kassenboten der»Slawischen Versicherungsanstalt", der in seiner Aktentasche 260.000 KC trug, dte er soeben beim Postscheckamt behoben hatte, ein Banknotenbündel im Betrage von 75.000 KL aus der verschlossenen Mtentasche fortzuzaubern. Dies geschah in einem Selcherladen auf dem Wenzelsplatz, wo der besagte Kassenbote fünf Deka Schinken zum Frühstück eingekauft hatte. ES war„saubere Arbeit". Wie der Kässenbote als Zeuge vor dem Gericht aussagte, verspürte er nur einen leichten Stost gegen die Aktentasche, als er unter dem dichtgedrängten Publikum vor dem Verkaufspult auf seine Abfertigung wartete. Austerdem drängten sich zwei Männer in auffallender Weise an ihn heran, von denen er allerdings keine nähere Personalbeschreibung geben kann und die er nur als„etwas erottsch aussehende" Leute zu beschreiben vermag. Offenbar waren«S Komplicen des Herrn Goldberger, der sich gestern auf der Anklage- bank hoch und teuer verschwor, keine Ahnung von dem Vorgefallenen zu haben. Allerdings vergeblich, denn Goldberger wurde des Diebstahls überführt, gerade, als er sich geschickt davonschlängtln wollte. Seine Verteidigung erregte Heiterkeit in Anbetracht der Unschuldsmiene, mit der sich dieser »Kaufmann" gegen die Ausführungen der Anklage verwahrte. Die Komödie half ihm freilich wenig, denn die" Verhandlung endete damit, dast Hersz Fajul Goldberger im Sinne der' Anllage schuldig erkannt ünd zu dreieinhalb Jahren schwe» renKerkerS verurteilt wurde. Gleichzeitig wurde seine Ausweisung aus dem Staatsgebiet nach verbüstter Strafe ausgesprochen. Dai Pseudonym des Herausgebers Prag.(—rb—) Ein seltener Strafparagraph bildete den Gegenstand dieser vor dem Straf» senat Pernt durchgeführten Verhandlung. Angeklagt war der in Dejwitz wohnhafte Lehrxr Josef Klaban, der im Rahmen seiner.^Kritischen Erwägungen über Zlin" eine Broschüre über das Thema „Schulwesen und Erziehung" hatte erscheinen lassen, wobei er sich unter dem Pseudonym JittPobora verbarg. Auf der letzten Seite war vermerkt, dast die Broschüre„im Selbstverlag des Autors" erscheine. Da aber der Autor sich der Oeffentlichkeit unter dem Pseudonym Jiii Pobora präsentiert hatte, ergab sich für die behördlichen Organe die Gelegenheit, gegen den Autor einzuschreiten.• Der Herausgeber must nämlich eine real existierende Person sein und nicht durch Pseudonyme dem wachsamen Auge der Obrigkeit verhüllt bleiben. Mit dieser. Angelegenheit hatte sich nun also ein Strafsenat zu befassen, vor dem der Angeklagte sich wegen des Vergehens nach Paragraph 9 des Preßgesetzes zu verantworten hatte. Durchaus glaubhaft erllärte der Angeklagte, in gutem Glauben gehandelt zu haben. Da indessen Unkenntnis deS Gesetzes nicht vor'Strafe schützt, wurde er zu fünf Tagen Arrest und 200 liL Geldbuße verurteilt, allerdings bedingt. AusflugSzüge. Vom 27. Oktober bis 2. November Fischfang in der Theist in Karpathorustland 390.— liL, am 28. Oktober nach Läny zum Grabe deS Präsident-Befreiers 13.— liL, vom 30. Oktober bis 1. November nach Hohenelbe und Spindler- mühle 185.— liL, am 81. Oktober, am 1. und 2. November wiederum nach Läny 13.— liL. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhofe, Telephon 38335. Kunst und Mssen Der Präsident der Republik wird dem dritten Akt der„W a l k ü r e"- Festvor- stellung am 28. Ottober im Neuen deutschen Theater beiwohnen. Arbeiterporstellung„Pariser Leben". Operette von Offenbach, am Sonntag, den 7. November um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater, Karten täglich von 9 bis 12 Uht und von 2 bis 6 Uhr bei Opttker Deutsch. Koruna. Londoner Musik-Festival. Das größte Ereignis des Londoner Musiklebens im Jahre 1938 wird daS Festival der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Kunst sein, das im Juni abgehalten werden wird- Es ist dies das 16. Festival dieser Art. Spielplan deS Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch, y~8: Die Zauberflöte, im Rahmen des Mozart-FeftivalS, B 2.— Donnerstag,%3: Warum lügst Du, CHLrie?; 7: Die Walküre, Beginn des Abonn. 1937/38, CI.— Freitag, 8: Acht Ruder im Takt, D.— Samstag, 7 r Faust, 1. und 2. Teil, Ab- aufgeh.— Sonntag,%8: Bei Kerzenlicht; 8: Die Entführung aus dem Serail, im Rahmen deS Mozart-Festivals. Spielpla» der Kleine« Bühne. Mittwoch, 8: Parkstraste 13» Bankbeamten u. freier Berk.— Donnerstag, 3: Menschen auf der Eisscholle; 8: Die Reise.— Freitag, 8 Parkstraste 13.— Samstag, %8: Das Glück, Erstaufführung.— Sonntag, 3: Di« Reise,%8: Hilde und das Lotteriespiel, Uraufführung. Der Dkm Sündige Liebe Flauberts großer Roman der Kleinstadt„Madame Bovary" ist nun auch zum Sujet eines Filmes geworden... Die unverstandene Frau, die Gestalt des .Romans, ist bereits in die Literaturgeschichte ynge- gangen und der Film hat sich mehr an die„sündige" Liebe gehalten, als an die Darstellung des nun Wohl schon historischen Charakters. Immerhin ist dem Regisseur Gerhard La m p r e ch t ein hübscher Milieu,- und Kostümsilm gelungen. Pola N e g r i als die Bovary hat prachtvolle Augenblicke und es gelingt ihr.die kleine Provinzlerin mit den großen Ab- sichten eindrucksvoll zu zeichnen. Weniger stark ist die übrige Besetzung mit Aribert Wäscher als Doktor Bovary, Paul Bildt, Marian u. a. Im ganzen fehlt dem reichsdeutschen Film freilich die zwingende Logik des Romangeschehens und di« Beschwingcheit des so sehr französischen Stoffes. jk. Eine Witwe fiel vom Himmel Was soll man zu einem heimischen Film sagen, der in jeder Szene die Unfähigkeit seiner Hersteller verrät? Es ist undenkbar, daß irgendeiner der Beteiligten sich über die Unmöglichkeit der Handlung (ein plumpes Gemisch von erzwungenen und zufälligen Verwechslungen und Irrtümern, von Albernheit und erheuchelten Gefühlen) nicht im klaren gewesen sein sollte. Die Ausstattung und Darstellung läßt manchmal den Verdacht aufkommen, daß man sich selbst parodieren wollte, aber da es dann immer wieder»ernste" Szenen gibt, die noch unbeschreiblicher sind, bleibt jeder Versuch einer»Erklä- rung" aussichtslos, es sei denn der, dast die Hersteller dieses Films(unter denen der Regisseur Vladimir Slavinsky als Mitautor und Spielleiter die Hauptverantwortung trägt) überzeugt.sind, dem Publikum alles bieten zu können. Bei der letzten Premiere eines Slavinsky-Films wurde gepfiffen. Diesmal gab es Blumen und eine Claque, die sich dadurch verriet, daß sie ihre„Begeisterung" schon vor Beginn des Films austobte. Wen kann man damit Räuschen? Höchstens sich selbst.—eis— Wallace Beery mit seinen Partnern in»»Ein Prachtkerl" An die deutsche Bevölkerung Prags! Dir deutschen aktivistischen Parteien und die deutschen aktivistischen Jugendgruppen in Prag haben beschlossen, den diesjährigen Gedenktag der Staatsgründung mit einer würdigen Frier zu begehen. Diese Gedenkstunde soll dir Löhalität der deutschen Mitbürger znr Republik bekunden und eine Manifestation für die ideologische Zielsetzung und die aufbauwillige Arbeit des deutschen Aktivismus im Staate sein. Der festliche Rahmen» der die Gedenkstunde umgibt, wird an die großen kulturellen Traditionen anknüpfen, deren sich unser Volk bewußt ist. Die Republikfeier findet am 27. Oktober«m 8 Uhr abends im Großen Festsaal des Deutschen Hauseö in Prag statt. Festfolgei Begrüßung durch den Borsitzenden der„Bezirksstelle der deutschen aktivistischen Parteien". Vorspiel zur Oper„Freischütz" von Carl Maria Weber. Dr. Anton Schmerzenreich: Rezitation des Briefes„Die Freiheit der Prüfstein der Eharattere" von Adalbert Stifter. Willi Volker: Rezitationen von Rainer Maria Rilke. Fanfaren aus der Oper„L i b« s ch a" vo« B. S m e t a n a. Festrede, gehalten von Hugo Rokyta. Preislied aus der Oper„Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner. Staatshymne. Musik deS PSO unter Leitung des Kapellmeisters Hoffmann. Einlaßkarten werden in den Sekretattaten der deutschen akttvistischen Parteien und bei Opttker Deutsch, Prag II., Graben, PalaiS ,Koruna", ausgegehen. Regiebeittag. Ausgabestelle für Ptttglieder der deuttchen sozialdemokratischen BezirkSorganisatton im Partei- heim» Prag II.» SmeLky 22, 2. Stock. * Der Landesschulrat für Böhmen hat den Schülern der deutschen Mittelschulen Prags den Besuch der Feier gestattet. Republikanische Wehr, Prag' Donnerstag, den 28. Oktober(Staatsfeiertag), um 20 Uhr, auf der Hetzinsel» Sporthalle des DT3.» Filmvorführung: Die Begrab- nisfeierlichkeittn des Präsident-Befreiers Masa- ryk. Alle Parteigenossen und-Genossinnen find eingeladen.— Regiebeittag. „Auf dünnem Eis" ist der Name des zweiten Sonja Henie-Films aus Hollywood, wo man das Kunststück, aus der Kunstläuferin eine Schauspielerin zu machen, auch beim Metten Versuch nicht ferttg brachte. Wieder sind die Ballett-Vorführungen, die Sonja Henie auf Schlittschuhen gibt, die Sehenswürdigkeiten des Films, der diese Eiskünste in revueartigen Rahmen stellt, aber' das Liebesspiel mit dem Prinzen, welches die„Handlung" liefert, kann den Eindruck nur abschwächen. Daß die mittvirkenden Schauspieler ihr Talent— dem„Star" zuliebe— nicht zu entfalten wagen, gereicht dem Film auch nicht zum Vorteil.—eis— §port-8piet-Ilörp«rpAge Um die Herbstführung im westböhmischen Arbeiterfußball Der vergangene Sonntag brachte glatte Siege der punktegleichen Spitzenvereine Unterreichenau, Alt» rohlau und Falkenau. Dennoch zeigt die Tabelle eine starke Umgruppierung, da die sechs verlorenen Spiele deS ASB. Schankau den Vereinen Falkenau, Graslitz, Neudek, Ehodau, Karlsbad und Unterreichenau aberkannt wurden, weil Schankau aus der Serie ausgeschieden wurde. Stark betroffen wurde der bisherige Spitzenführer Falkenau, welcher ein 9:1-Resultat und damit die Spitzenführung einbüßt. Wetter verliert Fischern zwei Punkte aus dem Spiel gegen Aich, welches von der Kreisspielleitung neu angesetzt wurde. Die knappe Niederlage in Neudek ttägt noch dazu bei, daß Fischern von der dritten Stelle an die sechste ab- steigt. In Front kömmt wieder der alle Kreismeister Graslitz, mit 5 Spielen und 6 Punkten rückt er an die vierte Stelle vor. Atus Neusattl wird über Beschluß der Kreisspielleitung an Stelle Schankau eintteten und werden nun die ausgefallenen Schan- kau-Spiele gegen Neusattl auSgettagen. Die Ergebniffe: Rapid Karlsbad gegen AtuS Unterreichenau 0:4, ASB Alttohlau gegen ASB Drahowitz 4:1, FFK Falkenau gegen ASB Maierhöfen 4:1, ASK Graslitz gegen Rote Elf Chodast 5:3, AM) Neudek gegen Atus Fischern 2:1. Stand der Tabelle: Atus Unterreichenau 6 4 1 1 21:10 9 ASB. Alttohlau. 6 4 1 1 22:14 9 FFK. Falkenau. 6 4 1 1 20:14 9 ASB. Graslitz. 5 2 2 1 18:14 6 ASB. Neudek 6 3 0 3 11:9 6 Atus Fischern 6 2 2 2 12:14 6 Rote Elf Chodau. 6 2 1 3 15:17 5 Atus Drahowitz. 7 2 1 4 18:17 5 Atus Aich.. 5 2 0 3 9:19 4 ASB. Maierhöfen 6 1 1 4 17:14 8 Rapid Karlsbad. 8 1 0 4 6:21 2 Aus der DTJ-Bewegung Einen gelungenen »Mehrkampf" für Bezirks- teams führten die weiblichen Zöglinge deS Prager TDJ-Kreises in Zizkov durch. Er bestand aus folgenden Disziplinen: Freiübungen, Gesang, ideellen Fragen. 60 Meter-Lauf, Hochsprung und Kugelstoßen. Den ersten Platz besetzte der 14. Bezirk (Prag VIH) mit 1795.86(in der Gesamtwertung mit 2400 Punkten) vor 4. Bezirk(Kladno) mit 1714.66 Punkten(welcher auch die beste'Gesangsleistung bot). In den sportlichen Disziplinen Ware» die besten Ergebnisse: Kugel: 7.40 Meter, Hochsprung: 1.15 Meter, 60 Meter: 9.4 Sek. • An dem StafettenlaufderDTJDej- Witz beteiligten sich insgesamt 17 Mannschaften, von denen bei den Sportlern über die 6 X 300 Meter lange Strecke DTJ Zijssov in 4:29 Min. und bei den Sportlerinnen(4X80 Meter) DTJ Hollescho- witz in 47.8 Sek. siegreich blieben. Ein rabiater DFB-SchiedSrichter. Für gewöhnlich werden in der bürgerlichen Fußballbewegung die Schiedsrichter für ihr Amt,'falls sie es nach Ansicht der Fanouscheks nicht.richtig" versehen, noch obendrein verprügelt. So etwas war z. B. am Sonntag in Postelberg wiederum der Fall. Aber anscheinend können es die Schiedsrichter auch anders, denn bei dem Spiele Seidenschwanz—Morchenstern soll der DFB-SchiedSrichter Leubner(Reichenberg) den Tormann-der letzteren mit der Faust derart geschlagen haben, daß der Spieler niederstürzte und dabei einen Rippenbruch erlitt. Bon der Wucht des Faustschlages zeugf die Tcttsache, wie der„Montag" berichtet, daß dieser noch nach fünf Stunden(l) ärztlich festgestellt werden konnte. Atus, Prag DaS Frauen- und Kinderturne« findet diesen Mit t wo ch nicht statt. Die Dchule benöttgt für diesen Tag den Turnsaal. Alle Mttglieder der Freien Bereinigung soziali- stifcher Akademiker an den deuttchen Hochschulen beteiligen sich an der am 27. Oktober stattfindenden Republikfeier. Bezugsbedingungen: Bei Zusttllung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich liL 16.—, vierteljährlich liL 48.— halbjährig KL 96.- ganzjährig K 192 Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung von Manusttipten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wutde von d-r Bost- und Tel«, graphendrrektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Kontrollpostamt Praha 25.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags, und ZeitungS-A-G Prag