Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Brag XII., Fochova 62 17. Jahrgang Moskau nimmt den britischen Plan an London.( Reuter.) In der dienstägigen Sigung des Subkomitees des Nichteinmischungsausschusses erklärte der sowjetrussische Botschafter Ma iski, die Sowjetregierung wolle die praktischen Arbeiten des Nichtinterventionsausschusses, die auf die Abberufung der fremden Kriegsteil nehmer aus Spanien abzielen, erleichtern, weshalb sie ohne weitere Vorbehalte die Resolution vom 4. November annehme und nicht auf ihre eigene Auslegung der Worte ,, wesentliche Abberufung der Freiwilligen" beharre. doM Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Mittwoch, 17. November 1937 IGB delegiert nach Moskau Die Deutschen Paris. Der Vorstand der GewerkschaftsInternationale beschloß, in der zweiten Hälfte November eine Delegation nach Moska zu entsenden, die mit den Sowjetsyndikaten die Frage ne: Vereinheitlichung des internation.alen Gewerkschaftswesens besprechen wird. Der Delegation wird der Generalsekretär der Gewerkschaftsinternationale Scheven el 3, deffen Stellvertreter der Tschechoslowake Georg Stolz und der Generalsekretär des Allgemeinen Arbeitsverbandes Jouhanx angehören. Neuer Piratenüberfall Barcelona.( Neuter.) Wie die AgenAus dem Inhalt: Steuerreserven im Budget Um die Zukunft des Volkes Das Schicksal der Südtiroler Flugzeugabsturz mit elf Toten Nr. 270 und der Staatsvoranschlag Rede des Abg. Jaksch im Budgetausschuß Die nationale und soziale Seite des Budgets In der Generaldebatte zum Budget, die unser Verantwortungsgefühl ihm und allen seis am Dienstag im Budgetausschuß des Abgeord- Inen Bürgern gegenüber. Wir sehen nicht auf die netenhauses begonnen hat, hielt namens der Starte einer Katastrophenentwicklung und sind nach deutschen Sozialdemokraten Abg. I a tich eine wie vor tief davon überzeugt, daß es der engen bemerkenswerte Rede, die wir nachstehend mit geringen Kürzungen wiedergeben. Zusammenarbeit aller ehrlichen Demokraten und Republikaner gelingen wird, das Staatsschiff Diese Erklärung bedeutet, daß die SowjetDer zur Verhandlung stehende Voranschlag durch alle Stürme hindurch an die Ufer eines ges regierung nunmehr den gesamten britischen Plan annimmt, also auch mit der Bestimmung, welde tur Febus mitteilt, hat der britische Frachtdamp- ist ein Produkt der ernſten europäischen Gesamt- sicherten Friedens und neuer wirtschaftlicher Aufüber die Anerkennung der Kriegsrechte an die bei- fer Cardium" am Dienstag SOS- Rufe aus- situation, für die wir als Staat die geringste Ver- blüte zu steuern. den Parteien in Spanien handelt, allerdings unter gesandt und mitgeteilt, daß er von Piraten- Flug- antwortung tragen. Wir sind durch außerordentbe: Bedingung, daß vorher ein wesentlicher zeugen überfallen worden sei. Fortschritt in der Abberufung der Freiwilligen konstatiert wird. Noch keine Lösung in Rumänien Bukarest. Die endgültige Lösung der Regierungsfrise, die für Dienstag nachmittags oder abends durch Bildung eines rein nationalliberalen Kabinetts unter dem Vorsiz Tatarescus erwartet wurde, hat sich verzögert. Die Krise wird wahrscheinlich erst Mittwoch gelöst werden. Delbos' Reiseprogramm London.( Eigenbericht.) Aus Paris wird gemeldet, daß Delbos am 2. Dezember die Reise antreten wird, die nach Warschau, Bukarest, Belgrad und Prag führen wird. In allen diesen Das Wahrscheinlichste ist die Bildung eines Städten wird Delbos erklären, daß Frankreich an rein nationalliberalen Kabinetts, sowie der Abfeiner bisherigen Außenpolitik festhält und zur schluß von Wahlabkommen zwischen der national Berteidigung der Verträge bereit ist. Die Frage liberalen Partei und der rumänischen Front eines allgemeinen gegenseitigen Hilfspaktes zwi- einerseits und der nationaldemokratischen Partei schen den Ländern der Kleinen Entente, den des Professors Jorga anderseits. Frankreich garantiere, würde ebenfalls Gegenstand der Besprechungen sein. Zentralregierung verläßt Nanking Nanking.( Reuter.) Die chinesische Zen trafregierung hat beschlossen, aus Nanking zu übersiedeln. Das Außenministerium, das Finanzund Gesundheitsministerium werden nach Han au, die anderen Refforts nach Is chunting in der Provinz Setſchuan verlegt werden. Die Militärbehörden aber bleiben in Nanking und das zum letzten Mann zu verteidigen. In der Umgebung von Schanghai wurden neue japanische Abteilungen ausgeschifft. Man schätzt, daß die Japaner in diesem Gebiet bereits über eine Viertelmillion Mann verfügen. der die liche Ansprüche an die Staatsfinanzen gezwun Positive Kritik gen, der Bevölkerung harte, aber begrenzte Opfer aufzuerlegen, um sie vor grenzenlosem Unglück zu bewahren. Der teuerste Friede ist tausendmal billiger als der kürzeste Krieg. Wer den Frieden erhalten will, kann auch dem eigenen Staat das Recht auf Selbstschuh nicht versagen. Die Verantwortung für die wahnwißigen Rüstungslasten, unter denen die Welt stöhnt, fällt jenen zu, welche den Grundsatz aufgestellt haben: Kanonen seien wichtiger als Butter. Wir nehmen zu dem Staatsvoranschlag in der Ueberzeugung Stellung, den höchsten Interessen des judetendeutschen Volkes zu dienen, wenn wir seine Heimat gegen jede Kriegsgefahr sichern. Opfervolle Friedenspolitik Diese absolut konstruktive Gesamteinstellung berechtigt uns dazu, anläßlich der Budgetberatung auch unseren kritischen Standpunkt in staatsfinanziellen und staatspolitischen Dingen frei und offen zum Ausdruck zu bringen. Zunächst ein grundsäßliches Wort über den Zusammenhang von Staatsvoranschlag und Staatspolitik. Ich gehöre zu jenen, die dem Herrn Finanzminister ob seiner heroischen Bemühungen, wenigs stens ein relatives Gleichgewicht im Staatshaushalt zu erhalten, ehrliche Bewunderung zollen. Aber es wäre verhängnisvoll, wenn im Eifer des Ausbalancierens übersehen werden sollte, daß die finanzielle Stabilität des Staates die Erhaltung der innerpolitischen Stabilität zu entscheidenden Voraussetzungen hat. Belgien hat Angst Es ist eine Tatsache von fundamentaler Be Zur Sicherung der innerpolitischen Stabili um seine Kolonien deutung, daß die soziale Existenz des Sudeten tät hat die langjährige Mitarbeit der deutschen London.( Eigen bericht.) Die Visite des deutschtums auf Gedeih und Verderb mit der wirt- Regierungsparteien nicht unwesentlich beigetra Königs der Belgier in London gift besonders der schaftlich- finanziellen Lage des Staatsganzen ver- gen. Sie sind in diesem Bestreben, wie ich aus Kolonialfrage. Ruanda Urundi, das ein bunden ist. Dieser Tatsache Rechnung tragend, eigener tiefer Ueberzeugung hinzuzufügen vermag. Teil der vormals deutschen Kolonie Tanganjika stellen wir uns positiv ein zu diesem Budget, ob- bis hart an die Grenze der Selbstaufopferung geist und an Belgisch- Stongo angrenzt, ist belgisches wohl es von allen bisherigen Staatsvoranschlägen gangen. Wir dürfen uns ein bescheidenes Verdienst Mandatsgebiet. Belgien hat dort große Kapita- wohl die bitterste Pille für die steuerzahlende daran zuschreiben, daß die deutsch- tschechische Zulien angelegt und ist daher an dem künftigen und konsumierende Bevölkerung bedeutet. Auch in sammenarbeit schwerste Belastungen überstand schwerer Stunde des Staates verleugnen wir nicht und daß die Brücken zwischen beiden Völkern auch Schicksal des Mandates lebhaft interessiert. Krofta über die Reise Lord Halifax': im Geschoßhagel einer feindseligen Propaganda intatt blieben. Der deutsche Aktivismus hat in dem unermudlichen völkerversöhnenden Wirken des Herrn Staatspräsidenten, der damit die große Tradition seines Vorgängers übernimmt, eine feste moralische Stüße gefunden. Abkommen bom 18. stellt wichtiges Zeugnis des Anerkennung der staatspolitischen Leistung des deutschen Aktivismus dar. Unsinnige Vermutungen und Gerüchte... bieber heite de mittford Besonia bre Prag. Im Außenausschuß des Senates| durch die Berichte dementiert, welche uns aus beiderseitigen guten Willens und eine bedeutsame wurde Dienstag die Debatte über das letzte Er- London zugekommen sind. posé des Außenministers Dr. Krofta eröffnet * Die japanische Armee rückt systematisch an und noch in derselben Sizung zu Ende geführt. Der dunkle Sinn des Dreiecks ganzen Front vor. Die Militärabteilungen, Auffallend war, daß nicht nur fein einziger am mistisch bezeichnet wurde, so sei dies ein zu starkes Wort. Die Situation sei zwar ernst, aber des Exposé sei nicht so aufzufassen, als ob der Minister an eine drohende Kriegsgefahr am Horizont glaube. Trotzdem muß ich nicht ohne Bitternis hinzufügen, daß der deutschen Verständigungspolitik auch nach dem 18. Feber auf vielen Gebieten die praktische Anerkennung ihrer LebensnotwendigDer Minister befaßte sich dann noch mit dem Jangtse- Fluß ausgeschifft wurden, unter- tschechischer Agrarier das Wort ergriff, sondern nahmen einen Angriff auf Schanschu, den Angel- mit Ausnahme des Vorsitzenden Donát über- Pakt gegen den Kommunismus. Er gibt zu, daß punkt des linken Flügels der chinesischen Front. Haupt kein Vertreter dieser Partei anwesend war. er es nicht wage, sich darüber auszusprechen, feiten versagt wird. Es wäre ein schlechter Dienst Das Zentrum der japanischen Truppen, das die In seinem Schlußwort erklärte Dr. Krofta feineswegs deshalb, weil er sich Reserve auf- an der Sache, wollten wir verheimlichen, daß im Stadt winsan besetzte, setzt den Voru a., wenn sein Erposé des öfteren als peifis erlegen müßte, sondern deshalb, weil er aus Er- deutschen Lager auch die treuesten Bekenner der marsch fort und steht bereits 25 kilometer von fahrung wisse, wie viele Pafte bereits vereinbart Verständigungspolitit mit dem Tempo der RealiSutschau entfernt. Am Süden der Angriffsfront| worden sind, ohne daß dann daraus etwas ge- fierung des Feberabkommens unzufrieden find. sind die Japaner bestrebt, die Chinesen aus Staworden wäre. Beweis dessen sei beispielsweise der Den ernsten Konsequenzen, die sich aus einem schin zu vertreiben. Batt der vier Großmächte vom Jahre 1933. Es Scheitern der redlichen Bemühungen, die durch sei deshalb schwer, sich heute darüber zu äußern, das Abkommen vom 18. Feber zum Ausdru⭑ Antifaschistische Bauern in Italien Ein Redner hatte in der Debatte die Reise welche Wirkungen der Patt gegen den Kommu- kommen, ergeben würden, kann nicht länger mit Lord Halifa r' nach Berlin gestreift, die nismus haben werde, dessen wahrer Sinn nie- Worten, sondern nur noch mit Taten vorgebeugt Rom.( Havas.) Ein Sondergericht verurs erst nach dem Exposé Dr. Kroftas publik wurde. mandem klar sei. Es werde von der Entwicklung werden. Von diesem Standpunkte aus bin ich geteilte eine Gruppe von 45 Landwirten, die be- Der Minister benützte daher diese Gelegenheit, der gesamten Politik abhängen, ob dadurch die zwungen, die nationalpolitische Seite des Staatsschuldigt waren, in der Gemeinde Genzano die um im Schlußwort die kategorische Erklärung Staaten, welche den Pakt vereinbart haben, sich voranschlages als unbefriedigend zu bezeichnen. Gründung einer kommunistischen Partei versucht abzugeben, daß alle Gerüchte absolut fehl und einander stärker nähern werden oder ob der Patt| zu haben, zu Gefängnisstrafen in der Dauer bis geradezu unsinning sind, als sollte in Berlin über nur auf dem Papier bleiben werde. zu zehn Jahren. Krofta über Ungarn Mitteleuropa verhandelt werden und als würde es darum gehen, daß England Deutsch Einschreiten gegen die Ausweisung fand in Witteleuropa freie Hand laffen würde. des Havas- Berichterstatters Offene Probleme Die opfervollen Anstrengungen der deutschen Regierungsparteien, das Prinzip der Proportio= nalität auch im Staatshaushalt zur Geltung zu Paris.( Eigenbericht.) Der tschechoslowa- bringen, haben nur im Schulfapitel einen Was würde das bedeuten? Das würde beden- fische Außenminister Krofta gewährte einem ten, daß uns Deutschland angreifen darf und Vertreter der katholischen Zeitung„ Aube" eines Fortschrittes kann aber nicht die Feststellung Niederschlag gefunden. Bei aller Anerkennung dies Berlin.( Havas.) Der französische Botschaf daß England dazu schweigen wird? Kann sich Interview, in dem er u. a. erklärte, in Genf hät unterdrückt werden, daß die uns vorliegenden Rifs bormittags den deutschen Außenminister Freiherrn Berlin überhaupt gesprochen würde? Die In Ungarn stattgefunden. Lediglich das zögernde der nationalen Befriedung tangieren, ungelöst ter in Berlin François Poncet besuchte Dienstag jemand vorstellen, daß von etwas Aehnlichen in ten im letzten September Verhandlungen mit bon" eurath in Angelegenheit der Ausweisung des finnigkeit einer solchen Vermutung ist Verhalten eines der Staaten der Kleinen Entente Korrespondenten der Havasagentur. Er teilte ihm an sich klar. habe ein Resultat verhindert. Ungarn sei bereit lassen. Es handelt sich dabei mit, de die Maßnahme große Erregung hervor Ebenso unsinnig ist die Vermutung über die gewesen, außerordentlich wichtige Erklärungen zu gerufen habe, und daß es umso eher notwendig Erlangung der Autonomie für unsere deutsche unterzeichnen. Durch diese Erklärungen wäre jei, das Bedauern darüber auszusprechen, weil die Bevölkerung durch Deutschland. Erstens würde Ungarn die militärische Gleichberechtigung geMaßnahmen im Gegensatz zu der Konzilianz Deutschland dazu nicht die Erlaubnis Englands währt worden. Auch habe die Deklaration eine ftehe, die die französische Regierung gegenüber brauchen, und zweitens wird das Deutschland reziproke Nichtangriffsklausel enthalten. Beide einigen Korrespondenten der deutschen Bresse zum nicht tun, weil es die internationalen Gepflogen-| Teile wären verpflichtet worden, die Minder-| Ausdruck bringe. Nach diesem Einschreiten hat die heiten kennt und in einer solchen Weise in un- heitenfragen in der liberalften Weise zu regeln. Geheime Staatspolizei Ravour mitgeteilt, daß die fere inneren Verhältnisse nicht eingreifen kann Man müsse erst die Entwicklung in einem der Ausweisungsfrist auf sieben Tage verlängert und es sicher auch nicht will. Das wurde auch ka- Staaten der Kleinen Entente abwarten, damit die werde. 1. um die ausreichende soziale Notstandsbe fämpfung in jenen Gebieten, wo die Krise zu einer Dauererscheinung geworden ist, 2. um die effektive Proportionalität bei den öffentlichen Arbeiten, 3. um die finanziellen Voraussetzungen der nationalen Proportionalität in der Administrative. Der erste Punkt berührt eigentlich das Kas tegorisch durch halboffizielle deutsche Meldungen Bemühungen von einem Erfolg gekrönt würden. pitel„ Soziale Fürsorge" und soll daher vorläu Seite 2 Nr. 27Ö Mittwoch, 17. November 1937 fig nur nach der nationalpolitischen Seite hin erörtert werden. In dem Konjunkturoptimismus der abgelaufenen Monate wurde vielfach übersehen, daß im Bereich der Exportindustrien Krisen- n e st e r zurückgeblieben sind, in welchen die betroffene Bevölkerung einem qualvollen Verelen- dungsprozeß ausgesetzt ist. Zur Illustration der Lage genügt ein ziffernmäßiger Hinweis: Bon den per September 1937 in Böhmen und Mähren-Schlesien registrierten 192.262 Arbeitslosen leben 121.410 oder 63.1 Prozent in den mehrheitlich deutschen Bezirken. Der größte Teil dieser Opfer der Dauerkrise ist auf die sogenannte Ernährung» aktion angewiesen, die wir schon immer als eine unge- 'nügende Form der Fürsorge bezeichnen mußten. Sparen sn den Arbeitslosen? In der letzten Zeit werden die Anforderungen der Bezirke, namentlich im Bereich der böhmischen Landesbehörde, bis zu 60 Prozent zusammengestrichen. Auch wenn kleinere Nachträge bewilligt werden- so bedeutet dies, daß der einzelne Arbeitslose nicht mehr zehn lü>er zwanzig Kronen pro Woche, sondern nur noch 5 oder 10 Kronen erhält. Dadurch werden einfach unhaltbare Zustände geschaffen. Ob nun das Finanzministerium oder das Innenministerium oder die Landesbehörde den stärksten Einfluß auf die erwähnten Streichungen ausüben, so muß einmal gefordert werden, daß die betreffenden Faktoren den Mut haben, ihren Standpunkt öffentlich zu vertreten und zu begründen, daß ein Arbeitsloser von 5 oder 10 XL in der Woche leben kann. Ich sehe die Gefahr, daß im Zeichen des Sparenmüssens oder vielmehr des Sparenwollens um jeden Preis die Fürsorge für die Dauerarbeitslosen unter jedes erträgliche Minimum herabgedrückt wird. In den Notstandsgebieten an der Grenze, wo die Arbeitslosen allen Geistern der Verhetzung und allen Teufeln der Versuchung ausgesetzt sind, erwächst aus dieser Praxis ein schwerwiegendes staatspolüisches Problem. Dadurch entsteht eine offene Lücke in unserer Berteidigungsfoont. Notstandsarbeiten und Ernährungskarten für Arbeitslose sind staatspolitisch gesehen genau so wichtig wie Kanonen und Festungen. Wir warnen daher mit aller Entschiedenheit vor dem Irrtum, daß Einsparungen an den ärmsten Krisenopfern zur Sicherung der innerpolitischen Stabilität beitragen. Es ist im Gegenteil eine g e st e i g e r t e F ü r s o r g e für die Opfer der Dauerkrise und für die von der Unterernährung bedrohte Jugend notwendig. Arbeitsbeschaffung auch in den deutschen Gebieten! Zum.Punkt r'Mvör'Älem zu sagen, daß das Prinzip der Proportionalität bei öffentlichen Arbeiten auf außerordentliche Schwierigkeiten stößt. Wir haben beim S t r a tz e n f o n d s, um nur ein Beispiel zu nennen, die Erfahrung gemacht, daß strategisch wichtige Projette mit großer Rigorosität bevorzugt wurden, während volkswirtschaftlich und sozial begründete Projekte wegen Mangel an Mitteln vielfach zurückgestellt find. Daraus resultiert eine Benachteiligung gerade jener Grenzgebiete, welche unstreittg von der Krise am schwersten betroffen sind. Das kann nur als vorübergehender Zustand hingenonnMn werden. nicht die GesichtSpnntte eines einzelne» Refforts zu bestimmen! Neben den Bedürfnissen der Landesverteidigung muß wiederum die Friedensperspektive zu Worte kommen, weil soziale und nationale Befriedung nur in ihrem Rahmen möglich ist. Für unsere innerpolitischen Befriedungsaufgaben fordern wir auch Verständnis von den militärischen Deurteilern der einzelnen Arbeitsprojette. Soziale und staatspolitische Interessen verlangen es kategorisch, daß die deutschen Krisengebiete im Bereich der öffentlichen Arbeiten nicht verkürzt werden. Mahr Deutsche in den Staatsdienst Der 3. Punkt betrifft die personalpolirische Seite. Mit dem Patt vom 18. Feber wurde uns die volle Proporttonalität in der staatlichen Ad- miniftrative und im ganzen öffentlichen Dienst zugesichert. Wir reklamieren sie in aller Form, wenigstens im Sinne einer offenen sichtbaren, etappenweisen Realisierung. Zweifellos ist da und dort eine Besserung zu verzeichnen, die aber an die durch den Bevölkerungsschlüssel gegebene Proportton nicht annähernd heranreicht. In einzelnen Zentralämtern, wie im M i n i ste ri u m f ü r Schulwesen, für Landwirtschaft und für P o st sst das deutsche Element so gut wie gar nicht vertreten. Deutsche Beamte sind dort schwerer z« finden als eine Stecknadel auf dem Wenzelsplatz. Ins Oberste Rechnungskontrollamt scheinen Deutsche grundsätzlich nicht berufen zu werden. Ein Ausweg ist nur durch außertourliche Beförderung zu schaffen. Es handelt sich dabei im Wesen um eine Wiedergutmachung, weil wir Fälle vorweisen können, wo einwandfrei qualifizierte und absolut verläßliche deutsche Beamte von bis zu 40 dienstjüngeren Kollegen übersprungen wurden. Die der Proportton Halbwegs entsprechende Wiederzulassung deutscher Beamter zu höheren Diensten erscheint nur möglich im Rahmen einer R e s h st e m i s i e r u n g, für welche entsprechende Mittel beizustellen wären. Die Begründung dieser Unterlassung durch Hinweis auf die schwere Finanzlage des Staates kann vom Standpunkt der deutschen Verständigungspolitik nur teilweise akzeptiert werden. Es darf aber nicht der Bequemlichkeitsstandpunkt obsiegen, nach welchem die Budgetschwierigkeiten einfach auf Kosten des schwächeren Regierungspartner gelegt werden. Die Tätigkeit der deutschen Regierungsparteien kann unmöglich darauf reduziert werden, daß sie einen mehr oder weniger aussichtsvollen Kampf um Selbstverständlichkeiten führen, die sich aus dem demokratischen Prinzip und aus dem Grundsatz der nationalen Gleichberechttgung zwangsläufig ergeben. ES geht bei den skizzierten Problemen nicht einfach um deutsche Forderungen, sondern um Staatsnotwendigkeiten, um Aare Konsequenzen einer demokratischen Nationalitätenpolitik, und nicht zuletzt um die Einlösung einer feierlichen j Verpflichtung aller Regierungsparteien. Appell auch an die Gegenseite etappenweisen Proportionalität aufzunehmen, welche den Willen der Regierungsmehrheit zur beschleunigten Effektierung des Feberabkommens einwandfrei Manifestiert. Die würdigste und eindrucksvollste Form der Durchführung wäre ein gemeinsamer Antrag aller Koalitionsparteien. Ich appelliere an den Herrn Finanzminister, an den Herrn Generalberichterstatter und an alle tschechischen Parteien, eine Tat von symbolischer Bedeutung zu setze«, welche weithin sichtbar den ehrlichen Willen zur demokratischen Berständigugg unter Beweis stellt und der staatsfeindlichen Propaganda ihre schärfsten Waffen aus der Hand schlägt. Dienstag begann im BudgetauSschuß des Parlaments die Aussprache über den Staatsvoranschlag für 1938, die biS Ende nächster Woche abgeschlossen sein soll. Um dirS schon rein technisch zu ermöglichen, setzte sich Ministerpräsident Dr. H o d j a auch mit den Oppositionsparteien in Berbindung, um auf sie dahin einzuwirken, den glatten Verlauf der Verhandlungen nicht durch Berschleppungsmanöver zu beeinträchtigen. Der Ministerpräsident setzte sich mit der Rationalen Bereinigung, mit der slowakischen Bolks- partei, den Kommunisten und der SdP in Verbindung. Wie die ,,P r a g e r Presse" berichtet, brachten die Bertreter der Oppositionsparteien der Auffassung des Ministerpräsidenten Verständnis entgegen und gaben bekannt, daß sie bei voller Wahrung ihrer oppositionellen Einstellung den Budgetberatungen keine technischen Hindernisse in den Weg lege« würden. • Die Ausschußdebatte begann mit den von allen Ressorts gefürchteten kritischen Betrachtungen des Generalberichterstatters R e m e i, der ein anschauliches Bild der schweren Vorberatungen über das Budget gab. Bemerkenswert war die Auffassung RemeSs, das daS Budget sogar noch Reserven habe, vor allem in den Sreuer- rückständen, die angesichts der gebesserten Situation zum Teil einbringlich seien. In seinem einleitenden Referat schilderte Remes die großen Schwierigkeiten, die sich der Ausarbeitung des Budgets für 1938 entgegenstellten. Trotz allen Weisungen nach strengster Sparsamkeit ergaben die Forderungen der einzelnen Ressorts insgesamt eine Erhöhung der Ausgaben gegenüber dem Vorjahxe um nich» weniger^'aUr-itlA. Millionen. Gerüchte darüber drangen in die-Ozftentsichkeit und verursacht«« große Nervosität. Der SvarauSschuß begann Anfang Sev« tember mit. dem Ministerpräsidenten und dem Finanzminister über diese Sachlage mit absoluter Offenheit zu verhandeln, und wurde mit der Aufgabe bettaut, die Ansprüche der einzelnen Refforts herabzusetzen. Die einzelnen Posten wurden in gemeinsamen Beratungen mit den Referenten bi- in alle DetailS'nach den Abschlüssen der drei letzten Jahre überprüft. Erst dann setzten die Beratungen im Plenum de- SvarauSschusses ein. dem-S-elang. von den 4111 Millionen.MehrauSgtwen 2447 Millionen zu streichen. Der Rest von 1663.7 Millionen, um den das Budget gegenüber 1937 größer ist. basiert in der Hauptsache auf gesetzlichen Titeln, die honoriert werd'^'müssen. Die Hauvtursache der erhöhten Ausgaben ist bekannt. Es sind die Ausgaben für die Kleinkramerei führt. Niemand wird behaupten können, daß die Erhöhung des außerordentliche« Voranschlages.um einige-Millionen zum Zwecke der nationalen Befriedung den Kredit des Staates untergräbt. Eine solche staatsinännische Tat würde im Gegenteil das Vertrauen zum Staate und das internationale Ansehen der Republik außerordentlich erhöhen. Die militärische Landesverteidigung ist wichtig und wir find bereit,' für die Rettung deS Friedens schwerste Opfer zu bringen. Bei den vorhin präzisierten Wünschen geht es über um ein Erfordernis der moralische« Landesverteidigung, StaatSverteidigung. Diesen Ausgaben können wir nicht auSweichen. weil wir durch die internationale Situation zu ihnen gezwungen sind. Wir sind das nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Verbündeten schuldig. Der Sparausschuß hatte die Möglichkett, sich davon zu überzeugen, was für die Rüstungsgelder beschafft wird; Redner könne versichern, daß man mtt den bewilligte« Kredite« zweckmäßig und wirtschaftlich umgeht. Rente» ging dann auf die formale und die materielle Sette deS Budgets näher ein. wobei er erklärte. daß auch er ebenso wie der^inanzmimfter an das tatsächliche Gleichgewicht des Budgets glaube. Eher dürfte der Voranschlag noch eine gewisse Reserve haben. Mit unserer Steueradministrative ist Rem es Heuer mehr zufrieden als in früheren Jahren: ein beträchtlicher Fortschritt zum Besseren sei nicht zu verkennen. Im Jahre 1936 wurden an direkten Steuern und an der Umsatzsteuer samt Zuschlägen rund 1400 Millionen abgeschrieben. Ende 1936 machte« die Steuer- und Gebührenrückstände samt Zuschläge« rund 5 Milliarde« a»S, wovon ei« TcU bei der gebesserten Wirtschaftslage realisierbar sein dürste. Es wäre eine Sünde, wenn dies am Mangel a« geeignete« Kristen im Steuerdienst schettern sollte. Der Referent trat weiters energisch für eine Reform der Verwaltung ein und forderte in dieser Hinsicht: 1. eine»tjeftive und kritische Analyse ttl heutigen Stande» der einzelne« Ressort» der Staatsverwaltung und Feststellung ihre» Auf- gabenkreiseS; 2. großzügige Anstellung der 8er- waltnagSaufgaben zwischen Staat und Selbstverwaltung; 3. Unifizierung und Vereinfachung unserer Rechtsordnung; 4. möglichste Einschränbm» bei A-ferlegmrg»euer Berwaltungsaufgabeu für unsere Administrative; S. Modernisierung der Staatsverwaltung. Ausführlich besprach Rente» den Voranschlag der Staatsbetriebe und bedauerte, sagen zu müssen, daß der Staat als Unternehmer sich bisher nicht bewährt habe. Wenn man die Monopole mir« schalte, bleibe eine wenig erfreuliche Bllan« der Betriebe übrig. Zur Frage der Staatsschuld führte er ans: Der Zuwach» von 14.424 Millionen Kd in den sechs Krisenjahren bedeutet eine großeBelastung auch der kommenden Generationen. Wenn der Schuldendienst das Budget nicht besonders schwer belastet, so ist dies dem Umstande zu verdanken, daß fast lech» Siebentel der ganzen Staatsschuld innere Schulden sind Und wir daher sozusagen in eigener R-aie den Zinsfuß herabsetzen konnten, ohne mit jemandem verhandeln zu müssen. Wir wollen jeden Anschein einer Pression vermieden wissen. Au» diesem Grunde nehme ich vorläufig davon Abstand, im Namen meiner Fral tion entsprechende Ergänzungsanträge einzubringen. Als Verständigungspolitiker erhebe ich hier die Forderung, in den Staatsvoranschlag nachträglich eine angemessene Summe für soziale. Die Einsatzrichtnng der öffentlichen Jnvestttto- träglich eine angemessene Summe für soziale,' ne« ist durch gesamtstaatliche Interesse«, und I wirtschaftliche und personelle Erfordernisse einer I erfordert mehr D»r Ernst der Situation Großzügigkeit. Ich werde bei einem der nächsten Kapitel an der Entstehungsgeschichte des d rutsche nS e n d'e r s, die'eine Totgeburtgeschichte die nicht minder wichtig ist. Nur unter dem Vorbehalte. daß auch die Bedürfnisse der moralischen Landesverteidigung mehr als bisher respektiert werden müssen, können wir unsere Zustimmimg, zu werden droht, darftellen, wohin polittsche\ zum Staatsvoranschlag bekunden. Steuerreserven Im Budget? der Kleine VON E II G I NI DAIIT Berechtigte Uebertrajnin* aus dem Französischen mm Bejot Abends, als ich in die Stube trete, sitzt er am Tisch. Er dreht nicht einmal den Kopf nach mir, winkt mir mit der Hand. Bor ihm liegen die verschiedensten Gegenstände: Zunder und Feuerstähle, Ton- und Holzpfeifen; Messer, Briefpapier, Postkarte« und kleine Nickelhülsen, die mtt Zündsteinen gefüllt sind. „Ach, was ist denn das?" „Das ist", knurrt Mama,„das Warenhaus, das Vater zusammengekauft hat." Er spricht leise vor sich hin, zahlt an den Fingern, macht Notizen. Endlich legt er ein mit Ziffern bedecktes Blatt auf die Seite, steckt die Hände in die Taschen und sieht uns vergnügt an. „Da staunst du. Kleiner, was? Mutter hat mir eine Szene gemacht, al» ich mtt meinem Kram «ach Hause kam. Aber habt keine Angst: e» ist noch keine Sind locker bei mir." „Ich möchte wirklich wissen, wa» du mit dem Zeug anfangen willst, Henri." „ES war doch immer mein Traum, ein Geschäft zu haben. Draußen verkaufe ich Feuerzeuge und Aluminiumringe. Ich habe mir gesagt, man könnte den Versuch machen, den Handel zu erweitern.. „Und das Geld?" „Boiteux hatte paar Kröten. Wir arbeiten auf gemeinsame Rechnung. J.'tzt bin ich herumgelaufen und habe Ware einge'auft. An den Zündsteinen ve'-d-zne ich hundert Prozent. An !ben Pfeifen auch. Sieh nur, wie fein fie sind!" „Glaubst du, dar bringt dich vorwärts?" „Natürlich. Wenn ich heil nach Hause komme, mache ich mich selbständig und gehe auf die Märkte." Mama schüttelt den Kopf. Vaters Auftreten :d Siegermiene überzeugen sie nicht. Sie denkt sich ihr Teil, glaubt, daß er mit einen Kameraden unterwegs Station gemacht hat. Tubei nimmt sie eins der Messer in die Hand. „Schund!" sagt sie,„Man hat dich übers Ohr gehauen." „Wenn's nach dir ginge, Jeanne, dürfte man überhaupt nichts wagen. Du wirst sehen: die Kameraden reißen sich um die Sachen." Er dreht ihr den Rücken. Dann wickelt er seine Ware ein und verstaut sie im Brotbeutel. Seine Hände zittern. Seine Augen funkeln. Er stößt ein unverständliches Gebrumm aus. Natürlich hat er getrunken. Mama nimmt das gute Service aus dem Büfett. „Suppe... faßt!" schreit Vater. Er setzt sich, legt die Arme auf den Tisch, itzt gierig, schnauft, trintt und benutzt ein Grabenmesser, um das Fleisch zu schneiden. Auf Mamas Fragen gibt er ganz verkehrte Antworten und bringt das Gespräch wieder au' seinen Handel. „Ihr eßt ja nicht", sagt er plötzlich. „Wir sehen dich an", erwidert Mama. „Gut habe ich meinen Urlaub angesangen. Morgen gehen wir inS Theater. Die Karten sind schon da... Den Alten hab ich auch besucht. Eine Schwatzbude ist das geworden, nichts öl» Weiber im Hau»! Laßt mich nur erst wieder dort sein... Und dann hab ich den Vetter Brandt! abgeholt. Wir haben einen Apöritif getrunken Er verknöchert ganz, der Kerl. Wenn einer das Schwein hat, in Zivil herumlaufen zu können sollte er seine Zeit besser verwenden, als zehn Stunden in der Werkstatt zu hocken." Er schiebt den leeren Teller fort, holt sein- Pfeife hervor und stopft sie mit einem Tabak, den er„Bettlerkönig" nennt. Er bläst gewaltig' Wolken von sich. Er sitzt zurückgelehnt, legt die Füße auf einen anderen Stuhl und lacht. Ich erkenne ihn nicht wieder. Mama sagt: „Wenn du für immer nach Hause kommst, wird die Stube neu tapeziert." „Wenn, ich wiederkomme» wird umgezogen." Er ftagt kaum nach meiner Arbeit. Dabei wäre ich so stolz gewesen, wenn ich ihm hätte sagen können:„Am Sonnabend kriegst du meinen ganzen Wochenlohn, Papa." Er kommt immer wieder auf seine Pläne zurück. Er schreit, flucht, spuckt auf die Erde. Mamas Gesicht wird immer trauriger. Mich stören diese derben Manieren nicht, obwohl ste mir ungewohnt sind. Ich ftage mich, ob ich eines Tage» ebensoviel Sicherheit und Mut haben werde. „Es ist schon spät; geh ins Bett", befiehlt Mama. „Nein." „Du widersprichst?" sagt Bater.„Marsch, inS Bett! Wir bleiben auch nicht länger auf." In meinem Bett, das dicht am Tische steht, belästigen mich Tabaks-. Wein-, Effensdüste. Ich j an«"'«sst eintfilaftn. Ich höre die Eltern plaudern. Plötzlich fällt der Name Rose Gallais. „Hast du sie gesehen, Henri?" „Ja, wir haben auf der Treppe ein paar Worte gewechselt." „Ich habe sie im Magen. Sie ist jetzt hinter dem Jungen her."- „Laß ihn, er ist ja in dem Alter. Ich finde ihn verändert, männlicher als früher." „Mit so einer Herumtreiberin? Niemals!" Dann höre ich nur noch Geflüster, Kichern, s t8 Geräusch eines Kusses. Ich ziehe die Decke über die Ohren, drücke mein Gesicht in« Kopfkissen. Rufe Schreie Pfiffe.... Kreischend'assen die Bremsen in die Räder der Lokomotive. Soldaten, bi» oben hin eingemummt, wälzen sich, schwer beweglich, auf den Bahnsteig. Die Luft ist geschwängert mtt Staub, Kohlendunst, Fabrikgerüchen. In der Halle, unter dem Bogen de» Glasdaches, sieht man schweigende Gruppen, jammernde Frauen, auf Bahren liegende Körper. „Wenn Jeanne mitgekommen wäre, hätte sie da» heulende Elend gekriegt", sagt Vater seuf» zend.„So ein Urlaub vergeht schnell. Na, in vier Monaten bin ich wieder da." Seine Worte dröhnen. Ich balle die Fäuste. Noch eine Minute, dann sage ich's ihm. „Wir werden uns hier verabschieden» Kleiner." Ich bleibe stehen, hole ttef Atem und fange endlich zu reden an. „Freiwillig willst du gehen? Bist verrückt.* „Tie Kollegen machen mir das Lebe« zur Hölle. Sie verhöhnen mich, nennen mich Hosenkacker, sind roh und gemein. Ich könnte eine neu« Stelle suchen. Aber wozu? Mein Jahrgang wir) sowieso bald aufgerufen. Und in der Kasernk geht's mir bestimmt nicht schlechter als bei der Nord-Süd." „Du kennst die Kaserne nicht... Komm hierher, da drängen sie nicht so... Meine Mei» nung war, du würdest nie hmauskommen. Da» habe ich auch Mutter gesagt. Aber jetzt sehe ich doch, daß sie noch viel Schwächere an die Front schicken,". „Wenn ich mich fteiwillig melde, kann ich mir doch den Truppenteil aussuchen." „Rur die Artillerie! Die Infanterie kommt nach!«n Hundeflöhen. Was sagt denn Mutter dazu?" „Mutter weiß noch nicht». Sie würde e» nie erlauben. Aber ich mag nicht länger in Pari» sein. Ich will mich rühren, etwas von der West zu sehen..." Und leise füge ich hinzu: „Eine Freundin haben." „WaS?... Ich kann dir nicht einmal un« recht geben, aber Mutter witt> sagen, man hat dich verrückt gemacht." Ich werde versuchen, es ihr im rechten Augenblick begreiflich zu machen." (Fortsetzung folgt) Ur. 270 Mittwoch, 17. November 1937 Seite 3 SpeziaHeilanstalten für Kinder, die systematische Untersuchung der Kinder, systematische Zahnpflege, Rachitisbekämpfung. präventive Impfung aenen Infektionskrankheiten, Genesungsaktionen füe geschwächte Kinder usw. Aus diesem in Schlagworten wiedergegebenen Aktionsprogramm des Gesundheitsministe- riums spricht die zielbewußte Planmäßigkeit, mit welcher diese zentrale Stelle des staatlichen Gesundheitsdienstes an die Lösung dieser bedeutungsvollen Aufgaben herangeht. Es ist bekannt, daß mit der Durchführung der sozialen Aufbauarbeit vom Ministerium bereits begonnen wurde und daß z. B. die Genesungsaktion, die vielen tausenden Kindern aus den bedürftigen Kreisen wochenlangen Erholungsaufenthalt in vorbildlichen Heimen bot, eine der früher bei uns nicht bestehenden Einrichtungen ist, die dem GesundheitSminister Dr. Czech zu verdanken sind. Daß in der Praxis bereits mit der Erfüllung von Notwendigkeiten begonnen wurde, die nunmehr in einem umfassenden Programm vereinigt werden, gibt die Gewähr, daß Schritt für Schritt das ganze, dem Gesundheitsministerium setzt vorgezeichnete Programm erfüllt werden wird- Da« Arbeiter. Jahrbuch 1938 ist soeben erschienen 240 Seite« Kö 10*— Bestellungen durch alle Kolporteure oder an die Zentralstelle für da« Bildungswesen, Prag Xll, Slezskä 13 „Volksgemeinschaft in Zersplitterungsgefahr Die neue schwere Krise in der SdP nimmt einen rasanten Verlauf— das Ende ist noch nicht abzusehen. Die„Zeit" bringt nun parteiamtlich die von ihr am Sonntag noch leise dementierte Meldung von der freiwilligen Beurlaubung Kaspers, teilt weiter mit, daß »gewisse strittige fragen" am kommenden Sonntag in einer Sitzung der SdP-Arbeiter-Bcrtreter geklärt werden sollen und verlautbart schließlich folgenden Bericht des SdP-Presseamtes: „Eindeutige Tatbestände beweisen, daß der Kreis des Ingenieurs Rudolf Haider t„A»f- bruch"-KreiS) einen scharfen politischen Kampf gegen Konrad Henlein und gegen die durch ihn verkörperte sudetendeutsche Einheits- Bewegung führt. Allen Amtswalter» und allen MitglirLer« der Partei wird dies hiemit zur Kenntnis gebracht. Es ist selbstverständlich Pflicht aller Amts- Walter und Parteimitglieder, dieser parteifeindlichen und damit gegen di« Einheit der sudetendeutschen Volksgemeinschaft gerichteten Tätigkeit und der nun zu erwartenden.neuen Flut von Gerüchten mit aller Entschiedenheit rntgcgcnzutre- ten." Man wird also vermutlich manches über die Vorgänge in der SdP„gerüchtweise" erfahren, das heißt: Henlein sucht im voraus den Wahrheitsgehalt der Angriffe, deren er sich vom„Aufbruch"«Kreis gewärtigt, abzuschwächen. Und weil Wohl von dieser Seite vor allem sehr unangenehme Mitteilungen zum F a l l R u t h a zu erwarten sind, wird Henlein am Sonntag vielleicht den Stier bei den Hörnern zu packen versuchen und Metarial auspacken, das den„Aufbruch"- Kreis der unmittelbaren Schuld am Aufflieqen der Rutha-Affäre überführen soll. Da aber ein solches Manöver bei etlichen Mitgliedern der SdP-Führung nicht viel Sympathie finden dürfte und da weiter mit einer entsprechenden Reaktion in B e r l i n gerechnet werden muß, ist es noch ganz ungewiß, wie Herr Henlein bei dem Abrechnungsversuch mit Haider und seinen Freunden abschneiden wird. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die vom„Prager Mittag" wiedergegebene Version, daß Konaks Auslandsreise, derentwegen er geschaßt wurde, ihn nach Berlin geführt habe und daß der Herr I Generalsekretär dort gerade den Fall Rutha dazu benutzte, um die Herren Krebs, Lung und so lveiter gegen Henlein aufzuwiegeln. Die Chancen Henleins, daß es ihin auch diesmal wieder gelingen könne, einer drohenden Revolte auszuweichen, scheinen sich jedenfalls zu verringern. Der„starke" Mann fühlt sich wiederum recht vereinsamt und ruft in feiner schwachen Stunde nach seinem Freund Brand; darauf deutet— wie wir gestern berichteten— tatsächlich alles hin;(die„Zeit" dementiert vorsichtigerweise nur Meldungen über eine beabsichtigte Rückberufung Brands in die S dP-Führun g.) Wir haben bei früheren Krisen innerhalb der SdP die Wirkung auf die Stimmung der nachlaufenden Massen immer nur sehr vorsichtig beurteilt, deren Betörung wir zu gut kennen, als daß anzunehmen wäre, die SdP-Affären würden etwa den Bau, der ja von außen gestützt wird, mit einem Male zusammenbrechen lasten. Aber daß nun ein neuer Riß in dem B a u da ist, läßt sich nicht mehr verkennen. Und diesmal ist mehr als bloß die Fassade mitgenommen! Um die Zukunft des Volkes Ein sozial-gesundheitliches Populationsprogramm des Gesundheitsministeriums Es ist das Wesen des modernen GesundheitS-1 wesens, daß es nicht nur darauf bedacht ist, mit§ den letzten Erkenntnissen und Methoden der H e i l behandlung Schritt zu halten,, sonderrr daß es auch bestrebt ist, durch rechtzeitige Bvrb< u- gung und systematischen Ausbau der sozialen und gesundheitlichen Fürsorge im weitesten Sinn daS gesundheitlicheRiveau der Bevölkerung zu h e b e n und den einzelnen wie die Gesamtheit gegen Krankheit zu schützen. Von diesen fortschrittlichen sozialen Gedankengängen ist die Tätigkeit des Gesunbheitsministe- riums geleitet, welches unter der Leitung Dr. Ludwigs Czechs planmäßig die Grundlagen für di« Modernisierung unseres Gesundheitswesens legt und wertvolle Arbeit in dieser Richtung bereits geleistet hat. Vor«iniaer Zeit konnte der Oeffentlichkeit mit- geteili werden, daß der Entwurf des neuen Kran- kenhausaesetzes fertiggestellt wurde. In den Fachkreisen hat diese Arbeit des Gesundhcitsminifteriums stärksten Widerhall gefunden, weil durch die Wirksamkeit dieses Gesetzes die Tschechoslowakei auf dem Gebiete des Krankenhauswesens in die erste Reibe der europäischen Staaten rücken wird. Den Vertretern der Presse, welche Minister Dr. Czech Dienstag Im Jahre 1926 hat der Geburtenüberschuß in der Tschechoslowakei noch 129.022 betragen, im Jahre 1936 nurmehr 62.176 und es wäre noch ungünstiger, wenn nicht die höhere Geburtlichkeit in den östlichen Teilen des Staates wäre. DaS Gesundheitsministerium hat stch entschloffen, an das Problem, welches nicht nur bei uns, sondern in den meisten europäischen Staaten besteht, real und zwar zuerst mit dem Kampf gegen die vorzeitige Sterblichkeit anzugehen. ES waren im Jahre 1936 von ungefähr 200.(Xll) Geburten nicht weniger alS 8337 Todgeburten: 32.694 Kinder starben im ersten Lebensjahr, 35.079 Menschen starben an Herz- und Grfäßkrankbeiten, 19.142 an Krebs und 19.613 °n Tuberkulose. Die, Tuberkulose ist zwar im Rückgang und die Tschechoslowakei steht in dieser Vr-irhung unter den europäischen Staaten an hervorragender Stelle, doch sind andererseits die Herz- und Gefäßkrankheiten in stetem Bordringen. So kann es nicht weitergrhenl Hier stehen wir vor einer ungeheuren Aufgabe, doch sind auch die Möglichkeiten eines Erfolges gegeben. Die Verluste an Menschenleben können vermieden werden, wenn wir den Kamps gegen diese vorzeitige Sterblichkeit im Sinne der Vorbeugung führen! Wir müssen den Kampf im Sinne des empfing, konnte er bekanntgeben, daß die legislatorischen Vorarbeiten auch auf den anderen Abschnitten vorwärts geben und die Ersetzung der alten, aus dem vergangenen Jahrhundert stammenden Gesetze durch .vollkommenere moderne auf'gutem-Wege jjt v. Die Ausführungen des Ministers galten In erster Reihe einigen aktuellen Arbeiten des Ministeriums, und Problemen, deren Bedeutung für das Volk immer größer wird. Es sind 1. die Populationsfrage, 2. die Bekämpfung der Herz- und dtr rheumatischen Krankheiten, die immer größere soziale Uibel werden. Ausführlich ging Minister Dr. Czech auch auf die Bekämpfung der IoachimStbaler Krankheit ein. die eine ständige Sorge des Gesundheitsministeriums bildet. Er wieS dabei auf die Errichtung der Beratungsstelle in Ioachimsthal hin. die nicht nur den Bergleuten, sondern auch ihren Familien und der dortigen Bevölkerung überhaupt zuqute kommen soll und erwähnte, daß in Aussicht genommen ist, erkrankte Bergarbeiter aus ihrem Arbeitsbereich berauszunehmen und ihnen eine leichtere Arbeitsstelle zuzuweisen. Wir geben beute die Darlegungen wieder, die sich auf das PövulationSproblem beziehen. Ivrach: „Darauf kommt eS an, haß die Menschen nicht nur geboren werden, sondern, daß sie auch am Leben Weihst." DaS sozial-gesundhejtliche Programm in der Populationsfrage, wie es auch von dem eben gegründeten Beirat beim. Gesundheitsministerium angenommen wurde, sieht daher die Grund- aufgaben insbesondere in der Bekämpfung der Säuglings- und Kindersterblichkeit, der Verhütung von Totgeburten und im Sckiwangeren- und Mutterschutz, und es hält an das Grundprinzip der Vorbeugung. Als eines der wirksamsten Mitfel ist dabei die serienweise Unter- su bun* der Kinder zu betrachten, die dann auch bei der Jugend fortgesetzt werden soll und anstrebt, daß sich auch bei uns wie schon in anderen Staaten die Gesunden-llntersuchung einlebe. Die Aufgaben auf gesedaeb'rischem Gebiet besteben in der Schaffung eines neuen Gesetzes üb-r die öffentliche Jugendfürsorge, eines Gesetzes über den schulärztlichen Dienst und der Vervollkommnung der Gesetzgebung auf dem Gebiet der Fürsorae für Mütter und Frauen. Die organisatorischen Aufgaben bestehen vor allem in dem Ausbau der geburtshilflichen und avnaekologischen Abteilungen bei öffentlichen Krankenhäusern, der Wöchnerinnen- heime. Schwangerenberatungsstellen, in der Vorbeugung der Infektionen bei Geburten durch Vervollkommnung der Geburtshilfe, in der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten; auf dem Gebiet der sozialgesundheitlichen Jugendfürsorge enthält das Programm des Gesundheitsministeriums den Ausbau der Säuglings- und Kinderberatungsstellen, der Kinderabteilungen bei den öffentlichen Krankenhäusern. Erfolgreiche Betriebsausschußwahlen Bei der am 12. November 1987 stattgefundenen Betriebsausschußwahl bei der Firma Grohmann& Co., Würbenthal, wur-< den von 321(1935: 323) Wahlberechtigten I 299(303) Stimmen abgegeben. Die Union der Textilarbeiter erhielt 2 16(212) Stimmen, das sind 5 Mandate und 26 Reststimmen. Der Verband der christlichen Textilarbeiter 46(48) Stimmen, das ist 1 Mandat und 8 Reststimmen. Die deutsche Arbeitergewerkschaft, Sitz Gablonz 36(40) Stimmen, das ist 1 Reststimmenmandat. 1(3) Stimme war ungültig. Die Wahlzahl betrug 38(38). Die Union der Textilarbeiter konnte einen Gewinn von 4(10) Stimmen verzeichnen. Auch bei der Firma Ed. Grohmann, Würbenthal, sollte im Oktober dieses Jahres die Betriebsausschutzwahl stattfinden. Es wurde nur die Liste der Union der Textilarbeiter eingebracht, obwohl auch Mitglieder und Anhänger der deutschen Arbeitergewerkschaft, Sitz Gablonz und des Verbandes christlicher Textilarbeiter in diesem Betrieb beschäftigt sind. Die Mitglieder dieser Organisationen ziehen es vor, die Arbeit im Betriebsausschutz den Funktionären der Union der Textilarbeiter allein zu überlassen und deren Tätigkeit gelegentlich zu bemängeln. Die Union der Textilarbeiter wird mit den Mitgliedern beider Betriebsausschüsse.für di« Interessen der Arbeiter wirken, die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen überwachen und zu neuen Kämpfen rüsten. Für deutsche Flnanzdlemt-Bewerber Die Zentral st elle der deutschen aktivistischen Parteien macht darauf aufmerksam, datz die Landesfinanzdirektion in Prag soeben die Besetzung einer größeren Anzahl von Stellen der Hilfsangestellten mit dem Titel»Hilfsaufseher der Finanzwache" und eventuell von Angestelltenanwärtern mit dem Titel»Aufseher. der Finanzwache" ausschreibt. Außer den allgemeinen Bedingungen gelten folgende Bestimmungen: Vollendung des 21. und Nichtüberschreitung des 30. Lebensjahres, Militärdienstleistung, lediger Stand, höhere Schulbildung als sie die Volksschule gewährt, mindestens 165 Zentimeter Körpergröße, Kenntnis der Staatssprache und event. einer anderen Sprache, die für die Dienstleistung notivendig ist. Die Ansuchen sind bis spätestens 6. Dezember bei der Landesfinanzdirektion in Prag zu überreichen. Die B e- zirks st eilen der deutschen aktivistischen Parteien sind über alle einzelnen Bedingungen und über die Praxis bei der Auswahl der Bewerber genauest unterrichtet. Deutsche Jnier- essenten bandeln also in ihrem Interesse, wenn sie Der Kampf gegen die vorzeitige Sterblichkeit Der Minister knüpfte an das Wort Masaryks| Wortes führen, das Präsident Masaryk aus- an, daß das Populationsproblem nicht nur ein physiologisches und biologisches, sondern auch ein sittliches Problem sei; es sei aber auch ein soziales, wirtschaftliches und in gan- besonderem Matze ein gesundheitliches: Erklärung Zu der in der Nr. 79 der periodischen Druckschrift„Der Bolkswart", 4. Jahrgang, vom 13. Oktober 1937 auf Seite 3 veröffentlichte Nachricht„Konrad Henlein zum Falle Rutha" erklären wir, daß wir die erwähnte Nachricht als Bericht über die Rede Konrad Henleins und nicht als eigene Meinungsäußerung veröffentlicht haben. Mit den in der von uns wicdcrgegebenrn Rede Konrad Henleins enthaltenen, auf die Zeitung„Sozialdemokrat" bezüglichen Behauptungen können wir uns in keiner Weis; identifizieren. Wir widerrufen daher die beleidigende Nachricht und leisten der Redaktion des„Sozialdemokrat" auf diese Weise volle Genugtuung. Erklärung Zu der in dem„Gablonzer Tagblatt" und dem„Reichenberger Tagrsboten" vom 11. Oktober 1937 veröffentlichten Nachricht:„Das Höchste: Der Wille des Volkes" erklären wir, daß wir die erwähnte Nachricht als Bericht über die Rede des Politikers Konrad Henlein und nicht als öffentliche Meinungsäußerung veröffentlicht haben. Mit den in der von uns wiedergegebenen Rede Konrad Henleins enthaltenen, auf die Zeitung„Sozialdemokrat" bezüglichen beleidigenden Behauptungen können wir uns in keiner Weise identifizieren. Wir widerrufen daher den beleidigenden Artikel und leisten der Redaktion „Sozialdemokrat" auf diese Weise volle Genugtuung. Die Redaktion des„Gablonzer Tagblattes" und des„Rrichenberger Tagesboten". rechtzeitig die Verbindung mit der nächsten Bezirksstelle der deutschaktivistischen Parteien aufnehmen.'(DND). Eröffnung des neuen Kranken* hauses In Asch Am Samstag, den 13. November, wurde das neue Bezirkskranlenhaus in Asch in Anwesenheit des Vertreters des Gesundheitsministeriums und der übrigen Behördenvertreter feierlich eröffnet. Im Hauptgebäude sind 108, im Jnfektionspavil- lon 48 Betten untergebracht. Mit der Schaffung dieses neuen Krankenhauses ist einem großen Uebelstand äbgeholfen werden. Das Gesundheitsministerium ist an der Schaffung dieses vorbildlichen Krankenhauses in hervorragendem Matze beteiligt. Der Gesundheitsminister hat seinen Besuch in dem neuen Krankenhaus für die nächste Zeit angesagt. Die SdP-Fraktion des Bezirks war der Er- ösfnunasfeier jernaeblieben, weil, man Henlein nicht zur Teilnahme Ungeladen chatte/ Nun ist Henlein weder ein öffentlicher Funktionär,.noch hat er, der aus Gründen der Propaganda erst vor kurzem 80.000 KL für die Egerer Gedenkhalle spendete, auch nur einen Heller für den Bau des neuen Krankenhauses gegeben. Weniger Einschreibungen an deutschen Volksschulen Nach den eben abgeschlossenen statistischen Erhebungen verzeichnen die Einschreibungen an den deutschen Volksschulen im Schuljahr 1936/37 in nahezu allen größeren Städten Rückgänge gegenüber dem Schuljahr 1930. In Prag sanken während dieser Zeit die Schülerzahlen von 1427 auf 1307, in Teplitz von 7531 auf 5884, in Karlsbad von 8112 auf 6956, in Saaz von 4024 auf 3831, in Neichenberg von 7955 auf 6691, in Brünn von 3330 auf 2398, in Jägerndorf von 6937 auf 6560, in Olmüh von 1034 auf 733 und in Mähr.-Ostrau von 1983 auf 1301. Schulungstagung der Deutschen Tuberkulosenfürsorge. Für den ersten Lehrgang, den die Deutsche Tuberkulosenfürsorge-Landesstelle Böhmen am 27« und 28. November in Prag für freiwillige und berufliche Mitarbeiter der Gesundheitsfürsorge im allgemeinen und der Tuberkulosenfürsorge im besonderen veranstaltet, zeigt sich großes Interesse. ES werden folgende Fragen behandelt: Rechtsfragen der Tuberkulosenfürsorge, die Aufgaben der Fürsorgerin in der Beratungsstelle und im Haus, Organisation und Aufgabenkreis der Fürsorgestellen, die Leistung der Krankenversicherung, die Leistungen der Jnvaliditäts- und Altersversicherung, Heilfürsorge in der Krankenversicherung, Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Die Teilnahme an dem Kurs ist kostenlos. Der Lehrgang findet in Prag statt, beginnt am Samstag, den 27. November, um 6 Uhr abends und endet am Sonntag, den 28. November, um 2 Uhr nachmittags. Anmeldungen sind zu richten an die Deutsche Tuberkulosenfürsorge Prag II, Preslova 7, Deutsches hygienisches Institut. Druckfehler-Richtigstellung. In unserer gestrigen Notiz über Dr. Walter Brand sollte eS heißen, daß er in London natürlich englisch (nicht: tschechisch) zu lernen sich bemühte. Besuche beim Schulminister. Der Minister für Schulwesen und Volksaufklärung Dr. Emil Franke hat am Dienstag, den 16. November, vormittags die Vertreter des Schutzverbandes deutscher schriftsteller und eine Deputation der deutschen Bevölkerung von Bratislava-Petrsjalka, die von der Abgeordneten Kirpal geführt wurde, empfangen.' Seite 4 Mittwoch, 17. November 1937 Nr. 270 Dichtung und Wahrheit um Halifax Kuhhandelsabsichten Hitlers oder diplomatische Intrige Mussolinis? London.(Eigenbericht.) Der „Manchester Guardian" und die„News Chro- nicle" halten auch am Dienstag daran fest, daß in Berlin die Idee erwogen wurde, von England freie Hand in Mitteleuropa zu fordern und die Kolonialfrage im AuStauschwege zeitweise zurückzustellen. Es heißt in diesen Mattem, daß hinter den Meldungen des„Evening Standard", die von Berlin so erregt bestritten wurden, mehr Wahrheit steckt als allgemein angenommen wird. In gewissen englischen Kreisen hat die dort dargestellte politische Linie Anhang gefunden, ebenso wie in Berlin ein großer Teil der Nazi ein solches Tauschgeschäft gerne akzeptiert hätte. In London sei diese Idee verquickt gewesen mit der Haffnung, die gesamte britische Außenpolitik umstellen und sie ausschließlich gegen Italien richten zu können, wobei die englischen Beipflichtungen auf dem Kontinent auf W esteuropa beschränkt geblieben wären.'Italien habe eine solche Entwicklung um so mehr befürchtet, als eS bestrebt ist, Deutschland von Mitteleuropa auf die Kolonialfrage abzulenken. Die Gefahr einer noch radikaleren Umstellung der britischen Außenpolitik, die zu allen Erklärungen Edens über Mitteleuropa in krassem Gegensatz gestanden wäre, sei nun aber vorbei und England halte wie bisher an der Notwendigkeit fest, eine gesamteuropäische Regelung zu erreichen. Der„Daily Telegraph", der dem Außen- Ministerium nahestrht, bezeichnet hingegen die Meldung deS„Evening Standard" als pure Phantasie. Es wird darauf hingewiesen, daß der„Evening Standard", der die Meldung über den Kuhhandel zuerst brachte, die besten Beziehungm zur italienischen Botschaft in London unterhält. Es besteht daher der Verdacht, daß die alarmierende Meldung als Mittel gedacht war, die dm Italienern unerwünschte Wendung in den englisch-deutschen Beziehungen zu verhindern. So denkt man In Polen über die SdP AP. Kattowitz. Die„Polonia" schreibt, daß das Totalitätsprinzip den Staat nicht stark mache, sondern ihn schwäche und das Volk demoralisiere. Das zeige sich sowohl in Italien wie in Deutschland. Hitlers Taten imponierten nur oberflächlichen Beobachtern. Die heroischen Zeiten der Totalität seien nur eine Rückkehr zur Barbarei. Es sei kein Zufall, daß in diesen Zeiten die Achtung vor der Frau schwinde, in der man nur ein Werkzeug zur Fortpflanzung der Rasse sehe. Im Leben der totalitären Staaten spielten die Jungmannschaften, Blutbrüderschaften, Män« nerbünde, Arbeitslager, Schulungslager und Ordensburgen die erste Rolle. Dadurch werde die Homosexualität zu einer sozialen Gefahr. Das zeige sich nicht nur in der NSDAP, sondern auch in der Henleinpartei. Atg. Beran in Berlin. Wie dem DND aus Berlin berichtet wird, traf der Vorsitzende der tschechischen Agrarpartei, Abg. Beran, in Begleitung des Verlagsdirektors Juhn der„Novina" Montag zu einem Besuche der Jagdausstellung ein. Es handelt sich um eine völlig private Reise und irgend welche Besprechungen Brauns haben nicht stattgefunden.(DND.) Dr. Heller in der Aussendebatte: wenn ' es sein« Pflicht und sein Recht war. gegen das. faschistische Regime in Oesterreich den Kampf geführt. Wem zuliebe erfolgt diese Einstellung? Einem Oesterreich, das auf dem Wege entweder zur Restauration der Habsburger oder zum Nationalsozialismus ist? Wäre nicht ein demokratisches Regime in Oesterreich, für das die.Arbeiter-Zeitung stets eingetreten ist, für unseren Staat wünschenswerter? Jeder aufrechte Demokrat bei uns und im Ausland wird diesen Schritt der Regierung verurteilen und mit uns Remedur fordern. In einem wirtschaftspolitischen Teil legt Dr. Heller dar, daß es wiederum der faschistische Gedanke der Autarkie ist, der den wirtschaftlichen Aufschwung hemmt. Um in geordnete wirtschaftliche Verhältnisse zu kommen, muß die i n n e r e Kaufkraft gesteigert, d. h. die Löhne und Gehälter erhöht werden, es müssen staatliche Investitionen in weitem Ausmaß erfolgen und die Bautätigkeit gefördert werden, woran eS wenigstens bei uns im deutschen Gebiet sehr mangelt. Auch dem Export muß erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Nur mit größter Sorge blicken wir der nächsten Zukunft entgegen. Die politische Reife der Bevölkerung, die unbeirrbare Entschlossenheit, unsere demokratischen Einrichtungen und unsere Selbständi^eit zu erhalten, der Wille, allen Böllern des Staates nationale und allen Bewohnern soziale Gerechtigkeit widerfahren zu lasse», sind jedoch die besten Bürgen dafür, daß wir uns aus den ungeheueren Wirren und Gefahren der heutigen Zeit erfolgreich herausarbeiten werden I trationslager zu überführen, steht mit dem humanistischen Ideal eines Masaryk in krassem Widerspruch. Dann gibt es noch eine zweite Schicht von Emigranten, die in fremden Land den Kampf für ihr Vaterland, d. h. gegen dessen Regime, fiibren. Kein demokratisches Land" hat solchen Menschen je das Recht auf politische Tätigkeit verweigert, inso- lange sie sich nicht in die inneren Verhältnisse des Gastlandes eingemischt haben. Darum verlangen wir Wahrung deS Ashlrechtesin weitestem Sinne des Wortes, d. h. auch mit dem Recht der politischen Betäti- gnng für alle Emigranten. In vollem Widerspruch dazu steht daS eben erfolgte Verbot der„Ardeiter- Zeitnng". Niemals hat sich das Blatt in unsere inneren Berhältnisse eingemengt, sondern immer nur, wie Aus einer Rede des tschechischen National- sozialisten Dr. Stränskh im Budgetausschuß, in der er sich ausführlich mit der Haltung der SdP beschäftigte, geht eindeutig hervor, daß stch im tschechischen Lager die Zahl der Leute stetig mehrt, die— selbst unter Bedachtnahme auf mögliche Konftifte mit den Schutzherren der SdP jensefts der Grenze— die Zeit allmählich für gekommen erachten, um das Problem der SdP und ihrer„Loyalität" endlich einer radikalen Äsung entgegenzuführen. Dr. Stränskh richtete an die Adresse der SdP folgende nachdrückliche Warnung: Glauben Sie nicht, daß es bei uns auch noch eine Partei— in- oder außerhalb der Koalition — gäbe, die zu einem Kompromiß bereit wäre, das unseren Staat bedrohen könnte. Die SdP stehl auf dem Boden der versteckten Irre- d e n t a. Tine bedingte Jrredenta ist auch eine ^rredenta. Loyalität kann es aber nur eine einzige geben. Die Situation, die durch Henleins und Ruthak Auslandsreisen geschaften wurde, werde Isolierung des Faschismus- die einzige Rettung für den Frieden Im Außenausschuß des Abgeordnetenhauses warnte Genosse Dr. Heller aus Anlaß der Expost-Debatte nachdrücklich vor der Auftaffung, daß der Weltfriede heute noch durch«eitere Zugeständnisse an die faschistischen Mächte erkauft werden könne, und trat dafür ein, daß die demokratischen Mächte endlich einmal sich ausraffen und ihre Stärke zeigen. Dr. Heller führte unter anderem aus': Die Auffassung, daß die Verschiedenheit der demokratischen und faschistischen Ideologien kein Grund sei, das friedliche Zusammenleben der Völker zu hindern, wird durch die Tatsachen in steigendem Matze widerlegt. Der Unterschied zwischen der po- litischen Situation etwa von 1827, als es autzer Italien noch keinen faschistischen Staat gab, und 1937, in welchem Jahre der Faschismus eine ganze Reihe von europäischen und außereuropäischen Staa ten beherrscht, zeigt schlagend, wohin wir ge kommen sind. Heute lebt der Frieden sozusagen nur noch von der Hand in den Mund und von dem unendliche« FriedenSbedürsniS der demokratischen Länder. Mit seiner Schilderung, wie die Welt sich von Konferenz zu Konftrenz fortfrettet und wie jeder geringste Zwischenfall daS Kartenhaus dieses labilen Friedens bedroht, ist daS Expose des Herrn Ministers eine klassische Darstellung unserer verworrenen Zu stände, aber auch deren Ursachen. Neue Konferenzen werden ebenso ergebnislos sein, solange die demo kratischen Staaten glauben, daß ein Ausgleich mit der faschistischen Ideologie möglich sei. Erst wenn die demokratischen Staaten erkannt haben werden, daß der Faschismus an sich friedens störend und jedes Paktieren mit ihm verwerflich ist, und daß— wenn überhaupt— der Friede nur noch zu erhalten ist, indem man de» Faschismus isoliert, ihm die Faust zeigt und damit die großen latenten Gegenkräfte in de» faschistischen Ländern auSlöst,— erst dann, wenn man auch im eigenen Lande die Demokratie stark und kampffähig macht, werden wir' von einem dauernde« Frieden, von einer gesicherte« Freiheit sprechen können. Qutnachdarlichvs Verhältnis zu Deutschland unmöglich Mit dem, was der Herr Minister über unser Verhältnis zu Deutschland gesagt hat, sind wir einverstanden. Bor allem erkläre» wir laut und deutlich, daß wir»ns jede Einmischung Deutschlands in unsere inneren Beohältuisse»er bitten. Das ist ausschließlich«ufere Sache. Deutschland möge seine» Einfluß bei seinen Ver bündeten Italien und Polen aufwenden, um den Deutschen in diesen Ländern daS Leben auch nur erträglich zu machen. Deutschland möge ferner seinen eigenen Minderheiten auch nur einen Bruch- teil jener Rechte gewahren, welche wir haben! für daS tschechische Lager langsam untragbar. Er begreife die groß« Reserve und die große Borsicht unserer Regierung in dieser Frage. Spanien zeige, wir leicht ein innerpolitischer Konflift eia großes Unglück auslöse» könne, aber bei aller Vorsicht könne man nicht laut genug sagen, daß diese Situation sich nicht länger halten könne. Mit großer Selbstverleugnung lasse sie sich verlängern, aber nicht dauernd halten. Die öffent- liche Meinung, erklärte der Redner, die Moral unserer öffentlichen Autorität und die Treue zu denen, die treu zu«ns halten, wird in absehbarer Zeit eine Lösung dieser Situation z w angs- läufig berbeiführen. Die SdP ist nur dadurch zu den Wahle« gekommen weil auch tschechischerseits der Glaube« vorherrscht«, daß sie es mit ihrem Programm ernst meine. Heute ist die Situation ganz anders. Wir bedauern, daß eine große Partei ihre Kraft dazu benützt, unsere Grenzgebiete zu vernichten. Dieses Pröble, wird gelöst werden, nicht im Gute«, so im Böse«. Eiire nachdrückliche Warnung an die SdP Abg. Stränsky: Situation allmählich untragbar Tie Ereignisse, die sich an die Teplitzer Vorfälle geknüpft haben, der wilde, hör keiner Lüg« zurückschreckende Hatz, der auS jeder Zeile der gleichgeschalteten Presse sprach, hat deutlich gezeigt, daß der Bestand unseres demokratischen Staates den Machthabern Deutschlands ein Hindernis auf dem Wege ihrer imperialistischen Politik ist. An einer späteren Stelle verwies Dr. Heller auf jene Fälle, wo sich Deutschland in ganz eklatanter Weise in unsere nneren Verhältnisse eingemischt hat. Der Mörder Lessings ist nach Deutschland geflohen und seither verschwunden. Von Deutschland kamen die Mörder des Jng. F o r m i s und nach Deutschland sind sie wieder auSgerissen. Bor einigen Wochen wurde der Sozialdemokrat Krippner aus Brandau unter dem Vorwand einer sozialärztlichen Untersuchung über die Grenze gelockt und ist seither spurlos verschwunden. Redner ersucht den Minister, alles aufzubieten, damit dieser Mann, wenn er noch lebt, wieder seiner Fami.ie zurückgegeben wird. Mit einem Lande, in dem solches möglich ist, normale oder gar freundschaftliche Be- ziehungen zu unterhalten, ist einfach nicht möglich? Von der Kleinen Entente sagt Redner, daß das Bündnis um so fester sein wird, je gesicherter die Demokratie in den drei verbündeten Staaten sein wird. Auch unser Verhältnis zu P o l e n kann sich erst dann bessern, wenn dort die demokratischen Kräfte der Arbeiter und Bauern den gebührenden Einflutz erringen. In Oesterreich— diesem Musterstaat des Lavierens und FortwurstelnS — wird vielleicht die Entscheidung nicht allzu lange auf sich warten lassen. Heute ist die'folgenschwere Tragik der österreichischen Ereignisse von 1934 auch für den europäischen Frieden offenbar geworden. vor einzige, der nicht kondoHert hat... Im Außenausschuß des Senates hatte sich der SdP« Senator Pfrogner am Dienstag darüber aufgehalten, daß sich die Tschechoftowakei offiziell an den Jubiläumsfeiern aus Anlaß des 2vjährigen Bestandes der Sowjetrepublik beteiligt und Präsident Dr. Benes als einziges Staatsoberhaupt gratuliert habe. Genosse Dr. Heller replizierte in seiner Rede auf diese schrecklichen Vorwürfe mit der Bemerkung, ob Dr. Benes der einzige Gratulant gewesen sei, wisse er nicht, aber sicher sei es, daß Reichskanzler Hitler das einzig« Staatsoberhaupt war, das anläßlich des Todes Masaryks nicht kondoliert hat. Auch Minister Dr. K r o f t a ging in seinem Schlußwort auf die Borwürfe PfrognerS ein, daß er an der Jubiläumsfeier teilgenommen habe Er habe gar nicht anders vorgehen können, da es sich um den Staatsfeiertag eines Staates geban« delt hat, zu dem wir ein freundschaftliches Verhältnis haben. Es sei unvernünftig anzunehmen, daß di« Teilnahme an einer solchen i Feier das Bekenntnis zum Programm des be- ' treffenden Staates bedeute. Der festlichen Rezeption beim Dowjetgesandten hätte« überdies auch der japanische Gesandte und rin Vertreter der deutschen Gesandtschaft beigewohnt... Mit Genugtuung können wir seststellen, daß ganz Frankreich, von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten, hinter dem Bündnis mit uns steht. Wir würden nur wünschen, daß auch unsere handelspolitischen Beziehungen zu Frankreich sich bessern. Heber England zu sprechen, hat nicht viel Sinn. ES scheint der wesentlichste Irrtum der englischen Politik zu sein, datz sie daS auf ihrer Seite vorhandene.fair play" auch auf der änderen Seite voraussetzt. Immerhin ist Wohl anzunehmen, datz England im entscheidenden Augenblick, gerade durch seine Interessen gezwungen, den rich- t i g e n W e g».hen wird. Auch in den B e r« einigtenStaate«.bricht sich langsam die Erkenntnis Bahn, datz die Politik der Isolierung auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist. Unser Bündnis mit Rußland ist notwendig und für beide Teile nützlich, weil sie von den gleichen Feinden bedroht sind. Daß dabei jeder der beiden Staaten in seiner inneren Politik unabhängig bleibt, ist selbstverständlich. Asylredit soll heilig sein Redner gibt dann der Freude Ausdruck, datz der Anschlag, den da- Innenministerium gegen die Emigranten plante, die Zwangsansiedlung im Innern des Landes, vorläufig abgewehrt ist. Die große Masse der Emigranten, di« ihr Heimatland verlassen mutzten, um unerträglichen Verfolgungen, ja oft dem Tode zu entgehen, in eine Art KonzenEngland und die Tschechoslowakei A. S. London, im November. Das sehr rührige und für die Meinungsbil- düng in der britischen Arbeiterbewegung sehr bedeutsame Forschungsbureau der Gesellschaft der Fabier läßt soeben unter dem Titel„Deutscher und Tscheche— eine Gefahr für den europäische« Frieden" eine Studie Wer die Tschechoslowakei erscheinen, deren Autor S. Grant Duff ist. German and Czech. A Threat to European Peace. Hugh D a l t o n, der Unterstaatssekretär im britischen Außenministerium in der zweiten Arbeiterregierung, hat dem Büchlein ein Vorwort gewidmet. Darin heißt es: „Innerhalb der Tschechoftowakei wird die deutsche Minderheft, welches auch immer ihre Beschwerden sein mögen, besser behandelt als nahezu alle anderen nationalen Minderheiten in Europa und besser als manche nationale Mehrheften. Die Deutschen in der Tschechoslowakei haben wie in der Schweiz noch die wesentlichen demokratischen Freiheiten— des Stimmrechts, der öffentlichen Versammlung, der Presse— die den Deutschen sowohl im Reich wie in Oesterreich versagt sind. Vertreter mehr als einer der deutschen politischen Parteien sitzen heute in Prag, wie sie es seft 1926 taten, in dem umfassenden KoalftionSkabinett, das das Land regiert. Nichtsdestoweniger ist eS sehr wünschenswert, daß die tschechoslowakische Regierung in ihrem eigenen Interesse ebenso wie in dem der deutschen Minderheit alle möglichen Schritte unternehme» um die Beschwerden dieser Minderheit zu beseitigen oder bis zur äußersten Grenze zu lindern- Die kürzliche Verständigung zwischen Ministerpräsident Hodza und den deutschen„Aktivisten" ist! von allen Freunden der Tschechoslowakei und allen, die den Frieden in Mitteleuropa bewahrt! sehen wollen, begrüßt worden. Wenn wir von„kollektiver Sicherheft" sprechen, so gehört zu den ersten hypothetischen Fällen, an die wir denken, die Tschechoslowakei. Besser als irgendeiner seiner Nachbarn hat dieser kleine Staat die Demokratie gepredigt und gehandhabt. Masaryks Land zieht alle an, die Gerechtigkeit und Freiheit der brutalen Gewalt vorziehen. Wenn die Tschechoftowakei ins Dunkel untergehen sollte« mit Blut und nächtlichen Schreien von der Landkarte enffernt, dann würden stch di« undenkbar! furchtbaren Folgen auch für uns in dieser Insel einstellen, die unbeweglich am Rande des Kontinents liegt, nicht weniger gewiß als für die Massen, die in noch größerer Unsicherheit auf dem Kontinent selbst leben." DaS Büchlein selbst ist eine sehr ernste unü gewissenhafte Studie, die zunächst die außenpolitische Situation der Republik und sodann die' Probleme der deutschsprechenden Minderheit eingehend untersucht. Die Haltung der Auwrin ist anl deutlichsten in dem einen Satz erkenntlich, daß es eine„Tragödie für die Sudetendeutschen selbst ist» daß sie zu Bauern auf dem Feld der Außenpolitik wurden". Nicht zuletzt stützt sich dieses Urteil auf einen Ausspruch Henleins selbst, der im vergangenen Jahr vor dem britischen Institut für Internationale Angelegenheiten offen erklärte, daß' seine Partei eine„Mission" im Verhältnis zwischen Berlin und Prag zu erfüllen habe. Besonders klar durchschaut die Arbeit die tatsächlich« Bedeutung der Autonomieforderungen Henleins, die im Munde einer Partei, die eine totalitär« Diktatur anstrebt, ihren Charakter völlig verändern muß. Sie wird zum Werkzeug der Ausrottung der Demokratie und der Unterwerfung deo Tschechoslowakischen Republik unter den Wille« Berlins. Unter dem Titel„Achtet auf die Tschechoslowakei!"(Watch Czechoftovakial) hat Richard Freund eine kleine Studie der internattonale« Probleme um di« Tschechoslowakei im Verlag Nelson in London veröffentlicht. Richard Freund, de« durch seine umfassendere Arbeit„Zero Hour" bekannt geworden ist, behandelt auf 112 Seiten ick einem geschichtlichen Rückblick das Werden der heutigen Situation und der Probleme, mit deneck die Tschechoslowakei gegenwärtig zu ringen hat. Es schließt mit einem Appell an Großbritannien, sich den Standpunkt,-en Außenminister Edert ! sechst in einer Rede im April 1937 verttat, zu eigen zu machen. Eden hatte damals davon gesprochen. daß die Schaffung des Friedens ein positives Programm voraussetze. Das bedeutet nicht neue vertragliche Verpflichtungen. Das setzt nur voraus, daß England, mit seinem wachsende« Prestige, es Europa ermögliche, die Periode der Schwierigkeiten zu überdauern, die es gegenwärtig durchmacht. Jubiläumsfeiern der tschechischen Sozialdemokratie DaS sonntägige„Pr. Lidu" veröffentlich? einen Auftuf des Parteivorstandes der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei an alle Mitglieder aller Zweige der Bewegung, die aufgefordert werden, für die Feiern des sechzigjährigen Bestandes der Partei zu rüsten. Im April des kommenden Jahres wird der Jahrestag des Gründungsparteitages festlich begangen werde«» in den Juni fallen die größten Veranstaltung«« des JubiläumSjahres. Der Höhepunkt wird der Umzug durch Prag sein, der auf den 5. Juni angesetzt wurde. Rr. 270 Mittwoch, 17. November 1V37 Seit« 5 die es London. Der Verteidigungsminister Sir TbomaS Jnskip gab im Unterbause bekannt, daß seit seiner Ernennung zum Verteidigungsminister 1" Fabriken zur Herstellung von Munition, Flugzeugen und Flua- -eumnotoren errichtet wurden oder im Bau seien. 11 Fabriken seien bereits im Betrieb aenommen. Barcelona. In Saragossa kam eS zu einer Meuterei, in deren Verlauf der Franco-General Miguel Ponte t> Manso de Zuniga erschossen wurde. — An Malaga wurden SS Personen bingerichtet. Madrid. In der Nacht auf Dienstag beschossen die Batterien der Regierungstruppen an der Madrider Front unaufhörlich das U n i v erst t ä t s v i e r t e l, wo die Abteilungen des General Franco konzentriert sind. Im Abschnitte Carabanchel haben sich die Regierungstruppen bei Cerro Blanko wichtiger Positionen bemächtigt, wo ihnen auch zahlreiches Kriegsmaterial in Hände fiel. An der Front von Jarama kam zu einem heftigen Artillerie-Zweikampf. * Paris.(Eigenbericht.) Die Ausweisung des Direktors der Berliner HavaS-Agen» tur aus dem Reichsgebiet ist eine neue Belastung der deutsch-französischen Beziehungen. Zum ersten Male ist der Vertreter einer offiziellen Nachrichtenagentur von einer derartigen Maßnahme betroffen worden. Paul Ravoux ist von den französischen Korrespondenten in Berlin der weitaus einflußreichste, er gilt überdies als der persönliche Vertrauensmann des französischen Botschafters FranyoiS-Poncet. Ra« voux' Bedeutung hat auch Hitler erst vor kurzem anerkannt, indem er ihn noch während des letzten Nürnberger Parteitages zum Frühstück einlud. Der AuSgewiesene war ein Freund des deutschen Volkes, Professor für deutsche Literatur und ehemals Sekretär eines Komitees, das sich die Pflege der deutsch-französischen Beziehungen zur besonderen Aufgabe gemacht hatte. Es muß grotesk wirken, daß unter den vielen hunderten Nachrichten, die das Berliner Havas-Büro in letzter Zeit nach Paris gab, gerade die Meldung über die in- Oertllche Gefechte In Spanien Madrid.(HavaS.) Die Aufständischen versuchten Montag vormittags zu den republikani- !scheu Linien bei Balfermozo de la Monjas, sin zehn Kilometer Entfernung nördlich von Brighuega, vorzustoßen. Die Republikaner zwangen sie zum Rückzug. Im Abschnitte Cuesta de la Rein« nahm di« republikanische Artillerie Lastautomobile der Aufständischen unter Feuer und vernichtete eine Reihe der Fahrzeuge. Am gleichen Abschnitt vereitelte die republikanische Artillerie einen Angriff der Aufständischen am rechten Tajo-Ufer. Bald wird die Piraterie wieder besinnen Rom.(Havas.) In einem amtlichen Kom- muniqus wird verlautbart, daß die italienischen Kriegsschiffe am 10. November den Nachtdienst ausgenommen haben, der ihnen auf Grund der Nyoner und Pariser Vereinbarungen im Mittelmeere zum Schutz der Handelsschiffahrt übertragen wurde. Die praktische Seite dieser Auf- sicht wurde am. 80. Oktober in Bizerta in Anwesenheit der französischen, englischen und italienischen Admirale einvernehmlich festgesetzt. Der italienischen Flotte wurde die Kontrolle aller Routen übertragen, welche durch das Tyrrhenische Meer führen, weiters im westlichen Mittelmeer die Abschnitte der Seewege zwischen Genua und Gibraltar, ferner die Zonen bei Sizilien und an der Adria, die gegen den Suezkanal weisen, sowie die Linien im Dänischen Meer in der Richtung zur libyschen Küste. Im östlichen Mittelmeer kontrollieren die Italiener die Abschnitte von den Dardanellen in der Richtung zum Suezkanal.. folge schlechter Futtermittel entstandene Tierseuche den besonderen Unwillen der reichsdeutschen Stellen erregte. Man betont in Paris, daß diese Empfindlichkeit schlecht am Platze ist angesichts der unausgesetzten Verleumdungskampagne reichsdeurscher Journalisten in Paris, welche tagtäglich den Eindruck zu erwecken versuchen, daß sich Frankreich mitten im Bürgerkrieg befinde. Die Meldung über die„Sowjetrepublik Perpign- nan" in Südfrankreich ist noch in frischer Erinnerung. Gerade in den letzten Tagen wurde in Paris die Frage aufgeworfen, ob nicht einigen besonders unentwegten Nazis die Aufenthaltsbe» willigüng entzogen werden solle. Dieser Aktion versuchte jetzt das Propagandaministerium durch die Ausweisung Havoux' zuvorkommen. Der französische Botschafter hat am Dienstag bei Neurath Vorgesprächen und die Zurücknahme der Ausweisung gefordert. Besteht Berlin auf seiner Verfügung, so wird eS nicht ohne Repressalien abgehen. Ravoux* Ausweisung erregt Paris Zurücknahme der Verfügung oder Repressalien? roden. Sein Bruder uitd Nachbar bat um die Erlaubnis, seine jungen Bäume verpflanzen zu dürfen. Die Erlaubnis wurde gewährt, aber als der oftizielle Taxator kam, erklärte er das Land für„unfruchtbar", und nur ein Almosen wurde als Entschädigung gezahlt. Wir sprechen mit einem Patrioten.„Was ist mit der Achse Berlin-Rom?"„Wir fühlen unS doppelt verraten. Oesterreich hat wenigstens nicht die Brennergrenze garanttert." Ich frage einen freundlichen Deutschen:„Ihr sprecht immerfort davon, euren deutschen Brüdern in Polen, Tschechoslowakei und Oesterreich zu helfen, wo das Germanentum nicht bedroht ist. Wer von Italien, wo eine schlimmere Unterdrückung deutscher Menschen stattfindet als irgendwo sonst in Europa, sagt ihr nicht ein Wort". Seine Antwort lautet:„ES ist ja nur ein Kuhhandel." 99 Das Schicksal der Südtiroler Der„Manchester Guardian" veröftent-\ italienisch sein. Die Bauern begnügen sich mit licht den Bericht einer Italien-Reisenden, der dem Namen und einem R. I. P. Aber jetzt muß Südttroler enthält und zeigt, wie sich das Schicksal einer deutschen Minderheit in einem faschistisch^ Staate' gestaltet. „Am nächsten Tage sind wir in Bozen, glücklich unter österreichischen Gesichtern, öster reichischen Trachten und österreichischer Sprache. Aber um Brot zu kaufen, müffen wir deutsch in einem„panificio" sprechen, und nach Schuhen müssen wir in einem„calzolaio" fragen. Der Gebrauch des Deutschen in öffenllichen Ankün digungen ist absolut verboten. Wir brauchen Ansichtskarten, und der Verkäufer bietet uns Einige für einen Heller an.„Wieso sind sie so billig?" Er dreht eine um; die deutsche Aufschrift mußte schwarz übermalt werden. Wir kaufen eine Karte für unsere Wanderungen, eine von den Karlen des österreichischen Generalstabes, die der Friedensvertrag den Italienern ausgeliefert hat. Wer. die deutschen Namen sind durch italie nische ersetzt. Das ist verwirrend, aber nicht nur für uns. Am Bahnhof sahen wir zwei Bauern in eine Wandkarte vertieft. Der Schalterbeamte hatte sich geweigert, ihnen Fahrkarten zu geben, bevor sie den italienischen Namen ihres Reise zieles aussprechen können. Sie debattieren ernst haft und erheitxrnd.„Du mußt das„g" wie „dsche" aussprechen..." Wir freuten unS zu hören, daß auch der ttalienische Generalstab unsere Schwierigkeiten teilt. Er war gezwungen, bei den Manövern für die Soldaten Wegweiser aufzustellen. Ein italienischer Offizier vertrant sich mir an;„Solche Szenen sind unserer Kultur wüvürdig. Wir werden äuf solche Art die Be völkerung nie für uns gewinnen". Bon Bozen klettern wir in die Berge und finden bald ein hübsches Bauernhaus, wo wir ein geräumiges Zimmer mit einer blumenreichen Veranda mieten. Unsere Wirtsleute haben acht Kinder. Sie sind froh über unsere paar Schilling, denn diese Familie, die in ihrer einfachen Land- wirtschaft kaum je mit Geld in Berührung kommt, muß ein« Gebühr von 400 Lire für die Benützung des Wasiers zahlen, das vor ihrer Tür fließt. Für die Gästeräume beträgt die Steuer 600 Lire.„Der deutsche Bauer ist nur eine Milchkuh"... Bald müßen wir unseren alljährlichen Tribut für Auslandsreisen entrichten. Ich muß zur Apotheke.„Haben sie was für..." Es wird kein Deutsch gesprochen. Ein kleines Mädchen von zwölf Jahren steht am Ladentisch als Dol metscher. Sie hat italienisch in der Schule ge lernt, und ihr mutz ich meine peinlichen Leiden anvertraweu. Ich äutzere mein Erstaunen dem Priester des Dorfes. Er sagt, der Doktor sei noch schlimmer. Man hat einen einsprachigen Italiener als Arzt ins Dorf gesetzt, gemäß der Atalienisierungspolitik. Es kam soweit» daß die Bauern beim Bürgermeister, einem faschistischen Beamten, eine Petition einbrachten. Er er widerte:„Der Tierarzt kann sich mit seinen Parienten auch nicht verständigen, aber das hin dert ihn nicht in seinem Beruf." Bon Jahr zu Jahr wird die Jtalienisierung radikaler. Das Italienische wird für alle Schul fächer benützt, mit Ausnahme der Religion— dank einer Revolte der Geistlichkeit. Den Kin dern ist vorgeschrieben, zu Hause italienisch zu sprechen. Ich hörte kein Wort davon» aber die offizielle Politik führt zu einem verbreiteten Analphabetentum. Die Kinder sprechen nur ihren lokalen Dialekt: Hochdeutsch und deutsche Literatur können sie nicht lesen. Sogar die Grab steine schweigen, und alle Grabschristen müßen “? e, r b® 8. sogar der deutsche Josef auf den Grabsteinen als Giuseppe erscheinen, und das Kriegsdenkmal für die gefallenen Oesterreicher erinnert an einen italienischen Sieg. Der Priester kann uns endlose Geschichten von groben Ungerechtigkeiten und von der Tyrannei der lokalen Bürokraten erzählen, von Denunziationen, politischen Schlägereien und betrügerischen Versteigerungen. Wir sind nahe der Grenze, wo Flugplätze gebraucht werden, die lange Streifen werwollen Landes in den Tälern Wegnehmen. Ein Bauer mutzte seinen Garten Es ist ja nur ein Kuhhandel!“ Lord Halifax In Karses Berlin. Die Gesamtzahl der evangelischen Geistlichen, die verhaftet worden sind, hat sich in der letzten Woche Von SS auf 115 erhöht. In manchen Orten Ostpreußens wurden drei bis vier Geistliche verhaftet. Brüssel.(Havas.) Der Präsident der katalanischen Generalidad, Companys, hat den größten Teil seines Brüsseler Aufenthaltes auf der Klinik zugebrach:, wo sein Sohn in Behandlung steht. Er diniert« auf der spanischen Botschaft und ist Montag abend- nach Paris abgereist. In der Umgebung Companys wird betont, daß der Präsident mit keiner politischen Persönlichkeit zusammengetroffen ist. Moskau.(DNB.) Bon einem Sonderkollegium d«S Obersten ukrainischen Gerichtshofes wurden sieben Veterinäre der Bezirke Krementschug und Gra- dischsk wegen Sabotage der Viehwirtschaft zum Tode verurteilt. Im Leningrader Gebiet wurde ein Bauer hingerichtet, der einen Funkttonär einer Kollektivwirtschaft erschlagen hatte. Im Tschierfa- binfter Gebiet wurden sieben Angestellte von Staatsgütern im Rayon Ust Uisk als Saboteure «schossen. Rom. Wegen Sabotageakten in der Flugzeugfabrik von Reggio Emilia wurden 20 Arbeiter verhaftet. Es waren kurz zuvor 16 Bombenflugzeuge, die für Spanien bestimmt waren, hei Versuchsflügen auf dem Boden zerschellt. Mexiko. Die mexikanische Regierung hat Petroleumlieferungen nach Deutschland mit der Begründung abgelehnt, daß das Oel an die spanischen Auf- ständischen weiter verkauft Würde..— Gastspiele italienischer und deutscher Fußballmannschaften in Mexiko wurden verboten.(AP) Rom. Die„Tribuna" gab dieser Tage zu, datz cs ein starkes WiderftandSzentrum in Abessinien gebe. daS unter der Leitung des ehemaligen abessinischen Völkerbundsdelegierten Hawariate stehe.— Die ita» lieuischen..Wätter„ führe» zur Zeit eine wütende Kampagne. neuen die angeblichen 5000 abessinischen Flüchtlinge durch, die in der brittschen Kolonie Kenya ein Asyl gefunden haben. Istanbul. 58 kurdische Aufständische aus der Gegend von Dersim wurden vor Gericht gestellt, Elf der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, darunter auch der Haüptinitiatör des Aufstandes, Scheik Rize. Beftin. Der deutsche„ReichSapothekerführer", Schmierer, teilte mit. datz der deutsche Apothekerstand der einzige sei, der sich ,^anz frei von Juden gemacht" habe. Die 400 jüdischen Apotheker im Reich hätte» arische Leiter erhalten. Tokio. Das japanische Finanzministerium beschloß, das kursierende Nickelgeld einzuziehen und durch Papiergeld z u ersetzen.— 20 Mattosen wurden wegen kriegSgegnerischer Propaganda verhaftet. — Bei der Abfahrt eines Truppentransporte» bei Yokohama stellten sich die Angehörigen der Soldaten auf die Schienen, um die Wfahrt zu verhindern. Der Zug fuhr ttotzdem ab und eS wurden 20 Personen getötet, 50 verwundet. Luzifers letzter Einbruch Von M. Logan Mittags von zwölf bis halb eins gingen die Gefangenen wie jeden Tag auf dem Hof spazieren. Und bei dieser Gelegenheit stellten sie fest, daß ein Neuer eingeliefert worden war. Aber dieser„Neue" war ihnen gar nicht neu, sondern ein guter aller Bekannter. Ein Star der Einbrecherzunft. Man nannte in den Unterweltkreisen seinen Namen mit Bewunderung. Denn di« Wüsten und raffiniertesten Einbrüche und lieber» fälle waren sein Werk, und noch nie hatte die Polizei ihn erwischen können. Wie er das machte. d>ac sein Geheimnis, und man pflegte zu sagen, rr habe sich dem Bösen verschrieben. Daher stammte sein Name«Luzifer". Und nun hatten ste Luzifer dock gekriegt, und er ging, wie jeder andere Geschnappte, inmitten der Gefangenen... herrschte große Aufregung auf dem Hof, und alle hätten gern gewußt, wie Luzifer das hatte passieren können. Aber man konnte ihn nicht fragen, denn die Wächter patzten auf. Und so ivartete man bis zur Nacht. Nachts aber klopfte eS leise gegen die Wände. Trage und Antwort wurden mit Klopfzeichen von Zelle zu Zelle wettergegeben. „Wer hat dich erwischt?" klchifte eS fragend an Luzifers Zelle. „Ich weiß e» nicht", war die Antwort. Man fragte weiter: wieso er dar nicht wiße? «er ihn verraten habe? Was er für Fehler gemacht habe? Ob er krank gewesen, ob sein Vertrag mit dem Teufel abgelaufen sei? Luzifer antwortete mißmutig: es könne ihn keiner verraten haben, denn niemand habe von Einbruch, bei dem er gefaßt worden sei. Kenntnis gehabt; Fehler habe er keine gemacht. Krank sei er auch nicht gewesen. Einen Vertrag mit dem Teufel habe er nie gehabt. Und den, der ihn erwischt habe, den möchte er gern scheu. Er habe ihn nämlich nicht gesehen. Und vielleicht habe er, Luzifer, doch Fehler gemacht, sonst Ware er ja nicht hier. Aber was für einen Fehler, das wiße er nicht. Möglich, daß dir Polizei auch mit neuen Mitteln gearbeitet habe. Es müße irgend ein neuer Kriminalbeamter gekommen sein, vielleicht... , Diese Antworten wurden von Wand zu Wand weiter geklopft, aber die Gefangenen wußten nicht viel mit diesen Auskünften anzufangen. Und auf energische neue Fragen berichtete dann Luzifer die Geschichte seiner Verhaftung: „Wie ich schon sagte, hatte ich keinem Menschen erzählt, daß ich«inen kleinen Stteifzug durch das Hotel Astoria vorhatte. Die Polizei hatte es also nicht wißen können. Ich gelangte unbemerkt in den Gang des ersten Stockwerkes und öffnete leffe die Tür eines Zimmers. Es muh gegen drei Uhr gewesen fein. Vorsichtig leuchtete ich mit der Taschenlampe zum Bett hinüber. Reben dem Bett auf dem Nachttisch lagen Brieftasche, Ringe und eine golden« Uhr. Im Bett schlief«in Mann. Ick ging leise auf den Nachttisch zu, und dabei habe ich wohl den großen Fehler gemacht: ich hatte ja alles gefunden, was ich suchte. Alles lag auf dem Nachttisch. Aber ttotzdem hätte ich da» ganze Zimmer ableuchten müßend Luzifers Erzählung wurde unterbrochen. Fragen klopften gegen die Zellenwand. Wieso? Warum noch ableuchten? Das ist doch nur Zeitverlust. Luzifer fuhr fort: „Wartet ab. Ihr tverdet schon sehen. Jeden- I falls merkt euch: immer daS ganz« Zimmer ableuchten. Vielleicht wäre ich nicht hier, wenn ich es getan hätte. Also, ich ging ganz leise auf den Nachttisch zu. Es war totenstill im Zimmer. Und dunkel. Nur der Schein meiner Lampe fiel aus den Nachttisch. Ich nahm di« Sachen. Da hört« ich, wie der Mann im Bett sich bewegte. Er sHien aufzuwachen. Hastig zog ich den Revolver äuS der Tasche. Der Mann richtete sich im Bett auf. Ich hielt ihm den Revolver entgegen und blendete ihm die Lampe in» Gesicht:«Rühren Sie sich nicht, kein Laut oder., Der Mann starrte auf den Revolver, wurde kreidebleich und zitterte. Ich ging vorsichtig rückwärts der Tür zu und leuchtete dabei weiter dem Mann ins Glicht... Da plötzlich ertönte hinter mir auS der dunflen Ecke des Zimmers eine Stimme, eine tiefe Stimme, ich werde den Klang dieser Stimme nicht vergeßen: «Hände hoch! Keinen Schritt weiter..." Automatisch flogen meine Arme nach oben. Der Schein der Lampe strahlte gegen die Decke. Ich war so überrascht, daß ich nickt auf den Gedanken kam, die, Lampen verlöschen zu laßen. Und schon befahl die Stimme weiter:„Nehmen Sie dem Kerl den Revolver ab und die Lampe, durchsuchen Sie seine Taschen." Der Mann im Bett gehorchte dem Befehl, Es ging sehr schnell. Im nächsten Augenblick stand ich wehrlos da. Der Dtann hatte mir alles abgenommen, den Revolver, die Schlüssel, die Brieftasche, die Uhr, die Ringe, die ich ihm abgenommen, und noch andere Brieftaschen und Uhren, die ich vorher au» anderen Zimmern entwendet hatte. Und mit meiner eigenen Lampe strahlte er mir ins Gesicht. „Rufen Sie die Polizei, ich habe keine Zeit, den Burschen abzuführen", befahl die Stimm» weiter. Und wieder gehorchte der Keine Mann in seinem lächerlichen, weißen Nachthemd den Befehlen. I „Ja, und dann kamen in großer Auftegung Hoteldiener, Polizei und der Direkwr. Man packte mich. DaS Zimmer war nun hell erleuchtet. Ich drehte mich um zu der Ecke, in der mein Gegner, dieser verdammte Hund, stand und wollte ihm zuschreien, was wir die Wut eingab. Aber dort stand niemand. Der Kerl mußte in der Zeit, als di« anderen hereinkamen, verschwunden sein. Und dann auf der Polizeiwache fragte ich die Polizisten nach ihm. Aber die wollten mir nicht antworten. Einer lachte mich noch aus und sagte:„Das war der Polizeipräsident persönlich." Ich weiß heute noch nicht, wer dieser Kerl war und wie er mir auf die Spur gekommen ist. Es muß ein ausgekochter Bursche gewesen sein, und so wie ich hier heraus bin, werde ich ihn schon kriegen." Die ganze Nacht wurde der Bericht Luzifers von Zelle zu Zelle diskutiert. Der Fall ging ja alle an. Mit lvaS für neuen Mitteln arbeitete die Polizei? Und man bedauerte Luzifer und klopft« ihm Mut zu und versicherte ihm, daß sein Ruhm durch dieses Mißgeschick nicht gelitten habe. Aber am nächsten Tage, als mittags von zwölf bis halb eins die Gefangenen wieder auf dem Hof im Kreis« herumgingen, hatte sich die Stimmung geändert. Luzifer begriff nickt, warum ihm die anderen alle spöttische Blicke zuwarfen. Und dann steckte ihm einer unbemerkt etwa» zu, ein Papier, da» Luzifer schnell verschwinden ließ. „Pech gehabt", flüsterte ihm der andere zu. Dann in der Zelle zog Luzifer das Papier heraus. ES war die Titelseite einer Zeitung und eine Ueberschrift war dick unterstrichen. Luzifer laS und laS mit weit aufgerißenen Augen immer wieder und begann nur langsam den grotesken Sinn zu begreifen: Mißglückter Einbruch bei einem Bauchredner, Seite 6 Tagesneuigkeiten Entartete Kunst oder entartete Wirklichkeit? In der letzten Sonntagsnummer der„ Frankfurter Zeitung" findet sich ein Rückblick auf ents artete Kunst", wobei die„ entartete Kunst" auf alle Fälle in Anführungszeichen gesetzt ist. Der Verfasser Carl Linfert hat drei Spalten gebraucht, um das Thema zu behandeln; es ist ihm sichtlich nicht leicht geworden, denn er mußte selbstber= ständlich mit der Versicherung beginnen:" Indem wir selber einen Rückblick machen, nehmen wir teil an dem Gesichtswinkel, der in der Münchener Darbietung manifest geworden ist." Das heißt: er mußte immer wieder versichern, daß er die horrende und stupide Anprangerung einer ganzen Kunstperiode für durchaus in Ordnung hält, obwohl der Sinn seiner Betrachtungen das gerade Gegenteil einer solcher Zustimmung ist. Herr Linfert wagt nämlich die Frage, warum die ans geprangerten Maler und Bildhauer so unhar monisch" gemalt und gemeißelt haben, nicht einfach mit der Beschimpfung dieser„ Entarteten" zu beantworten. Er stellt in umständlichen, halbberhüllten, vor lauter Vorsicht orakelhaften Ausführungen die geradezu kezerische Frage: Haben jene Künstler vielleicht nicht„ entartete" Bilder geschaffen, sondern eine entartete Wirts Yichkeit abgebi: det? Mittwoch, 17. November 1937 RAILA STOP LOCK CROSSING Neuartige ,, Autostopper" in USA Eine neuartige Sicherung der Bahnübergänge wurde jetzt in Amerika eingeführt. Beim Nahen eines Zuges taucht nämlich diese Bodenschranke aus einer Versenkung auf, während die Buchstaben stopp" weithin sichtbar aufleuchten und gleichzeitig ein kräftiges Glockensignal auch den unaufmerksamsten Fahrer auf die drohende Gefahr hinweist. " Gendarm angeschoffen. Und die Menschen in den KonzentrationsElf Tote Nr. 270 bei einem Flugzeugabsturz Prinz von Hessen mit seinen vier Kindern unter den Toten Ostende. Ein Verkehrsflugzeug ist bei Oftende abgestürzt. Das Flugzeug war um 13.50 Uhr in Frankfurt a. M. gestartet. Infolge schlechter atmosphärischer Bedingungen hatte das Flugzeug in Brüssel keine Landung vorgenommen. Das Unglück wurde durch starken Nebel verschuldet. Als das Flugzeug bei Steene in Ostende landen wollte, stieß es im Nebel gegen einen hohen Fabriksschornstein. Hiebei brach ein Flügel ab und das Flugzeug stürzte brennend zu Boden. Das Unglück hat el f Todesopfer gefordert. Getötet wurden: Der Prinz von Hessen, desfen Sohn und drei Töchter, ferner die Passagiere Frau Lina Mahe, Riedesch 31 Eisenach und Martens sowie die Mitglie-, der der Besatzung, und zwar der Pilot La m botte, der Radiotelegraphist Courtois und der Mechaniker Lansman s. Das verunglückte Flugzeug gehört der Luftverkehrsgesellschaft Sabena Belge. Es besorgte den Luftverkehr zwischen Brüssel und London. mußten, um eine solche Leitung anzulegen, hat alle Welt Angst vor Geheimleitungen. Sämtliche Pariser Telephonämter erhalten Tag für Tag Hunderte von Reklamationen, in denen die Teilnehmer dringend eine Untersuchung ihrer Leitung wünschen. Die Zeitungen haben als Symptome des Vorhandenseins einer Geheimleitung leichtes Knaden, undeutliches Hören, Falschverbindungen trotz der Automaten angegeben, aber diese Symp Paris gelegentlich feststellen. Die Reklamationen werden weder von der Polizei noch von dem Teles lagern und im Moor? Wir lesen in der„ Frank- phonamt allzu ernst genommen, man ist überfurter Zeitung":" Der Landrat des Kreises zeugt, daß man kaum eine weitere Geheimleitung Hadeln hat eine Bekanntmachung erlassen, in der finden wird, aber die Massenpsychose der Pariser er erklärt, die Viehbefizer, die ihr Vieh im Herbst Telephonabonnenten belastet das Telephonamt zu lange auf der Weide ließen, machten sich der außerordentlich, und die Kosten für die NachprüTierquälerei schuldig. Wenn sie sich vor Strafe fungen sind gar nicht zu übersehen. schüßen wollten, müßten sie ihre Tiere rechtzeitig den Ställen zuführen, um sie vor Nässe und Kälte zu bewahren." Noch einmal zählt Linfert alles auf, was in der Münchener Ausstellung, die er primitiv zurechtgemacht" nennt, dem Hohn stumpfsinniger Spießer und ahnungsloser Laien preisgegeben wurde: Nolde und Beckmann( als" freche Ver- Die Untersuchung ist im Gange. Die einzigen An-| toppe dagegen gleichzeitig minus 10 Grad bei hef- tome kann man so gut wie an jedem Apparat in höhnung des Gotterlebens"), Franz Marc, baltspunkte bildet die allerdings recht unvollstän- tigem Nordwestwind. George Groß, Barlach, Belling und Kandinsky dige Aussage der Patientin, die sie vor ihrem ( als„ Schwindel"), Carl Hofer, Otto Mueller Tode den Sicherheitsorganen ablegen konnte. und Dir( als Verhöhnung der deutschen Frau Am 15. November und der deutschen Helden des Weltkrieges"), So wurde auf der Strede Lukavice- Hohenstadt gekoschka, Schlemmer und Fuhr( als ,, trante Gei- gen 20 Uhr der Stabswachtmeister Ladislav ster"), Lovis Corinth und Lehmbruck( als Bei- Bratranec von der Gendarmerie- Station chen der Auflösung"), und Linfert verzeichnet die Zvole, Bezirk Hohenstadt von einem unbekannten „ ehrliche Entrüstung" der meisten Besucher Täter angeschossen. Bratranec begegnete auf der und fügt hinzu:" Denn gewiß sind sehr viele der Strecke einem unbekannten Manne, den er an Anwesenden zum erstenmal in einer Ausstellung. hielt und zur Legitimierung aufforderte. Der Warum sollten sie etwas zu überlegen haben?" Unbekannte zog aber rasch eine Taschenwaffe Er hörte einen Bayern vor einem Bilde Kokoschkas heraus und schoß nach dem Stabswachtmeister, sagen:„ Der g'hört ja aufg'hängt, der des g'molen der in die linke Hand getroffen wurde. Der uns hat", und die meisten anderen sagten abschließend: bekannte Täter flüchtete. Stabswachtmeister " Furchtbar". Bratranec befindet sich in der Pflege des Olmützer Krankenhauses. Was aber ist furchtbar? Vielleicht das, was diese Künstler sahen: die Krankheit einer Gesellschaftsordnung, das Grauen des Krieges, die Ausbeutung, die Kulturzerstörung, der Wahn, aus dem der Faschismus hervorging? Linfert begnügt sich mit der Feststellung:„ Die Kunstverte, die auf diese Weise angesprochen wurden, waren vielleicht ungewollt in tieferem Sinne realistisch, auch wenn sie gar nicht die„ Natur" abbilden wollten. Und die Gegenstände der Werke waren in der Tat zumeist furchtbar, also gab sich die Form des Furchtbaren wohl ebenfalls furchtbar." Vom Auto getötet. Montag um halb 7 Uhr abends fuhr der 23jährige Willy Eichler mit einem zweirädrigen Handwagen von Kradrob nach Teplit. In der Biliner Gasse in Teplis fuhr in der gleichen Richtung das vom Max Schack gelenkte Personenauto. Im gleichen Augenblicke tam ihm ein unbekanntes Lastauto entgegen, vor welchem Schack das Licht abblenden mußte. Dabei konnte er nicht mehr verhindern, daß er an den zweirädrigen Wagen anstieß, der von Eichler geschoben wurde. Eichler wurde zur Erde gestohen und auf der Stelle getötet. Der Lenker des Wagens wurde verhaftet. Die Eifersucht. In Mistelbach, unweit der tschechoslowakischen Grenze, verlegte am Montag der 20jährige Schuhmacher Josef Panzer im Stadtpart seine 18jährige Geliebte, die Landwirtetochter Rost Winter, durch drei Revolverschüsse schwer und erschoß sich sodann. Das Mädthen ringt im Krankenhaus mit dem Tod. Panzer beging die Tat aus Eifersucht. Besseres Wetter? Unter dem Einfluß einer Druckstörung, deren Zentrum nach Estland abgezogen ist, herrschte Dienstag in unseren Gegenden sehr veränderliches Wetter mit Schneeschauern bei Tem beraturen auch in den Niederungen nur wenig über Null. Vom Westen her breitet sich über das Binnenland hoher Druck aus, wenigstens eine vorübergehende Besserung eintreten wird. Im Zusammenhang mit einer tiefen Störung in der Umgebung des Golfs von Biscaya beginnt bom Mittelmeer warme Luft gegen das Festland zu strömen, in Südfrankreich wurden Dienstag nach mittags plus 16 bis 19 Grad Celsius verzeichnet. Die jüngste Ehefrau der Welt. Vor einigen Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Tagen fand in a da ver( Jugoslawien) die In der Westhälfte der Republik verringerte Bewöl Trauung des 39 Jahre alten Bauern Fadil- fung, auch in den Niederungen vielfach Nachtfrost, Arif- Sulejmanovic, eines Albaners aus dem abflauender Wind. Im Karpathengebiet noch unbes Dorf Vodovrat bei Veles in Südserbien mit der neun Jahre alten Hamzija Zejnel Selimovic aus Drenova statt. Die Trauung wurde nach der Beibringung eines ärztlichen Attestes, das die Ehefähigkeit des Mädchens bescheinigt, durchgeführt. Die Kleine Hamzija dürfte die jüngste Ehefrau der Welt sein. ständig und namentlich auf den Bergen Schauer, tag: Im Osten des Staates namentlich nachts sehr kühl. Wetteraussichten für Donners fühl, im übrigen Gebiet erneut etwas wärmer. Spä ter Verschlechterung von Südwesten her nicht ausges schlossen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Donnerstag: Schriebe Linfert nicht für eine gleichgeschaltete Zeitung des Dritten Reiches, dann wäre es Mitternachtsdunkel zu Mittag. Prag wurde Englischer Nebel. Die britischen Inseln sind ihm leicht, den Schluß aus seiner Erkenntnis auf die von Hitler befohlene und geförderte„ deutsche Dienstag gegen 13 Uhr von einer Schneeböe pas in dichtem Nebel gehüllt. Die Dampffähre von Kunst" der leeren Glätte und des hohlen Pathos fiert, welche auf ihrer Bahn gegen Südosten dich Dunkerque nach Dover ist in Dover mit mehr Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: zu ziehen: daß diese Kunst, die nicht nur das tes, bis zum Erdboden reichendes Schauergewölf als 1½stündiger Verspätung eingetroffen. InFurchtbare, sondern das Fürchterlichste verhüllen mit sich führte. Sie brachte daher in Prag eine folge des Nebels sind auch zahlreiche in London Schallplatten, 14: Deutsche Sendung: Ausklang, und verschweigen will, eine verlogene Sache und außergewöhnliche Dunkelheit mit sich, die etwa eintreffende Züge verspätet. In London selbst eine Schubert- Novelle von Multerer, 17.50: Deuts ein betrügerischer Kitsch ist. Aber Linfert darf zehn Minuten andauerte. Der sie begleitende ist der Verkehr von Fahrzeugen aller Arten eben iche Sendung: Sportvorschau, 17.55: Jugendstunde mit Musit, 18.10: Landwirtschaft, 18.45: Deutsche so etwas nicht sagen. Er darf nur schreiben: nördliche Windstoẞ erreichte am Karlshofe zwar falls sehr erschwert. Der Zug, der Montag abends Preſſe, 18.55: Aus dem deutschen Kulturleben, „ Die erstrebte bildhafte Harmonie gibt noch keine mur eine Momentangeschwindigkeit von 30 Stun Perth in der Richtung London verließ, ist Diens- 22.35: Schubert: Geigenquartett. Prag, Sender Sicherheit für gleiche Harmonie im Kern der dentilometer, auf dem Flugplaze von Ruzyně je tag um 4.20 Uhr unweit von Crewe mit dem II: 14.20: Deutsche Sendung: Prof. Kestenberg: Sache." Der Kern der Sache, so lesen wir zuvi- doch von 63 Stundenkilometern. Hier trat auch ſchottischen Schnellzug zusammengestoßen. Es Von Kinderliedern, 14.55: Deutsche Bresse, 21.05: schen den Zeilen, ist die Wirklichkeit und ihr Er- eine plöbliche, kurze Zeit dauernde Drucksenkung wird gemeldet, daß fünf Reisende verlegt wur- Klarinettenkonzert, 21.30: Tanzmusit. 15.30: Rundfunkorchesterkonzert: Jirak, Haydn etc. lebnis. Der Kern der Sache ist heute in Deutsch von fast einem Millimeter ein, wie sie sonst für den. Nähe von Windhosen charakteristisch ist. Angst vor Geheimleitungen. Seitdem die 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Etrich: Lohn und land der Hakenkreuz- Terror, der befiehlt, harmo- dieneerpen plejer Art pflegen sich verschiedentlich Pariſer Polizei das Vorhandensein einer Geheim- Moral des Volks, 19.30: Aus dem Landestheater Schneeböen dieser innerhalb ausgedehnter falter Luftströmungen leitung zum Telephonapparat von Kerenski fest- Janáček: Ihre Stieftochter. Preßburg 11.05: Salonorchester. Mährisch- Ostrau 12.35: Rund auszubilden, wenn ein kräftiges Temperatur- gestellt hat und seitdem gar die Untersuchung er- funforchesterkonzert: Chopin, Fibich etc. 17.55: gefälle mit der Höhe vorhanden ist. Um 11 Uhr gab, daß zweifellos Stomplicen unter den Beamten Deutsche Sendung: Sechs Künstler suchen einen Dis bormittags hatte Prag plus 3 Grad, die Schnee- der Telephonzentrale Jasmin vorhanden sein rektor, 22.15: Schallplattenkonzert. nisch gemalt zu werden. Aber so furchtbar, wie er ist, hätten ihn auch die furchtbaren„ Entarteten" nicht malen können. SASI am Grabe Masaryks. Nach beendigter Sigung begab sich heute vormittags eine sechsgliedrige Delegation des Präsidiums der Sozia listischen Arbeiter- Sport- Internationale, die in Prag zu einer Sizung zusammengetreten war, zum Grabe des Präsident- Befreiers in Lány, wo fie einen Strauß zoter Nelken mit Schleifen in den Staatsfarben niederlegte. Hierauf besichtigHeimreise angetreten. Der Mordbeweis im Spiritusfaß Ein Verbrechen nach 18 Jahren aufgedeckt Brünn Behörden noch einige Zeit hindurch weitere Spu-|-vielleicht hatte er Schritte auf der Straße ges ren verfolgt hatten, die sich ebenfalls als irrefüh- hört. Diese wenigen Augenblicke benutzte Judge, rend erwiesen, wurde die Suche nach dem Täter um seine letzte Nachricht zu schreiben. In der eingestellt und der Att Judge als unlöslich abge- verziweifelten Suche nach einem Mittel, seine Bots legt. schaft zu befördern, ohne sie dem Mörder in die Im Herbst 1937 gab Farnsham seinen Guts- Hände fallen zu lassen, erblickte er Farnshams ien die in- und ausländischen Delegierten die Er- Ein Kapitalverbrechen, das im Jahre 1919 fib auf und 30g mit seiner Frau es war Cecily State. Er loďte das Tier, das ihn sicher von frü position in der Länger Schule und den Schloßpark. bei Tucson( Arizona) begangen worden ist, hat Smith nach Tucson. Seine Liegenschaften her kannte, irgendwie an sich und befestigte den Zu mittag wurden die Delegationsmitglieder vom erst jetzt durch einen geradezu univahrscheinlichen wurden von einem gewissen Armstrong erivor- Bettel an seinem Halsband, dann jagte er es vo Senatspräsidenten Dr. Fr. Soukup empfangen, Bufall seine Aufklärung gefunden. Unter dem ben, der sich gleich daran machte, die alten Schup- sich. Wahrscheinlich kehrte unmittelbar darauf der zu Ehren der Gäste ein Effen gab. Dienstag bringenden Verdacht, den Gutsbesizer H. Judge pen auszuräumen, einige Scheunen abzureißen darnsham zum Tatort zurück, gab seinem Opfer abends haben die ausländischen Delegierten die im Stadtwäldchen von Tucson ermordet zu haben, und ähnliche Erneuerungsarbeiten vorzunehmen. den Gnadenschuß, schleppte den leblosen Körper in den Wald und beseitigte alle Spuren, die etwa den Wald und beseitigte alle Spuren, die etwa wurde vor kurzem dessen ehemaliger Freund und In einem Verschlag fand er auch ein Faß, das, darauf hindeuten konnten, daß er, der angesehene Rätselhafte Vergiftungsaffäre in Freiwal- Nachbar G. Farnsham verhaftet. Er war gestän- feiner Aufschrift nach, ehemals als Spiritusbehäls Gutsbesitzer, der Mörder sei. Freilich konnte er dau. Das Opfer eines bisher völlig ungeklärten dig, wurde zum Tode verurteilt und zu lebens- ter gedient hatte. Es war so morsch, daß es gleich nicht verhindern, daß der Tatverdacht doch zunächst Vergiftung wurde in der vergangenen Woche die länglichem Sterker begnadigt. Grotest aber find auseinanderfiel. Dabei kam aber ein Bettel zum auf ihn fiel, weil die Rivalität der ehemaligen 18jährige Nina Dittrich, die bei einem Frei- die Umstände, die erst jetzt zur Lösung des Mord- Vorschein, dem Armstrong eine solche Wichtigkeit Freunde wegen Cecily Smith bekannt war. Für beimaß, daß er ihn sofort dem waldauer Drogisten angestellt war. Ein mit öster- geheimnisses geführt haben. reichischer Evidenznummer versehenes Auto tankte Als einige Farmer im Walde die Leiche einsenden ließ. Auf dem Zettel standen, in zittri- diesen Fall hatte er aber bereits sein lückenlofes bei der von dieser Drogerie betriebenen Benzin- Judges fanden, war sie bereits erkaltet. Die Kriger Bleistiftschrift, aber sehr gut lesbar, folgende Wie gelangte nun der kompromittierende jtation. Nachdem die Dittrich die unbekannten minalpolizei stellte auch sofort fest, daß der Säße:" Ich verblute. Farnham hat mich wegen Zettel in das Spiritusfag? Die Kake muß das Automobilisten bedient hatte, reichte ihr einer von Mord am Rande der Landstraße verübt worden Cecily getötet. Noch wenige Minuten. Zettel an Blatt Papier an ihrem Hals als höchst unbequem diesen zwei große in Staniol verpackte Bonbons. war, und daß der Täter erst viel später den Leich Kaze. Judge." empfunden haben. Sie rannte in ihren Schuppen Unmittelbar nach dem Genuß eines dieser Bon- nam tiefer in den Wald geschleppt hatte, um die In den Jargon des Polizeiberichtes übersetzt, und streifte die Botschaft in dem bons wurde das Mädchen von heftigem Unwohl Entdeckung zu verzögern oder zu verhindern. Der der wenige Tage darauf erschien, hatte dieser Zet- Tich vorübergehend geöffneten Fasse ab. Dort sein befallen und mußte in das Krankenhaus Verdacht richtete sich gegen Farnsham; das Motiv tel folgende Bedeutung: Farnsham hatte Judge wurde der Zettel wider Erwarten nicht eine Bente übergeführt werden, wo eine Strych n in vergif- hätte Eifersucht sein können, denn beide Guts- am Waldrand aufgelauert, ihn wegen des Mäd- Ser Mäuse oder der Vertvitterung, sondern acht tung festgestellt wurde. Alle ärztliche Hilfe war befizer bewarben sich um die Gunst des Mädchens chens zur Rede gestellt und dann niedergeschossen. zehn Jahre später von Armstrong ans Licht ge vergebens. Das bedauernswerte Mädchen staro Cecily Smith. Indessen konnte Farnsham ein Judge lebte nech, und Harnsham mußte sich auf zogen. Angesichts dieses Schuldbeweises brad noch am gleichen Tag unter heftigen Schmerzen. stichhaltiges Alibi beibringen, und nachdem die kurze Zeit aus irgendeinem Grunde entfernt haben Farnsham schnell zusammen. Alibi konstruiert. wahrschein «r. 270 Mittwoch, 17. November 1937 Seit« 7 Neuer Mobilmachungsplan der Wirtschaft in USA (Dr. H.) Der amerikanische Kongreß wird sich mit einem von den Kriegsministerien für Heer und Marine ausgearbeiteten zweiten Wehrwirt« schastsplan, beziehungsweise Mobilmachungsplan der Wirtschaft, zu befassen haben. Dieser neue Plan unterscheidet sich von dem bereits im Jahre 1V88 vom amerikanischen Senat verfaßten und zwei Jahre lang durchberatenen ersten Plan durch seine Schärfe und Reichweite. Der neue Plan trägt der unruhigen, gefahrdrohenden internationalen politischen Situation Rechnung und basiert auf der Ueberzeugung, daß die USA einem neuen Weltkrieg nicht ausweichen könnten und daher schon zu Friedenszeiten alle Vorsichtsmaßregeln für den Ernstfall treffen müßten. Der Grundgedanke des neuen Wehrwirtschaftsplanes, der seinem Vorgänger entnommen ist, basiert auf der Schaffung von acht Kriegswirtschaftsämtern, und Mar: einem Verteidigungsrat, einem Kriegswirtschaftsrat, einem Krieghandrlsrat, einem Preisüberwachungsausschuß, einem KriegSfinanzierungsauS- schuß, eine Propogandazentrale und schließlich ein Amt, daS sich mit dem zweckmäßigen Einsatz der Propaganda zu befaffen hat. Gegenüber dem ersten Plan wird auf die Propaganda großer Wert gelegt— und dies ist wohl das erstemal in einem demokratischen Lande festzustellen. Der neue Plan gliedert sich in sechs Punkte; sie lauten: 1.„Die Legislative soll gegenüber der Exekutive stärker in den Vordergrund treten". DaS heißt vornehmlich, daß grundlegende Anordnungen des Präsidenten und der Regierung nicht der Bestätigung des Senats oder Kongresses bedürfen sollen oder brauchen. 2.„Der Bedarf der Zivilbevölkerung soll ebenfalls, genau wie der Bedarf der Militärbehörden, planmäßig gesichertwerden".— Früher »ahm man die Versorgung der Zivilbevölkerung als gegeben an, in einem„totalen Krieg", den ein neuer Weltkrieg fein würde,' wäre die Versorgung der Zivilbevölkerung nicht gesichert, daher die neue Bestimmung. 3.„Der Army and Ravy Board(Heer- und Marine-Verwaltung) soll für den Kriegsfall viel weitgehendere Vollmachten erhalten".— Der Army and Ravy Board repräsentiert die einzige wehrwirtschastliche Behörde, die zu Friedenszeiten existiert. Im Ernstfall wird diese Behörde tragende» KpiegSwirtschaftsamt. Die Beamten de» Army-,and Ravy Board haben sich genaueste Kenntnisse aller Unternehmungen anzueignen, die Kriegsmaterial erzeugen oder zur Kriegsmaterialerzeugung herangezogen werden könnten. Der Board hat für Einkauf und Verteilung der „wichtigen Rohstoffe" zu sorgen und kann daS privatwirtschaftliche Gesetz von Angebot und Rach« frage zugunsten der Landesverteidigung aufheben. . 4.„Dem Staat soll gegenüber dem Kapital und gegenüber der Arbeiterschaft im Kriegsfälle eine weitgehende Eingriffsmöglichkeit eingeräumt werden". Das Kapital kann demnach vor die Aufgabe gestellt werden, die Mittel zur Kriegführung aufzubringen. Präsident Roosevelt kann durch eine einfache Berosdnung die Schließung sämtlicher Börsen in USA veranlassen.— Die Eingriffsmöglichkeit gegenüber der Arbeiterschaft hat nicht die Einführung der Arbeitsdienstpflicht(etwa nach deutschem Muster) zum Ziel, sondern bezweckt die organische Verteilung der Arbeit von einer Zentralstelle aus. 5.„Die Friedensorganisation des Staate» soll im wesentlichen außer Kraft gesetzt werden". — Dieser Punkt bezweckt die Umstellung der Wirtschaft auf den Kriegsfall und bringt die Anordnung, daß im Ernstfall militärisch geschulte Persönlichkeiten die Führung der Wirtschaft über« nehmenmüssen. Zu diesem Zwecke werden in den USA Offiziere schon seit längerer Zeit technisch und wirtschaftlich geschult, damit sie also im Kriegsfälle leitende Posten in Industrie und Wirtschaft übernehmen könnten. 6.„Die Sicherung von Rohstoffen und Er- satzmaterialien soll mit größtem Nachdruck betrieben werden". Wirtschaftsexperten haben ermittelt, daß die USA, trotz ihres Rohstoffreich- tums, 26 sogenannte„strategische Rohstoffe" importieren müssen. Dazu gehören: Zinn, An« Man erhält für 100 Reichsmark 608,— Markmünzen..... 675,— 100 österreichische Schilling.. 526.50 100 rumänische Lei.... 15.85 100 polnisch, Zloty 478,50 100 ungarische Pcngö.... 548.50 100 Schweizer Franken... 657.— 100 französische Francs... 95.70 1 englisches Pfund.... 141.25 1 amerikanischer Dollar..• 28.27 100 italienische Lire.... 114.40 100 holländische Gulden... 1569.— 100 iugoslawische Dinare... 62.17 IVO Brlgaö....... 482,— 100 dänische Kronen... 630.— 100 schwedische Kronen■•• 728. timon, Seide, Gummi, Jod, Quecksilber, salpetersaure Salze, Kaffe«, Chrom, Mangan, Nickel, Glimmer, Wolfram usw. Zu diesem Punkt gehört noch die Bestimmung:-„Militärische Notwendigkeit erfordertf^dsß die Kontrolle bestimmter Rohmaterialien eingeführtw,ird/ um wesentliche Kriegsproduktionen sicherznstellen". Auf diese Bestimmung ist es zurückzuführen, daß die USA 600.000 Tonnen eisenhaltiges Mangan eingelagert haben, die lediglich für den Kriegsfall bestimmt sind.— Auch Erfatzmaterialien sollen der Kontrolle unterstehen. Darunter find in erster Linie Altmaterialien zu verstehen(Altmetalle, Altgummi, Schrott etc.). In diesem Zusammenhang sei da? Ausfuhrverbot für Altzinn erwähnt, das seit kurzer Zeit in Kraft ist. Neben diesen sechs Punkten und seinen Ausführungsbestimmungen, die bereits für den Friedenszustand zugeschnitten sind, sind von den einzelnen Parteien Zusatz«nträge dem Kongreß unterbreitet worden, die eine weitere Verschärfung des Wehrwirtschaftsplanes bezwecken. So wird eine erhebliche Bestelle- rung der Kapitalgesellschaften, der Gewinne und der Einkommen über 1 0.0 00 Dollar jährlich gefordert. Die Steuer soll naturgemäß mit dem Einkommen, beziehungsweise Gewinn steigen. Kapitalgesellschaften sollen nicht nux je nach Höhe des Ge- Zur Gehaltslase der Handelsansestellten nahm der Vorstand der im MB(Allgemeinen Angestellten-Berband, Reich e n b e r g) organisierten Handelsangestellten ausführlich Stellung, wobei festgestellt wurde, daß sich auf Grund durchgesührter Erhebungen in der Mehrzahl der von der Erhebung erfaßten Städte die Durchschnittsentlohnung unter dem Existenzminimum bewegt. Die in Reichenberg am 14. November stattgesundene Beratung hält den Abschluß von Kollektivverträgen in Handel und Spedition dringend geboten, weil die durch die Krisenwirkungen empfindlich gekürzten Gehälter trotz eingctretener Wirtschaftsbelebung nur vollkommen unzulänglich .erhöht wurden, so daß keineswegs von der Wiedergutmachung der Krisenschäden, sondern lediglich von einer unzulänglichen Angleichung der Bezüge an dw erhöhten LebßnSbiAtuugSWefl^MWiÄsn werden kann. Bor allem die Gehaltssätze in den ersten Praxisjahren bewegen sich auf einem Durchschnitt, der nicht mehr unterbietbar ist, so daß schon allein aus moralischen Gründen kollektive Mindestbezüge für Lehrlinge und j u- gendliche Angestellte unerläßlich sind. Die Strukturwandlung beim Warenverkauf bat das Einkommen der im Einzelhandel beschäftigten Gehilfenschaft stark in Mitleidenschaft gezogen, weshalb auch die Gewerbeaufsichtsbehörden nicht» unversucht lassen sollten, um Widerständen aus Gremialkreisen gegen kollektive Regelungen zu begegnen, denn nur durch ausreichende Entlohnung kann die Steigerung der Kaufkraft und damit die unerläßliche Hebung des Jnlandskonsums gewährleistet werden. Ihre Aufgabe hätte auch darin zu bestehen, daß sie auf Anerkennung der von den Angestelltengewerkschaften gebildeten Gehilfenvereinigungen bei den Gremialvorständen drängen, weil es sich bei denselben gemäß 8 130c der Gewerbeordnung um Verbände höherer Ordnung der Gehilfenschaft handelt, die zur kollektiven Regelung der Gehalts« und Anstellungsbedingungen der Handelsanzestellten befugt erscheinen. Solange die Kaufmannschaft nicht mit den zuständigen Interessenvertretungen der Gehilfenschaft arbeitet, ja sogar deren Anerkennung versagt, wird kein« Besserung der Lage in Handel und^edition zu bewerkstelligen sein. Das Recht des Volkes Zu den Dingen, welche die SdP-Presse in Harnisch bringen, gehört es auch, daß die Mitglieder der Konsumvereine das Recht haben, ihre Spargroschen den eigenen Genossenschaften zur Verwaltung anzuvertrauen. Warum verlangt die Zeitung Konrad Henleins, daß die Konsumgenossenschaften nicht das Recht haben sollen, die Spargelder ihrer Mitglieder zu verwalten? Daß dadurch die„sozialen Spannungen erhöht" werden, wie die„Rundschau" schlecht, ist zu unsinnig, als daß wir uns damit auSeinmidersetzen müßten. Es gibt kein Mitglied einer Konsumgenossenschaft deS Verbandes deutscher WirtschaftSgenoffenschaf- ten, das bis zum heutigen Tage auch nur um eine einzige Krone Spareinlagen in einer Konsumgenossenschaft gekommen wäre. Müßte diese Tatsache der SdP-Preff^,»nicht al» ein glänzendes Zeugnis dafür dienen, daß die Spargelder der Konsumvereinsmitglieder— und das sind doch zum größten Teile arme Menschen— von den Konsumvereinen tatsächlich auf das gewissenhafteste verwaltet werden? Warum, so fragen wir, die SdP-Zeitungen, soll die Sparkrast der arbeitenden Menschen, sollen die„sauer ersparten Ar» b e i te rkrönen", wie die„Rundschau" selbst schreibt, ausgerechnet in die tausend Kanäle der Winnes, sondern auch nach der Höhe des investier« ten Kapitals»besteuert werden. Da der-neue Wehrwirtschaftsplan auch für den Friedensstand bestimmt ist, wird seine Wirkung auf die Konjunktur der USA nicht, ausbleiben. »-.......„., Roosevelts Kongreßbotschaft Roosevelt hat an den Kongreß eine Botschaft gerichtet, in welcher eS heißt: Der gegenwärtige Rückgang der industriellen Erzeugung hat keine ernstlichen Ausmaße angenommen. Da er aber daS Volkseinkommen vermindert.. verursacht er Sorgen. Der Präsident kam bei zahlreichen Unterredungen zu der Ueberzeugung, daß in den Vereinigten^ Staaten hinreichend Besonnenheit vorherrscht, um diesen Rückgang nicht nur zum Stillstand zu bringen, sondern auch eine dauernde Besserung vorzobereiten. Die unmittelbare Aufgabe besteht darin, die Verwendung, des Privatkapitals zu steigern, um Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Die privaten Unternehmungen können unter Mitarbeit der Regierung«in wirklich hohes Niveau der industriellen Tätigkeit erreichen. Wenn aber die. privaten Unternehmungen auf dies« Mitarbeit nicht eingehen, wird die Regierung n a ch ibremErmessen handeln müssen. Roosevelt verspricht Vorschläge, welche die Teilnahme des privaten Kapitals an der geplanten großzügigen Baubewegung erleichtern würden. Insbesondere müsse eine Erleichterung der Steuerlast der kleinen Geschäftsleute in Erwägung gezogen werden. Auf diese Weise werde vielleicht leichter eine wirksamere Methode gefunden werden, um die monopolisierende Praxis, die trotz der Antitrustgesetzgebung bestehen, aus der Welt zu schaffen. kapitalistischen Finanzwirtschaft geleitet werden? An diesem Beispiele erweist sich deutlich, in wessen Interesse die SdP ihren Kampf gegen di« Konsumvereine führt; im Interesse der besitzlosen, arbeitenden Massen des deutschen Volkes jedenfalls nicht! Die Konsumvereine sind den SdP-Leuten und ihren Hintermännern cwer auch deswegen ein Dorn im Auge, weil sie angeblich„heute durch die Errichtung von eigenen Großerzeugungsbetrieben em« kapitalistische Wirtschaft angenommen haben". Was soll denn diese Phrase bedeuten und wie müßten denn die Konsumvereine beschaffen sein, damit sie der SdP gefallen? Wenn also die Kon« sumgenoffenschasten keine eigenen Großerzeugungsbetriebe hätten, wenn die Konsumvereinsmitglieder ihre vielen kleinen Konsumvereine nicht zu großen leistungsfähigen Genossenschaften vereinigt hätten, wenn da und dort einige Dutzend armer Schlucker in einer engen, dunklen Gasse oder einest armseligen unbedeutenden Läden'als Konsumverein'führen würden, dann würden sich di« SdP und alle änderen Konsumvereinsgegner die genossenschaftliche Selbsthilfe der armen Leute noch gefallen lassen! Aber da diese armen Leute, die Arbeiter und Angestellten, die. Häusler und Kleinbauern in zahlreichen Dorf- und Stadtgemeinden ihre schwachen wirtschaftlichen Einzelkräfte durch den genossenschaftlichen Zusammenschluß im eigenen Interesse und nicht im Interesse des.Profitkapitales zu einer starken, leistungsfähigen Wirtschaftsorganisation vereinigt haben, gefallen ihnen diese Konsumgenossenschaften nicht. Auch in diesem Zusammenhänge erweist sich deutlich, wessen Interessen die SdP vertritt. Schwardabetrieb in Rosenthal soll seiner gänzlichen Stillegung entgehen Als am 2. Oktober bei der Versteigerung die Liegenschaft samt den Maschinen des Schwarda-Betriebs in Rosenthal bei Graupen an die Textil-Spoleönost in Prag überging, hatte die Arbeiterschaft die Hoffnung, daß der Betrieb im jetzigen Umfang weitergeführt und keine Stilllegung eintreten wird. Nach einigen Wochen erfuhr man aber, daß die Textil-Spoleönost die ! Kottonmaschinen an die Firma I. Kunert und Söhne in Warnsdorf verkaufte und die Existenz von 170 Arbeitern in Frage gestellt ist. Dazu kam noch, daß die Textil-Spoleänost als die jetzige Besitzerin der Liegenschaft, den Pächter Pesl kündigte, der den Betrieb am 26. Jänner zu übergeben habe. Diese Berichte riefen unter der Arbeiterschaft mit Recht eine Bestürzung hervor und man frug sich, was mit ihnen geschehen wird.- Die Vertreter der Union der Textilarbeiter und der Betriebsausschuß haben sofort alle notwendigen Schritte unternommen, um sich vor allem Klarheit darüber zu verschaffen, ob die Maschinen tatsächlich in die Hände der Firma Kunert Lbergegangen sind und ein Abtransport geplant sei. Es fand aus diesem Grunde am Freitag beim Teplitzer Gewerbeinspektorat, unter Vorsitz des Rates Zugriegl, eine Verhandlung im Beisein des Vertreters der Union der Textilarbeiter Preis, de» Betriebsausschusses, deS jetzigen Pächters Herrn Pesl und des Vertreters der Firma Kunert, Jng. Löffler, statt. Das Ergebnis dieser Verhandlung war, daß Jng. Löffler als Vertreter der Firma Kunert in Warnsdorf erklärte, daß der Ankauf der Maschinen erfolgt ist, aber von einem Abtransport nach Warnsdorf vorläufig keine Rede sei. Die Produktion würde aufrecht bleiben, nur die Ausrüstung der Strumpfware würde in Warnsdorf besorgt' werden. Das hätte zur Folge, daß 100 KAFFEE-UND TEE-IMPORT Wir verkaufen Mischungen in allen Geschmacksrichtungen und Preislagen Arbeiter, zumeist Männer, weiter in Rosenthal beschäftigt und 60 bis 70 Arbeiterinnen entlassen werden würden. Der Vertreter der Firma Kunert übernahm die Wünsche der Vertreter der Arbeiterschaft und erklärte, in einigen Tagen die Aeußerungen der Firma schriftlich zu übermitteln. DaS Bestreben der Union der Textilarbeiter ist die Sicherung der Existenz dieser 170 derzeit beschäftigten Arbeiter, soweit dies nur möglich ist. Für die Wiedereroberung der Demokratie In Estland Akttonseinheit der estländlschen Sozialisten AuS Estland wird der„I. I." geschrieben: Die Beseitigung der Demokratie in Estland im Jahre 1034 wurde zweifellos durch die Tatsache gefördert» daß sich die sozialistische Arbeiterschaft gespalten hatte. Zuerst in zwei, später in drei Gruppen zerfallend, konnte die soziali- stische Bewegung keine Stütze für die Demokratie bilden. Auch die gewerkschaftliche Bewegung wurde durch die Spaltung unter den Sozialisten „neutralisiert" und geschwächt. Nunmehr sind durch bie harten Lehren der letzten Jahre zwei der sozialistischen Fraktionen, die alte Sozialdemokratische Arbeiterpartei— die vor der formellen Auflösung aller Parteien durch die Regierung der Zentralinstanzen. der Bewegung in Händen hielt— und die„Marxistische Arbeitervereinigung" zur Erkenntnis gelangt, daß die Zersplitterung der Kräfte der Arbeiterklasse nicht weiter andauern dürfe. Im September 1936 begannen Verhandlungen, im Mai 1937 wurde ein vorläufiger Uebereinkommen abgeschlossen und im September 1937 das end- -gültige^churistloWMn.Üher, die Aktionseinheit angenommen.■ Aus diesem Uebereinkommen geht hervor, daß beide Teile ihren Standpunkt einer gewissen Revision Unterzogen haben. Die alten Sozialdemokraten sprechen deutlich aus, daß es keine Möglichkeit für die Arbeiterklasse gibt, die gegenwärtige Regierung zu unterstützen, die sich im Laufe der Ereignisse in eine autoritäre Regierung verwandelt hat. Die„Marxisten" ihrerseits erklären bie- Wiedereroberung der Demokratie als das nächste und ausschließliche Ziel der vereinigten sozialistischen Arbeiterklasse. Bisher ist es leider nicht gelungen, die dritte, aus der ehemaligen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung hervorgegangene Grupp« um I o h a n- s o n, die sich auf einzelne Gewerkschaften stützt, für die Zusammenarbeit zu gewinnen. Die beiden nunmehr zusammengeschlossenen Gruppen besitzen jedoch in sämtlichen Arbeiterorganisationen di« Mehrheit und hoffen, daß ihr Bündnis zur Grundlage einer machwollen Wiederbelebung der demokratischen Entwicklung in Estland werden wird. Die Diktatur In Brasilien Verschleppung von Gewerkschaftern nach Italien? Rio de Janeiro. Zahlreiche Gewerkschaftsbüros wurden polizeilich geschloffen, weil eine Reihe von Gewerkschaften einen Proteststreik gegen die Deportation von Gewerkschaftsführern ausgerufen hat. Die Verhafteten find an Bord eines italienischen Dampfers gebracht worden und es besteht die Gefahr, daß sie nach Italien verschleppt werden. Die neuen Herren Brasiliens bemühen sich, das Ausland davon zu überzeugen, daß sie keine faschistische Diktatur einzurichten beabsichtigen. Der Grund dieser Bemühungen dürft» wohl am klarsten aus der Erklärung des Außenministers hervorgehen, daß die„neue Orientierung" des Landes die Mitarbeit des Auslandskapitals nicht ausschalten solle. Auch der Botschafter in Washington, an das solche Erklärungen in erster Reihe gerichtet sind, teilt« dem Staatsdepartement mit. daß Brasilien keine Annäherung, an Deutschland oder Italien beabsichtige. Im Lande selbst gehen jedoch die Diktaturmaßnahmen weiter und tragen vollkommen den Charakter von Einrichtungen faschistischer Staaten. Jerusalem.(Reuter.) Auf emer gemeinsamen «Sitzung der arabischen und jüdischen Gemeinderatsmitglieder wurde Dienstag einstimmig eine Resolution genehmigt, welche der Bevölkerung ans Herz leat, das Blutvergießen unter den Bürgern und die Schädigung des Wirtichaitsl-bens-u beenden. Ceite 8 Prager Zeitung Kindergeschenke aus Mexiko * Die Jugendorganisationen des Roten Kreuzes in der Tschechoslowakei pflegen seit langem den Austausch von Briefen und Geschenken mit den Jugend- Rotkreuz- Organisationen anderer Länder. Mit 52 Staaten in allen Erdteilen stehen sie auf diese Weise in Verkehr. In den Jahren 1922 bis 1937 find 7652 Sendungen solcher Art verschickt worden, Briefe, Ansichtsalben, fleine charakteristische heimische Erzeugnisse, Handarbeiten der Kinder und ähnliche Dinge. Als im Jahre 1936 in Merifo eine neue Mittelschule eröffnet und zu Ehren des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei„ T. G. Masaryk- Schule" benannt wurde, haben 14 Schulen in allen Teilen der Republik durch Vermittlung des Roten Kreuzes Briefe und Geschenke auch nach Meriko gesandt. Die Kinder dieser Schule in Meriko haben auf die gleiche Weise gedankt und wiederum Freundschaftsgaben aller Art an die Kinder dieser 14 Schulen geschickt. Diese Geschenke sind jeẞt in der Städtischen Bibliothek am Marienplatz ausgestellt. Keramische Erzeugnisse, unter denen winzige Puppengeschirre auffallend häufig sind, volksfünftlerische Flechtarbeiten aus Bast und feinem Stroh in bunten aztekischen und altindianischen Mustern, fleine Teppichwebereien, Schnitzereien aus Nüssen, Früchten und Baumrinde, Schmucksachen aus Muscheln, Federarbeiten aus Kolibrifedern, Spielzeug aller Art vereinigen sich neben vielem anderen zu einer kleinen Schau merikanischer Volkskunst. Auch eine Auswahl merikanischer Mineralien ist dabei, und eine kleine Sammlung merikanischer Schmetters Tinge und Insekten, denen allerdings die weite Reise fehr schlecht bekommen ist. Auch eine Kollektion Schallplatten mit merikanischen Liedern und eine Auswahl merikanischer Briefmarken sind mitgeschickt worden. Ein Wandteppich, nach merikanischem Geschmack in arellen Papageienfarben gewebt, ist für Frau Dr. Alice Masaryk persönlich bestimmt; ein riefiger buntbemalter Schmuckteller war dem Präfidenten Masaryk zugedacht. Nach Beendigung der Ausstellung, die bis zum 17. November zugänglich bleibt, werden die Sachen den Schulen wieder zugestellt, denen sie von Meriko aus zugegangen find. Dort werden sich die Geschenke aus vielerlei Ländern mit der Zeit zu kleinen Schulmuseen ansammeln, die dem Anschauungsunterricht dienen können und außerdem für den guten Gedanten des freundschaftlichen Verkehrs der Kinder von Land zu Land, von Volk zu Volk werben. Falsche Kubaner. Wie unlängst berichtet, wurden vor dem Prager Bezirksgericht zwei Leute zu hohen Geldstrafen verurteilt, die sich als Kubaner ausgaben und einen hiesigen Bantier im Hasard spiel um das ansehnliche Sümmchen von 350.000 Kč erleichterten. Die Polizei behielt diese Herren, die sich Antonio Mollino und Mariano Ferran nannten und sich als reiche Plantagenbesitzer ausgaben, einstweilen in Verwahrungshaft und setzte sich mit den wichtigsten europäischen Kriminalzentralen in Berbindung, um die Identität der erotischen Hasardspieler festzustellen. Dienstag vormittags legten diese nun ein unerwartetes Geständnis ab. Der angebliche Mariano Ferran heißt nach diesem Geständnis mit seinem richtigen Namen Manuel Ferrer und stammt aus Barcelona, wo er 1893 geboren worden sei. Sein Spießgefelle, der bermeintliche Antonio Mollino hat nach Kuba noch weiter, denn er ist nach seiner freiwilligen Aussage rumänischer Staatsangehöriger und heißt eigentlich Alerander Marsovici. Mit diesem Geständnis ist die Sache der beiden verdächtigen Fremdlinge keineswegs erledigt. Da die Echtheit der Pässe, wie auch der Photographien und amtlichen Stampiglien gut beglaubigt ist, erscheint immerhin fraglich, ob die sem Geständnis unbedingter Glaube beizumessen ist und ob die Angehaltenen nicht andere Gründe hatten, durch ein unwahres Geständnis möglichst bald dem Gewahrsam der Polizei zu entrinnen, zumal da sie sehr hohe Geldbeträge bei sich führten. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Die Jubiläumsausstellung der USSR wird Mittwoch, den 17. November, um 18 Uhr eröffnet: ,, Sozialdemokrat bember amtieren, so daß nunmehr das gesamte Erefutionsgericht im Gebäude der Arbeiterunfallversicherung in Br..g II, Na Poříčí Nr. 7, untergebracht ist. Vom Zuge getötet. In der Nacht auf gestern fand der Bahnwärter auf der Eisenbahnstrecke in Sloubětin die Leiche eines unbekannten jungen Mannes, der vom Rug getötet worden war. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht; der Unbekannte konnte als der 25jährige Arbeiter Jan Host o vec aus Hloubětin sichergestellt werden. Gerichtssaal Unrecht Gut gedeihet... Zwei Blutsauger und der ohnmächtige Strafparagraph Prag.-rb Vor verschiedenen Straffenaten des Prager Kreisgerichtes wurden gestern zwei Prozesse verhandelt, die ein gemeinsames Motiv auf weisen. In beiden Fällen standen Leute vor den Richtern, die durch List oder Erpressung arme Leute zu Schaden gebracht haben und denen gegenüber sich die Maschen des Geldsaces als allzuweit erwiesen. 1. Vor dem Straffenat des GR. Dr. Červinka stand der 63jährige Grsthausbejizer Josef Jeřá= bef aus der Ortsschaft Bernošet. Dieser ehrwür dige Greis lebt, wie die Anklage andeutet, von der stets neuen Verpachtung seines Gasthauses, u. zw. dergestalt, daß er durch allerlei Vorspiegelungen Pächter sucht, die dann zu ihrem Leidwesen erfahren müssen, daß die vermeintliche Goldgrube" in Wahrheit ein recht schlecht gehendes Unternehmen ist. Zuletzt prellte dieser Mann das Ehepaar Vasil und Anna Kobošic, denen er vorschwindelte, daß der jährliche Bierausschant 260 Hektoliter betrage, 60 Mittagessen verabreiche und durch das ganze daß er in der Sommersaison täglich annähernd Jahr mindestens 30 Portionen Frühstückssuppe. Das Ehepaar investierte tatsächlich seine Spargroschen in das Geschäft, um dann die schmerzliche Wahrnehmung machen zu müssen, daß der Bierausschant nur ein Drittel des von dem Verpächter angegebenen Quantums ausmache, daß in den besten Zeiten nur etwa fünf bis sechs Mittagessen mit einem Wort, daß der zu verabreichen waren umfaß ein ganz fümmerlicher ist und feineswegs zur Bestreitung der Regie ausreicht. Dieser Fall soll nicht der erste sein und außerdem soll der Angeklagte allerlei Machinationen mit erlegten Kautionen getrieben haben. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch, denn es zeigte sich, daß der durchtriebene Angeklagte in dem Vertrag die Klausel aufgenommen hatte, daß er feine Ga rantie für seine Angaber übernehme und es Sache der Tüchtigkeit des Pächters sein werde, diesen Umsatz zu erzielen. Diesen Passus übersahen allerdings die Eheleute, als sie den Vertrag unter zeichneten. Der Angeklagte aber erschien dadurch wenigstens strafrechtlich entlastet. 2. Zu welchen Der 37jährige Josef Somohl, der sich vor dem Straffenat des GR. Dr. Hruška zu verantworten hatte, war angeklagt des Vergehens nach dem Wucher und nach dem Terrorgese b. Dieser Angeklagte gab sich für einen pensionierten Bollbeamten aus und machte sich an Trafikanten und Trafikantinnen heran, denen er, in Kenntnis ihrer elenden materiellen Lage, Darlehen gegen Sicherstellung auf ihre Ware anbot. Bedingungen, davon legte die gestrige Verhandlung flares Zeugnis ab, die auf eine Anzeige der Trafifantin Rosa S. zurückging, von welcher der Blutsauger für ein Darlehen von fünfhundert Kč eine wöchentliche Verzinsung von 30 Kč forderte, was einen mehr als 300 prozentigen Dar lehenszins bedeutet! Als die Schuldnerin mit diesen Wucherzinsen in Rückstand blieb, setzte er ihr mit allerlei Drohungen zu, stellte ihr die Beschlagnahme ihres Lagers und die Vernichtung ihrer Eristenz in Aussicht, bis die Gequälte Das Sammeln von Briefmarken- Blattenzeichen ist seit längerer Zeit eine verbreitete Lieb- schließlich doch die Strafanzeige erstattete. Das Gehaberei geworden, für die allerdings ein verläß- richt sprach den Angeklagten schließlich von der Anlicher Spezialkatalog unentbehrlich ist. Diesem Be- flage nach dem Terrorgesez frei und verurteilte dürfnis dient..Editeins Katalog der ihn bloß wegen Uebertretung des Wuchergesetzes zu. drei Wochen Arrest bedingt. Plattenzeichen und Fest a bit em= pelungen", der soeben in III. Auflage, 117 Das Programm der letzten SchwurgerichtsSeiten start, zum Preise von 10 Kč erschienen ist. Er verzeichnet genau unter Angabe der Preisbewer- periode des Jahres 1937, die am 29. November detungen für einzelne Eckstücke, Viererblocks und Zeh- ginnt, umfaßt nur fünf Fälle, in denen keiner den sogenannten ,, großer." Prozessen zugezählt werden nerstreifen alle Plattenzeichen der tschechoslowakischen Briefmarken von den ersten Hradschinmarken kann. Nebst drei Sittlichkeitsverbrechen, deren Veran bis zu den letzten Ausgaben dieses Jahres, den handlung natürlich geheim sein wird, kommt nur Masaryk- Trauermarken, den B. J. T.- Marten und noch eine Anklage wegen Mißbrauches der Amt3den neuen Zeitungsmarken. Viele Illustrationen er- gewalt und wegen des Verbrechens des Totschlages läutern das bei den frühen Ausgaben ziemlich kom- zur Verhandlung. Eine nachträgliche Erweiterung plizierte Sammelgebiet. Der Katalog verzeichnet dieses Verhandlungsprogramms ist allerdings nicht außerdem alle bisher angewendeten Gelegenheits- ausgeschlossen und sogar wahrscheinlich. Národni 36. Abstempelungen von den ersten Feststempeln des Jahres 1919 an bis zu den Sonderstempeln anläßTich der Briefmarken- Ausstellung in Bratislava im Oftober 1937. Das sind bis jest 553 Nummern Kunst und Wissen ohne die jeweiligen Abarten nach Bostämtern und Aberts komische Oper ,, Der König von Yvetot" Stempelbuchstaben, deren es allein bei den Masarhf- Trauerstempeln 39, bei den Stempeln der geht im Deutschen Theater am 5. Dezember zum Briefmarker- Ausstellung in Bratislava 7 gibt. Wer ersten Male in Szene. Plattenzeichen und Gelegenheitsstempel sammelt, wird diesen zweisprachig deutsch und tschechisch geeh. druckten Katalog zu Rate ziehen müssen. Vom Asphalt vergiftet. Beim Asphaltieren einer Straßenstrecke in Holleschowiz stürzte gestern der 20jährige Arbeiter Jan Tacpiref, von den dem sphalt entsteigenden Dämpfen betäubt, bewußtlos aufammen. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Belnář. D. Festvor Sams 2, neuen und freier Verkauf. Samstag 8: Parkstraße 13. Sonntag 3: Die Reise, 8: George und Margaret. Vorträge Mittwoch, 17. November 1937. Nr. 270 nslate SUNDSTRAND Klub ,, Die Tat" Abg. Schütz spricht am Freitag, den 19. d. M. um 20 Uhr im großen Handwerkervereinssaale( Smečky 22) über Junge Menschen neue Wege". Eintritt gegen Einladung, die bei Dr. Lemberger, Deutsches Haus, Zimmer 16, Telephon 23461, reklamiert werden kann. Der Film Im siebenten Himmel Dieser Film aus Hollywood ist sozusagen ein Kitsch auf den ersten Blick, die Geschichte eines Pariser Straßenmädchens und eines Straßenkehrers, der die Verlassene zu sich nimmt, um sie vor der Polizei zu retten. und damit erst wider Willen, dann aber um so seliger die große Liebe heraufbeschwört, deren Zauber der Weltkrieg jäh unterbricht, aus dem der Straßenkehrer, da der Rührung noch nicht genug war, erblindet zurückkehrt. Aber es gibt Kitsch. der an Dichtung streift, wie Molnars Liliom" zum Beispiel, an den dieser Film nicht selten erinnert. Auch hier wird das einfach Romantische und das findlich Süße oft poetisch, in den Szenen des Anfanges, als aus dem fast erstaunten Vertrauen eines demütigen Mädchens und der verborgenen Herzlichkeit eines spröden Jünglings Liebe zu werden beginnt, und wenn gegen Ende schwingt ein feiner Humor, die Absicht, Rührung zu erzeugen, auch immer deutlicher wird, so bleibt der Film doch oberhalb des gewohnten sentimentalen Kitsches Zu diesem Ergebnis trägt nicht nur die malerische Regie Henrh Kings das ihrige bei, sondern vor allem die beiden Hauptdarsteller: der im Rauhen und Barten feelenvoll wirkende James Stuart und Simone Simon, deren seltsame, noch kaum gelöste, aber schon bewußt betonte Kindlichkeit einen besonderen Reiz ―eisausübt. " RHEUMATISMUS ist heilbar" Lesen Sie hierüber die Broschüre eines praktischen Arztes. Kostenlos durch Sozialdemokrat gegen Einsendung von Kč 3- in Marken. 4436-1 Sport- Spiel- Körperpflege Noch keine Entscheidung im westböhmischen Arbeiterfußball Die Entscheidung in der Herbstmeisterschaft ist infolge der Niederlage Unterreichenaus in Drahowit ausgeblieben. An die Tabellenspize hat sich einſt weilen wieder FF Falkenau gefeßt, welcher das vorletzte Spiel, und zwar gegen Graslib, mit Glück gewann. Die Falkenauer haben damit die heurige Saison beschlossen, denn das letzte Herbstspiel( mit Neufatt!) fommt erst im Jänner 1938 zur Austra gung. Ende November trägt Unterreichenau das zehnte Match aus. Stärkeres Interesse findet wieder Altrohlau, das erst acht Spiele absolviert hat. Der sonntägige hohe Sieg über Aich brachte dieser Mannschaft ein gutes Torverhältnis, welches bei eventueller Bunttegleichheit mit Falkenau und UnterWochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch halb 8: Frauen in New York, B 1. Donnerstag halb 8: Hansens Königreich, E 2. Freitag halb 8: Der Evangelimann, stellung in Anwesenheit Wilhelm Kienzls. tag halb 8: Madame Pompadour, Sonntag halb 3: Entführung aus dem ftudiert. Serail, halb 8: Frauen in New York, A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Bom Bezirkseyekutivgericht in Prag: Die Real- Mittwoch, abends 8 Uhr: Georg und Margaret". Donnerstag abteilungen XIV, XV und XVI des Bezirks- Bantbeamie 2 und freier Verkauf. Freitag 8: Hilde und das erefutibgerichtes in Prag wurden in das Gebäude 8 Uhr: Das Glück. Na Pořičí Nr. 7 übergesiedelt, wo sie ab 16. No- Lotteriespiel, Theatergemeinde des Kulturverbandes Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder ber Lezug durch die Voit monatlich Kč 16. 10- Tasten- Additionsmaschine vereinfacht jedes Rechenproblem. Arbeitet mit verblüffender Schnelligkeit und dabei richtig und ohne Anstrengung. Vollendetes amer. Erzeugnis, das Ihnen auf Jahrzehnte verläßliche Dienste leisten wird. L GIBIAN Prag II., Štěpánská 32 reichenau noch eine Rolle spielen wird. Die in letzter Reit verbesserte Spielstärke von Drahowitz, Maierhöfen und Neudet kommt auch in der Tabelle zum Ausdruck. Fischern dagegen scheint nicht mehr in die erste Tabellenhälfte zu gelangen, obwohl eine gute Qualität vorhanden ist. Die Ergebnisse: FFK Falkenau gegen ASV Grasliz 4: 2, Rote Elf Chodau gegen ASV Maierhöfen 0: 1, Atus Drahowitz gegen Atus Unterreichenau 4: 2, Atus Fischern gegen ASV Neuſattl 3: 1, ASV Altrohlau gegen Atus Aich 6: 1, ASV Neudet gegen Rapid Karlsbad 7: 1. Stand der Tabelle IFK Falkenau. Atus Unterreichenau. ASV Altrohlau Atus Drahowitz . 10 7 1 2 30:20 15 1 2 32:16 13 9 85 1 2 29:17 11 10 5 1 4 28:19 11 B ASV Neudek B 9 5 0 4 25:19 10 ASV Maierhöfen 9 1 4 24:15 9 Atus Fischern 9 3 83 24 15:16 1 4 19:21 8 7 Rote Elf Chodau ASV Graslizz Atus Aich Rapid Karlsbad Atus Neuſattl. N W 8888883 64832221 82 24 25:29 9 0 7 12:33 0 6 9:88 0 2 Vereinsnachrichten 3:11 6442 Sozialistische Jugend. Mittwoch, den 17. November, wichtige Kreisleitungssigung der S3, 8 Uhr, Sekretariat der DSAP, Smečky. Freie Vereinigung sozialistischer Akademikes. Mittwoch, den 17. November, 20 Uhr, spricht Ges noffe Banka über Bauerntum und Sozialismus". Ort: Heim der FVSA, Prag II, Spálena 46/11. Gäste willkommen. RW. Prag. Donnerstag, den 18. November, Vortrag des Genossen Ing. Doberer im ParteiDer Vortrag des Herrn heim. Beginn 20 Uhr. Oberst Moravec ist wegen Verhinderung des Referenten verschoben. ,, Studentenbund." Am Donnerstag, den 18. November, 19 Uhr, Smečky 22, Angestelltenheim, Vortrag Sekretär Müller: Student und Beruf". Gäste willkommen. " An unsere Abonnenten und Genossen! Wir werden wie im Vorjahre die Neujahrs- Enthebungen in unserem Blatt veröffentlichen, wodurch den Genossen die mit den Neujahrsgratulationen verbundenen erheblichen Unkosten erspart bleiben. Die Enthebung kostet Kč 10- und wird nach Orten geordnet, lediglich Namen und Beruf enthalten.. Wir ersuchen alle Abonnenten, die tieferstehende Enthebungsbestellung freundlichst auszufüllen und umgehend an uns einzusenden. Die Bestellungen müssen bis spätestens 10. Dezember bei uns einlangen. Die Verwaltung. Leserlich ausfüllen! Neujahrs- Enthebung für Sozialdemokrat" Ich bestelle hiemit unter dem Namen:.. Beruf:.. Ort: eine Neujahrsenthebung zum Betrage von Kč 10.- und sende Ihnen diesen Betrag per Erlagschein ein. vierteljährlich Kč 48-, halbjährig Kč 96 Unterschrift: ganzjährig K 192 Inserate werden laut Die Zeitungsfranka ur wurde von der Post- und Teles Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken araphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt.( Kontrollpoftamt Praha 25.- Druderei Orbis". Druck. Verlags- und Zeitungs-.- G. Prag. 5 a It it De 5 fo au for De tu Sto un bre ber na