Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077 Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Mittwoch, 1. Dezember 1937 17. Jahrgang Aus dem Inhalt: Neue Verhaftungen in der Rutha- Affäre Beginn der Budgetdebatte im Plenum Politischer Mord in Oesterreich Nr. 282 Die Friedensfront geschlossen! Die Londoner Begegnung Sieg des Prinzips der kollektiven Sicherheit Kein Tauschgeschäft mit Hitler! London.( E.-V.) Das wichtigste Ergebnis der Londoner Ministerberatungen ist die Tatsache, daß die Zusammenarbeit der beiden Mächte in noch höherem Maße besteht und nunmehr auf völliger Uebereinstimmung auch in den mittel- und osteuropäischen Fragen beruht, die sich bisher a user halb der Kooperation der beiden Länder befanden. Das vom Ministerpräsidenten Chamberlain im Unterhaus verlesene Kommuniqué enthält drei wesentliche Punkte: Zwei Tage weilten der Ministerpräsident englisch- französischer Seite noch irgend eine Ini- Frankreichs Chautemps und fein Außenminister tiative ergriffen werden wird, ist zweifelhaft. Delbos in London, um mit den englischen Staatsmännern den ganzen Umkreis der welts Jedenfalls werden weitere Besprechungen nur auf normalem diplomatisch en politischen Fragen durchzubesprechen. Es wurWege erfolgen und später weitere Länder einbe- den Stimmen laut, daß diese Zusamment.- nft zogen werden. Von einer Einladung Neuraths englischer und französischer Staatsmänner eine der wichtigsten diplomatischen Begegnungen der nach London ist nicht mehr die Rede. Nachkriegszeit ist. Aber übertreibt man auch die Bedeutung der Londoner Entrevue nicht, so war Der„ Times"-Artikel diese doch hochbedeutsam, mit Rucksicht darauf, daß ihr die Informationsreise des Lord Haltar nach Berlin und Berchtesgaden vorangegangen war. nicht offiziös London.( E.-B.) Zur Polemit einiger tschechischer Zeitungen mit dem bekannten Artikel Das Ergebnis von London ist eine weits 1. Die Erklärung, daß es das gemeinsame Interesse der beiden Regierungen ist, den Frieden in Mittel- und Osteuropa aufrechtzuerhalten; 2. die Feststellung, daß die Kolonialfrage nicht isoliert betrachtet der" Times" teilt uns unser Berichterstatter mit: gehende Uebereinstimmung der beiden Weſtmächte. werden könne und daß auch andere Länder an ihr mit interessiert seien; 3. die Aeußerung des Willens, Zugeständnisse an Deutschland überhaupt nur im Rahmen der kollektiven Sicherheit zu gewähren. Die Gegner der europäischen Friedenspolis auch jene innerhalb der blau- weiß- roten haben Gerüchte verbreitet, daß ,, Die„ Times" find in keiner Weise ein Seitdem Hitler zur Macht gekommen ist, besteht offizielles Blatt, sondern ausschließlich ein ut zwischen Großbritannien und Frankreich ein enabhängiges Organ. Eigentümer der„ Ti- ges Einvernehmen, das man als die Achse des mes" ist Lord Astor, einer der Führer der Friedens bezeichnen kann. Die eine Verlänges Was insbesondere die Tschechoslo- durch den Verlauf der Gespräche in ihrer Gänze deutschfreundlichen Gruppe in England. Einen rung dieser Achse reicht nach Brag, die andere Auslandschefredakteur hat das Blatt überhaupt nach Moskau und an der dritten, die sich bis rach wakei angeht, so wurden die sie betreffenden bestätigt wurde. Bemerkenswert ist, daß, entgegen den deut- nicht. Sehr viele Leitartikel stammen aus der New York erstrecken wird, schmieder augenblicklich Fragen im Zusammenhang mit der bevorstehenden Reise von Delbos nach Brag erörtert. Das dem schen Wünschen, koloniale Zugeständnisse nur Feder des Lord Lothian, dem früheren Pri- die beiden angelsächsischen Mächte Die Begeg= Außenminister nahestehende Blatt„ Daily Tele- gegen deutsche Gegenleistungen vatsekretär von Lloyd George, Lothian ist eben- nung von London hat diese bestehende Mächtegraph" schreibt dazu, daß die britischen und fran- in Erwägung gezogen wurden. Dabei wird vor falls ein Wortführer der deutschfreundlichen gruppierung nicht geschwächt, sondern gestärti. zösischen Minister sich darüber Rechenschaft ableg- allem an deutsche Garantien für Mit Aſtor- Gruppe. Es ist daher absolut unzulässig ten, daß alle Balkan- und Donauländer in Lon- tel- und Osteuropa gedacht, ſowie, aus jenem" Times"-Artikel Schlußfolgerungen rik don und Paris cine kräftige und einheitliche falls es sich um die Neuverteilung der Mandate zu ziehen. Soweit überhaupt ein Blatt als Grenzpfähle abwehrt, handeln würde, an die Rückkehr Deutsch- Sprachrohr des Außenministeriums gelten fann bie ihre Freiheit und Unabhängigkeit gefährden lands in den Völkerbund und um eine käme am ehesten der„ Daily Telegraph" würden. Weder England noch Frankreich hätten Vereinbarung über die Rüftungsbeschränkung in Frage." die von einer kleinen, wenn auch einflußreichen insbesondere für die Luftwaffe. Soweit die Abenglischen Gruppe vertretene Idee in Erwägung tretung von Kolonien überhaupt in Erwägung gezogen, daß die Prager Regierung der deutschen gezogen wird, bleiben die ehemals deutschen GeMinderheit Autonomie gewähren soll. Es sei auch siete( Deutsch- West- und Deutsch- Ostafrika) nicht anzunehmen, daß Prag solche Pläne akzep- außerhalb des Bereichs des Möglichen. Man tieren würde. Wean ist vielmehr in London der denkt eher an To go und Kamerunt. EinstweiAnsicht, daß die Deutschen in der Tschechoslowakei len aber stehen wirtschaftliche Konzessionen für eine Erleichterung des Bezugs kolonialer RohBusreichende Freiheitsrechte haben. Für Oesterreich gilt die britische Er- stoffe im Vordergrund, immer vorausgesetzt, daß flärung von 1934, die Englands Interesse an der eine Gesamtregelung Unabhängigkeit Desterreichs ausdrückt und die deutscher Zugeständnisse möglich wird. Ob von Ein englisches Blatt gegen das Verbot der Arbeiter- Zeitung" Auch in England hat das Verbot der Arbeiter- Zeitung" in der Tschechoslowakei Aufsehen erregt. So schreibt die angesehene Londoner Zeitschrift ,, The New Statesman and Nation": Delbos:„ Keine Aenderung in Mitteleuropa" Halifax und Hitler ein Tauschgeschäft eingegans gen feien: entweder bekommt Deutschland Kelonien und verzichtet auf die Vorherrschaft in Mits teleuropa oder erhält das Dritte Reich keine Ko= Yonien und bekommt als Entschädigung biefür Desterreich, die Tschechoslowatei, vielleicht auch die ungarische Tiefebene, das rumänische Del und London. Der französische Außenminister womöglich noch die Ukraine. Keines von beiden ist Delbos sagte der Korrespondentin des Tschechos ſlowakischen Pressebüros in London, er freue sich, am 15. Dezember in Prag zu sein. Der in dem Kommuniqué enthaltene Teil über Mitteleuropa unter Einschluß sei wörtlich zu nehmen. Es sei keine Aenderung der Mitteleuropa- Politik erfolgt. Die deutschen F.ieger- Deserteure beitspolizei eine große Anzahl von Sanitätsmaterial; in diesem Zusammenhang wurden zwei Perfonen verhaftet. Die Dechiffrierung des Geheimmit den Apparaten geflüchtet! kodes hat bisher keine wesentlich neuen Enthüllungen gebracht. London.( Ag. Efp.) Zu dem bereits bekannten Uebertritt deutscher Militärflieger nach Desterreich meldet der„ Manchester Guardian", daß diese mit zwei Armeeflugzeugen bei Schärbing in Oberösterreich gelandet sind, sich beim Militärkommando in Linz gemeldet und erklärt Neuer Erfolg der Japaner Schanghai.( Reuter.) Die Chinesen geben der Fall. Die Regelung der Kolonialfrage ist: cht nur Sache Englands, sondern aller jener Sidas ten, die im Frieden von Versailles deutsches Kolonialgebiet in Verwaltung erhielten. Es bandelt sich nun darum, ob Deutschland die Nicks gabe der Kolonien als Frage des politischen Pres stiges oder als ökonomisches Problem betrachtet. Sicherlich ist der Zugang zu den Rohstoffgebieten ein wichtiges Problem der Weltwirtschaft und für eine Reihe von Staaten wichtig, denen der Ru tritt zu diesen Gebieten versperrt ist. Diese Frage wird die Weltpolitik noch beschäftigen. Eine es gelung der Frage der Kolonien in der Richnung der deutschen Wünsche könnte höchstens so ertola gen, daß sich Deutschland zu einer Friedens sicherung auf allen Seiten entschließt. Was aber die Nazis in Mitteleuropa mehr interessiert stischen Nachbarn demokratisch zu regieren, wurde zeugen angehört zu haben, das nach Spanien flie- den Japanern den Weg freimacht. Die Japaner Frage, ob England sich der deutschen Kolonial,, Die Schwierigkeit, mitten zwischen faschi- hätten, einem Geschwader von 14 deutschen Flug- den Verlust der Festung Kiangjin zu, deren Fall sowohl die in Asch wie jene in Wien ist die abermals durch das Verbot der Arbeiter- Bei- gen follte, was sie aber nicht mitmachen wollten. haben nunmehr die Möglichkeit, die Minen aus wünsche nicht dadurch entledigt, daß es Hitler tung", einst das berühmte Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokratie in Wien, wurde seit dem Kampfe und der Niederlage der österreichischen Arbeiter im Feber 1934 in Brünn, unBomben auf Guadalajara Madrid.( A. Esp.) Mit unverminderter dem Wege zu räumen, welche an diesen Stellen freie Hand in Mitteleuropa gewährt, nach der den Gelben Fluß verbarrikadieren. Gleichzeitig Erfahrung, daß man fremdes Eigentum eher wegwird ihnen dadurch die Möglichkeit gegeben, längs schenkt als eigenes. Das fann injolange nicht ge= des Gelben Fluffes flußaufwärts vorzurücken schehen, als England auf die zusammenart eit der japanischen Wehrmacht hende Reise Delbos nach Warschau, Bukarest, weit der österreichischen Grenze, herausgegeben. Mordgier werfen die Rebellenflieger, durch die und Tschiantiang mit Bomben zu belegen. Auch mit Frankreich Wert legt und auf sie angewiesen Obwohl auf ein kleines Format und wenige Sei- Abwehrbatterien größerer Städte dort an ihrem dort ist der Gelbe Fluß verbarrikadiert. Tschiang- ist. Frankreichs Lebensinteresse, feine Existenz als ten reduziert, hat sie noch beträchtliche Bedeutung Werk verhindert, ihre Bomben auf unbe- tiang stellt einen der wichtigsten Punkte der chines Großmacht dulden aber keine Lockerung des Vers und beträchtlichen Einfluß, da sie illegal die wehrte und militärisch völlig unbedeutende fischen Verteidigungslinie dar. Nach Schanghai ist hältnisses mit der Tschechoslowakei, die bevorites Auflage verbreitet wird, die niemals vorher von den mehrere Versuche, Madrid zu überfliegen, entsandt worden, welche, wie es scheint, dort in Belgrad und Prag zeigt, daß es Frankreich nicht Grenzen überschreitet und in Desterreich in einer Ortschaften und Kleinstädte ab. Am Montag wur- eine Elite- Division einer illegalen Zeitung erreicht wurde. Die öster- durch das wohlgezielte Flakfeuer verhindert. Da- Garnison belassen wird. einen Druck ausgeübt und erreicht, daß die Her- zerstört, aus deren Trümmern bisher 37 Tote und ausgeber der ,, Arbeiter- Zeitung" im letzten März über 50 Verletzte geholt worden sind. Und in dem gezwungen wurden, das Blatt von Brünn nach Kleinen Dorf Perales de Tajune töteten die Rebelreich blieb unverändert. Schuschnigg, der mit zu verlegen. Aber seine Auflage in Defter- lenflieger vier und verletzten elf Einwohner. Recht oder Unrecht den Verdacht hegt, daß das Blatt immer noch aus der Tschechoslowakei fomme, setzte seinen Druck auf die tschechoslowakiBaris Die Moskauer Gewerkschaftsverhandlungen im mindesten einfällt, seine Interessen in Mittels und Osteuropa aufzugeben. Da nun Paris an Prag festhält und London an Bar's, braucht man in Mitteleuropa nicht die Nerven zu verlie.en. Die Demokratie in der Tschechoslowakei. muß Moskau. Die Agentur Havas meldet: Ob wachsam und auf alles vorbereitet sein. Sie fann wohl das in Moskau zwischen den Vertretern des sich ihrer Stärke und dessen bewußt sein, daß sie Internationalen Gewerkschaftsbundes und den Freunde in Europa hat. Und zu diesen Freun Munitionslager der Cagoulards Gewerkschaftsorganisationen der Sowjetunion den kann man nicht nur ganz Frankreich zählen, Paris.( Havas.) Im Boulogner Wäld- vereinbarte Abkommen den Zentralen zur Geneb sondern auch die Mehrheit des malischen Voikes, Die Kisten sind der wichtiger Schritt zum Zusammenschluß der inter- tung steht alles auf dem Spiel, wenn Deutschden Staaten mit totalitären Regimen war es nur zen ausdehnt. Deutschland benüßt seine Drohuns Paris. Der Bolizei ist es gelungen, die die Sowjetunion, die mit ihren 20 Millionen gegen gegen die Tschechoslowakei als Druckmittel das weiß man in schen Behörden fort, die sich schießlich zu dem chen wurden Dienstag vormittags 18 Riften mit migung vorgelegt werden muß, ist doch bereits ein denn auch für Englands Weltreich und Weltoels ernsten Schritt entschlossen, die Einfuhr und Ver- 576 Granaten gefunden. breitung der Pariser ,, Arbeiter- Zeitung" in der gleichen Art wie diejenigen, die bei Sen fürzlichen nationalen Gewerkschaftsbewegung erfolgt. Neben land feine Macht über seine gegenwärtigen Grens Tschechoslowakei zu verbieten. Die demokratische Haussuchungen gefunden wurden. läßt, die innere und ausländische Politik zu fri- Eidesformel zu dechiffrieren, durch welche die werkschaftlich organisierten Arbeitern außerhalb| im weltpolitischen Spiel Tschechoslowakei, die ihrer Preffe die Freiheit tisieren, wurde so dazugebracht, ein ihr freundlich Mitglieder der geheimen Verschwörer- Bewegung des Internationalen Gewerkschaftsbundes stand. Europa und nicht alle sind so naw wie diejenis gesinntes ausländisches Blatt zu verbieten, nur gebunden waren. Der Eid hat folgenden Wort- Sobald der Anschluß der Sowjetunion an den Gegen, die an Henleins Flüsterpropaganda glaus wohl die tschechischen als auch die deutschen So- schwiegenheit und Gehorsam. Ich bin mir bewußt, die australischen, neuseeländischen und südafri Partei sich dem Glauben hingeben, Deutschland um einem faschistischen Nachbarn zu gefallen. So- laut:„ Ich gelobe der Organisation Treue, Vers werkschaftsbund vollzogen sein wird, werden blok ben. Mögen die Anhänger der Sudetendeutschen zialdemokraten in der Tschechoslowakei haben daß jede Uebertretung der Statuten die Todes- tanischen außerhalb desselben stehen, mit denen werde wegen der Sudetendeutscher Krieg führen. energisch gegen diese Maßregel protestiert, aber strafe bedeutet." ihre Vertreter in der Koalitionsregierung waren Heines aber vollkommenes Beispiel dafür, wie nach dem Muster der SA- Formatio- getreten sind, jedoch erklärt haben, daß sie die Pressestimme, zuletzt an den Artikel der., Times", nicht imstande, sie zu verhindern. Der Fall ist ein denen zufolge die Bewegung der Cagoulards schaftlern, die zwar dem Gewerkschaftsbund bei unserer Gleichgeschalteten an jede engl" che infolge der Unfähigkeit der demokratischen Mächten en organisiert war und ein Hauptquartier, Di- Beiträge nicht zahlen können, was jedoch laut den die u. a. gesagt hat, daß alle Staaten Beitrige aufammenzustehen, die Freiheit schrittweise zer- rifionen, Brigaden, Bataillons, Einheiten und Bestimmungen des Gewerkschaftsbundes unzuläs- für den Frieden leisten müssen: Deutsch ond, die stört wird". Die Pariser Zeitungen bringen Nachrichten, die Verhandlungen sich übrigens auf gutem Weg befinden, ebenso wie mit den irischen GewerkDas Erwachen aus dieser Illusion fommt. Inzwischen flammern sich die Hoffnungen Tschechoslowakei und das britische Reich. Weder Sekte 2 Mittwoch, 1. DezemVer 1937 Rr. 2E2 Beginn der Budgetdebatte im Plenum: Die Parteiführer sprechen Konforme Stellungnahme der großen tschechischen Parteien zur Außen- und Innenpolitik die offizielle tschechoslowakische Außenpolitik noch die sudetendeutsche Demokratie haben etwas dagegen, daß unser Land einen Beitrag zur großen Sache des europäischen Friedens leiste. Wir können das durch eine gute Außenpolitik und durch eine Politik der Völkerverscchnung im Innern. Die Politik der aktivistischen Parteien besteht darin, das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen friedlich zu regeln. Je mehr die Vereinbarungen vom 18. Feber Wirklichkeit werden, desto mehr wird die Welt erkennen, daß es der Tschechoslowakei heiliger Ernst um die Erhaltung des Friedens in Mitteleuropa^rnd in diesem ganzen Erdteil ist. Derer über den Pittsburger Vertrag. 8n Preßburg hielt Justizminister Dr. DSrer einen Vortrag über das Pittsburger Abkommen. Der Minister sagte, aus dem Protokoll über dieses Abkommen gehe hervor, daß die beteiligten Organisationen sich dessen bewußt gewesen seien, daß ihr Programm keine gesamtstaatliche Definition für einen Staat sein konnte. Masaryk habe den Plan der amerikanischen Vereine zur Kenntnis genommen, was er um so eher tun konnte, als der Inhalt des Protokolls von jedem vernünftigen Tschechen und-Slowaken akzeptiert werden könne. Masaryk habe aber keine staatsrechtlichen Verpflichtungen anerkannt, M da es damals noch keinen tschechoslowakischen«ragt gab. Wenn Masaryk das Abkommen unterzeichnet habe, so bedeutet dies, daß er das politische Programm zur Kenntnis genommen habe. Die Slowakische Volkspartei sei weder physisch noch geistig an diesem Abkommen beteiligt gewesen. Ein großer Teil dieser Gruppe war zu dem Zeitpunkt der Unterzeichnung des Protokolls ungarnsreundlich eingestellt und wandelte sich erst später zum radikalen Slowakentum. Im übrigen sei das Pittsburger Protokoll in der Slowakei realisiert worden. Die slowakische Sprache sei mit der tschechischen gleichberechtigt. Der Minister nahm Bezug auf die jüngsten Demonstrationen autonomistischer Studenten, denen er vorwarf, daß sie sich um wirkliche Kulturangelegenheiten nicht kümmern. Nur jene seien wirkliche Studenten, die studieren, und nicht jene, die demonstrieren. Das Bittsburger Programm werde durch Studium und Arbeit, nicht aber durch Kundgebungen verwirklicht. Die Grundforderungen des Pittsburger Abkommens seien erfüllt worden. Die Tschechen hätten sich brüderlich verhalten und die Slowaken müßten ihnen dafür dankbar sein.' Der Senat hielt Dienstag nachmittags eine kurze Sitzung ab, in welcher drei kleinere Handelsabkommen angenommen wurden. Lediglich der Kommunist Malik sprach in der Debatte. Er beschäftigte sich im Zusammenhang mit den kommenden Verhandlungen im Arbeitenministerium mit den Forderungen der Bergarbeiter nach Rege» ihrer Lohnverhältnisie.— Im Einlauf der Sitzung befanden sich u. a. der Entwurf über di' Zivilingenieure, der die bisher geltenden Bestimmungen auf die Slowakei und Karpathorußland ausdehnt, die Verlängerung des Baufördcrungs- gesetzes und der Bestimmungen über die Steuererleichterungen bei Hausreparaturen. Der Präsident der Republik empfing am 30. November den Rektor der Deutschen Universität. Univ.-Prof. Dr. Rudolf S ch r a n i l. Weiter empfing der Präsident den Universitätsprofessor Jan Krömäb und schließlich eine Deputation LeS Vorbereitungsausschusses für die Feiern des 100jährigen Bestandes des Gewerbeschulwesens in Prag. Prag. Dienstag vormittags eröffnete das Plenum deS Abgeordnetenhauses die Generaldebatte über das Budget mit einem sachlich wie formell glänzenden Referat des Berichterstatters R e m e ä. Dan» kam die erste Rednergarnitur der großen tschechischen Parteien zu Wort. Es sprachen Beran, Hampl, Zeminova, Stasek und Ostrh. Die aufregenden PreffediSkuffionen der letzte« Tage, ob die Tschechoslowakei wirllich ein bloßeS Kompensationsobjekt für die großen englisch-deutschen Verhandlungen sei, der alarmierend« Vorstoß der montägigen„Times" und die auch noch nicht weit zurückliegende Goebbels- Kampagne wegen Teplitz gaben der Debatte ihr besonderes Gepräge: Die vielfachen, nicht immer nur taktischen Gegensätze zwischen de» Koalitions- Parteien, die früher bei solchen Gelegenheiten öfters zutage traten, waren diesmal restlos verstummt, eine seltene Einmütigkeit der Auffaffun- gen in außen- wie in innenpolitischer Beziehung war zu sehen. Uever das Festhalten der Tschrcho- slowakei an der alten Linie ihrer Außenpolitik und über ihre kategorische Weigerung, sich einem Terror von außen zu beugen, kann nach der gestrigen Debatte auch im Ausland kein Zweifel mehr bestehen. Innenpolitisch waren die Hinweise, daß man mit einer«ndemokratischcn, nicht auf dem Boden des Staates stehenden Partei nicht verhandeln könne, auch genug deutlich. Herrn Dr. Rosches vorausgcgangene„staatsmännische" Rede ist also wirkungslos geblieben. Eindeutig und erfreulich war auch das Bekenntnis aller tschechischen Koali- tionsparteien z« den Abmachungen des 18. Feber. Neber gewisse Vorbehalte betreffend eine Reziprozität brauchen wir eine sachliche Diskuffion keineswegs zu scheuen. Entgegen den ursprünglichen Dispositionen konnte die Generaldebatte doch nicht an einem Tag beendet werde«. Eine Reihe von Rednern, darunter auch Genosse d e W i t t e, werden deshalb erst Mittwoch nachmittags zu Worte kommen. Generalberichterftatter R e m e s ftellte vor bollbesetztem Hause fest, daß auch die Opposition im BudgetauSichuß bestrebt war, die Verhandlunaen vorwärts zu bringen. Ein großer Teil der Opposition hat auch für die neuen Lasten zum Zwecke der Staatsverteidigung Verständnis aufgebracht. Wir waren einig, sagte RemeS, daß wir alle Rüstungen nur zu unserer Berteidüpma unternehmen.««» weil wir den Preis unserer Freiheit, unserer Demokratie und der llnabbängigkeit unserer Heimat kennen, geben wit alle spontan alles, was wir«eben können. Wir sind nicht gewillt, uns untättg überfallen und vernichten zu lassen. Man muß wissen, daß wir eine barte Nuß für jeden sind, der unser Gebiet antasten will. Das war in groben Zügen der Geist, der m i t Ausnahme einer Oppositionspartei die Verhandlungen des Ausschusses be- herrschte. Rosche macht Halifax Konkurrenz Die SdP schickte als ersten Redner Dr. Rosche in die Debatte, der ja jetzt als Schrittmacher einer Versöhnung bei jeder Gelegenheü herausgestellt wird. Dr. Rosche reklamiert natürlich das Verdienst, die sudetendeutsche Frage einer Lösung näher gebracht z« haben, für die SdP(!), die erst Leben in die Politik gebracht habe. Angeblich sei die SdP i» allen ihren Beschlüssen unabhängig und in keiner Weise für die Zukunst gebunden. Gr verlangt u. a. eine Volksabstimmung darüber, ob die seit 19 Jahren vorgebrachten Beschwerden der Deutschen ge- rechtferttgt seien; m sudetendeutschen Gebiet herrsche eine geschloffene' politische Unzufriedenheit. Die Budgetresolution bezüglich deS nationalen Proporzes hätte nur einen Wert, wenn sie erfüllt würde, leider spreche die Erfahrung dagegen. Die Zustände in Deutschland hätten sich bereits so konsolidiert, daß es völlig unmöglich sei, weiter in einem Zustand der Animosität gegen diesen Staat zu leben. Der Weg z» einem guten Verhältnis zu Deutschland führe jedoch nur über die deutschen Volksgruppen, also offenbar nur über die SdP, deren Verhältnis zum Staat sich automatisch ändern werde, wen» sich das Verhältnis der Tschechoslowakei zu Deutschland ändere. Heute sei nicht mehr, wie er früher immer behauptete, das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland für die Lösung der sudetendeutschen Frage maßgebend, sondern daS Verhältnis zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland direkt. Beran für eine unabhängige Demokratie Beran(Agr.> erklärte namens seiner Partei, daß sie mit allen Kräften zur Sicherung des Friedens und zur Konsolidierung im Innern wie nach außen beitragen wolle. Die Verträge mit den Verbündeten bezwecken nur die Sicherung des Friedens in Europa; deshalb bestehen wir auf diesen Verträgen und werden uns bemühen, sie zu erweitern. Wir werden uns in di« inneren Angelegenheiten anderer Staaten, in ihre Regierungsform nicht einmischen, aber wirverlangen, datzdann dasselbe auch, für uns gilt.(Beifall.) Die Maßnahmen gegen die Emigration verteidigt Redner mit dem Hinweis, daß sie sich nicht nur nicht in unsere inneren Verhältnisse einmischen, sondern auch nicht unser Verhältnis zu anderen Staaten erschweren dürfe: Wir wollen nicht in den Verdacht kommen, der Mittelpunkt der Propaganda gegen welchen Staat immer zu sein. Zur innenpolitifchm Situation erklärte Beran: Wir wollen niemandon von der Mttarbett in der Koalition ausschalten, sondern mit jedem zusammen- arbeiten, der unseren Staat anorkennt, ei« wahrhaft staatSerhaltrndeS Element bildet und für den demokratischen tschrchoslowakischon Staat arbeiten und, wenn eS nottut, auch leide» will. Die Demokratie ist dir einzig richtig« Form für di« Verwaltung unseres Staates, Die Koalition bat bewiesen, daß sie auch die schwierigsten Probleme meistern kann. Wir sind für die aufrichtig« Mitarbeit mit unseren Minderheiten in jeder Richtung und wir unterstützen daher die Bemühungen der Regierung, die seit dem 18. Feber im Gange sind, damit auch dort, wo vielleicht bisher«in Mißverständnis obwaltet, ob nun auf nationalem oder kulturellem Gebiet, der Weg zur Verständigung gefunden werde. Die Pflichten und die Verantwortung trifft jedoch beide Setten. Redner urgiert deshalb auch die Anstellung tschechischer Beamter durch die deutsch« Selbstverwaltung. ES müßte«in gemeinsamer Wille auf beiden Setten und auch die nötige Geduld vorhanden sein, ohne die eS keine Einigung gebe. Die Deutschen müßten deshalb eingedenk sein, daß dieser Staat ihr' gemeinsamer Staat ist und seine Grenzen unmttast- bar find.(Beifall.) Die Tschechen zu verdächtig^ daß sie die Deutschen auShungern oder wirtschaftlich vernichten wollen, sei kindisch. Unter Anspielung auf di« Londoner Verbandlungen sagte Beran weiter; ES soll mrr niemand glaube», daß über rmS aus irgend einer internationale« Konferenz ohne»ns»der gegen uns«nttchie- den worden könnte.(Beifall.) Gegen eine einzig« Nation kann niemand in der Welt etwas ausricht«, denn niemand kann ihr ihre Freiheit nehme«. Wen« eS notwendig ist, werden wir für dir Armee und die Beststigmrgen auch noch weitere Opfer bringen, selbst auf Koste« deS allgemeinen Lebensstandards. An seinen wettere« Ausführungen, di« sich vornehmlich mit der Notwendigkeit zu spare« befaßte», fehlte« nicht die übliche« Hinweise auf die Höhe der AchettslosenUnterstützungen und auf die angeblich« Notwendigkeit, in dieser Hinsicht andere Wege zu suche«. Jaroß(Ung.) wirft dem Ministerpräsident«» vor, daß er das Problem der ungarischen Minderheit nur oberflächlich kenne. Sie verlange ungarische Beamte, Richter, Eisenbahner, Postler usw. Für das Budget könnten sie keine Verantwortung übernehmen. Hampl dankt den deutschen Sozialdemokraten Hampl(Sozdem.) betont einleitend den absoluten Friedenswillen der Tschechoslowakei. Wir lassen aoer nicht zu, daß sich wer immer in unsere inneren Verhältnisse emmiiche. DaS Worr.Niemals" gilt freilich auch iw-der Politik nicht, aber eS ist ein großer Unterschied zwischen der Bereitschaft zu Verhandlungen im Zeichen der Reziprozität und zwischen einer Einmischung in unsere inneren Verhältnisse gegen unseren Willen. Wir geben der Republik alles, was zur Verteidigung ihrer Unabhäa» gigkeit und Selbständigkeit notwendig ist, das arbeitende Voll ist in dieser Hinsicht zu jedem Opfer bereit. Die Demokratie schließt sowohl de» Faschismus wie den Kommunismus aus. I« Europa müsse» die demokratische« Regime die polttische Teien- sive abschlirßrn«nd eine offensive Periode einleitem (Beifall), um so nachdrüalich z« erklären, daß st« di« gegenwärtige Unsicherheit mit allen wittschaft- lichen und international-poltttschen Folge« nicht weiter ertragen«ollen. Daß es de« faschistischen Staa- tm nicht aur um eine theoretische Einmischung geht, zeigt die spanische Tragödie. Man kann nicht zulaffen, daß gegen die Tschechoslowakei künstlich immer wieder eine Kampagne hervorgerufen wird, um ihr gewisse Zugeständnisse aufzuzwingen. Diese Moral würde einer Erpressung gleichkommen.(Beifall.) Die Behauptung, daß wir ein bolschewisierter Staat find, ist eine absolute Lüge. Wir bedauern diese Kampagne, well unsere wirtschafttichen Beziehungen zu Deutschland so tiefgreifend sind, daß ein freundschaftliches Verhältnis im beiderseittgen Interesse läge. Den.TimeS"-Artik«l kommentterte Hampl mü den Worten: Wir werden uns bemühe», den Engländern zu sagen, daß di« Verhältnisse bei unS nicht ö sind, wie man sie von gewisser Seite darstellea möchte. Wir kennen die Wege der Propaganda, welch« über Berlin gegangen find; schon viel davon hat man auf das richtige Matz zurückgeführt. DaS Problem unseres Zusammenleben- in der Republik ist nicht so einfach. Auch beim besten Willen auf tschechischer Seite bleibt ein grotzes Hindernis: die internationale Spannung. Solang« ein gewisser Teil der Deutschen sich große Ziele setze» wird in der Meinung, daß sich diese international lösen lassen, solange ist die Atmosphäre für eine Verständigung nicht gegeben. Die tschechoslowakische Sozialdemokratie sielst konsequent zu den Grundsätzen des 18. Feber,»md es ist wünschraswett» daß die akttvistische» Deutsche« o» diesem Abkomme« eine» gehörig«« Rückhalt fmden. Der Regierung bzw. der staatlichen Administrativ« könne man nicht vorwerfen, daß sie mit den Minder- heile« unwürdig umgehe. Die Partei müüte sich ater 29 DER KLEINE VON E U G t N E DABIT Berechtigte Ueberlragung aus dem Französischen von Bejot Ein Mann liegt neben mir. Ich ziehe mich von ihm zurück. Links flucht auch einer. Durch die Tür sehe ich, zwischen den schwarzen Sprossen einer Leiter, den gestirnten Himmel, Ich höre das Gequäke der Frösche und das Zirpen der Grillen. Es ist eine tiefe, stille Sommernacht. Wir liegen auf Stroh wie Landarbeiter in der Erntezeit. Es ist schon ganz hell, als ich erwache. Meiy Nebenmann zieht sich an. Ich frage rbn, wo der Waschraum ist. „Wenn du dich waschen willst, mußt du an den Brunnen gehen." Er sieht mir spöttisch zu, während ich meine Sachen ordne. „Stell dich nicht so an, bist nicht mehr in der Kaserne. Hier gibt's keine Besichtigungen." „Was tut man hier?" „Was gerade gebraucht wird. Gibst du «inen aus?" Er ist, was wir einen„alten Mann" nennen, ein Gefreiter, der sich den Wind hat um die Ohren wehen lassen. Er führt mich in einen Ausschank am Ende eines Gäßchens. Er trinkt, raucht und streitet sich mit knarrender Stimme mit den Kameraden. „Ist dis mies. Kleiner? Mußt einen heben, dann geht's vorüber." Ich bin aber gar nicht traurig, sondern ich beobachte meine neuen Gefährten. Sie fühlen sich anscheinend ganz wohl. Sie sprechen vom Ende der Feindseligkeiten, von Urlaub oder Krankheit. Man bemerkt keine Auflehnung, eher Resignation. Zuweilen entfährt einem ein Fluch. Boche, Offiziere, Regierung, Zivilisten: sie werfen alle- auf einen Haufen. Sie haben abgezehrte, faltige Gesichter, trübe, verglaste Augen, rauhe, schleppende Stimmen, schwerfällige Bewegungen. Es sieht aus, als klebten ihre Füße am Boden. Knecht Ruprecht, Ewiger Jude, Dummer Bauer: alle Typen des französischen Volkes sind vertreten. Die Tür geht auf. ,He, Leute, an die Arbettl" Mein Nachbar steht knurrend auf. »Los, Kleiner!" Wir gehen ins Quartier. Ein Wachtmeister stellt Arbeitskommandos zusammen. Wir marschieren ohne Tritt aus der Stadt hinaus. Rechts und links vom Weg« dehnen sich endlose Kornfelder, ohne Baum» ohne Haus, nur Felder, so weit man sehen kann. Wir kommen an den Schießplatz der Artil- lerieinspektion. Munitionswagen sind aufgefahren. Wir sollen sie abladen. Alle ziehen sich die Röcke aus. Ich trete an einen Wagen heran, und der Fahrer reicht mir «ine Granat«. Ich trage sie, einige hundert Meter weit, in eine Erdhöhle. Die zweite Granate scheint schwerer zu sein. Drei, vier... zehn Granaten. Ich wische meine Stirn mit der Hand ab. Mindestens dreihundert Kilo Eisen habe ich schon geschleppt, und noch kein Ende. Die Kameraden kommen und gehen, in langer Reihe wie die Ameisen. Ich nehme meinen Platz wieder ein. Bon Mal zu Mal wird die Las größer, der Weg, den ich zurückzulegen habe, weiter. Mein Rücken krümmt sich vor Schmerzen, die Beine zittern» ich keuche bei jedem Atemzug. Dabei drücke ich die Granaten an mich wie Ungeheuer, die ich fallen zu lassen fürchte. „Feste, Kleiner", ruft mir mein aller Kamerad im Borübergehen zu. Das Gewimmel um die Wagen wächst, und immer treffen neue Kolonnen ein. Ich reiße mich zusammen. Um mir Mut zu machen, denke ich an meine Tour und sehe Mama, Frau Harbulot, den kleinen Salon wieder. Wie weit da- alles ist! Ich bin wie gerädert. Meine Sachen und meine Hände sind bedeckt mit Rost« und Grünspanflecken. Neue Kommandos, Schreie, Flüche. Mich durchströmt ein undefinierbares Gefühl, eine Mischung von Neugierde und Müdigkeit, von Verzweiflung und Stolz, aber auch von Freude darüber, daß ich meine Kräfte fühle, ein Mann geworden bin. Die Sonne leuchtet. Di« Hitze zittert in der Lust. Dort liegt Mareilly mit seinen allen Häusern, seiner Kirche. 0. Kapitel Man erwartet einen General zur Inspektion. Wir haben alle Arbeitsdienst. Ich fahre einen Schubkarren auf der Chaussee. Ein Kamerad räumt mit der Schaufel den Schmutz von der Straße weg. „Nanu, Kleiner!" Ich dreh« mich um. „Tavernier... Du!" Pausbäckig und wohlgelaunt schüttelt er mir die Händ und stagt mich mit seiner hell klin- genden Stimme, di« wiederzuhören mich ganz glücklich macht: „Was treibst du hier?" „Ich mache den Chausseewärter, wie du siehst." „Ich den Rentter. Mit den Tanks, das ging nicht. Ich bekam Herzflopfen in dem Kasten. Man hat mich also wieder zur Artillerie geschrieben. Hier habe ich einen Druckposten. Du weißt, mein Onkel... Aber ich erzähle dir das lieber heute abends." Um sechs ist er bei uns im Quartier. „Komm, wir gehen zu meinem Onkel." Wir gehen durch eine Allee, dann in die Rue deS DameS-GilleS, eine stille, beinahe ländliche Straße. »In die Ecke bin ich noch nie gekommen.". „DaS wundert mich nicht. Hier sind wir." Ein seltsames Haus! Ein einziges, vergittertes Fenster in der rot gestrichenen Fassade. Eick unheimliches Gebäude, fast wie ein Gefängnis oder ein Spital. Tavernier öffnet eine mit Eisenblech beschlagene Türe. Wir kommen auf einen dunkletz Gang, und ein Stimmengewirr— halb Wahll Versammlung, halb Tingeltangel— schlägt atz unser Ohr. Ich bleibe stehen. „Geh doch weiter!" schnauzt Tavernier- „Hab keine Angst, wir sind bei meinem Onkel." Er will mir gewiß einen Streich spielen. Lw möchte umkehren, doch er stößt mich vorwärts. „Gaston ist ein famoser Kerl, wirst sehetz- Tante ist auch nett. Ich habe ihnen oft von dir erzählt." Ein Hintergebäude bildet mit dem Vorder« haus einen Hof, auf den alle Fenster des ein* 1 Stockwerks hinausgehen. Die Fenster im Erdge« schoß sind breit und hell erleuchtet. „Guten Abend, der ganze Klub", rüst Tavernier. Wir treten in einen Saal, der einem Bürd oder dem Hinterraum eines Ladens ähnell. kltz den rot tapezierten Wänden stehen einige Stühle zwei Tische, ein gepolsterter Sessel,«in Ofen« schirm mit chinesischen Ornamenten. Hinter dem Büfett sitzt unbeweglich eint junge Frau, ein Riesenweib, mit nackten Armetz- mächtigem Nacken, auSgeputzt wie eine Probier« mamsell. Tavernier fteltt mich ihr vor. Sie reiv mir ihre mit Ringen geschmückte Hand. „Seien Sie uns willkommen", sagt sie w» gespitztem Mündchen.„Charles' Freunde sind ust« sere Freunde." Ein Mann kommt hineingerast, ein Mordö« kerl, kurzhalsig, kraftsprühend, mtt ärgerlich vek« zogenem Mund.(Fortsetzung folgt.). Ca ft e it e Et 6 # 0 Nr. 282 gegen die Zusammenarbeit mit einer Partei stellen, beren Grundlagen undemokratisch sind und die nicht auf dem Boden des Staates steht. Bald wird die Enttäuschung unter den Wählern der SdP sichtbar werden. Rühmend hob Hampl hervor, daß die deutsche Sozialdemokratie, welche in der Krise auf den exponiertesten Posten der positiven Hilfe für die Arbeiterschaft stand, sich vom Standpunkt des deutschen Volkes wie des Staates aufrichtigen Dank verdiene; sie hat unter schwersten Verhältnissen gearbeite Dr. Tifo( Slotv.) begründet das Recht der Slowakei auf Autonomie. Das slowakische Volk sei zwar befreit, aber nicht befriedigt, und das slowakische Problem harre noch der Lösung durch Gesetzwerdung des Pittsburger Vertrages und Verwirklichung der Autonomie. Henlein hat nichts geleistet Frau 3 e minova( Nat. Soz.) schließt sich den feierlichen Deklarationen der Bertreter der bei ben größten tschechischen Parteien en: Europa kann fich auf die Tichechoslowakei verlassen; sie ist feit und konsolidiert, ändert ihre Freunde und Verbünbeten nicht und das erwirbt ihre neue Freunde. Unseren tausendjährigen Lebensraum werden wir, menn nötig, gegen die ganze Welt verteidigen. Auch bon Preffe- Lords lassen wir uns nicht diftieren, an welche Achse wir uns anschließen sollen, denn wir find für immer mit unserem Boden und der europäischen Demokratie verbunden. Seit Jahrtausenden waren unsere Berge unsere natürlicher Schuß: heute haben wie diesen Schuß durch einen Wall von Eisen und Beton ergänzt und weichen von unseren Grenaen auch nicht um einen Meter. Heute gibt es in unseren Grenzbergen schon teine gefährliche Einbruchsstelle. Wir werden auch niemandem den Weg gegen unsere Freunde öffnen. Die Differenzen mit Deutschland führt die Rednerin auf die Hebe im Grenzgebiet zurück. Die heutigen Henleinleute sind die Nachkommen der Gefolgschaft Schönerers, die auch im alten Oesterreich zwischen Tschechen und Deutschen einen Abgrund schuf. Drei Jahre macht die Henleinpartei nichts anderes, als das Deutsche Reich gegen uns aufzuMittwoch, 1. Dezember 1937 Sudetendeutscher Zeitspiegel Deutsche Kulturarbeit? Eine vielsagende Buch- Ausstellung des Deutschen Kulturverbandes Seite 3 den er der Frau machte. Als ihm die Frau eine scharfe Zurechtweisung zuteil werden ließ, be= schimpfte er sie und als er dann von dem Manne der Frau zur Rede gestellt wurde, schlug er die Frau mit der Faust ins Gesicht. Unglücklicherweise Hauptmann, Hermann Stehr, Gottfried Benn, trug die Frau eine Brille, deren Gläser durch den Hans Fallada und Caroffa, ist in der Ausstel- Sieb zerbrachen. Ein Glassplitter drang der Frau lung des Prager Kulturverbandes nichts zu be- in das linke Auge, so daß sie sofort in das Krankenmerken. Dafür hat Kar I May, Hitlers Lieb- Haus gebracht werden mußte. Wahrscheinlich wird ling, einen Ehrenplak, und während die deut- sie das linke Auge einbüßen. H. wurde verhaftet schen Klassiker( unter denen Leffing, Herder, und da es sich zweifellos um eine schwere KörperKant, Büchner und selbstverständlichch Heine verlegung handelt, dürfte dieser unglaubliche fehlen) nur ganz armselig vertreten find, neh- Roheitsatt beim Kreisgerichte in Leitmerit seine men Löns, Ganghofer, Frenßen, Ina Seidel, Sühne finden. Rudolf Herzog und der allerneneste Blut- und Boden- Kitsch breitesten Raum ein. Im Deutschen Hause in Prag veranstaltet derzeit der Bezirksverband Prag und die Jungdeutsche Ortsgruppe des Deutschen Kul= turverbandes eine Ausstellung„ Das deutsche Buch zu Weihnachten", bei der Eröffnungsfeier am Samstag wurde gesagt, daß es sich da nicht nur um eine geschäftliche, sondern um eine fulturelle Sache handle: das deutsche Buch schaffe die Verbindung des Deutschen zu seinem Volke; und auf einem Werbeplakat heißt es sogar pathetisch:„ Das Buch ist Verhängnisvolles Spiel mit der Schußwaffe. das Schwert des Geistes!" Welches Geistes?, dars In dieser Ausstellung„ Das deutsche Buch zu Junge, dessen Vater sich in Spitalspflege befindet, In Werbib hatte ein noch nicht 14jähriger man die Veranstalter fragen. Weihnachten" ist das Deutsche fast ganz auf die sich den Browning des Vaters angeeignet. Der Der Eröffnungsfeier der Ausstellung sollte Grenzen des heutigen Deutschland beschränkt Junge spielte im Stall des Anwesens mit einem ein Gast aus Berlin Glanz verleihen. Ga war( kein Schweizer Buch ist zu ſehen und kaum ein feiner Mitschüler mit der Schußwasse. Plöglich Herr Wolfgang Goet, früherer Ulstein- Mit- österreichisches), und die Weihnachtsstimmung fette der Knabe die Waffe dem Spielgefährten arbeiter, heute gleichgeschaltet, bekannt geworden glänzt auf dem Tisch der Jugendbücher, wo die an die Nase und drückte ab. Das Projektil ging durch feuilletonistische Romane und Dramen aus preußische Weltkriegslitera- dem Kind durch die Nase und blieb im Kopf hinter der preußischen Geschichte, deren Helden er miltur von Südwestafrika bis zum Helden von dem Ohr stecken. Der schiperverlette Junge wurde Sympathie, aber mit liberaler Kritik darstellte. Tannenberg mit blutrünstigen Titelbildern dem Krankenhaus zugeführt. Der unglückliche was er heute im Dritten Reich treibt, ist uns prangt. Schüße ist unter Mitnahme des Brownings ge=. unbekannt. Am Samstag in Prag las er jedenfalls aus seinen früheren Schriften, eine Novelle man in jener Ecke, in der die sudetendeutsche vom alten Frißen, in der Friedrich II. von Preu: Literatur zur Schau gestellt ist, fast nur Emigran ßen durchaus nicht als völkischer Führer erscheint ten, Emigranten ins Dritte Reich. und Szenen aus seinem Gneisenau"-Stück, in findet. Während Rilke mit ganzen drei Bänden, dem Blücher als Tölpel und die gegen Napoleon Stifter gar nur mit einem und Werfel überhaupt alliierten Monarchen als verdächtige Gestalten nicht vertreten ist, findet man von Wahlik, Strobl, Es überrascht nach alledem nicht mehr, wenn flohen. " Großes soziales und nationales Programm Jansons Brüssel.( Havas.) Die Die neue Regierung heben, drei Jahre hat Henlein für die Sudetendeut- dargestellt sind. Herr. Goeß ergriff sichtlich gern Bruno Brehm und Kolbenheher Dubende. Von Janson hat sich Montag, wie bereits furz gea schen nicht den Finger gerührt. Vom Innenminister die Gelegenheit, in Prag einmal etwas zu lesen. Hofbauer natürlich keinen, nicht einmal von meldet, der Kammer und dem Senate vorges heute kaum noch öffentlich vor- und Mar alle heißzerischen und destruktiven Elemente verschärft werde. Die schreiben. Gottwald( Komm.) erklärt, daß die Politik des faschistischen Dreieds in der Welt Verhält nisse geschaffen habe, gegen die die Zeiten des mittelalterlichen Faustrechtes eine Jdylle waren. Wes Geistes Kinder sie sind, zeigt die AusNachgiebigkeit der anderen Staaten gegenüber den stellung mit aller erdenklichen Deutlichkeit. lInter leinpartei bezeichnet Gottwald als den direkten den Hunderten von Büchern, die da liegen, ist Agenten des Auslandes. Volksparteiliches Bekenntnis zum 18. Feber Stašek( Tsch. Klerik.): Ein Bund der mittragen dürfte, aber bei den Prager Kultur- der und Friedrich Torberg braucht man sich erst Janson die Regierungserklärung, die folgenden verbändlern, die von ihm Schtverter ihres Geistes gar nicht umzusehen. Inhalt hat: Auf sozialem Gebiete beabsichtigt erwarteten, fand er zwar Verständnis für sein Man kann darüber streiten, ob in einer die neue belgische Regierung eine obligatorische Preußentum, aber nicht für seine Art, es zu be- Ausstellung„ Das deutsche Buch zu Weihnachten" Versicherung für den Fall der Arbeits auch Uebersetzungen gehören. Hier findet man losigkeit einzuführen und das Problem der biele: Krankenversicherung zu studieren. Die Regierung wird an die methodische Durchs führung des Gesetzes vom Juli 1936 durch welches die Einführung einer Arbeitss schreiten, woche bis zu 40 Stunden in solchen Industrien gestattet wird, in welchen die Arbeit mit einer Gefahr für das Leben oder einer Ges nicht eines, das einen im Dritten Reiche nicht genehmen Autor hat. Von Thomas und Heinrich Mann, von Leon= hard und Bruno Frank, von Stefan und Arnold Zweig, von Ludwig Nenn, Oskar Maria teleuropäischen Staaten fönnte bei absoluter Wah- Graf, Ernst Glaefer oder Max Hermann rung der Selbständigkeit der einzelnen Staaten allen Neiße ist nichts zu entdecken. einen großen Dienst erweisen und sie davor bewah ren, ein Spielball der Großmächte zu werden und Emigranten also find peinlich ferngehalten, wie zu verhüten, daß sich diese in das Fell des Lären es ja wohl nicht anders zu erwarten war, und teilen, das sie nicht besiben und nie befißen wer man wundert sich auch kaum noch darüber, daß ( Beifall.) In den Grundfragen unseres Staa- unter den ausgestellten literarischen Zeitschriften den. " Knut Hamsun und Sigrid Undset zum Beispiel sind vertreten, aber nicht Karin Michaelis und Selma Lagerlöf( denn der Kulturverband ist unparteiisch). Nach Romain Rolland, Sinclair Lewis oder Ignazio Silone zu forschen, wäre vergebliche Mühe. Dabei sind auch französische, italienische, eng- fährdung der Gesundheit verbunden ist. Auch über lische und flämische Autoren vertreten. Nur in einem Punkte ist der Prager Kulturverband streng geblieben: in der ganzen Ausstellung ist nicht eine Uebersetzung aus dem Tschechischen. Genügt das nicht zur Charakterisierung des bezahlte Urlaube wird verhandelt werden. Auf wirtschaftlichem Gebiete wird die Regierung für die Einhaltung eines angemesse nen Niveaus der Preise der Lebensbedürfnisse eintreten. Die Regierung wird ferner für den Schutz der Interessen des Mittelstandes Sorge tragen und ein Wirtschaftsinstitut für mits Problem tes stehen alle tschechoslowakischen Parteien und das männer des Westens nehmen an, daß allerhand Be- band heute Wert legen müßte, nämlich ab Oder muß man noch aufzählen, wieviele Sd Pbiete beabsichtigt die Regierung das ganze Volk einig und einträchtig da. Die Staats- die einzige fehlt, auf die ein deutscher Kulturver: Geistes, dem man hier Schwerter schmieden will? telständische Klassen errichten. Auf kulturellem Ges schwerden auf die ungeregelten Verhältnisse bei uns und Wert". Kalender hier liegen, muß man noch erzäh- der Beziehungen zwischen VI a men und Man hat sich aber nicht nur an die Richt len, daß selbst unter den deutschen Literaturge- 23 a II o nen zu lösen, wobei die Regierung zurückzuführen seien; das glauben auch die DeutBiese und die Klassisch wissenschaftliche von Sche rer- Walzel ist, sondern nur die völkischen hebschriften von Bartels. Vogt und Koch und Eduard Engels? schen. Wir werden diese Verhältnisse meistern, aber linien des Herrn Goebbels gehalten, man ist schichten nicht einmal die harmlos populäre von alle Maßnahmen treffen wird, um die Einheit nicht so, daß wir eine Zerreißung der Tschechoslo- offenbar noch über sie hinausgegangen. watei in Kantone oder Sprachgebiete zuließen. Wir werden sie meistern durch absolute Gerech tigteit gegenüber dem gesamten Volk und damit auch gegenüber unseren deutschen Mitbürgern. Des halb stehen wir voll und ganz hinter dem 18. Feber. Freilich müssen auch unsere deutschen Mitbürger| auch gegen die Tschechen gerecht sein. Nicht eine harte Fauft, sondern eine feste Hand und Verstand find nötig, damit uns die Verhältnisse im deutschen| Gebiet nicht über den Kopf wachsen. Darum dürfen auch die Resolutionen der Grenzler nicht ad acta gelegt werden. * Dr. Rosche verleugnet„ Die Zeit" Unter den Dutzenden von Kinderbüchern, die in dieser Ausstellung zu sehen sind, ist nicht ein einziges von Erich Kästner, obwohl der noch in Berlin lebt, und von den paar dentschen Dichtern, die sogar Herr Goebbels noch in Deutschland gewähren läßt, von Gerhart Eine Lüge über Jaksch Es stände wahrhaftig schlimm um die deutsche Kultur, wenn sie diesem Kulturverband ausgeliefert wäre! st er wegen Vergehens gegen§ 129 b) verhaftet. Köster wurde in die Untersuchungshaft in PanDer von uns öfters zitierte Lobofiber frac eingeliefert. Köfter lebt seit vielen Jahren Kämpfer", ein furioses Zwitterding zwischen als reicher Architekt in Prag, wo er mit der Gin scheinbarer Henleinfrommheit und offenbarer Op- richtung der bekanntesten Kaffeehäuser betraut In der Ausschußdebatte zum Budget und position gegen die SdP- Führung, bringt in seiner wurde. bei früheren Gelegenheiten hatte man den Her- Nummer vom 30. November als Sensation ren von der SdP von tschechischer Seite wieder großartig eingerahmt und auffallend gedruckt fol-| holt vorgehalten, daß die Schreibweise der gende Meldung": Beit", die ebensogut das offizielle Organ des Propagandaministeriums sein reichsdeutschen tönnte, am besten dartue, wie es um die Loyalität der SdP zum Staate bestellt sei. Die Herren wußten darauf nicht viel zu erwidern. Gestern in der Budgetdebatte ging nun Herr Dr. Rosche in dem Bemühen, die Loyalität der SdP herauszustreichen, sogar soweit, die Zeit" ganz offiziell zu verleugnen. Er sagte nämlich: Wenn man uns die Haltung der Zeit" borwirft, so müssen wir erklären, daß Die Beit" tein parteioffizielles Organ ist, sondern uns nur sehr nahe steht. Unser| offizielles Organ ist ,, Die Rundschau". Wenn schon nicht einmal mehr Herr Dr. Die neue Linie.. Jonak- Jaksch.. Am 17. November 1987 fand in einem Brager Vorstadt- Kaffee eine vertrauliche 3 fammenkunft statt, an der Dr. Gustav Jonat, Abg. Wenzel Jaksch und ein in der lebten Zeit oft genanntes führendes Mitglied der völkischen Opposition teilnahmen. Den Inhalt der Besprechung bildeten Vereinbarungen über die gegenseitige Unterstützung und taktische Zusam= menarbeit der Aktivisten mit der sogenannten völkischen Opposition. In diesem Zusammenhang erinnern wir an die schon früher bekannt gewordenen guten Beziehungen Dr. Jonats au den„ Lidové noviny" Hubert Ripkas. * des Landes aufrechtzuerhalten und den Geist der Eintracht unter diesen beiden sprachlichen Grups ren zu stärken. Zu diesen Maßnahmen gehört ein Gefeßentwurf, welcher der belgischen Armee ein definitives Sprachstatut geben wird, auf Grund dessen einsprachige militärische Formationen ent weder mit wallonischer oder mit blämischer Spras che errichtet werden sollen. Diese einsprachigen einer Division geschaffen werden können. militärischen Einheiten werden bis zur Stärle Politischer Mord in Oesterreich Wien. In einem Walde bei Neustift im Bur genland wurde Sonntag die Leiche des 28jähri Die Bewegung innerhalb der SdP für Tot- gen Bauernsohnes Johann Weichselberger gefun tor Jonat, die in Mähren ihren Ausgang ge- den, der, wie festgestellt wurde, am Tage vocher nommen hat, greift, nach einem Bericht der" Bo- von einem bisher unbekannten Täter niedergehemia", auch auf Böhmen über. So hat eine schoffen worden war. Die Untersuchung ergab Kreistagung des Jeschten- Jiergebe= wichtige Umstände, die auf einen politites eine Entschließung für Dr. Jonat gefaßt. ichen M or d hindeuten. Weichselberger war Es wurde beschlossen, eine Abordnung zu Konrad vor einiger Zeit aus der illegalen Nationalsozia Henlein zu entsenden, die Aufklärung über das liſtiſchen Partei in Desterreich ausgetreten und Vorgehen gegen Dr. Jonat verlangen soll. Je 250.000 Kč für die Musikakademien! In den offiziellen Erläuterungen zum Budget ist ein Irrtum oder eine Unklarheit unterlaufen, die deutlich richtiggestellt werden müssen. Es heißt dort nämlich, daß für die Verstaatlichung der Musikakademie in Preßburg und der Deutschen wurde seit jener Zeit von seinen feinen ehemaligen Freunden systematisch gemieden. Laut dem ärztlichen Gutachten wurde der Mord von mehreren Personen durchgeführt. Bisher wurden vier ver dächtige Personen verhaftet. Auch Titulescu in der Oppositionsfront Bukarest.( Havas.) Titulescu, der nach Abg. Wenzel Jaksch ermächtigt uns festzu- Musikakademie in Prag 250.000 Kronen be- längerer Abwesenheit nach Bukarest zurücklehrte, innenpolitische Haltung der Zeit" in den Schick stellen, daß der Inhalt dieser Meldung freier stimmt wurden. Tatsächlich aber wurden je hatte längere Beratungen mit Mihalache und anFunden ist. Jakich war weder am 17. Neben 250.000 Stronen bestimmt, was schon daraus deren politischen Führern. Titulescu wird ohne digen oder auch nur zu beschönigen, so ist das ber noch an einem andern Tage mit Dr. Jonat hervorgeht, daß die entsprechende Budgetziffer Zweifel auch eine Begegnung mit dem Vorsitzenden Daß aber ,, Die Rundschau" in dieser Hinsicht auch irgendwo beisammen, Jaksch hat niemals in feinem von 1,750.000 Kč im Jahre 1937 auf 2,250.000 der nationalen Bauernpartei Maniu haben. Es ist allerdings ein Eingeständnis, daz Bände spricht. nur um eine Nuance anders wäre, fönnte Dr. ganzen Leben mit Herrn Dr. Jonak auch nur ein Kronen hinaufgesezt wurde. Diese Feststellung macht es überflüssig, auf der das Blatt auch nur einigermaßen aufmerk den vom Kämpfer" natürlich gleichfalls erfun 10 Uhr abends sprach der Fleischergehilfe H. aus Sam lieft. in Tschechoslowaken grüßen aus Schanghai. Die ten dem Tschechoslowakischen Prefsebüro ein TeA Schanghai lebenden Staatsangehörigen sandlegramm, in welchem sie bekannt geben, daß sie die schweren Tage der Belagerung Schanghais glücklich überstanden haben und senden ihrer Heigehen, das nie stattgefunden hat. Und das Urteil über den Kämpfer" ist damit gefällt. Neue Verhaftungen Ein Rohling. Am verflossenen Sonntag gegen Tetschen beim Aufgang zum Rothberg eine Frau an, die sich in Begleitung ihres Mannes und zweier Bekannter auf dem Heimwege befand und ein paar Schritte allein ging, weil hre Begleiter bei dem dortigen Würstelstande haltgemacht hatten. S. scheint die Frau für eine jener Damen gehalten zu haben, die sich mit Vorliebe und stets tei kandidieren wird, ohne daß er formal ihr Mitglied würde. Kairo. Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Attentatsversuch auf Ministerpräsident Nahas Pascha verhafteten Personen ist auf 176 gestiegen. Es handelt sich meist um Grüns hemden. Die Polizei nimmt immer noch zahl reiche Haussuchungen vor. Tokio. Die japanische Regierung hat den Bes in der Rutha- Affäre Wie der„ Prager Mittag" meldet, wurde in reichs deutsche Architekt Paul Heinrich Kölhalten und dementsprechend war auch der Antrag. mit dem 1. Dezember I. J. anzuerkennen, mat und dem Präsidenten der Republik Dr. Prag gemeinsam mit anderen Mitschuldigen der während der Nachtstunden in jener Gegend auf- fchluß gefaßt, die Regierung des General Franco Benes Grüße Nr. 282 Seite 4 Mittwoch, 1. Dezember 1937 3aaeÄrm!a^eiteie feldschmiede als lerematonum y P Neue schreckliche Feststellungen um den Hostivafer Gattenmord Vier Tage ohne Nahrung vernichtete viele täufenbe Der Schaden wird auf Prag,(rk>) Die Untersuchung gegen Kamil Horäk ist vorläufig abgeschlossen und der Mörder befindet sich in der ordentlichen Untersuchungshaft sagen von Zeugen blaue Flecken an ihren Armen hinterließ. Daß Horäl bei Durchführung seiner entsetzlichen Mordtat planmäßig und mit kalter Berechnung aller Details vorgegangen ist. steht außer Frage. Ein Kapitel für sich ist die Art. in der er den Leichnam der Ermordeten verschwinden ließ. Diese Frage hat vom rein kriminologischen Standpunkt verschiedene Rätsel aufgegeben. Die vollkommene Verbrennung von Leichenbestandteilen in gewöhnlicher Ofenglut ist, wie die Erfahrung lehrt, nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Die Untersuchung ergab die Wahrscheinlichkeit, daß Horäk die Leichenreste aus einer eigens zu diesem Zweck angeschafften. Feldschmiede verbrannt hat, die bei Koksfeuerung Hitzegrade entwickelt, die die eines Krematorium- noch übersteigen. Das chemische Institut der KarlSunversität hat in den vorgefundenen Aschenresten tatsächlich Verbrennungsrückstände von Fleisch und Knochen festgestellt. Die chemischen Sachverständigen können allerdings nicht mit voller Sicherheit feststellen» ich es sich um menschliche oder tierische Reste handelt, dagegen vermochten die antropologischen Sachverständigen nach genauer mikroskopischer Untersuchung eines Knochenrestes ihr Gutachten dahin abzugeben, daß dieser Knochenrest von einem menschlichen Schienbein herrühre. Nach der psychologischen Seite scheint schon heute so viel festzustehen, daß der Mörder Kamil Horä ein Mensch von abnormaler Gefühlslosigkeit und Unempfindlichkeit ist— eine weitere Parallele zu Sbato'lab Stöpänek. Es wird abzuwarten sein, wie die Prüfung des Geisteszustandes Horäks i ausfallen wird. Die Polizei hat, wie erwähnt, ihre Erhebungen über den Mordfall bereits abgeschlossen und die Sache ruht nun in den Händen der Staatsanwaltschaft. Ob die Anklage tatsächlich noch in dieser Schlvurgerichtsveriode wird überreicht werden können, steht noch dahin. Was über das Vorleben des Mörders bekanntgeworden ist, läßt eine gewisse Aehnlichkeit Hvischen diesem und dem Leitmeritzer Mörder Dtöpänek erkennen, dessen Verurteilung zum Tode dieser Tage von dem Obersten Gerichtshof bestätigt wurde. In beiden Fällen handelt es sich um einen schwer entarteten Menschen, dessen verbrecherische Anlagen durch eine unvernünftige Erziehung zur Entwicklung gebracht wurden. Wie jener Stepänek ist auch Kamil Horäk das unsinnig verzärtelte Kind einsichtsloser Eltern. Als sich Horäk mit einem ganz armen Mädchen verheiratete— seine ermordete Frau war zuletzt Billet- teurin in einem Prager Kino gewesen—, weigerten sich feine Eltern, dieser Heirat ihre Zustimmung zu erteilen. Die Eltern der Braut rieten ihrer Tochter ab, da sie sich von dieser Ehe nichts Gutes versprachen, doch vermochten sie mit ihren Ratschlägen nichts auszurichten. Schon vor der Ehe mißhandelte Horäk seine spätere Frau j mehrfach und diese Mißhandlungen steigerten sich nach der Eheschließung. Roch am Mordtag hatte | sie eine Behandlung auszustehen, die nach Aus- Tisza entlassen werde, da sie für den Ausbruch des Krieges verantwortlich sei. In dem nun veröffentlichten Briefe protestiert Tisza gegen diese Ansicht und tritt für Friedensverhandlungen ein. Sturm auf dem Schwarzen Meer. Das Schwarze Meer ist seit einigen Tagen sehr stürmisch. Die Wellen erreichen eine Höhe von 30 Meter. In Burgas wurden der ganze Strand und die am Meer gelegenen Parkanlagen überschwemmt. An einigen Stellen erreichte das Wasser die nach dem Städtchen Pomoria führende Eisenbahnstrecke. Ueber das Schicksal einiger Fischerboote herrscht Ungewißheit. Von einigen auf dem Meere befindlichen Schiffen wurden Hilferufe aufgefangen. Die Schiffe können nicht in den Hafen einläüfen.' Dem? französischen Dampfer „Ville de Toulon", der mit einer Holzladung von Konstanza unterwegs war, gelang es nur mit großer Mühe, im Hafen von Burgas Zuflucht zu finden. Das geladene Holz war während des Sturmes von den Wellen! die über das ganze Schiff fegten, größtenteils fortgespült worden. Der fahrende Forellentod. In der Umgebung des Badeortes Lillafüred in Ober-Ungarn fuhr ein betrunkener Chauffeur, der einen Lastwagen mit gebranntem Kalk führte, in den Garadna- Bach, in welchem eine Forellenzucht angelegt lst. Im Wasser kam der betrunkene Chauffeur zur Besinnung und vermochte sich rechtzeitig zu retten. Der Kalk färbte kilometerweit das Wasser des Baches weiß und Forellen und Krebse, einige tausend Pengö geschätzt. Die Baker hat wieder geheiratet. Die bekannte Negertänzerin Iosefine Baker, die eben im Revuetheater Folios Vergäre austritt, hat den 27jährigen französischen Industriellen Lion geheiratet, der um drei Jahre jünger ist als sie. unter Krampf und Schmerz windet; einer Autoch« thonie, die alles Andersgeartete vernichten möchte, nichts ahnend, daß sie damit sich selbst Vernich« tung androht. Der stärkste Strom muß versiegen, wenn die Zuströme aufhären. Das ist ein G.setz der Natur; im Bereich des Geistes gilt es nicht minder. »Eine jede Literatur ennuyiert sich zuletzt i« sich selbst, wenn sie nicht durch fremde TeilnahMk wieder aufgefrischt ist"— dieses Bekenntnis stammt von Goethe, dem Künder der Entwicklung und organischen Vollendung alles Seins. Er konstituierte den Begriff«Weltliteratur". War die? eine Absage an das Nationale? Durchaus nich^ Aber es sollte heißen, daß der Geist, wenn er Krast und Wirklichkeit erlangen wolle, osten, weltofft» bleiben müsse: daß er sich, fern aller geizige" Isolation und Abkapselung, dem Werden zu weihen habe. Wir kennen aber kein Werden Tausch und Wechselwirkung, ohne Anregung und Teilnahme fremder Kräfte. Glückliche Völker und Individuen, die M solche Aufgeschlossenheit zu bewahren wußtenl Sie sind die Mittler und Förderer aller Kultur—* Jünglinge, deren eigene Werke nicht immer Reife, immer aber das Leben in sich tragen. Mehr noch, als sie gehört werden wollen, sind sie bereit, den andern Gehör zu schenken. Auch als Lehrer blei« ben sie Schüler. In ihrem Geben liegt wevek Pose noch Ambition; ihr Nehmen hat nichts von den Gesten eines unerkenntlich-schnöden Raffer- tums. Es ist der edelste Tausch, der sich da vollzieht, ein Imperialismus des Geistes und dek Seele— der einzige, dem man Kampf und Eroberungsrechte auf dem Erdball zugestehen darf. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen! Donnerstag: Prag, Sender 1: 7: Morgenmusik, 10.05: Deutsche Presse, 14: Deutsche Sendung: Lowag liest eigene Erzählungen im Dialekt, 17.80: Deutsche Sendung: Jugendstunde: Vom Wandel der Zeiten, 18.10: Dozent Sigmond: Der Wald— eine Lebensgemeinschaft, 18.28: Multerer: Die Probe auf der Kirchturmspitz, 18.43: Deutsche Presse, 18.68: Aus dem deutschen Kulturleben, 19 1t: Militärmusik.— Prag, Sender II: 14.20: Deutsche Sendung: Kleines Solistenkonzert: Der unbekannte Schumann, 14.66: Deutsche Presse. 18: Lieder aus Tonfilmen.— Brünn 15.15: Rundfunkorchesterkonzert. 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Perlsee: Was soll der Arbeiter lesen? Preßburg 11.05: Salonorchester. 22.30: SchallplÄtenkonzert.— Mährisch Ostrau 12.35: Rundfunkorchesterkorvert: Militärverrat Prag.(Amtlich.) Das Divisionsgericht in Prag verurteilte am 30. Itovember den Infanteristen Frantisek M e g I wegen des Verbrechens des Militärverrates nach, 8 8, Absatz 2, des Gesetzes zum Schutze der Republik und wegen des Verbrechens der Desertierung zu achtzehn Jahren schweren Kerkers mit den entsprechenden Verschärfungen und zum Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von fünf Jahren. Der Angeklagte« hat die Strafe angetreten Ist also Grenzung ein Wesenszug des Geistes,, so bildet die stete Bereitschaft zur Revision seine notweiHige Ergänzung. Jenes ist das Teil der ordnenden Vernunft, die auf Linie, Kontur, Haltung besteht; dieses aber Sache des Willens, der sich nie mit dem Gegebenen und Erreichten abzufinden vermag und zu größeren Perspektiven drängt. Verzicht auf Grenzen wäre mit einer Absage an den formgebärenden Logos, Erstarrung der Grenzen mit einem Mangel an Ethos gleichbedeutend. Zwischen beiden Polen die Mitte zu halten, ist das Problem des Lebens. Wir müssen immer wieder Grenzen ziehen— um den Blick darüber hinaus richten zu können. Ein Verharren im gegebenen Kreise führt schließlich zu einer Erschöpfung deö geistigen Lichtzentrums, das hie Fähigkeit verliert, Reflexstrahlungen neuer, früher unerkannter Objekte in sich aufzunehmen. Und damit verkümmern die Bilder, ihr Glanz ermattet, das Leben des Geistes siecht dahin. Dvs ist exatt der Fall unserer Zeit. Alle ihre Krisen lassen sich auf diesen einen Ursprung zurückführen. Die Angehörigen unserer Zeit haben es weithin verlernt, Lernende zu sein. Sie wollen das Fremde nicht mehr erkennen und(damit a n-erkennen), sie wollen es sich unterwerfen(und an-gleichen). Sie sehen nicht mehr, wie das Fremde durch seinen Bestand das Eigene auf allen Seiten zu stützen und zu stärken vermag, wie Zueignung das Licht der Welt mehrt, gewaltsame Angleichung aber es zum Erlöschen bringen muß. Sir leben im Bann ihrer eigenen Enge, die sie in einem schauerlich-gespenstischen Usurpationsfeldzug mit der Welt identifizieren. Es ist der Fluch der Autochthonie, unter dem sich unsere Epoche haben bisher 17 Beerdigungen nicht stattfinden können. Die Polizei bewacht den Friedhof, um einen Sitzstreik der Totengräber zu verhindern Die Aktion„der millionste Rrindfunkhörek* endet am 1. Dezember. Das Post- und Telegraphenministerium teilt amtlich mit: Die Verlosungsaktion„Der millionste Rundfunkhörer" endet Mittwoch, den 1. Dezember d. I. Die BerlosungSanwei-' sungen können daher den Postämtern zwecks Beglaubigung und weiterer Behandlung spätestens bis zum Schluß der Amtsstunden am Mittwoch, den 1. Dezember d. I. vorgelegt werden. Nach Ablauf dieser Zeit vorgelegte Anweisungen werden zur Verlosung nicht mehr zugelassen. Ein Autobus brennt. Am Dienstag nach 14 Uhr fuhr ein holländischer Autobus, von Eindhoven in Holland kommend, von Schneeberg gegen Bodenbach. Besetzt war er mit 26 Personen, fast durchgehends tschechischen Musikern des Zirkus Sa- rasant, die noch am selben Tage nach Pilsen wollte»,' Infolge des starken Gefälles der Straße von Pei- perz gegen Öberzrund mußte der Chauffeur die Bremsen stark anziehen und offenbar dadurch geriet der Autobus in Brand. Erst in der Nähe des Hungersteines wurde der Chauffeur aufmerksam gemacht und brachte den Wagen zum Stehen. Glücklicher Weife entzündete sich das Benzin nicht und die Bodenbacher Feuerwehr, die rasch zur Stelle war, konnte in kurzer Zeit die Flammen löschen. Nach etwa einstündiger Unterbrechung setzten die Leute ihre Fahrt fort. Bewölkt» Niederschläge. Die Druckverteilung bedingt nunmehr erneut einen Zufluß wärmerer ozeanischer Lust gegen das Binnenland. Bei uns ist ladoch die Temperatur am Dienstag noch im ganze« unverändert geblieben. Nur auf den Kämmen de- Erzgebirges hat sich der Frost bis auf minus 2 Grad gemildert. In den Niederungen ist leichtes Tauwetter vorherrschend. Strichweise fällt etwas Schnee. IN Deutschland regnet es. Kalte Luftmassen, die auS Nordrußland bis nach Skandinavien und ins Ostseegebiet vorgerückt find, werden durch die warme Westströmung aufgehalten werden.— Wetteraussichte« fürMittwoch: Unbeständig und vorwiegend bewölkt. zeitweise Niederschläge, namentlich im nördlichen Teile der Republik, mäßig warm. Westwind, Auch auf den Bergen Temperaturanstieg.— Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Das unbe- 'siändige und mäßig warme Wetter dürfte noch anhalten. im Stadtteil Brooklyn die Totengräber und Ange-1 Lortzing, Grieg etc. 17.55: Deutsche Sendung: Re- stellten des dortigen großen Friedhofes. Dadurch| portage aus dem städt. Museum in Freudenthal. Weltbürgertum Von Will Schaber In diesen Tagen erscheint im Saturn- Verlag in Wien ein neues Buch von Will Schaber unter dem Titel„Weltbürger — Bürger der Welt". Das Buch schildert das Werden aller Kulturen aus Solidarität und Wahlverwandtschaft.— Mit Genehmigung des Verlages bringen wir einen Abschnitt als Borabdruck: Das Wesen des Geistes ist Bestimmtheit und Umgrenzung. Durch das dunkle Chaos der Materie bricht das Licht des Gedankens. den setzt gibt Linien wer- sichdbar. Die Namengebung der Anonymen ein. Bilder entstehen, und ihre Summe er» unser Welt-Bild» unsere Welt-Anschauung. Aber die Linien der Erkenntnis sind nicht unwandelbar; stets bleiben sie eine Funktion des geistigen Lichtes, das von innen nach außen dringt, die Objekte erfaßt und von da als Reflexlicht zurückkehrt»' die Strahlungsenergie des Ursprungs mehrend. Von der Stärke dieser Energie hängt die Lebendigkeit unserer Bilder ab. Je heller und wärmer das Licht in seiner wechselnden Richtung strömt, desw genauer und persönlicher wird unsere Anschauung, desto eher füist sich der Plural verstreuter und vereinzelter Linien zum Singular der einen erhobenen Gesamtlinie; desto mehr Freiheit erobern wir uns. Wir befreien uns: von Dunkel und Enge, von der Wirrheft des Chaos. Solche Freiheit des Ernennens aber ist das höchste Glück des Menschen; denn ihr Korrelat heißt Liebe. Iosefine Baker wurde kürzlich von ihrem ersten Gemahl,' der ftalienischer Abstammung ist» geschieden. .Rekord einer Sowjeffliegerin. Die Sowset- ffiegerin Grisodubovä erzielte einen Schnelligkeitsrekord in der Kategorix der leichten Wasserflugzeuge. Sie bewältigte die Strecke von 100 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 190.88 Kilometer in der Stande. Ueverschwemmung in Anatolien. Gewaltige Regenfälle während der letzten Tage haben große Ueberschwemmungen im Gebiete von Mittel- Anatolien verursacht. Die beiden Flüsse in der Ebene von Konia sind aus-ihren Ufern getreten. Schafherden wurden won den Fluren mitgeriffen und vierzig Häuser stürzten ein. Ob Menschenleben zu beklagen sind, ist noch nicht feststellbar. 300 Familien sind obdachlos geworden. Ebenso schwer ist das ganze Gebiet um Elbistan und die Stadt Smyrna mitgenommen. GPU in Warschau? Das polnische katholische Blatt„Malh Dziennik" meldet heute, daß am Montag sechs Inspektoren der sowjetrussischen GPU eine Durchsuchung der Sowjetbotschaft in Warschau vorgenommen haben. Wie das Blatt mitteilt, beschlagnahmten die Vertreter der GPU, die einen schriftlichen Auftrag des GPU-Chefs Jeschow haften, alle Dokumente im Schreibtisch des ehemaligen Sowjetbotjchafters Janow D a w t i a n und des ehemaligen Preffe-Attachös A l e x a n d r o)v, die kürzlich nach Moskau berufen wurden und über deren Schicksal vorläufig nichts bekannt ist. Die Vertreter der GPU seien Dienstag früh nach Moskau abgereist. Streik der Totengräber. Seit Dienstag streiken Die Wirksamkeit der Gemeinden beim Luft- 1 schütz. Das Innenministerium macht in einem Rundschreiben darauf aufmerksam, daß die den Gemeinden bezüglich des Luftschutzes durch das Gesetz Nr. 82/1935 und die Reg.-Vdg. Nr. 199/1935 auferlegten Pflichten als übertragene Wirksamkeit(Aufgaben der Staatsverwaltung, die den Gemeinden anvertraut wurden) anzuse- i hen seien. Der Schutz vor Flieger- und ähnlichen' Angriffen bildet nach dem Gesetze einen besonderen Zweig der Staatsverwaltung. Die Organisation wie Leitung dieses Schutzes obliegt vor allem den staatlichen Aemtern und Organen. Zwei internationale Rekorde einer ffchecho- ftowakischen Fliegerin. Sonntag, den 28. November, nachmittags versuchte die tschechoslowakische Fliegerin Marie Doubkovä aus Böhmisch- Budweis zwei Rekordflüge in der Kategorie der Sportflugzeuge mit einem Motor bis zu zwei| Liter. Sie startete mit dem Flugzeug„Praga Air' Baby" Zeichen OK BUD auf einer Strecke von 100 Kilometer. Nach den privaten Messungen legte sie diese Strecke in 41 Minuten 30 Sekun-, den zurück und erreichte somit eine Geschwindigkeit von 142 Kilometer in der Stunde. Zum zweiten Male startete die Fliegerin in Gemeinschaft mit Fräulein Svobodovä zu dem Versuche, einen Rekord auf einem Sportflugzeug mit zwei Personen aufzustellen. Auch dieser Fing gelang in der Zeit von 42 Minuten mit einer Geschwindigkeit von 140 Kilometer in der Stunde. Es handelt sich hier um die ersten Rekorde, die in der Tschechoslowakei in der Kategorie der Sportflugzeuge erreicht und von einer Frau ausgestellt wurden. Ludendorff im Sterben? Das Befinden des Generals Ludendorff ist sehr ernst und die Aerzte befürchten, daß jeden Augenblick eine Katastrophe eintreten könne. Das Deutsche Nachrichtenbureau hatte Montag abends eine aus München datierte Meldung veröffentlicht, daß eine Störung im Blutkreislauf des Generals einen gefährlichen Verfall seiner Kräfte verursache. Tisza, der Kriegsgegner. In dem soeben zur' Ausgabe gelangten weiteren Bande der gesammelten Schriften des Grafen Stefan Tisza, die von der ungarischen Akademie der Wissenschaften publiziert werden, befindet sich auch ein bisher unbekanntes SDreiben des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten an Kaiser Karl l. Dieses Schreiben ist ein neuer Beweis dafür, daß Gras Tisza ein Gegner des Krieges war und bis zum letzten Augenblick die Hoffnung hegte, daß der Krieg abgewendet werden würde. Als dies dann nicht geschah, unternahm Tisza zweimal— im Jahre 1914 und im Jahre 1916— Schritte, um den Frieden herbeizuführen. Im Jahre 1917 sprach der spanische König Alfons gegenüber Kaiser Karl den Wunsch aus, daß die Regierung Ein arbeitsloser Hutmacher ist in vier des Pankrazer Kreisgerichtsgefängniffes. Im letz- Tagen von Prag nach Eger gewandert und dort ten Stadium der Voruntersuchung kamen neue vor Erschöpfung zusammengebrochen. Gerade vor schwerwiegende Details zutage. AuS'Äüszeich- dem Hotel Continental ist er hungerkrank umge- nungen der ermordeten Gattin Horäks ergab sich, fallen. Er hatte seit vier Tagen nichts gegessen, daß dieser verschiedene andere Straftaten auf dem Mitleidige Menschen haben ihn in dem Hotel satt, Gewissen haben dürfte. So wurde ein Tagebuchgemacht, worauf der Arbeitslose im Asyl für Ob-| blatt der Toten aufgefunden, in welchem sie er- dachlose Aufnahme fand. Ein Schicksal in drei wähnt, daß sie ihren Mann auf den Knien ange- Sätzen, das eine kurze Zeitungsnotiz meldet. Nur, fleht habe, keine gestöhlen en Sachen die Tatsachen, kein Wort mehr. jmehr nach Hause zu bringen, da dies Jeden Tag können wir vom Sinken der kein Glück bringen lönne. Daß Horäk unter Vor- Arbeitslosigkeit hören und das sicherste Zeichen! läge gefälschter Zeugnisse sich als Ingenieur aus- der Wirtschafisbelebung, das Ansteigen der Preise gab und sich auf diese Weise eine Stellung erschlich, für Lebensmittel und Bedarfsartikel, verspürt ist bereits berichtet worden, jeder, auch der Arbeitslose. Es geht also schon seit geraumer Zeit aufwärts, die Dividenden und die Preise klettern. Somit müßte doch alles in bester Ordnung sein! Und doch stimmt da etwas nicht. Dieser halbverhungerte Hutmachergehilse stört das Bild. Viele werden diesen häßlichen Fleck nicht sehen oder sehen wollen, aber weg wischen können sie ihn nicht. Er bleibt und wird so lange unser Auge beleidigen, bis alle die hun gernden Hutmacher und andere Arbeiter erken-1 nen, daß unsere schöne Wirtschaftsordnung einer! gründlichen Reparatur bedarf. Und dabei können' in unserem Staat alle mithelfen, ganz gleich welcher Nationalität sie sind. Der Arbeitslose in, Eger, der vor dem Hotel Conttnental zusammen« brach, wird nicht gefragt haben, ob ihm Deutsche! oder Tschechen etwas zu essen geben. Ihm und den anderen Arbeitslosen wird es gleichgültig sein, welcher Nattonalität der Fabrikant ist, der ihm Arbeit geben will. Arbeiter können oder soll ten sich den Luxus nicht erlauben, in wirtschaft lichen und sozialen Fragen nach der Stammeszu gehörigkeit zu urteilen. Das sollen sie den'Leu ten.überlassen, die daraus ein politisches Geschäft machen und den Arbeitern einreden, sie seien auf Grund ihrer Abstammung verpflichtet, ihnen zu folgen und aus völkischer Ueberzeugung den Hungerriemen noch um ein Loch enger zu schnal len. Die hungernden und gesättigten Hutmacher- j gehilfen und ihre Klaffengenofst n haben wirt- j schastlich andere Aufgaben zu lösen und vorerst dafür zu sorgen, daß der letzte Arbeitslose von der Straße verschwindet. Die Möglichkeit dazu haben sie, sie brauchen nur ernstlich zu wollen. und sich ihren richtig organisierten Arbeitskame raden anzuschließen. Sonst sind sie selbst schuld daran, wenn sie bei vollen Scheunen hungern müssen. Nr. 282 Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Beschäftigung der Industrie Rückschläge und Stockungen in einigen Branchen Der Monatsbericht der Nationalbank gibt folgende Einzelheiten über die Lage der Industrie im Oktober und anfangs November: Mittwoch, 1. Dezember 1937 Bevölkerung mehr Beachtung finden müssen und daß dieses bei allen Maßnahmen berücksichtigen muß, daß die Kauftraft gerade der deutschen ar beitenden Menschen unseres Staates noch immer sehr schwach ist und keine größere Belastung verträgt. Das Landwirtschaftsministerium muß deshalb Mittel und Wege wählen, die diesen Forderungen entsprechen. Man möge im Landwirts schaftsministerium nicht nur die Beseitigung der brauchern auferlegen will, fuchen, sondern auch Disparität durch neue Lasten, die man den Vereinmal daran denken, Maßnahmen zur Beseiti Die Kohlenförderung ist im dente nur an die Kunstdünger- llebergeivinne, die gung der hohen Produktionskosten zu treffen. Man Oktober zurückgegangen, so daß sich bei der übermäßige Verteuerung der Futtermittel durch Bra un tohle sogar eine unter dem vorjährigen das Getreidemonopol usw. und man wird sofort Ottober liegende Förderung ergab. Die Meerkennen, daß die Möglichkeit vorhanden ist, die tallindustrie verzeichnete in den Eisen- Gestehungskosten der landwirtschaftlichen Prowerken eine Abschwächung des Auftragseingangs butte wesentlich zu vermindern. Unserer Unters für Walzwarenprodukte und einige andere Fabri- stützung ist das Landwirtschaftsministerium tate. Die Ema i Iwarenindustrie einer derartigen Aktion gewiß. meldete zu Beginn des Novembers einen uner warteten Auftragseingang. In der Mascht=| Im Mittelpunkte der öffentlichen Erörte Seite 5 Grossuperkonfort im Volksgerät IRON PRINCE Kč 1.890° oder 10 Raten à Kč 166-, Anzahlung Kč 420.-. 7 Abstimmkreise, regelbare Selektivität, Wellen von 19.5- 2000 m, Trigridautomatik, Speziallautsprecher, für Wechselstrom 110 240 V. Fa IRON, BRÜNN XV., Habermannova 40. Ich ersuche um Einsendung von Prospekten über IRON PRINCE. Name...... Adresse bei steht gegenwärtig die Frage des Milchnenindustrie ist im allgemeinen die Lage preises. Die judetendeutsche bürgerliche Be unverändert, doch ist auch da in einigen Zwei- völkerung, die vorwiegend auf die Erträgnisse gen eine Abschwächung zu verzeichnen. Ueber die aus der Wiehhaltung angewiesen ist, hat es seit Keramindustrie und die Glasindu- langem als untragbares Unrecht betrachtet, daß strie sagt der Bericht: man ihr zwar durch die Einführung des GetreideDer Kaolinabsatz war unverändert. In monopols zum Teil beträchtliche Belastungen auffeuerfesten Materialien hält die Absabsteigerung erlegte, andererseits aber die Regelung anderer infolge des bedeutenden Bedarfes der Hütten- für sie grundlegender Fragen immer wieder hinindustrie an. In der Baukeramik und Baumate- ausschob. Dieses Verlangen ist umso berechtigter, rialienindustrie ist der saisonmäßige Produktions- als ihr auch die Schuldenregelungsgesebe keinerrüdgang bisher noch nicht stärker zum Ausdrude Tei nennenswerten Vorteile brachten und sie des Eigentum an Boden auch alle Rechte auf den un- uebergabe werden die Eigentümer ihre bisherigen gekommen. In der Feinteramit resultierte im Of halb bei der Schaffung des landwirtschaftlichen ter ihm liegenden Raum, so daß die Bodeneigen- Rechte behalten, aber einer Kontrolle unterworfen tober ein leichter Beschäftigungsrückgang, nachdem Hilfsfonds vorwiegend Berücksichtigung finden tümer ständige Vergütungen von den Kohlenpro- sein, damit sie keine Wertverminderung vordie Entwicklung in den vorhergehenden Monaten müßte. Es wäre wünschenswert, daß mit Be- duzenten, die sogenannten Royalties, beziehen. nehmen. durchaus günstig verlief. Die Ursachen des Rückschleunigung die notwendigen Arbeiten borge- Dieses System hat wesentlich zur Zersplitterung ganges sind in den Exportschwierigkeiten, haupt nommen werden. In einer Beratung der bäuer der Grubenunternehmungen beigetragen; es gibt sächlich den Zollerhöhungen für Sanitätsporzel- lichen Viehbesizer des Schlaggenwalder- Schön- derzeit vier- bis fünftausend solcher Bezieher von Das Finanzorgan Wall Street Journal", das Höhere Lebenshaltungskosten in Amerika. lan in Frankreich und in der scharfen Preiston- thaler Hochlandes am vergangenen Sonntage Royalties. Das Gesetz sieht nun den Ankauf sonst der Politik der Massentaufkraft nicht sehr furrenz zu erblicken. In der Porzellantvaren wurde darauf verwiesen, daß die Händler bei aller Royalties durch eine Kommission vor, die freundlich gegenübersteht, gibt zu, daß eine Fa= induſtrie verursachte der Ablauf der Kontingente einem Verkaufspreise von Kč 1.60 den Landwir dann Eigentümerin aller in Großbritannien vor- milie mit einem Monatseinkommen von 120 Dol nach einzelnen Ländern eine Verminderung der ten in den Orten 70 Heller bis höchstens Kč 1. handenen Kohlenlagerungen sein wird. Für diesen lar im Jahre 1933 bereits 143 Dollar im SepBeschäftigung. Auch im Bestellungseinlauf ist eine bezahlen, somit per Liter Milch 60 bis 90 Heller Zweck soll eine Summe von nahezu 67 Millionen tember 1937 ausgeben mußte, um das gleiche Abschwächung zu bemerken. brutto verdienen. Eine Enquete bei der Bezirks- fund( ungefähr neuneinhalb Milliarden Kro- Lebensniveau einzuhalten. So stieg in dieser Zeit günstige Export- behörde in Elbogen vor zwei Jahren sette den nen) vorgesehen sein, die im Schiedswege fest- eine Miete von 24 Dollar auf 33.33 Dollar. Die entwvidlung hält weiterhin an. Der Glaserport Produzentenpreis mit Kč 1.20 und den Händler gesetzt wurde, nachdem die Eigentümer 150 Mil- leiderpreise sind um 16 Prozent gestiegen, wowar im Oktober um etwa 30 Prozent höher als gewinn mit 40 Heller fest. Nur ganz kurze Zeit lionen Pfund verlangt hatten. Der Antauf muß bei mehr als die Hälfte der Steigerung auf das im borjährigen Oktober. Die Gesamtausfuhr in haben sich die Händler daran gehalten. Daß ein bis zum 1. Juli 1942 durchgeführt sein. Bis zu: Ilaufende Jahr entfällt. den ersten zehn Monaten d. 3. war wertmäßig Preis von 70 Hellern die Gestehungskosten nicht| um 163 Mill. Kč, das sind etwa 34.2 Prozent deckt, ist klar. Das Beispiel zeigt aber auch, daß 1929 noch immer ein Rückstand im Export bei möglich wäre, ohne gleichzeitig den Konsumenten-| höher als 1936, während sich im Vergleich mit eine Erhöhung des Preises für den Landwirt etwa 58.2 Prozent des Exportwertes vom Jahre preis erhöhen zu müssen. Die Zwischenhandels1929 ergibt. ipanne ist hier unangemessen hoch. Auch hier wird. Eine bedeutsame Rede des spanischen Präsidenten Don Manuel Azaňa in Madrid Die Aussichten für die nächste Zeit bleiben je wie in Prag, wiederum klar, daß die Fordegünstig, besonders mit Rücksicht auf den Weih rung nach Erhöhung der Milchverkaufspreise nicht Ein äußerst bedeutsamer Vorgang leider keinem von uns, auch nicht diesen Soldaten, die nachtsmarkt. In der Gablonzer Industrie dauert gerechtfertigt ist und daß im Rahmen der derzei- bei der allgemeinen Weltlage selbst in der soge- hier um mich stehen, der Strieg als ein frohes die günstige Tendenz an, wenngleich sich hier und tigen Stonsumentenpreise die Möglichkeit geschaf- nannten Weltpresse" nicht allzusehr beachtet Fest, als ein Sport, als eine Unterhaltung für geschaf- nannten da eine vorübergehende Abschwächung zeigt. Die fen werden könnte, den Produzenten einen höhe hat sich dieser Tage in Spanien vollzogen. Der lebensvolle Erwachsene erscheint. Exportschwierigkeiten dauern allerdings an. ren Preis zu geben. Wenn sich der Milchhandel Präsident der Spanischen Republik, Don Manuel Man pflegt jetzt in solchen Fällen den Nas Das freie Spanien der Zukunft! Der Baubewegung wird für die nicht an die festgesetzten Preise hält, so werden Azaña, erschien mit Gefolge im belagerten Madrid men des Vaterlandes anzurufen. Wenn die Kas nächsten Monate eine günstige Prognose gestellt. Maßnahmen nötig sein, die die Preiseinhaltung und wurde von General Miaja mit allen mili- none brüllt, entziehen sich nur wenige der Neis Aus allen Zweigen der Baumaterial- gewährleisten. Bei Gründung neuer Molkereien tärischen Ehren empfangen. Der Präsident, der gung, in welchem Lager sie auch stehen mögen, Erzeugung wird eine unverminderte Beschäf- müßte jedoch auch darauf gesehen werden, daß die lange genug in gewissem Sinne demonstrativer den Namen ihres Vaterlandes zu beschwören. tigung gemeldet. In der Holzindustrie Landwirte den einigermaßen gesicherten Milchab Weise sich in seiner hohen Stellung isoliert hielt und manchmal sogar den Namen Gottes! Es ist werden die Absatzmöglichkeiten insbesondere in saß nicht durch eine empfindliche Preissenkung während mancher Episoden und Wechselfälle des geradezu geläufig, sich schon im Voraus die Ver Den Investitionsbranchen günstig beurteilt. Die und andere schwere Belastungen erkaufen müssen. Bürgerkrieges, ist jetzt aus dieser seine Reserve ſicherung geben zu lassen, daß ein Gott das eine Papierindustrie war im Oktober schvä- Die Sentung der Kraftfuttermittelpreise ist ein erstmalig herausgetreten. Don Manuel Azaña, Heer gegen das andere schüßen möge. Und Jag cher beschäftigt. dringendes Erfordernis, damit die Viehzüchter der Präsident- Gelehrte, ist ein klassischer Vertre- man auch mit der göttlichen Vorsehung rediet, In der Beschäftigung der Textilin wiederum die Möglichkeit erhalten, Straftfutter ter jenes romanischen Rhetorikertums, ein spa- um eine Schlacht zu gewinnen. Jedoch noch häus dustrie zeigte sich im verflossenen Monat teine zu geben und eine fettreichere Milch erhalten. nischer„ Orator" von so geschliffener humanisti- figer tommt es vor, daß der Name des Vaterlan scher Schulung, daß wir eine wesentliche Stelle des dabei beschworen wird. Dagegen verwahre ich Kundgebungen der Privatangestellten in der seiner in Madrid gehaltenen Rede hier in wort mich! Stein Strieg kann sich freiwillig im Namen ganzen Republik. In 200 vom Einheitsverband getreuer veutscher Ueberseßung bringen möchten. des Vaterlandes entzünden, wenn es nicht ist in der der nationalen Unabhängigkeit. bereien infolge der ungünstigen Verkaufssituation stellten aller Kategorien in der ganzen Republik liche Liquidation der spanischen Tragödie enthält, der einen Krieg rechtfertigt, ist die Selbstverteis Situation ist in den Flachsspinnereien und We- lungen werden am 5. Dezember die Privatange- haft politische Gedanken in Hinsicht auf die end- Der einzige geheiligte Wert eines Vaterlandes, daß sie eine tragende Rolle für die dann Verant- digung gegen einen fremden Eindringling. Aber wortlichen auch werden spielen müssen, wenn bei- den Namen des Vaterlandes anzurufen, um einen spielsweise das Hitlerregime in Deutschland oder Bürgerkrieg zum Entflammen zu bringen, ist un Mussolini in Italien einmal der Rückkehr Euro- gerechtfertigt, wie man auch nicht glauben darf. pas zu seiner Norm und seinem Daseinsgefes daß das Vaterland irgend eine Art von über den Wolfen thronender Gottheit, einer blutdürstigen, Besserung, in der Mehrzahl der Branchen erfolgte eine neue Abschwächung, die auch in einer weite ren Verminderung der Beschäftigung zum Aus: in USA eingetreten. Die weiteren Aussichten ihrem Anspruch auf einen gerechten Anteil an den find ziemlich untlar und hängen zum großen Früchten der günstigen Konjunktur öffentlich Teile von der Regelung der Steuerfragen, welche Nachdruck geben und die rascheste Durchführung bie Textilindustrie besonders betreffen, ab. Die einer Reihe sozialpolitischer Maßnahmen verlan Leinenindustrie ist in hohem Maße von den Ver- gen. Als besonders dringend werden die Verhandlungen über den Vertrag mit USA abhängig. fammlungen u. a. die Durchführung einer plan- werden weichen müssen.. mäßigen Vorsorge zur Entwicklung einer echten Eine ungelöste Frage Friedenskonjunktur, die für längere Dauer gesichert wäre, fordern. ( A. F.) In den letzten Tagen verwies der Der Staat für die Altpensionisten der Großaktiven Dienst noch vor der Durchführung der Es heißt an dieser entscheidenden Stelle der wäre, vor der von Zeit zu Zeit einige Hunderts Rede des spanischen Staatsoberhauptes, die übri- tausend seiner Söhne geopfert werden müßten, gens auch von dem legitimen spanischen Sender um sie wohlgefällig und zufrieden zu erhalten. Barcelona in alle Welt gefunkt wurde: Wir glauben, daß nicht so das Vaterland sein " Diese Antwort geben wir allen, die uns fann! Unser Vaterland ist in keiner Distanz von wir schlagen uns um unserer Selbstverteidigung in sittlicher Beziehung, wie es unser Gebiet ist, Landwirtschaftsminister wiederholt auf die Dis lichen und industriellen Erzeugnisse, die nach sei- der Altpensionisten der Großgrundbesiße, die den danach fragen diese einfache Antwort: wir, den Spaniern. Wir selbst sind unser Vaterland parität zwischen den Preisen der landwirtschaft grundbesitze. Die Stellung eines großen Teiles| der Landwirtschaft betragen soll, jene zwischen Bodenreform verlassen haben und auf welche sich willen; wir schlagen uns, weil wir das Leben unsere Städte, wie es die Generationen sind, die nister die Notwendigkeit von Hilfsmaßnahmen für ben, wurde bei den eintretenden Teuerungsver- und vollständig: alle wahrhaften Werte Spa- ich, niemand kann zulassen, daß irgend eine una den Produktionskosten und dem Erlös der Lan demnach die im Gesetze über die Bodenreform be- unseres Volkes zu schüßen haben dieses und erst morgen kommen mögen, und wie wir selbst desprodukte 37 Prozent. Daraus leitete der Mis findlichen Versorgungsbestimmungen nicht bezie alle seine höchsten moralischen Werte, wirklich es sind, die Erben des vergangenen. Und so glaube die Landwirtschaft ab. hältnissen sehr erschwert, da ihre Versorgungs- niens: die vergangenen, die gegenwärtigen und beſtimmbare, unerkennbare, verborgene Wesens Wir haben wiederholt unsere Bereitschaft genüsse nicht ausreichend waren. Der Staat er diejenigen, die ihr noch einmal fähig seid, her- heit sollte existieren verschieden in ihrem Ins teresse, in ihrem Anspruch und in ihren Forderun zur Mitwirkung bei der Lösung der bäuerlichen höhte in dem Bestreben, die schwierige Lage dieser vorzubringen. Wir stellen uns dem Krieg, nicht weil er gen von uns, den eigentlichen Landsleuten Existenzfragen zum Ausdrucke gebracht und unter Pensionisten bzw. ihrer Witwen und Waisen zu| im Sinne des Gesetzes uns Freude macht und wir ihm Geschmack abge- ein unsichtbares Wesen, vor dem man aus der Beweis gestellt. Andererseits müssen wir aber auch - ihre Versorgungsgenüsse durch einen winnen und am wenigsten, um im Kriege mili- Zaune einer Politik heraus oder wegen des Ans berlangen, daß die bisher vom Landwirtschafts- Sonderbeitrag, der aus dem vom Minis tärischen Ruhm zu finden. Sondern: weil wir für spruches irgend einer Politik oder wegen einer ten Interessen der sudetendeutschen bürgerlichen fterium für Landwirtschaft verwalteten Deckungs- den Ruhm der nationalen Freiheit und Unabhän- Parteiforderung im Namen eines solchen Vaters Man erhält für 100 Reichsmark B Markmünzen 100 österreichische Schilling 100 rumänische Lei 100 polnische Zloty. 100 ungarische Bengö 100 Schweizer Franken 100 französische Francs 1 englisches Pfund Kč 613.660.526.50 16.05 500.50 548.50 + 656.50 95.70 140.90 28.30 1 amerikanischer Dollar. 100 italienische Lire 100 holländische Gulden 100 iugoslawische Dinare 118.40 1574.61.30 mildern, freiwillig 71/1936 gigkeit sind! landes blutdürstigster Art das Leben von Taus senden seiner Söhne zu opfern schuldig wäre. Das freilich erscheint mir als eine Ungeheuerlichkeit, aus der die andere riesige Ungeheuerlichkeit des Bürgerkrieges emporsteigt, den wir jetzt zu überstehen haben." fonds bestritten wird. Auf diese Weise hat der Staat 1813 Personen bis 30. September d. J. Wir, die Erneuerer der spanischen Politik, freiwillig Unterstützungen in der Höhe von Kč die Bauleute der Republik, die Arbeiter an der 3,965.125.- zugewendet. Von diesen waren Republit, um sie in ein Werkzeug der Zivilia 75.2 Prozent tschechischer und 22.4 Prozent deut- tion und des Fortschrittes in unserem Lande zu scher Nationalität. Von dem Gesamtbetrage er- berwandeln wir haben auf nicht das Gehielten 72.4 Prozent tschechische Bewerber und ringste Verzicht geleistet, was erhaben und großz Wird man nach dieser von höchster innerer 25.5 Prozent deutsche Bewerber. in der Geschichte Spaniens ist, absolut: auf nichts! Berantwortung durchtränkten, menschlich weithin ... Wer könnte einem Krieg gegenüber eine fla- leuchtenden Manifestation des Zuständigsten int rere, vernünftigere, annehmbarere Antwort ge- republikanischen Spanien, eben seines rechmäßi ben, als wir sie erteilen? Und diese Antwort ist gen Staatsoberhauptes, noch vom„ spanischen notwendig, diese moralische Ueberzeugung ist er- Bolschewismus" reden dürfen, ohne die böse Abs Von dem neuen englischen Geses über die forderlich, weil niemandem von uns, die wir alle sicht des weltpolitischen Einbrechers und Geld= Kohlenindustrie wird ein weitgehender Einfluß unsere Pflicht auf uns nehmen, wie sie ist, mit schrankfnackers an der eignen Stirn offen zur auf die Struktur dieses ganzen Industriezweiges aller ihrer Herbheit, mit aller ihrer Größe und Schau zu tragen? erwartet. Nach englischem Recht umfaßt das mit all ihrer zerstörerischen Wirkung weil F. E. Roth Die Reorganisation der englischen Kohlenindustrie Sette S STfftvriQ, 1. D-z?msirr 1PT7. 9!r. 2?" „S^siasdemn'ftak" Vorträge §^ort-§piet-)kö« Mittwoch. den 1. Dezember, spricht in unserem HeA Spalenä 46, 2. Stock, Genösse Wenzel Jakl°> über das Thema„Nation und Soziali£* m u s". Beginn 8 Uhr abends. Gäste herzlichst wnl- kommen. Wenn die Python-Schlange nicht fressen will.. ... muß sie gewaltsam gefüttert werden. Hungerstreik ist eine beliebte Angewohnheit der in Gefangenschaft lebenden Schlangen. Die Wärter der Zoologischen Gartens von Chikago schieben hier ihrer Python durch ein Rohr Kaninchen- und Hühnerfleisch in den Rachen. Marionetten werben szttlle Effekt dieser sträflichen Machinationen war ....... allerdings ziemlich gering. Insgesamt setzte sich der Nir die Verständigung ungetreue Sekretär auf diese Weise in" den Besitz