Nr. 159. Abomuuust«■Sfbiitpitfltnt «bonnemenl»-Pr»I» pränumerando! vierteljährl. SLV Mk., monatl. I.ioMd, n-öchenlltch 28 Psg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonnlag«- Nummer mit illustrierter Sonniag»« Beilage»Die Neue Welt" 10 Plg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quarlal. Eingelragen in der Post- Zeiiung«- Preisliste für 1890 unter Br. 7890. Unler Kreuzband sllr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 9 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich«utzer Montag», Vevlinev Volksbl�tt. 16. Jahrg. Die Instrtwns-Medühr belrägl für die sechSgespaltcne Kolonel» zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein«» und Versammlung«-Anzeigen So Psg. „Kleine Anseigen" jede« Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend«, an Tonn- und Festlagen dl» S Uhr vormittag« geössnet. Fernsprecher: Amt I, Br. 1508. Zelegramm- Adresse: nvorialdimokrat Berlin" Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Veutlx-Straste 2. Dienstag, den 11. Juli 1899. Expedition: SW. 19, Venth-Strage Z. Die Gesetzlichkeit tötet uns. Rom, den 6. Juli. Das berühmte Wort, das Ldillon Barrot vor einem halben Jahrhundert in Frankreich ausrief, enthält den Grund- gedanken der reaktionären und gesetzwidrigen Politik, welche die Regierungen mehrerer Länder in diesem Augenblicke vcr- folgen:„die Gesetzlichkeit tötet uns." Um die bis dahin unter dem Feudalregimcnt von dem Adel und der Geistlichkeit monopolisierten öffentlichen Gewalten zu erobern, muffte das Bürgertum die Gleichheit der bürger- lichen und politischen Rechte für alle Menschen verkündigen, denn es hätte dieselben nicht für sich allein fordern können. Thatsächlich hat das Bürgertum während zwei Dritteln des Jahrhunderts die politischen Rechte für sich allein ausgeübt um das Monopol der politischen Gewalt in seinen Händen zu vereinigen, als Stütze für sein wirtschaftliches Monopol. Als aber das Proletariat von der Krankheit des Abstcntionaliemus— der durch die Anarchisten und sonstigen Reaktionäre gepredigten Nicht ausübung der politischen Rechte— geheilt war und für seine eigene Emaneipation mit scharfem Klasseninstinkt in seinem Klasseninteressc von diesen nämlicken bürgerlichen Rechten: den Rechten des Wählcns, der Vereinigung, der Versamnilung und der Preff- freiheit— guten Gebrauch zu machen begann, war es un- veimcidlich und menschlich natürlich, daff die konstitutionellen bürgerlichen Regierungen zu der Uebcrzeugung gelangten, daff ihr politisches Monopol bedroht sei. Und da die Regierungen nicht die Energie und nicht den Verstand hatten, den neuen Volksströmungen mit Diskussion und vernünftigen Reformen zu begegnen, so kamen sie allmählich dazu, den freien Gebrauch dieser konstitutionellen Rechte, die in der Hand des klasscnbewuhten Proletariats zu gefährlicheren Waffen gc- worden waren als Flinten und Barrikaden, für schädlich und staatsfeindlich zu halten. In Belgien legte die Regierung ein Wahlgesetz vor, welches ausdrücklich mit der Absicht gemacht ist. der Regicrungs Partei eine künstliche Mehrheit zu verschaffen. Doch das belgische Volk ist in vergleichsweise vorgeschrittenen wirtschafte lichen und folglich auch geistigen Lebensbedingungen und. geleitet von dem socialistischen Gedanken, hat es der Welt das Beispiel eines wunderbar kräftigen und siegreichen Widerstandes gegeben. Die belgische Regierung, die sich des Bar ratschen Wortes erinnert hatte, ist durch das socialistische Volk gezwungen worden, in die Gesetzlichkeit zurückzukehren. In Italien ist,— außer in einigen Provinzen Pie- monts und der Lombardei— die wirtschaftliche Lage eine so elende, daff ein Zustand völliger Anämie(Blutlosigkeit und Erschöpfung) erreicht ist und das Volk nicht die Kraft hat, der Oligarchie, die ihm den Fuff auf den Nacken gesetzt hat und es erstickt und aussaugt, thätigen und siegreichen Widerstand entgegenzusetzen. ' Die absolute Unfähigkeit des Generals P e l l o u x, die äußerste Linke zu unterwerfen, gab ihm zunächst den Plan ein, die Kammer aus einige Tage zu vertagen, und dann das königliche Dekret mit einer neuen Redaktion der Knebclgcsctze gegen dasVercins-.Vcrsammlungs- undÄoalitions- recht und die Presse zu veröffentlichen— und zwar mit der Drohung, daff dieses gesetzwidrige, also ungesetzliche Dekret am 20. Juli in kraft treten würde, falls die Kammer den Gesetzentwurf bis dahin nicht an- genommen habe. In der Kammersitzung des 30. Juni machte die Kammer- Majorität, unterstützt von einem parteiischen und servilen Präsi- deuten, den Versuch, die gcschäftsordnungsmäffigcn Rechte der Minderheit zu vergewaltigen und durch Ucberrumpelung einen Beschluß zu erzwingen. Das konnte die äußerste Linke: wir Socialisten und die Republikaner, nicht dulden; wir setzten der Gewalt dieGewalt entgegen, und v e r h i n- d c r t e n mit Anwendung von physischer Gewalt, daß die gesetzlichen Rechte der Minorität widergesetzlich verletzt wurden. Am Abend dieses Tages— des 30. Juni-- erschien ein königliches Dekret, welches die Parlamentssession schloff. Tags daraus antwortete die äußerste Linke aus die neue Gewaltlbat mit einem(vom„Vorwärts" veröffentlichten) Ma nifest an das Land, in welchem das Vorgehen der Regie rung gekennzeichnet und die Notwendigkeit und Gesetz- lichkcit dcö Widerstandes gegen dieses gesetzwidrige, die Opposition unterdrückende Gesetz dargelegt ward. Der Obstruktionismus ist Sieger ge- blieben, denn das Knebelgesetz hat nicht die Sanktion der Kamm er empfangen. Artikel III unserer Verfassung sagt, daff die Gesetzgebung geni ein schaftlich von dem König und von dem Parlament ausgeübt wird. General Pelloux erinnert sich auch des Wortes von Barrot, und, statt in die Gesetzlichkeit zurückzukehren, besteht er auf der Inkraftsetzung des königlichen Dekrets, welches das Straf- gesctzduch und die verbrieften Rechte des Volks o h n e Z u- stimm ung derKammer abändert» ja diese Rechte teilweise vernichtet. Das italienische Volk hat durch mancherlei Kundgebungen gezeigt, daff es mit der äußersten Linken ist. allein es ist ln seiner Masse zu geschwächt, um gegen das Treiben der Regierung in der Art des belgischen Volkes vor- zugehen, und die Regierung vermag es, den vielen Ungesetzlichkeiten, die sie schon verübt hat, diese neue Ungesetzlichkeit, die weit schliiltmer ist als alle früheren, hinzu- zufügen. Wenn jedoch das Maß des Zorns noch nicht über- läuft, so nur. weil es noch nicht ganz bis an den Rand gefüllt ist. Die neueste Ungesetzlichkeit hat viel dazu beigetragen, das Maß zu füllen, und wir sind in Italien so weit, daff wenige Tropfen es zum Ucberlaufen bringen können. Tie G emeindewahlen, welche jüngst in allen Provinzen Italiens statthatten, sind ein bedeutsaincs Zeichen der Zeit. Früher hatten diese Wahlen, die nicht an dem gleichen Tage, aber im Zeiträume eines Monats vor genomnien werden, gar keinen politischen Charakter. Jetzt ist das anders. Sie sind politische Kämpfe geworden, und seit den Siegen in Mailand und Turin ist mit jeder neuen Wahl das Interesse und die Kampffreude gewachsen. In Süd, in Nord und in der Mitte Italiens haben wir im Bund mit den Republikanern, die mehr und nichr zum Socialismus ge drängt werden, Siege erfochten über die Pfaffen und Rcgw rungs-Reaktionärc, die, trotz ihrer alten Feindschaft, gegen uns ein Herz und eine Seele geworden sind. In allen Sauptstädten Italiens flattert stolz das Banner der ocialdcmokratie. Und soeben hat das Schwurgericht von Florenz durch die Freisprechung unseres Genossen, des socia listischcn Abgeordneten P e s c e t t i, einen wuchtigen Protest gegen die reaktionäre Politik der Regierung geschleudert. Im Mai 1898 lieferte ein kleiner Krawall in Florenz der herrschenden Clique den Vorwand, von der Regierung, die nur zu bereitwillig Folge leistete, die Verhängung des Be lagcrungszustandes zu erwirken. Die Kriegsgerichte kamen und die Militärprozesse gegen die Socialisten. Der Deputierte Pescetti wurde ohne jeglichen Grund an geklagt, den Krawall veranlaßt zu haben. Er konnte sich der Einkerkerung auf unbestimmte Zeit zum Glück durch die Flucht entziehen. Einige Monate fand er ein Asyl im Parlamentspalast zu Rom— dem Monte Citorio, wo er sich häuslich niederließ und wo die Polizei ihn nicht zu vev haften wagte. Nach Schluß der Session fand er Zuflucht in Frankreich. Das Kriegsgericht verurteilte ihn iu contumaciam zu 12 Jahren Kerkerl Als der Belagerungszustand ausgehoben ward, kehrte unser Freund nach Florenz zurück und stellte sich den Be Hörden, um von den bürgerlichen Geschworenen gerichtet zu werden. Auf seinen Wunsch gab die Kammer ihre Genehnngung zum Prozeß, und Pescetti blieb in Untersuchungshaft bis zu der Prozeßverhandlung vorige Woche. Wir— mein Freund atte mich als Verteidiger angenommen— wir benutzten die elegenheit und zertrümmerten das Gebäude von nieder- trächtigen Verleumdungen, das die Polizei und das Kriegsgericht aufgetürmt hatten, um ihn, und in seiner Person und mit ihm die socialistische Partei in Toskana moralisch, wirtschaftlich und politisch zu vernichten. In diesem Prozeß konnte ich die ganze Infamie und den anzen Schmutz des Belagerungszustandes enthüllen und die cinheit der socialistischen Propaganda, die Aufopferung unserer Vorkämpfer und die Erhabenheit unserer Ziele nachweisen. Die Geschworenen von Florenz haben Pescetti freigesprochen und damit die schmachvollen Ver- urteilungen durch die Kriegsgerichte gebrandmarkt. ** * Das sind unzweifelhaft Symptome eines nationalen Scelenzustandes, den man mit Recht„revolutionär" nennen kann, da wir bei der ökonomischen Anämie des italienischen Volkes und namentlich der Arbeiter an solche gesund- leiden- schastliche Ausbrüche wie in Belgien nicht denken können. Unter solchen Umständen verbleibt die Regierung auf dem Wege der Ungesetzlichkeit und des Berfassungsbruchs, ohne zu bemerken, daff General Pelloux durch sein Vorgehen die Person des Königs und das monarchische Princip unmittelbar vor den Zorn des Volkes gestellt hat— eine Thatsache, über die w i r Socialisten den wenigsten Grund haben uns zu beklagen. Während der Sommermonate bis zum Wiederzusammen- tritt des Parlaments wird das politische Leben sich voraus- sichtlich noch in der bisherigen Weise hinschleppen— denn ich glaube nicht, daß das Ministerium blind genug sein wird, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzuordnen, von denen nur w i r Vorteil hätten. Die Ausführung des königlichen Dekrets wird bei der sklavischen Gesinnung unsere« Beamtenstandes Wohl keine besonderen Schwierigkeiten machen. Aber beim Wiederzusammentritt des Parlaments wird die socialistische Partei ihren Feldzug des Widerstandes gegen die Ungesetzlichkeit von neuem aufnehmen. Und dabei werden auch wir Socialisten uns des Barrot'schen Wortes erinnern, daff die Gesetzlichkeit«s ist, welche die Re- gierung tötet. Den klügeren unter den Konservativen graut es vor den Folgen der wahnsinnigen Regierungs-Politik, welche den König und die Monarchie um kleiner augenblicklicher Vorteile willen auf das Spiel setzt; und von Tag zu Tag wendet das Vertrauen des Landes sich entschiedener der sosialistischen Partei gc R zu— als der einzigen Partei, die weiß was sie will, und nicht persönliche, nicht Standes- und Sonderinteressen im Auge hat, sondern einzig das Interesse des Volkes und der Gesamtheit. Enrico Ferri. AebevNlkzk. Berlin, den 10. Juli. Sieg in Nürnberg. Bei der heutigen Landtagswahl in Nürnberg— so meldet uns ein Privailelegramm— gewann die Socialdemokratie einen glänzenden, alle Erivarhingen übertreffenden Sieg. Bon 257 Wahl- männern wurden 150 soeialdemokratische gewählt; in vier Bezirken werden anssichtsvolle Nachwahlen stattfinden. Das Wahlergebnis bedeutet die endgültige Niederlage des Nürnberger Freisinns, der trotz der Hilfe der Nationalliberalen einen bedeutenden Rückgang seit der vorigen Wahl erlitt. I» der Stadt Fürth wurden sämtliche Wahlmänner der ver- einigten iocialdemolratisch- demokratischen Liste gewählt; die Land- bezirke stehe» noch aus.— Achenbach. Am Sonntag früh verstarb der O b e r p r ä s i d e n t der Provinz Brandenburg Heinrich v. Achenbach. . Der Verstorbene ist am 23. November 1829 zu Saarbrücken geboren und habilitierte sich im Jahre 1859 zu Bonn als Privat- doccnt für deutsches Recht. Ein Jahr später wurde er zum ordent- lichen Professor und Oberbergrat eruauut. Im Jahre 1360 eut- sandte ihn der Kreis Siegen-Wittgenstein in das Abgeordneten- haus, woselbst sich v. A. der damals neu begriindeten freikonser- votiven Partei anschloß. AlSdann wurde er zum Vortragenden Rat in das preußische Handelsministerium nnd iin Jahre 1371 in gleicher Eigenschaft in das Reichskanzleramt berufen. 1872 wurde er Unterstaatssekretär im Kultusministerium, 1873 Unterstaatssekretär im Staatsniinisterium; am 13. Mai desselben Jahres wurde er zum Handelsminister ernannt. In dieser Stellung verblieb v. A. bis zum 30. März 1878 und erhielt dann daS Ober- Präsidium der Provinz Westpreutzen. Ein Jahr später erfolgte seine Ernennung zuin Oberpräsideuten von der Provinz Brandenburg. Ein Berliner Hofjournal rechnet den Verstorbenen unter die hehrsten Lichtgestalten der Weltgeschichte; ihm ist„alS wären in Heinrich v. Achenbach alle schönen und Mannes- tugenden vereinigt gewesen, die an irgend einem Sterblichen zu rühmen sind. Als Menschen wird dem Oberpräsidcnten auch von minder höfischer Seite vielerlei Gutes nachgesagt. Wenn man aber aus ihm einen Liberalen macht, der nur widerwillig die reaktionären Weisungen erfüllt habe, die namentlich die Stadt Berlin unter seiner Amtsthätigkeit zu kosten bekam, so mißbraucht man das Gewohnheitsrecht, am Grabe Gutes zu sagen. Die„Kreuzzeitung" sagt durchaus die Wahrheit, wenn sie den Verstorbenen unter die Ihrigen zählt. Sie erinnert daran, daff er auf seinen Wunsch aus Westpreußen nach Brandenburg versetzt wurde, weil er sich in der„von doktrinärem Nationalüberalismus durchtränkten Provinz" nicht wohl fühlte. An Achenbachs Namen heftet sich vor allem die Entehrung der Märzgefallenen, die man statt eines würdigen Gedenkens der edlen Freiheitskämpfer für zeitgemäß hält. Als Redner wurde Achenbach dadurch bekannt, daß er auf den brandenburgischen Provinziallandtagen jene mehr als schlvung- vollen Trinksprüche auf den Kaiser alljährlich ausbrachte, die als Erwiderungen die vielerörterten Märkerreden Wilhelm II. zur Folge hatten. Der Tod des Oberpräsidenten entbehrt im jetzigen Augen- blick nicht des politischen Interesses. Seinem Nachfolger wird die Augabe zufallen, den„Uebermut" der Berliner Selbst- Verwaltung vollends zu brechen. Die Pläne, den Ober- bürgermeister-Posten Berlins in einen Oberprüsidenteu-Posten zu verwandeln, werden jetzt neue Nahrung erhalten. Den Namen deS Nachfolgers des Herrn v. Achenbach wird man darum nicht ohne Spannung vernehmen wenn auch der schneidigste neue Herr immer nur ein Mann der schneidigen Anfänge und Versuche bleiben muff. Die Transvaal-Angelegenheit ist in ein neues Stadium eingetreten. Wie wir schon früher ausführten, haben die von Rhades und C h a m b e r l a i n, den zwei Haupthintermännern des Abenteurers J a m e s o n und seiner Einbrechergesellschaft, den B o e r e n gegenüber aufgestellten Forderungen insofern eine gewisse Berechtigung, als die in den Golddistrikten des Transvaal angesammelten„Aus- länder"(Uitlanders) bisher politisch rechtlos waren. Nach dem Völkerrecht hat allerdings jedes einzelne Land darüber zu be- stimmen, ob und unter welchen Bedingungen das Bürgerrecht Ausländern zu erteilen ist, allein in„neuen Ländern", wo die Zahl der einheimischen Bürger eine kleine und die der Einwanderer eine große ist, lassen diese Bestimmungen des Völkerrechts sich nicht nach dem Buchstaben be- folgen; und es war unzweifelhaft zur politischen Notwendigkeit geworden, daß die Boeren den„Uitlanders" Zugeständnisse machten, durch welche die Unabhängigkeit der öoerenrepublik in Frage gestellt ward. Nachgiebigkeit bis um Opfer der Existenz wäre keine Gerechtigkeit, sondern Aberwitz. Seit einiger Zeit sind die Boeren bemüht, die richtige Mltt? zu finden. Die bisherigen direkten VerHand' klingen mit den Engländern sind gescheitert. ES fanden darauf Verhandlungen zlvischen der Boerenrepublik(Transvaal) und dem stammverwandten Oranje-Freistaat statt. Sie haben zum Ergebnis gehabt, daß eine Ver- fassungSre form ausgearbeitet wurde, die am Freitag dein„Ersten Raab"— der Volksvertretung von Transvaal— vom Präsidenten Krüger unterbreitet ward. Ueber den Vor- schlag wird aus Pretoria telegraphiert: Der Präsident ließ dem Ersten Volksraad eine Botschaft zu- gehen, in der er ihm den Beschluß des Busführenden Rates über ras Stimmrecht mitteilt und um die Wahl einer fünf- gliedrigen Kommission ersucht, die mit dem Arisfiihrenden Rate den bezüglichen G e s e h e n t>v n r f in gehörige Form zu briiigcu habe. Außerdem teilt der Ausführende Rat mit, daß er beabsichtige, entsprechend dem Gesetz Nr. 12 vom Jahre 1887 die Zahl der Vertreter der Goldfelder in jedem Volksraad um 4 Mitglieder in später bekanntzugebender Weise zu vermehren, jedoch so, daß sie entsprechend oem neuen Gesetz noch in diesem Jahre das Stimmrecht erhalten. Der Be« schluß de? Ausführende» Rates lautet: Der Ausführende empfiehlt dem Ersten Volksraad, folgende Bestiinimnigen gutzuheißen: 1� Personen, welche nicht wünschen, sich in der im Gesetz- entwurf vorgesehenen Weise uatliralisieren»u lassen, können das volle Stimmrecht dadurch erlangen, baß fie nach einem siebenjährigen Aufenthalt, gerechnet von der schriftliche» An» tiindigung des Wunsches, das Bürgerrecht zu erhalten, einen Eid ablegen. 2. Personen, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes sich in der Republik fest niedergelassen haben, können nach neun Jahren die Naturalisation mit vollem Stimmrecht erhalten oder nach fünf Jahren nach dem Inkrafttreten dieses Gesetze?, doch müssen dann sieben Jahre seit der Niederlassung derselben in der Republik verstrichen sein. 8. die Regierung ist berechtigt, die Naturalisation mit vollen« Stimmrecht an Personen zu ver leihen, welche dem Lande Dienste erwiesen haben. 4. männliche Kinder von Freniden, die in diesem Staate geboren sind, haben das Recht der Naturalisation, so daß sie, sobald sie mündig ge worden sind, das volle Stimmrecht erhalten können. Artikel 5 trifft Bestimmungen über das volle Staatsbürgerrecht und Stimmrecht im früheren Lande; 6. wenn der Keldkornet nicht in der Lage ist aus persönlicher Kenntnis, wie es das Gesetz verlangt, ein Natnralisationscertifikat aus volles Stimmrecht ansznreichen, so muß er solches tbun auf Grund einer eidlichen Erklärung von neun stimmberechtigten bekannteil Bürgern des Distrikts mit der Angabe, daß der Stimmrecht Suchende sich während der gesetzlich bestimmten Zeit in dem Distrikt aufgehalten, sowie den Gesetzen ' und der Unabhängigkeit treu gewesen ist. Artikel 7 enthält Bestimmungen über die Disqualifikation von Personen zur Er Werbung des Stimmrechts und andere Weisungen von geringem Belang. Es wird gemeldet, daß die Regierung der britischen Kapkolonie ihre Billigung zu diesen Vorschlägen ausgesprochen hat. Herr Chamberlain sucht allerdings weitet zu stänkern Allein diesem Herrn ist ein Mißgeschick passiert, das ihn möglicherweise für immer von der polittschen Bühne ent fernen könnte. Es ist nämlich in dein„Daily Chronicle" die Anklage erhoben und aktenmäßig begründet worden, daß Mr. Chamberlain, englischer Minister der Kolonien, in seinein Privatbesitz 1500 Aktien der(afrikanischen) Niger kompagnie hat, und ein Bruder des Herrn Mi n i st e r» gar zweitausend. Durch den Vertrag, welcher den Franzosen anläßlich der Faschoda> Affaire von Herrn Chamberlain mit solchem �Jingo- Spektakel aufgezwungen ward, hat der Wert der Niger» Aktien sich verdoppelt und sind R i e s e n s u m m e n in die Taschen des Herrn Ministers Chamberlain und seines Bruders gelangt. Aehnliche schmutzige Geldgeschichten spielen auch bei der Transvaal-Affaire. Die Enthüllungen des„Daily Ehronicle" haben Herrn Chamberlain genötigt, im Unterhaus Erklärungen abzugeben. Allein sie waren wenig befriedigender Art; und in Geldsachen sind namentlich die Engländer sehr ungemütlich. Herr Chamberlain wird also wohl die längste Zeit radaut haben. Dem„Laubcmer Tage Laubaner Handelskammer Deutsches Keich. Hochwassergefahr und ihre Abwehr. blatt' zufolge enthält der Jahresbericht der Li folgende Beschwerde: Bezüglich der Regulierung der Wasserläufe und der Be« seitigung der Hochwafser-Gefahr sind in unserem Distritt auch im vergangenen Jahre die not- wendigsten Arbeiten nur zum Teil vollendet worden und haben die inzwischen stattgehabten Niederschläge von neuem den Beweis geliefert, daß infolge der Versandung und der Verengung der Flußbetten di« Ausuferung der Wasserlüufe mehr denn in früheren Jahren stattfinden. So lange nicht eine gründliche Reinigung der Flußbetten und Herstellung von widerstandsfähigen Uferbauten durchgeführt find, wird den Adjacenten der hiesigen Wasserläufe di« sich immer mehr steigernde Sorge der Ueber» schwemmungSgefahr nicht genommen werden. Die in unserem Distritt beabsichttgten Thalsperren werden nach dieser Richtung hin mit sehr geteilten Anfichten beurteilt und würde die ganze hiesige Bevölkerung durch die oben erwähnte Regulierung der Wasserläufe mehr Beruhigung finden. Man geht hier fast allgemein und wohl mit Recht von der Ansicht aus, daß die bisherigen Erfahrungen bezüglich der Thalsperren sick mehr darauf begründen, die angesammelten Wassermassen gleichmäßig und andauernd d»r Industrie und Landwirtschaft nutzbar zu machen, als dt« Gefahr von Ueberschwemmunge» dadurch zu beseittgen." DaS sind sehr schwere Beschuldigungen, die um so mehr Be- achtung finden werden, als die klägliche Art, in der man seiner Zeit die Hilfsattion für die von dem Hochwasser betroffenen Gegenden seitens der preußischen Regierung �betrieb oder vielmehr nicht betrieb, noch unvergessen ist. Wenn eS sich um Kulturwerke handelt, scheint in Preußen nicht« mehr zu gelingen.— Die„National- Zeitung" meint, ihr letzter«rttkel über die „Arbeitswilligen-Borlage* habe bei unS eine.unberechtigte Ent- rüstinig" hervorgerufen. Sie habe aber gar nichts Neues gesagt und staune über das kurze Gedächtnis, welches diesem Glauben Vor- schub leiste. Die„Rat.-Ztg." irrt allenthalben. Wir haben ihr nicht eine neue Meinung in der Zuchthnusvorlagenstage zugeschrieben. sondern nur festgenagelt, daß da» sich liberal rühmende Blatt in der von Anfang an eingenommenen Feindseligkeit gegen das Koalittonsrecht mit Elfer beharre. Wir haben un» auch nicht„unberechttgt entrüstet" noch überhaupt„entrüstet". Wir haben citiert, wie die„National« Zeitung" unberechtigterweise an einem durch nichts erwiesenen Terrorismu« der Arbeiter festhält und auf Grund dieser Fabel Erweiterungen der Strafbestinunungen fordert. Wir haben endlich die Meinung ausgesprochen, daß diese arbeiterfeindliche Politik nur der Partei schaden wird, die sie treibt, die der Arbeiterschaft die Fesseln enger schnüren will, statt fie zu brechen. Wenn der„National-Ztg." nicht gefällt, daß wir ihre er- bärmliche Haltung in dieser Frage beim re. ten Namen nennen, so mag sie sich selbst anklagen: sie hat aber keinen Grund, sich über uns zu beklagen.— Ein Bocialpolitiker im Kaiserhaus«. Ueber die von uns kurz erwähnte Broschüre des Herzog Ern t Günther über Arbeitsnachweise wird uns geschrieben: Eine Besprechung dieser Broschüre machte schon vor Wochen die RnNde durch die bürgerliche Presse: von diesen Blättern wurde die Arbeit des herzoglichen Verfassers sehr lobend beurteilt. Ich lächelte darüber; ich wußte genau, daß eS nicht die Arbeit war, stmvem der Rame, der die Arbeit deckte. waS die Anerkennung zeitigte. Schon im D e z e m b e r 1897 hatte ich die Aushängebogen jener Schrift in Händen; ich schrieb damals auch für ein deutsches Gewerk- werkschaftSblatt eine Besprechung. Mein Urteil lautete: „Es ist interessant, zu sehen, wie jetzt sogar Persönlichkeiten der höchsten Kreise sich gedrungen fühlen, nicht nur allgemein zur socialen frage Stellung zunehmen, sondern sogar Sprcialsraacn aiifzugrelkeii. ch begreif«, daß ernster gerichtete Naturen auch in diesen Kreisen das Bedürfnis fühlen, zu einem Urteil zu gelangen. Wer indes eine Broschüre schreiben will, der sollte nicht allzu unsertia den ständen gegenüber stehen. So lästig auch die Btzsite Materials sein mag: Man muß sich durcharbeiten; mau muß es vor dem Leser aufbauen; man muß das Urteil, dem man gelaugt, begründen. Und davon ist leider beim Herzog Ernst Günther verteufelt wenig zu spüren. Mewohl jagt, ihm hätten„amtliche Quellen und Schriftstücke zur Ver siigung gestanden, welche weiteren Kreisen noch unbekannt waren so kann doch, wer einige Kenntnis auf dem beregteu Gebiete hat, nur konstatieren, daß das Material des Verfassers verblüffend lücken- hast ist. Die Arbeitsnachweis-Einrichtungen der Gewerkschaften z. B werden gar nicht erwähnt. Aeltere Arbeiten behandeln diesen Gegenstand erschöpfender, indcul sie reicheres und besser verarbeitetes Material bieten. Praxis und Wisienschaft werden von der Arbeit des herzoglichen Verfassers kaum Gewinn ziehen," Die Besprechung ging noch im einzelnen ans den Inhalt der Broschüre ein; sie ivllte»ach Vereiilbarung mit der Redaktton nur erscheinen, wenn das Werk in den Buchhandel gelangte. DaS geschah nicht; vielmehr blieb es offenbar dabei, daß Herzog Ernst Günther seiiw Arbeit nur zur Selbstverstäiidigung benutzt. Und das geht die Kritik nichts au. Es wurde dem Verfasser kein guter Dienst geleistet, als eine preisstohe Feder in bürgerlichen Blättern trotzdem Lob- artikel losließ. Weniger begreiflich ist, daß auch ein Mitarbeiter der „Leipz. Bolks-Zeituug" in der Besprechung der Broschüre über schwäuglich geworden ist. ES wird da über die Broschüre gesagt, sie enthalte„eine lediglich objektive geschichtliche Darlegung der Eiitwicklmig der Arbeits- uachweise"; von der ernsten Arbeit des Verfassers, vom Wert der herzoglichen Arbeit in Form und Hlchall wird gesprochen. Wir haben oben schon gezeigt, daß von einer objektiven geschichtlichen Dar- legung keine Rede sein kann, da doch die auch geschichtlich überaus wichtige Bemühung der organifierteil Arbeiter, durch eigene Justi- tutioneii den Arbeitsmarkt zu beherrschen, mit keinem Worte erwähnt wird. Das bedingt natürlich auch das Urteil über den objettive» Wert. Die„Leipz. VolkSztg." bringt ja übrigens au» de» Tabellen ec. nicht das geringste— eben weil darin nur längst bekanntes enthalten ist. Das tbut dem Ernst, mit dem der Verfasser au di« Arbeit ging, keinen Eintrag, aber für die Kritik kommt nur die Leistung in Frage. Die Ueberschätzung erklärt sich vielleicht daraus, daß die Be� sprechuug unter dem Nudrucke geschrieben wurde: Ein Herzog sieht sieb schon genötigt, an diese Sache heranzutreten I Dabei ging der objekttve Maßstab verloren. Wir aber sollten den Gegnern über- lasse», an Produklionen von Fürsten einen andern Maßstab zu legen. als den gewöhnlicheii. Uns kann des Herzogs Bemühen eine inter essante Erscheinung sein— weiter nichtöl Ueberdies erfordert es die Billigkeit, dem socialpolitisierenden erzog dieselbe Gunst einer objektiven Kritik ohne Ansehen der erfon zu gewähren, wie etwa der künstlerischen Thätigkeit feines Verwandten.— Einen Schritt zurück. Die Danziger Eisenbahn-Direttion hatte in einem Erlaß au ihre Beamten smfar die Stimmenthaltung bei einer Wahl, bei der die S o c i a l d e m o k r a t i e in Frage kommt, als sisrund zur DlSciplinieriiug angegeben. Jetzt sieht 'icb der Präsident der Danziger Eisenbahn-Direktion zu folgender Erklärung gedrängt: „Der Verfügung wird, wie ich in Erfahning gebrockt habe. vielfach die Bedeutung eine« versuckS der Beschränkung der den Beamten durch die Verfassung gewährleisteten Wahlsreiheit bei- gelegt. Um auch den Schein zu meiden, als ob dies beabsichtigt sein könnte, sind in jener Verfügung die Worte;„Insbesondere also auch im geeigneten Falle in Einhaltung der Ausübung des Wahlrechs" zu du rch st reiche N." Das ist eine Milderung jenes UkaseS, der infolge des oberverwal ttmgSgerichtlicheii Erkenntnisses gegen den Gemeindevorsteher Schulze tu Nahmitz erlasse» worden ist. Die Milderling hebt aber die Logik des Erlasses auf und macht ihn ebenso unhaltbar vor der Logik wie er unhaltbar ist vor der Gerechtigkeit. Wenn es verfassungswidrig ist, dein Beamten Wahlbeteilignug gegen eine mißliebige Partei auf« gulötigen, so ist es auch verfassungStvidrig. ibm die Wahl nach seiner leberzeugmig. fiele sie auch aus die von den gerade Regierenden versehmte Partei, bei Strafe der AmtSenUassung zu verbieten. kaiseräußerungen tm Reichstage. Der Depeschenwechsel, so bemertt die„Franst, Ztg.". zwischen dem Kaiser und dem Präsi- denten Loubet, den die„Rordd. Allg. Ztg." in Sperrdruck cm ihrer Spitze veröffentlicht, ist natürlich auch IM„Reichs-Anzeiger" veröffentlicht, ebenfalls im Sperrdruck, aber, wie üblich, im nicht- amtlichen Teil. Mit Rücksicht auf die bekannten Vorgänge in den letzten Sitzungen des Reichstages ist es von Interesse, zu konstatieren, daß selbst eine so osfizielle Kundgebuna des Kaisers wie die Depesche an ein fremde» Staatsoberhaupt, die doch den Wert eines offiziellen Begriißunasatt» hat, nur im nichtamtliche» Teil des„Reicks-Anzeiger" veröffentlicht wird. E» würde natürlich »icniande» einfallen, auck dem strengsten Prästdenten de? Reichstag« nicht, die Erwähnung dieser kaiserlichen Kundgebung im Reichstage irgendwie zu verhindern, obwohl sie nur im nichtamtlichen Teil des ReichS-Anzetger" erschienen ist.— Wie der preußisch-deutsche MilttärftSknS seine socialpolittsche Mission in Bezug auf Wohuuiigsnot und Bodenspekulation auffaßt, dafür liefert sein Verhalten in der M ai nz- K a sie l e r Ent- estigungsfrage ein klassisches Beispiel. Tie in sorlifikatorischer Beziehung längst völlig wertlos gewordene und zum Teil schon dem Verfall überlassen« Umwallung Kastel? beraubt diese Stadt eder Möglichkeit, sich auszudehnen. Innerhalb der Wälle ist seit Jahrzehnten nicht ein einziger Bauplatz mehr vorhanden; außerhalb der Wälle aber verbietet das Gouveniement jede Bebauung. Der Militärfiskus verlangt nun für das Umwallungsgelände, das nach amtlicher Schätzung einen Wert von circa LV» Millionen Mark hat. sage und schreibe acht Millionen Mark. So viel würde nämlich die Anlegung eines neuen Rings von Außenforts kosten. Die 6—7000 Einwohner Kastels sollen also dem Deutschen Reich aus ihrer Tasche eine funkelnagelneue Festung bauen, Weiill nicht, so droht der Militärfisku« damit, das Gelände an ein Kapitalistenkonsortium zu Spekulationspreisen loszuschlagen. Das ist denn doch ein starkes Stück I Die hessisch« Regierung hat auf eine diesbezügliche Interpellation des. Abg. Schmitt wehmütig erklärt, fie wolle versuchen, den Militärfiskus zu annehmbaren Be- dingungen zu bewegen. Bon unserer Seit« setzt« der Abg. Haas das Verhalten des Militärfiskus in die verdient« Beleuchmug und ;ab eine Schilderung der in Kastel herrschenden geradezu Himmel- chreienden Wohnung»- und Bauverhältniffe. Ob die hessische Re- iening in Berlin etwa« durchsetzt ist mehr als fraglich. Der MlitärfiSku« versteht e» ausgezeichnet.Patriotismus' in die Mainz- Kasteler Bevölkerung zu pflanzen.— Von den Jeuenscr Studenten. Wer da infolg» der jüngsten Studentenexcesse in Jena geglaubt hätte, daß die Icuenscr Musen- söhne wirklich Neigung zu Timlnlten und vaiidnlistischen Roheiten besäßen, der irrt sich. Die Herren sind nämlich in Wahrheit Tugendbolde sonder Tadel und zarteste Gemüter. In den Zeittlugcn Thüringens erscheinen täglich groß« Inserate, daß die Studenten- schnft der Universität Jena zu Gunsten der in Jena zu crrichtcndcu „Bismarck-Säule" eine Aufführung von Wildenbruchs„Tie Qintzolvk" an sieben verschiedenen Tagen gegen ein entsprechendes Entgelt zum besten geben. Ueber das Verhalten, derselben während der Proben zu diesen«ufsührungen ist nun in der ebenso patriotische» wie tugendhaften„Jenaischen Zeitung" folgendes zu lesen: „Wer einen Blick hineinwerfen iönnt» in den Theatersaal, wo täglich die Proben abgehalten werden, würde sich über den Eindruck freuen, den er empfängt. Ja, was der Name Bismarcks vermag: er hat die Jenenser Studenten geeinigt, und wie aeemigt; da hört man kein unfreundliches Wort, sieht keinen feindlichen Blick, mit Feuereifer haben sich alle ihrer Aufgabe hingegeben, selbst die Statisten sind ganz b ei der Sache, niemals fehlt ein Beteiligter. Mensuren, Bummel und Kneipabende, nichts vermag mehr die stmgen Herren von der gestellten Aufgabe abzulenken. Viele der entzückendsten Mädchen wirken bei der Aiifführiilig mit, aber selbst der Anblick dieser vermag nicht die weihevolle Stimmung zus zerstören. Andachtsvoll lauschen die nicht auf der Bühne Beschäftigten. Beim Beginn der Proben ivird wohl dem cinen oder dem anderen Mädchen schüchtern ein Rosenstrauß ge- reicht, aber das ist alles. Tai», wenden sich sämtliche Blicke dem Remfaur zu und hängen an seinen Lippen, bis endlich der Schluß der Proben angekündigt wird. Lebhaft be- dauernd, daß die genußreichen Stunden schon wieder ver- strichen sind, m der Hand den eben erhaltenen Repertoirzettel, der sie zu neuen Freuden ruft." Da« ist höchst rührend, und iu einem Bctsaa! kann eS nicht mustergültiger zugehen. Damit dürfte der durch die Holzmarkt- excesse etwas geschädigte gute Ruf der Jenenser Studenten in ethischer und sittlicher Beziehung für alle Zeiten begründet sei»,— die Christo««der Mamelucken. Im„Deutschen Adelsblatt geistige Krippe für das menschliche Vollblut, schreibt jemand: „Der höchste Trumpf wird nicht nur in der liberalen Presse, sondern auch durch Regierungsorgane. wie unter Caprivi in der HandelsvertragS-Vorlage, so jetzt in Preußen bei der K a n a l- vorläge ausgespielt. Dieser höchste Trumpf ist die Krone selbst. Man, miß vor dem Ausspielen dieses höchsten Trumpfes aber ernstlich warnen. Wohin soll daS führcu, wenn der preußischen Volksvertretung durch solche Kraftmittel Gewalt angetha» wird! Das Recht der gesctzgebcndcn Körperschaft wird gebrochen und gerade dort, wo die Treue der Krone gegenüber traditionell ist, sollte dieser Treue nicht Gehorsam bis zur äußersten Selbstverleugnung, bis zur Aufgabe der Ueberzeugung, zugemutet werden.„Ge- horsam ist auch der Mameluck!" Die„Welt am Montag" macht darauf aufmerksam, das da? Adelsblatt sich seinen„Kampf mit dem Drachen" zu erleichtern nicht, indem es aus Schillers Ballade falsch citiert. Schiller dichtet««in wenig ander»: „Mut zeiget auch der Mameluck. Gehoyam ist des Ehrisien Schmuck". Die Junter haben demnach die Wahl, entweder als Ehriften der von Gott eingesetzten Obrigkeit auch in der Kanalfraae gehorsam zu sein, oder mit M a m e l u ck e n m u t ohne den Schmuck des Christentums der Regierung von Gottes Gnaden zu trotzen.— Di« stets gefällige Regierung. Gefällig nämlich den agra- tischen Wünschen. Aus eine Eingabe des vorstände« der oft- preußischen Landwirtschaftskaminer an die Eisenbahn- Direktion Königsberg, sie möge dafür sorge», daß die von ihr mit Arbeiten betrauten Bauunternehmer strengstens darauf sehen, daß keine kontraktbrüchigen Arbeiter beschästigt werden, hat die genannte Eisenbahn- Direktion unter Berufung auf bereits erfolgte An- ordiiiiiigen de? Ministeriums der öffentlichen Arbeiten eine durchaus zusageiive Antwort gegeben. Wenn also Arbeiter, ivie oft geschieht, wegen unerträglicher Be- Handlung seitens der Herreu Agrarier kontrattbrüchig werden, so ind sie nicht nur civilrcchtlich haftbar gleich anderen Staatsbürgern, ondcrn„Vater Staat" sorgt noch dafür, daß sie möglichst von der Arbeit ausgeschlossen und so vollständig jeder Junkerttzrannei über« liesert werde».— Aus Elsaß- Lothringen. S. Juli,(vig, Bericht.) In unserer klerikalen LaudiSparwi. die aus di, Entscheidungen der reichs- läudischen Volksvertretung einen weitgehenden Einfluß besitzt und zur Zeit auch zwei volle Drittel der 1ö Reichstagsmandate des .'audeS innehat, vollzieht sich gegenwärtig eine interessante Wandlung in der Stellung der leitende» Kreise zum gcsiniiuugs- verwandten altdeutschen E e n t r u m. So lange in der Partei die- eiligen Elemente die Oberhand hotten, die jede aktive Teilnahme an den Arbeiten des ReichSparlamentes in Berlin principiell ablehnten und sich in einer unfruchtbaren Schmoll» und«bstinenzpolitik er- schöpften, konnte den Führern die Macht- und Einflußlosi gleit ihrer Gruppe natürlickerwcis« nicht zum Bewußtsein kommen. Seit jedoch di» gewählten Vertreter der Partei, durch die schlimmen Erfahrungen lcwitzigt und yickt zum mindesten unter dem aufrüttelnden Eiildnick >er sociakistlscheii Wahlerfolge tm Lande, zu der Ueberzeugung ge- kommen find, daß der noch polittscher Freiheit und nach Gleich- tellung mit den übrigen Reichsangehiirigen verlangende» Be- völkerung Elsaß- Lothringens mit gelegentlichen Wohldenlonstrationen allein nicht geholfen ist, sondern daß es, um zu dem erstrebten Ziele zu gelangen, einer unablässigen, energischen Vertretung der Laiidcs- »iteresien an der berufenen Stelle de» Reichstages bedürfe, «it diesem Zeitpuntt beherrscht die Frage des engeren Au- chlufie« der Elsasser« Gruppe an die Fraktion des CentrumS sie tattffchen Diskussionen der klerikalen Landespartei. Die Ab- ifllhmg des letztjährigen„praktisch-soeialen KnrsuS" de» PolksvereinS llr das katholische Teutschland in der Hauptstadt de« Reichslandes ollte den gestnnungsoerwandten Elstiffern die ganze Macht und Äröße der deutschen Eentrumspartei gleichsam in Gestalt einer ivissen- 'chastlichen Parteiparade vor Augen führen, und in der That haben eit jeuer Veranstaltung die Befürworter einer engeren Fühlung mit >en Maiinei, Dr. Liebers im Lande enffchieden an Einfluß gewonuen. Die anläßlich der letzten ReichSiaaslvahlen erfolgte Ablösung der alten, iiitrai'stgenten Garde der Elsässer-Gnippe durch eine Anzahl üngerer Kräfte, die den bestehenden Zuständen mit etwa» unbefangenerem Urteil gegenüberstehen und an Stelle der bequemen Abstinenzpolittk der Alten den frisck-fröhlichen Kampf um die Befreiung des Lande« aus den Banden einer entwürdigenden Ausliahmegesetzgebung aufzunehnien entschlossen sind, hat diese Wandlung der Geister noch wesentlich gefördert, so daß der eudlicheii Verschmelzung der parlamentarischen Vertretung des reichsländlschen Klerikalismus mit derjenigen de» altdeutschen EentrumS die Wege geebnet scheinen. Bereit» befürwortet der in Stratzburg erscheinende „Elsäfier", das Organ de« einflußreichen Abb« Müller- Simonis, die neue Taktik der Partei, und polemisiert mit überraschender Schärfe gegen di« vorerst noch dissentiereiideii Elemente. Der endlich« Steg der„Jungen" ist kaum zweifelhaft. Damit aber wäre ein weiterer Schritt aus dem Wege des durch die Macht der politischen und socialen Thatsachen bedingten Ausgleichs mit den durch den Frankfurter Frieden geschlossenen neuen staats- rechtlichen Verhältnissen des Landes geschehen, und eS gehört die ganze taatSmännische Unfähigkeit deS System? Puttkamer dazu, um durch >ie Anfrechterhalwng eines selbst die versöhnlichsten Eleniente ver- bitternden Ausnahmezustande» diesen Entwicklungsgang immer wieder gewaltsam zu hemmen.— Ehroni»»er Majestätsbeleidkgungs-Prozesse. Bei der jetzigen Diskussion über di« Zuchthausvorlage kann den Arbeitern nicht genug Borficht gegenüber unbedachten Aeußcrungen annnpsohlen werden. DaS l'ewies wieder eine Ver- Handlung vor dem E I b e r f« l d e r L a n d g e r i ch t» in der sich der Riemendreher?lim. Maurer in Barmen wegen MajesiätSdcleidigung zu verantworten hatte. Anlätzlich des Ricmendrcher- Streiks hatte er auf der Werkstätte zu einem feiner ttollegen in Beziehung auf die Zuchthausvorlage sich zu einer den Kaiser beleidigenden Aeube» rung hinreisten lassen, was jedenfalls durch einen ihm feindlich ge° finntcn Kollegen zur Aeirntnis der Anklagebehörde kam. Die Ver- Handlung fand hinter verschlossenen Thüren statt und endete mit der Verurteilung des Angeklagren zu zwei Monaten Gefängnis.— Ueber die Unfähigkeit zu kolonisieren hat sich Professor B a st i a n. der bedeutende Ethnologe, zu einem Mitarbeiter der„Täglichen Rundschau" in bemerkenswerter Weise ge- änstert. Er sagte u. a.: «Wer Gelegenheit gehabt hat, sich in das Gedankenleben fremder Völker zu vertieien, dem wird sich sehr oft beim Ver- folgen der Nachrichten über die Ereigniste in den Kolonien der Gedanke aufgedrängt haben, dag die europäischen Völker in ihrer Koloirialpolitik mit Kanonen nach Sperlingen schießen. Trotz der bedeutenden geistigen Ucberlegenhcit, die sie gegen- . über dem größten Teil der afrikantschcn und asiatischen Völkerstämme besitzen, haben sie eS i n d e n seltensten Fälle n verstanden, diese g e i st i g e Ueberleaen- heit jenen Völkerschaften gegenüber in richtiger Weise zur Anwendung zu bringen. Ob die„Wilden" bessere Menschen sind, wie der Dichter meint, muß dahingestellt bleiben, das eine ist aber zweifellos, daß sie sich selber dafür halten, und jede Mißachtung ihrer, in ihren Auge» mit einem qe- heiligten Nimbus umgebenen Traditionen verletzt sie aufs tiefste in ihren religiösen Gefühlen. In den allermeisten Fällen hatten die Verwaltungsbeamten der europäischen Staaten, welche als „Träger der Eivilisation" zu jenen Völkern gekommen sind, keine Ahnung von"'ihrer Anschauungsweise, sie sahen daher durch ihre europäische Brille das uatur- wüchsig Berechtigte zumeist zu wirren Sinnlosigkeiten verzerrt. Es gab Mißverständnisse, Konflikte, bis sich schließlich die Köpfe erhitzten, es zu Aufsässigkeiten und Aufständen kam und als ultimo. rotio sletztes Mittel) die Kanone da? entscheiden deWort sprach, während oft ein klein w e n i g V e r st ü n d n i s der betreffende» Beamten für die Anschmaingsweise jener Völkerschaften genügt hätte, um alle diese Mistverständiiisse und Konflikte zu vermeiden, die schließlich doch nur für die Europäer mit schweren Kosten an Gut und Blut verknüpft waren. „Und doch ist es geradezu ein Kinderspiel, den Wilden um denFiuger zu wickeln; das beweist das Betspiel ihrer Schamanen und Medizinmänner, die durch ein paar läppische Gaukeleien, durch welche sie sich über das Durch- schnitts-Niveau erheben, die große Menge ihrer Mitmenschen so am Zügel halten, daß sie sie despotisch knechten und in Fesseln schlagen können. „Innerhalb seines engen Horizontes denkt der Wilde streng logisch, aber sein Gedankengang ist kümmerlich und er wird von beniminten Vorstellungen tyrannisch beherrscht. Tappt man auf das Geradewohl in diesen Vorstellungskrcisen, in sein Gedanken- leben hinein, kommt er aus dem Häuschen, wird schließlich nnzurechnungsfahig und geberdet sich. wie ein wildes Tier, das nur durch Gewaltmaßregeln bewältigt werden kann. Wer sich die Mühe nimmt, ihn nur eine Weile zu beobachte» und seinem Gedankengange zu folgen, der wird gar bald seine Schwächen er- kennen. Dort, wo seine Logik aufHort, muß man ihn fassen, und dann ist e» auch ein leichte«, mit ihm fertig zu werden und jeden Widerstand seinerseits zu beseitigen. „Der Kolonialbeamte, der unsere vitalsten Interessen, unsere Handelsinteressen vertritt, in dessen Hand Wohl und Wehe von Hunderttausenden gelegt ist, weiß meistens leider kein Sterbens- wöttlein von jener doch so einfachen Gedankensprache jener Völker. SS nützt nicht», daß er Jurist ist, denn er weiß nicht, was diese Menschin als Recht betrachten, und das wäre doch das wichtigste. Die ganze gegenwärtige Kolontalpolitik krankt an der uu- genügenden Vorbereitung feiner ttolonialbeamten und an der ungenügenden Kenntnis der Bedürfnisse jener Länder und der Sitten und Gebräuche ihrer Einwohner, mit denen wir im Handels- verkehr stehen." Der Gelehrte schließt seine Betrachtungen mit dem Hinweis aus da? Wort, daß Wissen Macht sei. Aber daran fehlte eben bei den in der Schule Bismarcks herangebildeten Leuten. Wissen ist diesen Herrchen Unsinn. Auf Schneidigkeit kommt's allein an. Man muß diesen farbigen Bestien imponieren, und dazu bedarf man Pulver und Bletl AuS dieser Schule stammen die PeterS, Leist und ander» Sivilisatoren.— Ausland. Oeftreich- Ungarn. Die NanstSkatio» der Wiener„Arbeiter- Zeitung" am Sonnabend erfolgte nicht, wie vermutet wurde, ivegeu des Abdrucks der Entgegnung der Jnnsbrucker Bürgerschaft gegen daS anmaßende Auftreten des B rixener Fürstbischofs, sondern weil sich die Polizei durch einige Stellen auS der Interpellation de« Gemeinderats Dr. Brix über das Verhalten der Polizei bei der jüngsten Arbeiter- demonstration beleidigt fühlt«. Außer der„Arbeiter« Zeitung" wurden noch einige Blätter konfisziert, während in anderen die Brixsche Jnterpellarion ganz unbeanstandet erscheinen konnte. Beim Wiener Staatsanwalt ist alle» möglich.— Wien» 0. Juli. Di« für morgen abend in fast allen Bezirken Wien« einberufenen socialdemokratischen Versammlungen mit einer gegen die Wahlreform gerichteten Tagesordnung find seitens der Behörden untersagt worden. Durch derartige ungesetzliche und verbrecherlsche Maßregeln gegen die um ihre Rechte kämpfenden Arbeiter wird der Erbitterung noch mehr Nahrung gegeben und die ernste Situation in Wien noch ernster gestaltet werden.— Wien, 10. Juli.(Boss. Ztg.) Etwa tausend Arbeiter veranstalteten gestern vor der Sommerfrische des Bürger- meister-Stellvertreter« Strobach in Kalksburg, der jüngst die socialdemokratischen Arbeiter„Diebesgesindel" genannt hat. eine Kundgebung. Die Arbeiter riefen:„Nieder mit Strobach, nieder mit Lueger I"„Nieder mit den Wahlrechträubern I" Die Gendarmerie machte einen Bajonettangriff gegen die Menge, die beim Zurückweichen eine Holzumzäunung durchbrach, wobei mehrere Personen in» Wasser fielen. Mehrer« sind verletzt; einige Arbeiter verhastet.— Frankreich. Begnadigung. Der italienische General«iletta, der kürzlich wegen Spionage zu fünf Jahren Gefängnis v mitteilt wurde, ist anläßlich des bevorstehenden Nationalfcstes begnadigt worden. Dagegen hat der Ministettat beschlossen, den Baron Ehristiani, der wegen gewaltthätigen Eindringen» auf den Prästdenlen Loubet verurteilt worden ist, noch nicht zu begnadigen, weil die Be- gnadigung der Regierung als Zeichen der Schwäch« ausgelegt werden würde. Der Präsident selbst war für die Begnadigung.— PariS, 9. Juli. Der frühere italienische Gesandte Reichman ist gestern in seiner Wohnung in Paris gestorben. Das Blatt „Evenement" versichert, dieser Tod sei von geheimnisvollen Umständen begleitet. Drei Personen hätten eine Haus- suchung bei dem Verstorbenen abgehalten und seine Papiere, sein Testament und sein bares Geld mitgenommen. Die Untersuchung sei eingeleitet worden. Paris, 10. Juli. Wie aus Renne» gemeldet wird, hat Dreh- f u S um Anfertigung einer HauptmannSuniformder Attillerie gebeten, um in ihr vor dem Kriegsgericht zu erscheinen. Diesem An- suchen wird entsprochen werden. „Aurore" fordert in einem gehannsttiten Artikel die Versetzung des französischen Gesandten in Brüssel. G i r a r d. wegen seiner betamiten Beziehnnge» zu dem Prätendenten Vittor Napoleon und wegen seiner antirepublitanische» Gesinmmg. iir Italien. Rom, 10. Juli. Bei einer Versammlnng der hervorragendsten Mitglieder der parlamentarische» Mehrheit, an welcher sich auch Sonnino beteiligte, wurde die innerpolitische Situation erörtert und konstatiert, daß Pelloux nicht im stände sein werde, die neue Session zu eröffnen, da die Obstruktion entschlossen ist, sogar den feierlichen Akt der Thronrede zu stören. Es cirkulieren Gerüchte, daß Pelloux zurücktreten werde.— Serbien. Das Attentat. Aus Belgrad wird telegraphiert: Der Attentäter Knezcwitsch gesteht vollkommen seine Schuld e i n und sagt aus, er s ei von angesehenen Radikalen gedungen worden. Die andern Angeklagten leugnen beharrlich. es sind aber belastende Schriftstücke, namentlich hinsichtlich deS Petersburger Gesandten Grnitsch, gesunden worden. Mehrere höhere Geistliche sind verhaftet worden. Ancli außerhalb dex Hauptstadt werden Schritte gegen radikale Persönlichkeiten eingeleitet. Die meisten Staatsoberhäupter beglückwünschten König Alexander. Das Attentat wird also gehörig„frnktifiziert". Milan benutzt die prächtige Gelegenheit, nicht nur seine alten politischen Gegner niederzuwerfen, sondern der niedrigsten Privatrache freien Lauf zu lassen.— Aus Englaud. Der liberale Wichisieg. in Olhham. Mawdsleys Lrrtu«, die Arbeiter fliiimien gegen den Torvgewertschaftler Ucbertritt eine» konservativen Abgeordneten zur Opposition.— Das HauS der Gemeinen Riebt die Ver- tretung der Frauen in den DlstrikwiKte» preis. Radikale stimmen mit den Lords wider die Frauen.— Sompeernit in der Transvaalstage in Sicht. Krügers ueneste Zugeständinsse. London, S. Juli. Die Nachwahl in O l d h a m hat den Liberalen einen Doppelsteg gebracht. Ihr« Kandidaten wurden mit durchschnittlich 1410 Stinmien Mehrheit über dle der Konservative» gewählt. Da die Mehrheit der letzteren lst95> sich ans 00s Stinmien belies, ist der Umschwung ein ziemlich bedeutender. Etwa tausend Wähler sind vom koitservativen ins liberale Lager abgeschwenkt. Die bemerkenswerteste Seite des Wahlergebnisses ist die Nieder- läge James MawdSleys. Der mizweifelhaft sehr fähige und um die Gewerkschaft der Spinner und den Verband der Textilarbeiter sehr verdiente Mann hat in dieser Fabrikstadt nicht nur weniger Stimmen erhalten wie seine beiden, der Kapitalistenklassc angehörenden liberalen Gegner, sondern auch wie sein aristokratischer Rebenkandidat. Statt als erster, steht er mit 11 449 Stimmen als letzter aus der Liste, an deren Spitze der liberale Fabrikant Eminot mit 12 970 Stimmen steht. Der erste ernsthafte Versuch, eiiien zur konservativen Partei stehenden Gewerlschaftssiihrer ins Parlament zu bringen, ist fehl- geschlagen. Allerdings scheint sich Mawdsley erst im Verlaufe des Wahl- kämpf« davon überzeugt zu haben, in welche unmögliche Position sich ei» Arbeiterführer bringt, der offiziell für die konscrvative Partei kandidiert. Ist die Partei auch nicht in dem Sinne realtionär, wie die sich konservativ nennenden preußischen Junker samt Allürteii, sondern gar eine Partei des„gemäßigten Fortschritts", so ist sie bei alledem doch die Aufrcchtcrhalterin der Rechte der erblichen Kamnier, der Staatskirche, der Juristenzttnft und ähnlicher Körperschaften, die Vertreterin aller festgelegten Rechte und die Herberge des säbelrasselnden Jingotums. Für eine solche Pattei zu kaudidieren, heißt gauz etwa« andere«, als gelegentlich für sie gegen die liberale Partei zu stimmen, die mehr verspricht als sie zu halten entschlossen und in der Lage ist. MawdSIetT wollte sich mit der Erklärung ans der Verlegenheit ziehen, die Konservativen unterscheiden sich nur dadurch von den Liberalen, daß sie etwas weniger heuchelten als jene, indes solche SarknSinen verfehlen ihre Wirkung, sobald es sich um einen wirklichen Kampf handelt und konkrete Fragen zur Entscheidung stehen. Im politrschen Kreuzverhör, dem hier die Kandidaten in den Wahlversammlungen von seiten der Wähler nnterworfen werden, und in dessen Handhabung diese oft ein wunderbares Geschick eutfalien, ver- wickelte sich Mawdsley in allerhand Widersprüche, während ihm eine Anzahl liberaler Gewerkschaftsführer feindselig entgegentraten und verschiedene Zweigvereine des Textilarbeiter- Verbandes ihn entschieden desavouierten. Was aber Mawds« lcy vollends den Hol« brach, sind die vielen Fehlgriffe, welche die konservative Regierung in der letzten Zeit begangen hat, und die selbst in den Reihen ihrer getreuesten Anhänger bittere Verstimmung erregt hat. Ein drastischer Beweis für dies« Verstimmung ist der N e b e r- tritt des Abgeordneten für Gtockport, G. W h i t e l e h, zur Opposition. Whiteley hatte seinem Wahltontitee seine Resianatton übersandt, weil er nicht mehr im stände sei, für die Regierung zu stimmen, das konservative Komitee hat ihn aber ge- beten, sein Mandat trotzdem iveiter auszuüben— ein Beweis, wie ivettig Vertrauen er in eine Neuwahl setzt. Am gleichen Tage, wo der Regierung die beiden Sitze in Oldham verloren gingen. vollzog Hett Whiteley den emgekimdigten Ucbertritt und nahm ans den Bänken der Radikalen. neben John Burns, Platz. Im ganzen haben die Liberale» seit 1895 fünfzehn Mandate gewonnen und drei verloren, und wenn mau fich an die Stimmenzahlen hält, so stellt fich in den fünfzig Wahlkreisen, in denen seit 1895 Nachwahlen stattgefunden haben, das Verhältnis wie folgt: Vor den Nachwahlen Nochwahlen Stimmen der Konservativen 216 783 215 406 . Liberalen 200040 229 226 Mehrheit: 16 748 13"820 konservativ liberal AuS einer konservativen Mehrheit von nahezu 17000 Stimmen ist eine liberale Mehrheit von nahezu 14000 Stimmen geworden. Kein Wunder, daß die Liberalen jubeln. Sie geben sich der Hoff« nung hin, auch das Mandat für Ost-St. Pankraö(London) zu er- oberir, das soeben vakant geworden ist, ES ist dies ein stark von Eisenbahnarbeitem, Kohlenträgern it. bewohnter Wahlkreis in der Nachbarschaft zweier großer Bahnhöfe des nördlichen Londons, der Kandidat, Mr. Costellon, ist ein progressistisches Mitglied des Londoner GrafschaftSrats.— Das Haus der Gemeinen hat in der Frage des Stimm- rechts der Frauen zn den Londoner Distriktsvertretungen schmählich kapituliert. Mit einer Mehrheit von 69 Stimmen(243 gegen 174) hat es in die Aufhebung seines Beschlnffeö eingewilligt, der den Frauen Sitz als Räte und Aelteste in dem neuen Bertretungs- körper einräumte. Minister Balfour. der persönlich für die Zulassung der Frauen ist, erklärte, e« sei hoffnungslos, die Lords zum Ab« gehen von ihrer Ansicht zu bewegen, und so sei das Zustande» tommen des gonzen Gesetzes gefährdet, wenn das Haus der Ge- meinen nicht klein beigebe. Das genügte, einige 70-— 80 Abgeordnete zum Umfall zu bewegen. Die Masse der Liberalen und eine kleine Sektion der Konservaliven hielten an dem alten Beschluß fest, doch stimmten auch einige Radikale mit der Regierung, unter ihnen Sir Henry Labouchere. Der sonst den Lords gegenüber fich so feind- selig gcberdende Herausgeber des„Truth" gab hier principiell das Recht der Lords gegen die Gemeinen zu, bloß um da« weibliche Element ans den Gemeinderäten fernzuhalten. Dabei bandelt eS sich um ein Reckt, da» die Frauen bis zu einem gewissen Grabe schon innehatten; sie dursten bi« jetzt in den Londoner VestrieS sitzen, und ihre Vertreterinnen baden fich dott durch ihren Pflichteifer und ihr verständni« allgenteine Anerkennung erworben. DaS neue Gesetz nimmt ihnen die» Recht einzig und aLein darauf- hin, daß die DistriktS-Muiiiripalitäten. die an die Stell, der Veflrie« i| treten, einige Vollmachten erhalten, die jene noch nicht hatten. In diesen Vollmachten liegt da« ganz» bischen Fortsck..t, das das Gesetz repräsentiert, und diese kleine Gabe kann die Regieeung nicht dar- bieten, ohne sie mit einer offenbar rückschrittlichen Maßregel zu ver- kuppeln. Wohl haben daher die liberalen„Daily News" recht, wenn sie den Radikalismus des Herrn Labouchere, der diesem Handel seinen Segen erteilt, als ein sehr komisches Gewächs bezeichnen. Selbst das konservative Abendblatt„Evening NewS" be- zeichnete den Ausschluß der Frauen aus der Genieinde- Vertretung für reaktionär, mehr noch als gegen die Frauen, gegen die ärmere Bevölkerung gerichtet, deren Interessen die weib- ltchetr Vcstrymilglieder bisher mit großer Wärm« wahrgenommen hätten. D!e Nachwahl in Osgoldcrop, Norkshire, wo ein liberaler Temperenzler gegen einen liberalen Gegner des lokalen Veto kandidierte, hat die Wieberwahl des letzteren mit über zwei Drittel Mehrheit ergeben. Immerhin erhielt der Temperenzler, Mr. Roberts, 2873 Stimmen, mehr als die Hälfte der Stimmen, mit denen der Liberale im Jahre 1898 erivählt worden war. Zieht mait� davon die Stimmen der konservativen Temperenzler und der Socialtsten ab, die für Mr. Roberts eintraten, und von den Stimmen des Siegers die der konservativen Gegner des lokalen Veto, so wird man an- nehmen könneit, daß die rein liberalen Stimmen sich halbierten. Dies zeigt, wie stark in vielen Gegenden die Eitthaltsamkeitspartei im liberalen Lager ist.— Jnz der Transvaalfrage scheint ein Kompromiß jetzt so gut wie sicher. Die Zugeständnisse, zu denen Präsident S t e y u vom Oranje Freistaat und Mr. Hofmeyr, der Führer des Asrikaander Bundes, Präsident Krüger bewogen haben, gehen weit genug, um es der englischen Regierung zu ermöglichen, ohne Ein- büße an ihrem Ansehen ihre Zustimmung zu erteilen. Alle schon naturalisierten sowie alle seit 1891 niedergelassenen Einwanderer sollen danach sofort volles Bürgerrecht erhalten. Allen übrigen „Ausländern" soll nach sieben Jahren Niederlassung ohne vorher- gegangene Naturalisterimg oder nach fünfjähriger Niederlassung bei zwei Jahre vorher erfolgter Natttraltsierung Bürgerrecht gewährt werben; der Goldminen- Distrikt soll vier zusätzliche Mitglieder in beiden Räten erhalten. Das ist nicht buchstäblich alles, was Sir Alfred Milner verlangte, aber weit mehr, als Prästdent Krüger ihm zugestand. Die Erwägtntgen, welche die beiden Kap-Hollönder antrieben. Krüger zur Nachgiebigkeit zu bewegen, sind nicht weit zu suchen. Ein Zweffcl, daß England ernst machen würde, war ausgeschlossen, ein wirtlicher Krieg in Diidnsrika würde aber dort fast allerorts die Negergesnhr zu einer brennenden machen, am stärksten vielleicht gerade im Oranje Freistaat. Dies berücksichtigt zu haben, gereicht übrigen« den ge- namiten Staatsmännern keineswegs zur Unehre. Vielmehr trifft diejenigen englischen Jingos der schärfste Tadel, die mit einem Los- lassen der Neger ans die Buren gedroht haben. Gerade bei ihnen war Sympathie mit den Negern der letzte Beweggrund ihrer Gegner- schaft gegen die Bureii-Republik.— Ueber die Aufnahme, welche die obigen Abmachungen ans seiten der englischen Regierung gefunden haben,. ist bi« zur Stunde noch nichts bekoimt. Außer dem von der socialdemokratischen Föde- ration ans morgen(Sonntag) nach Trafalgar Square einberufenem Meeting wird Montagabend eine Versammlung in der St. Martins Town Hall gegen jede Gewattamvendung wider die Buren Protest einlegen.—_ Davtei ctu Der diesjährige Parteitag der socialdemokratischen Partei der Provinzen O st- und We st Preußen findet am 3. und 4. September im Etablissement Danziger Bürgergarten zu D a n z i g statt._, Der Vi. Jahrestougrefi der französische» Arbeiterpartei ist zum 13. August nach Epernay einberufen. In Aussicht ge- nommen sind vier Tage; am 17. August schließt sich ein Kongreß der socialdemokratischen Kommunalvertreter an. Die vorläufige Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: Bericht des Nationalrats und der auf dem Kongreß vertretenen Organisationen; die Partei im Parlament und int Lande(Kammerfraktion, Einignngskommisfion, Preßkommission?c.); der internationale Kongreß und sein« Tages- ordnung, wie sie ans der Brüsseler Konferenz vereinbart ist; die Mrinizi'palwahlen von 1900; die Gewerbegerichte und Organisation und Agitation der Partei. Vvlijeiliche»,(Scrichlliches usw. Genofle WaberSky, Redacteur des„Hamburg. Ecko", hat am Somttag in der Raboisemvache eine Gefängiiißstrafe von 8 Vtonaten angetreten, die ihm ivegen Beleidigung der Hambnrger Polizeibehörde zuerkannt ivorden ist. Die Beleidigung wurde gefunden in einem in gutem Glaubett in das„Echo" aufgenommenen Bericht über die Verhaftung eines BergedorserLArbeittri, den letzterer selbst aufgegeben hatte, der sich aber hinterher als falsch erwies. Wenn Graf Posadowsty, so bemerkt das„Echo" dazu, als verantwortlicher Redacteur der Denkschrift zur Zuchthausvorlage für alle die ihm aufgehängten notorischen Unwahrheiten, die er in gutem Glauben ausgenommen, in gleicher Weise büßen müßte, wie unser Genosse Wabersly im vorliegenden Falle, er käme ans Jahr und Tag nicht au« dem GefänginS heraus. GewevkjAzsftluijes. Deutsches Reich. „Die Ameise", OrgandesVerbandesderPorzeklan« arbeiter, erscheint mit Beginn dieses Qnattals in verändertem und vergrößertem Gewände. Das Titelblatt enthält ein Bild, auf dem die verschiedenen Thätigkeiten des Berufes dargestellt sind. Der Inhalt der Zeitung, die von nun ab mit einer Beilage erscheint. wird entsprechend den Beschlüffen der letzten Generalsammlnng des Verbandes vermehrt werden. Der Streik der Maurer und Bauarbeiter in Halle a. S. dehnt sich noch immer weiter aus. In die Streiklisten der Maurer hatten sich bis heute morgen 800 Mann emzeichnen lassen; die Zahl der streikenden Bauarbeiter ist auf 329 angewachsen. Die Lage des Streiks ist als eine sehr günstige zu bezeichnen, da fast gar kein Zuzug zu verzeichnen ist. Das Liebeswerbeu der Meister scheint im Lande vorläufig noch keinen Erfolg gehabt zu haben. In anderen Städten ist Arbeit genug vorhanden, so daß täglich eine größere Anzahl Streikender abreisen kann. Die Herner Unruhen»md der Verein für die bcrgban- liche» Juteresse» im Oberbergamts-Bezirk Dortmund. Die genannte Unternehmer-Organisatiou hat am Sonnabend in Dort- m u n d ihre diesjährige Generalversammlung abgehalten. Vor Eintritt in die Tagesordnung sprach sich der Vorsttzende Geh. Rat I e n ck e über die Hemer Streikbewegung u. a. wie folgt aus: Der Streik sei als ein Vertragsbruch der durch Agitatoren aufgestachelten Arbeiterntenge zu bezeichnen. Stichhaltige Gründe zum Streik lagen und liegen nicht vor, weil die Löhne der Arbeiter seit Jahren im Steige» begriffen sind und bei der anscheinend anhalteiiden Konjunktur auch beibehalten werden. Es hat sick nichts unberechenbarer erwiesen als ein Teil der Arbeiterbevölkerung. In Kreisen der Handwerker und Industrien machten sich viele Avsstands- bewegnngen bemerkbar, ohn« daß jemand wüßte, warum? Einige wenige Motte von Agitatoren genügten, um die Arbeiter zur Pflicht- Verletzung zu veranlassen. Dies zeigte fich auch in Herne. Sofort griffen größere Unruhen um sich, welche trotz der Thätigkeit der Orts- behörden nicht unterdrückt werden konnten, sodaß Militär herbeigerufen werden mußte, um die gesetzlichen Zustände wieder herzustellen. Redner dankt der Civil- und Militärbehörde für ihr Eingreifen. Durch die Herner Borgäng« ist die Frag« d«» Schutze» der Arbeitswilligen akuter geworden, nI3 bisher; unzweifelhaft mutz in dieser Richtung etwas geschehen. Ganz geWitz wollen wir, die Industriellen, die Koalitions- frciheit nicht antasten, trotz gegenteiliger Meinung auf der Gegenseite. Wir werden ganz gcwitz nicht irgendwie an der Koalitionsfreiheit rütteln, aber von der Koalitionsfreiheit geht ja kein gangbarer Weg zum Koalitionszwang. Redner bedauerte. datz die Vorlage zum Schutz der Arbeitswilligen eine so schroffe Abweisung im Reichsrage erfahren habe und nicht einmal der Versuch gemacht sei, sich mit der Regierung über einen entsprechenden Gesetzentwurf ins Einvernehmen zu setzen. Auf Befragen spricht die Versammlung ihr E i n v e r- st ä n d n i s mit den Ausführungen des Redners aus. Hier wird also wieder der Versuch gemacht, die traurigen Er- eignisse um H e r n e für den Zuchthanskrirs und die Knebelung der Arbeiterklasse zu frultifizieren. Es wird das den Scharfmachern in diesem Falle aber doch nicht gelingen. Es ist zu offenkundig und mutzte sogar von der bürgerlichen Presse, soweit sie noch etwas auf politischen Anstand hält, zugegeben werden, datz weder die gcwerk- schaftlich, noch die politisch organisierten Arbeiter mit dieser Bewegung etwas zu thun gehabt haben. Es ist festgestellt, datz die bekannten Führer der Bergarbeiter und namentlich auch das Verbandsorgan ganz energisch vor dem Streik gewarnt haben. Noch weniger natnr- lich kann die klassenbewntzte Arbeiterschaft verantwortlich gemacht werden für die Handlnnge» einer undisciplinierten, von den Unter nehmern ausgebeuteten, in Elend, Unterdrückung und Dummheit gehaltenen Masse. Das Unternehmertum hat hier lediglich die Früchte seiner Herrschsucht und Ausbeutungssucht geerntet. Uebcr die„st i ch h a l t i g e n G r ü n d e" zum Streiken an sich sind wir allerdings auch ganz anderer Meinung als Herr I e n ck e Wir wollen des näheren für heute nicht darauf eingehen, erinnern aber, datz wir schon wiederholt den Nachweis geführt haben, datz seit Jahren wohl die Unternehmerprofite im Kohlenbergbau ungeheuer gewachsen sind, datz aber demgegenüber die Arbeitslöhne eine lächerlich geringe Steigerung erfahren haben. Vo» den Opfern der Herner Unruhen. Das Befinden des im Krankenhause befindlichen dritten Schwcrvcrwundcten der Ltratvalle soll nach der„Herm. Ztg." durchaus kein gutes sein, so datz der Tod noch ein dritres Opfer fordern wird. Inzwischen ist die Zahl der Verwundeten auf ca. achtzehn festgestellt und die Behörde vermutet, datz die Gesamtzahl, inklusive der inzwischen Abgereisten, sich auf 30 erstrecken wird. Nachdem nun am Sonnabend das Militär aus Herne so- wohl, als auch aus Recklinghausen zurückgezogen ist. ist üutzerlich die Ruhe ja vollkommen wiederhergestellt, aber das scharfe Vorgehen hat in den beteiligten Proletariermasscn ohne Zweifel eine Menge Hätz und Wut gegen die herrschenden Klassen gezeitigt. Mögen diese durch vernünftige Matznahmen dafür sorgen, datz diej'er Zünd- stoff beseitigt werde. In der Kammgar«- Spinnerei z« M.- Gladbach sind die Spinner und Anleger ausständig. Ihre Forderungen sind: Menschenwürdige Behandlung, wie solche in der Fabrikordnung vor- gesehen ist. Die zur Verhandlung mit den Fabrikanten gewählte Kommission wurde von denselben in schroffster Weise abgelehnt mit dem Bemerken: Wem's nicht patzt, könne gehen. Sämtliche Ans- ständige sind organisiert; kein Mann ist zur Arbeit zurückgekehrt. Der Zuzug ist fern zu halten.— Sämtliche deutsche, französische belgische und östreichische Arbeiterzeitungen werden um Abdruck gebeten. Zur LohnbeUieguiig im Wuppcrthalc. Die Lohnkommission der E l b e r f e l d e r und Barmer Zimmerer hat dieser Tage mit den Meistern verhandelt. Die Forderungen der Gesellen wurden von den Meistern fast durchweg bewilligt, nur wollen sich die Meister nicht auf ein Jahr festlegen, wie cS die Gesellen verlangen und deshalb zerschlugen sich die Unterhandlungen Die Varmer Schnhmachergcsclle» beabsichtigen ebenfalls in eine Lohnbewegung einzutreten, indem sie folgende Forderungen an die Meister zu stellen gedenken: Zehnstundentag, 33 Pf., Minimal stundenlohn, Ueberstunden 40 Pf. und für Nachts- und Sonntags arbeit 60 Pf., und Abschaffung von Kost und Logis beim Meisler. Der Dresdener Maurcrstrcik unvdie Polizei. Aus Dresden wird uns geschrieben: Bei der bekannten Schneidigkeit der sächsischen Polizei war vorauszusehen, datz von ihr die Streikenden verant- wortlich gemacht werden würden für den bedauerlichen Vorgang, der fich, wie schon berichtet, auf dem Schulhausneubau in Löbtau ab- gespielt hat. So ist es auch gekommen. Man hat aufs Gerateivohl einen Streikenden in Löbtau, der beim Streik«ine gewisse Rolle spielte, herausgegriffen und auf der Polizei auf dem Löbtauer Rathaus in peinliches Verhör genommen. Trotz Betenrung seiner Unschuld soll dem Manne, wie ihm versichert wurde, wegen Verdachts der Thäterschaft bezüglich jenes Vorganges der Prozetz gemacht werden. Man hat ihn zwar wieder freigelassen, iveil ihm eben auch nicht das geringste Strafbare nachzuweisen ist, aber die Polizei forscht eifrig danach, was er in den letzten Tagen irgend andern gegenüber geäuhert hat. Die Schand- that auf dem Schulbau wird hier allgemein für bestellte Spitzel- arbeit gehalten. Ein grosser Schnciderstreik droht in München anSzii brechen. Dort hat sich vor kurzem ein Ring der Schneider- meister gebildet mit dem ausgesprochenen Zweck, Front zu machen gegen die„unberechtigten" Forderringen der Gehilfen. Der Ring hat mit dem 1. Juli eine eigene Zeitung„Gewerbeschutz" herausgegeben, die namentlich den „matzlosei» Terrorismus der socialdeniokratischen Heyer" und dem „Auswüchsen des Koalitionsrechts" entgegen arbeiten soll. Die fernere Thätigkeit des Ringes bestand darin, datz er einen Lohn- tarif ausarbeitete, der vor einigen Tagen in der Oeffentlichkeit bekannt wurde. Die darin festgesetzten Lohnhöhen bedeuten einen Abzug von zwei bis sechs Mark pro Stück. Der Tarif sollte den Gehilfen am vorigen Sonnabend aufoktroyiert werden. DaS Vorgehen der Unternehmer hat aber auf feiten der Gehilfen eine solch' grotze Entrüstung hervorgerufen, datz eine an, Freitagabend einberufene Versammlung, welche eines autzerordentlich starken Besuches sich erfreute, die Arbeitsniederlegung in allen Ge- fchäften beschlotz, falls die Meister den Tarif einzuführen versucht hätten. Diese haben nun vorläufig den Tarif zurückgezogen und sich bereit erklärt, am Mittwoch mit den Vertretern der Arbeiter zu unterhandeln. Ausland. AuS Brünn wird der„Wiener Arb.- Ztg." berichtet, datz nun auch die Anbin der der Kammgarnspinnerei die Arbeit wieder aufgenommen haben, nachdem ihnen eine Lohnerhöhung von 10 Kreuzer täglich bewilligt worden ist.— Schon wird aber wieder ein neuer W e b e r a u s st a n d aus Stern berg gemeldet. Dort haben in einer Baumwollweberci 260 Arbeiter und Ar- beiterinnen die Arbeit niedergelegt. Sie fordern die zehnstündige Arbeitszeit und Lohnerhöhung um 10 Prozent. I« Budapest sind 1000 Tischler unter der Forderung einer 10 prozentigcn Lohnerhöhung und eines Arbeitstages von SV» Stunden in de» Ausstand getreten. Aus der Arbeiterbewegung in Russisch-Pole». Die Mai- feier und die damit verbundene grotze Verbreitung der Partei- litteratur(Aufrufe, Broschüren und Zeimngenj haben ohne Zweifel viel zu der in der letzten Zeit sich kundgebenden Belebung der Arbeiterbewegung beigetragen. Nutzer dem Streik in der Spinnerei von Dietl.' der durch das Heer gedämpft wurde(wovon der„Vorwärts" schon berichtet hat), haben wir noch die Streiks in den Bergwerken„Grodziec" und„Michal". in der Zinkhiitte„Paulina" in der„Hnta Bankowa"(die Hochofen-Arbeiter), in der Spinnerei von Schön und in der chemischen Fabrik in Zombkolvice zu erwähnen;— alle mit dem Siege der Arbeiter beendigt. In der nächsten Zukunft lätzt sich unter den Bergleuten der grvtzereu Bergwerke des Kreises Dombroiva-Sosnowice eine be- deutende Streikbewegung erwarten. Die Stimmung ist so gespannt, datz nur die strenge Paneidisciplin im stände war, den Streik in dem Bergwerk„Mortimer" aufzuhalten; man hat beschlossen, noch einige Zeit zu warten, nm mit den zwei zu derselben Gesellschaft gehörende» Berg- werken:„Niwka" und„Milsnnce" zusammen die Arbeit einzustellen. — Im Juni ist Nr. 9 von„Gönnt" erschienen, einer für den Kreis Dombrowa-Sosnowice bestimmten, geheim erscheinenden Zeitschrift, die unter den Arbeitern in wenigen Tagen vergriffen wurde.— In Warschau unifaht die Sfteikbewegung eine ganze Reihe von Handwerken(Lackierer, Schreiner, Klempner, jüdische Schuhmacher, Sattler, Schmiede jc.) Das Warschauer Arbeiterkomitee hat für die Arbeiter jeder dieser Branchen einen Aufruf ausgegeben, worin die Forderungen der Arbeiter formuliert wurden,— hauptsächlich die Verkürzung der Arbeitszeit. Dank der guten Organisation werden diese Streiks gewöhnlich mit dem Siege der Arbeiter geschlossen.— Aber von größter Bedeutung ist die Wiederbelebung der Arbeiterbe>vegnng in Lodz, wo nach dem gransamen Blutbade in 18S2, in welchem einige Dutzend Arbeiter getötet wurden während des ungeheuren Streiks von 40 000 Ar- Veiten,,— die bis dahin sehr lebhafte Bewegung in voll- komnicnen Stillstand geraten ist. Heute haben wir zu berichten von der Erscheinung des ersten Aufrufes des Lodzer Arbeiterkonntccs seit der Existenz der Socialistischen Partei Polens(d. h. seit 1892).— Man kann wohl die Hoffnung hegen, datz in der nächsten Zukunft die Arbeiterbewegung im „polnischen Manchester" eine diesem Ort gebührende Stelle neben der Warschauer und Donibrowaer Bewegung einnehmen wird. Ssrittle?. Vom Tchlachtfelde der Arbeit. Ein schrecklicher llnfall er- eignete sich am 7. Fuli vomnttags in dem G r a u i t- S t e i n b r u ch der Leipziger Firma Hartwig in L ü tz i g bei Würzen. Drei Steinbrecher, welche das Sprengen von Fclsblöcken vorhatten, ladeten zn diesem Zwecke das Bohrloch mit Sprengstoffen und be- gaben sich zum Frühstück. Da während desselben der erwartete Schutz nicht losging, wollte man sich vo» der Ursache desselben überzeugen; in diesem Augenblick ging der Schutz los und grützlich ver- stümmelt fand man die drei Männer, zwei als L eichen und einen Schwerverwundeten. Die Getöteten, wo- von der eine 46 Jahre und der andere 26 Jahre alt, hinterlassen Familie, einer eine mit acht, der andere eine mit zwei Kindern. An ein Aufkommen des schwer verletzten dritten wird stark gezweifelt. Dieser ist verheiratet und hat sechs Kinder. Derartige Unglücksfälle sollen, wie uns geschrieben wird, in Steinbrüchen durchaus nicht zu den Seltenheiten gehören und schon mancher brave Arbeitsmann hat dadurch seinen Tod gefunden. Man sollte meinen, datz sich Mittel und Wege finden lictzcn, solche Fälle zu vermeiden. Bei Kanalisicrungsarbeiten auf dem Friedrichsplatz zu Brom berg stürzte nm Montagvormittag infolge des Durch- sickcrus von Triebsand eine abgesteifte Bretterwand zusammen. Zwei Arbeiter wurden getötet. Ein Aerztestrcik droht in K o n st a n z auszubrechen. Tie Vcrsicherungsärzte der ftädtiichcn Krankenkasse soivie die Armenärzte verlangen„Lohnerhöhung" und haben dem Stadtrat kurzer Hand erklärt, sie würden ihre Thätigkeit vom 15. Juli ab einstellen, ivenn bis dahin ihre Forderung nicht bewilligt sein werde. Der Stadtrat hat die Forderung abgelehnt und will nötigenfalls zwei andere Aerzte engagieren. Landarbeitcrflllcht. Ein großer Meuschenanflanf entstand vor einigen Tagen, ivie die„Franks. Odcr-Ztg." nicldet, vor dem dortigen Polizeibureau. Ein g a I i z i s ch c r Arbeiter und acht Arbeiterinnen, die auf dem Gute in Biegen beschäftigt waren, hatten aus irgend einem Grunde ihre Arbeitsstätte verlassen. Der Inspektor des Gutes, der ihnen nachgereist war. halte die Ausreißer hier gestellt und sie nach dem Polizeibnrean citicren lassen, wo er verlangte. datz die Arbeiter polizeilich nach ihrer Arbeitsstätte, zurückgeführt würden. Nach Feststellung der Umstände, die die Arbeiter zum Ver- lassen ihrer Arbeit bewogen halten, mutzte der geäußerte Wunsch jedoch ablehnend beschiedcn werden. Eine der Arbeiterinnen mutzte, da sie erkrankt war. in das Krankenhaus eingeliefert werden.— Also auch die galizischcn Arbeiter fangen an, unzufrieden zu werden und fliehe» die ländlichen Idylle unserer Junker. VevlÄtnmlimgvn. I» einer gut besuchte» Mitgliederversaminkung doö Vereins der Plätterinnen, die am 4. Juki tagte, wurden die Zu- stände bei der Firma Eichenberg(Andreashof) einer scharfen Kritik unterzogen. Es wurde mitgeteilt, datz die Finna, die zur Versammlung schriftliche Einladung erhalten hatte, aber nicht erschienen war, sehr niedrige Löhne zahlt und sich herausgenommen hat, ein Mitglied des Vereins zu maßregeln. Die Versammlung beschlotz, der Gematzregelte» während der Dauer der Arbeitslosigkeit 12,60 Dl. Unterstützung pro Woche zu gewähren. Ferner gab die Kassiererin bekannt, daß das Stiftungsfest ein Deficit von 78,55 M. ergebe» habe, der Vierteljahres- Bericht weist einen Kassenbestaud von 562,29 M. auf. Ter Allgcmeiue Arbeiter- nud Arbeiterinnen- Verein Berlins und Umgegend hielt am 7. Juli im Lokal„Zur Drachen- bürg" eine Wanderversammlnng ab, in der Gen. O b st einen Vor- trag über Zweck und Nutzen der GewerkschaftS-Organisation hielt. Dem Reduer wurde großer Beifall gcsgcndcr. Die Diskussion be- wegte sich im Sinne deS Referat?. Unter Verschiedenem wurden die Mißstände in der Fabrik der Aktiengesellschaft für die Anilinfabrikation zu Treptow, Lohmühlcnstratze, einer scharfen Kritik unterzogen. Besonders wurde über die Bade-Ein- richtung geklagt. Die namentlich für die Gesundheit der Haut o gefährliche Beschäftigung erfordere viel größere und beffere Bade-Einrichlungen. Auch werde von der Direktion nicht für genügend rcineS Wasser gesorgt, es müßten sich 60 bis 70 Per- onenindemselben Wasserbaden, dem letzten ist eS natürlich zuwider, in dcni Wasser baden zu müssen, lieber den Mangel an genügenden Schutzvorrichtungen wurde ebenfalls Klage geführt. ' e i tz fordert die Anwesenden auf, alles Material an die Vertrauens- Person Fräulein Trade, Eisenbahnstratze 32 bei Siegener, zu richten. Zum Schluß wurden die Anwesenden nochmals aufgefordert, der Organisation sich anzuschlietzen und dafür zu sorgen, datz in Arbeiterkreisen nur die Arbeiterpresse gelesen werde. Die Lackierer(Filiale IV) nahmen in ihrer Generalversanun- lnng am 4. Juli den Bericht des Kassierers über die Abrechnung vom L. Quartal entgegen. Danach betrugen die Einnahmen 223,23 M., denen eine Ausgabe von 44,46 M. gegenübersteht. Eine voraus- jchtlich stattfindende Aenderung in den Arbeitsnachweisverhältnissen erregte eine lebhaste Debatte.' Zum Schlutz hielt Genosse Jahn einen Vortrag über„dos bürgerliche Recht und die besitzlosen Klassen", der beifällig aufgenommen wurde. Eine Diskussion fand nicht statt. Eine Bandepntiertcn-Sitzung der Töpfer nahm am 4. Juli den Bericht des Vertrauensmannes David über die zur Einleitung der Lohnbewegung unternommenen Schritte entgegen. In der Diskussion wurde auch die von lokaler Seite in einer Versammlung im Schützenhailfe angenommene Resolution, worin ein gemeinsames Vorgehen beider Richtungen gewünscht wird, zur Beratung gestellt. Es wurde beschlossen, diese Resolution der nächsten öffentlichen Ver- ämmlung zur Beschlutzfassung zu unterbreiten. Da in der den Meistern übermittelten Tarifvorlage Mängel enthalten sind, wurde der Vertrauensmann ermächtigt, diese zu beseitigen. Des iveiteren wurde beschlossen, daß die auf einem Bau arbeitenden Kollegen gemeinsam auf einer Liste zu zeichnen haben und nicht vereinzelt die Zahlstellen behufs Beitragssteuer aufsuchen. Es soll, wie be- merkt wurde, dadurch den säumigen Zahlern entgegengetreten werden. Arbeitslose haben sich des Sonnabends bei Schiller, R o s e n t h a l e r st r a tz e 57, zur Konttolle zu melden. In Tentsch'Wilmerödorf tagte am 6. d. M. eine Volks- Versammlung, in welcher Frau L i I y Braun über die Zuchthaus- Vorlage unti den Znchthanskurs sprach. Nachdem die Rednerin ein tteffeiides Bild der allgemeinen socialen Verhältnisse gegeben, unter denen die Arbeiterklasse lebt und leidet, erörterte sie die Notwendig- keit des Koalitionsrechtes für die Arbeiter. Datz die Zuchthaus- vorläge nicht Gesetz werde, sondern datz im Gegenteil das jetzt be- stehende, ganz ungenügende, durch allerhand Sttafbestimmungen ein- geschnürte Koalitionsrecht erweitert werde, dafür müsse die Arbeiter- klaffe sorgen. Dem nnt großem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine rege Diskussion, in welcher auch ein Gegner, der Lehrer B ä r t h e l, der Referentin entgegenttat. Von den nachfolgenden Rednern, Genossen B e h r e n d und Krause, solvie von � der Refercntin, wurde der Herr Lehrer gründlich widerlegt, so datz er es vorzog, bald zu verichwinden. Sodann wurde Frau H a u s- wald, Sigmaringenstr. 37, als Vertranensperson für Deutsch- Wilmersdorf gewählt. Rixdorf. Der Verband der Möbelpolierer hielt am 3. Juli seine regelmäßige Versammlung bei Babenschnclder, Hermann- stratze, ab. F a b e r- Köpenick referierte unter großem Beifall der Versammlung über die Znchthansvorlage. In der Diskussion be- sprachen einige Kollegen in abfälliger Weise das Verhalten der In- differenten. Wilmersdorf. Eine gntbesuchte Generalversannnlung des Socialde m okrati scheu Vereins tagte am 6. Juli in Wittes Volksgarten, Berlinerstr. 40. Der Kassierer berichtete über den Bestand der Kasse vom 1. Quartal. Einnahmen 100,85 M., Ausgaben 76,15 M.. bleibt Bestand 24,70 M. Der Kassierer wurde von der Versammlung entlastet. Der Verein beschloß, ain 29. Juli sein Stiftungsfest zu feiern. Darauf wurden verschiedene interne Angelegenheiten erledigt. Die nächste Mitgliederversammlung, in der ein Vortrag gehalten iverden soll, findet am 19. Juli im„See- schlötzcheu"(Lehmann) statt. Der socialdcmokratische Agitatioiiölicrcin für Stralsund- Fr a n z b u r g- R ü g e n hielt am 2. d. M. seine General- Versammlung ab. Die Einnahnie einschließlich des Bestandes vom vorigen Vierteljahr betrug 68.97 M.. die Ausgabe 30,40_ M., bleibt Bestand 38,57 Mark. Tenr Kassierer wurde Entlastung erteilt. Als Kassierer wurde Lappe wiedergewählt, als Beisitzer O st w a l d, zu Revisoren Schaum und Kabellcr. Die Sitzungen finden nach wie vor jeden Sonntag nach dem Ersten, vormittags 10 Uhr, bei Mörschel, Jüdenstratze 38/39, statt. In den Sitzungen sollen von jetzt an mehr theoretische Fragen— erster Teil unseres Parteiprogramnrs— in Verbindung mit Vorgängen inner- halb der Partei diskutiert werden. Eciitralvereiu der Bildhauer Teutschlands(Verwaltungsstelle Berlin). Herne abend S1/* Uhr im Vereinslokal, Köpcnickerstr. 62: Ver- saumilung. Wichtige Tagesordnung. Barbier- nud Frlscurgehilsen. Ocssentltche Versammlung heute abend 10 Uhr in Charlottenbnrc 1. Unsere wirtschaftliche Lage. 2.* BiSmnrckstrabc 74. weck deS Verbandes. Tagesordnung: Uelzke NaTzviiZzkett und Depepckxen. Die Fliesenleger Berlins haben am Montagabend be- schlössen, die bereits bekannten Forderungen heute, Dienstag. nochmals den Unternehmern vorzulegen, mit der Bedingung, bei tZlblchuniig derselben am Mitttvoch, den 12. Juli, die Arbeite« einzustellen._ Münchcn, 10. Juli.(Privatdepcschc.) Der Sieg der Kom- promitzliste gegen die Regierungspartei bei den Laudtagswahlen in München I ist gesichert. Die Socialdemokratie wird drei, das Cent. um zwei Mandate erhalten, der Wahlkreis war bisher gouverncmcntal vertreten. Im II. M ü n ch e n e r Wahlkreis glänzender Sieg der Partei mit 120 Proz. Stimmenzuwachs. In F ü r t h- E r l a n g en wurden bisher 85 socialdemokcatische gegen 120 gegnerische Wahlmänner gewählt. Das endgültige Re» sultat liegt noch nicht vor. Im 1. Wahlkreis(L u d w i g S h a f e n) sind bis jetzt 86 social- demokratische Wahlmänner gewählt. Endresultat noch unbestimmt. In K a i s e r s l a n t e r u unterlag die Partei, erzielte aber einen großartigen Stimmenzuwachs. tiraka», 10. Juli.(B. H.) Die Rnthawa ist heute über ihre Ufern getreten; in wenigen Minute» war- der ganze ivestliche Teil der Stadt einen Nieter tief unter Wasser gesetzt. Viele Personen, die in ihren Häusern gefährdet waren, wurden durch Militär und Feuerwehr gerettet. PariS, 10. Juli.s>»z, 11. I»li 1899. Nommunales. Das Friedrich Wilhclms-Hospital und Siechenhaus in der Fiülielstratze hatte am 30. Juni d. I. einen Bestand von V7ö Hospitaliten resp. Siechen(582 Männer, 393 Frauen). Im Depot für aus hiesigen Heilanstalten entlassene unheilbare Obdachlose be- fanden sich 9V Personen(33 Männer, 57 Frauen). Die Anstalt in der Pallisadenstraße hatte am 30. Juni eine Frequenz von 435 Hospitaliten resp. Siechen anfzuweisen(3 Männer und 432 Frauen). Uoksles. Immer langsam voran! Der Mangel eines den Fortschritten der Zeit entsprechenden Kranken-Transportsivagens auf der Unfall- stastion des städtischen Vieh- und Schlachthofes wird von den dort thätigen Arbeitern als ein schwerer Uebelstand empfunden. Trotz- dem schon wiederholt die Beschnfsimg eines solchen moderneu Kranken-TransportwagenS bei dem Ruratorinm angeregt worden ist, so ist dasselbe dennoch bisher nnmer der Sache ausgewichen und hat sich nicht entschließen können, dem berechtigten Wunsche der Arbeiter Äedbimng zu tragen. Noch immer hat es bei der alten, ungenügenden Tragbahre sein Bewenden, welche bei den auf dem städtischen Schlacht- oder Viehhose nicht gerade zu selten sich� ereignenden Unglücksfällen in Benutzung genommen werden muß, oft zur Qual und zum Schaden der Verunglückten. Da das Kuratorium keine Abhilfe erwarten läßt, so hat sich nunmehr der Verein der Berliner Engros- Schlächtergeselle» an die Berliner Schlächtcrinnung mit dem höflichen Ersuchen ge- wandt, den nötigen„Draht* zur Beschaffung eines den Fortschritten und Erfordernissen der Zeit entsprechenden Kranken- Transportlvagcns aus der wohlgefüllten Jnnungslade herzugeben. In der hoffnungsfrohcn Erwartung der schleunigsten Erftillung dieses beicheidenen Wunsches hat der Verein Berliner Engros-Sckilälhtcr- gcicllen gleich eine Modellzeichnung zu einem solchen Kranken- Transportwagen dem Fnnnngsvorstande mit eingeschickt. Doch dieser � ffch. die Sache erst reiflich überlegen und, bevor er in den Jnnungssäckel greift, erst noch einmal bei der Verwaltung des Schlacht- und Viehhofes vorstellig werden. Die Errichtung einer Zwangs- Innung für das Tischler- ynndwrrk, welche die jetzige Tischler- Innung beantragt hatte, ist bekanntlich vom Oberpräsidenten seiner Zeit abgelehnt worden. Jetzt arbeiten die Zwangs» Jnnungsschivärmer mit Hochdruck für das Zustandekommen einer solchen Innung. Die Entscheidung wird nun durch die im Gesetz vorgesehene Ab- stlmmung getroffen werden und es mag hier bemerkt sein, daß ganz nebensächlich, wie viel sich von den selbständigen Gewerbe- treibenden an der Abstimmung beteiligen, die Majorität der an der Abstimmung Teilnehmenden zu bestinnneii hat. Wem also daran gelegen ist, sich das Jnnungsregiment aufzuladen, oder eS abz», toeiicn, je»ach dem, der beteilige sich an der Abstimmung. Der Magistrat macht bekannt, daß die Aeußerungen für oder gegen die Errichtung einer Zwangs-Jnnuiig für das Tischlerhandiverk im Bezirk der Stadt Berlin schriftlich bis zum 22. I u I i d. I. oder mündlich in d e r Z e i t von, 10. b i s 22. I n l i bei ihm abzugeben find. Die Abgabe der mündlichen Aeiißerung lairn während des angegebenen Zeitraums an den Wochentagen von 10 bis 12 Uhr in den Diensträuine» der Gewerbedeputation Stralauerstr. 3— 6, vorn 1 Tr., Zimmer 35, erfolgen. Jeder münd- lich oder schriftlich Abstimmende hat den Nachweis zu führe», daß er das Tischlerhandwerk im Stadtkreise Berlin selbständig betreibt. Die Legitimation hat in der Weise zu erfolgen, daß die Beteiligten sich von den Vorständen der Krankenkassen, dem Vorstande der alten Tischler-Jnnung oder durch das Polizeirevier, in welchem ihr Betrieb belegen ist, eine Bescheiiiignng darüber be- schaffen, daß sie das Tischlerhandwerk selbständig ausüben, und die- selbe bei der�Anmeldung vorzulegen. Diese Beicheinigungen werden an deii betreffenden Stellen auf Ersuchen kostenfrei ausgestellt. Bei schriftlicher Abstimmung kann die Bescheinigung durch bloßen Unter- druck des Stempels des Polizeireviers, Krankenkassen- und Jnnungs- Vorstandes erfolgen. Abstimmungen ohne den geforderten Nachweis werden nicht angenommen, Eheschließungen, Geburten und Sterbekällc. In der Woche vom 18. bis 24. Juni fanden in Berlin 229 Eheschließungen statt. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 854(439 männliche, 835 weibliche). Totgeboren wurden 38 Kinder(25 männliche. 13 weibliche). Unter den Lebendgeboreucn befanden sich 123, unter den Totgeborenen 9 außerehelich geborene Kinder.— Die Zahl der Sterbefälle betrug in der Bcrichtsivoche 557 und betraf 305 männ- liche, 252 weibliche Personen. Unter den Verstorbenen befanden sich 156 Kinder im ersten Lebensjahre(114 ehelich und 42 außerehelich ge- boreue). In Krankenhäusern sind 157 Personen(97 männliche und 30 weibliche gestorben. Auf gcwaltsanic Weise endeten 18 Personen, darunter 11 durch Selbstmord.— Auf die einzelnen Stadtteile verteilen sich die Sterbefälle wie folgt: Berlin-Kölln- Doroiheenstadt 7; Friedrichftadt 8; Friedrich- und Scböncberger Vorstadt 23; Friedrich- und Tenipelhofer Vorstadt(westlich) 12; Tempelhofer Vorstadt(östlich) 33; Luisenstadt jenseits des Kanals 43; Luiscnstadt diesseits des Kanals 37; Stralauer Viertel 77; Königs- viertel 41; Spandauer Viertel 29; Rosenthaler Vorstadt.88; Oranienburger Borstadt 87; Friedrich-Wilhelnistadt und Moabit (östlich) 23; Moabit(westlich) 36; Wedding 59.— Die Ehe- schließungen betnigen 13,1. die Lebendgeborenen 24.5, die Tot- geborenen 1,1, die Sterbefälle 16,0 pro Mille der Bevölkerung. Eine gefährliche Fahrt. Durch die Entgleisung der Vorspannmaschine de? v.- Zuges Berlin- Köln wurden am Sonnabendnachmittag die Passagiere deS nahezu über- füllten Zuges in die größte Ausregui'g und Angst versetzt. Ueber den Vorfall wird uns folgendes gemeldet mit der Vormerkung, daß der zum großen Glück noch gut abgelaufene Unfall dadurch entstand, daß der Führer der ersten Maschine eine Verspätung von etiva 3 Minuten einholen wollte. Der Zug, bestehend aus den beiden Maschinen 168 und 32, acht Personen- und einem Gepäckwagen, vcrließ Sonnabendmittag un, 1,� Uhr den hiesigen Potsdamer Bahnhof und hatte bis Burg bei einer Verspätung von drei Minuten glatte Fahrt. Nach Passieren der Station Burg nahm der ohnehin schon jagende Train plötzlich ein unheimliches Tempo an. Die Folgen dieser Raserei blieben natürlich nicht aus: Tie Wagen tanzten förmlich in den Schienen und flogen so gewaltig hin und her, daß die Gepäckstücke von den Netzen herabgeworfen ivurden. Im Speisewagen sah eS bunt aus, denn was nicht niet« und nagelfest war. flog von den Tischen und Regalen und ging in Trümmer. Plötzlich hielt der Zug auf freiem Felde, und den angst- erfüllten Pasiagieren und Bahubeamten bot sich ein Unfall, der recht schivere Folgen hätte haben können. Die Vorderräder der ersten Lokomotive waren völlig auS dem Geleise geraten und hatten sich tief in den Sand eingebohrt. Das Geleise selbst war durch die elementare Gewalt des dahiiibrausenden Zuges stelleniveise stark verbogen und völlig unbefahrbar geworden. Der Zug hielt gerade an einer Böschung an der Biederitzer Forst und' wäre sicherlich ganz ent- gleist, wenn nicht die Maschinenführer schleunigst Eontredampf ge- geben hätten, so daß der Zug fast auf der Stelle stand. Mittels der Hebe-Apparatc wurde die sonst nicht viel beschädigte Maschine durch Zugpersonal und Passagiere wieder in die Schienen gebracht. woraus der Zug seine Fahrt wieder fortsetzen konnte und mit 2�»slündiger Verspätung in Magdeburg einttaf. 22 105 Personen haben allein an den beiden Hauptverkehrs- tagen nach de» Schulferien, Freitag und Sonnabend Berlin auf dem Anhalter Bahnhof verlassen. Der Lokalverkehr ist hierbei nicht mit« gerechnet. Am Sonnabend fuhren nicht weniger als 12 061 Reisende vom Anhalter Bahnhof ab, sodaß auf den Freitag noch 10 044 Per- sonen entfallen. Zur Beförderung dieser Menschenmasse, welche ungefähr der gesamten Bevölkerung von Deutsch- Wilmersdorf ent- spricht, war ein Wagenpark von 2586 Achsen erforderlich. Ein schweres Eittlichkeitsverbrechen wurde vorgestern abend in der achten Stunde von dem Arbeiter Müller an einem neun- jährigen Mädchen begangen. Der Besitzer deS Hauses Lübbenerstraße 11 veranstaltete für die Kinder seiner Mieter ein sogenanntes Erniefest. Hierzu engagierte er den Müller zur Aushilfe. Das Fest verlief zur vollen Zuftiedenheit der Beteiligten. Müller, der an- gewunken war, ließ sich von einem kleinen Mädchen nach seiner im zlveiten Stock befindlichen Wohnung Schnaps holen. Hier fiel der Unhold über sein wehrloses Opfer her und vergewaltigte es. Leute, die das Hilferufen des Kindes hörten, stürmten die Treppe empor und nahmen den Verbrecher in seiner Wohnung fest. Mit einem Rastermesser getötet hat sich an, Sonntagnach- mittag um 3'/« Uhr der 42 Jahre alte Hauptsteueramts-Assistent Eduard Burkhardt aus Preußisch-Stargard, der seit einige» Tagen auf Be- such bei seinem Onkel, dem Jade-Oberlootsen a. D. Seilst in der Kirchstr. 21 zu Charlottenburg, weilte. B.'wurde auf dem Sofa liegend aufgesunden, nachdem er sich die Gurgel durchgeschnitten hatte. Zwei Aerzte, die man zu Hilfe rief, konnten nur den Tod feststellen. Als Beweggrund zur That wird augenblickliche Geistes- störung infolge eines nervösen Zustandes angegeben. Mit dem Leben bezahlt hat ein Mann am Sonntagabend uni 11'/« Uhr die Unvorsichtigkeit, von dem fahrenden Straßenbahn- ivagen 210 vor dem Hause Bcrlinerstr. 22 abzuspringen. Der un- bekannte, etiva 30 Jahre alte Mann hatte auf der vorderen Platt- form gestanden. Beim Abspringen fiel er zu Boden, und sowohl die Hinlerräder des Wagens, auf dem er gestanden hatte, als auch die Räder zweier Anhängewagen gingen ihm über den ganze» Körper; er wurde buchstäblich in Stücke zerschnitten, die zusanimcngesnchl und in eine Decke eingewickelt dem Schauhanse überbracht wurden. In dem zerinalniten Leichnam, den ein Streckenwärter in Charlottenburg auf den Schienen fand, ist der Ingenieur Koch aus Hamburg durch einen Brief der Braut ermittelt worden. ! K. war Schiffsiugenieur, wurde krank und gab seinen Dienst auf. ' Er kam nach Berlin, um hier eine passende Stellung zu suchen. Am Freitag hatte er einen Bekannten in Spandau besucht und wahr- scheinlich den Zug verpaßt. Unbekannt mit der Gegend, ist er vcr- mutlich auf den Schienen entlang gegangen, um nach der Beussel- slraße zu seinem Bruder zu konunen. Dabei hat ihn ein Zug erfaßt. Ter Aufklärung bedarf noch der Selbstmordversuch eines jungen Mädchens, das am Sonntag früh um 5 Uhr unter Ver- giflungserscheinungcn in das Lazarus-Krankenhaus eingeliefert wurde. Es handelt sich um die 25jährige Verkäuferin Jlka Günther, Tochter eines im Ruhestand lebende» Beamten aus der Griebenoivstraße 5, die sich in der letzten Zeit im Elternhaus aufhielt. Am Sonntag kamen die Eltern hinzu, als sie in ihrem Bett sitzend soeben eine Snblimatlösung zu sich genommen hatte. Ueber die Veranlassung zu der That hat sie nicht die geringste Auskunft erteilt. In einer hiesigen Bade-Austalt erschossen hat sich aui Sonnabeudnachmitlag gegen 2 Uhr der Gastwirt Emil Scholz aus der Aguesstraße 1 zu Dessau. Er brachte sich einen Revolvcrschuß in die rechte Schläfe bei und ivar alsbald tot. Geschäftliche Fehl- schlüge haben ihn zu der That veranlaßt. Er hielt sich hier seit mehreren Tagen bei Vertvandten auf. Erhängt hat sich gestern, Sonntagabend, die Frau des Kürschners Mittcudorf in ihrer Wohnung. Dnlldorferstr. 4, an einem Lampen- haken. Angestellte Belebungsversuche hatten keinen Erfolg. Die Frau litt aii Nervosität und vollführte die That jedenfalls in einem Anfall von Schwermut. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Die Eheleute führten eine glückliche, jedoch kinderlose Ehe. Am Billard vom Tode ereilt wurde am Sonnabendabend um 9 Uhr der Schneidermeister Robert Dohndorf ans der Bernaner straße 85. Im Braucrei-Auöschank Pfefferberg hatte er bereits eine Zeit lang Billard gespielt, als er plötzlich zusammensank und eine Leiche war. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Wegen Kiudesmordcs verhaftet wurde am Montagvormittäg daS 23jährige Dienstmädchen Ida Delitz aus der Stralauerstr. 36/37. CS halte m der Nacht um 2 Uhr sein eben erst geborenes Kind umgebracht und in den Abort geworfen. Einige Stunden später wurde die That entdeckt. Die D. wurde als Gefangene emcm Krankenhaus eingeliefert. AuS unglücklicher Liebe zu einem Schiffer ist das 2gjährige Dienstmädchen Ernestine Phöte in den Tod gegangen. Die Leiche wurde vorgestern an der Fennbrücke aus dem Wasser gezogen. Radrennen im Sportpark Friedenau. Friedenauer Mab fahren. 1000 Meter. Klasse C. 8 Preise: 50, 30 und 20 M. Albrecht 1. Porte 2. Siebcnmann 3, Zeit 1 Min. 26,3 Sek. Nicht placiert: Winz, Wichmann. Peter. Prämiensahren. 3000 Meter. Klasse A und B. Es werden 2 Zielbänder gelegt und erhalten die Fahrer, die als erste die Bänder panieren, in der' ersten Runde je 20 M.. in der zweiten Runde je 30 M.> in der dritten Runde je 40 M., in der vierten Runde je 50 M. und in der fünsten Runde je 60 M. Dem ersten der letzten Runde 100 M., dem Zweiten 50 M. und dem Dritten 30 M. A. Verhetzen 1. Kaeser 2, Dahl 3, Grandpierre 3, Büchner 3, Seid! 2 und Dahl und Hansen je 1 Prämie. 75 Kilometer- Fahren mit Schrittmachern. 4 Preise: 1000, 500, 250 nnd 125 M. Chase 1. Zeit: 1 Erde. 23 Min. 25 Sek. Köcher 2.(60 Meter zurück). Lcöna 3.(2 Runden zurück). Robl 4. (ca. 30 Runden zurück). Köcher legt gegen Chase Protest ein wegen Behinderung, dock wird derselbe von» Schiedsgericht zurückgewiesen. Zweisitzer- Fahren. 3000 Meter. Offen für alle Rennfahrer. 3 Preise: 200, 100 und 50 M. Bückner-Seidl 1. Huber-Obcrberger2. A. Verhetzen- Ponte 3. Zeit: 4 Min. 10 Sek. Den Führungspreis von 50 M. gewannen Kaeser-Müllcr. Straßensperrung. DaS Kottbnser Ufer vom Elisabcth-Ufer bis zur Rampe der Admiral-Brücke wird behufs Asphaltierung vom 10. d. Mts. bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiler gesperrt. Beim Dienclschcn Orgclvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, den 12. Juli, mittags 12 Uhr, wirken mit die Konzertsängerin Fräulein Marie Lindow, Herr Regierungsrat Ehrzescinöki, Herr Paul Reu- mann, Cellist, und Herr Paul Heuer. Herr Mnstkdirettor Otto Dienel spielt eine Konzerlsantasie in k-ckar und ein Adagio in E-dur eigener Somposition. Der Eintritt ist frei. Feuerbericht. Sonntagabend erfolgten Alarmierungen nach a I l st r a ß e 18 und Schönhauser Allee 149, doch handelte es sich in beiden Fällen um geringfügige Ursachen. Vorher war die Wehr nach Teltower st raße 13 gerufen, um hier einen Keller- brand, der durch Selbstentzündung von Preßkohlen entstanden war, abzulöschen. B e rn a u e rstr a ß e 83 gingen nachmittags Möbel und Gardinen in Flammen auf. Früh 2 llhr erfolgte in- folge versetzten Rauches ein Ausrücken nach Bergstraße 21. Am Sonnabend wurde das Haus Reichenbergerstraße 101 von einem Bodenbrande heimgesucht, der jedenfalls böswillig angelegt war. Schon im vorigen Jahre kamen auf demselben Dackboden ver- schiedene Brände auf, die jedoch stets rechtzeitig bemerkt nnd im Keime erstickt wurden. Die Hausbewohner fühlen sich infolge dieser Vorkommnisse beunruhigt, zumal es noch nicht geglückt ist, gegen irgend eine Person einen greifbaren Schuldverdacht zu erbringen. Aus de» Nachbarorte». Nieder- Schönhausen. Der nächste Leseabend des hiesigen Arbeitervereins findet heute abend 9 Uhr bei Scttekorn, Lmdeu- straße 1. statt. Der Vorstand. Aus Rixdorf. Die neuen Wählerlisten zur Stadt- verordnetenwahl sind jetzt fertiggestellt worden. Danach sind in der I. Abteilung 23, in der II. Abteilung 66 und»i der III. Abteilung 15 300 Wahlberechtigte verzeichnet. Praktisch dürften die neuen Listen kaum zur Verwendung kommen, da die erfie Ergänzung unserer Stadtverordneten-Versammlung erst im kommende» Jahre stattzufinden hat. Die Maul- und Klauenseuche ist im Regierungsbezirk Pots- däm in der letzten Zeit wieder in 31 Ortschaften festgestellt worden. Besonders betroffen davon sind die Kreise T e l t o w, Angermünde, Prenzlau und Zauch-Bclzig. Milzbrand hat sich in zwei Fallen erntitteln lasse», die S ch w e i n c s en ch e ist in den Kreisen Geltow und Westprignitz in je einer Ortschaft konstatiert worden. Reinickendorf. Eine elektrische Bahn vom alte» Dorf durch die Oranienburger Chaussee nach Hcrmsdorf beabsichtigt ein Bank-Konsortium zu erbauen und sind dicserhalb mit dem Amts- Vorsteher Wille Unterhandlungen gepflogen. Dem Konsortium ifl die Konzession in den Nachbarorte» anstandslos genehmigt worden und hoffen die Unternehmer auch hier ohne weiteres die Genehnnguug zu erhalten. Der B a u des M ü l l v e r b r e n n u n g S o f e n S in der Markstraße schreitet trotz der Proteste der Anwohner munter vorwärts. Zweifellos dürfte die Anlage, ivelcher zwar. allgemein die Lebensgefährlichkeit abgesprochen wird, recht viel Uuzuträglichkeilen mit sich bringen. Die Mietssteigerungcn Hierselbst betragen jetzt durch- schuittlich 25 Proc. und dürften, falls nicht bald mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen wird, noch ivcitcr getrieben werden. Viele Hauswirte huldigen auch hier unter der Maske eines Vergnügungs- Vereins dem schwarzen Listcn-Systeni, ivoiiach solche Mieter, welche sich gegen ihren Hauspascha unbeliebt gemacht haben oder nach ihrer Meinung zu viel Kinder haben, ein schlechtes Führungsattest bekommen. Schwer verunglückt ist Sonnabendnachmittag der 23jährige Arbeiter B e s e k o w aus Britz. Vor einem Hause der Goltzstraße in Schöucbcrg waren Arbeiter damit beschäftigt, Bretter und Leitern für ein Fassadengerüst abzuladen. Während nun ein?lrbcitcr die Bretter von der Höhe des Wagens herunter kantete, glitt ihin ein ziemlich schivercs Brett aus der Hand und fiel dem Arbeiter Besekow mit solcher Wucht auf den Kopf, daß er sofort bewußtlos zusammen- brach. Man brachte den Bedauernswerten, der eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen hat, in das Britzer Kraukenhaus. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Somitagmorgen in der 4. Stunde am Markgrafeudamm, unweit des Bahnhofs Stralau n m m e l s b u r g. Der in den Norddeutschen Eis- ivcrken zu Runimelsburg beschäftigte Kutscher Richter war am Soiniabendabcnd erst um 10 llhr von Arbeit gekommen, mußte aber bereits am Somitaguiorgen um 2 llhr»ach Mariendorf fahren, um dort 80 Centner Eis zu holen. Auf der Rückfahrt schlief Richter, von Müdigkeit überwältigt, auf seinem Fuhrwerk ein und stürzte am Markgrafendamm voin Kutschersitz herab und gerade vor die Räder des schwereu Eiswagens, welche über Kopf und Schulter des Niiglücklichen hinweggingen. Richter, der verheiratet und Familicuvater ist, war svsort eine Leiche.— Die Ursache des schrecklichen Unfalls ist also übermäßige Anstrengung, eine geradezu gewissenlose Ausbeutung eines Menschen, die den Tod dieses zur Folge hatte. Und was wäre mit dem Arbeiter geschehen, der sich der Zu- mutung wiederseht hätte, um 2 Uhr wieder auf dem Fuhrwerk zu sitzen? Wahrscheinlich wäre er eiitlasscu. Möchten doch die Arbeiter dieses Berufes endlich gegen die unmenschliche Ausbeutung Front machen und der Organisation sich anschließen. Demi hier nur kann ihiicu Hilfe gebracht werden. Eine große Panik gab es am Sonntagabend unter den Aus- flüglern nach Friedrichshagen und dessen Umgebung. Während der Ucberfahrt vom Müggelschlößchen nach Friedrichshagen riß die Kette an der Fähre, welche das Uebersctzen vermittelt. Die Passagiere verspürten einen heftigen Ruck und wurden förmlich durcheiiiander gewirbelt. Nur die gute Konstruktion der Fähre, ivelche, nachdem daS Ufer erreicht Ivar, außer Betrieb gesetzt werden mußte, verhütete ein Unglück, das angesichts des Masseuverkehrs große Dimensionen hätte annehmen köimen. Inzwischen hatte sich der Landungssteg im Restauraiit Müggelschlößchen mit Hunderten von Personen gefüllt, welche vergebens der Fähre harrten. Endlich wurden die Wartenden, deren Zahi unausgesetzt durch Nachzügler verstärkt ivard, aus ihrer peinlichen Lage erlöst. Die Ucberfahrt wurde durch Fahrzeuge aller Art, Ruder- und Segelboote usw. bewerkstelligt. Eine Spccialität von Kcllerciubrechcr» haust gegenwärtig in Charlottenburg. Die Diebe benutzen die frühe Morgenzeit, um unbemerkt in die Keller zu gelangen, diese zu erbrechen und zu durch- suchen. Als ihnen ff. den Häusern Nehringstraße 34 und Charlotten- burger Ufer 23 bei solchen Besuchen nichts Nennenswertes in die Hände fiel, erbrachen sie die Waschkeller, rissen auf beiden Stellen die kupfernen Kessel auS den Herden und entkamen damit. Gevidiks"Beilmtfl. Die unlantercn GcschäftSgcbränchc einer sogenannten „schwarzen Bande" nahmen gestern die ganze Sitzimg der 9. Strafkammer des Landgerichts I unter dem Vorsitze des Land- gerichtsrnts B o i s l y in Anspruch. Auf der Anklagebank befanden sich die vier Kaufleute Wilhelm Utzath, Max Köhler, Jacques Jacob fohn»nd Adolf Hecht. Die beiden ersten Angeklagten haben es verstanden, den Kreditschwindel in der gemeingefährlichsten Weise zu betreiben. Köhler war Anfang der neunziger Jahre Butter- Händler.» Er suchte das Geschäft dadurch gewinnbringender zu machen, daß er seine Ware mit Margarine versetzte. Er zog sich dicserhalb empfindliche Vorstrafen zu und sah ein, daß er auf diesem Gebiete des Betrugs nichts mehr erzielen konnte. Köhler wurde Kridit- schwindler nnd wurde dicserhalb zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Im Gefängnisse lernte er Utzath kennen, welcher eben- falls wegen Kreditschivindels eine Sttafe verbüßte. Die beiden ver« wandten Seelen verabredeten hier, daß sie gemeiusam in vergrößertem Maßstabe den Kreditschwindel fortsetzen wollte», sobald sie sich auf freiem Fuß befanden. Utzath sollte möglichst vieleButtergeschäfte eröffnen, Köhler wollte ihm die Lieferanten bezeichnen, von denen er beziehen sollte, Köhler wolle die Ware weiter veräußern und wenn das Ge- schäft nicht mehr gehen tvollte, sollte Utzath das Geschäft schließen, um ein anderes zu eröffnen. Dieser Plan gelangte auch zur Aus- führung. Utzath hat in einem Zeitraum von 3 Jahren 9 Geschäfte besesse», die nach den im Gefängniffe verabredeten Grundsätzen ge- handhabt wurden. In den Zwischenzeiten trat Utzath als Handlungs- gehilfe deS Köhler auf, der ebenfalls, obgleich er völlig mittellos ivar, durch falsche Vorspiegelungen, in denen namentlich„eine reiche Braut" eine Rolle spielte, betrügerische Geschäfte gegründet hatte. Köhler pflegte die Geschäfte seinen Handlungsgehilfen zu überlassen, die ihren Namen zu einer neuen Firma hergeben und dadurch zur Täuschung der Lieferanten beitragen mußten. Es wurde nun in der üblichen Weise verfahren, um Waren auf Kredit zu erhalten. Auf Briefbogen und Postkarten mit pomphasten Adressen wurden Bestelluiigen ge- macht, Nacknahme« Sendungen wurden zurückgewiesen und Rn- Zahlungen nur anfangs und' nur insoweit geleistet, als umnn- gänglich nötig war, um weiteren und größeren Kredit zu ciTinllcn. Ciu sicwöhnliibcr Bmuch war es fcrucr, die Waren zu beinäiigxilii. uiu zunächst eine Herabsetzung der Preise zn erzielen.� 1 ic lauge Liste der Geschädigten sprach dafür, dah die luiheimliche Thätigkcir der Angeklagten für diese büwst gewinn- bringend war, zum grüsztcn Teile siuh auswärtige Melterei-Gesell- schaften und Margnrincfabriknuten die Leidtragendem Einen komischen Beigeschmack hatte die Art und Weise, wie Utzath es ver- stand, etlvaige schlechte AnSkünftc über ihn für sich unschädlich zu machcrn Kam ein Reisender zu ihm. um Ware adzusetzen, so er- »inhnte Utzath ihn, bei der AuSknnftScinholung ja recht vor- sichtig zu sein, denn es gäbe zlvci seines Namens Der eine schreibe sich„llzath" und sei ein„fauler Junge", der init einem gewissen Jacobsohn unter einer Decke steckte, der andere schreibe sich„Usath" und das sei er selbst. Jacobsohn hatte in mehrere» Fällen Namen und Thätigkeit hergegeben»nd sich dadurch der Teilnahme an den betrügerische» Handlungen schuldig gemacht. Der vierte Angeklagte, Kanfmami Hecht, war ein fleistiger tllbnchiner der erschwindelten Waren gewesen und deshalb der Hehlerei beschuldigt.. U. a. hatte Hecht einmal von der Firma acobsohn u. Co.— einer Dcckfirmch für die Angeklagten B e h ä n d i g e n ist händigen zu fassen, d behalten dürfe». Beim Eintrilt emer Arbeitern wäre, wenn die ausgehängte Arbeiter zum Tmch lesen gegeben würde, W hier nur in dem Sinne von Ein- h. der Arbeiter soll die Arbeitsordnung größeren Anzahl von Arbeitsordnung jedem das Recht der anderen LOOO Pfund Schinken für den Preis Utzath und Köhler von 1700 M. gekauft. Der Angeklagte Jacobsohn bestritt, daß er von der unreellen Geschäftsführnng Köhlers Kenntnis gehabt habe. Die Bestellungen habe der letzter« gemacht und ebenfalls den Briefwechsel geführck. Der Staatsanlvalt hielt sämtliche Angeklagten ans Grund der clngchenbeii Veweisanfnahme für überführt. Da? Treiben derselben müsse als ein höchst gcnleiiigefnhrliches bezeichnet werden, welches mir zu geeignet sei, das Vertrauen zu der Berliner Geschäftswelt zu er- erschüttern. Er beantragte gegen Utzath vier Jahre, gegen Köhler sechs Jahre, gegen Jacobsohn drei Jahre und' gegen Hecht ein Jahr Gefängnis. Die Verteidiger, Rechtsanwälte Dr/Davidsohn. Wcrthaucr, Heidenfeld und Becker, plädierten für ein niedrigeres Strafmaß. Das Urteil lautete gegen Utzath ans zwei Jahre sechs Monate, gegen Köhler ans sechs Jahre, gegen Jacob- söhn auf zwei Jahre und gegen Hecht ans ein Jahr Ge fängnis. Bei Utzath und Köhler wurden je sechs Monate durch die erlittene Untersuchmigshaft für verbüßt erachtet. Jncobsohn und Hecht, die sich auf freiem Fuß befanden, wurden sofort in Haft ge- noirnnen. Hausfriedensbruch. In der BenlsuiigSinstanz wurde am 3. Juli vom Laildgericht in Altona Kolporteur Vogt ans Uetersen zu 30 M. Geldstrafe ivegen Hansfriedensbruch verurteilt. Der Au- klage lag folgender Thatbestand zu Grunde. Voat, welcher Partei» zeiiuiigen kolportiert, war seit Jahren im Slnfirnge der Fabrikdirektion der Alscn'schcn Portland-Eeinentfabrikcn in'Moorrege durch die Polizeiverwaltimg das Betreten der Alsenschen Arbeiterkaseme, wo ein großer Teil unverheirateter Arbeiter einlogiert ist, ver- boten worden. Vor längerer$cit ist nun dem Direktor der Fabrik die Schankkonzession für diese Kaserne erteilt worden, die- selbe ivird aber nicht von diesem, sondern von einem Oekonomen für eigene Rechnimg ausgeübt. Vogt glaubte»u», daß dadurch das Hansrccht an diesen übergegangen fei, und da auch einige Arbeiter ausdrücklich von demselben verlangten, daß er ihnen die„Schleswig-Holsteinsche Volkszeitung" ans ihre Stuben in die Kaserne bringen sollte, trug derselbe kein Bedenken, de» Aufforderung Folge zu leisten. Sofort wurde Strafantrag seitens des Direktors gestellt und das Resultat für diese Missethat ist 30 M. Geldstrafe. Wege» angeblicher Bewilcherung des Fürsten Stanis- laus Sahn-Wittgenstein-Sayn, Oberhaupt der Familie und Mitglied des Herrenhauses, hatte sich am Sonnabend der 37 Jahre alte Kaufmann Hans Coro aus Breslau vor der Strafkammer zu Düsseldorf zu verantworten. Die Verhandlung gewährte so recht einen Einblick m das Leben imd Treiben gewisser Kreise. Caro wurde durch eincii Kaufmann Rosenstiel aus Berlin gelegentlich eines geschäftlichen Aufenthaltes in Berlin mit dem" jungen Fürsten bekannt gemacht, und als er später von Düsseldorf aus, woselbst der Fürst beim Westfälischen Ulanen- Regiment Nr. ö diente, von dem Fürsten eingeladen wurde, ihn zwecks Beschaffung von Geldmitteln zu besuchen, reiste er unverzüglich dorthin. Caro konnte aber angeblich trotz seiner vielen Bemühungen kein bares Geld austreiben und bewegte den Fürsten, dein ein JahrcL- einkommen von 15 000 M. zur Bestreitung seiner Lebensbedürfnisse nicht ausreichte, gegen Hergabe von Wechseln Kaufgeschäfte abzuschließen. Diese» fliat befolgte der geldbedürftige Fürst und entnahm u. a. zivei Equipagen zu 4000 M., welche von Karo sofort für 2000 M. in bar weiter verkauft wurden. Von diesem Gelde erhielt der Fürst etwa 1800 M., den Rest behielt Caro für Auslagen zc. Ein andermal erstand der Fürst, ebenfalls durch Wechsel, einen Traber zum Preise von 0000 Mark. Da sich aber herausstellte, daß das Tier nichts taugte und im Verkauf nichts einbringen würde, wurde ein zweiter Traber für 5000 Mark gekaust snatürlich gegen Wechsel) und dann niit starkem Verlust gegen bar wieder verkauft. Ein eklatanteres Beispiel: zwei Reimpferde, welche der Fürst für iiisgesamt 15 000 Mark lWcchsel) gekauft hatte, stellten sich ivicderum als unbrauchbar heraus»»d mußten nach kurzer Zeit für 700 Mark veräußert werden. Durch eine ganze Reihe ähnlicher Machinationen des Caro, der im Austrag des Fürsten auch nach Holland zur Flüssigmachung von Geldern gereist war, glaubte sich der Fürst nach Ausstellung von Wechseln über nahezu 35 000 M. schließlich übervorteilt und erstattete gegen Caro Strafanzeige wegen Be Wucherung und Betruges. Caro wurde öckraufhin vor enngen Monaten auch verhaftet. Die Beweisaufnahme fiel indessen' zu Gunsten des Caro aus, denn das Gericht erkannte auf Frei jprechung, trotzdem der Staatsanwalt ihn ftir schuldig erachtet und L Monate Gesängiiis beantragt hatte. Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt. Oberlandesaericht Münchei«. Eine für Arbeiter nicht un- wichtige principielle Frage kam letzten Sonnabend vor obigem Arbeiter auf den Aushang der Arbeitsordnung beeinträchtigt.— abrik- und Gewerbe j einer Inspektion Gerichte zur endgiltige» Entscheidung. Der Inspektor für Bayrenth fand gelegentli des Porzellanmalerei- Betriebes von Bürgermeister Wilhelm Kummer in Schwarzenbach a. d. S., daß die Arbeits- o r d n u n g, die vorschristsgemäß in der Fabrik ausgehängt war, den neu in die Fabrik eintretenden Arbeitern zum flüchtigen Durchlesen in die Hand gegeben und dann wieder an ihren Platz gehängt wurde, statt daß nach seiner sdes Fabrik- iuspektors) Ansicht einem jeden der neu aufgeiiommenensi Arbeiter ein besonderes Exemplar gegeben wurde, damit er es zu'Hause in Muße lesen'und sich genau über die Bestimmungen informieren könne. Der Fabrikinspektor erstattete darauf Anzeige an das Bezirks- amt. Von diesem ivurde Kummer aufgefordert, der Weisung des Fabrikinspettors Folge zu leisten. Kummer weigerte sich und ergriff Beschwerde bei der Kreisregierung. Von dieser wurde er aber abgewiesen. Kummer wollte nun die Sache vor Gericht zun, Alistrage bringen. Vom Amtsgericht Hof mit einen, Strafbefehle auf Grund des z 147 VII der Reichs-Gewerbe-Ordnung bedacht, legte er Einspruch ein, wurde jedoch in der slbössengerichtlichen Verhandlung verurteilt, ebenso vom Landgerichte, zu dem er Berufung ergriffen hatte. In der Revisionsschrift zum Ober-Landesgerichte stützte sich seine Verteidigung darauf, das Gesetz schreibe nur vor, daß die Arbeitsoihnung, nicht eine Arbeitsordnung dem Arbeiter nicht ausgehändigt, sondern behändigt werde. Das Oberlandes- gericht kam zu einer Verwerfung der Revision. Seine Gründe be- sagen, daß der Absatz II des oben erwähnten Paragraphen von der Reichstagskommission eigens eingesetzt wurde. Dieser Absatz kennt zweierlei Arte», wie die Arbeitsordnung zur Kenntnis der Arbeiter gebracht werden solle. A u s h ä n g u n g der Arbeitsordnung in der Fabrik und Behändigung der Arbeitsordnung an den Arbeiter. Diese letztere Art kaim nur durch Uebergabe einer Abschrift der Arbeitsordnung siiingemäh erfolgen. Der Zweck der Be- stimmung geht dahin, den Arbeiter nicht ausschließlich auf da« Lesen der Arbeitsordnung im Fabrikraume zu verweisen, sondern ihm Gelegenheit zu geben, sich auch außerhalb der Arbeitszeit mit ihrem Inhalte bekannt zu mache». Vevmifchkes- Jufolgc eines scltsauicu Mißverständnisses ist in diesen Tagen m zwei wüttleuibergischen Ortschaften die Mobilmachnngs- ordre verlesen worden, nämlich in Mehrstetteii, O.-A. Münsingen und in Hoheneck, O.-A. LudwigSburg. Aus letzterem Dorf berichtet die„LudivigSb. Volkszig.":„Hoheneck, 4. Juli. Gestern abend zlvischcii S und 10 Ilhr erklang die OrtSschclle des Aintsdieners. welcher nach einem beim Schultheißenamt eingetroffenen Telegramm die sofortige Mobilmachnna verkündete. Erster MobjlmachungStac 3. Juli. Düs war ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel. Soforn ordneten die Mannschaften de? Beurlaubtenstandes ihre Sachen und stellten sich bei ihren zuständigen Truppenteilen teils in Ludwig« bürg, teils in Stuttgart. Wie groß war aber ihr Erstaunen, als daselbst niemand etwas von einer Mobilmachuug wußte und sich die Sache als ein recht schlechter Scherz heraussielli«. Vom Ludwigs burger Bezirkskommaudo ist sofort llutersnchuiia«iiigeleitet worden Es handell sich um die von Zeit zu Zeit von der BeHürde aus ge gebeuen Probe- tGehesin-) Depeschen. Etil abscheuliches Verbrechen wurde nicht weit von Gotzing an einem Kinde begangen. An der in der Nähe des Kilian- antvesens mit Graseinheimscn beschäftigten ISjShrigen Tochter Aloifia des Wasserbanarbeiters Nager ivnrde von einein henimzikhenden Stromer, der schon den ganzen Nachmittag im dortigen Wirtehnuse gezecht hatte, in Geacmvart ihrer beiden jüngeren Brüder ein Sittlichkeitsverbrechen begangen. Der von den weinenden Kinder» bei seiner Heinunnst von dem Vorfall in Kenntnis gesetzte Vater setzte dem vertierte» Menschen sofort nach, holte ihn ein und ivollte ihn festnehmen. Es kam zum Handgemenge, in welchem der Verbrecher den Nager mit den Worten:„Einer von uns muß hin werden!" mit Umbringen bedrohte. Um sich des auf ihn ein dringenden Menschen zu erwehre», zog Nager ein Messer, stieß da mit zu und traf den Strolch derart ins Herz, daß er tot am Platze blieb. Der Getötete ist, sofern bei ihm vorgefundene Legitimatioiis Papiere richtig sind, ein Wasserbau-Arbeiter namens Jgnaz Ober- leitner ans Lbcrbichlbcrg. Der llnnicnsch lvurde nach geschehener gerichtlicher Feststellung des Thatbcstandes in Lberwarngau be erdigr. Nager lvurde in Hast genonimen, wird aber wohl bald wieder auf freien Fuß gesetzt, werden, da er zweifellos in Notwehr gehandelt hat. Lustmord. In große Aufregiiiig ist die Bevölkerung von Senftenberg und Unigegend durch einen Lnfwiord, begangen an einem zehiijährigen Mädchen, versetzt. Seit Freitagnachmittag Ivird das zehnjährige'Mädchen der Witwe Bcrgmaim ans Aroß-Siäschen, das in die Heide Pilze suchen gegangen war, vermißt. Am Sonn abendnachinittag fond der WirtschaftSbesitzer Kanter aus Schinogrow die Leiche des Kindes an einem Baum liegend,'mit der Schürze fest- gefunden, in der Heide auf. Die sofort in Kenntnis gesetzte Polizei stellte fest, daß an dem Kinde ein Sittlichkeitsverbrechen begangen Ivorde» ist, daß der Verbrecher das Kind dann gewürgt und auf gehängt habe. Der Verdacht lenkte sich auf den Schmelzer Sch., der sofort festgenommen wurde. Fcucrsbrnnsl in der italienischen Elcktricitätsausstellung. Ans Como wird berichtet: Durch eine auf dein AiiSstellungsplatz ausgebrochene Feuersbrunst ist nicht nur die Elektricitätsausstellung sondern auch die mit ihr verbundene Landesausstellung für Seiden industrie völlig zerstört worden. Zahlreiche Maschinen zersprangen durch das Feuer. In der Bevölkerung herrscht große Aufregung. ein großer Teil eilte nach der Nnglücksstätte. Man hofft, daß es geliiigen wird, den in der Nähe der Ausstellung befiudlicheii Werkplatz der Schiffahrtsgesellschast zu retten. Menschen sind nicht verunglückt: der Materialschaden ist sehr bedeutend. Wertvolle, von Volta herrührende Gegenstände sind ein Raub der Flammen geworden. Tie Knnstansstcllimg und die Abteilung für religiöse Geräte, deren Gebäude den Trümmern der niedergebrannten Seidenausstellung und der elektrischen Ausstellung benach bart ist. blieb vollständig unversehrt. Der Brand brach. Blätternioldungen zufolge, im Untergeschoß der Mariiicaalerie ans. Das Feuer ergriff sogleich ein anstoßendes Kaffs«! lokal, sodann die Rotunde und die große Elektticitätshalle und fand an dem Inhalte und den Holzbauten der Seideiuuis stcllung weitere Nahrung. Die Flammen drangen niit großer Schnelligkeit vorwärts und zerstörten alle Baulichkeiten binnen weniger' Minuten. Die Besucher flohen wie vor Schreck ge lähmt. Zwei zur Aushilfsbeleuchtung dienende Gasometer platzten mit einem furchtbaren Knall, der mehrere Kilometer weit gehört wurde Die von dem Brande herrührenden migeheuren Rauchwolken waren bis Mailand sichtbar. Der Schaden ist sehr bedeutend, außer den Bau- lichkeitcn selbst sind wertvolle Seidenwarc» und Kunstgewebc zerstört. Die Ausstellung war mit 8 Millionen Lire versichert, auch waren die Gewerbetreibenden, die sich an der Ausstellung beteiligten, ver- sichert. Die Umgebung der AuSftellmig, der Garten mit den ver- brannten oder versengten Vflnnze» bietet einen traurigen Anblick. Wie weiter bencT..«p.rd, hat da? Ausstellungskomtte beschlossen, daß die in Aussicht genonimeiien Festlichkeiten wie auch der Jnter- nationale Elektrikerkongretz trotz des Brandes stattfinden sollen. Schiffönnglsick. Der Evangelische Bürgerverein von Köln hatte vorgestern einen Busflug rheiiiaufwärts gemacht, als der Dampfer abends gegen 11 Uhr, auf'der Rückfahrt begriffen, beiLueladorf anlangte, kam demselben ein Schleppkahn in den Radkasten, wodurch die Küche vollständig zertrümmert ivurde. Durch den heftigen Anprall erlitten mehrere Personen schwere Verletzungen. Auf das Notsignal des Passagierdampfers eilte ein anderer Dampfer herbei und brachte die aufgenommenen Paffagiere gegen Vs9 Uhr nach Köln zurück.— EchiffS- Zusammenstoß. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd„Babelsberg", welcher von Hamburg nach Anttverpen ging, ist heute früh 5 Uhr infolgo dichten Nebels bei Austruweed mit dem von Tacoma kommenden englischen Viermaster„Osborne" zusammen- gestoßen. Der„Babelsberg" sind mehrere Eisenplatten eingedrückt, dt«„Osborne" hat am Vorderteil eine Beschädigung erlitten. Hochwasser. Die schweren Gewitter, die wolkenbmchartiqen Regengüsse, die über ganz Nieder-Schlefien und die angrenzenden Gebiete vorige Woche niedergegangen, haben allenthalben ein be- deutendes Anwachsen der Waiicrmasien, namentlich unserer so ge- fährlichen Bebirgsflüsie herbeigeführt. Der Schaden, den die Ueber- schwemmungen der Neisse, des Bobers. des Lueises, des Zackens, der Eglitz und auch der Spree an Feldern und Wiesen hervorgerufen haben, ist wiederum so bedeutend, daß die Anwohner und Besitzer der an die Flüsse grenzenden Gelände nach den Ver- lusten der letzten schlimmen Jahre nun bald verzweifeln möchten. In Rohna» ertrank ein Mann bei den Bergungsarbeiten. Die Eglitz brachte donnernd und mit furchtbarer Gewalt centuerschwere Steine. Balken, Tonnen, Baumstämme, tote? Vieh und Geflügel mit sich. In G r a b i g wurde eine Bauersfrau vom Blitze erschlagen. In Friedeberg trat daS Waffer infolge des Unwetters am Donnerstag auf verschiedene Straßen, starke Wassennassen sammelten sich in der Nähe des Bahnhofs. Ueber die Röhrsdorser Straße schoß ein breiter Strom. In LangenölS trat am Donnerstag der Oelsebach aus. Die einmündenden Bäche führten große Waffer- mengen mit sich. Die Bewohner hatten vielfach kaum Zeit, sich und ihre Faniilien und das Vieh in Sicherheit zu bringen. Am Freitag folgte wiederum ein hestiaeS Unwetter. DaS Waffer schoß hier die Laubaner Straße herab. Mächtige Waffennengen fluteten durch die Gärten an der Töpferstraße. Die Queis stieg beträchtlich. darf, Hagendorf. .«fal das Unwetter erwachsen. In Wecker»- Herten gewaltige Blitzschläge Besitzungen ein. In LangenölS sind viele Brücken, Stege, kostspielige Uferbauten teilweise bcrüichtet. Garten. Kartoffel- und Grünzeugfelder bieten einen traurigen Anblick. Keller und tjesaclegone Stuben waren mit Wasser gefüllt. In der ganzen Gegend ist der Schaden an Straßeil und Wegen sehr groß. Große Mcngeii Heu wurden mit fortgeführt. DaS auf dm Wiesen noch ans deni Halm stehende Futter verliert immer mehr an Wert. Die Queis war am Freitagmorgen verschiedentlich aus- geufert, da träfen am Abend infolge stundenlangen ivolkenbnicharngcn Regens oberhalb Marllissa und Breiffen- berg schon wieder Hochwassernachrichten hier ein. Am Sonnabendmorgen waren denn auch die Ivetten Wiesenebenen zwischen Steinkirch, Wingendorf und Holzllrch, soivie die Ebenen zwischen Wiiiischendors, Haugsdorf und Loga» völlig überflutet. Sonnabend- früh 4 Uhr hatte das Wasser mit 2,35 Meter seinen höchsten Stand erreicht. Der der Laiidivirtschaft zugefügte Schaden ist sehr bedeutend, Getreide-, Kartoffel- und Rübenfelder haben tagelang unter Wasser gestanden. Auf einen guten Ernteertrag ist daher kaum zu rechnen. In verschiedenen Ortschaften wurden die kostspieligen Ufer- und Tammbautcn, welche erst im vorigen Jahre ausgeführt wurden, zum Teil wieder weg _ Dem Besitzer der Ringofenziegelei in LangenölS wurde infolge des schnell eiiidrmgenden Wasser? ein ganzer Brand Ziegel vernichtet. Aus T r o p p a u wird gemeldet: Infolge des anhaltenden Regens in der letzten Woche sind sämtliche Flüsse Ost-Schlesienß, insbesondere die Ostmivitza, die Oder und die Weichsel bedeutend gestiegen und haben ausgedehnte Ueberschwemimmgeu angerichtet. Besonders hart mit- geuomnicii ist die Stadt Dchwarzwaster, deren niedrig gelegene Teile unter Wasser stehen. Die Lage war gestern nachmittag bedrohlich: an den Feldllmnren ist sehr bedeutender Schaden angerichtet. Sin» Kalschmiinzerbande. welche sich seit längerer Zeit mit der Herstellung von prenßiichen und bayerischen Ziueiniarkstücken und preußischen Zwmiziginartstücken befaßte, ist in Stettin durch die Be- mühniigcn der Krimmalpolizci dingfest gemacht worden._ Der Haupt- thäter ist der Schloffer Paul Ulrich in Grabow a. O.? seine Ehefrau hat mir den Familieiiangehörigcn und Bekannten das falsche Geld verbrottet. Die Formen und Platten sind von der Kriminalpolizei beschlagiiahmt worden. Cairo. Seit letztem Donnerstag sind in Alexandrien sieben Personen an der Pest erkrankt. Zwei Personen sind gestorben. Marktpreise von Verlii, am A. Juli 1890 »ach Erinitteluiige» des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. �Weizen *)RoaflclI. Fiitter-G erste, Hafer g»t „ mittel. „ gering. Richtstroh Hc». ■ lCrbsen, ispelsetohnra. Minsen„ «attvffcln, neu« gimdfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ ) Ermittelt pro 16,40 15,40 13,60 15,60 15.- 14,40 4,16 6,50 40,- 50- 70,- 1,60 1,20 Tonne 1 kg Schweiiieffeffch Kalbfleisch„ H«m»>elfleisch, Butter Eier 60 Stück Karpfen 1 kg Aal- Zander» Hechte, Barsch» Schleie, Bleie„ Krebse per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4— 2- 2,80 2,60 2,40 1,60 2,50 1,40 12.- I- 1- 1- 1,80 2,2(1 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 15,10 14,10 13,— 15,10 14,50 14,- 3,66 3,80 Sc •i: 1,20 1.- ._______........ von der Emtralstelle der Prenß. Landwirt- schaiiskommcr— Noliernngsftelle— und umgerechnet vom Polizeiprirsidniv! für den Doppel-Sentner. f) Klcinhaiidelspreise. Produlten markt vom 10. Juli. Am Getreidemarlt lag ein um- fangreicheS Angebot vor»nd fand infolge der billigeren Preisfordennigc., leichten Absatz. Auch das schöne Wetter und die vorgestrige nachkurSliche Berflanung der»orbamerikanischen Märkte übte fortgesetzt einen preis» drückenden Einffiitz aus. Weizen»lid Roggen wurde» zu 1,50 M. ermäßigten Preisen ziemlich lebhast gehandelt. Haser war bei belaugloseu Umsätzen tm Preise nominell wie vorgestern. Rüböl lag preishaltend bei belanglos« Umsätzen. Spiritus zeigte matte Tendenz. Laco 70« mlt 41,60(unveränderte Termine gaben 0,10 M- nach. Berlins Getreide- und Mehlzu fuhren zu Wasser vom 8. Juli mittags bis 10. Juli mittags betrugen 200 Tonnen Weizen, 361 To. Roggen, 145 Tonnen Hafer, 13 Tonnen Gerste. KartosselfaSrikate. Feuchte Kartoffelstärke ver 100 Kg. Brutto inkl. Sack— M. Prima trockene Kartoffelstärke p« 100 Kg. Brutto tnkl. Sack und Bichl 19,50 M., Supra trockene Kartoffelstärje— M. Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto 19,50 M. Eier-Berichr. Normale Ein je nach Qualität von 2,42»/,— 2chO M. pro Schock. Aussortierte lleine Ware je nach Qualität 2,20—2,50 M. pro Schock. Berliner Gemüse- und Früchte- Bericht vom 1. Juli bis 8. Juli. Gemüse je. Grospreise: Spinat 10—15 M., Schoten 5—6 M, , 5 M, Knoblauch, ungarische 28—30 M., Pfeffer- che Kartoffeln 2,20 M., Kartoffeln, nraauuna danrun 2,50 M., neue lange Kartoffeln 3,50—5 M., neue runde Kartoffeln 5—6 M., neue blaue Kartoffeln 5—5,50 M., neue Rosen-Kartvfieln 3—8,25 M., ttalicn rund« Kartoffeln 6—7,50 M., italieii. lange Kartoffeln 5—6 M, ungarische ninde Kartoffeln 4,50—6 M., ungarische lange Kartoffeln 6—7 M., alles per 50 Kilogra,»u>. Meerrettich 8—12 M, Porree 60— 75 Pf., Rettiche, Inenge 75 Ps. bis 1,50 M, Kohlrabi 76 Pf. bis 1 M., Landsalat 60 Pf. bis 1 M, Wirsinglohl 3—6 M., Zwiebel», jung« 50— 60 Pf. per Schock. Rettiche, bayerische 5-8 M. per 100 Stück. Rotkohl 2,60-3 M.. Weißlohl 2-2.60 M., Gurken, MiftbeeNvare 8—6 M. pro Mandel. Petersilienwurzel 3—4 M., Mohrrüben L— 2,60 M., Radieschen 75 Pf. bis 1 M. per Schock-Bunde. Karotten 2—5 M. per 100 Blinde.— Früchte: Detailpreise: Wald- Erdbeeren 60 Pf., Garten-Erdberren, 35—60 Pf. wetbe und rote Johannis- beeren 20-30 Pf„«lairbeeren 20 Pf., Kirschen ich- 50 Pf.,«lasltrschen 40 bis 50 Pf., sau ital. Aepfel 40 Ps.. Birnen 30-60 Pf., Himbeeren W Pf., Stachelbeeren 20 aure Natten 60 Pf., gelbe und blaue Pflaumen 35— 60 Pf., bts 2b Pf.. Aprikosen 40-60 Pf., Pfirsiche 10-15 Ps. per Stück. Tomaten 25—86 Pf. per Vi Kilogramm Witteiungsübersicht vom 1«. Juli 1«»».«orgeu»« Uhr. 17 18 16 12 BSeteer-Vrogiiof« für DieuStag. de» 11. Juli 1899. Ziemlich heiter und sehr wann, bei schwacher südlicher Lnftbeweguiig; Gewttt« nicht ausgeschlossen, sonst»rocken. Berliner Wetterbureau. as c* O.« ia *5, Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bet jeder Anfrage«in« Chiffre(zwei Buchstaben oder ein« Zahl) anzugeben, unter d« die Antwort erthejlt werben soll und die letzte AbannementSquittuug beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beam- wartet und schriftliche Autwort wird nicht ertheilt. Di« juristische Sprechstuud« wirb Dieustaa». tvouuarSta«« und Urettog» abends von 6 bis S Uhr abgeholten. V. Schmidt. Ei« Hütte» uns ftüher davon Mitteilung machen soll« und Zeugen benennen. (£. it.. Former. Ein» Ehrung seitens der Direktion wäre doch nur Heuchelet gewesen. Ihre Entrüstung iß ja berechtigt, ab« das Verhalten d« Direktion aufrichtig. Tschbke. Wenden Sie sich an Kern, Eharlottenburg, Garde Korps- lttaße 3. Wegen«». Wir müffm Sie, was Ihr« Ewsendungen betrifft, auf den Jnseratentett verweisen. Dillenburg. Es bleibt dmchans unllar, was Sie eigentlich wollen —®. H. 68. Darlehnsschulden verjähr« in 30 Jahren.— 9t. Ol. 1000. ES ist au» Ihrer Darlegung nicht zu«seh«, welches Gericht— w was für»in« Bach«?— Sie mein«.— g. V« New.— Soppen straffe. Si» können unter Darlegung des Sachverhalt» gegen b« Schwindler bei b« Staatsanwaltschaft, Alt'Moabit tl-U, Strasantrag stellten. Ccine desondere Fmm für die©twißiisciße ist nicht vorgeschrieben — B. II. Wenn Sie volljährig sind, müssen Sie das Buch nehmen und Zahlung m vollen» Umfang leisleu. Umgekehrt liegt die Sache,»nenn Sie minderjährig sind.— Recht III. Soweit ersichtlich, liegt kein gültiger Vertrag vor.— R. F. IK. Die Forderung verjährt erst Ende 1900 und lann ohne weitere» elngeklagt werden—eiuen Austritt aus der Volks-KrankeUlaste und frage an, wo die Adresse der Bolls- Krauicnkaffe sich jetzt befindet." Eine Zahlnngöverpslichiung liegt nicht vor, weil beschlosicn war, daß,>ver einen Monat rcstiert hat, ohne weiteres aus- scheidet und weil die Äasse.itraiiiengelder nicht gezahlt hat. Indes besteht hierüber sowie über die Legitimation der vermeintlichen Lianidatoren Streit. Zn raten ist: nicht zu zahlen. Eine Reihe gleichmäßig als Kasicnmitgliad->r Beglückter hat Herrn Rechtsanwalt Herzfeld mit ihrer Vertretung betraut. Zgeildcn Sie sich an diesen, wenn Sie erfahren wollen, ob und wie einer der angestrengten Prozesse entschieden ist.— P. F. Nicht mehr möglich. Siir den Inhalt der Inserate bernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beranimortiing. T henke v. DienStag, den 11. Juli. ReucS Lber»- Theater(Kroll). Die Fledenuaus. Anfang 7»/, Uhr. Residenz. Ter Schlaswagen- Eon- trolenr. Porher: Zum Einsiedler. Ansang 7»/, Uhr. vZeste». Die versunkene Glocke. Ansang 7 Uhr. Reueö. Die Wahrsagerin. Hieraus: Abschiebssouper. Anfang 7»/, Uhr. Schiller. Die Jüdin. Ansang 7V- Ihr. Ventral. Lumpenpack. Anfang 8 Uhr Friedrich. Kvilhelmsladtilche«. Flchnnana Senschel. Ansang 8 Uhr. Alcxaudcrplah. Nana. Anfang 8 Uhr. Dstend. Die Zauberin am Stein. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr. Pelle-RIIiauee. Specialitäten-Bor- stellung. Anfang 8 Uhr. Apollo. FrauLuna. Spccialitäten- Bmsteimng. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger Atisang 8 Uhr. Passage-Panoptiknm. Specsali- tätcn-Borftelluilg. Nrania. Taubenstrast« 48—40. Nalnrkuiidliche Ansstelllnig. Tag- lich geöffnet von 10 Uhr var »nittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr:„DaS Land der Fjorde". Lpemtelephon. Jnvalideuftraste 57/08. Täglich abend» von 5—10 Uhr: Steni- wart«. Slhiller-Theater («Oallner» Theater). „A orwltw-Ope**. DienStag, abends 7i/, Uhr: Die Jüdin. Große Oper in 5 Akten von Scribe. Musik von HalSvy. Mittwoch, abends 7»/, Uhr: var Trompeter von SUtklngen. Donnerstag, ab 66. 7»/, Uhr: Gastspiel„Heinrieh Botel": Der Troubadour. Ernkval Theater Direktion: Io«t Ferenczy. Gesamt-Gastspiel des Hamburger Ernst Drueker-Thealers HnfflNn R tlfir Ar in------- ®. Rosenthal. Musik von H. Aroth. Morgen und folgend- Tage: liompenpack. Hamb. BolkSstück. Wild-ssarl Weii-Theattt. «r. Kraukfnrierstrak« IST. (lytilu, vollt,tllmllcb»r Voratallungen. Die Zlluberi» m Stein. Lolis-Drama in 4 Akten V. Fr Nlffel MT Anfang 8 Uhr. OH DorzugLbillets haben Aülttglett. Heute im Garten: Specialitäten- u. Thcater-SZorstellung. Anfang 5'/, Uhr. lletropol-Vkeater. lledrsnate. 53 54. Direktion: Richard Schulte. Phänomenale« Juli-Programm. PHT" Biene Debutn!"MGf 8 Champions. Das graaiüse engl. Gesangs- und Taneeusemble Charles Baron* Der nrkonilache Dresseur im LBwankäflg, hlcgn art Oentbe« ala Yvette Gallbert, unvergleichliche Kopie. Sßtr Um 9 Uhr m der txrUsnte SaiMon-Krfolff Berlin lacht! Berliner Eevue. Da* grosuo Proanc-Ballett. Des grossen Erfohjes wegen prolongiert. Die» Bonhalp«. Sommergarten.Eauchen gestattet. Anfang: Sonn- und wochentags 8 Uhr. W. Hoacks Tbeater, Bnmnenstraße 16. Täglich: Theater- u. Speeialitäten- Uorstellung. Mein Hnsar. Ltederspiel in 1 Att von St ein er. N.'.'DieSchmittrlingeR«.' oder: Goldene Tage. Ausstattungs- Burleske mit Gesang und Tanz von W. Gericke. Musik von WappauS., Im Saale: TauahrünNeheu. I Kpollo-Theater. Abends 9 Uhr: FrauLuna mit dem I-nftballett „Origolatis". ferner: » OttQ Rentier« und 9 neue Speciaiitäten. Anf. des Garben-KonzOrts 7 Uhr. . der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Sommer- TveM »Atter Desslttier" Artilleriestr. US. Inhaber: A. I.adei Schattigster Garten Berlins. lg. ..... Täglich: Theater nnd TPeeialitäten-Borstellnug. Ostbahn-Park Herniann Inibs 71 Riidersdorfer Straße 71, a»n«üftriner Platz. Täglich: Ikou«ert. Tbeater- und Specialitäten-Vorstellnng. Aue eratülaaslge Hummern. Anfang: Sonntags 4 Uhr. Entrce20Ps. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden DienStag: Bsorddcutnche Sänger. Hermann Jmds. Direktor. mit Gesang u. Tanz v. L Musik von A. Kerstcn. Kost Pratvr-PbSatsr Sastanien-Allce 7/9. " st: Dornn Bc«!. Bolksstuck ugo Schulz, itmsoubrette Fräul. lüde Sarow..Gebr. Mtlardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz, sdooa u. Oamptoo, R.eck- wrner. kr. PIcarckx, Hand- und Kopf- Equilibrtst. Ballettgesellschaft Döring. «r. kartllng, lebende Photographien. SKonzsrt und Ball."TtSSsJ wochentags nnd Sonntags SO Pf., nun». Play 50 Pf. lialbo. Reichshallen. Garten re«p. Saal täglich: Stettiner Sänger (Mehsel, Pietro, Britto». Steidl. Krone, Kirch»naher, Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskaffe von 11—1 Uhr. Joden PreUag: Neues Programm. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" Koujtttgürtell u. PrMiilt kackatr.IS. Oesunckbrunnon. kackatr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Ttreich-Konzert. Sonntags: Großer Ball im neuerbauteil Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichleiten. k, BaUschmlackar. Victoria-Brauerei Ltihomstraste 111/119. Im Naturgartea oder 8aal: Täglieh Hnmortstische Soiree der Norddeutsehen Sänger (FUhrmann, Horst, Wald«), Ans. Sonntags ntne. 7, wochentags 8 Uhr. Entree 60 Pf. Somit. 40 FamtlienbilleiS »-IM Sonntag und Donnerstag nach der Borstellung: Tanakrlinachen. (III"I. I auf Teilzahlung. lUllmül Kellertnann, aVIVVVf Prlnacnntr.97, parterre. Eingang vom Flur.[* Passage-Pänopticum « Uhr früh bis 10 Uhr abends. Bon 6»/z Uhr ab: Tpeeinlitäten. Renk Die Ritsttt- Herold und beons in ihrer Burlesk- Szene: Dia Biesenbraut. " CASTANS■■ PANOPTICUM Die•enaatlonellen mr lebenden'»c Photographien! mit Figuren in Lebensgrösse, Die russische llitilinn" Damenkapelle i»I»iyUUU hen Kos in moskowitlschen Kostümen. Dnpifiiee" mit SBeinen gebor. „III Clllloo leb. Kosakenpferd. Pnhlmanne Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönst Allee 148, Kastain-Allee 97/99. Täglich: Konzert, Theater n. Speciaiitäten- Vorstellung. SmmrtheatttMrienbad Badstraste 35/36. Regie: Willy Reusche. Direktion: Mai Mekeiburg. Heute s o wi e täglich: Bonzrcrt-, Alllicstcz»- und Speeialitäten« Borstellang. Berlin wie's näht und trennt. Rosen ans dem Süden. Nach der Borstellung: U u 1 1. Max Kliems Sommer-Theater Ilanenhelde 14—15. mr- Rrtisttsche Leitung: Pauk Mikbih. .>. Mteu-KoMt. Theater- nnd Specialitäteu-Äorstellung. Anftreten des gesamte» Schauspiel- u. Spectalitäten-Personals. Rnr erstklassige Kräfte. Georg Fischer(Licderiänger), Karl Gursch(Tanz« Parodist), Fma Bamola (Kostüm-Sonbrette), Vondaro-Irlo(Phänomenal), Prtros Boslnl(Eqnilibristen), Mr. lootarckl(Antipode). Zkenen gctllcscnco FamiUen-Progrannu. Entree: Wochentag« 30 Pf. I Kntveo; Bonntags 28 Pf, ZhilNttierter Platz 40 Pf I Nrililerierter Platz 50 Pf. Ankang des Konzerts täglich 4 Uhr.| Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Festsäien: SV Grostee Ball."UM Die Kaffeeknche ist geöffnet. Aax Bliem. Schweizer- Garten Nm Königsthor(Ringbahn) Am Friebrichshailt. Tiiglil!,: Theater- ttttd Spetialitäten-Uorstellang. Austreten de« neue» 1Äun«tIer»F,n«embIen. Jeden Abend von 10-11 Uhr: Otreiltslteu int Verde. BurleSke mit Gesang in 2 Bildern. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale:»SSL» _ In Borbereitnna: Der Zlntndor r«n BIant«eh«n. SV Im August sind noch zwei Sonimbenbe an Vereine zu vergeben. KS. Giinzel- I.ntlirinnortitp R9. tzSpecialität: Portrats Lothringerstr. 52.1®»«'«#� Porträts lassaae, Marx zc. tnClg arre\ i Bildern u. dgl., sowie jede Drechslerwanre u. Repar.(Man verl. Preiskurant. AZsue Wttkle de! KSalgsUUSterdauseo. Zü Dampfer- nnd Landpartien vorzüglich geeignet. Otto Beyers Reslaurant„Zur Selileuse" 1000 Personen fassend. Kegelbahnen. Kaffeeküche. Bolksbelustigungen Für Bereine und Fabriken coulanteste Bedingungen. f216ZL* ElnailDfe Banipfer- Anlegestelle In yene llühle. Der Rumtopf. Wedding-Park BUll er- Strasse 178.| Norddeuiseae saugier. Biegler, Wolf, Hohenberg etc. Entree 20 Ps., Borzugsblllets 16 Pf Ein getuilSes, Herzbaste» Kompott u jeder Jahreszeit ist das iöstliche Rum- Kompolt, welches sich jede Hansfrau ohne Mühe in beliebiger Menge sehr leicht nnd billig herstellen kann. Das ist der Rnnitopf, in wehchen man jede Fmchtart, die der Marli bringt, mit gutem Rum einmacht. Da aber die Haltbarkeit und der Ge schmack des Rmn-Kompotts von der Feinheit des RumS abhängt, f» war die Herstellung für manchen Hanshalt bisher immer noch zu kostspielig und nur schwer oder garmchst ausführbar, besonders wen» der Topf etwas größer ausfallen sollte. Jetzt ist es jedoch ein sehr billlges Vergnügen geworden, bekaimtlicki bereitet niair sich mit einer Originalflaschc Reichels echter Jamaiea- Ruui-Bafis sür 75 Pf. und 1 Liter Weingeist für 1,40 M. über 2 Liter feinsten Rum fosort selbst; beides zu haben bei Otto Reichel, Berlin LG., Eisenbahnstrabe 4, Fernsprecher IV, 5190, Die Zilsendniig, selbst einzelner Flaschen, geschieht durch eigene Gespanne hier frei Haus, nach auswärts durch die Post und sei noch bemerkt, daß genannte Firma ein brillantes Recept zu Rum-ttompott. welches in den meisten Kochbüchern lhatfächlich nickit enthalle» ist, nebst Prospekt zur Selbstvereitnug von Eognac, Rum und sämtlichen Liqueuren gratis und franko versendet. 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Meyer, Mariannenstraase 2(Blumen-Geaohäft): Ad. Wenmann, Brunnenstrasse 150(Restaurant): Ad. Ilttbner, Wilhelmstr. 134, Bot L, sowie bei allen Bundesvereinen und in den mit Plakat belegten Handlungen. � Abgabe der Billets an Vereine nur gegen Vorzeigung der � Vereins-Bundes-Mitgliedskarte bei obigen Vorstands• Mit gliedern. 16/13 Socialdemokratisclier Walilvereln f. den 6. Berliner Reiclistags- Wahlkreis. Dm Aenasseu zur Nachricht, daß unter Plitglied, der Eigarrenmacher lüifiZilzn ZiivM am Sonntag verstorben ist. Die Be- erdigung findet am Mittwochnachni. 5 Uhr vom Lazarus- Krankenhaus, Bern ancrst ratze, ans statt. Deulseiier Meiallarbeiier-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). Todes-Anzeige. Am Sonnabendmorgen verstarb nach langein Leiden unser langjähriges Mit- glied, der Dreher fori Ratzke. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag- nachm. 4 Uhr von der Leichenhalle des Nazareth-KirchhofS, Dalldorf. Chaussee, aus statt. Il3/o Tie Orisverwaltung. Csnirai- Krankenkasse der Tabakarbeiier. De» Mitgliedern hiermit zur Nachricht, das, unser Mitglied Ciiristian Stropliff an, 9. Juli verstorben ist. Die Be- erdigung nach dem St. Hedwigs- Kirchhofe in Weitzensee findet vom Lazarns-Krankcnhouse aus am Mitt- wochnachmittag 5 Uhr statt. Um rege Beteiligung im Namen d. Angehörigen ersucht 1277b Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und reiche Kranzspende bei der Beerdigung rneines lieben Mannes, des Leder- arbeiters Pmll P«!o sag« hiermit allen Freunden, Verwandten und Be- kannten, sowie den Chefs und dem Personal der Lederfabrik von Eyk u. Strasser meinen herzlichen Dank. Wwe. Amin PS« geb. Rammler, __ Weinbergsweg 6._ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Emma Tiedtk« sage allen meinen Freunden, Be- kannte» u. Kollegen, insbesondere dem Gesangverein„Olympia" meinen tief- gesühltestcn Dank. 12S8b€arl Tledtke. Schultheis»' Versandt, direkt vom Faß,«/„ Liter 10 Pfg. Restaurant tt, Garten, Vrnckenftr. 2. 19606*)_ M. Boseuberg. ophastoffe auch SV St PjtC" in Rips� Damast, Crepe, Phantasie, Gobelin nnd Plüsch spoitbilligk �0092* �- Pi'«bei> f>'a»<'o!'T&Q "8lii((ti«|e Berlin 8., Oranieusir. Rr. 1»8. emil leiem, MtWtif» m. Bier 50 Pf. .Braten, Kompott. Köpenlckerstr. 55a. Fahrräder Stets großes Lage, erstklassiger Fabri- knie auf Teilzahl. ohne Preiser- höhungzuben conlant.Zahl.- Bedingungen. Katal. gratis. Wenig gebrauchte Räder für Herren u. Damen zu billigen Preisen unter Garantie.[♦ Adomeit& Landau liOthringerstr. 48 I. Dicht am Rosenthaler Thor. I* Fahrräder wirklich eratklaasige Maschinen von 85 IWHü» an- Jhauien cy cles| onOSMk-au Baer Sohn Chausseestr. 24 a. Achtung!'MU IMT Achkunq! Wkitn und AMiteriilile« Derlins. Donnerstag, den IS. Jnli, abends 8Vs Uhr: UolKs-Uevsammlung im Lokal„Kösliner Hof", Köslinerstraße Nr. 8. Tages-Ordnung: 1. Die Bekämpfung der Tuberkulose und der Verband der Metallindustriellen. Referent Herr Dr. C. Freadenbera*. 2. Dis- fufflon. 3. Verschiedenes. 268/4 Die Centralkommissio» der Krankenkassen Deutschlands. I. A.; E. Slmanowski, Gartenstr. 78. .SfF" Der Vorstand des Verbandes der Berliner Metallindustriellen, sowie der Vorstand der Neuen Maschincnbauer-Krankenlasse ist zu dieser Veriammlung brieflich eingeladen.— Wir ersuchen die Metallarbeiter des Nordens ganz besonders, sich an dieser Versamnilnng zu beteiligen. Cenlralverbanil der Töpfer Deutschlands (Filiale Berlin). Am Dienstag, de» II. Jnli, abends T'/a Uhr, im Lokal von Münzer, Bergstraste 7 in Rixdorf: Mitglieder- Versammlung dev /Baftlltelte Nixdovf. Tages-Ordnung: Vortrag und Gewerkschaftliches. Zahlreichen Besuch erwartet 195/13 __ Der Vorstand. I. A.: Otto Kronfeldt. Achtung! Maurer. Achtung! Mittwoch, den IS. Juni 18Sg, abends 8V, Uhr: JBmci DevsAnnnlungen des Pereills zur Wahrung der zutereflen der Maurer Berlins und Umgegend im Lokale deS Herrn Mau, Perlebergerstr. 13 und im Lokale des Herrn Hoffmann, Alexanderstr. 27 o. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1 Zweck und Nutzen der Organisation und die Lohnkämpse in Deutschland. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 2S/14_ Der Borftaud. I. A.:(!.«aetorvi. llsutaall. Kilktallai'böitei'-Vki'bailll (Fem-altnnxaateUe Berlin.) Am Mittwoch, den IS. Jnli 189S, abendS 8 Uhr, im Lokal „Armin-Hallcn", Kommandantcnstraste Sv: Versammluug für den Süden. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Vieler FrNnlcl über:„Die sociale Bedeutung der Konsilingenossenschafte»". 2. Diswssion 3. Ergiinzungswahlen zur Bezirksleitung. 4. Verbandsangelcgenheite» und Verschiedenes.— Zahlreicher Besuch ist notwendig. Das Protokoll der Generalversammlung in Halle a. S. ist erschienen und zum Preise von 10 Pfemtig bei den Kassierern, sowie im Bureau Anneustraße 39 erhältlich. 113/4» Die Drtsverrvaltnnx. Dienstag, denll.d.M., abds. Uhr, b. Dickel, Hasenheide 52/53: Wut!. Versauluilung des Vereius zur Vorbereltuilg einer Aalisumgelilljsenslhgst Siiii-Z Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Rechtsanwalts Vieler Fraenkl: sociule Bedeutnug der Koltsmgeiigsstllslhgft". 3. Diskussion. 3. Verschiedenes und Ausnahme neuer Mitglieder. lim recht zahlreiches Erscheinen der Genossinnen und Genossen bittet 268/2*] Der Veratand. 7aShMn 0 kl 10■lah>'e Garantie. Vollkommen echmenloies Zahn- /njifilH/ Iii riehen 1 M. Plomben 1,50 M. Teilzahl, wdchentl. t M. ' Zahnarzt Weif. Lelpzlfleratr. 22. Sprechet. 9-7. Oeffentliche Buchdrucker-Versammlung Mittwölh, Heu U. Zuli, gbeuds 8 Uhr, iu den Arulinhulleil, Koliimailllglttellstr. H. Sorialdemokratischer Wahlverei» fttr den 4. Kerlwer Reichstags- Waljlkveis tVßeu). Dienstag, II. Juli, abendS 8 Uhr, bei Breuer, Gr. Franks, irterstraste 117: ZW"\ a i* s a tu in I u ii"HSV Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Wca-I über:„Ter Alkoholismus und die Arbeiter.» 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. StF" Die Versammlung wird laut Beschluß pünktlich um S'/z Uhr eröffnet.-TÄS[243/3* " ches G......-— Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Verstand. Atumtopf uud Num-Kompott! Rum selber zu mache» nehaie man 1 Originalfl. Peicbel's Echte Jamaica-Rum-Basis für 75 Pf., 1 Liter Weingeist (Spiritus vini) zu 1,40 Mk. und 1 Liter Wasser. Die Bkischung ergiebt einen feinen kräftigen Rum von dem wundervollen Aroma u. Geschmält des Jamaiea- Stunis, da meine •Janialea- Biirn» Ba«!» dieselben eigenartige» Vorzüge und Merkmale in Natur besitzt. Der daraus bereitete Rum ist im BerhältniS eine naturgetreue Wiedergabe des echten Jamaiea- Rums»ud eignet sich Vorzugs- weife zur Dhee- u. Grogbereitung. Echt nur in Originalflaschen mit meinem Namenszug und einzig und allein nur dirett bei 2178L» litte Reichel. E.WVst?.'4. 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Vortrag des Genossen Kobert Schmidt über: Die Bedeutung des Exports für die Musikinstrumenten-Jndustrie. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheit und Verschiedenes. Jeder Vertrauensmann ist verpflichtet, für die Versammlung zu agttieren. Dreclislei*! Die Wahl des Gesellen-Ausschusses von 4 Mitgliedern und 2 Ersatz- ulännern zur Zwangsinnung der Drechsler sindet am Dienstag, 11. Juli, abends 8Vz Uhr, im Lokal„Englischer Garten", Alexanderstraße 27c, pünktlich statt. Alles nähere siehe Säulenanschlag. Der Branchenvertreter der Drechsler. jnjtp Alle Branchen- und JnnungSangelegenheiten sind an P. Bünte, Stralauerallee 25, zu richten. Werkstatt-Angelegenheiten und-Differenzen sind im Osten an Kollegen E. Koppen, Rüdersdorferstr. 59; Norden an Kollegen Becker, Stralsunderstr. 48; S ü d- O st e n und Süd- W e st e n an Kollegen Maisch, Naunynstr. 72, zu richten. Donnerstag, den 13. Juli, abends 8>/z Uhr, im Lokale des Herrn lSehlller, Rosenthalerstraste 57; Drancheu- Versammlung der Stellmacher. Tages-Ordnung: 1. Der Zweck der Arbeitslosen-Unterstützung. Referent: Kollege Allngner. 2. Diskussion. 3. Verb andsangelegenheiten. 4. Verschiedenes._ Soeben beginnt mit einem neuen Roman einneues Abonnement auf ILLUSTRIRTER0MAN BlBLIOTHEKSdAHHC T-10PFENNIC' Butter täglich frisch ankommend, offeriere meiner werten Kundschaft in nachstehenden Filialen: Koppen-, Ecke Gr. Fratlisurterstraße. Zorndorferstraste 1, «rantttraste 48. Langestratze 27. Oranienstratze 139, Bmkowerstratze 14. Memelerstratze 52. Rigaerstratze 1. Markusstratze 47. Andreas-Markthalle Std. 115-118. Reihe E 15-18. Frankfurter Allee 134 Gras-Butter............« Mk. 0,90 Feine Gras-Tafelbutter........ 1 Ailerfeinsle süsse Labnen-Grasbutter Mk. 1,1« Rter, täglich frisch eintreffend.. Mandel 00�70 Pf- Käse, nur bessere Qualitäten. fl822L. J. Haeding, Krautstr. 48. Möbel und Polsterwaren. Großes Lager. 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CiiaHottenbnrzx: Gnst. Scharnberg. i-chillerstr. 941 A. Tietz. Kaller Friedrichstr. 37b. Friedenau: H. Bernsee, Kirchstr. 15. Fi-Iecli-it-hwbei-g;; Anton Kopp, Friedrich Karlstr. 4. PanliOn-: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Bixdoi-f: E. Ostermanu. Erckstr. 6. E. Retzeran, Hermanustr. 50. Sebiineberg: Wilh.Bäu»iler,ApoäesPaulusstr.l3 Welsnensce: Heinrich Bachmann. Lehderstr. 1. Julius Schillert. Königchaussee 39a. Stob. Liebschwager. Gustav-Adolf- straße 16. «erantwottlicher Redaeteur: Augnft Jacobe» t» Berltn. itzür den Inseratenteil verantwottlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading i» B-rliu.