Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i« der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag 17. Jahrgang Donnerstag, 25. November 1937 Aus dem Inhalt: MSInik wird ein deutscher Sender Der BdL und die Koalition Kabinett Janson gebildet Prager Kohlenstreik geht weiter Nr. 277 inttcheidung nur mit Frankreich Chautemps und Delbos nach London eingeladen Lo«don.Cha«temPs und Delbos werden am Montag nach London kommen, um mit der britischen Regierung die nach der Deutsch» land- Reise Halifax sich ergebenden Fragen zu erörtern. Diesem Entschluß ging eine durch den britischen Botschafter in Paris Phipps übermittelte Einladung der britischen Negierung an den französische« Ministerpräsidenten und an den Außenminister voraus, die ange» nommen wurde. Prag. Zwar hat sich die englische Regierung eifrig bemüht, das Ergebnis der Halifax-Rede geheimzuhalten, doch sickerten wichtige Andeutungen durch, die Wohl den Kern der Sache treffen und zum Abtasten der öffentlichen Meinung bestimmt sein dürften. Diese öffentliche Meinung ist, wie nicht anders zu erwarten war, fast geschlossen gegen die sehr weitgespannten Ansprüche Hitlers, und sie wird, da fie mit der öffentlichen Frankreichs harmoniert, die Staatsmänner der beiden Länder in ihren Entscheidungen bestimmen. In keinem Lande der Welt spielt die öffentliche Meinung eine solche Rolle wie in England Und wenn auch die bis jetzt vorliegenden Erklä». rungen der leitenden Staatsmänner die Richtung der künftigen britischen Außenpolitik noch nicht erkennen lassen, erscheint diese durch die notwendige Rücksichtnahme auf die Stimmung des Volkes, und nicht zuletzt durch die Rücksichtnahme auf Frankreich als schon festgelegt. Es ist kaum damit zu rechnen, daß Hitlers Mitteleuropa- Pläne— und diese stehen offensichtlich im Vordergrund des Interesses— akzeptiert werden, eS sei denn, daß England in selbstmörderischer Weise bereit wäre, die Freundschaft Frankreichs mir England noch unentschlossen? London.(Tsch. P.-B.) Die erste Auseinandersetzung zwischen Anhängern und Geg- trrrn einer britisch-deutschen Verständigung, koste sie was sie wolle, schloß nach dem bisherigen Eindruck in London mit dem Siege der Gegner dieser Politik. Der Besuch der französischen Staatsmänner in England am Montag und Dienstag kommender Woche und die Besprechungen, die im Laufe des Dienstag und Mittwoch sowohl in britischen Regierungskreisen als auch mit bett ausländischen Diplomaten stattgesunden haben, sind bis zu einem gewissen Grade ein Beweis für diese Auffassung, die auch durch die zurückhaltenden Erklärungen Chamberlains im Parlament nicht widerlegt werden. Dies darf «brr nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Entscheidung Großbritanniens, welche politische Richtung es künftig für seine Außenpolitik wählen wird, nochnichtendgültiggefallenist. In London ist zweierlei klar: 1. daß eine große und einflußreiche Strömung für eine britisch-deutsche Verständigung und das britische Desinteressement an Mitteleuropa eintritt, wo- Loudon.(Reuter.) Ministerpräsident Cha m- b e r l a i n erklärte im Unterhause in Beantwortung der Anfrage des oppositionellen Abgeordneten der Labour Party T h u r t l e neuerlich, baß der Besuch des Lord Halifax in Deutschland nur privaten und inoffiziellen Charakter trug. Die Unterredungen HalifaxS mit Hitler, Göring, Goebbels und anderen deutschen Staatsmännern waren vertraulicher Natur.. Frankreich noch nicht verständigt Auf die Anfrage des Labour-Abgeordneten Henderson, ob irgendwelche Versprechungen gewacht: urden und ob die französische Regierung »on dem Geschehenen voll informiert worden sei, antwortete Chamberlain, daß keine Verpflichtungen Lbrrnom- wen wurden und daß die französische Regierung naturgemäß noch n i ch t von den Ergebnissen brr Besprechungen verständigt worden fei. Dem Abgeordneten A t t l e e erwidernd, er- klärte Chamberlain,daß keinAbkomme« der mehr als fragwürdigen des Herrn Hitler einzutauschen. # Die Mitteleuropa-Pläne Hitlers bedeuten das Streben nach der Aufrichtung einer deutschen Hegemonie in Mitteleuropa: Oesterreich und die Tschechoslowakei würden in das Einflußgebiet Deutschlands fallen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien würden folgen müssen. Der deutsche Korridor nach Indien wäre zum guten Teile fertig. Kann England eine solche Entwicklung wünschen?> Hitler scheint durch die Forderung nach der Anerkennung der abessinischen Eroberung durch Italien seine Nibelungentteue zu Mussolini und die Festigkeit der„Achse" demonstrieren zu wollen, jener Achse, die Mussolini zu verkaufen bereit ist. Hitler wird durch diose Forderung nicht die Freundschaft Englands gewonnen haben. Es ist anzunehmen, daß unter diesen Umständen die Engländer, die Hitler von Mussolini loszueisen versuchten, nunmehr versuchen werden, Mussolini von Hitler loszueisen. Deutschland hätte zwar die Verständigung mit England noch' viel dringender. notwendig, aber Mussolini dürste der billigere Mann sein. Der geschicktere ist er auf jeden Fall. Frankreich sagt nein! London.(Eigenbericht.) Die französische Regierung läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß die deutschen Forderungen mit einem kategorischen Nein beantwortet werden müssen. Sie ist sich dessen gewiß, daß sie dabei nicht nur die öffentliche Meinung Frankreichs hinter sich hat, sondern auch einen großen Teil der öffentlichen Meinung Englands. Paris. fTsch. P.-B.) In den CouloirS der Kammer und des Senats herrschte Mittwoch sehr reges Leben und es wurde allgemein über di« Einladung Chautemps' und Delbos' nach London debattiert. Die französischen polittschen Persönlichkeiten aller Schattierungen bezeichnen die Forderungen Deutschlands als völlig unannehmbar. Erfindungen oder Enthüllungen? Der„Manchester Guardian" brachte einen Artikel, der sich mit der Halifax-Reise beschäftigt. Chamberlain, der sich gegen die Unverantwortlichkeit und Unrichtigkeit gewisser Presse- «ombtnatibne« verwahrte, hatte dabei ostenbar diesen Artttel des„Manchester Guardian" im Auge. Rach dieser Zeitung lauten die deutschen Forderungen: 1. Deutschland ist bereit, in den Völkerbund zurückzukehren unter der Bedingung einer Revision des Bölkerbundvertrages, jede Verbindung zwischen Friedensverträgen und Bölkerbundpakt müßte ausgemerzt werden, und die Sanktionsbestimmungen müßten fallen. Die Bestimmung über die Kriegsschuld müßte ebenfalls ausgemerzt werden. Eine Revision der Minderheitenverträge müsse stattfinden. England müsse die italienische Souveränität über Abessinien anerkennest. 2. Grobritannien stimmt einer Reorganisation der Tschechoslowakei nach dem Schweizer Kantonalsystem zu, wobei für das Sudetendeutschtum ein Kanton errichtet werden soll. 3. Großbritannien erklärt, Oesterreich weder diplomatisch, noch militärisch, noch polittfch zu unterstützen. 4. Deutschland wird während der nächsten sechs Jahre keine kolonialpolittschen Forderungen erheben, wenn Großbritannien erklärt, Deutschland behilflich zu sein, die ehemaligen deutschen Kolonien wieder zu erlangen. Deutschland ver- pflichtet sich dagegen, weder Flotten- noch militärische Stützpunkte auf diesen Gebieten zu errichten. 5. Deutschland wird sich zur Herbeiführung des Friedens in Spanien bemühen, wenn Großbritannien Franro de jure anerkennt. 6. Deutschland verspricht alles anzuwenden, um den Frieden im Fernen Osten herbeizu- führen. Der„Manchester Guardian" lehnt diese Forderungen, insbesondere soweit sie die Tschechoslowakei betreffen, mit der größten Schärfe ab. Berlin wütend Berlin. Die„Nationalsozialistische Parteikorrespondenz" greift den„Manchester Guardian" wegen der Mutmaßungen über Hitlers Forderungen an Halifax in unerhört scharfer Weise an, spricht von„polittschen Gangstermethoden" und erklärt sie von Anfang bis zum Ende als„lügenhafte Erftndungen". Es sei in Deustchland nicht üblich, dem Minister ines befreundeten Landes, der zwecks Förderung des Wunsches zur Schaffung eines engeren gegenseitigen Verstehens nach Deutschland komme, Forderungen zu stellen und ihm die Pistole auf die Brust zu setzen. Solange diesen^„internationalen Brunnenvergiftern" nicht das Handwerk gelegt sei, seien alle polittschen Besuche und Besprechungen zwecklos und könnten nur zu einer Verwirrung der internationalen Lage beitragen. Hitler will ganz Mitteleuropa Im Kreuzfeuer der Anfragen mit Deutschland vereinbart wurde, daß er seinen Erklärungen über den Charakter der in Deutschland geführten Besprechungen nichts hinzufügen könne und daß vereinbart wurde, daß diese Besprechungen vertraulich bleiben. Auf eine weitere Frage Attlees antwortete Chamberlain', daß selbstverständlich keineBer Pflichtung werde übernommen werden, ohne daß dem Unterhaus Gelegenheit geboten würde, sich dazu zu äußern. Weitens sagte Chamberlain, Ministerbesuche in Prag und Moskau erübrigten sich wegen der kürzlich durchgeführten Gespräche mit Dr. K r o f t a und Litwinow. klne nicht zugelassene Frage Eine Zwischenfrage des britischen Abgeordneten M a n d e r, ob Chamberlain eine Versicherung abgeben könne, daß kein Anlaß zu der Annahme bestehe, daß die britische Regierung erwäge, Deutschland in Oesterreich und in her Tschechoslowakei freie Hand im Austausch gegen einen sechsjährigen deutschen Verzicht auf die Geltendmachung kolonialer Forderungen zu lassen, wurde vom Speaker nicht zugelassen. gegen eine andere Richtung, der auch E d e n und das Foreign Office angehören, sie bekämpft; 2. daß die deutschen Forderungen so for- muliert sind, daß sie eine klare Stellungnahme Großbritanniens erfordern. Es handelt sich um vier Punkte von grundsätzlicher Bedeutung: 1. Revision des Bersalller Vertrages und Trennung des Bölkerbundpattes von den Frie- densverträgen, 2. Britisches Desinteressement an Mitteleuropa, 3. Anerkennung der kolonialen Gleichbe- rechtigung Deutschlands und 4. Anerkennung der italienischen Eroberung Abessiniens durch England als eine wesentliche Voraussetzung für di« Rückkehr ' Deutschlands in den Völkerbund. Die britische Presse lehnt in ihrer großen Mehrheit diese Forderungen als radikalen Bruch aller bisher für die britische Außenpolitik maßgebenden Prinzipien ab. Die starke Republik Der französischen Regierung ist es gelungen, einen gegen die republikanische Verfassung des Landes geplanten Anschlag im Keime zu ersticken. Die dritte Republik hat seit ihrem Bestehen etnigemale mit großer Energie monarchistischreaktionäre Angriffe zurückgeschlagen. In dem ersten republikanischen Parlament, das 1871 nach dem Sturz des Kaiserreiches zusammentrat, saß eine große Anzahl von Monarchisten, ebenso wie es im Reichstag der deutschen Republik von 1919 bis 1937 stets eine starke und entschlossene reaktionäre Minderheit gegeben hat. Während aber die deutsche Demokratte 1933 den Schlägen des Faschismus erlag, hat die französische Republik fest 1871 allen reaktionären Putschen und Verschwörungen erfolgreich widerstanden. Trotzdem 1873 ein französischer Marschall, Mac Mahon, zum Präsidenten der Republik gewählt worden war— er hatte den Krieg von 1870/71 ebenso verloren wie Hindenburg den Weltkrieg— gelang die Wiederausrichtung der französischen Monarchie nicht und er mußte 1879 zurücktreten. Einen zweiten Angriff auf seine demokratisch-republikanische Verfassung hatte Frankreich in den achtziger Jahren abzuwehren. Der aus dem Heere ausgestohene General Boulanger wurde von den Monarchisten als ihr Haupt erkoren, der Skandal um den Panamakanal wurde gegen das republikanische Regime ausgenützt, ein Banlenkrach erschütterte das Wirtschaftsleben. Als aber die Regierung gegen den General energisch einschritt, floh er ins Ausland und die den Umsturz planten, hatten ihren Führer verloren (1889). Unvergessen ist auch der Heldenkampf der Republik gegen, die Reaktion zur Zeit der Dreyfus-Affäre. 1894 wurde der jüdische Hauptmann Dreyfus wegen Verrates militärischer Geheimnisse— später stellte sich heraus, daß er unschuldig gewesen tst— verurteilt und auf d:e Teufelsinsel verbannt. Der reaktionär-antisemt» tischen Welle warf sich der große Wahrheitsapostel Emile Zola entgegen, der den Kampf so lange führte, bis Dreyfus 1899 begnadigt wurde. So hat schon in der Vergangenheit die ftanzösische Republik sich tapfer gegen alle Dunkelmänner, Putschisten und Abenteuere! gewehrt. J)t den ersten Nachkriegsjahren war infolge des Sieges der Republik das Regime so stark, daß Reaktionäre und Monarchisten es nicht wagten, sich irgendwie auch nur bemerkbar zu machen. Erst die Siege des Faschismus in Italien und Deutschland haben bewirkt, daß die Ultrarechten sich auch in Frankreich rührten. Sie benützten den Stavisky-Skandal zu einem Vorstoß, der aber nur zum Sturze der Regierung Daladier reichte und dann an dem entschlossenen Widerstand der sozialistischen Massen scheiterte. Allerdings konnte damals— im Februar 1934— die zeitweilige Schwäche Frankreichs von Mussolini ausgenützt werden, das Verbluten der österreichischen Demokratie war die unmittelbare Folge der Pariser Ereignisse. Einem zweiten Vorstoß der Faschisto-Mon- archisten ist man in den letzten Tagen auf die Spur gekommen, die Vorbereitungen zu Putsch und Bürgerkrieg, die da aufgedeckt wurden, sind ungewöhnlich umfangreich gewesen. Man hat Waffenlager gefunden, die ausgereicht, hätten, ganze Regimenter auszurüsten, man hat betonierte Keller entdeckt, die Festungen gleichen, man tst auf allerhand Pläne gekommen, Politiker der Linken im Falle eines Putsches unschädlich zu machen. Man ist dabei nicht zurückgeschreckt, die Unterschriften von Ministern zu fälschen, Pläne zu machen, wie man von Verkehrsmitteln Besitz ergreifen könnte und man wollte sogar einen Anschlag auf das große Waffenlager Saint Cloud bei Paris verüben. In verschiedenen Gegenden Frankreichs ist man derartigen Machenschaften auf die Spur gekommen, die Verschwörung war weit verzweigt. Beachtenswert ist, daß die gefundenen Waffen deutschen und italienischey Ursprunges sind— es würde den dynamischen Mächten passen, in Frankreich eine Diktatur zu errichten und irgend einen Franco zu finden, der die Geschäfte des Auslandes besorgte. Zum Glück hat Frankreich zur Stunde eine starke Regierung. Der sozialdemokratische Innenminister Dormoy hat die Pläne der Putschisten schonungslos aufgedeckt und erklärt, daß jede: verbrecherische Anschlag auf die Republik niedergeschlagen wird. Der Innenminister wird auch diese Worte wahrmachen, nicht nur weil er So- Seite 2 Nr. 277 Donnerstag, 25. November 1937 zialdemokrat und einer der energischesten Männer des Kabinetts ist/ sondern weil die Regierung, die Parlamentsmehrheit und die Majorität des französischen Volkes fest hinter ihm stehen. D>e französische Demokratie packt forsch, tatkräftig und überlegt zu, sie kennt kein Zagen und Zaudern, weil es eine Demokratie ist, die sich auf da? sozialistische Proletariat stützt und deren Exetu- tworgan in diesem Falle ein Sozialdemokrat ist. Während auf der Rechten Uneinigkeit und Zanksucht herrschen und sich die Führer der Reaktion im Gerichtssaal beschimpfen und in den Kot zerren, herrscht auf feiten der Regierung Entschlossenheit und Einmütigkeit. Die französische Republik, in der unsere sozialistischen Freunde regieren ist stark genug, die Verstecke der Putschisten aufzustöbern, die dunklen Pläne der Faschisten und Monarchisten zu enthüllen und allen Gefahren der Gegenwart zu trotzen. So wenig eS Mac Mahon und Boulanger gelungen ist. du Republik zu erdolchen, so wenig wird es Herr« de la Roque und den Cagoulärds gelingen» die' französische Demokratie zu unterhöhlen. Die französischen Arbeiter und Bauern sind der Fels, auf dem die Demokratie des Landes auch weiter ruhen wird. Vive la Republiquel berühmten„Stenerträgerintereffm" in den Vordergrund geschoben werden, da gilt rS als eine Vergeudung des öffeutlichrn Vermögens, Hänser zu baxeir! Ziichka befaßte sich dann mit den Schwierigkeiten der Kreditbeschaffung für öffentliche Bauten und mahnt nochmals die deutschen Gemeinden, all: Mittel auSznschöpsen, die im Baugeseh vorhanden -sind. Sie werden sicher beim Fürsorgeministerium Verständnis finden. Zischka verlangt weiter die Verlängerung des Baugesehes; auch muffe man daran gehen, ein definitives Baugesetz auf lange Zeit hinaus zu schaffen. I« der ErnährnngSaktio« mutz auf den besonderen Notstand einzelner Bezirke Rücksicht genommen werden. Man kann daS Problem eventueller„Mißbräuche der ErnährnngSaktion" nicht schematisch lösen;»st wirst sich da auch der FiSkaliSmuS der Beamten«nhrilvoll aus. In Bezirken ohne Arbeitslose kann man natürlich einen anderen Maßstab anlrgen, aber in Notstandsgebieten müssen alle Härten vermieden werden. * Schlußwort Dr. Czechs Gegen Abend wurde die Debatte mit den Schlußworten der beiden zuständigen Minister beendet. Gesundheitsminister Dr. Tzech hielt ein- einstündige Rede, in der er zu den in der Debatte aufgeworfenen Problemen Stellung nahm und auch auf gestellte Anfragen antwortete; namentlich mit Angriffen des SdP-Abgeordneten Dr. Jilly setzte er sich entsprechend auseinander. Wir werden morgen einen ausführlichen Auszug bringen, ebenso aus dem Schlußwort des Ministers Jng. N e k a s, der sich u. a. mit dem finanziellen Stand der Sozialversicherungsinstitute befaßte. Kastriermesser her! Die neueste Forderung der SdP In der Debatte zum Kapitel Gesundheitswesen stellte Dr. Jill(SdP) die ungeheuerliche Forderung ans, die barbarischen KastrationS- methoden auS dem Dritten Reich auch bei«nS einzubürgern. Er verlangte„zur Sicherung der Erbgefundheit" ein Sterilisationsgesetz nach reichsdeutschem Muster. Das Absinken der Geburtenzahl führte der Herr Doktor auf die liberaliftisch-materialistische Weltauffaffung zurück; angeblich könne hier nur eine Aenderung der Staats- und Gesellschaftsordnung Wandel schaffen. Genösse Zischka, dessen Erwiderung wir an anderer Stelle bringen, sprach später bloß noch seine Verwunderung darüber aus, daß Dr.^llly nach bewährtem Rezept nicht auch für den Geburtenrückgang die Juden verantwortlich gemacht habe... Dr. Jiltz griff dann auch das Gesundheitsministerium an, weil es zur konstituierenden Sitzung des Populattonsbeirates nicht die Äerzte« schäft hinzugezogen hätte, den Beirat für lttir- perpflege zu wenig einberufe, usw. In seinem Schlußwort kam Minister Dr. C z e ch auf die Angriffe des Herrn Dr. Jilly ausführlicher zu sprechen. Wir werden darüber morgen berichten. Warum nicht gleich„Habtacht!“ kommandieren? Im Budgetausschuß hatte der SdP-Abge« ordnete K n or r e ein großes Protestgeschrei erheben, weil in der Rachtsitzung am Montag fast niemand mehr— und namentlich auch kein Minister— anwesend sei, als sein Klubkollege Richter sprechen wollte. Genosse Zischka erwiderte ihm gestern, er hätte doch auch gleich verlangen sollen, daßalle habtacht stehen, wenn er spricht. Ueberdies sei er(Zischka) in der frag« lichsn Sitzungsnachr dort geblieben, um sich das Theater anzusehen. Dr. Lilly: Was für ein Theater?. Zischka: Das Theater, das dann Jng. Richter gemacht hat, weil man für dieZei- tungen etwas brauchte. Drei Miaii- st e r waren da in dieser Nacht. Warum haben die Herren nicht Krach gemacht, als die Ministet zu Wort gekommen sind, um 1 Uhr nachts? W'r erfüllen unsere Pflicht und sitzen auch viele Stunden da, aber es gehört manchmal viel Ueber« Windung dazu, sich die Reden der SdP anzuhören! So eine Erklärung wie die des Herrn Knorre lassen wir uns nicht gefallen. Wir bestimmen selbst, wie wir uns zu verhalten haben, ebenso wie wir die Linie und die Methoden unseres politischen Kampfes selbst bestimmen und souverän darüber entscheiden, was wir tun und lassen solleni Der 18. Feber und die Postverwaltuns Bei Neuaufnahmen zuletzt 16.4 Prozent Deutsche Im Budgetausschuß befaßte sich Postmiai» ster T u L n h am Dienstag«. a. mit den Abmachungen vom 18. Feber. Die Postverwaltung wolle den Verpflichtungen, die ihr daraus erwachsen, nachkommen. Gleich im ersten Vierteljahr nach diesem Abkommen habe die Zahl der ne» aufgenommenen deutschen Angestellten bei der Post 9.3 Prozent betragen; sie hat sich im zweiten Vierteljahr auf 16.4 Prozent erhöht. Das lege sicher Zeugnis dafür ab» daß sich die Poswerwaltnng bemühe, die Erwartungen der deutschen Bevölkernng z« erfüllen. Rach dem 18. Feber seien deutsche Angestellte auch bei der Postsparkasse ausgenommen worden. WaS die Versetzung deutscher Angestellter ms tschechische Gebiet betteff«, so muffe man den Erfordernissen der Dislokation im Postdienft entsprechen; das betteffe die tschechischen Angestellten genau so wie die deuttchen. Wenn jemand die Unantastbarkeit der deuflchen Angestellten fordern wollte» so würde er«in Vorrecht fordern. An konkreten Fällen würde man sehen, daß es immer nur aus sehr ernsten Gründen zu einer Versetzung kam. Auch die Beschwerden über die Sprachenpraxis müsse er ablehnen, weil die Postverwaltung sich auch dort nach dem Sprachengesetz halle, wo sie das nicht tun müßte. Freilich seien auch die Beschwerdeführer manchmal launenhaft und hi« und da könne eS auch zu Uebergriffen des Poftpersonals kommen. Wenn die Poftverwaltung auf solche Ding« konkret aufmerksam gemacht werde, dann stelle sie die Mißstände ab. Mll allem Nachdruck versichert« der Minister auch, daß in der ganzen Poswerwaltnng das Briefgeheimnis voll eingehallen werde. Die Post führe keine Zensur durch; wer dies versuchen sollte, würde strengstens bestraft werden. Der Präsident der Republik empfing am Mittwoch, den 24. November, den außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten jugoslawi« scheu Minister Dr. Basil Protki, ferner die Vertreter der Städte Neu-Bistritz, Vamberk und Senftenberg, welche ihm Ehrenbürgerdiplome überreichten. Brünner Posttparkasse bltibt. Postminister TuLny erklärte im Budgetausschutz, daß die Zweigstelle der Postsparkasse in Brünn erhallen bleiben wirst! Es sei das ein Beschluß der Re- gierüüg. Am Leben erhalten, was lebt Abs. Zischka Uber die Aufgaben des Gesundheitsressorts und dem Kampf gegen alle Krankheiten der Erwachsenen gellen, die das Leben bedrohen. Die wichtigste Fürsorge für die werdende Mutter ist das Bewußtsein, haß der Vater Arbeit hat. Löst man dieses soziale.Problem, so fördert man wohl auch am besten den„Willen zum Kinde". Für den Säugling muß ausreichend in sanitärer Hinsicht gesorgt werden. Der Kampf gegen den Bevölkerungsrückgang wird am besten geführt werden, wenn man es nicht zuläßt, daß über 30.000 Säuglinge jährlich sterben. Die Fürsorge ist beim Schulkind fortzusetzen, die sozial gefährdeten Kinder müssend« staatliche Fürsorge genommen werden. In einer heftigen Kontroverse mit Dr. Jilly weist Zischka energisch dessen Zumutungen zurück, als ob bei der Auswahl der Kinder für die staatlichen Kinderakttonen parteipolitische Rücksichten eine Rolle spielten. Mit derarttgen durch nichts tegrün- deten Pauschalverdächtignngen müsse Dr. Jilly aufhören. Zischka spricht den Wunsch aus, daß die Kinderakttonrn fortgesetzt und auSgebaut werden. Man macht das Volk nicht allein widerstandsfähig, wenn man ihm Waffen in die Hand gibt, sondern wenn man die Menschen auch physisch und geistig«rtüchttgt. Dazu gehört auch die Sorge um die physisch besonders gefährdete Jugend. Die Fürsorge muß den fürsorgebedürstigen Menschen mich weiterhin begleiten, denn er hat ein Recht auf öffentliche Hilfe. Deshalb muß der Kampf gegen die Vollskrankheiten systematisch gestaltet werden. Den Vertretern der SdP sagt Zischka, daß man mit einer rein negativen Einstellung zu all den Dingen nicht weiterkomme. Genau so wie die SdP versucht, den Staat und seine Einrichtungen bei d:r deutschen Bevölkerung zu diffamieren,- so setzt sie auch alles herab, was vom GesundheitS- und vom Fürsorgeministerium geschieht. Wir anerkennen die große positive Arbeit, die von beiden Ministerien im Kampfe gegen Not und Verelendung geleistet wurde, und wünschen nur, daß diese Arbeit noch weiter ausgebaut werden soll. Redner fordett, daß im Zusammenhänge mit der Wehrerziehung in den Stätten Sportplätze und Stadionanlagen errichtet werden und begrüßt es, daß ein neues Krankenhausgesetz in Vorbereitung ist. Er kommt schließlich zu dem Ergebnis, daß auf dem Gebiet: der öffentlichen Gesundheitspflege vorbildlich gearbeitet wird. Zum Expofl des Fürsorgeministers erklärt Zischka, er erfülle namens der deuttchen Ar» beittrschaft eine Pfticht, wenn er dem Minister für die geleistete Arbeit danke. Er begrüßt eS, daß noch ein größerer Betrag als sonst- zur Verfügung steht, um neue Häuser nach dem Bauaesetz bauen zu können. Das Baugesetz giü für alle. Warum gehen die deutschen Gemeinden nicht daran, eS entsprechend auSzunützrn? Dr. Jilly: Sie haben ja Einfluß auf die Gemeinde! Zischka: Wo wir Einfluß haben, machen wir Prag. Im Budgetausschuß sprach Mitt woch in der Debatte über die Ressorts für soziale Fürsorge«nd Gesundheit Genosse Zischka, der u. a. verschiedene Anmaßungen, die sich SdP- Redner leisteten, gebührend zurückwies»nd un angebrachte Angriffe der SdP ans diese von So zialdemokraten geleiteten Refforts sehr energisch abwehrte. Zischka würdigte auch eingehend die große Arbeit, die in diesen Refforts unermüdlich für die sozigl schwachen Bevölkerungsschichten ge leistet wird und brachte verschiedene Wünsche und Anregungen vor. Er sagte«. a.: Die Bedeutung des öffentlichen Gesundheits wesens sttigt von Jahr zu Jahr. Leider ist eS aber heute so, daß die Vorsorge für das Leben zurück gedrängt wird von Vorbereitungen zur Vernich tung dieses Lebens. Es mag ein Stück Trost sein in einer aufs neue dem Wahnsinn des Krieges ver fallenen Zeit, daß wir doch nicht vergeffen. uns energisch den Aufgaben zu widmen, die in dem Expose des Gesundheüsministers gekennzeichnet sind. Diese Aufgaben ändern sich mit der Zeit. So war es'vor einigen Jahrzehnten völlig überflüffig, sich mit dem Geburtenproblem zu be fassen, heute ist es die große Sorge aller Kulturstaa ten. Die Gebuttenkonttolle ist eine internatio nale Erscheinung. Es ist allerdings falsch, wenn mein Vorred ner Dr. Jilly behauptet, der„Materialismus" der Bölter und Staaten sei daran schuld'. Für diese Herren ist doch Rußland die Inkarnation des Ma terialismus, und ausgerechnet Rußland hat einen BevölkerungSüberschutz von 3.5 Millionen pro Jahr! Die abnehmenden Geburtenziffern sind von den Weltstädten ausgegangen. Paris war die erste große Stadt, die damit schon in der Vorkriegszeit ernste Sorgen batte. Redner erinnert an die Vor aussage des Herrn Jng. Jung in einem Buch, das deutsche Volk habe es nicht notwendig, sich mit Frankreich n.-ch einmal miiiiärisch aucei.iaderzu setzen, denn wenm^ie-Entwicklung ruhig weiter-' laufe, werde Frankreich sozusagen aussterben, während Deutschland einen großen Bevöllerungs- überschuß aufweisen und Berlin beispielsweise in absehbarer Zeit die Zehnmillionengrenze erreichen werde. Der Traum ist ausgettäumt. Nicht einmal die Tatsache konnte etwas daran ändern, daß nun Herr Jng. Jung sich persönlich in die Gegend von Berlin begeben hat! Im Geburtenrückgang gibt es eben keinenUnterschied zwischen den demokratischen und autoritären Staaten. Unser Grundsatz muß hier sein, daß alles, waS lebt, möglichst lange am Leben zu erhalte« ist. Aig. Jilly; Alles, waS gesund ist... Zischka: WaS krank ist, muß gesund gemacht werden, zumindest muß man eS versuchen! Unsere Sorge muß deshalb der werdenden Mutter,.dem Säugling, dem Heranwachsenden Kind l eS auch. Wo aber euer Einfluß größer ist, wo die VON E U G I NE DABIT Berechtigt« üebertragun«? aus dem Französischen von Bejot Er taucht seine Hand ins Weihwasser und benetzt damit meine Finger. Dann bekreuzigt er sich. Er geht ganz leise. Ich folge ihm. Ich afme Kellerluft, Staub, Weihrauch. Vor einem Altar bleibe ich stehen und lausche. Jemand murmelt ein Gebet. Pierre kniet hm. Ich lehne mich an einen Pfeiler und sehe auf zu der nachtdunklen Kuppel. Eine Frau streift mich und gleitet weiter auf den Fliesen. Pierre betet, mit dem Gesicht fast den Boden berührend. Auf einem Sarkophag liegt ein Bischof mit gefalteten Händen. Mir ist- als müsse der schmale Mund in dem fahlen Antlitz sich öffnen. Ich kann nicht beten. Wer ich fühle Ruhe, Vergessen und zugleich eine dumpfe Bellemmung. Ich sehnte mich danach, besser zu werden, befreit van meinen Lügen und Schwächen. Die in meinem Herzen keimender Liebe weihe ich meinem Freunde Pierre. Er erhebt sich. Seine Sttrn ist faltenlos, das Auge ist klar; es geht ein Leuchten von seinen Zügen aus wie von einem Helligen. „Bist du glücklich?" fragt er mich inbrünstig. „Jo. Aber ich schäme mich. Laß uns hinaus- gehen. Wollen wir aufs Land?" Das verdämmernde Tageslicht blendet mich. „Weinen konnte man", flüstert Pierre. „Oder ausschreien vor Glück. Man denkt nicht mehr an Kaserne und Krieg, man fühlt sich rein .,..d gleichgültig gegenüber allem, was nicht Gott ist." Bald sind wir auf freiem Feld. „Ist eS nicht, als wären wir noch in der I Kirche?" setzt Pierre seine Betrachtung fort.„Der Himmel, die Bäume, die Wiesen.. „Ja, ein schöner Tag. Du verläßt mich nicht,| Pierre!" „Man kann uns kennen. Wer Er wird dich nie verlassen." „Auch wenn ich niemals in die Kirche gehe? Bei uns zu Hause kümmerte man sich nicht um den lieben Gott. Ich bin getauft. Doch ich bin nie zur Kommunion gegangen. Vater wollte nicht." „Jetzt bist du frei. Man kann nicht leben ohne Glauben, Kleiner. Du hast gesehen, wohin man kommt." „Man hat mich ja nie aufgeklärt. Nur ein mal, als ich in der Lehre war, kannte ich«inen Arbeiter, der so ähnlich sprach wie du." „Was sagte er denn?" „Ich erinnere mich nicht mehr. Es war ein Protestant." „Ich bringe dich zu einem Priester. Du wirst sehen.. „Aber ich glaube nicht an Gott, Pierre. Ich kann nicht an ihn glauben. Du willst doch nicht, daß ich wieder Komödie spiele? Später vielleicht." „Gott wird dich erlösen. Bon dir selbst und von den Menschen. Er allein kann dir vergeben, dir Trost gewähren." Langsam gehen wir zur Kaserne zurück. Am dunllen Himmel, hinter Wolken, funkell ein Stern. Die Lichter flammen auf. Es weht ein leichter Wind, und in den Büschen am Wege rascheü es leise. * Diese Woche ist Pierre mit einer Ersatzkompanie zur Front gegangen. Ich wiederhole unseren letzten Spaziergang wie eine Wallfahrt. Bei jedem Schritte steht mein Freund vor mir. Er zeigte mir ein Insekt, einen Bogel, eine Blume, um mich auf ihre Schönheit hinzuweisen, mich Bewunderung zu lehren. Oder er sprach, den Arm über das Land vor uns auS- streckend, von Gott und seinem Reiche. „Du hast mich sehend gemacht, Pierre, daß ich die Schönheit entdecke- wo immer sie sich verbirgt, die Freude, wo sie zu finden ist. Ehe du kamst, sah ich nur Leere. Ich hatte ja nie die Stadt verlassen, und was ich außerhalb ihrer Grenzen kannte, war armselige Natur, ohne Größe, ohne Einsamkeit. Dank dir kenne ich jetzt eine andere Natur! Du bist fort, aber deine Be- geifterung hast du mir zurückgelassen. Wenn ich mich geweigert habe, dir zu einem Priester zu folgen, so nur, well ich glaubte, wählen zu müssen und entsagen einem Leben, nach dem mich dürstet und das ich zu ahnen beginne. Ich möchte diesem Leben, das ich ja kaum kenne, nicht auSweichen. Ist nicht der Wunsch, mit allen Fibern im Sonnenlicht zu leben, auch Liebe und Religion?" Das Gesumm, das auflteigt aus blühenden Obstgärten, betäubt, der Duft berauscht mich. Ich taumle. Die Beine werden mir so schwer, daß ich halttnachen, mich im Schatten eines Baumes ins Gras werfen muß. AuS der Tasche hole ich ein Stück Brot hervor und beiße hungrig hinein. Würziger Erdgeruch steigt mir in die Nase. Ich pflücke ein paar Blätter von einem Zweige, der mein Gesicht streichelt, und genieße ihre Kühle zwischen den Lippen. Dann strecke ich mich aus, die Arme weit von mir gebreitet, und starre auf das Spifl der Wolken am Himmel. Zu Pferde bin ich ebenso geschwind wie sie. Gestern bin ich mit dem Regiment querfeldein geritten. Die Bäume wirbelten vorüber, die Felder reihten sich einander wie Perlen einer Kette, die Dörfer verschwanden, eins nach dem anderen. Die Zügel fest in der Hand, stand ich in den Bügeln und trieb mit lauter Stimme mein Pferd, das weißer Schaum bedeckte, zu immer schärferem Galopp an. Jetzt liege ich auf dem Bauch und entdecke im Grase em Gewimmel geheimnisvoller Tierchen, rastlos tätig, und doch so gebrechlich, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Die Kornfelder wogen, die Bäume entsenden Botschaften zum Himmel. Ein Bauer geht vorüber. Ich hätte Lust, ihm ein fröhliches„Heda!" zuzurufen, uw meine Freude mit einem Menschen zu teile«. Das Summen der Insekten, das Rauschen der Blätter, das Säuseln des Windes wird ein einziger Ehor. Ich singe mit. Der Klang meiner Sttmme hallt wider. Ich bin allein mit meinem Glück, das mir so fremd ist, daß eS mich fast bedrückt. Plötzlich beunruhigen mich Stille und Einsamkeit. Die Landschaft rückt, wie«ine feindliche Well, immer dichter an mich heran. Ich springe auf und erreiche auf Feldwegen die Landsttaßs- Schwalben stressen im Flug den Boden. Die Abendkühle umfängt mich. Ich bin froh, daß ich wieder Menschen sehe, froh, daß ich in die Stadt zurückkehre. Auf der Place d'Armes ist ein Korso von Soldaten, von sonntäglichen Bürgern und Scharen junger Mädchen. Auf den Terrassen schlürfe« Offiziere den Apiritif. Ich bin stisch wie nach einem Bade und hungrig. Ein paar Kameraden begegnen mir. .Kommst du mit uns essen, Kleiner?" fragt Tavernier. „Gern. Ich habe noch nichts im Magen." Eine Garküche mit langen, wachstuchbcdeck- teN Tischen und Bänken. Es sieht aus wie in der Kaserne, aber es riecht appetitlicher. Wir setze« uns. Einer von uns tritt die Suppe aus, heiße Gemüsesuppe, die den Schlund verbrennt und dem Magen.oohltut. Das Brot ist weiß, der Wein kratzt nicht ü« Halse. Ein Mädchen bringt Braten, Kartoffelmus, Salat nach Belieben; man fühlt sich wie 5« Hause. ^Fortsetzung folgt.). tot. 277 Donnerstag, 25. November 1937 Sekte 3 SudeUndeuistltai ZeilsMetd Melniker Sender: deutscher Sender Eine Rede des Postministers In seinem Schlußwort im Budgetausschuß befaßte sich Postminister Tukny ausführlich mit der Frage des deutschen Rundfunks, und in einer Weise, die einerseits dankenswerte Aufklärung und Zusicherung bedeutet, anderseits aber doch auch in gewissen Punkten nicht als zulänglich bezeichnet werden kann. Der Minister sagte. er müsse bedauern, daß ein Teil der deutschen Presse eS nicht ertrage, daß diese Frage in Ruhe beurteilt und gelöst werde. Es sei r i ch t i g, daß noch vor einem Jahr für den Sender der Ausdruck„vorwiegend deutsch" gebraucht wurde, aber im Laufe des heurigen Jahres habe sich dieses Wort schon nicht mehr gezeigt, alS man über den Inhalt der künftigen Melniker Sendungen verhandelte. Mit Gewalt und absichtlich werde der deutschen Oeffentlichkeit die Meinung aufgedrängt, daß der Melniker Sender nur teilweise den Bedürfnissen der deutschen Bevölkerung dienen solle. Um all dem, was aus bloßen Gerüchten resultiert, ein Ende zu machen, stellt der Minister fest, daß der Melniker Sender tatsächlich deutschen Charakter haben werde-dgreilich müsse dabei der Grundsatz in Geltung bleiben, daß es, wenn die Staatsinteressen eS erfordern, nicht ausgeschlossen ist, daß auch ein tschechisches oder tschechoslowakisches Wort aus dieser Station zu vernehmen sein wird. Gegenwärtig werde an der Organisation der Sendungen dieser Station gearbeitet und daher seien all« Mutmaßungen vorzeitig und alle Befürchtungen überflüssig. Die Organisation werde so durchgeführt werden, daß die deutsche Bevölkerung wirklich werde zufrieden sein können. Freilich werde man ebenso wi« bei der tschechischen Sendung eine Politisierung nicht zulassen. In der Debatte wurde für die deutsche Sendung eine gerechte Quote aus den Einnahmen des Radiojournals gefordert, Dr. Lofchla habe sie auf acht Millionen geschätzt. Der Minister erinnert daran, daß die deutsche Sendung einen Aufwand von st bis 7 Millionen erfordere, wenn man also die Kosten der bisherigen deutschen Sendung berücksichtige, so sei ei besser, darüber überhaupt nicht zu sprechen. Eine Statistik über die nationale Zugehörigkeit der Rundsunkhörer gibt es bisher nicht, man bedenke aber auch der deutschen Rundfunkhörer gerecht zu" werden. Auf den Borwurf, daß der Bau des Melniker Senders sich Verzöger«, erklärt der Minister,«r habe im Vorjahr im Budgetausschuß festgestellt, daß der Bau 18 Mo nat dauern werde und daß das eine Rekordfrist für den Bau des Senders sei. Diese Zusage wurde eingehalten. Dazu ist vor allem zu sagen, daß die endliche, erfreuliche Feststellung des deutschen Charakters des Melniker Senders einem langgehegten Bedürfnis der gesamten sudetendeutschen Bevölkerung entspricht, die sich vom Anfang an klar darüber war, daß in diesem Punkte nicht Hache Arbest geleistet werden durfte, wenn sie nun schon einmal viel zu spät besorgt wurde. Aber es wäre uns sympathischer gewesen, wenn der Herr Minister nicht ganz allgemein von der„Gewalt" und der„Absichtlichkeit" gesprochen hätte, mit der die Meinung verbreitet worden sei, daß der Melniker Sender den Bedürfnissen der sudetendeutschen Bevölkerung nur teilweise entsprechen würde. Zum einen sind an den etwaigen irrigen Auffassungen, die über den Inhalt des Melniker Servers bestanden oder bestehen, wahrhaftig nicht die Deutschen schuld, und zum andern wäre doch zu sagen gewesen, w o„Gewalt" und„Absichtlichkeit" zu bemerken waren. Denn auf jeden Fall war zu vermeiden, daß auch nur der Anschein entstehe, als ob die von deutscher aktivistischer Seite geübte Kritik, die es schließlich erreichte, daß die„vorwiegend deutsche" Vorstellung fallen gelassen wurde, von festen des Ministers noch post fcstum als falsch empfunden würde. Reichlich unklar sind die Sätze, die der Herr Minister der deutschen Forderung auf eine entsprechende Dotierung der deutschen Sendungen widmete. Unseres Erachtens wäre es doch„besser gewesen, darüber zu sprechen" und die tschechische wie die deutsche Bevölkerung darüber aufzuklären, nach welchem ungefähren Schlüssel die reinen Betriebskosten, die von den hundert Millionen-Ein- künsten des gesamten Radiowesens in Rechnung gestellt werden, auf die einzelnen Sender und also auch auf den Melniker, aufgeteilt werden sollen. Denn ganz abgesehen von dem nun endlich Wirklichkeit werdenden deutschen Sender steht doch von jeher die Tatsache im Vordergrund, daß die Su- detendeutschen etwa ein Drittel der tschechoslowakischen Gesamthörerschaft des Rundfunks stellen.. Diese Einwände gegen die Diktion der post- ministerlichen Rede hindert uns aber nicht,, noch einmal als wesentlich festzuhalten, haß sie eiste' Aufhellung der lange genug allzusehr im Dunkeln gehaüenen Melniker Sender-Angelegenheit bedeutet. Es handelt sich um Burschen im Mer von 14 bis 19 Jahren. Dringlicher noch als sie selbst verdienten ihre Erzieher vor Gericht gestellt zu werden I Oie Gablonzer§129b-Affäre Im Zusammenhang mit den bereits gemeldeten Gablonzer Verhaftungen wegen Verbrechen nach§ 129b meldet der„Pr. M».", daß sich die Verfehlungen besonders im Lager des Turnvereins abspielten, wo eS zwischen den jungen Leuten zu unerlaubten Beziehungen kam. Einer der Beschuldigten, einl SjährigerJunge auS einer sehr angesehenen Gablonzer Familie, wurde der Obhut des Turnvereins anvertraut und in einem Lager des Turnvereine- verführt. Die Homosexuellen-Affäre in Gablonz zieht weitere Kreise und es hat den Anschein, daß Ueberraschungen noch bevorste- k e n. Diese neuerliche Affäre erweckt in der gesamten Bevölkerung um so mehr Abscheu, als es sich zumeist um Personen aus angesehenen Kreisen handelt, denen die Verfehlungen zur Last gelegt werden. Die Staatsansestellten bei den deutschen Ministern Prag.(EB) Am Mittwoch sprach eine mehrgliedrige Abordnung des Verbandes der deutschen Staatsangestelltenvereinigung bei den deutschen Ministern Dr. Ludwig Czech, Dr. Franz Spina und Erwin Zajiöek vor. Die vorgetragenen Wünsche der Vertreter der einzelnen Organisationen bezogen sich u. a. auf die Aufnahme Deutscher in den Staatsdienst, auf die Beförderung Deutscher auf leitende Posten, so vor allem in den Zentral- und Landesämtern, auf die Ernennung deutscher Amtsvorstände bei den verschiedenen selbständigen Aemtern, wie z. B. bei den Post- und den Eisenbahnstationen. Einen besonders breiten Raum nahmen die Forderungen an die Schulbehörden ein. Es wurden die Wünsche ausgesprochen, daß die brutschen Beamten auch in die Qualifikationskommission in entsprechender Weise vertreten sein sollen und daß die alten Disziplinarfälle endlich einer Liquidierung zugeführt werden. Schließlich wurde noch die durch die Landesbehörde durchgeführte Revi- wn der Dienst- und Besoldunasverhältnisse der Vemeindebeamten und-Angestellten eingehend.be- prochen.' Oer Bund der Landwirte und d?e Koalition Zu den Behauptungen über ein Ultimatum des Bundes der Landwirte an die Regierung wird dem DND erklärt, daß der Bund der Landwirte ebenso wie die beiden anderen deutschen Regierungsparteien und im völligen Einvernehmen mit diesen auf eine strikte Durchführung der Feberrichtlinien in allen Zweigen der Staatsverwaltung drängt und daß besonders mit Rücksicht auf das Expose des Ministerpräsidenten die Budgetdebatte hiezu die beste Gelegenheit bot. Hiebei weiß sich aber der Bund der Landwirte auch einig mit der tschechischen Agrarpartei, deren Vertreter im Budgetausschuß auch der Rede des Abgeordneten Böhm Beifall zollten. Diese Rede, deren Wortlaut teilweise unrichtig wiedergegeben wurde, wurde im völligen Einverständnis mit anderen maßgeblichen Parteifaktoren gehalten und sie weicht auch keineswegs von der Linie ab. die Spina und Hacker in verschiedenen Kundgebungen zum 18. Feber eingehalten haben und in denen stets die unbedingte Notwendigkeit einer vollständigen und restlosen Verwirklichung dieser Richtlinien gefordert wurde. Die Beschleunigung der Durchführung der Febervereinbarungen wurde mich in den letzten Parteikundgebungen gefordert und auch das Prestige der Regierung verlangt, daß die sz von Hodja selbst bezeichnete Frist von einem Jahre für ein deutliches Sichtbarwerden der Ergebnisse der Feberrichtlinien nicht überschritten werde. Die Besprechung Minister Spinas und des Obmannes Hacker mit Innenminister Dr. Cernh galt gewissen Detailfragen, und die im Zusammenhang damit ausgesprochenen Vermutungen sind schon deshalb abwegig, weil die Unterredung seit längerer Zeit beabsichtigt war, aber erst Dienstag stattfinden konnte. Die Frage einer Demission des Ministers Spina steht nicht zu Debatte.(DND) Orakelspruch Kaspers. Die Sudetendeutschen Pressebriefe veröffentlichen folgende Erklärung Rudolf Kaspers:„Um einer Irreführung der Oeffentlichkeit vorzubeugen, stelle ich hiermit fest, daß die Pressemitteilungen verschiedener Blätter über den Verlauf und das Ergebnis der Sonntag, den 21. d., in Prag stattgefundenen Tagung der Kreis-Arbeiterstandesvertreter der SdP— zumindest soweit sie meine Person betreffen— keineswegs den Tatsachen entsprechen. Sie können nur auf leere Kombinationen, bzw. auf absichtlich falsche Informationen zurückzuführen sein. Ich habe leider nicht die Möglichkeit, die irreführenden Pressekommentare über die Beratung richtigzustellen, da diese vertraulich erklärt Wurde." velglen hat eine neue Regierung Brüssel. Das neue Kabinett wurde Mittwoch vormittags von Paul Emil Janson, der Staatsministrr, Advokat und Vorsitzender der Brüsseler Advokatenkammrr ist, gebildet. Janson ist 66 Jahre alt. Das neue Kabinett wurde noch vormittags vereidigt. Es setzt sich zusamnien aus sechs Sozialisten: Spaak— Aeußeres, de Man— Finanzen, Wauters— Gesundheitswesen, Merlot— öffentliche Arbeiten, Boucher»— Post und Telegraphen, Drlattre— Arbeiten und soziale Fürsorge; fünf Katholiken: Rubbens— Kolonien, Pierlot — Landwirtschaft, van Jsacker— Volkswirtschaft, du Bus de Warnaffe— Justiz(früherer Minister des Jimern), Marck— r Verkehr; weiters zwei Liberalen: Hoste— öffentlicher Unterricht und Dierck— Inneres. Der dritte Liberale in der Regierung ist P. E. Janson. Minister für Nationalvrrteidigung ist Armeegenrral Denis. Truppenkonzentrationen der Rebellen bombardiert Barrelona. Das Nationalverteidigungsministerium gibt bekannt, daß zur Antwort auf die letzten Bombardements einiger im Hinterland liegender Orte durch die Rebellenluftflotte am Mittwoch in den ersten Nachmittagsstunden republikanische Luftgeschwader mehrere rein militärische Ziele hinter der Front der Rebellen bombardiert haben. Das hefsigste dieser Bombardements war das von T u d e l a, das aus 1800 Meter Höhe vorgenommen wurde. Es hatte den Erfolg, daß eine der bedeutendsten Basen der Truppenkonzcntrationen der Rebellen, die jetzt in der Umgebung des Ebro vorgenommen werden, zerstört wurde. Spanische Nationalisten gegen Franco Madrid.(Ag. Esp.) Die Madrider Presse veröffentlicht im Faksimildruck einen im Rebellengebiet verbreiteten Aufruf, worin es heißt:„Mit tiefem Schmerz müssen wir bekennen, daß der spanische Charakter unserer Erhebung schandvoll entartet ist. Heute sind wir es in den Augen der Welt, die unser Land an fremde Eindringlinge verkaufen und es sind die„Roten", die mit unleugbarem Heldenmut für die Unabhängigkeit Spaniens kämpfen. Wir müssen unser Vorgehen sofort und gründlich ändern, wollen wir uns vor der Schande retten, als die Verräter Spaniens zu gelten. Vereinigen wir uns, um^ie Fremden von unserem Boden zu verjagen!" Der Aufruf ist unterzeichnet:«Die alte Garde der spanischen Phalangisten".. Die Chinesen erraffen sich? Schanghai.(Reuter.) Die chinesische Armee hat große Verstärkungen erhalten und einen heftigen Angriff auf die gegen Nanking vorrücken- den Japaner unternommen. Diese Brrstärkungen haben die bereits ins Schwanken geratene Moral der chinesischen Truppen wieder gehoben Rach Informationen aus chinesischen stellen wurden die japanischen Truppen, die Wusi bedrohten, zum Rückzug gezwungen. In der Stadt Wuschin, in die die Japaner nach einer heftigen Beschießung ringedrungen sind, sind hartnäckige Kämpfe im Gange. Das Ende Brüssel. Die Pazifik-Konferenz hat sich Mittwoch auf unbestimmte Zeit vertagt. Sie hat gegen die Stimme des italienischen Delegierten die vorgeschlagene Resolution angenommen, an der einige kleinere Acnderungen vorgenommen wurden. Der chinesische Delegierte erklärte, er hoffe, daß die Konferenz, wenn sie wieder zusammentreten wird, um die Lage zu prüfen, auch die Notwendigkeit einer gemeinsamen Aktion,«. zw. in Form einer»positiven Hilfe für China und energischer Maßnahmen gegen den Angreifer, in Erwägung ziehen wird. Streik in den Lobosifeer Glanzstoffwerken Montag nachmittags traten die Beschäftigten in der Kohnerei-Abteilung der Böhmifchen Glanzstoffwerke in Lobositz in den Streik. Die Arbeitsniederlegung erfolgte spontan, weil die Arbeiter und Arbeiterinnen das Antreibesystem einfach nicht mehr ertrugen. Die Firma hat sich diesen Kampf selbst zuzuschreiben, denn sie trieb die Tagesleistung von 40 Spulen auf 120 Spulen und diktierte dazu noch einen 80prozentigen Lohnabbau. Die Erregung der Belegschaft war ungeheuer. Die Verhandlungen wurden am Dienstag begonnen und Mittwoch fortgesetzt. Bei Ausbesserungsarbeiten vom Dach gestürzt. Im Rayon der Chemischen Fabrik in Aussig stürzte der 36jährige Dachdecker Josef Watzke ausSchüttenitz aus einer Höhe von vierzehn Metern in die Tiefe. Watzke war mit Ausbesserungsarbeiten auf dem Dache eines Gebäudes beschäftigt. Die Verletzungen Matzkes waren so schwer, daß er im Aussiger Krankenhaus, ohne nach dem Anfall das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, am Montag gestorben ist. Nach den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung ist unter dem Dachdecker ein vonSäuren an- gef ressen es Brett des Gerüstes durchgebrochen. „Zeitgemäße Unverschämtheit Herrn Henleins„Zeit" beschäftigt sich am Mittwoch in einem Leitartikel mit der Rede, die der BdL-Abgeordnete B ö h m im Budgetausschuß hielt. In diesem Leitaufsatz, von einem sicheren Herrn Wa. gezeichnet, findet sich folgender Passus: „Die Tatsache, daß di«— letzten Endes gegen das Sudetendeutschtum gerichtete— Politik der 18. FeberS von einer Partei gedeckt wird, die es nicht notwendig hat, internationalen Befehlen zu gehorchen, wirkt doppelt schwerwiegend. Di« Christlichsozialen können ebenso wie die Sozialdemokraten in» Treffen führen, daß sie eigentlich nicht d a z u da sind, sudetendeutscheJnter- essen in ersier Linie wahrzunehmen, sondern die der hinter ihnen stehenden internationalen Mächte. Wer diesen Gebietern dient, muß naturgemäß eine Politik machen, die in dasantideutscheKonzept der Auftraggeber paßt." Dem Ur-Nazi Wa.— Herr Wanne- wacher machte vor seiner Anstellung bei der „Zeit" die gewiß von keiner internationalen Geldmacht bestimmte Volkswirtschaft des„Prager Tagblatt"— täte einige Beschäftigung mit zurückliegenden Epochen sudetendeutscher Geschichte dringend not! Vielleicht käme ihm dann unter anderem zum Bewußtsein, welche Rolle die deutschen Sozialdemokraten beispielsweise im Kampf um das Selbstbestimmungsrecht geführt haben und wie überhaupt die Geschichte unserer Partei seit 1918 nichts anderes ist als ein ununterbrochener Kampf um die nationalen und sozialen Rechte der Sudetendeutschen innerhalb einer immer weiter auszubauenden tschechoslowakischen Demokratie, und diesen Kampf führten und führen wir, ohne Befehlen von außen zu gehorchen, lediglich nach Maßgabe der Interessen der arbeitenden Schichten des^udetendeutschen Volkes. Sehr zum Unterschied, von den W a n n e m a ch e r n, die ihr politisches Ksnzept tagtäglich nach dem Diktatder internationalen faschistischen Mächte abfaffen und deren deutsches Konzept nichts anderes ist als Sklavenarbeit vor allem im Dienste des imperialistischen, nationalsozialistischen und Rasse-Wahns im Dritten Reich. Und während die deutschen Sozialdemokraten— die Christlichsozialen werden wohl Herrn Wa. auch selber den Text lesen— bemüht sind, die Interessen der Sudetendeutschen wahrhaft zu vertreten und erwirkten, daß der 18. Feber 19 3 6 zu einem Markstein national versöhnlicher politischer Bestrebungen würden, hat der Herr Wa. die Stirn, die Befriedungsarbeit, die da in Angriff genommen wurde, also zu verhöhnen: „Bald wird eS wieder Fasching sein. In diese Zeit fällt tekanntlich der Jahrestag des Feberabkommens.... eine derart tragikomische Geburtsfeier." Der 18. Feber, dem Dr. Benes und Dr. H o d z a und die besten aktivistischen Politiker des sudetendeutschen Volkes Pate waren, ist für Herrn Wä. eine Fasching s-Angelegenheitl Das werden wir uns gut merken, für den unausbleiblichen Zeitpunkt, in dem gewisse Herren Mühe haben werden, auch nur als tragikomische Figuren zu gelten! 12 völkische Jungturner Überfallen einen..Kinderfreunde" Helfer Demnächst werden sich vor Gericht zwölf völ- fische Jungturner aus Lichtenwerden bei F r e u- denthalzu verantworten haben, die kürzlich unseren Helfer der„Kinderfreunde" Adolf R o ß m a n i t h überfielen. Unser 23jähriger Freund Roßmanith befand sich mit zwei Jugendlichen auf der Straße gegen Wiedergrün. Die drei jungen Menschen sangen Wanderlieder, als sich plötzlich beim Walde aus allen Richtungen deutsche Jungturner auf sie stürzten. Eines von den Früchteln, die so im deutschen Turnverein heranreifen, mit einem Dolch bewaffnet und im G r a u h e m d, schwank einen Lichtleitungsdrahr gegen Roßmanith und schrie:„Du Hund wirst ausgehängt!" Ein anderer von.den Burschen, der „Führer" Guido Weiß, Mitglied der SdP, ließ sich also vernehmen:„Wenn wir im Dritten Reich sei» werden» hängt auf jedem Lichtmast ein Roter und Du wirst der Erste sein!" Roßmanith setzte sich natürlich gegen die Rowdies zur Wehr, die, im sicheren Gefühl ihrer großen ileverzahl, sogar die Taschen Roßmaniths durchsuchten. Schließlich, inzwischen schon in die Nähe des Ortes gekommen, ließen die Kerle von Roßmanith ab. Am Abend dauerten sie ihm neuerdings auf, allerdings vergeblich. Donnerstag, 25. November 1937 Nr. 277 Seite 4 Tagesneuigkeiten Lustspieldichter, heraus! Satiriker an die Front! Das Prager Tagblatt" ist in der Lage, bon folgendem ,, Kompromiß um ein Toilettenhäuschen" Kunde zu geben: Stocholm. Die Gefahr einer Zuspigung der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Norwegen durch den Bau eines Toilettenhäuschens gegenüber der deutschen Ge sandtschaft in Oslo ist aus der Welt geschafft. Dieses Häuschen wurde( als Teil der im nächsten Sommer in Oslo stattfindenden Ausstellung) gegenüber der Wohnung Dr. Sahms, des deutschen Gesandten, errichtet, der hiergegen Protest erhoben hat, da er dies als eine direkte Beleidigung Deutsch= Iands ansehen müsse. Nach langwierigen Ver handlungen hat jetzt die Ausstellungsleitung ein Kommuniqué ausgegeben, in dem sie ihr I e b= haftes Bedauern darüber ausspricht, daß sie durch den Bau die Aussicht der Gesandtschaft über das Meer berunmögliche und sich für das Ent gegenkommen und das Verständ nis bedankt, das der deutsche Gesandte an den Tag gelegt habe. Dr. Sahm ist zugesichert worden, daß das Häuschen unmittelbar nach Schluß der Ausstellung ni e dergerissen werden soll, im Gegensatz zu den übrigen Ausstellungsgebäuden, die noch weiter bestehen bleiben werden. Lustspieldichter, politische Satiriker, greift zu! Das Geld liegt auf der Straße, denn dieser Toiletten- Konflikt hat Aussicht, das Interesse der ganzen Welt zu finden. Adina Mandlová, Ota Belan und Bedřich Veverka im Film in ,, Jungfernschaft" ins Gegenteil geändert. Berliner Zeitungen vers sicherten auf einmal, Frau Dietrich habe niemals Schritte zur Erlangung der USA- Staatsbürgers schaft getan. Tatsache ist, daß sie das sogenannte ,, erste Papier", nämlich die verbindende Zusage der Einbürgerung, schon vor längerer Zeit erhalten hat.( bn.) Goebbels bandelt mit Amerika an. Der " Völkische Beobachter" veröffentlicht einen schar fen Angriff gegen den Berliner Korrespondenten der New York Times" Tolischus. Das Blatt schreibt, obgleich von verantwortlichen reichsdeut schen Stellen immer wieder flargestellt wird, daß bas Reich nicht daran denkt, die Loyalität der Volksdeutschen in aller Welt gegenüber ihren Staaten einem Zweifel auszusehen und obgleich immer wieder betoni wird, daß die Auslandsorganisationen der nationalsozialistischen Partei nur Reichsdeutsche in ihre Reihen aufnimmt, wollen die plumpen Lügenmanöver kein Ende nehmen. Zu einem solchen Manöver habe sich der er wähnte Journalist hergegeben. Sein Blatt ver öffentlichte in der Sonntagsbeilage einen Artikel unter der Ueberschrift Hitler rekrutiert die Deutschen in aller Welt" und einen Leitartikel, der die Enthüllungen des Berichterstatters als Beweis dafür bezeichnet, daß die Rassenlehre des Nationalsozialismus ein bewußter Angriff auf den Bestand aller Staaten mit Bürgern deutscher Abstammung sei. Stalice ausgeraubt wurde. Aus dem verschlosse- wo beabsichtigt war, die Lokale der katholischen nen Postfach an der hinteren Wand des Autobus- Studentenvereinigung zu überfallen. Diese Deses wurden drei Geldbeutel entwendet, die ins- monstrationen hatten bereits einen rein national gesamt 18.500 Kč enthielten. Die restlichen zwei sozialistischen Charakter. Die Polizei zerstreute Geldbeutel. mit zusammen 55.000 Kč Inhalt auch diese Demonstranten und stellte die Ruhe blieben unberührt im Fache. Die Gendarmerie wieder her, wobei 20 Studenten verhaftet wurden. fahndet angestrengt nach den Tätern und ist Zusammenstoß in der Luft. In Couldson ihnen bereits auf der Spur. ( Grafschaft Surrey) stießen Dienstag abends zivei Einsizer der britischen Luftwaffe in der Luft zusammen. Die beiden Maschinen gingen in Flammen auf. Die Insassen kamen ums Leben. kehr zwischen Warschau nach Palästina regel- wetter hielt in Mitteleuropa auch Mittwoch an. Die mäßig besorgende Flugzeug ist zwischen Saloniti Temperaturen schwanken in den Niederungen und Bukarest verschwunden. Das Flugzeug ist treten auch wiederschläge auf. Für Donnerstag ist vorgestern in Lydda in Palästina gestartet, tam noch teine wesentliche Aenderung zu erwarten. Erit 4 Grad, auf den Bergen friert es leicht. Stellenweise gestern in Athen und sodann in Saloniki an, von in den nächsten Tagen dürften wärmere maritime wo es am Nachmittag startete. Seit diesem Luftmassen zu uns vordringen und das Nebelgewölt richten mehr vor. Man glaubt, daß es gezwungen( liches Wetter Donnerstag: Meiſt be Augenblick liegen über das Flugzeug keine Nach- über Mitteleuropa auflösen. war eine Landung in irgendeinem entlegenen deckt durch Nebelgewöft, stellenweise leichte Nieder Teil Bulgariens vorzunehmen. In dem Flugschläge. Temperaturen im ganzen unverändert. zeug befanden sich drei Fahrgäste und drei Mann Besatzung. Die bulgarischen, griechischen, rumä- charakters, später vom Nordwesten her allmählich ruhig. Wetteraussichten für Freis tag: Vorerst Andauern des jezigen Witterungs nischen und jugoslawischen Behörden wurden über Auflösung des Nebels und Erwärmung. das Verschwinden des Flugzeuges verständigt. Ein Sonderflugzeug wurde entsandt, um nach dem Verbleib des Verkehrsflugzeuges zu fahnden. es gelungen sei, den ältesten Mann der Welt Das älteste Baßdatum. Es scheint so, als ob " amtlich" zu ermitteln. In den Bergen des KauBolia, der schon seit Jahren behauptet, der älteste kasus, im Dorfe Abhakasia, lebt der Bauer Bazale Mensch auf der Welt zu sein und der sich heute auf 162 Jahre einschäßt. Die Behörden haben den Fall untersucht und scheinen der Meinung zu sein, daß es mit den Angaben Lolias seine Richtigkeit babe, denn er hat jetzt einen Paß erhalten, in dem tatsächlich bescheinigt wird, daß er im Jahre 1775 geboren ist. Ein Flugzeug verschwunden. Das den Ver- Vorwiegend bedecktes und nebeliges HerbstWettbewerbklage gegen den Staatsverlag? Ein Teil der tschechischen Buchverleger fühlt sich durch die Monopolstellung des Staatsverlags bei Ein großer Mensch und seine Mutter. Am der Herstellung und Erpedition bestimmter Schul Mittwoch wurde der Leichnam des Prorektors der bücher, namentlich der Lehrbücher für Volks- und Karls- Universität in Prag, Prof. Dr. Karl Bürgerschulen, geschädigt. In der nächsten Zeit Weigners, den Flammen übergeben. Die sollen nunmehr Beratungen der in Frage fomAbschiedsfeier im Pantheon des Nationalmuseums menden Verlagshäuser stattfinden, die gegen den gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung Staatsverlag eine Klage wegen unlauteren Wettder Wertschäßung, die der Verstorbene in allen bewerbs einbringen wollen.( DND) Kreisen seines Volkes genoß. In Prof. Dr. Beigner ging ein großer Gelehrter, guter Mensch und tapferer Mann dahin. Seine wissenschaftliche Leistung ist weit über die Grenzen unseres Landes bekannt. Mit Genugtuung erinnert man fich feines mutigen Kampfes gegen den Rassenwahn. Um diesen Mann trauern auch die deutschen BeDienstag um 20.10 Uhr war in ihrer Prager Wohnung auch die Mutter Weigners, Julie Weignerová, im 84. Lebensjahre gestorben. Als sie von dem Ableben ihres Sohnes Kenntnis erhalten hatte, nahm sie sie ganz ruhig mit der Bemerkung auf, daß zwei Leichenbegängnisse stattfinden werden. Sie versant dann in eine tiefe Ohnmacht, aus der sie nicht meh. erwachte. wohner des Landes. Rutin wurde Mittwoch vormittags unter dem Welt von heute. In der Luftschußschule in Protektorate des Olmüßer Erzbischofs Dr. Leo pold Prečan der ganzstaatliche zweitägige Kurs der Flugabwehr für die Geistlich te it unter Beteiligung von mehr als 300 Geistlichen aus den verschiedenen Teilen der Republik eröffnet. M Vier Bergarbeiter verschüttet. Im staatlichen Kohlenbergrert Breza( Bosnien) hat, infolge eines Erdbebens in einem Stollen eine Stüßmauer vier Arbeiter verschüttet. Zwei sind tot, die anderen wei wurden lebensgefährlich verwundet. Haberman gesund. Der bekannte polnische Tödlicher Arbeitsunfall: Beim Abgraben von Virtuose Bronislav Huberman, der bekanntlich Lehm in einer Ziegelei im Gebiete von Böhmisch- bei einem Flugzeugunglück verletzt wurde, hat die Budweis wurde der 34jährige Arbeiter Hynet Rückreise nach Europa angetreten. Huberman Fajtlaus der Gemeinde Rudolfstadt von wird sein nächstes Konzert in Mailand absolLehmmassen verschüttet. Er erlitt ernste Verlet- vieren. zungen und starb noch vor der Ueberführung ins Krankenhaus. Er war verheiratet und Vater eines Kindes. Ueber die Ursache des Absturzes der Lehmmassen wurde festgestellt, daß ein Teil des Lehmes durchtränkt war. Fajtl war so eifrig bei der Arbeit, daß er der brutsch eines Teiles des überhängenden Erdre 3 nicht beachtete und bei dessen erster Bewegung zu Boden gerissen und verschüttet wurde. Im Zeichen der deutsch- polnischen Verständigung. Am Sonntag wurden die beiden deutschen Geistlichen des evangelischen Pfarramtes in Schientochlowitz, Pfarrer Koderich und Viz far Gerhardt, von dem durch den Wojwoden Dr. Grazinsky mit der Leitung der uniterten evangelischen Kirche in Ost- Oberschlesien beauftragten Rechtsanwalt Dr. Mi che i da ihres Amtes enthoben und durch einen polnischen Geistlichen ersetzt. Als Protest gegen diese Maßnahme berließen gestern sämtliche deutschen Kirchenbefucher den deutschen Gottesdienst, der bereits von dem polnischen Pfarrer gehalten wurde. Wahrschein Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Freitag: Brag, Sender I: 10.05: Deutsche Bresse, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 11.35: Edjall platten, 14: Deutsche Sendung: Liebeslieder und Debussy, Mozart etc. 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Duette, 16.35: Konzert des Mildner- Quarteites! Kindermann: Ueber die Sterblichkeit der Säuglinge, 18.25: Augen, warum denn klagt ihr, Kammerduett, 18.35: Deutsche Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten 18.55: Aus dem deutsch. Kulturleben. 18.45: D. Presse. 19.15: Walzer v. Dvořák, 19.50: Populä res Orchesterkonzert FON, 22.15: Tanzmusik. Pras, Sender II: 11: Französische Musik auf Schallplat ten, 14.20: Deutsche Sendung: Stößinger: Ein Prager reist durch die Schweiz, 14.35: Franzöftiche Operettenmufit, 14.55: Deutsche Presse, 18.10: Liederkonzert, 18.30: Duos für Geige und Viola. 5 ht el I Li โด 98 ip til Klaviers te In der Stahlgießerei der Friedenshütte bei Kattowiz ereignete sich am Mittwoch beim Abfüllen von Eisen eine Explosion. Das umher sprißende flüssige Eisen traf 17 Arbeiter, die Marlene wieder in Gnaden. Erst vor einigen sämtlich schwere Verlegungen erlitten. Ein Ar Wochen ließ Goebbels die Reichspresse immer feste beiter starb turze Zeit nach dem Unfall. Drei gegen Marlene Dietrich hetzen, wobei sie als Arbeiter sind so schwer verletzt, daß an ihrem Freundin der Hollywooder Juden und Verräterin Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Pavlacká: Aus Aufkommen gezweifelt werden muß. ihres Vaterlandes hingestellt und eine Photogra- dem Alten Neues, Dr. Müller: Vorlesung aus Wieder Studentendemonstrationen in Wien. Iphie reproduziert wurde, die sie bei der Empfang 12.35: Rundfunkorchesterkonzert, 17.30: Gesangs eigenen Werken, 20.55: Abendkonzert. Breßburg Postbeutel mit Geld gestohlen. Die Staats- Mittwoch rotteten sich Studentengruppen neuer- nahme ihrer amerikanischen Einbürgerung vor bahndirektion Brünn teilt mit, daß am 22. No- lich zusammen. Die Polizei drängte sie von der einem Beamten in Hemdärmeln zeigt. Nun hat sterkonzert: Smetana, Armann etc., 18.10: Deutsche fonzert. Mährisch- Ostrau 15.30: Rundfunkorches vember zwischen 17 und 18 Uhr ein Straßen- Universität und von der Technik ab, doch kam es der Alleroberste jüngst den Tonfilm ,, Der Engel" Sendung: Torž: Ueber Herbstkartarrhe, autobus während der Fahrt von Rovečné nach im 9. Bezirk neuerdings zu Zusammenrottungen, I gesehen und darauf wurde das Pressekommando tompofitionen von Schumann. 1 Sechs Monate Station Nordpol Die vier einsamsten Menschen der Welt alle unsere bisherigen Vorstellungen über den Haufen wirft. Chirchow ist unermüdlich dabei, den Ozean zu vermessen. Dies ist ihm dreimal im September und Oktober gelungen, und es hat sich dabei ergeben, daß die Tiefe zwischen 3000 und 4000 Meter schwankt. Die größte Tiefe betrug 4372 Meter. Auch dies ist für die Wissens schaft vollkommen neu gewesen. Der Sommer auf Station Nordpol war ges er aic Tid ali rio fai na boi Bä oje gle syn qui lini nis red geti in 1 We tion bar dur schic die zum in diesen Tagen gab Krenkel alle drei Stunden wird, ist ein Dokument von allergrößter Bedeu-| auf die Magnetfelder in diesem bisher noch nicht einen genauen Bericht nach Moskau durch. tung. Es ist zum Unterschiede von vielen Tage- systematisch bearbeiteten Gebiet zu machen. Sie Eigentlich war die Bezeichnung..Station büchern, auch berühmter Nordpolforscher, streng haben eine neue magnetische Karte gezeichnet, die Nordpol" nur ganz wenige Tage wissenschaftlich systematisch geführt und verzeichnet jedes fleinste eraft. Als sie begründet wurde, wurde das Zelt| Ereignis der bisherigen sechs Monate. auf 89 Grad 88 Minuten nördlicher Breite an- Uebrigens wohnt es sich, wie Krenkel aus gelegt, d. H. tatsächlich in unmittelbarer Nähe plaudert, recht bequem am Nordpol. Man hat MTP. Moskau. Der 21. November ist des Pols. Aber seit damals haben die Forscher zwar nicht sehr viel Plaz, aber dafür ist es im nicht nur in den Kreisen der russischen Flieger eine mehr als tausend Kilometer lange Reise nach Innern der Behausung recht warm. Das Therund Nordpol- Forscher festlich begangen worden,| Süden auf dem Treibeis zurückgelegt: die ge- mometer steigt über Null, manchmal sogar auf sondern auch die gesamte Presse hat an diesem naue Position am Tage der Sechsmonats- Feier drei Grad, und das ist geradezu tropische Hize Tage spaltenlange Berichte den vier Männern war 83 Grad 38 Minuten nördlicher Breite. Die für Nordpolforscher. Strenkel weist auch empört gewidmet, die seit genau sechs Monaten, seit dem Reise ging fast schnurgerade nach Süden, die Ab- die Bezeichnung Belt" zurück. Es ist kein Zelt, radezu paradiesisch. Die Temperatur stieg über 21. Mai 1937 auf der berühmten Station weichungen rechts und links vom Meridian waren sagt er, sondern ein großartiges Haus, dessen Nordpol" wohnen. Zur Feier des Tages hat der ganz gering. Schon allein dieses Ergebnis des Wände aus vereiſtem Holz aufgeführt sind, das Null, und die Forscher haben so ganz nebenbei Nadio- Telegraphist der Station, Krenkel, über Aufenthaltes der vier Männer am Nordpol ist eine Tür aus dickem Gummi besitzt, die so her aufgeräumt, wonach Tiere nicht bis an den Pol mit einer seit Nansen vertretenen Auffassung dessen Leistungen noch zu reden sein wird, neben wichtig genug. Man hat einen vollkommen neuen vorragend schließt, daß man sie zuweilen nicht den üblichen wissenschaftlichen Funksprüchen auch Einblick in die Bewegung des Polareises gewon- aufbekommt, und ein Dach aus echten Bären- fommen. Sie haben Möwen gesichtet und einmal ein launiges Interview durchgegeben, das einen nen, und vor allem ist die Theorie, daß es am fellen. Es ist geradezu Lurus, was hier getrieben sogar eine weiße Bärin mit zwei Jungen. Die unmittelbaren Eindruck von dem Leben der vier Nordpol Land gibt, endgültig begraben. wird. Gewiß, man ist ein bißchen beengt. Man Gefahr bestand darin, daß das Eis durch die Männer am Nordpol gibt, die nicht ganz mit Die Wahl von Professor Schmidt, der das muß, wenn man in den Schlafsack steigt, acht Schmelze sich auftürmte, so daß das Zelt zeits Recht die einsamsten der Welt genannt worden Wagnis der Anlage einer Ueberwinterungs- geben, weder den Tisch umzuwerfen, noch mit weiſe faſt erdrückt wurde. Jetzt hat die lange find. Denn, wie Strenkel vollkommen richtig sagt, station am Pol beschloß, fiel auf zwei Wissen- dem Kopf das Bärenfell durchzustoßen. Wenn Polarnacht begonnen, es herrschen Temperaturen sie standen in dauernder Verbindung mit Mos- schaftler und zwei Männer, die die Polargegend man die Hosen anzieht und dabei die Beine zu bon über 30 Grad Frost, es ist langweilig, aber tau, und nicht nur mit Rußland, sondern sogar so gut kannten wie die Straßen Mostaus. Chef hoch schleudert, kommt die Lampe in Gefahr, und die vier Männer sind bereit, weiter durchzu auch mit ganz Europa, den Vereinigten Staaten, der Gruppe ist Papanin, ihm zur Seite steht mit den Ellbogen wirft man regelmäßig die Inhalten. und einmal hat sich Strenkel sogar mit Austra- der schon genannte rente L. und die beiden strumente von Fedorow und Chichow um, die Profeffor Schmidt hatte seinerzeit vor lien direkt verständigen können. Das Wunder Wissenschaftler sind der Astronom Fedorow natürlich mit Recht wütend sind. Papanin sei- gesehen, daß die Station ein Jahr lang eristics des Radios, das diese Expedition überhaupt erst und der Hydrobiologist Chirchow. Papanin ist nerseits, als Chef der Gruppe, hat es sich vorbe- ren soll. Die Hälfte dieser Zeit ist um. Ob die ermöglicht hat, hat viel von dem Schrecken der der schweigsamste von allen. Was er zu berichten halten, die Gläser zu zerbrechen, er hat bis jetzt Forscher noch weitere sechs Monate auf Station Einsamkeit genommen. Der kleine Sender, der haben wird, wenn die Expedition zurückkehrt, das höchstens ein Dußend verschont. Nordpol bleiben werden, steht noch dahin. Nach nur mit 20 Watt arbeitet, war eine Brücke über verbirgt sich vorläufig in einer abgewebten Krenkel, wie gesagt, schwaßt die ganzen dem Verschwinden von Lewanewski sind auch die das Eismeer hinweg, die niemals versagt hat.| Aftenmappe, die an der Wand des Beltes hängt. Tage per Radio, Papanin schweigt und führt das unerschrockenen russischen Polarhelden vorsich Ja, als die russischen Polarflieger Gromow und Papanin wird wütend, wenn jemand daran Tagebuch, und die beiden Gelehrten arbeiten. tiger geworden, und Schmidt will auf keinen Fall Tschkalov ihren Flug nach Amerika durchführten, rührt. Denn das Tagebuch, das er führt, und das Insbesondere ist es ihnen bereits gelungen, das Leben der Vier in Gefahr bringen und wird bediente sie die Funkstation Nordpol dauernd und er bei der Rückkehr seinen Vorgesezten übergeben außerordentlich wichtige Feststellungen in bezug fie eventuell früber abholen lassen. M. K. der fenn Stint bon bon das Nr. 277 Donnerstag, 25. November 1937 Der Mythologe der Romantik Zum 50. Todestag von Johann Jakob Bachofen am 25. November " Von Wilhelm Russo Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit, Um fie tein Ort, noch weniger eine Beit; Von ihnen sprechen ist Verlegenheit. Die Mütter sind es!" Goethe: Faust. Erst in der Nachkriegszeit befann man sich auf Bachofen; es erschienen einige Neuauflagen seiner Werte und fanden ihre Leser. Und es sieht so aus, als würde dieses Interesse bald zunehmen: eine Zeit, die so enttäuscht ist von all ihren Fortschritten und Errungenschaften, eine Zeit, die im tiefsten Grunde so ratlos ist wie die heutige, findet sich auch eher bereit, einen Mann zu sich sprechen zu lassen, der wie kaum jemand vor oder nach ihm die Fähigkeit hatte, Mythus, Seele und Geschichte zu deuten. " Der tiefsten Stufe der Stofflichkeit folgt die höhere des Ackerbaus: Aehre und Saatkorn werden zum heiligen Symbol des mütterlichen Myste= riums. Was beide Stufen miteinander verbindet, ist das gleiche Grundprinzip: die Herrschaft des " Der alte Bachofen ist vor etwa einem gebärenden Leibes. Doch der höheren Stufe des Ackerbaus entspricht die im Vergleich zum HetäMonat ganz plötzlich gestorben, von den angeblich rismus höhere Stufe der„ demetrisch geordneten hinterlassenen vierzehn Millionen scheint der Uni- Gynäfokratie" mit ihrer Ausschließlichkeit der berjität nichts zuzufließen", so heißt es in einem ehelichen Verbindung. Aber gerade durch diese Brief des Theologen Franz Overbeck aus dem Ausschließlichkeit ist die Göttlichkeit jenes urJahre 1887 an seinen Freund Friedrich Nietzsche. sprünglichen Gesetzes, des Gesetzes vom Stoff, Mehr wußte der berühmte Kirchenhistoriker über das feine Beschränkung fennt, berlebt: so ers jeinen verstorbenen Zeitgenossen nicht zu berichten, icheint die Ehe nicht als Erfüllung, sondern als auch sonst machte die wissenschaftliche und litera Berlegung eines Religionsgebotes. Sie verbindet rische Welt nicht viel Aufhebens von dem Tod sich, um das Wohlwollen der Gottheit wiederzudes Basler Gelehrten, und dann wurde es still gewinnen, mit tetärischen lebungen. Vielfälti um Bachofen, noch stiller, als es ohnehin in seinen sind die Formen, in denen sich diese Idee widerlebten Lebensjahren um ihn schon gewesen war. spiegelt: der Hetärismus der Matronen, Tempelprostitution, die Darbringung des Haupthaares um nur Beispiele zu nennen.„ Das weibliche Sühnopfer", heißt es im Mutterrecht"," wird im Laufe der Zeiten auf ein immer geringeres Maß, auf eine stets leichtere Leistung zurückgeführt. Nur ganz allmählich schreitet das demetrische Prinzip zum Siege vor". Das natürliche Mutterrecht wird also abgelöst durch das eheliche, durch die eigentliche Gynäkokratie, in der sich Güter und Namen nach mütterlicher Abstammung vererben. Durch das Kind, das ihrem Schoß entspringt, lernt die Frau früher als der Mann ibre Liebe über die Grenzen der eignen Persön lichkeit zu erstrecken, schneller als beim Mann erwacht in ihr unter dem Einfluß solcher Stellung das Prophetische ihrer Natur und die Ahnung des Göttlichen. Die geringere Körperkraft führt sie zur Ausbildung von Fertigkeiten, die für den auf die größere physische Kraft vertrauenden Mann zunächst entbehrlich sind. Alles vereinigt sich, die erste Erhebung des Menschengeschlechts an das Weib anzuknüpfen. Von diesem Standpunkte aus Der Mythologe der Romantik trat sonder erscheint die Begründung der Gynäkokratie als Der Mythologe der Romantik trat sonder barerweise zu einer Zeit auf, als die Blütezeit der erste große Schritt in der Gesittung der Welt. ber Romantik längst vorüber war. 1815 in Basel 3ft dem wilden Zustande die Gewalt des Stärkern allein entsprechend, so verkündet das höhere geboren, studiert er erst Philologie, dann Rechts- Recht des schwächern Weibes den Sieg gemilderwissenschaft. In Berlin wird Friedrich Carl von ter Sitten." Doch das Menschengeschlecht, vom Savigny sein Lehrer. Dessen typisch romantische eibe erzogen, entwächst der stofflichen BevorTheorie, nach der nur die Kindheitsepochen der mundung und gibt die Gewalt an den Mann zuVölker, nicht aber deren Spätzeiten fähig zu rück, um den Szepter, den ehemals die rohe schöpferischer Rechtsbildung sind, weist den jungen Studenten auf den Weg, nach dem er gesucht hatte. Physische Straft mißbrauchte, der höhern geistigen Studenten auf den Weg, nach dem er gesucht hatte. Bedeutung des Vaters wiederum zu überliefern." Er promoviert in Göttingen, fährt nach Paris, London, Oxford und Cambridge, tehrt nach Hause und damit gelangen wir zum entscheidenden zurück und wird auf den Lehrstuhl für römisches Wendepunkt in der Geschichte des Geschlechtsver= zurück und wird auf den Lehrstuhl für römisches hältnisses: zum Uebergang vom Mutterrecht zur Recht an der Basler Universität berufen. Schon Man hat Johann Jakob Bachofen den My thologen der Romantik genannt. Damit ist zivar noch nicht allzu viel gesagt, doch jedenfalls seine intuitive und antirationalistische Schaffensweise angedeutet. Man nennt Bachofen sofern man ihn überhaupt nennt den Entdecker des Mutterrechts, und auch diese Benennung ist zwar feineswegs erschöpfend, doch weist sie immerhin auf jenes Zentrum, um das dieses Leben von Anbeginn bis Ende freiste: die Muttergestalt. 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Du sie= RADIOTECHNA Kč 150.000 sind für neue Hörer vorbereitet, die sich einen Radioapparat in der grossen Losungs- Aktion„ Eine Million RunfunkTeilnehmer" kaufen. Informationen bei Radiohändlern. zum ersten Mal die Gestalt der Mutter in den Mittelpunkt gerückt zu haben. So wie er hat nieBei den 295 Krankenversicherungsanstalten, a) nach dem Ges. 221/24( Arbeiter): Männer. 1844, nach drei Jahren akademischer Wirksamkeit, Paternität. Ueber das förperliche Dasein erhebt Bachofens: bei der Betrachtung der Weltgeschichte Die Beschäftigung im Oktober zieht er sich ins Privatleben zurück. Erst als Fünf- fich das geistige. Ein Weltalter geht unter, ein zigjähriger heiratet er, und zwar die dreißig neues entsteht auf deſſen Trümmern, das apolliheiratet er, Jahre jüngere, ebenso anmutige wie unbedeutende rische. Der Orient gibt seine Macht an den Of mand das Weib in seiner weiblichsten Funktion die der ZSVA unterstehen, waren im Oktober erkannt und geehrt, Mutter und Mythus sind 1937 versichert: Luise Elisabeth Burckhardt. Daß er diese Che, 3ident ab. Die zahlreichen Irrtümer in dieser dennoch untrennbare Begriffe: so wurde aus dem Entdie innerlich für ihn faum von Belang getvesen ist, erst so spät, erst nach dem Tode seiner Mutter, genialen Konzeption haben geschäftige Historiker decker des Mutterrechts der große Mythologe, be= einging, ist alles andere als eine Verkettung nur längst nachgewiesen. Eine Periode des Mutter- rufen, Herders Auftrag zu erfüllen:„ Alle älteste äußerer Umstände: das entscheidende Frauen- rechts und der Gynäkokratie möchte heute die Geschichte, wenn sie nüßlich werden soll, muß als Erlebnis war und blieb ihm die Mutter,„ von Wissenschaft nur einzelnen Völkern, nicht aber der Philosophie und Dichtkunst, als eine Art MythoMenschheit im Ganzen zubilligen. Fachwiffen- logie studiert werden. deren Liebe und Treue zu reden wir nicht auf- schaftliche Einwände mindern jedoch nicht die Tat das schönste, lehrreiche Gemälde gäbe." hören wollen, solange das Leben uns dauert" wie Bachofen der Mutter als Widmung auf die erste Seite seines Hauptwertes," Das Mutterrecht", schrieb. Frau und Romantik sind unlös liche Begriffe; daß aber Mutter und Romantik so innig verschwistert sind, hat sich außer bei Volkswirtschaft und Sozialpolitik Bachofen nur noch in einem Falle zugetragen: bei Beschäftigung Jakob Grimm, dem Entdecker der„ Muttersprache", der zeitlebens unverheiratet geblieben ist, und dessen Lebenswert, die" Deutsche Grammatit", Erlebniſſes gekommen ist, wie Bachofens„ Mut terrecht". " im ganzen unverändert Schwankungen in einzelnen Branchen Der Monatsbericht der Nationalbank Der Bankrat der Nationalbank hielt am 24. Der Titel des Wertes, das im Jahre 1861 November seine ordentliche Monatsfibung unter erschien, könnte dazu verleiten, hier nur eine so- Vorsiz des Gouverneurs JUDr. Karel Engliš ab. Geschäftsbericht entnehmen elend, wenn das nicht. N 6 we . 1,542.970 • 898.848 • 4 2,441.818 44.291 0 Frauen. zusammen gegenüber September mehr um gegenüber Oktober 36 mehr um. 207.634, b) nach dem Ges. 117/26( Pensionsvers): Männer Frauen zufammen ." 9 # Die Bewegung der Großhandelspreise verlief im ganzen parallel zu den Weltrohstoffmärkten. Der Jnder der empfindlichen Preise sowie der Großhandelsinder der Industriestoffe und Erzeugnisse erfuhren eine neue Abschwä chung. Der Jnder der Nahrungs-, Genuß- und gegenüber September mehr um Futtermittel befestigte sich demgegenüber. Der Gesamt- Großhandelsinder änderte sich zu No- gegenüber Ottober 36 mehr um bemberanfang nur unbedeutend, auch die Indices der Kleinhandelspreise und des Lebensstandards waren zum Oktobermedium verhältnismäßig stabil. Die Hackfrüchteernte ist beendet. Die Ers trägnisse aller Hadfrüchte liegen über dem Normal. Das Wintergetreide ist bis auf geringe Ausnahmen ausgefät, sein Stand ist heuer wesentlich günstiger als zur gleichen Vorjahrsperiode. Angestellten- Mehrarbeit in der Vorweihnachtszeit A 130.780 58.556 • 189.336 . 2.360 . 10.447. Die Vorarbeiten für den größeren Geschäftsandrang in der Vorweihnachtszeit, die ver= lichkeit handelt es sich um weit mehr. Ein Beit wir folgendes: mehrte Geschäftstätigkeit selbst und die bald alter der menschlichen Gesittung, eine Weltpe= In der internationalen politischen Lage erdarauf folgenden Inventur- und Bilanzarbeiten bringen in den meisten Handel- und Industrieriode und Kulturstufe, die bisher überhaupt unbe- gaben sich während des letzten Monats neue Unkannt war, in der ganzen Breite ihrer Entstehung ruhemomente, es verstärkte sich jedoch auch das zweigen eine Arbeitsvermehrung mit sich. Unter Die Industriebeschäftigung nach den erhaltenen mythischen leberlieferungen Bestreben nach Verständigung in Streitfragen. bewegt sich durchschnittlich auf dem Vormonats Bedachtnahme auf die große Anzahl von ar= beitslosen Angestellten, die trop borzuführen, ist die Aufgabe, die sich Bachofen im Die beträchtlichen Verschiebungen des internatio- niveau. In einigen Branchen wurde ein mäßiger so umschreibt Alfred nalen freien Kapitals riefen in einigen Staaten Rückgang der Auftragseingänge verzeichnet, der Wirtschaftsbelebung nicht untergebracht sind, hat Mutterrecht" stellt" der A AV( Allgemeine Angestell Bäumler das Thema. Es ist das Thema von Bach Maßnahmen gegen seinen unerwünschten Einfluß eher vorübergehenden Charakter trägt ojens Lebenswerk überhaupt, das Thema, dem er Die Weltwirtschaftsaktivität bleibt auf und besonders mit der Unsicherheit der Preisent- en- erband, Reichenberg) an die gleicherweise in seinem Versuch über die Gräbers hohem Niveau, in einigen Staaten ist jedoch eine widlung auf den internationalen Rohstoffmärts Erfuchen gerichtet, zur Bewältigung dieser Mehrderen das dringende symbolik der Alten", in der Sage von Tana Abschwächung zu bemerken. ten quil" und in anderen Schriften nachgegangen ist. In der Tschechoslowakei hat sich die Be- wurde jedoch in der überwiegenden Mehrheit der arbeit derzeit beschäftigungslose Ana schäftigung im Durchschnitt auf dem erhöhten Industriezweige unverändert intensiv gearbeitet. gestellte aufzunehmen. Niveau der Herbstmonate stabilisiert und schwankt Die Anzahl der nicht placierten Arbeitsbewerber Das Verlangen, daß die beschäftigten An" Und stets ist es der Mythus, der ihm die Erkennt nis bermittelt, denn so heißt es in der Vorrede zum Mutterrecht" er erscheint als der getreue Ausdruck des Lebensgefeßes jener Zeiten, alten hervor. in den einzelnen Zweigen nach beiden Richtungen. liegt beträchtlich unter dem Vorjahrsniveau, gestellten die Mehrarbeit durch Ueberst unAuf dem Geldmarkt traten teine größeren wozu auch bisher die durch das langandauernd den Leistungen bewältigen sollten, wäre Aenderungen ein, der lebhaftere 3 ab I ungs- günstige Wetter ermöglichte Bauſaiſon beiträgt. unsozial, wozu noch kommt, daß sich jede wäre tion der ursprünglichen Dentiveise, als unmittel- wiegend von der öffentlichen Hand aus. Die das Niveau des Jahres 1931. Nach qualifi- gewiß sofort in Warenkäufen und damit ihre Grundlagen Arbeitsträfte durch hohe Zuverlässigkeit ausgezeichnete Geprüchen infolge der Preisunsicherheit auf frage. schichtsquellen." den internationalen Rohstoffmärkten abwartend. Nach den strengen Weisungen des FürsorgeminiDie Oktoberergebnisse des Außenhandels steriums ist auch auf Bewilligung von Ueber Geleitet vom Mythus geht Bachofen bis in Die Spareinlagen entwicklung ist günstiger zeichneten sich neuerdings durch einen starken stunden nicht zu rechnen; abgesehen davon ziehen zum Tellurismus und our Sumpfvegetation. ir melden die Geldanstalten wiederum einen Ein- ziemlich hohe Rohstoffeinfuhr und insbesondere fen nach sich. die der er das Prototyp ehelosen Muttertums er- lagengustrom. An langfristigem Investitions- wieder durch eine attive Handelsbilanz aus. Die Es liegt daher auch im Arbeitgeberinteresse, Kinder zur Welt, deren Väter nicht einmal etwas lich aus den östlichen Gebieten der Republit, so nen Warengruppen aufgeteilt und das Teil- gestellten- Verbandes, Reichenberg, zu entsprechen. fennt. Dem Sumpfboden gleich bringt die Frau kredit herrscht bedeutendes Intereffe, vornehm Ausfuhrzunahme ist proportionell auf die einzel- dem begründeten Ersuchen des Allgemeinen Anbon ihrem Batertum wiffen. In dieser Epoche, daß es als notwendig erscheint, die Nachfrage attivum mit den Ländern des freien Zahlungs- Stellenlose Angestellte werden im Bedarfsfalle bon Bachofen als„ Hetärismus" bezeichnet, ist nach der Dringlichkeit und Proportionalität zum verkehrs steigt schneller als das Aktivum mit den durch die kostenlose Stellenbermitt das Kind das unbestrittene Eigentum der Frau. I gesamten Kreditbedarf zu flassifizieren. Clearingländern. Iung des Verbandes jederzeit nachgewiesen, 6 A t. e, t. Br It I. 13 rg 34 je [= ht fe 10 2= 1= SERRA ie i, al at e= er ei 1g ol al ie ie ts де 211 er IF es ie It SEAR ie 5½ LIT g *citc 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 25. November 1937. Nr. 277 zuge- Der Gra- Riß- sind Nachwirkungen des„TagrS der Stille". Die während des /.Tages' der Stille" ausgestellten Apparate zux Weisung des Straßenlärms baden ein Material ergeben, das an den zuständigen Stellen verarbeitet wird. Da« eine der Hauvtursachen des Prager StraKenlärms nicht sobald zu beseitigen sei» wird, stellt fest. Es llandelt sich um die von der Stra- Kenbahn verursachten Geräusche, deren Intensität alle anderen Lärmauellen bei weitem, in. Schatten stellt. Neben den Kraftfahrzeugen kommen allerdings als Lärmerzeuger auch die Pferdefuhrwerke in Betracht, die im Primer Straßenleben immer noch eine bedeutende Rolle spielen. Das städtische Gesundheitsamt hat die Anregung aufgegriffen. die Pferde.dieser Fuhrwerke mit G u m m i b e s ch l ä g e n statt der Hufeisen zu verseben. Die tierärztliche Fakultät, der dies« Anregung zur Aeusterung borgelegt wurde, hat eine solche Maßnahme vom veterinärmedizinischen Standpunkt aus vollkommen gebilligt. Auch die Postverwaltung hat ein Uebriges getan und den grundsätzlichen Beschluß gefaßt, die von Pferden gezogenen Postwagen mit Gummireifen zu versehen, da festgestellt wurde, daß diese Art von Fuhrwerken nicht wenig zur Erhöhung des Straßenlärms beiträgt. Vorläufig sollen 40 Postwagen mit Gummireifen verseben und in dieser Aktion dann nach Maßgabe der verfügbaren Geldmittel systematisch fortgefahren werden. Die produktive Winterhilfsaktion für die Prager Arbeitslosen ist durch Beschluß des Prager Stadtrates für die kommende Wintersaison festgelegt worden. Das Hilfswerk soll 5810 Personen umfassen. Die Art. der Beschäftigung ist annähernd die gleiche wie in den vergangenen Jahren. Je nach Familienstand und sonstigen sozialen Gesichtspunkten werden die Arbeitslosen, die von dieser Aktion erfaßt werden, in zwei Gruppen beschäftgt werden. Die erst« Gruppe in fünf achtstündigen Arbeitstagen pro Woche, die zweite in drei achtstündigen Arbeitstagen. Der Stundenlohn ist mit 3.50 bzw. 2.80 KC festgesetzt. Es handelt sich wieder um ein ordentliches Arbeitsverhältnis, bei welchem die Beschäftigten der ordentlichen Versicherung unterliegen. Für 87.000 AL Pelze veruntreut. Der 47jäh- rkge Kürschner Karl Häjek aus Prag II. Goldschmiedegasse. erstattete gestern vormittags die Anzeige gegen sich selbst, daß er etwa 80 Personen, die ihre Pelze bei ihm zur Aufbewahrung hinterlegt hatten, die Pelze veruntreut und versetzt habe. Im Versatzamt habe er im ganzen 97.000 AL erhalten, die er für sich verwendet habe. Bor seiner Selbst- anzeige hatte er noch all seinen geschädigten Kunden Kundgebung 6er vankangestellten Am Mittwoch abends hielt in^der Prager Produktenbörse der Verband der Bank- und Sparkassenbeamten gemeinsam mit dem Verband der Skon- tisten und Kanzleiangestellten eine sehr zahlreich besuchte Manifestationsversammlung ab. in der die Forderungen der Bankbeamten auf Auszahlung des Avancements und teilweise Wiedergutmachung der in den Krisenjahren erlittenen Einkommensverluste öffentlich zur Sprache gebracht wurden. Aus den Referaten, die von A n d r s t(tschechisch) und von König und Dr. Böhm(deutsch) gehalten wurden, ging hervor, daß die Organisationen der Bankbeamten Ende September den Großbankdirektionen die Forderung auf Erhöhung des Einkommens der Bankbeamten um 10 Prozent überreicht haben, daß aber die Direktionen der Unionbank, der Bebca und der Länderbank die Verhandlungen über diese Forderungen bis ins nächste Jahr aufschieben wollen und die Forderung auf Rückwirkung der Wiedergutmachung überhaupt ablehnen. Die Redner wiesen darauf bin, daß die seitens der Bankdirektionen gegebene Begründung, sie könnten den Geschäftsgang dieses Jahres bis heute noch Nicht übersehen, höchst sonderbar ist, und daß dem von den Bankdirektionen zur Schau getragenen Pessimismus hinsichtlich des Konjunkturverlaufs die Tatsache gegenübersteht, daß die Banken die. Vorteile der Konjunktur schon reichlich ausgenützt und an ihr 80 Millionen AL verdient haben. Während die Gehälter der leitenden Funktionäre in die Hunderttausende gehen, haben die Angestellten nur ein unzureichendes Avancement erreicht. Besonders schlimm sei die Lage der jüngeren Angestellten, die vom Avancement ausgeschlossen wurden. Die„Hilfskräfte" der Großbanken seien schlechter bezahlt als Hausgehilfinnen, die Laufburschen bleiben, auch wenn.fie schon 28 Jahre alt sind, tief unter dem Existenzminimum: Die Redner verwiesen'auf die Steigerung der Mieten in den letzten Jahren und auf die neuen Steüererhöhungen, die den Angestellten schwere Lasten aufrrlegen. Um so schärfer müßte die Behauptung der Bankdirektionen zurückgewiesen werden, daß die Erledigung der von den Bankbeamten erhobenen Forderungen nicht dringend sei. Von Vertretern der anderen Bankbeamtenorganisationen wurde der Versammlung versichert, daß alle Bankbeamtengewerkschaften hinter den genannten Forderungen stehen, die in einer Resolution zum Ausdruck gebracht wurden. die Versatzzettel in eingeschriebenen Briefen stellt. Er wurde nach Pankratz eingeliefert. Freiwillig zurück in die Strafanstalt. 26jährige Alois Lillich, der am 13. d. M. aus der Zwangarbeitsanstalt in Brünn entflohen war, nachdem er dort 1000 AL aus der Kaffe entwendet hatte, stellte sich dieser Tage bei den Prager- Sicherheitsbehörden. Er gab an, er habe sich für das gestohlene Geld Kleider und Stiefel gekauft und sei dann nach Prag gefahren, wo er einigemal im Wrschowitzer Nachtasyl, dann bei der Heilsarmee nächtigte. Schließlich sei ihm das Geld ausgegangen und da er weder Arbeit ftnden, noch sich zu weiteren Diebstählen entschließen konnte, habe er sich wieder der Polizei gestellt. Kinder überfahren. Gestern vormittags wollten in der Neklangaffe auf dem Wyschehrad zwei Knaben die Fahrbahn überschreiten, wobei der eine— der fünfjährige Jaroslav Hacaperka— gerade vors Auto des Wenzel Herych aus Prag IV lief. Er erlitt einen Bruch beider Schenkel, wurde mit Hilfe der Umstehenden unter dem Auto hervorgezogen und von der Rettungsgesellschaft ins deutsche Kinderspital gebracht. Dem Wagenlenker wurde der Führerschein entzogen. Tödlicher Arbeitsunfall. Gestern nachmittags fanden in der Cestmirstraße in Russe Fußgänger einen jungen Mann bewußtlos liegen, der aus einer großen Stirnwunde blutete. Es gelang, in ihm den 25jährigen Metallschleifer Franz Jelinek aus Bu- bentsch festzustellen, der angab, es sei ihm kurz vorher in der Werkstatt seines Arbeitgebers Rr. Ku- öera eine Metallstange auf den Kopf gefallen. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Schlaffer, wo ein Schädelbruch und eine tiefe wunde festgestellt wurde. Die Verletzungen tödlich. Ein mächtiger Mammutzahn wurde bei bungen in der Dejwitzer Umgebung zutage gefördert. Der wertvolle foffile Fund, der dem Nationalmuseum übergeben wurde, erreicht an Größe und Wert zum mindesten die besten Funde dieser Art. die bisher im Scharkatal gemacht wurden. Dr. Georg Terramare spricht Donnerstag, den 2. Dezember, um 20 Uhr im Bankettsaal des Deutschen Hauses über„Probleme und Aufgaben der deuffchen Theater in.der Tschechoflowakei". Anschließend DiSkuffion. WeihnachtS-Ausflugszüge der StaatSbabnen. Vom 18. Dezember bis 2. Jänner Hohe Tatra 830 AL, VySnie RuXbachv 630 AL: 23. Dezember bis 2. Jänner Hohe Tatra 690 AL; Vysny Rusbachy 550 AL; Karvathprußland 520 AL. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilson- bahnhof. Telephon 383—35. Der Partner der falschen Kubaner Prag.—rb—. Vor dem Berufungssenat des OGR Dr. V ä v r a wurde gestern über die von der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch des aus der bekannten Hasardspielaffäre bekannten Leon Gartenberg eingebrachte Berufung verhandelt. Wie bekannt, wurde der Prager Bankier Votickh in schwerem Hasardspiel mit zwei angeblichen Kubanern, die sich als Vertreter eines ausländischen Finanzkonzerns vorstellten, nm etwa 350.000 AL erleichtert, worauf er die Polizei alarmierte. Als Vermittler; und Kiebitz bei dieser Partie fungierte der 52jährige Leon Gartenberg, ohne aber an dem Spiel aktiv tellzunehmen. Dieser Herr, angeblich Repräsentant ausländischer Manganwerke wurde vor Der Streik der Kohlenverlader seht weiter Die optimistischen Meldungen, die im Laufe des vorgestrigen Abends bekannt wurden, haben sich als verfrüht«rwillen. Die Dienstag nachmittags eingeleiteten Verhandlungen wurden ohne positives Ergebnis abgebrochen und Mittwoch fortgesetzt, ohne daß sich eine Einigung ergeben hätte. Die Dienstgeber beharren auf ihrer Bedingung, die zugesagte achrpro- zentige Lohnerhöhung nur unter der Bedingung aufrecht zu erhalten, daß die neuen Kohlenrichipreise in Wirksamkeit treten. Mehrfach wird ein überflüffig hartes Vorgehen der Polizei gegen die streikende Arbeiterschaft festgeftellt. Die zuständigen Stellen soll- ren der aus verschiedenen ähnlichen Anlässen unrühmlich bekanntem„Forschheit" gewisser Sicherheitsorgane Einhalt tun. Man schlägt sich und verträgt sich . Prag.—rb—. Gestern sollte vor dem hiesigen | Bezirksgericht(GR. Dr. V l k) die Verhandlung über eine Ehrenbeleidigungsklage fortgesetzt werden, die der j Abgeordnete der„Nationalen Vereinigung", Anton iChmeIkk, gegen seinen Gesinnungsfreund, Karl Brusnicky, angestrengt hatte, der ihn beschuldigt hatte, daß der Abg. Chmelik einer gewiffen Firma Aufträge für Marmorarbeiteu am Hause der Prager Elektrischen Unternehmungen zugeschanzt und dafür \ eine kostbare Golduhr mit Onyxverzierung empfangen habe. Die gestrige Verhandlung war ein Unikum, wie es auch langjährigen Gerichtssaalbesuchern nur selten zur Anschauung gelangt. Während noch der Anwalt des Geklagten, Dr. H ü b s ch m a n n, sich für die Vertagung der Verhandlung einsetzte, da die Streitparteien im Begriffe seien, sich zu einigen, sprang ihm der Abgeordnete Chmelik in die Rede, | der seinem Gegner die Frage vorlegte, ob er wirklich ! Wort halten wolle. Diese Frage bezieht sich auf irgendwelche Vereinbarungen, von denen die Oeffent- lichkeft nichts erfuhr, ebensowenig aber auch der Rechtsbeistand des Geklagten, der nach der zustimmenden Antwort seines Klienten die Vollmacht niederlege und erklärte, weder eine juristische, noch eine p o li t i s ch e Verantwortung für diese Hinter seinem Rücken vollzogenen Abmachungen zuüber- nehmen. Der klagende Abgeordnete Chmelik erklärte sich für einen„Kavalier, der auf der weiteren Verfolgung der Sache nicht bestehe und seinem Gegner auch die Kosten nachsehen wolle". Daß dieser Gegner nicht die mindeste Ehrenerklärung abgab und jene rätselhaften Abmachungen unter dem Ausschluß der Oeffentlichkeit abgemacht wurden, ohne daß sechst die Anwälte davon wußten, dürfte zur Illustration dieser appetitlichen Angelegenheit genügen. Das Gericht protokollierte die Zurücknahme der Klag« des von seinem eigenen Anwalt desavouierten Abg. Chmelik und die Verhandlung schloß damit, daß dieser die Prot.kollstempel bezahlte und sich dann im beste:; Einvernehmen mit seinem Gegner entfernte. Ob eine solche„Genugtuung" für einen in solcher Art beschädigten Volksvertreter hinreichen kann, ist eine Frage, über die kaum so ohne weiteres zur Tagesordnung übergegangen werden wird. chem Bezirksgericht von de,- Anklage wegen Hasardspiels fteigesprochen. gegen welches Urteil die Staatsanwaltschaft Berufung einbrachte. Has Berufungsgericht bestätigte indeffen das freisprechende Urteil des Erstgerichtes, da sich Gartenberg tatsächlich an dem Spiel aktiv nicht beteiligt hat. Diese Verhandlungen sind allerdings nur ein Vorspiel und Leon Gartenberg wanderte nach Abschluß der Verhandlung neuerlich in den Gewahrsam der Prager Kriminalpolizei zurück, die sich mit der Person des angeblichen JndustrievertreterS noch eingehender befassen wird. Seine„kubanischen" Freunde, deren Bekanntschaft er dem Votickh vermittelte, haben bekanntlich indeffen, nachdem sie wegen verbotenem Hasardspiel zu je 8000 AL verurteilt worden waren, das Geständnis abgelegt, daß sie keineswegs Kubaner seien, sondern der eine aus Spanien, der andere aus Rumänien stammen und auf falsche Pässe in die Republik gekommen waren, wobei sie noch dazu außerordentlich hohe Geldsummen ungeklärten Ursprungs mit sich führten. Die beiden falschen Kubaner sitzen derzeit in Untersuchungshaft des Prager Kreisgerichtes und die internationale Kriminalzentrale beschäftigt sich lebhaft mit der Feststellung ihres Vorlebens. Das gleiche gilt auch von dem gestern frei- gesprochenen Gartenberg. Man wird von diesem Konsortium vermutlich noch zu hören bekommen. Kunst and Mssen- HanuS Schwaigers Lebenswerk Das Protektorat über diese Ausstellung in der Jednota umLlcü vtztvarnHch, die bis 2. Jänner 1938 dauern wird, hatte vier Monate vor seinem Tod« noch T. G. Masaryk übernommen, den während seiner Prager Professovenzeit ein« eng« Freundschaft mit dem schon 1912 verstorbenen Maler Hanus Schwaiger verbunden hatte. Davon erzählt Masaryk selbst in den von Karel Capek herausgegebenen Gesprächen:„Einen sehr intimen Kameraden hatte ich an dem Maler Hanus Schwaiger. Er war«in guter, unendlich guter Mensch, mit einem göttlichen Humor, der niemandem Wehtat und ihm selbst das L^ben und alle Not erleichtert«. Mit ihm und seinen Freunden ging ich manchmal des Abends zu einem Glas Bier oder Wein. Als ich mich später gegen den Alkohol erklärte, schrieb mir der arme Schwaiger, der damals schon sehr krank war, ich hätte recht, auch er trete zu meinem Glauben über:„Ich höre auf zu trinken, well ich nicht mehr kann." Schwaiger ging an Zungenkrebs zugrunde. Auf so schreckliche Weise endete das Leben eines Künstlers, der nach der Charakteristik, die Prof. Stech dem Katalog voranstellt, ein Bohemien mit den Allüren eines Grandseigneurs war. ein.Mittelalterlicher Alchymist,«in phantasievoller Stilist, den ein Irrtum des Schicksals versehentlich in die Zeit realistischer Darstellung der äußerlichen Wirtlichkeit gestellt hatte." Damit ist Schwaigers Art im wesenvlichen umschrieben. In seinem Werke mischt sich ein stilisierender Realismus, der den niederländischen Klemmeistern zuneigt, mit der Fabulierlust eines Ntür- chenerzählerS. Immer wieder gern hat er lviärchen und VolkSsagen als Themen seiner Arbeit erwählt; Szenen mit dem Rattenfänger von Hamela, aus den Sagen vom Rübezahl, aus Grimms und Hauffs Märchen kehren häufig wieder. Ueberwiegend aber schildert er das Volksleben seiner böhmischen Heimat und das Treiben holländischer Märkte, und es sind Bilder darunter, die in ihrem bräunlichen Dunkel an die niederländischen Volksschilderer, in der realistischen Darstellung, in der jede Einzelheit gewissenhaft studiert ist, aber auch an der größeren deutschen Realisten Adolf v. Wenzel denken lassen. Später dringen auch impressionistische Einflüsse ein, ohne daß jedoch dieser Weg richtunggebend eingeschlagen würde; ein altertümelndes Gepräge bleibt den Bildern Schwaigers immer eigen, und so ist er ein Einzelgänger ziemlich abseits seiner Zell geblieben; die künstlerische Zeitgesinnung ging zu seinen Lebzeiten schon andere Weg«. Sein Lebenswerk, zwei Jahr« vor dem Weltkriege tragisch beschlossen, ist Ausklang, fast schon später Nachklang einer Epoche; der Künstler-Eohemien Hanus Schwaiger in seinem wechselnden Hang zu anakreontischem Lebensgenuß und. dann wieder eminent fleißigem Schaffen ging aus der Welt im letzten Wendror einer unwidwbringlich beschloffenen Zeit. eh. Mozarts„Requiem", der ergreifende, leider unvollendet gebliebene Schwanengesang des großen Meisters, gelangte am Dienstag durch die Prager Deutsche Mu sikakadeckiie in der ergänzenden Fassung der fehlenden Schlutzteile zur Aufführung; als nachträgliche Totenfeier für T.G. Masaryk. Erwägt man, welch große Anforderungen Mozarts Requiem in instrumentaler und chorischer Hinsicht stellt, dann ist die künstlerische Tat seiner Aufführung durch die Deutsche Musikakademie, di« mit instrumentalen und vokalen Kräften nicht eben reich bedacht ist, sehr hoch einzuschätzen. Man wurde einer Wiedergabe des Werkes teilhaftig, die nicht nur stilistisch besten Eindruck macht«, sondern auch überaus stimmungsvoll geraten war. Vor allem' dir instrumentle Leistung verdient besondere Anerkennung, während man dem Chor noch mehr Stimmenfülle und den Solisten— den Damen Schl« gl und Millauer sowie den Herren Dienstbier und Hoffmann— mehr Ausgeglichenheit und freiere Lon- entfaltung gewünscht hätte. Musikalischer Leller der Aufführung war Professor Leo Franz, der bewährte Chormeister unserer Auffiger Volkssingge- meinde, der sich seiner Aufgabe mit ebensoviel Umsicht wie Sicherheit entledigte. Rühmenswert war auch sein Bestreben, der Totenmesse Mozarts da und dort dramatisch wirkend« rhythmische und dynamische Rstbatis aufzusetzen. In der Kyrie-Fuge allerdings, im„Dies irae" und„Doisiine Jesu" ging die rhythmische Beschleunigung auf Kosten der Plastik und Klarhell des Tonsatzes. Die Teilnahme des Publikums an der Aufführung war ungewöhnlich groß. E. I. Bernard Shaw bearbeitet Shakespeare.„C y m- b e l i n e", eines der nur ganz selten aufgeführten Werke Shakespeares, war vor vielen Jahren Gegenstand der Krllll in einem Briefe, den Bernard Shaw an di« berühmte Schauspielerin Ellen Terry schrieb. Nunmehr hat der englische Dichter seine Kritik gewissermaßen materialisiert, indem er das Shake- spearedrama selbst für die moderne Bühne bearbeitet hat. Shaw hat den fünften Akt ergänzt und daS ganze Stück so bearbeitet, daß es nunmehr seiner Ansicht nach Shakespeares Ideen für unsere Zell verständlich zum Ausdruck bringt, ohne darum an seiner ursprünglichen Eigenheit zu verlieren. Es ist das erstemal, daß Shaw als Bearbeiter eines Werkes hervortritt. Meistersinger- und Carmen-Fcstvorstcllunqen. Am 5. Jänner 1888 wurde mit den„Meistersingern von Nürnberg" das"Neue Deutsche Theater eröffnet. Aus diesem Anlaß findet am 5. Jänner 1938 eine Festvorstellung der neuinszenierten„Meistersinger" statt. Diese Vorstellung wlld in erster Linie den Abonnenten zugänglich sein, voraussichtlich sogar nur diesen, da über einen großen Tess von Logen und Plätzen für offizielle Persönlichkeiten und auswärttge Deputationen verfügt werden muß. Die Abonnenten mögLn bis spätestens 10. Dezember angeben, ob und wieviele Karten sie beanspruchen. Die Vorbestellungen werden unverbindlich entgegengenommen. Am Samstag, den 8. Jänner, feiert der Verband der deuffchen Journalisten in Böhmen mit einer Festvorstellung von„Carmen" unter Leitung von Generalmusikdirektor Leo Blech seinen 50jährigen Bestand, Es ist dies die zweite Vorstellung im Fesffpiel-Zyklus, der anläßlich des Theaterjubiläums im Jänner stattfindet. Spielplan des Deuffchen Theaters. Donnerstag 8: Die Weber, Festvorstellung anläßl. des 75. Geburtstages von Gerhart Hauptmann. CI.— Freitag halb 8: Hansens Königreich, D.— Samstag halb 8: Madame Pompadour, BI.— Sonntag halb S: Axel an der Himmelstür, 7: Lohengrin, C 1. Spielpla« der Kleine« Bühne. Heute, Don« nerstag, halb 8 Uhr: Hilde und das Lotteriespiel.—- Freitag 8: Weibsteufel, Theatergemeinde des Kulturverbandes und fteier Verkauf.— Samstag 8: George und Margaret.— Sonntag 3: Glück, 8: Parkstxaße 13. Der Unter vier Augen. Es beginnt wie«in amerikanischer Geschichtsfilm, aber es wird nur ein« Abenteuergeschichte— von einem Marineleutncmt, den der Präsident Mac Kinley dazu ausersah, dem Organisator der großen Bankeinbrüche in Borkrieg»« Amerika auf die Spur zu kommen und der dabei mit den Räubern und einer ihnen nahestehende» Dame in sehr enge Beziehungen kommt, selber den Räuber spielt, bei einem von ihm selbst den Barden angezeigten Bankraub verhastet und zum Tod« verurteill wird. Da nun die Mission des Leutnants auf einer streng geheimen Abmachung zwischen dem Präsidenten und ihm beruht« und der Präsiden, gerade im kritischen Augenblick einem Attentat zum Opfer fällt, da weiter die erwähnte Dame sich weigert. dem Todeskandidaten zu helfen, als sie erfährt, daß er* ein Spitzel war und da schließlich«in Bankpräsident selbst der Organisator der Räuber war, kompliziert sich die Angelegenhell aus ein« recht reißerische Art, aber die Spannung wlld mit so viel Unwahrscheinlichkeiten erzeugt und verschärft und das happy end kommt so plötzlich und wähtt dann so lange, daß man— im Gegensatz zu den Hauptpersonen der Handlung— di« Lust an der Sache verliert. Der Regisseur William S e i t e r hat wenigstens für einiges historisches Kolorit, wenn auch nur in der Herrichtung von Bällen und Vergnügungslokalen der„guten alten Zeit", gesorgt. Victor-Mac L e g l e n spielt einen komisch brutalen Räuber mit wirksamem Humor, die Figuren. dec Präsidenten Mac Kinley und Teddy Roosevelt sind anschaulich dargestellt, während Robert Taylor und Barbara S t a n w h ck das übliche schöne Liebespaar spielen.—eis—• 'Decdnsnftcfiricfcten RW-Prag. Donnerstag, den 25: November Uebungsabend auf der Hetzinsel. Beginn 8 Uhr. Allgemeiner Angestelltrnvrrband Reichenberz, Ortsgruppe Prag. Kampf der Tuberkulose: Kursusbeginn am Samstag, den 27. November abends 6 Uhr im Deutschen Hygiene-Institut, Albertov, Reßlova. Fortsetzung Sonntag ab 8 Uhr bis 14 Uhr. Kostenlose Teilnahme— Anmeldungen durch uns., Mitteilungen aus dem Publikum. Die Qualität siegt. Etwas wirklich Gutes hält immer stand. Das kann man wohl auch in Anbetrachr des 40jährigen Jubiläums der„Diana"-Schokolade sagen. Eine 40jährige Beliebtheit in den weitesten Bevölkerungsschichten und bei allen wirklichen Schokoladekennern ist gewiß der beste Beweis dafür, daß die„Diana"-Schokolade eine Qualität aufweist, die sich durchsetzt. Ter Kauf ist keine BertrauenSsache.... Was nützen beim Ueberzeugen die schönsten Wolle, wenn der beste Beweis doch immer die Tat ist Man sagt, daß der Kauf eines Radioempfängers eine Bellrau- enssache ist Wir glauben, daß dies nicht zutllfft. Der Interessent kann sich doch auf eigene Augen und mit eigenen Ohrfn überzeugen, wofür er sein Geld ausgibt. In jedem Radio-Fachgeschäft können Sll sich den Empf? nger Hymnus, System Telefunken, vorführen lassen. Sein in alle Details durchgearbelleter akustischer Aufbau, der größte bei uns bisher ferrenweise erzeugte Lautsprecher mit„Formantmembrane", Raumstrahler und Baßregister zeigen Ihnen, wie heute eine vollendet« Wiedergabe sein soll, die jedem Vergleich standhalten kann. Ueberzeugen Sie sich von den hervorragenden Qualitäten des„skalenlosen" Empfängers Hymnus. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung rns Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährlich XL 48—, halbjährig XL 96- ganzjährig X 192—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnll Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- RüMellung.on Manussripren effolgt nur bei Einsendung der Retourmarken— Die Zeitungsfrankanrr wurde vmi der Post- und Tcle- gräpbendllektion mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1S30 bewilligt.(Kontrollpostamt Praha 25.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlag»- und ZeitungS-A.-G. Prag.