3 11 0 n 1 15 14 #t it Sozialdemokrat 8entralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republir Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 6217. Jahrgang Aufhebung des Versammlungsverbotes Prag. Das Innenministerium hat mit 1. Dezember seine Maßnahme vom 23. Oktober 1937 aufgehoben, durch welche infolge eines Beschlusses des Ministerrates ein Verbot, politische| Versammlungen abzuhalten, erlaffen wurde. Telephon 53077 Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakteur: Karl Kern, Prag Donnerstag, 2. Dezember 1937 Hitlers Kolonialforderungen: Belgische und portugiesische Auch französische Kolonien gefordert Empörung In Belgien Mail" und der Antwerpener Zeitung Me= tropole" bekanntgegeben. Danach fordert Besitzungen 3 Aus dem Inhalt: de Witte: Volle Verwirklichung des 18. Feber eine Staatsnotwendigkeit Kasper fordert Einschreiten gegen die Rutha- Verherrlicher Scharfer Protest des SdP- Bezirkes Neutitschein Die neue Nr. 283 belgische Regierung Brüssel, Ende November. In den Kleinen westlichen demokratischen Ländern gehören zähe Regierungskrisen nicht zu den Seltenheiten. Selbst mit dem Maßstabe dies fer Länder gemessen, fällt die Länge der jetzt abgeflungenen Krise auf, die einen Monat gedauert hat. Der harte und lange Kampf ging diesmal um das Ausmaß des sozialistischen Einflusses. Vor der Van Zeeland- Regierung wurden die Sozialisten nur in der Zeit der größten Not in die Regierung gerufen. Und nachdem sie ihre Schuldigkeit getan, wurden sie bald ausgeschifft. Dies war der Fall in der Zeit des Wiederaufbaus im Jahre 1919, dann anläßlich der Finanz- und Währungsfrise im Jahre 1926. Auch die Van Zeeland- Regierung wurde im London.( E.-B.) Im Vordergrund des Interesses steht nunmehr die Kolonialfrage, das einzige greifbare Problem nach den französisch britischen Verhandlungen. Ueber die Schwierigkeit der Lösung legt man sich Die Forderungen der Bergarbeiter in London durchaus Rechenschaft ab. Einerseits ist Berlin nicht be. Prag.( Tsch. P.-B.) Gestern fanden im Mireit, für koloniale Zugeständnisse irgendwelche Friedensgaran. nifterium für öffentliche Arbeiten tien zu übernehmen und die deutsche Presse wendet sich im Tone morali über die Forderungen der Bergleute Verhandlun- scher Entrüstung gegen einen solchen Tauschhandel. Auf der andern Seite gen zwischen den Vertretern der Unterneh- ist der deutsche Appetit enorm. mer und der Gewerkschaftsorgas nisationen der Bergarbeiter statt. In den Der„ Daily Telegraph", dessen unterrichtet werden. In London begnügt man sich Verhandlungen, welche bis in die späten Abends Informationsquelle im Britischen Außenamt zu einstweilen damit, die ganze Frage von Sach allen Seiten behandelt und der Standpunkt beider finden sein dürfte, schreibt, daß Chau temps verständigen begutachten zu laffen. 3m Parteien geklärt. Die Verhandlungen führten an- und Delbos über das Ausmaß der deutschen Verlauf des weiteren Verfahrens würde jeden März 1935 aus einer heftigen Währungskrise gesichts des Umfanges und der Kompliziertheit Kolonialforderungen, die Halifax bekanntgab, falls die Mandatskommission des Völkerbundes geboren. Sie erwies sich aber viel trisenfester als des Stoffes noch nicht zum Ziele. Die Verhand- überrascht gewesen seien. Einzelheiten über herangezogen werden, was für Deutschland das die früheren Koalitionsregierungen mit soziali lungen werden Montag, den 6. Dezember, diese Forderung werden am Mittwoch gleichzei- Problem der Zugehörigkeit zum stischer Teilnahme. Nicht nur wegen ihrer Wirts in der Völkerbund unmittelbar aufwerfen würde. fortgesetzt werden. der Devalvierung und der öffentlichen Arbeiten, Man vermerkt in London, daß Deutschland. begünstigt durch die Ausstellungskonjunktur, spä Deutschland die Rückgabe von Togo und offensichtlich um den rechten Flügel der konserter durch die Befferung der Lage der Weltwirtransfifch- Kamerun, die Schaffung bativen Partei zu versöhnen, schlau zu ſeinschaft, führte zu einer Preisangleichung an den eines Mandatsgebietes aus der größeren füblichen glaubte, indem es keinerlei englische Kolonien be- Weltmarkt, zur Verminderung der ArbeitslosenLondon.( E.-B.) Die japanische Agentur Sälfte des belgif hen Kongo und des ansprucht. In Wahrheit ist dadurch die Frage für zahl von rund 300.000 auf rund 100.000, zur Domai meldet, daß der japanische Generalkonsul portugiesischen Angola, wozu nach der belgi- die britische Regierung keineswegs erleichtert. Erhöhung der Steuereinnahmen und so zum Hongkong die dortigen Behörden auf angeb- fchen Quelle noch Französisch- Acqua- Eine halbamtliche belgische Erklärung weist be- Budgetgleichgewicht. Unter normalen Verhält= liche japanfeindliche Umtriebe chinesischer Regie- torial- Afrika und der Rest von Belgisch reits darauf hin, daß England Lösungen zu La- niffen hätte nach dem Aufhören der finanziellen tungsvertreter aufmerksam machte. Ihre weitere Kongo täme. Dieses ganze Gebiet foll in eine ſten britter Mächte abgelehnt hat. Belgien werd: Schwierigkeiten die Spannung zwischen dem Duldung könne schließlich Hongkong in den gegen- tienaefellschaft verwandelt wer- unter keinen Umständen seine Souveränität über Finanzkapital und der Arbeiterschaft schon früher värtigen Konflift zwischen China und Japan den, deren Aktien- Mehrheit Deutschland hätte, den Kongo aufgeben. In Brüsseler amtlichen politische Krisenerscheinungen verursacht. Zwei der Aktien zufriedengeben sollten. Belgien und unmittelbar nach der deutschen Garantie- Erklä- haltung der Koalition aus. Ji benachbarten don um so größeres Aufsehen erregt, als gleich die Dominions, die an allen Besitveränderungen rung für Belgien erfolgt, äußerst empört. Als Frankreich siegte die Volts front, die auch zeitig Meldungen eintrafen, daß ein japanischer in Afrika aufs höchste interessiert sind, werden Water des ganzen Planes gilt Schacht, von dem in Belgien einen Linksturs heraufbeschwor. Der Kreuzer und vier Torpedoboot- Zerstörer Truppen Borstoß der belgischen Abart des Faschismus, des auf der Insel Tschekaj, ungefähr 120 Kilometer vom Verlauf der britisch- franzöfifchen Gespräche ihn Göring übernommen habe, Regismus, der sich nicht, nur gegen die Sos südwestlich von Hongkong, gelandet haben. Von zialisten, sondern auch gegen die bürgerlichen dieser Position aus fönnen 2uftangriffe Parteien richtete, festigte auch die Koalition. auf Hongkong ohne Schwierigkeiten erfolgen. Unter dem Banner Van Zeelands, im Zeichen der antifaschistischen nationalen Einheit, wurde Degrelle besiegt. Mit dem Abflauen des Anfangserfolges der Japan bedroht Hongkong in 9 tische Kronkolonie Hongkong hat in Lon- während Belgien und Bortugal sich mit dem Rest Kreisen ist man über die deutsche Forderung, die Umstände wirkten sich indes für die Aufrechtergerüstete Festung. Dreimal zurückgeschlagen! Göring nicht nach Oesterreich London.( E.-B.) Der geplant gewefene ten die Franco- Abteilungen dreimal, die Befuch Görings in Desterreich ist auf unbestimmte Madrid. Dienstag nachmittags versuchHonkong wurde 1841 von China an Eng republikanischen Stellungen füdwestlich von To Beit verschoben worden. Als Grund wird vermu französischen Volksfront und mit der Niederlage unter einem vom König von England ernannten Die Aufständischen mußten jedesma I ben wollte, Schuschnigg aber eine folche Begegnung der Van Zeeland- Regierung immer stärker. abgetreten und steht seitdem als Stronkolonie Ledo am linken Ufer des Tajo zu durchbrechen./tet, daß Göring mit Schuschnigg zufammentreffen des Regismus wurde der Widerstand gegenüber Gouverneur als höchstem Verwaltungsbeamten. 9 d 3 us antreten, ohne eine der Stellungen Die Insel Hongkong umfaßt mit dem 1842 abge der Regierungstruppen erreicht zu haben. tretenen Festlandteil Kaulun, mit der Steinmet zen- Insel und mit dem an Kaulun anstoßenden Flugzeuge der Aufständischen bombardierten Bachtgebiet etivas über 1000 Quadratkilom. und Dienstag den Bahnhof von Guadalajara. Die weist eine Einwohnerzahl von etwa 600.000 Chi- Bomben fielen aber nur auf der Straße nieber hefen und ungefähr 15.000 Engländern auf. und verursachten keine Schäden. Nahezu die Hälfte der Bevölkerung befindet sich in der Hafenstadt Viktoria. e Das Gebiet von Songtong liegt südöstlich von Canton im Südchinesischen Meer, ungefähr am 22. Breitegrap Valencias Antwort an England Barcelona. Die spanische Antwort auf die 600.000 Pfund rung eine sozialistische Vorherre schaft. Dies trat nicht nur in der Anzahl der für Cagoulard- Waffen fozialistischen Minister in Erscheinung, sondern auch in einem starken Ausbau der belgischen soParis. Die Pariser Blätter referieren an zialen Gesetzgebung und im Beginn einer Hand der Berichterstattung des Londoner Blattes Monopoltontrolle. Die belgische Produktion nahm ,, Daily Sketch" über den Besuch der Beamten der zu. Von den Aktiengesellschaften wurde die Divis Pariser Polizei auf der Londoner Polizeidirektion, dendenzahlung wieder aufgenommen. Die Beffewo eine gemeinsame Enquete über den Ankauf von rung der Konjunktur erreichte aber feinen solchen Südspite der großen japanischen Insel Formosa. lich noch heute bekanntgegeben werden. Wie ge- französischen Geheimorganisation über London geführt hätte. Deshalb zeigten sich die geschäftslind 114. Grad östlicher Länge, auf der Höhe der englische Note wird der Oeffentlichkeit wahrschein 28affen veranstaltet wurde, den die Mitglieder der Grad, der zu einer starken Investitionstätigkeit Südivite der großen japanischen Insel Formoja. meldet, nimmt die Antwort den Vorschlag betrefs tätigten. Es soll festgestellt worden sein, daß be: Tosen Banken gegenüber dem Wettbewerb von Scharfe Sprache Edens öffentlichen und halböffentlichen Finanzinstituten und wegen der Verminderung ihrer Macht inVerfolge des Wachsens der staatlichen Einmischung fend die Entfendung einer Kommission nach Spa- awei fremden Großmächten über Londoner Bannien, welche die Frage der Abrüstung der Frei- fen für 600.000 Pfund Sterling, d. f. rund 90 gegen Japan willigen studieren würde, grundsätzlich an, be- millionen Franken, für die französischen London.( Reuter.) Außenminister Eden ver- schränkt aber ihre Funktionen. Die spanische Re- schwörer Waffen angekauft worden sind. urteilte in Beantwortung einer Anfrage im gierung will die Nichteinmischungspolitik nicht Unterhause, welche sich auf die Möglichkeit einer berhindern, versichert aber, daß sie keine Bedin japanischen Militärkontrolle bezog, jede Art gung annehmen werde, welche die Buerkennung Ueberschäßung der Erklärung, welche der i apas des Kriegsrechtes an General Franco bedeuten Lausbüberelen gegen Blum Der Polizeikommissär des Stadtviertels beim sehr nervös. Das De Mansche Rahmena gefeß, das eine erhebliche Stärkung des staate lichen Einflusses auf das Bankentvesen darstellte, berursachte den Ansturm des Finanzkapitals gegen die Regierung. Ban Zeeland wurde von hijche Ministerpräsident Journaliſten fönnte, In der Note wird ferner hervorgehoben, Strankenhaus des heil. Ludwig in Paris erklärte, einem einflußreichen Kreise der Finanzkapitagegeben hat, und erklärte, daß die britische Re- daß diese Anerkennung eine Begünstigung des daß die Angestellten des Postamtes am Qua: listen zur Strecke gebracht, weil er der soziali fonne, in der Internationalen Konzession eine gierung einer Macht das Recht zuerkennen Angreifers darstellen würde. einseitige Tätigkeit in bezug auf die mit der Ver waltung zusammenhängenden Probleme zu ente fideln. Meldung und Dementi London.( E.-S.) Jugoslawien und JaEnglands Kapitalisten und Spanien " Valmy ein an Léon Blum und seine Gattin adres- stischen Bankenpolitik Unterstüßung gewährte. siertes Kuvert fanden, in dem sich ein Glasröhr- Die Gründe, die zu der belgischen Stavisth= chen mit einem schwarzen Pulver befand. Der Affäre, zum Sturz Van Zeelands führten, ers Fund wurde dem Direktor des städtischen Labcs flären auch die Länge der Krise. Die Sozialisten ratoriums, Keling, zur Untersuchung übergeben hielten an dem Regierungsprogramm fest, das in Auf der Tube befand sich ein blauer Papierstreis der Zeit des Sieges der französischen Voltsfront fen mit der handgeschriebenen Inschrift: vereinbart wurde und das nicht nur die stufenMenschlicher Staub, egtrafe in". weise Verwirklichung der Vierzigstundenwoche, den Ausbau der Sozialversicherung, sondern auch Haag.( Havas.) Der holländische Außenminister die Einführung der Monopolton= Batijn erklärte in der Abgeordnetenkammer u. a.: tr Ile, eine strukturelle" Reform, wie man über, der auch das Prinzip der Integrität des bol bürgerlichen Gruppen, die den sozialpolitischen Holland ist entschloffen, selbst darüber zu entfchei riefen sich demgegenüber auf das beginnende Abklärung dafür ist, daß diese Gentlemans troß ihrer den, ob es fremden Truppen den Durchmarsch beMajor Attlee stellt einen Tatbestand fest Londen.( A g. Es p.) In der Kampagne der Labi ur Party zugunsten des republikanischen Spaniens erklärte der Fraktionsführer C. Attley in einer Versammlung zu Lincoln:„ Eine laute um ban haben Franco anerkannt. Stojadinovič wird Sonntag nach Italien reifen, aber nicht, wie Gruppe im Unterhaus und wenigstens einige Re- Der Standpunkt der Niederlande Deutschland gegen dies in Belgien zu bezeichnen pflegt, enthielt. Die torbat soll endgültig fallen gelassen worden sein. Franco zum Siege zu verhelfen. Die einzige Er- ländischen Gebietes einschließt, bleibt unverändert. und strukturellen Reformen abhold waren, be= heißt, vom Papst empfangen werden. Das Kon- gierungsmitglieder tun, was sie können, * llawischen Stellen nichts Derartiges intersse. Sie sind zuvörderst Grundbesißer einen Kriegsgrund bedeutet, wird Holland nichts da- gewichts. Ihre Devise lautete: Nem Budgetdefizit, us Belgr a d, daß an informierten jugos eigenes Land denken, sondern an ihr Klaffen eine gewaltsame Verlegung holländischen Gebiets wendigkeit der Erhaltung des BudgetgleichDas Tschechoslowakische Pressebüro meldet patriotischen Reden nicht in erster Linie an ihr willigt. Falls die Mächte fich dahin einigen, dak flauen der Wirtschaftskonjunktur, auf die Nots etannt ist gegen einwenden. aber auch keine neuen Steuern! 1 Seite 2 Die persönlichen Schwierigleiten waren| innigft verknüpft mit den fachlichen. Die Sozia listen wollten kein Abgleiten nach rechts dulden, die Bürgerlichen erblickten in einem sozialistischen Ministerpräsidenten eine Abgleitung nach links. Deshalb verhinderten sie das Zustandekommen eines De Man- Ministeriums ebenso wie die Ministerpräsidentschaft von Spaat. Die Sozialisten sträubten sich ihrerseits gegen Persönlichkeiten, welche die stehung der de flation3olitit erleichtert| hätten. Sie brachten die Regierungsbildung Pierlots zum Fall und erhoben gegen die erste Janson- Kombination ein Veto, weil sie dem Deflationisten Jaspar einen Ministersiz verleihen wollte. 27 " Donnerstag, 2. Dezember 1937 Nr. 283 Volle Verwirklichung des 18. Feber eine Staatsnotwendigkeit de Witte in der Budgetdebatte über die bisherigen Mängel und Fehler in der Durchführung Mittwoch nachmittags kam Genosse de Witte als Wortführer unserer Fraktion in der Budgetdebatte zu Wort. Nach einem außenpolitischen Teil brachte er die Sprache auf eine Reihe innerstaatlicher Fragen, wobei natürlich der 18. Feber geradezu von selbst in den Mittelpunkt der Erörterungen rückte. Sehr freimütig legte de Witte bar, was von dem Abkommen schon erfüllt wurde und was noch zu erfüllen übrig bleibt. Hier mußte er auf eine ganze Reihe von Fehlern und Unterlassungen hinweisen, die zu beseitigen im eminenten Interesse des Staatsganzen liegt. Die begrüßenswerte Einsicht auf tschechischer Seite müsse nun auch in der strikten Durchführung aller Beschlüsse vom 18. Feber zum Ausdruck kommen. Während seiner Rede geriet de Witte einige Male in scharfe Konflikte mit SdP- Abgeordneten, fertig zurückgewiesen wurden. deren hämische Randbemerkungen vom Redner selbst, aber auch von seinen Klubkollegen schlagden kann nur in friedlicher, vernünftiger Verständigung feiner Völker erarbeitet werden. Das Versagen des Völkerbundes programm für das sudetendeutsche Wirtschaftss gebiet vorgelegt. Wir können den Erfolg dieser Vor sprache feststellen, so in der Frage der Exports hilfe, die in der Porzellan- und Textilindustrie einen beträchtlichen Aufschwung brachte. Aber wir haben mit der Exportförderung gewisser anderer Länder nicht Schritt gehalten und so ist in der Tex Mit aller Kraft strebte der stark kapitalistisch tilindustri e, in ganzen Gebieten we st orientierte Teil der Liberalen die 42 liberalen böhmens vor allem, ein Rückgang zu verzeichnen. Abgeordneten und Senatoren verfügen über 110 Die gesamtstaatliche Arbeitslosigkeit konnte auf die Verwaltungsratsjize, ferner jene Gruppe der Ziffern des Jahres 1931 herabgedrückt werden. Das Katholiken, die mit den Faschisten liebäugelt, nach ist ein beachtlicher Erfolg. Aber die Produktionseiner Schwächung des sozialistischen Einflusses. steigerung ist wesentlich höher als die Steigerung der Beschäftigtenzahl. Auf dem Gebiet der Sozial Sie gingen gegen den angeblichen sozialistischen politik ist ungemein viel getan worden. Die Ehr Imperialismus" los, der dem Verlangen der lichkeit gebietet aber, auf die gemachten Veriäums Das Budget trägt selbstverständlich Finanzliberalen und der Meritofaschisten nicht Stempel der heutigen Zeit, die, um ein Hamletnisse hinzuweisen. Da ist vor allem die übertriebene nachgab. Sie erhoben den Sozialisten gegenüber 2ort zu gebrauchen, aus den Fugen ist. Alle Rigorosität in der Unterstützung sogar den finnlosen Vorwurf, daß diese das Vor- Staaten berufen sich heute auf die Devise: Si vis pacem, para bellum, um damit ihre Rüstungen zu Der Völkerbund ist heute tein verläßliches frage. Am schlimmsten steht es um die Verschlep recht des Königs, die Minister selbst zu ernennen, beden. Aber von der Tschechoslowakei weiß doch die Friedensinstrument mehr. Es ist sein Konstruktions- bung der Arbeitszeitfrage. Wenn bier mißachten. Nur dem zähen Widerstand der So- aanze Welt, bak fie frei it von friegerischen Ambi- fehler, daß er bei seiner Gründung die Aufgabe nicht entschieden eingegriffen wird, so wird uns in zialisten ist es gelungen, daß keine Recht 3- tionen und nichts will als den Frieden. Doch die bekam, das unmögliche Versaille zu verteidigen. judetendeutschen Gebiet angesichts der gesteigerten ich went ung zustandekam. Die neue Regie- Rüstungen fosten ein ungeheures Geld und dieses Sein Untergang war durch die Kapitulation großer Rationalisierung eine Dauer arbeitslofig rung des alten Paul Emil Janson ist eine Neu- Geld muß von den Völkern erdarht, zum Teil Demokratien vor der Dynamik der Faschismen be- teit beschert sein. Das Lied vom sozialen Unters auflage der Van Zeeland- Regierung mit dem bei anderen lebenswichtigen Refforts der Staats- fiegelt. An seine Stelle müßte ein Bund der nehmer wird nur noch in der Kinderstube gesungen, Unterschied, daß drei Portefeuilles ihre Herren verwaltung eingefpert werden. so bei der Demokratien treten, der heute den Frieden zu der Staat darf da nicht mitsingen.( 8wischenrufe wechselten die sozialistischen Minister sind sozialen Fürsorge, bei der Fremdenverkehrsprova retten hätte und morgen daran gehen müßte, der SDP.) Für die Arbeiter müßte man forgen, daß alle geblieben und daß Janson gegenüber den ganda, beim Schulwesen, und erst vor wenigen Ta Europa in einen Bund friedlicher, einander ergän- fie wieder ihre alte Kampffähigkeit herstellen können strukturellen" Reformen nicht die gleiche Sym- sundheitsministers gehört: Wir wollten stalten. Die Werbekraft eines derartigen Bundes tum einen entsprechenden Lohn abzudrücken. gen haben wir die erschütternde Klage des Gezender und einander helfender Staaten umzuge- und die Möglichkeit, dem unsozialen Unternehmers pathie aufweist, wie Van Zeeland. Manche rechts- und müßten viel mehr für die franke Jugend tun wäre eine derartige, daß sie sich auch in den Länstehende Politiker steuerten auf einen Bruch der und haben au wenig Mittel. Ein ausländischer dern auswirken würde, die heute unter faschistischer Zentralproblem: Nationalitätenfrage Stoalition und die Auflösung des Parlaments Sender hat die Ziffern Czechs über unfer Kinder Diftatur ſtehen. 690 Das Zentralproblem des Staates und die Probe hin. Die Mehrheit der Bürgerlichen schrat aber elend übernommen; aber er hätte hinzufügen müfauf die Bekundung einer ehrlichen Gesinnung ist das vor dieser Lösung zurück. Infolge der Speku- fen, daß gerade ti: Rüftungs- und Drohpolitik der Nationalitätenproblem. Es müst lation gewisser Finanzkreise gegen den Belga der Tschechoslowakei nicht mehr getan werden kann, Diktatoren daran schuld ist, daß für die Kinder in der Tatidee nichts, wenn im deutschen Siedlungs wurde die Währungslage sehr ernst. Die Span- obwohl der gegenwärtige Gefundheitsminister ge- ihre Jumenpolitik der Gestaltung dieses Bundes und oder mindestens in entsprechender Zahl bermißt wird. Die Tschechoslowatei müßte durch raum das deutsche Element bei allen Aemtern gana nung zwischen Wallonen und Flamen, die ohn: wiß vom heiligsten Willen erfüllt ist. feiner Politik ein Beispiel sein. Zum Teil ist sie das Es ist auch sonst der Staatsidee nicht günstig, wenn die versöhnliche Haltung der Sozialisten kaum zu heute schon, zum Teil allerding hat sie es noch zu im deutschen Gebiet der Steuerbeamte, der Erekutor. mildern ist, wirkte sich auch gegen den Bruch mit werden. Ihre Staatsführung ist demokratisch, ihr der Gendarm, der Finanzer, der Polizist, kura ieder den Sozialisten aus. Die christlichen Demokraten Präsident genießt verdientermaßen den Ruf eines einzelne, mit dem man so häufig und unliebfam in und ein Teil der Liberalen zeigten auch keine großen demokratischen Staatsmannes. Aber hat die Berührung tritt, immer von der tschechischen Lust, mit den Faschisten eine antimarristische EinStaatsführung alles getan, um die Bürger zu De- Nation gestellt ist. Es macht einen außerordentlich mokraten zu erziehen, um die faschistische Propa- schlechten Eindruck, wenn in kleinen deutschen Orten heitsfront zu bilden. gande zu unterbinden und die Aemter auch in der mit einer winzigen deutschen Schule blößlich ein Provinz von Faschisten zu säubern? Hat sie es ver- palastartiges Gebäude zu sehen ist, das die fiches ftanden, die ganze Bevölkerung mit Liebe und Ver- chische Minderheitsschule darstellt. Damit arbeitet trauen zum demokratischen Staate zu erfüllen? Lei- man stimmungsmäßig nur den Feinden des Staates der kann man auf diese Fragen nicht mit einem un- in die Hände. Auf Psychologie haben sich eben viele bedingten Ja antworten. Vieles, was hier geschicht maßgebende Männer des tschechischen Volkes schlecht oder unterlassen wird, ist für einen Demokraten ge- verstanden. radezu unverständlich. Da haben wir die wunderlichen Irrwege der Zenfur, die vielfachen Mißgriffe der politischen Verwaltung, der Polizei etc. Das alles wirkt sich für die faschistische Propaganda und gegen die Demokratie aus. Wir haben in einer Interbellation auf den politischen Terror aufmerksam gemacht, der in großen Teilent des fudetendeutschen Gebietes gang und gebe ift, und man hat uns geantwortet, daß die Behörden alles zum Schuße der Bevölkerung tun werden. Es ist aber der betreffenden Stelle nicht eingefallen, nachzusehen, wie weit sich der Terror psycholo gisch auswirkt. Auch wirtschaftlich ist viel Entscheidendes verfäumt worden. Ganze Wirtschaftsgebiete wurden abgetötet und die Schaffung von Erfa bin du ft rien ist nicht immer energisch an gepakt worden, so 3. 3. im Falle Rothau, Es ist nicht ohne Interesse, daß in der Regierungstrife außenpolitische Fragen keine wesentliche Rolle spielten. Die neue belgische Außenpolitik, die unter dem starken Drucke der Flamen zustandekam, hält die Grundlage des belgischen Verhaltens im Kriege im Halbdunkel. Was wird Belgien tun, wenn Frankreich und England im Sinne des 16. Artikels des Völkerbundpaktes Belgien für ihre Truppen als Durchgangsland be nüßen wollen? Die Kriegsachse In den faschistischen Ländern wird kontrollos gerüstet.( 3wischenrufe der SdV.) Meine Herren, Sie haben in der letzten Rundschau" ein selbstgefälliges Bild über Ihr Auftreten in der Budgetdebatte gemalt. Wo gibt es in Deutschland eine Stätte, wo solche Kritik in aller Oeffentlichkeit geübt werden kann? In dieser Kontrollojig teit liegt eine ungeheuere Gefahrenauelle! Das deutsche Nachrichtenbüro hat es dieser Tage als höchste Staatsfunft gepriesen, au schweigen. zu überraschen, die Mitwelt vor vollendete Tatsachen zu stellen. So entstehen Unruheherde, so wird vie internationale Rüstungsindustrie angekurbelt. Lebten Endes ist die Achse, um die sich die internationale Kriegsrüstung dreht, denn doch die Achse Rom- Berlin mit ihrer Verlängerung nach Tofio.( 3wischenrufe des Abg. Wollner.) rüsten mit, aber nicht, um Krieg zu führen. Wir Unterlassungssünden sd der Demokratie Wenn auch die Außenpolitik während der Krise nicht in den Vordergrund trat, fühlt man im Lande den dumpfen Druck der Ungewißheit. Dies kommt hier ebenso wie in Holland in eifri Es ist ein Stumpffinn, unsere Gegnerschaft gen Diskussionen über die Verteidigung der Gren gegen das System im heutigen Deutschland als zen zum Ausdruck. Vom neuen Ministerpräsiden- Deutschfeindlichkeit zu bezeichnen. Wir ten, der als Kriegsminister in der Frage der beklagen unsere Brüder im Reich, daß sie unter die Landesverteidigung mit dem französischen Gene Näder dieses Systems geraten sind. Wir rüsten nur ralstab zusammenarbeitete, erwarten viele die deshalb, weil wir nicht das Schicksal von Abessinien, Stärkung der Wehrfähigkeit des Landes. Viel Spanien und China teilen wollen, weil wir nicht Teicht spielte die Sorge um die außenpolitische wollen, daß unsere Franen, Kinder und Greise von Bomben serfest und Städte und Dörfer zu Lage auch eine Rolle darin, daß man den Mut einem fudetendeutschen Schanghai werden. Wir Wirtschaftshilfe und Sozialpolitik nicht aufbrachte, mit den Ver opfern einen Gutteil unserer Lebenshaltung, int tretern der Arbeiterschaft zu den Frieden und das Leben zu erhalten. Europas Am 18. November 1936 haben wir dem Herrn Z. R. Nenaufbau, die Rettung der europäischen Kultur Ministerpräsidenten ein Wiederaufbau brechen. 27 DER KLEINE VON EUGENE DABIT Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot „ Endlich, Charlot, es wird Zeit", sagt er barsch.„ Geh an die Bierausgabe." „ Ich stelle dir den Kleinen vor, meinen KolTegen von der Nord- Süd." " Sehr erfreut, junger Mann. Aber ich muß Sie jetzt allein lassen. Die Kerls im Salon machen schon wieder Strach." Die Wirtin zupft an ihrer Frisur. Tavernier füllt Gläser. Die Leistung des deutschen Aktivismus Jetzt kommt aber die Frage: Was nun? Der deutsche Aktivismus, das heißt die deutsche Staatsbejahung, der deutsche Wille zur Mit arbeit ist unter Beweis gestellt und von hunderttau fenden Deutschen bestätigt worden. Der deutsche Attivismus wurde oft auf eine harte Probe gestellt, aber er hat seinen starken Beitrag dazu geleistet, den Staat auch im fudetendeutschen Gebiet zu verankern und die Demokratie in diefem Staate zu retten. Gr hat nun die Genuguang, endlich auch fast auf der ganzen tschechischen Linie verstanden und gewürdigt zu werden. Er kann den 18. Feber, die erste Frei legung des Weges zur nationalen Geräubigung, weithin sichtbaren Erfolg buchen. Die Abmachungen waren ein guter Anfang, nicht mehr. Die Erfüllung wird nur möglich sein, wenn man in Prag gewillt ist und auch die nötige Zivilcourage aufbringt, icbe als Er ist auch auf„ Montmertre" zu Hause. auf den Korridor. Die rechtzeitig Erschienenen eine Jahrmarktsbeleuchtung. An den Wänden Tavernier erzählt ihm, daß ich in Poitiers nie- füllen den Salon. Dort herrscht ein wüstes Durch- hängen zwei funkelnde Spiegel in Goldstuckrah mals in die Rue du Gaz gehen wollte. Er lacht einander, und Herr Gaston hat alle Hände voll men, Girlanden, Wimpel, Fähnchen und Lam Taut auf. tun. pions. i mie, Steiner, gäb's bieſe Zimperlich- Du, säger, was trinkst du? Ein frisches ,, Bei feiten nicht! Da wärst du deine Jungfernschaft Glas, der Trainsoldat? Na, vielleicht entschließt schnell los." ihr euch!" Ich lächle. Dabei schäme ich mich. Daß Ta= bernier doch nie den Schnabel halten kann! „ Kommst du wieder?" fragt er mich. " Ia." Ich drücke Herrn Gaston die Hand, grüße die Wirtin. Mädchen und betrunkene Soldaten drängen ins Büro. Ich gehe, angewidert und fest entschlossen, nie wieder den Fuß in dieses Lokal zu jeben. * Dazwischen der Ruf: Blanche, wirst verlangt. Einer der Herren Militärs fragt nach dir." Die Dekoration erinnert an ein Bumslokal am 14. Juli, aber die Soldaten sind unempfäng lich für die Talente des Herrn Gaston. Sie haben nur Interesse für die Damen. Sie sißen auf Bäns fen an den sehr schmutzigen Tischen. Stühle und Sessel sind aus Sicherheitsgründen verpönt. Sie Mit offenem Kragen, die haarigen Arme bis trinken, grölen, trinken wieder. Sie rufen die zum Ellbogen entblößt, ist er dauernd auf den Mädchen, nehmen sie auf den Schoß, tnutschen sie Beinen, sorgt unablässig für Ordnung, weist ab und brüllen sich an, weil sie sich nicht einigen jeden, der allzusehr randaliert, in die Schranken. Fönnen, wer an der Reihe ist, mit Yvonne, Gaby Den einen mit einem Wort, den anderen mit oder Marcelle hinaufzugehen. einem Lächeln, den dritten, der leiseren Mahnun 9 bi h I di G P ti Πε fö ful fo It Es sind zwölf Mädchen da, junge und ältere gen vielleicht nicht zugänglich ist, auch mit einem rundliche und ausgemergelte, große und kleine. Tavernier kommt zu mir ins Quartier. Rippenstoß, den er sicher versteht. Und wenn einer Aber alle sind fein gepußt, gemalt und gepudert. „ Eins. zivei. Hier, ein Halber ohne ,, Was ist denn mit dir los?" fragt er. ,, Du sich absolut nicht fügen will, kann es geschehen, Sie tragen Kleider von dünnem Stoff, tief aus Schaum." kümmerst dich ja gar nicht mehr um mich. Was daß er ihn am Kragen nimmt und mit einem geschnitten und Arme und Beine freilassend, Wuppdich vor die Türe wirft, während Soldaten daß man sie für Tänzerinnen halten könnte. Alle Ich bin Auge und Ohr. Frauenschreie und hast du wieder?" gellendes Lachen beherrschen das Getöse. Er zieht die Schultern hoch. und Mädchen dieser Leistung Beifall flatschen. find fröhlich, herausfordernd, begehrenswert, ge Ich beuge mich vor und werfe einen Blick in den Salon. In einer Rauchwolte sehe ich Zuaven in ihrer typischen Kopfbedeckung, Kolonialsolda ten, Jäger und kurzröckige Mädchen. Der Lärm ist betäubend. Mehr noch der Dunst von Tabat, Alkohol, verschiedenen Parfüms. Mir wird schtvindlig. Ich sage zu Tavernier: „ Auf Wiedersehen, alter Junge." " Was hast du? Bist du frank?" " Sie müssen sich nicht zieren", bemerkt die Wirtin. Herr Gaston kommt, schwißend und teuchend, die Serviette über der Schulter, zurück. „ Ich weiß nicht, was sie heute haben", brummt er. Was trinken wir, Kinder?" " Sicher ein guter Sterl, troß seinem fnurrigen Wesen. Aber das verlangt wohl des Geschäft. Fünfzig Jahre alt, aber tüchtiger als ein Junger. Einer, der sich vor keiner Arbeit scheut. Er fragt mich, wo ich wohne. Als er es hört, ist er selig. „ Ist es dir vielleicht unangenehm, zu meis nem Ontel zu kommen? Man soll mitnehmen, was sich bietet, finde ich. Es ist doch sonst nichts los in dem verdammten Staff!" „ Ich hab kein Geld." " Bist nicht gezwungen, etwas zu verzehren oder mit einem Mädchen schlafen zu gehen. Gaston findet dich nett. Du kannst also, wenn du uns bei der Arbeit helfen willst, sogar ein paar Franken berdienen." Mama schickt mir hie und da eine AnweiErmutigt durch ein wohlwollendes Augen schwäßig, einfach oder geziert. Bei Gelegenheit blinzeln der Wirtin, trete ich an Taverniers Seite zum Dienst an. Er zeigt mir, wie man ein Glas kunstgerecht bollschänkt, wie man ihm die richtige Blume" gibt, wie man Schnäpse und Kognattirschen serbiert. Er geht, ein Tablett balancierend, an die Tische und ruft mir mit Stentorstimme die Bes stellung zu: Sechs Halbe, gut gefüllt." Er treibt mich an, ist mir behilflich. Das meinen Platz an der Theke ein. können sie auch ordinär sein. " Bahlst du eine Flasche Sekt, Süßer?" ,, Kommst du mit, Liebling?" Ein Soldat erhebt sich und verschwindet, Mädchen am Arm. Gehen. ein Herr Gaston überwacht das Kommen und ,, He, der Jäger, erst an die Kassa, bitte!" Die Wirtin thront, strahlend im Glanze ihrer fung. Behn Franken. Niemals mehr. Vaters Ge- Bier läuft in Strömen. Nach einer Weile nimmt falschen Steine, und lächelt, wenn sie einen Fünf schäft geht nicht mehr so gut. Seine Pfeifen und Feuerzeuge scheinen ihre Anziehungskraft verloren zu haben. Auch er wartet jezt auf eine gelegentliche Hilfe. " Du kannst dir doch das Leben etwas anges nehmer machen", fährt Tavernier fort.„ Komm! Da ist nichts Entehrendes dabei." er frantenschein entgegennimmt. Wenn aber ein „ Geh mal bedienen, Kleiner. Es wird sofort Gast den Versuch macht, den Preis zu drüden bezahlt. Laß dir gute Trinkgelder geben. " überschüttet sie ihn mit einem Hagel von Schimpfs Ich schlängle mich, das Tablett in Händen, worten. Zuweilen hat sie es auch auf die Damen mühsam durch. Einer ruft: Gut. Seute ist Löhnungstag. Deshalb ist bes sonders starker Andrang. Die Soldaten stehen bis In „ Achtung, Scherben!" Aber es geht gut ab. Vier Azetylenlampen hängen an der Decke. jeder Ede eine. Sie tauchen die Menge in abgesehen. Ginette ist mit einem, den sie mag eine Stunde oben geblieben. Jeanne, das Faultier fann wieder mal nicht fer.ig werden. ( Fortsetzung folgt.). to eit en an di fei eir fi St fül 932 rid aut am rid G Ge fen Si ( e Si Nr. 283 Dvnnrr-ia-, 2. Dezember 1937 Sette 3 &• iiyiy wyrrw F"" Kasper fordert: OlulpllnarvcrfahrM vaaen Rutha-Varharrrchar Torpedierung und Sabstage de- 18. Feber unmöglich z» mache«. Oie Aufgabe nach dem IS. k^ebar Wenn darüber geklagt wird, daß für den böhere» Dienst keine deutschen Bewerber da seien, so liegt zum Teil ein Erziehungsfehler. zum Teil auch die Befürchtung der jungen Leute vor, unter Druck zu geraten und später in ihrer Amtsstellung als politisch unzuverläffia und zweitrangig zu gelten. Eine gewisse Umstellung ist da auf beiden Seiten notwendig. Auf deutscher Seite müssen die jungen Leute mit dem Wil» len bervoraehen. dem Staate, idrem Volke und dem Genieinwohl auf allen Gebieten zu dienen. Die Schule soll keine Gewaltanbeter, kein Duckniäusertmn erziehen. Prinzipiell ist die Herstellung des Proporze- zu. gesichert und nun erwarten wir ehrliche«nd vernünf» tige Durchführung. Aber nicht so. wir gewiffe Gruppen sich den 18. Feber auSlrgrn, daß jetzt deutsche Gemeinden in größerer Zahl Plätze für tschechisch« Bewerber frcimachen müßte«. Zunächst müsse» einmal die Nachteile beseitigt werde», in dir wir gerate« sind! Wir reklamieren die Stellen, di« unfehlen, die Arbeitsplätze, die wir bi- nm» nicht haben, «nd zwar nicht nur SektionSchefS und AmrSvorftänd«, die Richter und die Finanzbeamten, sondern auch die Lokomotivführer, Kondukteur«, Briefträger, Polizisten, die Arbeitsstellen in den staatlichen Bergwerken, dir BahnhofSgastwirtschaftr««sw. Urberall nur das, was uns gebührt, ater da- restlos. Rur so ist ein dauernder ehrlicher Friede herzustellen, niemals ander-. Rücksichtnahme auf das deutsche Gebiet Ein weitere- Erfordern!- ist die R ü ck s i ch t- «ahme auf die G e b i e t S b e d in a» n i s s«. Nach Möglichkeit müssen im deutschen Ge» biet deutsche Richter und deutsche Bahn» und Bost» angestellte sein, und umgekehrt im tschechischen Gebiet eben tschechische. ES ist für einen Angestellten sehr schwer, für einen Richter fast unmöglich, zu arbeiten. wenn er der Sprache deS Volkes nicht entspre» chend mächtig ist. Auch der G e n d a r m must mit dem Volke in dessen Sprache reden können ES ist erfreulich, dast der Schulminister den Grundsatz Ko« menskys unterstreicht, dast das Kind den Elementarunterricht in seiner Muttersprache geniesten müsse. Aber eS ist unerfreulich, wenn neue MinderbeitSschu« len in Orten ohne tschechisch« Kinder errichte» werden, wie im Bezirk Prestnitz und Elbogen im Falle Schönfeld. Ueberflüssig aufreizend und dem Geist de» 18. Feber zuwider ist eS. wenn die Steuerämter nunmehr auch Keine deutsche Gemeinden zum rein tschechischen Verkehr gegenüber dem Amte verpflichten wollen. Wir wollen die Befriedung Unser Volk wartet sehnsüchtig auf diese Bekundung ehrlicher Friedensbereitschaft. DaS sudetendeutsche Volk ist keineswegs staatsfeindlich. eS hat nur zu lange an allem Bemühen gefehlt, eS zu gewinnen. Das sudetendeutsche Volk war nur. zu lange der Arbeitslosigkeit und der Einsichtslosigkeit gewisser Stellen einerseits und der zügellosen Propaganda gew'k» ser rechtsradikaler Gruppen und des Auslandes ausgesetzt. Diese Propaganda stiest auf keine Gegenwehr, die Demokratie hat sich nicht entsprechend verteidigt. Ein Beispiel, wie diese Auslandsprodaganda zun>. Tode verurteilt werden kann, bietet die Schweiz in der Volksabstimmung vom letzten Sonntag. Ole knorrigen Kämpfer Reue Zwischenrufer der SdP fertigt d e W i t t e mit dem Hinweis auf dir jüngste Watscheuaffärr ab: Dir Ohrfeige«, die prominente SdP»Leute in»»nd außerhalb von Weinstuben au-trilen, zeugen zwar von der„knorrigen" Art der Kämpen, aber nicht von einer beispielhafte« Volksgemeinschaft im Zusammenleben, von der sie immer gesprochen habe«. Ja Wahlplakatrn konnten Sie sich den Klaffenkampfmicht anders darstellen denn als Rauferei in Hemdärmrln. Nun habe« Sir die Rauferei lei sich, nicht nur in Weinstuben, fondrrn auch darum, well sich widersprechende Ideologien«nd Interessen eben nicht dauernd »ater einen Hut bringen lassen. Auch da- große Borbild wäre gescheitert, wem» man ihn nicht rechtzeitig die Staatsgewalt in die Hände gespielt hätte. Jetzt haben Sie die Rebellion des ArbriterflügrlS. Die Tatsachen deS Klassenkampfes können eben nicht wegdisputiert werden, weder mll Redensarten«och mit Gesänge«. Bekenntnis zur Republik . Die wichtigste Frage für die staatserhaltenden Parteien ist die: WaS geschieht mit den Enttäusch t e n. die sich von der SdP abwenden? Können sie zum Gemeinwohl erzogen werden? DaS geht nur mit einer gut demokratischen Gesinnung, aber der Preis ist der Mühe wert. Der Wahn. daS Ausland könne die Befreiung des Sudetendeutschtums herbeiführen. verfliegt. Biele« Dudetendrntschen ist der Staat, in dem nicht mit Kanonen auf Arbeiterheune geschossen wurde, in de« nicht die Meinungsfreiheit geheuchelt»nd dir Justiz nicht zur Dirn« eines Ge- waltrrgimeS herabgewürdigt wurde, doch immerhin ein wertvoller Staat. kB t r k r: Das ist eine L t e bedien r e i!) d e W i t t r: Ich verwahre«ich entschieden gegen diese Unterstellung! Ich sage e- auch an die Adresse des Auslandes, daS jetzt so tut, al- ob die Sudetrndeutschen ein Spirlstei« im Schachbrett seien, den sie für ihr« imperialistische» Planungen einsetzen«nd auch fallen lasse« können: Da,» sind wir an- ,» gut! Wa» wir vom Staate wünschen, ist Festigung«nd Ausbau seiner demokratischen Fundamente, Erfüllung der Demokratie mit sozialem Grift, ehrliche- Mühen nm wirtschaftlichen Aufstieg«nd Wiederausrichtung der Wirtschaft, Verständigung der Rationen auf Grundlage wahrer Gerechtigkeit»nd Mitarbeit am Aufbau des neuen Europa, an der Wiederaufrichtung«nd Sicherung der abendländische« Kultur. Darum geben wir dem Staate.«aS er zu seiner Srlbstbehaupt«ng braucht, darum wollen wir mithelfen, daß er allen seinen Völkern Heimat im besten Sinne, Heimat-in Friede««nd Freiheit werd«. (Starker Beifall bei dm deutsch« und tschechischen Sozialdemokrat«».). Die sonstige Debatte Aus der Debatte von Dieu-tag nacht- ist noch nachzutragen, dast Ostry(Gew.-Part.) an di« Adresse der SdP die Aufforderung richtet«, alle Seitenweg« zu lassen, den Blick direkt nach Prag zu richten und mit dem Schielen nach einer anderen Hauptstadt aufzuhören. Kunz(BdL) erklärte, der Landwirtschaft und dem Kleingewerbe hätte auch da» Jahr 1987 keine Konjunktur gebracht. Insbesondere die Angleichung der Preise der tierischen Produktion, von der«in groster Teil der Landwirtschaft lebe, sei noch nicht erfolgt. Da- Getreidemonopol habe sich bewährt; für die Zukunft müsse auch die Produktion von Hopfen, Wein und Flach- gesichert werden. Mittwoch nachmittag» wurde die Aussprache fortgesetzt. Korlath(Ung.) erklärte, die Regierung erfülle ihre Verpflichtungen gegen die Mii.der- heiten nicht. Iejek(Rat. Ber.) erklärt, sein« Partei stehe gegenüber der Regierung auf dem Smndtpunft sachlicher Kritik, trotzdem werd« sie auch weiterhin nicht beachtet, nicht einmal im SparauS- schust sei sie vertreten. Durch den 18. Feber sei ein Standpunkt privilegierter Angestellter geschaffen worden. Abg. Hat!na ruft ihm zu: Lesm Sie sich durch, was Dr. Kramäk darüber geschrieben hat! I e j e k: Dr. Kramäk konnte sticht wissen, dast de» Ausgleich auf dies« unmögliche Art durchgeführt werden wirdl Da ruft der anwesende Justizminister Dr. D i rer dazwischen: DaS ist nicht wahrl Dr. Luschka(Chr.-Soz.) tritt u. a. dafür ein, dast ein Kulturabkommen mit Oesterreich abge« chlossen und in den Beziehungen mit Deutschland durch«inen wirtschaftlichen Unterbau ein gutes Präjudiz für die politische Annäherung geschaffen werde. Auch für die Annäherung der Völker innerhalb d«S Staates müsse«ine Reihe psychologischer Voraussetzungen geschaffen werden. DaS Programm deS AktiviSmuS steht und fällt mit der Einhaltung des 18. Feber. Gay da(Fasch.) erklätt, für die Kapitel Präsident der Republik und Verteidigung stimmen zu wollen. S a n d n e r(SdP) sagt, durch das Abkommen vom 18. Feber wurde von tschechischer Seit« bestätigt, dast es ein sudetendeutsches Problem gebe; auch die Ansicht habe man korrigieren müssen, dast diese Frage eine rein innerpolitische sei. Es müsse der Grundsatz anerkannt werden, dast bei einer gesetzlichen Regelung'die Volksgruppe al» Rechtsträger höherer Ordnung einbezogen wird. Schule-(Ung. Soz.-Dem.) konstatiert mit riedigung die Besserung in der Behandlung der ma« gharischen Minderheit in den letzten zwei Jahren. Sie bewachtet die im Exposk Dr. HodjaS angeführten Forderungen als«in M i n i m u m. deren dringende Erfüllung sie fordern must, um der destruktiven Tä- tigkeit der magyarischen Opposition einen Damm ent» gcgenzusetzen. Die Außenpolitik der Regierung sei auch vom Standpunkt der magyarischen Rinderhett die einzig richtige. Von deutschen Rednern sprach noch Köhler (Komm.); der zur Durchführung des 18. Feber Taten fordert und verlangt, dast amtliche Kontroll- stellen eingesetzt werden, an di« sich die deutsche Bevölkerung mit ihren Wünschen«nd Beschwerden wenden könne. Spät abend» wurde dann der Uebergang zur Spezialdebatt« beschlossen und die polittsche Gruppe in Verhandlung gezogen. Bauförderung verlängert Der Senat nahm am Mittwoch di« Regierungsvorlagen über die Verlängerung und Ergänzung des Bauförderungsgesetzes vom Jahre 1936 sowie der Steuerbegünstigungen bei HauSreparatu« ren in beiden Les'mgen ohne Aenderung an. Für die Vorlagen stimmten auch die Kommunisten und die SdP. Die großen staatliche» Investitionen«nd da» BauförderungSgesetz haben bewirft, dass die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter Heuer im Juni gegenüber 1936 um fast 89.000 und gegenüber 198S um rund 110.000 geringer war. Bisher wurde nach dem letzten Gesetze für 160 Zinshäuser und 248 Familienhäuser mit 3244 Wohnungen und einem Gesamtaufwand von 108 Millionen die StaatSgarantte erteilt. Den Gemeinden wurden DtaatSgarantien für 41.5 und Subventionen für Kleinstwohnungen im Betrage von 1.9 Millionen bewilligt. lieber die Ergebnisse der Steuerbegünstigungen bei Hausreparaturen berichtete der Referent, daß im Jahre 1934 2554, 1935 8409 und 1986 12.710 Hausreparaturen mit einem Aufwand von rund 240 Millionen durchgeführt wurden. Nächste Sitzung Montag, den 6. Dezember, um 16 Uhr. In dieser Sitzung soll das Budget aufgelegt und dem Ausschuß zugewiesen werden. Der Präsident der Republik empfing am Mittwoch, den 1. Dezember, den Rektor der deutschen Technischen Hochschule in Prag Prof. Dr. Justin Greger. Weiter empfing der Präsident Vertreter der Gelehrtengesellschaft Safakik in Preßburg und schließlich Vertreter des Verbandes der Gast- und Schankwirtegenosienschasten in Böhmen. Der Kultur«usschnß des Abgeordnetenhauses nahm am Mittwoch nach einem Rachruf des Vorsitzenden für den verstorbenen Präsidenten T. G. Masaryk eine Resolution an, in der der Regierung empfohlen wird, dar geistige Werk MasarytS durch die Herausgabe einer volkstümlichen Auswahl seiner Schriften und Kundgebungen den breitesten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Dies« Auswahl soll von einer besonderen Kommission des Schulministeriums getroffen und daS Werk im Staatsverlag verlegt werden. Ausdrücklich wurde der Wunsch ausgesprochen, daß das Werk auch in den Sprachen der nationalen Minderheiten erscheine. »Rstrvd"«egen Angriffs gegen de» 18. Feber konfisziert. Die Ausgabe des„Närod" vom 80. v. M. verfiel wegen eines Angriffes auf da- Feber-Abkommen an drei Stellen der Konfiskation.(AND) Rudolf Kasper hat nunmehr— wie die „Bvhemia" meldet— nach dem Watschen- Duell mit Knorr« erklärt, daß er sich de« Ehrenschiedsverfahren unterwerfe, wenn vorher sei« seit Feber d. I. gegen de« Abg. Rudolf S a n d n e r angestrengte- Ehrenverfahren mit de« sich daraus ergebenden Folgen beendet wird. Ferner fordert Kasper von Konrad Henlein die Einleitung von Disziplinarverfahren gegen alle Parteimitglieder, gleichgültig welche« Slang sie in der Partei bekleide«, gegen die Kasper i« Laufe des vergangene« JahreS sachliche«nd persönliche Beschwerden vorgebracht hat«nd die a»S bestimmten Gründe« bisher nicht behandelt wurde«. Ferner beharrt Kasper darauf, daß die gleiche« Disziplinarverfahren gegen jene Mitglieder der Parteiführnng eingeleitet SdP-BezIrk Neutltschein revoltiert gegen Rutha-Freunde, gegen Kundt, gegen Skomorovsky Die.Ikumburger Zeitung" veröffentlicht auf Wunsch der SdP-BezirkSleiwng Reu- titschein deren am 24. November gefaßte Entschließung, die wegen ihrer ungewöhnlichen Schärfe auch von un» möglichst ausführlich zittert sei. ES heißt da: »Die am heutigen Tage zusammengetretene Bezirksratstagung des Bezirkes Reutitschein und darüber hinaus die gesamte Amtswalterschaft bringt ihre ttefste Entrüstung«nd Empörung über die Behandlung deS Falles Rutha durch die eigene Parteileitung zum Ausdruck« und bringt daher, da nun die eindeutige Schuld deS Falles Rutha klar zutage liegt, folgende Stellungnahme zum Ausdrucke: 1. Gemäß unserer grundsätzlichen Auffassung... fordern wir rücksichtslose Entfernung der belastete« Elemente au» de» führenden Armtern der Partei ohne Rücksicht auf die Höhe des Amtes und ohne iWcksicht auf freundschaftliche Bindungen innerhalb dieser Elemente... 8. Rücksichtslose Disziplinierung und Entfernung jener führenden Kameraden au» der Partei» die verantwortlich sind für die Aufmachung deS Begräbnisses«nd für die Schaffung der Psychose für H. Rutha» ganz gleichgültig, ob dieselben im guten Glauben gehandelt haben oder nicht, denn in ersterem Falle beweist eS nur ihre Unfähigkeit, derartig wichtige politische Aemter zu führen und im zwei- Deutsche Akademie Die Gesellschaft zur Pflege der deutschen Wissenschaften, Künste und Literatur in Böhmen wurde auf der Grundlage des BereinSgesetzes bald nach der Gründung der tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Prag analog gegründet. Sie wollte insbesondere die wissenschaftliche, künstlerische und literarische Arbeit für daS deutsche Boll in Böhmen organisieren und«inen Mittelpunkt für die Bestrebungen dieser Art schaffen. Sie ergänzte sich aus den Kreisen hervorragender deutscher Pädagogen, Künstler und Schriftsteller und teilte sich in eine philosophisch-historisch«, eine mathematisch-naturwissenschaftliche, eine literarische,«ine Musik-Abtei- lung und in eine Abteilung für bildende Kunst Sie bemüht« sich, noch von der österreichischen Regierung eine Umwandlung in eine Akademie der Wissenschaften und Künste zu erreichen, erreichte dies aber im allen Oesterreich nicht. In der Tschechoslowakischen Republik hat die Gesellschaft ihre Bemühungen wiederholt. Im Jahre 1924 änderte die Gesellschaft ihr« Statuten, weitete ihr Tätig- keit-gebiet auf das ganze Staatsgebiet aus und ändert« auch ihre Bezeichnung in Deutsche Gesellschaft der Wissenschaften und Künste für die Tsche- choflowakische Republik. Diese Gesellschaft wird auch aus staatlichen Mitteln regelmäßig subven« ttoniert. Die Regierung der TSR kommt nun der Notwendigkeit, ein offizielles höheres Zentrum für die deutschenWis- senschaftler in der TSR zu schaffen, den erwähnten Bestrebungen der Gesellschaft der Wissenschaften und Künste in der ikSR entgegen und hat dem Senate der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf unterbreitet, in welchem^die Gesellschaft in die Deutsche Akadelnie der Wissenschaften und Künste in der ESR umgewandelt wird. Diesem Gesetze zufolge wird die Deutsche Akademie als autonome Korporation des öffentlichen Rechte» eingerichtet werden, deren Zweck und Aufgabe eS sein wird, die wissenschaftliche und künstlerische Entwicklung besonders des deutschen Volles in der ESR zu unterstütze». werden, die für die Di.fferenze» und Gegensätze, die letzte» Endes die eigentliche Ursache für die Vorfälle im Deutschen Hause sind, verantwortlich sind und st« geduldet haben. Darüber hinaus fordert Kasper ein Parteiverfahren gegen jene Parteimitglieder, die bewußt oder unbewußt Heinz Ruthaverherrlicht oder i h n zum Märtyrer gestempelt»nd die anständigen Menschen ungerechtfertigt deS Rufmordes an Rutha bezichtigt oder diese Handlungsweise gebilligt haben. Schließlich hat Rudolf Kasper Konrad Henlein die Ankündigung übermittelt, daß er den Kampf um die Bereinigung aller Fragen, die Kasper zur Einbringung seine- Urlaubsansuchens veranlaßten, ungeachtet des gegen ihn eingelriteten verfahren-, weiterführe« will. ten Falle stellt es sie auf dieselbe Stufe wie die belasteten Elemente selbst. Weiters geben wir bekannt, daß im Volke Gerüchte im Umlauf sind, dis auch andere Kameraden in führender Stellung eben dieses Verbrechens belasten und fordern wir daher strengste Untersuchung. Weiters sind wir der Meinung, daß wohl auch die Stellung des Abg. Kam. Kundt als Vorsitzender des pari. Klubs wegen seiner Red« in Franzensbad derart belastet ist, daß «ine Aenderung in der Stellung de- Posten- als Vorsitzender de- parlamentarischen Klubgegeben erscheint. Wir müssen diese rücksichtslose und harte Forderung erheben, da wir der Meinung sind, daß nur noch durch eine klare und eindeutige Entscheidung ein sicherer Zerfall der Bewegung aufgehalten werden kann. Weiters fordert die Bezirksratstagung die Rückberufung des Kameraden Dr. G. H. Jonaks, da sie gerade in diesem Zusammenhänge nicht versteht, daß man einen Kameraden, der wegen Sauberkeit und seiner völkischen Einstellung das Vertrauen vieler Volksschichten des Sudetendeutschtums genießt, aus dem polittschen Wirken auf diese Art ausschließt, während man einem kriminell Belasteten Nachrufe widmet und darin ihn als Vorbild darstellr, womit die Bewegung als Ganzes in den Augen eine- jeden anständigen Menschen in eine gänzlich unverständliche Stellung gelangt. Gleichzeitig fordern wir die sofortige Untersuchung gegenH. Skomorovsky in bezug seiner Rundbriefe bezüglich Amtsenthebung gegen Kam. Dr. Jonak und sofortigen Ausschluß aus der Bewegung, falls diese Eigenmächtigkeit auf Wahrheit beruht,- zumal gegen H. Skomorovsky schon mehrer« Anklagen moralischer Hinsicht vorlagen. Henlein hinter Rutha Am 10. Oktober hat Konrad Henlein in seiner Leitmeritzer Rede über den„Sozialdemokrat* u. a. gesagt, diese Zeitung sei in der Lage gewesen,»schamloser Weise in der niederträchtigsten Form die ganze Angelegenheit zu einer politischen Skandalaffäre aufzubauschen". Es handelt sich, wie unsere Leser wissen, um die Affäre Rutha. Der„Sozialdemokrat" hat gleichzeitig mit der„Deutschen Landpüst" und dem„Prager Mittag", die in der gleichen Weise apostrophiert worden waren, gegen Henlein die E h r e n b r I e i» digungSklage überreicht. In diese« Sache fand am 1. Dezember vor dem Leitmeritzer Bezirksgericht die erste Verhandlung statt. Henlein war zu dieser Verhandlung nicht erschienen. Entgegen dem Antrag des Vertreters des„Sozialdemokrat", Dr. Schwelb(Dr. Bouöek), entschied der Richter, daß Henlein auch zur nächsten Verhandlung nicht erscheinen müsse. Dr. Neuwirth bot als der Vertreter Henleins den Wahrheitsbeweis für die Richtigkeit und Begrün- detheit der von Henlein ausgesprochenen Kritik an den drei klägerischen Zeitungen an. An Hand der Analysierung der Berichte, die diese drei Zeitungen über Rutha gebracht hatten, werde er die Unrichtigkeit der in diesen Berichten behaupteten Tatsachen beweisen. Die nächste Verhandlung wird am 5. Jänner 1938 sein. Gelübni- auf der deutsche« Technik in Prag. Mittwoch wurde den neueingeschriebenen Studenten der deutschen Technik in Prag vom Rektor Prof. Dr. Greger das feierliche Gelöbnis abgenommen. Der Rektor hielt dabei eine Ansprache» in der er u. a. folgendes sagte:-„Die heutige Zeit verlangt vom Techniker die gründlichste Fachausbildung, aber auch ein großes Maß von Allgemeinbildung. Daher fordert die Hochschule strengste Pflichterfüllung im Studium. Rektor Greger protestiert weiter gegen Einflußnahme außenstehender Kreise auf die Studentenschaft, wodurch vielfach Konfliktstoffe und Beunruhigungen hervorgerufen werden. Zur Durchführung des Rechtskampfes um Staatsstellungen müssen die Absolventen unserer Hochschule womöglich besser qualifiziert sein als alle anderen. Rekwr Greger « G« Seite 4 Donnerstag, 2. Dezember 1837 Nr. 28» sagt:„Ich lehne daher im vpllen Bewußtsein der großen Verantwortung für die spdetendeutsche Zukunft alles ab. was geeignet erscheint, uns an der Erreichung dieses Zieles zu hindern". Er ermahnt weiter die akademische Äugend, ihre gesunde Urteilskraft zu bewahren. Jrn Kampfe um die Rechte der Hochschulen sind- Professoren und Studentenschaft eins." Ueber die Kofolnper Kreiskonferenz der deutschen Sozialdemokratie im Böhmerwald berichtet Senator Jng. Winter im einem Leitartikel der sozialdemokratischen„Novä Doba". Seinen Eindruck faßt er in folgenden Worten zusammen: „Die Republik hat in der Partei der deutschen Genossen eine verläßliche Stütze in allen Fällen. Obwohl viele nicht tschechisch sprechen, fühlen sie sich ganz als Tschechoslowaken und verbinden ihr Schicksal mit dem Schicksal dieses Staates. Es ist ein großes Kapital, mit dem die verantwortlichen Faktoren des Staates klug wirtschaften müssen, um es so zu vermehren, daß in die Partei alle jene zurückfinden, die sich eine zeitlang vom Irrlicht des falschen Nationalismus und falschen Sozialismus verleiten ließen. Die Bedingungen für die Rückkehr haben die leitenden Funktionäre der Partei sellist geschaffen, welchen für die schwere Arbeit, die sie oft unter Lebensgefahr vollbringen, der Dank aller gebührt, die es gut mir dem Staate meinen." Der deutsche Sender in Melnik wird Wer Oer Propagandazug des Winters In Frankreich Auf eine originelle Weise wird gegenwärtig in Frankreich Propaganda für den Wintersport gewacht. Dieser Zug mit Werbepläläten fuhr von Paris in die französische Provinz, um für den Gedanken der Sportbetätigung im Winter zu werben. Antrag der deutschen sozialdemokratischen Abg. Kirpal demnächst auch vom K u l t u r a u s sch u ß des Abgeordnetenhauses besichtigt werden. SdP-Ortsleiter, Steuer-Exekutor, Handgemenge, Verhaftung. Der Exekutor des Steueramtes Marienbad, Adolf Novy, sollte bei dem Taxibesiher Ernst Kohl'in Sangerber.r wegen rückständiger Steuern eine Amtshandlung durchführen. Dabei gerieten die beiden zunächst in einen Wortwechsel und dann in ein Handgemenge. Es gab beiderseits leichte Körperverletzungen. Die von dem Vorfälle verständigte Gendarmerie verhaftete den Taxibesitzer, der Ortsleiter der SdP in Sangerberg ist. Stadtkassier veruntreut 69.008 Kronen. Der Kassier des städtischen Rentamtes in K a a- den, Ernst Hahmann, hat 69.019 XL veruntreut. Die Reviswn der von Hahmann geführten Bücher ist noch nicht abgeschlossen. Oer Flugverkehr Reichenberg—Gablonz—Prag Auf der neuen Flugstrecke Reichenberg'— Gablonz—Prag wurden vom 15. Juni bis-31. Oktober 1937 befördert: Reisende: 332, Gepäck: 1117.50 Kilogramm, Ware: 2082 Kilogramm. Post: 211.507 Kilogramm. Die Mittel für den Flugbetrieb für das Jahr 1938 sind im Staatsvoranschlag bereits sichergestellt. Die Generaldirektion der tschechoslowakischen Aero-Lnie trifft bereits Vorbere.- tungen für das kommende Jahr, um das Ausland mit der Fluglinie bekanntzumachen und für diese zu werben. Das Arbeitenministerium plant im kommenden Jahre eine weitere Vervollkommnung des Flugplatzes in der Weise, daß auf dem Flugp.ade eine Peilstation errichtet wird. Dadurch wird eine Verbindung mit den in der Luft befindlichen Flug zeuge ermöglicht, was für die Sicherheit de' Fliegens von größter Bedeutung ist. Englischer Journalist über die Tschechoslowakei Der Sonderberichterstatter des bekannten liberalen demokratischen Tagblattes„News Chro- nicle", I. D. Boulton I e f f e r i e s, weilte längere Zeit in Prag, Er informierte sich sowohl im aktivistischen wie im Lager der SdP, er unterhielt sich mit den deutschen Ministern, aber auch mit Dr. Sebeköwsky von" der Hauptleitung der SdP, er bereiste die nord- und westböhmischen Gebiete, besuchte Reichenberg, Aussig, Bodenbach. Teplitz- Schönau, Karlsbad, Eger, Asch usw. Wir haben dst Gelegenheit wahrgenommen, den englischen Kollegen über seine Eindrücke in der Tschechoslowakei zu befragen. Jefferies meint, es sei falsch, das sudetendeutsche Gebiet als eine Gegend zu bezeichnen, deren Not und Elend nicht ihresgleichen habe. Jefferies sah die Fabrikruinen in Neichenberg, aber das gleiche Bild habe sich ihm auch in Südwales in England geboten. Die japanische»nd deutsche Textilindustrie haben die englischen Unternehmungen ebenso ruiniert wie die tschechoslowakischen und der englische Arbeitslose lebe nicht besser als der sudetendeutsche. Den Deutschaktivisten in der Regierung wirst Jefferies vor, daß sie jegliche Propaganda vernachlässigen. Die Deutschen im Grenzgebiet, die den reichsdeutschen Rundfunk hörens seien überzeugt, daß im Reiche IkeSerflstß herrsche, daß es dort keine Arbeitslosen gebe u. ä Hier müsse eine entsprechende Kampagne durchgeführt und den Sudetendeutschen gezeigt werden, daß sie nahezu die einzige deutsche Volksgruppe auf der Welt sind, die schreiben, lesen und sprechen kann, wie. es ihr beliebt. Jefferies macht ferner darauf aufmerksam, daß die tschechischen Beamten im Grenzgebiet mitunter nicht so höflich und entgegenkommend seien, wie es im Interesse des nationalen Friedens, für den Deutsche wie Tschechen ärgsten müssen, geboten scheint.(DND) Die Bedeckungivorlagen im Ausschuß Der Finanzminister über die Aufteilung der neuen Lasten Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses wurde Dienstag früh die Aussprache über die Bedeckungsvorlagen zum Staatsbudget eröffnet. Finanzminister Dr. K a l f u s erstattete ein ausführliches Expose, in dem er u. a. darauf verwies, daß in den letzten zwei Jahren das Budget im Gefolge der Staatsverteidigung um fast 1.5 Milliarden gestiegen ist. In den Konjunkturjahren betrugen die Gesamtausgaben des Staates etwa 18.3 Milliarden jährlich, in der Krise 16 Milliarden. Jetzt nähern wir uns in den Ausgaben wieder der Konjunkturhöhe; werden aber die besonderen Ausgaben für die Staatsverteidigung abgerechnet, so dürften die Ausgaben etwa 17 Milliarden ausmachen. Das Budget ist also bereits ziemlich ökonomisiert, der größte Teil der Ausgaben beruht auf gesetzlichen Titeln und sonstigen Rechtsverbindlichkeiten; eine Aenderung ist da schwer möglich. Die gesamten Staatseinnahmen betrugen in der Konjunktur 18 bis 19.5 Milliarden, in den Krisenjahren um 15 Milliarden; rechnet man die Zuweisungen an die Selbstverwaltungskörper hinzu, so ergibt sich ein Durchschnitt von 20 bis 21 Milliarden Einnahmen in der Konjunktur und von 17.5 Milliarden in der Krise. Für 1988 rechnet man mit einer Einnahmenhöhe wie in Konjunkturzeiten, nämlich mit 19 bis 21 Milliarden. Aus Tabellen über den Ertrag der staatlichen Steuern, Abgaben und Gebühren, die der Finanzminister ausführlich erläutert«, geht hervor, daß die Belastung pro Jahr und Kopf durch die direkten Steuern von 1926 bis 1986— hauptsächlich infolge des Bevölkerungszuwachses— von 174 auf 126 XL zurückgegangen ist. Dagegen stieg die Belastung durch die Konsumsteuern(von 82 auf 132), durch die Umsatzsteuer(von 185 auf 160), durch die Gebühren(von 119 auf 129 XL) pro Kopf und Jahr. Gleichgeblieben ist die Belastung bei den Monopolen (3 XL), zurückgegangen ist sie bei,der Kohlensteuer (von 17 auf 10) und bei den Zöllen(von 71 auf 50). Insgesamt ergibt sich ein Anwachsen der Gesamtbelastung von 601 auf 610 XL pro Kopf. Den Zuwachs deS Realbesitzes von 1922 bis 1936 schätzt der Minister auf 100 Prozent(von 60-auf 120 Milliarden). In Besprechung der neuen Steuerpläne, die ja bereits bekannt sind, betonte her Minister u. a.. daß die Unternehmertätigkeit höher herangezogen werden könne, weil die Erwerbssteuern durch die Steuerreform vom Jahre 1927 sehr stark herabgesetzt wurden- Ihr Ertrag ging von jährlich'mehr als 500 Millionen vor der Reform im Jahre 1929 auf bloß 136, 1930 auf 228, 1931 auf 180 Millionen zurück, im Jahre 1935 auf 118, im Jahre 1936 auf 161 Millionen. Dabei handelt es sich um u m- lagepflichtige Steuern, deren Zuschlagsdurchschnitt auf 400 Prozent geschätzt werden kann. Daraus sei ersichtlich,- was für Erleichterungen die Steuerreform den Unternehmern gebracht hat! Die-geringere Belastung des Diensteinkommens durch den neuen Staatsverteidigungsbeitrag ist dadurch zu rechtfertigen, daß es ja voll erfaßt wird. Von rund einer Milliarde Einkommensteuer pro Jahr zahlen die Festbesoldeten 520, alle übrigen Bebölkerungsschichten nur 480 Millionen. Von den neuen 440 Millionen, die der Staatsverteidigungsbeitrag bringen soll, entfallen 140 Millionen auf die Dienstbezüg«, 275 auf sonstige physische unh 25 Millionen auf juristische Personen. Dann werden also die Festbesoldeten insgesamt 660, die übrigen physischen Personen 755 Millionen zahlen. Die Erwerbssteuern könne man nicht in die persönliche Steuerleistung eiabeziehen. da sie ja meist in die Preise einkaUuliert werden können. Spater setzte der Minister auseinander, warum von einer Vermögenssteuer bzw. einer Erfassung des Kapitalsertrages direkt an der Quelle Abstand genommen wurde. Er schloß mit dem Hinweis, daß durch die n^uen Steuern die Tragfähigkeit unserer Wirtschaft m einem Maße angespannt sei, das nur durch den besonderen Zweck, die Staatsverteidigung, gerechtfertigt werden könne. Die Belastung ist jedoch zeitlich begrenzt und der Minister hofft, daß die Besserung der internen malen Beziehungen in absehbarer Zeit eine Herabicvuag der RüstungsauSe gaben erlauben werde. Die Debatte, die sich an das Expose anknüpfte, wird Donnerstag früh vom Ausschuß fortgesetzt werden. Line Stimme 6er Nenscklickieett In der Sitzung des Reichsfrauen- comitees der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslovakl- schen Republik wurde folgende Entschließung angenommen: Eine Frau, die in einem deutschen Gefängnis Mutter geworden ist, sieht der Hinrichtung entgegen. Vielfache Qualen zerreißen das Herz der jungen Lieselotte Hermann, unvorstellbar entsetzlich sind ihre seelischen Leiden. Seit vielen Wochen schwebt sie in der marternden Ungewißheit, ob nicht vielleicht doch noch Begnadigung ihr das Leben schenkt, es ihr schenkt für das geliebte Kind, oder ob des Scharfrichters Aart ihr Haupt vom Rumpfe trennen wird— und mit der Todesangst mischt sich die Sorge um das Schicksal des Kindes. Nicht eines Mordes wegen wurde Liesel Hermann verurteilt! Ihrer Gesinnung wegen! In der ganzen gesitteten Welt hat dieses Todesurteil Entsetzen erweckt. Frauenorganisationen fast aller Länder haben gegen das Urteil protestiert und Gnade für Liesel Hermann gefordert. Diesem Protest und dieser Forderung, in denen mit den Sozialisten aller Länder die demokratisch und humanitär empfindenden Menschen der ganzen Welt einig sind, schließen sich auch die deutschen sozialdemokratischen Frauen der Tschechoslowakei an. Wir wissen, wie schwach in unserer Zeit die Stimme der Menschlichkeit ist, in einer Zeit, in der die Hinrichtung Unschuldiger alltäglich geworden ist. Wir folgen trotzdem der Pflicht unseres Gewissens, noch im letzten Augenblick die Begnadigung Liesel Hermanns zu fordern. Die Mütter sprechen für das Leben der jungen Mutter! Sie fordern Rettung dieses Lebens im Namen der Menschlichkeit! Zählung der freien Wohnungen. Ueber die freien Wohnungen in Prag und in den größeren Städten liegen keine konkreten Angaben vor. Diese Unzulänglichkeit macht eine Beurteilung unmöglich, wie sich das Verhältnis zwischen der Woh- nüngsnachfrage und dem Wohnungsangebot dar- stellt. Um eine genaue Uebersicht über den Stand der Wohnungsfrage zu erhalten und dadurch die Lösung der Bau- und Wohnungspolitik zu lösen, wird in Prag und in allen Städten der Tschechoflowakischen Republik mit mehr als 20.000 Einwohnern eine Zählung der freien Wohnungen mit dem Stande zum 15. Dezember vorgenommen. Die Hauptstadt Prag läßt diese Zählung durch ihre Gemeindezusteller durchführen, welche in jedem Haus in Prag feststellen, ob am 15. Dezember 1937 wenigstens eine Wohnung ftei ist, d. h. ob sie von niemandem bewohnt und benützt wird.. Wiederholte Brandlegung in Trebnitz. Unter dem Verdacht wiederholter Brandlegun; wurde der Landwirt Cerny aus Trebnitz von der Gendarmerie verhaftet und in das Kreisgericht Leitmeritz eingeliefert. 2m Anwesen Cernys entstand seit 1928 dreimal Feuer auf verdächtige Art, das aber jedesmal, bevor größerer Schaden angerichtet wurde, gelöscht werden konnte Auch in der dem Schwiegersohn Cernys gehörigen Hokmühle brach in dieser Zeit viermal Feuer aus. Es besteht der Verdacht einer versuchten Brandlegung zum Zwecke eines Versicherungsbetruges. Cernys wirtschaftlichen Verhältnisse sind nicht günstig.' Schließung eines neuen EinheitspreiS- geschä'tcs. In Prag-Weinberge wurde vor kurzem ein Geschäft mit Einheitspreissystem unter der Firma.Kleine Galerie" eröffnet. Es handelt sich nm eine Zweigstelle des an einer anderen Stelle Prags bereits befindlichen ,^1PO"-Un- Mllltärverrat Prag. Der Senat fiir Angelegenheiten des Militärverrates beim Kreisstrafgericht in Prag verurteilte am 1. Dezember 1937 nach siebentägiger Verhandlung den 34jährigen Anton N i e t s ch e, Geschäftsführer aus Drahowitz bet Karlsbad, den 37jährigen Max Ebert, Musiker aus Schlackenwerth bei Karlsbad, und den 40- jährigen Rudolf Kara aus Otwwitz bei Karlsbad wegen des Verbrechens des Militärverrates nach Paragraph 6 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutze der Republik, zu je vier Jahren schweren Kerkers mit den entsprechenden Verschärfungen und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zu Nebengeldstrafen in der Höhe von 1000 XL. Gleichzeitig wurde der 26jährige Hermann F i ch l, Automonteur aus Schlackenwerth bei Karlsbad, wegen des Verbrechens des Militärverrates nach Paragraph 6 Nr. 3 des Gesetzes zum Schutze der Republik zu einem Jahr schweren Kerkers mit entsprechender Verschärfung, zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zu einer Nebengeld-" strafe in der Höhe von 1000 XL verurteilt. Alle Angeklagten haben die Strafe angenommen. ternehmenS» in dem eine Reihe kleinerer Geschäftsleute gemeinsam ausstellen und verkaufen. Auf eine Intervention der Kaufmannschaft besuchte der Handelsminister Najman das Weinberger Geschäft und ordnete daraufhin ein Verfahren an, das die Schließung der»Meine« Galerie" zur Folge hatte.(DND) Flugblätter von der ParlamentStribüue. Im Abgeordnetenhaus ereignete sich Mittwoch nachmittags während der Budgetdebatte ein Zwischenfall. Ein Mann warf von der Galerie em Bündel mit Flugblätter im Format von Postkarten in den Saal, worin die Abgeordneten aufgefordert werden, sich seiner anzunehmen. Er sei 70prozentiger Kriegsinvalide und habe zweieinhalb Jahre im Krankenhaus und sieben Jahre in einem Jnvalidenheim zugebracht, doch sei ihm zuletzt die Invalidität ungerechterweise auf 50 Prozent herabgesetzt und die Rente gekürzt worden. Er sei arbeitsunfähig-und müsse vom Verkauf seiner Bilder leben. Der Mann heißt Josef K o m i z und stammt aus Morkovice in Mähren. Er wurde von Parlamentsangestellten aus dem Saal geführt und der Polizei übergeben.— Bekanntlich hat sich erst im Sommer ein ähnlicher Vorfall im Parlament abgespielt. Damals macht« ein arbeitsloser Müller durch einen Schuß von der Parlamentstribüne auf sich aufmerksam. Tschechoslowakisch-englischer Fußball: 5:4. Die Niederlage von 5:4(3:2) ist für das tschechoslowakische Team erträglich. Die Engländer habe« fast alles,— bis auf die beiden ersten Viertelstunde« jeder Spielhälfte— vom Spiele gehabt, so daß das Ergebnis ihre Ueberlegenheit nicht richtig wieder-- gibt. Die Tschechoslowaken kamen durch rasche Ein« zeworstöße gegenüber der weitaufgerückten englische« Verteidigung zu Erfolgen, während die Gastgeber all ihre Kunst aufbieten mußten, um bei aller technische« Ueberlegenheit glücklicher Endsieger zu bleiben. Der Spielverlauf war sehr anregend: Tie Engländer schossen das erste Tor, bald darauf fiel der Ausgleich, worauf sie aber bis zur Pause zwei Tore vorlegten, von denen die Gäste nur eines aufholen konnten. Nach der Pause schossen die Engländer Rr. 4 und dann erzielten die Tschechoslowaken ein drittes Tor und später sogar den neuerlichen Ausgleich, worauf die Engländer alles aufboten, um wenigstens den knappen Sieg zu erringen. Im tschechoflowakischen Team zeichnete sich vor allem der Tormann Pla- ni L k a aus. Die Verteidigung und das mitvertei- digende Half kamen fast nie außer Atem und die Stürmer schwammen und kamen nur durch die Nachlässigseiten der englischen Hintermannschaft zu Erfolgen. Abkühlung. Die kalten Lustmaffen, die sich Dienstag aus Nordrußland nach Skandinavien und über die baltischen Staaten ausgebreitet haben, dringen nicht mehr weiter gegen Mitteleuropa vor. In Nordfinnland sank die Temperatur nach eingetretener AuSheiterung auf minus 80 Grad Celsius. Unseren Gegenden strömt dagegen milde ozeanische Lust zu. In den böhmsschen Ländern und in der Südwestslowakei wurden Mittwoch nachmittags vielerorts mehr als plus 5 Grad Celsius verzeichnet, Malacky meldete 9 Grad Celsius. Die unbestän- dlge und relativ warme Witterung dürfte noch anhalten.— Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, meist in Regenform. Relativ warm, Wind aus westlichen Richtungen.—' WetteraussichtenfürFreitag: Auf den Bergen erneut etwas kühler, sonst noch keine größere Aenderung. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmes! Freitag: Prag, Sender I: 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau. 12.10: Schallplattenkonzert, 14: Deutsche Sendung: Deutsche Volkslieder aus der Slowakei, 18.10: Deutsche Sendung: Prof. Schubert: Komotau: Wir kaufen unseren Kinder« ein Buch, 18.20: Unw.-Prof. Glckl- horn: Josef Loschmidt, sudetendeutsche Forscherschicksale, 18.35: Deutsche Arbeitersendung: Attuelle zehn Minuten, 18.45: Deutsche Presse, 18.55: Aus dem deutschen Kulturleben, 20.05: Aus dem Lucerna« saal: Rundfunkorchesterkonzert: Bach, Mahler, 22.85: Lieder aus dem Tonfilm: Darf ich binen- — Prag, Sender II: 11: Kammermusik. 14.20: Deutsche Sendung: Jng. Jakl: Schiene und Straße, 14.30 Schallplatten, 14.55: Deutsche Presse, 18.10: Salonquartett.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Bondi: Brünner Premieren aus der Vergangenheit, — Pfeffer: Masaryk und Religion. 18.20: Beliebte Mewdien.— Preßburg 16.10; Rundfunkorchesterkonzert, 22.30: Tanzmusik.— Kascha« 12.35: Rundfunkorchesterkonzert.— Mäbr.-Oftrau 1810: Deutsche Sendung: Dr. Neugebauer: Ueber Gallensteine,— tschechische moderne Lieder. Nr. 883 Donnerstag, 2. Dezember 1937 Seite 8 FRANZBRANNTWEIN Der Mord an Welchselberser Eisenstadt. Amtlich wird gemeldet: Zuge der Erhebungen zur Aufdeckung des an dem Landwirte Johann Weichselberger begangenen Mordes wurde festgestellt, daß der wegen des Verdachtes verfolgte Privatbeamte Helmut Brey- m a n n, der eine führende Rolle in der illegalen nationalsozialistischen Organisation des Burgenlandes spielte, sich wenige Stunden nach der Verübung des Mordes in Neustift aufgehalten hat. Da er vor einiger Zeit den Johann Weichselberger, der ebenfalls der nationalsozialistischen Partei angehörte, mit Erschlagen gedroht hat, erscheint er verdächtig, an der Mordtat beteiligt gewesen zu sein. Breymann ist flüchtig und konnte bisher nicht ausgeforscht werden. Hingegen wurde der postenlose Lehramtskandidat Karl Tr e t t,n e r aus Neustist, der vor kurzem einen Mordanschlag gegen Weichselberger ange- kündigt hatte, weiter der Zimmermannsgehilfe Rudolf Gamauf aus Bergwerk, auf dessen Mantel Blutspuren gefunden wurden, sowie der illegale Sprengelleiter der nationalsozialistischen Partei, der Landwirt Josef Lehret aus Reustift, verhaftet. Die Erhebungen zur Ausforschung jener Personen, die mit Breymann in Verbindung standen, wurden eingeleitet. Prof. Bidlo gestorben. Am Mittwoch starb in seiner Prager Wohnung der tschechische Historiker. Dr. Jaroslav.Bidla,...Ptofeü»r der KaM-, Universität, im 68. Lebensjahre. Ursprünglich befaßte sich Professor Bidlo mit dem Studium der Geschichte der Brüder-llnität von der ältesten Zeitepoche bis zum 17. Jahrhundert und schilderte in drei Bänden diese bedeutsamen Zeitperioden. In der letzten Zeit bereitete er den vierten Band der„Geschichte der Brüder-Unität" vor, den er wahrscheinlich nicht beendet hat. An der Universität hielt er Vorlesungen hauptsächlich über allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte Osteuropas und der Balkanhalbinsel. Der Goncourt-Preis wurde Charles P l i S- n i e r für sein Buch„Der falsche Reisepaß" zu- erkannt. Bei der Abstimmung erhielt Plisnier fünf von acht Stimmen. Drei Stimmen wurden für Jean de la Varende abgegeben. Ein rätselhafter Mord. Die Polizei in Mu« kakevo untersucht fieberhaft einen rätselhaften, an Karl Reinholt aus Schwarzwafser bei Mährisch-Schönberg verübten Mord. Reinholt wurde Sonntag mit einer Schußwunde am Hinterkopf tot aus dem Fluß Latorica geborgen. Er forschte in Mukacevo nach den vermeintlichen Mördern seines Bruders Emil, der während seiner Militärdienstzeit im Mai d. I. an der gleichen Stelle totauö der Latoricage- Sogen wurde. Die Polizei hegte damals den Verdacht, daß es sich um einen Selbstmord handle. Eine Militärkommission ließ eine Obduttion vornehmen, durch welche der Verdacht widerlegt wurde. Karl Reinholt wurde in Mukaöevo am l. November, als er einen Kranz auf dem Grabe feines Bruders niederlegte, zum letzten Male gesehen. Dann wurde er durch einen Monat lang vermißt und es wird vermutet, daß er irgendwo gefangen gehalten wurde. Seine Leiche wurde Nunmehr ohne Ueberzieher und ohne die übrigen Sachen gefunden, die Reinholt nach Mukaöevo neitgebracht hatte. Die Polizei forscht nach dem Besitzer einer Pistole deutscher Provenienz mit dem ungewöhnlichen Kaliber 8.2 Millimeter, aus welcher der tödliche Schuß, gegen Karl Reinholr «Abgegeben wurde. Es wird auch untersucht, wo sich Reinholt den ganzen Monat aufgehalten hat. Das Ende drS„Leviathan". In der Regel enden auch die Ozeanriesen auf den Wersten, wo sie abgewrackt und verschrottet werden. Eine Ausnahme wird jedoch der„Leviathan" machen, der kurz vor dem Kriege gebaut wurde, mit seinen 50.000 Tonnen damals sowohl das größte wie das luxuriöseste Schiff der Welt war, und nach dem Kriege noch lange in Dienst stand. Ursprünglich gehörte der Dampfer Deutschland und hieß„Vaterland", er wurde während des Krieges fequefttert und umbenannt, aber die moderne Technik ging schnell über seine Möglichkeiten hinweg, und in den letzten Jahren könnte das Schift Natürlich nicht mehr mit der„Normandie" und 365 glückliche Tage im Jahre- jeden Tag Freude, Unterhaltung und Belehrung bdre’rtet, Ihnen in, reichhaltiger Auswahl und Originalschönheit ein vollendeter Radioempfänger SYSTEM TELEFUNKEN. Wählen Sie ein Weihnachtsgeschenk von dauerndem Werft ein einziges für adel U UMT Ke 2.700' Hymnus]! 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Er soll auf der Weltausstellung 1838 in New Dork auf dem Ausstellungsgelände verankert werden, und schon jetzt wird Propaganda dafür gemacht, wie märchenhaft der Ozeanriese, der völlig weiß angestrichen wird, im Lichte der Scheinwerfer erstellen wird. Außer dem Restaurant, das für 2000 Personen Platz bietet, werden drei Nachtklubs, ein Theater und zwei Kinos in das Schiff eingebaut. Barcelona an Madrid. Der Bürgermeister von Barcelona, Hilario Salvador, Mitglied der (bürgerlichen) Linksrepublikanischen Partei, ist mit mehreren Stadträten in Madrid eingetroffen. Sie brachten einen Transport Lebensmittel mit, die für die heroischen Madrider in Katalonien gesammelt worden sind.— In Lerida wurden die auS Sammlungen beschafften Winterkleider für di« Soldaten der Ostarmee feierlich übergeben. Der GeneraRriegskommifsär Cres- cenciano Bilbao feierte in seiner Ansprache die anttfaschisttsche Einheit und die Solidarität von Front und Hinterland. Die koketten Greisinnen. Bor einem Londoner Gericht spielte sich dieser Tage eine Verhandlung ab, von der man fast annehmen könnte, daß sie von der gesamten kosmetischen Industrie der Welt als Reklame gestellt worden sei. Angeklagt waren zwei Londoner Damen im Alter von 72 und 73 Jahren, die sogar noch älter aussahen, als sie waren, und sich mühsam am Stock fortbewegten. Bor dem Vorsitzenden lag das„corpüs delicti", nämlich zwei Puderdosen raffiniertester Mischung, die die beiden Damen in einem Londoner Warenhaus ohne Bezahlung mitgenommen hatten. Sie schluchzten und erklärten, sie seien völlig verarmt, ein bißchen Puder, um das Gesicht ein wenig jünger erscheinen zu lassen, sei das einzige, was ihnen noch Freude mache. Der Richter hatte Mitleid mit ihnen und verurteilte sie zu einer geringfügigen Geldstrafe mit halbjähriger Bewährungsfrist, wobei er als strafmildernd ansah, daß die beiden Missetäterinnen zu der Verhandlung ohne„make-up" gekommen waren. Göring mit der Schildkröte. Man erzählt sich in Berlin: Es ist noch gar nicht lange her. da liebte es der Generaloberst Göring, mit einem jungen Löwen an der Leine durch Berlin zu spazieren. Er erregte durch diese Spaziergänge Furcht und Schrecken unter der Bevölkerung. und deshalb untersagte der„Führer und Reichskanzler" höchstpersönlich seinem Freunde solche.auffallende Spaziergänge^ Eine-'Tages steht Hitler von seinem Fenster in der Wilhelmstraße Hermann Göring langsamen Schrittes dahinwandeln, diesmal in Begleitung einer Schildkröte. Der „Führer und Reichskanzler" ist auf das äußerste erbost und bei der nächsten Anwesenheit Görings fordert er ihn in ernsten Wotten auf. doch alle derartigen Exzentrizitäten endlich zu unterlassen. Göring mach: ein verdutztes Gesicht und begreift zunächst gar nichr. was Hitler von ihm will. Schließlich aber bricht er in ein resvektwidriges Gelächter aus und antwortet: „Mein Führer, das war ja gar keine Schildkröte, sondern Goebbels mit einem Stahlhelm auf dem Kopf."• Schwere Differenzen bei der Assicurazioni Generali Der Zentralverband der Versicherungsangestellten schreibt uns: Schon seit längerer Zeit verhandelt der Zentralverband der Versicherungsangestellten mit der„Generali" über eine Aen- derung des allgemeinen Dienstvertrages der Angestellten. Die Verhandlungen wurden dadurch nötig, daß der alte Dienstvertrag von der Direktion des Unternehmens gekündigt worden war. Man durfte um so mehr hoffen, zu einem beide Teile beftiedigenden Abkommen zu gelangen, als gleichzeitig mit der Kündigung von der Leitung der Gesellschaft die Versicherung abgegeben worden war, daß keinerlei Absicht besteh«, die Rechte der Angestellten irgendwie zu schmälern. In dieser. Situation hat die Direktion der„General!" den Angestellten plötzlich den Entwurf eines neuen Dienstvertrages vorgelegt, der gerade das Gegenteil dessen darstelll, was den Angestellten zugesichert worden war. Würde der Entwurf verwirklicht, wäre dies gleichbedeutend mit einer radikalen Verschlechterung der Gehalts- und Arbeitsbedingungen der Angestellten. Der neue Vertrag beseitigte alte Rechte, die den Angestellten von den großen Versicherungs-Gesellschaften bisher eingeräumt werden; er schaffte die jetzt für den Fall einer Krankheit oder die Einbeziehung zum aktiven Militärdienst vorgesehene Abfindung ab! und stellte das Borrücken der Angestellten im Gehalt auf Lahre hinaus ein. Die Zulagen für Verheiratete wären stark beschnitten. Drakonisch- Disziplinarstrafen würden eingeführt. Das sind nur einige Beispiele. Für die geplante weitgehend: Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Angestellten fehlt jede sachliche Begründung. Die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft ist durchaus günstig. Die„Generali" ist z. B. in der Lebens- versicherungS-Branche führend. In einer durch die fortschreitende Teuerung und die starke Erhöhung der Besteuerung ohnehin gespannte Atmosphäre ist das Vorgehen der„Generali" geradezu unbegreiflich. Es wird auf den zähesten Widerstand stoßen. Eine Aktion, die Unterstützung verdient. Die Alters- und Jnvaliditätsverficherung der Arbeiter ist bet. uns Terzett,noch sehr unzulänglich..Es. gibt ein«. Reihe von Arbeiterkategorien, welche unterversichert sind und nach einer Verbesserung der Versicherung rufen. Unter diese Kategorien fallen auch die Buchdrucker, die nun die Eingliederung in die Pensionsversicherung der Privatangestellten fordern. Diese Forderung ist gerecht und begründet, wenn wir ihre Arbeit würdigen, welche einen besonderen Grad von Intelligenz erfordert. Um die Forderung der Buchdruckergehilfen zu unterstützen, hat ihre Organisation PetttionSbogen herausgegeben und sammelt in den breiten Volksschichten Unterschriften- Durch diese Unterschriften soll die Zustimmung mit der Forderung der Buchdrucker bekundet werden. Sollte auch Ihnen ein solcher Petitionsbogen zur Unterschrift vorgelegt werden, dann lehnen Sie die Unterschrift nicht cch und unterstützen Sie durch dieselbe die Forderung der Buchdruckergehilfen! Steigender BierauSstoß und Bierezport. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres wurden 7,017.633 Hektoliter Bier ckusgestoßen, gegen 6.407.828 Hektoliter in der gleichen Vorjahrsperiode. Die Zunahme beträgt somit in diesem Falle 8.5 Prozent. Gestiegen ist ferner irn-Ok- tober dieses Jahres der Merexport:~ er betrug 8248 Hektoliter für 1,717.882 Kt. d. i. um 42 Prozent mehr als im gleichen Vorjahrsmonät. Den größten Anteil an der Ausftoßstrigerung vom Jänner bis Oktober dieses Jahres haben die Prager Großbrauereien mit 11.2 Prozent und die Pilsener Brauereien mit gleichfalls 11.2 Prozent. Bemerkenswert ist die Zunahme des Bierkonsums nun auch im Osten der Republik: von den Ländern hat den größten Anteil an der Ausswßsteigerung Karpatho- rutzland mit 21.1 Prozent.(DRD) Dritte» Reich Im Bllfelldit Die Einnahmen der d e u.t scheu Landwirtschaft aus dem Verkauf ihrer Produkte sind nach einer Darstellung in„Wirtschaft und Statistik"(2. Oktoberheft 1837) von 6.4 Milliarden RM im Jahre 1982/33 auf 8.86 Milliarden RM im Jahre 1836/37 gestiegen. Die Zunahme beträgt 38.3 Prozent. In der gleichen Zeit haben die Löhne unb Gehälter der Landarbeiter und der Angestellten in der Landwirtschaft von 1.38 Milliarden auf 1.87 Milliarden zugenommen. Die Steigerung beträgt hier nur 18 Prozent. e Die Brotgetreideversorgunsi wird immer knapper. Die den deutschen Mühlen zur Verarbeitung zugewiesenen Monatsquoten liegen in den ersten vier Monaten des laufenden Getreide-Wirtschaftsjahres bei Weizen im Durchschnitt um 20 Prozent niedriger als 1835/86. Im August 1838 haben die Mühlen 386.000 Tonnen Roggen verarbeitet, im August 1837 nur 258.000 Tonnen. Im September der beiden gleichen Jahre betrug die Verarbeitung 284.000 Tonnen bzw. 244.000 Tonnen. Obwohl das Roggenmehl bei der Brotherstellung mit Kartoffelstärke- und Aufschlutzmehl vermengt werden muß, tritt die Roggenknappheit infolge der gegenüber 1835 um 720.000 Tonnen niedrigeren Ernte immer schärfer in Erscheinung. » Die Vorversorgung««Kriegs- bedarf wird in..gewaltigen-AuÄysßen fortgLj»,, setzt. So hat sich die Einfuhr an Dieselöl von 818 Millionen dz in der Zeit vom Jänner-September 1833 auf 758 Millionen dz in der gleichen Zett des Jahres 1837 erhöht. Für dieselbe Zeit ergibt sich in der Einfuhr von Schmieröl eine Zunahme von 188 Millionen auf 302 Millionen dz und bei Heizöl eine solche von 206 Millionen auf 317 Millionen dz. 1828 betrug die Produktion der deutschen Lederhandschuh-Industrie 18.8 Millionen Paar. Der Jnlandsverbrauch erreichte die Höhe von etwa 10 bis 12 Millionen Paar. 1936 war die Produktion auf 8.3 Millionen Paar, gesunken und der Jnlandsverbrauch weift einen. Rückgang auf 6.4 Millionen Paar auf. Einführung der Arbeitslosenversicherung i» Kanada? Premierminister Mackenzie King hat an die Ministerpräsidenten der Provinzen einen Brief gerichtet, in dem er einen neuen Versuch zur Einbringung eines allgemeinen Arbeitslosenversicherungsgesetzes im kanadischen Bundesparlament vorschlägt. Dieser Vorschlag gründet sich auf einer Untersuchung der Landeskommission für Beschäftigung über die Lage der Arbeitslosen:, die Regierung ist zur Ueberzeugüng gelangt, daß ein System der Arbeitslosenversicherung in Verbindung mit einem öffentlichen Arbeitsvermittlungsdienst sowohl zur Existenzsicherheit der Arbeiter als auch zur industriellen Stabilität beitragen würde. Um eine Verschleppung zu verhindern, wie es bereits ein ähnliches Projekt der Regierung Bonnet betroffen hatte, schlägt Mak-. kenzie King auch eine Verfassungsänderung vor. Die Arbeiterpartei hat ihm ihre-Unterstützung zugesagt.. Man erwartet, daß die Einführung der Arbeitslosenversicherung in Kanada auch auf tue Vereinigten Staaten eine moralische Wirkung üben würde. Man erhält für K£ 100 Reichsmark«*,*.. 613.— Markmünzen..... 650.— 100 österreichische Schilling.. 528.50 100 rumänische Lei.... 16.10 100 polnische Zloty..„.. 503.50 100 ungarische Pengö...,.. 550.50 100 Schweizer Franken«.. 656— 100 französische Francs.... 06.50 1 englisches Pfund.... 140.90 1 amerikanischer Dollar... 28.30 100 italienische Lire.... 120.40 100 holländische Gulden... 1574.— 100 jugoslawische Dinare ,' 61.30 100 BelgaS....... 483.— 100 dänische Kronen... r 630.— 100 schwedische Krone««... 729.— Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 2. Dezember 1937. Nr. 283 ffnuw fettunq losen-Schubverbandesin der Tsche^ Ouzlarul DieSozialistische Arbeiter- Internationale und Spanien Wie die»Internationale Information" mitteilt, haben die kommunistischen Führer Cachin und Thorez an den Vorsitzenden der Sozialistischen Arbeiterinternationale de Brouckers und deren Sekretär Fritz Adler einen Brief gerichtet, in welchem sie eine Zusammenkunft der Ber- trerer der beiden Internationalen für den 22. November in Paris vorschlugen; und in der Zu- sanimenkunft sollte über die Stellung zu den spanischen Ereignissen gesprochen werden. De Brouckere und Adler haben nun mit Schreiben vom 25. November geantwortet. In ihrem Briefe wird dargelegt, daß auch die Sozialistische Arbeiter-Internationale der Ansicht ist, das internationale- Proletariat habe die Pflicht, der spanischen Republik ihre Unterstützung zu leihen. »Unsere Internationale" so heißt es in diesem Brief,„ebenso wie die ihr angeschlossenen Parteien..„ rütteln die öffentliche Meinung auf und leisten der Sache Spaniens jede materielle und moralische Hilfe, deren.sie fähig sind." Bei der gemeinsamen Aussprache in Annemasse hatten die Vertreter der SAJ Gelegenheit, eine Methode festzuftellen, die geeignet ist, allen diesbezüglichen Bemühungen größte Wirksamkeit zu verleihen;„zu dieser Methode gehören nicht gemeinsame Sitzungen unserer beiden Jnternatio- nalen". Zum Schluß wird erklärt, daß die beiden Vertreter der SAJ stets bereit sind, Anregungen entgegenzunehmen und durchzuführen, was gemeinsam in Annemasse in Aussicht genommen wurde. Das Wachstum der schwedischen Sozialdemokratie (I. I.) Die Mitgliederzahl der sozialdemokratischen Partei Schwedens steigt stetig an. Im Jahre 1936 ist sie um 21.372 auf 368.158 gewachsen. Die Anzahl der Ortsgruppen stieg um 43 auf 2314; nunmehr bestehen Ortsgruppen in allen wichtigeren Gemeinden. Besonders bemerkenswert ist das Wachstum auf dem flachen Lande. Aus der Statistik der Mitgliederschaft geht hervor, daß die bisher„vernachlässigten Schichten" der Bevölkerung, die Land- und Forstarbeiter, in zunehmenden Maße der Partei zuströmen, sogar in stärkerem Maße als andere Bevölkerungsschichten. Der Zustrom der Frauen ist nicht ganz sc zufriedenstellend. Me Gesamtzahl der Frauen in der Partei, einschließlich der Mitglieder der sozialdemokratischen Frttuenorganisatlonen, deren Ortsgruppen statutengemäß den Parteiortsgruppen angeschlossen sein sollen, betrug Ende 1936 61.645, das ist ein Zuwachs von 7311 in diesem Fahr. Die Mitgliederzähl der Frauenorganisation betrug 19.945. Die bisher vorliegenden Berichte über das Fahr 1937 lassen erkennen, daß die günstige®nt« wicklnng^auch in diesem Fahre unvermindert angehalten hat. Ungarn: Königsfrage nicht aktuell Budapest. Ministerpräsident Daranyi erklärte am Dienstag in den Wandelgängen des Abgeordnetenhauses auf die Frage eines Journalisten: Nach der übereinstimmenden Auffassung aller verfassungsmäßigen Faktoren sei die Königsfrage in Ungarn nicht aktuell und niemand diene den Interessen des Landes, der in der heutigen Situation diese Fragen anschneide oder sie auf der Tagesordnung erhalten wolle. Man könne an diese Frage nicht nach der Art unreifer Buben herantreten. Das sei sicherlich die ungeteilte Auffassung der ganzen ungarischen Oef- fentlichkeit. Unruhen In Deutsch-Oberschlesien AP. Beuthen. In Oberschlesien kam es tn letzter Zeit wiederholt zu Lebensmittelunruhen. In Ratibor erfolgten Zusammenrottungen, gegen die die Polizei einschritt. Dabei leisteten die Frauen Widerstand und stießen Schmährufe gegen das nationalsozialistische Regime aus. Mehrere Frauen wurden verhaftet. Zu ähnlichen Vorfällen kam es in Gleiwitz. Mitteilungen aus dem Publikum. Dir Meldungen vom Nordpol zu Hanse anzuhören— schien vor 10 Jahren ein« nicht zu verwirklichende Utopie zu fein— und heute genügt dazu selbst der kleinste Empfänger, System Telefunken, der Ihnen die Meldungen in einer so prachtvollen Weise wiedergibt, die Sie- vollends zufriedenstellt. Um so «her erfüllt derartig schwere Aufgaben„Hymnus", ein Radiogerät, das keine Entfernung kennt und das Ihnen die kleinen und großen Sender in ihrer ursprünglichen Tonfülle und Schönheit wiederbringt. Sein volldynamischrr Lautsprecher, übrigens der größte bei-uni bisher serienweise erzeugte, macht den Empfänger Hymnus zu einem modernen, hochqualitativen Musikinstrument. Jedes Radio-Fachgeschäft überläßt Ihnen gerne den Radioapparat„Hymnus" unverbindlich zur Erprobung, damit Sie sich überzeugen können, was ein moderner Empfänger, System T e l e f u N k« n, zu leisten vermag. Eine neue Prager Verkehrsordnung, die an Stelle der heute in Kraft befindlichen, aus dem Jahr« 1931- stammenden, treten soll, befindet sich gegenwärtig in Bearbeitung. Die neue Berkehrsordnung ist von der zm'tändigen Abteilung der Prager Polizeidirektion ausgearbeitet und den einschlägigen Amtsstellen und Organisationen zur Begutachtung unterbreitet worden. In diesem Entwurf ist^insbesondere dar Bekämpfung des Straß en lärm 8 Beachtung geschenft und eine Reihe neuer Bestimmungen trägt dieser Tendenz Richtung. Prager Brückenprojekte. Der Regulationsplan der Prager Stadtgemeinde enthält eine Reihe bemerkenswerter Brückenprojekte, von denen nur einige allgemeiner bekannt sind. Sehen wir von den in der Tagespreffe sattsam diskutierten Projekten für die Ueberbrückung des Nüster Tales und des Masaryk- bahnhofes ab, bleiben noch einige Moldaubrücken- projefte zu erwähnen, von denen di« Oeftentlichkeit bisher wenig erfahren hat. obwohl sie zur Ausführung näher haben dürften als jene beiden Großprojekte. Zu den derzeit bestehenden zehn Prager Moldaubrücken sollen noch weitere sechs neue Brückenbauten treten. Vor allem sollen die beiden Moldauufer durch eine Brücke bei B r a n i k verbunden werden, eine weitere Brücke soll zwischen Pod- s k a l und Z l i ch o v errichtet werden. Ferner ist der Bau einer Brücke zwischen Karolinenthal und den Maninagrün den projektiert, ferner zwei neue Brücken bei Troja und endlich eine Brücke bei P o d b a b a. Alle diese Bauten haben große Bedeutung für den lokalen und Dürchzugsberkehr der Hauptstadt und ihre Realisierung ist von eminentem Interesse. Allerdings hängt die Durchführung dieser Projekte in erster Linie von den finanziellen Möglichkeiten ab. Ueberfall ans dem Friedhof. Vorgestern abends meldete die Lehrerin im Ruhestand«, Margarete Radkevic aus Zijkov, daß sie kurz'vor 5 Uhr ':im Spaziergang auf dem Wolschaner Friedhof von :»em unbekannten, etwa 25- bis 30jährigen Mann überfallen worden sei, der ihr das schwarze Leder- handtäfchchen, das sie in der Hand trug, entrissen habe und im Dunkel, zwischen den Gräbern verschwunden sei. Im Täschchen hätten sich außer 50 K£ noch verschiedene: Kleinheiten und Kleingeld befunden; der Gesamtschaden belaufe sich aber aur 300 XL Der Täter ist angeblich mittelgroß und untersetzt, mit rundem, struppigem Gesicht und trug hellen Mantel und Mütze. Die Nachforschungen wurden eingeleitet. Mutter und Kind gasvergiftet. Gestern früh wurde die 24jährige Metallgießersfrau Anna N o- v ä k mit ihrem fünfmonatigen Töchterchen Bera im Arm in der Wohnung ihrer Schwester in Branik mit Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden-Die Schwester hatte, da sie um 5 Uhr früh noch Licht in ihrem Zimmer sah, nach ihr gesehen und das Unglück entdeckt; der Bezirksarzt konnte jedoch nur mehr den Tod feststellen. Utsache der Tat sollen häuslich« Zerwürfnisse sein. Schwerer Arbritsunfall. Gestern nachmittags wollte der 34jährige Arbeiter Jaroslav Seidl aus Prag VI1 bei Bauarbeiten gegenüber dem Sanatorium Sanopz«ine Fuhre mit Baumaterial anhalten, wobei diese umkippte und auf ihn fiel. Der Schwerverletzte wurde mit mehreren Rippenbrüchen und schweren inneren Verletzungen in bewußtlosem Zustand ins Allgemeine Krankenhaus gebracht. Seine Verletzungen sollen tödlich sein. Ausflugszügr der Staatsbahnrn. Samstag, den 4. Dezember, fährt ein Sonder-Motorzug von Prag- Wilsonbahnhof ins Riesengebirg«. Im Fahrpreis von 75 XL ist die Eisenbahnfahrt, der Autobus, das Nachtlager, das Frühstück und die Versicherung inbegriffen. Fahrkarten und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof und beim Schalter Nr. 13 auf dem Wilsonbahnhof. herüsttssaat In geheimer Verhandlung verhandelte das Prager Schwurgericht den dritten Fall dieser Schwurgerichrsperiode. Angeklagt war der 23jährige Hilfsarbeiter Franz Moravee des Verbrechens der Notzucht, begangen an einem zehn- jähttgen Mädchen, der Tochter einer Frau, die dem Angeklagten die Wäsche besorgte. Nach dem einstimmigen Schuldspruch der Geschworenen verurteilte der Schwurgericht^of den Angeklagten zu zwei Jahren schweren Kerkers. Xunst und WUern Prager Konzertsaal Einige statistischeZahlen mögen den gegenwärttgen Konzertüberfluß Prags einwandfrei bestätigen. In der zweiten Rovemberhälfte, das ist innerhalb von 14 Tagen, wurden in Prag insgesamt 87 Konzert« veranstaltet. Das bedeutet pro Tag 2.6 Konzerte. In Wirklichkeit aber waren in dieser vierzehntägigen Konzertperiode: ein Tag mit fünf Konzerten, zwei Tage mit. je vier Konzertveranstaltungen. vier Tage mit je drei und vier Tage mit je zwei Konzerten, daher also nur vier Tage mit bloß je einer Konzertveranstaltung vorgesehen. Schlägl man zu diesen Konzertziffern noch die Aufführungszahlen der Opernauffithrungen in der gleichen Periode von 14 Tagen dazu,— nämlich acht deutsch« und 13 tschechische Opernvorstellungen, zusammen'-»also 21 Opernabende,— so werden die statistischen Ziffern für die gesamten musikalischen Veranstaltungen der zweiten Novemberhälfte noch wesentlich höher.— Ein Konzert des Deut sch en Erwerbs» choslowakei sei seines edlen Zweckes der gütigen Näch- stenhilfe wegen an die Spitze meines Berichtes gestellt. Zeigt« es doch auch in eindringlicher Weise die Not der Stellungslosigkeit unter den Musikern selbst. Denn das Los des beschäftigungslosen Musikers ist vielleicht noch grausamer als das anderer Arbeiter und Berufsmusiker, weil für den Musiker die Wahrheit des Sprichwortes furchtbare Geltung hat, daß „rostet, was rasten muß". Je länger der Musiker beschäftigungslos ist, desto schwerer wird es für ihn, eine Stellung zu bekommen, wenn seine Kunst durch den Mangel an praktischer Tätigkeit die Gewandtheit und Sicherheit einbüßt. Die künstlerische Durchführung des Konzertes war dem Bohemia-Blä- serquintett anvertraut worden, einem Ensemble, das seine Aufgaben durchaus brav löste, ohne indessen besonderen künstlerischen Eindruck zu machen. Zwei seiner Mitglieder ließen sich auch soli- ftisch hören, der O b o i st Julius Habel und der Flötist Alfred Walkmeister. Im Rahmen des klassisch-romantischen Programmes hatte auch eine P i a n i st i n, Fräulein Else Dolansky, Gelegenheit, ihr Können zu zeigen, das technisch, dem Vortrage und der Anschlagskultur nach ausreichen sollte, die junge Künstlerin vor überflüssiger Nervosität zu schützen. Leider war der Besuch gerade dieses Wohltätigkeitskonzertes nicht so. wie es sein edler Zweck hätte erwarten lassen.— Ein« verspätete Mozart- Feier zur Erinnerung an die Prager Mozart-Besuche vor 150 Jahren hatte das Tschechische Staatskonservatorium veranstaltet. In Form eines Orchester- konzertes, dessen Programm in der ersten Abteilung die eigentlichen Mozart-Feststücke, die Ouvertüre zur Oper.Titus" und das ioundervolle Klarinetten-Konzertin A-dur, in der zweiten Abteilung Orchefterstücke aus der Zeit Mozarts und seiner Nachahmer enthielt, ein Konzert für zwei Violen von A. Vranicktz und die Es-Dur-Sympbonie von dem seinerzeittgen sogenannten Prager Musikpapst I. W. Tomaschek. Ausgezeichnete künstlerisch« Leistungen bot bei diesem Konzerte namentlich das Konservatoriums-Orchester unter der Leitung-von Professor Paul DL de Lek. Dem Sattsten des Klarinettenkonzertes, Jng. Milan K ost o h r y z. mangelte es zwar nicht an der entsprechenden technischen Fertigkeit, aber um so mehr an Gefühlswärme des Vortrages und dynamischer Schattierungskunst.— Ein vor allem der äußeren Aufmachung nach richtiges Festkonzert, das unter dem Motto„Durch Wehrhaftigkeit zum Frieden" zugunsten der Stärkung der Wehrhaftigkeit der tschechoswwattschen Bevölkerung stattfand, hatte die Exekutive ehemaligerSoldaten zur Veranstalterin. Dar hiebei künstlerisch Gebotene war durch gediegene Programmwahl nicht minder ausgezeiö^iet wie durch Gediegenheit der reproduk- tiven Leistungen. Aber auch hier war der Besuch auffallend schlecht.— Aus der großen Zahl der Soli- stenkonzertd heben wir«inen Liederäb end der Sopranistin Lunka Michelova im ablehnenden Sinne hervor. Die Rot im Konzertsaal rechtfertigt es keineswegs, daß Künstler, die nicht wirklich hervorragende Qualitäten besitzen, diese Not noch unnötigerweise vermehren. Lunka Michelovä besitzt dermalen nur die für den Gesangsberuf unerläßliche schöne und große Stimme; aber die Kultur dieser Stimme ist noch sehr verbesserungsfähig, der Vortrag entbehrt der gerade für den Liedgesang so notwendigen Einfühlungsgabe und sogar musikalisch-rhythmische Mängel haften der Sängerin noch an. Einzig ihr dem romantischen Lied gewidmetes sttleinheit- liches Programm war einwandfrei.-— Zwei ausgezeichnet« Cellisten spielten unmittelbar hintereinander: der Casals-Schüler Maurice Eisenberg, ein ebenso vornehmer wie ausdrucksreicher und technisch vollendeter Meister seines Instrumentes, und Slavko P o p o f f, ein vor allem durch Temperament ausgezeichneter bulgarischer Cellist.— Alexander Borovsky, der phänomenal« russisch« Meisterpianist und Bach-Spezialist, hatte bei feinem zweitenKlavierabend einen womöglich noch sensationelleren Erfolg als bei seinem ersten Konzert. Er spielte auch diesmal ausschließlich Bach; elf Präludien und Fugen aus dem „Wohltemperierten Klavier", eine Englische Suite und die gewalttge, von Liszt bearbeitete Phantasie und Fuge in G-moll. Bedenkt man allein die ungeheuer« Gedächtnisarbeit, die der Künstler in seinen beiden Bach-Abenden leistete, dann steht man dem Wunder seiner Kunst fassungslos gegenüber, einer Kunst, die aber auch an sich, im technischen, stilistischen und ausdrucksmäßigen, Sinne, von unerhörter Vollkommenheit und Einmaligkeit ist.— Gegenüber diesem Klavierphänomen mußten alle in seiner Nachbarschaft konzertierenden Pianisten mehr oder weniger abfallen. Also auch die englische Pianistin Myra Heß,«ine Künstlerin von solidem Können und bedeutender musikalischer Intelligenz, die man zum erstenmal in einem überwiegend englischen Programm hörte.— Solides Können besitzen auch die beiden tschechischen Künstler Anna Krkmäiovä(Klavier) und MilosSädlo (Cello), die sich zu einem schönen Kammermusikabend zusammengefunden hatten. Vor allem die Pianistin zeigt« in ihren Einzeworträgen delikat« AnsHlagskultur und flüssige Technik, während das Spiel des Cellisten vielfach unter tonlicher Unreinheit litt. Wer den Titel eines ,Meister"-Kon- zertes, den die Konzertdirettion diesem Kammermusikabend gegeben hatte, rechtferttgten seine künstlerischen Leistungen nicht. E. I. In der Galerie Dr. Feigl sind 50 Bilder der Malerin Sidonie Matouskovä-Kos- vancovä ausgestellt, die insofern eine Ueber- raschuna sind, als sich die Malerin von der reichlich fragwürdigen Aktmalerei, mit der sie noch vor einem Jahre im Salon Topik auftrat, abgewendet und zu ihrer ursprünglichen Art zurückgefunden hat. In den Bildern, die sie jetzt ausstellt, vereint sich autodidaktische Unbefangenheit mit untrüglich sicherem Gefühl für Bildgestaltung und farbige Wirkung. Mit Vorliebe malt sie figurenreiche Szenen, in denen vielerlei gleichzeitig vorgeht, belebte Parkpartten, Zi'kus- spiele, Jahrmarktstreiben, Szenerien im Zoo, sonntägliche Gartenwirtschaften, Kinderspielplätze. Ballgesellschaften, sommerliches Leben am Badestrand. Das alles erlebt sie mit naiver Freude des Schauens, und ohne ins Genrehafte, Anekdotische zu verfallen, stellt sie es dar, so wie ein Kind schildert, was es da alles zu sehen gab. Und gleichermaßen wie dem kleinen anonymen Leben wendet sich ihre Zuneigung den Tieren zu. Ihre naiv erschaute Welt erfüllt die Malerin mit eigentümlichem Charme, und mit sorg- loser Hand malt sie Bilder, dir gewisse Pariser Einflüsse vermuten lassen. Es wird interessant sein, die weitere Entwicklung der Künstlerin in der neu eingeschlagenen oder auch von ihren Anfängen her wieder ausgenommenen Richtung z„ beobachten. eh. Drei Akte mit Musik(von Schwiefert und Engelberger) werden hoffentliH die Kleine Bühne nicht lange hindern, zu ihrem Heuer doch sonst wesentlich Höheren Niveau zurückzufinden und den heldenhaften Bemühungen der Damen Te'rrel, Macheiner, Küter und der Herren Padlesak, Taub, Schmerzenreich und Götz(der Regisseur) ein rasches Ende zu bereiten. g., CasalS spielt nicht in Diktatur-Ländenr. Der Spanier Pablo Casals, der berühmteste Cellist unserer Zett, ist ein ebenso großer Mensch wie Künstler. Casals hat in den letzten Jahren alle Aufforderungen, in Italien und Japan aufzutreten, abgelehnt, er wünscht nicht in Ländern zu spielen, wo der Faschismus die Macht in Händen hat. Casals, dessen Wohnsitz Barcelona ist, steht vollständig auf der Sette der spanischen Regierung. Spielplan des Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8 Uhr; Frauen von New Nork, C 2.— Freitag halb 8: Madame Pompadour, D.— Samstag halb 8: Die Fledermaus. Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 3: Parkstraße 13, halt 8: Der König von Uvetot, B 2, Erstaufführung. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8 Uhr: George und Margaret.— Freitag 8 Uhr: Drei Akte mit Musik. Theatergemeinde des Kul- turverbandeS und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Reisebekanntschaft,.(Firma)— Sonntag 8 Uhr: Acht Ruder im Taft, 8 Uhr: Drei Akte mit Musik. Vorträge Demokratische und faschistische Erziehungsprinzipien. In einer Versammlung der„Union für Recht und Freiheit" sprach in fesselnder Weise über dieses Thema Ministerialrat a. D. Professor Kesten« berg. Er stellte einander gegenüber: die Förderung der freien Persönlichkeitsenffaltung als'Ziel jeder demokrattschen Erziehung und die Beugung des einzelnen unter ein Autorttätsprinzip als Grundsatz der faschistischen.Lucht". Alle große» deutschen Denker haben den Gedanken der menschlichen Freiheit, der Toleranz und der gleichen Teilnahme all dessen, was Menschenantlitz wägt, an der Entwicklung der Menschheitskultur gehuldigt. Die Faschisten dagegen vergotte» einen BolkSbegriff, der nicht einmal das Volk umfaßt, sondern lediglich die angeblich reinrassige Elite. Aus der Unfreiheit, unter der alle anderen im Faschismus leben, erwacht in ihnen die Sehnsucht nach jenem Selbstverantwortungsprinzip aller echten Freiheit, das die Voraussetzung wirklicher Persönlichkeitserziehung und fruchtbarer kultureller Weiterbildung der Menschhett ist. Klub„Die Tat". Heute 20 Uhr Vorttag Dottor Georg von Terramare„Probleme und Aufgaben der deutschen Theater in der Tschechoslowakei", Deutsches Haus, Bankettsaal. Anschließend Diskussion. Eintritt nur gegen Vorweisung der Einladung, die am Abend selbst nicht mehr behoben werden kann. Reklamation nur bis Mittag im Klubsekretariat, Prag I, Kri'zovnickä 3, Telephon 348—39. SpxMrt-Sftkt-JC&qiecpffege Die Prager Deutsche Eishockey-Gesellschaft hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ah, i» welcher der Vorsitzende Dr. Brandeis u. a. darauf verwies, daß die sportliche Tätigkeit im Berichtsjahre unter dem Vertust des Platzes auf der Lewa zu leiden hatte. Der Verein besitzt zwar einen eigenen schuldenfreien Platz in Branik, doch konnte dessen Ausbau infolge einer noch nicht durchgeführten Kanalisierung sowie wegen der Gemeinschaftsaktion für eine deutsche Sportanlage nicht in Angriff genommen werden. Aus den Berichten der einzelnen Funftionäre geht u- a. hervor, daß der Sportbetrieb zwar ein reger war, aber durch den Platzverlust sehr gehemmt und eingeengt war. Für 1938 wird als Provisorium eine Platzanlage zur Verfügung stehen. Ein Antrag sieht vor, daß, falls bis Ende Jänner 1938 in der Gemeinschaftsaktion für dir deutsche Sportanlage keine Lösung gefunden werde, sich eine außerordentliche Generalversammlung nist dieser Frage neu befassen solle. Als Obmann wurde Dr. Arnold Brandeis wiedergewählt. Bestohlener Schiedsrichter. In Prag wurde am vergangenen Sonntag auf einem Liebener Spottplatz während eines Meisterschaftsspieles das Fenster der Schiedsrichterkabine eingedrückt und ein unbekannter Täter stahl die darin befindlichen Kleider mit sämtlichem Zubehör des Pfeifenmannes. Der arme" Schiedsrichter mußte in Dreß den Heimwell anireten. Für eine Gebühr von 10 XL war diese Schiedsrichterei bestimmt zu teuer. In der Schach-Weltmeisterschaft führt derzeit Dr. A l j e ch i n mit 18:9 Punkten gegen Dr. Euwes Es sind noch acht von den 30 Partien zu spiele». Dr. Aljechin braucht nur noch zweieinhalb Punkte, um Dr. Euwe als Weltmeister zu entthronen. Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährlich XL 48—, halbjährig XL 96- ganzjährig X 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß- Rückstellung.on Manuflripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken— Die Zeinmgsfranka-ur wurde von d-r Post- und Tele- qraphendirektion mit Erlaß Rr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.(Äontrollpostamt Praha 25.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags« und Zeitungs-A.-G. Prag.