t I 1 D J 2 9 r e Sozialdemokrat Bentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub 17. Jahrgang Beginn des ,, Rutha"-Prozesses: Berantwortlicher Redakteur: Karl Rern, Prag Freitag, 3. Dezember 1937 Die Verteidiger Aus den Inhalt: Japan provoziert in Schanghai Attlee in Spanien Koalitionssturm gegen Hlinka- Mann Die ,, Zeit" gibt Namen Rutha- Angeklagter preis Nr. 284 Der Sprengkörper setzen geheime Verhandlung durch in der SdP Der Staatsanwalt gegen die SdP- Flüsterpropaganda = Böhmisch Leipa.( Eigenbericht.) Aus Verlangen der Verteidiger im Prozeß gegen Werner Weiß und Genossen beschloß das Gericht, die Deffentlichkeit von der Verhandlung für die ganze Dauer des Beweisverfahrens auszuschließen. Deffentlich wird erst wieder die Urteilsverkündung sein. Der Staatsanwalt, der die öffentliche Verhandlung verlangt und begründet hatte, behielt fich daraufhin die Nichtigkeitsbeschwerde vor. Den Ausschlußantrag stellte Dr. Kriegelstein( Böhmisch- Leipa), welcher Dr. Walter Rohn vertritt, die nach Ruthas Tod bemerkenswerteste Figur dieser üblen Affäre. Dr. Rohn, den man § 129 I b des Strafgesebes beinhaltet, daß als Verbrechen die Unzucht wider die Natur mi: Personen desselben Beschlechtes bestraft wird. A sid Die letzten Ereignisse innerhalb der Sudes tendeutschen Partei haben die Erscheinung aufs gedeckt, daß die Arbeiterfrage innerhalb der Boltsgemeinschaft zur Sprengpatrone des Parteikolosses wird. Man muß nur abwarten, bis die Zündschnur abbrennt und das Feuer die Patrone erreicht. als den Thronfolger Henleins in der Sdp" bezeichnet hat, ist bekanntlich der Hauptschriftleiter scheidet die Bezeichnung der Handlung im Strafs werden und so wie es Standesvertreter" für " ber repräsentativen SdB- Zeitschrift„ Bolt in Führung". In der Argumentation der Verteidiger spielte neben dem Hinweis auf die Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit und die Schädigung der Angeklagten durch eine öffentliche Verhandlung bie Behauptung eine hervorragende Rolle, daß es sich nur um Dummejungenstreiche, um Kindereien, nicht um Päderastie, sondern um mutuelle Onanie gehandelt habe. Der Staatsanwalt wandte sich gegen den Antrag der Berteidiger zuerst mit juristischen Argumenten und erklärte dann: Die Sache an sich hat nichts mit Politik zu tun. Einige Nachrichten gingen aber so weit, daß sie andeuteten, daß es um eine künstlich konstruierte Anklage gehe. Diese Nachrichter wurden auch durch die Flüster propaganda verbreitet. An dem Ausschluß der Oeffentlichkeit kann nur ein subjektives, egoistisches Intereffe einiger Perfonen vorliegen. Hingegen liegt es im öffentlichen Intereffe, daß die breite Deffentlichkeit durch Tatsachen überzeugt werde, daß von allen Behörden ordentlich vorgegangen wurde, daß es um keine Konstruktionen geht und daß die Anklage ordentlich beleg ist." § 3 des Gesetzes 48/1931 besagt, daß eine im Das Wesen der SdP ist, wie bei jeder iugendlichen Alter begangene Handlung Verfaschistischen Bewegung, die Totalität, d. h. Das fehlung genannt wird. Hängt die gerichtliche Streben das ganze Volk der Partei hörig zu Zuständigkeit oder die Anwendung sonstiger gefeß machen und jede politische Urteilsbildung außers licher Bestimmungen von der Unterscheidung in Ver- halb des faschistischen Generalstabes abzuwürgen. brechen, Vergehen und Uebertretungen ab, so ent- Deshalb sollte auch die Arbeiterschaft erobert gesetz. Nach§ 2 des Gesetzes find Jugendliche, soweit das Gesetz über die Jugendstrafgerichtsbarkeit handel und Gewerbe, für den Bauernstand, die teine Abweichungen festsetzt, nach den Strafgesetzen freien Berufe, die Industrie gibt, so schuf man strafbar. auch einen solchen für den Arbeiterstand" das Wort Arbeiter t I asse ist als marxistisch verpönt. Zum Standesvertreter der Arbeiter bes stimmte der Stammesführer Herrn Rudolf Kasper, ehemaligen nationalsozialistischen Abge= ordneten, der im Organisieren von völfischen Arbeitern schon Erfahrung hatte, während Kons rad Henlein die sozialen Probleme der Arbeiterschaft bis heute ein Buch mit sieben Siegeln sind etwa von der Arbeitslosenversicherung mehr ber und niemand behaupten wird, daß Herr Henlein. stehen wird als von der Riesenwelle. § 25/5 enthält Vorschriften für den Fall, daß eine strafbare Handlung im jugendlichen Alter be gonnen und später fortgesetzt wurde. Die Strafen Die Klage beantragt die Bestrafung nach § 130 des Strafgesetzes, und soweit es sich um Die Jugendlichen handelt, nach den§§ 8 bzw. 9 des Gesezes 48/1931. § 130 Str.-G. febt eine Strafe von einem bis zu fünf Jahren schweren Kerters feft. § 8 des Gef. 48/81 besagt grundsäblich, daß statt der durch die Strafgesete festgesetzten Frei Die Eroberung der Arbeiterschaft ist aber der Sdß nicht geglückt. Die Wahlen in die Be Der Ausschluß der Deffentlichkeit hat zur Folge, daß außer den vom Gefek genannten Berfonen nur je brei Bertrauenspersonen eines jeden Angeklagten anwesend sein werden. Diese heitsstrafen über einen Jugendlichen die Strafe triebsausschüsse, die in letzter Zeit durchgeführt 36 Berfonen sehen sich aus Angehörigen der Angeklagten, Parteifreunden, darunter dem Abg. Anechel und einer Redakteurin der Stříbrný- Blätter(!) zusammen! Dem Straffenat G.-R. Dr. Janoušek vor, und der Berschließung ohne irgendeine Verschär. wurden, zeigen das deutlich. Abgesehen von ein fung zu berhängen ist, wobei die durch die Strafzelnen Fällen beherrschen die freien Gewerkschaf gefeße beſtimmten oberen und unteren Grenzen des ten nach wie vor das Feld, die Mehrheit der Straffage au Die Sälfte berabgefett werden. Das bedeutet in diesem Falle eine Strafe § 9 des Ges. 48/31 enthält finngemäße Vorschriften über die Anwendung von Geldstrafen für Jugendliche. als Beifiker fungieren G.-R. Wagner G.-R. Dr. Hubáček. Die Anklage vertritt Prokurator lich Genannten handelt. Bei den im Augenblick zwischen sechs Monaten und zweieinhalb Jahren ihr Votum nicht für, sondern gegen die der SdP Dr. Roter. Die Anklage ſtützt sich auf den§ 129 I b bes Strafgesetes, foweit es sich um die oben nament der Verfehlung noch jugendlichen Personen stützt sich die Anklage auf die§§ 3 bzw. 25/5 des Gefehes 48/1931 über die Jugendstrafgerichtsbarkeit. Wie es zur Untersuchung Ueber die Umstände, die zur Einleitung des der für eine halbe Stunde unterbrochen, da sich der Die Verhandlung wurde, kaum begonnen, ivieSaal ais zu flein erwies und eine lebersiedlung in den Schwurgerichtssaal vorgenommen werden mußte. Auf Antrag der Verteidiger wurde als beeideter geacu Rutha führten, sagt die während der Angelobung unpäßlich wurde, fam bon Anklage: Wilhelm Burm, der wegen Straftaten gegen der Verteidigerbank ein Antrag auf Vertagung, der das Gesetz zum Schuße der Republik verfolgt und der arbeitsfähig erklärte. Unmittelbar darauf brachte homosexuellen Beziehungen verdächtigt wurde, hat den erſten Antrag der Deffentlichkeit, der jedoch vom Vorsitzenden zu Turnvereins" im Jahre 1935 in Reichenberg oder lien wurde über den neuerlich eingebrachten Antrag rückgestellt wurde. Erst nach Verlesung der Genera Gablonz einige Teilnehmer sich äußerten, berhandelt. hatte, wurde die Anklageschrift verlesen, in welcher Nachdem das Gericht den Beschluß verkündet es u. a. heißt: Die Angeklagten Staatsanwaltschaft in Böhn..- Leipa daß der Führer des Gaues Heinrich Rutha homofeguell veranlagt. daß er ein warmer Bru ber" sei. Durch die gepflogenen Erhebungen wurde feft= gestellt, daß zwischen Rudlof Hein, Beamten des Bundes der Deutschen, und Heinrich Rutha ein gespanntes Verhältnis besteht und daß Hein sich behat mühte, nähere Informationen über die homoferuelDie die Anklage gegen zwölf Personen erhoben, von Ten Beziehungen Heinrich Ruthas zu erhalten. welchen sechs zur Zeit, als fie die strafbaren Handlungen begingen, noch Jugendliche im Sinne des Gesetzes waren, also das achtzehnte Lebensjahr noch nicht überschritten hatten. Solche Personen dürfen in der Presse nicht genannt werden. Die andern sechs Angeklagten find: 1917 in Reihenberg, dorthin zuständig, römischWerner Weiß, geboren am 23. März fatholisch, ledig, Bankbeamter, wohnhaft in Frandendorf bei Reichenberg. Adolf Wagner, geboren am 18. Auguft gegen Rutha kam industriellen Arbeiter gibt bei Betriebswahlen nahestehenden Gewerkschaften ab. Im heurigen Jahre haben die freien Gewerkschaften ihre Positionen gegenüber dem Vorjahre nicht nur be= hauptet, sondern vielfach gestärkt, d. h. also jene ehemals arbeitslosen Menschen, die ideologisch unter dem Einfluß der SdP gestanden und nun Arbeit bekommen haben, wählen zum großen Teil die Vertrauenspersonen der freien Gewerk schaften. Aber selbst innerhalb der sogenannten böls Rudolf Hain gab an, daß er mit Rutha als dem Führer der Ortsgruppe Reichenberg des Wandervogels" bekannt geworden sei. Im Jahre 1933 trat er mit seiner Gruppe dem Turnverbande bei, wo er Bezirksführer der Turnerjugend wurde. Bald aber kam Hain in Widerspruch mit den An- fischen Gewerkschaftsbewegung hat Konrad Henschauungen Ruthas über die Erziehung der Jugend. Tein die Totalität nicht verwirklicht. Es gibt da Hain erfuhr über die homosexuellen Beziehungen zwei Gewerkschaftszentralen, nämlich die größere des Rutha, dessen Vorliebe für blonde Knaben Deutsche Arbeiter- Gewerkschaft in Gablonz und ihm schon vorher aufgefallen war. Hain erfuhr die Deutsche Arbeitnehmer- Gewerkschaft in Tets in Ofchik, daß( ein bei Rutha als Lehrling Be- schen, die nach ihren eigenen Angaben 55.000 schäftigter) im Verdacht steht, daß er mit Rutha Mitglieder haben. Dazu tritt noch der keiner homosexuellen Verkehr hatte. Hain begab fich Bentrale angeschlossene Deutsche Handlungs mit diesem Lehrling zu Dr. Ernst Berndt, Advofat in Reichenberg, bei dem am 10. Oktober 1935 gehilfen- Verband mit dem Size in Aussig, der ... ein Protokoll aufgenommen wurde. In diefem mit allen seinen Nebenorganisationen höchstens 40.000 Mitglieder hat wir führen durchwegs ( Fortfehung auf Seite 2) Ziffern an, die aus dem gegnerischen Lager stammen und von denen wir nicht wissen, ob sie den Tatsachen entsprechen. Die ganze völkische Ges werkschaftsbewegung zählt also hoch gerechnet an 100.000 Mitglieder, während der Deutsche Ge werkschaftsbund in Reichenberg allein eine Armee bon 218.000 Freigewerkschaftern in seinen deutscher Freigewerkschafter fommen, die in Vers bereinigung organisiert sind. Daraus geht also mit aller Deutlichkeit hervor, daß es mit der Eroberung der Arbeiterschaft durch Konrad Hender Hauptursachen der scharfen Gegensäße innerhalb der SdP und der Hauptgrund des Bruches zwischen Kasper und Henlein. Polen fordert Kolonien Frankreichs Außenminister als ,, Botschafter der Sicherheit" unterwegs var i s. Der französische Außenminister Yvon Delbos hat Donnerstag abends seine Rundreise nach Warschau, Bukarest, Belgrad und Prag ange1913 in Reichenberg, dorthin zuständig, Tertiltech treten. Die Reise wird siebzehn Tage dauern. Frankreich hat von Anbeginn nifer, wohnhaft Johannesthal bei Reichenberg. Dr. Walter Rohn, geboren am 12. NoSteiben vereinigt, wozu noch einige Zehntausende bänden der Tschechoslowakischen Gewerkschaftsbember 1911 in Reichenberg, dorthin zuständig, treu bleiben werde. In London wurde die Harmonie der französisch- britischen Tein noch Essig ist und dieser Mißerfolg ist eine lebig, wohnhaft in Reichenberg. tember 1914 in Freudenthal, dorthin zuständig, Wolfgang einz, geboren am 30. SepRechtshörer in Prag. in Gotschdorf, zuständig nach Freudenthal, ledig. Rechtshörer, wohnhaft in Prag. Heinrich Herrmann, geboren am an klar erklärt, daß es seinen Verbündeten und Freunden unerschütterlich Anschauungen ebenfalls bestätigt, so daß der französische Außenminister seine Reise mit erhöhtem Prestige und in bedeutendem Maße auch als Sprecher Englandsantritt, um zu verkünden, daß die beiden West. mächte einen gewaltsamen Angriff gegen die Stabilität der mitteleuropä ischen Staaten nicht zulassen. Im Namen Frankreichs wird er dann von neuem dessen Bundes- und Vertragstreue bestätigen. In diesem Sinne er. Herr Henlein oder vielmehr diejeniger, deren Marionette der Ascher Turnlehrer ist, wissen, daß man die völkischen Gewerkschaften nicht etwa als würden den Brates. zu bald riechen, den man 14. Dezember 1918 in Treisendorf in Oesterreich, klärt auch die Pariser Presse in umfangreichen Kommentaren von der Line Ortsgruppen dem Deutschen Hauptverband der zuständig nach Tepliß- Schönau, ledig, Handelsverken bis zur Rechten die Reise Delbos. treter, wohnhaft in Neudet. Die polnische Forderung London.( Eigen bericht.) Nach den hier vorliegenden Berichten dürfte Delbos in Warschau eine Ueberraschung erleben. Die polni In der Anklageschrift werden weitere brei Berfonen genannt, die heute noch nicht älter find als achtzehn Jahre. Die Anklage wertet wurden und da das übrigens stark über- ihnen vorseßt. Kasper wieder will bei Gott nicht offerte Bolen einen Teil des früheren deutschen den Klaffenkampf anblasen und den Profit der Territoriums erhalten hat, erhebe es Anspruch deutschen Industriellen antasten, die durch Vers das ist derselbe auf einen entsprechenden Anteil an den ehemals mittlung des Herrn Doderer deutschen Kolonien, falls diese tatsächlich zurück- Mann, der Rothau- Neudek ruiniert hat Geld legt den namentlich genannten Personen das Vers sche Regierung scheint entschlossen zu sein, die gegeben werden sollten. Die polnische Forderung in den Wahlfonds der Sdß haben fließen lassen. brechen, den sechs andern die Verfehl und Einschaltung Polens in alle Unterhandlungen wird die Diskussion über die deutschen Kolonial- Henlein und Kasper unterscheiden sich nur durch der Unzucht wider die Natur, begangen mit Perfonen desselben Geschlechtes bei verschiedenen Ge- über die Kolonialansprüche Deutschlands zu for- ansprüche nicht gerade erleichtern und ist auch ihre Methode, die Arbeiter in die Falle einer legenheiten im Zeitraum zwischen 1932 und 1937 bern. Sie erklärt, daß die deutschen Kolonien zum| nicht geeignet; das Verhältnis zwischen Polen Volksgemeinschaft zu locken, in der die Liebieg Bur Last. Teil mit pol nisch en Arbeitskräften ausge- und Deutschland zu verbessern. und Schicht, die Mühlig und Kunert den Ton\ Seite 2 Freitag, 3. Dezember 1937 Nr. 284 * auf angeben würden. Henlein will eine Dachgesell- die Arme Konrad Henleins geflogen ist, daß aber und gestanden, mit Rutha und Walter Rohn könne, daß die herzliche Freundschaft, die ihn mit den schaft der völkischen Gewerkschaften schaffen, in die sudetendeutschen Arbeiter am stärksten der ebenfalls solchen Verkehr gehabt zu haben, und zwar Genannten verband, sich so äußerte, wie die beiden welchem er, bziv. der Kameradschaftsbund, tom- Massenpsychose der Sop Widerstand geleistet über Anlaß Ruthas bzw. Rohns. angaben. Rohn fügte hinzu, er habe nicht das Ge mandieren, während sich die größere der beiden haben. Die jahrzehntelange sozialistische Er- Wagner schon seit feiner Schulzeit fenne... Rohn Dr. Walter Rohn... gab an, daß er Weiß und fühl gehabt, daß es sich um etwas unfittliches handle. Bentralen, nämlich die DAG in Gablonz, unter ziehung der sudetendeutschen Arbeiter hat sich als hatte beide sehr gern, so daß sie sich gegenseitig tüß- und im September dieses Jahres Franzte hat zugegeben, daß er im August dieses Kommando nicht begeben will. Der Vor- ein wirksames Serum gegen die Epidemie er- ten. Rohn behauptete ursprünglich, daß er sich an einer Reise nach Desterreich und Italien und später sikende dieser Organisation Josef Bude hat auf wiesen, deren Bazillen vom Kameradschaftsbund die von Weiß und Wagner angegebenen Vorkomm- in Bad Runnersdorf dem Wunsche Ruthas enffprad einer Gautagung in Reichenberg am 21. Novem- herrühren. Die sudetendeutschen Arbeiter, selbst nisse nicht erinnern könne. Bei seiner weiteren Ver- Er habe dies alles als Ausdruck der Freundschaft ber erklärt, daß die DAG eine unpolitische Ge- diejenigen, welche in den völkischen Gewerkschaf- nehmung erklärte er aber, daß er nicht bestreiten angesehen. Kritik Meissners an den Steuervorlagen werkschaft sei und die Zusammenarbeit in einer ten stecken, haben sich einen Rest des KlassenSpißenorganisation ablehne. Ja, er ging so weit bewußtseins bewahrt, der sich in einem Mißzu sagen, daß die DAG bei Betriebsausschuß- trauen gegenüber einer Bewegung äußert, die wahlen jede Gemeinschaftsliste oder auch nur unter dem Deckmantel der Volksgemeinschaft die Soppelung mit anderen völlischen Gewerkschaften Großkapitalisten verbirgt, welche die ganze SdP und an der Finanzverwaltung ablehne. Herr Bude spricht offener als der am Bandel führen. Die sozialen Gegensäße sind schweigsamere Herr Kasper. Beide wollen nicht, nicht von Karl Mary erfunden worden, wie ein Während im Budgetausschuß die Bedeckungsdaß die DAG unter den Einfluß des Kamerad-| paar unwissende Menschen glauben, der Klassen vorlagen zum Staatsvoranschlag in der Regieschaftsbundes, den sie wütend bekämpfen, gerate gegensatz ist eine wirkende Kraft in der Geschichte, rungsfassung Gegenstand der Beratungen sind, und wollen auch das Schicksal der DAG mit die man mit Gewalt den Augen der Mitmenschen laufen parallel damit Verhandlungen innerhalb jenem der Partei Henleins nicht verknüpfen, um verbergen kann, den aber auszurotten weder dem der Koalition über eventuelle Abänderungen, die nicht eines schönen Tages in die Katastrophe der Rezinusöl des Südens noch den Konzentrations- jedoch noch nicht spruchreif sind. SdP hineingerissen zu werden. Tagern des Nordens gelingen wird aber noch Mit Genugtuung kann man also feststellen, viel weniger den Phrasen und turnerischen eine Rede des früheren Ministers Dr. Meiß Im Budgetausschuß erregte am Donnerstag daß zwar das Kleinbürgertum besinnungslos in Kunststücken des Messias aus Asch. ner( Soz.- Dem.) Aufsehen, die zum Teil ziem lich scharf gegen die zu geringe Heranziehung der Bauern zu den neuen Lasten, zum Teil gegen das Finanzministerium selbst gerichtet war, das Wünschen von gewisser Seite zu wenig Widerstand entgegensebe. Die Anklage im ,, Rutha"-Prozeß ( Fortsetzung von Seite 1.) Brotokoll gab der Lehrling an, daß ihn Rutha zu Weihnachten 1932 zu homosexuellem Berkehr berleitete und daß sich dieser Berkehr zwischen ihnen bis zum Sommer 1933 wiederholt habe. Rutha benahm sich..... sehr freundschaftlich und schenkte ihm Geld und Kleider. Als( der Lehrling) sich dann aber wehrte, dem Rutha zu Willen zu fein, trotzdem Rutha wiederholt zu seinem Bimmer kam und an die Tür Klopfte, da begann Rutha ihn schlecht zu behandeln. ( Der Lehrling) hat weiters im Brotokoll angeführt, daß einmal Adolf Wagner in seinem Zimmer schlief, daß Nutha in der Nacht in sein Zimmer tam und daß er sich zu Wagner ins Bett legte. Schließlich hat( der Lehrling) erklärt, daß er seine Angaben als Zeuge bestätigen und beschwören tönne. Dieses Protokoll wurde von Dr. Berndt eigenhändig geschrieben, von( dem Lehrling) unterschrieben und bei Dr. Berndt aufbewahrt. Es wurde weiter festgestellt, daß( der Lehrling) zur selben Zeit auch andern Personen anvertraute, daß er mit Rutha homosexuellen Verkehr hatte, nämlich dem Tierarzt Dr. Rudolf Wolff, den er aus dem Turnvereine kannte, dem Hans Heinl, bei dem er sich zwei Jahre verpflegte und schließlich dem Dr. Arthur König aus Reichenberg. Dr. Rudolf Wolff ersuchte den( Lehrling), ihm feine Angaben schriftlich zu bestätigen, was( diefer) auch tat. Diese Erklärung vom 29. September 1935 wurde bei Dr. Wolff verwahrt. Die Anklage stützt sich auf Geständnisse, nur Rutha hat nicht gestanden In der Begründung der Anklage werden die Beziehungen der einzelnen Angeklagten zu einander geschildert und ihre Aussagen in der Vorunterfuchung wiedergegeben. Dann heißt es: Wie schon bei den einzelnen Beschuldigten angeführt wurde, stützt sich der Verdacht gegen alle Beschuldigten im wesentlichen auf ihr Geständnis, bas mit den übrigen Ergebnissen de Strafver fahrens im Einklang steht.... Nur was das Geständnis des Werner Weiß, Adolf Wagner und Kurt Franzte bezüglich des homosexuellen Verkehrs amit dem verstorbenen Heinrich Rutha betrifft, steht diefes Geständnis im Widerspruch mit den Angaben bes Heinrich Rutha. Dieser hat angegeben, daß er die... Burschen in der Jugendbewegung fennen lernte, und daß diese ihn in Bad Runnersdorf besuchten, Rutha ist aber ständig dabei geblieben, daß er weder mit die sen Burschen, noch mit andern Personen homoferuellen Verkehr hatte und daß er überhaupt nicht homosexuell veranlagt sei. Dabei ist Rutha auch bei der Konfrontation mit Werner Weiß, Adolf Wagner und Kurt Franzle geblieben. Trotzdem, als in dieser Richtung das Geständnis der genannten Beschuldigten im Widerspruch steht mit den Angaben des Heinrich Rutha, ist damit die Glaub würdigkeit ihres Geständnisses nicht erschüttert. Es wurden nämlich im Laufe des Strafverfahrens 28 DER KLEINE VON EUGENE DABIT Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Jeanne, Ginette, Blanche, Gaby, Yvonne, Carmen, Odette, Marcelle, Flora, Lily, Irène, Louisa: eine nach der anderen tritt, ihren Gimpel wie eine Beute fest in der Hand, an der Staffa an. Sie bestellen bei mir ein Bier, trinken es in einem Zuge aus, und auf ihren Lippen, in ihren Augen glänzt die Freude am Genuß. Eine, Lily, hat mir. gedankt. Nun, Kleiner, schon eingearbeitet?" hat sie mich gefragt, ist aber, ohne auf Antwort zu warten, weitergegangen. Vielleicht hat ihr Tavernier von mir erzählt. Mitternacht. Herr Gaston befiehlt Schluß. " Noch einen Becher", sagt der oder jener. Einige schlafen, die Arme auf dem Tisch. Andere streiten sich. Herr Gaston droht ihnen, daß er die Wache rufen werde. Ich bin Tavernier beim Reinmachen behilflich. Der Raum gleicht einem Schlachtfeld. Alebrige Gläser, Bfüßen auf Tischen und Fußboden, daneben Papierfeßen, Auswurf und Kautabat. Es riecht nach Menschen, nach Puder und Alkohol. Umstände festgestellt, die mit Bestimmtheit darauf schließen laſſen, daß Heinrich Rutha auch mit andern Personen homosexuellen Verkehr hatte. Die Anklageschrift führt zum Schluß einige dieser Umstände an, die zum Teil bereits bekannt ist und beruft sich n. a. auf einen eigenhändigen Brief Ruthas vom 22. Oktober 1928, aus dem Ruthas homosexuelle Veranlagung klar hervorgehe. Dies ergebe sich schließlich auch aus seinem Tagebuche. Geständnisse Dr. Meißner bemerkte, daß wie im Vorjahr bei der Reform der direkten Steuern Το am misl tergehen, und wir müssen deshalb den Weg der Ein ivarunaen betreten. Wir dürfen in Hinkunft keine Eingriffe parteipolitischen Zwecken zulassen. Wer auf das Prä in die Staatstaffe zu einseitigen oder dikat staatsmännisch" Anspruch erhebt, muß ents schiedene Widerstandskraft gegen alle einseitigen For derungen an den Tag legen. Diese Widerstandskraft muß aber vor allem das Finanzministerium aufbringen. Ueber Antrag des Vorsitzenden wurde fodann ein Subkomitee gewählt, in das jeder im Ausschuß vertretene Klub je ein Mitglied entsendet; außer dem gehören ihm drei Referenten und der Vors fizende des Budgetausschusses an. Im„ Právo Lidu" befaßt sich Miloš Va něk mit der noch immer ungelösten Frage der Spritusbewirtschaftung. Er schreibt: auch diesmal es den Koalitionsmitgliedern des Aus Streit im Spirituskartell schusses gelungen sei, in vielen Dingen die Härten, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten der Bedeckungsvorlagen zu mildern. Auch in der Form, wie sie dem Ausschuß vorgelegt wurden, fönnen sie freilich nicht voll zufriedenstellen. Wenn seine Partei trob dem damit übereinstimmt, so vor allem mit Rück ficht auf das Staatsinteresse. Die mit der Staatsverteidigung verbundenen Ausgaben müssen gedeckt werden. Der ungefeßliche Zustand, in welchem fich die Spiritusbewirtschaftung seit dem 1. Septem bar 1936 befindet, dauert nun schon ein Jahr und drei Monate. Als wir auf eine neue Regelung Ein Fehler der Vorlagen liegt vor allem trängten, haben wir u. a. darauf aufmerksam darin, daß fie teinen Leitgedanten und gemacht, daß die Ungeregeltheit der Verhältnisse teine Systematik zeigen; auch die Einfachheit in der Spirituswirtschaft sehr unangenehme bermißt man. Richtig wäre es, wenn die Vorlagen Rechtsfolgen haben könnte. Die Spiritusorganis in das bestehende eingelebte Steuersystem einge- fationen haben in den letzten 14 Monaten zwar schaltet würden; dann wären nicht gewiffe in einem gefeßlosen Zustand gewirtschaftet, aber direkte Steuern ausgelaisen und andere betroffen. Außerdem wird durch die vor- sie verblieben im Rahmen der früheren rechtlichen geschlagene Regelung die Steueradministrative mit und vertraglichen Grundlagen. Seit der Zeit jes Mehrarbeit belastet. doch, seitdem der Finanzminifter von den Spiri alles getan wurde. rdlik, der die großen Steuerleistungen der Land- das Pauschal von der Umsatzsteuer erhöht werden In einer Polemik gegen den Agrarier Dr. tusleuten 30 Millionen Kč fordert, um welches wirtschaft unterstrichen hatte, rechnet Dr. Meißner soll, zerfallen die einzelnen Settoren der Spiris aus, daß die Arbeiter und kleinen Beamten, die der tusorganisationen in Interessengruppen, welche Abzugftener unterliegen, a weimal fobiel sich gegenseitig heftig bekämpfen. Es vermehren we h rbeitrag zahlen werden als und verschärfen sich auch die persönlichen Gegens der ganze Bauern stand. Die Auftei- fäße innerhalb der Spirituswirtschaft. Die lands lung der neuen Lasten soll gerecht nach der Tragfähigfeit erfolgen, und es ist fraglich, ob in dieser Hinsicht wirtſchaftlichen Brennereien sind mit der Fordes rung hervorgetreten, nichts zu den 30 Millionen Um Steuerdefraudationen hintanzuhalten, ist das Kč beitragen zu müssen, welche das Finanzminis Ministerium sonst immer bemüht, jedes Einkommen an sterium fordert. Sie wollen die ganze Last dieser der Quelle zu erfassen; es ist daher unbegreiflich höheren Besteuerung auf die industriellen Brens warum es sich bei der Besteuerung des Einkommens nereien überwälzen, damit sie selbst der' flict aus Kapitalien so dagegen wehrt. Meißner hält es auch für unmöglich, die neuen dem Finanzministr einen Beitrag zu leiſten für ledig werden auch aus dem agrarischen Spiritus Steuern fünf Jahre in Geltung zu laffen; man die Verteidigung des Staates, in einer Zeit, ba könne höchstens auf zwei Jahre die zu alle Staatsbürger ihren Teil opfern. Der Blid ftimmung geben, damit fie dann auf Grund der gemachten Erfahrungen rechtzeitig berichtigt werden auf diese Unersättlichkeit ist quälend und bes fönnen. schämend. Werner Weiß hat gestanden, daß er vor sieben Jahren mit Heinrich R u f'ha bekannt wurde, den er dann seit 1933 in Bad Run nersdorf öfters besuchte, bis es zu den jezt von der Anklage angeführten Handlungen fam. Weiß gab an, daß den Anlaß dazu immer Rutha gegeben habe. Mit Rohn kam es nach dem GeDie Kartellabgabe ist ein Bestandteil des ganzen ständnis des Weiß zum erstenmal im Jahre 1932 Bedeckungsprogrammes und wirtschaftlich gerecht. Die auf einer Reise nach Italien und Jugoslawien in ganzen Vorlagen wären nicht nötig, wenn die der Nähe des Ortes Gruss bei Ragusa zu solchen Finanzadministrative auf der erforderlichen Höhe Sandlungen, die sich dann bis zum Jahre 1934 es nicht sein sollte, ungewöhnlich streng ist, und auf wäre. Ihr Fehler liegt darin, daß sie dort, wo sie der anderen Seite dort allzu entgegenkommend ist, wo Entgegenkommen nicht am Blab ist. Auf dem eingeschlagenen Wege können wir schon nicht mehr wei- Republik. einigemal wiederholten. Adolf Wagner hat die Beziehungen zu Werner Weiß, wie sie dieser schilderie, zugegeben Tavernier und sein Onkel schütteln mir die Hand, die Mädchen sagen: ' n Abend, Kleiner. 12 Wir setzen uns. Dreizehn Damen, drei Männer. Herr Gaston ist der einzige Gebieter dieses Harems. Er schneidet das Fleisch, teilt tung. Er trifft Anordnungen für den Abend wie das Gemüse aus, gießt ein, führt die Unterhalein Feldherr für die Schlacht. Beim Dessert sind alle wieder frei. Die Mädchen plaudern von ihren Geliebten, ihren Kleidern, ihren Plänen und auch von ihren Abneigungen. " Senegalesen nehme ich nicht mehr an", erklärt Marcelle. " Was aus den Kolonien kommt, ob schwarz oder weiß, ist Bruch", bestätigt Ginette. 62 " Am schlimmsten sind die, die direkt von der Front tommen", seufzt Carmen. Jeanne, die häßlichste und älteste von allen, zuckt die Achseln. ,, Arme Teufel. Mir ist jeder lieb." Herr Gaston höhnt:" Wenn ihr nicht arbeiten wollt, könnt ihr ja Biegelsteine fressen." Er steht auf. ,, Meine Damen, es find Gäste da." Ehe die Mädchen in den Salon gehen, pudern und schminken sie sich, zupfen an ihrem Haar, streichen ihre Kleider glatt. Plöglich erscheint Herr Gaston auf der Schwelle. alle in den Salon, vorwärts!" Wo bleibt ihr denn, zum Donnertvetter? Die Wirtin sezt sich an die Nassa. Sie Bist du zufrieden?" fragt mich Tavernier. schlägt das Buch auf, in dem sie, mit Hilfe eines " Ja, aber ich bin noch nicht daran getvöhnt. Gummistempels, die Zimmerbesuche registriert. Mir ist ganz schwindlig." Dezember den Rektor der Deutschen Technik in Der Präsident der Republik empfing am 2. Brünn, Professor Dr. H. Mohr. Ferner den Schä Isty, dann den Vertreter des Verbandes Großmeister des Deutschen Ordens Robert der Tierschußvereine in der Tschechoslowakischen " Acht Uhr. Jetzt ist keine Minute Ruhe. Die Herr Gaston fultiviert diese Kundschaft. Soldaten, die nicht nach oben gehen, trinten. Er führt mit ihr eine sozusagen gehobene Kons Sie sind glücklich. Jedenfalls fühlen sie sich woh- versation. ler als im Café. Hier sind sie unter ihres- Pétain soll eine besondere Sache in petto gleichen, können bergessen, sich frei bewegen. haben", eröffnet er den Aufhorchenden, das eine Ein paar Mädchen kreischen auf. Eine Auge zuklappend. Ich weiß es von einem Feld, mit ihren Fäusten und rollen zu guter Leht unter Bant stürzt um. 3wei Männer bearbeiten sich webel, der mit einer unserer Damen verkehrt den Tisch. „ Chef!" heult Jeanne auf. Wüteriche draußen. Er tommt. Er facelt nicht. Schon sind die ,, Sie schlügen mir sonst die Bude kaputt", fagt er, als das Wert vollbracht ist. Und mit erhobenem Arm, gleichsam an alle: " Wo wollt ihr hingehen, ihr Scheißbande, wenn sie mir den Buff zumachen?" Ein Soldat steigt auf eine Bank. " Ich will euch eins zum besten geben." Die Kameraden begleiten ihn halblaut. Den Refrain singt der ganze Chor: „ Kopf hoch, Jungens, und nicht verzagt! Buabe sein heißt tapfer sein. Kalt ist's verdammt, doch nicht geklagt! Auch dem Boche geht die Kälte durch Mark und Bein..." Sie fummen eine andere Melodie, dann noch eine, wohlbekannte: ,, It' s a long way To Tipperary, It's a long way To go." Man ruft mich in den kleinen Salon. hat." Man macht in Strategie und Politik. " Wann haben wir Frieden?" Aber seltsamerweise stimmen alle überein, daß das noch lange dauern kann. " Inzwischen wollen wir mal wieder luftig fein", schreit ein Flieger. Das ist das Signal, auf das Herr Gaston getvartet hat. „ Carmen, Blanche, Lily... hierher!" Die Schönheiten des Hauses. Sie kommen, ein Lied trällernd, und sehen sich den Ehrens gästen auf den Schoß. HARNESSES Ti 20 20 he it re de 2007 ta itc V 281 ble jai mi Ivi hal itri iva Die itet ign itre ihn tun „ Gebt mal Champagner aus, Lieblinge. Ich bringe eine Flasche Mousseur, laffe de Pfropfen knallen, fülle die Schalen. Lily ergreift das erste Glas. " Auf Ihr Wohl." Wenn sie lacht, funkeln ihre Zähne, ihre hel len Augen, strahlt ihr ganzes Gesicht. Ich bin ganz weg. Sie trägt sich wie ein halb wüchsiges Mädchen. Man sieht sie nur im furzen Faltenröckchen, rot oder blau, in tief ausgeschnita tener Matrosenbluse und mit offenem, in den Rüt ten fallenden Haar mit einer Bandschleife. Sie hat eine Art, sich zu geben, so nett, einfach, fed und freimütig, daß ich sie immerzu ansehen fönnte Ein gemütlicher Raum, ausgestattet mit Man würde nicht erstaunt sein, wenn sie noch mit nen die ten der Ma Dai ber Stre abe fein Abg ein Cze geg Tavernier zieht die Jacke aus, reibt sich die einem blinden Louis XV.- Spiegel, von dessen dem Springseil spielte oder auf einer Wiese tanzte. Die Mädchen streifen uns im Hinausgehen. Hände und beginnt, setnes Amtes an der Biers Rahmen die Vergoldung abblättert, mit Bunts Sie seßt sich einem Gast auf den Schoß, als wäre „ Wir gehen schlafen. Gute Nacht." Die letzte füßt Tavernier auf den Mund. „ Ich erwarte dich, Charlot." Um sechs bin ich wieder da. Sie wollen ge' gabe anfangen, zu essen. ausgabe zu walten. Ich gehe, um die Tonnen im Keller fertig zumachen. Dann ſpüle ich Flaschen und Gläser. Sie und da zerbreche ich eins. Dann schimpft Herr Gaston. fie hei drucken und Rohrmöbeln. Hier haben nur Offis er ihr Onkel, der ihr Süßigkeiten ins Mündchen ziere Butritt, Flieger, Soldaten aus besseren Kreisen und Zivilisten, die, wenn sie den gewagten Gang gehen, an den Häusern hinhuschen wie die Ratten. stopft. Ihre Stimme ist frisch und klar. Aber ter, sprüht sie von Leben. lacht mehr, als daß sie spricht. Immer ist sie ter, sprüht sie von Leben. ( Fortsetzung folgt)] Nr. 284 Freitag, 3. Dezember 1937 Seite 3 sagt hat, man müsse alles daransetzen, daß„uns nicht nur Menschen geboren werden, sondern daß sic auch am Leben bleiben". Dieser humanistische Gedanke wird der„Zeit" ebenso fremd bleiben wie Herrn Konrad Henlein das Verständnis sozialer Probleme überhaupt. Nationalitätenproblem in der Republik unter dem großzügigen Gesichtspunkt höherer Staatsinter» essen anzupacken. legenheit den Verbindungsdraht von der Telephonzelle zum Mikrophon, so daß er interurban von der Telephonzelle auS nicht sprechen konnte. Daraufhin wurde er von dem Postmeister aufgefordert, in dessen Kanzlei zu kommen und von dort aus zu sprechen. Diese Aufforderung war daS Verhängnis für den Postmeister. Richter versetzte dem Postmeister einen Schlag von hinten über den Kopf. Es entspann sich ein Kampf zwischen Richter und dem Postmeister, der damit endete, daß Richter festgenommen und der Gendarmerie übergeben werden konnte. In der Verhandlung vor dem Schwurgericht betonte Richter immer wieder, daß er keine Tötungsabsicht gehabt habe, sondern daß er den Postmeister nur betäuben wollte. Die Geschworenen bejahten die Hauptfrage auf versuchten Meuchelmord mit acht Stimmen und die Zusatzfrage, ob der Angeklagte aus niederen Motiven gehandelt habe, mit 12 Stimmen, so daß Richter unter Berücksichtigung aller mildernden Umstände zu fünf Jahren schweren Kerkers und Wahlrechtsverlust verurteilt wurde. Er nahm die Strafe an. gezwungen werden. Es ist nicht wahr, daß die Leute, welche die Arbeit auf den Staatsforsten in der Nähe ihrer heimatlichen Scholle haben wollen^ heucheln müssen, daß sie tschechische Agrarier geworden find. Es ist nicht wahr, daß in den StaatSfdrsten die Leute zur Unaufrichtigkeit und zur Unwahrheit gezwungen werden. ES ist Nicht wahr, daß in den Staatsforsten besoldete Terroristen find. Es ist nicht wahr, daß die staatlichen Forstbeamten die Hitler-Henlein-Methoden kopieren. Es ist nicht wahr, daß die staatlichen Forstbeamten keine aufrechten Menschen, sondern charakterlose, unterwürfige Kreaturen wollen. Wahr ist vielmehr, daß die Behandlung der Arbeiter seitens der Organe der Staatsforste und Domänen in nationalen Hinsicht streng unpar- tisch ist. Bei Aufnahme in die Arbeit werden die Arbeiter weder nach der politischen noch nach der nationalen Zugehörigkeit gefragt. Stätni zastupitelstvt v Praze, dne 29. liswpadu 1937. Unterschrift unleserlich. > Die Spezialdebatte über die politische Bud- l getgruppe verlief am Donnerstag zunächst ziem- : lief) ruhig; das Interesse des Hauses hat beträcht- > lich nachgelassen. Dr. N euwirth(SdP) konstruierte«ine 1 neue Throne, daß die Auffassung vom Nationalstaat am Anfang berechtigt gewesen sei; diese Situation habe sich jedoch geändert, als sich die Minderheiten mit der Existenz des Staates abgefunden hätten. Jetzt müsse man mit ihnen den Staat auf der Grundlage der Teilnahme an der Macht teilen. Durch die Erfüllung des Proporzes sei die SdB nicht zu- ftiedengestellt: man müßte ihnen deutsche Beamte als kultu^lle Führer der Heimat zugestehen. Das sei auch der Hinttrgrund ihrer' Autdnomiefotoeruilaen. Stund a. ein Ungar, der der Agrarpartei an- gehört. polemisierte gegen die Brandreden der ungarischen Opposition, der er vorwirft, daß sie unermeßlichen Schaden angerichtet habe; sie ahme sklavisch die Methoden der SdP nach. Während der folgenden Reden von Berttetern der Sttibrnh-Gruppe und der Kommunisten kam es öfters zu scharfen Wortwechseln, die etwas Leben in das Haus brachten. Die radikalen Nationalisten vro- testietten wiederholt gegen den 18. Feber. Bemerkenswert war, daß sich der Agrarier P o z- d k I e k, also ein Klubkollege des Verteidigungsministers. mit den Härten des StaatSverteidigungSgesetzeS befaßt«. Er hob u. a. hervor, daß der Minister allen militärischen Kommandostellen den Auftrag erteilt habe, bei der Durchführung des Gesetzes, also bei der Beschlagnahme von Boden für Befestigungsarbeiten etc., den Betroffenen gegenüber g r L ß- ren Takt an den Tag zu legen. Redner regte an. daß dort, wo ein solcher Eingriff die Existenz deS betreffenden landwirtschaftlichenBetriebes bedrohe, der Staat den Besstz ganz aufkaufen und die betreffenden Familien auf den Staatsgütern ansiedeln sollte.. Zu großen Tumulten kam es am Abend, als der Sprecher des radikalen Flügels der Hlinka- partei, S i d o r, den Justizminister Dr. Derer wegen seiner Auslegung des Pittsburger Vertra- ges heftig angriff und im weiteren Verlauf seiner Rede.erklärte, es sei ja viel in der Slowakei getan worden, aber das alles seien oft nur Schritte zur dauernden Festigung der tschechischen Vorherr- Jagoda zum Tode verurteilt? London.(Eigenbericht.) Nach hier vorliegenden Berichten wurde Iag*od a, der früher« Chef der GPU, zum Tod« verurteilt. Staat und Volk In der letzten Folge der„Pkitomnost" beendet Abg. I a k s ch seine Artikelserie über das deutsch-tschechische Problem. In dem letzte» Artikel sagt ek u. a.: , Kn. einem nationalen Einheitsstaat läßt sich , die These vertreten, daß Staatsinteresse un> . Bolksintereffe absolut identisch sind. Auch dort ist sie nur bedingt richtig. Die Gegenwart bietet , genug Beispiele dafür, daß der zentralistische . Machtstaat zu einer schweren Bürde für das be- . troffene Volk werden kann. Bei Uns in der Tschechoslowakei ist das Problem in einem anderen Sinne zu klären. Es wurde schon in einem anderen Zusammenhänge gefügt, daß der tschecho- siowakifche Nationalstaatsbegriff, wenn er überdies als Rechtfertigung einer einseitigen nationalen Expansion dient, ein großes Hindernis für die Verwurzelung des Staatsgedankens in der deut, scheu Bevölkerung bedeutet. Die Identifizierung Ides Staatsinteresses mit dem nationalen Ervan- sionsintereffe des stärkeren Staatsvolkes muß in logisches Konsequez zu einer Gefährdung d«r nationalen Zufammenarbeit führen. Ich möchte in diesem Punkte meiner Ueberzeugung möglichst drastisch Ausdruck geben. Der deutsche AktiviS- mus darf sich um keinen Preis in die Rolle einer Fremdenlegion deS tschechischen Rationalismus I drängen lassen! Er hat als Idee und als politi- sche Erscheinung nur eine Zukunft, wenn er seine Kraft darauf konzentriert, eine Synthes« Mischen den Lebensinteressen der sudetendeutschen «Bevölkerung und dem gemeinsamen tschechischdeutschen Staatsinteresse zu schaffen. Soll das gelingen, dann dürfen aber die Tschechen und Slowaken, weder in ihrer Politischen Mentalität, noch Lin der Praxis den Staat für sich allein reklamieren. Man muß den Sudetendeutschen eine real« Funktion im Rahmen einer höheren übernationalen Staatskonzeption zubilligen. An diefer Stelle habe ich schon einmal in der Form eines Interviews ausgeführt, daß sich die Sudetendeutschen, die in ihrem sozialen Aufbau einen geschloffenen Volkskörper Larstellen, niemals mit der Rolle einer I„Minderheit" im Sinne der modernen völkerrechtlichen Terminologie abfinden werden. Ein ernstes Hindernis ehrlicher nattonaler Verständigung ist das gegenseitige Mißttauen, ebenfalls ein« ttaurige Erbfchast der Vergangen- I heit. Wie können wir uns von der Diktatur des Mißtrauens frei machen? Innenpolitisch gesehen, müßte die Jnitiattve dazu von tschechifcher Seife ausgehen. Die Tschechen sind das führende Staatsvoll, und sie tragen für die weitere Entwicklung auch die größere Verantwortung. Das gesamt- stäätliche Interesse verlangt eine politische Lösung der tschechisch-deutschen Frage. Gelingt eS, das Problem innerpolitisch zu lösen, dann haben Tschechen und Slowaken für ihre Posiition nichts zu befürchten. Sie sind der stärkere Partner und werden es in jeder parlamentarischen Konstellatimr sein. Bei ihrer zentralen wirtschaftlichen Stellung, ihrem populationistischen Vorsprung, bei der Jn- Die I tensität ihres kulturellen Lebens, können sich vor Unzulängliche Fliegerabwehr. Mittwoch I abends sprach in der Spezialdebatte als erster Redner der tschechische Sozialdemokrat S r b a» der die Verwaltungsbehörden wegen ihrer Untätigkeit auf dem Gebiete der zivilen Luftabwehr sehr scharf angriff. Der Zukunftskrieg werd« in erster Linie g e g e n die Z i v i l b e» ö l k e r u n g gerichtet sein, wie Spanien und China beweise». Wenn wir Festungen an der Grenz« bauen, so bedeutet das logisch eine Erhöhung der Fliegerangriffe gegen das Hinterland? Daher ist die zivile Kriegsfront genau so wichtig wie die eigentliche Kampflinie, und muß daher mit derselben Anspannung aller Kräfte und Mittel gehalten werden. Die Fliegerabwehr ist daher ein untrennbarer Bestandteil der Staatsverteidigung überhaupt und muß einer einheitlichen Leitung uiw Kontrolle unterstellt werden. Dar aller gibt es bei uns nicht. In zweieinhalb Jahren ist unsere Administrative nicht dazugekommen, auch nur die Grundvoraussetzungen einer zweckmäßigen Fliegerabwehr zu schaffen, nicht einmal dort, wo dazu kein Geld notwendig ist. In Prag gibt es Fliegerdeckungen nicht einmal für die großen Aemter, ja nicht einmal für daS Parlament. Die zuständigen Ministerien sind noch nicht einmal über den GaSmaSkentyp einig. England» Generalstab ausgewechselt London.(Eigenbericht.) DaS britische Kriegsmmisterium gab einschneidend« Aendern». gen in der Armeeführung bekannt. Generalstabschef Feldmarschall Cyrill D c o e r e l l, 63 Jahre alt, wird durch de« 51jährige« Generalmajor BiScount Gart ersetzt? der 64jährige Adjutant.General Sir Knox wird von dem 54jährige« Generalmajor G. Lindell abgelöst. Außerdem ging der 57jährig« Generalleutnant Sir H«gh Elles in Pension. Bon de« vier alten Mitgliedern des Generalstabs blieb Sir Reginald Martz alS Generalquartirrmeister i« Amt.- Gegen den Geist des 18. Feber Für die einige Hunderte zählenden Zöglinge des Militär-Real-Gymnasiums in M ä h r.-T r ü b a u wurde kürzlich von der Militärverwaltung die Vergebung der Friseurarbeiten ausgeschrieben. Aus Mähr.-Trübau hatten einige deutsche Friseure, darunter auch staatspolitisch verläßliche Leute, Offerte eingereicht; aber berücksichtigt wurde ein Mann aus dem weitentfernten Pardubitz, den man nach Mähr.-Trübau geschleppt hat. Eine derqxt eklatante Mißachtung des 18. Feber schafft selbstverständlich auch unter der staatstreuen Bevölkerung Verbitterung. Raubmordversuch: fünf Jahre Kerker Am 30. November stand der 26jährige Handlungsgehilfe Otto Richter aus Obergrund als Angeklagter vor den Geschworenen in Böhm.-Leipa wegen versuchten Raubmordes an dem Postmeister Vladimir V e t e s n i k.. Richter erhielt nach dem Tod« seines VaterS im Jahre 1931 20.000 Kd als Erbteil ausbezahlt und brachte das Geld durch kostspielige AutoauS- flüge, größere Bummelreisen und leichtsinnige Ausgaben„unter die Leute". Er verlor seinen Poste«, wollte aber das bisher gewohnte Leben weiterführen. Und so reiste der fürchterliche Entschluß in ihm, einen Ueberfall auf den Postmeister auSzu- führen und sich dadurch in den-Besitz eines größeren Geldbetrages zu setzen. Am 24. September 1937 erfuhr er, daß seine Mutter eint» größeren Geldbettag per Post aufgeben werde und er rechnete damit, daß an diesem Tage ein großer Geldbettag auf der Post zu holen sein werde. Richter i ging telephonieren und zerschnitt bei dieser Ge-1 Unglaubliche Methoden der SdP und der„Zeit“ Die„Zeit", die nach der Behauptung deS Abg. Rosche nicht das Organ der SdP ist, gibt in ihrer Ausgabe vom 3. Dezember die Reden ausführlich wieder, die die Abg. Dr. K ü l l n e r und Wollnerim Parlament über die angeblich unmenschlichen Methoden der tschechoslowa- kischen Polizei hielten. Der Bericht über diese Reden erscheint interessanterweise am gleichen Tage, da der erste Bericht über den sogenannten .Mutha-Prozeß" erscheint. Die Oeffentlichkeit wird von der„Zeit" herzlichst eingeladen, sich die Ansicht über das vorliegende Geständnis der An» gellagten auf Grund dieses Zeitungsberichtes zu bilden. Das übrige wird dann die F l ü ster- Propaganda besorgen. So soll der üble Eindruck des Prozesses von Böhmisch-Leipa auf die SdP-Anhänger paralysiert werden. Andererseits scheut sich die„Zeit" nicht, die Angeklagten von Böhmisch-Leipa in der schnödesten Weise zu behandeln. Während das tschechoslowakische Gesetz die verpflichtende Bestimmung enthält, angeklagtt Jugendliche auch dadurch zu schonen, daß man ihre Namen in Zei- ümgsberichten nicht nennt, gibt die„Zeit" die Namen dieser Jugendlichen preis, solcherart den Ruf und die Zukunft diefer Jugendlichen gefährdend und die wohllätigen Bestimmungen der tschechoslowakischen Gesetzgebung mißachtend! Kurz und gut, er riecht aus jeder Spalle der „Zett" nach Kameradschaftsbund! Marie Schweitzer gestorben. In Brünn starb am Donnerstag ganz plötzlich Marie Schweit zer, die Gattin Prof. Gustav Schweitzers, des Obmanns des Arbeitervereines„Kinderfreunde". Marie Schweitzer war eine überzeugte Sozia listin und eine eiftige Funttionärin in der„Ar beiterfürsorge". Ihr Tod erfüllt alle mit Schmerz. die diese gute Frau kannten. Dem schwergeprüf ten Gatten und Marie Schweitzers Schwester, der Gen. M a r e s ch, Brünn, wendet sich unsere Teilnahme zu. Die SdP-Beschwerde wegen Teplitz. Das Subkomitee des Jmmunitätsausschuffes befaßte sich am Donnerstag mit der Beschwerde der SdB wegen der Teplitzer Vorfälle. Die SdP will dabei bekanntlich noch etwas herausbekommen und verlangt die Feftstellung, daß die Immunität des Herrn K. H. Frank, des Stellvertreters Henleins, durch die Teplitzer Staatspolizei verletzt worden sei. Der Referent Dr. Neumann brachte den I Inhalt der beiden SdP-Beschwerden an den Ministerpräsidenten und an den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses sowie eine ausführliche Darstellung desJnnenministe« r i u m s zur Verlesung und beantragte, über die Angelegenheit eine General- und Spezial debatte, abzuführen,> was einmütig, genehmigt! wurde. In der verttaulichen Generaldebatte sprachen Dr. Neuwirth, Dr. Holota, Genosse| Zischka, Dr. Sokol und Dr. Clementis.£„ e........ Debatte wurde dann auf die nächste Sitzung ver-j^llE die Tschechen ohne Gefahr erlauben, das tagt, die schriftlich einberufen werden wird. slowakischen und tschechischen RegierungSabgeord- neten. In dem Sturm gingen die Ausführungen deS Redners fast unter, namentlich als er auch noch den Tuka-Prozeß in die Debatte zog und sich Tukas offensichtlich annahm. Die Koalitionsparteien gruppierten sich vor der Ministerbank und fchleuderten dem Redner immer wieder Pfuirufe entgegen. Er solle sich schämen, als Slowake derart zu reden. Die Situation wurde noch dadurch wesentlich verschärft, daß«in Klubkollege Sidors, der Vizepräsident S i v a k, den Vorsitz führte. Er ließ auch die schärfsten Ausfälle des Redners ohne Einwand passieren, rief dagegen einige der protestierenden Abgeordneten, darunter den Abgeordneten D u- b i c k h, Hur Ordnung. Das löste heftige Prottste gegen seine Amtsführung aus.' AIS er später— wie es heißt, auf eigenen Wunsch— von dem Vizepräsidenten K o s e k abgelöst wurde, wurde diefer Wechsel von den Opponenten mit demon« strativem Beifall begrüßt. Dem abtretenden Vorsitzenden klangen ironische Gütenacht-Rufe etc. nach. Wie man hört, sollen einig« tschechische Parteien das Verhalten Sivaks zum Gegenstand des Einschreitens beim Parlamentspräsidium machen.. Als Sidor nach Schluß seiner Rede wieder auf seinen Platz gehen wollte, brach ein neuer Sturm von Hanba- und Pfuirufen Kegen ihn los. Der nächste Redner, der slowakische Nationalsozialist Lukas, lehnte unter starker Zustimmung den Ton und die Art der Rede Sidors im Auftrag aller ftowakischen Koalitionsabgeord«eten auf das entschiedenste ab. *** Im krassen Gegensatz zu der«staatsmän- nischen" Rebe Dr. Neuwirts standen die Reden. zweier anderer SdP-Abgeordneten in der Spezial-\ dchatte. Köllner legte unter Anführung an- i geblich konkreter Daten gegen die Mechoden der Gendarmerie und der Staatspolizei im deutschen Gebiet unerhört scharf los, während W o l l n e r für den reichsdeutschen Rundfunk die harmonische Ergänzung durch„Elendsbildcr" aus sudeien-\ deutschen Krankenhäusern etc. lieferte. jj Meckerer .. Die„Zeit" verwendet den Raum, wo andere Blätter die aktuellsten und bedeutsamsten Pro bleme erörtern— nämlich dort, wo der Leitauf- fatz steht— dazu, um über das Gesundheits ministerium zu witzeln, daß es einige Beiräte für ivichjjge Fragen der Volksgesundheit geschaffen habe und daß der Minister Czech bei seinen Be strebungen zur Stärkung des Bevölkerungszu wachses nicht die Ratschläge der„Zeit" befolge, bie in einer„familienpolitischen Gesetzgebung" und Hinweisen auf„ausländische Beifpiele" be- strhrn. Der Gesundheitsminister hat— das kann I shm wohl auch nicht der politische Gegner be freiten— mit großer Offenheit und der chei ihm gewohnten Entschiedenheit auf die Bedeu- tung des Populationsproblems— zuletzt in sei- ncm Budgetexpose— hingewiesen und hat, um bie Mitarbeit von Wissenschaftlern und Fachleu« ten möglich zu machen, einen Beirat eingesetzt, ber das Problem klären und die geeigneten Maßnahmen dem Ministerium Vorschlägen soll. Das ist bei einem demokratischen Minister selbst verständlich, der die Zusammenarbeit mit allen Kreisen der Bevölkerung wünscht. Die„Zeit" "ber ist auf den Minister bös, weil er bisher,«och Sterilisationsgesetz vogelegt hat, das der "bg. Jilly gefordert hat, um zu zeigen, daß er Ein gelehriger Schüler Adolf Hitlers ist. Dottor Czech hat seiner Auffassung dahin Ausdruck_ hkgeben, daß er sich auf Masaryk berief, der ge-1 schäft. Hier kam es zu großen Proteststürmen der Knaiitiensstiinn gegen einen Hlinka-Mann Scharfe Zusammenstöße In der Budgetdebatte Presseberichtigung „Politischer Terror im Staatsforst s Deutsche als tschechische NuB-Asrarier“ Nst 3653/37 1 Der Inhalt des unter diesem Tstel in der Nr. 272 der periodischen Druckschrift.Sozial demokrat" vom 19. November 1937 veröffent lichten Artikels etnspricht nicht der Wahrheit. Es ist nicht wahr, daß in den Staatsforsten deutsche Forstarbeiter in die von den tschechischen Agrarien aufgezogene Gewerkschaft gepreßt wer den. Es ist nicht wahr, daß die Forstarbeiter, welche nicht bei der Gewerkschaft der tschechischen Agrarier organisiert sind, entweder überhaupt nicht, oder günstigenfalls nur vorübergehend in den Staatsforsten Arbeit finden werden. Es ist nicht wahr, daß ganzjährige Arbeit nur die Mit glieder der Gewerkschaft der tschechischen Agrar-[ Partei bekommen. ES ist nicht wahr, daß die staatlichen Forst beamten sich zu Zutreibern der tschechischen Agrar partei hergeben und daß die deutschen Holzhauer auf diese Weise zu tschechischen Republikanern er zogen werden. Es ist nicht wahr, daß auf den Staatsforsten die Leute zur Gesinnungslumperei Seite 4 Freitag, 3. Dezember 1937 Nr 284 Japan verhöhnt die ausländischen Mächte japanischer Truppen durch die Internationale Niederlassung Schanghai.(Reuter.) Die japanische Armee unternimmt am Freitag einen„Triumphmarsch" durch die Internationale Konzession, in der gegen drei Millionen Chinesen leben. Die ausländischen Behörden haben versucht, diesen Plan zu vereiteln, da sie Ausschreitungen befürchteten, doch blieben ihre Bemühungen ohne Erfolg. Es werden sechs Bataillone mit Artillerie, Panzerautos und Tanks durch die Stadt marschieren. Die Polizei trifft in beiden Konzessionen fieberhaft Vorbereitungen, um Zwischenfälle zu verhüten. — Wie halbamtlich mitgeteilt wird, werden die Japaner am 4. Dezember eine zweite Truppenparade veranstalten. Die Truppen werden in der französischen Konzession defilieren. Tokio.(Reuter.) Das Blatt„Asahi Shkm- bun" erklärt, datz die Uebernahme der Schanghaier Zollstatton durch die Japaner eine Angelegenheit fei, die direktzwischen Japan u n d China bereinigt werden müsse, da Japan die Intervention einer dritten Macht ablehnt. 100 km Im Rücken der Japaner Schanghai.(Reuter.) In der Umgebung von Tanjan ist es zu einer großen Schlacht gekommen. Die Chinesen unternehmen den der« zweifelten Versuch, dem japanischen Vormarsch Einhalt zu tun. Die Japaner verwenden hier in ausgiebiger Weise Bombenflugzeuge. Der Sprecher der japanische» Arme« bestätigte die überraschende Tatsache, daß mehrer« chinesische Abteilungen sich bisher in den Festungen bei Kiaugjin etwa 100 Kilometer hinter der ersten japanischen Linie halten. Donnerstag bombardierten japanische Maschinen diese Befestigungen.— Einer amtlichen Depesche zufolge haben chinesische Verstärkungen aus Setfchuan die Stadt Kwanteh zurückerobert, worauf sie um 20 Kilometer vorrückten. USA für China Washington, 2. Dezember. Dir Möglichkeit, daß Japan China den Krieg erklärt, könnte Einfluß auf daS amerikanische Reutrali- tätsgesetz haben. ES wird erklärt, daß Roosevelt vorläufig ein« Aenderung dieses Gesetzes nicht beabsichtige. ES will nämlich China ermögliche«, den Ankauf amerikanischer Waffen und Munition fortzusehen. Rach Information Washingtoner Kreise beabsichtigen die japanischen Behörden nach einer eventuellen Kriegserklärung die chinesische Küste z« blockieren. DaS könnte zn Verwicklungen zwischen Amerika und Japan führen,«eil die Bereinigten Staaten immer grundsätzlich dagegen waren, daß jemand amerikanische Schiffe aufhalten und durchsuchen dürfe. Frana Sramek Gewaltig ist die Welt. Du, Hasser der Gewalt, Hast Dich ihr nie gestellt. Dir bot Dein Menschentum Halt. „Siehe ein Mensch...* Noch bebt in uns das Wehe nach, DaS vorgeahnt, erlebt Aus Deinem Werke sprach. Doch auch die Süße steigt - Liebender Leidenschaft, Die nie Dein Vers verschweigt. Dein Vers voll milder Kraft. Wer sang wie Du der Frau Herrliche Allgewalt? Wer unsrer Heimatau Reife und Vielgestalt? Silberner Jugend Wind Färbt unsre Wangen rot. Noch fächeln Espen lind, Mond überm Flusse loht. Nun ist der Sommer Dein, Wandern im Frühlingswald. Juni tönt glockenrein. Brausendes Wehr verhallt. Weiterhin liebe Du Lebenslust, LebenSnot. Gönne Dir keine Ruh', Die Dir das Sein nicht bot. 129:32 für Belgiens neue Regierung Brüssel. Di« belgische Kammer hat am DounerStag die»roße politische AuSsprache über di« Regierungserklärung abgeschloffen. Bei der, Schlußabstimmung über das Vertrauensvotum wurden 129 Stimmen für und 32 Stimmen gegen die Regierung abgegeben. 4 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Attlee in Spanien London. Der Labour-Führer Attlee, der nach Spanien reiste, erklärt im„Daily Herold", Zweck seiner spanischen Reise sei, Informationen über di« militärische und wirtschaftliche Lage der spanischen Regierung aus erster Hand zu erhalten, das spanische Boll der aktiven Sympathien der englischen Labour-Parter zu versichern, d:e Wünsche, alles was in Kräften steht, zu tun, um das spanische Boll in seinem Kampf um die Demokratie, Freiheit und die soziale Gerechtigkeit zu unterstützen. Das spanische Boll kämpfe nicht nur gegen die reaktionären Elemente Spaniens, sondern gegen die gewalttgen Kräfte, die auch die Freihett Grotzbritaniens bedrohen. Eine offenbar au» reichlichen Fonds gespeiste Propaganda besteht gegen die Führer der spanischen Regierung. Antwort Valencias xufriedenstellend London. Das Blatt„Forkshire Post" glaubt, daß die Antwort der spanischen Regierung, die zwar grundsätzlich für die Abberufung der fremden Kämpfer aus Spanien ist, aber einige Aufklärungen verlangt, in London für zufriedenstellender als die Antwort der Regierung des Generals Franco angesehen wird. Madrid.(Ag. Esp.) 600 Kriegsgefangene, davon 50 Italiener, werden demnächst von hier nach Valencia gebracht und dort im Zentral- gefängnis oder seinen Filialen in der Umgebung untergrbracht werden. Ein Teil wird beim Bau der bald vollendeten Bahnlinie Madrid—Valencia beschäftigt werden.« Stockholm.(Ag. Esp.) 10.000 Schwedenkronen(76.000 XL) monatlich wird das Schwedische Hilfskomitee für Spanien zum Unterhalt der 200 spanischen Flüchtlingskinder im ehem. Militärspital Bayonne beisteuern. Damit steigt die Zähl der in Kolonien oder Familien in Frankreich untergebrachten und von Schwöen erhaltenen spanischen Kinder auf 600. Oie Familie des Fememörders Wien. Die Nachforschungen nach dem Führer der illegalen nationalsozialistischen Organisation Broymann, der im Zusammenhang mit dem nettesten Fememord, der in Reustift an Johan» Weichselberger begangen wurde, flüchtete, haben bisher noch z» keinem Ergebnis geführt. Auch der Vater deS Vreymann, ehemaliger DtattonSoorstand in Pinkafeld, ist verschwunden. Er wurd, vor einiger Zeit wegen verschiedener Unzukömmlichkeiten mit Amtsgeldern suspendiert und pensioniert und hat sich neuerlich in eine neue nationalsozialistische Affäre verwickelt. Auch die Schwester BreymannS wurde auS den Diensten einer burgenländischen Firma entlaffen, well sie das Ergebnis einer Geldsammlung veruntreute. Im Zusammenhang mit der neuesten Fememord-Aftäre wurden sechs Personen verhaftet. Den letzten Meldungen zufolge ist einer der Verhafteten, Adolf Gamauf, besonders kompro- mittirrt. Jugoslawische Agenten zu Franco London.(Eigenbericht.) Zu dem Dementi der jugoslawischen Regierung über die Anerkennung Francos durch sie erfährt man in London, daß Jugoflawien„bloß" Handelsagenten nach englischem Muster nach Franco-Spanien schicken werde. Wie Pertlnax es sieht London.(Eigenbericht.) Im„Echo de Paris" nimmt Perl in ar zu den mitteleuropäischen Problemen im Zusammenhang mit der Reise Delbos Stellung. Er schreibt u. a., daß das englische Kabinett noch schärfer als er, Pertinax, seinerzeit berichtet habe, gegen die zweiseitige Methode, die die Berliner'Regierung liebt, Stellung genommen hat. Chamberlain und Eden anerkennen, daß der französisch-tschecho- siowakische und der französisch-sowjettufsisch« Vertrag begründet sind. Sie sind der Ansicht» daß dir^Tschechchlowakek ein Hindernis für den Pangermanismus und den deutschen Drang nach dem Osten bildet und daß, wenn sie unterginge, das Hitlerreich vermutlich einen Weg zu allen Rohstoffen und Lebensmitteln, die ihm fehlen, eröffnet würde. Dagegen hat der britische Ministerpräsident Delbos ausgefordert, dem Prager Kabinett die Gewährung weitgehender Freiheiten an die Sudelendeutschen zu empfehlen, ihn aber ermächtigt, zu erklären, daß England sich an Mitteleuropa nicht desinteressieren könne. Die Sudetendeutschen sind aber durch drei Minister im Kabinett vertreten. Es ist schwer, sich vorzustellen, daß diese nicht die vollständige Gleichberechtigung in der Aufteilung der budgetären Vorteile herauSgeholl hätten. Der schwerwiegende Punkt ist die Henleinpartei, die zweifelhafter Loyalität ist, so daß die Regierung ihr bisher nicht das gleiche Berttauen entgegenbrachte, wie den anderen deutschen Parteien. Wenn Henlein das Mißtrauen über seine Beziehungen zu den Braunen Häusern'« Reich zerstreuen könnte, würden Benes und seine Minister es nicht ablehnen, mit ihm zu verhandeln. Es ist wünschenswert, datz dies klargestellt werde, und die englischen Minister haben daS anerkannt. Au» Grauen vor der Sezierens I Prag,(rb) Dienstag abends ereignete sich in der Prager Findelanstaü ein ungewöhnlicher Vorfall. Das vier Jahre alle Kind des Konstrukteurs Anton Reif, daS sich wegen schwerer Lungenentzündung bereits in Anstaltspflege befunden hatte, war von den Eltern vorzeitig heimgeholt, dann aber, als sich sein Zustand in bedrohlicher Weise verschlechterte, der Anstalt wieder überstellt worden. Als die Eltern am Dienstag abends sich nach dem Befinden des Kindes erkundigten, müßte ihnen sein Tod mitgeteilt werden. Dem Wunsch des Vaters, daß ihm die Leiche ausgefolgt werden möge, konnte nicht stattgegeben werden, da nach den Vorschriften ine ObduMion stattfinden mußte. Als Reif diesen Bescheid vernahm, riß er den kleinen Leichnam plötzlich an sich und flüchtete^mit der Kindesleich-, über die Gartenmauer, die jenes Objekt einfriedet. Die sofort alarmierte Polizei Konnte zunächst nur feststellen, daß Reif in seine Wohnung vorläufig nicht zurückgekehrt war. Donnerstag mittags wurde die Prager Polizei aus H o l e i sch e n bei Staab verständigt, daß sich Reif dort aufhalte. Inzwischen war auf Grund der Blättermeldungen über diesen Vorfall bekanntZeworden, daß sich Reif bei der Firma, wo er angestellt war, sein Gehalt und die fällige Singe den Psalm vom Leib» Singe daS Lied vom Weh, Künde uns Lieb' und Weib, Greif' uns ans Herz wie eh'! Hamsun des BöhmerlandS, Einsamer Troubadour, Spende, verschwende Glanz Unserer kargen Flur! Otto Pick. (Aus dem im Verlag Dr. Arthur Werner. Prag, erschienenen Gedichtbändchen„Preisungen"; Frana Sramek ist ein tschechischer sozialer Dichter.) Vierzig Jahr« tschechoslowakische Gewerk- schaftsveremigung. Sonntag, den 5. Dezember 1937, um 10 Uhr vormittags findet auf der Slawischen Insel in Prag eine Festversammlung dec gemeinsamen Landeszentrale der Tschechoslowa- kischen Gewerkschaftsvereinigung statt, lieber 40 Jahre wirtschaftliche und soziale Arbeit sowie üb-c die aktuellen Forderungen dieser größten Ge« werkschaftszentrale wird Abgeordneter Rudolf Tayerle-sprechen. Der Versammlung werde» auch ausländische Gäste beiwohnen.— Bei dieser Gelegenheit findet auch eine Ausstellung der Gewerk« schastspresse statt, auf der ein Ueberblick über die Gewerkschaftspresse des In- und Auslandes geboten werden wird. Die Ausstellung ist in den Räumen des GewerkschastShauseS in Prag I, Bartolomöjskä 14, 1. Stock untergebracht un'» wird täglich von 9—20 Uhr zugänglich sein, Eintritt XL- 1.50, Gewerkschaftsmitglieder 50 Heller. Dr. Krofta im Rundfunk. Heute, Freitag, wird Außenminister Dr. Krofta nach Beendigung des Abendkonzertes, um etwa 20.45 Uhr, über alle tschechoslowakischen Stationen sprechen. Die HalbjahrSferie» an den Volks-, Bürger-, Mittel- und Fachschulen werden vom 30. Jänner bis 6. Feber dauern. Dafür werden die Oster- und Pftngstferien etwas gekürzt werden. Die Verlängerung der Halbjahrsferien erfolgr zu dem Zwecke, der Schuljugend eine gründlichere Erholung in den Bergen zu ermöglichen. Explosion in der MunittvnSfatrik. Mittwoch abends ereignete sich eine heftige Explosion in der staatlichen Munitionsfabrik in Weltham Remuneration behoben hatte, wobei er sich dem Kassier gegenüber äußerte, daß er nach Holeischen fahre, um dort sein totes Kind beizusetzen. Ec hatte ein Paket unter dem Arm, in welchem sich Wohl die Kindesleiche befand. Dann nahm«c ein Mietauto und fuhr nach Holeischen, wohin ihm Donnerstag morgens seine Frau nachfolgte. Die Ehegatten zeigten einem dortigen Arzt das leblose Kind und gaben an. daß dieses während der Autofahrt gestorben-sei. Der Arzt, der keinerlei Spuren eines gewalttätigen TodeS feststellen konnte, stellte den Totenschein aus und einig« Stunden später wurde der kleine Leichnam auf dem Friedhof von Holeischen bestattet. Wie dir Erhebungen ergaben, wollten die Ellern unter keinen Umständen die Obduktion ihres Kindes zugeben und entschlossen sich daher zu der geschilderten Entführung. Dem Vernehmen nach wird dieses Vorgehen keine strafrechtlichen Folgen nach sich ziehen, wahrscheinlich aber«ine Bestrafung auf vcrwaltungSbehördlichem Wege. Wie sich herausstellte, ist die Ursache dieser Kindesleichen» entführung in dem Grauen vor der Leichenöffnung zu suchen, einem Grauen, daS in breiten Bollsschichten heute noch weit stärker ist als man mit Rücksicht auf die fortgeschrittene Bildung und Aufklärung annehmen sollte. Vie Leiche seines Kindes entführt Abbey in der Graffchast Effey(England). Die Explosion hat zum Glück kein Menschenopfer gefordert, jedoch großen materiellen Schaden verursacht. Die Ursache der Explosion bleibt rätselhaft. Das Kriegsministerium hat eine sttenge Untersuchung angeordnet. Sieben Bergarbeiter werden begrabe». Freitag, den 3. Dezember, findet in Chomle na Radnicku das Leichenbegängnis von sieben vo» den vierzehn in der Grube Ferdinand in Chomll am 25. April zugrunde gegangenen Bergarbeitern statt, die durch Wasser aus der Nachbargrube David überschwemmt worden ist. An dem Leichenbegängnis nehmen Vertreter der Behörden und für die Stadt Pilsen deren Bürgermeister Abg.-Pik teil. An der Bergung der restlichen sieben Bergarbeiter wird weiter gearbeitrt. „Station Nordpol" wandert nach Süden. Am 21. November war es ein halbes Jahr, daß auf dem Nordpol das erste Sowjetflugzeug landete und die Station Nordpol gegründet wurde. Das Eisfeld, auf dem die Station errichtet wurde, befindet sich in ständiger Bewegung und hat in dem abgelaufenen Hawjahr über 1000 Kilometer zurückgelegt. Das Eisfeld bewegt sich mit einer Geschwindigkett von 120 Kilometer pro Monat, d. i. ungefähr 4 Kilometer pro Tag. Die Richtung dieser Bewegung läuft vom Nordpol gegen die Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen. Die wissenschaftlichen Beobachtungen, die von den Forschern Papanin, Krenkel, und Fjedorow durchgeführt werden, find ungemein wichtig und bringen neue Erkenntnisse über die Verteilung des Golfstromes, über die Formation des Meeresgrundes usw. Diese Forschungen werden fiir die Sicherheit der Schiffahrt und Lustschiffahrt in der Antarktis und besonders für die Lufwerbindung der Sowjetunion über de» Nordpol nach Nordamerika große Bedeutung haben. „Entartete Kunst" sehr beliebt. Die Münchener Ausstellung„Entartete Kunst", die Mittwoch geschloffen wurde, ist in zwanzig Wochen von über zwei Millionen deutschen und ausländischen Besuchern besichtigt worden. Raonk Poncho« gestorben. In der Nacht zum Donnerstag starb im Aller von 89 Jahren der französische Dichter Raoul Ponchon. Er war Mitglied der Akademie Goncourt und einer der letzten Repräsentanten der Künstlerbohäme. Mit brennende« Kohlenbunkern traf Donnerstag der Fischdampfer„Thomas Tresher" im Hafen von Aberdeen ein. Der Dampfer hat 180 Seemeilen mit Feuer an Bord zurückgelegt. Di« Besatzung hatte 20 Stunden lang den Brant vergeblich bekämpft. Erst im Hafen konnte da- Feuer gelöscht werden. Konsul Damiani reißt auS. Die Polizei i» Jerusalem verhaftete den mexikanischen Konsul Damiani, der eine Reihe von Bettügereien verübte. Bei der Ueberführung auf die Polizeistation schützte Damiani Unwohlsein vor und bat, an die frisch« Luft geführt zu werden. Seinem Wunsche wurde entsprochen, doch nützte Damiani diese Gelegenheit au- und entfloh, wahrscheinlich über die Grenze. Pablo Casals im Rundfunk. Der berühntte spanische Cellist Pablo Casals wird Freitag' abends im tschechoslowakischen Rundfunk spielen. Ludendorff. Das Bullettn über den Gesundheitszustand des Generals Ludendorff besagt, daß der Zustand des Patienten auch weiterhin ernst bleibe. Irland heißt Eira. Die Regierung deS Freistaates Irland hat dem BLlkerbundSselre- tariat mitgeteilt, datz nach der irischen Verfassung, die am 29. Dezember in Kraft treten wird, der Freistaat amtlich irisch„Eira" und englisch nur.Lsreland" heißen wird. ES bleibt»arm. Auch Donnerstag war der gesamte Witterungscharakter noch unverändert- Im Zusammenhang mit einer ttefen Druckstörung, die derzeit über Frankreich liegt, strömt dem Binnenland noch immer milde ozeanische Luft zu. In Böhmen, wo die Bewölkung zeitweise abgenommen hat. stieg die Temperatur bis auf plus 10 Grad Celsius an. Verschiedentlich fällt etwas Regen. Nunmehr bildet sich eine neue Störung über dem Mittelmeer, deren Einfluß bei uni später, namentlich im Ostteil der Republik, zur Geltung kommen könnte.— Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegend bewölll, strichweise Niederschläge, mäßig warm, tri« scher Wind aus westlichen Richtungen. Auf den Bergen in den böhmischen Ländern wieder etwa! kühler.— Wetteraussichten für Samstag: Im Westen der Republik veränderlich und etwas kühler. Im Karpathengebiet umzogen mit N«ederschlagsneigung, später Erwägmung. Vom Rundfunk UnptaMMawertM MM dM> Proaramm«»: SamStag r Prag, Sender I: 7: Morgenmusik, 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 10.30 Schallplatten, 11.05: Salonorchester, 12.10: Operertenmusik. 12.85: Militärmusik. 14: Deutsche Sendung: Fröhlicher Wochenende, 17.55: Deutsche Sendung: Spottvorschau, 13: Heilere- Welttheater„Die schlauen Buben" von Re- ftroy, 18.45 Deutsche Presse 18.55: Deutsch« Aktualitäten, 22.15: Schallplatten, 22.30: Jazzmusik.—' — Prag, Sender Ur 14.20: Deutsche Sendung: Oskar Baum: Baltische Volkslieder. 14.55: Deutsche Press«, 18.15: Salonorchester.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Konzertstunde, 19.20: Rundfunkorchesterkonzert.— Kascha« 12.05: Schallplatten.— Mährisch-Ostrau 18: Blechmusik e S V 0 a 1 e C Mr. 284. Indien und Japan Von Ruth Körner In der Kette des britischen Imperiums ist Indien zweifellos das schwächste Glied. Denn mit dem 17. Jahrhundert, in welchem die in London refidierende und bald zu einer traurigen Bes rühmtheit gelangte Handelscompany die ersten Truppenstützpunkte und Faktoreien in Indien eingerichtet hatte, fämpften die Eingeborenen vers zweifelt gegen die Vorherrschaft der Engländer. Die Kämpfe arteten zu Striegen aus, nachdem Lord Clive, Sir Warren Hastings, Cornwallis, Wellesley und andere die niederländischen, französischen und portugiesischen Besitzungen bis auf faum nennenswerte Reste unterwarfen und mit den fragwürdigsten Mitteln ihre Macht auch in den inneren Provinzen des Landes zu befestigen ber suchten. Als 1857 offenbar wurde, daß die Res gierung Englands offiziell die Annettion der Halbinsel erstrebe, tam es zu dem von indischen Feudalherren unterstützten Sepoy- Aufstand. Er brach nach einer ungeheuer schweren Schlacht zusammen. Und 1858 verkündete der Gouverneur die Uebernahme der Verwaltung durch Königin Victoria von Britannien. Damit waren die Landesteile, welche die Company erobert hatte, zur Kronkolonie degradiert. Mit allen jenen indischen Regenten, die sich den Waffen nicht gebeugt hatten, wurden Verträge abgeschlossen, durch die auch diese unabhängigen Gebiete der Krone botmäßig gemacht wurden. Freitag, 3. Dezember 1937 AIR RAID PROGRESS Luftschutzschule auf Schienen Die englische Eisenbahngesellschaft hat dieser Tage einen Zug, bestehend aus zivek Wagen, in den Dienst gestellt, in dessen Räumen eine Luftschutzschule zur Ausbildung ihres Eisenbahnpersonals untergebracht ist. Der eine Wagen ist mit Gasschuß- und Gasvernichtungsapparaten ausgestattet, während der andere Wagen lediglich Lehrzwecken dient. Beamte der Eisenbahngesellschaft erhalten im Lehrwagen Unterricht im Gebrauch der Gasmasken. Ausland Großes WohnbauSeite 5 programm Roosevelts Washington. Präsident Roosevelt hat an den Kongreß eine Botschaft gerichtet, welche vor. allem die Belebung der Baubewe gung und die finanziellen Methoden zur Errei chung dieses Zieles betrifft. Der Präsident führt aus, daß in den Vereinigten Staaten in den näch ften fünf Jahren 3 bis 4 Millionen Wohneinheiten mit einem Aufwand von 12 bis 15 Milliarden Dollars gebaut werden müssen. Die Durchfüh rung dieses Programms zu fördern, wird Aufgabe des Privatkapitals sein, doch wird auch die Res gierung dadurch mitarbeiten, daß sie den Häuser faufenden Personen finanzielle Zuschüsse gewähren wird. In diesem Zusammenhang hat die Botschaft vor allem Erleichterungen des Hypothekarkredites im Auge. Als erster Schritt soll den Hypothekarbereinigungen eine Summe von 50 Millionen Dollars gewährt werden. Kein Anschluß an ideologische Blocks London. Im Unterhaus fragte der Abges ordnete Man der den Ministerpräsidenten, ob er eine Erklärung darüber abgeben könne, daß die britische Regierung ihre Politik weiterhin auf den Völkerbundspakt gründen perde. Chamberlain antwortete, er habe keineswegs den Wunsch, von der Politik, die britischerseits dies Abgeordnete Thurthie fragte Chamberlain bezüglich bekundet worden sei, abzuweichen. Der anschließend, ob er bei Gelegenheit des britischen Befuches in London dem französischen MinisterEs folgte eine lange Reihe von Aufständen, Revolten und von Streiks, die bald politischen Charakter annahmen. Allein der Kleinfrieg an Indiens Nord- und Westgrenze dauerte ungefähr zehn Jahre. Dann erhob Tilat seine Stimme und nach England abzuführen. wenn ferner England noch Geld oder andere Mittel zur Verfügung stelforderte ,, purna swaraj", die volle Unabhängigkeit aus seiner Wirtschaftsposition in Indien berdrängt len, sondern diese Gelegenheit benüßen, um seine bon England. Der Nationalfongreß, bis zu der wäre und wenn vor allem es nicht das volle Freiheit zu erlangen. Zeit eine Vereinigung von Intellektuellen mit dem Recht hätte, die Höhe der diversen Zölle entscheis den Abgeordneten Herrn Foot in London zur Fests präsidenten und dem französischen Außenminister Welche Resolution Ziel, Verbesserungen allgemeiner Art im Rahmen bend zu beeinflussen, wodurch es der Swadeshi ſtellung veranlaßte, daß auch in Indien der Welt- dargelegt habe, daß England nicht beabsichtige der gegebenen Verwaltung durchzusehen, erfaßte Industrie das Wasser abgräbt, so würde Indien friede gefährdet sei. die Bedeutung dieses Rufes und machte Tilats binnen turzer Zeit eine ganz ähnliche Entwicklung radikale Forderung zu seiner eigenen. Ein wenig burchmachen und einen vielleicht größeren Aufſpäter wurden Reformen eingeführt. Ihre Erschwung nehmen als selbst das Infelreich. Und weiterung versprochen. Und das Versprechen Indiens nationale Kreise suchten und fanden wiederholt, als England 1916 der Hilfe Indiens auf dem für sie vorläufig einzig möglichen Genicht entraten konnte. Az aber nach dem Frie- biet der Wirtschaft einen Kontakt mit Japan. densschluß Britannien zögerte, sein Wort zu halJapanische Maschinen wurden importiert. sich mit irgendeiner Mächtegruppierung zu iden Die Wirren in der Levante und im Jrat, in tifizieren, die sich gegen den Kommunismus rich Palästina der Kampf der Moslems gegen Eng- tet. Chamberlain antwortete, daß laut der ſeiland ,, in Indien die Bereitschaft der rund 75 Mil- nerzeit von Eden im Unterhaus abgegebenen Erlionen Muselmanen, ihren Glaubensbrüdern zu flärung die britische Regierung sich weder einem helfen, der neue Strieg an der Nordwestgrenze ge- antifommunistischen noch einem gen die Horden des Fakirs von Jpi, und schließ- antifaschistischen Block anschließen der Radikalen gegen die indische Verfassung ver- wisse. ten, tam es zu neuen Aufständen und Streifs. Hätte Mahatma Gandhi damals die Massen, die Japanische Berater zugezogen. Japanische Textil- lich auch der noch nicht völlig beigelegte Kampf werde, was die französische Regierung genau er attivierte, auch in den Kampf geführt, sie hät erzeugnisse überschwemmten die Märkte In schärfen außerordentlich die Lage. Wenn es der die Staragi- 18.25 Millionen Yards japaniKarachi diens. Im ersten Viertel 1935 tamen allein In Kürze: Wien. Vor dem Wiener Schöffensenat beranta ten zweifellos gesiegt. Denn das vom Krieg ge= schwächte England war machtlos gegen sie und unfähig, einer allindischen Revolution zu troßen. schen Textils nach Indien, was eine mengen nicht in sehr absehbarer Zeit gelingt, im Fernen Doch im entscheidenden Moment zog Gandhi sich mäßige Erhöhung um 92 und eine wertmäßige von Diten den Konflikt zu lösen, und Englands staatszurüd, verließ das Volk und seine Anhänger und rund 80 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal männischer Klugheit, im Nahen Osten sich zu vers worteten sich Mittwoch und Donnerstag zehn Nation die Idee der indischen Befreiung, die er als höchstes des Vorjahres bedeutete. Und schließlich wurde ständigen, so kann auch Indien zu einem ganz ge- nalsozialisten aus dem 10. Wiener Bezirk wegen in der Welt gepriesen hatte. Die Montague- zwischen Indien und Japan eine ganze Reihe von waltigen Problem werden, einer Bedrohung illegaler Propaganda. Acht Angeklagte wurden nach bon Blut gefloffen waren; blieben in ihrer ur reffenden Verträgen abgeschlossen, die ungeheuer sprünglichen Form in Kraft, die Militärs errich- dehnbar sind und eine Basis der fünftigen Zu teten herrschaft, das Volf versant in Apathie. bor allem im Punjab eine Gewalt fammenarbeit darstellen. Bon 1922 bis 1928 dauerte der Friede. Zwar scheint es im Moment, daß Indien an teilnimmt. ber Boykottbewegung gegen Japan Doch darf man jene tiefe Sympathie, welche die Heimatlose Großbritanniens und damit Europas. Man erhält für 100 Reichsmark Markmünzen 100 volnische Zloty 100 ungarische Bengö 100 Schweizer Franken 100 franzöfifche Francs 1 englisches Pfund schließlich auch 100 österreichische Schilling 100 rumänische Lei • Kč 618.660.528.50 16.10 503.50 550.50 656.95.95 140.87 1 amerikanischer Dollar 100 italienische Lire 100 holländische Gulden 100 jugoslawische Dinare 100 Belgas 28.35 120.40 1578.483.630.729.100 dänische Kronen 100 schwedische Kronen 61.30 Damit schließt der Roman. Er wurde vom dem Staatsschußgeseb zu sechs bis acht Wochen Ker fers berurteilt, darunter deren Führer Franz Ber ger. Die übrigen zwei wurden, freigesprochen. Rom. Der ungarische Nationalverteidigungsa minister General Roeder wird am 12. Dezember Rom besuchen und damit den Besuch erwidern, den heuer General Badoglio in Budapest abgestattet hat, Die Reise General Roeders nach Rom wird offi aiellen Charakter haben. Paris. Die vierte Flottendivision, bestehend aus den neuen Kreuzern Georges Leygues", ..Gloire" und Montcalm" hat am Mittwoch von Brest aus die Reise zu einer längeren Kreuzers fahrt nach Saigon( Indochina) angetreten. London. Der italienische Botschafter Grandt wurde Donnerstag nachmittags vom britischen Außenminister Eden im Außenministerium empfan gen. Bei dieser Zusammenkunft sollte der italienische Botschafter über den Standpunkt Frankreichs und Großbritanniens informiert werden, über dem man sich bei den Londoner Besprechungen zwischen den französischen und den britischen Staatsmännern ges einigt habe. stört zu Gott reden, ohne Angst und ohne Hast... Da plaßen auch schon die Scheiben mit furchtba Dann wurde, vom Parlament in Großbritannien, indischen Nationalisten dem Inselreich entgegen die Simon- Kommission bestellt. Und als Lord brachten, nicht für erloschen halten und außerdem Simon und sein Stab in Bombay landeten, um niemals vergessen, daß Indien trotz der Einfüh Indiens allgemeine Lage und außerdem die Mögs rung der neuen indischen Verfassung am 1. April lichkeit zu prüfen, Reformen einzuführen, kam es 1937 nur eine Möglichkeit erwartet, das britische zu neuen, gewaltigen Demonstrationen gegen och abzuschütteln. Wenn Englands Kräfte in England. Der Boykott wurde ausgerufen, hartals China einst gebunden sind( und wie man hört, ( non- violente Streifs) wurden gehalten, paj wurden bereits zwei Regimenter aus Indien nach five Resistenz und der aktive Widerstand wurde im China transferiert), so könnte Indien den Augenganzen Lande durchgeführt. Purna Stvarai" blid für gekommen halten, den letzten großen böllige Unabhängigkeit, war die Parole, Den Stampf zu wagen. Schon im Oktober 1934 er Höhepunkt erreichten allerdings die Kämpfe im schien eine Resolution, in der gesagt wurde: sollte Jahre 1930, als der Bericht der Simon- Kommis Britannien in einen neuen Krieg verwickelt wer fion bekannt wurde. Im Norden und im Süden, den, so wird Indien dem Empire weder Soldaten im Osten und im Westen Indiens kam es zu Auf ständen, Rebolten, zu Streifs und Widerfäßlich beide an den Schläfen grau, verbraucht, vom Leid.| bete. Hier, im Bethaus, war das wahre Vaters feiten. Sie wurden blutig unterdrückt. Die Ter schwerer Vergangenheit und blutiger Gegenwart land, die Heimat der Juden, hier waren sie bei roristen begannen ihre Tätigkeit. Zu Dußenden berhaftete man sie, verurteilte man sie zum Tod. Es standen immer neue auf. Mit Mühe blieb schen Familie. Der Vater hat eine Gastwirtschaft. Joffel, der tein Soldat ist, der nur seine Familie Pogrome. Heute bestimmt nicht, denn heute warent Jossel Fischmann ist der Jüngste der jüdi- gezeichnet und geschlagen. Die Frau stirbt, und Ihm. Da gab es teine Bauern, da gab es teine Britannien Herr der Lage. Joffel heiratet, betreibt einen Handel mit Haus- holen wollte, muß wieder hinaus ins Völkermor- die anderen mit sich selbst beschäftigt. Heute konn's Was schiebte diesen Revolutionären bor? geräten und muß oft die Bauern in ihren Dör den und weiß nicht wozu. Die Kinder aber was ten die Juden im Osten zum ersten Male unges Wie dachten sie, das Land zu leiten, wenn sie die fern aufsuchen. Manchmal kommt er blutend nach wird aus den zwei Kindern? Unabhängigkeit erkämpft hatten? Worauf stüßten hause. Denn man lebt in Galizien, in Strodh am fie ihre Pläne? Was gab ihnen die Zuversicht Strjy. Ringsum dampft das Land von demagos Echubberband deutscher Schriftsteller in Paris mit rem Knall. Alle verstummen, man hört nur das zu ihrer eigenen, auf diesem einzigen Gebiet noch gischer Judenheze, Pogromstimmung. Not und dem Heinepreis ausgezeichnet und heißt" Die dünne Pfeifen, das von irgendwo angeflogen pan war die Erfüllung aller Wünsche des indi- giert. So ist es nebenan im zaristischen Rußland, manns, erzählt aus eigenem Erleben, sieht alles sprengt worden war. Das Flehen konnte sich nicht schen Nationalismus. Japan hatte bewiesen, daß so auch im österreichischen Kronland Galizien. noch einmal mit den Kinderaugen, mit denen er erheben, es flatterte ängstlich, immer ängstlicher nale Kreise waren: das Vorbild Japans. Ja reaktionären Söldlingen gegen die Juden diri- Sein Dichter H. W. Kaz ist einer der Fisch- bet aus einem Städtchen, in dem eine Brücke ge mundung und ohne Zeitung" durch Europäer füdrussischen Stadt Kischinew flüchten, ihre Eltern der Kinder für die Komit der Dinge und mit der dunklen Bäumen der Karpathen. Es wird ewig eine farbige Bevölkerung sehr gut ohne Bevor- Lea, Jossels junge Frau, mußte als Kind aus der einst Not und Krieg sah, erzählt mit dem Sinn im Kreise umher. Es flattert noch heute über den sich behaupten kann. In Javan wurde aufgebaut. und Brüder wurden erschlagen. Die Industrie wurde entwickelt. Und zwar zu einer Höhe, die manchmal auch Europa in Er- Auch Joffel geht nach Amerika. Wenn er Fuß ge- Mischung von Komik und Ernst macht die beson Stellen erweist sich die Kunst des Autors, das staunen sette. Die Landwirtschaft gedieh. Um faßt hat, wird er seine Familie nachholen. Eines dere eigene Note des Buches aus und hebt es in Grauen ins Poetische zu wenden. reiches ermöglichten, kümmerte fich in Indien, nie- Weltkrieg hinein, wird in die österreichische Armee auch das Tragische seine drückende Schwere ver- manns. Zwanzig Jahre später folgte die zweite. mand. Man sah nur den Erfolg. Und man ver- gesteckt, an die Ostfront geworfen. Er kommt auch liert, Flügel bekommt und zu Poesie wird. Der Das Hakenkreuz wehte über Deutschland, einer glich. Auch Indien hat eine sehr mächtige heimis nach Strody, aber er findet dort nur die Trümmer Leser vergißt die Tragödie und geht mit den Ge- der Fischmanns, H. W. Kab, war jüngster Redaks sche Industrie. Auch Indiens Landwirtschaft ent- feines Hauses. Keine Spur von Frau, Kindern stalten. Die meisten sind kuriose Käuze oder sind teur der Welt am Montag" in Berlin geworden bom Dichter so gesehen; alle Episoden haben ein und außerdem organisierter Sozialdemokrat. Er widelt sich. Auch Jndiens junge Männer find und Eltern. Denn als die Ruffen kamen, wurden auch träftiges Leben, haben- bis zum Striege- gaging ins Eril, wusch in Frankreich Geschirr, hunStudenten und werden Techniker, Agrarier, Merate und Indien verfügt außerdem über die Fischmanns in den großen Flüchtlingsstrom lizisches Leben. Unter den Juden geht der Streit: gerte oft und schrieb zwischendurch dieses Buch. Gold, Eifen, hineingerissen. Joffels Frau wanderte mit den auswandern oder nicht. Die Seßhaften stehen ge- Man kennt das ostjüdische Milieu aus Schalom Roble, Erdöl usw. die Japan nicht in diesem Kindern durch Not, Hunger, Elend, schlug sich mit gen die mit dem Drang in die Ferne. Großmutter Asche Büchern. Der junge Stab tann sich neben Maße befibt. Und nicht zuleßt leben in Indien ihnen bis nach Sachsen durch. Hier findet sie Fischmann verehrt Deutschland. Dort hat ein dem großen Kollegen sehen lassen, Wer seinen Ros" berbalos und bereit ist, seine Arbeitskraft zuc Schüßengräben durften die Juden noch für ein bem Juden Nathan, dort müssen gute Menschen Auswanderung berstehen lernen. Der Leidensiveg 853 Millionen Menschen, deren größter Teil er etwas Hilfe, Menschlichkeit, Arbeit. In den Herr Lessing gelebt, der schrieb ein gutes Drama man offenen Herzens liest, der wird die oftjüdische unendlich viele Bodenschätze Viele der jüngeren Juden wandern aus. ( Verlag Allert de Lange). kommt. Ueber den Karpathen flatterte ein Ge= bitteren Jronie des Mannes, dessen harte Vergangenheit dichterisches Leben annimmt. Diese Wenn diese etvig Bedrohten in großer Not im Sinne der Unternehmer: besten Baterland sterben( für ein Vaterland, deſſen Fa- wohnen... -Bedingung zu verkaufen. Wenn wir, so fagen schisten fie später in Konzentrationslager sperr dort flattern. Die Flügel des Gebetes waren von Sprengstücken getroffen worden..." In solchen Das war die erste Emigration der Fisch " eines ganzen Volkes wird sichtbar, endlos und grau, und man fragt sich, wie sich die Welt der wenigstens die nationalbetonten Inder, durch die ten, ächteten, beraubten. berjagten). Der bittere find, dann finden sie sich im Bethaus zusammen. Dummheit wohl behelfen, wen sie für die Ueber Berwaltung nicht gezwungen wären, unseren Schluß der Geschichte: Jossel findet seine Frau Als die Kanonen des Krieges zu dröhnen begin- unseres Planeten wohl verantivortlich machen Reichtum in Form von Steuern und von Abgaben als Urlauber. Beide sind sie erst dreißig Jahre alt, Inen, versinkt die fleine Kirche im Geschrei der Ge- würde, wenn sie die Juden nicht hätte... rg. Geitr 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 3. Dezember 1937. Nr. 284 Deutsche Eishockey-Gesellschaft vor der Gleichschaltung? Man schreibt uns: Die breitere Prager Oeffentlichkeit Hat sich mit der DEHG wieder eingehender beschäftigt, seitdem sie ihren Platz verloren-und sich der Gemeinschaftsaktion der Prager deutschen demokratischen Turn- und Sportvereine angeschlossen hat. Was es tatsächlich mit diesem in eingeweihteren Kreisen etwas überraschenden Bekenntnis zur Demokratie auf sich hat, bewies die montägige Vollversammlung dieses Vereines, bei der sich eine starke Gruppe gegen die schon an und für sich alles andere eher denn rein demokratische Kandidatenliste des Vorstandes wandte und eine Gegenliste mit-er Begründung vorlegte, fie wende sich damit bloß gegen die Politifierung des Vereines und wünsche, daß er von rein sportlichen Gesichtspunkten aus geleitet werde. Die Ehrlichkeit dieser Erklärung geht schon daraus hervor, daß der Antragsteller Dr. Rosenkranz die vor einigen Monaten erfolgte Gleichschaltung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes mit dem Turnverband durchgeführt hat und dort nun den Posten eines Obmannstellvertreters bekleidet. Auch die Teilnahme von vier Leichtathleten der DEHG an dem berüchtigten »Tag der Erziehung" in Aussig spricht klar genug. Die neun Vorstandskandidaten schließlich, gegen die sich die Gruppe Rosenkranz aus„sportlichen Motiven" und aus„Angst vor Politisierung" gewendet hat, sind durchwegs verdiente Vereinsfunktionäre und gehören zum Teil zu den erfolgreichsten Sport- Hfeihiiaditsbüdtel 1' lern der DEHG überhaupt. Sie sind freilich daneben auch als aufrechte Demokraten bekannt und einige haben Großmütter, die fie- von vorneherein von der Teilnahme an einem„Tag der Erziehung" ausschließen. Roch durchsichtiger wird der ganze Vorfall durch den Umstand, daß sich der Großteil des abtretenden Vorstandes trbtz des beängstigenden Mitgliederschwundes mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat, noch vor der Generalversamm- lung 6V junge Leute aufzunehmen, nur weil sie aus Kreisen kamen, die den aktivistischen Parteien nahestehen. Wenn auch der Vorstoß der Gruppe Rosenkranz, die sich zum Großteil aus Leuten zusammensetzt, die nach bewährtem Muster erst im letzten Jahr in den Verein gekommen waren, nur teilweise von Erfolg begleitet war, so bleibt doch abzuwarten, wie sich die mit knapper Mehrheit durchgekommenen Demokraten zu ihrer Wahl verhalten werden und ob sie bei dem gegebenen Kräfteverhältnis und der undurchsichtigen Einstellung des Präsidiums ihre Anschauungen weichen überhaupt zur Geltung bringen können. Davon wird auch das Verhalten der demokratischen Oeffentlichkeit und der an der Gemeinschaftaktion beteiligten Vereine abhängen. Autozusammenstoß: vier Verletzte. Gestern früh stieß an einer Straßenkreuzung in Krö das Auto P25.810 des Wenzel Chrpa mit dem des Anton Persi'n aus Zizkov zusammen. Die beiden Wagen wurden fast völlig zertrümmert, drei im erstgenannten Wagen sitzende Personen leicht verletzt. Im zweiten Wagen erlitt die Frau des Chauffeurs, Mari« Persin, einen Bruch des rechten Beins; außerdem wurde ihr ein Zähn ausgeschlagen.. Die Rettungsgesellschaft brachte sie auf die Klinik Schlaffer. Ein Fassadenkletterer. Gestern wurde der 30- jährige, polizeibekannte Dieb Jan H o n s aus Prag III nach Pankratz eingeliefert. Bisher konnten ihm zehn in der letzten Zeit verübte Diebstähle nachgewiesen werden, die er auf den Altanen und Balkons der Familienhäuschen in Stkeschowitz begangen hatte. Hiebei hatte er wahllos alles— Kleider, Stiefel, sogar Blumentöpfe und Gießkannen— fortgeschleppt. Er war vor kurzem bedingt aus der Zwangsarbeitsanstalt entlassen worden. Brusttasche mit zwölf Brillant«, verloren. Vorgestern abends meldete der Inhaber des Juweliergeschäftes Karl Zahradnik aus Prag-Weinberge. Polskä 10, daß er in der dortigen Gegend kurz zuvor eine braune Lederbrusttasche mit Per- sonaldokümenten, und einer kleinen Papiersäckchen verloren habe, das zwölf kleine Brillanten im Werte von 6500 lii enthielt. Zwei Selbstmorde. Gestern vormittags trank die 22jährige'Köchin Anna Nemeth im Keller ihres Dienstgebers in Prag I in selbstmörderischer Absicht Lysol'und wurde in sterbendem Zustand auf die Klinik Schmidt gebracht. Der Grund der Tat ist unbekannt.— Im Zimmer eines Hotels in der Herrengaffe Nr. 16 wurde vorgestern abends der 64jährige Private Robert Kohn aus Liboe erhängt aufgefunden. Die Ursache der Tat ist unbekannt. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. AusflugszLge der Staatsbahnen. Vom 4. bis 8. Dezember Ausflug mit Tanzwagen zur Nikolo- Feier auf der Sokolbaude im Riesengebirge, Preis einschließlich voller Verpflegung 280 Kä. Abfahrt vom Wilsonbahnhof um 14.20 Uhr.— Der Sondermotorzug ins Riesengebirge fährt am Samstag, den 4. Dezember um 18 Uhr vom Wilsonbahnhof aus. In den Preis von 75 KL ist die Fahrkarte. Autobus, Frühstück und Versicherung eingerechnet. Fahrkarten und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof und bei der Kassa Nr. 13 am Wilsonbahn- hof, Telephon 883—35. Die Einsturzkatastrophe Im Prager Elektrizitätswerk Prag,(rb) Wie bereits mehrfach berichtet, brach am 8. Juni d. I. beim Umbau des Kesselhauses des Holleschowitzer Elektrizitätswerkes ein 22 Meter hohes Gerüst zusammen. Vier auf diesem Gerüst beschäftigte Montagearbeiter stürzten aus dieser Höhe ab. Drei von diese«, Werkmeister Ho- t o v e c und die Montagearbeiter Vogl und Killer. blieben tot, der vierte Verunglückte, ein gewisser Josef G r e s l. wurde schwer verletzt. Unter Anklage wegen des Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens wurden der Montage-Inspektor der Ceskomoravsta, Anton Brandt, der die Aufsicht über die Montagearbeiten führte und der als Magazinsarbeiter beschäftigt, gewesene Schlosser Franz Kratochvil, der das Holzmaterial für das Gerüst ausgegeben hatte, vor Gericht gestellt. Wie festgestellt worden war, waren die Balken' Und Brette, äuZ dse das Gerüst' errWhet wurde,'äst sind teilweise angefault. Der Montage-Inspektor verteidigte sich damit, daß die Prüfung der für den Gerüstbau bestimmten. Balken und Bretter nicht zu seinen Obliegenheiten gehört habe, welche Verteidigung von dem Strafsenat des GR Dr. Hruska allerdings nicht anerkannt wurde, der diesen Angeklagten vielmehr zu v°ier Monaten Arrest verurteilte. Was den' mitangeklagten Magazinsverwalter Kratochvil betrifft, so konnte dessen Verantwortung, daß- er den tödlich verunglückten Werkmeister Hotovec auf die fragwürdige Beschaffenheit de-^lzes aufmerksam gemacht, dieser aber auf dessen Verwendung bestanden hab«, nicht widerlegt werden, da der Kronzeuge bei dieser Katastrophe selbst den Top’ gefunden hat. Demgemäß wurde Kratochvil mangels Beweisen freige- sprochen..- 1'> Acht Jahre schweren Kerkers für einen Messerstecher Prag,(rb) Das gestrige Schwurgericht verhandelte unter Vorsitz des OÄR Dr. Novotny eine Anklage wegen Totschlags. Auf der Anklagebank saß der 25jährige, aus der Slowakei stammende Kutscher Stephan Aschengewand« n e r, der auf einem Gute in der Ortschaft Hod- kovice angestellt war. Am 2. August saß der Angeklagte mit seinen Arbeitskollegen in der neunten Abendstunde auf einer Bank des Dorfplatzes, als einige junge Leute, angeblich in angetrunkenem Zustand, auf Fahrrädern des Weges kamen und mit den zum abendlichen Plauderstündchen versammelten Männern auf dem Dorfplatz Händel suchten. Im Laufe der Auseinandersetzungen erhielt der Angeklagte vo« einem gewissen Jan Hrädek eine Ohrfeige. Aschengeschwandner geriet über diese tätliche Beleidigung außer sich, rannte in sein Quartier, wo er ein ihm gehöriges sogenanntes»Skaut- meffer" aufraffte und lief dem Beleidiger nach, der vergeblich zu entkommest suchte. Der Angeklagte rannte dem Hrädek das Messer von rückwärts mit aller Kraft in den Rücken, riß dann die Waffe aus der Wunde und machte Miene, sich auf die anderen Gegner zu stürzen; die entsetzt flüchteten. Ehe er weüeres Unheil anrichten konnte, wurde der Gewalttäter entwaffnet. Der Angestochene wankte bis zu dem nahegelegenen Gasthaus und bat dort um Hilfe. Der Gastwirt entgegnete ihm aber; daß „ei« Wirtshaus kein Krankenhaus" sei und trug den Röchelnden ins Freie, um ihn in den Straßengraben zu legen, wo der tödlich verletzte Hrädek nach kurzer Zeit verblutete. Ms dieses Detail im Zuge des Beweisverfahrens zur Sprache kam,' äußerte der Vorsitzende des Schwurgerichtshofes seinen gerechten Abscheu vor einer solchen Handlungsweise. Im übrigen stellte sich heraus, daß der Angeklagte als gefährlicher Gewalttäter.iy seiner slowakischen Heimatgemeinde allgemein gefürchtet war, so sehr gefürchtet, daß er sich durch allerlei Drohungen allgemeinen freien Eintritt zu den Tanzunterhaltungen der Umgebung zu erzwingen wußte. Er ist auch wegen Gewalttätigkeitsdelikten mehrfach vorbestraft. Die Verhandlung dauerte bis in die vorgerückten Nachmittagsstunden. Der Wahrspruch der Geschworenen erkannte den Angeklagten des Verbrechens des Totschlages einstimmig schuldig, worauf der Schwurgerichtshof ihn unter Be- rücksichtigung der überwiegenden belastenden Umstände ohne Anwendung des außerordentlichen Milderungsrechtes im Rahmen des gesetzlichen Strafausmaßes zu acht Jahren schweren und verschärften Kerkers verurteilte. Iümst und Mssen, Madame Butterfly, Giacomo PucciniS beliebteste Oper, wurde vorgestern am Prager Deutschen Theater in deutsch-italienischer Fassung gegeben. Nämlich: Christina Eftimia- d i s, die neuverpflichtete, zum ersten Male stch hören und sehen lassende Sopranistin, sang ihr» Frau Schmetterling italienisch, die übrigen Mitwirkenden aber sangen ihre Partien je nach Möglichkeit und Artigkeit deutsch oder italienisch. Die sprachliche Problematik dieses Operndebüts der jungen, hochbegabten griechischen Sängerin, zeigt uns leider allsogleich die Problematik ihrer Verpflichtung. An einer deutschen Opernbühne kann nur eine ihr Repertoir deutsch beherrschende Sängerin richtig und zweckmäßig beschäftigt werden. Für einen italienisch singenden, auf ein paar wenige Rollen angewiesenen Opernstar— sei er auch noch so leuchtend— hat unser Theater weder Platz noch Geld. Ein Opernstar, ein künftiger jedenfalls, ist Christine Eftimiadis zweifellos. Nicht nur ihre Stimme an sich ist außergewöhnlich schön und groß, von bestrickender Süße des Nianotons und von mühelos aufblübender Leuchtkraft der Höhe und des Fortes, sondern auch ihre Kultur ist außerordentlich, in der Phrasierung, im Ansatz, in der Atemtechnik und i? der idealen Bindung des Tones, die Künstlerin befähigend, jedem VortragSauSdruck gerecht zu werden. Auch eine intelligente und warmherzige Darstellerin ist Fr. EftimiadiS, wenn auch manches noch eingelernten Eindruck macht. Auch Musikalität ist da. wenn auch.eine noch sehr Sötn Ktpkllitidlfiek MyaWge. Der. Etfolg der Künstlerin beim Publikum war ebenso groß wie echt. S. I. Arbcitcrvorstcllnng Gastspiel Gisela Werbezirk in dem BolkSstück„Der goldene Kranz", am Sonntag, den 12. Dezember, um halb 3 Uhr nachmittags. Karten täglich von 9 bis 12 und 2 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Deutsche Musik-Akademie. Interner Abend, Montag, den 6. d., IS Uhr, Lhzeumsaal. Werke von Reichs, Mozart, Weber, Schumann. BrahmS, Reger, Strauß u. a. Spielplan des Deutschen Theaters. Freitag halb 8 Uhr: Madame Pompadour. D.— Samstag halb 8: Die Fledermaus. Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 3: Parkstraße 13, halb 8: Der König von Uvetot, B 2, Erstaufführung. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr: Drei Akte mit Musik, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Reisebekanntschaft,(Firma)— Sonntag 3 Uhr: Acht Ruder im Takt, 8 Uhr: Drei Akte mit Musik. Der Dlm Das Doppelverbrechen auf der Maginot-Llnle Ein französischer Spionagefilm, dessen schauriger Titel jn Gegensatz zu seiner beinahe noblen Machart steht. Gewiß: es geschehen hier düstere Dinge in der phantastischen unterirdischen Festungslinie an Frankreichs Ostgrenze. Ein Kommandant (der vom.Zweiten Büro", vom Spionage-Abwehr- dienst kommt) wird im unterirdischen Aufzug während einer Inspektion erschossen, ein alter Hauptmann(der einst im Rheinland eine Deutsche heiratete und fich damit die Karriere verdarb) gerät in schwersten Verdacht, in seiner Wohnung schleicht der Täter umher und öffnet den Gashahn, und die Hauptmannsfrau(jene Deutsche, die allerdings ihre Muttersprache verlernt zu haben scheint, während der spionierende Oberleutnant Künneke sie wenigstens gebrochen spricht) empfängt unheimliche nächtliche Besuche. Der Regisseur Felix G a n» der hat auf die spannenden Effekte de« Spionage- Kriminalistik nicht verzichtet, aher er hat sich die Mühe gemacht, sie in ein System zu bringen, in dem die Psychologie und die Kombination Platz haben. Selbst die aufregenden und unwahrscheinlichen Ereignisse gehen hier außerdem mit einer gewissen militärischen Exallheit vor fich, und der Hauptdarsteller Victor Franken ist eindrucksvoll in seiner Beherrschung. Er spielt den verdächtigen Hauptmann(der dann den Kampf mit dem Spion aufnimmt) mit sparsamen Zügen der Menschlichkeit, des Leids und der Entschlossenheit. Seine Partnerin Pera K o r e n e hat weniger Möglichkeiten, wirkt aber d".rch vornehme Zurückhaltung. Charlie Cha« i« dem Film„Charlie Cha« aaf dem Broadway". Der Film endet ritterlich: vor der Leiche dek deutschen Spions salutieren seine Gegner, und selbst der Mord, den er beging, wird als Pflichterfüllung anerkannt, ebenso wie die verräterische Hilfe der deutschen Frau des französisch«» Hauptmanns. Aber hinter dieser bestechenden Ritterlichkeit verbrigt sich die gefährliche Anschauung, daß ein Kampf zwischen Deutschen und Franzose auf Tod und Leben Pflicht sei. Dieser französisch« Film, in dem als deutsches Signal das Horst-Wek- sel-Lied gepfiffen wird, hat viel vom FatalisnwS jener, die Hitlers Parolen als bindend für jede» Deutschen erachten.—eis— Vecemanacftricftlen- K inderfreunde, Prag. Montag, den 6. Dezember, im Parteiheim Handwerkerheim, SmeLka 28. um 7 Uhr abends wichtige Ausschußsitzuns Tas Srmeftertreffe» des Freiheitsbundes deutscher Hochschüler, der Deutschen Studentenzeituni und der Freien Jugend unter dem Motto„D ak freie Wort"—.Lkimm deutsche Juoend unser Lied in Schutz"(Herwegh)(aus dem Programm! Arndt. Büchner, Th. Mann. Mozart usw.) findet am 3. Dezember 1937, pünktlich um 8 Uhr. im kleinen Saal der Unitaria, Prag I, Anenskä 5. statt. Zum Tanz spielt Dolfi Langer. Mitteilungen aus dem Publikum.' Ob der Nikol» Aut« fährt? Allem Anschein nach ja. Denn er interessiert fich jetzt sehr für die gleitsicheren Auwreifen bei Baka. Eigentlich ist dies noch kein Beweis. Denn dann müßte er sich doch auch mit Kinderspielen befassen, wo er doch ebensolches Inter-.' esse für Baka-Gummi-Spielsachen hat. Es wird wohl nichts anderes sein, als sein BestrÄen, allen Menschen, die er beschenken wird, die größte Freude z» bereiten. Darum hat er jetzt größtes Jmereffe fist Baka-Auwreifen und Gummi-Spielsachen! Der Nikolaus als Gentleman? Er trägt zwat keinen schwarzen Bart, auch keinen Smoking und Lackschuhe, doch überrascht er diesmal alle Frauen, die Wert darauf legen, ihre Beine vorteilhaft be- strumpst zu wissen, mit wasserdurchfichttgen, hauch», dünnen Baka-Sirümpfen. Denjenigen Damen, di« sehr brav waren und nie ärgerten, bringt er noch ei» Paar herrlicher Baka-Schuhe. Der Rikol» hat seinen Urlaub verlängert! Ja, ti hat jetzt Bata telegraphisch mitgeteilt, daß er noch i» der himmlischen Sommerfrische zu bleiben gedenk«! Diesmal wird er knapp vor dem Nikolotage komme»,' weil es sich nämlich erübrigt, früher da zu sein. Bat« schickt ihm jetzt immer eine Musterkollettion der neuen: Bata-Erzeugnisse und erspart so dem Nikolaus di«, große Arbeit mit dem Aussuchen. Ob eS nun Schuh«,‘ Strümpfe, Socken, Hausschuhe, Pneus find oder der st beliebte Gummi-Fußbodenbelag Zlinolit. Urania-Kino, Klimentskä 4. Fernsprecher 61623. T ovvrlvro-iramm: Brei süOe Mädels in deutscher Premiere mit der 14>äbr. Des«, DsrAt». Dazu Gaftfviel Christi Kiliv vom Neuen Deutsche« Theater, der lleinltea Ballerina. Aktualita-Premiere. Normale Preise. 6 und 140 Uhr. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS Hau? oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—. vierteljährlich Kö 48.—. halbjährig KC VS.- ganzjährig I« 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst, berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.- Rückstellung:on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfranka-ur wurde vou der Post« und Tel«» graphendirellion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.(Kontrollpostamt Praba 25.— Druckerei:„Orbis". Druck«, Verlags« und Zeitungs-L.«G. Prag.