Zeutralorga« der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag tSglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XL, Fochova 62- Telephon 83077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Lern, Prag 17. Jahrgang Sonntag, 31. Oktober 1937 Kur dem Inhalt: & SdR-Bticf, dtt ut“*>«**» Häute diet Nr. 256 Das Todesbataillon rettet sich Durch Rückzug In die Internationale Konzession Schanghai.(Reuter.) Das letzte chine» sische Infanterie-Bataillon, das sich bisher in einem Magazin im Stadtviertel Tschapei zur Wehr setzte, hat Samstag gruppenweise dieses Viertel verlassen und seine zahlreichen Berwun» deten mitgenommen. Das Bataillon zog mit 300 Verletzten, mit allen Waffen von seinem bisherigen Standort ab und mußte mehrere von japanischen Scheinwerfern beleuchtete und von japanischen Maschinengewehren beschossene Straßen passieren, bis eS zur internationalen Konzession gelangte. Die chinesischen Soldaten wurden von den britischen Truppen aufs herzlichste ausgenommen und die Verwundeten verbunden. Sie wurden dann enttvasfnet und der internationale» Polizei do« Schanghai überstellt. * An der Schanghaifront versuchen die Japaner ihre Stellungen auf der Linie Nanfiang— Kiatinq vorzuschieben, konnten bisher jedoch nur geringe Fortschritte verzeichnen. Das Nordufer des SutschaugrabenL. ist von der Grenze der internationalen Niederlassung bis zwei Kilometer nördlich von Kiangkiao von den chinesischen Truppen geräumt worden. Chinesische Flugzeuge bombardierten seit Wochen zum ersten Male wieder japanische Stellungen bei Honkiu. Vier britische Soldaten getötet In der Nähe des britischen Militärlagers i« Feßfield bei Schanghai expkvtzierte eine Granate. Zwei englische Soldaten wurden getötet und zwei weitere verwundet. Zur selben Stunde wurden durch die Explosion eines Artilleriege- schoffeS in der Straße Jujurn zwei britische Soldaten und zwei chinesische Zivilisten getötet. In der französischen Konzession explodierte in der Nähe des Klubs„Cerrle Francaise" eine Granate großen Kalibers. Khokho— Japans neueste Staatengründung London.(Eigenbericht.) In der Inneren Mongolei hat Japan nach dem Muster von Mandschukuo einen neuen Pufferstaat errichtet, der den Namen Khokho trägt und die Provinzen Tschachar und Suiyuan umfaßt. Staatsoberhaupt ist der Prinz P e h, der unter dem Schutz der japanischen Bajonette in die Mongolei zurückge- krhrt ist, auS der er vertrieben worden war. Der neue Staat wird ungefähr vier Millionen Einwohner zählen, davon 3.8 Millionen Mongolen «nd eine halbe Million Chinesen. Zum Weltspartag Signorello Mussolini, Papa Duce hat depeschiert, Sie möchten heute nur kleine Bomben werfen. Man soll nicht sagen, daß der Faschismus nicht sparsam sei! Englandfeindlicher Kurs in Tokio Faschistische Treueschwüre im Rundfunk? Tokio. Der„Rat für aktuelle Situationen", ein«»offizieller Organismus, der sich aus Mitgliedern des Parlamentes und einflußreichen Industriellen zusammensetzt, hat eine Resolution angenommen, in welcher die Notwendigkeit betont wird, sofort ein« gesamtnationale Bewegung zu organisieren, die auf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Großbritannien abzielt. Am 29. November wird, dem Domei-Büro zufolge, in Tokio eine Maffen-Bottsversammlung zur Feier des ersten Jahrestages des deutsch- japanischen Antibolschewisten-Pakte- veranstaltet werden. Ministerpräsident Fürst Konoye wird eine große politische Rede halten, die auch von den deutschen Sendestationen übertragen werden wird. Es verlautet, daß Beratungen atgehalten werden, um die Aussendung der Reden HitlerS und Mussolinis, die bei dieser Gelegenheit gehalten werden sollen, durch die japanischen Rundfunkstationen zu sichern. Man erwartet, daß an diesem Tage Konove, Hitler und Mussolini Botschaften von Nation zu Ration auStauschen werden. Uebersiedlung nach Barcelona angeordnet Valencia. Der Präsident der spanische» Republik unterzeichnete das Dekret über die Uebersiedlung der Regierung nach Barcelona. Mit der Durchführung des Dekretes ist der Vorsitzende der Regierung im Einvernehmen mit den Ministern betraut. Die Regierung hat über ihre Uebersiedlung nach Barcelona eine Erklärung veröffentlicht, in der sie betont, daß diese Uebersiedlung im öffentlichen Interesse erfolge und daß sie bereits von der vorhergegangenen Regierung erwogen worden sei. Einer der Hauptgründe für die Uebersiedlung sei, daß Barcelona ein viel wichtigerer und besserer Hafen sei als Valencia; außerdem sei Barcelona Mittelpunkt einer starken Nssdu- strie, die jetzt im Kriege einen bedeutenderen Faktor darstelle, als dies bisher der Fall sein konnte. Katalanien werde so eine neue Gelegenheit gegeben werden, seine Begeisterung für den gemeinsamen Kampf gegen die Aufständischen und gegen die in Spanien eingedrungenen fremden Truppen zu beweisen. Regen behindert die Kampftätigkeit Madrid. Der Feind hört nicht auf, Madrid zu beschießen. Auch an der Madrider Front in Guadalajara und in Jarama im Abschnitte Cuesta de la Reina versuchten die feindlichen Ab- teilungen einige heftige Angriffe, die von den Republikanern durchwegs abgewiesen wurden. Der Südwestflügel des gewaltigen Eisenbetonbaues der Madrider Hospitalsklinik ist infolge der gestrigen Explosion einer Mine der Republikaner nun vollkommen zerstört und bis zum Erdboden abgetragen. Riesige Materialblöcke waren durch die Explosion hochgeschleudert worden und haben eine große Anzahl der Rebellensoldaten erschlagen. Kn Norden dauern das schlechte Wetter und der heftige Regen an, die die Kampftätigkeit zeitweise zum Stillstand gebracht haben. An der Front um H u e s c a herrscht Ruhe. In Hocharagonien ist das Terrain' u nwegsam geworden; beide Parteien beschränken sich auf erforderliche Ausbesserungen der Deckungen und die Befestigung der Schützengräben. Wechsel Im Oberkommando der Italienischen Interventionsarmee Rom.(Havas.) Der Militäranzeiger teilt mit, daß General Ettore B a st i c o, der Kommandant des italienischen Freiwilligen-KorpS in Spanien, vom italienischen Armeekommando in Alessandria in Norditalien abberufen und in das Kriegsministerium berufen wurde, wo er mit einer besonderen Mission betraut worden ist. Botschafter Cerruti geht auf Urlaub Paris.(Eigenbericht.) Der italienische Botschafter C e r ru t 1 ist aus Paris abberu- fcn worden. Er wird Paris Sonntag abends verlassen und einen Urlaub von unbeschränkter Dauer in Italien verbringen. Diese Abberufung stellt einen Protest Italiens gegen dir Haltung Frankreichs dar, das in Rom seit der Pensionierung des Botschafters Chambrun nur einen Geschäftsträger unterhält» da Italien darauf besteht, daß ein neuer Botschafter beim„König von Italien und Kaiser von Abessi- n i e n" akkreditiert werde. Paris lehnt es jedoch ab, aus diese Weise indirekt die de-j«re-Anrr- kennung der Eroberung AbessinienS vorzunehmen. Ein Zusammenhang zwischen dem italienischen Schritt und den scharfen antifaschistifchen Reden von Delbos und Herriot auf dem radikalsozialistischen Parteitag in Lille besteht nach italienischen Erflärungen nicht. Die Abberufung sei den Pariser Stellen bereits vor der Rede Her- riots bekanntgegrben worden. Einladung Mussolinis an den Großmufti... Haifa. Die italienischeR e g i e- r u ng hat den Großmufti von Jerusalem, der vor kurzem auf stanzösisches Mandatsgebiet geflüchtet ist und dessen Unterbringung den französischen Behörden großes Kopfzerbrechen verursacht, nach Libyen eingeladen, wo er sich vollster Bewegungsfreiheit erfteuen soll. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß er dorthin gelangen kann. Menorca im Vordergrund B. B. Paris. General Franco hat sich di« Kriegführung leicht gemacht. Seine militärische Basis waren die von Halbzivilisierten bevölkerten, spanischen Kolonien, seine Siege, die Vernichtung von regierungstreuen Gebieten, deren geographische Lage eS verwehrte, daß die Volksarmee in irgendeiner Weise Hilfe leisten konnte. Nun hat Franco alle Nebenfronten liquidiert, an denen seine zahlenmäßig und technisch überlegenen Truppen billige Lorbeeren ernten konnten, alle bis auf eine: Menorca. Es läge gänzlich im Sinne der bisherigen.nationalistischen' Taktik, die Offensive gegen di« letzte regierungstreue Insel des Balearen-Archipels zu eröffnen, und es spricht viel dafür, daß dies geschehen wird. Das Wiederaufleben der Piraterie in den Balearen-Gewässern, die Einschüchterung der ohnehin schwer darbenden Zivilbevölkerung Menorcas durch«ine großsprecherisch« Flugzettelpropaganda sind deutliche Anzeichen für die Richtung, in welche der Hauptkriegsschauplatz verlegt werden soll. Würde Franco einen spanischen Krieg führen, so müßte er trachten, die Hauptstadt, an der er sich schon einmal die Zähne ausgebissen hat, in seinen Besitz zu bekommen.^ Da er jedoch nur das Vollzugsorgan italienischer Interessen ist, so wird der Krieg so geführt, wie eS der faschistische Generalstab braucht, und Menorca muß ihm im Augenblick wichtiger als alles andere erscheinen. Menorca mit seinem Kriegshafen Mahün gilt von jeher als die strategisch wertvollere Position gegenüber Mallorca. Bor dem Kriege schon begann der Wettlauf der Großmächte um di« Eroberung oder wenigsten- um ein« Beteiligung an diesem ausgezeichneten Flottenstützpunkt. Dabei wirkte der Umstand mit, daß eine di« nationalen spanischen Interessen preisgebende Bourbonen- Monarchie von sich aus die Insel an den Meistbietenden zu verhökern suchte. Marschall Joffre erzählt in seinen Memoiren, daß König Alphons XIII. Frankreich auf den Balearen eine Seefestung angeboten hat. Die französische Republik lehnte ab/ Daher kam es zu einem öffentlich Ni« eingestandenen,«wer auch niemals dementierten Geheimvertrag mit England, wonach Großbritannien, welches damals auf seine Stellung im Mit- telmeer noch in stärkerem Maße bedacht war, das Recht erhielt, Mahün als Marinebasis zu benützen^ falls Italien auf feiten der Dreibundes in btn Krieg eingetreten wäre. Nach dem Kriege kam das Balearen-Problem wieder aufs Tapet,, als Mussolini seine erste Extratour mit der spanischen Reaktion betrieb. Die Balearen für Italien in irgendeiner Weise zu erobern— daS ist der geheime Plan Mussolinis, seitdem er daS Amt eines Ministerpräsidenten bekleidet. Ta er Primo d^ Rivera als Partner auf der anderen Seite hatte, so war eS nicht schwer, daS Spiel vorübergehend zu gewinnen. Nach Austausch verschiedener Freundlichkeiten, dem spanischen Königsbesuch in Italien, dem Rundflug des Balbo-Geschwaders in Spanien unter besonderer Berücksichtigung der Balearen, wurde zwischen den beiden Diktatur-Regierungen ein Geheimabkommen abgeschlossen, das die.wohlwollende Neutralität" der Inselgruppe, für den Kriegsfall regelte. Die Ausrufung der Republik am 141 April 1931 war ein schwerer Schlag für die italienische Außen- und Marine-Politik. Spanien zeigte sich in Genf radikal pazifistisch und allen Geheimverträgen abgeneigt, es war aber auch bereit, alles zu tun, um kein verlockender Objekt für AngriftS- lustige zu werden. Als im zweiten J-chr« der Republik die Ausschachtung des KriegShafenS von Mahün und die Modernisierung der Befestigungswerke auf den Balearen vorgenomm«» wurde, begannen auf italienischer Seite die ersten dunklen Angriffspläne zu reifen, zumal auch der recht harmlose Besuch HerriotS in der spanischen Hauptstadt, welcher Ende Oktober 1932 stattfand, die Nervosität der Faschisten gesteigert hatte. In einer Korrespondenz der„Bossischen Zeitung" au» Madrid mit dem Datum vom 21. Oktober 1932 finden wir die erste Andeutung der kommende» Dinge: .Da Frankreich bei einem europäischen . Kriege wiederum Massen von Kolonialtrupp«» heranziehen würde, könnten diese Truppentrausporte, auS Algier hauptsächlich, aber auch aus Marokko, von den Balearen-Inseln auS sehr gefährdet bzw. nahezu unmöglich gemaO werden. Für eine Frankreich feindliche Macht—^Italien wird durchaus offen,al» solch« genannt— Wären die Inseln als Stützpunkt der Flotte, der Unterseeboote und Flugzeuge do» Der Kongreß von Lille einmütig für die Volksfront Lille. Nach den bereits gemeldeten Zwischenfällen gelangte am Samstag der radikalsozialistische Parteikongreß zu einem vollen Einvernehmen über den Text der Schlußresolution. In dieser Resolution wird der Bolksfrontregierung unter der Leitung des Radikalen Chautemps das Vertrauen ausgesprochen und die Notwendigkeit der Disziplin der Republikaner im Kampfe gegen die Gegner der Republik hervorgehoben. Ferner wird darin die Respektierung der Verpflichtungen bestätigt, die die Partei im BolkS- frontprogramm übernommen hat, und der Wunsch ausgesprochen, daß alle Republikaner die Ordnung und die Legalität respektieren. Ferner billigt die Resolution die Finanzpolitik des Ministers Georges Bonnet, hebt die Notwendigkeit eines ausgeglichenen Staatsbudgets hervor, lehnt eine Berfaffungsrevision Wwie die Währungskon« trolle ab u. ä. Die Resolutionskommiffion empfiehlt den Zusammentritt des nächsten außerordenflichen Parteikongreffes in drei Monaten in Paris, um die Frage der Einführung des Proportional- wahlrechtes zu flären.-■ Als der Parteivorsitzende Dalädier über die Resolution abstimmen ließ, wurde sie bloß mit einer Mehrheit, nicht aber einmütig angenommen. Hierauf betrat.Ministerpräsident Chautemps die Rednertribüne und forderte alle Delegierten dringend auf, die vorgeschlagene Resolution einmütig anzunehmen und so die Einheit der Partei, die unter den gegenwärtigen schweren Umständen unbedingt notwendig sei, öffentlich zu manifestieren und gleichzeitig die Autorität der radikalen Minister in der Regierung zu stützen. Nach diesem Eingreifen des Ministerpräsidenten ließ Daladier neuerlich über die Resolution abstimmen, die diesmal einmütig angenommen wurde. Seite 2 Sonntag, 31. Oktober 1937 Rr. 256 Innenpolitische Umschau Präsidentenworte als Verpflichtung z Abgesagte Revolution der SdP Die Budgetbedeckung Wo wird Franco angreifen? Man erwartet nach dem Fall von Gijon Francos Angriff bei Saragossa oder bei Madrid. unschätzbarem Werte... Was könnte Spanien gegen einen mit starke nKräf« ten unternommenen Handstreich auf den Balearen tun? Sehr wenig. Mahön würde gegebenenfalls, d. h. je nach der politischen Kostellation, ehrenvoll verteidigt werden. Aber man würde nicht hindern können, dah eine der kriegführenden Nächte sich der Inselgruppe al- Flottenbasis bedient." Das, was der Madrider Korrespondent der „Voß", der sich heute, im Lager des Generals Franco befindet, hinzufügt, ist vielleicht eine überholte, aber, vor fünf Jahren ausgesprochen, interessante Perspektive: »Sowohl Sardinien als auch Korsika sind gleich weit von Menorca entfernt. Gibraltar liegt etwas weiter ab. Aber es wäre denkbar, daß die Engländer, nicht nur als etwaige Kriegführende, sondern vielleicht sogar besonder- al- Neutrale, den beiden anderen Mächten zuvorkämen, sei«S zum Schutz der spanischen Neutralität, sei es zum Schutz des bedrohten Lebens der auf den Balearen zahlreich wohnenden britischen Untertanen." Im Jahre 1932 wurde somit ein aktives britisches Eintreten noch in Betracht gezogen. Heute konzentriert zwar die angelsächsische Presse in Erwartung militärischer Verwicklungen ihre Sonderberichterstatter auf Menorca, aber eine französische Demarche zugunsten einer gemeinsamen francobritischen Schutzaktion für die stark bedrohte Insel verläuft im Sande. Das Problem Menorca ist jedoch für Frankreich von lebenswichtiger Bedeutung. Mit einem blinden Vertrauen auf italienische Zusicherungen ist die Frage nicht aus der Welt geschaffen, wie der Premierminister Chamberlain sehr zur Unzufriedenheit der französischen offiziellen Kreise bei seiner letzten Unterhausrede glauben machen wollte. Menorca liegt den französischen Afrika-Verbindungen weit näher als irgendeine andere Insel der Balearen. Die französische Admiralität wird deshalb mit oder ohne englische Hilfe die Gefahrenzone abriegeln, was eine Besetzung der Insel, die selbst über starke BickerS- Geschütze verfügt, nicht unbedingt erfordert. Die Nähe der Gefahr wird andererseits auch die letzten Freunde der spanischen Militärrevolte auf französischem Boden umlernen lasten. L. Windprechtinger: 16 Oldiidit’n SIU dem illegalen Men Mechtern sah die paar Minuten, die der Zug bis zur nächsten Station benötigte, wie auf Nadeln. Er wußte, daß ein kleiner Zufall ihm verhängnisvoll werden konnte. Als der Zug gemächlich in den Bahnhof einfuhr, sah Karl am Bahnsteig den Stationsbeamten im Gespräch mit einem Gendarmen stehen. Ihm schwante nichts Gutes. Aber er stieg, so bald der Zug gehalten hatte,«ntschloffen aus und ging schnurstracks auf den Stationsbeamten mit der Frage loS, ob er auf telephonische Veranlassung einen Mantel und einen kleinen Koffer aufgehalren und aufbewahrt hätte. Er hatte kaum geendet, als ihm der Gendarm die Hand auf die Schulter legte und seine Berhgftung aussprach. Karl Mechtern tat erstaunt und entrüstet. „Was wollen Sie denn von mir", fuhr er den Beamten an. „Der Mantel und der Koffer gehören doch Ihnen und Sie wissen doch auch was sich darin befindet", entgegnet« der Gcndarm schroff und führte ihn zum Stationsgebäude. „Aber, Herr Inspektor", erklärte kaltblütig der Verhaftete,„Sie befinden sich in einem schweren Irrtum. Ich habe gar keine Ahnung, was sich»in dem Koffer besinnt und die Sachen gehören auch gar nicht mir. Ich habe nur den Auftrag, sie zu holen". Mit diesen Worten zog er seine amtlich« Pensionistenlegitimation aus der Tasche und geigte sie dem Gendarmen. Dieser stutzte, besah Der Präsident der Republik hat den Staatsfeiertag dazu benützt, in einer Rede die innerpolitischen Aufgaben zu umreißen, wobei die Zusammenarbeit der Mehrheitsnation mit den Minderheiten im Vordergründe stand. Daß der Staatspräsident diese Rede vor den in Prag akkreditierten Diplomaten hielt, verlecht ihr eine besondere Bedeutung. Mit der ihm eigenen Bestimmtheit hat Benes erklärt, daß das Programm Masaryks der nationalen Befriedung des Landes auch sein Programm sei und daß er den betretenen Weg»unerschütterlich" weitergehen werde. Diese Kundgebung des Präsidenten ist, wie wir glauben, ein« Verpflichtung für die Politiker und die Träger der Staatsverwaltung. Der freigewählte Präsident ist das Haupt des Staates und seiner demokratischen Autorität sollten sich alle beugen, in deren Händen die staatliche Berwal- tung sich befindet. Der Präsident hat seiner Meinung, daß es notwendig sei, das nationale Problem zu lösen, deswegen Ausdruck gegeben, weil er dies für eine StaatSnotwendigkeit hält und die Verantwortlichen dieses Landes müssen dieser Notwendigkeit Rechnung tragen, weil sonst der Staat Schaden erleidet. Den Worten des Präsidenten muß die Tat folgen und diese Tat haben alle Behörden, von den Ministerien angefangen zu setzen. Die deutsche Bevölkerung hat zum Präsidenten Benes Ber- trauen und die Staatsverwaltung darf dieses Vertrauen nicht täuschen. Der Sinn des Mtivis« muS ist überhaupt das Vertrauen in den Willen und die Fähigkeit der Tschechen, die soziale und kulturelle Existenz der Sudetendeutschen zu sichern. Ginge dieses Vertrauen verloren, dann schwänden die Voraussetzungen der Lösung des nationalen Problems auf dem Wege demokratischer Verständigung. In der einzigen Parlamentssitzung, die in der Herbstsession stattgefunden hat, haben wir die angekündigte Sensation erlebt, welche von der Sudetendeutschen Partei erwartet wurde. ES hat sich da wieder bewahrheitet, daß weder angesagte Revolutionen noch Revolutiönchen eintreffen. Wenn man den Reden der SdP seft vier Jahren unkritisch zuhört, wenn man die offenen oder versteckten Drohungen unseres Ascher sudetendeut. scheu Hitler oder der kleineren Führer und Dik- tatoren-Praktikanten vernimmt, dann hätte man erwartet, dah die Götter Walhalls selbst herniedersteigen werden, um sich in den Kamps zu stürzen. Daweil sind die Abgeordneten der SdP aus dem Saal hinauSmarschiert, um in der nächsten Sitzung wieder hineinzumarschieren. Für alle Freunde der Demokratie, welche den Rückzug der SdP betrachten, ergibt sich daraus eine Lehre, die nicht unbeachtet bleiben sollte: es bedarf nur der Entschlossenheit und der eindeutigen Haltung der Behörden, umdieHenleingardenein- zuschüchtern. Wenn die Herrschaften auf einen entschlostenen Gegner stoßen, dann verlieren sie rasch ihren Mut oder bester ihren lieber» mut. Das hat Nyon auf dem Gebiete der Außen- politik und Teplitz-Schönau auf jenem der Innenpolitik bewiesen. Dieser Lehre entsprechend muß nun gehandelt werden. » Von den nächsten Aufgaben d«S Parlaments interessiert vor allem das Budget, das nun fast sich die Legitimation, ohne wahrzunehmen, daß sie ein« Pensionisten-Legitimation war, und sagte dann;„Ah so, das ist was anderes. Ich habe geglaubt. Sie sind der Eigentümer". Mechtern wechselte noch einige förmliche Worte mit dem Gendarmen und dem Stationsvorstand und erhielt dann gegen Bestätigung Mantel und Koffer ausgefolgt. Er erfuhr auch noch, daß bei der Uebernachme des Mantels auS seiner Innentasche eine Brünner Arbeiter-Zeitung herausgefallen war, und daß dieser Umstand Beranlaffung gab, auch im Koffer nachzuschauen und sodann die Anzeige an das Gendarmerie-Kommando zu erstatten. Unter einem wichtigen Borwand begab sich Mechtern, nachdem er sich empfohlen hatte, in den nahe gelegenen Ort, und ward, nicht mehr gesehen. Als Mechtern einige Wochen später wieder an die Stätte seines Mißgeschicks kam, erfuhr er von befreundeten Bahnbeamten, daß sich der Gendarm am folgenden Tage telephonisch erkundigt hatte, iw Mantel und Koffer richtig abgeführt worden waren. Als er aber aus den Fragen seines Kollegen am anderen Ende des Drahtes erkannte, daß man dort von einem beschlagnahmten Mantel und Koffer keine Ahnung hatte, zog er«S vor, seine Anfrage als einen harmlosen Irrtum hinzustellen. Illegal«, denen Mechtern sein Erlebnis erzählte, waren der Meinung, daß er auf Mantel und Koffer hätte verzichten müssen und sich nicht in die Gefahr deS„Hochgehens" hätte geben dürfen. Das ist„vernunftgemäß" gewiß richtig. Aber ist der Erfolg einer großen Sach« ohne Wagemut, Kühnheit und Begeisterung zu«rrin- gen? Wenn sie sich bei geringen Anläffen zeigen, werden sie sich in der Entscheidung bewähren. .(Schluß.) fertig ist, sowohl was die Ausgaben als auch die Einnahmen betrifft. Allerdings bestehen, bei dem Einnahmen-Voranschlag noch gewisse Differenzen. Es sind innerhalb einer Koalitionspartei Strömungen, welche einer stärkeren Belastung der kapitalkräftigen Schichten entgegentteiben. Wir haben unserer Auffassung bereits in unserer letzten Sonn« tagsbetrachtung dahin Ausdruck gegeben, daß es moralisch nicht anders möglich sei, als daß die sozial Stärkeren für den Staat in einem Augenblick, wo er für seine Verteidigung alles Notwendige vorkehren muß, auch die größeren Opfer bringen müssen. Wort und Tat müssen hier im Geiste Masaryks in Einklang gebracht werden und die Bevölkerung muß zu den materiellen Opfern der Staatsverteidigung je nach ihrer Leistungs- fähigkett herangezogen werden. Würde man jene schonen, die etwas entbehren können, so würde das eine solche Untergrabung der öffentlichen Moral sein, die keiner zugeben könnte, dem an der Erhaltung dieses Staates und seiner Demokratie gelegen ist. Caveant consulesl Die Ouer- treiber seien gewarnt I » Nir eine Politik der festen Hand Der politische Wochenbericht des„Prävo Lidu" gelangt in der Beurteilung der jüngsten Phase der Politik der SdP zu ähnlichen Ergebnissen wie wir. Das Blatt schreibt: Nach dem 17. Oktober, da die Henleinleute mit Absicht einen Konflikt mit der Polizei hervorgerufen und der Welt noch früher als«S zu diesem Konflikt gekommen war, Bericht davon gegeben hatten— diese beachtenswerten Details find schon heute genau feftgeftellt— beginnt in der Koalitionspolittk auch in dieser Sache die Entwicklung zu einhettlicher Auffassung. So erscheint es vorläufig aus unmittelbarer Näh«. ... Wir glauben, daß kein Schwanken«intreten wird und wir wollen sagen, daß das energische Borgehen der Behörden in dieser Richtung von der gesamten tschechoslowakischen Nation unterstützt werden wird. Die Regierung kann des Vertrauens der Oeffentlichkeit in allem sicher sein, wenn sie allen zersetzenden Elementen«ine feste Hand zeigen wird... Die Henleinpreffe ist bereits unter dem Einfluß dieser Wendung. Sie schreibt bescheidener und es ist ersichtlich, daß die SdP abgeschreckt ist. Sie wurde insbesondere dadurch verwirrt, daß sie von der agrarischen Rechten im Stiche gelassen wurde... Der Präsident der Republik empfing am Samstag den Ilniversitätsprofessor Charles Rist aus Paris. Neukonstituierung deS tschechischen Nationalrats. Nach den letzten Vorgängen, welche sich in den Tagen der Präsidentenwahl im Dezember 1935 im tschechischen Rationalrat zugettagen haben(der Vorsitzende dieses Nationalrates Prof. Nömec ließ sich bekanntlich als Gegenkandidaten gegen den jetzigen Staatspräsidenten aufstellen) waren die tschechische sozialdemokratische Partei, die tschechischen Nationalsozialisten und die Legionärgemeinde aus dem Nationalrat ausgetteten. Es wurde der bekannte Advokat Dr. Schauer be- auftragt alles zu veranlassen, damit der Natio- nalrat wieder vollzählig sei und es ist ihm gelungen, die Gegensätze zu überbrücken. Die tschechischen Linksparteien und die Legionärgemeinde werden sich demnach weiter an den Arbeiten des Nationalrates beteiligen. Allerdings kehrt Prof. Nömec nicht mehr an seine Stelle zurück. Den Vorsitz hat nun Abgeordneter Beran übernommen und es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß die einzelnen polittschen Parteien im Vorsitz künftighin abzuwechseln haben. Fahrradmarder Edmund Uher. Bor einiger Zeit trieb sich in A u s s i g— wie seinerzeit berichtet wurde— ein etwa LSjährig« Bursche herum, der Mttglledern der sozialdemokratischen Pattei und Atusleuten Legitimattonspapiere stahl und Patteiangehörige um Räder besc^vindelte. Der Bursche wird, wie wir erfahren, von einer großen Anzahl ffchechoflowakischer Sicherhettsbehörden gesucht. Der Schwindler, der fich bald Franz Keßler, bald Alfted Oberländer, Franz Kunett, Peter Ebenstem«, Josef Kölcher, Josef Ulrich, Karl Schütz unter Borweis einer Mitgliedslatte der sozialdemokratischen Pattei nennt, verschafft sich Zutritt zu Mitgliedern unserer Pattei, borgt sich ein Fahrrad aus und verschwindet damit. Bisher wurden rund 50 solcher Betrugsfälle festgestellt, in denen Uher ein„ausgeborgtes" Fahrrad an der nächsten Straßenecke für 80 bis 100 Kü verkaufte. Im Reichenberger und Aussiger Bezirk hat fich Uher mit einer auf den Namen Franz Keßler lautenden MitgliedSkatte der Republikanischen Wehr auSgewiesen. Diese Karte hat der Schwind!« anläßlich ein« Straftat in Görkau als Pfand hint«laffen. Zur Zett liegen Meldungen vor, daß der Gauner sichimKarlSbader Bezirk aufhält. Dott sucht er Konsumvereine und sozialdemo- kratische PatteigeschästSstellen auf, verschafft sich Adressen und beginnt seine Schwindeleien. Es liegt im Interesse der Allgemeinheü, wenn du Bursche bei seinem Auftteten dingfest gemacht wird. Uher hat auffallend blondes Haar. „Der Kleine** von Eugene Dabit, einem im Vorjahre noch verhältnismäßig jung verstorbenen ftanzösischen Dicht«, spielt, wie die meisten Roman« Dabits, in der Welt d«„kleinen Leute", der französischen Kleinbürger und Arbeiter. Richt in der Welt du klassenbewußten Arbeit«, sondern in jen« d« zwar dem Sozialismus zuneigenden, die bestehend« Zustände krttisierenden, ab« doch wenig politisierenden, ihre Ruhe, ihr« kleinen Freuden und Bequemlichkeiten liebenden Arbeit«. „Du Kleine"— das ist ein Bursche, ein eben der Schule entwachsener, der im Kriege zum Manne wird,— früher, als er es sonst geworden wäre, und vielleicht auch auf astdere Art. D« Roman ist ab« doch nicht ei« Kriegsroman, der Krieg ist nur das Milieu, in dem ein junger Mensch sich entwickelt. Selbstverständlich ist Dabtt, der Sozialist war, frei von jeglich« nationalen Gehässigkeit, frei von jedem ftanzösischen Hurra- Patriotismus. Niemandes nationale Empfindlichkeit kann durch dies« Roman verletzt werden. Aber: DabitS Roman greift ins wirklich« Leb« — er verschönert nicht! Also gibt es auch, neben sehr zart«, kräftige Stell«. Im ganz«: eia wettvoller Entwicklungsroman und zugleich eine Dichtung, die unS ein wmig vertraut macht mit dem Leb« und d« Art d« Patts«„Klein« Leute". Wir beginn« mit d« Beröffentlichung dieses RomaneS in d« nächst« Ramm«. Die Redaktion. bleue Hetzkampagne Im Hitler-Funk Samstag abends gab d« reichsdeutsche Rundfunk eine Reih« von Preffestimmm durch, die sich neuerdings mit dem Fall Teplitz befaßt«, brzw. wiederholte er nochmals die seinerzeitig« Beschimpfung« und Drohungen gegen die Tschechoslowakei. Sämtliche, inzwffchm widerlegt« und auch von d« SdP sttbst nicht aufrechterhal- tenen Lüg« über die schwer« Mißhandlung« der Abgeordnet« wurden eb«falls wiederholt.. Der Ansager ging dann auf die H a l 1« n g Frankreichs ein und erklärte: Wenn der „L'Jntransigcant" sage, daß die Tschechoflowaktt nicht allein stehe, sondern Franfteich und Rußland zu Bundesgenossen habe, so müsse ihm«- widert w«d«, daß auch die Sudetendeutsch e n n i ch t a 1 l e i n stehen. Deutschland könne nicht dulden, daß ein„kleines Volk" in sttner nächsten Rachbattchaft eine d«ffche Minderheit d«art bchyndle. (Hier scheint man endlich der verschieden« Behandlung von Südtirolern und Sudttendeut- schen durch die Nazi auf dm Grund zu kommen: ein«großes Volk" wie die Italien« darf anscheinend die Minderheit« unterdrücken, ei« „kleines Boll", wie es angeblich die Tschechoslowaken find, darf nach nazistischer Theorie gegenüb« ein« polttisch« Minderheitsgruppe nicht ttnmal die Staatsautorität wahren? Eine wahrhaft heldische Auffassung!) Oer„Venkov“ weiß es besser.,. Dagegen läßt sich der„Benko v" unter dem Datum des 30. Oktober aus Berlin melden, daß man die deutsch-tschechoslowakische Preffe- polemik um die Teplitzer Vorfälle als beendet ansehen könne:„Die deutschen Blätter nehmen bereits keine sachlichen Standpunkte mehr ein". — Als ob der Standpunkt der reichsdeutschen Presse in dieser wüsten Kampagne je„sachlich" gewesen wäre! Sollte es den Berlin« Korrespondenten des„Venkov" vielleicht schon reuen, daß das Blatt in dieser Affäre unserer offiziellen Außenpolifik einmal nicht in den Rücken gefallen ist? de Man gescheitert? Brüssel. Der designierte Ministerpräsident de Man gab Samstag den Journalisten bekannt, daß die Liberalen die Mttarbeit in der Regierung, die er allein bilden sollte, abgelehnt haben, weil sie der Ueberzeugung sind, daß sie ihm als dem Urheber des Arbeitsplanes, den sie als extte« men Etatismus ansehen, kein Vertrauen entgegenbringen können. De Man sollte noch Samstag abends mit den Delegierten der katholischen und der sozialistischen Partei verhandeln und dann vom König empfangen werden. Clano geht nicht nach Brüssel London. Die Nachricht, daß die italienische Delegation zur Brüssel« Fernost-Konferenz nicht von Graf C i a n o qefühtt werden wird, wird in Rom amtlich bestätigt. Der diesbezügliche Entschluß soll aber bereits vor der Freitagsitzung des RichtinterventionSkomiteeS gefaßt worden fein und ist somit nicht etwa aü Folge einer römischen Verstimmung über das britische Verhallen im Richtinterventionskomitee der Sowjetunion gegenüber zu wetten, wie eS ein Teil der englischen Nachmiüagspreffe pom Samstag darstellte- Rr. 256 onntag, 31. Oktober 1937 Seite 3 Wir mache« ausdrücklich darauf aufmerksam, daß trotz des Feiertages am Montag, de« 1. November, laut De- schloß des Verleger-Verbandes, unser Blatt amDienstag«or- mal erscheint. Die Verwaltung. Was der Karl dem Poldi schreibt: Brief einet SdP-Funktionän an seinen Freund Ein günstiger Herbstwind hat uns einen Brief zngetragen, den dieser Tage der SdP-FunktionLr KarlRabelkaausZnaim, Schloffergasse 1, an seinen Freund und Kameraden Leopold HanakinEger, Bahnhofstraße 63. richtete. Wir haben uns entschlossen, nicht nur die saftigen Stellen dieses Schreibens zu zitieren, sondern es im vollen Wortlaut wiederzugebcn. Denn abgesehen von dem Deutsch, das dieser tentschc Manne schreibt und das für den„Geist" der„Bolksgemeinschasts"-Führer kennzeichnend ist, zeigt die ganze Diktion dieses Briefes, sein burschikoser Ton, die völlig unernste Art der Betrachtung politischer und parteimäßiger Dinge hundertmal deutlicher als alle für die Oeffentlich- keit bestimmten SdP-Aeußerungen, wie es in dieser Bewegung und in ihren Köpfen ausschaut. Doch hören wir, waS der Rabelka Karl aus Znaim dem Pvldl in Eger handschriftlich mitzuteilen hat: Znaim, 21. X. 1637. Lieber Poldl.I Du wirst Dir sicher schon gedacht haben, daß ich ein recht schreibfaule- Luder bin, weil ich so lange Deinen Brief nicht beantwortet habe. Aber weiht Du, Zeit ist Geld, Geld habe ich keines, daher habe ich auch keine Zeit. Da jagt eine Sitzung die andere. Kreisleitung, Ortsrat, Arbeiteraus- \ schuß, Fraktion, Gemeindevertretung usw. Na, Du kennst ja den ganzen Schwindel.— Ich will nun versuchen. Dir die Geschehnisse im Kreis in den letzten Monaten zu schildern. Anfängen will ich bei der Kreisratstagung im November 1936 in Joslowitz. Du warst ja dabei, ■ als Kam. Dr. Jonak den Joslowitzern versprochen hat, daß der Führer bei seinem nächsten Kommen nach Südmähren ganz bestimmt nach Joslowitz kommt- Also haben wir das Kreisfahnentreffen angesetzt für Joslowitz. Eine Absage aus Eger kam nach der anderen. Am 19. Juli mußte ich auf Waffenübung. Ich war drei Wochen in Jamnitz. Du kannst Dir ja vorstellen, daß ich da ganz und gar abgeschlossen war und keine Ahnung hatte, was in Znaim vorgeht. Während ich beim Militär war, kam die Zusage Konrad Henleins für den, 4. Md^September.37., Brgsel Lissisi'hW ; dem Röftek emgeredel, daß er ein Treffen in ESn», witz'machen soll und Abg. Neuwirth, der seine Heimatgemeinde scheinbar herauSstreichen wollte, hat dies kräftig unterstützt. Also, ist der liebe KreiSleiter wieder einmal umgefallen. Knapp vor Taßwitz,«S war Anfang August, wurden wir zu einer Bezirksratstagung nach Erdberg eingeladen. Es fuhren: Rottek, Rödl, Lerst und ich. Na, WaS wir da zu hören gekriegt haben, daS war schon allerhand. Ein Ortsleiter nach dem andern hat eine Brandrede gehalten. Ich selber mußte ja alS KveiSamtswalter beschwichtigen, aber im Stillen habe ich den Leuten Recht grbm müssen. Wenn der KreiSrat einen Beschluß faßt und ein Versprechen gibt, dann soll und muß es auch gehalten werden. Wo sollen denn die Leute«och zur Führerschichte Vertrauen haben, wenn so gehandelt wird. Die Joslowitzer haben erklärt, nicht nach Taßwitz zu kommen. Es ist unS endlich doch gelungen, die Chose Halbwegs zu bereinigen. ' Also kam Taßwitz heran. Arbeit hatten wir ja viel zu leisten, aber es ging. Ich selbst war Leiter des Ordnerwagens und bin schon am Samstag früh dem Führer entgegengefahren. Mit mir waren: Otto Holubau, Neuwirth Fritzi, Brosch Willi und Meister. Ten ganzen Tag find wir wie die Wilden dem Horch-Wagen nachgesaust. Wie eS weiter in Taßwitz zuging, weißt Du ja aus der Presse. Am Samstag waren wir mit dem Führer im Theater. DaS war auch so«ine Extravaganz vom Neuwirth. Abends um%9 Uhr nach Taßwitz zum Kameradschaftsabend gekommen. Um%9 Uhr sind wir nach Znaim gefahren. Da hat sich ein ganz komischer Fall ereignet. Ich bin mit dem Ordnerwagen hinter dem Auto NeuwirthS, in dem der Führer saß, gefahren. Durch den Stratzenstaub waren wir in der Sicht behindert. Also mußten wir zurückbleiben. Wir kommen nach Zvaim und— der Führer fehlt uns. Wir warten bereits% Stunde und werden schon ganz nervös. Endlich kommt Neuwirth angerattert. Dreckig von oben bis unten. Hat sich doch der gute Mann in der Straße g e i r r t und ist statt in die Reichsstraße einzubiegen, nach Panditz gefahren. Als er beim Ort8- eingang ankam, hat er seinen Irrtum erkannt und wollte auf der Straße umkehren. Hatte aber das Glücken den Straßengraben zu fahren. Er mußte erst Bauern aus den Federn holen, damit sie den Wagen rausziehen. Rach dem Theater fuhren wir zum Rottek auf ein Nachtmahl, um 1 Uhr sind wir nach Taßwitz zum Hansi gefahren. Kam. Rößler hat dort mit 20 Ordnern Wachdienst gehalten. Ausgeschlafen hcchen wir uns recht nnd schlecht indenAutos. Sonntag früh bin ich mit meinen Ordnern nach Mödritz und Auspitz mitgefahren. Zu Mittag sind wir nach Taßwitz. Wie wir vor Lechwitz gekommen find, hat es schon angefangen mit dem Regen. Je weiter wir nach Taßwitz kamen, hat es immer mehr und mehr gegossen. Ausgeschaut haben wir nach der Kundgbung wie. die Schweine. Von oben bis unten voll Dreck und Kot. Am Abend hab« ich mir ein kleines siagranti geschnappt und bis Mitternacht gelumpt— Nach der Kundgebung kam die Abrechnung. Da hat es sich herausgestellt, daß Rottek, Neuwirth und Pangratz dem Moßbeck eine Generalvollmacht ausgestellt haben. Das soll heißen, daß der Toni machen konnte, was er wollte. Jetzt ist Lerch daraufgekommen und will die Zahlmeisterei zurücklegen. Er hat nämlich bei der ganzen Sache nichts dreinzureden gehabt. Daß er da meutert, kannst Du Dir vorstelle«. Wie di« Sache mit ihm enden wird, weiß ich noch nicht.— Ich selber habe einen KreiSwerbemonat aufgezogen» viel Papier verwendet, mir den Mund in de« Bezirken schief geredet und der Erfolg— schwach. ES darf dann niemand wundern, wenn einem die Lust zur Weitrrarbeitvrrgeht. Ich werde mich im Jänner auf ein halbes Jahr beurlauben lassen. Im März 1938 kommt bei mir Familienzuwachs, da muß ich mich etwas um die Frau kümmern. Der Lesch arbeitet ganz tüchtig mit feinen 86 Werbedienstlern im Bezirk. Im Oktober haben wir in Znaim einen Kameradschaftsabend unter Mitwirkung des Werbedienstes. Der Toni Moßbeck ist vor zwei Tagen zur Waftenübung nach Kremsier eingerückt. Halt, noch etwas: Vor 1 Woche ist Felix Bornemann verhaftet worden. Am Dienstag wurde er nach Brünn überstellt. Warum wissen wir nicht. Er soll aber in Deutschland einen Vortrag gehalten haben, in dem er sich abfällig Mer-die Republik äußerte.,. So-schrieben die Lech.' Zeitungen: Wi« lange ve sitzen muß, steht in den Sternen geschrieben.—> Die Zahlmarken habe ich besorgt und lege selbe bei. Wie geht es Dir in Eger? Hoffentlich gut. Bitte, sei so gut, und gehe zu Kam. Hein, der immer mit dem Führer fährt. Sag ihm, ich lasse ihn bitten, mir die versprochenen Bilder für die Frelsewerkschaftllcher Wahl-Erfolg Im Weinmann-Werk Die freien Gewerkschaften verlangten im April dieses Jahres durch die Sammlung von Unterschriften der wahlberechtigten Arbeiter die Auflösung des von der DAG beherrschten Betricksausschusses im Weinmann-Werk bei Teplitz nach 8 20 des B.-A.-Gesetzes von der Schiedskommission. Am 25. April wurde der Betriebsausschuß von der Schiedskommission in Dux aufgelöst und die Neuwahl für den Rest der Periode ausgeschricken. Bei der damaligen Wahl verlor die DAG zwei Mandate. Am 27. Oktober wurde, da die Periode abgelaufen war, neuerdings gewählt, wobei d^e DAG wiederum ein Mandat verloren hat. Es erhielten die freien Gewerkschaften 336 Stimmen und sechs Mandate und die DAG 148 Stimmen und zwei Mandate. Obwohl der Betriebsausschuß unter Führung der freien Gewerkschaften erst vier Monate fungierte, ist schon vieles zugunsten der Ackeiter geschaffen worden, was wohl dadurch zum Ausdruck kommt, daß die freien Gewerkschaftenwiederum einMan- datgewonnen haben. vas Settenzer Arbeitslaser des BdD aufgelöst Die staatliche Polizeibehörde in Teplitz- Schönau hat das Arbeitslager des Bundes der Deutschen in Settenz bei Teplitz-Schönau, in welchem sich bekanntlich eine Art Rutha-Affäre im kleinen abspielte, aufgelöst. In der Begründung heißt es: „Durch die gepflogenen Erhebungen wurde festgestellt, daß in dem angeführten Lager einzelne Personen Handlungen begangen haben, die dem Strafgesetz widersprechen." Einer eventuellen Berufung wird, mit dem Hinweis auf die öffentlichen Interessen die aufschickende Wirkung aberkannt. Wie wir erfahren, haben Wer die Veranstalter trotzdem den Rekurs eingebracht. * Bekanntlich wurde der Koch dieses Lagers von der Polizei verhaftet, weil er sich gegen den 8 129b des Strafgesetzbuches vergangen hat. Er soll nicht nur im Lager, sondern auch außerhalb des Lagers Betätigungsmöglichkeiten gesucht Ordner zu schicken, die den Führerwagen begleitet haben. Die Leute rennen mir schon di« Tür« ein- Im Dezember ist in Znaim Weinmarkt. Ich glaube, der wird einfach nicht abgehalten werden können, wenn der Hanak fehlt. Was meinst?— Lieber Poldl, Du diktierst mir ganz einfach, daß Du 8—15 Seiten von mir erwartest. MeinHirnschmalzlangtnicht einmal für 4 Seiten. Beiliegend- ein Schreiben, das an die Kreisstelle für Dich gekom- \ men ist. Also sei nicht bös über mein Geschmier und über die kümmerlichen 3l4 Sellen. Also schau, daß Du im November nach Znaim kommst. Bis dahin verbleibe ich mit Dank für die Stempel und Marken Dein Karl. Wenn Du in Eger zu Marken kommst, es ist ganz egal, was, so hebe sie mir auf. * Also jetzt wissen auch wir authensisch etwas mehr Wer„d en ganz en S chw ind e l", über die totalitären Wirkungen der Führermanieren und über das immer mächtiger anwachsende Mißtrauen der SdP-Funftionäre gegen ihre Kommandanten; wissen mehr von der Beglückung der amtierenden Unterkameraden, die dem Horch- Wagen nachsausen, in Autos nächtigen müssen und sich dann wie die Schneekönige fteuen, wenn ein Herr Neuwirth sich verfährt,„glücklich" im Straßengraben landet und dreckig von oben bis unten zu den Honneurs antritt. Die einen„meutern", andere schnappen sich„ein Keines flagranti" und suchen also bei Weib und Wein Tröstung für ihr« Eckitterung, für die bereits achsoschwa- chen Erfolge ihrer Werbe-Arbeit. Da solcher Trost aber bekanntlich nicht lange anhält, will der Karl demnächst ein halbes Jahr Urlaub von der Volksgemeinschaft nehmen— Gott, schließlich will man sich den Mund nicht völlig schief reden; und beim Erwachen selbst nach dem süßesten Flagranti fällt einem cken ein, daß die Gattin in die Wochen kommt! Da hat man doch völkische Pri- vatpflichtenl Der Hanak hat's gut, der kann noch im Dezember zum Weinmarkt kommen, ohne an unangenehme Dinge erinnert zu werden! . So also,schauen, die Herren aus.! So steht'H sumuihre Kameraderie,, so-schließlich nun ihvi^Hicn- >schmalz*,--defsrn Ausguß auf vier Briefseiten der Oeffentlichkeit völlig genügen dürfte.. Und diese Männer sind ausgezogen, das sudetendeutsche Volk zu„erlösen", ihm Reinheit und Sauberkeit zu bringen. Wenn nichts anderes, so Wirtz Lächerlichkeit sie umbringen. haben. In Settenz kursieren Gerüchte, daß der Mann auch kleine Geldbeträge hie- für erhalten haben soll. Die Untersuchung durch die zuständigen Gerichte wird ja auch in diese völkische Angelegenheit Klarheit bringen. Die Oeffentlichkeit ist jedenfalls außergewöhnlich aufgeregt übe.r diese Vorkommnisse, obwohl sich die bürgerlichen Zeitungen mit einer rührenden Rücksicht bemühen, diese Schweinereien zuzudek- ken. Der„Teplitz-Schönauer Anzeiger" braucht zwar bei Ereignissen, die irgendwie gegen die Demokratie und die sozialistischen Parteien ausgeschrotet werden können oder sich eng an das Dritte Reich anlehnen, gewöhnlich die dicksten Lettern und mehrere Spalten; hier begnügt er sich mit wenigen Zeilen, die noch- dazu in die Rubrik„Vereinsnachrichten" kommen und enthält sich jeden Kommentars. »acker über den 18. Feber In der Zeitschrift„DemokratickH Streb" schreibt der BdL-Vorsitzende Gustav Hacker über die Bedeutung der Feberrichtlinien und Nationalstaatsidee u. a.: Innerhalb- eines friedlichen Staates und einer befriedigten Bevölkerung geht es vom wirtschaftlichen Standpunkte aus um die Sicherung der bäuerlichen Existrnz, vom nationalpolitischen Standpunkte aus um die Erfüllung des Prinzi- pes„Gleiche unter Gleichen". Damit gewinnen allerdings die Vereinbarungen vom 18. Feber nicht nur vom Standpunkte des BdL, sondern darüber hinaus vom Gesichtspunkte der Deutschen uno Tschechen und insbesondere aus der staatspolitischen Schau immer mehr an Bedeutung. Es sei vorweggenommen, daß die Beschlüsse vom 18. Feber der Beginn einer neuen und ge- sünden staatspolitischen Entwicklung sein können, wenn ihrem Geiste Rechnung getragen wird, daß sie aber auch das Ende des sudetendeutschen Ak- tivismus sein können, wenn sie sabotiert werden und daß damit eine verderbliche Entwicklung vorbereitet würde, die sich nur anfangs scheinbar gegen die Deutschen, schließlich aber zwangsläufig gegen die Festigung des Staates richten mußte. Es muß hervorgehoben werden, daß es in bezug auf die Feberbeschlüsse Teilgebiete gibt, innerhalb welcher man schon heute auf eine gute Erklärung Wir haben in unserer Rümmer vom 11. Oktober 1937 die Rede KoiMd Henleins Mw Falle Rutha in Leitmcritz in dem Artikel unter der Ueberschrift Henlein— Bürge der inneren Reinheit" veröffentlicht, Ke auch heftige Angriffe gegen den„Sozialdemokrat" enthielt. Wir erklären, daß wir uns damit in keiner Weise mit den von Konrad Henlein ausgesprochenen Anschuldigungen und Beleidigungen identifizieren wollten, oder identifizieren. Die Redaktion der „Brüxer Zeitung" Erklärung Wir haben in unserer Ausgabe vmn 11. Oftobcr unter drr Ueberschrift„Erklärung Henleins über Rutha" die Rede Konrad Henleins in Leitmcritz wiedergegeben, die auch Ausfälle gegen den„Sozialdemokrat" enthielt. Wir geben die ausdrückliche Erklärung ab, daß wir uns dabei in keiner Weise mit den von Konrad Henlein ausgesprochenen Anschuldigungen und Beleidigungen identifizieren wollten oder identifizieren, was wir der Redaktion des „Sozialdemokrat" hiemit nnfklären. Die Redaktion des „Prager Montagsblatt". Weitergestaltung schließen kann und die ein be- friedigendes Ergebnis erwarten lassen. Es wäre, allerdings ein großer politischer Fehler, wenn die Teilhaber dieser Beschlüsse nicht ständig auch entstandene und entstehende Mängel aufzeigen würden. Davor darf sie auch i i Kritik der Gegner der Beschlüsse nicht zurückhalten und der BdL fühlt sich jedenfalls national- und staatspolftisch befugt, dahin zu wirken, daß die Regierungsbeschlüsse vom 18. Feber wirklich ein staatspolitischer Faktor werden, der das Zusammenleben von Deutschen und Tschechen im tschechoflowakischen Staate auf eine dauernde gesunde Grundlage stellt. Päpstliches Organ gegen die SdP Das Blatt des Vatikans-.Osservatoxe Romano" beschäftigt sich mit den Ereignissen in Mitteleuropa und kommt auch auf die SdP zu sprechen: Die Angriffe der reichsdeutschen Presse sind aus dem Teplitzer Inzident hervorgegangen, wo Henlein«in« Manifestation organisierte, deren Zweck es war, die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit vom Rutha-Skandal abzulenken und eine günstige Atmosphäre für die Gemeindewahlen vorzubereiten. Brand bei Inwald Am Freitag gegen 21 Uhr brach in der Glasfabrik Jnwald ein Brand aus, der rasch um sich griff und den Dachboden zerstörte. Dadurch wurde auch der Betrieb einer Wanne und des Ofens unmöglich. Auf dem Brandplatz erschienen viele Wehren, die sich um die Eindämmung und Lokalisierung des Feuers bemühten. Der Schaden soll beträchtlich sein. SdP-OrtSleiter als Mädchenschänder. In Alt-Kinsberg bei Eger wurde am Freitag abends der Mühlenibesitzer Josef Frank unter dem Verdacht, daß er minderjährige Mädchen mißbraucht habe, verhaftet und dem KreiSgericht in Eger eingeliefert. Frank, der verheiratet ist, ist Ortsleiter der SdP in Alt-Kinsberg. Deutsche für Gendarmerie-Dienst gesucht. Die Zentralstelle der deutschen aktivistischen Parteien macht darauf aufmerksam, daß z u wenig Ansuchen deutscher Bewerber um Aufnahme in den G e n d a r m e r i e d i e n st vorliegen. Interessenten müßten sofort ein Ansuchen an das zuständige Län^esgendarmerie-Kommandö'rieh- ten. Die BezüMtejlen der deutschen aktivistischen Parteien sind über die Auftlahmckedinchingen qe- nauest informiert und können daher jedem Interessenten nach entsprechender Prüfung seiner Verhältnisse mitteilen, inwieweit bei ihm die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Gendarmerie gegeben sind. Es empfiehlt sich daher, daß alle Bewerber vor Einreichung eines Ansuchens im eigenen Interesse die Verbindung mit der nächsten Bezirksstelle der deutschen aktivistischen Parteien aufnehmen. Schwerer Sturz vom Fahrrad. Der Gemeindevorsteher von Kallich bei Komotau, Genosse Ludwig Wolfram, der gleichzeitig Kolporteur der„Volkszeitung" ist, verunglückte auf der Fahrt zu seinem in Braundau gelegenen Arbeitsplatz durch einen Sturz vom Fahrrad derart schwer, daß er mit einer schweren Kopfverletzung dem Komotauer Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Sein anfänglich ernstes Befinden hat sich glücklicherweise bereits etwas gebessert. Tritt 4 Sonntag, 31. Oktober 1937 Nr. 25« 3a0cmeui0fceiten Zum Totentag Nun müssen wir wieder Lichter entzünden in unserem Herzen und unser Gedenken auch zu jenen tragen, die eines gewaltsamen Todes starben. Wir— ein jeder ein Glied der ruhe- ' losen Kainsmenschheit! In alle Welt verstreut liegen sie, unsere Brüder Abel, die wir töteten, da wir das Morden geschehe» ließen! Die Erde hat sie in ihren Schoß genommen und doch hat unsere Seele keine Ruhe. Die Massenfriedhöfe in allen Erd- teilen, sind. uns gegenwärtig, wenn wir unsere eigenen^-Totenhaine durchwandern. Bon den Verwesungsstätten in Frankreich, Belgien, Ruß. land, des Balkans und der Alpen, Palästinas twd Kleinasiens, mögen auch keine Kerzen in die West leuchten,' geht ein Flammenwind auS staubgewördencn Augen, der uns mahnt! Unstet'und flüchtig wenden wir unser Häupt. Don allen Himmelsrichtungen kommt der sengende Samum der Klage und Anklage, der unser Licht im Herzen zu löschen und uns ins Dünkel der Verzweiflung zu drängen droht. ' Als das große Morden im Weltkriege auf. hörte, fing in uns eine Hoffnung zu wachsen an. Nie wieder sollte das Verbrechen geschehen können, die-Völker zum Brudermorde zu treiben. Nie wieder Krieg! .Aber die Bestie Krieg hatte sich nur aus dem Bewußtsein der erschöpften Menschheit ge- stöhlen, um im Dschungel der bösen Instinkte -sprungbereit zu bleiben und friedliche Völker zu überfallen in China, in Abessinien, in Spanien, wieder in China und morgen vielleicht wieder in ganz Europa. Wir wollen Freundschaft mit euch! Wir wollen euer Glück! verkünden mft teuflischem Lächeln die modernen Cäsaren, die Prediger des „gefahrvollen Lebens" und zerstören die Städte, morden Frauen, Kinder und Greise. Und des Friedens werden nur die Toten teilhaftig. So wird die Welt ein großer Friedhof werden. Wir wandern am Totensonntag zu den Inseln der Toten und sind bedrückt. Es ist eng um uns und unsere Seele ist gefangen in einer Gruft. Wir müssen den Stein hinwcgwälzen, den die Trägheit de» Herzens hätt. Wir müssen bekennen: Jeder ist ftir jeden verantwortlich. Wohlan, lasset uns im Geiste Lichter ent- zünden auf'allen Gräbern^ den sichtbaren«nd unsichtbaren! Lasset uns in.den Tagen des Dunkels die Welt erhellen mst dem starken Wil- len, die Saat des BölkerhasseS zu zerstreuen, da- mit künftig auf allen Gräbern die Blume deS guten Gewissens wachse. jz. Verurteilung« wegen MilttärverratS. Der Senat für Angelegenheiten des Militärverrates beim Strafkreisgericht in Prag verurteilte am 29. Oktober 1937 nach viertägiger Verhandlung den 43jährigen Gastwirt Johann B o d n o- vits aus Levica in der Slowakei wegen des Verbrechens des Militärverrats zu schwerem Kerker in der Dauer von 16 Jahren und zu einer Geldnebenstrafe in der Höhe von 10.000 XL mit den entsprechenden Verschärfungen und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.— Gleichzeitig verurteilte der Senat die 45jährige Jolana Bodnovits, die Frau des vorgenannten Gastwirtes aus Levica und die 39jährige Aranka Gömöry aus Levica wegen des Berbrechens der Nichtanzeige des Militärverrats zu je acht Monaten Kerkers. Alle drei Verurteilten haben die Strafe angenommen und angetreten. TotMgMlenkeii Sintflut über Syrien Aus Damaskus wird gemeldet, daß die schweren Wolkenbrüche der letzten Tage ungezählte Menschenopfer gefordert haben. Bisher wurden mehr als 1000 Todesopfer festgestellt. Mehr als 10.000 Personen sollen infolge sintflutartiger Ueberschwemmungen obdachlos geworden und Mehrere Ortschaften von den andrängenden Wassermaffen völlig zerstört worden sein. Das gesamte Gebiet nordwestlich von Damaskus hinter Palmyra bietet ein Bild arger Verwüstung. Auf der Straße nach Aleppo wurde das Dorf Dair Aatye buchstäblich vernichtet, denn nicht ein einziges Haus blieb vor Beschädigungen bewahrt. 800 Personen werden vermißt. In dem Dorfe Nekek wurden 100 Häuser vernichtet und in ihren Trümmern 70 Leichen gefunden. Das Dors Mouaddamiye wurde vollständig vernichtet und 200 Opfer sind zu beklagen. Das Dorf Kutaise wurde zu zwei Dritteln vernichtet und über 70 Personen getötet. Die französischen Abteilungen gewähren jede mögliche Hilfe. Der Bevölkerung hat sich Verzweiflung bemächtigt. Die Sachschäden werden auf über 10 Millionen Francs geschätzt, trotzdem es sich um ein sehr armes Gebiet handelt. auf 20 Grad Celsius an. Nur im westlichen und mittleren Teil Böhmens, wo sich die N e b e l auch tagsüber behaupteten, ist es wieder kühler geblieben. Der Zufluß warmer Lust aus Süden gegen das Binnenland läßt allmählich nach, so daß sich die Nebeh- bildung später verstärken dürfte.— Wahrscheinliches Wetterheute: Im westlichen und südwestlichen Teil der Republik stellenweise stärker bewölst, mäßig warm. Sonst halbheiter und tagsüber relativ warm. In den Gebirgstälern zum Tell nebelig, schwacher Wind.— Wetteraussichten für m o r g e n: Andauern des ruhigen HerbftwetterS, im ganzen jedoch ein wenig kühler. Vielfach neblig. Ermäßigung des Portos bei Sendungen von Büchern,-Broschüren und Musikalien nach O e st e r r e i ch. Ab 15. November 1937 können Bücher, Broschüren und Musikalien, wenn sie keine Mitteilungen für die Oeffentlichkeit oder Reklame enthalten(ausgenommen die Reklame auf der Verpackung oder dem Vorsatz), für die Hälfte des internationalen Drucksachenportos d. i. 25 Heller pro 50 Gramm, gesendet werden. Wer erhält tat Literatur- Nobel- Preis. Die Schwedische Akademie(Svenska Akademiea) entscheidet am 11. November über die Erteilung der Nobel-Preise für Literatur. Verläufig veröffentlichen einige schwedische, Zeistprgen das Verzeichnis der Kandidaten. Schon seit einigen Jahren figurieren als Kandidaten für den Nobel-Preis für Literatur vor allem die Schriftsteller S i l- lanpää(Finnland) und der Franzose Paul B a l< r y. Für Frankreich wird im heurigen Jahre auch Roger Martin du Gard angeführt. Als englischer Anwärter auf den Nobel-Preis für Literatur figuriert der englische Schriftsteller RobertGraves. Die Tschechoslowakei ist durch Karel§ a p e k und Dänemark bereits durch einige Jahre durch Johannes B. I e n s e n vertreten. • Flugzeug ins Meer gestürzt. Im Aermel- kanal dem Fischfang nachgehende Fischer aus Brighton gaben bekannt, daß sie ein Flugzeug erblickt hätten, welches brennend ins Meer stürzte. Dampfer, welche sofort an der angeführten Stelle erschienen, fanden nur noch Oelspuren auf der Wasseroberfläche. Eine liebe Person. Gegen die deS vierfachen Giftmordes verdächtige Technikerswitwe Margarete Marek ist die Strafuntersuchung abge« I schloffen. Die Marek wird beschuldigt, außer ihrer I Untermieterin Felicitas Kittenberger auch ihre Tante Susanne Löwenstein, ihren Gatten Emil Marek und ihre Tochter Jngeborg durch Rattengift aus der Welt geschafft, zu haben. Bekanntlich standen die. Marek und ihr verstorbener Gatte vor einigen Jahren im Mittelpunkt eines sensationellen Versicherungbetrugs-Prozeffes. Selbstmordversuch in der Hast. Der Bertrags- . angestellte Franz Gschwandtner, der seinen Ziehvater, den Portier des Rathauses Josef Gärtler, durch einen Pistolenschuß getötet hatte und dann einen . Selbstmordversuch unternahm, hat Samstag im Gerichtsgebäude in Margareten, als er nach durchgt- führter Verhandlung wieder in den Arrest zurückge- . bracht werden sollte, abermals einen Selbstmordversuch unternommen. Er lief in das zwei re Stockwerk hinauf und stürzte sich dann aus dem Fenster in den Lichthof. Er wurde mit schweren Verletzungen aufgefunden, denen er kurze Zeit darauf erlag. Auf einer schlüpfrigen Landstraße, unweit von Grenoble, stieß am Freitag nachts ein Privatkraftwagen mit einem Autocar zusammen. In dem Auto wurden vier Personen schwer verwundet. Auch acht im Autocar sitzende Personen wurden bei dem Zusammenstoß verwundet. ZngSgarnitur zerrisse«. Am 30. Ostober riß etwa um 6 Uhr 10 Minuten auf der Strecke bei der Einfahrt in die Station Roztoky bei Prag die Güterzugsgarnitur Nr. 8284, so daß sie in Teilen in die Statton gebracht werden mußte. Durch diesen Vorfall wurden einige Morgen-Arbeiterpersonenzüge der Strecke Kralup a. M.—Prag-Masaryk-Bahnhof wesentlich verspätet. Die Ursache des Unfalles wird untersucht.(Amtlich.) Rebel»nd langsame Abkühlung. Auch Samstag herrschte in Mitteleuropa schönes und für die Jahreszeit warmes Wetter vor. Nachmittags wurden in unseren Gegenden meist 16 bis 18 Grad Celsius verzeichnet, verschiedentlich stieg die Temperatur bis Vom Rundfunk taplthlMiwtrtu aus den Programmen« Montag Prag, Sender I: 8.00: Konzert aus Karlsbad: Verdi, Bernhard etc. 9.00: Orgelkonzert. 11.35: Trauermusik. 14.20: Deutsche Arbeitorsmdung: Dr. I. W. Brügel: Tage des Gedenkens. 16.00: Unter«. Haltungsmusik. 17.85: Deutsche Sendung: Dr. Jungbauer: Ethnographische Monatsschrift. 17.50: Kirchenmusik. 18.50: Deutsche Presse. 20.50: Rundfunk- orchefterkonzert: Schubert. Noväk. 22.15: Schallplatte«.— Prag, Sender II: 14.30: Deutsche Sendung: Brünn: 17.35: Klavierkonzerts 17.50: Deutsche Sendung: Zu-Allerheiligen.'—• Prcßburg: 12.20: Rundfunkorchesterkonzert: Offenbach, Lehar etc.—> Kascha»: 19.10: Rundfunkorchesterkonzert: Suk. Dvorak etc.— Mähr.-Ostrau.- 9.30: Konzert. 9.50: Rundfunkorchesterkonzert. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Samstag»Ziehung der V. Klasse der 37. tschechoslowakischen Klassen« lotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: 100.000 KC das Los Nr. 19.225, 80.000 K6 das Los Nr. 81573, 70.000 KO das Los Nr. 15507, 10.000 KS die Lose Nr. 35891, 47376, 63719, 108266, 109825, 5.000 KL die Lose Nr. 24991, 28774, 38770, 39427, 98034. 2000 KL die Lose Nr. 9750, 11703,11739, 13524, 17968, 19669, 20171, 25441, 32102, 32541, 38306, 42168, 42872, 42879, 45340, 46409, 47652, 54635, 55699, 63021, 67766, 68205, 68886, 73186, 76730, 80693, 81762, 82483, 86839, 87803, 93717, 94604, 96891, 103280, 106647, 107986, 110943, 112762, I 113341, 116519, usw. »I« Witwe Von Ernst Kreische. So, viele Straßen in die Ewigkeit führen, kurze und lang«, winkelige und gerade, sie hatte ein Wehes" Geschick, ein zerfahrenes Endchen gewiesen, auf dem sie freudlos und ohne Wärme dir Zeit durchschritt, bis sich Anastasius Klein zu ihr gesellte und sie sorgsam durch Nacht und Stürme der verheißenden Rast entgegenführte. Schon schienen sie am Ziele, als Anastasius Klein deS Wanderns müde ward und wund und weh die Augen-fchloß, justament zwischen seinen muffigen AktenbüNdeln und über dem blutrot gesiegelten Dtkret, das ihm den Rechnungsrat gebracht hatte. Wie die fünf schmerzhaften Wunden hatten ihr di« rissigen Flecke auf dem vergilbten Papiere stets erschienen, wenn sie auch mit der Zeit rünsti» gen Narben glichen, mit denen sie in stillen Stunden eine beredte Zwiesprache hielt, während ein Engel durchs Zimmer flog und Kunde dem lieben Seligen brachte von den Tränen, die still und warm in wehmütiger Erinnerung um ihn geweint wurden. '„Äüß die Hand", sagte der Herr Oberkassierer, wenn si« sich die magere Pension pünktlich qm ersten Tage de» Monates holte. Er lächelte süß dabei und doch kroch ein grünes Flimmern in seine fettgrpolsterten Aeuglein.wie Neid und tiefe» Bedauern, das ihm bi» in die knotigen Finger sprang, die wollüstig über jeden Schein tasteten, als nähmen sie einen bittersüßen Abschied. „Küß die Hand". Und er bucht« den lächer« I lichen Betrag mit vieler Umständlichkeit, indem ihm dabei zumute war,-als hätte er ein reichliches Almosen aus seiner Tasche spendiert. „Ich habe die Ehre, hähäl", rief der Krämer, sobald sic sein stinkendes Gewölbe betrat. Er sprang vom Petroleumfafle zum Pulte und schnitt mit öligeN Händen fünf Deka Hartwurst auf di« Wage.„Haben Sie schon gehört? Hähäl" Zwei eindeutige Witze ohne Pointe gab er als Zuwaage. Sie schritt über die schmale Gaffe, in deren Rinnsalen der Vorstadtkot stockte, stieg ein Dutzend knarrender Holzstiegen hoch bis zu ihrem Zimmer- chen und fühlte sich, endlich geborgen. Sie fürchtete die Welt, die Menschen, die Stadt, alles. Früh, wenn die Sonne rotrosten über den ragenden Fabriffchloten stand, öffnete sie das einzjae Fenster und wagte von der feuchten Luft zu kosten, die rauschend zwischen den grauen Häusern hing. Sie hörte den Spatzen zu, die unflätig auf den Dächern zankten, erschrak über den Schrei eines eilenden Autos und fand sich in tiefen Gedanken über einen Trupp Arbeiter wieder, die müden Schritte» ans Tagewerk gingen. So düster wac das widerwillige Erwachen da draußen. Und jeden Tag.. Eine Welt von Widerwärtigkeiten erschloß er. Gestern erst war der Kohlenhändler dagewesen. Ob sie denn wirklich meinte, er könne— und so weiter. Er sah verkniffen über ihre Altfrauen-- gestalt und sie gab ihm verschüchtert ihr letztes I Geld. Er schob es nachlässig in die Westentasche, j dorthin, wo die goldene Uhrkette in schwerem Bogen über den Bauch sprang.„Adieu, Frau Recsssiungsrätin!" Es klang wie Hohn und sie dachte an die fünf blutroten Siegelwunden. Morgen war der Zins fällig. Und Uebermorgen— ja, gewiß, übermorgen würde auch wieder ein Tag sein, und— So zögerte die Zeit und sie wandelte auf ihrem zerfahrenen Endchen Straße weiter in die Ewigkeit, verschüchtert, müde, es schien just so, als sollte sie am Leben sterben.' Da schrieb ein Freund ihres lieben Seligen, ein Doktor Müller, sein Sohn hätte ein richtiges Theaterstück geschrieben, morgen schon würde es aufgeführt und«ine Freikarte läge dem Schreiben bei. Wenn sie, die Frau Rechnungsrätin ihm, das heißt seinem Sohne, nein—, doch ihm die Ehr« geben wolle. Sie nahm den grünen Zettel und legte ihn auf den Tisch. Du lieber Gott! Ins Theater sollte sie gehen! Das letztemal—- sie sann zurück— mit dem guten Seligen war sie gewesen. Sechzehn Jahre waren nun darüber vergangen. Und morgen? Nein, sie ging nicht. Ins Theater? Sie trippelte zum Lehnstuhle und saß lange in Gedanken. Die Dämmerung schlich wie ein Raubtier ins Zimmer. Gleichmäßig tickte die Pendeluhr. Der grüne Zettel am verschossenen Tischtuche wuchs ins Riesenhafte. Er hatte plötzlich fünf blutrote Siegelflecke. Hähä— sagte der Krämer ganz laut und der Herr Oberkaffierer flüsterte hämisch Küß die Hand—. Als sic einschlief, lächelte sie.— Sie ging dockt. Den ganzen Nachmittag hatte sie ihr dunkles Kleid gebügelt. Ja, der Hümnel hatte eben geweint, als sie ihren lieben Selige» begruben und da war es fleckig geworden. Vor sechzehn Jahren. Das Kapotthütchcn trug sie immerhin erst zehn Jahre. Und Handschuhe hatte sic auch noch, und das Medaillon, das Braut-- geschenk, mein Gott-— und nun war es aber auch schon hoch an der Zeit, zu gehen. Die Vorstadtgaffe war schläfrig und die Laternen blinzelten wie triefend« Augen in der Düsterheit. Fern rauschte das LÄ>en.. Flammgclb sprangen Blitze durch die Nacht, formten sich zu grellen Lettern und verkrachen wieder in Finsternis. Sie sah es nicht. Tausend Menschen schöbe» und drängten, lärmten, hasteten vorwärts. Sic meiste es nicht. Tramways läuteten, wie Irrwische tanzten ihre Lichter in der Dunkelheit, Hupen schrieen, Menschen stauten sich an, zehn- zwanzig wehten im Knäuel über die Straße. „Stopp!" schrie der Wagenführer und riß a» den Bremsen. Das Auto stand. Gierig« Händc griffen zu— zu spät. Das schwarze Seidenkleid knisterte steif, als man sie aufhab und auf de» Gehsteig trug.. Das Kavotthütchcn war in die Gosse gekollert, daneben»lag das Handtäschchcn, vom Sturze geöffnet und aus dem klaffende» Spalt schob sich grün und zerknüllt die Einlaßkarte. „Tot!" sagte jemand. Die beiden Herren im offensn Wagen schlugen fröstelnd die Pelzkragen hoch. „Ein schlechtes Omen für eigen Autor, lieber Müller", sagte der eine. Er hatte recht. Das Stück fiel durch. Nr. 256 Sonntag, 31. Oktober 1937 Der Empfänger, welcher sieht, Mi IST QUflLITffT l Vorsorge sichert die Zukunft! Ausland u Baumwolle verarbeiten. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Stabilisierung der Baum» Wollpreise eine Belebung des Handels zur Folge halben und die Beschäftigung der gesamten Textil« iIndustrie zu normalen Verhältnissen zurückkehren wird. Paris. Nach ganzwöchigen Verhandlungen, die in freundschaftlichem Geiste geführt wurden, unterzeichneten Gesandter Dr. O s u s k h und SektionSchef im Ministerium für soziale Fürsorge Dr. B r a v l e r für die Tschechoslowakei und der Generaldirektor der Sozialversicherung D r e y- fus und der Direktor der Sozialverfichenmg Laurent für Frankreich daS Schlußprotokoll Über die allgemeine Gegenseitigkeit des Sozialver- sicherungSvertrageS zwischen Frankreich und der Tschechoflowakei. Der Vertrag, der in den nächsten Tagen unterzeichnet werden wird, sichert dm tschechoflowakischm Staatsangehörigen in Frankreich Ansprüche und Renten mit allm staatlichen i Di« Liquidation der„Landbank“ und„Volksbank“ Nach der Regierungsverordnung Nr. 182/37 wird der Finanzminister in der Sammlung der Gesetze und Verordnungen den Tag, von welchem an die Einleger ihre Ansprüche auf Beftiedigung geltend machen können, kundmachen. Diese Kundmachung wird dann erfolgen, bis die Wertpapiere des Allgemeinen Fonds der Geldinstitute, mittels welchen die Ansprüche beglichen werden, gedruckt sein werden. Damtt die Liquidation rechtzeitig vorbereitet wird, können die Einleger schon jetzt ihr« Ansprüche bei den beNen Instituten in Det« scheu, bzw. in Leitmeritz anmelden. Lohnbewegungen in Schwaden (JGB) Die vom Schwedischen Gewerk- schastsbund veröffentlichte Statistik über Tarif» Beiträgm im gleich« Maße, wie sie den eigen« französisch« Staatsangehörigen gewährt werd«. Der Vertrag garantiert Wetter die Auszahlung der Rent« an tschechoffowakische Staatsangehörige und der« Hinterbliebenen nach der Tschechoftowa- kei. Der Vertrag sieht auch die Fälle vor, wo tschechoslowakische Maatsangehörige sowohl in Frankreich wie in der Tschechoslowakei versichert sind. Ein Sonder-Zusatzabkommen bestimmt, daß diese Zeittäume angerechnet werd«. Eines der erst« Abkomm« wird die Ansprüche der Bergarbeiter betreff«, die in der Tschechoflowakei und dnrch die französische Bergarbeitcrversicherung erwarb« Word« find. hohen Wert für den einzelnen wie für" die Gesamt« heit, wird auch die Achtung vor dieser Einrichtung zunehmen und das Pflichtgefühl jedes Versorgers seiner Familie gegenüber wachsen. Mit dieser Aufklärung ist eS aber nicht alleiNge- tan. Der Versicherte muß auch zu der Gesellschaft, der er seine erspart« Groschen übergibt, unbedingtes Vertrauen haben und überzeugt sein, daß er vonihr in keiner Meise übervorteilt wird. Und so, wie der., organisierte Konsument ein größeres Vertrauen zu seiner Genossenschaft hat als zum Privathandel, so will er auch die für sich und sein« Familie, notwendigen Versicherungen bei. der eigenen genossenschast« lichen Versicherungsanstalt abschließ«. Aus diesem Grunde wurde von unseren Genossenschaften in solidarischer Zusammenarbeit mit d« Gewerkschaften die „Vorsorge" ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe ist es, allen, die zu ihr kommen; einen vorbildlichen und billig« Versicherungsschutz zu gewähr«. Sie selbst will nichts an den Versicherten verdien«, denn alle lieber« schüffe, die-sie erzielt, komm«, den Versichert« wieder zugute. Sie ist eine wahrhaft gemeinnützige Institution, geschaffen durch die Werttätigen für die Werktätigen. Für jeden Familienvater muß der Name „Vorsorge" ein Begriff werden, ein Begriff, der sich am prägnantesten in die Worte fass« läßt: VORSORGE SICHERT DIE ZUKUNFT I Jedem Menschen ist für sein Schaff« vom Schicksal die Grenze gesetzt; er kann sie nicht verrück«, selbst wenn er die Kunst aller Aerzte, die Macht der Gewaltigen dieser Erde»stier die größte Summe Geldes zu Hilfe nähme. Sicher ist jedem M«sch« der Tod. Den einen ereitt er früher, d« ander« später. Wann aber der Tod kommt, das weiß niemand zu sagen. Auch der gescheiteste Arzt nicht. Daß der Tod aber einmal komm« muß, das weiß selbst der ungelehrteste unter den Menschen. Kein Familienvater kann mit Bestimmtheit Voraussagen, daß er noch so lange leben werde, bi- er eine Summe erspart hat, die hoch genug ist, seine Familie wenigstens vor der ärgsten Not zu schütz«, wenn seine schaffende Kraft ihr« Lebensunterhalt nicht mehr bestreit« kann. Ja, da muß frühzeitig gespart werd«I Ganz recht, aber wer steht denn dafür«in, daß man so lange lebt, bis im Sparen das gesetzte Ziel erreicht ist? Nehmen wir einmal an, daß jemand für dm Fall seine- Todes für seine Familie ein« Betrag von XC 5000.— sicherstellen will. Er kann aber, selbst bei größter Einschränkung, monatlich nur XL 20.— zurücklegen. Er muß also schon, selbst wenn er die von der Sparkasse gewährten Zins« und Zinseszins« berücksichttgt, mindestens mit 17 Jahren Wetter« Leben- rechn«. Wie ist er aber nun, wenn er infolge einer Krankheit oder eine- Unglücksfalles schon viel früher aus dem Leben abgerufen wird? Sagen wir einmal, schon nach drei Jahren? Dann erhält seine Familie einschließlich der Zinsen und ZinseSzinsen nur rund Xö 760.—, vorausgesetzt, daß er die nötige Willenskraft bewiesen und seine Spargroschen auch regelmäßig zur Sparkasse gebracht hat. Wieviel besser aber würde seine Familie daran sein, wenn er sein Leb« mit Xö 5000.— versichert hätte; denn für eine monatliche Prämie von X£ 20.— kann er sehr wohl schon eine Lebensversicherung über dies« Betrag abschließ« l In diesem Falle würde seine Familie bei einem vorzeitigen Tode, und wenn er noch so wenig an Prämien eingezahlt hat, sofort das volle Kapital von XL 5000.— erhalten. Ein Familienvater müßte in der Tat kein Empfinden haben für die Zukunftiversorgung seiner Familie, wenn er sich nicht enffchlietzen könnte, den recht« Weg zu wählen. Der Abschluß einer LebenS- und Lohnbewegungen zeigt, daß das Jahr 1986 für den schwedischen Arbeitsmarkt ein Jahr des Friedens gewesm ist. Es fanden nicht weniger als 4804 Tarif» und Lohnbewegungen mit dem Ergebnis statt, daß für 214.821 Arbeiter eine Erhöhung der Stundenlöhne und für 37.228 Arbei» ter eine Erhöhung der Akkordsätze erzielt wurde. Lohnsenkungen traten nur für 616 Arbeiter ein. Eine Verlängerung der Urlaubsdaucr wurde für 83.645 Arbeiter durchgeführt. Für 205.664 Arbeiter wurde der 1. Mai tariflich als Feiertag anerkannt. Die Gesamtzahl der von den diesjährigen Tarif- und Lohnbewegungen erfaßten Mitglieder betrug 360.755. Nur fiir 0.9 Prozmt dieser Mit- glieder führten die Tarff- und Lohnbewegungen zu Streiks oder Aussperrungen. Ende des Jahres 1936 standen 9429 Kollek» tivderträge für 658.834 organisierte Arbeiter in Kraft. Ohne Tarifvertrag(darunter diejenigen Arbeitergruppen, der« Lohn- und Arbettsver« hältnisse auf andere Weise.festgesetzt werden) arbeiteten 98.542 oder 13 Prozent der Mitglieder des Bundes. Es kann bemerkt werden, daß die Mitglioderzahl des Gewerkschaftsbundes seit Ende 1936 in starker Steigerung begriffen ist und zur Zeit auf 800.000 geschätzt wird. 150.000 KL sind Kr neue Hörer vordereitel, die sieh einen Radioapparat in der grossen Losungs- Aktion„Eine Million Rundfunk» Teilnehmet* kaufen. Informationen bei Radiohandlem. Mitteilungen aus dem Publikum. Ein Wort an die Rheumatiker. Sie haben viel« leicht schon alles mögliche versucht, ohne daß Sie Ihre quälenden Schmerz« loswerd« konnten. Sachen Sie noch heute ein« Versuch mit d« prompt Wirkenden, schmerzstillenden Togal-Tablett«. Togal hilft verläßlich, rasch und sicher auch bei Gicht-, Ischias-, sowie bei Nerv«- und Kopfschmerzen. ®iele Aerztegutachten. In allen Apothettn erhältlich. Millionär werd«, ist nicht so leicht. Der ..millionste" Rundfunkhörer jedoch kann jeder werd«, öer sich anläßlich der großen BerlosungSaüion ein« Rundfunkempfänger kaust und sich in der Zett ab 20. Oktober d. I. als n«er Rundfunkhörer anmeldet. Mit dem millwnst« Rundfunkhörer wird eine große Anzahl weiterer Rundfunkhörer auSgeloft, von den« fine ganze Reihe mit überraschend« Preisen, welche für diese BerlosungSaktion die Firma Radiotechna widmete, belohnt werden. Beim Anlauf eines GeräteS Ehstem Telefunken wollen Sie sich über die Einzelheiten gefl. informier«. Unter anderem erhall der glückliche auSgeloste Hörer den größten und leistungsfähigsten, serienweise erzeugt« Superhet System Telefunk« Big Ben, was Sie hören. Das»Magische Auge«| des modernen Superhets Arie automatisiert die Bedienung, Überzeugen Sie sich auch von dem herrlichen Klang!~ Sozialversicherunssabkommen mit Frankreich perfekt rW und WM Die Konjunkturentwicklung nach dem Septemberbericht der Nationalbank In dem eben veröffentlichten Bericht der Nationalbank über die wirtschaftliche Entwicklung im September und Anfang Oktober kommt die teilweise Konjunkturabschwächung und der saison» mäßige Uebergang zu den Wintermonaten bereits zum Ausdruck, wobei allerdings unterstrichen werden muß, daß die Gesamtlage im ganzen günstig eingeschätzt wird. So wird bei der Kohlenförderung und der Kolserzeugung festgestellt, daß der September einen weiteren Förderungsaufstieg nicht nur aus Saisongründen, sondern auch infolge des wach» senden Verbrauchs an Jndustriekohle gebracht hat. Die Steinkohlenförderung betrug im September 1626 Tausend Tonnen, d. i. 496.000 Tonnen mehr als im September 1936 und um 187.000 Tonnen mehr als im September 1929. Ungünstiger steht wiederum die Braunkohle, deren Förderung mit 1559 Tausend Tonnen im September 1937 um 107.000 Tonnen über dem Vorjahr, jedoch um 312.000 Tonnen unter dem Jahr« 1929 liegt. Die Erzeugung von Steinkohlenkoks sank seit dem August ein wmig und betrug 294.000 Tonnen(1936: 162.800, 1929: 270.100). Die Zahl der im Bergbau beschäftig» tm Arbetter stieg von 71.168 im August auf 72.038 im September(September 1936: 68.106). r Die Eisenindustrie verzeichnet gegenüber dem August einen Exportrückgang, der vorübergehender Natur zu sein scheint. Die Roheisen» und Walz« , Warenbestellungen haben sich im September nicht erhöht, die Roheisen- und Rohstahlerzeugung ist - gegenüber dem August mäßig zurückgegangen, ist aber über dem Niveau des Jahres 1929(bei Äsen um 7.2 Prozent, bei Stahl um 11 Pro« zent). Die Maschinen- und elektrotechnische Groß» > Industrie weist weiterhin eine günstige Beschäftigung auf und die Aufträge sichern diese auch für die Zukunft. Zum Stand der Beschäftigung der Stein» und Erdenindustrie bemerkt der Bericht u. a., daß das Interesse fiir Baumaterialien nicht nachläht und di« Aussichten für das kommende Jahr gün» stig sind, so daß keine Befürchtungen für den jetzigen Durchschnitt der Beschäftigung bestehen. Der Kaolinabsatz blieb auf der Höhe der vorangegan» gmcn Monate. Einer weiteren Besserung der Exportmöglichkeiten stehen nur die beschränkten Kontingente in Deutschland entgegen. In der Porzellanindustrie hat sich die Situation im September im ganzen nicht verändert. Die Exportaussichten in Änige'Staaten(Dänemark, Holland, Schweiz) werden behinde durch allzu beschränkte Kontingente, das Kontingent in Italien ist bereits erschöpft. Der Export nach Frankreich hat unter dem Francsturz gelitten. Der Jnlandsabsatz war ungefähr auf Vorjahrshöhe. Die Beschäftigung ist gegenüber dem August ein wenig zurückge» gapgen. In der Glasindustrie war auch im Septemder eine weitere Ausfuhrsteigerung, wenn auch die Exportzunahme nicht mehr den früheren Mo- "aten gleichkommt. In der Zeit vom Jänner bis September war der Export noch um 43 Prozent Unter dem Niveau von 1929. Gegenüber 1936 ist in diesen acht Monaten die Ausfuhr von Flachglas um 56 Prozent, von Hohlglas um 37.6 Prozent und von Gablonzer Waren um 33 Prozent gestiegen, während der Flaschenglasexport öurückgegangen ist und auch die Aussichten für die uächste Zeit ungünstig sind. Günstig beurteilt Werden die Aussichten der Gablonzer Waren, wo« dei bemerkt wird, daß das Nachlassen der japani» Wen Konkurrenz in Indien, wenn auch langsam, sich zu äußem beginnt. In bezug auf die Textilindustrie stellt der Monatsbericht fest, daß auch im September die' ungünstige Entwicklung des zweit« Halbjahrs angehalten hat und der Auftragsstand zurückge- 1 gang« ist. Dies trifft besonders einige Zweige: aer Textilindustrie und ist auf die Preisentwicklung der Rohbaumwolle zurückzuführm, die bei; "er Gebundenheit der Textilproduktion und Dis-; lribution auch auf Zweige sich auswirtt, die nicht• hilft rasch bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, Kopfschmerzen und bei Erklltun- ?en. Haben Sie Vertrauen zu ogal. Ein Versuch Oberzeugt. Viele Ärztegutachten. In allen Apotheken erhältl.Ki12'-u. 27*50. Versicherung ist die einzige, unerreichte und unumstößliche Grundlage, den finanziellen und moralischen Bestand einer Familie nach dem Tode ihres Ernährers zu sichern. Jeder Familienvater möchte doch so geme mit dem beftiedigenden Bewußtsein von hinnen scheid«, seine Familie vor Not geschützt zu sehen. Welcher Familienvater möchte sich nicht über das Grab hinaus bei den Sein« ein dankbares Gedenken siche«! Das beste und idealste Mittel, sich ein bleibendes Denkmal in den Herzen der Seinen selbst zu setz«, ist unstreittg der Abschluß einer Lebens- versicherung. In der Wirtschaft des einzeln« sowie in der BolkSwirffchast der Gesamtheit verbreitet die Lebensversicherung eine Fülle reichsten SegenS, indem sie daS materielle Wohlbefindm sichert und fördert. Wenn die Erwerbsmöglichkett infolge hohen Alters und mtt ihr die Sparfähigkeit aufhört, wenn also gerade in dieser Zeit ein besonderer Vermögens»| bedarf eintritt, da ist eS die fällige Versicherungs-, summe, die nach Ablauf der Versicherung dies« Be-j darf deckt. Wenn irgend eine vorauSzusehende größere• Ausgabe nötig wird, z. B. bei der Berufsausbildung i der Kinder, bei der« Verheiratung oder bei der Uebertragung des elterlichen Besitzes an die Kinder und der damit notwendig« Geldabfindung, da ist eS ein wahres Glück zu nennen, wenn in Form einer! Lebensversicherung vorgesorgt worden ist. Roch segensreicher aber sind die Wirkung« in der Wirt-1 schäft der einzelnen. Denn an die Stelle der Unsicher« s heit tritt das Vertrauen erweckende und Schaffenslust fördernde Gefühl der Sicherheit, di« selbstbewußt Beruhigung, daß durch die Versicherung für d« Fall der Eintrittes all der eben genannt« Ereignisse, die sehr wohl imstande sein können, daS materielle Wohl einer Familie zu zerstören, ausreichend« Vorsorge gettoffen worden ist. Und dann, wenn Mann und Frau in größerer Zuversicht und Ruhe der Zukunft«tgeg«blickm und in der Ueberz«gung tätig sein könn«, daß, was auch immer kommen mag, für d« Fortbestand ihrer Wirtschaft und die Hinterbliebenm gesorgt ist, so ergibt sich hieraus auch für die Volkswirtschaft die erfreulichste Folge. Mtt der Aufklärung der Menschen über die sozial« Vorteile der Lebensversicherung, über d« Worüber Nibbentrop mit Mussolini gesprochm hat. (Ru) Aus wohlinformierten englischen Quellen wird folgendes über die letzte Unterredung Ribbentrops mit Mussolini gemeldet: Zu«. nächst verlangte Ribbentrop, daß Italien noch vor der Brüsseler Konferenz dem deutsch-japanischen Patt gegen den Kommunismus beitrete. Dafür soll Ribbentrop Italien die volle Unter-' stützung Deutschlands in der.arabischen Frage versprochen haben. Ddmit nimmt Berlin eine Hilfsstellung für die italienischen Intriguen im östlichen Mittelmeerbecken ein. Dann wurde vor allem die Möglichkeit der Besetzung der Menorca- Insel durch die britisch-französischen Truppen erörtert. Deutschland steht auf dem Standpunkt, daß Franco, falls eine solche Besetzung erfolgen sollte, dies als gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung i der westlichen Großmächte an die Rebellen-Regie- !rung bewachten müsse. Endlich soll Ribbentrop• dem italienischen Diktator die Mitteilung gemacht ! haben, daß in Deuffchland in der allernächsten i Zeit ein Ministerium für Kolonien organisiert■ j werde. Berlin bestehe auf der Rückgabe von Togo - und Kamerun. Außerdem soll ein bedeutender I Teil von Afrika unter ein gemeinsames Protek-( törat von England, Deuffchland und Italien gestellt werden. Bon Frantteich sei in diesem. Zusammenhang keine Rede gewesen. Leite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 31. Oktober 1937. Rr. 258 Sozialver$icherung$- Briefkasten M. T„ Podersam. Sie fragen, wieso Ihr Arbeitgeber Ihnen jetzt als Beitrag für die Jnvalj« ditäts- und Altersversicherung bei jeder vierzehn« tägigen Auszahlung AL 2.60 abziehen kann, wo Sie doch bisher nur 70 Heller zu leisten hatten. Tas Bor« gehen des Arbeitgebers ist richtig, denn bis zum 30. Juni 1987 galt die Regierungsverordnung über di? Erleichterungen für Landwirte in der Sozialvex« sicherung. Seither gilt auch für die landwirtschaft« lichen Arbeiter wieder der ursprüngliche Wortlaut deS SozialversicherungsgesetzeS, demzufolge der niedrigste Beitragsabzug für SozialverficherungSbeiträge für einen vierzehntägigen Zeitraum wirklich Ai 2.60 ausmacht. Dafür haben Sie aber jetzt auch wieder dieselben Ansprüche wie alle Arbeiter. Das heißt, daß Sie die Wartezeit für den Anspruch auf di« Rente ebenso schnell zurücklegen, wie die andere« (nach der Regierungsverordnung nur halb so schnell) und daß sich mit jeder Beitragswoche der Rentenanspruch erhöht, der bei der Zahlung der ermäßigten Beiträge nicht gewachsen ist. Di« Aufhebung der. erwähnten Regierungsverordnung ist also für die land« wirtschaftlichen Arbeiter von Vorteil, auch wenn die Beitragsabzüge-jetzt etwas höher sind. Prager Lebensmittelmärkte Gemüse. Kartoffel, gewöhnliche 80—70 Heller. Blauaugen 80—90 Heller, gelbfleischige Kipfä, la. 1.20 Ai. Fisolenschoten, 1 Kg., 8—12 Ai. Erbsenschoten 3.50—5.00 Ai. Tomaten, 1.Kg., 2/50 bis 3.50 Ai. Spinat, 1 Kg..)i.00—1.50 Ai. Obst. Preiselbeeren 6—8 Ai, Birnen 2—6 Ai. Aepfel, heimische 2—4 Ai. ausländische 3—6 Ai. Getrocknetes Obst: Zwetschgen, 1 Kg. 5—10 Ai. Aepfel und Birnen 10—14 Ai. Marillen 16—20 Ai.. Obst, gemischt. 1 Kg. 10—14 Ai. Fleisch. Schweinefleisch, Vorderes mit Zuwaage 9—11 Ai. Hinteres 12—16 Ai, Vorderes ohne Zuwaage 11—14 Ai, Hinteres 14—20 Ai, Kalbfleisch. Vorderes mit Zuwaage 7—11 Ai, Hinteres 11—14 Ai, Vorderes ohne Zuwaage 10—13 Ai, Hinteres 14—22 Ai, Rindfleisch, Vorderes mit Zuwaage 9 bis 14 Ai, Hinteres 11—17 Ai, Vorderes ohne Zuwaage 11—16 Ai, Hinteres 13—19 Ai. Lungenbraten, mit Zuwaage 18—20 Ai, ohne Zuwaage 20 bis 28 Ai, Schöpsenfleisch, Vorderes mit Zuwaage 8—11 Ai, Hinteres 10—14 Ai. Vorderes, ohne Zuwaage 10-—14 Ai, Hinteres 12—16 Ai, Rindszunge, roh 11—14 Ai. Rindsleber 8—12 i, Kuttelflecke, 1 Kg. 6—7 Ai. Fette. Landbutter 17—19 Ai. Teebutter 20 bis 22 Ai, Schweineschmalz, tschechisches, roh 11 bis 12 AL, ausgelassen 13—15 Ai, Bakonyerschmalz 12 bis 13 Ai, Speck 13-—15 Ai. Verschiedene Waren. Eier, tschechisch, 75—80 Heller, slowakische 70 Heller. Die Fraumrbezirksorganifirtion Prag beginnt am Dienstag, den 2. November, um 16 Uhr mit ihren regelmäßigen Stricknachmittagen im Parteiheim, Smeiky 22, 2. Stock. Die Genossinnen find zur Teilnahme freundlichst eingeladen. Bigamist verhaftet. Der 28jährige Typograph Franz B i n k o. der trotz seiner Jugend bereits drei Ehen hinter sich hat. wurde gestern verhaftet, weil er zwei davon zugleich führt. Als seine erste Frau gestorben war, heiratete er zum zweitenmal, geriet aber mit seiner, neuen Gattin bald in einen Schei- Biinter Abend der Naturfreunde und der Allaver-Jugrnd. Ernstes und Heiteres in Lied und Rezitation. Mittwoch abends 8 Uhr im Kleinen Saal des Hand» wrrkervereinS. Eintritt frei. Gäste willkommen. dungSprozeß, der noch nicht beendet ist. Im September dieses Jahres heiratete er zum dritten Male, gcck sich als Witwer aus und legte den Totenschein seiner ersten Frau, vor, wobei, er ftine zweite, noch rechtsgültige Ehe verschwieg. Seine dritte Frau wußte von, wahren Sachverhalt nichts. Binko behauptet,« habe nicht gewußt, daß er sich strafbar mache, da er mit seiner legitimen Gattin bereits seit drei Jahren nicht mehr zusammenleb«. Todessturz aus der Straßenbahn. Gestern mittags fiel auf dem Kramät-Kai die 57jährige Witwe Irma Poläk aus ZiAov aus einem fahrenden Straßenbahnwagen der 2er-Linie, während das Auto des Friedrich B r e t in entgegengesetzter. Richtung kam. Obwohl der/Wagenlenker den Unfall sofort bemerkt haben will, schließt er die Möglichkeit nicht aus, die Polak mit dem Rad gestreift zu haben. Jedenfalls wurde sie tödlich verletzt, mit einer schweren Gehirnerschütterung und einem Bruch der Schädelbasis auf die Klinik Jiräsek gebracht. Drei Greisinnen überfahren. Vorgestern abends überfuhr der Student der Medizin Jaroslav P o u- pal aus Prag lV.'in der Nationalstraße di« 60jäh- rjge Marie Tluihor aus Straschnitz, wobei ihr die 'rechte Hand gebrochen wurde. Sie wurde auf die Klinik Schlosser gebracht.— Die 74jährige Private Ludmilla B i n d i s aus Prag-Weinberge wurde in oer Fochstraße vom Rad des Stefan Hanil aus Me- choluv zu Boden geworfen und mit einer schweren Gehirnerschütterung von der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Schlosser gebracht. Die 69jährige Armenhäuslerin Paula Dmisek wurde in Lieben vom Motorrad des Bäckers Josef Kubik zu Boden geworfen. Sie erlitt einen Bruch des linken Fußes und mehrere Rißwunden. Di« Rettungsgesellschaft brachte sie auf die Klinik Schlaffer. Telegrq/nm°Zuftellung in Prag. Die Telegraphenverwaltung hat die innere Manipulation in der Telegraphen-Zentralstation in Prag neu geregelt. Deshalb werden in Prag ab Anfang November d. I. Telegramme aus dem Ausland auf rötlichen Blan« ketten(bisher wurde die Einhändigungs-Ausstellung aut weißem Papier gebracht) ausgestellt werden. (Vom Post- und Telegraphenministerium.) Dir frrir Schule für politische Wissenschaft«« (Ovocny trh 3, 2. Stock) veranstaltet einige Borträge der Dozentin, der Genfer Universität Dr. Löuisa Sommer über das Thema„Die modernen Tendenzen der mitteleuropäischen Handelspolitik". Hochleistungs-Drehbänke, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bohrwerke, Shaping- u. Hobelmaschinen Spannfutter In modernster Ausführung erzeugt: Werkxeugmaschinenfabrlk Arne Plauert Warnsdorf, iSR. m Der erste Vortrag findet Dienstag, den 2. November, um 15 Uhr und die nächst-n am Mittwoch und Donnerstag zur selben Stunde statt. Die Borträge find der Oeftentlichkeit zugänglich. Richtpreis« für Raseure und Friseure iu Wirksamkeit. Mit Gültigkeit vom 1. November wurden in Prag für das Raseur- und Friseurgewerbe Richtpreise erlaffen, di« sich auf den 8 1 der Regierungsverordnung Nr. 121 stützen. Alles Nähere ist aus den Bekanntmachungen ersichtlich, die in allen Raseur- und Friseurstuben ausgehängt find. Xunet and Wissen Das Glück Diese Komödie des FranzosÄr DenysAmiel. jetzt in der Kleinen Bühne, ist ein sehr soignierteS, wohltemperiertes Milieustück aus dem besitzbürgerlichen Paris und variiert das derzeit so vielfach angeschlagene Bühnen-Thema von der Vollreifen Frau, die fozusagen nach Naturgesetzen, die in der Moderne individuell weit längere Geltung haben, der Tochter den Geliebten wegnimmt. Im Falle dieser Komödie macht das„Glück" eine in jeder Hinsicht vornehme Frau, die zunächst solche innere und äußere Metamorphose weder will noch ahnt, und der der Ueber« gang in neue Jugend erleichtert wird durch das Dasein eines angetrauten, aber wesensfremd gebliebenen Gatten, der wiederum die eigene werwolle und schöne Frau um leichtlebiger Abwechslung willen längst verschmäht. Die Geld-Ehe wird da wieder einmal konterfeit, und die alte, viel belächelte und, ja auch so oft zuschanden gemachte Wahrheit gepredigt, daß es ja doch nichts Höheres gebe als das Glück zweier gleichgestimmter Herzen. Freilich kann der Autor nicht mehr beweisen, daß Valentine und Pierre auf dieDauer miteinander glücklich würden, wie er anderseits völlige Unklarheit darüber breitet, ob die junge Frau(die Tochter) in ihrer Vernunftsehe wahrhaftig auch das Glück gefunden habe. Es müßte also drei Akte mehr geben— was aber immerhin bedeutet, daß das Stück einigermaßen zum Nachdenken anregt. Und die Sauberkeit der Gesinnung, die Nobleffe der Charakteren-Zeichnung, die Kultiviertheit der Sprache, die Flüssigkeit des Dialogs und viel Klugheit und Wärme heben diese Komödie doch erheblich über das durchschnittliche Niveau. H a n S G ö tz als Regisseur bewies wieder seins feine, sichere Hand zur Äachmodellierung des intim Zarten und Starken, so daß ein«nsemblemäßig vorbildlicher kammerschauspielevischer Abend zustande kam. Gerda Meller ist durchaus überzeugend noble große Dame, harmonisch wirkend noch in der intensivsten Erschütterung durch das Leben, und boll herzlicher und ergreifender Töne, bis dorthin, wo der Ernst ins Tragische umschlagen müßte. In Walter Szlirovy hat fit einen ttizestoeN. übet» aus sympathischen Partner, der gleichermaßen über Seele wie über Intelligenz, über Ruhe wie über nervöses Gestaltungsvermögen verfügt; nur leider ist er für die Rolle zu jung, eine Tatsache, die der Wirkung des letzten Aktes erheblich Abbruch tut. Lisl Mach ein er bietet mit bekanntest! Talent Natur und Kunst auf, um die neunzehnjährige Tochter glaubhaft zu machen, und bat Momente von starker darstellerischer. Eindruckskraft. Ganz ausgezeichnete periphere Figuren verdankt man den Damen Vilma Kürer und Fritta Brod und den Herren G ö tz. T r a b a u e r und Winner. Da? Stück fand fühlbar lebhaftes Interesse des Publikums. Es gab reichlich Vorhänge. L. G. Von der Gesellschaft für Musikerziehung Am Mittwoch, den 27. Oktober, fand«ine Vor- ! standssitzung der Gesellschaft für Musikerziehung statt, die sich vor allem mit der Lage des Gesangsunterrichtes an denMittel» j s ch u l e n befaßte. Die Gesellschaft bereitet im Ein- i vernehmen mit den zuständigen Fachleuten ein ! Memorandum, das die wichtigsten Forderungen für den Gesangsunterricht zusammenfaßt, für die Mitglieder der Regierung vor. Weiterhin bearbeitet die Gesellschaft für Musikerziehung im Zusammenhang mit dem Entwurf eines Gesetzes für den p r i v a- |ten Musikunterricht eine Enquete, die den Zweck verfolgt, die Verhältnisse zu klären und die Einführung der staatlichen Aufsicht über den Privaten Musikunterricht vorzubereiten.— Es wurde beschlossen, die von Prof. Josef Stanislav mit großem Erfolg geleiteten Musikunterrichts« kursefür die Arbeiterschaft fortzusetzen. Die Durchsetzung des den zuständigen Instanzen bereits überreichten Gesetzentwurfes, der die Errichtung einer staatlichen Diskothek(vermutlich: Schallplatten-Sammlung, d. Red.) anstrebt, wird durch Verhandlungen mit den Vertretern der beteiligten Körperschaften weiter verfolgt. In allen.bisher errichteten Sektionen und Untersektionen schreitet die Tätigkeit unter wachsender Beteiligung fort, und es ist erfreulich zu beobachten, wie sich die hie und da verschiedenen sachlichen und I persönlichen Ansichten mit Hinblick auf die Erreichung | der überpersönlichen kulturellen und menschlichen ! Ziele ausgleichen. Dir Gesellschaft für Musikerziehung bereitet jetzt I einen gesamtstaatlichen Kongreß vor, der im kommenden Jahre zu Pfingsten in 'Preßburg und Trentschin-Tcplitz stattfinden soll. Er wird der außergewöhnlich wichtigen Frage des Volksliedes gewidmet sein. Bei diesem Kongreß wird Gelegenheit geboten werden, den Zusam- .menhang zwischen Volkslied und Musikerziehung unter allen praktischen, pädagogischen und künstlerischen Gesichtspunkten mit Rücksicht auf das Kind, auf hie Heranwachsende Jugend und auf alle Gebiete des I öffentlichen und kulturellen Lebens zu behandeln. Karl Ttreitmann gestorben. In Wien verstarb, völlig elend und verarmt, Karl Streitmann, einstmals eine der bekanntesten Gestalten der alten großen Wiener Operette. Der Mann, der nun als 84-Jäh- riger nicht wußte, woher das tägliche Brot nehmen und der immer wieder für sich Unterstützungen mußte sammeln lasten, war Jahrzehnte hindurch einer der gefeiertsten Künstler nicht nur Wiens, sondern zahlloser österreichischer und deutscher, ja selbst amerikanischer Bühnen. Karl Streitmann, der als Endzwanziger übrigens durch drei Jahre dem Prager DeutschenTheater angehört hatte und hier nicht nur in der Operette, sondern auch in der Oper außerordentlich auf sich aufmerksam gemacht hatte, kam 1885 an das Theater an der Wien, wo er dank seiner strahlenden dichten Tenorstimme, seinem bedeutenden Gesangsvermögen und seiner mitreißenden und ungemein liebenswürdigen darstellerischen Kunst rasch in dir vorderste Reihe aufstieg. Als an diesem Theater im Jahre 1885 Johann Straußens „Z i g e u n e r b a r o n" aus der Taufe gehoben wurde, war Karl Streitmann, umjubelt, der erst.« Barinkay(mit Alexander Girardi als. erstem Kalman Zsupan). Eine Unzahl Operetten hat'Streit- inann in den darauffolgenden Jahrzehnten in Wien und Berlin kreiert, unzählige Male wurde er auch als Gast an unseren sudetendeutschen Pryvinztheatern nach Gebühr gefeiert. Roch als hoher Sechziger wußte dieser Künstler mit der Unverwüstlichkeit seines Temperaments. mit dem Charme seiner Darstellungskunst und mit dem blühenden Reichtum seiner.stimmlichen Mittel hinzureißen. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Sonntag, halb 3 Uhr: Bei Kerzenlicht, 8 Uhr: Im Rahmen des Mozart-Festivals: Die* Entführung aus dem Serail, D.— Montag 3 Uhr: Jedermann, halb 8: Das Land des Lächelns, Abonnement aufgehoben.— Dienstag 8: Acht Ruder im Takt. A 2.— Mittwoch halb 8: Frühlingsluft, B l. — Donnerstag halb 8: Carmen, C 2.— Freitag halb 8: Arabella, D.— Samstag halb 8: Die Fledermaus. Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 3: P a r i s e r Leben, Arbeitervorstellung, halb 8: Die C-ardasfürstin, A 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3 Uhr: Die Reise, halb 8: Hilde und das Lotteriespiel, Uraufführung.— Montag 3 Uhr: Eine Frau ohne Bedeutung, 8% Uhr: Parkstraß« 13.— Dienstag 8: Parkstraße 13, Bankbeamte 1 und freier Verkauf.— Mittwoch 8: Das Glück, Bankbeamte 2 und freier Verkauf.— Donnerstag 8 Uhr: Hilde und das Lotteriespiel.—■ Freitag 8: Das Glück, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Parkstraße 13.— Sonntag 3: Pygmalion. 8: Hilde und das Lotteriespiel. VtrtinenachdchUn <" 1■ 1 I RW- Prag. Donner s t a g, den 4. November im Vereinsheim V o r t r a g des Genossen Dr. F r a n z e l. Beginn 20 Uhr. PRAG Die Generalversammlung des Ar- beiter-Turn- und Sportvereines Prag findet am Freitag, den 5. November, um 8 Uhr abends im kleinen Saale des HdNdwerkervereiltkS. Ptckg ll., Smeikh 22, mit der üblichen Tagesordnung statt. Eine erweiterte Ausschußsitzung des Arbeiterfürsorge»Bezirksvereines mit den Vertretern der Prager Kulturorganisationen, findet am 2. November, 8 Uhr abends, statt. Da die WinterhilfSakfion Heuer. bereits im November durchgeführt werden soll, ist, es notweMg,, haß. die. Ausschußmitglieder und die Vertreter der vereine und Verbände, die diese soziale Arbeit bisher immer unterstützten, vollzählig erscheinen. G Sozialistische Jugend, KreiS Prag. Wochenprogram m: Dienstag, den 2. November: DSAP- Heim,.7 Uhr. Gruppe Prag IIx „Aus dem illegalen Deutschland", DSAP-Heim,(8 Uhr), Gruppe Prag l:„Buntes Heim". FVSA- Heim, 8 Uhr, Gruppe Prag VH:„Palästina,— Mittwoch, den 3. November: DSAP-Heim, 8 Uhr. Grupp« Prag XU:„Marxistische Geschichtsauffassung". Der Dlm Der letzte Zug von Madrid. Der„aktuelle" i Film, den der amerikanische Produzent Adolphe Z u t o r zu präsentieren sich gestattet, ist ein böses ' Machwerk, böse nicht nur, weil es die Urheber des spanischen Grauens verschweigt und die militärischen Machthaber in Madrid als brutale Fanafiker hinstellt, deren Opfer vorwiegend Unschuldige sind, — der Film ist auch sonst übel, weil er die Fürch- terlichkeit des Geschehens in Spanien mißbraucht, um eine abenteuerliche Sache mit lauter Freundschafts- und Liebesgeschichten daraus zu machen. Der letzte Zug von Madrid nach Valencia soll um Mitternacht abgehen. Ein Deserteur(der sich weigerte, einen Verurteilten zu erschießen und deshalb an die gefährlichste Stelle der Front geschickt werden sollt«), ein amerikanischer Reporter(der die Tochter eines zum Tode Verurteilten zu sich nimmt), ein Hauptmann der Miliz, der einen alten Freund fliehen ließ, und dieser gerettete Freund(der zwei Freundinnen hat, von denen eine auch noch einen Mord begeht) wollen mit dem letzten Zug abreisen, und nach abenteuerlichen, ja sogar„lustigen" Zwischenfällen mit viel Alkohol, gelingt es allen bis auf den Milizhauptmann, der sich opfert, und die Mörderin, die noch im Zuge verhaftet wird. Einmal find sogar echte Aufnahmen eines Luftangrifts auf Madrid in diesem Film eingefügt, der(unter James Hogans Regie) wie eine Kriminalgeschichte gespielt wird.—eis— Zweimal Hans Moser. In dieser Woche sind zwei deutsche Lustspiele des Regisseurs Emo zu sehen, in denen HanS Moser seine erschütternd komischen halben Sätze hervorsprudelt.„D e r M a n n, v o n d« m m a n s p r i ch t" ist die Geschichte eines Studenten, der aus Liebe zu einet hübschen Trapezkünstlerin Artist, sogar Löwenbändiger wird. Diesen jungen Mann spielt HanS R ü h- mann und sein Diener ist Theo Lingen. Wie die beiden für den neuen Artistenberuf üben, ist nach dem Muster des amerikanischen Lustspieles gemacht und sehr gut gemacht. Man darf nicht viel nach dem Sinn des' blühenden Unsinnes fragen, dann unterhält man sich. Durch das bessere Manu« skript ist der zweite Film„Unentschuldigte Stund e" überlegen. Das auch in Prag viel gespielte Theaterstück bot die Grundlagen zu dieser Komödie aus dem Schulleben, in der Hans Moser ein schußliger, aufgeregter Vater, E d t h o f er «in ungemein feiner Profeffor ist. Theo Lingen ist wie geschaffen für einen Lehramtskandidaten". Die weibliche Hauptrolle spielt in beiden Filmen, anmutig und angenehm, Gusti Huber. Zwei Filme, die ausschließlich unbeschwerter llnterhal« tung dienen. jk 8port-8pief-Xörp«rpsteHe Finnlands Arbeiter-Fußballmeister In der diesjährigen Fußballmeisterschaft des TUL errang den Meistertitel die Ber« einsmannschaft KTP— Kotkan Työväen Palloilijat — der kleinen Industrie- und Hafenstadt K o t k a. Ant. Fiser, der derzeitige Berbandsturn« wart der DTJ, feierte am SamSwg seinen 50. Geburtstag und war deshalb Gegenstand zahl« reicher Ehrungen. Seit 1906 ist Fiöer in der tschechischen Awetlerturnbewegung tätig, 1919 wurde er ygch seiner Rückkehr aus Rußland zum Obwann del VIII. Kreises(Mähr.-Ostrau) und 1937 zum Nach« folger des Berbandsturnwartes Mräzek gewählt.. da»Urania« t »tim Mandschurei und Mongolei." Dr. F- Wertheimer. Lichtbildervortrag. Dienstag 8 Uhr. „Der überempfindlich« Mensch." Dr. E. Pulay. Vortrag. Donnerstag 8 Uhr. Lipinskaja-Abend. Produktenbörse. Mitglieder ermäßigte Karten, Urania. Freitag 8 Uhr. Arania-Kino „Weiberregiment", der ausgelaffene Lachschlager. Gastspiel Leopoldi-Milskaja bis Montag verlängert! Heute und morgen 2 Uhr ohne. 4, 6. l49 Uhr mit Leopoldi-Milskaja. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:.Das Weiberregiment." Ferner: Gastspiel H. Leopoldi—Milskaja.— Adria:„Der letzte Zug von Madrid." A.— Alfa:.Darf ich bitten?" G. Rogers, Fr. Astaire. A.— Apollo:.Tct Mann, von dem man spricht." H. Moser. D.— Avion:.Roman eines Schwindlers." Sascha Guitry. Fr.— Baikal:.Drei Eier im GlaS." Vlasta Burian. Tsch.— Beranek:.Der letzte Sklavenhändler." Wall. Beery. A.— Fenix:„Set Engel." Marlene Dietrich. A.— Flora:.Bataillon." F. Smolik. Tsch.— Hvizda:.Der letzte Zug von Madrid." A.— Julis:.Unentschuldigt* Stunde." D.— Kinema d. Bl. B.: Könige der Rennbahn.— Koruna(Akt.-Th.): Journale, Grotesken, Reportagen.— Kawa:.Roman eines Schwindlers." S. Guitry. Fr.— Lucerna:.Der Engel." Marlene Dietrich. A.— Metro:.Unentschuldigt« Stunde." D.— Passage:.Ein Prachtkerl." Wallace Beery. A.— Praha:„In den Klauen des Wolfes."— Radio:.Das Kreuz am Bache." Stipniikovä. Tsch.— Skaut.Bataillon. Tsch.— Svttozor:.Der Mann, von dem ma* 1 spricht." H. Moser. D.— Beletrhy:.Sieben Ohrfeigen." L. Harvey, W. Fritsch. D.— Alma:„Detektiv Rick." A.— Belvedere:.Die Frau unten* 1 Kreuz." Tsch. 7— Beseda:„Die Uwbekannte," D.— Carlton:„Die Frau unterm Kreuz." Tsch.— Illusion:.Peter im Schnee." Tr. Start. D.— Lido II- .Das Kreuz am Bache." Tsch.— Louvre: ,®r«* Eier im GlaS." Vl. Burian. Tsch.— Marokko: .Drei Eier im Glas." Burian.—, Olympir:.Petek im Schn«." Tr. Stark. D.— Perttyn:.Der Feind der Unterwelt." Oberon, Aherne. A.— Roxp:.Bataillon." Tsch.— Tatra-Weinberge:.Peter i® 1 Schnee." Tr. Stark. D.— U Brjvodu:.Herren st* 1 Zylinder." F. Astaire, Rogers. A.— Baldek:„Das Kreuz am Bache." Tsch. 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