Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62 Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Freitag, 12. November 1937 17. Jahrgang Unerfreuliche Feststellungen des Außenministers: Die internationale Spannung wächst Das Echo von Teplitz beweist Deutschlands unfreundliche Haltung Prag. In den Außenausschüssen der beiden Kammern erstattete Außenminister Doktor Krofta am Donnerstag ein ausführliches Exposé über die weltpolitische Lage, in dem er einleitend mit ziemlichem Freimut den Optimismus korrigierte, den er in seinem letzten Exposé vom Mai dieses Jahres bezüglich der weiteren politischen Entwicklung an den Tag gelegt hatte. Er gab zu, daß heute alle Mächte sich auf einen drohenden Krieg durch forcierte Rüstungen vorbe. reiten, und setzte seine Hoffnung, daß ein Krieg dennoch vermieden werden könne, eigentlich nur mehr auf die furchtbaren wirtschaftlichen Folgen, die ein Krieg für alle mit sich bringen müßte. Bezüglich Deutschlands erregte feine Erklärung großes Aufsehen, daß er die Fest stellung feines letzten Erposés, daß Deutschland eine grundsäßlich antitschechoslowakische Politik nicht nachgesagt werden könne, heute leider nicht mehr aufrechterhalten könne. Wir geben Kroftas Ausführungen über diesen Punkt, die auch eine scharfe Zurückweifung des feinerzeitigen deutschen Kommuniqués über den Protestschritt des Gesandten Dr. Mastný enthalten, nachfol gend wörtlich wieder: rung in Rosenberg zu verweisen, wo er ganz klar und entschieden gesagt hat, daß wir jeden äußeren Eingriff in unfere inneren Angelegenheiten, sei es durch die Presse, sei es auf anderen Wegen, kon fe auent und grundsäklich 3 rückweisen, ebenso wie wir selbst uns nach diesem Grundsatze im Verhältnisse zu anderen streng richten wollen und müssen. Ungeachtet der von wo immer kommenden Drohungen oder Beleidigungen werden wir uns in unserer Minderheitenpolitik wie bisher sowohl nach unseren Verpflichtungen, die wir durch die Friedensverträge auf uns genommen haben und deren Erfüllung der Völkerbund überwacht, als auch nach den Grundsätzen demokratischer Gleich beit, Anständigkeit und Gerechtigkeit richten, zu denen wir uns aufrichtig bekennen. schaftlichen und sozialen Zustand das Ende des Krieges die beiden Gegner vorfinden wird. Was den Vö Iterbund anlangt, unters scheidet der Minister die auf politischem und auf wirtschaftlichem Gebiet erzielten Ergebnisse. Gut waren die Ergebnisse der Tätigkeit der techni schen Sektionen, insbesondere der Wirtschaftsfettion. Demgegenüber hat die politische Tätig feit des Völkerbundes in der letzten Reit nur bescheidene Ergebnisse gezeitigt. Fieberhaftes Rüstungstempo Aus dem Inhalt: Forderungen der Angestellten Weltkonjunktur am Höhepunkt? Gaskrieg gegen Bomber Turnverein Neudek eingestellt Nr. 266 Polnisch reden, Herr Henlein? Am 5. November wurde zwischen der deutschen und der polnischen Regierung ein Abkom men über den Schutz der Minderheiten abges schlossen, das nach der Versicherung der Zeit" weitgehend ist. Die Grundgedanken dieses Abkommens sind: eine zwangsweise Entnationa lisierung ist unerwünscht; die Angehörigen der Minderheiten haben das Recht, untereinander in ihrer Sprache zu verkehren, sowie Zeitungen in ihrer Sprache hinauszugeben und in ihren Versammlungen ihre Sprache zu verwenden; die Angehörigen der Minderheiten dürfen sich zu Vereinigungen zusammenschließen und Schulen in ihrer Muttersprache erhalten und errichten; at den Religionsgemeinschaften der Minderheiten Die unausgeglichenen, unklaren Verhältnisse kann die Sprache der Minderheit gebraucht werzwischen den Großmächten führen zu einem fieber- den; die Angehörigen der Minderheit genießen bei baften Tempo ihrer Rüstungen, worin ihnen der Wahl, der Ausübung des Berufes und bei auch die Kleineren Staaten folgen müssen. In die ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit die gleichen Rechte fem Zusammenhang stasift der Minister das Roh- wie das Staatsvolt. stoffproblem und die deutsche Forderung nach Kolonien. Siezu bemerkt er lediglich, daß ein Anlaß, Herrn Hitler als Freund und Förde= die Frage der Neuregelung der Kolonien die interfind an dieser Frage nich tdirektinter. nationale Bolitit lange beschäftigen werde. Wir rer des nationalen Friedens zwischen dem Stactsvolt und der polnischen Minderheit in Deutscheffiert und wir können weder noch wollen wir land hinzustellen und anzudeuten, daß die deutsche in fie eingreifen. Der Besuch Mussolinis in Deutsch- Minderheit in Polen für den Schuß, den sie inland habe offenbar der Schaffung einer zeitlichen folge des Eingreifens Hitlers nunmehr genießen und fachlichen Nebereinstimmung zwischen der Boli- wird, dankbar sein darf. Die Zeit" hat für tit Roms und Berlins auf allen Gebieten ge- die Nachricht über den Abschluß jenes Mindergolten. heitsabkommens zwischen dem Dritten Reich und Nähere Aufmerksamkeit widmete der Minister Das ist alles. Aber es ist der Henleinpresse Was unser Verhältnis zu Deutschland anbelangt, babe ich das letztemal die Ueberzeugung ausgesprochen, daß ihm eine grundsätzlich antitschechoslowakische Politik nicht nachgesagt werben könne. Ich wäre froh, wenn ich auch heute diefe Ueberzeugung gleich entschieden wiederholen fönnte. Leider muß ich im Gegenteil mit Bedauern an einige Erscheinungen aus letzter Zeit erinnern, in denen unsere Deffentlichkeit natürlich Beweise gegen dieselbe sieht. Ich habe die neue scharfe Stampagne im Auge, welche die deutsche Breffe im Zusammenhang mit dem befannten Tepliker Vorfalle gegen uns entfesselt hat. der Kleinen Entente, von der gesagt wer Polen gleich einen dreispaltigen Titel Ein Ereignis, wie es heute jeden Augenblick in den tönne, daß das einheitliche Vorgehen in Genf riskiert, wie er in der Regel bei Nachrichten der verschiedenen Staaten Europas in weit bedenkin allen internationalen Fragen und schließlich die" Beit" über den von der SdP angeblich geführ= gemeinsamen Verhandlungen mit Ungarn über die ten Rechtstampf des Sudetendeutschtums" Berlicherer Form vorkommt, wurde hier zum VorGleichberechtigung die Stimmen zum Schweigen wendung findet. gebracht haben, welche bei jeder Gelegenheit von wand einer auf entweder ganz unwahre oder Es ist jedoch merkwürdig, daß die deutsche einem Zerfall der Kleinen Entente sprechen. wenigstens die Wahrheit grob verzerrende BeMinderheit in Polen von dem Abkommen keines hauptungen gestützte Beschuldigungen der TscheVon Ungarn erklärt er mit Befriedigung, wegs begeistert ist, sondern der Meinung AusEs ist bekannt, daß unser Präsident der Nedaß die Aussichten einer allmählichen Besserung des choslowakei, die drohend andoutete, daß Deutsch- publik ebenso wie der Vorsitzende unserer Regie- gegenseitigen Verhältnisses sich seit seinem lebten druck gibt, es werde alles beim Alten bleiben: das land sein zahlenmäßiges nebergewicht und fein rung sich das Ziel gefezt haben, dahin zu gelan parlamentarischen Exposé noch vermehrt haben. Auch heißt, an der Verfolgung der deutschen Minderheit Uebergewicht an Macht zu einem Drucke auf die gen, daß die Frage unserer Minderheiten gemäß die in der letzten Zeit zwischen den Staaten der in Polen werde sich ebensowenig etwas ändern, Tschechoslowakei im Bereiche ihrer Minderheiten- dem Wunsche des Präsident- Befreiers nur eine Kleinen Entente und Ungarn geführten Gespräche wie sich an der Bedrückung der polnischen Minderpolitik benügen könnte. technisch- rechtliche, des politischen zeugen von dem Wunsche der ungarischen Regierung heit in Deutschland etwas ändern wird. Schon der Es ist natürlich, daß wir all dies nicht mit Charakters entbehrende Frage werde. Wir behaup- und der Staaten der Kleinen Entente, fich gegen Text des Abkommens läßt diese Annahme als Schweigen übergehen konnten, und daher den ten nicht, daß bei uns in diesen Dingen bereits seitig zu verſtändigen. Unsere Beziehungen zu Oesterreich tragen einen Hinweis auf die Methoden der Durchfühberechtigt erscheinen. Denn nirgendwo finden wir deutschen Standpunkt entschieden zu alles vollkommen wäre, doch sind wir stolz darauf. andauernd ihren traditionellen Charakter des freundschaftlichen Zusammenlebens; das Bewußtrung, nirgends eine Aeußerung darüber, ob das fein unserer gemeinsamen Interessen wächst, was ein schon geschehene Unrecht gutgemacht werden weiterer Beleg für die fortschreitende Konsolidie- wird. rung im Donauraum ist. Aber selbst wenn angenommen werden Ein wirklich freundschaftliches und herzliches fönnte, daß das von der Zeit" so sehr gelobte Verhältnis bejizen wir zu Frankreich. Der und als weitgehend" hingestellte Abkommen in Lille von dem festen Entschluß Frankreichs her- Minderheiten in den beiden Ländern durch dieses Minister hebt hier die kürzliche Erklärung Delbos' genau durchgeführt werden wird: was hätten die bor, in ernsten Augenbliden seinen Verpflichtungen Abkommen gewonnen? Doch nichts anderes als die gegenüber einem angegriffenen Staat nachautom rüd weisen müssen, als ob der Protest daß wie heute die Mehrheit Europas anerkennt unseres Gesandten gegen eine solche Schreibweise von allen Staaten mit Minderheiten wir in der deutschen Preffe nicht am Blaze gewesen wäre. ihrer menschlichen und gerechten Lösung am weiteIch bedauere alles dies deshalb, weil dadurch unser sten fortgeschritten sind. Wenn diefe Tatsache auch Streben nach einem guten Verhältnisse zu Deutsch in Deutschland gehörig erfaßt und entsprechend land nicht gefördert wird. bewertet würde, könnte die Frage unserer deutschen In der Sache selbst genügt es, auf die kürz Minderheit kein Hindernis für unsere guten Beliche Erklärung des Vorsitzenden unserer Regie- ziehungen bilden. Allgemeine Unruhe in der Welt land. men. In England dauert das Interesse der Feststellung der primitivsten und selbst. Deffentlichkeit für mitteleuropäische Fragen an und verständlichen Rechte, die eine nationa.e verstärkt sich. Was Sowjetruk I and an- Minderheit überhaupt haben kann mit AusEinleitend gedachte der Minister des Todes des spanischen Angelegenheiten verhandeln, hat jeder langt, tönnen sich trob unserer bekannten Vorbe- nahme der Deutschen Südtirols, die allerdings Bräsidenten Masaryk. Die tiefe und disziplinierte der Teilnehmer gleichzeitig die Situation im er halten bezüglich der sowjetischen Staatslehre unsere von dem Verbündeten des Herrn Hitler unterTrauer der Tschechoslowakischen Republit hat bei nen Osten im Auge. In der Civalität der Groß- Beziehungen zu diesem mächtigen Gebilde ganz glatt drückt werden. allen ausländischen Teilnehmern des Begräbnisses mächte stoßen wir auf Mittel, die heute in einem entwideln; unser Baft über gegenseitige Hilfelei Welch ein Erfolg, die platonische Zusiche einen gewaltigen Eindrud hervorge- noch nie dagewesenen Umfange angewende werden. stung dokumentiert das gemeinsame Interesse an rung, daß nicht mehr zwangsweise entnationalis rufen; die geschlossene und schöne Anerkennung von Erinnern wir uns nur der panarabischen der Erhaltung des Friedens. Masaryks Persönlichkeit und seines Werkes im Aus Bewegung, die heute von Maroffo über Tunis nach| Mit Italien find wir stets bereit, um so fiert wird! Man sehe doch, wie ernst es den lande hat einen ungewöhnlichen Wert Palästina und Irak hinübergreift. eher zusammenzuarbeiten, als wir die italienischen Hitleristen und den Pilsudstisten ist: die Minderfür unseren Staat und dessen Stellung zum Auss Hieher gehört auch das Argument der ver- Interessen im Donaugebiet anerkannt haben und heiten dürfen sogar Schulen in ihrer Muttermeintlichen bolichewiftifchen Ge- anerkennen. Ueber unser Verhältnis zu Polen sprache errichten und erhalten! Das heißt, Nach dieser Einleitung ging der Minister zur fahr für die ganze Welt, das einerseits der Bar- fönne leider nichts Neues gesagt werden. wenn sie Schulen haben wollen, wird die MinAnalyse der allgemeinen internationalen Lage trümmerung der inneren Einbelt der öffentlichen derheiten niemand daran hindern, sie selber zu Meinung in einzelnen Staaten, andererseits dazn Am Schluß der politischen Uebersicht widmete bezahlen. Keines der beiden vertragschließenden Die in seinem letzten Exposé vom 21. Mai d. I. dionen soll, die Sympathien zu diesem oder jenem der Minister ein Kapitel der Zirkumstriptionsbulle Länder verpflichtete sich, Minderheitenschulen von ausgesprochene Hoffnung, daß allmählich eine inter- Staate zu schwächen, der momentan im Brennpunkte des Bapstes, die für unseren Staat die definitive it a at 3 wegen zu errichten und zu erhalten! ber nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Entfeffenationale Beruhigung eintraten werde, hat sich lei- des politischen Intereffes steht. äußere Abgrenzung der Diözesen festsetzte, besprach dann unsere Außenhandels-, Verkehrs- und Luft- und so etwas stellt die Henleinzeitung als einen ten Krieges mit Millionenaemeen im Fernen Often fahrtpolitik, konstatierte deren gute Ergebnisse in der nationalen Erfolg hin, als einen musterhaften ung eines weiteren, wenn auch nicht formell erflär. lebten Zeit und spezifizierte auch in diefer Be- Zustand, für dessen Herstellung das Deutschtum und andere Ereignisse haben diese allgemeine UnIm spanischen Konflikt, dessen chronologische ziehung unser Verhältnis au den einzelnen Staas dem Hitler dankbar sein müsse! Ja, die Deutthe noch vergrößert. Die Gefahr wei- Entwicklung der Minister ausführlich darlegt, ist die ten am Schlusse seines Erposés jagt er: schen in Polen dürfen sogar Versammlun terer Berwicklungen und Konflikte ist unstreitig noch Situation heute so, daß es den Verhandlungen des Wir fehren in die Zeit schwerer Prüfungen in ihrer Muttersprache abhalten, zei erfannten Führerscharen und sich über auf Spanien tangiert auch uns! dens stützt sich heute eher auf die wirtschaft weitere ärgere Ereignisse zu verhindern. bisher gen zurück, wo es galt, daß sich alle um die an- tungen in ihrer Muttersprache hinausgeben. liche Analyse der internationalen Situation. Wir in der Tschechoslowakei haben unsere be- an die uns alle unmittelbar betreffenden wefent. untereinander deutsch reden und deutsche fonderen Gründe, die Verhandlungen betreffs Spa- lichen Dinge des Lebensinteresses halten. Der Aufschriften auf den Grabsteinen haben mertiam, welche wirtschaftlichen Folgen ein totali niens sehr sorgfältig zu verfolgen denn bei den sich schwere Schlag, der für uns der Tod des Präsident- was die südtiroler Deutschen bekanntlich tärer" Krieg, auch wenn er mit Erfolg geführt wird. trenzenden Interessen der Großmächte werden uns Befreiers war, hat uns alle nur gestählt, hat die nicht haben dürfen Herz, was begehrst du für eine Großmacht haben kann. Auch die schred- manchmal sehr deutlich die offensichtlichen Zusam. Atmosphäre unter uns aufgehellt und hat uns aufs mehr?! Ist Hitler nicht würdig, von den Deutlichen Erfahrungen der Flugzeugmassenangriffe menhänge des spanischen Ringens mit den mittel- neue ins Gedächtnis gerufen, daß es in der Außen- schen in Polen als Beschüßer angeboten zu wers Lösung politischer Probleme durch einen solchen Grundsatz ,, Spanien den Spaniern" ist naturgemäß keine Parteien, Strieg auch weiterhin unfer Grundfah. feine Verschiedenheit der übung eines Berufs dürfen die Deuts Anschanungen über die Lebensfragen des Staates schen in Polen fortan Der Minister erwähnt sodann den japanisch gibt. Für eine Außenpolitik in einer Zeit, in der angeblich nicht mehr Dazu tritt noch, daß der wechselseitige ursäch liche Zusammenhang zwischen den einzelnen Ereig chinesischen Zusammenstoß und erklärt, daß für die wir heute leben, ist Hauptbedingung des Erfolges behindert werden: nur daß ihre nationale Zuge= niſſen, und awar nicht nur in Europa, sondern auch europäischen Großmächte und die Vereinigten Staas biefe Gefchloffenheit, diefe Einheit im In- hörigkeit kein Grund sein darf, ihnen eine Stelin der ganzen Welt gewachsen ist. Wenn heute die ten fait größere Bedeutung als die Ereignisse auf nern; wenn wir sie haben, und wir haben fie, fung zu verweigern, steht nicht in dem AsWestmächte mit Sowjetrußland in London über die den Schlachtfeldern die Frage hat, in welchem wirts dann muß uns vor dem Morgen nicht bange sein. tommen. Und so werden zehntausende Deutscher Seite 2 Freitag, 12. November 1937 Nr. 263 in Polen weiterhungern, nur deshalb, Weil sie Deutsche find.— Selbstverständlich müssen die Deutschen in Polen mit den Aemtern in der Staatssprache reden, dürfe» sie ihre Muttersprache nur im p r i v a t e n, nicht aber im amtlichen Verkehr verwenden. Ein m u st e r- hafte s, ein beispielhaftes Minder- heitenablommen! Angesichts der Zufriedenheit, welche die„Zeit" über dieses wunderbare Ergebnis der hitlerschen Regierungskunst äußert, muß man sich doch fragen, ob Herr Henlein es vielleicht unterlassen hat, Herrn Hitler mit seinen bekannten nationalen Anträgen bekanntzumachen? Herr Hitler hätte doch in diesen Anträgen eine Grundlage gefunden, die Deutschen in Polen noch besser zu befriedigen, um so mehr, als Henlein die Welt glauben zu machen versucht hatte, daß die parlamentarischen Anträge seiner Partei zur Minderheitenfrage die einzig mögliche Lösung des Minderheitenproblems sindl So aber muß man doch über diesen Tatbestand staunen: daß die Deutschen in Polen nach dem Abkommen u n t.e r e i n a n d e x in ihrer Muttersprache reden dürfen, läßt Henlein frohlocken; daß die"Deutschen in der Tschechoslowakei in ihrer übergroßen Mehrheit auch mit den'AemterN in ihrer Muttersprache verkehren dürfen, dünkt ihm nicht der Erwähnung wert;— daß die Deutschen in Polen deutsche Schulen aus eigener Kraft schaffen und erhalten müssen, ist Herrn Henlein ein Anlaß, Hitler zu loben; daß die deutschen Schulen in der Tschechoslowakei bis auf wenige Ausnahmen vom Staate erhalten werden, übergeht er mit Schweigen;<— daß die Deutschen in Polen„bei der Wahl und der Ausübung ihres Berufes" nicht behindert werden sollen, bedeutet Herrn Henlein einen nationalen Erfolg; daß es bei uns einen 18. Feber gibt, ist ihm höchstens ein Anlaß, auf die Negierung und die deutschen Regierungsparteien zu schimpfen. Ja, noch mehrl Derselbe Herr Henlein, der das deutsch-polnische Minderheitenabkommen als „weitgehend" bezeichnet, scheint ganz vergeffen zu haben, daß er nicht nur die parlamentarischen Anträge der SdP, sondern auch die in seinem OffenenBriefe an den Staatspräsidenten vor kurzem erhobenen Forderungen als die einzig mögliche Grundlage für eine Befriedigung des Sudetendeutschtums bezeichnete. Daß er die Anträge vergessen hat, mag er mit ihrer Kompliziertheit und seinem schlechten Gedächtnis entschuldigen. Aber die Forderungen des Offenen Briefes? Sollen sie vielleicht durch die Bestim- niungen des deutsch-polnischen Abkommens ersetzt werden, die ihm ja lieber zu sein scheinen als die in der demokratischen Verfassung der Tschechoslowakischen Republik niedergrlegtrn und auch in der P r a r i s anerkannten Rechte der Sudetcndeutschen? Die Zahl der Deutschen in Polen beträgt über eiste Million, und sie siedeln noch geschlossener als die Sudetendeutschen. Herr Hennin hat also nicht die Ausrede, daß es sich bei den Deutschen in Polen um eine zahlenmäßig nicht sehr bedeutsame Minderheit handle. Da er die in dem deutsch-polnischen Abkommen festgelegte Behandlung der deutschen Minderheit in Polen lobt, während er die Behandlung der Deutschen in der Tschechoslowakei durch Herrn Goebbels als die blutigste und schamloseste Unterdrückung hinstellen läßt, wünscht er vielleicht, daß mit den Sudetendeutschen nunmehr sozusagen„polnisch" geredet werden soll? An einer klaren Antwort auf diese Frage ist das gesamte Sudetendeutschtum sehr intereffiertl Staatsstreich in Brasilien Der Staatspräsident macht gemeinsame Sache mit der Armee Eine neue Verfassung wird dekretiert RiodeJaueiro. Inder Nacht auf de» 11.' November wurde in Brasilien ein vom Staatspräsidenten B a r g a s zusammen mit der Armeeleitnng von langer Hand vorbereiteter Staats st reich durchgcführt, der dir Republik Brasilien in ein diktatorisch rogiertes Land umwandelt. Der unmittelbare Anlaß zu diesem Schritt solle« angeblich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes sein, deren Lösung der Staatspräsident in seiner den Umsturz begründenden Rundfunkansprache als die dringendste Aufgabe hingestellt hat. Brasilien müsse den Zinsen- und Amortisationsdienst für die Auslandsschuld vorläufig einstellen. Wie jeder Diktator, verkündete auö BargaS, daß das Volk von seiner Diktatur begeistert sei. Er erklärte, .daß die Landarmee und die Marine diese Lösung gefordert habe. Dein Staate werde durch die Ausrufung einer neuen Verfassung Autorität und Freiheit wiedcrgegeben» die«rare- Vcrsassung werde»die demokratische Form des Staates beibehalten", Brasilien werde ein Bundesstaat bleiben. In der Begründung für den Staatsstreich fehlt auch nicht der Hinweis auf die angebliche kommunistische Gefahr. Die beiden Kammern wurden vom Staatspräsidenten, dessen Amtszeit im nächsten Jahr ab- gelaufrn wäre, aufgelöst, ebenso die provinzialen und autonomen SelbsWerwaltungskörper. Brasilien soll in einen Ständestaat nach italienischem Muster umgewandelt werden; Italien soll bei der Vorbereitung des Staatsstreiche- sein« Hand im Spiele gehabt haben. Der letzte Aufstandsversuch Im November 1935 wurde in einigen Städten und Garnisonen Brasiliens ein Aufstandsversuch unternommen, der blutig unterdrückt wurde. Nach der Niederwerfung des Aufstandes, der als kommunistisch bezeichnet worden war, wurden gegen 3000 Militärpersonen verhaftet. Rach der Aufhebung des Belagerungszustandes, der achtzig Tage dauerte, wurden die gegen das Regime eingestellten Parteien aufgelöst,^Der.Aufstzrnd war von der„Ratio- nalen Frefheitsallranz" organisiert Wörden,, die unter dem Schlagwort„Brasilien den Brasilianern".kämpfte und weit davon entfernt war, eine kommunistische Partei im Sinne der europäischen kommunistischen Parteien zu sein. Es war vielmehr eine nationalbolschewistische Bewegung, die sich auch in scharfem Gegensatz zur sozialistischen Bewegung hesand. Zusammen mit der Nationalen Freiheitsallianz wurde damals auch die Partei der„Integralsten" aufgelöst, eine rein faschistische Bewegung, deren Abzeichen das Hakenkreuz war. Die Jntegraliften arbeiteten jedoch auch nach der Auflösung ihrer Partei in den starken Sportverbänden weiter.— Es ist die Frage, ob der jetzige Staatsstreich von einem länger dauernden Ergebnis sein wird. Brasilien sah schon mehr als einen Aufstand. Bei seiner Abhängigkeit vom Auslände, insbesondere von den USA, ist nicht anzunehmen, daß es unter der Führung des neuen Diktators in die außenpolitische Front der faschistischen Länder einschwenken kann und wird. Edens Handel mit Franco perfekt London. Am Donnerstag wurde die britische Abmachung mit General Franco betreffend de» gegenseitigen Austausch offizieller Agenten verlautbart. Dir von Eden bekanntgegebene« Vor- aussetz»mgen, insbesondere die Frellaffung der zurückgehaltenen fünf britischen Handelsschiffe, sind bereits erfüllt worden. Es wird ein Agent der britischen Regierung mit dem Sitze in Salamanca oder in einer anderen Stadt ernannt werden und ei» Agent Francos in London, ferner eine begrenzte Zahl von Subagenten in verschiedene» Städten. Nantao erobert Schanghai. Der Reuter- Berichterstatter meldet, daß die Japaner nach schweren Kämpfen bereits völlig Herren von Nantao sind. Alle chinesischen Soldaten in Nantao haben mit Ausnahme eines Häufchens isolierter Schützen die Waffe« nicdergclegt und Zuflucht in der französischen Konzessiv^ gesucht. Flugantritt auf Japans Inselreich mißglückt Tokio.(Reuter.) Ganz Westjapan wurde Donnerstag durch die Nachricht aufgestört, daß drei chinesische Flugzeuge die Mündung des Jangtse überflogen und Kurs auf Japan genommen haben. Später traf aber die Meldung ein, das zwei dieser Flugzeuge bei der Insel Saddle von japanischen Flugzeugen abgeschossen wurden. Dem dritten chinesischen Flugzeug gelang es, zu entkommen und seinen Flug nach Japan fortzusetzen, doch wurde auch dieses später eingeholt und zum Absturz gebracht. bleue Pressefehde Berlin—Wien Wien. In der„Deutschen diplomatischen Korrespondenz" wurden Mittwoch heftige Angriffe gegen Oesterreich unternommen, das beschuldigt werde, das Abkommen vom 11. Juli gebrochen und verschiedene Dinge begangen zu haben, die geeignet seien, die nationale Opposition zu verbtttern. In einem.inspirierten Artikel bezeichnet nun das„Weltblatt" diese Erklärung als einen heftigen Vorstoß gegen die Unabhängigkeit Oesterreichs in der Form einer durchaus unzulässigen und auf das schittfste zurückzuweisenden Einmischung in die inneren Angelegenheiten Oesterreichs. Oesterreich sei kein Vasall irgendeiner Macht» sondern ein freier unabhängiger Staat. König Leopold nach London London. Der König der Belgier wird in der Zeit vom 16. bis 18. November zu einer Staats- visite in London erwartet. Unter Berufung darauf, daß dieser Besuch nicht vertagt werden könne, hat der König wissen lassen, daß die Verhandlungen zur Kabinettsbildung bis zu seiner Rückkehr unterbrochen werden müssen. , io DER KLEINE VON E II G I NE DABIT Berechtigte Uebertragung aua dem Französischen von Bejot Louise Thevenard, rotbäckig, fidel, näht. Dabei pustet sie ein wenig. Rose Gallais tut nichts. Sie trällert nur vor sich hin. Ich sitze abseits und lese eine Zeitung. Mama strickt eine Weste für Vater.- Sie plaudert und. frischt ihre Reiseerlebnisse auf. „Henri hat den Hof ausgefegt. Wagen gewaschen, Gemüse geputzt. Was sagen Sie- dazu? Hier hatte er doch zu nichts Geduld. In Paris konnte er seinem Chef antworten. Jetzt muß er still sein. Sein Feldwebel ist kein guter. So ein dicker Pfropfen, wissen Sie, dem sie den Spitznamen Bombonne gegeben haben." Louise Thivenard hebt den Kopf. „Gehorchen war Gastons Sache auch nicht. Aber mich kommandieren, das konnte erl" „Als wir beisammen waren", fährt Mama fort,„wurde er alle Augenblicke zu einer Arbeit gebraucht. Es war wie abgepatzt. Was blieb ihm übrig? Er mutzte gehen, sonst— schwapp!— zwei Tage Arrest. Ich will mich nicht beklagen, denn wir hatten trotzdem auch schöne Stunden. Gott sei Dank! Die Reise war nämlich kein Kinderspiels Ich bin doch nicht ans Laufen gewöhnt, und muhte mehr als dreißig Kilometer machen, noch dazu bei strömendem Regen. Heute sehe ich ein, daß es eine gewagte Sache war. Ich glaube, die wenigsten wären bis ans Ziel gekommen." „Das ist gewiß", sagt Louise Thkvenard. „Aber Sie können jetzt doch ruhiger schlafen. Sie wissen wenigstens, wie Ihr Mann leöt." „Ja. Bei Nacht holen sie Proviant im Lager von ChülonS. Das ist nicht allzu gefährlich. Aber morgens sind sie natürlich erledigt. Und der. Kaffee ist schlecht." „Mein Mann beklagt sich auch über daschlechte Essen", erklätte Marie Primault. „Ich habe ja mit ihnen gegessen. Mein Sohn kann's Ihnen bestätigen: sie kriegen einen elenden Fratz. Natürlich haben sie keine richtigen Köche. Sie essen also, was man ihnen vorsetzt, und halten sich am Weine schadlos. Zu Hause hätten sie sich schön angesteltt! Zweimal in der Woche schicke ich ein Paket." „Das können Sie auch", meint Rose Gallais.„Sie haben Ihren Jungen, der mit verdient. Nicht wahr, junger Mann?" Bei jedem Satz, den Mama ausspricht, sehe ich Vater vor mir. Ich höre ihn reden, still und sehr einfach, und sehe seine seltsamen Gesten wieder, die mich anfangs beftemdeten. Ein- oder zweimal bemerkte ich, wie er die Hände ballte und mit den Zähnen knirschte. „An dem Wend, an dem man uns zur Bahn brachte", fährt Mama fort,„war Henri auf Stallwache. Er hat alles stehen und liegen lassen und ist an den Zug gekommen. Als ex abfuhr, ist er noch ein Stück mitgelaufen und hat gerufen: .Auf bald! Das Schlimmste haben wir hinter uns'. Und dann kam eine Kurve, und wir konnten ihn nicht mehr sehen." Sie hört auf zu stricken. „Sie sehen ihn bald wieder", sagt Marit Primault.„Es heißt, sie sollen bald Urlaub bekommen... Doch! Fragen Sie Ihren Sohn." „Ja, das stimmt. Ich hab's in der Zeitung gelesen." „Geh mir ab mit deiner Zeitung I Was erzählt sie heute wieder für Märchen?" „Man spricht von einer Offensive. Im Frühling." „E- wäre besser, sie machten Schluß. SS hat schon genug Opfer gekostet, finde ich. Allein aus unserem Hause sind drei als vermißt gemeldet." .^Vielleicht sind sie nur gefangen?" ttöstet Louis« Thevenard. „Glauben Sie? Nie wird man erfahren, was aus ihnen geworden ist." Ich bin Mam-s, Meinung. Bouleau, Am- broise, Dazin wird man nie mehr Wiedersehen. Auch der große Moncel soll gefallen sein, der sich 1913 freiwillig gemeldet hatte. Ein fauler Kerl, ein Mädchenjäger. Wer ich bewunderte ihn wegen seiner Kraft. Ich stand unter seinem Schutz. Auf der Straße verteidigte er mich, wenn die anderen über mich herfallen wollten. Er soll bei Char- leroi den Tod gefunden haben. „Trinken Sie Glühwein, Kleiner?" fragt mich Rose Gallais. Ich mutz die Augen vor ihr niederschlagen. Ich kann den Blick nicht aushalten, den sie mir zuwirft, einen liebkosenden, herausfordernden Blick, der mich an Frau Harbulot erinnert. Rose GallaiS spricht nicht vom Kriege. Ihr Mann ist nicht in Gefahr. Ex ist Soldat in Rennes, und sie scheint sich wenig Sorgen um ihn zu machen. Immer hott sie die anderen Frauen zu sich hinein.'• „Seit die Männer fort sind, herrscht Langweile auf dem Flur", erklärt sie. Und einmal hat Mama mich aufgefordert, mitzugehen. Die Themen wechseln. Man beklagt sich: aller wird teurer auf dem Markt. Man tratscht: im dritten Stock wohnt eine — viel ist nicht dran an ihr— die ihren Mann betrügt. Rose GallaiS bringt Gläser. Während sie meins füllt, sagt sie: „Er ist stark, tut aber keinen Schaden." Ihre Bluse steht vorn etwas ab. Eine Locke fällt ihr auf die Stirn. Rose GallaiS kleidet sich besser als die anderen. Sie ist auch jünger. Klein, mager, aber lebhaft. Sie hat fiebrige keine einseitige nationale Expansion! In der dieswöchentlichen.Pritomnoft" seht Wg. I a k s ch seine Artikelserie über das deutsch-tschechische Problem fort. Er schreibt u. Es wäre noch verfrüht, schon jetzt ein fertiges Urteil abzugeben, ob die Vereinbarungen vom 18. Feber als ein glücklicher Ausgangspunkt zur positiven Regelung der tschechisch-deutschen Beziehungen gewertet werden können. Von deutscher akti- vistischer Seite wurden sie als«in guter Anfang zur einvernehmlichen Äsung der wichtigsten Streitfragen betrachtet. Mit Widerständen haben wir gerechnet. Außerdem sind auf deutscher Seite nicht überall die subjektiven Voraussetzungen für eine lineare Anwendung des Prinzips der Proportionalität im öffentlichen Dienst gegeben. Die deutschen Bewerber drängen mehr zu den Staatsbetrieben(Post, Eisenbahn, Tabakfabriken) hin. Für den Sicherheitsdienst fehll es an genügend geeigneten deutschen Anwärtern schon deshalb, weil in diesem Sekwr der Maßstab der politischen Verläßlichkeit sehr rigoros gehandhabt wird. Unter den jungen Juristen und Technikern finden wir nicht genügend zweisprachiges Element. Dieser Bildungsmangel besteht auch Lei dem akademischen Nachwuchs der Tschechen, ohne daß er aber ein entscheidendes Hindernis einer öffentlichen Laufbahn wäre. Wenn von den deutsche» Bewerbern, insbesondere der niederen Kategorien, die Kenntnis der Staatssprache nur nach Maßgabe des Dienstbedarfes gefordert würde, könnte sich manches bessern. Dieser Teil der Feber-Vereinbarungen harrt aber noch der praktischen Anwendung. Bei beiderseitigem guten Willen werden sich die technisch-organssatorischen Schwierigkeiten einer angemessenen Vertretung des deutschen Elements in der Administrative in absehbarer Zett überwinde» lassen. Ole psychologischen Hindernisse Wir dürfen nicht generalisieren. Es ist nicht wahr, daß nur die Unvernunft der Bürokratie daran schuld ist, wenn der versöhnliche Geist des Herrn Staatspräsidenten und des Ministerpräsidenten noch nicht in allen Lebensäutzerungen des Staates zum Ausdruck kommt. Es gibt vernünftige Beamte und unvernünftige. Es gibt aber auch mehr oder weniger vernünftige Polttiker. Im Amtsbereich des Herrn Landespräsidenten von Böhmen haben z. B. personelle Wünsche der staatS« erhaltenden Deutschen«in weitgehendes Verständnis gefunden. In großen böhmischen Landesanstalten, die von einem aktiven KoalittonSpolisi« ker als Landesausschuß-Beisitzer verwaltet werden, sind die deutschen Bewerber— auch nach dem 18. Feber— mit leeren Versprechungen abgefertigt worden. Ueberhaupt scheint mir der monopolistische Anspruch einzelner Parteien auf den Personalstand bestimmter Refforts' eines der wesentlichsten Hennnnisse einer gerechten Befriedigung der Deutschen zu sein. Soweit sich nach den bisherigen Erfahrungen schließen läßt, liegen di« schwersten Hindernisse einer loyalen Anwendung des Feber-Abkommens auf psychologischem Gebiet Wir stoßen bei unseren Bemühungen vielfach auf eine praktische Auslegung des Nationalstaats- Begriffes, welche die Erreichung der Proportio« nalität durch die Deutschen einfach ausschlietzt. Darüber muß man einmal offen sprechen. Aus dem Nationalstaatsbegriff wird bis weit in die Reihen der tschechischen Linken hinein das Recht auf einseitige nationale Expansion abgettitet. Das Wangen und leuchtend rote Lippen, die sie blusig beißt. Sie seht sich und" plappert. Ihre Bewegungen sind nicht so gemessen wie die der Frau Harbulot: Mein Herz schlägt schon wieder so schnell, mir wird ganz heiß. „Du bist ja so rot. Kleiner", bemerft Mama. Die Folge ist, daß ich noch mehr erröte. Marie Primault und Louise Thövenard scheine» mich zu beobachten. Ich ttage meinen Stuhl vom Ofen weg. Rose Gallais sieht mir zu. Sie zwinkert mit den Lidern und lächelt ein wenig. Ich habe einen schweren Kopf, und meine Arme sind wie mit Blei gefüllt. Ich versuche zu lesen, aber die Buchstaben verschwimmen. „Glauben Sie, daß es noch in diesem Jahre Frieden gibt?" fragte mich Marie Primault. „Ja. Diesmal gelingt die Offensive." Ich finde allmählich die Beherrschung wieder. Ich erkläre, worauf mein Vertrauen beruht. Man hört mir zu, stellt weitere Fragen. I» Mamas Gesicht lese ich etwas wie Stolz. JÄ bin nicht mehr der Kleine, über den die Kameraden sich lustig machen. Ich spreche für eine Frau, deren dunkle Augen mich nicht verlassen. Mama steht auf. „Wir müssen schlafen gehen." Louise Thövenard und Marie Primault räumen ihre Arbeit zusammen. Ich gehe zuletzt hinaus. Rose GallaiS gibt mir ihre weiche Hand. „Träumen Sie süß", flüstert sie. Unsere Wohnung erscheint mir leer und arm. Ich lege mich ins Bett. Bald höre ich Mama schnarchen. Ich kan» nicht schlafen, wälze mich umher, werfe die Decke fort, deren Berührung mich erregt. Wünsche verfolgen mich. (Fortsetzung folgt) Nr. 266 Freitag, 12. November 1937 Seite 3 %£Üs' WFfFvW tschechische Volk ist ziemlich einig in dem Willen, die nationale Einheitlichkeit seines Siedlungsgebietes zu erhalten. Wo außerhalb der historischen deutschen Sprachinseln auch nur das Embryo eines kollektiven deutschen Daseins auftaucht, ertönt sofort der laute Protest gegen die Gefahr der Germanisierung. Vereinzelte deutsche Staatsangestellte im rein tschechischen Gebiete werden noch geduldet, aber wenn wir eine Minderheitsschule für deutsche Eisenbahner in Nymburk oder Königgrätz fordern würden, bräche sofort ein Sturm der tschechischen Entrüstung aus. Unlängst hat die Stkibrnh-Preffe Alarm geschlagen, daß in Neuhaus eine deutsche Sprengelbürgerschule errichtet werden soll. Im Gerichtsbezirt Neuhaus wohnen mehr als zwanzig Prozent Deutsche und die Bezirksstadt ist auch ihr natürlicher wirtschaftlichkultureller Mittelpunkt. Auf der anderen Seite wird es als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, daß in deutschen Orten tschechische Minderheitsbürgerschulen errichtet werden, auch wenn die deutsche Mehrheit des Sprengels selbst noch keine Bürgerschule besitzt. Oft lesen wir in tschechischen Blättern den Aufschrei, daß in dieser oder jener deutschen Fabrik zu wenig tschechische Arbeiter beschäftigt werden. Eine analoge Forderung, daß in den Prager Fabriken sagen wir zwanzig Prozent deutscher Arbeiter eingestellt werden sollen, würde als glatte Provokation aufgefaßt. Es ist schon in Städten mit deutschem Hinterland, wie z. B. Pil- i sen, unmöglich, eine angemessene Zahl deutscher Arbeitsloser unterzubringen, auch wenn der betreffende Großbetrieb Staatsaufträge hat, die von der deutschen Bevölkerung mitbezahlt werden. Ter Standpunkt der einseitigen nationalen Expansion läßt sich nicht demokratisch, sondern nur machtpolitisch begründen. Das ist der eigentliche Krisenpunkt der nationalen Zusammenarbeit. Wir denken nicht daran,,dem tschechischen Arbeitslosen Vorwürfe zu machen, daß er alle denkbaren Verbindungen ausnützt, um Arbeit zu bekommen. Es sei nur darauf aufmerksam gemacht, daß sich die praktische Geltendmachung des Nationalstaatsbegriffes als wirtschaftlich-soziale und daher auch nationale Diskriminierung der deutschen Bevölkerung auswirkt. neuerliche Obduktion Ruthas bestätigt den Befund»Selbstmord'* Reichenberg. Das Präsidium des KreiS- gerichtes in Reichenberg veröffentlicht folgenoe Mitteilung: „Da tendenziöse Meldungen des Inhaltes berbreitet wurden, als ob Architekt Rutha im Gefängnis schlecht behandelt worden wäre und als ob diese schlechte Behandlung auch Spuren an seinem Körper hinterlassen hätte, ist eine nachträgliche gerichtliche Obduktion angeordnet worden, welche unter Leitung drs Untersuchungsrichters des Kreisgerichtes in Reichenberg die ärztlichen Sachverständigen Dr. Gustav G i n tz, Obersanitätsrat aus Böhm. Leipa, Dr. Walter Neugebauer, erster Bsiistent des deutschen Institutes für gerichtliche Medizin in Prag, und Dr. Jaro- flav T e s a k, erster Assistent des tschechischen Institutes für gerichtSärztliche Medizin in Prag, durchgeführt haben. Durch die Obduktion wurde festgestellt, daß dem Architekten Rutha bei Lebzeiten auch nicht die mindeste Verletzung zugefügt wurde. Rutha starb infolge Selbstmordes durch Erhängen. An der Leiche wurden Beschädigungen festgestellt, die jedoch erst nach demLode entstanden sind. Es wurden nämlich an der rechten Seite des Brustkorbes Abschürfungen gefunden, unter welchen dann ein Bruch der vierten, fünften und sechsten Rippe gefu.-'.^rn wurde. Rutha litt an Osteoporose und die Brüche traten durch einen geringen stumpfen Druck ein, der entweder durch einen Fall der Leiche und die Manipulatio- nen bei der Durchführung der künstlichen Atmung oder auf eine andere ähnliche Weise verursacht wurde. Derartige Beschädigungen treten bei Osteoporose bei Leichen häufig auf und werden vollkommen unbewußt zugefügt. Der Präsident der Republik empfing am Donnerstag die Delegation der Stadt Riga unter Führung ihres Bürgermeisters L i e- Pins, die vom Primator Dv. Zenkl und dem litauischen Gesandten borgestellt wurde. Ferner empfing der Präsident den Abt Kothz aus Rajhrad. London. Als»charakteristisch für die Art und Weise, in welcher Besuche obskurer niittcleuropäischer Politiker in London zu Propagandazwecken auswärts mißbraucht werden", bezeichnet der»Manckester Guardian" den kürzlichen Artikel der»Rundschau" über die letzte Reise Henleins nach England. Unter dem Titel.Nazipropaganda gegen die Tschechen, Ausbeutung deS Londoner Besuches von Henlein, Trost für seine sudetendeutschen Anhänger" macht sich das Blatt über die dort enthaltenen Uebertreibungen lustig. Unter Anführungszeichen wird»die volle Aufmerksamkeit und ernste Anerkennung in allen in Betracht kommenden ausschlaggebenden diplomatischen und wirtschaftlichen Kreisen", die Henlein bezeigt wurde, angeführt, als dieser mit so viel Geschick in London seine Verhandlungen führte, die natürlich»viel wichtiger" waren als viele der internationalen> Auf Kriegsfuß mit der deutschen Sprache Die„Gesellschaft für Propaganda der Selb st Verwaltungskörper in der§SR"(Prag II, Hälkova 3) hat jetzt unter dem Titel„Das Herz Europas" eine Herbstnummer herausgegeben, die sich in geradezu strahlendem Gewände repräsentiert und deren Bilder- und Photo- graPhien-Schmuck beweist, daß man für dieses Heft außerordentlich viel(auch finanziell) auf- gewendet hat, um auch deutschsprachig für den tschechostowakischen Fremdenverkehr zu werben. Der Text dieser noblen Zeitschrift ist ausschließlich deutsch— das heißt: deutsch ist er sben leider nicht. Schon bei der Lektüre des ersten Aufsatzes stößt man auf l ä ch e r l i ch st e Sprachwidrigkeiten und je mehr man in dem Hefte liest, desto zuwiderer wirkt das Deutsch, in dem die Artikel verfaßt sind. Einfachste grammatische Regeln sind da vernach- lässigt, Subjefte in der Einzahl werden mit Prädikaten in der Mehrzahl verbunden(und umgekehrt), Worte werden gebildet, die das gute Deutsch nicht kennt, JnterpunktionSfehler häufen sich. Am schlimmsten aber steht es um den S t i l, der unzweifelhaft erkennen läßt, daß eS sich zum großen Teil um Aufsatze handelt, die von Ni'btdsutschen verfaßt oder übersetzt wurden. Wir zitieren beispielsweise miS einem Artikel über Prostöjov(dem übrigens die Bei- fügung des deutschen„P r o ß n i tz" nicht ge- schadet hätte), das Folgende: »Der Aufstieg" der Stadt erfolgte in diesem Jahrhundert, als hier die Konfektionsindustrie geboren wurde(1858). Sie ist der Lebensnerv von Prostöjov, einer Stadt, die vom Schneidergewerbe ganz durchdrungen ist. Dies ist nicht nur in den großen Werkstätten der Konfektionsfabriken zu sehen, sondern auch in den Straßen der Stadt, wo wir auf Schritt und Tritt Menschen mit Kleiderbündeln am Arm oder Rük- ken antreffen können. Prostejov ist wie ein Bienenstock der Kleider» von hier aus strömen die Anzüge und Kleider in alle Welt, um die breitesten Schichten der kleinen Leute zu wärmen und zu bekleiden. Fast in jeder Stadl der Republik finden Sie eine Filiale irgendeiner Proßnitzer Konfektionsfirma, sei es nun für Männer-, Frauen- oder Kinderbekleidung. Außer die-■ ser wichtigen Industrie ist es die landwirffchaff-1 liche Maschinen-Jndustrie und das bis in der Uebersee so berühmte Hanna-Malz, was diese Stadt so auSzeichnet. Prostejov verfügt nicht nur über ein reges Jndustrielebcn, sondern auch über ein traditionsreiches Kunstverständnis eines stilgerechten Bauwesens. Durch die groß« Menge hervorragender Baudenkmäler kann man di« Stadt mit unter die ersten Städte Mährens rechnen. Davon überzeugt man sich am bestens am Hauptplatz... In den Jahren 1905—1908 ging das städtische VereinS- hauS und daS Theater hervor. Dies letztere gehört... Hier kann man auch das geschäftige Leben und Treiben dieser Stadt am besten beobachten, daß diese Stadt bereits über den Rahmen der Bezirksstadt herausgegangen ist." Aehnliches deutsches Gestammel findet sich an vielen, vielen anderen Stellen. Aber auch die Diktion der Aufsätze wirkt wiederholt lächerlich. Zum Beispiel sind in einer Würdigung Kolins folgende Bemerkungen unmittelbar aneiüander gekoppelt: „Von Kulturdenkmälern befinden sich hier vor allem ein schöner goftscher Dom des hl. Bartholomäus, den Pkemysi Otokar II. aufbauen ließ, mit vielen seltenen Erinnerungen, weiterS mehrere barocke Baudenkmäler und eine berühmte Sammlung prähistorischer Funde im städtischen Museum. Tagungen, mit denen gegenwärtig so viel Aufhebens gemacht wird. lieber'einen Vortrag in Chatham-Haus, der überdies ein Privatvortrag war, und der nicht seitens des Klubs, sondern seitens eines Mitgliedes arrangiert und in einem Klubzimmer daselbst abgehalten wurde,, wird berichtet, so heißt es in dem Artikel weiter, wie über eine Staatsfunktion, wobei die häufige Wiederholung des Wortes»königlich" offenbar den Eindruck erweaen soll, daß Henlein seinen Vortrag quasi„unter königlichem Schutze" abgehalten habe. Berichte dieser Art, die deq Eindruck erwecken sollen, daß Großbritannien ein tiefes und syinpathisches Interesse an der Zukunft des dem Nationalsozialismus zngeneigten Teiles des Sudetendeutschtums nimmt, werden für Zwecke der reichsdeutschen antitschechoslowakischen Zerstückelungspropaganda verwendet. Endlich dürfen wir nicht auf die bekannte Musikkapelle Kmoch vergessen, die Heuer in Nizza den ersten Preis erhielt." Es ist sehr traurig, daß eine doch gewisser, maßen offizielle Zeftschrist sich auf solche Weise um einen guten Teil ihres Wertes bringt, denn der Deutsche, Oesterreicher, Schweizer, der solches Gesalbader liest, wird gleich in dem Augenblick, da er zum Besuch der CSR geworben werden soll, nicht gerade den glücklichsten Eindruck gewinnen. Man ftagt sich, warum die verantwortlichen Männer dieser Gesellschaft ihre Zeitschrift nicht von Deutschen redigieren oder wenigstens überprüfen lassen. Hofienllich gehen die Herren nunmehr mit sich zu Rate! Zwei Turnvereine einserteilt In Neudek und Breitenbach Am Mittwoch wurde von der Staatspolizei die Tätigkeit des deutschen Turnvereins in Neu- dek und der deutschen Turngemeinde in Breite n b a ch wegen Verletzung der öffentlichen Ordnung und des Paragraphen 25, Absatz 2, des Vereinsgesetzes, eingestellt. In der Begründung heißt es, daß die beiden Turnvereine den statutarischen Bereich ihrer Tätigkeit überschritten haben. Wie erinnerlich, wurde vor einiger Zeit bei Hausdurchsuchungen verschiedenes Jnstruk- t io n s ma t er i al aus dem Dritten Reich gefunden, das als Grundlage für die Erziehung der Jungturner diente. Dieses Material wurde beschlagnahmt und einige junge Leute aus Neudek und Bärringen in Untersuchung gezogen. Ihr Ergebnis scheint nun in der Einstellung der Tätigkeit der oben genannten Vereine zu liegen. 25 Jahre nordböhmischer Konsumverein Teichstatt Große Festversammlung In Warnsdorf Am Sonntag fand in Warnsdorf eine große Festversammlung des Konsumvereins Teichstatt statt, welche zu einer imposanten Kundgebung für die genossenschaftliche Idee wurde. Nach der! Einleitung durch die Sänger und die Mufft be-| grüßte der Geschäftsführer Müller-Teichstatt die j Überaps zahlreichen Teilnehmer. Als erster Gratulant ergreift Bizebürger-! meister Goth-Warnsdorf das Wort und überbringt die Glückwünsche der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. ,/Der Kampf, um die Erhaltung. und Ausgestaltung der Demokratie, den unsere Partei führt", sagte Goth,„ist die beste Unterstützung für die Genossenschaftsbewegung, denn ohne Demokratie gibt es auch keine freie Entfaltung der Genossenschaft." Löwi- Warnsdorf bringt als Vorsitzender der KreiS- gewerkschaftskommisiion die Glückwünsche zum Jubiläum dar. Er versichert weiter, daß gerade jetzt die Gewerkschaften alles tun werden, um durch unablässige Agitation an dem weiteren Ausbau der Genossenschaft mitzuarbeiten. Hierauf kam der Geschäftsführer deS Cec-Berbandes, Rudolf Fischer, zu Worte, der in längeren Ausführungen die Entwicklungsgeschichte deS nordböhmischen Konsumvereines schilderte.„Mögen unsere Feinde noch so heftig gegen unsere Bewegung zu Felde ziehen, so schloß Fischer seine Ausführungen, wir sind von der Sieghastigkeit der genossenschaftlichen Idee felsenfest überzeugt und wir werden das große Werk vollbringen!"^ Als letzter Redner spricht der Vertreter der Angestellten und Arbeiter-Schalansky, der die Versicherung gibt, daß sie bisher nicht nur Angestellte der Genossenschaft waren, sondern auch alle Pflichten als Genossenschafter voll erfüllt haben; dies soll auch in Zukunft so bleiben! Dann folgt ein frohes Festprogramm, an dem auch die Turner und Sänger mitwirken und welches mit viel Beifall ausgenommen wurde. Alle, die das Jubiläum des Konsumvereines mitfeierten, werden das gegebene Versprechen einlösen und weiterhin alle Kräfte der Genossenschaft zur Verfügung stellen! ein SdP-ler verhaftet Budweis. In der Budweiser deutschen Oeffentlichkeit hat die Verhaftung des Privatbeamten Josef K ö p P l nicht geringes Aufsehen erregt. Köppl, der als eifriger Parteigänger der SdP bekannt ist und vor nicht allzulanger Zeit eine Reise nach Deutschland unternommen hatte, wurde dem Kreisgerichte Budweis eingeliefert. Es verlautet aus Kreisen der SdP, daß die Verhaftung Köppls wegen eines Vergehens nach dem Republik-Schutzgesetz erfolgt ist. An amtlichen Stellen ist nichts Näheres über die Ursachen dieser Verhaftung zu erfahren. Ole Henleins und der„offene Brief“ an Dr. BeneS Budweis. Gegen den Angestellten der Verlagsanstatt„Moldavia", der auf den urgermanischen Namen Navratil hört, sowie gegen eine zweite Person, die in eng st en verwandschaftlichen Beziehungen zu einem der Budweiser! S d P-„F ü h r e r" steht, wurde ein Strafverfahren eingeleitet, weil sie den„berühmten" offenen Brief, den Herr Konrad Henlein anläßlich der sogenannten Teplitzer „Affäre" an den'Staatspräsidenten Dr. Benes zu schreiben für gut befunden hat, verbreitet haben, obwohl ihnen bekannt sein mußte, daß dieses Kabinettstück Henleinscher Staatskunst von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden ist. Wo die Vervielfältigungen dieses Konrad- schen Meisterwerkes hergestellt wurden, ist bisher nicht bekanntgegeben worden. Eine notwendige Feststellung. Einige Blätter I— darunter die„Bohemia" und die„Lidove Noviny"— melden, daß an dem Leichenbegängnis Ruthas am Mittwoch in Reichenberg auch Dr. Emil Franzel, und zwar als Vertreter der ».Deutschen Völkerbundliga in der Tschechoslowaki- schen Republik" teilgenommen hat. Wir stellen fest, daß die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei mit dieser Delegierung Dr. Franzels, der sich zur Zeit auf Urlaub befindet, und mit der Teilnahme Franzels an diesem Begräbnis nichts zu tun hat. Masaryk-Benes-Ausstellung in der Aussiger Stadtbüchvei. Deutsche und tschechische Bezirks- bildungsausschüffe werden im Frühjahr nächsten Jahres in den Ausstellungssälen der Aussiger Stadtbücherei eine Masaryk-Bcnes-Ausstellung veranstalten. Den EhrenauSschuß bilden die Be- zirkShauptmänner der Bezirke Aussig, Tetschen, Tevlitz-Schönau und Leitmerih, Bürgermeister Pölzl, Aussig, der Befehlshaber der 3. Division General Melichar und die deutschen und tschechischen Bezirksschulinspektoren des Kreisgebietes. Staatspolizei in Mies. Das Innenministerium veröffentlicht eine Verordnung, wonach in Mies die Staatspolizei eingeführt wird, und zwar für die Gerichtsbezirke Mies und Tuschkau. Die Staatspolizei wird ihre Tätigkeit noch in diesem Monat beginnen. Gleichzeitig wird der Geltungsbereich der Polizeidirektion in Pilsen so ausgedehnt, daß vom 29. November angefangen eine Expositur in Staab mit dem Wirkungskreis für die Gerichtsbezirke Staab uno D o b k a n eingerichtet wird. Staatspolizei auch in Saaz. Wie im Amtsblatt mitgeteilt wird, wird mit 31. Jänner 1938 auch in Saaz die Staatspolizei installiert. Jbr Wirkungskreis wird sich auch auf die Orte Li«- b o t s ch a n und Stankowitz erstrecken. Bisher bestehen in der Stadt Saaz noch Schwierigkeiten wegen der Unterbringung, doch wird man aller Wahrscheinlichkeit nach die Frage so lösen, daß vorderhand eine Unterteilung der gesamten Agenda in verschiedene Gebäude vorgenommen wird, bis durch die Durchführung eines Neubaues die Möglichkeit einer Zentralisierung gegeben ist. Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit. Die umfassenden Erhebungen, welche die Deutsche Jugendfürsorge in Böhmen in 76 Bezirken ihres Arbeitsgebietes durchführt, um neu« Grundlagen für die Abwehr der unverhältnismäßig hohen Säuglingssterblichkeit zu schaffen, haben die größte Beachtung der öffentlichen Sanitätsstellen'gefunden. Die LanbeSbehörde hat ihre Amtsärzte in den Bezirken zur Mithilfe bei der Aktion angewiesen. Die Tschechische Jugendfürsorge beabsichtigt, die von deutscher Seite eingeleiteten Erhebungen in ihrem Arbeitsgebiet! ebenfalls durchzuführen. Ei» Lehrlinge abgängig. Der am 18. Dezember 1923 in Komotau geborene und in Wurzoies wohnhafte Bäckerlehrling Willibald Böhm, der bei dem Bäckermeister Hahn in der Plattnerstraße beschäftigt ist, ist seit dem 1. November d. I. abgängig. Er fuhr auf einem, seinem Vater gehörigen Damenfahrrad weg. Der Junge hat weder Geld noch Papiere bei sich und er hat auch keinerlei Aufzeichnung darüber hinterlassen, wohin er sich wendet. Böhm ist etwa 140 Zentimeter groß, stark, hat ein rundes Gesicht und blondes Haar. Bekleidet war er vermutlich mit einem Arbeitsanzug. Meldungen über den Verbleib des Burschen mögen dem Polizeiamt Komotau gemacht werden. Die Deutsche Jugendfürsorge dantt. Der Kinderschutzmonat ist vorüber. Noch steht sein Errrag nicht fest, aber die au- allen Teilen des Arbeitsgebietes eingehenden Berichte lassen hoffen, daß das vorjährige Ergebnis wiederum überschritten wurde. Damit wäre der Deutschen Jugendfürsorge die Möglichkeit zur weiteren Ausgestaltung ihrer Arbeit geschaffen. Die Deutsche Jugendfürsorge dankt allen herzlichst, die am Weiterbau des Gemeinschaftswerkes mitgoholfen haben. Der Oktober war aber nich: nur Sammelmonat. Er war gleichzeitig der Aufruf an alle, ihren Teil an Verantwortung gegenüber unserem Nachwuchs zu übernehmen. Es ist ein erfreulicher Beweis für das Denken unserer Bevölkerung, daß sie die Spenden im Kinderschutzmonat aus der tiefen Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Jugendschuharbeit heraus gibt. Mit der Zunahme der Erkenntnis, daß ein« planmäßige Fürsorge von der Zufälligkeit mildtätiger Zuwendungen freigemacht und auf die sichere und breite Grundlage einer tiefen sozialen Verantwortlichkeit der Volksgruppe gestellt werden mutz, wird die Jugendfürsorge befähigt,, ihre bedeutenden sozialen und volkspoliti- schen Aufgaben zu erfüllen. Der heurige Kinderschutzmonat war ein weiterer Schritt auf diesem Wege. ver„kundschau" hinter den Spiegel I »Manchester Guardian“ Ironisiert die Lobhudeleien Uber Henleins Londoner Reise Seite 4 Freitag, 12. November 1937 Nr. 26« scheu ZiZkov und Karolinenthal Herumgetrieben hat. Die Nächte verbrachte er in dem Buschwerk des Zizkabergabhanqes, seine Nahrung erbettelte er von den Soldaten der« dort befindlichen militärischen Objekte. Der Junge, der an seiner Gesundheit keinen Schaden genommen hat und nur erschöpft und ausgehungert. war, wurde seinen Eltern übergeben. Ein gefährliches Pferd. Beim Füttern der Pferde näherte sich der 18jährige Knecht Josef S t r e d a n s k y, der bei dem Landwirt Vlad. Plska in Dolni Des bei Holleschau beschäftigt ist, einem Pferde und bevor er zur Seite springen konnte, hatte sich das Pferd in sein Gesicht verbissen. Der Schwerverletzte wurde in das städtische Krankenhaus in Kremsier übergeführt. Dem Stre- dansky wurde die ganze Nase abgebiffen, so daß er für immer verunstaltet bleibt. Der Rundfunk sucht und findet. Montag, den 8. November, meldete das Tsch. P.-B. in der Radio-Mittagsrelation, Herr A. K., der mit seinem Auto auf einer Geschäftsreise im Riesengebirge war, möge sofort heimkehren. In Trau- tenau hörte Arnost Slevec dies« Aufforderung und als er ungefähr fünf Minuten später über den Trautenauer Marktplatz ging, sah er dort das Auto.des Gesuchten.parken., Da der Besitzer de? Wagens nicht anwesend war, hinterkiest Skivec einen Zettel mit der Aufforderung heimzukehren an dem Wagen und wiederholte diese Aufforderung später noch mündlich. Der Besitzer des Wagens überzeugte sich telephonisch von der Richtigkeit der Aufforderung und trat sofort die Heimreise an. Sein Onkel, der Chef der Firma, in der er arbeitete, war gestorben. Der Literatur-Nobelpreis für 1937 wurde dem französischen Schriftsteller Roger Martin du Gard verliehen. Roger Martin du Gard wurde im Jahre 1871 geboren. Er widmete ursprünglich seine Aufmerksamkeit der Geschichte. Eine Frucht dieser seiner Vorliebe war auch seine erste größere Arbeit, der Roman„Jean Barois", welche im Jahre 1913 erschienen und deffen Stoff aus der Drehfps-Affäre geschöpft ist. Auch in den späteren Romanen des Laureaten überwiegt der Sinn für Generationsprobleme vom historischen Gesichtspunkte. Ein solcher großer Generationsroman ist der mit dem Buche„Die Thibaults" begonnene Zvklus. Außer Romanen schrieb Gard auch einige dramatische Werke. Der Physik-Nobelpreis. Der Nobelpreis für Physik wurde unter den New-Uorker Professor Davidson und den Londoner Professor Thomson aufgeteilt. Der Nobelpreis für Chemie wurde dem Züricher Profesior K y r l e r und Profesior Haworth in Birmingham gemeinsam zugesprochen. Polnisches Passagierflugzeug abgestürzt. In der Nähe des Dorfes Mysidlo, etwa 100 Kilometer von Krakau entfernt, ist Donnerstag abends gegen 17 Uhr auf der Flugstrecke Krakau—Warschau ein Paffagierflugzeug der polnischen staatlichen Fluglinie Löt abgestürzt. Bei der Katastrophe fanden vier Pasiagiere den Tod, sieben erlitte., zum größten Teil schwere Verletzungen. Unter den Toten befindet sich auch ein schwedische^ Staatsangehöriger namens Berggren, der Vertreter der tschechoslowakischen Firma* SKF. Die Ursache des Unglücks ist in dem starkenNebel zu suchen, der dem Piloten den Weiterflug unmöglich machte und ihn zu einer Notlandung zwang., Hunderte Opfer der Arbeit. Von den Opfern des kürzlichen Bergwerksunglücks auf der Kupfergrube bei Kaizuma(Japans sind bereits mehr als 500 Tote geborgen worden. Danach scheinen die Rettungsarbeiten vergeblich gewesen sein. Zugsunglück in England. Auf dem Bahnhofe von Euston bei London ereignete sich Mittwoch vor Mitternacht ein Eisenbahnunglück, bei dem fünf Personen verletzt wurden, hievon zwei Personen schwer. Bergarbeiterstreik in Elsass-Lothringen. Dreihundert Bergleute tvr Gruben in Stieringen- Wendel sind unter Forderung höherer Löhne in den Streik getreten. Am Mittwoch nachmittags haben sich 8000 Bergarbeiter in Stieringen- Wendel und in Petiteroselle mit den Streikenden ! solidarisch erklärt und sind gleichfalls in den Streik getreten. Sie haben ihre Arbeitsplätze verlassen, i da die Grubenverwaltungen es ablehnten, in Verhandlungen einzutreten. Bombe im Aff en tierungsbü ro. In Belfast explodierte in einem Assentierungsbüro für die englische Marine eine Bombe. Durch die Explosion wurde die Kanzleieinrichtung und zahlreiche Schriften vernichtet. Englischer Journalist in Schanghai getötet. Einer Meldung aus Schanghai zufolge wurde der Sonderkorrespondent des„Tvilh Telegraph", Pembroka Stephens in Schanghai, während er den militärischen Operationen vor Nantao von einem hochgelegenen Punkte der französischen Nie- derlaffung aus zuschaute, durch eine Maschinengewehrkugel getötet. Großbritannien hat in den Schanghaier Kämpfen bereits 17 Staatsangehörige verloren. Das könnte man brauchen. Das Schatzamt der USA gibt bekannt, daß Donnerstag Goldbarren im Werte von fünf Millionen Dollar mit dem Dampfer„Aguitania" nach England versandt wurden. Die reichsdeutsche Preffe. Der Reichsleiter Amann teilte mit, daß die Gesamtauflage der deutschen Zeitungen von 14.9 Millionen im Jahre 1934 auf 16.65 Millionen im Jahre 1937 gestiegen sei. Er hat dabei nur eine Kleinigkeit verschwiegen, nämlich daß gegenüber, der Höhe von 19.7 Millionen im Jahre' 1936 ein erheblicher Rückgang eingetreten ist. Die Zahl der Tageszeitungen sank seit 1935 von 3250 auf 2246. Zu dm von Hitler Ausgebürgerten gehören noch folgende Persönlichkeiten: der ehemalige Vorsitzende des Zentralverbandes der Angestellten Siegfried A u f h ä u s e r, der ehemalige Landeshauptmann der Provinz Grenzmark Caspari, der ehemalige kommunistische Reichstagsabgeordnete D a u b, der zu dem Kreise um Pfempfert- gehörende Justizrat James B r o h, der ehemalige Bolksbeauftragte in der ersten Regierung nach dem Novemberumsturz 1918 Dittman«, der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Tempel, der kommunistische Parteisekretär Leo Flieg und der zur Kommunistischen Opposition(Brandler- gruppe) gehörende Schriftsteller Dünner. Rumänische Oellager erschöpft? Seit Mitte 1936 läßt die rumänische Erdölgewinnung nach, da die Ergiebigkeit der Erdölquellen zurückgegangen ist. Die Tagesproduktion sank in einem Jahre von 25.000 auf 19.000 Tonnen. Man rechnet für 1937 mit einem Rückgang auf 7,000.000 Tonnen gegen 8.7 Millionen im Vorjahre: Von Regierungsseite wurde aber vor Uebertreibungen gewarnt und erklärt, daß dadurch die Produktionsregelung erleichtert werde, daß man nach Reserven forschen und neue Bohrfelder, wie z. B. bei Bucsani, erschließen werde. Das un erschlossen» Terrain wird auf 30.000 Hettar geschätzt. Die Astra Romana legte im Bezirk Dambowitza drei Erdölquellen wegen völliger Erschöpfung still. Der Sommerpalast des„Facher Divine" ab- gebrannt. Ein Schadenfeuer zerstörte vollkommen ein Landhaus, das dem„Facher Divine" in Kingston bei New Jork gehörte und das von seinen Getreuen als„Himmlischer Palast" bezeichnet wurde. Wie es für ein Haus mit einem solchen Namen geziemt, war das Gebäude von„Engeln" beiderlei Geschlechts bewohnt. Die„Engel" aßen gerade zu Mittag, als der Brand ausbrach. Sie wurden von einer wilden Panik ergriffen uno stürzten aus dem Gebäude. Aber sie entfernten sich nicht etwa, sondern blieben im Garten stehen und riefen laut:„Herrlich, herrlich, Gott hat eS angezündbt, Gott wird es auch wieder löschen!" Diese Rufe hatte die praktische Wirkung, daß sie mit aller Gewalt di« Feuerwehrleute daran verhindern wollten: das Feuer zu löschen. Sie erklärten immer wieder, daß Father Divine bestimmt nicht damit einverstanden sein würde, wenn man der Vorsehung in. den Arm fiele. Die Feuer- I Wehrleute sahen sich gezwungen, die Wafferstrah- Das Mißverständnis zwischen der„Zelt" und Herrn Dr. K. V. In der Sonntagsbeilage der„Zeit" vom 7. November war eine an Humor- und Geschmacklosigkeit überragende Geschichte zu lesen: Das Bleckt führte aus, wie eine bestimmte, offensichtlich fingierte Meldung des Polizeiberichtes von den verschiedenen Prager Zeitungen gebracht und glossiert werden würde, von der„Zeit" selbst, von der„Bohemia", dem„Prager Tagblatt", den „Ranni Noviny", dem„Expres", dem„Eesst Slovo" und der„Roten Fahne", wobei—wie der Titel sagte—„Prager Zeitungen und ihre Schwächen" gezeigt werden sollten. Die Meldung selbst besagte» daß eine jüdische Emigrantin namens Einstein in einem Prager Automatenbüfett ein Eisbein gestohlen habe, und die Witzigkeit des Artikels bestand zum Beispiel darin, daß sein Verfaffer das„VeLerni Ceske Slovo" schreiben ließ:„Als sie Polizeirat Dr. Liberec über den Grund ihrer Handlungsweise befragte, gab sie an, daß sie all diese Speisen seit vier Jahren nicht mehr gesehen habe, weil der Herr Göring das ganze Geld für seine Kanonen braucht" oder daß er die„Rote Fahne" die Geschichte mit dem Titel versehen ließ:„SdP-Kor- ruvtion im Automatenbüfett— Faschistenknechte zwingen eine Frau zum Stehlen".— Diese Geschichte hat auch Herr Dr. Karl Viererbl in Berlin gelesen und— er ist auf sie hereingefallen: Er hat sie für bare Münze genommen. Und so kann man im„Völkischen Beobachter", deffen Redaktion Herr Viererbl bekanntlich angehört, vom 10. November 1937 einen mit Dr. K. V. unterzeichneten Artikel lesen, in dem aus der Erfindung des Prager Henlein-Blattes eine tierisch ernste Geschichte gemacht wird.„Kürzlich wurde"— so fängt Herr Dr. K. B. an—„in Prag die emigrierte Jüdin Else Einstein aus Frankfurt beim Diebstahl eines Eisbeins ertappt" und er fährt fort: Die Polizeidirektion Prag gab darüber folgenden Bericht aus(folgt der fingierte Bericht der Zeit)... die Prager Blätter stellten dar- übcr folgende in der„Zeit" wiedergegebenen Variationen a n(folgen die verschiedenen Berichte der„Zeit", wiederum als Tatsachen, nicht als Erfindungen.) Herr Dr. Viererbl beeilt sich natürlich, die einzelnen Berichte entsprechend zu glossieren: So versäumt er nicht, beim„VeLerni Teste Slovo" hinzuzufügen, daß es„sich im Besitz der tschechischen nationalsozialistischen Partei befindet, deren Vorsitzender einmal Dr. Benes war und von dem behauptet wird, daß er aucy heute noch mit den Blättern seiner Partei Tuchfühlung hält". Die angebliche Bemerkung dieses Blattes, daß die Frau«all diese Speisen seit vier Jahren in Deutschland nicht mehr gesehen habe", begleitet Dr. K. V. mit dem entrüsteten Ausruf: „Dabei lebt die Einstein schon drei Jahre in Prag!". Wir wollen den Reinfafl des Herrn Dr. Viererbl nicht als Jntelligenzprobe werten und auch nicht untersuchen, wie bei einem so erprobten Zusammenspiel ein solches Mißgeschick widerfahren kann. Der ganze Vorfall verdient lediglich als Zeugnis dafür Beachtung, durch welche Brille Leute wie Dr. Viererbl tschechoslowakische Dinge sehen, wenn sie imstande sind, einen weithin erkennbaren Unsinn als Wahrheit zu nehmen und sich über ihn zu ereifern. Scottland Yard verschwindet Die berühmte, aus unzähligen Kriminalromanen bekannte Polizeizentrale Scottland Aard in London wird abgebrochen, um einem ganz modernen Gebäude Platz zu machen. Der Fahnenflüchtige auf dem Heuboden. Bor dem Divisionsgericht in Königgrätz hatte sich ein junger Mann wegen Nichtbefolgung des Einrückungsbefehles zu verantworten. Der Angeklagte war assentiert worden, fürchtete sich aber vor dem Militärdienst so sehr, daß ä den Beistand feinlr Geliebten in Anspruch nahm, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Diese zeigte sich' auch gefügig und verbarg ihren Liebhaber auf dem Heuboden ihres Elternhauses, wo er nicht weniger als drei Wochen verbrachte und nichts anderes zu effen hatte, als Aepfel und Pflaumen und einige sehr schmale Biffen kräftigerer Nahrung, die ihm sein Mädel hie und da zustecken konnte. Schließlich magerte er begreiflicherweise bei solcher asketischer Kost so erschreckend ab, daß er den Eindruck eines wandelnden Gerippes machte. Das Mädchen konnte den körperlichen Verfall ihres Freundes, der in regelrechte Hungerdelirien verfiel, nicht mehr ansehen und legte den Gendarmen eine Beichte ab, die alsbald erschienen und den Fahnenflüchtigen aus seinem Versteck holten. Das Urteil lautete auf dreieinhalb Monate Kerker, wobei das Gericht dem Angeklagten geschwächte Vernunft zubilligte. Militärverrat. Das Kreisgericht in K a» schau verurteilte Andreas Okolicsänyr aus Hrachovce bei Rimavflä Sobota wegen Militärverrates zu fünf Jahren schweren Kerkers. (Amtlich.) Ein Neunjähriger sieben Tage unter freiem Himmel. Seit einer Woche war der neunjährige Schuljunge Josef Doökal aus Zizkov als abgängig gemeldet und wurde von den Sicherheitsbehörden auf jede mögliche Art gesucht. Gestern vormittags fand nun eine Polizeistreife den Knaben in dem Gesträuch des ZiZkaberges hinter dem Jnvalidenplatz schlafend auf. Es ergab sich, daß der Junge, der aus Furcht vor der Strafe wegen irgendeiner kindlichen Ungezogenheit aus dem Elternhaus entwichen war, sich die ganze Zeit unter freiem Himmel in der Gegend zwi- DrelBls Jahre für einen Meuchelmord Pilsen. Vor dem Pilsner Schwurgericht verantwortete sich am 10. und 11. November der 25jäh- rige ledige Maurer Josef KoLa aus Zebnice bei Kralovitz wegen des Verbrechen- des vorsätzlichen Raubmordes und wegen der Vergehens nach 8 36 des Waffenpatentes. Der Beschuldigte ermordete am 7. August d. I. gegen Abend den 20jährigen Handelsgehilfen Josef Matik, der aus Zebnice, wo er die Filiale eines Kaufmannes Franz Vaviik aus Plasy leitete, nach Vladmttice zu seinen Eltern heimging. Koia vollbrachte den Mord im Walde Smröiny auf dem Kataster der Gemeinde Mlado« tice auf die Weise, daß er fünf kleine Fichten über den Weg, auf welchem Mattt fahren sollte, legte und an diesen Draht befestigte. Als Matik mit dem Rade ankam, stieß er gegen das Hindernis und stieg vom Rade. Kota, der in der Nähe verborgen war, gab einen Schuß gegen Matik und schoß, weil dieser sich noch bewegte,.aus einer Entfernung von vier Schritten ihn noch ein zweitesmal in den Kopf. Sein Opfer zog er dann ins Gebüsch und da es ihm schien, er bewege sich noch, stach er Matik dreimal in den Kopf, so daß das Meffer bis zum Heft in den Kopf eindrang. Sodann beraubte er den Ermordeten um 40 Kü, um die Uhr und um die Brusttasche mit Dokumenten. Der Mord wurde erst am 9. August entdeckt. Da- Schwurgericht verurteilte Josef Koca zu 80 Jahren schweren, vierteljährlich durch Fasten und am Jahrestage der Tat durch Dunkelkammer und hartes Lager verschärften Kerkers sowie zum Verlust des Wahlrechtes für die Dauer von drei Jahren und zum Ersatz der Kosten des Strafverfahren-, die jedoch als uneinbringlich erklärt wurden. Die Untersuchungshaft wird eingerechnet. len zunächst gegen di«„Engel" zu richten, mit dem Erfolge, daß die Löschung des Brandes nicht mehr gelang. Pariser Weltausstellung wieder im Mai. Die französische Regierung, welche definitiv be« schloffen hat, die internationale Ausstellung im kommenden Jahr wiederum auf die Dauer von sechs Monaten zu verlängern, sucht nunmehr eine geeignete Art und Weffe für diese Verlängerung. Es scheint, daß die Ausstellung nunmehr ab November dieses Jahres bis zum Mai nächsten Jahres geschloffen wird und erst dann auf sechs Monate neu eröffnet wird. Die Ueberschwemmungan in Syrien. Die Waffermaffen, die den Kalamun-Bezirk heimsuchten, beginnen abzufallen und man konnte bereits mit den Wiederherstellungsarbeiten begin-' nen. Ungefähr 1000 Personen sind in den Wellen' ertrunken. Bisher wurden 600 Leichen geborgen. Im ganzen wurden an 10.000 Häuser zerstört und der Materialschade wird auf 40 Millionen Francs geschätzt. Auf den Spuren von Moses und Jeremias. Unabhängig von der politischen Lage in Palästina begibt sich dieser Tage eutt wissenschaftliche Expedition unter Führung des berühmten englischen Archäologen Sir Charles Marston nach Südpalästina, um bestimmten alttestamentarischen Spuren, die vor einiger Zeit im Gebiete von Lachis gefunden wurden, nachzugehen.. Man hat nämlich in Lachis Inschriften und Pergamentrollen gefunden, die aus der Zeit von Moses und Jeremias stammen sollen, und Professor Marston hat erklärt, daß die näheren Untersuchungen die Möglichkeit ergeben könnten, die wichtigsten historischen Geschehnisse des Alten Testaments wissenschaftlich aufzuklären. Kalte Witterung wird dauer«. Von der'Balkanhalbinsel strömt der Ungarischen Tiefebene wanne Lust zu. Donnerstag wurden dort um 14 Uhr erneut 18 bis 17 Grad Celsius verzeichnet. In den übrigen Ländern Mitteleuropas ist es dagegen ziemlich kalt.>Jn den Niederungen war«S Donnerstag nachmittags meist kälter als fünf Grad und von 500 Meier aufwärts herrscht Frost. Im Hinblick auf diese Temperaturunterschied« wird voraussichtlich int . Gebiete der Republik noch immer ungünstiges und kaltes Wetter mit zeitweisen Niederschlägen anbalten- — Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegend bedeckt mit Niederschlägen, und zwar besonders in den Karpathenländern, Temperaturen wenig geändert, auf den Bergen Ganztagsfrost.— Weiteraussichten für Samstag: Andauern der kalten und vorwiegend bedeckten Witterung, Wind an- nördlichen Richtungen.(S. A. M-) Vom Rundfunk WeklMimriu aas Sen Programmen! TamStag Prag, Sender 1:10.05: Deutsche Preffe. 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.30: Schallplatte«, 11.05: Salonorchester, 12.10: Schallplatten« 14: Deutsche Sendung: Zum fröhlichen Wochenende, Mandolinen- und Gitarrenklubkonzert. 17.55: Deutsch« Sendung: Ein Dorfgesangverein singt, 18.45: Deuffche Presse, 18.55: Deutsche Aktualitäten, 20.55: Rundfurckorchesterkonzert: Mozart, Smetana, Dvoiäk etc. 22.30: Jazzorchester.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Janetschek: Musikalische Zeitgeschichte, 14.55: Deutsche Preffe. 18.15: Salonorchester.— Brünn 12.35: Rundfunkorchesterkonzert Debussy, Tschaikowski etc.— Preßburq 10.15: Schallplatte«, 15.20: Leichte Musik.— Kascha* 12.05: Opernphantasien.— Mähr. Ostrau 18: Zitherkonzert, 18.30 Schallplatten. 1 5 t 1 2 11 4 if D 2. : Ľ IT ) Nr. 266. Freitag, 12. November 1937 Volkswirtschaft und Sozialpolitik Forderungen der Angestellten, die erfüllt wurden und die urgiert werden Einen Raglan kaufen Sie einmal in drei Jahren. Deshalb geben Sie der Qualität den Vorzug! Kleidung Marke e immer bewährt durch gediegene Ausarbeitung, vollwertiges Material und eleganten Schnitt in modernstem Stil In der Landesvertretung Böhmens fette fich| langem eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit an. Die bor kurzem Landesvertreter Wondrat- Karlsbad für Acht- Uhr- Ladensperre über die Saison wäre volldie berechtigten Forderungen der Angestellten ein. fommen hinlänglich und außerhalb derfelben müßte und trotzdem nicht teuerer! die vom AAV- Reichenberg vertreten werden. Wir auch für die Kurorte die Sieben- Uhr- Ladensperre, geben nachstehend auszugsweise Wondrats Rede wie in den übrigen Städten, verordnet werden. wieder, die in wesentlichen Punkten gerade in diesen Wochen von besonderer Attualität ist: Es muß mit Rücksicht darauf, daß bei der Reform der Pensionsversicherung für die Privatange stellten die Belange der Lehrlinge unberücksichtigt geblieben sind, die Forderung nach einem modernen Lehrlingsschutzgesetz erhoben werden. Wir hoffen, daß es bei der Novellierung der Gewerbeordnung auch zu einer Reform der Bestimmungen über das Lehrlingswesen kommen wird. und Neuern. Der Einführung der Sechs- Uhr- Ladensperre, wie sie in Prag bereits seit vielen Jahren besteht und in Aufig eingeführt werden konnte, nachdem sich hier die Angestelltenschaft mit der Prinzipalität ge= einigt hat, steht die Einschränkung der Verfügungsgewalt des Landespräsidenten als ernstes Hindernis entgegen, die sich auf eine Verordnung aus dem alten Oesterreich stüßt. Es muß daher verlangt werden, daß der Landespräsident nicht nur die Ermächtigung erhält, die Ladensperre von 8 auf 7 Uhr vorzuverlegen, sondern es muß ihm auch die Möglichfeit geboten sein, die Sechs- Uhr- Ladensperre zu verfügen, wenn sich die Interessenten darauf geeinigt haben. Englische Ulster: Kč 199-, 269'-, 299'-. 329- und höher Solide dunkle Raglans: Kč 159'-, 199'-, 269- und höher SBOR Wählen Sie deshalb die Qualitätskleidung Marke b SBOR Geite 5 Die Regelung der Sonntagsruhe und die Ladensperre im Handelsgewerbe bleiben leider noch immer aktuell, da eine generelle Regelung noch im mer nicht erfolgt ist. Ausständig ist noch die Regelung der Sonntagsruhe für die Bezirke Braunau, Die Wiedereinführung des Silbernen Sonn- sich ja in den ersten Monaten des laufenden Jah-| von der Tatsache aus, daß jeder dieser Motoren wie der Mensch atmet, Luft verbraucht. Jeder Hohenelbe und Schluckenau, für die sich ganz beson- tags" im Lande Böhmen hat im Teßten Jahre res ein fühlbarer Mangel herausgebildet hatte. In den letzten Wochen haben sich gleichfalls dieser Motoren saugt Luft in mächtigem Strome ders der Allgemeine Angestelltenverband in Reichen- Aufmerksamkeit erregt. Die Verordnung, die am berg eingesetzt hat. Trozdem in Schluckenau eine 4. Dezember 1936 erlassen wurde, sah einen 125pro- die Preiseinbrüche an den Baumwoll-, den Woll- an, um ihren Sauerstoff zu verarbeiten, und Ginigung zwischen der Angestelltenschaft und den zentigen Zuschlag zu dem normalen Tagesverdienste märkten und einigen anderen Textilmärkten er- jeder dieser Motoren stirbt ab, erstickt, wenn er Vertretern der Kaufmannschaft erfolgt ist, warten der Angestelltenschaft vor; leider ist diese Ver- heblich verschärft. Desgleichen verzeichnen die statt eines normalen Luftgemisches irgendein die Angestellten noch immer auf die behördliche Er- fügung wegen ihrer unklaren Faffung nicht überall Weltgetreidemärkte Preisverluste, obwohl die Ge- chemisch nicht aktives, oder gegen die Zylinderledigung, die wir daher dringend urgieren. Auch im eingehalten worden. Diese Bedingung haben nur treide- Weltvorräte sich durchwegs unter Vor- wände freffend aggressives Gasgemisch ansaugt. Böhmerwald soll demnächst durch eine Aktion des größere Handelsbetriebe eingehalten, während sie jahreshöhe halten. Wenn sich dieser Umschwung Legt man eine solcherart wirksame Wolfen Allgemeinen Angestelltenverbandes versucht werden, der größte Teil der privaten Unternehmungen falsch für einige Städte die Sonntagsruhe einzuführen: ausgelegt hat. Wir ersuchen daher, wenn es wieder weiter fortfest, so könnten ungünstige Rückwir- schicht durch Flak- Feuer in die Anflughöhe der dies betrifft vor allem die Bezirke Klattau, Krumau zu einem Einvernehmen zwischen Angestelltenschaft fungen auf die Einkommensgestaltung der Bevöl- gegnerischen Maschinen, so hat man die ideale und Kaufmannschaft kommen sollte, daß die Ver- kerung in den Rohstoffländern mit ihren Aus- wartende Granate, deren Inhalt bis zum EinAuch auf dem Gebiete des Sieben- Uhr- Laden- ordnung Klarer formuliert wird, damit lebertretun- strahlungen auf den Verbrauch und den Außen- treffen des Gegners im Anflugbereich stehen schlusses sind in der letzten Zeit Fortschritte erzielt aen hintangehalten werden. Auch bezüglich der handel kaum ausbleiben. bleibt, während nur die leere Hülse zuvor wieder worden; so wurden Brür, Böhm.- Leipa, Leitmeris Ueberscheitung der gesetzlichen Arbeitszeit haben die Daß auch die an den Weltbörsen anzu Boden fällt. und Weipert in die Sieben- Uhr- Ladensperre einbe- Handelsangestellten seit je berechtigte Mage zu füh- haltende Unruhe, die Wiederkehr der schwarzen Eine so erzeugte Wolke kann mechanisch zogen. Für die westböhmischen Kurorte beſtehen für ren. Die Bestrafungen von Uebertretungen find lei- Dienstage" und" schwarzen Freitage" mit ihren wirken, wie etwa der in England erzeugte Kampfdas Handelsgewerbe gewiffe Sonderbestimmungen, der so gering, daß sie geradezu als Anreiz au neuer beträchtlichen Kursstürzen der Weiterentwicklung staub, mit dem es bereits 1934 gelang, eine die sich noch auf eine Regierungsverordnung aus dem lichen Uebertretungen der gesetzlichen Bestimmungen der Konjunktur nicht gerade günstig sind, läßt sich Staffel von Flugzeugen zur Landung zu zwinJahre 1910 stüßen. Die Angestellten haben unter wirken. Es muß daher dringend gefordert werden. vorläufig wohl am deutlichsten in den Bergen. Als Baldwin zwei Jahre später im Parla diesen besonders zu leiden und sie streben daher feit daß entsprechende Strafen verhängt werden. einigten Staaten beobachten. Bei der be- ment über die Fortsche dieser Methode befragt sonderen Bedeutung, die die Wirtschaft der Ver- wurde, Teugnete er ihre Anwendung nicht, aber Weltkonjunktur tionale Rohstahl- Export- Gemeinschaft Mitte Of- einigten Staaten für die Weltwirtschaft hat, er sagte, daß er auf diese Frage nicht antworten tober auf ihrer Tagung in Warschau das als droht bei ernsten Rückschlägen der amerikanischen er sagte, daß er auf diese Frage nicht antworten auf dem Höhepunkt? Richtlinie für die Ausfuhr der Mitgliedsländer Konjunktur auch der Weltwirtschaft Gefahr. Wir In Deutschland wurde dagegen versucht, für dienende sogenannte Tonnageprogramm von wollen nicht sagen, daß schon die gegenwärtige diesen Zweck chemisch wirkende Wolkenbänke zu ( b.) Die Weltwirtschaft hat bis in die letzte 525,000 Tonnen Rohstahl auf 450.000 Tonnen Lage der amerikanischen Wirtschaft die Gefahr Zeit hinein eine günſtige Entwicklung genommen. im Monat gekürzt hat. Die durch die rückläufige afut mache. Daß aber die Baubewegung in Ame- erzeugen. Aus nachfolgendem Bericht ist weniger die genaue Zuſammensetzung des verwendeten In der vom Völkerbund für 1936/37 herausge- Breisbewegung mit verursachte Abnahme des Ab- rika start zurückbleibt, daß die Stahlwerke in der Gases authentisch, als vielmehr die Methode seiWeltwirtschaftlichen Uebersicht" wird der Welt- Inder der industriellen Pro- jazes hat bei einer Reihe von Weltrohstoffen wie vorletzten Oktoberwoche nur mit 51 Prozent ihrer duftion( einschließlich Bergbau) für Mai der zu einem Anwachsen der Vorräte Kapazität arbeiteten gegen 74 Prozent in der 1937 mit 106,7 angegeben. Es hat demnach schon geführt. Bekanntlich war ja die Rohstoffproduktion| gleichen Vorjahrswoche, das sind immerhin felder Betrieb ein neues Kampfgas, das bei Men wo dies möglich war erweitert worden, da Symptome, die nicht übersehen werden dürfen. gebenen ". in diesem Monat die Industrieproduktion der Welt die Höhe von 1929 um fast 7 Prozent überschritten. In den späteren Monaten hat sich die industrielle Erzeugung weiter ausgeweitet, wenn auch das Tempo der Zunahme nicht mehr ganz so heftig gewesen sein dürfte, wie in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres. Gaskrieg gegen Bomber fönne. ner Anwendungsweise. ,, Die J. G. Farben erzeugt in ihrem Bitterschen, aber auch bei Treibstoffen Erstarrung herbor ruft. Das neue Gas ist aus Aether, komprimiertec Luft, Sauerstoff, Rohlensäure und Nitroglycerin gu sammengesetzt. Versuche, ein solches Gas zu schaffen, begann Professor Haber, der Direktor des Chemis fchen Laboratoriums für Giftgasforschung bei den 3. G. Farben bereits im Jahre 1932. Die deutschen Aus den im Jahre 1936 abgeschlossenen Versuchen war ein Gas hervorgegangen, das bei Menschen ein Aufhören der Lungen- und auch der Hautatmung bewirkt. Bei Motorfahrzeugen, wie zum Beis spiel bei Tanks, hört der Motor auf zu arbeiten. Gegen Flugzeuge werden durch Flugabwehrbatterien Wolfenbänke dieses Gases bis in die Höhe von zehntausend Meter gelegt. Flugzeuge, die in diese Woltenstreifen geraten, werden durch Ausfeßen der Mo-toren altionsunfähig. Dieser Ge- Gas Gefriergenannte Kampfstoff wird in Geschossen ohne Sprengwirkung verschossen. Nachdem die im Sommer 1936 abgeschlossenen Versuche relativ gute Erfolge gezeigt hatten, beauftragte die Abteilung WAP des Kriegsministeriums Das besonders in Deutschland durch viele war in den letzten zehn Jahren allein ein WettVersuche geförderte System der Luftabwehr mit lauf mit den wachsenden Fluggeschwindigkeiten Die Entwicklung des Welthandels ist Motoren- Kampfstoffen geht von einer simplen der Bomber. In einem minimalen Zeitraum Militärstellen berlangten damals ein Gas, das soannähernd in der gleichen Richtung verlaufen. Tatsache aus. Der Motor eines Bombenflugzeuges mußte errechnet werden, wie sich die Zeit- Weg- wohl für den Angriff als auch in der Verteidigung Jedoch konnten die gewaltigen Rückschläge, die die schöpft seine Kräfte aus demselben Naturvorgang Linie eines heranbrausenden Bombers mit der gegen motorisierte Einheiten zu Lande und in der Wirtschaftskrise dem Welthandel versetzte, noch wie der atmende Mensch, er verbrennt Stoffe Beit- Weg- Linie einer abgefeuerten Granate tref- Luft eingesetzt werden könnte. nicht zur Gänze gutgemacht werden. Vergleicht unter Heranholung des ihn umgebenden Sauer- fen wird. Jede genaue Einstellung des Zieles man das Welthandelsvolumen( unter Ausschal- stoffes der Luft. Wie ein Mensch erwürgt, durch wurde zwecklos, wenn das Granatprojektil einen tung der Preisschwankungen) vom zweiten Vier- Vergiften oder Veräßen seiner Lunge getötet wer- Bruchteil der Sekunde zu früh oder zu spät das teljahr 1937 mit dem des Jahres 1929, so ergibt den tann, so muß auch der atemholende Motor Rohr des Geschüßes verließ. Zwar explodierte die sich, daß der Welthandelsumjak mengenmäßig im des Bombers zerstört werden können. Granate dann genau in einem Punkt der Flugganzen Jahr 1937 etiva noch um 15 Prozent hin- Bor etwa einem Jahre erregten einige Nach- bahn des Bombers, aber jeder Bomber hatte noch ter dem letzten Hochkonjunkturjahre zurückbleiben richten über diese grundsäßlich neue Methode der nicht diesen Punkt seiner Flugbahn erreicht, oder dürfte. Wertmäßig etwa auf der Basis des Luftabwehr durch einen Vorhang unsichtbaren war schon über ihn hinausgeflogen. Es stimmten Golddollars berechnet ist allerdings der Ab- Rauches beträchtliches Aufsehen. In der, beson- die Wege, aber die Zeiten nicht mehr zueinander. stand noch erheblich größer. Aber dennoch muß der ders von Großbritannien durch geheime Versuche Eine außerordentlich einfache Lösung dieses Probedeutende Aufschwung des Welthandels in diefem ausgebauten Methode, wurde ein Kampfstaub blems wäre es nun, wenn man die Granate zeitig gas Jahre, an dem ja auch der Außenhandel der durch Verschießen von der Erde oder durch Ab- genug zu jenem Punkt der Flugbahn des heranTschechoslowakei teilhat, überraschen. streuen aus Sonderflugzeugen in die Luft ge- rückenden Bombers schicken könnte. Sie müßte Hätte auf dem Tiefstand der Weltwirt bracht. Diese Staubteilchen, Massen überaus har- dann nur dort in der Luft stehen bleiben und erst schaftskrise oder noch vor zwei Jahren jemand ter glitterchen, haben die Eigenschaft, sich sehr in dem Moment zu wirken beginnen, in dem der borauszusagen gewagt, daß Weltproduktion und lange schwebend in der Luft halten zu können. Bomber diesen Punkt wirklich freuzt. Belthandel in verhältnismäßig furzer Zeit einen Gerät ein Flugzeug in die unsichtbare Wolke, so jo fräftigen Aufstieg nehmen würden, so wäre die saugt sein Motor den gefährlichen Staub unaufVerwirklichung seiner Prophezeiung als größte haltsam in den Zylinder. Die harten Flitterchen unwahrscheinlichkeit hingestellt worden. Der Ve- fressen sich in die blanken Gleitflächen zwischen deutung des Aufschwungs wird auch damit kein 8ylinder und Kolben. Jäh erhöht sich die Reibung Abbruch getan, daß man auf die Tatsache verweist, und mit ihr steigt die Temperatur im Motoren-| daß wesentliche Antriebskräfte dieser neuen Kon- herzen steil an. Noch ein paar ruckende Stöße und junttur von der internationalen Rüstungswelle der Motor steht still. Die, unsichtbare Luftsperre hat ihre Schuldigkeit getan. Im steilen Gleitflug ausgegangen sind. Obwohl nun das Ende der Aufrüstung kei- muß die feindliche Maschine zur Erde. Diese Methode ist heute nur noch ein Teil neswegs abzusehen ist, sind doch auf einigen Teileines ganzen wissenschaftlichen Syſtems, dessen Nationalwirtschaften Erscheinungen zu beobachten, Aufgabe darin besteht, die Luftabwehr von Großdie die Auffassung zu rechtfertigen scheinen, daß städten, unter Verzicht auf den Einsatz der an die Frage, wie lange wohl die Weltkonjunktur anderer Stelle notwendigeren eigenen Luftwaffe, der Wirtschaft sich weiter auf ansteigender Linie allein durch die Erdabwehr zu sichern. bewegen wird, neben ihrer theoretischen Bedeu tung nunmehr auch praktische Bedeutung gewinne. Fangkabel sind in das neue System mit einbe So dürfen vor allem die Vorgänge an zogen, deffen eigenlichen Kern aber immer noch Luftabwehrgranaten zu konstruieren, ist in den den internationalen waren die Arbeit der Luftabwehrgeschüße darstellt. So utopistisch dieser Gedanke im ersten Augenblick auch anmuten mag, so enthält er doch die Lösung des Problems. Das Horizontal- Schrapnell die Leunawerke mit der Großerzeugung des GeGases. Dieses Werk der J. G. Farben errichtete zwischen Bitterfeld und Magdeburg eine unterirdische Fabrik und unterirdische Wohnräume für eine Belegschaft von dreihundert Arbeitern, die das Ges Gas, in drei Schichten arbeitend, erzeugt." Abwehr ohne Jagdflieger Nach Berichten aus Budapest hat der rumänische Ingenieur A. Constantinescu ein Flugab Die neuen Abwehrmethoden bedeuten, wenn. wehrgeschoß konstruiert, an das man in Rumä nien sehr optimistische Erwartungen knüpft. Diese sie zu voller Wirksamkeit gelangen, den entschei Spezialgranate hat die Wirkung eines Schrap- denden Umschwung in der Verteidigung von nells, sie streut jedoch ihre Bleifugeln nicht wie Großstädten. Es wird durch den Einsatz von dieses kegelförmig nach unten, sondern fächerför- Fangtabel und Schußwolfen der Einsatz eigener mig horizontal aus. Wenn sie also in der rich- Abwehrgeschwader über dem Weichbild der Stadt tigen Flughöhe der feindlichen Maschine trepiert, unmöglich, aber auch unnötig gemacht. Sie fönso schleudert sie die Kugeln in den feindlichen nen statt zu origebundener passiver Verteidigung, Bomber, auch wenn die Granate nicht mit dem zur beweglichen aktiven Abwehr und zum AnAuch die vielerwähnten Ballonneße und Bomber selbst zusammentrifft. griff eingesetzt werden. Churchill hat im engDie Idee, solche in der Horizontale wirkende lischen Parlament, in der Debatte vom 27. Juli 1937, diesen Weg der Entwicklung vorausTetzten Jahren in verschiedenen Ländern aufge- gesehen. Er sagte, nachdem er die konservativen taucht. Man wird damit vielleicht auch einige Methoden des Luftschutzes der englischen RegieFortschritte erzielen, die zusammen mit der Wei rung kritisiert hatte: Ich glaube, daß uns die Bei der Erdabwehr ist in den tonnenschwe- terentwicklung der Richtmaschinen es gestatten Wissenschaft in den nächsten sieben bis acht Jaheindeutige und günstige Lage nicht wieder heraus- ren, automatischen Zieleinrichtungen, den Wun werden, recht und schlecht dem Fortschritt im ren in die Lage verseßen wird, die Luft vom bilden fönnen. Die Baissebeivegung hat im Otto- derwerken modernster Präzisionstechnik, das Ende Bomberbau nachzuhinten. Eine entscheidende Boden aus zu beherrschen." ber und auch in der erſten Hälfte des Novembers eines Weges mehr oder weniger erreicht. Jede Ueberholung wird auch mit dieser Methode kaum fortgedauert. Die Preisrückgänge für weitere Steigerung in der Eraktheit dieser Richts zu erreichen sein. Metalle und richtige agrarische Rohstoffe maschinen für die Luftabwehrgeschüße muß mit| haben sich fortgesetzt, ohne daß der Absatz in der wachsender Schwerfälligkeit im Transport und jüngsten Zeit eine wesentliche Steigerung erfah- mit außerordentlich gesteigerten Herstellungs kosten bezahlt werden. Es war also an der Zeit, Sogar an den internationalen Eisen- und hier radikal die Methoden zu ändern und voll- Flugmotoren oder auch Dieselmotoren ausges ten Entdeckungen und Erfindungen inzwischen Stahlerportmärkten hat die Abschlußtätigkeit im fommen neue Wege zu beschreiten. Ottober weiter nachgelassen, so daß die Interna1: 1 Hausse an den Welt- Rohstoffmärkten im April märtten nicht übersehen werden. Seit die t, 11, I, 14 HASSATEMARINEE 5: #J 5: dieses Jahres unterbrochen wurde, hat sich eine ren hätte. Das fliehende Ziel Sieben bis acht Jahre gab Churchill in seiner kritischen Rede für den Ausbau der neuen Methode. Diesen Zeitraum hat der VerDie atmenden Bomber teidigungsminister Inskip entscheidend verEine wirkliche Ueberlegenheit über die an- fürzt, als er in derselben Unterhaussibung sagte, rückenden Bomber, soweit sie mit normalen daß die auf dem Gebiet der Luftabwehr gemachrüstet sind, kann durch Auslegen aggreffiber Wol- erfolgreicher gewesen seien als die Kritiker sich Die Weiterentwicklung der Luftartillerie tenbänke erzielt werden. Diese Methode geht nun das vorstellen könnten. Kurt Doberer Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 12. November 1937. Nr. 266 D-gqer Mtang Kleines(ZIeIcKnls Hybernergaffe. Acht Uhr morgens. Menschen drängen, eilen, stoben, hasten aneinander vorbei, blicken zu den Verkehrsampeln empor, gleichgültig welche Lampe aufflammt, rot<— grün— gelb; farblos liegt der Alltag mit seinem Grau dahinter und als Lockung ruft und wirbt und droht, je nach der Persönlichkeit des Hastenden, das Büro, die Werkstatt oder die Kanzlei. Geruhsame Gemüter bleiben einen Augenblick stehen und werfen noch einen raschen informativen Blick auf den Zeitungsaushang der Blätter„Venkov" und„Beöer". Dann gehen auch sie ihres Weges, den Weg in den ständig gleichen Trott. Schlicht und bescheiden streckt sich aus dem Gewühl eine Hand uns entgegen, eine magere, bittende und anbietende Hand, die Hand einer Zeitungskol- porteurin. Die Stimm« klingt leise, und zaghaft verkündet sie eine„Extra-Ausgabe", welche dem Passanten nochdazuganzumsonst ausgefolgt wird. Niemand hat Zeit für die Frau, jeder jagt nach seinem Stück Brot; es drängt die Zeit; wer kann sich da noch um eine Reklame kümmern, lächerlich! Was ist das schon für eine Angelegenheit, die man umsonst haben kann, überflüssige Pause, di« da in der Hast entstehen könnte um ein Nichrs, und dann noch die Unannehmlichkeiten im Betrieb, wenn man zu spät kommt! Mr weiter, weiter... Aber halt— was ist das? Hört doch bloß einmal die Stimme:„Extra-Ausgabe— GPU-Agent enthüllt Beziehungen zu Deutschland— GPU-Agent erzählt Indiskretionen aus seinem Leben— Extra- Ausgabe—", so donnert es über die Straße weg, hämmert es sich in die Köpfe der Menschen hinein, und mit einmal liegt das Büro und die Werkstatt ein wenig abseits, man hemmt seinen Schritt, plötzlich kann man nicht über den Weg gehen. weildieVerkehrsampel aufgrün zeigt, obwohl kein Gefährt weit und breit zu sehen ist. willkommen« Pause, um in der Tasche zu kramen nach irgend ein paar Hellern, denn der Brüller steht da wie aus Erz und schreit seine Sensation in die Ohren der kleinen Welt, die ihn umgibt zwischen der Hybernergaffe und den Zeitungs- anschlagskästen des„Venkov". Es regnet in seine Hand Kupfer und glitzernde Nickelmünzen, er zuckt nicht mit der Wimper, brüllt nur, brüllt, brüllt, brüllt... Neugierig sehen die Menschen in die gekaufte Zeitung und nach einem kurzen Blick wird das Blatt hastig in die Tasche gesteckt, manchmal lächelt einer, nicht böse, nicht ironisch, nur belustigt über sich selbst — denn was er da gekauft hat oder besser wofür er dem Kolporteur das Geld aufgenötigt hat. der Schreierhat nichts verlangt, dieses Blatt ist die gleich« Reklame eines Romans, derselben Geschichte, die ihm vorhin still und bescheiden, drei vier Schritte vorher, von einer mageren sqnftey Hand, einem stillen Menschen, unentgeltlich angeboten wurde, einer Hand, die zu- rückgestoßen wurde, weil fie nicht brutal zu den Menschen kam.' Rer brüllende Zeitungskolporteur verstand die Leute zu packen; ein guter Beobachter vielleicht in dem großen Theater Europas! Hybernergaffe. Acht Uhr morgens. Menschen drängen und stoßen eine stille sanfte Krau beiseite und schenkenihrOhrund Geldnur dem derbrutal— brüllt. Genau so wie in der Politik der großen europäischen Kabinette! Der Igel. Prager Stadtrat abonniert Loge im Reuen Deutschen Theater. In der gestrigen Budgetsitzung des Stadtrates wurde beschlossen, in Würdigung der kulturellen Leistungen der deutschen Minderheiten in der Tschechoslowakei und zur Förderung der aktivistischen Bestrebungen innerhalb dieser Minderheit ständig eine Loge im Deutschen Theater zu Abonnieren. Dai Leichenbegängnis des verstorbenen Rates LeS Obersten Gerichtes, Heinrich Weinhuber, des langjährigen Obmannes der„Urania" findet! heute, Freitag, um% 12 Uhr im Neuen Krematorium der Stadt Prag in Straschnitz statt. Doppttsttbftmord durch Leuchtgas fordert unbeteiligtes Opfer. Gestern vormittags wurden die Bewohner des Hauses Nr. 1362 in Lieben durch starken Gasgeruch alarmiert. Der Gasgeruch entströmte einer im dritten Stockwerk gelegenen Wohnung, die erst vor einigen Tagen von der 42jährigen Theresie Simänek gemietet und nur aufs notdürftigste eingerichtet war. Diese Frau hatte sich von ihrem Mann, der in Kobylis wohnt, getrennt"und mit ihrer 17jährigen Tochter aus erster Ehe, dem Lehrmädchen Marie Novotny, die erwähnte Wohnung bezogen. Nach Oeffnung der Türe fand die Polizeipatrouille Mutter und Tochter tot auf. Wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, haben beide«inverständlich den Tod gesucht. Als Motiv der Verzweiflungstat werden die zerrütteten Fami- lienverhältniffe bezeichnet. Im gleichen Hause wohnt ein Stockwerk höher die Familie des Beamten I. Svoboda. Als dieser nachmittags aus dem Büro heimkam, fand er seine Wohnung von innen ver- schloffen, so daß er genöttgt war, die Türe unter Polizeiassistenz öffnen zu lassen. Man fand seine 26jährige Frau Blanka bewußtlos auf dem Fußboden liegend. Da sie noch Lebenszeichen gab, wurde sie in das Spital auf der Bulobka Äergeführt, ist aber bisher nicht zu sich gekommen. Allem Anschein« nach ist die junge Frau dem aus der Wohnung der Selbstmörderinnen in ihre Wohnung dringenden Gas zum Opfer gefallen. Hericktssaat Gefälschtes Militärbuch Prag.—rb— Vor dem Strafsenat des' OGR. Dr. Pazderskh war der 33jährige Kutscher Georg H a v l i n der Fälschung einer öffentlichen Urkunde angeklagt. Diese öffentliche Urkunde war das Militärbuch des Angeklagten, in welchem dieser seine Berufsbezeichnung als Kutscher ausradiert und sich als Metallgießer bezeichnet hatte. Der armselige Fälschungsversuch mußte natürlich in kürzester Zxit zutage kommen. Dies geschah denn auch, als Havlkn um Aufschub seiner Waffenübung ansuchte und die Behörden seine persönlichen Verhältnisse überprüften. AIS Grund dieser Fälschung gab der Angeklagte an. daß er der Meinung war, als Metallgießer im Falle eines Krieges vom aktiven Militärdienst enthoben und in einer Waffenfabrik beschäftigt zu werden. Der Strafsenat schloß sich der Ansicht der Verteidigung, daß hier ein„Versuch mit untauglichen Mitteln" anzunehmen sei. zwar nicht an. nahm aber doch Rücksicht auf die Naivität des FälschungsversucheS und verurteilte den Angeklagten zu zweiMonaten Kerkers bedingt auf drei Jahre. Ein Militärbuch ist«in Dokument, mit dem sorgfältig umzugehen ist. Erst unlängst haben wir die amtliche Nachricht verzeichnet. nach welcher ein Angeklagter vor dem Sondergerichtshof des Prager Kreisgerichtes zu fünf Monaten Kerker unbedingt verurteilt wurde, weil er fahrlässig mit seinem Militärbuch umging. Unfreiwillige Filmheldin ersiegt 85.000 Kronen Durch Versäumnisurteil Prag.—rb— Der von Vl. Slavimkh-Pitrman inszenierte Film„Das falsche Kätzchen" hatte ein doppeltes gerichtliches Nachspiel. In diesem Film zeigt« die Schauspielerin Nedosinskä dem jugendlichen Helden die Photographie eines Mädchens, dieser aber erklärt mit Entsetzen, daß er ein solches Mädchen auch nicht um eine'Million heiraten möchte. Die Photographie zeigt überdies das Mädchen in einem Kostüm, das einigermaßen komisch zu wirken geeignet war. Fräulein P. K. stellte nun anläßlich eines Kinobesuches zu ihrem höchsten Staunen und Entrüstung test, daß es ihre eigene Photographie war. die zur Erheiterung der Kinobesucher beitrug. Da sie ihre Einwilligung zu einer solchen Verwendung ihres Lichtbildes nicht gegeben hatte und diese geeignet war, sie dem öffentlichen Spott preiszugeben, iiherreichte sie gegen den Regisseur die Ebrenbeleidigungsklage. Nach mehrfach vertagter Verhandlung wurde der Filmregisseur am 36. Oktober vor dem Bezirksgericht schuldig erkannt und zu fünfzig Kö Geldstrafe, bzw. 24 Stunden Arrest verurteilt. Außerdem hatte aber die unfreiwillige Filmakteurin eine Schadenersatzklage vor dem ZivilkreiS- aericht eingebracht, in der sie den erlittenen moralischen Schaden mit 88.006 K£ beziffert. Heber dies« Klage fand nun die erste Tagsabuna statt, zu der sich die geklagte Partei nicht einftellte. so daß das Gericht«inBersäumnisurteil fällte und der Klägerin den eingeklagten Bettag zusprach. Xunst uni Mssen Frauen In New York Clara Boothe, die Verfafferin der der« mutlich weltreisenden und derzeit im Prager Deutschen Theater angelangten»Frauen von New Aork", hat sich selber verschiedentlich über Sinn und Zweck ihres Stückes geäußert; sofern sie das tat, um einer falschen Auffassung vorzubeugen, hat fie es ü b e r- schätzt, denn der Fall scheint mir so klar zu liegen, daß ein« Gebrauchsanweisung nicht vonnöten ist; aber.mit dem, was die Autorin analysierend anführt«, hat sie ihr Stück unter schätzt, und eS dürfte für sie sprechen, daß sie eine bessere Verfasserin denn Kritikerin ist. Es ist nämlich gar nicht richtig, daß, wie Clara Boothe behauptet, in den J. pivec, V. Hlavaty und L. Bobäc in Jiräseks„Philosophengeschichte“ Präser Konzertsaal An Konzerten war in den Prager Konzertsälen auch in der zweiten Oktoberhälfte kein Mangel. Ueber die speziellen Mozart-Konzerte, die im Rahmen der Prager Mozart-Festwoche stattfanden, wurde hier schon besonders berichtet, lieber einige Konzertveranstaltungen außerhalb der Mozartfest- lichkeiten muß daher heute nachträglich berichtet werden. Ganz besonders zu vermerken aber ist in unserem heutigen Konzertsaalberichte das als nachttäglich und ergänzend« Mozart-Feier von den W jener Philharmonikern unter Bruno Walters priesterlicher Stabführung gegebene Mozart-Festkonzert. Man hat Mozarts Instrumentalmusik in so idealer Schönheit und Vollendung hier seit Jahren nicht gehört. Einen in der unvergleichlichen Weichheit, Süße und Gleichheit des Streicherchores und in der nicht zu überbietenden Virtuosität des Zusammenspieles vollkommeneren Klangkörper als die Wiener Philharmoniker gibt es heute nicht. Und einen hingebungsvolleren, klangkultivierteren und stilvollkommeneren Dirigenten als Bruno Walter, namentlich, wenn er Mozart zelebriert, gibt es gegenwärtig ebenfalls nicht. So bot denn dieses MozarÜonzert auch in Wahrheit ungetrübten künstlerischen Genuß, bereitete reinste und hellste Freude, wurde Erlebnis und Ereignis zugleich. Sein Programm enthielt durchwegs bekannte Werke Mozarts: Die ursprünglich als Serenade komponierte und nach der Familie Hafner, für die sie bestimmt war,„Hafner"-Symphonie genannte D-Dur-Symphonie, deren.Schlußpresto mit unerhörter Bravur gespielt wurde, die»Kleine Nacht- /mniik", die Es-Dur-Symphonie und das Klavierkonzert in D-Moll, das Bruno Walter selbst mit echt mozartscher Klarheit und Anmut in den raschen Ecksätzen und poesievoll in der Romanze des Mittelsatzes spielte. Der Erfolg Walters und seiner Künstlerschar war ungeheuer.— Auch der D rutsche Kammermusikverein gedachte bei seiner letzten Aufführung Mozarts wenigstens mit einem Werke, dem C-Dur-Stteichkonzert, das vom Prager Qu a r t e t t mit delikater Klangnuancierung und in klarster technischer Durchführung gebracht wurde. Daneben spielten diese famosen Künstler noch Beethovens C-Moll-Streichquart«tt und zusammen mit dem ausgezeichneten Pianisten Professor Langer, dem heute sicher vielseitigsten Kla-- Vierkünstler Prags, das form- und klangschöne G-Moll-Quintett von Josef S u k.— Unter den Konzertsolisten fanden diesmal die Geiger das größte Interesse. Vor allem Mischa E l m a n. der gefeierte amerikanische Geiger. In der Technik des Violinspielens hat er heute kaum einen Rivalen, ja seine stupende Technik fteA so sehr im Vordergründe seiner künstlerischen Darbietung, daß man sich des Eindruckes nicht erwehren kannn, die gespielten Tonstücke seien ihm lediglich das notwendige Mittel, diese Technik glänzen zu lassen. Mendelssohns brillantes Violinkonzert, aber auch eine Sonate von Händel, ja sogar Beethovens Kreutzer-Sonate wollen in Mischa Elmans Wiedergabe.fast nur Virtuosenhaft verstanden sein. Das Kunstwunder dieses Geigers aber ist das, daß er ttotz allen virtuosen Blendwerkes doch auch gefühlsmäßig durch sein Spiel erwärmt; denn er besitzt den edlen großen Geigenton ebenso wie den süßen und einschmeichelnden und ist ein Meister der vielfältigsten Klangkultur.— Daß nach- diesem Wundergeiger JosefSzigeti noch großen Erfolg beim Publikum fand, spricht für die Größe seiner Kunst.. Diese ist. bei Szigett mehr auf Sril- vollendung und Poesie des Geigenspieles gerichtet als auf das rein Virtuose. Bach namentlich liegt seiner überlegenen Gestaltungskunst und seinem Stilempfinden.— Ein Künstler, der das Technische und Geistige sowie Gefühlsmäßige seiner Kunst zu idealer Einheirlichkeil verbindet, ist der Cellist E m a- nuel Feuermann. Seinem tonschönen und ausdrucksvollen Cellospiel zu lauschen, ist Sichver- scnken in die Tonwelt des gehörten Komponisten, ist Jnnewerden des so seltenen Wunders echten nachschaffenden Künstlertums. Beethoven diente er im ersten,, der modernen Musik durch Strawinskys ,,Pulicinclla"-Suite als repräsentativem Hauptwerk im zweiten Teil seines Programmes.— Außerordentliche künstlerische Eindrücke empfing man auch von dem Klavierabend des jungen tschechischen Pianisten Ruda Firkusnh. Denn auch ihm ist die vollendete Technik nur Mittel zum Zweck echten nachschaffenden Künstlertums. Das Programm I Firkusnhs war diesmal durch Werke der Romanfik j und Neuromantik gekennzeichnet; es enthielt Robert| Schumanns Symphonische Etüden, Fr. Chopins große H-Moll-Sonate, Fr. Smetanas»Poetische Klavierstücke" und kleinere Birtuosenstücke von Franz Liszt. Vielleicht beschert uns dieser heute glänzendste tschechische Pianist einmal einen den drei großen Be'S der Musik(Bach-Beethoven-BrahmS) gewidmeten Klavierabend?— Unter den Konzerten vokaler Künstler seien«in Volksliederabend Engel Lunds und ein Arien- und Liederabend der Sopranistin Elen Dosia und des Tenors Andri Burdino aus Paris anerkennend bervorgehoben. E.J. zwölf Bildern nur den Frauen der Oberen Zehntausend New Aorks ein siegel vorgehalten ist, und daß sie hier lediglich freiwillig oder unfreiwillig komisch an den Orten geschildert werden, zu denen Männer keinen Zutritt hoben; daß man sie fast durchaus zur Sattre reizend, wenn auch nicht gerade bösartig findet, daß sie völlig unsozial seien, »Anbeterinnen der Eitelkeit. Verkünderinnen des Banalen", nicht ohne Herz, aber ganz ohne höheres Streben. Wie schlecht kennt Clara Boothe mit dem Verfmnd ihr«iger.es Geschlecht, das sie aus Instinkt und mit dem Herzen so gut zu konterfeien versteht! Denn was an ihrem Stücke überzeugend und gefühlsmäßig wirksam ist, das ist die Tatsache, daß die Frauen darin, mögen sie auch geldgierig oder fälschlich stolz, ttatschsüchtig, versnobt, dümmlich sein, doch samt und sonders eben Frauen sind, zarte, schwache, lisbebodürftige Geschöpfe, und in den besten von ihnen tut sich nicht nur der lobenerhaltende Drang zum Ewig-Männlichen kund,■ sondern die Sehnsucht nach der Erfüllung, nach dem Kind, und in der reinsten Gestalt mit überströmender Wärme die reinste, erhabenste aller Empfindungen, die Mutterliebe. Und wie das Leben nicht nur aus Schönem und Großem besteht, so ganz richtig auch dieses Spiegelbild, das man kaum als Komödie, beffer als eine dramatische Reportage ansprechen kann, und in dem rings um die Oasen die Wüste der Putzsucht, des Geschwätzes, der Verderbtheit sich breitet. Daß es in dieser Wüste und in den Oasen unter vierzig Frauen nicht«inen Mann gibt, ist ein netter Trick, der aber erst recht zu zeigen bestimmt ist, daß fast alle Frauen auch dort, wo sie ganz unter sich sind, doch immer vor allem nur den Mann im Kopf und Herzen haben; leider muß man auf den öden Strek« ken auch Kinkerlitzchen und darunter eine Modenschau in Kauf nehmen, die«in richtiges Theaterpublikum kaum interessieren dürfte. Hier richtet sich di« leise Satire als Orgelpunkt des Stückes gegen dieses selbst. Dagegen kommt das Soziale, wenn auch nur episodisch, durch die Szene in der Küche und durch ein wahres Wort aus dem Munde der Krankenschwester einigermaßen deutlich zum Ausdruck. Die Aufführung, unter Liebls fester, geschmackvoller Regie, an der man immer wieder die Treffsicherheit im Besetzen und das Gefühl für richtige Tönung und Abtönung bewundert, kann sich sehen laffen. In der ersten Reihe stehen Marion Wünsche als noble, verhaltene, gefühlsstarke Mary, hinreißend vor allem als sich restlos offenbarende Mutter, Emmy Carpentier als kühle und dabei lebfrische Edith, glaubhaft guten Kem unter zerfranster seelischer Hülle bewahrend und überaus humorig, Gerda Meller als»gute Freundin", ausgezeichnet charakterisierend und er- freulicherwesse nach einem rasant gespielten hysterischen Anfall mit Sondervpplaus ausgezeichnet. Liesl Macheiner gibt der Ehestörerin virtuos unbekümmerte Haltung. Lotte Stein schlägt als drastisch-überreife Frau wieder bombenhaft ein, die kleine Rigmor Barring spielt das halbwüchsige Mädchen entzückend frei und mit HerzenStönen, die aufhorchen machen. Eine führ einprägsam« Figur,. vornehm vor allem auch im Sprachlichen, stellt Trude Wessely bei. Unter den restlichen drei Dutzend— wer kennt die Damen, nennt di« Namen?— verdienen die überaus natürliche Jng« Waern, die an Routine gewinnende Evi Panzner, die gut pointierende Lux Rodenberg, ferner Elsbeth WarnhoH, Nadina Sanova, Fritta Brod, Nora Nikisch Erwähnung. Der überlange Theaterzettel ttägt die Schuld, wenn Wesentliches sollte vergesse» worden sein— doch haft! Charlotte Küter ist es ja, die von der Küche her den Volkston so einfach und sicher ttifft, daß dieser Szene der stärkst« Vorhangapplaus folgt! Alles in allem: ein ttotz manchen Wgleitens ins Seichte und ttotz einigen Leerlaufs unterhalt« samer Abend, und nicht bloß dies; manche Lüg« wird da ins Herz getrofien, manche Wahrheit ausgesprochen, ein Stückchen wirklichen Lebens erfaßt und sogar ein wenig zum Nachdenken angeregt. L. G. „Läny und Sezimovo Usti." Das graphische Mappenwett, das Helmut Krommer oben im Selbstverlag, Prag VII., Sttojnickä 27, evscheinen läßt, enthält sieben Original-Radierungen vorn Landsitz des Staatspräsidenten in Sezimovo Usti, mit dessen besonderer Erlaubnis angefertigt, weiter Motive aus Läny, das Grab des Präsidenten- Befteiers daselbst und schließlich das Geburtshaus Benes' in KoZlany. Die ersten zehn Mappen sind mit handgeschriebenem Titel und Inhaltsverzeichnis auf Pergament versehen und numeriert. Katt Rankl, der erste Kapellmeister des Prager Deutschen Theaters, dirigiett am 19. November das erste deutsche philharmonische Konzert in Brünn. Das Programm enthält Mozarts»Maurischen Trauermarsch", das Rachmaninow-Konzert C-Moll, Beethovens„Eroica" und Strauß'»Tod und Verklärung". Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag, halb 8 Uhr:„Frühlingsluft", D.— Samstag 7: Lohengrin. B 2.— Sonntag halb 3: Die Czardasfürstin, halb 8: Frauen in New Nork. D. Spittplan der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr: Pattsttaße 13. Theatergemeinde des Kulturverbandes und fteier Verkauf.— Samstag 8: Hilde und das Lotteriespitt.— Sonntag 3: Rausch, 8 Uhr: George und Margaret, Erstauftührung. Urania-Kino, Klimentska 4. Fernsprecher 61623. DovvelvrWaramr» „Hochzeitstraum** »Vom Hohen Geltsch bis zum Jeschkeo« Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 18.—. vierteljährlich Ki 48—, halbjährig Kd 96.- ganzjährig K 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung-on Manusttipten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankamr wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.8QÖ/VI 1/1936 bewilligt. lKontrollpostamt Praha 25.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.